Wohnstandort-Entwicklung Münster - Herausforderungen und Chancen für innerstädtische Quartiere - Stadt Münster

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Wohnstandort-Entwicklung Münster - Herausforderungen und Chancen für innerstädtische Quartiere - Stadt Münster
Wohnstandort-Entwicklung Münster
              Herausforderungen und Chancen
                 für innerstädtische Quartiere
Wohnstandort-Entwicklung Münster - Herausforderungen und Chancen für innerstädtische Quartiere - Stadt Münster
Wohnstandort-Entwicklung Münster 2010
Wohnstandort-Entwicklung Münster - Herausforderungen und Chancen für innerstädtische Quartiere - Stadt Münster
Inhalt

         Vorwort ........................................................................ 2

         Einleitung...................................................................... 4
         Große Erfolge – und spannende Fragen

         DiE HErausForDErunGEn DEs WoHnunGsMarktEs
         Münster – ein Magnet für Menschen................................... 6
         Gesellschaftlicher Wandel:
         kleinere Haushalte – mehr Wohnungen .............................. 8
         Wenn Wohnungen knapp bleiben – die Folgen .................... 10

         DiE antWort: Ein bEDarFsGErEcHtEr anGEbotsMix

         Welcher bedarf ist zu erwarten? ....................................... 12
         Grobes Mengengerüst und qualitative Gewichtung

         Welche angebote hat Münster vorzuweisen?....................... 14
         Eigenheimsiedlungen: Gutes Polster
         sozialer Wohnungsbau: Wichtig, aber nicht ausreichend
         Der schlüssel: Mehrfamilienhäuser in zentralen Lagen

         Wieder im trend: urbanes Wohnen ................................... 18
         Dichte und Vielfalt – soziale nähe und kurze Wege

         Exkurs: abbruch und neubau ......................................... 22
         Was kommt auf die stadt zu?

         Den ausgleich von Gemeinwohl
         und Einzelinteresse finden ............................................. 23

         informationen/kontakt ................................................. 25

         impressum .................................................................. 25

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Wohnstandort-Entwicklung Münster 2010
Wohnstandort-Entwicklung Münster - Herausforderungen und Chancen für innerstädtische Quartiere - Stadt Münster
Vorwort
    Mit dem Profil „Wissenschaft und Lebens-        genheimwunsch das Marktgeschehen. Als
    art“ ist Münster für die Herausforderungen      aber nach 1989 mit der Entwicklung im
    der Zukunft gerüstet. Das unverwechsel-         Osten Deutschlands und Europas Tausende
    bare Stadtbild, Handel, Wirtschaft, Wissen-     von Neubürgern in die Stadt kamen, konn-
    schaft, Kultur und Verwaltung leisten ihren     te nur durch eine massive Ausweitung des
    Beitrag für eine hohe Lebensqualität, für       Geschosswohnungsbaus die Wohnungsver-
    eine Stadt im Gleichgewicht – nachhaltig        sorgung gesichert werden. Nach der Über-
    lebenswert. Ein wichtiger Beitrag hierzu        windung dieser stürmischen Entwicklungs-
    ist ein Wohnungsangebot, das für alle An-       phase hat dann wieder der Eigenheimbau
    forderungen etwas zu bieten hat. Dabei          die Oberhand gewonnen. Erst das Auslau-
    finden besondere Wohnformen, die auf            fen der Eigenheimzulage hat den Eigen-
    spezifische Nachfragewünsche zugeschnit-        heimbau wieder merklich gedämpft. Heute
    ten sind, immer mehr Verbreitung. Vielfalt      steht der Wohnungsmarkt in Münster vor
    und Anpassungsfähigkeit sind die Stärken        einer neuen Herausforderung, denn der
    des Wohnungsangebotes in Münster.               demografische Wandel wird künftig die
                                                    Nachfrage nach Wohnungen stark beein-
    Gerade diese Anpassungsfähigkeit hat            flussen. Und die Stadt ist auf einem guten
    sich in der Vergangenheit bereits als vor-      Weg, sich auch dieses Mal auf die neu-
    teilhaft erwiesen, denn seit jeher ist der      en Anforderungen einzustellen, damit sie
    Wohnungsmarkt einem permanenten Wan-            ihren Erfolgskurs in der Stadtentwicklung
    del unterworfen. Ursache dafür sind neben       fortsetzen kann.
    einer unsteten Einwohner- und Haushalts-
    entwicklung die Herausbildung neuartiger        Ein funktionsfähiger Wohnungsmarkt mit
    Lebensstile mit jeweils spezifischen Wohn-      attraktiven Angeboten für alle Nachfrage-
    präferenzen, bundespolitische Entschei-         gruppen wird für die Städte im ganzen
    dungen zum Steuer- und Mietrecht und            Land immer wichtiger, seit die fiskalische
    nicht zuletzt die wirtschaftliche Lage mit      Bedeutung einer positiven Einwohner-
    ihrem Einfluss auf die Aufgaben der sozi-       entwicklung Eingang in die Überlegungen
    alverantwortlichen Wohnungsversorgung.          zur Stadtpolitik gefunden hat. Die Er-
    Über viele Jahre prägte in Münster der Ei-      kenntnis wächst, dass der Wettbewerb der

