Arbeitsmarkt-Information - Der Arbeitsmarkt für Geographinnen und Geographen

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Arbeitsmarkt-Information - Der Arbeitsmarkt für Geographinnen und Geographen
Arbeitsmarkt-Information

für qualifizierte Fach- und Führungskräfte

                                                Der Arbeitsmarkt für
                                      Geographinnen und Geographen
Arbeitsmarkt-Information - Der Arbeitsmarkt für Geographinnen und Geographen
Es ist nichts, was den geschulten Verstand mehr kultiviert
                                Herausgeber:
 Zentralstelle für Arbeitsvermittlung der Bundesagentur für Arbeit (ZAV)
                                                                                                          und bildet, als Geographie.
                  Arbeitsmarkt-Informationsservice (AMS)
                            Villemombler Str. 76                                                                     Immanuel Kant
                                 53123 Bonn
                            Tel.: 0228/713-1292
                E-Mail: Bonn-ZAV.ams@arbeitsagentur.de
                         Postanschrift: 53107 Bonn

                                Autorin:
                           Dr. Beate Raabe
                  Geographen-Porträts: Marion Rang
                 Arbeitsmarkt-Informationsservice, ZAV

                               Grafiken:
                   Tamara Spanehl, Marcel Raschke
                 Arbeitsmarkt-Informationsservice, ZAV

                            Titelbild: DGfG

                          Stand: August 2005
                    Arbeitsmarkt-Information 3/2005
                       ZAV – 115 – 0126 – 08/05

 Der einfacheren Lesbarkeit wegen wird im Text nur dort das Femininum
verwendet, wo ausschließlich Frauen gemeint sind. Im Übrigen gelten die
           Aussagen für Männer und Frauen gleichermaßen.

                                                                                                                                    2
Inhaltsverzeichnis                                                                                                                                    diffus erscheinen. Andererseits er-
                                                                                                              Der Geograph heute                      geben sich aus dieser Querschnitt-
Der Geograph heute................................................................................. 4                                                 qualifikation Anknüpfungspunkte zu
Geographie studieren............................................................................... 5         Als Erd-Zeichner – so die Überset-      den Nachbardisziplinen und Ein-
Vom Studium ins Berufsleben .................................................................. 9              zung des griechischen Ursprungs-        satzmöglichkeiten in vielen un-
Berufsfelder für Geographen.................................................................. 13              wortes – haben sich vor Jahrhun-        terschiedlichen Berufsfeldern. Des-
   Durchblick im Schienenverkehr.......................................................... 15                 derten die ersten Geographen si-        halb ist der Arbeitsmarkt für
   Umweltschutz im Unternehmen als Sprungbrett ................................ 16                            cherlich gesehen. Die Erdoberflä-       Geographen nicht homogen zu be-
   Traumjob im Tourismus ..................................................................... 18             che zu erkunden, zu vermessen           schreiben. Diese Brückenkopffunk-
   Mit Marktforschung in Führung gehen ............................................... 19                     und zu kartographieren, Küsten          tion zu anderen Fachrichtungen ist
Die Lage auf dem Arbeitsmarkt .............................................................. 22                                                       Grund, warum in der Betrachtung
                                                                                                              und Landstriche zu beschreiben,
   Beschäftigtenstatistik ......................................................................... 22                                                des Arbeitsmarktes für Geogra-
                                                                                                              auch Naturphänomene zu doku-
   Nachfrage nach Geographen............................................................. 25                                                          phen immer wieder auch ein Blick
   Geographen ohne Job ....................................................................... 27             mentieren – mit diesen Tätigkeiten
                                                                                                              zählten Geographen zu den Welt-         auf die Entwicklung in den
   Selbstständigkeit als Ausweg aus der Arbeitslosigkeit....................... 34
                                                                                                              entdeckern. Das Interesse an ihren      angrenzenden Themenfeldern er-
Blick ins Portemonnaie........................................................................... 36
                                                                                                              Erkenntnissen wuchs nach der            folgt – zum Beispiel Architek-
Arbeiten im Ausland ............................................................................... 37
Jetzt geht’s los........................................................................................ 39   großen Amerikareise Alexander           tur/Raumplanung,      Sozialwissen-
   Jobsuche strategisch planen ............................................................. 39               von Humboldts. In der Folge wur-        schaften oder auch Psychologie
   Die Bewerbung .................................................................................. 41        den im 19. Jahrhundert geographi-       (vgl. Abbildung 1).
Literaturverzeichnis ................................................................................ 43      sche Gesellschaften gegründet.
Adressen und Links................................................................................ 45         Am Ausgang des 19. Jahrhunderts         Die Bedeutung der Zahl der explizit
Abbildungsverzeichnis............................................................................ 48          war erstmals ein Studium der            für Geographen ausgewiesenen
      - PUBLIKATIONEN -............................................................................ 49        Geographie möglich. Heute lotsen        Stellen sollte nicht zu hoch bewer-
                                                                                                              uns Satellitensysteme durch den         tet werden. Auch Stellenausschrei-
                                                                                                              Verkehr – und hier können Geogra-       bungen aus benachbarten Fach-
                                                                                                              phen und ihr Fachwissen mit im          richtungen sind für Geographen
                                                                                                              Spiel sein. Auf den Aspekt der          interessant, sofern diese die Detail-
                                                                                                              Erderkundung und -vermessung            qualifikationen mitbringen. Seit
                                                                                                              beschränken lässt sich die Tätigkeit    2001 ging die Zahl der Stellenmel-
                                                                                                              von Geographen schon lange nicht        dungen für Geographen insgesamt
                                                                                                              mehr.                                   zurück – ein arbeitsmarktliches
                                                                                                                                                      Phänomen, das auch andere
                                                                                                              Geographie ist eine breit gefä-         akademische Berufe betraf. Die
                                                                                                              cherte Disziplin an der Schnittstelle   Stellenmeldungen kamen aus der
                                                                                                              zwischen Natur- und Sozialwis-          öffentlichen Verwaltung, aus Hoch-
                                                                                                              senschaften. Die Polyvalenz der         schulen, aus Ingenieurbüros oder
                                                                                                              Qualifikation lässt das Profil eines    Softwarehäusern. Die breite Streu-
                                                                                                              Geographen im Hinblick auf den          ung in unterschiedliche Wirt-
                                                                                                              Arbeitsmarkt und die beruflichen        schaftsbereiche entspricht der breit
                                                                                                              Einsatzfelder zunächst als eher         angelegten fachlichen Qualifikation.

