Berlin-Projekt 2019 - Gymnasium Laurentianum

 
Berlin-Projekt 2019 - Gymnasium Laurentianum
Gymnasium Laurentianum

           Berlin-Projekt 2019
                        7. - 11. April

               Programmheft

Der soziale, politische und kulturelle Wandel vom 19. bis zum
      21. Jahrhundert – untersucht am Beispiel Berlins

      Erziehungswissenschaft, Geographie, Geschichte,
            Kunst, Religion, Sozialwissenschaften
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Berlin-Projekt 2019 - Gymnasium Laurentianum
Das Berlin-Projekt 2019 des Gymnasium Laurentianum

wird gemeinsam durchgeführt mit und finanziell gefördert durch

sowie finanziell gefördert durch

wird inhaltlich gefördert durch kostenfreie Referentinnen und Referenten von

findet statt in inhaltlicher Kooperation mit

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Berlin-Projekt 2019 - Gymnasium Laurentianum
Inhalt

1. Organisatorische Hinweise
                                                                                                                          Seite
      1.1. Unterkunft                                                                                                         3
      1.2. Kontakt                                                                                                            3
      1.3. Kleidung                                                                                                           3
      1.4. Unterwegs in Berlin                                                                                                3
      1.5. Nachtruhe                                                                                                          3
      1.6. Informationen zu U- und S-Bahnen, Tram und Bussen in Berlin                                                        3
      1.7. U-Bahn-Anbindung der Unterkunft und Linienverlauf der U6 und der U9                                                4

2. Ablaufplanung
      2.1. Sonntag, 7. April 2019                                                                                            5
      2.2. Montag, 8. April 2019                                                                                             5
      2.3. Dienstag, 9. April 2019                                                                                           5
      2.4. Mittwoch, 10. April 2019                                                                                          6
      2.5. Donnerstag, 11. April 2019                                                                                        6

3. Gemeinsames Programm
      3.1. Industrialisierung und Urbanisierung: Kiezrundgänge im Wedding und Prenzlauer Berg (Sonntag)                      7
      3.2. Das „preußische Zentrum“ Berlins: Stadtrallye auf der Museumsinsel und Unter den Linden (Sonntag)                 7
      3.3. Demokratie: Besuch der gläsernen Kuppel des Reichstagsgebäudes (Sonntag)                                          7
      3.4. Haft und Folter durch die Stasi der DDR: Führung im Stasi-Untersuchungsgefängnis Hohenschönhausen (Dienstag)      8
      3.5. Demokratie: Abgeordnetengespräche im deutschen Bundestag (Donnerstag)                                             8

4. Allgemeines Wahlprogramm
      4.1. Wahlprogramm A: Berlin entdecken (Montag)
             •    A1: Radtour „Berliner Mauer“                                                                               9
             •    A2: Radtour „Kreuzberg und Spreeufer“                                                                      9
             •    A3: Radtour „Osten ungeschminkt“                                                                           9
             •    A4: Radtour „Streetart Berlin“                                                                             9
             •    A5: Radtour „Oasen der Großstadt“                                                                          9
             •    A6: Walking Tour „Berliner Mauer“                                                                         10

      4.2. Wahlprogramm B: Nationalsozialismus in Berlin (Dienstag)
             •    B1: Olympiagelände „Ästhetik und Propaganda“                                                              11
             •    B2: Topographie des Terrors „Terror“                                                                      11
             •    B3: Bendlerblock „Widerstand“                                                                             11
             •    B4: Denkmal für die Ermordeten Juden Europas „Erinnerung“                                                 11

      4.3. Wahlprogramm C: Abendveranstaltungen (Mittwoch)
             •    C1: Schlossparktheater „Monsieur Claude und seine Töchter“                                                12
             •    C2: Berliner Kriminal-Theater „Blutroter Waschgang“                                                       12
             •    C3: Improtheater Paternoster „Dein Held - Deine Geschichte“                                               12
             •    C4: Ass-Dur: Musik-Comedy „Die Werkschau 1. bis 3. Satz“                                                  12

5. Fachbezogenes Wahlprogramm (Matrix)
      5.1. Matrix 1 (Halbtagsveranstaltungen Montag)
             •      EK1: Städtetourismus in Berlin – Fluch oder Segen?                                                      13
             •      EW 1: Berlin ist nicht gleich Berlin – Obdachlose zeigen ihre Stadt                                     13
             •      GE1: Nazi-Monument und Luftbrücke – Mythos Tempelhof                                                    13
             •      KU1: Teufelsberg – Abandoned Place mit Geschichte und Freiraum für Subkultur                            13
             •      RE1: Was heißt es, heute in Deutschland Jüdin oder Jude zu sein?                                        14
             •      SW1: Lobbyismus – Sinnvolles Instrument politischer Teilnahme oder Unterwanderung der Demokratie?       14

      5.2. Matrix 2 (Projekttage am Mittwoch)
             •      EK2: Sozialer Brennpunkt Kotti? – Zur Entwicklung von Revitalisierungsmaßnahmen am Kottbusser Tor       15
             •      EW2: Berlin-Hellersdorf – Kinder und Jugendliche am Rande der Gesellschaft                              15
             •      GE2: Leben an der Mauer und Alltag in der DDR                                                           15
             •      KU2: Streetart als Kommunikationsinstrument und sozialkritisches Ausdrucksmittel                        15
             •      RE2: Christliches Engagement in Berlin – Nächstenliebe inmitten sozialer Kälte?                         16
             •      SW2: Rechtsextremismus – eine (neue) Gefahr für unsere Demokratie?
                    Irrwege in den Extremismus und Wege aus ihm heraus                                                      16

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Berlin-Projekt 2019 - Gymnasium Laurentianum
1. Organisatorische Hinweise

1.1. Unterkunft
Steps-Hotel, Liebenwalder Straße 22, 13347 Berlin (Wedding)                            Telefon: 0 30 – 4 57 98 40

Achtung: Es gibt in Berlin zwei Straßen mit dem Namen „Liebenwalder Straße“! Bei Eingaben in Navigations-Apps oder in die BVG-App (s. u.) muss
also unbedingt auch auf die richtige Postleitzahl oder den Zusatz „Wedding“ geachtet werden. Die andere „Liebenwalder Straße“ ist in einer weit
draußen liegenden Plattenbausiedlung in Berlin-Lichtenberg und eine gute Fahrstunde entfernt!

1.2. Kontakt
Das Berlin-Projekt 2019 wird begleitet von Lars Boesenberg (Projektleitung und Fach Sozialwissenschaften), Tiemo Grauert (Fach Kunst), Lena Jan-
ning (Fach Erziehungswissenschaft), Isabel Tenbergen (Fach Geographie), Simon Veerkamp (Fach Religion), Philipp Wagner (Jahrgangsstufenbeglei-
ter und Fach Geschichte).