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Wohnstandort-Entwicklung Münster - Herausforderungen und Chancen für innerstädtische Quartiere - Stadt Münster
Städte und Gemeinden um die knapper              wachsendes Angebot an neuen Woh-            der gleichzeitig den Erfordernissen
werdenden Einwohner auch über das Woh-           nungen in unterschiedlichen Lagen und       einer nachhaltigen Stadtentwicklung
nungsangebot entschieden wird. Doch wie          Qualitäten. Mit ihrem Nachfragever-         gerecht wird.
kann die Stadt gezielt Einfluss nehmen auf       halten bieten sie den Investoren eine     • Die Verwaltung unterstützt dabei die
den städtischen Wohnungsmarkt? Die Mög-          wichtige Orientierung. Die Bezieher         Politik. Eine ihrer Aufgaben ist es der-
lichkeiten zur unmittelbaren Einwirkung          niedriger Einkommen bevorzugen die          zeit, über die demografisch bedingten
sind gering. Die Baulandbereitstellung ist       preiswerten Altbaubestände oder die         Anforderungen an den Wohnungsmarkt
nach wie vor eine Aufgabe der Stadt, aber        noch verbliebenen preisgebundenen           zu informieren und das öffentliche In-
bei weitem keine hinreichende Vorleistung        Wohnungen.                                  teresse an der Entwicklung des Wohn-
für die Entwicklung attraktiver Wohnungs-      • Es gibt gute ökologische und stadtöko-      standortes Münster herauszuarbeiten.
angebote. Das Geschehen am Wohnungs-             nomische Argumente für die bauliche         Dadurch soll um Verständnis für die
markt wird durch das Zusammenwirken              Weiterentwicklung der Siedlungsbe-          Handlungserfordernisse zur Wohn-
aller Marktakteure bestimmt.                     stände. Der Wohnungsneubau an in-           standortentwicklung in Münster ge-
• Damit Investoren ihr Kapital im Woh-           nerstädtischen Standorten, sei es in        worben werden. Eine weitere Aufgabe
    nungsneubau anlegen, müssen die              Baulücken, auf Flächen mit ehemals          der Verwaltung ist es, gute Projekte im
    Ertragsaussichten günstig sein. Es ist       anderen Nutzungen oder als Ersatz-          Sinne der Entwicklung des Wohnstand-
    von großem Vorteil, dass Münster in          wohnungsbau für Abbruchgebäude,             ortes Münster zu unterstützen.
    der Immobilienbranche als lukrativer         wird daher in Fachkreisen positiv
    Standort gilt.                               gesehen. Doch die Bewohner inner-         Diese Broschüre soll einen Beitrag leisten,
• Diejenigen, die einen Wohnungsbe-              städtischer Wohnquartiere empfinden       um die Bürgerschaft über Hintergründe,
    stand halten und am Markt als Vermie-        starke bauliche Eingriffe und Nut-        Chancen, Risiken und Notwendigkeiten
    ter auftreten, sind an einer langfristig     zungsänderungen in ihrer Umgebung         der Wohnungsmarktentwicklung zu infor-
    hohen Wohnungsnachfrage interes-             zuweilen als eine Gefährdung der eige-    mieren, um künftige Entwicklungen und
    siert, damit sie sichere Einnahmen er-       nen Wohn- und Lebensqualität.             Projekte aktiv begleiten zu können.
    zielen und ihren Bestand dauerhaft be-     • Die Interessen und Aktivitäten der Ak-
    wirtschaften können. Die Vermehrung          teure auf dem Wohnungsmarkt sind
    des Wohnungsangebotes steht bei „Be-         offensichtlich sehr vielfältig, und un-
    standshaltern“ nicht im Vordergrund.         sere Stadtpolitik hat sich zur Aufgabe
• Anders die Interessenlage von Woh-             gemacht, zwischen den verschiedenen                              Hartwig Schultheiß
    nungssuchenden. Sie schätzen ein             Interessen einen Ausgleich zu finden,                                 Stadtdirektor

                                                                                                                                         3
Wohnstandort-Entwicklung Münster 2010
Wohnstandort-Entwicklung Münster - Herausforderungen und Chancen für innerstädtische Quartiere - Stadt Münster
Große Erfolge – und
      spannende Fragen

              Keine Frage: Münster ist ein attrak-     Die größte Herausforderung der städ-
            tiver und erfolgreicher Wohnstandort.      tischen Wohnungspolitik stellte sich be-
                                                       reits zu beginn der 1990er-Jahre. Die Öff-
                Die Nachfrage nach Wohnraum ist
                                                       nung der Grenzen hatte zwischen ost und
               überdurchschnittlich, genauso wie       West gewaltige Wanderungsbewegungen
                 die Wohnbauleistung der letzten       ausgelöst. Der Wohnungsmarkt der stadt
              20 Jahre. Die hohe Nachfrage nach        Münster musste in wenigen Jahren den
              Wohnungen in Münster wird in den         Zuzug von 10.000 Menschen verkraften –
                                                       auch für die kommunale Wohnungspolitik
             kommenden Jahren weiter anhalten,
                                                       ein einschneidendes Ereignis.
             und die Entwicklung des Wohnungs-
              marktes wird damit zu einer strate-      Die stadtpolitik reagierte mit großer
             gischen Schlüsselfrage für die Stadt-     Einmütigkeit auf diese Herausforderung
                                                       und verstärkte die aktivitäten zur bau-
                                     entwicklung.
                                                       landentwicklung und Wohnbauförderung.
                                                       im vom rat der stadt Münster 1993 be-
                                                       schlossenen Handlungsprogramm Woh-
                                                       nen (HPW 93) wurden diese aktivitäten
                                                       gebündelt und aufeinander abgestimmt.
                                                       auf der Grundlage des HPW 93 gelang es
                                                       – im rahmen einer „baulandoffensive“ –
                                                       zahlreiche neue Wohnbaugebiete auf den
                                                       Weg zu bringen. Viele davon sind heute
                                                       bereits vollständig bebaut (z. b. in Grem-
                                                       mendorf und Hiltrup oder die ehemaligen
                                                       Lincoln- und Portsmouth-kasernen), eini-
                                                       ge noch in der besiedlungsphase (z. b. in
                                                       roxel, Gievenbeck, Wolbeck, amelsbüren,
                                                       albachten und Mecklenbeck).

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Wohnstandort-Entwicklung Münster - Herausforderungen und Chancen für innerstädtische Quartiere - Stadt Münster
Münster
                                                   Hamm
                                                    Bonn
                                                 Bielefeld
                                                     Köln
                                                Dortmund
                                              M‘gladbach
                                             Oberhausen
                                                  Aachen
                                               Düsseldorf
                                                Duisburg                                                         Wohnungszuwachs
                                                   Essen                                              der kreisfreien Städte in NRW
                                                 Bochum                                                             2000 - 2008 (in %)
                                            Gelsenkirchen
                                                                               2                  4                  6                   8

