Roche Penzberg - Biotech from Science to Patients

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Roche Penzberg - Biotech from Science to Patients
Roche Penzberg –
  Biotech from Science to Patients

                             Biotechnologie und Diagnostik   III
Roche Penzberg - Biotech from Science to Patients
6.720.000.000     Euro Forschungsinvestition
             80.129     Engagierte Mitarbeiter
                122     Klinische Studien
                 18     F&E-Standorte
                  1     Mission
                        Quelle: Geschäftsbericht 2011

2   Roche in Penzberg
Roche Penzberg - Biotech from Science to Patients
Der Roche-Konzern –
           das größte Biotech-Unternehmen der Welt

                                                       Penzberg
                                               Basel
                  Vacaville                                                              Utsunomiya
San Francisco
                                                                                         Ukima
     Oceanside

                                                                  Singapur

Weltweite Biotechnologie-Standorte von Roche

                                                                             Roche in Penzberg        3
Roche Penzberg - Biotech from Science to Patients
Patienten verstehen. Sicherheit geben.
Roche Penzberg - Biotech from Science to Patients
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Die Inspiration der Natur nutzen
        Biotechnologie – Fortschritt in der Medizin

    Biotechnologie – Schlüssel zum Fortschritt
    Antworten auf drängende Fragen der Medizin zu finden ist das Leit-
    motiv von Roche. Die Biotechnologie ist ein Schlüssel dazu. Schwere
    Krankheiten sollen besser diagnostizierbar und behandelbar werden.
    Roche hat die Biotechnologie früh entdeckt. Heute ist der Konzern auf
    dem Gebiet weltweit die Nummer eins. Die entscheidenden Weichen
    stellte Roche mit dem Einstieg beim US-Pionier Genentech bereits
    1990. Die Biotechnologie galt damals als exotisches Gebiet, denn die
    meisten Pharmafirmen waren Mischkonzerne mit dominierendem
    Chemiegeschäft. Heute gibt es unter den großen Pharmaunternehmen
    keines, das ohne biotechnologische Forschung auskommt.

    Zielsichere Therapien
    Die moderne Biotechnologie macht sich die natürlichen Steue-
    rungsmechanismen von Zellen zu Nutze. Während herkömmliche
    Therapien oft nicht zwischen gesund oder krank unterschei-
    den, wirken biotechnologische Medikamente im Patienten meist
    effizienter und gezielter. So greifen die von der Natur inspirierten
    Therapien etwa in den Stoffwechsel von Krebszellen ein, die unkon-
    trolliert als Tumor wachsen. Durch verschiedenste Mechanismen ist
    es heute beispielsweise möglich, außer Kontrolle geratene Zellen in
    ihrem Wachstum zu hemmen oder sie in ein natürliches Selbstzer-         Mit Hefe fing alles an. Als vor 5.000
    störungsprogramm zu treiben und somit abzutöten.                        Jahren der erste Wein gekeltert
                                                                            und das erste Brot gebacken
                                                                            wurden, schlug die Geburtsstunde
                                                                            der Biotechnologie. Heute sind
                                                                            die von der Natur inspirierten
    Wussten Sie, dass ...                                                   Prozesse in vielen Bereichen
                                                                            des modernen Lebens und der
    ... Roche bereits vor nahezu                                            Industrie unverzichtbar. Besonders
                                                                            in der Medizin.
    70 Jahren klassische
    biotechnologische Methoden
    angewandt hat?

6   Roche in Penzberg
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Mit Hilfe der Biotechnologie konnten wesentliche Ursachen zahlreicher
Krankheiten erforscht werden. Dank dieses Wissens kann heute
vielen Patienten geholfen werden. Doch es gibt noch viel zu tun.

Vom Impfstoff über den Antikörper bis zum Hormon
Dem Arzt stehen heute zahlreiche Biologika zur Therapie verschie-
denster Erkrankungen zur Verfügung. All diese Medikamente sind
das Produkt lebender Zellen, in denen sie unter ganz speziellen
Bedingungen hergestellt werden. Derzeit sind auf dem deutschen
Markt etwa 200 biotechnologische Medikamente zugelassen. Dazu
gehören die Impfstoffe als klassische Vertreter der Biotechnologie.
Heute dominieren vor allem Antikörper das Feld. Aber auch Wachs-
tumshormone und -faktoren wie Erythropoietin, Geschlechtshor-
mone, Enzymersatztherapien, Interferone, Gerinnungsmodulatoren
oder Insuline stehen Ärzten und Patienten zur Verfügung.