In dringenden Fällen oder zu anders nicht zu klärenden organisatorischen Fragen sind während des Berlin-Projekts mobil erreichbar:

Als Leiter des Berlin-Projekts:   Herr Boesenberg: 01 62 – 2 31 88 92

Als alternative Kontakte:         Herr Wagner: 01 60 – 7 80 07 48                      Frau Tenbergen: 01 76 – 57 73 06 69

1.3. Kleidung
Berlin liegt deutlich weiter östlich als Warendorf und ist deswegen stärker dem kontinentalen Klima ausgesetzt. Das heißt, dass es dort im März und
April noch wesentlich kälter (meist aber auch trockener) als in Warendorf sein kann, zugleich aber auch schneller warm. Das sollte bei der Auswahl
von Kleidung und Schuhen berücksichtigt werden. Das heißt, dass alle Schülerinnen und Schüler (unabhängig davon, wie das Wetter in Warendorf
vor der Fahrt sein mag) sowohl warme Winterkleidung samt Socken, Schals und Mützen, zugleich aber auch Kleidung für vergleichsweise warmes
Wetter mitführen sollten. Ein angemessener Regenschutz ist hinsichtlich des Programms ebenfalls dringend angeraten.
Hinsichtlich der Schuhwahl sollte zudem berücksichtigt werden, dass die Gruppe in Berlin auch recht oft und manchmal recht lange im Wortsinne
auf den Beinen ist und entsprechend bequemes Schuhwerk deswegen ratsam ist. Es wird dringend abgeraten, dass die Schülerinnen und Schüler
auf dünnen Sohlen unterwegs sind.

1.4. Unterwegs in Berlin
Das Programm während des Berlin-Projekts findet in durch die Lehrkräfte begleiteten Gruppen statt. Darüber hinaus können die Teilnehmerinnen
und Teilnehmer in Zeiten ohne Veranstaltungsprogramm nach Abmeldung und Absprache mit den begleitenden Lehrkräften die Hauptstadt ohne
deren Begleitung erkunden,
•    wenn eine Erlaubnis der Eltern/ Erziehungsberechtigten vorliegt und
•    dies in Schülergruppen von mindestens drei Teilnehmerinnen/Teilnehmern erfolgt.
Eigenständige Unternehmungen außerhalb der Unterkunft zu zweit oder alleine sind den Teilnehmerinnen und Teilnehmern untersagt.

1.5. Nachtruhe
Bei eigenständigen Unternehmungen, die unter den unter 1.4. genannten Bedingungen zu erfolgen haben, ist die späteste Rückkehr 22:00 Uhr, ab
dieser Zeit wird das Hotel nicht mehr verlassen. Diese Zeit ist nicht verhandelbar, da sie den gesetzlichen Vorgaben für Jugendliche unter 16 Jahren
folgt. Sie gilt aus organisatorischen Gründen auch für Schülerinnen und Schüler, die bereits ihr 16. Lebensjahr vollendet haben.

Ab spätestens 22:45 Uhr ist Nachtruhe. Das bedeutet, dass alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich auf ihren Zimmern befinden und Unterhal-
tungen in gedämpfter Lautstärke stattfinden, die außerhalb des Zimmers nicht als störend wahrgenommen werden.

1.6. Informationen zu U- und S-Bahnen, Tram und Bussen in Berlin

Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollten unbedingt die kostenlose App „FahrInfo plus“ der BVG auf ihrem Smartphone installieren, um sich
schnell und problemlos über Nahverkehrsverbindungen in Berlin zu informieren und Wege zu finden.

Diese App ist ein sehr gutes Instrument, Nahverkehrsverbindungen zu finden. Man kommt mit ihr immer sicher an das gewünschte Ziel. Allerdings
sind die angezeigten Verbindungen nicht immer die unkompliziertesten und schnellsten (warum auch immer sie das nicht sind…). Es empfiehlt sich
also, die Ergebnisse mit gesundem Menschenverstand zu prüfen und eventuell die geschicktere Route zu wählen. Einen handlichen Linienplan der
BVG (offline verwendbar und auf Papier gedruckt) erhalten die Schülerinnen und Schüler auf der Fahrt nach Berlin ausgehändigt.

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Berlin-Projekt 2019 - Gymnasium Laurentianum
1.7. U-Bahn-Anbindung der Unterkunft und Linienverlauf der U6 und der U9
Es empfiehlt sich, dass sich die Schülerinnen und Schüler die Fahrtrichtungen (Endstationen) der beiden relevanten U-Bahn-Linien von und zu der
Unterkunft sowie die jeweilige Station der Unterkunft bereits vor dem Berlin-Projekt einprägen.

Das Steps-Hotel ist mit der U6 (Seestraße) und der U9 (Nauener Platz) erreichbar:

U6 (Linienfarbe Flieder), Station Seestraße:
U6 vom Hotel (U Seestraße) nach Mitte, Kreuzberg, Tempelhof: Fahrtrichtung U Alt-Mariendorf
U6 von Mitte, Kreuzberg, Tempelhof zum Hotel (U Seestraße): Fahrtrichtung U Alt-Tegel

Anbindung mit der U6 ab Seestraße zur Ringbahn (S41, S42): Ab U Seestraße Fahrtrichtung U Alt-Mariendorf bis S+U Wedding
Anbindung von der Ringbahn (S41, S42) mit der U6 zur Seestraße: Ab S+U Wedding Fahrtrichtung U Alt-Tegel bis U Seestraße

U9 (Linienfarbe Orange), Station Nauener Platz:
U9 vom Hotel (U Nauener Platz) nach Zoologischer Garten, Wilmersdorf, Friedenau: Fahrtrichtung S+U Rathaus Steglitz
U9 von Zoologischer Garten, Wilmersdorf, Friedenau zum Hotel (U Nauener Patz): Fahrtrichtung U Osloer Straße

Anbindung mit der U9 ab Nauener Platz zur Ringbahn (S41, S42): Ab Nauener Platz Fahrtrichtung S+U Rathaus Steglitz bis S+U Westhafen
Anbindung von der Ringbahn (S41, S42) mit der U9 zum Nauener Platz: Ab S+U Westhafen Fahrtrichtung U Osloer Straße bis U Nauener Platz

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Berlin-Projekt 2019 - Gymnasium Laurentianum
2. Ablaufplanung
Dies ist nur ein grober Überblick der Planung. Die angegebenen Zeiten und Themen können sich noch ändern!
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Sonntag, 7. April 2019
07:00                          Abfahrt in Warendorf (Busparkplatz vor dem Laurentianum)

ca. 13:30                      Ankunft im Steps-Hotel in Berlin, Bezug der Zimmer

14:00                          Mittagessen im Steps-Hotel

15:00                          Industrialisierung und Urbanisierung im Kaiserreich:
                               Kiezrundgänge im Wedding und im Prenzlauer Berg

18:00                          Das „preußische Zentrum“ Berlins:
                               Stadtrallye auf der Museumsinsel und Unter den Linden

20:15                          Sicherheitskontrolle im Bundestag, Platz der Republik 1, 11011 Berlin (Mitte)

20:30                          Besuch der gläsernen Kuppel des Bundestagsgebäudes über dem abendlichen Berlin

ca. 22:15                      Rückkehr ins Hotel

Montag, 8. April 2019
ab 07:15                       Frühstück

10:00                          Wahlprogramm A: Berlin entdecken:
                               Radtouren oder Walking Tour nach individueller Wahl

ab ca. 13:45                   Mittagessen vor Ort und freie Zeit

15:00                          Fachbezogenes Wahlprogramm Matrix 1 (Halbtag):
                               Fachspezifische Gruppenarbeitsphase nach individueller Wahl

18:30/19:00                    Abendessen im Steps-Hotel

Dienstag, 9. April 2019
ab 07:15                       Frühstück

10:00                          Wahlprogramm B: Nationalsozialismus in Berlin:
                               Gruppenarbeitsphase nach individueller Wahl

ab ca. 13:30                   Mittagessen vor Ort und freie Zeit

17:00/17:30                    Haft und Folter durch die Stasi der DDR:
                               Führung im Stasi-Untersuchungsgefängnis Hohenschönhausen

20:30/21:00                    Abendessen im Steps-Hotel

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Berlin-Projekt 2019 - Gymnasium Laurentianum
Mittwoch, 10. April 2019
Ab 07:15              Frühstück

