Analyse November 2020 - US-Wahlen: Welches wäre das bessere Ergebnis für die Schweiz? - Banque Bonhôte

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Analyse November 2020 - US-Wahlen: Welches wäre das bessere Ergebnis für die Schweiz? - Banque Bonhôte
Analyse
November 2020
US-Wahlen: Welches wäre
das bessere Ergebnis für die
Schweiz?
Analyse November 2020 - US-Wahlen: Welches wäre das bessere Ergebnis für die Schweiz? - Banque Bonhôte
Julien Stähli
                                                                     Leiter Diskretionäre Vermögensverwaltung
                                                                     jstaehli@bonhote.ch

News der
Bonhôte-Gruppe                                                          Für die Schweiz waren die US-Präsidentschafts-
                                                                        wahlen noch nie so bedeutend wie in diesem Jahr.
                                                                        Erstmals in der Geschichte ist die Heimat von
NEUER EXEKUTIVAUSSCHUSS                                                 Donald Trump und Joe Biden der wichtigste Markt
Unsere Bank hat einen neuen Exekutivausschuss,                          für Schweizer Exporte.
der sich aus folgenden Mitgliedern zusammen-                            Der Warenwert der Exporte der Schweiz in die USA
setzt: Anne-Sophie Muller Chouet (Leiterin Recht                        überstieg im laufenden Jahr erstmals den Wert der nach
& Compliance), Pasquale De Frino (Leiter Back                           Deutschland verkauften Waren. Produkte im Wert von
Office) Cyril Lanfranchi (Leiter Marketing &                            39 Milliarden Franken überquerten den Atlantik, Waren
Kommunikation), Julien Stähli (Leiter Diskreti-                         im Wert von 31 Milliarden Franken den Rhein, obwohl
                                                                        Deutschland seit jeher der wichtigste Markt für Schwei-
onäre Vermögensverwaltung) und Claude Suter                             zer Exporte war und oft weit vor den anderen Ländern
(Leiter Externe Vermögensverwalter).                                    rangierte.

                                                                        Ist diese neue Situation auf die Pandemie zurückzuführen,
                                                                        welche die Karten neu verteilt hat? Die Antwort lautet nein,
                                                                        denn es handelt sich um das Ergebnis eines langfristigen
                                                                        Trends. Die Schweizer Exporte in die USA nehmen seit
                                                                        Jahrzehnten stetig zu und sind in den letzten zehn Jahren
                                                                        geradezu explodiert. Verschifften die Eidgenossen 2009
                                                                        Waren im Wert von 18,7 Milliarden Franken ins Land von
Geschäftsleitung und Exekutivausschuss der Banque Bonhôte & Cie SA      Uncle Sam, so waren es im vergangenen Jahr nahezu
                                                                        43 Milliarden Franken, mehr als das Doppelte.

                                                                        Uhren, Kaffee, Tesla
LÉON LAUBER IST NEUER LEITER
DES «ARC LÉMANIQUE»                                                     Die Schweizer verkaufen hauptsächlich Pharma- und
                                                                        Chemieprodukte, Präzisionsinstrumente, Maschinen und
                    Léon Lauber verfügt über 14
                                                                        Uhren in die USA. Auch alkoholische Getränke und Kaf-
                    Jahre Erfahrung im Private                          fee stehen auf der amerikanischen Einkaufsliste. Umge-
                    Banking und im institutio-                          kehrt waren die USA 2019 mit 18,7 Milliarden Franken der
                    nellen Bereich. Er tritt der                        fünftgrösste Importeur in die Schweiz hinter Deutschland,
                    Bonhôte Gruppe als Direktor                         Italien, Frankreich und China. Die Schweizer sind zum Bei-
                                                                        spiel verrückt nach Teslas, auf die bereits 10'000 Zulas-
                    der Niederlassungen Laus-
                                                                        sungen in der Schweiz entfallen.
anne und Genf bei. Léon Lauber ist 42 Jahre alt
und Inhaber eines Lizenziats der Wirtschaftswis-                        Auch die Schweizer Investitionen in den «Staaten» haben
senschaften der Universität Lausanne.                                   sich mehr als verdoppelt. Sie stiegen von 150 Milliarden
                                                                        Dollar im Jahr 2007 auf 310 Milliarden im Jahr 2018.
                                                                        Unter den ausländischen Investoren liegt die Schweiz auf
NEUER DRESSCODE                                                         Rang 7. Die Schweizer sind die wichtigsten ausländischen
                                                                        Investoren im Bereich Forschung und Entwicklung in den
Es geht auch ohne Krawatte! Da immer mehr
                                                                        Vereinigten Staaten. Diese sind die hauptsächlichen Nutz-
«Millennials» bei der Bank als Mitarbeiter tätig                        niesser von Schweizer Investitionen im Ausland.
sind, passt die Bank ihre internen Kleidervor-
schriften an. Das Image von Seriösität und Profes-                      So wird beispielsweise Moderna, das in Boston ansässige
sionalität bleibt somit erhalten.                                       Pharmaunternehmen, welches an einem Impfstoff gegen
Analyse November 2020 - US-Wahlen: Welches wäre das bessere Ergebnis für die Schweiz? - Banque Bonhôte
US-WAHLEN: WELCHES WÄRE DAS BESSERE
                          ERGEBNIS FÜR DIE SCHWEIZ?