                                            Dank der quantitativen Erfolge im Woh-        wicklung als attraktiver Wohnstandort.
  Beispiele für den Wohnungsbau:
                                            nungsbau konnte bereits 1996 mit der          Die Frage lautet: Wie können wir den
  Baugebiete in Gievenbeck Südwest (l.)     ersten Fortschreibung des Handlungspro-       Wohnungsmarkt künftig so gestalten,
  und Roxel Nord (r.)                       gramms Wohnen eine Qualitätsoffensive         dass er ein aktivposten für unsere stadt-
                                            eingeleitet werden. Gleichzeitig wurden       entwicklung bleibt und nachhaltig dazu
Da die örtlichen unternehmen kräftig in     die Weichen für eine Verstetigung der         beiträgt, die Zukunftschancen Münsters
den Wohnungsbau investierten, konnten       baulandentwicklung gestellt. seitdem          weiter zu unterstützen?
die Engpässe in wenigen Jahren über-        sichert ein baulandmonitoring die trans-
wunden werden. und auch im neuen            parenz über das Flächenangebot. Davon         Eine solche strategische Perspektive
Jahrtausend steht der Wohnungszuwachs       profitieren einerseits die bauinteressen-     ist nicht nur grundlegend dafür, dass
in Münster landesweit an der spitze unter   ten, andererseits helfen diese Erkennt-       die Wohnungspolitik ihren beitrag zur
den vergleichbaren städten (s. Grafik).     nisse, die weitere baulandbereitstellung      stadtentwicklung leisten kann – sie er-
                                            durch Planung und Erschließung zu steu-       laubt auch überraschende Erkenntnisse.
bis heute wirken auch die organisato-       ern.                                          so etwa die, dass der häufig geführte
rischen regelungen nach, die seinerzeit                                                   Grundsatzstreit, ob nun mehr Eigenheim-
getroffen wurden, um die baulandbereit-     Mit der zweiten (2000) und dritten (2005)     bau oder mehr Geschosswohnungsbau für
stellung zu beschleunigen und die Wohn-     Fortschreibung des HPW hat die stadt ihr      unsere stadt von größerer Wichtigkeit
bautätigkeit anzukurbeln. als wertvolles    wohnungspolitisches aufgabenspektrum          sind, zwar als interessanter Diskurs, aber
steuerungsinstrument hat sich seither       entscheidend weiterentwickelt. neben          doch nur als nebenschauplatz erscheint.
das städtische baulandprogramm be-          die sozial verantwortliche Wohnungsver-       Jedenfalls, wenn seine bedeutung ge-
währt. Die orientierung an diesem Pro-      sorgung und die baulandbereitstellung         messen wird an dem, was an Heraus-
gramm sorgt dafür, dass mit der besied-     tritt nun die strategische Wohnstandort-      forderungen auf die Wohnungspolitik in
lung von neubaugebieten zeitnah auch        entwicklung: kommunale Wohnungspoli-          Münster zukommt.
die erforderlichen sozialen infrastruk-     tik in Münster wird als teil einer nachhal-
tureinrichtungen bereitstehen. Für ihre     tigen stadtentwicklung verstanden.
baulandpolitik und ihre erfolgreichen
konversionsprojekte erhielt die stadt       Das heißt: Zur Profilierung Münsters als
mehrere auszeichnungen.                     „stadt der Wissenschaft und Lebensart“
                                            gehört auch – als zentraler bestandteil
                                            – eine aktive und vorausschauende Ent-

Einleitung
                                                                                                                                         5
Wohnstandort-Entwicklung Münster - Herausforderungen und Chancen für innerstädtische Quartiere - Stadt Münster
Die Herausforderungen
    des Wohnungsmarktes

      I

                              Das hat konsequenzen: Günstige arbeits-
                              platzperspektiven und hohe Lebensquali-
                              tät der stadt wirken anziehend auf viele
                              Menschen. so hält etwa die bevölkerungs-
                              prognose des Landes nrW ein Wachstum
                              Münsters auf 288.000 Einwohner (mit
                              Hauptwohnsitz) innerhalb der nächsten
                              zwei Jahrzehnte für möglich und realis-
                              tisch. Das wäre ein Plus von gut 14.000
                              Einwohnern gegenüber heute. Diese güns-
                              tigen Zukunftsaussichten teilt Münster in
                              ganz nrW nur noch mit den städten köln,
                              bonn und Düsseldorf.

                              Damit stellt sich jedoch eine entschei-
                              dende Frage: Wo sollen diese neu-
                              Einwohner eigentlich unterkommen?
                              im büro oder an der uni kann man ja
                              schlecht wohnen.

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                            Wohnstandort-Entwicklung Münster 2010
Wohnstandort-Entwicklung Münster - Herausforderungen und Chancen für innerstädtische Quartiere - Stadt Münster
Eine solch positive Einwohnerentwicklung kann also nur eintreten, wenn dafür auch    mit Wohnort Münster ist aber annähernd
ausreichend neue Wohnungen gebaut werden. Und umgekehrt gilt: Eine ungenügende       gleich geblieben. Stattdessen ist die
Entwicklung als Wohnstandort würde verhindern, dass die positiven Entwicklungs-      Zahl der Einpendler um 40 % gestiegen
chancen Münsters sich auch in einem Anstieg der Einwohnerzahlen niederschlagen       (s. Grafik).
können.
                                                                                     Mit anderen Worten: Die Attraktivität der
Aber mehr noch: Bei genauem Hinschauen gilt dies nicht erst für die absehbare        Stadt als Wirtschafts- und Bildungsstand-
Zukunft, sondern zeichnet sich schon in heutigen Zahlen ab. So ist etwa seit 1990    ort und die äußerst günstige Arbeitsplatz-
die Beschäftigtenzahl in Münster um ca. 20 % gestiegen. Die Zahl der Beschäftigten   entwicklung haben sich bisher noch nicht
                                                                                     in einem entsprechenden Umfang in der
                                                                                     Einwohnerentwicklung niedergeschla-
                                                                                     gen. Trotz der großen Anstrengungen
                                                                                     und Erfolge konnte das Wohnungsan-
               Zuwachs der Beschäftigten in Münster                                  gebot noch nicht mit der Dynamik der
                                                                                     Arbeitsplatzentwicklung Schritt halten.
140 %               insgesamt                                                        Es ist daher eine große Herausforderung
                    mit Wohnort in Münster                                           für alle Akteure, den Wohnungsmarkt –
                    Einpendler                                                       gemäß den Zielen der Stadtentwicklung
                                                                                     – als positiven Standortfaktor weiter zu
130 %
                                                                                     entwickeln.

120 %

110 %

100 %

        1990                    1995           2000               2005        2008

Herausforderungen
                                                                                                                                  7
Wohnstandort-Entwicklung Münster - Herausforderungen und Chancen für innerstädtische Quartiere - Stadt Münster
Gesellschaftlicher
               Wandel:
    kleinere Haushalte
    – mehr Wohnungen

            Der zweite Trend, der für den Anstieg     im rahmen des gesellschaftlichen und
              der Wohnungsnachfrage in Münster        demografischen Wandels verkleinern sich
                                                      die Haushalte – aus den verschiedensten
            sorgt, ist schwerer zu erkennen, aber
                                                      Gründen. Die kinderzahl in den Fami-
                          nicht weniger wirksam.      lien geht zurück. Die „normalfamilie“
                                                      ist längst nicht mehr das überwiegende
                                                      Lebens- und Wohnmodell. Paare tren-
                                                      nen sich, die Zahl der alleinerziehenden
                                                      steigt. ausdifferenzierte individuelle
                                                      Lebensstile führen zur Entscheidung
                                                      für das alleinleben. auch der anstieg
                                                      des durchschnittlichen Lebensalters hat
                                                      auswirkungen auf die anzahl und die
                                                      durchschnittliche Größe der Haushalte.
                                                      Eltern, deren kinder die elterliche Woh-
                                                      nung verlassen haben, bleiben meist in
                                                      ihrer gewohnten umgebung, ebenso wie
                                                      alleinstehende Ältere. Zwar gibt es neue
                                                      Formen für gemeinschaftliches Wohnen
                                                      im alter, sie sind aber weit davon ent-
                                                      fernt, die Wirkung dieses trends aufzu-
                                                      halten.