09:00 – ca. 15:00     Fachbezogenes Wahlprogramm Matrix 2 (Projekttag):
                      Fachbezogene Gruppenarbeitsphase nach individueller Wahl

17:30                 Italienisches Restaurant „Rosmarin“ in Berlin-Mitte:
                      gemeinsames Abendessen der gesamten Gruppe

20:00                 Wahlprogramm C:
                      Kulturelle Abendveranstaltungen nach Wahl

Donnerstag, 11. April 2019
ab 07:00              Zimmerräumung und Frühstück, Deponierung des Gepäcks

anschließend          Freie Zeit in Berlin

12:15                 Sicherheitskontrolle im Bundestag

13:00                 Abgeordnetengespräche im Deutschen Bundestag:
                      Gespräch mit Reinhold Sendker, MdB (CDU)
                      Gespräch mit Bernhard Daldrup, MdB (SPD)

15:30                 freie Zeit in Berlin

17:30                 Abendessen im Steps-Hotel

18:30                 Rückfahrt nach Warendorf

ca. 00:00             Ankunft in Warendorf (Busparkplatz vor dem Laurentianum)

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Berlin-Projekt 2019 - Gymnasium Laurentianum
3. Gemeinsames Programm

3.1. Industrialisierung und Urbanisierung:
Kiezrundgänge im Wedding und im Prenzlauer Berg (Sonntag)
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Berlin war zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch ein „Dorf“ und nicht viel größer als Warendorf heute – auch wenn seine gesellschaftliche, kulturelle
und politische Bedeutung unschätzbar groß war. Die Industrialisierung ab der Mitte des 19. Jahrhunderts änderte alles und ließ Berlin innerhalb
weniger Jahrzehnte zur Millionenstadt und Weltmetropole wachsen.
Der Berliner Stadtplaner James Hobrecht schuf 1861 die Basis für dieses rasante Wachstum: Sein „Hobrecht-Plan“ war der Masterplan für die not-
wendig gewordene Kanalisation bis zu dem bis heute sichtbaren Charakter des von ihm geplanten „Wilhelminischen Rings“ bestehend unter ande-
rem aus dem Wedding, Gesundbrunnen, dem Prenzlauer Berg, Friedrichshain, Kreuzberg, Neukölln, Wilmersdorf, Schöneberg und Moabit. Mit an-
deren Worten: Was Berlin heute von allen anderen Städten unterscheidet und das ganz besondere Lebensgefühl dieser Stadt ausmacht, basiert auf
dieser Entwicklung.
Wir werden in unterschiedlichen Führungen zwei wichtige Stadtteile dieser Entwicklung erschließen: den Wedding und den Prenzlauer Berg. In
beiden Vierteln ist die Zeit nicht stehen geblieben. Im „Roten Wedding“ fanden in den 1920er und 1930er Jahren gewaltsame politische Auseinan-
dersetzungen statt, und unmittelbar neben unserer Unterkunft liegt die Wiege der Firma „Osram“, nicht weit davon andere bis heute bekannte
Unternehmen, während der Prenzlauer Berg ähnlich geprägt war, aber weniger extrem.
Wir werden entweder in je zwei Gruppen die beiden genannten Viertel erkunden oder gegebenenfalls zusätzlich den benachbarten Beusselkiez mit
seinem Hafen und der heute sehr prägenden islamischen Kultur erkunden. Unser Partner „Stattreisen Berlin“ stellt das für uns optimale Programm
zusammen, und wir werden uns vor Ort zu den jeweiligen Rundgangs-Gruppen zusammenfinden.

3.2. Das „preußische Zentrum“ Berlins:
Stadtrallye auf der Museumsinsel und Unter den Linden (Sonntag)
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Berlin! Die Stadt der Extreme. Während der Wedding und der Prenzlauer Berg, damals an der Peripherie der Stadt gelegen, ursprünglich Arbeiter-
quartiere waren, stand die Adresse „Unter den Linden“ im Zentrum für kaiserliche Herrschaft. Vom Arbeiterquartier ist im Prenzlauer Berg, inzwi-
schen eine der teuersten Lagen in Berlin, nicht mehr viel geblieben. Und zugleich war das Scheunenviertel, direkt neben dem Alexanderplatz und
Unter den Linden, die elendste und verrufenste Gegend Berlins – und auch von ihm ist nichts übrig geblieben außer „Alexa“, Primark & Co.
Vor diesem Hintergrund begeben wir uns auf Zeitreise und Erkundung, indem wir als Kontrast zu den Stadtführungen im Wedding und im Prenz-
lauer Berg nun in einer Stadtrallye das herrschaftliche Berlin rund um den Gendarmenmarkt, Unter den Linden und auf der Museumsinsel erschlie-
ßen. Und Angela Merkel begegnen wir dabei irgendwie sogar auch…
Wie es sich für eine Stadtrallye gehört, wird es eine Siegergruppe geben. Und wie es sich für Berlin gehört, wird der Preis eine Currywurst bei Ko-
nopke sein. Für Vegetarier oder Veganer natürlich mit angemessener Alternative zur Currywurst.

3.3. Demokratie:
Besuch der gläsernen Kuppel des Reichstagsgebäudes (Sonntag)
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Im Februar 1933 brannte der Reichstag, und dies nahmen die Nationalsozialisten zum Anlass, bürgerliche Rechte einzuschränken. In der Folge
wurde die Diktatur ausgebaut und führte zur Terrorherrschaft. Seit dem Reichstagsbrand war das Gebäude ohne Kuppel, bis nach der Wiederverei-
nigung beschlossen wurde, das Reichstagsgebäude zum Plenargebäude des Deutschen Bundestags zu machen und mit einer neuen Kuppel zu verse-
hen.
Der Stararchitekt Norman Foster schuf eine neue gläserne Kuppel, die zugleich Symbol für die Transparenz der Demokratie sein soll. 1999 einge-
weiht, ist sie zu einem der Symbole der neuen Hauptstadt geworden.
Mit Audioguides ausgestattet bietet der Gang auf die Kuppel einen informativen und zugleich ästhetisch ansprechenden Zugang zum politischen
Machtzentrum Berlin. Zugleich bietet sich, bei entsprechendem Wetter, ein unglaublich schönes Panorama über das abendlich beleuchtete Berlin.

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3.4. Haft und Folter durch die Stasi der DDR:
Führung im Stasi-Untersuchungsgefängnis Hohenschönhausen (Dienstag)
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„Die Stasi“ ist Inbegriff für Kontrolle und Unterdrückung in der DDR. Und das zentrale Untersuchungsgefängnis Hohenschönhausen ist Inbegriff für
die Unmenschlichkeit der Stasi.
Geleitet durch wissenschaftliche Mitarbeiter oder durch Zeitzeugen, die selbst Häftlinge in Hohenschönhausen waren, werden Unmenschlichkeit
und Grauen des Ortes erlebbar. Die Fragen, warum Menschen zu solch einer perfiden Unmenschlichkeit fähig waren und wie die Insassen mit ihrer
Situation unmittelbar und auch nach der Haft umgegangen sind, werden intensiv besprochen und können dennoch kaum zufriedenstellend beant-
wortet werden.
Der Besuch in Hohenschönhausen verschafft bleibende Eindrücke zu den Motiven und den Grenzen menschlichen Handelns sowohl bei Tätern wie
Opfern.