Covid-19 arbeitet, geradezu mit Schweizer Kapital «über-                                                  der bessere US-Präsident wäre. Donald Trump oder Joe
schwemmt».                                                                                                Biden? Die Meinungen gehen auseinander. Einige Ökono-
                                                                                                          men sind der Ansicht, dass eine Wiederwahl von Donald
Verschiedene Erklärungen                                                                                  Trump – der zumeist im Rampenlicht steht – die Chan-
                                                                                                          cen für den Abschluss eines Freihandelsabkommens
Wie erklären sich die engeren Wirtschaftsbeziehungen                                                      zwischen unseren beiden Ländern erhöhen würde. Die
zwischen den beiden Ländern? Bei den Schweizern kann                                                      beiden Regierungen haben in Sondierungsgesprächen
man den Wunsch erkennen, die Handelspartner über die                                                      die potenziellen Vorteile eines solchen Abkommens aner-
Europäische Union hinaus zu diversifizieren. Die EU ist                                                   kannt; dazu gehören die Förderung zusätzlicher Schwei-
immer noch die grösste Abnehmerin, aber deren poten-                                                      zer Direktinvestitionen und die Schaffung von Arbeitsplät-
zielles Wirtschaftswachstum schwächt sich ab. Demge-                                                      zen in den USA sowie mögliche Steuersenkungen für
genüber hat sich die US-Wirtschaft in den letzten zwanzig                                                 unsere multinationalen Konzerne.
Jahren besser entwickelt. Der US-Markt hat im Weiteren
den Vorteil, dass er eine vergleichsweise hohe Rechts-                                                    Für andere hingegen wäre eine Wiederwahl von Donald
sicherheit bietet. Zudem sind die für ihre hohe Qualität                                                  Trump verhängnisvoll. Seit 2016 hat Donald Trump immer
bekannten Schweizer Industrieprodukte in den USA sehr                                                     wieder die Bildung von multilateralen Allianzen torpediert
begehrt, und die beiden Länder sind durch gemeinsame                                                      und Importzölle auferlegt. Seine Wiederwahl wäre auch
Werte wie Demokratie, freie Marktwirtschaft, Innovation                                                   für das internationale Genf verhängnisvoll: durch Budget-
und Unternehmensgeist verbunden.                                                                          kürzungen bei der WHO, Druck auf die WTO oder den
                                                                                                          Austritt der USA aus dem UN-Menschenrechtsrat. Ein
Kurz vor dieser entscheidenden Wahl vom 4. November                                                       Wahlsieg der Demokraten könnte jedoch etwas Gegen-
stellt sich die Frage, wer aus Schweizer Sicht und mit                                                    steuer geben, denn Joe Biden zählt zu den pragmati-
Blick auf diesen wertvollen wirtschaftlichen Austausch                                                    schen Demokraten, den Verfechtern des Freihandels.

