Auswahl und Einsatz eines Learning Management Systems an der Universität Freiburg

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Auswahl und Einsatz eines Learning Management Systems an der Universität Freiburg
Auswahl und Einsatz eines Learning Management Systems
an der Universität Freiburg
Stephan Trahasch, Karlheinz-Böbel

Einleitung
An der Universität Freiburg gab und gibt es seit mehreren Jahren in verschiedenen
Fakultäten eine Vielzahl von eLearning-Projekten wie z.B. LEC1, VIROR2, ULI3 oder
Forstökologie Online4. Diese Projekte praktizieren und erforschen eLearning aus
unterschiedlichen Perspektiven. Fast allen Projekten ist gemeinsam, dass gewisse
Basisdienste benötigt werden, die in einem Learning Management System
zusammengefasst werden können.
VIROR hatte unter den Projekten an der Universität Freiburg aufgrund der fakultäts-
und hochschulübergreifenden Struktur eine herausragende Rolle inne und brachte
deshalb das Thema eLearning auch in den hochschulpolitischen Gremien und der
Hochschulleitung ein. Die Projektleitung und das Teilprojekt Technik, das für die
technische Infrastruktur verantwortlich war, suchten deshalb Ende 2000 das
Gespräch mit dem Rektorat und dem Universitätsrechenzentrum der Universität
Freiburg, um die Möglichkeiten einer hochschulweiten eLearning-Infrastruktur
auszuloten. Es wurde vereinbart, dass ein Learning Management System (LMS) als
hochschulweiter Dienst bis zum Wintersemester 2001 eingerichtet werden sollte, der
auch den VIROR-Partner an den Universitäten Heidelberg, Karlsruhe und Mannheim
zur Verfügung stehen sollte.
Für den Auswahl- und Entscheidungsprozess wurde ein Gremium unter Leitung des
Rechenzentrums mit Vertretern aus verschiedenen Fachbereichen und Projekten
etabliert. Ziel war, ein LMS zu implementieren, das sowohl für Distanzkurse als auch
zur Unterstützung der Präsenzlehre eingesetzt werden kann. Es sollte als zentraler
Dienst angeboten werden, so dass Synergien erzielt werden können, um die
laufenden eLearning-Projekte zu entlasten und insbesondere neuen Nutzern im
Bereich eLearning den Einstieg zu erleichtern. Für den Fachbereich Informatik war
von besonderer Bedeutung, dass mit dem System auch der tutorielle Übungsbetrieb
über das Internet abgewickelt werden kann. Da es sich um eine hochschulweite
Einführung einer Lernplattform handelt, war es sehr wichtig, dass das LMS eine
dezentrale Administration erlaubt sowie Gruppen und Privilegien selbst definiert
werden können.

Anforderungen
Bei der Ausgestaltung eines eLearning-Systems für den Online-Lehrbetrieb mit den
bereits definierten Zielen, sind hauptsächlich die Rollen der Studenten und der
Dozenten zu beachten. Diese sind bezüglich der anfallenden Tätigkeiten in den
Abbildungen 1 und 2 dargestellt:

1
    LEC http:// http://www.zmk.uni-freiburg.de/
2
    VIROR http://www.viror.de/
3
    ULI http://www.uli-campus.de
4
    Forstökologie Online http://www.forst.uni-freiburg.de/bodenkunde
Abbildung 1