3                                                                                                                                                                                        4
Abbildung 1                                                                                        Heute zeigt sich das Studienange-      nur in geringem Ausmaß. An allen
                                                                                                   bot in der Fachrichtung Geographie     deutschen Hochschulen waren im
                               G eographie und ihre fachlichen Nachbarn
                                                                                                   in der Gesamtschau recht vielfältig.   Wintersemester 2003/2004 fast
                                                                                                   Bundesweit bieten 64 Hochschulen       25.000 Studierende in der Fach-
                                            A rchitektur                                           einen Abschluss in Geographie an,      richtung Geographie (ohne Lehr-
                                                                                                   wie die Deutsche Gesellschaft für      amt) eingeschrieben, knapp die
                Geophysik / Geolo gie       K artographie                                          Geographie in einer Zusammen-          Hälfte davon waren Frauen. Die
                                                                R aum planung
                                                                                                   stellung aufzeigt. Der Hochschul-      Zahl der Erstsemester, die im Win-
    Biologie                  Ö kologie   G eographie             GIS            Inform atik
                                                                                                   kompass der Hochschulrektoren-         tersemester 1999/2000 bei 3.178
                                                                                                   konferenz listet im Juni 2005 42       lag, stieg in den Folgejahren kon-
                  A g ra r-
                                             W irtschafts -
                                                                 W irtschafts-
                                                                                                   Möglichkeiten für ein Lehramtsstu-     tinuierlich an (siehe Abbildung 2).
                                             geograp hie
                  w issenschaften                               wissenschaften                     dium in Geographie auf, 30 Ma-         2003/2004 schrieben sich mit fast
                                                                                                   gisterstudiengänge, 29 Diplomab-       5.000 Erstsemestern über 50 %
                                                                                                   schlussmöglichkeiten und 16 Ba-        mehr für die Fachrichtung Geo-
                                          Sozialw issenschaft
                                                                                                   chelor-Abschlüsse. Mit der fort-       graphie ein als vier Jahre zuvor.
                                                                                  © 2005,BA-AM S
                                                                                                   schreitenden Europäisierung steht      Damit steht in den nächsten Jahren
                                                                                                   zu erwarten, dass die Zahl der Ba-     ein Anwachsen der Absolventen-
                                                                                                   chelor-Studiengänge deutlich zu-       zahlen bevor.
Die Arbeitslosigkeit der Geogra-                 Geographie studieren                              nehmen wird und die Diplomstu-
phen sah 2004 etwas anders aus
                                                                                                   diengänge sich rückläufig entwi-       Im Prüfungsjahr 2003 legten insge-
als in anderen Berufsgruppen.
                                                 Die Geschichte der Geographie an                  ckeln.                                 samt gut 1.700 Prüflinge erfolgreich
Während etwa bei den Ingenieuren
                                                 deutschen Hochschulen kann als                                                           ihr Examen in Geographie ab
vor allem Ältere von Arbeitslosig-
                                                 Geschichte des Wachstums be-                      Im Hochschulkompass weist die          (ohne Lehramt). Dieser Wert
keit betroffen sind, stellen unter
                                                 schrieben werden. Als breiter auf-                Liste der Studienmöglichkeiten für     unterlag in den fünf Jahren zuvor
den Geographen jüngere Bewerber
                                                 gestellte Fachdisziplin ist die Geo-              das Suchwort Geographie in der         nur unwesentlichen Schwankun-
den Großteil der Arbeitslosen – ein
                                                 graphie noch recht jung. Die ersten               Mehrzahl den Studiengang Geo-          gen. Wie bei den Studierenden ist
Hinweis darauf, dass insbesondere
                                                 Diplomstudiengänge wurden Ende                    graphie aus. Vereinzelt findet sich    auch unter den Absolventen der
der Berufseinstieg sich für Geo-
                                                                                                   eine differenziertere Benennung        Frauenanteil recht hoch. Gegen-
graphen momentan weniger ein-                    der 50er Jahre eingerichtet, einen
                                                                                                   der Fachrichtung: Angewandte           läufig entwickelte sich in den
fach gestaltet. Die Zahl der arbeits-            deutlichen Zuwachs gab es in den
                                                 70er Jahren. Die Zahl der Stu-                    Geographie, Anthropogeographie,        vergangenen Jahren der Frauen-
losen Geographen insgesamt ist
                                                                                                   Biogeographie, Didaktik der Geo-       anteil unter Erstsemestern und
seit der Jahrtausendwende kon-                   dierenden hat seither deutlich zu-
                                                                                                   graphie, Humangeographie, Kul-         Absolventen. Während bei den
tinuierlich angestiegen und hat sich             genommen, und fachintern waren
                                                 eine Reihe von Veränderungen zu                   turgeographie sowie Wirtschafts-       Erstsemestern noch vor einigen
in den Jahren 2003 und 2004 auf
                                                                                                   oder auch Wirtschafts- und So-         Jahren der Frauenanteil über der
vergleichsweise hohem Niveau sta-                beobachten. Der Überhang der
                                                                                                   zialgeographie sind die Studien-       Hälfte gelegen hat und seither
bilisiert. Gleichzeitig ist eine Dy-             Lehramtsgeographen wich einer
                                                 deutlichen Dominanz der Zahl der                  fachbenennungen einzelner Hoch-        leicht unter 50 % gesunken ist,
namik am Arbeitsmarkt zu ver-
                                                                                                   schulen.                               stieg der Anteil der Geographinnen,
zeichnen: Es gibt nicht nur Neuzu-               Diplomabschlüsse, die Binnendiffe-
                                                                                                                                          die erfolgreich ihr Studium absol-
gänge in Arbeitslosigkeit – 2004                 renzierung nahm zu, neue The-
                                                 menfelder, wie zum Beispiel die                   Das Statistische Bundesamt infor-      vierten, von etwas mehr als 40 %
meldeten sich monatlich ein Viertel
                                                                                                   miert über die Studierenden- und       auf fast die Hälfte (Abbildung 3).
bis ein Fünftel der arbeitslosen                 Geoinformationssysteme, gewan-
                                                                                                   Absolventenzahlen des Faches
Geographen aus der Arbeits-                      nen an Gewicht.
                                                                                                   Geographie. Eine zusätzliche fach- Als Abschlüsse gesondert aus-
losigkeit in Erwerbstätigkeit ab.
                                                                                                   liche Differenzierung gibt es hier gewiesen werden in der Statistik

5                                                                                                                                                                           6
Abbildung 2                                                                                                                       die Wirtschaftsgeographen und die       lichkeiten, Vertiefungsgebiete oder
                                                                                                                                  Geoökologen. Jedoch finden sich         Nebenfach-Kombinationen zu wäh-
                                   Anzahl der Studienanfänger in Geographie wächst
                                                                                                                                  hier insgesamt sehr niedrige abso-      len, führen zu unterschiedlichen
                                                                                                                                  lute Zahlen: 2003 wurden 29 Ab-         Profilen, die die Weichen für den
                                                                                                                                  schlussprüfungen in Wirtschafts-        Berufseinstieg stellen. Die Liste der
                                                                                                         4.989
                                                                                                                                  geographie notiert, 194 in Geoöko-      möglichen Nebenfächer ist lang.
                                                                                      4.498
                                                                                                                                  logie. Auch hier lag der Frauen-        Die Möglichkeiten der Neben-
                                                                      4.139                                                       anteil bei etwa der Hälfte.             fachauswahl variieren von Hoch-
                                                      3.627                                                                                                               schule zu Hochschule. Welche
                                       3.178
                                                                                                                                  2003 schlossen die Geographen im        Optionen sich hier auftun, zeigen
                                                                                                                                  Durchschnitt nach 13 Semestern          am ausführlichsten die Darstel-
                                                                                                                                  ihr Studium ab und waren 28,4           lungen der Fachbereiche der ein-
                                                                                                                                  Jahre alt. Die Regelstudienzeit liegt   zelnen Hochschulen.
                                                                                                                                  einschließlich der Diplomprüfung
                                                                                                                                                                                    Nebenfächer stellen die Weichen für
                                                                                                                                                                                       das berufliche Tätigkeitsfeld
Einen klaren inhaltlichen Schwer-      rücksichtigt. Gezielte Geographen-     benachbarten Berufsgruppen fallen teil der Architekten, die regulär er-
punkt im Studienverlauf zu setzen,     Befragungen einzelner Hochschul-       in dieser Frage sehr unterschied- werbstätig waren, auf 70 %, der
stärkt das Profil eines Geographen.    standorte wurden zuletzt Ende der      lich aus.                           Honorartätigkeitsanteil nahm leicht
Gleichzeitig gilt es bei dieser Spe-   90er Jahre durchgeführt.                                                   zu. Unter den Bauingenieuren der
zialisierung - etwa als physischer                                            Für die Zeit unmittelbar nach dem TU Dresden entwickelte sich der
Geograph - zu bedenken, dass in        In ihren regelmäßigen Befragungen      Examen, zwölf Monate danach und Anteil der Beschäftigten in regulä-
den späteren Anwendungsberei-          richtet die Technische Universität     zwei Jahre danach, gaben gut die rer Erwerbstätigkeit ähnlich wie der
chen durchaus Wechselwirkungen         (TU) Dresden ihren Blick auf           Hälfte der Geowissenschaftler an, bei den Architekten (47,1 %,
bestehen: Verkehrsplanung kann         ausgewählte Fachbereiche und           dass sie einer regulären Erwerbs- 64,4 % und 79,1 %). Jedoch waren
nicht ohne Umweltschutzbelange         den Berufsübergang ihrer Absol-        tätigkeit nachgingen (54,9 %, 54 %, nur sehr wenige Bauingenieure mit
betrieben werden, Tourismusförde-      venten. Geowissenschaftler sind in     57,1 %), während fast keine Hono- Honorartätigkeiten betraut (2,9 %,
rung muss auch an ökologische          der 2004 veröffentlichten Son-         rarbeschäftigungen vorlagen (2 %, 0 % und 1,5 %). Deutlich höher als
Nebenwirkungen denken. Vernetz-        derauswertung der Absolventen-         0 %, 0 %; vgl. Abbildung 4). Auch in       den    bisher     genannten
tes Denken, interdisziplinäre Arbeit   studien von 2000-2003 berück-          bei den Architekten gab mehr als Berufsgruppen war der Anteil der
und fundierte Methodenkenntnisse       sichtigt. Innerhalb der Dresdener      die Hälfte an, dass ihre Be- regulären Erwerbstätigkeit bei den
sowie ein frühzeitiger Praxisbezug     Fakultät Forst-, Geo- und Hydro-       schäftigung nach dem Examen Psychologen (73,5 %, 74,3 % und
können sich als Erfolgsfaktoren für    wissenschaften sind die Geowis-        eine reguläre Erwerbstätigkeit war. 83,6 %) und bei den Wirt-
den Berufsübergang herausstellen.      senschaften differenziert in Geo-      Allerdings stellten die Architekten schaftswissenschaftlern    (71,2 %,
                                       graphie, Geodäsie und Kartogra-        unmittelbar nach dem Examen 85,5 % und 95,7 %). Absolventen
                                       phie. Insofern können aus dieser       einen höheren Anteil an Honorar- dieser Studiengänge fällt damit der
                                       Absolventenbefragung, auch wenn        tätigkeiten, und zwar 15,6 %. Einstieg in reguläre Beschäftigung
Vom Studium ins                                                               Gleichzeitig stieg in den beiden deutlich leichter. Darauf deutet
Berufsleben                            sie nur einen Hochschulstandort
                                       betrifft, Hinweise auf den Berufs-     Jahren nach dem Examen der An-      teilweise auch der geringe Anteil an
                                       übergang für Geographen heraus-
Absolventenbefragungen       liefern   gelesen werden. Der Seitenblick
Einblicke, wie der Übergang vom        auf die Ergebnisse benachbarter        Abbildung 4
Studium ins Erwerbsleben erfolgt.      Fachrichtungen – Architektur, Bau-                                         Berufseinstieg schwierig:
Sie     quantifizieren  Aussagen       ingenieurwesen,     Wirtschaftswis-                    Geringer Zuwachs regulärer Erwerbstätigkeit bei Geowissenschaftlern
darüber, welche Beschäftigungs-        senschaften – unterstreicht oder re-
                                                                                100%
form sich an das Ende des Studi-       lativiert   den    Wert   einzelner                                                                                                     Geowissenschaftler

