Verbündete im Wettbewerb - Neue Formen der Kooperation im Zuge der Exzellenzinitiative, dargestellt am Beispiel des Karlsruher Instituts für ...

Die Seite wird erstellt Damian Schlegel
 
WEITER LESEN
Verbündete im
Wettbewerb
Neue Formen der Kooperation
im Zuge der Exzellenzinitiative,
dargestellt am Beispiel des
Karlsruher Instituts für Technologie

Meike Rehburg
INHALT

                                                     1.   Einführung                                                                       7
                                                     2.   Die Exzellenzinitiative an deutschen Hochschulen                                 9
                                                          2.1   Vorgeschichte                                                              9
                                                          2.2   Das Förderprogramm                                                        10
                                                          2.3   Durchführung des Programms und Förderentscheidungen                       11
                                                          2.4   Stellenwert von Forschungskooperationen in der Exzellenzinitiative        12
                                                     3.   Neue Formen der Kooperation am Beispiel des KIT                                 13
                                                          3.1   Die beteiligten Einrichtungen                                             13
                                                     		         3.1.1   Universität Karlsruhe (TH)                                        13
                                                     		         3.1.2   Forschungszentrum Karlsruhe GmbH                                  15
                                                          3.2   Der Verbund: Das Karlsruher Institut für Technologie                      16
                                                     		         3.2.1   Entstehung des KIT-Modells                                        16
                                                     			                Reformgedanke, Memorandum und Zukunftskonzept                     16
                                                     			                Leitbilder                                                        17
                                                     		         3.2.2   Beginn der Umsetzung                                              17
                                                     			                Eckpunktepapier, Gesamtkonzept und Gründungsvertrag               17
                                                     			                Rolle der Boston Consulting Group                                 18
                                                     			                Finanzielle Grundlagen                                            19
                                                     			                Rechtliche Grundlagen                                             19
                                                     			                Zeitrahmen und erste Schritte                                     20
                                                     		         3.2.3   Zukünftiges Profil des KIT                                        20
                                                     			                Anspruch                                                          20
                                                     			                Ziele und Funktionen                                              20
                                                     			                Organisation und personelle Aufgaben                              21
                                                     			                Die Bereiche Forschung, Lehre und Innovation                      21
                                                     			                Studienangebot und Studierendenauswahl                            22
                                                     			                Finanzierungsformen                                               23
                                                     		         3.2.4   Vergleich mit den internationalen Vorbildern ETH Zürich und MIT   23
                                                     			                Finanzielle Situation der drei Einrichtungen                      23
                                                     			                Zahl der Studierenden, Forschenden und Lehrenden                  24
                                                     			                Kriterien für die Stellung im internationalen Wettbewerb          25
                                                          3.3   Zusammenfassung und Bewertung                                             25
ISBN: 978-3-89892-796-3                              		         3.3.1   Das Profil der neuen Einrichtung                                  26
1. Auflage
                                                     		         3.3.2   Die Grenzen der Verschmelzung                                     26
Copyright by Friedrich-Ebert-Stiftung
Hiroshimastraße 17, 10785 Berlin                     		         3.3.3   Der Mehrwert der Verbindung                                       27
Stabsabteilung
                                                     4.   Andere Beispiele für strategische Verbünde                                      29
Redaktion: Marei John-Ohnesorg, Anna Maria Kellner
Satz & Umschlag: minus Design, Berlin                5.   Fazit und Ausblick                                                              33
Druck: bub Bonner Universitäts-Buchdruckerei
Printed in Germany 2007                              6.   Quellen                                                                         35
1.
                                                                                 EINFÜHRUNG

In Deutschland gibt es an vielen Stellen, in zahl-      es die betreffenden Wissenschaftler, die sich Koope-
reichen Fachgebieten und in vielfältiger Form Ko-       rationspartner gesucht haben, um Verbundprojekte
operationsbeziehungen zwischen Hochschulen und          durchzuführen. Auch die Zusammenarbeit mit der
außerhochschulischen Forschungseinrichtungen,           Industrie erfolgte größtenteils im Zuge genau de-
oft schon seit Jahren und Jahrzehnten. Allerdings       finierter Projekte und Zielsetzungen, bezogen auf
gab es in der gleichen Deutlichkeit, mit der die        bestimmte Fachbereiche und die dort verankerten
Zusammenarbeit praktiziert und geschätzt wurde,         Forscherinnen und Forscher. Mit der Exzellenzinitia-
bislang die formale Trennung der beiden Bereiche,       tive ist nun eine besondere Form der Kooperation
die so genannte „Versäulung“ im deutschen Wis-          aktuell geworden: der Verbund einer Universität
senschaftssystem.                                       mit einer außeruniversitären Forschungseinrich-
                                                        tung, und zwar auf der Ebene der gesamten Einrich-
Auf der einen Seite stehen die Hochschulen, deren       tungen. Solche größeren Verbünde sind in Zeiten des
Aufgabe sowohl in der Lehre, also der akademischen      zunehmenden Wettbewerbs um Finanzmittel, vor
Aus- und Weiterbildung der Studierenden, als auch       allem aber um die besten Studierenden, Lehrenden
in der Forschung liegt, welche wiederum weit ge-        und Forschenden, offensichtlich für beide Seiten
fasst ist: von der Grundlagenforschung über die         sehr attraktiv. Die Zusammenarbeit auf breiterer
anwendungsorientierte Forschung bis hin zur ex-         Ebene verschafft den Institutionen aber nicht
perimentellen Entwicklung. „Traditionell“, so heißt     nur Vorteile im Exzellenzwettbewerb, sondern sie
es im Bundesbericht Forschung, „bilden die Hoch-        führt dazu, dass die vormals strikte Abgrenzung
schulen das Rückgrat des deutschen Forschungs-          der Hochschulen von den außeruniversitären For-
systems“.1 Auf der anderen Seite finden sich die        schungseinrichtungen aufgelöst wird oder dass zu-
staatlich finanzierten Institutionen und Organisa-      mindest die Grenzen fließender werden.
tionen, die Forschungs- und Entwicklungsaufgaben
bearbeiten. Dies sind vor allem die Einrichtungen       Dabei waren bisher die Hochschulen und staatlich
der Max-Planck-Gesellschaft (MPG), der Fraun-           finanzierte Forschungsorganisationen in Deutsch-
hofer-Gesellschaft (FhG), der Helmholtz-Gemein-         land sicher kein Gegensatz. Die komplexe Auf-
schaft Deutscher Forschungszentren (HGF) und            teilung der Verantwortlichkeit für das Bildungs-
der Leibniz-Gemeinschaft (WGL). Daneben gibt es         wesen jedoch hat die Zusammenarbeit von Bund
eine Reihe von Bundes- und Landeseinrichtungen,         und Ländern in Fragen der Exzellenzförderung
die spezielle Aufgaben in der Forschung und Ent-        sowie die Kooperation der größtenteils vom Bund
wicklung übernehmen. Insgesamt sind die außer-          finanzierten Forschungszentren und der landesfi-
hochschulischen Forschungseinrichtungen, so die         nanzierten Hochschulen in der Vergangenheit er-
Aussage im Bundesbericht Forschung, „in hohem           heblich erschwert. Auch haben die jüngsten Ent-
Maße auf leistungsstarke Hochschulen angewiesen         wicklungen in der Föderalismusdebatte nicht dazu
– als Ausbildungsstätten für den Nachwuchs, als         beigetragen, die Annäherung akademischer und
breite Plattform verschiedenster Disziplinen und        außerhalb der Hochschulen eingerichteter For-
Forschungsformen, sowie als Kooperationspartner         schungsorganisationen zu vereinfachen. Dennoch
in ausgewählten Forschungsgebieten“.                    setzt sich angesichts des zunehmenden Wettbe-
                                                        werbsdrucks heute bei allen beteiligten Parteien die
Wenn bisher von der Kooperation zwischen Hoch-          Auffassung durch, dass die gezielte Bündelung von
schulen, insbesondere Universitäten, und außer-         Ressourcen, wie sie in den neuen Verbindungen
universitären Forschungseinrichtungen die Rede          von Universitäten und Forschungsinstituten vor-
war, meinte dies fast ausschließlich die Zusammen-      genommen wird, als wichtiger Schritt auf dem
arbeit von Personen auf der Ebene der Lehrstühle,       Weg zu einem exzellenten Wissenschaftssystem in
Institute und Abteilungen. Im Wesentlichen waren        Deutschland zu sehen ist.