Abb. 1 Ausländische Direktinvestitionen in den USA nach                                                   Abb. 2 Schweizer Exporte nach Handelspartnern
Herkunftsländern (in Mrd. USD, kumuliert per Ende 2018)                                                        (in Millionen Franken)

                                                                                                          60000
                                                                                Vereinigtes
                                                                                Königreich                50000                                                                                           47685
                                      561
                                                                                Kanada
      1300                                                                                                40000                                                                                           44213
                                                                                Japan
                                                        511
                                                                                                          30000
                                                                                Niederlande
                                                                                                          20000
                                                                                Luxemburg
                                                    484
                                                                                                          10000
   310                                                                          Deutschland
                                        479
                324        356                                                                                  0
                                                                                Schweiz                               2009    2010     2011     2012    2013     2014    2015     2016    2017     2018    2019

                                                                                                                              USA          Deutschland              China          Frankreich

Quelle: Swissemb.org                                                                                      Quelle: OFS
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Analyse November 2020 - US-Wahlen: Welches wäre das bessere Ergebnis für die Schweiz? - Banque Bonhôte
8 VERMÖGENSVERWALTUNG                                                                                                                                                                   Donnerstag, 10. September 2020

«Die Fokussierung auf lokale Kunden
hat sich als Vorteil erwiesen»
Jean Berthoud, der Präsident und Mehrheitsaktionär der Privatbank Bonhôte, die in Städten wie Neuenburg, Lausanne,
Biel, Bern oder Solothurn präsent ist, hat jüngst eine Niederlassung in Zürich eröffnet. Seine Bank bekommt den Margendruck
weniger stark zu spüren als die Konkurrenz.

Zwar gelingt es den Privatbanken, neue                                                                                                     haupt nichts dagegen, wenn diese Situa-      den verschiedenen europäischen Bör-
Gelder anzuziehen, aber die Erträge                                                                                                        tion auch in Zukunft Bestand hätte.          sen einzuschränken. Das würde die lan-
wachsen, wenn überhaupt, unterpro-                                                                                                                                                      gen Präsenzzeiten verkürzen und käme
portional. Wie stark bekommt Ihre Bank                                                                                                     Nach einer Ostwanderung sind Sie nun         dem Wunsch entgegen, mehr Zeit für die
den Margendruck zu spüren?                                                                                                                 in Zürich angekommen, im Zentrum des         Familie zu haben. Gerade jüngere Gene-
Wie spüren zwar den Margendruck, aber                                                                                                      Finanzplatzes. Ist das nicht ein fremdes     rationen haben andere Lebenspläne als
weniger stark als andere Privatbanken.                                                                                                     Terrain für Sie?                             wir, sie wollen nicht nur arbeiten. Und
Denn 85 Prozent unserer Kunden sind in                                                                                                     Zürich ist uns nicht fremd. Die Mut-         das ist eigentlich eine positive Te ndenz.
der Schweiz domiziliert, und sie sind uns                                                                                                  ter unseres Generaldirektors stammt
treu geblieben. Banken, die stärker im                                                                                                     aus Zürich, ich habe in Zürich mehrere       Das Thema Nachhaltigkeit genoss schon
grenzüberschreitenden Vermögensver-                                                                                                        Jahre für JP Morgan gearbeitet, meine        vor der Corona-Krise grosse Beachtung.
waltungsgeschäft engagiert sind, haben                                                                                                     Frau in Zürich kennengelernt. Einige         Nun ist es zum Anlagethema schlecht-
in den zurückliegenden Jahren Kunden                                                                                                       Verwandte und viele Freunde leben            hin avanciert.
verloren. Als wir etwa 2009 unsere Nie-                                                                                                    hier. Wir haben auch hier die Möglich-       Vor allem unsere jüngeren Kunden wol-
derlassung in Genf eröffneten und Kun-                                                                                                     keit, auf unser Netzwerk zurückzugrei-       len nur noch eins: Impact Investing. Seit
denberater einstellten, achteten wir dar-                                                                                                  fen. Und ich sehe nicht ein, warum es        ihrer Schulzeit hören sie von Umweltver-
auf, keine exotischen Kundenportfolios                                                                                                     nicht funktionieren sollte. Aber es ist      schmutzung und Klimaerwärmung und
zu übernehmen. In Genf wollten wir                                                                                                         noch viel zu früh, um ein Fazit zu ziehen,   haben teilweise apokalyptische Visionen,
Genfer Kunden gewinnen. Die Fokus-                                                                                                         zumal nach diesem speziellen Sommer.         die sich hoffentlich nicht bewahrheiten
sierung auf lokale Kunden hat sich, nicht                                                                                                  Darüber hinaus verfügen wir bereits          werden. Sie sind sehr besorgt. Und das
nur in Genf, als Vorteil erwiesen.                                                                                                         über einen Kundenstamm in Zürich             wirkt sich auf die Art und Weise aus, wie
                                                                                                                                           sowie über strategische Partnerschaf-        sie ihr Vermögen verwaltet haben wollen.
Die Aufhebung des Bankgeheimnisses                                                                                                         ten mit mehreren lokalen Partnern. Wir       Das kann man nur unterstützen.
im grenzüberschreitenden Vermögens-                                                                                                        haben immer Filialen eröffnet, um näher
verwaltungsgeschäft hat also keine wirk-                                                                                                   an unsere Kunden heranzukommen, und          Sie haben vor knapp dreissig Jahren die
lich negativen Auswirkungen auf Ihre                                                                                                       dasselbe gilt für Zürich.                    Bank Bonhôte gekauft. Wie hat sich seit-
Bank gehabt?                                                                                                                                                                            her die Vermögensverwaltung verändert?
Nein, wir haben fast keine Kunden ver-                                                                                                     Da sind wir schon fast beim Thema            Die grössten Veränderungen waren die
loren. Lange Zeit hat uns die Konkur-                                                                                                      Corona. Wie hat sich Ihre Bank in die-       Abschaffung des Bankgeheimnisses im
renz belächelt, weil wir als Neuenbur-                                                                                                     sen schwierigen Zeiten geschlagen?           grenzüberschreitenden Geschäft und
ger Bank einen starken lokalen Anstrich                                                                                                    Ich bin von unserer IT-Abteilung begeis-     die damit einhergehende Fokussierung
hatten, aber mit der Zeit hat sich gerade                                                                                                  tert. Fast alle unsere Mitarbeiter konnten
diese regionale Fokussierung als Trumpf                                                                                                    problemlos von zu Hause aus arbeiten,
erwiesen, und heute werden wir nicht                                                                                                       die Börsenhändler eingeschlossen. Wir
mehr belächelt.                                                                                                                            haben es zudem geschafft, den Kontakt