ums anschließt, welche Bewer-          Antworten der Geowissenschaftler.                                                                                                       Architekten
                                                                                  80%
bungswege erfolgreich sind oder                                                                                                                                                Bauingenieure
welches Wissen am Arbeitsplatz         Auskunft erteilten die Befragten zu                                                                                                     Psychologen
                                                                                  60%
gefragt ist oder den Kandidaten in     ihrer ersten Erwerbstätigkeit nach                                                                                                      Wirtschaftswissenschaftler
ihrer Fachausbildung fehlte. Damit     dem Studium und zu der Erwerbs-
                                                                                  40%
geben diese Befragungen für nach-      tätigkeit zwölf und 24 Monate nach
folgende Bewerber wichtige Hin-        Studienabschluss. Je höher der
weise.                                 Anteil der regulären Erwerbstätig-
                                                                                  20%

                                       keit zu einem frühen Zeitpunkt
Da die Berufsgruppe der Geogra-        nach dem Examen liegt, desto eher           0%
                                                                                          Nach dem Examen   12 Monate nach dem 24 Monate nach dem   Nach dem Examen   12 Monate nach dem 24 Monate nach dem
phen sehr klein ist, wird sie          kann der Berufseinstieg als leicht                                        Examen             Examen                                 Examen             Examen
                                                                                                       Reguläre Erwerbstätigkeit                                      Honorartätigkeit
allerdings bei den großen bun-         angesehen werden. Die Werte für
desweiten Befragungen kaum be-         die Geowissenschaftler und die         Quelle: TU Dresden                                                                                               © 2005, BA-AMS

9                                                                                                                                                                                                           10
befristeten Beschäftigungen in die-      senschaftler mittelfristig betrachtet   Abbildung 5
            sen Berufsgruppen hin. Nach 24           sehr ausgewogen.
                                                                                                                                 Arbeitgeber vorwiegend aus der Wirtschaft
            Monaten hatten nur 11,2 % der                                                                                  Viele Geowissenschaftler arbeiten im öffentlichen Dienst
            Wirtschaftswissenschaftler     einen     Geographen, die ihr Vertiefungsge-
            befristeten Arbeitsvertrag, jedoch       biet eher in raumplanerischer Rich-          100%
            52,4 % der Geowissenschaftler.           tung gewählt haben, werden in den                             Geowissenschaftler
                                                                                                                   Architekten
            Trotzdem ist auch unter den              Beschäftigungsanteilen näher bei              80%
                                                                                                                   Bauingenieure
            Geowissenschaftlern in der Frage         den Architekten liegen. Die sozial-                           Psychologen
                                                                                                   60%
            der befristeten Beschäftigung in         und      wirtschaftswissenschaftlich                          Wirtschaftswissenschaftler
            den ersten beiden Berufsjahren           ausgerichteten Geographen wer-                40%

            eine Verbesserung zu notieren. Es        den eher Parallelen zu den Wirt-
                                                                                                   20%
            waren nach zwei Jahren nur noch          schaftswissenschaftlern finden. Der
            gut die Hälfte befristet beschäftigt –   Anteil der Architekten in Hoch-                0%

            unmittelbar nach dem Examen lag          schule und Forschungseinrichtun-                        Nach
                                                                                                            Examen
                                                                                                                       12 Monate
                                                                                                                          nach
                                                                                                                                   24 Monate
                                                                                                                                      nach
                                                                                                                                                 Nach
                                                                                                                                                Examen
                                                                                                                                                         12 Monate
                                                                                                                                                            nach
                                                                                                                                                                     24 Monate
                                                                                                                                                                        nach
                                                                                                                                                                                  Nach
                                                                                                                                                                                 Examen
                                                                                                                                                                                           12 Monate
                                                                                                                                                                                              nach
                                                                                                                                                                                                       24 Monate
                                                                                                                                                                                                          nach
            dieser Wert bei mehr als 70 %.           gen ist gegenüber den Geowissen-                                   Examen      Examen                Examen      Examen                Examen      Examen

                                                                                                           Hochschule und Forschung                Öffentlicher Dienst                    Wirtschaft
                                                     schaftlern unmittelbar nach Stu-
>> Unternehmen beschäftigen Geowissen-               dienende halb so groß (10 %) und
  schaftler so häufig wie der öffentliche Dienst     geht in der Folge weiter zurück,
                                                                                              Quelle: TU Dresden
                                                                                                                                                                                                       © 2005, BA-AMS

            Die Absolventenstudie nimmt eine         während er bei den Geowissen-
            sehr grobe Untergliederung vor,          schaftlern in den ersten Berufs-        Für Architekten war der öffentliche                          Sicht weiter beizupflichten. Be-
            was den Beschäftigungsbereich            jahren relativ stabil bleibt. Noch      Dienst ebenfalls eher selten Arbeit-                         trachtet man den hohen Anteil be-
            nach dem Studium angeht. Unter-          geringer ist der Anteil der Wirt-       geber. 8 % der Dresdener Absol-                              fristeter Beschäftigungen der Dres-
            schieden wird hier nur in Hoch-          schaftswissenschaftler, die in den      venten waren hier zwei Jahre nach                            dener Geowissenschaftler am An-
            schule/Forschungsinstitute, öffentli-    ersten beiden Jahren nach dem           ihrem Examen beschäftigt. Ar-                                fang ihres Berufslebens, so befin-
            che Verwaltung/Behörde und Wirt-         Examen einer Beschäftigung in           chitekten gaben zu mehr als der                              den sich viele unter anderem we-
            schaft. Die Geowissenschaftler ga-       Hochschule und Forschungsein-           Hälfte (53,3 %) und Bauingenieure                            gen der Befristung in einer Über-
            ben zu gut einem Fünftel an, an der      richtungen nachgehen. Der Anteil        zu mehr als zwei Dritteln (69,4 %)                           gangssituation (71,7 %, 67,3 %,
            Hochschule und in Forschungs-            liegt zunächst bei 8,5 % und sinkt      einen Arbeitsplatz in der Wirtschaft                         52,4 % - vgl. Abbildung 6).
            einrichtungen zu arbeiten. Dieser        auf 3,4 % (vgl. Abbildung 5).           an. Bei den Wirtschaftswissen-
            Anteil ging in den ersten beiden                                                 schaftlern betrug dieser Anteil mehr                         Inwiefern die in den 90er Jahren oft
            Jahren nach Studienabschluss             Auch der öffentliche Dienst stellt      als vier Fünftel (83,1 %). Die                               beklagte     mangelnde      Berufs-
            leicht zurück und lag 24 Monate          nach der Dresdner Absolventen-          unterschiedlichen     Gewichtungen                           orientierung im Studium mitt-
            nach dem Examen bei 19 %. Im             studie für die Wirtschaftswissen-       können Orientierung bieten bei der                           lerweile tatsächlich behoben ist
            gleichen Zeitraum stieg der Anteil       schaftler nur einen geringen Ar-        Suche nach potenziellen Arbeit-                              oder ohnehin nur von den Leh-
            derjenigen, die im öffentlichen          beitgeberanteil. Mit 7,9 % waren        gebern.                                                      renden behauptet wird, könnte
            Dienst beschäftigt waren, von            zwei Jahre nach dem Examen we-                                                                       letztendlich    nur    eine    neue
            28,6 % auf 38,1 %. In der                nige Wirtschaftswissenschaftler in      „Der Weg zur ‚endgültigen’ berufli-                          Absolventenbefragung unter Geo-
            Wirtschaft waren zunächst 32,7 %         der öffentlichen Verwaltung und in      chen Tätigkeit, bei der man bleiben                          graphen aller deutschen Hoch-
            der     Geowissenschaftler     tätig.    Behörden tätig. Mit 38,1 % lag der      will, verläuft mit Wartezeiten und                           schulen beantworten. Blicke in die
            Dieser Anteil stieg auf ebenfalls        Wert für die Geowissenschaftler         zumeist über mehrere Stationen,“                             Veranstaltungsverzeichnisse     der
            38,1 %. Damit war das Verhältnis         fast fünfmal höher.                     bekundete eine Geographin in der                             Geographen lassen Veränderun-
            dieser beiden Beschäftigungsbe-                                                  Kölner Verbleibsstudie aus dem                               gen in diese Richtung erkennen.
            reiche für die Dresdener Geowis-                                                 Jahr 1999. Dem ist aus heutiger