3.5. Demokratie:
Abgeordnetengespräche im Deutschen Bundestag (Donnerstag)
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Der Wahlkreis 130 Warendorf ist im Bundestag mit zwei Abgeordneten vertreten: Dem direkt gewählten Wahlkreisabgeordneten Reinhold Sendker
(CDU) sowie dem über die Landesliste gewählten Abgeordneten Bernhard Daldrup (SPD). Mit beiden werden wir uns zum Gespräch treffen.
Die Arbeit und der Alltag von Bundestagsabgeordneten werden dabei ebenso Thema sein wie die Möglichkeit, als Bundestagsabgeordneter lokale
Themen auf die Agenda der Bundespolitik zu setzen – beispielsweise die geplante südliche Ortsumgehung von Warendorf –, um diese zu verhindern
oder durchzusetzen.
Die Position unserer lokalen Bundestagsabgeordneten zu aktuellen politischen Themen wird durch die Schüler durch kritische Fragen ausgelotet
und im Anschluss verglichen werden.

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4. Allgemeines Wahlprogramm

4.1. Wahlprogramm A: Berlin entdecken (Montag)
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                 Radtour: Berliner Mauer
    A1           Fachbezüge: GE/SW/EK

Für die heutige Schülergeneration ist die Teilung Deutschlands weit entfernt wie die Steinzeit. Doch bis heute taucht das Thema Ost und West fast
täglich in den Nachrichten auf. Während der Tour folgen wir dem ehemaligen Mauerverlauf vom Mauerpark bis ins Regierungsviertel. Wir blicken
zurück bis zum Zweiten Weltkrieg und auf die Ursachen der deutschen Teilung. Wir erläutern die besondere Situation in Berlin und wie sich die
Lebensverhältnisse in beiden deutschen Staaten auseinanderentwickelt haben und was schließlich zum Fall der Mauer führte.

                 Radtour: Kreuzberg & Spreeufer
    A2           Fachbezüge: SW/EK/GE

Bewegte Hausbesetzer-Vergangenheit und multikulturelle Gegenwart. Kein Berliner Bezirk ist so bekannt wie Kreuzberg. Bis zur Wende gedieh in
den oft verfallenen Mietshäusern im Schatten der Mauer ein links-alternatives Biotop. Heute sieht man neben bärtigen Alt-Aktivisten, jungem Par-
tyvolk und türkischen Großfamilien immer mehr „Investoren“, die die letzten Freiflächen für Ihre Bauprojekte beanspruchen. Auf dem Weg nach
Kreuzberg radeln wir durch Prenzlauer Berg und Friedrichshain und zeigen Ihnen, wie sehr sich die drei Berliner „Szenebezirke“ voneinander unter-
scheiden.

                 Radtour: Osten ungeschminkt
    A3           Fachbezüge: GE/SW/EW

Stell dir vor, Du hättest vor 30 Jahren in der DDR gelebt. Was waren die „Jungen Pionier“ und die „Freie Deutsche Jugend“? Was hat man sich unter
einer „Jugendweihe“ vorzustellen? Durfte man als Ost-Berliner ins Ausland reisen? Und was war die Staatssicherheit?
Ergänzend zu den Open-Air-Eindrücken dieser geführten Radtour empfehlen wir einen Besuch der Ausstellung „Alltag in der DDR“, gleich am Start-
bzw. Endpunkt der Tour in der Kulturbrauerei.

                 Radtour: Street Art Berlin
    A4           Fachbezüge: KU/SW/EW

Viele Jugendliche sind fasziniert von Graffitis. Und in Berlin gibt es besonders viele davon. Haushohe Gemälde oder bunte plakative Schriftzüge,
lustige Motive, die per Schablone gleich duzendfach an Häuserwände gebracht werden. Doch die Farbsprühdose ist nur ein mögliches Werkzeug der
Streetart-Künstler.
Aus Raufasertapete lassen sich surreale Figuren ausschneiden und irgendwo aufkleben. Selbst Ampeln werden zu Kunstobjekten, oben ein rotes
Herz, darunter ein gelber Stern und ganz unten ein grüner Tropfen. Wer die Augen offenhält, entdeckt alle paar hundert Meter etwas Neues. Un-
sere Guides lenken die Aufmerksamkeit auf Dinge, die man im hektischen Großstadtalltag sonst leicht übersieht.

                 Radtour: Oasen der Großstadt
    A5           Fachbezüge: EK/SW/RE

Dass Berlin eine schöne, grüne und lebenswerte Stadt voller Überraschungen ist, kommt in der Außenwahrnehmung mitunter zu kurz. Unsere Tour
Oasen der Großstadt präsentiert die unterschiedlichen Facetten Berlins. Wir radeln entspannt durch Parks, Wohngebiete und auch mal am Wasser
entlang und schauen den Leuten beim Alltag zu. Die Bedeutung der Rückzugsräume für das Zusammenleben einer vielfältigen und bunten Stadtge-
sellschaft, der Kontrast zwischen pulsierender Großstadt und der Ruhe der Rückzugsräume werden ebenso greifbar, wie das dezentrale Leben in
den Berliner Kiezen.

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Walking Tour: Berliner Mauer
    A6           Fachbezüge: GE/SW/EK

Besonders dramatische Szenen spielten sich nach dem Mauerbau an der Bernauer Straße ab. Die Häuser auf der südlichen Straßenseite gehörten zu
Ost-Berlin, der Bürgersteig lag in West-Berlin. Viele Bewohner seilten sich vom Fensterkreuz in die Freiheit ab, andere sprangen in die Sprungtücher
der West-Feuerwehr. Später wurden die Häuser abgerissen.
Vom Westen aus wurden mehrere Fluchttunnel gegraben, knapp 100 Menschen verließen die DDR durch enge und feuchte Gänge. Auch das be-
rühmte Foto des Soldaten Conrad Schumann, der in voller Uniform über den gerollten Stacheldraht sprang, entstand an der Bernauer Straße. Un-
sere Walking-Tour führt diese geschichtsträchtige Meile entlang, über mehr als 1 Kilometer ziehen sich hier heute die Außenanlagen der Mauerge-
denkstätte.

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4.2. Wahlprogramm B: Nationalsozialismus in Berlin (Dienstag)
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                 Ästhetik und Propaganda
    B1           Olympiagelände, Olympischer Platz 3, 14053 Berlin (Westend)

Das Olympiastadion ist zentraler Bestandteil des axial aufgebauten Olympiageländes (ehemals: Reichssportfeld), zu dem auch das Sportforum, das
Hockey-Olympiastadion, das Olympia-Reiterstadion, das Olympia-Schwimmstadion, die Waldbühne, das Maifeld, der Glockenturm und die Lange-
marckhalle, sowie die Stadion-Terrassen gehören. Die Ost-West-Achse erstreckt sich vom Olympischen Platz, an dem sich der Haupteingang befin-
det, über das Stadion bis zum Glockenturm.
Das Olympiagelände wurde anlässlich der Olympischen Spiele 1936 errichtet, die eine Propagandaveranstaltung der Nationalsozialisten geworden
sind, um dem Ausland die „Vorzüge“ und die vorgebliche Friedfertigkeit des Regimes zu vermitteln. Seine monumentale Bauweise ist architektoni-
scher Ausdruck der machtheischenden und unmenschlichen Ideologie des Nationalsozialismus und entfaltet zugleich eine bis heute wirkende be-
ängstigende Ästhetik.