Als Sie Anfang der neunziger Jahre die
                                                                                                                                           zu unseren Kunden jederzeit aufrecht-
                                                                                                                                           zuerhalten, ihre Anliegen zu diskutieren
                                                                                                                                                                                            «Echte Vermögens-
Bank übernahmen, war sie ein lebendes                                                                                                      und ihnen Sicherheit zu vermitteln. Inter-       verwaltung kommt
Museum mit sieben Mitarbeitern und                                                                                                         essanterwe ise hat uns die Krise noch nä-
drei Lehrlingen, das deutlich weniger als                                                                                                  her an sie herangebracht. Langsam stellt         nicht ohne Berater
eine Milliarde Franken an Vermögen ver-                                                                                                    sich eine neue Normalität ein. Ich habe
waltete. Was ist seither passiert?                                                                                                         grosses Vertrauen in die Regierung, aber        aus Fleisch und Blut
Wir sind in den vergangenen dreissig                                                                                                       ich mache mir Sorgen um gewisse Mass-
Jahren kontinuierlich gewachsen, und                                                                                                       nahmen, die negative Folgen für die Wirt-               aus.»
heute verwalten wir mit über hundert                                                                                                       schaft haben könnten.
Mitarbeitern Vermögen von 6 Milliar-
den Franken. Ein Meilenstein war die                                                                                                       Woran denken Sie?
Lancierung eines Immobilienfonds im         Jean Berthoud, Präsident der Neuenburger Privatbank Bonhôte.               KARIN HOFER / NZZ   Ich bin sehr an Kultur interessiert und
Jahre 2006. Eigentlich wollten wir 200                                                                                                     bin überzeugt davon, dass es gut ist für     auf versteuerte Gelder. Es hat sich ge-
Millionen Franken auftreiben, um sie                                                                                                       unser Seelenleben, wenn es Leute gibt,       zeigt, dass unser Geschäft eine starke
in Immobilien zu investieren. Aber es                                                                                                      die anders denken, sei es im Theater,        Basis hat und deutlich mehr zu bie-
kamen 400 Millionen zusammen, und           Und die Eröffnung einer Reihe von           nen, keine strategischen Neuausrichtun-            in der Musik oder in anderen Kunst-          ten hat als Beihilfe zur Umgehung von
weil das Angebot an zu erwerbenden          Niederlassungen?                            gen, und auch der Chef wechselt nicht              formen. Über verschiedene Stiftungen         Steuern. Ich selbst bin als dezidierter
Immobilien zu gering war, mussten wir       Das war ein weiterer Treiber. Zuerst        alle paar Jahre. Das sorgt für Kontinui-           sehe ich, wie dieser Sektor stark unter      Anhänger des Föderalismus stolz, dass
die Investitionssumme schweren Her-         haben wir eine Niederlassung in Biel        tät und Stabilität. Die Digitalisierung er-        der Krise leidet, ebenso wie der Tou-        es in Neuenburg eine mittelgrosse un-
zens auf 300 Millionen begrenzen.           eröffnet. Später folgten neue Stand-        leichtert zwar die Kommunikation, aber             rismus oder das Gastgewerbe. Und die         abhängige Bank gibt, die eine gewisse
                                            orte in Genf, Bern und Lausanne. Ge-        vermögende Kunden wollen nicht auf                 Möglichkeiten, Einnahmenausfälle im          Bedeutung erlangt hat und dort, abseits