                                                      Entscheidend für den Wohnungsmarkt ist
                                                      nun: Werden die Haushalte bei gleichblei-
                                                      bender bevölkerungszahl kleiner, steigt
                                                      ihre anzahl. Da die Wohnungsnachfrage

8
                                                    Wohnstandort-Entwicklung Münster 2010
Der Trend geht zu kleineren Haushal-
                                                                                        ten. Dies zeigt sich im Rückgang der
                                                                                        Personen pro Wohneinheit. Stadtweit
                                                                                        ist diese „Belegungsdichte“ allein von
                                                                                        2000 bis Anfang 2009 von 2,029 auf
                                                                                        1,901 Personen gesunken, also um
                                                                                        0,128 (im Durchschnitt).

                                                             Kleinere Haushalte

                                                             0,128 - 0,25               Die Karte zeigt, in welchen Stadtteilen
                                                             über 0,25                  dieser Wert überdurchschnittlich ge-
                                                                                        sunken ist.

sich nicht an Personen, sondern an Haus-    nerentwicklung, sie schrumpften teilwei-
halten bemisst, steigt also der Bedarf an   se deutlich. Selbst innerhalb einzelner
Wohnungen stetig. Mit anderen Worten:       Stadtteile ist bei kleinräumiger Betrach-
Schon um die Einwohnerzahl nur zu hal-      tung dieser Zusammenhang von unzurei-
ten, bedarf es eines ständigen „Nach-       chendem Wohnungsneubau, Rückgang
schubs“ an neuen Wohnungen. Bleibt          der Belegungsdichte (Personenzahl pro
Wohnungsneubau in nennenswertem             Wohnung) und schrumpfender Bevölke-
Umfang hingegen aus, schrumpft die Be-      rungszahl genau zu verfolgen.
völkerung eines Viertels, einer Stadt.
                                            Fazit: Schon allein um die heutige Be-
Diese Entwicklung lässt sich auf der Ebe-   völkerungszahl zu halten und die zuneh-
ne von Münsters Stadtteilen sehr gut be-    mende Anzahl der Haushalte und indi-
obachten. Seit dem Jahr 2000 konnten        viduelle Wohnvorstellungen auffangen
vor allem die Stadtviertel Einwohnerzu-     zu können, braucht Münster Wohnungs-
wächse verzeichnen, bei denen es einen      neubau in erheblichem Umfang. Das gilt
Wohnungszuwachs von mehr als 10 %           sowohl für die Innenstadtquartiere als
gab. Stadtteile mit einem Wohnungszu-       auch für einzelne Stadtteile, die andern-
wachs von unter 5 % hatten dagegen          falls von Stagnation und Schrumpfung
kaum Chancen auf eine positive Einwoh-      bedroht sind (s. Grafik).

Herausforderungen
                                                                                                                                  9
Wenn Wohnungen
        knapp bleiben
          – die Folgen

             Eins ist sicher: Auch wenn es nicht      Mehr Einpendler
             gelingt, in Münster das Wohnungs-
            angebot erheblich zu steigern, wird       Wenn Menschen in Münster arbeiten,
            es keine neue Wohnungsnot geben.          aber nicht hier wohnen, weil sie keine
           Die langfristigen Auswirkungen eines       passenden Wohnungsangebote finden,
                                                      ist das für die stadt mit erheblichen
            in Menge und Qualität nicht ausrei-
                                                      nachteilen verbunden. Die täglichen
             chenden Angebotes an Wohnungen
                                                      berufspendler belasten straßen und
           machen sich schleichend bemerkbar.         umwelt. nur ein Drittel der Münstera-
            Sie sind auf lange Sicht nachteilig –     ner fährt mit dem auto zur arbeit, die
             für die gesamte Stadt und letztlich      berufspendler hingegen zu 80 %. Viele
                                                      Engpässe auf den Hauptverkehrsstraßen,
             auch für die einzelnen Bürgerinnen
                                                      Lärm und hohe Feinstaubbelastungen
                                     und Bürger.      sind Folge gestiegener Pendlerzahlen.
                                                      Die Emissionen der Einpendler werden
                                                      der städtischen klimabilanz angelastet.
                                                      Das straßennetz immer weiter auszubau-
                                                      en oder gar eine Verlagerung der arbeits-
                                                      plätze an die Wohnorte der Pendler in
                                                      kauf zu nehmen, kann keine Lösung sein.
                                                      Das interesse der stadt Münster muss da-
                                                      rauf gerichtet sein, denen, die hier ar-
                                                      beiten und wohnen wollen, auch in Preis
                                                      und Qualität passende Wohnangebote zu
                                                      machen.

10
                                                    Wohnstandort-Entwicklung Münster 2010
Nachteile für Wirtschaft
und Infrastruktur

A

                                                                                Schrumpfende Quartiere (2000 - 2009)
                                                                                mit Bevölkerungsrückgängen von
                                                                                    über 10 %
                                                                                    5 - 10 %
                                                                                    bis 5 %

                           nerzahl führt zu einer schleichenden         und bleibt Wohnraum knapp, steigen die
                           aushöhlung des Quartiers, die infrastruk-    Preise – jedenfalls dann, wenn die stadt
                           tur ist nicht mehr ausgelastet, Versor-      als ort zum Leben weiterhin attraktiv
                           gungsangebote werden ausgedünnt, bis         bleibt. im Zusammenwirken mit allen
                           schließlich Versorgungslücken entstehen.     akteuren des Wohnungsmarkts muss das
                           Eine gute Wohn- und Lebensqualität ist       bewusstsein dafür gestärkt werden: un-
                           also auf Dauer an eine stabile Einwohner-    zureichende investitionen im Wohnungs-
                           entwicklung gekoppelt. in homogenen          bau bewirken ein hohes Preisniveau und
                           siedlungen beispielsweise, die in kurzen     verschlechtern deutlich die günstigen
                           Zeiträumen entstanden sind, altert und       Entwicklungsperspektiven Münsters.
                           schrumpft die bevölkerung quasi kollek-
Alternde und               tiv. Gerade hier ist es für die stabilität
schrumpfende Quartiere     und Vitalität des Viertels von überra-
                           gender bedeutung, dass neue Wohnange-
S                          bote, insbesondere für junge Haushalte,
                           im bestand entwickelt werden.