                 Terror und Verfolgung
    B2           Topographie des Terrors, Niederkirchnerstraße 8, 10963 Berlin (Mitte)

Im Mittelpunkt der Dauerausstellung „Topographie des Terrors. Gestapo, SS und Reichssicherheitshauptamt in der Wilhelm- und Prinz-Albrecht-
Straße” stehen die zentralen Institutionen von SS und Polizei im „Dritten Reich” sowie die von ihnen europaweit verübten Verbrechen.
Die Führung gibt einen Einblick in die innere Struktur des NS–Terrorapparates und sein Wirken zwischen 1933 und 1945. Im Mittelpunkt der Füh-
rung steht die Frage, wie die Mitarbeiter dieses Apparates die Verfolgung und Ermordung von Millionen Menschen in Deutschland und ganz Europa
planten, organisierten und umsetzten und was dies für die Opfer bedeutete. Die Führung endet mit der Frage nach dem Umgang mit diesen Tätern
im Nachkriegsdeutschland.

                 Widerstand
    B3           Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Stauffenbergstr. 13-14, 10785 Berlin (Mitte)

Die Gedenkstätte Deutscher Widerstand hat ihren Sitz im Bendlerblock im Berliner Bezirk Mitte. Sie befindet sich am historischen Ort des Umsturz-
versuches vom 20. Juli 1944.
Die Ausstellung „Widerstand gegen den Nationalsozialismus“ thematisiert die gesamte soziale Breite und weltanschauliche Vielfalt des Kampfes
gegen die nationalsozialistische Diktatur. Die Darstellung von einzelnen Lebensschicksalen und der Entstehung von Netzwerken des Widerstands,
von Motiven, Zielen und Aktionen der Menschen und Gruppen im Widerstand und schließlich der Reaktionen des nationalsozialistischen Staates auf
die Herausforderung des Widerstands erschließt die unterschiedlichen und vielfältigen Dimensionen aller Bestrebungen, die sich gegen die national-
sozialistische Diktatur richteten. Der Schwerpunkt der Führung liegt auf dem militärischen Widerstand um Claus Schenk Graf von Stauffenberg und
dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944.

                 Erinnerung
    B4           Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Cora-Berliner-Str. 1, 10117 Berlin (Mitte)

Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas im Zentrum Berlins ist die zentrale Holocaustgedenkstätte Deutschlands, ein Ort der Erinnerung
und des Gedenkens an die bis zu sechs Millionen jüdischen Opfer des Holocaust. Das zwischen Brandenburger Tor und Potsdamer Platz gelegene
Denkmal besteht aus dem von Peter Eisenman entworfenen Stelenfeld und dem unterirdisch gelegenen Ort der Information.
Die Führung ist dialogisch gestaltet und bietet Raum für persönliche Eindrücke. Der Referent fördert den Austausch von Erfahrungen und die Ent-
wicklung eines individuellen Zugangs zum Thema. Zu Beginn der Führung erkunden die Schüler das Stelenfeld. Die Teilnehmer setzen sich mit der
öffentlichen Debatte um das Holocaust-Denkmal auseinander und lernen dabei die wichtigsten Standpunkte und Argumente kennen. Fotos aus der
Zeit der Weimarer Republik, der unmittelbaren Nachkriegszeit und der Teilung Berlins vermitteln einen lebendigen Eindruck über die Geschichte
des heutigen Standorts. Mit diesem Wissen geht es in den unterirdisch gelegenen Ort der Information. Dort werden die Schüler vom Referenten in
die zentralen Themen der Ausstellung eingeführt, bevor sie ihren eigenen Rundgang beginnen.

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4.3. Wahlprogramm C: Abendveranstaltungen (Mittwoch)
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                 „Monsieur Claude und seine Töchter“
    C1           Schlossparktheater, Schloßstraße 48, 12165 Berlin (Steglitz)

Monsieur Claude und seine Frau Marie sind ein zufriedenes Ehepaar in der französischen Provinz und haben vier ziemlich schöne Töchter. Am glück-
lichsten sind sie, wenn die Familientraditionen genau so bleiben, wie sie sind.
Erst als sich drei ihrer Töchter mit einem Muslim, einem Juden und einem Chinesen verheiraten, geraten sie unter Anpassungsdruck. In die französi-
sche Lebensart weht der raue Wind der Globalisierung und jedes gemütliche Familienfest gerät zum interkulturellen Minenfeld. Musik in den El-
ternohren ist da die Ankündigung der jüngsten Tochter, einen – Halleluja! – französischen Katholiken zu heiraten. Doch als sie ihrem vierten Schwie-
gersohn, dem schwarzen Charles, gegenüberstehen, reißt Claude und Marie der Geduldsfaden. Geschwächt durch Beschneidungsrituale, Hühnchen
halal und koscheres Dim Sum ist ihr Toleranzvorrat restlos aufgebraucht. Doch auch Charles' Familie knirscht über diese Partie mächtig mit den
Zähnen. Weniger um bei den Hochzeitsvorbereitungen zu helfen, als sie zu sabotieren, lassen sich die Eltern auf ein Kennenlernen ein.
Was folgt, ist ein Gemetzel der nationalen Ressentiments und kulturellen Vorurteile. Bis das familiäre Federnrupfen dem Brautpaar die Lust an der
Hochzeit zu verderben droht...
Die gleichnamige französische Filmkomödie in der Regie des Autors Philippe de Chauveron mit Christian Clavier in der Rolle des Monsieur Claude
kam 2014 in die Kinos. In kürzester Zeit machte der Publikumserfolg seinen Siegeszug rund um die Erde und wurde mit dem französischen „Prix
Lumières“ für das beste Drehbuch ausgezeichnet. – Im September 2016 wurde die Theaterfassung in Wien uraufgeführt, die Deutsche Erstauffüh-
rung folgte Ende 2017 in Hamburg.

                 „Blutroter Waschgang“
    C2           Berliner Kriminal-Theater, Palisadenstr. 48, 10243 Berlin (Friedrichshain)

Es beginnt ganz harmlos: Zwei Menschen treffen sich nachts in einem Waschsalon. Sie will ihre Wäsche waschen, er will einen Kaffee trinken. Sie
kommen ins Gespräch. Eine zufällige Begegnung? Der Zuschauer erkennt im weiteren Verlauf, dass der nächtliche Gast im Waschsalon ein Stalker
ist, vor dem Klara Angst hat.
Die Machtverhältnisse scheinen klar: sie ist das hilflose Opfer seiner Begierde! Mit gesammeltem Wissen über sie, versucht er Oberhand zu gewin-
nen. Doch Klara liefert ihm ein hochspannendes Duell, das sich zum satirischen Drama mit absurden Elementen entwickelt. Unterbrochen werden
die beiden von einer hippen Sängerin, die nachts im Waschsalon ihre Songs probiert und Max, einem jungen Angetrunkenen, der immer agiert,
wenn es gerade nicht passt. Die Story entwickelt sich rasant mit skurrilen Überraschungsmomenten und beklemmenden Dialogen, dass einem das
Lachen im Halse stecken bleibt. Man erfährt erst nach und nach, was hier wirklich gespielt wird…
Ein blutroter Waschgang ohne Weichspüler!