1   Vgl. BMBF 2006: Bundesbericht Forschung, S. 28ff.

                                                                                                  Einführung   7
In der vorliegenden Studie werden die neuen For-
men der Kooperation zwischen Hochschulen und
                                                                               Dabei werden Chancen und Probleme einer sol-
                                                                               chen Kooperation beispielhaft aufgezeigt und of-
                                                                                                                                                                                                                  2.
außeruniversitären Forschungseinrichtungen am                                  fene Fragen benannt. Aufgrund der Dynamik der                                                             Die Exzellenzinitiative an
Beispiel der Zusammenarbeit der Universität und                                Entwicklungen im deutschen Wissenschaftssystem                                                              deutschen hochschulen
des Forschungszentrums Karlsruhe unter dem                                     kann diese Studie noch keine systematische Analy-
Dach des Karlsruhe Institute of Technology (Karls-                             se bieten; sie dient vielmehr als Anregung zur wei-
ruher Institut für Technologie, KIT) beleuchtet.                               teren Diskussion.

                                                                                                                                                                                                                                                                      2.1
                                                                                                                                                                                                                                      Vorgeschichte

                                                                                                                                     Die gezielte Förderung herausragender wissenschaft-            nannt.3 Im Entwurf war vorgesehen, den Wettbewerb
                                                                                                                                     licher Leistungen an deutschen Hochschulen ist seit            noch während der laufenden Förderung erneut aus-
                                                                                                                                     Jahren ein Thema in bildungs- und wirtschaftspoli-             zuschreiben, um eine „positive Leistungsspirale“ in
                                                                                                                                     tischen Debatten. Anfang des Jahres 2004 verfasste             Gang zu setzen.
                                                                                                                                     der Vorstand der SPD die „Weimarer Leitlinien“, in de-
                                                                                                                                     nen es hieß: „Wir brauchen neben einer höheren An-             In den folgenden Monaten wurde dieser Entwurf viel-
                                                                                                                                     zahl von Hochschulabsolventen auch eine stärkere               fach und leidenschaftlich debattiert. Dem Modell, ge-
                                                                                                                                     Förderung von Spitzenleistungen. Wir wollen die                samte Universitäten zu fördern, wurde insbesondere
                                                                                                                                     Struktur der Hochschullandschaft so verändern, dass            seitens der unionsregierten Bundesländer, aber auch
                                                                                                                                     sich Spitzenhochschulen und Forschungszentren                  von Seiten der großen Wissenschaftsorganisationen
                                                                                                                                     etablieren, die auch weltweit in der ersten Liga mit-          der Vorschlag entgegengesetzt, einen „Elitecampus
                                                                                                                                     spielen und mit internationalen Spitzenhochschulen             Deutschland“ zu entwickeln, in dem vor allem die
                                                                                                                                     wie Harvard und Stanford konkurrieren können.“2                Exzellenz auf der Ebene der Fakultäten und Fach-
                                                                                                                                                                                                    bereiche gefördert werden sollte. Auch in den Ge-
                                                                                                                                     Die damals amtierende Bundesministerin für Bildung             genvorschlägen spielten jedoch die Forschungsver-
                                                                                                                                     und Forschung, Edelgard Bulmahn, stellte Ende Ja-              bünde zwischen Hochschulen, außeruniversitären
                                                                                                                                     nuar 2004 im Rahmen des Kongresses „Deutschland.               Forschungseinrichtungen und Unternehmen eine
                                                                                                                                     Das von Morgen.“ ihre Innovationsoffensive mit zwei            wichtige Rolle.4
                                                                                                                                     Kernpunkten vor. Zum einen wurde den großen For-
                                                                                                                                     schungsorganisationen in Deutschland unter der Vo-             Im Frühjahr 2004 verständigten sich die Mitglieder
                                                                                                                                     raussetzung, dass diese sich zu grundlegenden Re-              der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung
                                                                                                                                     formen bereit erklären, mittelfristig ein regelmäßiger         und Forschungsförderung (BLK) auf erste Schritte in
                                                                                                                                     Zuwachs der Finanzmittel garantiert. Dieses Vorha-             Richtung eines Exzellenzwettbewerbs an deutschen
                                                                                                                                     ben mündete schließlich in den „Pakt für Forschung             Hochschulen. Dieser sollte im Rahmen der Gemein-
                                                                                                                                     und Innovation“. Zum anderen wurde für den Som-                schaftsaufgabe Bildungsplanung nach Art. 91b GG
                                                                                                                                     mer 2004 der Wettbewerb „Brain up! Deutschland                 eingerichtet werden. Im betreffenden BLK-Beschluss
                                                                                                                                     sucht seine Spitzenuniversitäten“ angekündigt. Hier            wurden bereits die drei Förderlinien sowie die Eck-
                                                                                                                                     sollten durch eine international besetzte Jury maxi-           punkte für das später tatsächlich angewandte Ver-
                                                                                                                                     mal fünf Hochschulen ausgewählt werden, die wie-               fahren festgelegt.5 Somit war zumindest angedeutet,
                                                                                                                                     derum fünf Jahre lang eine Förderung von jeweils               dass neben gesamten Hochschulen, den „Spitzen-
                                                                                                                                     bis zu 50 Mio. Euro jährlich erhalten würden. Als              universitäten“, auch Einrichtungen auf der Ebene
                                                                                                                                     Gütekriterium wurde neben der wissenschaftlichen               von Instituten oder Fachbereichen beziehungsweise
                                                                                                                                     Exzellenz ausdrücklich die „Zusammenarbeit mit                 die Verbünde auf dieser Organisationsebene geför-
                                                                                                                                     außeruniversitären Forschungseinrichtungen“ ge-                dert werden sollten. Zu diesem Zeitpunkt bezogen

                                                                                                                                     2   Vgl. SPD 2004: Weimarer Leitlinien, S. 5. Die Angaben zur Historie der Exzellenzinitiative sind hauptsächlich der Über-
                                                                                                                                         sicht „Die Chronologie der vorausgegangenen Debatte“ entnommen, siehe Hochschulrektorenkonferenz (2007): Im
                                                                                                                                         Brennpunkt: „Exzellenzförderung“. http://www.hrk.de/de/brennpunkte/111.php (27.09.07).
                                                                                                                                     3   Vgl. BMBF 2004: Pressemitteilung.
                                                                                                                                     4   Siehe z.B. den Beschluss der Allianz der Wissenschaftsorganisationen vom 12. Februar 2004,
                                                                                                                                         http://www.hrk.de/de/brennpunkte/177.htm (28.09.07), Punkt 2,
                                                                                                                                         Wettbewerbsorientierte Schwerpunkt- und Profilbildung.
                                                                                                                                     5    Vgl.   BLK 2004: Beschluss.

8   Meike Rehburg | Verbündete im Wettbewerb | Friedrich-Ebert-Stiftung 2007                                                                                                                                              Die Exzellenzinitiative an deutschen Hochschulen   9
sich die Überlegungen allerdings noch auf die deut-                             allem auf gegensätzliche Haltungen im Bereich der        bezieht sich die Förderung in der dritten Linie auf           gebiet auszeichnen. Ebenso ist ein „Gesamtkonzept
schen Hochschulen allgemein, also auf Universitäten                             Bildungspolitik zurückzuführen sei.                      das strategische Gesamtkonzept der Universität.               zur Vernetzung der Disziplinen und zur internatio-
und Fachhochschulen. In Bezug auf die geplanten                                                                                                                                                        nalen Vernetzung in der Forschung“ erforderlich.
Exzellenzcluster wurden letztere sogar ausdrück-                                Gleichwohl erarbeiteten die BLK-Mitglieder im Früh-      In allen drei Förderlinien gelten gemäß der Bund-Län-         Besonderes Gewicht wird auf die wissenschaftliche
lich erwähnt. Zudem, so war geplant, sollten sich die                           jahr 2005 einen neuen Vereinbarungsentwurf zur Ex-       der-Vereinbarung die folgenden Förderkriterien: Die           Zusammenarbeit gelegt, sowohl im Hinblick auf Ko-
Bewerberhochschulen sowohl in der Forschung als                                 zellenzförderung, in dem nun ausdrücklich von pro-       akademischen Einrichtungen sollen sich durch Exzel-           operationen mit anderen Universitäten als auch auf
auch in der Lehre als exzellent beweisen.                                       jektbezogener Förderung der exzellenten Forschung        lenz in der Forschung und der Nachwuchsförderung              Verbünde mit außeruniversitären Einrichtungen.
                                                                                die Rede war, und zwar ausschließlich für die Univer-    in mindestens einem breit gefassten Wissenschafts-
Die weiteren BLK-Verhandlungen im Juli und No-                                  sitäten in Deutschland. Somit war das Programm im
vember 2004 wurden ohne abschließende Ergeb-                                    Vergleich zu der vorherigen Fassung deutlich zuge-
nisse geführt. In den Verlautbarungen der Beteiligten                           spitzt worden. Am 23. Juni 2005 starteten schließlich
wurden die nicht geklärten Finanzierungsfragen so-                              gleichzeitig der Pakt für Forschung und Innovation, in
wie der unsichere Ausgang der Föderalismusreform                                dem den großen Forschungsorganisationen bis 2010
als Gründe für das Zögern genannt. Im Dezember                                  ein jährlicher Mittelzuwachs von mindestens 3 %
                                                                                                                                                                                                                   2.3
2004 und damit etwa ein Jahr nach dem Beginn ihrer                              garantiert wurde, und die Exzellenzinitiative, der                                                     DURCHFÜHRung des programms und
Arbeit gab die Föderalismuskommission bekannt,                                  Wettbewerb um die Förderung wissenschaftlicher
dass ihre Verhandlungen gescheitert seien, was vor                              Spitzenleistungen an deutschen Universitäten.6
                                                                                                                                                                                                 förderentscheidungEN