Abbildung 2

Daraus können softwaretechnische Grundanforderungen wie Berechtigungssystem
für Teilnehmer und Gruppen für die Personalisierung der Lernumgebung,
Kommunikationsmöglichkeiten und Datenaustausch zwischen Dozent und Schüler
sowie die strukturierte Bereitstellung und evtl. Erstellung von multimedialen Inhalten
abgeleitet werden.
Bevor man an diese Grundanforderungen im Hinblick auf eine einzusetzende,
marktgängige Software verfeinert, ist es notwendig, eine Entscheidung zu treffen, mit
welcher Art von Software diese Tätigkeiten bewältigt werden sollen, da die
Aufstellung spezifischer Kriterien dadurch stark beeinflusst wird. Die Aufgaben
können entweder mit einer offenen Lösung, die aus einem Webserver für die reine
Contentbereitstellung, einem Content Management System, einer Digitalen Bibliothek
und z.B. einem Groupware-Werkzeug bestehen kann, oder einer kompakte Lösung
mit einem Learning Management System realisiert werden.
Die Komposition aus mehreren offenen Tools hat bezüglich Flexibilität sicher ihren
Reiz und dann Berechtigung, wenn schon mehrere, derartige Systeme längere Zeit
für andere Aufgaben breite Anwendung finden. Nachteilig ist jedoch die mangelhafte
Zusammenarbeit der Tools untereinander und den nicht zu unterschätzenden
Entwicklungsaufwand für die Integration. Die geschlossene Lösung bietet gerade da
ihre Vorteile. Denn es wird nur eine Benutzerverwaltung benötigt und
Kommunikationstools und Content Management arbeiten Hand in Hand. Ferner führt
ein einheitliches Benutzerinterface auch zu einer besseren Akzeptanz. Für die
Situation an der Universität Freiburg erschien der Einsatz eines spezifischen LMS
der bessere Weg zu sein.

Systemauswahl
Aufbauend auf vorhandene Erfahrungen in den Projekten und an anderen
Hochschulen wurde ein gewichteter Kriterienkatalog mit Anforderungen an ein
Learning Management System aufgestellt5. Die Auswahl der zu evaluierenden
Systeme auf Basis des aufgestellten Kriterienkatalogs erfolgte mit einer
pragmatischen Vorgehensweise, insbesondere in Hinsicht auf den vorgesehenen
Einführungstermin. Deshalb wurde z.B. auf eine breitere Versendung des
Kriterienkatalogs an eine größere Anzahl von Hersteller verzichtet. Es wurden sechs
Systeme evaluiert:
    -   CLIX Campus der Firma imc AG
    -   Hyperwave eLearning Suite
    -   IBT Server von Time4You
    -   ILIAS als OpenSource Lösung
    -   IBM Lotus Learning Space
    -   WebCT

Für die Evaluierung wurde festgelegt, dass die Bewertung auf Grund einer
Kombination von Systempräsentation und Herstellerbefragung durch die Vertreter
der beteiligten Fachbereiche erfolgen sollte. Die Systeme wurden an Lehrstühlen und
in Projekte schon eingesetzt, so dass die Mitarbeiter von ihren Erfahrungen berichten
konnten und Testzugänge für das Auswahlgremium eingerichtet wurden.
Nach der erfolgten Bewertung erschienen zwei Learning Management Systeme
besonders geeignet zu sein. Diese beiden Produkte wurden im Auftrag des
Auswahlgremiums durch drei Vertreter nochmals näher begutachtet und getestet. Da
sich bei allen Systemen gezeigt hatte, dass sie Defizite bei der Beachtung von
organisatorischen Abläufen eines universitären Lehrbetriebs, insbesondere für die
Durchführung eines Übungsbetriebes, hatten, wurden u.a. auch Gespräche über die
Weiterentwicklung und Anpassung an den universitären Lehrbetrieb geführt.
Während der Evaluation wurde deutlich, dass es das optimale System, das alle
Anforderungen aus den unterschiedlichen Fachgebieten erfüllt, nicht gibt bzw. nicht
geben kann. Grundsätzlich befindet man sich bei dem aktuellen Entwicklungsstand
von LMS in einem Entscheindungsdilemma: man will natürlich sehr viele
wünschenswerte Funktionen im LMS, die jedoch die Komplexität erhöhen. Will man
umgekehrt ein möglichst einfach zu bedienendes System, so muss man bei den
Funktionen Abstriche in Kauf nehmen. Gerade bei der Usability der verschiedenen
LMS gibt es noch Optimierungsbedarf.