                 Improtheater Paternoster: „Dein Held – Deine Geschichte“
    C3           Maschinenhaus der Kulturbrauerei, Knaackstr. 97, 10435 Berlin (Prenzlauer Berg)

Immer mittwochs heißt es im Maschinenhaus der Kulturbrauerei im Prenzlauer Berg "Dein Held - Deine Geschichte". Das Publikum selbst bestimmt
durch Zuruf den Charakter und den Verlauf der Geschichte, die von den Schauspielern spontan auf die Bühne gebracht wird.
Wollten Sie schon immer mal Ihre eigene Heldengeschichte kreieren? Dann sind Sie hier genau richtig! Sie selbst bestimmen durch Zuruf den Cha-
rakter des Helden und den Verlauf der Geschichte, welche von den Schauspielern und dem Musiker spontan auf die Bühne gebracht werden. Ob
glückliches oder tragisches Ende, Komödie oder Actionstory – hier werden wahre Helden zum Leben erweckt und alles ist möglich! Ein Abend voller
Spannung, unerwarteter Wendungen und jede Menge Spaß! Seien Sie live dabei, wenn jeden Mittwoch um 20:00 Uhr im Maschinenhaus der Kultur-
brauerei ein anderes, abendfüllendes, phantastisches Heldenepos entsteht.
Am Ende entscheidet das Publikum, ob der Held es in die "Hall of Heros" geschafft hat - ein Abend voller Spannung, unerwarteter Wendungen und
jede Menge Spaß! Im Maschinenhaus ist der urige Charme der ehemaligen Feuerwehr noch deutlich zu spüren und gibt dem Szenario ein ganz be-
sonderes Ambiente.

                 Ass-Dur: Musik-Comedy „Die Werkschau 1. bis 3. Satz“
    C4           Bar jeder Vernunft, Schaperstr. 24, 10719 Berlin (Wilmersdorf)

Die beiden Sexy-Boys in Anzug und Jumper sind das Dream-Team der Spitzenunterhaltung, bieten Musikkabarett auf höchstem Niveau und reißen
ihr Publikum bundesweit von den Stühlen. Ass-Dur, alias Dominik Wagner und Benedikt Zeitner, laden in ihre Heimatbühne BAR JEDER VERNUNFT
zur großen Werkschau!
„1. Satz: Pesto“, „2. Satz: Largo Maggiore“ und „3. Satz: Scherzo Spirituoso“ – im Dreiklang eine unglaubliche Erfolgsstory aus E- und U-Musik in
klassisch-cooler Verbindung: 5 Jahrhunderte Musikgeschichte treffen auf 5 Jahrzehnte Popkultur – und immer schaffen es die zwei Tastengenies,
nach dem Klavierspiel anders gekleidet zu sein als davor. Der Butzemann tanzt, Benedikt hat viel zu sagen und Dominik ausreichend tiefgründige
Witze dabei. Eine unterhaltsame Werkschau in drei Sätzen!

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5. Fachbezogenes Matrixprogramm

5.1. Matrix 1 (Halbtagsveranstaltungen Montag)
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                 Städtetourismus in Berlin – Fluch oder Segen?
   EK 1          Berlin Hauptbahnhof, Europaplatz 1, 10557 Berlin (Mitte)

Hotelboom, Wirtschaftswachstum, ein steigender Bruttoumsatz sowie zunehmende Beschäftigungseffekte zeigen nur einige der positiven Auswir-
kungen des Städtetourismus in Berlin auf. Doch Parolen wie „Berlin doesn’t love you“, „No more Rollkoffer“ und „Keen Herz für Touris“ lassen ver-
muten, dass dies nur die eine Seite der Medaille ist. Doch wie ist eigentlich der typische Berlintourist? Antworten auf diese Frage erhaltet ihr an-
hand einer Befragung am Berliner Hauptbahnhof. Beim Besuch des Gendarmenmarktes werdet ihr euch dann auf die Suche nach den räumlichen
Strukturen des Tourismus begeben, um letztendlich multiperspektivisch die Bedeutung und Auswirkungen des Städtetourismus in Berlin für Stadt
und Mensch in einer Podiumsdiskussion aus der Sicht unterschiedlicher Akteure zu beäugen.

                 Berlin ist nicht gleich Berlin - Obdachlose zeigen ihre Stadt
   EW 1          Bahnhof Zoologischer Garten, Hardenbergplatz 11, 10623 Berlin (Tiergarten)

860.000 Menschen in Deutschland waren 2016 wohnungslos. Das schätzt zumindest die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe. Eine
offizielle, bundesweite Statistik gibt es bislang jedoch nicht.
Das Leben auf der Straße hat seine eigenen Regeln: Alles ist öffentlich, nichts ist privat. Zwangsläufig ändert sich die Perspektive auf die Stadt, wenn
man obdachlos wird, wenn Straßen, Parks und Bahnhöfe zu Lebensmittelpunkten werden.
Wir werden eine Stadtführung machen, bei der Menschen das Wort ergreifen, über die sonst gerne und viel geredet wird: Menschen die obdachlos
waren. Diese Führung bietet Raum für persönliche Begegnungen und Gespräche und soll die Sinne schärfen für eine andere Wahrnehmung der
Stadt sowie für die individuellen Lebensgeschichten von Obdachlosen, über die häufig vorschnell geurteilt wird.

                 Nazi-Monument und Luftbrücke – Mythos Tempelhof
   GE 1          Zentralflughafen Tempelhof, Platz der Luftbrücke 5, 12101 Berlin (Tempelhof)

Nachdem 1948 alle Zufahrtsmöglichkeiten nach Berlin durch die Sowjets abgeriegelt worden waren, konnten nur drei Luftkorridore von den westli-
chen Alliierten weiterhin genutzt werden. Über diese Luftwege wurde eine Versorgungsbrücke eingerichtet, die die Stadt mit dem Lebensnotwen-
digsten versorgte. Der Zielflughafen: Tempelhof.
Heute ist das Flughafengebäude das größte Baudenkmal Europas. Unter fachkundiger Begleitung werden uns die unterschiedlichen Seiten dieses
einzigartigen Gebäudes gezeigt. Schwerpunkte der Erkundung sind die monumentale Architektur, die ideologisch-politischen Hintergründe des
Flughafenumbaus in den 1930er-Jahren sowie die Nutzung nach dem Zweiten Weltkrieg durch die US-Amerikaner.
Der Flughafen Tempelhof ist durch die Luftbrücke von 1948/49 zu einem Symbol der Freiheit geworden. In der Geschichte Berlins spielt der „My-
thos Tempelhof“ eine ganz besondere Rolle und kann im Rahmen der Besichtigung hautnah erlebt werden.

                 Teufelsberg – Abandoned Place mit Geschichte und Freiraum für Subkultur
   KU 1          Teufelsberg, Teufelsseechaussee 10, 14193 Berlin (Grunewald)

Bis vor kurzem war der Teufelsberg mit 120 Metern der höchste Berg Berlins, bis die Deponie Blankenberge ihn um einen halben Meter „überholt“
hat. Beides sind keine natürlichen Berge: Der Deponieberg Blankenberge besteht aus Müll, der Teufelsberg entstand aus den zusammengeschütte-
ten Trümmern des im Zweiten Weltkrieg zerbombten Berlins.
Bis zum Ende des Kalten Krieges im Jahre 1989 diente der Berliner Teufelsberg mit seiner Field Station der Spionage. Mit vier Radomen, in denen
sich Satellitenschüsseln drehten und von denen Funksignale ausgesendet wurden, versuchten die westlichen Alliierten den Funkverkehr des War-
schauer Paktes, der DDR-Behörden und der Roten Armee abzuhören. Wie genau diese Abhöraktivitäten ausgesehen haben und welches Ergebnis sie
brachten, wird sich erst zeigen, wenn die entsprechenden Archive der Alliierten nach 2020 geöffnet werden. Nach dem Ende des Kalten Krieges, bis
in das Jahr 1992 hinein, fand die Demontage der Abhöreinrichtungen bei der Field Station statt.
Nachdem das Gelände im Jahre 2006 zu einem „verlassenen Ort“ geworden war, fand eine Usurpation durch verschiedene Gruppen statt. Diebstahl
und Vandalismus zerstörten die noch vorhandenen Anlagen und Einrichtungen vollständig. Erst im Jahre 2010 gelang es dem damaligen Pächter,
eine organisierte Struktur und Möglichkeiten zu schaffen und das Gelände wieder einem geregelten Besuchsbetrieb zugänglich zu machen. Dieser
war es auch, der die Graffiti-Galerie, die größte Galerie Europas, die sich auf dem Gelände befindet, initiierte. Im Jahre 2015 verließ er die Field
Station, die nun von dem neuen Pächter verwaltet und entwickelt wird. Im Rahmen einer geführten Tour haben Besucher gegenwärtig die Möglich-
keit, sich einen Eindruck von dem denkmalwürdigen Monument zu machen.