                                                                                                                                         Mit der Durchführung des Programms wurden die                 des interdisziplinären Ansatzes, der internationalen
                                                                                                                                         Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und der                 Sichtbarkeit sowie der Zusammenführung regionaler
2.2                                                                                                                                      Wissenschaftsrat (WR) beauftragt. Dabei war die               Forschungskapazitäten.“9 Somit galten größere For-
                                                                                                                                         DFG für die Organisation des gesamten Verfahrens              schungsverbünde auch in jenen beiden Förderlinien,
Das Förderprogramm                                                                                                                       zuständig, von der Bearbeitung der Antragsskizzen             die nicht auf die gesamte Hochschule, sondern auf
                                                                                                                                         und Vollanträge über die Koordination der Gutach-             einzelne Einrichtungen bezogen waren, ausdrücklich
                                                                                                                                         tergruppen bis hin zur formalen Abwicklung der                als besonderes Qualitätskriterium.
Als grundlegendes Dokument für die „Exzellenzinitia-                            Länder zu 25 %. Die Höhe der Beteiligung eines Bun-      Förderung. Auch die inhaltliche Betreuung der För-
tive des Bundes und der Länder zur Förderung von                                deslandes richtet sich danach, welche Einrichtungen      derlinien 1 und 2 oblag der DFG. Der WR hingegen              Diejenigen Universitäten, die sich mit ihrem Zu-
Wissenschaft und Forschung an deutschen Hoch-                                   in dem betreffenden Land für förderwürdig befun-         befasste sich mit den Anträgen der Universitäten in           kunftskonzept um eine Förderung in der dritten
schulen“, so der offizielle Name des Programms, gilt                            den werden.                                              der Förderlinie 3.                                            Förderlinie beworben hatten, waren einzeln von Gut-
die Bund-Länder-Vereinbarung aus dem Juni 2005.7                                                                                                                                                       achtergruppen besucht worden. Bei einem solchen
Dort werden die Ziele und erhofften Wirkungen ge-                               Die Ziele der Exzellenzinitiative liegen der Präambel    Die rund 30 Mitglieder der DFG-Fachkommission                 in der Regel zweitägigen Besuch stellte die Universi-
nannt, die Förderkriterien sowie der Förderumfang                               der Bund-Länder-Vereinbarung zufolge darin, den          und der WR-Strategiekommission bildeten für die               tät zunächst ihr Konzept vor, anschließend standen
skizziert und das Verfahren kurz beschrieben.                                   Wissenschaftsstandort Deutschland nachhaltig zu          Seite der Wissenschaft die „Gemeinsame Kommis-                Gespräche mit den beteiligten Wissenschaftlern, der
                                                                                stärken, dessen internationale Wettbewerbsfähigkeit      sion“. Zusammen mit den zuständigen Bundes- und               Universitätsleitung, Kooperationspartnern und Lan-
Demnach sollen exzellente wissenschaftliche Einrich-                            zu verbessern sowie die Spitzen im Universitäts- und     Landesministern als Vertreter der Politik formierte           desvertretern an. Die Gutachterinnen und Gutach-
tungen an Universitäten in Deutschland – Fachhoch-                              Wissenschaftsbereich deutlicher sichtbar zu ma-          die Gemeinsame Kommission den „Bewilligungsaus-               ter, zu denen jeweils auch zwei Mitglieder der WR-
schulen sind nicht antragsberechtigt – über einen                               chen. Mit der Förderung, so die Absicht, werde eine      schuss“, der letztlich über die Förderung einer Ein-          Strategiekommission gehörten, besuchten darüber
Zeitraum von jeweils fünf Jahren mit öffentlichen                               Leistungsspirale angeregt, die auch die „Qualität des    richtung entschieden hat.                                     hinaus ausgewählte Einrichtungen der betreffenden
Mitteln gefördert werden. Das Programm ist in zwei                              Hochschul- und Wissenschaftsstandorts Deutsch-                                                                         Universität. Im Unterschied zu den Expertengruppen,
Ausschreibungsrunden gegliedert, die mit einem                                  land in der Breite“ anheben soll.                        In den beiden Ausschreibungsrunden der Exzellenz-             die in den Förderlinien 1 und 2 tätig waren, war die
zeitlichen Abstand von einem Jahr gestartet worden                                                                                       initiative waren jeweils rund 300 Antragsskizzen bei          Besetzung hier zu gleichen Teilen national und inter-
sind. Über eine Fortführung der Exzellenzinitiative                             Um den verschiedenen Schwerpunkten der Exzel-            der DFG eingegangen. Davon wurden jeweils rund                national.10
über das Jahr 2012 hinaus werden Bund und Län-                                  lenzförderung gerecht zu werden, wurden drei För-        90 Bewerbungen für die zweite Bewerbungsstufe, die
der gemeinsam beschließen. Die Bundesregierung                                  derlinien eingerichtet: 1. Graduiertenschulen zur        Vollanträge, ausgewählt. In der ersten Runde fielen die       Den Entscheidungen des Bewilligungsausschusses
hat bereits positive Signale für eine Verstetigung des                          Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses,            Förderentscheidungen im Herbst 2006. Die Anträge              zufolge werden in der Exzellenzinitiative insgesamt
Programms gegeben.8                                                             2. Exzellenzcluster zur Förderung der Spitzenfor-        für Graduiertenschulen und Exzellenzcluster waren             39 Graduiertenschulen und 37 Exzellenzcluster ge-
                                                                                schung und 3. Zukunftskonzepte zum projektbezo-          dafür in fachliche Panels gruppiert und von überwie-          fördert, verteilt auf rund 40 Universitäten in Deutsch-
Insgesamt stehen für die Exzellenzinitiative von                                genen Ausbau der universitären Spitzenforschung.         gend international besetzten Expertengruppen be-              land. Neun Hochschulen sind für ihre exzellenten
staatlicher Seite 1,9 Milliarden Euro zur Verfügung.                            Während in den ersten beiden Linien ausgewählte          gutachtet worden. „Die Begutachtung“, so DFG und              Zukunftskonzepte in die Förderung aufgenommen
Der Bund beteiligt sich mit 75 % an den Kosten, die                             Einrichtungen einer Hochschule gefördert werden,         WR in ihrer gemeinsamen Pressemitteilung, „erfolgte           worden: In der ersten Runde wurden die Universität
                                                                                                                                         nach den Kriterien der wissenschaftlichen Qualität,           (TH) Karlsruhe, die Ludwig-Maximilians-Universität
6    Vgl. BMBF 2005: Pressemitteilung.
7    Siehe Bund-Länder-Vereinbarung 2005.                                                                                                9    Vgl. DFG und WR 2006: Entscheidungen in der ersten Runde.
8    Siehe beispielsweise BMBF 2007: Statement Schavan.                                                                                  10   Vgl. Strohschneider 2006: Statement zu Entscheidungen in der ersten Runde.