                                            rade in Lausanne, einer Stadt, in der       den persönlichen Kontakt verzichten.               weiteren Jahresverlauf zu kompensie-         der Finanzzentren, Mitarbeiter beschäf-
                                            früher mehrere Privatbanken domizi-         Sie wollen mit ihrem Berater sprechen              ren, scheinen mir nicht gegeben zu sein.     tigt. Ich bin in Paris erzogen worden und
                                            liert waren, konnten wir einige uns be-     und ihm vertrauen.                                 Es gilt, diese wirtschaftlichen und sozia-   habe selbst erlebt, wie kontraproduktiv
                                            kannte Waadtländer Familien gewin-                                                             len Auswirkungen den gesundheitlichen        der Zentralismus ist.
                                            nen, die sich ein bisschen verloren vor-                                                       Risiken gegenüberzustellen und sorgfäl-
Ein Jugendtraum                             kamen und einen Ansprechpartner ver-
                                            missten. Seit Februar dieses Jahres sind
                                                                                        Die Zukunft gehört also einem hybriden
                                                                                        Geschäftsmodell, das sowohl auf digitale
                                                                                        Interaktion setzt als auch den Kontakt mit
                                                                                                                                           tig gegeneinander abzuwägen.                 Ich höre von Ihnen keine Klagen über
                                                                                                                                                                                        steigende Kosten und eine ausufernde
wird wahr                                   wir auch in Solothurn präsent. Und mit
                                            der jüngst übernommenen Bank Pri-
                                                                                        Beratern aus Fleisch und Blut zulässt?
                                                                                        Genau. Einer unserer Verwaltungs-
                                                                                                                                           Ist dieses Abwägen gelungen, oder hat
                                                                                                                                           man aus Ihrer Sicht zu viel Gewicht auf
                                                                                                                                                                                        Regulierung.
                                                                                                                                                                                        Die Regulierung will den Anleger
ti. · Jean Berthoud hat sich einen          vate Client Partners haben wir nun ein      räte ist Professor an der Ohio State               die gesundheitlichen Risiken gelegt?         schützen, und das ist ein sehr honora-
Jugendtraum erfüllt. In Paris als Sohn      Standbein in Zürich.                        University und befasst sich beruflich              Ehrlicherweise muss man zugeben,             bles Ziel. Da kann die Te chnologie vie-
eines schweizerischen Rechtsanwalts                                                     mit diesen Themen. In einem Seminar,               dass der Bundesrat und die Behörden          les vereinfachen. Wir müssen regula-
aufgewachsen, fasste er bereits nach der    Von Zürich aus betrachtet scheint es ver-   in dem wir unter seiner Leitung über               schwierige Entscheide zu treffen haben       torisch mit Europa Schritt halten, der
Rückkehr in seine Geburtsstadt Neuen-       wegen, Niederlassungen in Biel, Bern        diese Fragen diskutiert haben, ist das             und nicht zu beneiden sind. Ich schaue       Zugang zu den europäischen Märkten
burg Ende der siebziger Jahre den Plan,     oder Solothurn zu eröffnen. Warum           Fazit eindeutig ausgefallen: Echte Ver-            mit grossem Interesse nach Schweden,         muss offen bleiben. Wir sind schliesslich