                           Steigendes Preis- und
                           Mietniveau

                           nicht zuletzt: Der Wohnungsmarkt un-
                           terliegt den Mechanismen von angebot
                           und nachfrage. Wird zu wenig gebaut

Herausforderungen
                                                                                                                   11
Die antwort:
     Ein bedarfsgerechter angebotsmix

                     Welcher Bedarf ist
                          zu erwarten?
      Wenn in Münster in den kommenden        Quantitative Nachfrage:                      Das heißt: Für die kommenden zwei Jahr-
                                                                                           zehnte ergibt sich ein orientierungswert
      Jahren zu wenige Wohnungen in den       Ein grobes Mengengerüst
      nachgefragten Kategorien angeboten                                                   für den Wohnungsbedarf von insgesamt
                                                                                           rd. 25.000 neuen Wohnungen. Der größe-
                 werden, hat dies negative    um die Herausforderungen zu verdeutli-       re teil davon fällt vor 2020 an, weil die
        Auswirkungen auf Stadtökonomie,       chen, vor denen die künftige Entwicklung     Einwohnerentwicklung nicht gleichmäßig
             Demografie und Klimaschutz.      des Wohnstandorts Münster steht, hier        erfolgt. Voraussichtlich wird sie vor 2030
                                              zunächst ein blick auf die Größenord-        ihren Höhepunkt erreichen. Geht man
     Genau an diesem Punkt setzt die stra-
                                              nungen.                                      davon aus, dass 15.000 Wohneinheiten
        tegische Wohnstandortentwicklung
                                                                                           vor 2020 gebraucht werden, dann erfor-
     an, die mit dem „Handlungsprogramm       • Der überwiegende anteil des zusätz-        dert dies in den kommenden Jahren eine
       Wohnen“ 2005 bereits vom Rat der         lichen Wohnungsbedarfs entsteht            durchschnittliche jährliche bauleistung
         Stadt Münster beschlossen wurde.       durch die anhaltende tendenz zu            von 1.500 Wohnungen. baufertigstel-
                                                kleineren Haushalten und führt damit       lungen in diesem umfang hat es in Müns-
       Das Ziel: Die Chancen auf eine posi-
                                                zu einer geringeren Wohnungsbele-          ter letztmalig im Jahr 2001 gegeben.
       tive Einwohnerentwicklung, die aus       gungsdichte. in Zahlen ausgedrückt:        Hinzu kommt, dass der Ersatz nicht mehr
         der Arbeitsmarkt- und Hochschul-       Falls sich dieser trend (von 1990 2,1      marktgerechter altbauten für Münster in
      entwicklung resultieren, sollen durch     auf heute 1,9 Personen pro Wohnein-        Zukunft eine zunehmend größere rolle
                                                heit) selbst nur abgeschwächt fort-        spielen wird (vgl. s. 22: abbruch und
     ausreichende Angebote am Wohnungs-
                                                setzt, brauchen wir in Münster bis         neubau).
                    markt genutzt werden.
                                                2030 rund 18.000 Wohnungen, allein,
      Auf welche künftige Nachfrage muss        um den heutigen Einwohnerstand zu          Doch selbst diese überschlägigen Zahlen
       sich Münsters Strategie einrichten?      halten.                                    sind noch sehr summarisch, sie verraten
                                                                                           zu wenig über den tatsächlichen bedarf.
                                              • Das Land nrW prognostiziert für Müns-      Dafür müssen wir genauer hinschauen
                                                ter bis zum Jahr 2030 eine Zunahme         und fragen: auf welche bereiche wird
                                                um ca. 14.000 Einwohner. um diesen         sich die künftige nachfrage erstrecken?
                                                anstieg der Einwohnerzahl zu reali-        Für welche Wohnformen besteht beson-
                                                sieren, müssen rund 7.000 Wohnein-         derer bedarf?
                                                heiten neu gebaut werden.

12
                                                                                         Wohnstandort-Entwicklung Münster 2010
Die Nachfrage,                               • sicher ist auch, dass die Zahl der ty-    Diese qualitative Gewichtung erlaubt
                                               pischen „Eigenheim-bauer“, in der         nun eine genauere aufschlüsselung des
qualitativ gewichtet                           regel Familien mit kindern, zurück-       Mengen-bedarfs:
                                               gehen wird.
U                                            • Es wird künftig sehr viel mehr Ein-       • bis zum Jahr 2030 könnte der neubau
                                               und Zwei-Personen-Haushalte mit             von rd. 25.000 Wohneinheiten – ohne
                                               Lebensstilen jenseits der klassischen       Ersatzwohnungsbau – erforderlich
                                               Familie geben.                              werden, soll die Einwohnerzahl nicht
                                                                                           sinken und der prognostizierte Ein-
                                             Wie sieht nun das nachfrageverhalten          wohnerzuwachs realisiert werden.
                                             der Haushaltstypen aus, die zahlenmäßig     • Der Eigenheimbau wird, nach berech-
                                             zulegen werden? sie favorisieren urbane       nungen von Fachleuten, nur noch mit
                                             Wohnlagen, also zentrale standorte mit        etwa 5.000 bis 7.000 neubauten zur
                                             guter infrastruktur und der nähe zu kul-      Deckung dieses bedarfs beitragen.
                                             tur- und Freizeitangeboten. in Münster        Einmal, weil aus demografischen
                                             zählen dazu der stadtbezirk Mitte und         Gründen die Zahl der Haushalte sinkt,
                                             die zentralen Lagen der außenstadtteile.      die typischer Weise in einem Eigen-
                                             Die professionellen investoren auf dem        heim leben wollen. Gleichzeitig kom-
                                             Wohnungsmarkt haben diese Entwicklung         men im Zuge des Generationswechsels
                                             übrigens erkannt. Der Mehrfamilienhaus-       in älteren Eigenheimsiedlungen im-
                                             bau in zentralen Lagen – sei es in Form       mer mehr Gebrauchteigenheime auf
• sicher ist, dass es in Zukunft viel mehr   von Eigentum oder Miete – boomt, weil         den Markt.
  ältere alleinstehende oder Paare ge-       er langfristig auf eine sichere nachfrage   • Das Ergebnis heißt: bis 2030 müssten
  ben wird, die Wohnungen brauchen,          trifft und gute Erträge erbringt.             demnach etwa 18.000 bis 20.000 zu-
  in denen sie möglichst lange selb-                                                       sätzliche Wohnungen im Geschoss-
  ständig leben können. Das „Wohnen                                                        wohnungsbau errichtet werden –
  im alter“ ist bereits ein renner auf                                                     überwiegend in urbanen Lagen und an
  dem Wohnungsmarkt.                                                                       standorten mit guter infrastruktur.
                                                                                           nur so kann Münster seine Entwick-
                                                                                           lungschancen nutzen.

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                                                                                                                                   13
Welche Angebote hat
     Münster vorzuweisen?