10   Meike Rehburg | Verbündete im Wettbewerb | Friedrich-Ebert-Stiftung 2007                                                                                                                                              Die Exzellenzinitiative an deutschen Hochschulen   11
München und die Technische Universität München
für exzellent befunden, in der zweiten Runde sind
                                                                                wigs-Universität Freiburg, die Georg-August-Univer-
                                                                                sität Göttingen, die Ruprecht-Karls-Universität Hei-
                                                                                                                                                                                                                 3.
die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule                                delberg sowie die Universität Konstanz mit ihrem                                                      NEUE FORMEN DER KOOPERATION
Aachen, die Freie Universität Berlin, die Albert-Lud-                           jeweiligen Gesamtkonzept ausgewählt worden.11
                                                                                                                                                                                                AM BEISPIEL DES KIT

                                                                                                                                           Die Universität Karlsruhe hat als erste Hochschule in             Erfolg der Universität und des Forschungszentrums
                                                                                                                                           Deutschland offiziell das Ziel eines vollständigen Ver-           in der Exzellenzinitiative. Beide beteiligten Einrich-
2.4                                                                                                                                        bunds mit einer außeruniversitären Forschungsein-                 tungen sind auf nationaler Ebene renommiert und
Stellenwert von Forschungskooperationen                                                                                                    richtung bekannt gegeben.16 Das Zukunftskonzept                   blicken auf mehrere Jahrzehnte wissenschaftlicher
                                                                                                                                           für eine gemeinsame Einrichtung, das Karlsruher In-               Geschichte zurück.
in der Exzellenzinitiative                                                                                                                 stitut für Technologie, war ausschlaggebend für den

In Ergänzung zu den allgemeinen Förderrichtlinien,
die in der Bund-Länder-Vereinbarung festgelegt wor-
                                                                                Forschungseinrichtung“ gegenüber anderen Formen
                                                                                der Zusammenarbeit bevorzugt.
                                                                                                                                                                                                                  3.1
den waren, sind die wesentlichen Anforderungen, die                                                                                                                                    Die beteiligten einrichtungen:
von Seiten der Förderer an exzellente Einrichtungen                             In der dritten Förderlinie kann sich die Förderung auf                               Universität und Forschungszentrum Karlsruhe
gestellt werden, in speziellen Merkblättern zusam-                              die gesamte Hochschule erstrecken. Das Ziel der För-
mengefasst worden. In Bezug auf die erste Förderli-                             derung von Zukunftskonzepten ist den Initiatoren
nie, Graduiertenschulen, ist der Hinweis auf Koope-                             zufolge „der nachhaltige Ausbau der Spitzenfor-
rationen eher allgemein gehalten und umfasst auch                               schung einer Universität und dazu insbesondere die                                                                                                     3.1.1
die mögliche Zusammenarbeit mit Partnern aus den                                Schärfung des universitären Profils“. Die antragstel-
Bereichen Wirtschaft und Kultur.12                                              lenden Hochschulen werden ausdrücklich ermutigt,                                                                                   UNIVERSITÄT KARLSRUHE (TH)
                                                                                bei der Ausgestaltung „unkonventionelle und inno-
Für die zweite Förderlinie, Exzellenzcluster, wird hin-                         vative Ideen“ zu entwickeln. Für die Entscheidung
gegen ausdrücklich festgelegt: „Die an einem Ort vor-                           in dieser Förderlinie gelten, in Präzisierung der in       Die heutige „Universität Karlsruhe (TH)“ wurde im                 Die Machtergreifung der Nationalsozialisten hatte,
handenen Ressourcen an Hochschulen und außer-                                   der Bund-Länder-Vereinbarung genannten Punkte,             Jahr 1825 als Polytechnische Schule begründet.17                  wie es in der Universitätsgeschichte heißt, „weitrei-
universitären Einrichtungen sollen gebündelt und                                die „Interdisziplinarität und Vernetzung auch mit          Nach dem Vorbild der École Polytechnique in Paris                 chende Konsequenzen für die Technische Hoch-
Synergieeffekte genutzt werden. Dabei steht die Stär-                           außeruniversitären Forschungseinrichtungen und             sollten Schüler in Karlsruhe eine technische Ausbil-              schule“. Lehrende und andere Angestellte wurden
kung der universitären Forschung im Vordergrund.“13                             weiteren wissenschaftlichen Partnern“ als wichtige         dung erhalten, die sich auf ein breiteres Fächergebiet            zwangsemeritiert oder entlassen. Die enge Anbindung
Die Programmgestalter fordern also die Zusammen-                                Kriterien.14                                               erstreckte, aber „nach einheitlichen mathematisch-                der Hochschule an die Industrie verstärkte während
arbeit von Universitäten mit außeruniversitären                                                                                            naturwissenschaftlichen Richtlinien“ erfolgte. Bereits            des Zweiten Weltkriegs den Mangel an Lehrpersonal,
Forschungseinrichtungen und betonen gleichzeitig,                               Aus den offiziellen Dokumenten ist ersichtlich, dass       wenige Jahre später wurden dem Polytechnikum                      denn viele Mitarbeiter wanderten in die Industrie ab
dass zum einen der Schwerpunkt solcher Kooperatio-                              in allen drei Förderlinien der Exzellenzinitiative, ins-   eine Bau- und eine Ingenieurschule angegliedert;                  oder wurden eingezogen. 1944 wurden große Teile
nen stets im Bereich der Forschung und beispiels-                               besondere in Exzellenzclustern und Zukunftskon-            die Funktion der Schulausbildung bestand nun aus-                 der Hochschule durch Luftangriffe zerstört. Nach dem
weise nicht etwa in der Lehre liegen solle, und zum                             zepten, auf die Zusammenarbeit der Universitäten           drücklich in der „Erziehung zur Industrie“. Chemie                Krieg, so die Darstellung, „verlagerten sich die For-
anderen, dass die Zusammenarbeit vor allem den                                  mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen             und Maschinenbau bildeten den Schwerpunkt des                     schungsschwerpunkte von der Individualforschung
Universitäten und nicht etwa vornehmlich den exter-                             großer Wert gelegt wird und dass dabei auch neue           Fachangebots. In der Mitte des 19. Jahrhunderts setzte            mehr und mehr auf interdisziplinäre Projekte“. Anfang
nen Kooperationspartnern dienlich sein solle. Auch                              Wege beschritten werden dürfen. Gleichzeitig weisen        sich der damalige Direktor des Polytechnikums für                 der 1960er Jahre waren bereits über 6.000 Studieren-
der Verbund mehrerer Einrichtungen benachbarter                                 die Förderer darauf hin, dass die geplanten Koope-         den Ausbau der Geisteswissenschaften in Karlsruhe                 de eingeschrieben. 1967 wurde die Technische Hoch-
Universitäten zu einem Exzellenzcluster, so wird im                             rationsvorhaben von vornherein möglichst in kon-           ein. 1865 wurde die Schule offiziell zur Technischen              schule in „Universität Karlsruhe (TH)“ umbenannt.
Merkblatt weiter ausgeführt, ist zwar möglich, aber                             kreten, verbindlichen Vereinbarungen dokumentiert          Hochschule aufgewertet und rückte damit näher an                  Der Namenszusatz „Fridericiana“, den die Einrichtung
nicht unbedingt erwünscht. Demnach wird die Ko-                                 sein sollten.15                                            die Universitäten heran. Ab der Jahrhundertwende                  seit Anfang des Jahrhunderts zu Ehren des früheren
operationsform „Universität und außeruniversitäre                                                                                          verfügte sie zudem über das Promotionsrecht. In den               Förderers Großherzog Friedrich I. von Baden getragen
                                                                                                                                           folgenden Jahren waren an der Hochschule durch-                   hatte, blieb bestehen. Um 1970 wurde in Karlsruhe die
                                                                                                                                           schnittlich mehr als 1.000 Studierende eingeschrie-               jeweils erste deutsche Fakultät für Chemieingenieur-
                                                                                                                                           ben, hauptsächlich in den Abteilungen Maschinen-                  wesen und Informatik gegründet.
                                                                                                                                           bau, Bauingenieurwesen und Elektrotechnik.
11   Vgl. DFG und WR 2007: Entscheidungen in der zweiten Runde.
12   Vgl. DFG und WR 2005: Merkblatt Graduiertenschulen.
                                                                                                                                           16   Die Karlsruher Wissenschaftler waren die ersten, die eine solche Form der Zusammenarbeit offiziell verkündet haben.
13   Vgl. DFG und WR 2006: Merkblatt Exzellenzcluster, Absatz 7.                                                                                Allerdings haben die RWTH Aachen und das Forschungszentrum Jülich ein ähnliches Vorhaben schneller vertraglich
14   Vgl. DFG und WR 2005: Leitfaden Zukunftskonzepte, Abschnitt II, Absätze 1, 2 und 10.                                                       umgesetzt, siehe Kapitel 4 im vorliegenden Bericht.
15   Bund-Länder-Vereinbarung 2005, § 3.                                                                                                   17   Zur Geschichte der Universität Karlsruhe siehe U Karlsruhe 2006: Welt im Blick, S. 10ff.

