WAYNE MARSHALL - NOVEMBER 2020 ELBPHILHARMONIE GROSSER SA AL
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der Elbphilharmonie Hamburg.
juliusbaer.comWILLKOMMEN Mit seiner charmanten Art und seiner brillanten Musikalität begeistert der bri- tische Organist Wayne Marshall weltweit sein Publikum. In der Elbphilharmonie improvisiert er heute über Themen seines musikalischen Fixsterns Leonard Bern- stein und des großen 250-Jahr-Jubilars Ludwig van Beethoven. Damit setzt er die Tradition komponierender Improvisatoren fort, die in der Orgelwelt besonders aus- geprägt ist. Daneben erklingen gewichtige Werke der französischen Orgelliteratur sowie versierter Komponistenkollegen.
Montag, 2. November 2020 | Elbphilharmonie Großer Saal Orgel pur | 1. Konzert WAYNE MARSHALL ORGEL PROGRAMM 18:30 UHR Wayne Marshall Improvisation: Hommage à Lenny Marcel Dupré (1886–1971) Symphonie-Passion op. 23 (1924) Le monde dans l’attente du Sauveur (Die Welt in Erwartung des Erlösers) Nativité (Geburt) Crucifixion (Kreuzigung) Résurrection (Auferstehung) ca. 30 Min. George C. Baker (*1951) Deux Évocations (2017) Evocation 1: June 2, 1937 (Ad Memoriam Louis Vierne) Evocation 2: April 22, 1984 (Ad Memoriam Pierre Cochereau) ca. 15 Min.
PROGRAMM 21 UHR Andrew Ager (*1962) Toccata und Fuge ca. 10 Min. Charles-Marie Widor (1844–1937) Sinfonie Nr. 6 g-Moll op. 42/2 Allegro Adagio Intermezzo Cantabile Finale ca. 35 Min. Wayne Marshall Improvisation über Themen von Ludwig van Beethoven Das Konzert um 21 Uhr wird auf www.elbphilharmonie.de übertragen und bleibt danach für 12 Monate online abrufbar. Gefördert durch die
Wayne Marshall genießt als Dirigent, Organist und Pianist gleichermaßen hohes
Ansehen. Seit 1996 ist er Organist in Residence an der Bridgewater Hall in Man-
chester. Nachdem er von 2014 bis zum Sommer 2020 Chefdirigent des WDR
Funkhausorchesters war, konzentriert er sich nun wieder vermehrt auf solis-
tische Projekte. Einen besonderen Fokus legt der Brite dabei auf die Musik von
George Gershwin, Leonard Bernstein und zeitgenössischen amerikanischen
Komponisten.
Als Organist verfügt Wayne Marshall über ein ausgesprochen weit gefä-
chertes Repertoire, mit dem er weltweit auftritt. So konzertierte er am Wiener
Konzerthaus, der Philharmonie in Paris und der Royal Albert Hall in London
sowie sowie in San Francisco, Peking und Südkorea. Mit dem Los Angeles Phil-
harmonic unter Esa-Pekka Salonen spielte er die Uraufführung von James
MacMillans Orgelkonzert A Scotch Bestiary, das er später gemeinsam mit dem
BBC Philharmonic auf CD einspielte.
Als Pianist tritt Wayne Marshall regelmäßig mit dem London Symphony
Orchestra auf. Mit den Berliner Philharmonikern konzertierte er unter Claudio
Abbado und unter Sir Simon Rattle. Gemeinsam mit Letzterem ist er als Pianist
auf der DVD Bernstein – Wonderful Town zu erleben.
Als Dirigent stand Wayne Marshall unter anderem am Pult des Royal Scottish
National Orchestra, des Leipziger Gewandhausorchesters, der Philharmonie
Dresden, der Wiener Symphoniker und des Hong Kong Philharmonic Orchestra.
Regelmäßig tritt er als Dirigent und Organist bei den BBC Proms auf, wo er bei-
spielsweise die Aufführung von Porgy and Bess zum 100. Geburtstag von George
Gershwin leitete. An der Deutschen Oper Berlin dirigierte er Bernsteins Ope-
rette Candide und Kurt Weills Oper Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny. An der
Dresdner Semperoper stand er für John Harrisons The Great Gatsby am Pult.