Das Gremium entschied sich nach ausführlichen und intensiven Diskussionen für die
Lernplattform CLIX Campus der Firma imc AG6. Ein Grund war u.a., dass die
Universität Freiburg im Rahmen des Higher Education Elearning Network (HEEN)
5
    Kriterienkatalog der Universität Freiburg, Stand 2001 http://www.nmc.uni-freiburg.de/vlebewertungskatalog.htm
6
    imc AG http://www.im-c.de/
vom imc die Weiterentwicklung der Plattform mitbestimmen kann. Bisher wurde CLIX
Campus in Kooperation mit der Univeristät Freiburg um ein Übungsmodul zur
Durchführung des tutoriellen Übungsbetriebes in naturwissenschaftlichen
Fachbereichen sowie dem Content Converter, mit welchem aus RTF-Dokumenten
strukturierte WBTs einfach und schnell erzeugt werden können, ergänzt. Die
Funktion des Content Converters wurde insbesondere von den geistes- und
sozialwissenschaftlichen Fachbereichen gewünscht.
Die Konsensbildung und die Entscheidung für ein System war in der Endphase des
Auswahlprozesses nicht einfach (Trahasch et al., 2002). Hohe Priorität hatte für alle
Beteiligten, dass an der Universität ein zentrales LMS eingeführt wird, welches von
allen Fachbereichen genutzt werden kann. Ziel war es Synergieeffekte zu erzielen
und eine Entlastung für die Projekte und Lehrenden zu erreichen, die eLearning
praktizieren.
Mit CLIX-Campus wurde ein Produkt gewählt, das in etlichen späteren, z.T. sehr
umfangreichen Evaluierungen immer bei den führenden Systemen zu finden war
(Schulmeister, 2003; Baumgartner et al., 2002).

Parallel zu diesem Auswahlvorgang an der Universität Freiburg entwickelte sich eine
landesweite Initiative, die prüfen sollte, ob eine Empfehlung für sämtliche
Hochschulen in Baden-Württemberg ein gangbarer Weg wäre. Die Diskussionen
haben allerdings gezeigt, dass die Vorgehensweise und Gegebenheiten bei der
Einführung einer eLearning-Lösung viel zu unterschiedlich sind, um mit einer
globalen, hochschulübergreifenden Systemempfehlung Erfolg zu haben und aus
einer eventuell landesweit einheitlichen Beschaffung wirtschaftlich Vorteile zu ziehen.

Systemeinführung
CLIX Campus wurde im September 2001 in der Version 2.2 installiert und unter dem
Namen CampusOnline7 als Dienst an der Universität Freiburg eingeführt. Nach einer
Inhausschulung im selben Monat, musste zunächst eine Datenstruktur der
Benutzerverwaltung festgelegt werden, die eine möglichst gute Abbildung der
Organisationsstruktur und der vorhandenen Workflows bot. Dazu standen in Clix zum
Einführungszeitpunkt hierarchische Gruppen- und Mandantenstrukturen für die
Berechtigungsvergabe zur Verfügung, die das zum größten Teil ermöglichten. Ferner
mussten Templates für die zur Verfügung gestellten Inhaltsobjektarten (Abb. 3)
erstellt werden.

7
    CampusOnline http://campusonline.uni-freiburg.de:8181
Inhaltsobjekt

                                               CONTAINER                                                 Ínhalte

                 Container mit intern
                                                       Reine Container
                  erstelltem Inhalt

                                                                                               Service              MEDIEN

                                                                                                                    Animation
                                         Katalog                                Vorlesung       Chat                  Audio
                                                          Lerngruppe
                                                                                                                       Bild
    Fragebogen           Test                                                                  Forum
                                                                                              Nachricht                CBT
                                                                                                                    Dokument
                                                                                             Schw. Brett
                                                                                            Veranstaltung          Präsentation
                                                                                                                      Video
                                                                                             Dokuarchiv
     Fragen *        Aufgaben *                                                                                       WBT
                                                   Beliebige Inhaltsobjekte *                                      WBT(AICC)
                                                                                                                     Linklist
                                                                                                                       FAQ
                                                                                                                     Glossar

Abbildung 3: Inhaltsobjekte

Nach der Konfiguration konnten die Dozenten mit der Erstellung bzw. Bereitstellung
der Inhalte für die Online-Vorlesungen, Seminare und Übungen beginnen. Für die
Erstellung didaktisch ausgeklügelter, hoch interaktiver Kursmaterialien standen und
stehen i.d.R. allerdings kaum die notwendigen Kenntnisse und Ressourcen an einer
Universität zur Verfügung. Deshalb wurden auch hier in der ersten Phase Inhalte
verwendet, die überwiegend mit gängigen Tools wie Textverarbeitungsprogrammen,
Powerpoint oder HTML-Editoren generiert wurden. Das zur Verfügung gestellte
Autorensystem Toolbook-Instructor wurde in der Anfangsphase von den Dozenten
nicht benutzt. Am Institut für Informatik werden Inhalte von eLearning-Kurse nach
dem Prinzip des Lecture Recordings (siehe Lauer) erstellt. Die Dokumente werden
auf einem Streaming- und FTP-Server gespeichert und über den Lehrplan in CLIX
Campus verlinkt. Als clixinterne Elemente wurden Self-Assessments,
Diskussionsforen, Dokumentenarchive, FAQ sowie Chats eingesetzt.