12   Meike Rehburg | Verbündete im Wettbewerb | Friedrich-Ebert-Stiftung 2007                                                                                                                                                      Neue Formen der Kooperation am Beispiel des KIT   13
Im Studienjahr 1994 wies die Hochschule die bisher                              den Bereichen „Informationstechnik“ sowie „Um-          tarteilchenphysik und Astroteilchenphysik“ (CETA)                Universität und Forschungszentrum angelegt wor-
höchste Zahl von rund 22.000 Studierenden auf. Heu-                             weltgerechte, nachhaltige Entwicklung“ als starke       sind bewusst als Kooperationseinrichtungen von                   den.23
te sind an der Universität Karlsruhe in rund 50 Stu-                            Hochschule. Im Hinblick auf die FuE-Förderung im
diengängen insgesamt etwa 18.500 Studierende ein-                               Zuge des 6. EU-Forschungsrahmenprogramms zeigt
geschrieben.18 Im Studienjahr 2005/06 waren, ohne                               sich die Universität vor allem im Programm „Tech-
Lehramtsexamina gerechnet, rund 2.000 Studienab-                                nologien für die Informationsgesellschaft“ aktiv. Die
schlüsse, mehr als 300 Promotionen und rund 20 Ha-                              Hochschule, so die Aussage im DFG-Bericht, besetzt                                                                                   3.1.2
bilitationen zu verzeichnen. Etwa ein Viertel der Stu-                          damit eine Schnittstelle zwischen der ingenieur- und
dierenden sind Frauen. Der Anteil der ausländischen                             naturwissenschaftlichen Forschung. Detaillierte Indi-
                                                                                                                                                                                         forschungszentrum KARLSRUHE gmbh
Studierenden liegt bei 20 %.19 Die Universität ist in elf                       katorenvergleiche für die Naturwissenschaften und
Fakultäten mit rund 120 Instituten gegliedert. Dane-                            die Ingenieurwissenschaften bestätigen dieses Bild.
ben gibt es eine Reihe von interfakultativen Einrich-                           Angesichts der ersten Ränge in den Fachgebieten         Das Forschungszentrum Karlsruhe, kurz: FZK, ist                  gestellt. Zum Bereich Forschung zählen weiterhin der
tungen, neben der Bibliothek und dem Rechenzen-                                 Physik, Chemie und Geowissenschaften könne die          eine Einrichtung in der Hermann von Helmholtz-                   Projektträger Forschungszentrum Karlsruhe (PTKA),
trum sind dies vor allem Forschungseinrichtungen,                               Universität „bezüglich ihrer DFG-Bewilligungen als      Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren. Das                    der für verschiedene staatliche Stellen die Koordi-
etwa die derzeit zehn Sonderforschungsbereiche. Des                             eine der führenden naturwissenschaftlichen Hoch-        im Jahr 1956 gegründete Zentrum sollte ursprüng-                 nation von Förderprogrammen übernimmt, und das
weiteren bestehen drei Exzellenzzentren und sechs                               schulen in Deutschland bezeichnet werden“. Eine         lich eine „von Bund und der Wirtschaft gleichmäßig               Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen
DFG-Graduiertenkollegs – nicht zu verwechseln mit                               herausragende Stellung bescheinigt die DFG der TH       getragene Gesellschaft zum Bau und Betrieb von                   Bundestag, das ebenfalls im Zentrum verankert ist.
Einrichtungen, die im Rahmen des Programms „Exzel-                              Karlsruhe beispielsweise auch in dem den Ingenieur-     Kernreaktoren“ sein.24 Bald jedoch wurden neben
lenzinitiative“ gefördert werden – sowie eine DFG-For-                          wissenschaften zugeordneten Bereich „Elektrotech-       dem Themenfeld Reaktorbau, der mithin zur indus-                 Im Forschungszentrum Karlsruhe sind mehr als
schergruppe. Die Universität Karlsruhe ist des weiteren                         nik, Informatik und Systemtechnik“.                     triellen Aufgabe wurde, weitere Forschungsschwer-                3.800 Personen beschäftigt, darunter rund 60 Profes-
an DFG-finanzierten Sonderforschungsbereichen, Gra-                                                                                     punkte angesiedelt: Zunächst handelte es sich dabei              soren, 185 Doktoranden und über 300 Auszubilden-
duiertenkollegs und Forschergruppen beteiligt, welche                           Eigenen Angaben zufolge pflegt die Universität Karls-   vorrangig um physikalische Grundlagenforschung,                  de. Die Wissenschaftler stellen mit 1.420 Personen
an anderen Hochschulen verankert sind.                                          ruhe zahlreiche Partnerschaften und Kooperationen       aber Ende der 1960er Jahre entwickelte sich aus der              einen erheblichen Anteil am gesamten Personal.26
                                                                                mit anderen europäischen sowie außereuropäischen        Kerntechnik heraus das Gebiet der Schadstoff- und                Neben dem Geschäftsbereich „Forschung“ umfasst
Auf der obersten Führungsebene der Hochschule ste-                              Hochschulen.22 Die internationalen Kontakte, so die     Umweltforschung. Zunehmend gingen die ursprüng-                  das Zentrum den Geschäftsbereich „Stilllegung nu-
hen das Rektorat mit dem amtierenden Rektor, Horst                              Hochschule, dienten sowohl dem Austausch von            lichen Themenbereiche aus dem damaligen Kernfor-                 klearer Anlagen“, in dem weitere rund 150 Personen
Hippler, sowie der Senat und der Universitätsrat, der-                          Studierenden und Nachwuchswissenschaftlern als          schungszentrum in die industrielle Forschung und                 beschäftigt sind.
zeit bestehend aus neun Personen. Insgesamt sind                                auch der Forschungskooperation. Auf europäischer        Entwicklung über. In den 1980er Jahren wurden
an der Universität Karlsruhe rund 4.000 Personen                                Ebene unterhält die Technische Hochschule insbe-        beispielsweise die Umwelttechnik und die Mikrosys-               Das FZK wird von einem Vorstand mit mehreren
beschäftigt. Das wissenschaftliche Personal stellt ei-                          sondere Kontakte zu Einrichtungen in Frankreich,        temtechnik als Forschungsgebiete etabliert. Ende der             Personen geführt, derzeitiger Vorstandsvorsitzender
nen Anteil von etwa 60 % am Gesamtpersonal. In                                  aber beispielsweise auch zu Universitäten in Ost-       1990er Jahre kam, wie oben erwähnt, die Nanotech-                ist Eberhard Umbach. Der Aufsichtsrat überwacht
Vollzeitstellen gemessen, verfügt die Hochschule                                und Mitteleuropa. Sie ist darüber hinaus Mitglied des   nologie hinzu.                                                   die Geschäftsführung. Der Aufsichtsratsvorsitzende
über knapp 280 Stellen für Professorinnen und Pro-                              Europäischen Netzwerks Technischer Hochschulen                                                                           führt zudem den Vorsitz in der Gesellschafterver-
fessoren in den Besoldungsgruppen C3, C4 und W3.                                (CLUSTER). Im internationalen Zusammenhang spie-        Das Forschungszentrum sieht sich selbst als „Natio-              sammlung, an der wiederum Bundes- und Landes-
Die Personalausgaben belaufen sich auf rund 125                                 len vor allem die Kooperationen mit Einrichtungen       nallaboratorium“ – wohl in Anlehnung an die Natio-               vertreter teilhaben. Daneben gibt es den Wissen-
Mio. Euro pro Jahr, was einem Anteil von etwa 50 %                              in China, Indien und Japan sowie in Australien und      nal Laboratories, die renommierten Forschungsein-                schaftlich-Technischen Rat des Forschungszentrums.
an den Gesamtausgaben der Hochschule entspricht.                                Südamerika eine bedeutende Rolle.                       richtungen in den Vereinigten Staaten. Die fachliche             Er setzt sich aus den Instituts- und Programmleitern,
Nahezu die Hälfte des wissenschaftlichen Personals                                                                                      Arbeit im FZK ist in fünf Forschungsbereiche ein-                gewählten Mitarbeitervertretern, einem Vertreter des
und rund ein Drittel der Ausgaben insgesamt werden                              Auch innerhalb des deutschen Wissenschaftssys-          geteilt, welche der allgemeinen Programmstruktur                 Betriebsrates sowie sonstigen Mitarbeitern und Gä-
aus Drittmitteln finanziert.20                                                  tems bestehen seitens der Universität Karlsruhe         der Helmholtz-Zentren entsprechen: Struktur der                  sten zusammen. Der Wissenschaftlich-Technische
                                                                                viele Kooperationsbeziehungen zu anderen Hoch-          Materie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Energie und                Rat berät die Führungsgremien „in allen wissen-
Die Universität Karlsruhe genießt insbesondere für                              schulen, zur Industrie und zu außeruniversitären        schließlich Schlüsseltechnologien.25 Die Programme               schaftlichen und wichtigen technischen Fragen“.27
ihre Forschungsaktivitäten in den Natur- und Tech-                              Forschungseinrichtungen. Hier wiederum sind seit        für Forschung und Entwicklung reichen von der na-
nikwissenschaften hohes Ansehen im deutschen                                    vielen Jahren die Institute des Forschungszentrums      turwissenschaftlichen Grundlagenforschung über die               Kooperationen mit wissenschaftlichen Einrichtungen,
Wissenschaftssystem. Im DFG-Förderranking des                                   Karlsruhe der hauptsächliche Kooperationspartner:       industrielle Vorlaufforschung bis hin zur Produkt-               vor allem im Südwesten Deutschlands und im be-
Jahres 2006 zählt die Einrichtung zu den 40 bewil-                              in der Informatik, im Maschinenbau, in der Physik       und Verfahrensentwicklung sowie zur Vorsorgefor-                 nachbarten Ausland, spielen eine große Rolle in der
ligungsstärksten Hochschulen in Deutschland.21 Da-                              und Meteorologie, in der Chemie und in den Biowis-      schung. Großgeräte des Forschungszentrums werden                 Arbeit des FZK. „Das heutige Forschungszentrum“, so
bei erweist sich Karlsruhe mit Blick auf die direkte                            senschaften. Das „Centrum für Funktionelle Nano-        auf Anfrage auch externen Nutzern zur Verfügung                  heißt es im Rückblick auf die ersten 50 Jahre des Be-
FuE-Projektförderung des Bundes insbesondere in                                 strukturen“ (CFN) sowie das „Centrum für Elemen-