            11                                                                                                                                                                                                     12
Abbildung 6                                                                                                                      neue kamen hinzu. Die nachfol-        der verschiedenen Transportmittel,
     Viele Geowissenschaftler beginnen ihr Berufsleben mit einer befristeten Beschäftigung
                                                                                                                                 gende Darstellung von Tätigkeits-     Datenerhebungen und -auswertun-
                                                                                                                                 feldern für Geographen gibt einen     gen, aber auch Kostenkalkulati-
      71,7 %
                                                                                                                                 Eindruck von der Vielfalt ihrer       onen.
                                                    Erste Tätigkeit nach dem Examen
               67,3 %
                                                    12 Monate nach dem Examen
                                                                                                                                 Möglichkeiten.
                                                    24 Monate nach dem Examen                          59,1 %

                    52,4 %                                                                                           53,3 %                                            Umweltschutz/Naturschutz
                                                                                                            51,5 %
                             48,8 %                                                                                              Stadt- und Regionalplanung,
                                                                                                                                 Verkehrsplanung                       Ein Geograph mit inhaltlichem
                                                        38,5 % 37,0 %
                                      34,6 %                                                                                                                           Schwerpunkt in Fragen der Land-
                                                                                28,9 %                                           In ihrem Studium befassen sich        schaftsentwicklung und Botanik ist
                                           24,8 %                   24,2 %
                                                                                         21,0 %                                  Geographen mit Fragen der             fachlich qualifiziert für eine Tätig-
                                                                                                                                 Raumplanung und des Verkehrs.         keit im Natur- und Landschafts-
                                                                                              11,2 %
                                                                                                                                 Mit diesem Fachwissen ist die öf-     schutz. Initiativen und Vereine kön-
                                                                                                                                 fentliche Verwaltung mit der Flä-     nen hier ebenso Arbeitgeber sein
     Geowissenschaftler        Architekten                  Biologen             Wirtschaftwiss.         Psychologen
                                                                                                                                 chennutzungsplanung, der Grün-        wie Naturschutzbehörden oder Um-
                                                                                                                                 flächenplanung und der Städte-        weltämter. Die Landschaftspflege,
Quelle: TU Dresden 2004                                                                                         © 2005, BA-AMS
                                                                                                                                 bauförderung ein traditionelles       die Verwaltung von Schutzgebieten
                                                                                                                                 Einsatzgebiet von Geographen.         und die außerschulische Umwelt-
                                                                                                                                 Auch private Planungsbüros zählen     bildung sind Aufgabenbereiche, bei
Auffällig erscheint in der Rück-                                  Berufsfelder für                                               dazu.                                 denen insbesondere Biologen zur
schau, mit welchem Nachdruck                                      Geographen                                                                                           Bewerberkonkurrenz zählen. Lange
noch 1998 formuliert wurde, dass                                                                                                 In diesem Tätigkeitsfeld stehen die   Zeit lebte der Teilmarkt im Bereich
Arbeitgeber nichts mit Geographen                                                                                                Geographen in Konkurrenz zu den       der Umweltinitiativen auch von
                                                                  Die Ausbildung von Geographen ist                              Vermessungs- und Bauingenieur-        befristeten Tätigkeiten, die ins-
anzufangen wissen (vgl. BAUERT                                    breit angelegt. Entsprechend viel-
1998). Damals resultierte daraus                                                                                                 en. Die Arbeitgeber in diesem         besondere über Arbeitsbeschaf-
                                                                  fältig sieht das Spektrum der Ar-
der Vorschlag, eine Informations-                                                                                                Bereich fordern von den Be-           fungsmaßnahmen (ABM) der Ar-
                                                                  beitgeber aus, bei denen Geogra-                               werbern Kenntnisse im Bereich         beitsagenturen finanziert wurden.
und Selbstdarstellungskampagne                                    phen eine Beschäftigung finden –
durchzuführen. Ob das Jahr der                                                                                                   Standortplanungen, das Erarbeiten     In dem Maße, wie hier die För-
                                                                  sei es im öffentlichen Dienst oder in
Geowissenschaften 2002 ausrei-                                                                                                   und     Begleiten    von    Bebau-    derungen finanziellen Kürzungen
                                                                  der      privaten Wirtschaft.    Die                           ungsplänen, Vertragsvorbereitun-      unterlagen, ist in den letzten Jah-
chend Aufmerksamkeit auch für die                                 inhaltliche und methodische Qua-
Fachrichtung Geographie erzeugt                                                                                                  gen und fundierte PC-Kenntnisse in    ren die Zahl dieser Stellen zu-
                                                                  lifikation von Geographen kann an
hat, kann an dieser Stelle nicht                                                                                                 Fachanwendungen und der üb-           rückgegangen.
                                                                  vielen Stellen im Arbeitsleben                                 lichen Bürosoftware.
beleuchtet werden. Stellenofferten                                nützlich sein. Interessant sind sie
für Geographen sind vielfältiger                                                                                                                                       Einen Schwerpunkt in Fragen der
                                                                  für Arbeitgeber, weil sie im Laufe
geworden. Das Allgemeinwissen                                                                                                    Die planerische Kompetenz von         Umwelt können Geographen je-
                                                                  ihres Studiums und während ihrer                               Geographen kann auch in der Ver-      doch in der Umweltberatung etwa
darüber, was denn ein Geograph                                    Praktika in verschiedene The-
eigentlich macht, lässt jedoch                                                                                                   kehrsplanung von Wert sein. Hier      bei Verbraucherinitiativen oder in
                                                                  menbereiche hineingeschaut ha-
weiter zu wünschen übrig.                                                                                                        sind die Arbeitgeber Bahnunter-       größeren Unternehmen finden.
                                                                  ben und es gewohnt sind, inter-                                nehmen, Verkehrsverbünde oder         Hinzuzuzählen sind auch Aufgaben
                                                                  disziplinär zu arbeiten. In den ver-
                                                                                                                                 Stadtverwaltungen. In der Perso-      in Ver- und Entsorgungsunterneh-
                                                                  gangenen Jahrzehnten sind zudem
                                                                                                                                 nenbeförderung zählen zu den          men, etwa im Abfallmanagement.
                                                                  die Beschäftigungsfelder für Geo-                              Aufgaben Planungen im Bereich
                                                                  graphen vielfältiger geworden,

