Deutschland und Afrika: Konzept der Bundesregierung

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Deutschland und Afrika: Konzept der Bundesregierung
Deutschland und Afrika:
Konzept der Bundesregierung
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    Bilder auf der Titelseite:

    Links oben: Brandenburger Tor in Berlin, Deutschland
    Rechts oben: Solarpanel für ein Gesundheitszentrum, Mali

    Bildmitte: Laborant bei der Überprüfung der Wasserqualität, Tansania

    Links unten: Kinder mit deutscher Fahne in Nouakchott, Mauretanien
    Rechts unten: Hillbrow Tower in Johannesburg, Südafrika

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Deutschland und Afrika: Konzept der Bundesregierung
I N H A LT

Afrika und Deutschland: Die Schwerpunkte der Bundesregierung in Kürze        5

I.   Afrika und Deutschland – eine gleichberechtigte Partnerschaft           6

II. Universelle Werte und deutsche Interessen                               11

III. Instrumente zur Umsetzung deutscher Afrikapolitik                      17
1. Frieden und Sicherheit: Afrikanische Eigenverantwortung stärken          17
2. Gute Regierungsführung, Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und
     Menschenrechte: Offene Gesellschaften fördern                          24
3. Wirtschaft: Chancen gemeinsam nutzen                                     29
4. Umwelt und Klima: Kooperationen bilateral, regional und global stärken   37
5. Energie und Rohstoffe: Versorgung sichern, Ressourcen nachhaltig         41
     gewinnen und nutzen
6. Nachhaltige und wissensbasierte Entwicklung: Neue Ansätze unterstützen   45

IV. Einbettung der deutschen Afrikapolitik                                  57
1. Afrikapolitik auf europäischer und internationaler Ebene                 57
2. Mit Afrika in multilateralen Foren                                       58

V. Deutsche Afrikapolitik – mit einer Stimme sprechen                       59
VI. Ausblick: Deutschland als Partner Afrikas                               61
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    K A R T E D E R R EG I O N

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                                                    KO N Z E P T D E R B U N D E S R EG I E R U N G

Afrika und Deutschland: Die Schwerpunkte tigt, dass die Menschen in Afrika in erster Linie
der Bundesregierung in Kürze             selbst für ihren Kontinent verantwortlich sind.

Afrika: Ein Kontinent, geprägt durch enormen          Die Kooperation Deutschlands mit Afrika um-
politischen, wirtschaftlichen und sozialen Wan-       fasst heute weit mehr als Krisenbewältigung
del, aber auch durch Widersprüche. Einerseits         und Entwicklungszusammenarbeit. Sie setzt auf
fordern Bürgerinnen und Bürger den Schutz             die Chancen und Potenziale des Kontinents und
der Menschenrechte und die Verwirklichung             seiner Menschen. Hierzu konzentriert sie sich
von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.               auf sechs Schlüsselbereiche unserer Werte und
Hohe, in einigen Staaten zweistellige Wirt-           Interessen:
schaftswachstumsraten und eine erstarkende
Zivilgesellschaft sind Zeichen des Aufschwungs.        • Frieden und Sicherheit
Regionale Integration, unter anderem in der            • gute Regierungsführung, Rechtsstaatlich-
Afrikanischen Union, bringt Afrika dem Ziel              keit, Demokratie und Menschenrechte
näher, Krisen auf dem Kontinent selbst zu lösen.       • Wirtschaft
Länder wie China, Indien oder Brasilien haben          • Klima und Umwelt
Afrika als politischen und wirtschaftlichen Part-      • Energie und Rohstoffe
ner entdeckt. Andererseits ist das Bild Afrikas        • Entwicklung, Bildung und Forschung
aber weiterhin auch geprägt durch Armut und
Konflikte, wie im Sudan, in der Elfenbeinküste,       Für den Erfolg der deutschen Afrikapolitik ist ein
in Somalia, im Kongo, in Simbabwe oder in der         abgestimmtes und koordiniertes Handeln der
Sahel-Region.                                         Bundesregierung und der mit ihr koope-
                                                      rierenden nationalen und internationalen
Die deutsche Afrikapolitik beruht auf einer           Organisationen unerlässlich. Dieses stellt sicher,
realistischen Einschätzung des Kontinents.            dass deutsche Afrikapolitik in sich schlüssig ist,
Sie gründet auf universellen Werten und ist           sich realistische Ziele setzt und unseren Werten
zugleich von Interessen geleitet. Sie berücksich-     und Interessen dient.