Neue Chancen für Patienten                                               Tumorzellen unterscheiden sich
Antikörper sind das erfolgreichste Beispiel für biologische Therapien,   von gesunden Zellen durch
die sich im medizinischen Alltag etabliert haben. Vor nicht weniger      zahlreiche Merkmale auf ihrer
als 30 Jahren galten die Immunmoleküle als klinisch nur schwer           Zelloberfläche. An diese Positionen
beherrschbar. Heute sind sie die am schnellsten wachsende                binden Antikörper spezifisch nach
Medikamentenklasse überhaupt. Im Jahr 2011 befanden sich                 dem Schlüssel-Schloss-Prinzip.
weltweit 283 Antikörper in den verschiedenen Phasen der klinischen       Mit ihrer Hilfe gelingt es, kranke
Entwicklung. Das ist ein Anstieg von 17 Prozent gegenüber dem            Zellen gezielt anzugreifen und
Vorjahr.[1] Von den neuen Ansätzen können zum Beispiel Patienten mit     gleichzeitig gesunde zu schonen.
Brust-, Magen-, Lungen- und Hautkrebs profitieren. Roche führt viele     2011 waren in Deutschland
Projekte aus, in denen neue Wirkmechanismen angewandt werden.            27 Antikörpermedikamente
                                                                         zugelassen.[1]
Biotechnologie erobert den Markt
Biologika haben mittlerweile in Deutschland einen Anteil von
19 Prozent am Pharmamarkt. Der Siegeszug dieser Moleküle geht
weiter. 2011 wurden weltweit 556 biotechnologische Medikamente
in der Entwicklung gezählt – eine Verdopplung innerhalb von fünf
Jahren.[1] Der Umsatz mit biotechnologischen Medikamenten in
Deutschland betrug 5,4 Mrd. Euro. Hierzulande arbeiten rund 34.000
Menschen in 678 Unternehmen[2] mit Biotech-Schwerpunkt – in der
Grünen (Pflanzen) über die Weiße (Industrie) bis zur Roten Bio-
technologie (Biopharmazie). Vom Aufschwung der Biotechnologie
profitiert auch die Diagnostik. Wie kaum ein anderer Konzern setzt
Roche in der Medizin auf die Kombination der beiden Bereiche.

[1] Quelle: vfa bio, 2012
[2] Quelle: biotechnologie.de, 2012

                                                                                          Roche in Penzberg    7
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Bergwerk 1971                                                      Biotechnologie-Zentrum 2012

      Roche in Penzberg
              Von der Wissenschaft zum Patienten

      Schlüsselstandort für Pharma und Diagnostik                   Hightech statt Kohle
      Penzberg ist eine Wiege der industriellen Biotechnologie      Der Erfolg barg jedoch ein Problem. Es wurde in Tutzing zu
      in Deutschland. Hier laufen viele Fäden des Roche-            eng – ein Umzug war nötig. So entstand 1972 südlich von
      Netzwerkes zur Personalisierten Medizin zusammen. Mit         München auf dem Gelände eines stillgelegten Kohleberg-
      Forschung, Entwicklung und Produktion ist die gesamte         werks Hochtechnologie statt Untertagebau. Penzberg wurde
      Wertschöpfungskette vertreten. Spezialisten aus Pharma        zu einem Musterbeispiel für erfolgreichen Strukturwandel.
      und Diagnostik arbeiten hier Hand in Hand, um gezielt         Wurden 1980 rund 500 Mitarbeiter im Biotechnologie-Werk
      wirkende Therapien für die richtigen Patienten zum            in Penzberg gezählt, sind es heute mehr als 4.800. Der
      richtigen Zeitpunkt zu entwickeln. In Zeiten, in denen        Besitzerwechsel von Boehringer Mannheim zu Roche, der
      Medikamente überwiegend in Kombination mit begleiten-         1998 erfolgte, beschleunigte die Entwicklung enorm. The-
      den Diagnostika entwickelt werden, ist das ein Alleinstel-    rapeutische Proteine und Diagnostika aus Penzberg tragen
      lungsmerkmal – nicht nur innerhalb der Roche-Gruppe.          wesentlich zum Erfolg von Roche bei.