Parallel zur Einführung wurde ein Konzept für einen internetbasierten
Übungsworkflow erstellt, da die vorhandenen Möglichkeiten wie z.B.
Dokumentenarchive für Übungsgruppen nicht ausreichten. Gerade in
naturwissenschaftlichen Fachgebieten wie der Informatik stellen tutoriell korrigierte
Übungsaufgaben einen wichtigen Bestandteil in der Wissensvermittlung dar. Um
einen Kurs vollständig internetbasiert anbieten zu können, muss auch diese Phase
des Lernens durch das LMS unterstützt werden. Bisher ist diese Funktion nur in
wenigen LMS rudimentär integriert. Es gibt spezielle Anwendung für den
Übungsworkflow wie z.B. WebAssign8, die aber auch nicht unseren Anforderungen
entsprachen (Kandzia, Trahasch, 2002). Mit der Firma imc AG wurde deshalb im
Rahmen des HEEN die Konezption und Entwicklung eines Übungsmoduls für CLIX
Campus vorgenommen.
Aufgaben, Musterlösungen und Korrekturhinweise werden von dem Dozenten in
einem Repository in CLIX als ein Objekt gespeichert und mit Metadaten indiziert, so
dass die Aufgaben auch wiederverwendet werden können. Aus diesen einzelnen
Aufgabenobjekten kann der Dozent ein „Übungsblatt“ als Container erstellen, der
8
    WebAssign der Feruniversität Hagen http://niobe.fernuni-hagen.de/WebAssign/
mehrere Aufgaben enthält, und mit Zeitangaben zur Freischaltung und Abgabe der
Lösungen sowie der möglichen Punkte parametrisieren.
Das Übungsblatt wird einer Übungsgruppe hinzugefügt und steht somit allen
Studierenden dieser Übungsgruppe zur Verfügung. Diese können nun die Lösungen
bis zum Abgabetermin einsenden. Als spezielle Erweiterung für das Management
von sehr großen Kursen mit weit über 100 Teilnehmern und somit mit mehreren
Übungsgruppen wurden Assistenten entwickelt, mit denen eine automatische
Generierung von Übungsgruppen und der Verteilung von Teilnehmern und von
Übungsblättern auf diese Übungsgruppen möglich ist. Dies ermöglicht für die
Betreuer einer Lehrveranstaltung eine effiziente Verwaltung der Übungsgruppen.
Haben die Studierenden Lösungen zu einem Aufgabenblatt eingesandt, kann der
Tutor einer Übungsgruppe die Aufgaben, Musterlösungen, Korrekturhinweise und
alle Einsendungen der Teilnehmer exportieren. Zur Unterstützung des Tutors bei der
Korrektur wurde am Institut für Informatik der Universität Freiburg ein Tutorclient
entwickelt, mit welchem Tutoren einfach und übersichtlich durch den
Dokumentenbestand navigieren, Korrekturen vornehmen und Punkte eintragen kann.
Eine automatische Korrektur von Programmcode wie z.B. Java-Programmen ist
ebenfalls vorgesehen. Zur Korrektur der Einsendungen verwenden die Tutoren
WACOM-Tablets9 zur stiftbasierten Annotation und als Software Adobe Acrobat 10.
Ist ein Korrekturzyklus zu einem Übungsblatt abgeschlossen, kann der Tutor die
Korrekturen und Punkte einfach als ZIP-Archiv in CLIX Campus importieren. Die
Informationen im Archiv werden interpretiert und die entsprechende Einträge auf das
persönliche Punktekonto eines Studierenden vorgenommen.
Das Übungsmodul zeichnet sich durch die konsequente Modularisierung der
Bestandteile einer Übung und deren Speicherung in einem Repository ein.
Insbesondere die Assistenten ermöglichen eine möglichst effiziente Organisation von
Übungsgruppen zu Lehrveranstaltungen mit großer Teilnehmerzahl. Mit dem
Tutorclient werden die Tutoren komfortabel bei der Korrektur unterstützt. Im
Vergleich zu anderen LMS bietet CLIX Campus eine sehr gute Unterstützung zur
Durchführung von Übungsgruppen. Als Erweiterung sind Funktionen zur Abgabe von
Lösungen in studentischen Kleingruppen in Diskussion.