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Durchblick im Schienenverkehr                                                 Umweltschutz im Unternehmen als Sprungbrett
Er schätzt an Geographen vor allem, dass sie „Über-den-Tellerrand-            Er muss einige Samstage und Abende opfern, aber davon abgesehen ist
Blicker“ sind. Und er kann das beurteilen, da er selbst Geograph ist.         Thomas Schäfer sehr zufrieden mit seinem Arbeitgeber Ikea. Der 30-jäh-
Achim Overath vom VerkehrsVerband OstWestfalenLippe (VVOWL) mit               rige Kölner mit Geographie-Diplom ist seit kurzem Leiter eines 50-köpfi-
Sitz in Bielefeld ist stellvertretender Geschäftsführer und somit einer der   gen Kundenservice-Teams in der Kölner Filiale des schwedischen Möbel-
Personalentscheider bei dem Zweckverband, der sich um Aufgaben rund           Riesen. Hier hat er einen raschen Aufstieg hingelegt, nachdem er als
um den Schienenpersonennahverkehr in der Stadt Bielefeld und den vier         „Teamleiter Green“ zuerst Umweltarbeit für das Einrichtungshaus in
benachbarten Kreisen Minden-Lübbecke, Herford, Lippe und Gütersloh            Saarlouis geleistet hat, sich unter anderem um den Verbleib zurückge-
kümmert.                                                                      nommener Ware kümmerte. Doch diese Aufgabe forderte ihn zu wenig.
Fünf Geographen und eine Geographin sind für den VVOWL tätig, in den          „Meine jetzige Arbeit hat zwar nicht mehr soviel mit meinem Geographie-
Bereichen Verkehrs- und Tarifplanung für Schienen- und Busverkehr,            Studium zu tun“, sagt Schäfer. „Aber dafür füllt sie mich aus. Das zeigt,
aber auch im Controlling, im Marketing oder als Koordinatoren. Sie            wie flexibel und vielfältig einsetzbar Geographen sind. Man trifft sie über-
arbeiten daran mit, dass die täglich mehr als 39.000 Fahrgäste mit den        all. Auch bei Ikea bin ich schon einigen begegnet.“
19 Nahverkehrslinien immer besser, pünktlicher und bequemer ans Ziel
kommen. Momentan sind beim VVOWL lauter „normale“ Geographen                  1994 nahm Schäfer sein Studium in Köln auf, 2001 machte er seinen Ab-
beschäftigt, doch es waren auch schon Wirtschafts- und Fremden-               schluss. Schon während der Studienzeit nahm er Kontakt mit der Opel-
verkehrsgeographen unter den Angestellten. Sie kümmern sich um Aus-           AG auf, absolvierte ein Praktikum bei dem Autohersteller und auch seine
schreibungen von Verkehrsleistungen, gestalten Tarife und Fahr-               Diplomarbeit zum Thema Produktentwicklung und umweltbezogene Be-
ausweise, befassen sich mit Qualitätssicherung und planen die Infra-          wertungsverfahren. Anschließend blieb er als Praktikant und suchte von
struktur des Schienenverkehrs in OWL, zum Beispiel, wo neue Halte-            dort aus nach einer festen Stelle: „Bei Opel selbst war nichts zu machen.“
stellen eingerichtet werden. Außerdem bewegen sie sich im politischen         Doch ansonsten wurde er durchaus umworben. Eine Stelle als Umweltof-
Raum, präsentieren zum Beispiel neue Konzepte in Rat- und                     fizier auf einem großen Kreuzfahrtschiff konnte er aus privaten Gründen
Ausschusssitzungen.                                                           nicht antreten. Schließlich wurde Schäfer von einer bekannten Unterneh-
                                                                              mensberatungsfirma eingestellt, kümmerte sich dort um Umweltdienst-
“Ich will nicht sagen, dass Geographen Alleskönner sind“, sagt Overath,       leistungen, Zertifizierungen und Ähnliches. Ein Jahr blieb er. „Doch die
der zudem Geschäftsführer der Minden-Herforder-Verkehrsgesellschaft           Arbeit war mir zu strukturorientiert.“ Das Angebot von Ikea kam zur
(MHV) ist, bei der ebenfalls Geographen beschäftigt sind. „Aber sie sind
gut darin, sich auf neue Aufgaben einzulassen. Beim VVOWL hat jeder           rechten Zeit.
Geograph sein Arbeitsfeld bestens im Griff.“ Die Ansprüche des VVOWL
an die Qualifikationsprofile von Geographen beschreibt Overath so: „Uns       „Geographen wissen oft nicht, wo sie nach dem Studium landen wollen
ist wichtig, dass sie eine Grundberufserfahrung im Bereich Verkehr            oder können“, sagt Schäfer, der sich erst für einen Magisterstudiengang
mitbringen. Das war bei all meinen Geographen-Kollegen der Fall. Und          Soziologie eingeschrieben hatte und dann lieber auf ein „handfestes“
sie sollten bereits im Bewerbungsgespräch den Eindruck machen, dass           Studienfach umschwenkte. „Ihr Vorteil ist, dass sie – anders als in vielen
sie sehr selbstständig arbeiten können. Das ist bei einem kleinen             anderen Fachrichtungen – während des Studiums lernen, sich selbst und
Verband wie dem VVOWL besonders wichtig. Außerdem sollten sie sich            Inhalte zu präsentieren. Das hilft bei der Stellensuche enorm.“ Einen
präsentieren und nach außen gut darstellen können. Da braucht es fast         Nachteil bei der Stellensuche sieht Schäfer darin, dass Arbeitgeber mit
schon Thomas-Gottschalk-Qualitäten. Aber darauf werden Geographen             dem Qualifikationsprofil von Geographen oft nicht viel anfangen können.
im Studium bestens vorbereitet, das weiß ich aus eigener Erfahrung.“          „Die muss man dann von seinen Qualitäten überzeugen.“ Ist der Erstein-
Fachkenntnisse in speziellen geographischen Technologien, etwa GIS,           stieg erst einmal geschafft, „werden spätere Bewerbungen nicht sofort
sind beim VVOWL nicht von Bedeutung: „Der Einsatz lohnt sich für uns          zur Seite gelegt“.
nicht.“
                                                                              Für seinen aktuellen Job musste Schäfer sich Einiges aneignen, was im
Theoretisch könnten sich auch Betriebs- oder Verkehrswirte, Verkehrs-         Studium nicht vorkam: kaufmännisches Wissen etwa und Führungsqua-
ingenieure oder Raum- und Städteplaner statt Geographen um die                litäten. Trotzdem ist er der Meinung, dass jedes wissenschaftliche Stu-
Aufgaben kümmern, die beim VVOWL anfallen. „Und üblicherweise
achten wir auch auf ein breites Mitarbeiterspektrum; dass es momentan         dium gut aufs Berufsleben vorbereitet. „Und das, was man wirklich
vor allem Geographen sind, ist eher Zufall.“ Aber dann doch wieder nicht      braucht, lernt man ohnehin erst im Arbeitsleben.“ Geographie-Studenten
nur Zufall: „Verkehrsingenieure zum Beispiel sind nun einmal nicht so         gibt Schäfer den Tipp, so früh wie möglich Kontakt zu Arbeitgebern zu
flexibel einsetzbar wie Geographen, glänzen eher mit technischen Kennt-       suchen: „Dann weiß man, was auf einen zukommt – zumal die vermeint-
nissen als mit Allrounder-Qualitäten.“ Sich immer wieder auf neue             lich typischen Arbeitsplätze an der Uni oder an Instituten rar gesät sind.“
Aufgaben und Situationen einstellen und Menschen überzeugen zu                Er selbst sieht seine Praktika bei Opel als „den wichtigsten Schritt meiner
können, das sind für Overath typische Geographen-Talente.                     Karriere.“ Ganz wichtig sei außerdem, Flexibilität zu zeigen: „Die muss
                                                                              schon im Lebenslauf erkennbar sein.“

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Wirtschaftsförderung                   Praxiserfahrung zählen zu den           Traumjob im Tourismus
                                       häufig genannten Anforderungen          Ihre bislang umfangreichste Aufgabe hat Miriam Magnus 2004 bewältigt.
Um die wirtschaftliche Entwicklung     der Arbeitgeber. Neben den Geo-         Während der Landesgartenschau in Trier baute sie den Infopoint auf und
in ihrer jeweiligen Region zu unter-   graphen können auch Betriebswirte       betreute ihn während der sechs Monate dauernden Veranstaltung.
                                                                               Damals war die 28-Jährige für dieses Gemeinschaftsprojekt der
stützen, führen Bundesländer oder      in ihrem Studium einen Schwer-          Landesgartenschau und mehrerer Touristik-Gesellschaften bei der
Teilregionen und Kommunen Maß-         punkt im Thema Tourismus wäh-           Tourist Information Trier angestellt. Mittlerweile arbeitet sie bei der
nahmen der Wirtschaftsförderung        len. Sie können damit als Mitbe-        Mosellandtouristik GmbH. „Mein Traumjob!“, schwärmt die junge Frau,
durch. Neue Unternehmen anzu-          werber bei Stellen im Fremdenver-       deren Ziel von Beginn an der regionale Tourismusbereich war. Die Arbeit
siedeln, die bestehende Struktur zu    kehr gesehen werden.                    bei einem Reiseveranstalter oder im Eventmarketing – auch mögliche
                                                                               Arbeitsbereiche für Fremdenverkehrsgeographen – hätte sie weniger
stärken, Gewerbeflächen zu ver-                                                interessiert. Als typische Geographin würde sie sich nicht bezeichnen:
markten oder wirtschaftliche Clus-     Sozial- und Marktforschung              „Ich bin im Grunde eher im Kaufmännischen zuhause als in der
ter zu bilden, stehen im Zentrum                                               Geographie.“
der Aktivitäten. Institutionell sind   Um ihren Markt zu kennen, die
                                                                               Studiert hat sie angewandte Geographie/Fremdenverkehrsgeographie an
die Wirtschaftsförderer an die öf-     Produktangebote neu auszurichten        der Universität Trier, machte dort 2003 ihr Diplom. Während des Studi-
fentlichen Arbeitgeber angegliedert    oder das Unternehmen zu vergrö-         ums absolvierte sie in Hamburg und in Münster Praktika im Tourismusbe-
oder als GmbH aufgestellt. Überall     ßern, betreiben heute die meisten       reich. Als sich der Berufseinstieg schwieriger gestaltete als gedacht, ab-
bieten sich hier für Geographen        Unternehmen Marktforschung. Ob          solvierte sie ein weiteres Praktikum im Counterbereich der örtlichen Tou-
Einsatzbereiche, in denen sie ihr      in der Telekommunikation oder im        rist-Information. Eine Erfahrung, die Miriam Magnus nur jedem angehen-
                                                                               den Fremdenverkehrsgeographen empfehlen kann: „Der Counterbereich
wirtschaftsgeographisches Fach-        Gesundheitswesen, in der Nah-           ist ein sehr guter Einstieg, man lernt viel über Kunden- und Außenkon-
wissen nutzen können.                  rungsmittelbranche oder bei Versi-      takte. Und die Praktika waren für mein Berufsleben wichtiger als das Stu-
                                       cherungen – die auf diese Weise         dium selbst“, sagt sie. Trotzdem war die Zeit an der Universität keine
                                       gewonnenen Informationen sollen         vertane: „Abgesehen vom Hintergrundwissen habe ich an der Uni ver-
                                                                               mittelt bekommen, Verantwortung zu übernehmen – vor allem für mich
Fremdenverkehr/Tourismus               helfen, die Unternehmensentwick-        selbst. Außerdem habe ich im Studium gelernt, vernetzt zu denken.“
                                       lung zu steuern. Große Unter-
Fremdenverkehr ist im Zeitalter des    nehmen haben oft eigene Marktfor-       Miriam Magnus’ Kollegen bei der Moselland-Touristik GmbH sind eben-
Massentourismus ein wichtiger          schungsabteilungen.                     falls Geographen oder Reisekaufleute. Sie selbst ist für Buchungen zu-
Wirtschaftszweig in Deutschland        Marktforschungsunternehmen ar-          ständig, stellt Pauschalangebote zusammen und kümmert sich um die
                                                                               Organisation von Veranstaltungen wie etwa Tourismusmessen. In ihrer
und weltweit. Tourismus wird noch      beiten meist für verschiedene           noch kurzen Karriere musste sie sich schon mehrere Fähigkeiten aneig-
immer als Wachstumsmarkt ange-         Branchen. Auftraggeber sind nicht       nen, die im Studium keine Rolle spielten: „Zum Beispiel den Umgang mit
sehen. Verkehrsämter, Fremden-         nur Unternehmen, sondern auch           Kunden, die ganz alltäglichen Arbeitsabläufe wie die Korrespondenz, den
verkehrsverbände, große Reise-         politische Parteien, öffentliche Ver-   Aufbau einer Rechnung oder das Schreiben eines Angebots. Alles Prak-
                                                                               tische eben.“
veranstalter oder die Deutsche         waltungen oder Medien. Geogra-
Zentrale für Tourismus sind hier       phen sind für diesen Aufgabenbe-        Die junge Geographin weiß, dass sie Glück gehabt hat, so schnell eine
potenzielle Arbeitgeber. Standort-     reich gut qualifiziert, wenn sie ei-    Stelle in dem von ihr bevorzugten Bereich gefunden zu haben, sei es
analysen, Marktforschung und           nen sozial- und wirtschaftswissen-      auch erst einmal nur eine befristete. „Eine meiner Kommilitoninnen war
Fremdenverkehrsmarketing können        schaftlichen    Studienschwerpunkt      ein Jahr auf Stellensuche, ein anderer Studienkollege aus der Fremden-
                                                                               verkehrsgeographie arbeitet inzwischen als Lehrer.“ Ihre Tipps für Studie-
zu den fachlichen Einsatzgebieten      gewählt haben. Oft geben pro-           rende und Absolventen: „Man sollte schon während des Studiums soviel
zählen. Auch der Aufbau und die        jektgebundene Jobangebote Stu-          Berufserfahrung sammeln, wie es nur eben geht, auf jeden Fall mehr als
Organisation von Tourismusbüros        dierenden die Möglichkeit, in die-      die vorgeschriebenen zwei Praktika absolvieren. Und wer auf die Suche
machen in diesem Wirtschaftsbe-        ses Berufsfeld hineinzuschnup-          nach Nebenjobs geht, sollte darauf achten, dass sie berufsbezogen sind.
                                                                               Ein sehr guter Einstieg sind Aushilfsstellen in Tourist-Informationen wäh-
reich die Standardaufgaben aus.        pern, erste Berufserfahrung zu          rend der Ferienzeit.“
Ökonomische      und     juristische   sammeln und Kontakte für die
Kenntnisse, Fremdsprachen und          spätere Arbeitssuche zu knüpfen.