      Pionier in der Diagnostik                                     Center of Excellence für therapeutische Proteine
      Dass Pharma und Diagnostik und auch die Biotechno-            Die Forschung, Entwicklung und Produktion rund um bio­
      logie in Penzberg so eng verbunden sind wie nirgendwo         pharmazeutische Wirkstoffe wurden in Penzberg immer
      sonst, ist das Ergebnis einer Entwicklung, die mittler-       weiter ausgebaut. Heute darf sich das Werk als „Center of
      weile schon nahezu 70 Jahre andauert. 1946 begannen           Excellence für therapeutische Proteine“ bezeichnen. Im Jahr
      die bio­chemischen Arbeiten – damals unter Boehringer         2012 werden rund 160 Projekte bearbeitet. Das schließt
      Mannheim – in Tutzing am Starnberger See. Daraus ent-         auch klinische Medikamententests bis zur Phase II ein, in
      stand eines der ersten biotechnologischen Forschungs-         denen erstmals die Wirksamkeit einer Arznei am Menschen
      zentren der Welt. Die Ergebnisse der Forschungsarbeiten       getestet wird. Aber auch die Diagnostika-Produktion in
      waren bahnbrechend, denn der diagnostische Einsatz            Penzberg hat große Bedeutung für den gesamten Konzern.
      von Enzymen ermöglichte völlig neue Produkte – da-            In fast jedem Roche-Diagnostik-Produkt aus dem weltwei-
      runter noch heute bekannte Bestseller wie Bluttests auf       ten Katalog mit mehr als 20.000 Angeboten befindet sich
      Alkohol oder Zucker.                                          ein Bestandteil aus Penzberg.

8     Roche in Penzberg
Roche Penzberg - Biotech from Science to Patients
Mitten in Oberbayern –
       einer der größten Biotech-Standorte Europas
                                                     bis heute                                    Starker Ausbau der
                                                                                                  biotechnologischen
                                                                                                  Produktion             4.800
                                                      1996                           Erstes in Deutschland erforschtes
                                                                                     und biotechnologisch produziertes
                                                                                     Medikament (r-PA)
                                                                                                                          1.962

                                            1982                               Erste Testkits mit                               600
                                                                               rekombinanten Enzymen

                                   1979                          Erstes in E. coli
                                                                                                                                 450
                                                                 kloniertes Enzym

                           1972                      Gründung des Standortes
                                                                                                                                  150

                                                     in Penzberg

                  1963                         Erster Test
                                                                                                                                  190

                                               auf Blutalkohol

                                                                                                                                    25
          1946                        Erstes Forschungszentrum
                                                                                                                            Mitarbeiter
                                      in Tutzing

Pioniere in Penzberg – Meilensteine aus zwei Jahrhunderten

          Oberbayern ist eine Wiege der Biotechnologie. Vor nahezu 70 Jahren fanden
          hier Arbeiten statt, die auch heute noch unser Leben prägen. Heute befindet
          sich in Penzberg einer der modernsten Biotechnologie-Standorte weltweit.

                                                                                                            Roche in Penzberg        9
Roche Penzberg - Biotech from Science to Patients
Personalisierte Medizin
              Treffsicher und effizient

                                            Neue Lösungen für die medizinische Versorgung
                                            International ist die medizinische Versorgung im Umbruch begriffen.
                                            Trotz einer alternden Bevölkerung – mit steigendem Versorgungs-
                                            bedarf bei gleichzeitigem wirtschaftlichen Druck von Erstattern und
                                            Kostenträgern – soll ein hochwertiger Behandlungsstandard erhal-
                                            ten bleiben. Das lässt sich nur mit einer effizienten Diagnostik und
                                            einer gezielten Behandlung erreichen. Deshalb setzt Roche auf die
                                            Personalisierte Medizin. Sie ist das Kernelement der strategischen
                                            Ausrichtung des Konzerns. Spitzenforschung wird eingesetzt, um
                                            Patienten mit effizienten Therapien helfen zu können, die genau auf
                                            ihre Krankheitssituation zugeschnitten sind.