Erfahrungen
Nach der Auswahl des Systems war man sich im Klaren, dass das ausgewählte
Produkt zwar viele der Anforderungen erfüllen würde, aber eine Weiterentwicklung
des LMS notwendig sein wird, um eine breite Akzeptanz zu erreichen. Die Tatsache,
dass damit auch mehrere          Systemanpassungen jeweils zu Semesterbeginn
verbundenen waren, prägte den bisherigen Systemeinsatz stark. Die Neuerungen
waren zum einen sehnlichst erwartet und ihr Einsatz längst geplant. Leider war die
Bereitstellung der Updates nicht immer optimal auf den Semesterzyklus abgestimmt,
so dass einige Projekte erst im Folgesemester mit dem Einsatz der neuen Features
starten konnten.
Bisher wurde aus den Fachbereichen Informatik, Linguistik, Politikwissenschaften,
Soziologie, Islamwissenschaft und Forstwissenschaften ca. 20 Kurse mit CLIX
Campus durchgeführt und unterschieldiche Erfahrungen gesammelt (Trahasch et al.,
2003). Zu Beginn des Sommersemesters 2003 waren ca. 650 Studenten und 60

9
    WACOM http://www.wacom-europe.com/
10
     Adobe Acrobat http://www.adobe.com/products/acrobat
Autoren/Tutoren registriert. Dabei ergaben sich aus Studenten-, Autoren- und
Administratorensicht folgende Erkenntnisse:

Das System ist für Studierende weitestgehend intuitiv zu bedienen und hat eine gut
strukturierte Oberfläche. Webtechnologie, gepaart mit Benutzern aus aller Welt mit
den unterschiedlichsten Arbeitsplatzsystemen und Netzanbindungen erzeugt jedoch
noch so manchen Frust bei Nutzern und Administratoren. Nach unseren Erfahrungen
haben ca. 10 Prozent der Studierenden von zu Hause aus Zugangsprobleme. Dies
liegt überwiegend an falschen Browsereinstellungen und Providerrestriktionen. Bei
der Einführung eines LMS sollte unbedingt eine technische Hotline für Studierende
eingerichtet werden, die sich um diese Probleme kümmert. Der Dozent bzw. Betreuer
einer Lehrveranstaltung ist oft damit überfordert.

Abbildung 4: CLIX Campus Studierendensicht

Auch für die Autoren und Betreuer ist die Bedienung des Systems weitgehend
intuitiv. Aber aufgrund der umfangreichen Funktionalität von CLIX Campus ist
zumindestens eine eintägige Schulung notwendig. Für die Organisation eines Kurses
kann man sich auch auf einige Grundfunktionen beschränken, die ausreichen um
Vorlesungsmaterial einem Kurs hinzuzufügen und Kommunikationsdienste
anzubieten.
Etwas umständlich empfinden die Autoren die Aktualisierungsprozesse bei
Vorlesungsinhalten. Hier muss zuerst das Medium verändert und dann neu
versioniert werden, bevor das alte Element aus dem Kurs entfernt und das aktuelle
Medium hinzugefügt werden kann. Wünschenswert wäre eine vereinfachte
Vorgehensweise für die Autoren.
Die gute Strukturierung und Übersichtlichkeit wird von den Autoren als positiv
eingeschätzt. Insbesondere werden von den Betreuern die Transparenz und die
organisatorischen Erleichterungen geschätzt, die das System während der
Kursdurchführung bietet: als Dozent sieht man über die Teilnehmerliste, wer an der
Vorlesung teilnimmt; Nachrichten können einfach für alle Studierenden erstellt und
publiziert werden etc. Die Kommunikationsdienste wie Diskussionsforen und Chats
werden auch als postiv eingestuft.
Der Vorteil von Kursvorlagen in CLIX Campus und die damit verbundene
Zeitersparnis kommt erst zum Tragen, wenn Kurse in ähnlicher Weise mehrmals
durchgeführt werden. Gerade dies ist bei vielen Grundvorlesungen der Fall, die in
einem bestimmten Semesterzyklus angeboten werden müssen.