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Mit Marktforschung in Führung gehen                                          Unternehmensberatung/Politik-          how können jedoch gerade Geo-
Mit dem Wirtschaftsgeographie-Diplom in der Tasche war Helge                 beratung                               graphen zu den geeigneten Fach-
Scheunemann 1994 nach mehreren Blindbewerbungen in der glücklichen                                                  leuten in Immobilienunternehmen
und für Geographen seltenen Lage, drei Jobs zur Auswahl zu haben. Der        „Mit dem Consulting hat sich in den    machen. Ob es darum geht, ein
Lübecker entschied sich schließlich für Jones Lang LaSalle, eines der
weltweit führenden Immobilienmakler- und -berater-Unternehmen, das           letzten 20 Jahren ein interessanter    Gelände so umzugestalten, dass
seinen Stammsitz in Chicago und einen seiner deutschen Firmensitze in        Arbeitsmarkt eröffnet, den bei der     es im Wert steigt, nachdem der
Hamburg hat. Dort hat es Scheunemann inzwischen zum Leiter Re-               Konzeption der Diplom-Studien-         Boden von Altlasten gereinigt wur-
search Deutschland gebracht. Als interner Dienstleister erarbeitet er mit    gänge (…) niemand erwarten konn-       de, oder ein neues Nutzungskon-
seinem siebenköpfigen Team, das an mehreren Standorten in                    te“ (ARING 2004). Dies ist ein Bei-    zept für Einkaufszentren zu ent-
Deutschland verteilt ist, Marktreports und -analysen für gewerbliche
Immobilien, nutzt dabei verschiedene Datenbanken und erstellt                spiel für die Veränderungen, die       wickeln, Marketingmaßnahmen zu
Umfragen.                                                                    sich im Laufe der Jahre in den Ein-    konzipieren – Geographen können
                                                                             satzmöglichkeiten für Geographen       hier von ihrer breit angelegten
Marktforschung war schon früh im Studium sein wichtigstes Interes-           ergeben haben. Oft ist die Tätigkeit   Qualifikation profitieren. Und ihre
sengebiet. In seinem Job kann der 37-Jährige das während des Studi-
ums angeeignete Wissen – statistische Kenntnisse, Fragebogenkon-             in einer Unternehmensberatung          Fähigkeit, interdisziplinär zu arbei-
zipierung, Präsentationsgeschick – immer wieder anwenden: „Ich komme         eine wichtige Berufsstation, die je-   ten, zahlt sich auch hier aus.
jeden Tag auf meine geographischen Wurzeln zurück“, sagt er. „Von            doch nur für eine gewisse Zeit aus-
meiner Studienzeit an der Uni Kiel profitiere ich heute noch regelmäßig.“    geübt wird. Nicht zu unterschätzen
Auch vom Thema seiner Diplomarbeit, die er, damals noch zum                  ist die Anstrengung, die das Unter-    Geo-Informationen
Erstaunen der meisten seiner Professoren, bei einem Lübecker
Industrieunternehmen absolvierte und in der es um Standortplanung für        wegssein und die hohe Arbeitsbe-
Seminarzentren ging. „Zum Glück kam der Professor, der meine Diplom-         lastung bedeuten. Dabei kann in        Geo-Informationen haben in den
arbeit betreute, aus der Praxis und unterstützte mich nach Kräften.“         einer Unternehmensberatung die         letzten Jahren enorm an Bedeu-
                                                                             Entwicklung von neuen Nutzungs-        tung gewonnen. Wenn raumbezo-
„Ganz zufällig“, sagt Scheunemann, „habe ich sehr gezielt studiert. Dabei
wusste ich zu Beginn gar nicht so genau, in welchem Bereich ich einmal       konzepten, das Erarbeiten von          gene Daten digital erfasst, analy-
landen würde. So geht es wohl vielen Geographen.“ Aus Interesse              Marketingkonzepten, das von Un-        siert und graphisch und textlich
besuchte er freiwillig Vorlesungen in Betriebswirtschaftslehre. „Dieses      ternehmen oder öffentlichen Auf-       dargestellt werden, spricht man von
Fach konnten wir damals nicht im Nebenfach studieren. Inzwischen ist         traggebern an die Unternehmens-        einem       Geo-Informationssystem
das ja zum Glück möglich.“ Trotzdem musste er sich einige wirt-              beratung ausgelagert wurde, oder       (GIS). Es vereint eine Datenbank
schaftliche Kenntnisse, wie Finanzierung oder tiefere volkswirtschaftliche
Zusammenhänge, im Berufsleben aneignen: „In dieser Beziehung haben           die Wirtschaftlichkeitsberechnung      und die zur Bearbeitung der Daten
Geographen einige Lücken.“ Auch mit dem Thema GIS (Geoinfor-                 ein gutes Sprungbrett sein, um die     nützlichen Methoden. Genutzt wer-
mationssysteme) wurde er erst im Job konfrontiert: „Während meines           Unternehmensberatung zu verlas-        den Geo-Informationssysteme, um
Studiums spielte GIS noch bei weitem keine so große Rolle wie heute.“        sen und in einem Tätigkeitsfeld        in    unterschiedlichsten    Anwen-
Trotzdem hat Scheunemann keine Angst davor, dass junge Geographen
frisch von der Uni ihn überholen könnten: „In meinem Job als Leiter          Fuß zu fassen, das mit gerade die-     dungsbereichen Informationen zu
Research habe ich Personal- und Budgetverantwortung und bin für die          sem Aufgabenfeld verbunden ist.        generieren, die Entscheidungspro-
gesamte Abteilungsorganisation zuständig. Es kommt besonders auf                                                    zesse unterstützen können. Bei-
Führungsqualitäten an. Und die bringt bei weitem nicht jeder mit, der                                               spiele sind Grünflächeninformati-
fachlich auf dem neuesten Stand ist.“                                        Immobilienwirtschaft                   onssysteme, Baumkataster, Spiel-
Studienanfängern würde Scheunemann den Tipp geben, von Anfang an                                                    platzkataster, Umweltdatenbanken,
auch Wirtschaftskurse zu belegen, GIS- und Präsentationskenntnisse zu        Eine eindeutige Ausbildung, um in      wie sie etwa das Umweltbundes-
erwerben und schon während des Studiums möglichst viele und                  der Immobilienwirtschaft tätig zu      amt pflegt, oder Geo-Informations-
möglichst verschiedenartige Praktika zu absolvieren: „Zum Beispiel in der    sein, gibt es nicht. Fachkenntnisse    systeme in der Tourismuswirtschaft
öffentlichen Verwaltung und in der freien Wirtschaft, um früh die
Unterschiede kennenzulernen.“ Außerdem rät er Studierenden in der            in der Stadt- und Raumplanung,         oder im Gesundheitswesen.
Schlussphase, eine praxisbezogene Diplomarbeit zu verfassen „und zwar        Marketingwissen und -erfahrung
eine, die auch außerhalb der Universität auf Interesse stößt.“               und betriebswirtschaftliches Know-