                                            Vorteil für Patienten, Ärzte und Kostenträger
                                            Von diesen modernen, maßgeschneiderten Therapien profitieren
                                            zuallererst die Patienten und die Ärzte. Die Therapieauswahl wird
     Der Wirkstoff T-DM1 von Roche          optimiert, gleichzeitig werden die Nebenwirkungen minimiert, und
     könnte den Beginn einer neu-           die Ergebnisse einer Behandlung können besser prognostiziert
     en Ära in der Therapie von             werden. Über ein verbessertes Kosten-Nutzen-Verhältnis werden
     Brustkrebs einleiten. Anders als bei   aber auch die Ressourcen im Gesundheitssystem geschont. In den
     herkömmlichen Chemotherapeutika        vergangenen Jahren haben vor allem die Zulassungsbehörden
     geraten die therapeutischen            umgedacht. Sie haben angefangen, Therapien zu fördern, deren
     Giftstoffe nicht in die Blutbahn des   Wirksamkeit und Nutzen durch diagnostische Tests klar nachge-
     Menschen, sondern werden durch         wiesen sind.
     die Kopplung an den Antikörper
     Trastuzumab gezielt in Krebszellen
     freigesetzt. Gesundes Gewebe wird
     nicht angegriffen. Das reduziert
     die Nebenwirkungen stark. Der
     Wirkstoff verspricht keine Heilung
     für die fortgeschrittene Erkrankung,
     doch könnte er den Patientinnen,                               Wussten Sie, dass ...
     die an der Her2-positiven Form
     von Brustkrebs leiden, wertvolle                               ... weltweit pro Sekunde etwa
     Lebenszeit schenken.
                                                                    30 diagnostische Tests von
                                                                    Roche durchgeführt werden?

10   Roche in Penzberg
Erfolgreicher Einsatz gegen viele Krankheiten
                Die Personalisierte Medizin ist heute bereits für viele Patienten mit
                ganz verschiedenen Krankheiten Behandlungsalltag. Dazu zählen
                unter anderem Menschen, die mit dem Hepatitis-C-Virus infiziert
                sind. Mit Hilfe eigens entwickelter diagnostischer Tests lässt sich die
                individuell notwendige Therapiedauer genau eingrenzen und der
                Behandlungserfolg messen. Häufig kann so die Behandlungszeit um
                Monate verkürzt werden. Dem Patienten bleiben damit Nebenwir-
                kungen erspart. An Osteoporose Erkrankte können heute ebenfalls
                besser behandelt werden. Ein diagnostischer Test zeigt den Behand-
                lungserfolg der Therapie zuverlässig für Patient und Arzt an.

                Onkologische Therapien weiterentwickeln
                Auch nach Jahrzehnten intensivster Forschung ist Krebs heute nur
                bedingt heilbar. Es hat sich jedoch ein differenziertes Bild e­ ntwickelt.
                Mehr als 40 Gene sind bekannt, deren Fehlleitung Brustkrebs
                auslösen können. Deshalb kann nicht jeder Krebs mit dem gleichen
                ­Medikament behandelt werden. Seit Jahren profitieren Patientinnen
                 mit einem bestimmten Subtyp der Krankheit, der diagnostisch zu er-
                 kennen ist, vom Antikörper Trastuzumab. Das erfolgreiche Prinzip der
                 Personalisierten Medizin wurde mit dem Wirkstoff TDM-1 weiterent-
                 wickelt. Mit ihm ist es Roche gelungen, die Treffsicherheit eines An-
                 tikörpers mit der Wirksamkeit einer Chemotherapie zu kombinieren.
                 Das Resultat: weniger Nebenwirkungen und besserer Therapieerfolg.

                                   Anteil Diagnostika an GKV-Ausgaben

                                                                     2,9 %

                                                                                             Die Bedeutung von Diagnostika
                                                                                             wird oft unterschätzt. So spielen
                                                                                             die Kosten diagnostischer Tests bei
                                                                                             den Ausgaben der ­gesetzlichen
                                                                                             Krankenversicherung (GKV)
                                                                                             nur eine untergeordnete Rolle
                                                                                                     [3]
                                                                                             (2,9 %) Diese Methoden beein-
                                                                                             flussen aber den größten Teil der

66 %                                                                                         Therapieentscheidungen. Letztlich
                                                                                             hängen zwei Drittel aller GKV-Aus-
                                                                                             gaben für Medikamente, Behand-
Prozentualer Anteil der GKV-Ausgaben,                                                        lungen oder Krankenhausaufent-
die vom Einsatz von Diagnostika abhängen                                                     halte vom Diagnostika-Einsatz ab.

                                                                                             [3] Quelle:   Verband der Diagnostica-Industrie

                                                                                                      Roche in Penzberg                        11
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                           Krankheiten verstehen.
                              Ihre Ursache erforschen.