Abbildung 5: Autorensicht

Die Administration des Systems war hauptsächlich durch die Versionswechsel
geprägt. Die Basisadministration und Systembetreuung erforderte bisher ca. 0,1-0,2
Mann an Betreuung. Dieser Wert wird in Zukunft wahrscheinlich unter 0,1 fallen,
wenn die Zahl der gravierenden Versionswechsel reduziert wird und die
Userregistrierung voll automatisiert ist. Bisher wurde mit einem manuellen Verfahren
zum Registrieren der Nutzer durch mehrere Administratoren begonnen. Mit
steigenden Nutzerzahlen ist es unbedingt erforderlich, eine automatisierte, geregelte
Selbstregistrierung der Benutzer zu haben, um den Aufwand zu minimieren. Es ist
geplant, die Authentifizierung der User über einen zentralen LDAP-Server
vorzunehmen.
Das rein grafische Benutzerinterface in CLIX Campus gibt zwar eine gute Übersicht
über die vergebenen Rechte, ist jedoch bei mehreren gleichartigen Arbeitsvorgängen
arbeitsintensiver wie eine vergleichbare Commandosprache.

Abbildung 6: Administrationssicht - Zugangsrechte

Ausblick
Die Einführungsphase ist mit CLIX Campus Release 4.0 im Mai 2003 abgeschlossen.
Das System bietet nun alle wichtigen Funktionen zur Durchführung unterschiedlicher
Veranstaltungsformen.
Wichtige Ergänzungen stehen insbesondere noch bei der Anbindung des Systems
an administrative und planerische Systeme der Universität an, die bereits Bestandteil
des Medienentwicklungsplanes der Universität Freiburg sind (MEP, 2001). Es ist
geplant, CampusOnline an den entstehenden zentralen Directory Server auf LDAP-
Basis anzubinden und mittelfristig eine Verknüpfung mit dem vorgesehenen
Lehrveranstaltungsplanungssystem HIS LSF vorzunehmen.
Darüber hinaus ist man mit dem Hersteller imc AG in einer konkreten Diskussion
über die Implementierung des SCORM-Standards11 in CLIX Campus, der
voraussichtlich noch bis Ende 2003 realisiert wird. Momentan können AICC-
konforme Inhalte importiert werden. Mit der neuen SCORM-Schnittstelle könnte dann
eine strukturell weitergehende Lösung für Im- und Export zur Verfügung stehen, der
den möglichen Austausch von kompletten WBT’s und Kursen zwischen Hochschulen
unterstützen wird. Allerdings muss bei der Erstellung zukünftiger Inhalte auch auf die