                                                                      A F R I K A KO N Z E P T D E R B U N D E S R EG I E R U N G   5
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    Das vorliegende Konzept behandelt im Wesent-      Kontext noch nicht abschließend bewerten.
    lichen gesamtafrikanische Aspekte. Die Um-        Mit dem Afrika-Konzept schlägt Deutschland ein
    brüche in Nordafrika und die sich hieraus erge-   neues Kapitel enger Partnerschaft mit Afrika in
    benden Konsequenzen lassen sich in diesem         Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft auf.

    I. Afrika und Deutschland – eine gleich-          Ländern Afrikas bereits von einer wachsenden
    berechtigte Partnerschaft                         Mittelschicht getragen – bei allen nach wie
                                                      vor bestehenden sozialen Ungleichheiten.
    Afrika wandelt sich rasant – politisch, wirt-
    schaftlich und gesellschaftlich. Die Mehrheit     Wie unter einem Brennglas zeigen sich auf
    der über eine Milliarde Afrikaner fordert         dem afrikanischen Kontinent die globalen
    Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und die           Entwicklungen: Die Bedeutung der alten
    Einhaltung der Menschenrechte. Dies gilt          europäischen Industrieländer nimmt ab,
    aktuell nicht nur in den Ländern Nordafrikas,     während der Einfluss anderer Länder rapide
    sondern auf dem gesamten afrikanischen            zunimmt. Staaten wie China, Indien oder
    Kontinent. In einer zunehmenden Zahl von          Brasilien haben ihr politisches und wirtschaft-
    afrikanischen Staaten übernehmen verant-          liches Engagement in Afrika massiv verstärkt.
    wortungsbewusste Regierungen die Führung          Afrika ist zudem mittlerweile selbst ein Akteur
    und werden von einer aktiven Zivilgesell-         auf globaler Bühne und bestimmt mit seinen
    schaft kontrolliert.                              54 Staaten (einschließlich des neuen Staates
                                                      Südsudan) die Zukunft globalen Regierens
    Die Einbindung des Kontinents in die globale      mit.
    Wirtschaft schreitet voran. Im Durchschnitt
    ist Afrikas Wirtschaft seit der Jahrtausend-      Afrika spricht zunehmend mit einer Stimme.
    wende um knapp sechs Prozent pro Jahr und         Die 2002 gegründete Afrikanische Union (AU)
    damit stärker als im Weltdurchschnitt ge-         und Initiativen wie der Gegenseitige Afrika-
    wachsen. Diese Entwicklung wird in einigen        nische Bewertungsmechanismus („African