12       Biotechnologie und Diagnostik
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Biotechnologie und Diagnostik    13
Auf der Suche nach neuen Biomarkern
              Werkzeuge der modernen Medizin

                                                                                                                                           Wussten Sie, dass ...
                                                                                                                                           ... Roche seit 1998 rund
     Interdisziplinäre Forschung im internationalen Netzwerk
     Kreative Ideen und der Blick auf unternehmerisches Handeln – die                                                                      1,8 Milliarden Euro in
     mehr als 1.000 Wissenschaftler, die in Penzberg forschen, bewegen
     sich in einem anspruchsvollen Spannungsfeld. Verschiedenste Pro-                                                                      Penzberg investiert hat?
     jekte aus der ganzen Welt erreichen sie. Praktisch, dass der Campus
     in Oberbayern mehr als 40 Nationalitäten vereint. Mit im Fokus der
     Wissenschaftler steht, neue therapeutische Ansätze in der Onko-
     logie zu entwickeln. Diese Aufgabe ist in den vergangenen Jahren
     anspruchsvoller geworden. Denn im Sinne der Personalisierten
     Medizin entwickelt Roche – wo immer möglich – Medikamente mit
     begleitender Diagnostik.

     Neue Diagnostika dank neuer Biomarker
     Jeder diagnostische Test braucht eine Basismessgröße, einen Biomar-
     ker, der etwas über den Gesundheitszustand des Patienten aussagt.
     Es gibt einfache Bestimmungen wie etwa die alltägliche Blutzucker-
     messung für Menschen, die an Diabetes erkrankt sind, aber auch Tests,
     welche Störungen aufdecken, die sich tief in der menschlichen Physis
     verbergen. Biomarker stehen daher im Zentrum der Personalisierten
     Medizin. Vor allem Proteine gelten hier als verlässliches Indiz für die
     Entstehung von Krankheiten. Diese Eiweiße werden zumeist aus Blut
     isoliert. Viele Störungen lassen sich mit sogenannten Immundiagnosti-
     ka identifizieren. Sie gelten daher weltweit als Wachstumsmarkt.

                 Die Entwicklung eines neuen Medikamentes kostet rund 1 Mrd. Euro. Von den
                 Anfängen der Forschung im Labor bis zur Marktzulassung vergeht mehr als ein Jahrzehnt.
                 Die Chance, dass sich der Wirkstoff in den drei vorgeschriebenen klinischen Studienphasen
                 als ausreichend sicher und wirksam erweist und auch den Markt erreicht, beträgt etwa
                                    [4]
                 20 bis 25 Prozent. Von 10.000 erforschten Molekülen schafft es lediglich eines zur
                 Marktreife. Mit Hilfe von begleitender Diagnostik können Medikamente schneller und
                 effizienter entwickelt werden.

                 [4] gilt in der Onkologie, DiMasi JA, Grabowski HG. J Clin Oncol. 2007 Jan 10;25(2):209-16 und Walker I, Newell H. at Rev Drug Discov. 2009 Jan;8(1):15-6

14   Roche in Penzberg
Die Entwicklung eines neuen Diagnostikums kostet rund 10 Mio. Euro. Forschung und
Entwicklung dauern ungefähr zweieinhalb bis drei Jahre. Von 5.000 in der Forschung
identifizierten diagnostischen Marker-Kandidaten eignet sich jedoch nur einer für den
Routineeinsatz in der Klinik. Ist dieser erst einmal identifiziert, steigt die Erfolgswahrschein-
lichkeit in der Arzneimittelentwicklung. Die unterschiedlichen Entwicklungszyklen
in Pharma und Diagnostik aufeinander abzustimmen ist eine Herausforderung in
der Entwicklung Personalisierter Therapien.

            Gene verraten die Krankheit
            Roche ist davon überzeugt, dass die Sequenzierung des Patientenerb-
            guts zukünftig zum Standard gehören wird. Zwar sind 99,9 Prozent des
            Erbguts bei allen Menschen identisch. Doch können kleinste Unter-
            schiede, wie etwa der Austausch eines einzigen DNA-Bausteins, eine
            Krankheit auslösen. Diese SNPs (Single Nucleotide Polymorphisms)
            haben stark an praktischer Bedeutung gewonnen. Viele Krankheiten,
            besonders in der Onkologie, werden zunehmend nicht mehr nach dem
            Gewebe benannt, in dem sie auftreten, sondern genetisch klassifiziert.
            Damit können auch diese Mutationen zu einem Biomarker werden, der
            die individuell richtige Therapie eines Patienten bestimmt.