Für das Album A Gershwin Songbook erhielt Wayne Marshall den Echo Klas-
sik. Gemeinsam mit dem WDR Funkhausorchester veröffentlichte er in diesem
Jahr seine jüngste CD Gershwin: Born to play.PROGRAMM 18:30 UHR
IM GEIST DER IMPROVISATION
Johann Sebastian Bach hat es getan, Ludwig van Beethoven
ebenfalls – im Konzert live zu improvisieren. Diese besondere
Fähigkeit gehört heutzutage vor allem für zwei Musikertypen
zum Alltag: für Jazzer und für Organisten. Und sie bedeutet
weit mehr, als nur ein bisschen aus dem Augenblick heraus zu
präludieren und eine Floskel an die nächste zu reihen. Auf das
Timing kommt es an und auf Struktur. Ein Gespür für die Dra-
maturgie und die Stimmung eines Stückes braucht es ebenso
wie eine sichere Technik. Kurzum: Improvisation ist eine Kunst,
sie ist aber auch ein Handwerk.
AUS DEM STEGREIF
Zur Improvisation gehört natürlich auch Inspiration. Dieses
Wort trifft auf Leonard Bernstein gleich doppelt zu: als Kom-
ponist und Pianist flog ihm die Inspiration nur so zu, und als
Dirigent, Humanist und Motivator inspirierte er Mitstreiter und
Zuhörer auf der ganzen Welt. Obgleich klassisch ausgebildet,
war er in musikalischer Hinsicht sehr polyglott. Kein Genre war
ihm fremd, kein Stil zu entfernt, um nicht das Beste aus allen
musikalischen Welten zu einem unglaublich vielfältigen und
facettenreichen Gesamtwerk ohne jegliche Berührungsängste
zu verschmelzen. Völlig ohne Vorurteile nutzte und kombinierte
er Klassik, Musical, Jazz, Blues, Rock und lateinamerikanische
Musik – man denke nur an die West Side Story. Für die Kriti-
ker der damaligen Zeit war das skandalös, doch Bernstein,
der auch Sinfonien, Lieder, Kammer-, Klavier- und Filmmusik
Leonard Bernstein schrieb, scherte sich einen Teufel um Konventionen. Worüber
auch immer Wayne Marshall heute aus dem Stegreif improvi-
siert, eines ist sicher: für eine Hommage à Lenny bietet Bern-
steins Schaffen genug Inspiration28.750 Pfeifen, 729 Register-Schalter, 6 Manuale: der Spieltisch der größten Orgel der Welt im Wanamaker-Kaufhaus in Philadelphia MUSIK ALISCHE STERNSTUNDE Auch die Symphonie-Passion von Marcel Dupré ist ursprünglich als Improvisa- tion entstanden. Auf einer Amerikatournee gab Dupré – Titular-Organist an der Kirche St. Sulpice in Paris und eine der zentralen Figuren der französischen Orgelwelt des 20. Jahrhunderts – ein Impro-Konzert an der großen Orgel im Wanamaker-Kaufhaus in Philadelphia. Es sollte ein legendärer Abend werden, wie Dupré in seinen Memoiren beschreibt: »Ich werde nie jenen 8. Dezember 1921 vergessen, an dem ich unter den Themen für die Improvisation auch einige gregorianische Choräle erhielt: Jesus redemptor, Adeste fideles, Stabat mater und Adoro te. Blitzartig hatte ich die Vorstellung von einer Sinfonie in vier Sät- zen; diese sollte meine Symphonie-Passion werden, deren Komposition ich bei meiner Rückkehr nach Frankreich begann. Als Dr. Russel [der Musikdirektor der Wanamaker-Kaufhäuser] mein Vorhaben ankündigte, stand der ganze Saal auf, und ich spielte in einem Zustand des Hochgefühls wie nur selten.« Drei Jahre später vollendete Dupré sein Werk; heute ist die Symphonie- Passion eines seiner populärsten Werke. Der erste Satz Die Welt in Erwartung des Erlösers beginnt mit fiebrigen Rhythmen, die die erwartungsvolle Unruhe der Welt symbolisieren. Erst das gregorianische Thema bringt Ruhe und Erlö- sung und wird zu einem strahlenden Schluss geführt. Geburt illustriert eine idyllische Krippenszene und – durch den Choral Adeste fideles – die Ankunft der Heiligen Drei Könige.