19                                                                                                                                                    20
Geographen können einen Arbeits-          den derzeitigen Stelleninhabern        Entwicklungszusammenarbeit            sen wird, dass nur männliche Be-
platz in den Bereichen finden, in         nicht wahrscheinlich. Das ist aus                                            werber Einstellungsaussichten ha-
denen diese Systeme zum Einsatz           einer Äußerung zu schließen, die       Ein überaus interessantes Betäti-     ben. Einen Einblick in Projekte und
kommen, ebenso können aber                der Leiter der Abteilung Geo-          gungsfeld für Geographen kann die     Stellenofferten der Entwicklungs-
auch Geographen mit den entspre-          graphie und Karthographie der          Entwicklungszusammenarbeit sein.      zusammenarbeit liefert zum Bei-
chenden EDV-Kenntnissen in Soft-          Westermann       Schulbuchverlags      Verschiedene Initiativen und Orga-    spiel die Deutsche Gesellschaft
warefirmen bei ihrer Entwicklung          GmbH 2002 gegenüber dem Uni-           nisationen entsenden von Deutsch-     für Technische Zusammenarbeit
mitwirken. Häufig werden sie auch         Magazin machte.                        land aus projektgebunden Mitar-       (GZT). Auch bei anderen Trägern
gesucht, um den Vertrieb dieser                                                  beiter in Länder Asiens, Afrikas,     wie dem Deutschen Entwicklungs-
Produkte voranzutreiben. Zu den                                                  Lateinamerikas, aber auch Mittel-     dienst (DED), dem Evangelischen
Aufgaben zählen im Einzelnen die          Hochschule und Forschung               und Osteuropas. Es handelt sich       Entwicklungsdienst (EED) oder der
Erstellung des Pflichtenheftes ei-                                               immer um befristete Aufgaben. Da-     Gesellschaft Internationale Weiter-
nes Geo-Informationssystems, oft          Lange Zeit war auch die Forschung      bei kann ein GIS-Experte genauso      bildung und Entwicklung (InWent)
inklusive der Programmierung, Ver-        als klassisches Einsatzgebiet von      gesucht sein wie jemand, der sich     gibt es Informationen.
suchsaufbauten und die Entwick-           Geographen angesehen. Dieser           in Demographie und Statistik aus-
lung von Prototypen, aber auch die        Stellenwert hat sich relativiert.      kennt. Oft handelt es sich auch um
Marktbeobachtung und die Kom-             Hochschulen und Forschungsin-          Projekte der Wirtschaftsentwick-
munikation mit den Abnehmern. Mit         stitute bieten heute oft nur befris-   lung in Kombination mit Um-           Die Lage auf dem
Reisetätigkeit ist die Installation vor   tete Stellen an. Dabei kann es sich    weltschutzfragen. Auch wenn es        Arbeitsmarkt
Ort verbunden. Oder es geht da-           einerseits um Doktorandenstellen       um ein Projekt der Trinkwas-
rum, Handbücher zu erstellen und          handeln, andererseits um Positio-      seraufbereitung geht, kann ein
Nutzer zu schulen.                        nen für wissenschaftliche Mitar-       Geograph gefragt sein: Von der        Beschäftigtenstatistik
                                          beiter, die bereits promoviert ha-     Geländeuntersuchung bis hin zum
                                          ben. Die Befristung resultiert zu-     Kartographieren ist geographisches
Information und Dokumentation,            meist daraus, dass es sich um                                                Geographen gehören einer Berufs-
                                                                                 Fachwissen hilfreich. Auch Kon-
Verlage/Fachverlage                       Projektstellen handelt, die dritt-                                           gruppe an, deren Spuren sich in
                                                                                 zepte des Landschaftsschutzes bei
                                          mittelfinanziert sind. Je nach For-                                          der Berufsstatistik verlieren. Wenn
                                                                                 der nachhaltigen Nutzung von Bo-
Die Sammlung und Dokumentation            schungsschwerpunkt stehen die                                                sie in Ingenieurarbeitsfeldern oder
                                                                                 denschätzen können in Entwick-
von Informationen spielt nicht erst       Geographen bei diesen Stellen in                                             in der Sozialforschung tätig sind,
                                                                                 lungsprojekten gefragt sein. Neben
seit der Einführung von GIS eine          Konkurrenz zu benachbarten Fach-                                             Managementaufgaben         übernom-
                                                                                 dem notwendigen Fachwissen sol-
Rolle. Bereits zuvor waren Geo-           richtungen, etwa der Geoinforma-                                             men haben oder als IT-Experte
                                                                                 len Bewerber selbstverständlich
graphen in Verlagen gefragt bei der       tik, dem Vermessungs- oder                                                   oder im Tourismusmarketing ar-
                                                                                 Fremdsprachenkenntnisse und oft
Herstellung von Landkarten und            Agraringenieurwesen oder den So-                                             beiten, sind, sofern der aktuelle
                                                                                 auch Berufserfahrung in der Ent-
Atlanten, in Archiven bei der Erfas-      zialwissenschaften. Die (fach-)wis-                                          Erwerbsberuf erfragt wird, statisti-
                                                                                 wicklungsarbeit oder in dem fach-
sung von raumbezogenen Informa-           senschaftliche Befähigung, ein-                                              sche Erhebungen zu Geographen
                                                                                 lichen Schwerpunkt mitbringen.
tionen oder in Bibliotheken. Dieser       schlägige Programmierkenntnisse                                              ungenau.
                                                                                 Interkulturelle Kompetenz ist ein
Einsatzbereich für Geographen ist         und Datenbankwissen werden hier        Stichwort, dass in Stellenangebo-
weiterhin gegeben. Unter dem Ein-         ebenso selbstverständlich erwartet                                           Oder sie sind als Geographen
                                                                                 ten der Entwicklungszusammenar-
fluss der neuen EDV-gestützten            wie Fremdsprachenkenntnisse und                                              statistisch ungenau in Berufsgrup-
                                                                                 beit ebenfalls immer wieder auf-
Möglichkeiten wird auch er sich           Kommunikationskompetenzen.                                                   pen zusammengefasst, aus denen
                                                                                 taucht. Je nach Zielland kann es
verändern. Jedoch ist die Stellen-                                                                                     nur schwer berufsspezifische Aus-
                                                                                 wegen kultureller Unterschiede
zahl in diesem Arbeitsfeld be-                                                                                         sagen abzuleiten sind. Da es sich
                                                                                 auch sein, dass bereits in der Pro-
grenzt und eine Fluktuation unter                                                                                      bei den Geographen um eine ver-
                                                                                 jektbeschreibung darauf hingewie-
                                                                                                                       hältnismäßig kleine Berufsgruppe