            Gewebeanalyse objektivieren
            Schon heute gehört die molekularbiologische Analyse von Gewebe-
            schnitten zum Standard bei der Diagnose von Krebs. Die Beurteilung
            obliegt dabei jedoch dem Auge des Pathologen. Deshalb sucht
            Roche nach Möglichkeiten, die Verarbeitung und Auswertung von
            Gewebeproben zu automatisieren und zu standardisieren. Das Penz-
            berger Histopathologielabor forscht nach aussagekräftigen Biomar-
            kern im Gewebe. Das objektive „Auge“ der Maschine soll in Zukunft
            nicht nur zuverlässiger, sondern auch genauer hinsehen. So wird
            etwa exakt bestimmt werden können, in welchem Krankheitsstadium
            sich ein Patient befindet und welche Therapie für ihn passend ist.

                                                                                          Roche in Penzberg   15
Personalisierte Medizin
                 Erfolgsbeispiele von Roche

                                             Krebs den Schrecken nehmen
                                             Krebs ist weltweit eine der häufigsten Todesursachen. Jährlich er-
                                             kranken mehr als 12,4 Millionen Menschen neu. Etwa 7,6 Millionen
                                             Patienten sterben. Für Roche ist die Onkologie daher mit das wich-
                                             tigste Forschungsgebiet. Zwar werden viele Tumorerkrankungen
                                             auch in naher Zukunft nicht zu heilen sein, doch es gibt Lichtblicke.
                                             Denn heute leben bereits 28 Millionen Patienten mit Krebs. Wissen-
                                             schaftler haben sich das Ziel gesetzt, Therapien zu entwickeln, die
                                             das Leben von Krebspatienten bei guter Lebensqualität verlängern
                                             – also aus Krebs eine chronische Erkrankung machen. So gibt es
                                             heute zahlreiche Medikamente, welche die gängige Chemotherapie
                                             ergänzen und die therapeutische Wirkung verbessern.

     Gewebeschnitt eines HER2-               Wirksame Kombination gegen Brustkrebs
     ­positiven Brustkrebstumors             Mitte 2012 hat die US-Gesundheitsbehörde ein Kombipräparat aus
                                             dem bewährten Antikörper Trastuzumab und dem neuen Antikörper
                                             Pertuzumab zugelassen. Für Europa ist die Zulassung beantragt.
                                             Die beiden biotechnologischen Wirkstoffe greifen den Krebs-
                                             wachstumsfaktor HER2 aus zwei Richtungen an. HER2 kommt auf
                                             rund 25 % aller Brustkrebstumore vor. Die betroffenen Patientinnen
                                             haben generell keine günstige Prognose. Die Kombination beider
                                             Antikörper könnte ihnen einen Überlebensvorteil bringen. Vor zehn
                                             Jahren war die Lebenserwartung nach der Diagnose von Brustkrebs
                                             lediglich 22 Monate, heute sind es rund 58 Monate.[5] Das ist haupt-
                                             sächlich ein Verdienst der modernen Therapiemethoden.

                                             [5] Quelle: Zielinski, Ch; Universität Wien; März 2010; http://www.onkologie-wien.at/forschung-und-lehre/positionspapier/

                                   Wussten Sie, dass ...
                                   ... Roche mehr als 160
                                   ­Kooperationen mit Biotech-
                                   Unternehmen unterhält?

16      Roche in Penzberg
Gehirnschnitt eines Gesunden
                                                            und eines Alzheimer-Patienten –
                                                            Ablagerungen des sogenannten
                                                            Amyloid-beta-Proteins gelten
                                                            als mögliche Ursache für die
                                                            ­verhängnisvolle Zerstörung des
                                                             Hirns von Alzheimer-Kranken.
                                                             Diese ­schädlichen Plaques
                                                             noch vor dem Auftreten erster
                                                             ­Symptome zu bekämpfen ist ein
                                                              ­vielversprechendes Konzept, das
                                                               Roche verfolgt.