P R O G R A M M 18 : 3 0 U H R
Die stolpernden Ostinato-Rhythmen und die schroffen Harmo-
nien der Kreuzigung schildern das Leiden Jesu. Sie gehen auf in
einem wie entrückt wirkenden Zitat des Stabat mater. Die Auf-
erstehung schließlich ist ein fortlaufendes Crescendo, das sich
von einem verhaltenen Pianissimo-Beginn zu einer gewaltigen
und triumphalen Schlussapotheose entwickelt.
A LA FRANÇAISE
Ganz in der französischen Tradition stehen die Deux Evocations
von George C. Baker, die zwei Heroen der dortigen Orgel-
kultur gewidmet sind: Louis Vierne und Pierre Cochereau.
Beide waren Titular-Organisten der Pariser Kathedrale Notre-
Dame; beide waren nicht nur Komponisten, son-
dern haben sich auch als geniale Improvisatoren George C. Baker
einen Namen gemacht. Baker wiederum ist nicht
nur als Organist eine Koryphäe: Im Hauptberuf
ist er Dermatologe und zählt auch als solcher zu
den renommiertesten Vertretern seines Faches.
Die beiden Widmungsträger haben seine Musik
tief geprägt.
Die Themen, die den Evocations zu Grunde lie-
gen, sind gregorianischen Ursprungs: Die medi-
tative erste Evocation verwendet Hymnen, die mit
Jesu Mutter Maria assoziiert werden – direkt am
Anfang etwa in einem Pedalsolo, das von ruhig
voranschreitenden Akkorden begleitet wird. Die
zweite Evocation beginnt mit ruhelos pulsieren-
den Akkorden und entwickelt sich zu einer mitrei-
ßenden Toccata. Direkt am Anfang zitiert sie die
Ostersequenz Victimae paschali laudes.PROGRAMM 21 UHR VIRTUOS UND MUSIKALISCH Mit der Virtuosität ist das so eine Sache. Natürlich muss ein Musiker sein Inst- rument beherrschen, und dazu zählen auch flinke Finger und die möglichst sou- veräne Beherrschung technischer Schwierigkeiten wie etwa rasanter Läufe. Am Orgelspieltisch mit seinen mehreren Manualen plus Pedalen lässt sich damit besonders viel Eindruck machen. Allerdings stand Virtuosität schon immer im Verdacht, nur Show zum Selbstzweck zu sein – etwa beim legendären Geiger Niccolò Paganini. Doch ohne Musikalität berührt selbst die größte Virtuosität nicht. Im zweiten Konzert des Abends beweist Wayne Marshall, dass sich bei- des miteinander verbinden lässt. TRADITIONSGATTUNG Eigentlich stand Andrew Agers Karriere als Kom- Andrew Ager ponist unter keinem guten Stern: Der versierte Pianist flog von der Schule und musste sich die entsprechenden Fertigkeiten im Heimstudium selbst beibringen. Den Durchbruch schaffte der Kanadier nicht zuletzt mit einer Reihe von Orgel werken. Heute gilt er als einer der gefragtesten Komponisten seiner Generation und ist mit Opern wie Frankenstein, Casanova, Führerbunker an vie- len Häusern präsent. Mit Toccata und Fuge widmet sich Ager einer tradit ionellen Orgelgattung, die er jedoch mit zeitgemäßem Leben füllt. Das vertrackte Prä- ludium lebt von zusammengesetzten Rhythmen und sich ständig verschiebenden Betonungen. Die Fuge beginnt ganz harmlos in C-Dur, löst sich jedoch nach und nach von konventionellen Regeln – sowohl denen einer Fuge als auch der Tonalität – und endet mit einem fulminanten Finale.
Modell der Cavaillé-Coll-Orgel im mittlerweile abgerissenen Saal des Palais du Trocadéro SINFONISCHES SCHWERGEWICHT Einer der größten Hits der Orgelliteratur ist die Toccata aus der Fünften Orgel- sinfonie von Charles-Marie Widor. Neben diesem Schwergewicht führen seine weiteren neun Orgelsinfonien ein gewisses Schattendasein. Dabei sind sie nicht weniger hörenswert, illustrieren sie doch den Höhepunkt der französischen Orgelromantik. Maßgeblich geprägt wurde er durch die neuartigen, riesigen Instrumente des Orgelbauers Aristide Cavaillé-Coll. Als Titular-Organist der Pariser Kirche St. Sulpice – ein Amt, das Widor ganze 64 Jahre (!) ausübte – hatte er eine solche »Spielwiese« zur Verfügung. »Die moderne Orgel ist im Wesentlichen sinfonisch«, lautete daher seine Prämisse. »Für dieses neue Ins- trument müssen wir eine neue Sprache und ein anderes Ideal als die scholas- tische Polyphonie haben.« Mit anderen Worten: Ein neuer Instrumententypus verlangt auch nach neuer Musik. Weniger Fugen im Stile Bachs, mehr breit- wandige Klanggemälde im Stile aktueller Orchesterwerke. Folgerichtig nannte Widor seine Stücke »Sinfonien«. Die Sechste schrieb er 1878 für die Weltaus- stellung in Paris zur Einweihung einer neuen Cavaillé-Coll-Orgel im neuen, heute leider teilweise abgerissenen Saal namens Trocadéro.