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Was heißt es, heute in Deutschland Jüdin oder Jude zu sein?
   RE 1          Jüdisches Museum Berlin, Lindenstraße 9–14, 10969 Berlin (Kreuzberg)

Bedeutet jüdisch zu sein, immer auch religiös zu sein? Welche Bedeutung hat die Tora (die jüdische heilige Schrift) heute? Wie viele Jüdinnen und
Juden halten den Ruhetag Schabbat ein? Sind Jüdinnen Juden Deutsche? Wie lebt es sich als Jüdin/Juden in Deutschland, 73 Jahre nach Ende des
Zweiten Weltkrieges? Oder: Sind Juden eigentlich immer Opfer? Wie ist das Verhältnis der drei großen monotheistischen Religionen (Judentum,
Christentum und Islam) zueinander?
Ausgehend von diesen Fragen und den Fragen, die ihr stellt, werden wir uns gemeinsam einen Teil des Jüdischen Museums anschauen und mit dem
Referenten über diese Fragen ins Gespräch kommen. Im Anschluss habt ihr dann noch genügend Zeit, alleine das, auch baulich, beeindruckende
Museum zu erkunden.

                 Lobbyismus – sinnvolles Instrument politischer Teilnahme oder Unterwanderung der Demokratie?
   SW 1          Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (Rückseite an der Spree), Reichstagufer 12, 10117 Berlin (Mitte)

„Amnesty International“ ist eine Lobby-Organisation, die „Deutsche Gesellschaft für Wehrtechnik“ ebenfalls. Die erste versucht, Menschenrechte zu
schützen, die zweite versucht, Waffen zu verkaufen. Und beide versuchen, die Abgeordneten des Bundestags von ihren Anliegen zu überzeugen und
damit die Gesetzgebung zu beeinflussen. Gibt es also gute und schlechte Lobbyisten? Ist Lobbyismus per se gut oder schlecht?
Lobbyisten arbeiten in Ministerien mit, Arbeitgeberkampagnen wie die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft geben sich als bürgernahe Reformbe-
wegungen, Abgeordnete bekommen dubiose Nebeneinkünfte – dieser Rundgang führt durch die Grauzonen der Politik!
LobbyControl ist ein gemeinnütziger Verein, der über Machtstrukturen und Einflussstrategien in Deutschland und der EU aufklären will. Er setzt sich
für Transparenz, eine demokratische Kontrolle und eine Begrenzung der Einflussnahme auf Politik und Öffentlichkeit ein. Wir bekommen einen
Eindruck, was sich hinter den alten und neuen Prachtbauten im Regierungsviertel tut, und wie die rund um den Reichstag angesiedelten Unterneh-
mensrepräsentanzen, Verbandsbüros, PR-Agenturen und andere Lobbyisten Einfluss zu nehmen versuchen.

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5.2. Matrix 2 (Ganztagsprojekte Mittwoch)
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                 Sozialer Brennpunkt Kotti? – Zur Entwicklung von Revitalisierungsmaßnahmen am Kottbusser Tor
   EK 2          U Kottbusser Tor, 10785 Berlin (Kreuzberg)

„Stapf' durch die Kotze am Kotti, Junks sind benebelt / Atzen rotzen in die Gegend, benehmen sich daneben
Szeneschnösel auf verzweifelter Suche nach der Szene / Gepiercte Mädels, die wollen, dass ich Straßenfeger lese“
(Peter Fox – Schwarz zu Blau)
Auf dieser Exkursion wird ein anderes Bild von Berlin abseits der klassischen Touristenströme gezeichnet. Im Zentrum steht die Frage, inwiefern
stadtplanerisch im vermeintlichen Problembezirk rund um das Kottbusser Tor (Berlin-Kreuzberg) eingegriffen werden sollte. Dazu wird die wechsel-
volle Geschichte des städtischen Teilraums von den Gastarbeitern über die Hausbesetzer- und Drogenszene bis hin zu sozialen Aufwertungstenden-
zen u.a. durch die Hipsterszene (Gentrifizierung) erarbeitet. Hierbei werdet ihr im Stadtteilmuseum, mit Experten, Anwohnern und weiteren Raum-
akteuren Stärken und Probleme des Bezirks diskutieren und eigenständig und selbsttätig ein nachhaltiges Sanierungskonzept entwickeln. Im Görlit-
zer Park, der berühmt berüchtigt für seine hohe Dichte an Dealern ist, lernt ihr dann das vom Bezirksamt Kreuzberg entwickelte Konzept kennen,
um der Probleme im Park Herr zu werden. Seitdem wird auf Bürgerbeteiligung gesetzt, auf Sozialarbeit und Veranstaltungen, auf Parkläufer, die für
Ordnung sorgen, ohne gleich mit Polizei und Ordnungsamt zu drohen, und auf den neuen Parkmanager, der alles zusammenhalten soll. Cengiz De-
mirci heißt er, 44 Jahre alt, charismatisch, kommunikativ, zupackend. Wir treffen Cengiz Demirci und sprechen mit ihm über die Herausforderungen,
das Miteinander in Deutschlands berüchtigtstem Park zu gestalten.

                 Berlin-Hellerdorf – Kinder und Jugendliche am Rande der Gesellschaft
   EW 2          Die Arche, Tangermünder Straße 7, 12627 Berlin (Hellersdorf)

Wer und wie kümmert man sich um Kinder und Jugendliche aus so genannten Randgruppen? Lebensbedingungen und Probleme von Kindern und
Jugendlichen im Stadtbezirk Hellersdorf, Konzepte der Jugendsozialarbeit am Beispiel der „Arche" und dem Jugendhilfswerk "Eastend".
Besuch der Arche – Christliches Kinder- und Jugendwerk e. V.: Eines der Ziele der Arche ist, Kinder von der Straße zu holen und ihnen sinnvolle Frei-
zeitmöglichkeiten zu bieten. Das Projekt setzt auf Kinderspielplätzen in sozial schwachen Gegenden Streetworker ein, um insbesondere Beratung
bei sexuellem Missbrauch sowie bei familiären und schulischen Problemen für eine Vielzahl von Kindern sicherzustellen. Die Einrichtungen bieten
Kindern und Erwachsenen in den jeweiligen Stadtteilen einen festen Anlaufpunkt.
Am Nachmittag werden wir eine Führung durch eine weitere Jugendeinrichtung in Berlin-Hellersdorf haben. Die Jugendeinrichtung Eastend Berlin
e.V. existiert seit 2001 und befindet sich im Gegensatz zur Arche seit 2011 in freier Trägerschaft. Ihr Ziel ist es, den Anwohnern der Region, insbes.
Kindern, Jugendlichen und junge Erwachsenen im Alter von 6 bis 27 Jahren, einen Raum für die Entwicklung und Umsetzung eigener Ideen/Projekte
zu geben bzw. sich mit Gleichgesinnten zu treffen. Im Anschluss an die Führung besteht das Angebot evtl. einige der an diesem Tag stattfindenden
Workshops oder Kurse zu besuchen.