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Peer Review Mechanism“) sind Meilensteine      Deutsche und europäische Kooperation mit
dieser Entwicklung. Regionalorganisationen     Afrika ist weit mehr als Entwicklungszusam-
wie die Wirtschaftsgemeinschaft Westafri-      menarbeit. Die Europäische Union und die
kanischer Staaten (Economic Community Of       Staaten Afrikas haben ihre Beziehungen 2007
West African States – ECOWAS), die Entwick-    beim EU-Afrika-Gipfel in Lissabon mit der Ge-
lungsgemeinschaft des Südlichen Afrika         meinsamen Afrika-EU-Strategie auf eine neue
(Southern African Development Community –      Grundlage gestellt. Die Werte, Interessen und
SADC) oder die Ostafrikanische Gemeinschaft    Ziele der Gemeinsamen Afrika-EU-Strategie
(East African Community – EAC) treiben die     bilden den Rahmen auch für die deutsche
regionale Integration voran und übernehmen     Politik.
Verantwortung in der Afrikanischen Friedens-
und Sicherheitsarchitektur.                 Deutschland und Afrika verbindet eine lange
                                            gemeinsame Geschichte. Sie reicht von der
Diesem positiven Bild des Wandels, der      Kolonialzeit Deutschlands mit Namibia,
Chancen und des Aufbruchs stehen jedoch     Tansania, Ruanda, Burundi, Kamerun und
noch immer massive Herausforderungen        Togo bis zur Unterstützung, die Deutschland
gegenüber: Armut und Hunger, Korruption,    den Ländern Afrikas seit ihrer Unabhängig-
Krankheiten wie HIV/Aids oder Malaria,      keit hat zukommen lassen. Heute unterhält
innerstaatliche Konflikte, ethnische Span-  Deutschland mit allen Staaten Afrikas diplo-
nungen und fragile Staatlichkeit bis hin    matische Beziehungen, mit Botschaften in fast
zur Gefahr von zerfallenden Staaten sind    allen Hauptstädten des Kontinents. Deutsch-
auf keinem Kontinent so verbreitet wie in   land ist auch einer der größten Handelspart-
Afrika. Menschenrechtsverletzungen und      ner des Kontinents, genießt hohes Ansehen
mangelnde Rechtsstaatlichkeit prägen noch   und ist insgesamt ein attraktiver Partner für
immer Teile des Kontinents.                 Afrika: Deutsche Produkte stehen für Quali-
                                            tät, die Zusammenarbeit mit Deutschland
Landflucht, rasante Urbanisierung und hohe  für Verlässlichkeit. Deutsche Erfahrungen
Geburtenraten kommen hinzu. Die Umbrüche mit Föderalismus, politischen Koalitio-
in Nordafrika bergen große Chancen für eine nen, Nachbarschaftspolitik und Konflikt-
demokratische Entwicklung. Aber noch sind   prävention während des Kalten Krieges
die Prozesse fragil.                        sowie aus dem Umgang mit der deutschen

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    D E U T S C H E R E P R Ä S E N TA N Z E N

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Wiedervereinigung werden als hilfreich           rung in Afrika. Die Bundesregierung will
geschätzt. Auch Europa und Deutschland           damit eine Partnerschaft auf Augenhöhe
ziehen Nutzen aus Fortschritten in Afrika. So    verwirklichen, die gemeinsame Antworten
war das Protokoll für die Rechte von Frauen      Deutschlands und Afrikas auf globale, regio-
in Afrika von 2003 („Maputo-Protokoll“) eine     nale und nationale Herausforderungen findet.
wichtige Grundlage für die Erarbeitung des       Querschnittlich wird dabei berücksichtigt,
Übereinkommens des Europarates zur Verhü-        Männer und Frauen gleichberechtigt am
tung und Bekämpfung von Gewalt an Frauen         Entwicklungsprozess zu beteiligen und lang-
und häuslicher Gewalt.                           fristig eine Verbesserung der Stellung von
                                                 Frauen und ihre Gleichstellung zu erreichen.
Der politische, wirtschaftliche und
gesellschaftliche Wandel Afrikas sowie           Das Afrika-Konzept definiert in seinem
die fortbestehenden Herausforderungen            ersten Teil die Werte und Interessen, die
verlangen auch von der deutschen Politik         unsere Politik leiten, und nennt die Ziele
neue Antworten. Für eine wirkungsvol-            deutscher Afrikapolitik. Der zweite Teil
le Afrikapolitik muss die Bundesregie-           beschreibt die Instrumente, mit denen die
rung mit einer Stimme sprechen. Aus              Bundesregierung ihre Ziele in den genann-
diesem Grund legt die Bundesregierung            ten Bereichen verfolgt. Es schließt sich die
– wie im Koalitionsvertrag festgelegt – ein      Darstellung der internationalen Einbettung
Afrika-Konzept vor. Es trägt den Potenzia-       deutscher Afrikapolitik an, gefolgt von den
len ebenso wie den Herausforderungen             Grundlagen der Abstimmung der an der
auf unserem Nachbarkontinent Rechnung            Afrikapolitik beteiligten Bundesministerien
und präsentiert Schritte zur verstärkten         und anderen Akteure und Akteurinnen.
Abstimmung der deutschen Afrikapolitik. Es
bildet deren Rahmen und dient als Grundlage
für spezifischere Länder- und thematische
 Strategien, die der großen Vielfältigkeit des
afrikanischen Kontinents gerecht werden.