21                                                                                                                                                      22
handelt, deren geringe Anzahl zu     Frauenanteil lag in der Gruppe der                                      tig Beschäftigten um 7,7 % anstieg,                                4,3 %, Stichtag 30. Juni 2004).
                großen Fehlerquoten bei Stichpro-    Naturwissenschaftler 1999 bei                                           während die Gesamtzahl aller                                       Insgesamt stellten die ‚anderen
                benerhebungen (etwa dem Mik-         29 % und stieg auf 34 % im Jahr                                         sozialversicherungspflichtig   Be-                                 Naturwissenschaftler’ 1,6 % aller
                rozensus) führt, werden sie in der   2004 an. Bei allen abhängig                                             schäftigten im Zeitraum von 1999                                   abhängig beschäftigten Akade-
                Beschäftigtenstatistik mit anderen   beschäftigten Akademikern lag der                                       bis 2004 um 3,5 % zurückging (vgl.                                 miker.
                kleinen Berufsgruppen (Biologen,     Frauenanteil nur leicht höher                                           Abbildung 7).
                                                                                                                                                                                                Tipp: Geographen werden auch bei Stellen-
                                                                                                                                                                                                offerten für andere Fachrichtungen fündig >   Beschäftigtenzahl insgesamt ging zurück –       wissenschaftlern’ dieser Zuwachs                                        sind, bleiben wegen der gemein-
                                                                                                                                                                                                Eine weitere Besonderheit in der
                                                                                                                                                                                                Beschäftigtenstatistik der ‚anderen
     Zahl der Akademiker stieg                       stattfand oder ob er sich gleich-                                       samen Erfassung mit anderen Na-                                    Naturwissenschaftler’ betrifft den
                der Gruppe ‚andere Naturwis- mäßig verteilte.                                                                turwissenschaften unscharf. Be-                                    Beschäftigtenanteil bei Verbänden,
                senschaftler’     zusammengefasst.                                                                           trachtet man die heterogene                                        Parteien und Vereinen. In diesem
                Dass diese statistische Zuordnung Auch die große Gruppe der Wirt-                                            Gruppe als Einheit und vergleicht                                  Segment liegt der Beschäftigten-
                den sozialwissenschaftlich orien- schafts- und Sozialwissenschaftler                                         sie mit der Gesamtheit aller sozial-                               anteil doppelt so hoch wie im
                tierten Geographen nicht gerecht verzeichnete von 1999 bis 2004 ei-                                          versicherungspflichtig beschäftig-                                 Durchschnitt    aller   Akademiker
                wird, kann hier nicht vertieft wer- nen Beschäftigtenzuwachs von                                             ten Akademiker, so ist bemerkens-                                  (6,1 % : 2,9 %). Hintergrund dieses
                den.                                 knapp 14 %, während die Ar-                                             wert, dass die ‚anderen Naturwis-                                  Wertes ist sicherlich das hohe
                                                     chitekten und Bauingenieure mit                                         senschaftler’ in der Kategorie der                                 Ausmaß an Lobbyarbeit, Anstel-
                Für diese ‚anderen Naturwissen- einem Rückgang von gut 14 %                                                  Beschäftigung an Hochschulen und                                   lungen bei Verbänden und Verei-
                schaftler’ zusammen weist die Be- konfrontiert waren. Im Vergleich zu                                        Bildungseinrichtungen einen fast                                   nen unter Biologen, Geographen
                schäftigtenstatistik im Zeitraum von diesen Veränderungen in einzelnen                                       siebenfach höheren Wert auswei-                                    und den weiteren kleinen naturwis-
                1999 bis 2004 einen Anstieg von Berufsgruppen ist interessant, dass                                          sen als der Durchschnitt aller Aka-                                senschaftlichen Berufen.
                33.991 auf 38.413 aus (+ 13 %, für alle akademischen Berufe die                                              demiker (28,8 %; alle Akademiker:
                Stichtag jeweils der 30. Juni). Der  Zahl der sozialversicherungspflich-

                Abbildung 7                                                                                                  Abbildung 8
                                                    Beschäftigung von Akademikern nimmt zu                                                                           Stellenangebote für Geographen rückläufig

                                                                                               Architekten, Bauingenieure
                                                                                                                                                                 106,5
                                                                                               Wirtschafts- und                            100    100                                                                        Geographen
                        115                                                                    Sozialwissenschaftler
                                                                                               andere Naturwissenschaftler
                                                                                                                                                                         88,8                                                Alle Akademiker
                                                                                               Akademiker insgesamt
                        110
                                                                                               alle Beschäftigten
                                                                                                                                                                                                                            Indexberechnung:
                                                                                                                                                                                75,3
                                                                                                                                                                                                                            2000 = 100
                        105                                                                                                                                                              68,8

                                                                                                                                                                                                       60,1
                        100                                                                                                                                                                                          51,9
                                                                                                                                                                                                49,4

                         95                                                                                                                                                                                   38,9

                                                                                                                                                                                                                                          28,9
                         90

                                                                                                                                                                                                                                   14,2
                         85                                                                  Indexberechnung: 1999 =
                                                                                             100
                                                                                             Stichtage: jeweils 30.06.
                         80
                                   1999      2000        2001      2002     2003      2004                                                    2000                  2001          2002             2003          2004            Januar - Juni
                                                                                                                                                                                                                                    2005

                 Quelle: Bundesagentur für                                                                  © 2005, BA-       Quelle: Bundesagentur für Arbeit                                                                                 © 2005, BA-AMS

                23                                                                                                                                                                                                                                       24
Nachfrage nach Geographen             Stellenangebote gab es 2004 zu         Abbildung 9
                                      einem hohen Anteil von Unterneh-
Die Zahl der Stellenmeldungen für     mensberatungen (25 %) und der                            Geographen in sehr unterschiedlichen Wirtschaftsbereichen gesucht
Geographen und die Schwankun-         öffentlichen Verwaltung (17,7 %).
gen, denen diese Zahl unterliegt,     Stadtplanung in den Kommunen                                                                 Sonstige                          8,3%

verdeutlichen den Nachfragetrend      oder örtliche Fremdenverkehrsbü-                                                       Softwarehäuser          2,1%
nach Geographen und damit deren       ros zählen hier zu den Einsatzfel-
Arbeitsmarktschancen. Die Be-         dern. Auch Arbeitgeber in der Ver-                   Erwachsenenbildung und sonstiger Unterricht                        6,3%

deutung der explizit für Geogra-      bandsarbeit (14,6 %), Ingenieurbü-
                                                                                         Hochschulen und andere Bildungseinrichtungen                           7,3%
phen ausgewiesenen Stellenmel-        ros (9,4 %), Hochschulen (7,3 %),
dungen sollte jedoch nicht zu hoch    Einrichtungen der Erwachsenenbil-                                     Architektur- und Ingenieurbüros                           9,4%

bewertet werden. Oftmals denkt ein    dung (6,3 %) oder Softwarehäuser                                           Forschung und Entwicklung
                                                                                                                                                                      9,4%
Arbeitgeber zunächst an eine an-      (2,1 %)     suchten   Geographen.                                         im Bereich Naturwissenschaft

dere Qualifikation, obwohl auch ein   Vereinzelt waren Stellen für                                              Verbände; politische Parteien                                14,6%

Geograph für die ausgeschriebene      Geographen im Gesundheitswesen
                                                                                                                      Öffentliche Verwaltung                                         17,7%
Aufgabe in Frage käme. Für Be-        und im Verteidigungswesen zu
werber ist daher wichtig, die Details besetzen, die in die Abbildung 9 in                                            Unternehmensberatung                                                             25,0%

der Stellenausschreibungen in den     die Kategorie Sonstiges einge-
                                                                             Quelle: Bundesagentur für Arbeit                                                                                         © 2005, BA-AMS
benachbarten Fachrichtungen im        flossen sind.
Auge zu behalten. Stellen für Be-
triebswirte, für Biologen, für Raum- Viele Geographen teilen die Erfah-
planer oder für Informatiker können rung, dass die Stellensuche nicht
für sie ebenfalls interessant sein.   einfach ist. Die Gründe dafür belegt
                                      beispielhaft die Absolventenstudie
Die Zahl der Stellen, die bei der der Technischen Universität (TU)
Bundesagentur für Arbeit explizit Dresden. Die Antworten geben
für Geographen gemeldet wurden, Auskunft darüber, wo aus Bewer-              Abbildung 10
ging in den letzten Jahren zurück. bersicht die Schwierigkeiten bei der                    Welche Schwierigkeiten Geowissenschaftler bei ihrer Stellensuche sahen
Dieser Rückgang betraf auch die Stellensuche lagen (vgl. Abbildung
Stellenzahl für alle Akademiker- 10). An erster Stelle der Schwie-                                 Berufserfahrung
                                                                                                                                                                                             69,7 %
gruppen. Im Vergleich zur Gesamt- rigkeiten rangierte unter den Geo-                                vorausgesetzt
                                                                                              Spezielle Kenntnisse
heit nahm die Stellenzahl für Geo- wissenschaftlern das Kriterium Be-                              gefordert
                                                                                                                                                            36,4 %

graphen zunächst noch zu, ging in rufserfahrung (69,7 %). Berufs-                                Anderer
                                                                                         Studienabschluss gefragt
                                                                                                                                                            36,4 %

der Folge dann jedoch in größerem anfänger ohne Einblicke in die                              Stellenbeschreibung                                 27,3 %
Ausmaß zurück als der Durch- Praxis hatten es überaus schwer.
schnitt (vgl. Abbildung 8). Im Ka- Weitaus seltener suchten die
                                                                                                  Andere Probleme                                 27,3 %

lenderjahr 2004 gingen bei den Arbeitgeber einen anderen fach-
                                                                                             Anderer Schwerpunkt
                                                                                                                                                24,2 %
                                                                                                   gesucht

Agenturen für Arbeit nur noch 96 lichen Schwerpunkt (24,2 %). Aller-                         Entfernung vom
                                                                                         angebotenen Arbeitsplatz
                                                                                                                                     15,2 %

Stellen ein, für die an erster Stelle dings gaben auch ein Drittel der                              Andere
                                                                                                                                     15,2 %
explizit Geographen gesucht wur- Dresdener Absolventen an, dass                              Gehaltsvorstellungen
                                                                                          Andere Arbeitszeit und -
den – im Spitzenjahr 2001 waren spezielle Kenntnisse verlangt wur-                        bedingungen vorgestellt
                                                                                                                                  12,1 %

es noch 263 Positionen gewesen.       den, die sie nicht vorweisen                         Unvereinbarkeit mit der
                                                                                                                         3,0 %
                                                                                                  Familie                                                                            Mehrfachnennungen möglich
                                      konnten.
                                                                             Quelle: TU Dresden 2004                                                                                                  © 2005, BA-AMS

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