PROGR A MM 21 UHR
Der erste Satz ist ein vor expressiver Vitalität nur so strotzen-
des und ziemlich virtuoses Allegro, dessen direkt zu Beginn
vorgestelltes erstes Thema voller Dramatik steckt. Einen Kon-
trast dazu bildet ein zweites Thema, das wie ein Rezitativ wirkt.
Das folgende Adagio basiert auf einem choralartigen Thema,
das vielfach variiert wird. Albert Schweitzer zufolge wurde die-
ser Satz durch die Musik Richard Wagners inspiriert, die Widor
kurz zuvor in Bayreuth gehört hatte.
Der mittlere dritte Satz ist ein Scherzo, bei dem ein ruhiger
Mittelteil von zwei virtuosen Rahmenteilen umschlossen wird.
Im folgenden Cantabile komponiert Widor reinstes Belcanto
und lässt eine Solostimme singen. Das abschließende marsch-
ähnliche Rondo ist voller dynamischer Kontraste und gipfelt in
einer stürmischen Coda.
IMPROVISATOR BEETHOVEN
Zwei Messen gab es jeden Vormittag am Hofe des Bonner Kur-
fürsten. An allen Sonn- und Feiertagen musste zudem noch
die nachmittägliche Vesper begleitet werden. Ein nicht uner-
hebliches Arbeitspensum für den jungen Ludwig van Beet
hoven, der dort als zweiter Hoforganist angestellt war. Doch
auch die Gelegenheit, einen reichen Schatz an Erfahrungen zu
sammeln, denn es wurde stets viel improvisiert. Davon dürfte
Beethoven später bei zahlreichen »Improvisationsduellen« Hier mit Bleistift und Partitur,
sehr profitiert haben, etwa im Wettstreit mit dem Komponisten noch lieber aber improvisierend
unterw egs: Ludwig van Beethoven
Joseph Woelfl. Auch bei Aufführungen seiner Klavierkonzerte
improvisierte Beethoven oft aus rudimentären Skizzen – meist,
weil er mit der ordentlichen Niederschrift nicht rechtzeitig
fertiggeworden war. Viele Anknüpfungspunkte also für Wayne
Marshall, der zum Abschluss des heutigen Konzerts seiner-
seits über Themen von Beethoven improvisiert.
GUIDO KR AWINKEL8
6
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6
4
5
7 2
3
1DIE ORGEL
Diese Grafik zeigt einen Blick in die Orgel der 4 HAUPTWERK
Elbphilharmonie, der im Saal so nicht mög- Das klangliche Rückgrat der Orgel. Wie der
lich ist. Denn weite Teile sind durch den soge- Name schon vermuten lässt, entstehen hier
nannten Prospekt verdeckt, die Schauseite, die die Haupt-Klangfarben der Orgel. Gespielt
sich aus den größten Metallpfeifen zusammen- wird es auf dem zweiten Manual von unten.
setzt. Eine Besonderheit der Elbphilharmonie-
Orgel ist, dass man diese Pfeifen anfassen 5 SCHWELLWERK
kann. Dazu sind sie mit einem speziellen Lack Wie das Chor werk ist auch dieses Werk
versehen, der keine Fingerabdrücke annimmt. »schwellbar«. Gespielt wird es auf dem zweiten
Zudem sind die »Münder« der Pfeifen nach hin- Manual von oben. Hier stehen viele Register, die
ten gedreht, damit nichts hineinfallen kann. einen sinfonischen Klang erzeugen. Anzahl und
Klangfarben der Pfeifen in diesem Werk sind so
1 WINDVERSORGUNG gewählt, dass man das Schwellwerk sehr laut
Die Lunge der Orgel: Da kein Organist der und auch ganz leise spielen kann.