Das Afrika-Konzept benennt Eckpunkte des
gemeinsamen Handelns der Bundesregie-

                                                             A F R I K A KO N Z E P T D E R B U N D E S R EG I E R U N G   9
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     Dorfbevölkerung der Region Fada N’Gourma,
     Burkina Faso

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II. Universelle Werte und deutsche                 afrikanischen Regierungen ein, die andere
Interessen                                         Werte als wir vertreten. Deutsche Menschen-
                                                   rechtspolitik in Afrika kämpft gegen die
Die universellen Menschenrechte gelten             Straflosigkeit schwerer Menschenrechtsver-
weltweit und sind für Deutschland und die          letzungen wie Völkermord oder Verbrechen
afrikanischen Staaten rechtlich bindende           gegen die Menschlichkeit. Deutschland setzt
Verpflichtungen. Die Afrikanische Charta der       sich für die Einhaltung und Stärkung interna-
Menschenrechte und der Rechte der Völker           tionaler Flüchtlingsstandards ein.
(„Banjul-Charta“), die Charta der Afrikani-
schen Union und weitere Dokumente wie die          Die strukturelle Benachteiligung von Frauen,
Afrikanische Charta zu Demokratie, Wahlen          die sich nicht zuletzt in geschlechtsspezi-
und Regierungsführung sowie die Charta der         fischer Gewalt manifestiert (wie die immer
Vereinten Nationen benennen diese Werte            noch weitverbreitete weibliche Genitalver-
explizit. An ihnen lässt sich Afrika messen.       stümmelung), oder systematische sexuelle
                                                   Gewalt in Konflikten sind weitere Formen von
Die deutsche Politik dient der Verwirklichung      Menschenrechtsverletzungen. Deutschland
der Menschenrechte als „Grundlage jeder            bekämpft diese gemeinsam mit afrikanischen
menschlichen Gemeinschaft, des Friedens            Partnern. Durch zahlreiche Projekte unter-
und der Gerechtigkeit in der Welt“ (Artikel 1      stützt die Bundesregierung die Belange von
Grundgesetz). Unsere Partner in Afrika sind        Frauen in Afrika als Akteurinnen des Wandels.
dabei an erster Stelle jene Länder, die diese
Werte teilen. Eine freie und aktive Zivilgesell-   Die Bundesregierung setzt sich weltweit für
schaft (also Kirchen, Medien, Gewerkschaften,      die Abschaffung der Todesstrafe ein. In 32
Verbände und Nichtregierungsorganisa-              Ländern Afrikas gilt noch immer die Todes-
tionen) ist unabdingbar für die Verteidigung       strafe, auch wenn sie vielerorts nicht mehr
der Menschenrechte. Für Deutschland sind           vollstreckt wird. Togo und Burundi haben
daher auch afrikanische und deutsche               2009 die Todesstrafe abgeschafft; diese
Zivilgesellschaften herausgehobene Partner,        Beispiele zeigen, dass gerade in Afrika die
die wir verstärkt einbinden. Darüber hinaus        Förderung einer innerstaatlichen Debatte
tritt die Bundesregierung für die Wahrung          über die Abschaffung der Todesstrafe zu Er-
der Menschenrechte im Dialog mit jenen             gebnissen führt. In vielen, auch afrikanischen
i Inhalt
     Gesellschaften werden Menschen aufgrund          wortung für den Frieden auf ihrem Kontinent
     ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert.      übernommen. Deutschland unterstützt
     Homosexualität wird in zahlreichen afrikani-     sie dabei, auch im Rahmen der Vereinten
     schen Staaten auch strafrechtlich verfolgt.      Nationen. Ein besonderer Schwerpunkt ist
                                                      die Konfliktprävention. Dort, wo afrikani-
     Die Bundesregierung fördert die Akzeptanz        sche Kapazitäten fehlen, oder bei schwer-
     sexueller Minderheiten und die Straffreiheit     wiegenden Krisen ist die Bundesregierung
     von Homosexualität vor allem durch Aufklä-       grundsätzlich bereit, sich im Rahmen des
     rungsarbeit von Nichtregierungsorganisatio-      Völkerrechts auch unmittelbar zu engagie-
     nen und den Dialog mit Verantwortlichen.         ren. An erster Stelle steht jedoch die Stär-
                                                      kung afrikanischer Eigenverantwortung.
     Über den international eingeforderten Schutz
     der Menschenrechte und die Verwirklichung
     gesellschaftlicher Grundwerte wie Freiheit
     und Gerechtigkeit hinaus lassen sich eine Rei-
     he deutscher Interessen an der Partnerschaft
     mit Afrika benennen. Dabei stehen Ziele in
     sechs gleichrangigen Bereichen deutscher
     Afrikapolitik im Vordergrund:

     1. Frieden und Sicherheit
     Unsere obersten Interessen sind Frieden und
     Sicherheit in unserer Nachbarschaft. Bürger-
     kriege und der Zerfall staatlicher Ordnung,
     Terrorismus, Umweltzerstörung, Piraterie,
     organisierte Kriminalität, transnationa-
     ler Drogenhandel sowie Migrations- und
     Flüchtlingsbewegungen haben unmittelbare
     Auswirkungen auch auf Deutschland. Die
     Staaten Afrikas haben mit der Afrikanischen
     Friedens- und Sicherheitsarchitektur Verant-     Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Nelson Mandela

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i Inhalt
2. Gute Regierungsführung, Rechtsstaat-        hemmnisse sowie handelsverzerrender
lichkeit, Demokratie und Menschenrechte        Maßnahmen ist bedeutsam, um das Entwick-
Es liegt im Interesse deutscher Afrikapolitik, lungspotenzial Afrikas zu verwirklichen. Die
guter Regierungsführung, Rechtsstaatlich-      Bundesregierung unterstützt deshalb Afrikas
keit, Demokratie und Menschenrechten           Bemühungen um regionale wirtschaftliche
weltweit Geltung zu verschaffen. Ein demo-     Integration und die WTO-Verhandlungen im
kratisch verfasstes, rechtsstaatliches Gemein- Rahmen der Doha-Runde, insbesondere zur
wesen bildet langfristig die beste Garantie    Liberalisierung des Welthandels. Die derzeit
für Stabilität und nachhaltige Entwicklung.    von der EU und vielen afrikanischen Staaten
Rechtsstaatlichkeit schafft außerdem die       geführten Verhandlungen über regionale
zum Schutz deutscher Investitionen nötigen     Wirtschaftspartnerschaftsabkommen zielen
Rahmenbedingungen. Die Verwirklichung          auf die verstärkte Einbindung Afrikas in die
aller Menschenrechte ist ein zentrales Anlie-  Weltwirtschaft und die Entwicklung des
gen Deutschlands, denn nur auf dieser Grund- Kontinents ab. Deutschland unterstützt die
lage können sichere und offene Gesellschaf-    weitere Öffnung der europäischen Märkte
ten in Afrika gefördert werden.                für afrikanische Produkte. Ziel der deutschen
                                               Afrikapolitik ist eine Partnerschaft, die sich
3. Wirtschaft                                  sowohl an den Stärken der deutschen Wirt-
Deutschland hat als eine der führenden         schaft als auch an der wachsenden Bedeutung
Handelsnationen ein natürliches Interesse      der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit
an freiem Welthandel, einer diversifizierten   Afrika sowie den Chancen und Besonderhei-
afrikanischen Wirtschaft, zunehmender          ten afrikanischer Märkte orientiert.
Integration der afrikanischen Märkte unter-
einander und in die Weltwirtschaft sowie       4. Umwelt und Klima
an steigendem Wohlstand in Afrika.             Afrika ist mit vielen drängenden Umweltpro-
Gleichzeitig sind Auslandsinvestitionen        blemen konfrontiert. Die Herausforderungen
im Interesse afrikanischer Länder, denn sie    bei der Wüstenbekämpfung, bei Wasser-,
schaffen Arbeitsplätze, sorgen für Bildung     Abfall- und Chemikalienmanagement, bei
und Ausbildung und können zu nachhalti-        nachhaltiger Energieversorgung und dem
gem Wirtschaftswachstum beitragen. Der         Schutz der biologischen Vielfalt sind in den
Abbau tarifärer und nicht tarifärer Handels-   letzten Jahren gestiegen. Der Klimawandel
i Inhalt