11
     SCORM http://www.adlnet.org/
SCORM-Konformität geachtet werden, was bisher aus Aufwandsgründen selten der
Fall war.
Noch kamen in dem dreisemestrigen Betrieb nicht allzu viele neue Kursanbieter
hinzu. Kurse wurden überwiegend von Dozenten angeboten, die an einem Projekt
beteiligt sind. Mit der erwarteten kontinuierlicheren Betriebsphase und intensiver
Avisierung, sollte sich das ändern. Die technologische Infrastruktur ist mit CLIX
Campus und der geplanten Anbindung an die Verwaltungssysteme sowie den
weiteren Multimedia-Diensten des New Media Centers12 wie z.B. Freimore, Ariadne
Knowledge Pool und den Videokonferenzmöglichkeiten sehr gut ausgebaut.
Die Gewinnung neuer Nutzer ist insbesondere von dem weiteren Aufbau des New
Media Nets13 an der Universität Freiburg abhängig. Dieses Dienstleistungszentrum
soll Dozenten bei der Erstellung von eLearning-Kursen und deren Durchführung in
allen Phasen beraten und unterstützen.
Die Rolle von VIROR war an der Universität Freiburg sicherlich die eines Initiators für
die hochschulweite Implementierung des LMS. Die Universität Freiburg war die erste
Hochschule, die eine Lernplattform als hochschulweiten Dienst eingeführt hatte. Dies
und der damit verbundene Erfahrungsvorsprung spiegelt sich zuletzt auch in den
vielen Vorträgen und Leitungen von Workshops der Projektmitarbeiter zu diesem
Thema wieder wie z.B. der BMBF-Workshop „e-learning Plattformen. Merkmale,
Auswahl und Einsatz“14. Bis zum Ende des Projektes wurden Aufgaben wie
Schulungen, Benutzerberatung, Konzeption der Weiterentwicklung des Systems
übernommen.         Hochschulübergreifend        wurden     die       Projekt-     und
Rechenzentrumsmitarbeiter als Experten zum Thema LMS                    von anderen
Universitäten und Fachhochschulen häufig angefragt.
An den anderen VIROR-Hochschulen gab und gibt es zum Teil auch ähnliche
Inititativen zur Einführung einer hochschulweiten Lernplattform. Die Universität
Heidelberg wechselte von WebCT auf das OpenSource-System .LRN15, das am MIT
entwickelt wird. Die Universität Karlsruhe führte zum Wintersemester 2002 ebenfalls
CLIX Campus ein. Die Universität Mannheim befindet sich noch in der Anfangsphase
bei der Auswahl eines Learning Management Systems.
Landesweit gestaltet sich die Situation an den Hochschulen in Baden-Württemberg
wie folgt: Die Pädagogischen Hochschulen setzen CLIX Campus als Verbundlösung
ein, an der Universität Konstanz wird WebCT als Plattform verwendet, die Universität
Stuttgart setzt auf ein komponentenbasiertes Portal mit unterschiedlichen Systemen,
an der Universität Tübingen wird das selbstentwickelte System MOST eingesetzt,
das auf die Unterstützung von virtuellen Seminare spezialisiert ist. An der Universität
Ulm wird bisher keine hochschulweite Lernplattform betrieben. Verstärkt
interessieren sich auch die Fachhoschulen für das Thema eLearning und
Lernplattformen. Exemplarisch sei hier die Fachhochschule Konstanz genannt, die
konsequent und mit der notwendigen Unterstützung durch die Fachhoschulleitung
eLearning zum Thema macht und auch die Lernplattform CLIX Campus einführt.
Der Trend an den Hochschulen geht eindeutig hin zum Betrieb eines
hochschulweiten Learning Management Systems und weg von den Insellösungen an
Lehrstühlen oder in Projekten. Die Systeme werden zukünftig zu der
Basisinfrastruktur einer Hochschule gehören.

12
     New Media Center http://www.nmc.uni-freiburg.de/
13
     New Media Net http://www.newmedia.uni-freiburg.de/
14
     e-learning Plattformen. Merkmale, Auswahl und Einsatz http://www.campussource.de/events/e0111koeln/
15
     .LRN http://dotlrn.mit.edu/
Literatur

Baumgartner, Peter, Häfele, Hartmut and Maier-Häfele, Kornelia, E-Learning
Praxishandbuch. Auswahl von Lernplattformen., Innsbruck: Studienverlag, 2002.

Kandzia, Paul-Thomas and Trahasch, Stephan, "Tutored Assignments Going
Online," Proceedings of the 4th International Conference on New Educational
Environments (ICNEE), Lugano, Schweiz,2002.

Medienentwicklungsplan       der   Universität   Freiburg     http://www.zuv.uni-
freiburg.de/zuv/ d1/docs/MEP_netzversion.pdf

Schulmeister, Rolf, Lernplattformen für das virtuelle Lernen: Evaluation und
Didaktik, München, Wien: Oldenburg Wissenschaftsverlag, 2003.

Trahasch, Stephan, Kraus, Gabriele and Efferth, Thomas, "Lernplattformen -
Entscheidungen mit Weitblick," in G. Bachmann, O. Haefeli and M. Kindt, Hg.,
Campus 2002: Die virtuelle Hochschule in der Konsolidierungsphase, Medien in der
Wissenschaft, Band 18, Waxmann: Münster, New York, München, Berlin, 2002, 251-
261.

Trahasch, Stephan, Wiedenbruch, Nadine and Wöhrle Nicole, "CampusOnline -
eLearning an der Universität Freiburg," in K. Bett and J. Wedekind, Hg.,
Lernplattformen in der Praxis, (Medien in der Wissenschaft, Band 20 hg. von
Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft e.V.) Waxmann: Münster, 2003, 15-32.
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