Welt ausreichend Puste für die vielen Pfeifen
hat, übernehmen das vier große Gebläse mit 6 SOLOWERK
Elektromotoren. Die Luft wird auf den exakt Gespielt vom obersten Manual, enthält das
benötigten Druck reguliert und durch hölzerne Solowerk außergewöhnliche Klangfarben und
Kanäle zu den Pfeifen geführt. einige sehr laute Register, die sich gut für her-
vorgehobene melodische Linien eignen.
2 SPIELTISCH
Von hier aus (oder vom mobilen, elektronisch 7 GROSSPEDAL
verbundenen Duplikat auf der Bühne) kann der Pfeifen dieses Werkes erklingen, wenn man
Organist jede Pfeife einzeln oder in Kombina- die Orgel über die Pedale mit den Füßen spielt.
tion mit anderen Pfeifen ansteuern. Jeder Kla- Da hier die tiefsten Töne produziert werden,
viatur – vier Manuale für die Hände und Pedale stehen hier auch die längsten und dicksten
für die Füße – sind bestimmte Pfeifenreihen Pfeifen – darunter die größte Pfeife der Orgel,
zugeordnet. Jede Reihe bildet ein Register mit die über zehn Meter lang ist. Register mit
einer individuellen Klangfarbe; Gruppen von kürzeren Pfeifen stehen in der Abteilung des
Pfeifenreihen werden »Werke« genannt. Kleinpedals hinter dem Solowerk.
3 CHORWERK 8 FERNWERK
Die P feifen des Chor werks werden vom Das Fernwerk zählt zu den »Special Effects«
untersten Manual gespielt. Sie stehen in einem der Orgel. Seine Pfeifen stehen im runden
großen Kasten mit Türen, die über ein Fuß- Klangr eflektor, der mittig über der Orches-
pedal geöffnet und geschlossen werden kön- terbühne hängt, und erzeugen daher einen
nen, um die Lautstärke zu variieren. Chorwerk anderen räumlichen Klang als die anderen
heißt es, weil es sich besonders für die Beglei- Werke. Das Fernwerk kann von jedem Manual
tung eines Chores eignet. im Spieltisch bedient werden.Blick ins Innere der Elbphilharmonie-Orgel 4.765 PFEIFEN Die Orgel der Elbphilharmonie ist ca. 15 × 15 Meter groß und wiegt etwa 25 Tonnen. Sie besteht aus 4.765 Pfeifen, deren Länge von gerade einem Zentimeter bis zu zehn Metern reicht. Sowohl in der Tiefe als auch in der Höhe kann die Orgel damit Töne an der Grenze des Hörbaren erzeugen; besonders in der Tiefe kann man sie mehr fühlen als hören. 380 Pfeifen sind aus Holz gefertigt, die übrigen aus unterschiedlichen Zinnlegierungen. Pro Minute rauschen bis zu 180 Kubikmeter Wind hindurch – das Volumen einer 60-Quadratmeter-Wohnung mit drei Meter hohen Decken. Insgesamt haben an dem Instrument 45 Orgelbauer über 25.000 Stunden gearbeitet. Hier eine Liste aller Pfeifen- register. Jedem Register entspricht ein Schalter am Spieltisch. Bei den rechts genannten Zahlen handelt es sich um die im Orgelbau üblichen Maße in »Fuß«, die jeweils die Länge der längsten Pfeife (also des tiefsten Tones) im Register angeben. Ein Fuß entspricht ca. 32 cm.