          Jedes Bauvorhaben braucht ein Grundstück. Deshalb        Eigenheimsiedlungen –
          ist vor allem die Baulandentwicklung das Mittel, mit     schon jetzt ein gutes
          dem eine Stadt durch vorausschauende Planung den         Polster
           Wohnungsbau fördern kann. Über welche Angebote
            verfügt Münster, um der absehbaren Nachfrage zu        Zurzeit gibt es in Münster ein mengen-
                                                   begegnen?       mäßig ausreichendes Grundstücksange-
                                                                   bot für den Eigenheimbau. Die meisten
                                                                   neubaugebiete für Eigenheime mit der-
                                                                   zeit baureifen Flächen liegen am ortsrand
                                                                   der stadtteile. Diese werden überwiegend
                                                                   von privater seite angeboten. Die städ-
                                                                   tischen angebote sind in den letzten
                                                                   Jahren zurückgegangen.

                                                                   Für die Zukunft hat Münster gut vorge-
                                                                   sorgt und ausreichend reserveflächen für
                                                                   den Eigenheimbau ausgewiesen, die bei
                                                                   entsprechender nachfrage mittel- und
                                                                   langfristig baureif gemacht werden kön-
                                                                   nen.

                                                                   Hinzu kommt eine absehbare neue Ent-
                                                                   wicklung: in den kommenden Jahren
                                                                   und Jahrzehnten gelangen immer mehr
                                                                   Gebrauchteigenheime auf den Markt.
                                                                   Diese Häuser aus den 1950er-, 1960er-
                                                                   und 1970er-Jahren haben oft attraktivere
                                                                   standorte und liegen näher zu den Ver-
                                                                   sorgungs- und Freizeiteinrichtungen als

14                                                               Wohnstandort-Entwicklung Münster 2010
Schlachthof
           Geist
       Düesberg
      Rumphorst
      Uppenberg
     Gievenbeck
         Sentrup
   Mecklenbeck
      Albachten
           Roxel
      Nienberge
         Coerde
Kinderhaus-West
         Sprakel
     Mauritz-Ost
Gelmer-Dyckburg
         Handorf
Gremmendorf-Ost
    Angelmodde
        Wolbeck
    Hiltrup-Mitte
    Hiltrup-West
     Amelsbüren                                                           Bauland in Münster
                     100        200       300        400       500              Grundstücke für
                                                                             den Eigenheimbau
                           auf baureifen und mittelfristig baureifen Flächen (Stand 31.12.2009)

                                                Sozialer Wohnungsbau –                            Doch angesichts knapper Fördermittel
                                                                                                  wird der soziale Wohnungsbau nicht die
                                                wichtig, aber längst nicht                        Mengen- und Preisprobleme lösen kön-
                                                ausreichend                                       nen: Der Marktanteil preisgebundener
                                                                                                  Wohnungen am Wohnungsbestand in
  neue siedlungsflächen. immer mehr Men-        A                                                 Münster liegt bei unter 8 %. Das derzei-
  schen werden ihren Eigenheimwunsch                                                              tige Förderbudget für Münster reicht für
  künftig realisieren können, ohne selbst                                                         nicht einmal 100 Wohnungen pro Jahr,
  neu bauen zu müssen.                                                                            das sind weniger als 10 % der ange-
                                                                                                  strebten jährlichen bauleistung.
  Für die ausweisung großer neubau-
  gebiete am rand der außenstadtteile                                                             so paradox es im ersten Moment klingen
  werden zudem auch aus ökologischen                                                              mag: um ausreichend bezahlbaren Wohn-
  Gründen deutliche Grenzen gesetzt. Die                                                          raum in Münster zu haben, gilt es den
  Zukunft liegt im nachhaltigen Flächen-        A                                                 neubau in allen nachfragesegmenten zu
  management: bund, Land und stadt sind                                                           fördern. Denn: nur ein ausgewogener Ge-
  sich einig, Freiraum nur noch sehr zu-                                                          samtmix und ein ausreichendes angebot
  rückhaltend für siedlungszwecke zu nut-                                                         sorgen für genug Wohnungen und ent-
  zen. stattdessen sind verstärkt bestehen-                                                       lasten die innerstädtischen Wohnungs-
  de siedlungen bzw. konversionsflächen                                                           bestände im unteren Preissegment vom
  weiterzuentwickeln.                                                                             aufwertungsdruck kaufkräftiger nachfrage-
                                                                                                  gruppen.

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                                                                                                                                              15
Der schlüssel:
     Mehrfamilienhäuser in
           zentralen Lagen
                Schon quantitativ gilt: In Münster      neubaugebiete für Mehrfamilienhäuser in
             müssen erheblich mehr Mehrfamilien-        zentralen Lagen der stadt oder der stadt-
                                                        teile sind die ausnahme. Doch gelingt es
                 häuser gebaut werden, und das in
                                                        investoren immer wieder – was sehr po-
               nachfragegerechten Lagen, um den         sitiv ist –, für neubauvorhaben Lücken
              Wohnungsbedarf künftig zu decken.         im bestand zu finden. auch werden ei-
             Dies ist auch notwendig, um zentrale       nige Gebäude und Flächen, die heutigen
               Quartiere der Stadt und ihre Stadt-      anforderungen nicht mehr genügen, um-
                                                        strukturiert und für den Wohnungsbau
             teile aufzuwerten und vital zu halten.
                                                        gewonnen, ehemalige kasernen sind da-
               Doch ausgerechnet hier gibt es bis-      für in Münster ein gutes beispiel. Weitere
             lang die größten Lücken im Angebot.        Flächenpotenziale sind zwar vorhanden,
                                                        jedoch nicht einfach und zeitnah zu mo-
                                                        bilisieren.

                                                        Die Herausforderung lautet, ausreichend
                                                        standorte für den Geschosswohnungsbau
                                                        zu entwickeln. Die in den bisherigen Pla-
                                                        nungsüberlegungen georteten Potenziale
                                                        decken erst weniger als ein Drittel des
                                                        absehbaren bedarfs. Es kommt entschei-
                                                        dend darauf an, zusätzliche Flächen für
                                                        Mehrfamilienhäuser zu aktivieren, und
                                                        zwar an standorten, die der absehbaren
                                                        nachfrage entsprechen und die von den
                                                        investoren angenommen werden. Dazu
                                                        ist es unerlässlich, die anstrengungen
                                                        zur standortaktivierung im rahmen der
                                                        innenentwicklung zu verstärken.