die kleine, 1815 gegründete Bank Bon-       rechnet sich das?                           mögensverwaltung kommt nicht ohne                  in ein Land, das es bisher geschafft hat,    eine Exportindustrie.
hôte zu übernehmen. Allerdings wei-         Als wir uns für Biel entschieden haben,     Berater aus Fleisch und Blut aus. Mit              die negativen Folgen der Krise auf die
gerte sich Claude Bonhôte, der damalige     hat meine Frau, eine in Washington DC       Maschinen kann man nicht über kom-                 volkswirtschaftliche Wertschöpfung           Was wird in zehn Jahren sein? Wie wird
Eigentümer, seine Bank einem im Bank-       geborene Deutsche, zu mir gesagt: end-      plexe Fragen wie beispielsweise Nach-              stärker einzudämmen als Länder mit           die Vermögensverwaltungsbranche dann
geschäft noch unerfahrenen Jüngling zu      lich eine interessante Stadt. Wie sich      folgeprobleme diskutieren, und es ist              restriktiveren Anti-Krisen-Regimen.          aussehen?
verkaufen.                                  herausstellte, hatte sie Wien statt Biel    auch schwer, Vertrauen zu ihnen auf-               Die Bremswirkung war dosierter und           Es gibt in der Schweiz und in den Nach-
    Berthoud absolvierte ein Studium        verstanden. Im Ernst: Von Zürich aus        zubauen.                                           letztlich weniger schmerzhaft.               barländern immer noch zu viele Banken,
in den USA, verdiente sich seine beruf-     nimmt sich Biel wie eine kleine Stadt                                                                                                       so dass der Konzentrationsprozess wei-
lichen Sporen zuerst bei Salomon Bro-       aus, aber in Wahrheit verfügt sie über      Von den noch gut hundert Schweizer                 Früher oder später wird man zu einer         tergehen wird. Eher skeptischer beurteile
thers und dann in Zürich bei JP Morgan.     eine breite industrielle Basis, die vor-    Privatbanken in der Schweiz soll ein               neuen Normalität zurückfinden. Wie           ich die Zukunft der unabhängigen Ver-
Im Jahr 1990 wurde er von der Industrie-    nehmlich von privat gehaltenen Firmen       Drittel nicht profitabel arbeiten. Was             wird diese in Ihrer Bank aussehen?           mögensverwalter, die zusehends Mühe
Holding Cortaillod, die zwei Jahre zuvor    getragen wird. Deren Eigentümer wol-        macht Ihre Bank besser?                            Zunächst schien es möglich, zur alten        haben dürften, den Zugang zu ausländi-
die Bank Bonhôte erworben hatte und         len mit ihrem Geld etwas machen. Für        Wir profitieren davon, dass Kunden und             Normalität zurückzukehren, nach be-          schen Märkten zu finden. Und nicht zu-
wenig damit anfangen konnte, zu deren       uns hat sich das gelohnt.                   Kundenbetreuer zu unserer Bank kom-                standener Krise alle Mitarbeiter in die      letzt müssen Banken, die in Zeiten des
Direktor ernannt. 1992 organisierte Ber-                                                men wollen. Das war nicht immer so.                Bank zurückzuholen. Aber der Wunsch,         Impact Investings in Skandale und Mani-
thoud ein Management-Buyout und             Wie haben Sie das geschafft?                Ob beim Aufbau der Niederlassung in                auch künftig teilweise im Home-Office        pulationen verwickelt sind, mit einem
wurde wichtigster Te ilhaber. Seit 2010     Unser Erfolgsfaktor sind unsere Kun-        Solothurn oder beim Erwerb der Zür-                arbeiten zu können, ist aufgekommen.         Vertrauensentzug ihrer Kunden rech-
amtet er als Verwaltungsratspräsident       denbetreuer. Sie wissen, dass sie ihre      cher Bank Private Client Partners – wir            Und das werden wir berücksichtigen,          nen. Es bleibt abzuwarten, ob die führen-
der Bank, die mittlerweile Vermögen         Kunden über Jahre hinaus betreuen           sind offenbar ein geschätzter Arbeit-              zumal wir gesehen haben, dass es funk-       den Adressen von heute in zehn Jahren
von 6 Mrd. Fr. verwaltet und eine Nie-      können. Es gibt keine neuen Kunden-         geber und Geschäftspartner, auf den                tioniert. Zudem gibt es in der Branche       immer noch den Ton angeben werden.
derlassung in Zürich eröffnet hat.          segmentierungen, keine Reorganisatio-       man gerne zugeht. Und ich hätte über-              Überlegungen, die Handelszeiten an                         Interview: Ermes Gallarotti
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