                                                                                                                                        23   Vgl. U Karlsruhe 2006: Welt im Blick, S. 64f.
18   Vgl. FZK: Daten und Fakten über das KIT sowie U Karlsruhe 2007: Daten, Fakten, Zahlen.                                             24   Vgl. FZK 2006: 50 Jahre Forschungszentrum Karlsruhe, S. 11-14.
19   Vgl. U Karlsruhe 2006: Welt im Blick, S. 83.                                                                                       25   Vgl. FZK 2006: Forschungsbereiche. Neben den genannten Forschungsbereichen vertritt die Helmholtz-Gemeinschaft
20   Alle Angaben für das Jahr 2006, vgl. U Karlsruhe 2007: Daten, Fakten, Zahlen.                                                           auch den Bereich „Verkehr und Weltraum“.
21   Vgl. DFG: Förderranking 2006, S. 44ff., S. 55, S. 62, S. 82, S. 84, S. 102 und S. 111.                                             26   Vgl. FZK 2006: Daten und Fakten.
22   Vgl. U Karlsruhe 2006: Welt im Blick, S. 73ff.                                                                                     27   Siehe FZK 2007: Organe des FZK und FZK 2007: Organisationsplan.

14   Meike Rehburg | Verbündete im Wettbewerb | Friedrich-Ebert-Stiftung 2007                                                                                                                                               Neue Formen der Kooperation am Beispiel des KIT   15
stehens, „ist intensiver Kooperationspartner der Uni-                           dungen. „Die Wege dieser Kooperationen zwischen         vitäten“ künftig im KIT zusammenführen zu wollen.33             Leitbilder
versitäten (...). Es profitiert davon, dass es in keinem                        Forschungszentrum und Industrie sind vielfältig, sie    Zunächst werden die Programme „in der Mikro- und
anderen Raum in Deutschland eine solche Häufung                                 reichen von Auftragsforschung und Kooperations-         Nanotechnologie, dem Wissenschaftlichen Rechnen                 Für das Modell „KIT“ werden von Seiten der Ver-
von exzellenten Universitäten, darunter auch viele                              verträgen über Lizenzverträge und Ausgründungen         mit dem Schwerpunkt Grid-Computing einschließ-                  antwortlichen mehrere Vorbilder angeführt, haupt-
mit technischer Ausrichtung gibt. Dieser Weg eines                              bis hin zu dem Know-how-Transfer über Köpfe durch       lich des gemeinsamen Rechenzentrums sowie die                   sächlich US-amerikanische Einrichtungen, in denen
immer engeren Zusammengehens mit Universitäten                                  den Wechsel von Mitarbeitern in die Wirtschaft.“29      Materialforschung für den Energiebereich“ gebün-                ebenfalls eine Hochschule sowie eine oder mehrere
wird auch die Zukunft des Forschungszentrums ent-                                                                                       delt, dann soll die Zusammenarbeit schrittweise auf             Forschungsinstitute zusammengefasst sind. Aber
scheidend prägen.“28                                                            Nach eigenen Angaben steht das FZK innerhalb            weitere Programme ausgedehnt werden.                            auch die Eidgenössische Technische Hochschule
                                                                                Deutschlands mit 45 Hochschulen sowie mit ande-                                                                         (ETH) Zürich wird als Maßstab erwähnt.
Von Bedeutung ist jedoch auch die Kooperation mit                               ren Forschungseinrichtungen in Kooperationsbezie-       Im Oktober 2006 wurden die Entscheidungen für die
der Wirtschaft, das Zusammenwirken von Forschung                                hungen. Auf internationaler Ebene seien insgesamt       erste der beiden Förderrunden bekannt gegeben. Die              Im 19. Jahrhundert, so Hippler, wurde erst die ETH,
und Entwicklung, Anwendung und Bewertung. Das                                   mehr als tausend Kooperationen mit FuE-Zentren,         Universität Karlsruhe, die als Antragstellerin im Wettbe-       dann das MIT in Cambridge nach dem Vorbild
Forschungszentrum unterhält rund 650 Industrie-                                 Hochschulen, Wirtschaftsunternehmen, Behörden,          werb fungiert hatte, wurde als eine von drei Hochschulen        der polytechnischen Schule in Karlsruhe gegrün-
kooperationen und verzeichnet rund 1.800 interna-                               Akademien und anderen Einrichtungen in nahezu           in Deutschland in der dritten Förderlinie, „Zukunftskon-        det; nun sei es an der Zeit, den Anschluss an diese
tionale Patente, Gebrauchsmuster und Patentanmel-                               50 Ländern zu verzeichnen.30                            zepte zum projektbezogenen Ausbau der universitären             beiden weltweit renommierten Eliteeinrichtungen
                                                                                                                                        Spitzenforschung“, für förderwürdig befunden. Zu die-           zu schaffen.35 Den Verantwortlichen ist allerdings
                                                                                                                                        sem Erfolg, so heißt es in der Presseinformation zum            bewusst, dass sie sich insbesondere mit dem MIT
                                                                                                                                        KIT, „hat das vorgelegte Zukunftskonzept maßgeblich             einen hohen Maßstab gesetzt haben, zumal die fi-
                                                                                                                                        beigetragen.“ In die Förderung einbezogen sind auch             nanziellen Möglichkeiten des US-amerikanischen
3.2                                                                                                                                     eine Graduiertenschule, die „Karlsruhe School of Optics         Instituts deutlich über jenen des KIT liegen (vgl.
Der verbund: das karlsruher institut für technologie                                                                                    & Photonics“, und das oben bereits erwähnte „Center for         3.2.4 „Vergleich mit den internationalen Vorbildern
                                                                                                                                        Functional Nanostructures“, für das eine Aufstockung            ETH Zürich und MIT“).
                                                                                                                                        zum Exzellenzcluster beantragt worden war.34