                 Leben an der Mauer und Alltag in der DDR
   GE 2          Kulturbrauerei, Schönhauser Allee 36, 10435 Berlin (Prenzlauer Berg)

 Vormittags geht es in die Ausstellung „Alltag in der DDR“ in der KulturBrauerei. Die Ausstellung beleuchtet das Spannungsverhältnis zwischen dem
alltäglichen Leben der Ostdeutschen und dem SED-Regime, das diesem Alltag durch seine ideologischen Vorgaben, Kontrollmechanismen und
Zwänge einen engen Rahmen setzte. Durch zahlreiche Dokumente, Film- und Tonaufnahmen sowie biografische Berichte über das Alltagsleben in
der DDR sowie Inszenierungen wie einem originalen DDR-Zeitungskiosk, einer Kneipe aus Brandenburg oder einem Konsum-Laden gewinnt ihr einen
lebendigen Eindruck von der alltäglichen Lebenswirklichkeit der Ostdeutschen.
Am Mittag werden die Einblicke in die DDR durch die Führung „Die Bernauer Straße nach dem Mauerbau" in der Gedenkstätte Berliner Mauer er-
weitert. Es ist heute nur schwer vorstellbar, dass von 1961 bis 1989 Ost- und Westberlin durch einen nahezu unüberwindlichen Todesstreifen brutal
voneinander getrennt waren. Viele Menschen haben den Fluchtversuch mit ihrem Leben bezahlt. Der Verlauf der Mauer ist im Stadtbild heute
kaum noch wahrnehmbar. Auf dem Areal der Gedenkstätte befindet sich das letzte Stück der Berliner Mauer, das in seiner Tiefenstaffelung erhalten
geblieben ist und einen Eindruck vom Aufbau der Grenzanlagen zum Ende der 1980er Jahre vermittelt.

                 Streetart als Kommunikationsinstrument und sozialkritisches Ausdrucksmittel
   KU 2          Archiv der Jugendkulturen, Fidicinstr. 3, 10965 Berlin (Kreuzberg) und Urban Nation, Bülowstr. 7, 10783 Berlin (Schöneberg)

Die Fachgruppe beginnt den Tag mit einer Führung, die durch einen Berliner Streetart-Künstler begleitet wird. Die kunstinteressierten Schülerinnen
und Schüler erfahren auf dem Rundgang durch den urbanen Raum Hintergründe und Geschichten zu den jeweiligen Kunstwerken und zu der Histo-
rie der Szene. Im Anschluss an den Rundgang besucht die Gruppe das gerade eröffnete Urban Nation Museum für urbane kontemporäre Kunst im
Stadtteile Schöneberg. Das im September eröffnete Haus ist eine internationale Institution für Kunst, kreative Projekte und sozialen Austausch.
Unter dem Leitmotiv „Connect. Create. Care.“ zeigt das Urban Nation unterschiedliche Formen der Streetart, die weit mehr sind als „schön auszuse-
hen“.
Streetart und Graffiti, die oft an der Grenze der Legalität oder darüber hinaus stattfinden, sind auch Bestandteil der Debatte darüber, wem der
öffentliche Raum gehört und wer ihn für welche Botschaften gestalten und nutzen darf.

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Christliches Engagement in Berlin – Nächstenliebe inmitten sozialer Kälte?
   RE 2          Hospizdienst Tauwerk e.V., Mühlenstr. 45/II, 13187 Berlin (Pankow)

Berlin war für diejenigen, die in der Bundesrepublik anders leben wollten als der Mainstream, immer schon ein Sehnsuchtsort. Spätestens seit dem
durch die 68er-Bewegung hervorgerufenen sozialen und kulturellen Wandel der Bundesrepublik gibt es eine offene schwule Community in Berlin.
Die Immunschwäche Krankheit AIDS rückte ab den 70er Jahren ins Blickfeld der schwulen Szene, weil sich immer mehr Männer und Frauen mit AIDS
infizierten.
Seit mehr als 20 Jahren kümmert sich der von zwei Schwestern des katholischen Franziskanerordens ins Leben gerufene ambulante Hospizdienst
um die Menschen, die aufgrund ihrer AIDS-Erkrankung in die letzte Phase ihres Lebens eingetreten sind.
Wir werden innerhalb der Halbtagsveranstaltung Schwester Hannelore besuchen, die den ambulanten Hospizdienst mitgegründet hat, und mit ihr
darüber ins Gespräch kommen, wie der ambulante Hospizdienst an AIDS Erkrankte bis zu ihrer Todesstunde begleitet. Wurde die Arbeit der beiden
Schwestern von den Kirchenoberen in der Anfangszeit relativ kritisch gesehen, so verspüren die Franziskaner, seit Papst Franziskus um einen kultu-
rellen Wandel der Kirche bemüht ist, verstärkt Rückenwind für ihre Arbeit.

                 Rechtsextremismus – eine (neue) Gefahr für unsere Demokratie? Irrwege in den Extremismus und Wege aus ihm heraus
   SW 2          EXIT – Zentrum Demokratische Kultur, Ebertystraße 46, 10249 Berlin (Friedrichshain)

„Deine Gewalt ist nur ein stummer Schrei nach Liebe | Deine Springerstiefel sehnen sich nach Zärtlichkeit |
Du hast nie gelernt dich zu artikulieren | Und deine Eltern hatten niemals für dich Zeit“
Stimmt es, was „Die Ärzte“ seit 1993 über Rechtsextreme singen? Wir werden, vermittelt durch die Aussteigerinitiative „EXIT-Deutschland“, mit
einem Aussteiger aus der rechtsextremen Szene sowie mit Mitarbeitern des Berliner Verfassungsschutzes (des Inlandsgeheimdienstes, der Rechts-
extreme überwacht) über diese Frage sprechen. Die Verfassungsschutzmitarbeiter werden uns auch Auskunft über das Ausmaß des Extremismus
und seine Gefährlichkeit in Zeiten von „Pegida“, „NSU“ und „Reichsbürgern“ berichten.
Was hat unseren Gesprächspartner in die Gewalttätigkeit getrieben? Welche Motive haben ihn dazu gebracht, andere Menschen anzugreifen und
zu verletzen? Wie politisch ist Rechtsradikalismus überhaupt oder treiben ganz andere Motive Menschen in den Extremismus? Und, genauso wich-
tig: Warum hat unser Gesprächspartner sich dann aus der Szene gelöst? Warum engagiert er sich jetzt gegen seine ehemaligen „Kameraden“? Und
wie geht er jetzt mit der Bedrohung und den bereits stattgefundenen Angriffen seiner ehemaligen „Kameraden“ auf sein Leben um? Ein Ex-Nazi
stellt sich sehr offen den Fragen – und hinterlässt damit neue Fragen.
„EXIT-Deutschland“ ist eine vom Kriminalisten und ehemaligen Kriminaloberrat Bernd Wagner und dem ehemaligen Neonaziaktivisten Ingo Hassel-
bach mit Hilfe der Amadeu-Antonio-Stiftung und der Freudenberg-Stiftung im Jahr 2000 gegründete Initiative des Zentrums Demokratische Kultur
(ZDK). Sie hilft Aussteigewilligen aus der rechtsextremen Szene und Familien, die ihre Angehörigen aus der rechtsextremen Bewegung lösen wollen.

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