16                                                    Wohnstandort-Entwicklung Münster 2010
Die stadt wird vor allem dort nachhelfen
müssen, wo Marktmechanismen allein –
aus welchen Gründen auch immer – nicht
                                           Das Fazit
zu guten Ergebnissen führen würden.
Dies ist etwa zu erwarten, wenn Lösungen   Die baulandentwicklung der stadt wird den schwerpunkt ihrer
über mehrere Grundstücke hinweg an-        aufmerksamkeit verlagern – von den neubaugebieten am stadt-
gestrebt werden. aber vor allem das        rand hin zu standorten im siedlungsbestand.
stadtpolitisch wichtige Ziel, an solchen
standorten auch und gerade für Familien    Diese neue aufgabe ist komplex und auf einen breiten rückhalt
mit kindern geeignete Wohnangebote zu      in der stadtbevölkerung angewiesen. Doch nur auf diesem Wege
schaffen, bedarf gezielter planerischer    können die Vorteile und chancen einer nachhaltigen Entwicklung
unterstützung.                             des Wohnstandorts Münster realisiert werden:

U                                          • ausreichende Wohnungsangebote für eine absehbar positive
                                             bevölkerungsentwicklung
                                           • bessere und ökonomischere auslastung der städtischen
                                             infrastruktur
                                           • stärkung und Vitalisierung der stadtviertel, insbesondere
                                             der innenstadt und der stadtteilzentren
                                           • reduzierung der Verkehrsbelastung durch berufspendler
                                           • Dämpfende Wirkung auf Preise und Mieten des Wohnungs-
                                             marktes
                                           • sicherung und stärkung der Zentralität der stadt für die
                                             gesamte region

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                                                                                                            17
Wieder im trend:
                               urbanes Wohnen
                  Dichte und Vielfalt – soziale Nähe und kurze Wege

     Fachleute verstehen unter „Innenentwick-      Für eine sich dynamisch entwickelnde
      lung“ die Modernisierung und Weiterent-      stadt ist innenentwicklung ein ganz
                                                   normaler Prozess. ohne die permanente
     wicklung bestehender Siedlungsstrukturen.
                                                   anpassung an aktuelle Erfordernisse wür-
      Vorhandene Gebäude und Nutzungen wer-        den im siedlungsbestand brachen, Leer-
     den angepasst, damit sie den Bedürfnissen     stände oder nur unzureichend genutzte
      ihrer künftigen Bewohner gerecht werden      areale verbleiben, während unbebaute
                                      können.      Flächen am siedlungsrand alle neuen
                                                   nutzungen aufnehmen müssten.

                                                   Das will niemand: Es wäre keine gesun-
                                                   de stadtentwicklung, immer nur außen
                                                   speck anzusetzen, statt die inneren or-
                                                   gane zu stärken. Ziel der innenentwick-
                                                   lung ist es, effiziente und kostengünstige
                                                   raumstrukturen zu schaffen. Dazu zählt
                                                   auch, die bevölkerung an standorten zu
                                                   halten und anzusiedeln, an denen bereits
                                                   gute Versorgungsstrukturen existieren.

18                                               Wohnstandort-Entwicklung Münster 2010
Geht doch! Gute Beispiele für erfolg-     Hanse-Carree: Sogar im Stadtzentrum       attraktiven Mischnutzung – inklusive
  reiche Innenentwicklung in Münster        neues Wohnen möglich • Scharnhorst-       hochwertigem Wohnen • Stubengasse:
  (von links):                              straße: Mehr Wohnraum für Studierende     Unten hochwertig einkaufen, oben hoch-
                                            • Rudolfstraße: Umbau eines ehema-        wertig wohnen • Zentrumsnahes Woh-
                                            ligen Bürohauses zu Wohnzwecken •         nen im Alter – an der Scharnhorststraße
                                            Der neue Germania-Campus mit einer

Das ist für Münster nichts völlig neues. auch bei uns gibt es zahlreiche aktuelle   auch an diesen standorten bestätigt sich
beispiele für gelungene Projekte der innenentwicklung. so wurden verschiedene       aufs neue: Der reiz des städtischen Woh-
bisher anderweitig genutzte Flächen in attraktive innerstädtische Wohnstandorte     nens liegt gerade in seiner lebendigen
verwandelt, z. b.:                                                                  Dichte und buntheit, in der Vielfalt
                                                                                    möglicher Erlebnisse, Erfahrungen und
• Gewerblich genutzte standorte           • Ehemalige sportflächen (Mersch-         kontakte, in kurzen Wegen und sozialer
  (soester straße/Meppener straße,          kamp, auf der Horst)                    nähe. und es ist kein Zufall, dass viele
  Wismarweg, Germania-Gelände,                                                      individuell begehrte Wohnformen nur
  Friedrich-Ebert-straße)                 • Ehemalige schulgebäude (Landwirt-       auf diese Weise zu realisieren sind: Von
                                            schaftsschule, kronprinzenstraße)       Penthouse und Loft über studentenapart-
• Ehemalige klosteranlagen (claris-                                                 ments oder autofreiem Wohnen bis hin zu
  senkloster an der scharnhorststra-      • baulücken, aufstockung, abriss und      verschiedensten Varianten des Wohnens
  ße, Franziskanerkloster am Hörster        neubau (kino stadt new York, Zu-        im alter.
  Platz/bohlweg)                            hornstraße/Ecke Maximilianstraße,
                                            sonnenstraße/Promenade, schul-          Ja – urbanes Wohnen ist ein kontrast
• Ehemalige kasernenareale (Prins-          straße, catharina-Müller-straße/        zum Wohnen im Vorort oder in ländlicher
  claus-straße, Lincoln-Quartier)           steinfurter straße)                     umgebung. aber dieser kontrast wird von
                                                                                    vielen bürgern bewusst gewählt und ge-
• Ehemalige bürogebäude (arbeits-                                                   wollt. und immer mehr Menschen – auch
  amt Wolbecker straße/sternstraße,                                                 in Münster – wissen seine Vorteile zu
  rudolfstraße)                                                                     schätzen.

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                                                                                                                                19
Oben von links:                           Unten von links:
     Vorbildliche Sanierung am Breul – unter   Das neue Stadtquartier Schulstraße auf      Sternstraße: Mit dem Umbau des alten
     aktiver Einbeziehung der Bewohner •       dem Gelände der ehemaligen Eichen-          Arbeitsamtes neuen Wohnraum im Ost-
     Mindener Straße: Neues, zeitgemäßes       dorff-Schule – Stadtbrache genutzt,         viertel geschaffen
     Wohnen im Bestand                         harmonisch in die umgebende Bebauung
                                               eingefügt

20                                                                                      Wohnstandort-Entwicklung Münster 2010
Oben von links:                          Unten von links:
 Attraktiver Wohnungsneubau auf einer     Wohnen in Zentrumsnähe – zwischen    Hörster Platz: Exklusives Neubauquartier
 ehemaligen Gewerbefläche an der          Gasselstiege und Catharina-Müller-   auf ehemaligem Klosterareal
 Soester Straße • Öffentlich geförderte   Straße
 Wohnungen an der Grevener Straße

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                                                                                                                          21
E X K U R S

     Abbruch und Neubau
     Was kommt auf die Stadt zu?