           Frau mit Baumsetzlingen im Norden
           von Uganda

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i Inhalt
bedroht die Ernährungssicherung, steigert       sind veraltet, ineffizient und schädigen
Gesundheitsrisiken und gefährdet Entwick-       die Umwelt. Umfassende Kooperationen
lungserfolge Afrikas. Sinkende Erträge in der   und Rohstoffpartnerschaften, wie in der
Landwirtschaft wegen Wassermangel oder          Rohstoffstrategie der Bundesregierung
Bodenerosion können zu Nahrungsmittel-          beschlossen, können die Versorgung
krisen, Migration und Konflikten um knappe      Deutschlands mit Energie und Rohstoffen
Ressourcen führen mit Auswirkungen auch         sichern, die staatlichen Einnahmen der
auf Deutschland und Europa. Afrikas Wälder      Lieferantenländer erhöhen und die Moder-
leisten wichtige Beiträge zur Armutsbekämp-     nisierung von Infrastruktur und Wirtschaft
fung, zur Ernährungssicherung und zur Roh-      in Afrika unterstützen. Mit der Entwicklung
stoffgewinnung. Sie stabilisieren zu einem      afrikanischer Energiesysteme hin zu höherer
bedeutenden Teil das globale, also auch unser   Effizienz und mit stärkerem Einsatz erneu-
Klima. Der Erhalt von Afrikas einzigartiger     erbarer Energien fördert die Bundesregierung
biologischer Vielfalt und die nachhaltige       zudem deutsche Exporte und Investitionen.
Bewirtschaftung der Wälder sind aus ökolo-
gischen, ökonomischen, sozialen, kulturellen    6. Nachhaltige und wissensbasierte
und ethischen Gründen auch im deutschen         Entwicklung
Interesse.                                      Die Unterstützung der Entwicklung unserer
                                                afrikanischen Partner bleibt ein wichtiger Teil
5. Energie und Rohstoffe                        der deutschen Afrikapolitik. Die Entwicklung
Die deutsche Wirtschaft ist auf Roh-            Afrikas liegt im Eigeninteresse Deutschlands,
stoffimporte angewiesen. Afrika ist ein         denn sie stärkt Sicherheit und Wachstum und
bedeutender Produzent wichtiger fossiler        schafft die Voraussetzungen für eine engere
Energieträger wie Erdöl und Erdgas und          Zusammenarbeit. Nachhaltige Entwicklung
besitzt großes Potenzial für die Nutzung        ist der Schlüssel für die Verwirklichung der
von Sonnen-, Wind- und Wasserkraft. Der         Menschenrechte, von Frieden, Stabilität und
Kontinent verfügt über große Vorkommen          Gerechtigkeit sowie einer Gesellschaft, die
von Rohstoffen wie Coltan, Wolfram oder         ihren Bürgerinnen und Bürgern politische,
Platin, die für die Hochtechnologieindustrie    wirtschaftliche und kulturelle Teilhabe
benötigt werden. Zugleich herrscht in weiten    gewährt. Entwicklung reduziert so Ursachen
Teilen Afrikas Energiemangel – Kraftwerke       irregulärer Migration.