3.2.1
Entstehung des kit-modells

                                                                                                                                                                                                                                    3.2.2
Reformgedanke, Memorandum
und Zukunftskonzept
                                                                                lichen gab, das notwendige Konzept zu entwickeln,
                                                                                und zwar anhand der Anforderungen des Förderpro-
                                                                                                                                                                                                                    BEGINN DER UMSETZUNG
                                                                                gramms, in kurzer Zeit und dennoch mit realistischen
Die Idee zu einer vollständigen Verbindung der                                  Planungen. Innerhalb weniger Monate entstand so in
Universität Karlsruhe mit dem Forschungszentrum                                 der Zusammenarbeit mit zahlreichen Wissenschaft-        Eckpunktepapier, Gesamtkonzept                                  regierung, sie strebe eine „grundlegende Modernisie-
Karlsruhe ist laut Rektor Horst Hippler entstanden,                             lern beider Einrichtungen das Zukunftskonzept, des-     und Gründungsvertrag                                            rung des deutschen Wissenschaftssystems“ an. Dabei
als sich die Universität bereits für die Förderung im                           sen wesentlicher Bestandteil die Beschreibung eines                                                                     gehe es unter anderem darum, „wissenschaftshem-
Programm „Exzellenzinitiative“ beworben hatte. Im                               „Karlsruher Instituts für Technologie“ war.31           Kurz nach der positiven Beurteilung des Zukunfts-               mende Grenzen“ innerhalb des Systems zu beseiti-
Rahmen einer Begutachtung hatten ausländische                                                                                           konzeptes und der Bekanntgabe der Förderentschei-               gen. In Karlsruhe biete sich die Möglichkeit zu einer
Wissenschaftler darauf hingewiesen, dass eine solche                            Im Frühjahr 2006 unterzeichneten Hippler und Popp       dung im Oktober 2006 veröffentlichten die Verant-               Zusammenarbeit von völlig neuer Qualität. Univer-
Zusammenarbeit fruchtbar wäre und Wettbewerbs-                                  zudem ein „Memorandum of Understanding“, in dem         wortlichen ein „Eckpunktepapier zur Gründung des                sität und Forschungszentrum sollen den Partnern
vorteile bieten würde. Daraufhin entschlossen sich                              die gemeinsame Absicht bekundet wird, das Karlsru-      Karlsruhe Institute of Technology (KIT)“, an dem                zufolge unter dem Dach des KIT eine „strategische
Hippler und der damalige Vorstandsvorsitzende des                               her Institut für Technologie zu gründen. Damit, so      sowohl die beiden wissenschaftlichen Einrichtungen,             Allianz“ bilden.
Forschungszentrums, Manfred Popp, den Reformge-                                 Popp, „können wir uns unter den großen Forschungs-      Universität und Forschungszentrum Karlsruhe, als
danken aufzugreifen und ihn zu konkretisieren.                                  universitäten der Welt positionieren“.32 In der zuge-   auch die Helmholtz-Gemeinschaft, das Land Baden-                Beide grundlegenden Einrichtungen sollen demnach
                                                                                hörigen Pressemitteilung erklären die Universität       Württemberg und der Bund mitgewirkt hatten.36                   „weitgehend zusammenwachsen“, gleichzeitig aber
Die Exzellenzinitiative spielte insofern die entschei-                          und das Forschungszentrum Karlsruhe, „ihre in Jahr-                                                                     ihre jeweiligen Funktionen beibehalten und weiter
dende Rolle, als sie den Anstoß für die Verantwort-                             zehnten gewachsenen gemeinsamen Forschungsakti-         Das Papier beginnt mit der Feststellung der Bundes-             ausbauen. Der Mehrwert des Karlsruher Instituts für

28   Vgl. FZK 2006: 50 Jahre Forschungszentrum Karlsruhe, S. 13 und FZK 2004: Auf einen Blick, S. 33. Die Betonung liegt hier           33   Vgl. FZK und U Karlsruhe 2006: Presseinformation.
     auf den Kooperationen mit Universitäten, insbesondere jenen mit technischer Ausrichtung wie in Karlsruhe, aber bei-
     spielsweise auch in Darmstadt und Stuttgart. Die Fachhochschulen in der Region werden nicht erwähnt.                               34   Siehe dazu auch U Karlsruhe 2006: Presseinformation 106.
29   Vgl. FZK 2006: 50 Jahre Forschungszentrum Karlsruhe, S. 13.                                                                        35   Tatsächlich liegen für den Bezug auf Karlsruhe bei der Gründung der ETH Zürich Hinweise vor: „Schon die Promotoren
                                                                                                                                             des eidgenössischen Polytechnikums hatten es nicht versäumt, (...) geeignete Vorbilder zu evaluieren. Es war nie ein
30   Vgl. FZK 2006: Daten und Fakten.                                                                                                        Geheimnis, dass [sie] sich (...) insbesondere von der polytechnischen Schule in Karlsruhe inspirieren liessen.“ Vgl.:
31   Vgl. KIT 2007: Presseinformation 1, S. 3. Siehe auch U Karlsruhe 2006: Presseinformation 118.                                           Geschichte der ETH Zürich. Hochschul-Rankings: Instrumente der Internationalisierung.
                                                                                                                                             http://www.ethistory.ethz.ch/besichtigungen/objekte/rankings (06.08.07).
32   Vgl.: Universität und Forschungszentrum gründen „Karlsruhe Institute of Technology“. Research to Business, Ausgabe
     3/2006, http://www.fzk.de/fzk/idcplg?IdcService=FZK_NATIVE&dDocName=ID_055724 (16.10.07).                                          36   Siehe BMBF u. a. 2006: Eckpunktepapier KIT.