DIE ORGEL
CHORWERK C-c 4 Vox coelestis 8’ KOPPELN
schwellbar, 8’/4’ ausgebaut bis c 5 Principal 4’ Chorwerk Subkoppel
Konzertflöte 8’ Traversflöte 4’ Chorwerk Superkoppel
Quintaton 8’ Doublette 2’ Chorwerk Äquallage ab
Bordun 8’ Nonencornett VI 2 2/3’ Schwellwerk an Chorwerk
Viola 8’ Mixtur IV 1 1/3’ Solowerk an Chorwerk
Vox angelica 8’ Bombarde 16’ Chorwerk an Hauptwerk
Zauberflöte 4’ Trompete 8’ Schwellwerk an Hauptwerk
Violine 4’ Hautbois 8’ Solowerk an Hauptwerk
Quintflöte 2 2/3’ Vox humana 8’ Schwellwerk Subkoppel
Piccolo 2’ Tremulant Schwellwerk Superkoppel
Terzflöte 1 3/5’ Schwellwerk Äquallage ab
Larigot 1 1/3’ SOLOWERK C-c 4 Solowerk an Schwellwerk
Septime 1 1/7’ Claribel 8’ Solowerk Subkoppel
Harmonia aetheria IV 2 2/3’ Stentorgambe 8’ Solowerk Superkoppel
Orchesterclarinette 8’ Horn 8’ Solowerk Äquallage ab
Corno di Bassetto 8’ Bombard Tuba 16’ Fernwerk Subkoppel
Tremulant Tuba mirabilis 8’ Fernwerk Superkoppel
Fernwerk Äquallage ab
HAUPTWERK C-c 4 FERNWERK C-c 4 Fernwerk an Chorwerk
Principal 16’ im Reflektor Fernwerk an Hauptwerk
Principal major 8’ Seraphonflöte 8’ Fernwerk an Schwellwerk
Principal minor 8’ Seraphonflöte 4’ Fernwerk an Solowerk
Geigenprincipal 8’ Stentorklarinette 16’ Chorwerk an Pedal
Flaut major 8’ Stentorklarinette 8’ Hauptwerk an Pedal
Bordun 8’ Schwellwerk an Pedal
Octave 4’ PEDAL C-g1 Solowerk an Pedal
Blockflöte 4 Super Solowerk an Pedal
Flöte 32’
Quinte 2 2/3’ Fernwerk an Pedal
Untersatz 32’
Octave 2’ Pedal Superkoppel
Principal 16’
Cornett V 8’ Flöte 16’
Mixtur IV 2’ Subbass 16’
Trompete 16’ Violon 16’
Trompete I 8’ Octavbass 8’
Trompete II 8’ Cello 8’
Tremulant Gedecktbass 8’
Octave 4’
SCHWELLWERK C-c 4 Mixtur IV 2 2/3’
Bordun 16’ Contra Posaune 32’
Diapason 8’ Trombone 16’
Harmonieflöte 8’ Posaune 16’
Rohrflöte 8’ Trompete 8’
Viola di Gamba 8’TIPP
DINNER MIT HÄNDEL
Der größte Star des barocken Londoner Musiklebens war ein
Sachse: Georg Friedrich Händel trat mit seinen Opern einen
regelrechten Musiktheater-Boom los. Da die Aufführungen oft
ausuferten, war es üblich, in den Pausen ein Dinner einzuneh-
men, was wiederum mit Musik begleitet wurde. Maurice Steger,
berühmt als »Paganini der Blockflöte«, hat ein solches Pausen-
konzert rekonstruiert und bringt es als »Mr Handel’s Dinner«
zusammen mit dem La Cetra Barockorchester Basel in die
Laeiszhalle. Über etwaige Corona-bedingte Anpassungen des
Programms werden Abonnenten und Ticketkäufer – wie beim
heutigen Konzert – natürlich rechtzeitig benachrichtigt.
Fr, 8.1.2021 | Laeiszhalle | Maurice Steger: »Mr Handel’s Dinner«
Es ist nicht gestattet, während des Konzerts zu filmen oder zu fotografieren.
IMPRESSUM
Herausgeber: HamburgMusik gGmbH
Geschäftsführung: Christoph Lieben-Seutter (Generalintendant), Jochen Margedant
Redaktion: Clemens Matuschek, Simon Chlosta, Laura Etspüler, Janna Berit Heider
Lektorat: Reinhard Helling
Gestaltung: breeder typo – alatur, musialczyk, reitemeyer
Druck: Flyer-Druck.de
Gedruckt auf FSC-zertifiziertem Papier
Anzeigen: Antje Sievert, +49 40 450 698 03, antje.sievert@kultur-anzeigen.com
BILDNACHWEIS
Wayne Marshall (unbezeichnet); Leonard Bernstein (unbezeichnet); Wanamaker Grand
Court Organ in Philadelphia (r/organ on Reddit) George C. Baker (unbezeichnet); Andrew
Ager (Peter Robb); Palais du Trocadéro (unbezeichnet); Ludwig van Beethoven: Gemälde
von Joseph Karl Stieler, 1820 (Beethoven-Haus Bonn); Pfeifen der Elbphilharmonie-Orgel
(Maxim Schulz); Pfeifen-Detail (Peter Hundert); Maurice Steger (Marco Borggreve)WIR DANKEN UNSEREN PARTNERN
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das Wellen schlägt.
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