Die Ursache von Alzheimer bekämpfen
Die Alzheimersche Erkrankung ist heimtückisch. Lange bevor sich die
ersten Symptome bemerkbar machen, beginnt der zerstörerische Pro-
zess im Hirn des Patienten. Sämtliche Medikamente, die heute auf dem
Markt sind, können die Krankheit nicht aufhalten. Um das zu ändern,
muss früh gehandelt werden. Doch die Diagnose ist schwierig. Roche
entwickelt einen Biomarker-Test, der früh molekulare Veränderungen
erkennt. Derzeit wird ein dazu passender therapeutischer Antikörper
in der Klinik an rund 800 Patienten getestet. Das Medikament wurde
in Zusammenarbeit mit der MorphoSys AG in Martinsried entwickelt.
Es richtet sich gegen die schädlichen Proteinablagerungen im Hirn der
Patienten. Sie gelten als eine mögliche Ursache der Krankheit.

Unterstützung für den Chirurgen
Roche-Wissenschaftler denken in neuen Bahnen. Ein buchstäblich
leuchtendes Beispiel der Forschung in Penzberg ist die Kombination
eines Antikörpers mit einem angedockten Farbmolekül für den Einsatz
im Operationssaal. Der neue Ansatz nutzt die Fähigkeit von Antikör-
pern, spezifisch an Tumorgewebe zu binden. Bisher ist der Chirurg
bei der operativen Entfernung des Tumors auf sein Auge und seine
Erfahrung angewiesen. Er steht in dem Konflikt, einerseits gesundes
Gewebe zu schonen, andererseits aber den Tumor auch komplett zu
entfernen, um Rückfälle zu vermeiden. Das optische Signal, welches
das neue Antikörperwerkzeug aussendet, könnte zukünftig dem Arzt
bei der Entscheidung helfen, wie weit er schneiden muss.

                                                                          Roche in Penzberg      17
Ideen umsetzen.
           Medizinischen Fortschritt gestalten.

18   Biotechnologische Therapien
Biotechnologische Therapien   19
Produktion in Penzberg
                 Ideen in Therapien übersetzt

        Medikamente und Diagnostika aus Penzberg                      Höchste Ansprüche an die Produktqualität
        Penzberg ist nicht nur ein wichtiger Forschungs- und          Medikamente nach der Good Manufacturing Practice (GMP)
        Entwicklungsstandort von Roche, sondern besitzt auch          herzustellen, erfordert Spezialisten. Daher arbeiten Fachleute
        die größten Produktionskapazitäten für biotechnologische      wie Biotechnologen, Biochemiker oder auch Bioinformatiker
        Produkte aller europäischen Werke. Wichtige Wirkstoffe wie    und Automatisierungstechniker in den Produktionsanlagen.
        Erythropoietin, Interferon sowie der Antikörper Trastuzumab   Hier stehen Fermenter mit einem Volumen bis zu 10.000 m3,
        werden hier in einem Marktwert von rund 6 Mrd. Euro her-      in denen genetisch modifizierte Zellen den Antikörper, das
        gestellt. Das sind etwa 20 Prozent des gesamten Pharma-       Hormon oder Enzym herstellen. Nach der Fermentation
        umsatzes der Roche-Gruppe. Auch Enzyme und Reagenzien         werden die Zellen abgetrennt und das Rohprodukt entnom-
        für die Grundlagenforschung und die Industrie sowie dia-      men. In anschließenden mehrstufigen Reinigungsschritten,
        gnostische Tests für Ärzte und klinische Labore werden in     die sehr aufwendig und teuer sind, werden praktisch alle
        Penzberg produziert. In fast jedem diagnostischen Produkt     vorhandenen Nebenbestandteile abgetrennt. So lässt sich die
        von Roche findet sich Penzberger Know-how wieder.             von den Behörden geforderte höchste Reinheit erreichen.

Wussten Sie, dass ...
... Penzberg der einzige Roche-
Campus ist, auf dem Forschung,
Entwicklung und Produktion
von Diagnostics und Pharma
angesiedelt sind?

                               Weltweit werden die in Penzberg
                               erzeugten biotechnologischen
                               Vorprodukte eingesetzt. Davon
                               profitieren Patienten in aller
                               Welt, denen somit moderne
                               Medikamente und Diagnostika zur
                               Verfügung stehen.

20      Roche in Penzberg
Penzberg ist das Zentrum eines weltweiten Netzwerks zur Personalisierten
Medizin. Im Mittelpunkt steht der Einsatz von Antikörpern in Diagnostik
und Therapie.