     Gebäude halten nicht ewig. Normalerweise steht irgendwann die Überlegung an:                     Was die Sache kompliziert macht: Das
     Lohnt sich noch eine umfassende Investition in den Bestand – oder ist Abbruch mit                Alter allein ist dabei nicht einmal das
     anschließendem Neubau die bessere Lösung? Bei Wohngebäuden rechnet man mit                       entscheidende Kriterium. Viele ältere
     einer durchschnittlichen Lebensdauer von rd. 100 Jahren.                                         Wohngebäude aus der Gründerzeit
     Auf Dauer betrachtet müsste also in jedem Jahr rd. 1% des Wohnungsbestandes                      (bis zum Ersten Weltkrieg) haben auch
     ersetzt werden. Umgerechnet auf die ca. 150.000 Wohnungen Münsters heißt das:                    noch auf lange Sicht eine gute Per-
     Allein, um den altersbedingten Verschleiß auszugleichen, müssten jährlich rund                   spektive, so dass sich Erhaltungs- und
     1.500 neue Wohnungen gebaut werden. Davon sind wir jedoch weit entfernt: In                      Modernisierungsinvestitionen lohnen.
     den letzten Jahren sind in Münster pro Jahr weniger als 0,05 % des Wohnungs-                     Umgekehrt gibt es aber auch in Münster
     bestandes abgebrochen und ersetzt worden. Anzunehmen, dass die Abbruchrate                       jüngere Wohnungsbestände, bei denen
     auf diesem derzeit extrem niedrigen Niveau verbleibt, ist völlig unrealistisch. Denn             heute schon absehbar ist, dass sie keine
     dies würde bedeuten, dass Wohngebäude in Münster durchschnittlich 2000 Jahre                     100 Jahre alt werden. So stammt ein
     alt werden.                                                                                      großer Teil des Wohnungsbestandes
                                                                                                      aus den ersten Nachkriegsjahrzehnten –
                                                                                                      gerade diesen Gebäuden wird nicht die
                                                                                                      beste Substanz attestiert.
                                                                                                      Beliebt ist das Thema nicht gerade,
                                                                                                      aber: Wir müssen uns darauf einstellen,
                                                                                                      dass Abbrüche von Wohngebäuden
                                                                                                      häufiger werden. Immerhin: Wenn die
                                                                                                      Standorte gut liegen, können hier oft
                                                                                                      deutlich mehr Wohnungen errichtet
                                                                                                      werden als zuvor – ein Vorteil auch aus
                                                                                                      Sicht der Wohnstandortentwicklung,
                                                                                                      um die Nachfrage in attraktiven Lagen
                                                                                                      auffangen zu können.

                                                                                                          1949 - 1957: 17,8 %
                                                                            1958 - 1968: 20,0 %                                    1919 - 1948: 10,2 %
                                                                                                                                            1901 - 1918: 3,2 %
                                                                                                                                                vor 1900: 2 %

                                                                             1969 - 1978: 17,6 %
                                                                                                                                1979 - 2008: 29,2 %

                                                                                                      Alter des
                                                                                                      Wohnungsbestandes
                                                                                                      in Münster

                                                                                                      aufgeschlüsselt nach Baujahrgängen

                                                                5 -15 %                               Die Karte zeigt den Anteil der
                                                                15 - 30 %                             über 50 Jahre alten Wohngebäude
                                                                30 - 60 %                             in den Stadtteilen (Stand 2009).
                                                                über 60 %

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Gemeinwohl und Einzelinteresse:
Den ausgleich finden
     Auch Menschen, die die Vorzüge    stets sind viele Menschen betroffen - ne-    Einen breiten Dialog initiieren, informie-
 städtischen Lebens gerne genießen,    ben den bewohnern und Eigentümern auch       ren und unterstützen, um Gemeinwohl
                                       anrainer, Händler oder Gewerbetreibende,     und Einzelinteressen in eine balance zu
tun sich manchmal schwer, wenn sich
                                       alle mit vielschichtigen Eigeninteressen.    bringen. Dazu soll diese broschüre einen
„ihr“ Viertel verändert – wenn neues   Den Vorteilen für stadt und Viertel insge-   ersten Diskussionsbeitrag leisten.
  Leben einzieht, neue Gebäude ent-    samt stehen manchmal nachteile für Ein-
stehen, neue Menschen dazukommen.      zelne gegenüber. Eine Planung über die
   Die Entwicklung von neuen Wohn-     köpfe von betroffenen hinweg verspricht
                                       von vornherein Misserfolg. Genaues Hin-
 standorten im gewachsenen Bestand
                                       sehen und Hinhören ist nötig, um auch für
  ist ein notwendiger und lohnender,   kleinräumliche Zusammenhänge und aus-
 aber auch ein komplexer, manchmal     wirkungen gute Lösungen zu entwickeln.
                schwieriger Prozess.
                                       oft sind aufwendige und geduldige kom-
                                       munikations- und klärungsprozesse er-
                                       forderlich, die umsichtige steuerung und
                                       gut begründete Vorschläge verlangen.
                                       Hier haben investoren, Verwaltung und
                                       Politik gemeinsam eine wichtige rolle:

Antworten
                                                                                                                                 23
Münster als Wohnstandort stärken – das ist auch das Ziel des arbeitskreises „Woh-
     nen in Münster“. Von der stadt Münster initiiert, arbeiten in ihm seit 2004 akteure
     aus Wohnungswirtschaft, immobilien- und Finanzwirtschaft, interessenverbänden,
     Politik und Verwaltung zusammen.

     Vor dem Hintergrund der in dieser broschüre beschriebenen Veränderungen versteht
     er sich vor allem als beratendes Gremium für die Politik bezüglich einer strategischen
     Wohnstandortentwicklung.

     Einige seiner Empfehlungen für Münster lauten beispielsweise:
     • Weiterentwicklung der Wohnungs- und Siedlungsbestände sowie ihre Anpassung
         an die sich wandelnde nachfrage (inkl. der energetischen standards)
     • Kleinräumige, quartiersbezogene Arbeitsweisen angesichts der spezifischen Inter-
         essenslagen vor ort
     • Information und Einbindung der Stadtbevölkerung

     Mehr informationen zum arbeitskreis unter:
     www.muenster.de/stadt/stadtplanung/raum-wohnen-ak.html

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Informationen
S
S
T
A
E-Mail: stadtplanung@stadt-muenster.de
www.muenster.de/stadt/stadtplanung

Impressum
Herausgeberin: 	S
	A
               Presseamt
R              	K
T              Lütke Fahle seifert aGD, Münster
K 	A
Fotos:         	A

Druck:          	B
O
Wohnstandort-Entwicklung
                                                       Münster Herausforderungen und chancen
                                                               für innerstädtische Quartiere

stadt Münster · amt für stadtplanung, stadtentwicklung, Verkehrsplanung   oktober 2010
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