16   Meike Rehburg | Verbündete im Wettbewerb | Friedrich-Ebert-Stiftung 2007                                                                                                                                               Neue Formen der Kooperation am Beispiel des KIT   17
Technologie soll darin liegen, wissenschaftliche Exzel-                         zeptentwicklung waren auch eine Arbeitsgemein-             ken und mehr Gewinn zu erzielen. Hier jedoch, bei              Rechtliche Grundlagen
lenz „auf Weltspitzenniveau“ zu erreichen, attraktiver                          schaft des Bundesministeriums für Bildung und For-         der Zusammenführung der Universität mit dem For-
für die besten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaft-                           schung, der baden-württembergischen Ministerien            schungszentrum Karlsruhe, sei die bessere Forschung            Der rechtliche Rahmen des Karlsruher Instituts für
ler aus aller Welt zu werden und somit im internatio-                           für Wirtschaft und für Wissenschaft, Forschung und         das Ziel. Es gehe darum, Synergieeffekte zu erzielen,          Technologie ist bislang nicht abschließend festge-
nalen Wettbewerb bestehen zu können. Zudem solle                                Kunst sowie der Helmholtz-Gemeinschaft beteiligt.37        beispielsweise Großgeräte gemeinsam zu nutzen und              legt. Dem FZK-Vorstandsvorsitzenden Umbach zu-
der Nachwuchs „optimal gefördert“ werden.                                       Im Juli 2007 wurde die erste Pressekonferenz zum           bessere Betreuungsrelationen für die Studierenden              folge werden zwar im Gründungsvertrag, der Ende
                                                                                Karlsruher Institut für Technologie veranstaltet.          zu schaffen.41 Insofern könne man die Ausgangsfrage            des Jahres 2007 unterzeichnet werden soll, bereits
Die Verfasser des Eckpunktepapiers hatten sich zum                              Derzeit, im Herbst 2007, wird der Gründungsvertrag         wiederum bejahen. Die BCG erhoffe sich, dass „Made             wichtige rechtliche Punkte geklärt sein. Allerdings,
Zeitpunkt der Veröffentlichung bereits darauf geeinigt,                         für das KIT erarbeitet, er muss laut den Förderauf-        by KIT“ zukünftig ein Gütezeichen werde, das den Er-           so räumte er in der Pressekonferenz im Juli 2007
dass die Führungspersonen der beiden am KIT beteilig-                           lagen im Rahmen der Exzellenzinitiative spätestens         folg der gemeinsamen Arbeit zeige.                             ein, werden auch nach dem offiziellen Start des
ten Einrichtungen wechselseitig in den jeweils beste-                           am 31. Dezember 2007 vorliegen und unterzeichnet                                                                          KIT die beiden Einrichtungen, Universität und For-
henden Führungsgremien mitwirken sollten. Weiterhin                             werden. Der offizielle Start des Karlsruher Instituts                                                                     schungszentrum, auf absehbare Zeit eigenständig
wurde vereinbart, dass Universität und Forschungszen-                           für Technologie ist auf den 1. Januar 2008 ange-           Finanzielle Grundlagen                                         bleiben. Umbach sprach, wie auch im Hinblick auf
trum bis spätestens Mai 2007 gemeinsam ein Gesamt-                              setzt.                                                                                                                    die finanziellen Regelungen (siehe oben), von meh-
konzept für die Gründung des KIT erstellen sollten. Da-                                                                                    Träger der Universität Karlsruhe ist das Land Ba-              reren Jahren als Übergangszeit. Rechtlich wird es
rin sollten, so die Anforderung, die Forschungsbereiche,                                                                                   den-Württemberg. Das Forschungszentrum Karls-                  somit innerhalb des neuen Instituts nach wie vor
in denen das Institut weltweite Spitzenpositionen an-                           Rolle der Boston Consulting Group                          ruhe hingegen wird von öffentlicher Seite als Ein-             eine Trennung zwischen den beiden Ursprungsein-
strebe, und die entsprechenden Strategien beschrieben                                                                                      richtung der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher                  richtungen geben. „Das ist ein riesengroßes Experi-
werden. Die wichtigsten Schritte und Termine der Zu-                            Seit Anfang des Jahres 2007 wird die geplante Zu-          Forschungszentren zu 90 % vom Bund und zu 10                   ment“, so Umbach, „und wir können hier noch keine
sammenführung sollten ebenso festgelegt werden wie                              sammenlegung der Universität und des Forschungs-           % vom Land finanziert. Die Förderung des KIT im                fertige Lösung präsentieren.“ So seien noch entschei-
strategische Planungen zur Nachwuchsförderung und                               zentrums Karlsruhe von Unternehmensberatern der            Zuge der Exzellenzinitiative wird der Bund-Län-                dende Fragen zu klären.
Einbeziehung der Wirtschaft.                                                    Boston Consulting Group (BCG) begleitet.38 Die Ver-        der-Vereinbarung entsprechend jeweils zur Hälfte
                                                                                antwortlichen auf Seiten der Wissenschaft haben da-        von Bund und Land getragen. Neben der rechtlich                Hippler betonte allerdings, dass das neue Institut kei-
Den Aufgaben des Forschungszentrums wird im Eck-                                mit, etwa drei Monate nach Bekanntgabe des Erfolgs         verankerten öffentlichen Finanzierung stellen staat-           nesfalls nur als Dachorganisation für die Universität
punktepapier ein eigener Abschnitt gewidmet. Das                                in der Exzellenzinitiative, zusätzliche Expertise aus      liche und private Drittmittel sowohl für die Uni-              und das Forschungszentrum oder gar als zusätzliche,
FZK bearbeite als Einrichtung in der Helmholtz-Ge-                              dem betriebswirtschaftlichen Bereich hinzugezogen.         versität als auch für das Forschungszentrum ein                dritte Einrichtung zu verstehen sei, denn diese würde
meinschaft national bedeutsame Forschungsaufga-                                 „Unser BCG-Team mit drei Beratern vor Ort möch-            wichtige Einnahmequelle dar. Derzeit finanzieren               nur zu mehr Bürokratie, aber nicht zu mehr Effizienz
ben. Von „besonderer, unverzichtbarer Bedeutung“,                               te einen Beitrag dazu leisten“, wird Martin Wörtler,       sich die beiden Einrichtungen zu jeweils rund 30               in der wissenschaftlichen Arbeit führen. Das Ziel sei
so die Festlegung des BMBF, sei auch zukünftig die                              BCG-Geschäftsführer, zitiert, „dass das Potenzial der      % aus Drittmitteln. Insgesamt verfügen die Univer-             tatsächlich die Verschmelzung von Universität und
Arbeit des FZK im Bereich der Energieforschung. Das                             beiden Karlsruher Institutionen Universität und For-       sität und das Forschungszentrum Karlsruhe über                 Forschungszentrum.
Zentrum solle in Deutschland eine führende Rolle                                schungszentrum optimal genutzt wird“.                      jährliche Budgets in Höhe von 271 Mio. Euro bezie-
übernehmen. In Kooperation mit deutschen und in-                                                                                           hungsweise 300 Mio. Euro.42                                    Sowohl Umbach als auch Hippler äußerten im Hinblick
ternationalen Partnern solle eine „Research School of                           Die Begleitung erfolgt in der Form eines „Pro-Bono-                                                                       auf die bestehenden Regulierungen und Grenzen des
Energy“ eingerichtet werden.                                                    Projektes“, was bedeutet, dass die für das Projekt ein-    Dem KIT stehen damit rechnerisch pro Jahr mehr als             deutschen Rechts den Wunsch nach Experimentier-
                                                                                gesetzten Mitarbeiter ihre Arbeitskraft honorarfrei zur    570 Mio. Euro zur Verfügung. Auch wenn offizielle              klauseln für das Modell KIT. Im Personalrecht sei es bei-
Insgesamt zeigt das Papier deutlich, dass nicht nur                             Verfügung gestellt haben. Die BCG investiert auf diese     Darstellungen bisweilen nahe legen, dass es sich da-           spielsweise bisher nicht vorgesehen, dass die Mitarbei-
die am KIT beteiligten wissenschaftlichen Einrich-                              Weise in Initiativprojekte im Bereich Gesellschaft, Bil-   bei um ein gemeinsames Budget handelt: Faktisch                terinnen und Mitarbeiter des Forschungszentrums als
tungen, sondern auch der Bund und das Land Baden-                               dung und Forschung.39 Die Frage bei der Begleitung         „sind und bleiben die Finanzströme getrennt“, wie              Bundesangestellte im neuen Institut auch für die Lehre
Württemberg in dem neuen Verbund ein Symbol für                                 in diesem speziellen Fall lautete Wörtler zufolge: Wel-    der Vorstandsvorsitzende des Forschungszentrums                eingesetzt würden. Dies sei aber ein wesentlicher Punkt
die Erneuerung des deutschen Wissenschaftssystems                               che Erkenntnisse über die Zusammenführung zweier           in der Pressekonferenz am 17. Juli 2007 sagte. Dies ist        in der Zusammenführung der Einrichtungen. Auch die
sehen – ein hoher Stellenwert, verbunden mit hohen                              wissenschaftlicher Einrichtungen kann man aus der          jedoch weniger als eigenständige Entscheidung der              flexiblere, d.h. in dem Fall nach oben offene Entloh-
Anforderungen an alle Beteiligten.                                              freien Wirtschaft übernehmen? Kann man überhaupt           beiden beteiligten Einrichtungen zu sehen, sondern             nung von Wissenschaftlern sei im bestehenden Recht
                                                                                Vorgehensweisen aus der Wirtschaft in den Wissen-          vielmehr als eine sich aus dem komplexen föderalen             nur begrenzt möglich. Zudem dauerten Berufungsver-
Im Frühjahr 2007 erarbeiteten die Verantwortlichen                              schafts- und Forschungsbereich übertragen?40 Diese         System von Interessen und Verantwortlichkeiten                 fahren insbesondere am Forschungszentrum zu lange,
der Universität und des Forschungszentrums Karls-                               Frage sei zu verneinen, was das Ziel des Zusammen-         ergebende Notwendigkeit. Aufgrund der unter-                   mitunter bis zu zwei Jahren. Um konkurrenzfähig zu
ruhe gemeinsam mit Mitarbeitern der Boston Con-                                 schlusses betreffe. In der Wirtschaft würden Unterneh-     schiedlichen Aufgabenstellungen und Grundfinan-                sein, bedürfe die Einrichtung demnach dringend grö-
sulting Group das geforderte Gesamtkonzept (auch:                               mensfusionen stets aus Gründen der höheren Effizienz       zierungen der Institutionen durch das Land bezie-              ßerer Autonomie in personalrechtlichen Belangen.
Zielkonzept) für die KIT-Gründung. An der Kon-                                  vorgenommen, mit dem Bestreben, die Kosten zu sen-         hungsweise durch den Bund wird es auch nach der                Sonst könne man im internationalen Wettbewerb um
                                                                                                                                           Unterzeichnung des KIT-Gründungsvertrages kaum                 die Spitzenleute nicht mithalten. Das Bundesland Ba-
37   Vgl. KIT 2007: Presseinformation 1, S. 3.
                                                                                                                                           möglich sein, eine einheitliche Finanzierungsgrund-            den-Württemberg, so die Vermutung, werde auf solche
38   A.a.O.                                                                                                                                lage zu schaffen.                                              Wünsche eingehen und entsprechende Klauseln ein-
39   „Mit dem gleichen Anspruch, mit dem wir uns um Höchstleistungen für unsere Kunden bemühen, realisieren wir ­P rojekte,
     die oft Vorbildfunktion bekommen oder Signalwirkung entfalten. (...) Allein zwischen 1994 und 2003 hat BCG weltweit                   41   Der hier behauptete Unterschied der Ziele von Fusionen in der Wirtschaft einerseits und in der Wissenschaft ande-
     rund 200 so genannte Pro-bono-Projekte durchgeführt.“ Vgl. The Boston Consulting Group (2007): BCG stellt sich vor:                        rerseits ist kritisch zu betrachten. Auch bei der Zusammenführung zweier wissenschaftlicher Einrichtungen geht es um
     Corporate Citizenship. http://www.bcg.de/bcg/csr/citizenship/index.jsp (06.08.08).                                                         Kosteneinsparungen mittels des effizienten Einsatzes von Ressourcen.
40   Zitiert nach den Aussagen Wörtlers in der Pressekonferenz zur Vorstellung des KIT am 17. Juli 2007.                                   42   Vgl. FZK: Daten und Fakten über das KIT.

18   Meike Rehburg | Verbündete im Wettbewerb | Friedrich-Ebert-Stiftung 2007                                                                                                                                                  Neue Formen der Kooperation am Beispiel des KIT   19
Sie können auch lesen