Der Prozess ist das Produkt
Bis jedoch Zellen in der biotechnologischen Produktion eingesetzt
werden können, haben sie bereits einen jahrelangen Entwicklungs-
und Optimierungsprozess durchlaufen. Einfach das Gen für ein
Produkt einzusetzen, reicht nicht. Zahlreiche Schritte sind nötig,
um eine stabil hohe Proteinmenge in der gewünschten Qualität
zu erhalten. Auch die Fermentationsbedingungen müssen penibel
eingehalten werden. Selbst kleinste Abweichungen in der Tempera-
tur oder im Kulturmedium können zu Ausfällen kompletter Chargen        „Klassenerster”, das ist eine
führen. Das unterscheidet Biologika von Arzneimitteln aus kleinen      seltene Auszeichnung – auch
Molekülen, die chemisch hergestellt werden.                            in der Pharmaindustrie. Mit den
                                                                       sogenannten CrossMabs wurde in
Der erste Test am Menschen                                             Penzberg gerade eine völlig neue
Bevor ein Medikament zugelassen werden kann, muss es unter kon-        Medikamentenklasse entwickelt.
trollierten Bedingungen am Menschen getestet werden. Seit kurzem       Anders als herkömmliche
werden auch in Penzberg klinische Studien der Phasen I und II          Antikörper erkennen die neuen
geplant und von hier aus geleitet. Im Jahr 2011 gelang es, drei neue   Proteine gleich zwei Zielstrukturen
Krebsantikörper in die ersten Tests am Menschen zu bringen. Dieses     auf einmal. Das eröffnet die
Tempo soll in den kommenden Jahren aufrechterhalten werden.            Möglichkeit zu völlig neuen
Penzberg ist damit ein integrierter Standort von der Grundlagen- bis   Therapien.
zur klinischen Forschung. Das Zusammenspiel von Diagnostik und
Wirkstoffentwicklung zeigt sich vorteilhaft im Sinne der Personali-
sierten Medizin – die richtige Therapie für den richtigen Patienten
zur richtigen Zeit.

                                                                                        Roche in Penzberg    21
Die Medizin von morgen
                            Die Zukunft hat schon begonnen

     Realität und Vision zugleich                                Gene bestimmen die Therapie
     Für Roche ist die Personalisierte Medizin beides: gelebte   In Zukunft werden Diagnosen auf Basis exakter Biomar-
     Realität und Vision in einem. Bereits heute werden          ker-Analysen gestellt, also auch auf Basis des persön-
     Patientengruppen mit Medikamenten behandelt, die auf        lichen Genoms. Schon heute gibt es dafür Beispiele.[6] Die
     sie zugeschnitten sind. Patienten mit Brust-, Lungen-,      Kombination aus effizienten Therapeutika und präzisen
     Magen- oder Hautkrebs profitieren genauso davon wie         diagnostischen Tests werden das heutige System ablösen,
     Menschen, die mit Hepatitis C oder HIV infiziert sind.      das noch oft auf Versuch und Irrtum beruht. Medikamente
     Doch es gibt noch viel zu tun, nicht nur in der Onkolo-     werden zielgerichteter entwickelt und auch verabreicht.
     gie. Für viele Krankheiten wie zum Beispiel Alzheimer       Mit der Personalisierten Medizin wird ein neues Zeitalter
     oder Asthma existieren noch immer große therapeu-           therapeutischer Effizienz eingeleitet. Davon profitieren
     tische Lücken. Die Wissenschaftler von Roche arbeiten       zuallererst die Patienten – aber auch das gesamte Ge-
     jeden Tag daran, diesen Krankheiten auf die Spur zu         sundheitssystem. Denn die größten Kosten verursachen
     kommen.                                                     Medikamente, die dem Patienten nicht oder wenig helfen.

                                                                 [6] HER2, BRAF, EGFR, K-RAS, HLE etc.

22   Roche in Penzberg
Roche sieht es als ­wichtigste
Aufgabe an, ­innovative
Produkte für ungelöste
­medizinische Probleme zu
 ­entwickeln. Die G ­ esundheit
  zu verbessern sowie eine
  höhere Qualität und die
  ­Verlängerung des Lebens von
   Patienten zu ­erreichen sind
   die Leitmotive der gesamten
   ­Konzernaktivitäten.

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Herausgeber:
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Kommunikation
Nonnenwald 2
82377 Penzberg

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