                                                            A F R I K A KO N Z E P T D E R B U N D E S R EG I E R U N G   15
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     Entwicklung, so eine wesentliche Erkenntnis      tausch. Langfristig soll die Entwicklungs-
     der Entwicklungspolitik der vergangenen          zusammenarbeit in eine wirtschaftliche
     Jahrzehnte, muss aber auch aus den Gesell-       Zusammenarbeit überführt werden.
     schaften selbst kommen. Entwicklungszu-          Die Bundesregierung verfolgt das Ziel,
     sammenarbeit muss sich an den Politiken          die Menschenrechte zu schützen, Armut
     und Systemen der Partner orientieren.            und Hunger reduzieren zu helfen und ein
                                                      breitenwirksames, sozial und ökologisch
     Die Afrikapolitik der Bundesregierung            nachhaltiges Wirtschaftswachstum als
     stellt Selbsthilfefähigkeit, das Potenzial       Motor nachhaltiger Entwicklungsprozesse
     des Einzelnen und die besondere Rolle von        zu fördern. Dabei sind wirkungsvolle Ergeb-
     Frauen sowie die Eigenverantwortung und          nisse der Entwicklungspolitik und effizienter
     Entwicklungsorientierung der Partner in den      Einsatz der Mittel zentrale Maßstäbe. Stärke-
     Mittelpunkt. Entwicklungszusammenarbeit          rer bilateraler Handel und Investitionsmög-
     wird in wachsendem Maße ergänzt durch            lichkeiten für deutsche Unternehmen tragen
     andere Kooperationsformen, zum Beispiel          auch dazu bei, die Entwicklungszusammen-
     in Bildung, Forschung und im Kulturaus-          arbeit langfristig überflüssig zu machen.

             2000     2001    2002    2003     2004       2005    2006     2007    2008    2009

16
i Inhalt
III. Instrumente zur Umsetzung                 Staatlichkeit sozialen, wirtschaftlichen und
deutscher Afrikapolitik                        politischen Fortschritt. Die Konflikte sind vor
                                               allem, aber nicht nur, innerstaatlicher Natur.
Auf der Grundlage unserer Werte und
Interessen sind die Ziele der deutschen        Die Verletzung von Menschenrechten ist
Afrikapolitik auf die Gegebenheiten der        eine wesentliche Ursache von Konflikten.
afrikanischen Staaten und Gesellschaften       Am Horn von Afrika und in Zentralafrika
ausgerichtet. Afrika und Deutschland wollen    ist die Sicherheit massiv gefährdet und
als Partner auf Augenhöhe mit gemeinsamen      Staatlichkeit schwach ausgeprägt. Transnati-
Interessen und jenseits überholter Geber-      onaler Terrorismus wird im Norden des
Nehmer Strukturen zusammenarbeiten. Die        Kontinents, in der Sahel-Region und am Horn
Hauptelemente zur Verwirklichung der           von Afrika zu einem wachsenden Problem.
Ziele in den genannten sechs Bereichen sind    Ähnliches gilt für die Piraterie im Indischen
die Stärkung der afrikanischen Eigenver-       Ozean, aber auch im Golf von Guinea sowie
antwortung für Frieden und Sicherheit; die     für Drogentransit. Konflikte wie im Sudan, in
Förderung offener Gesellschaften; die ge-      der Elfenbeinküste, in der Demokratischen
meinsame Nutzung wirtschaftlicher Chancen;     Republik Kongo (vor allem Ostkongo) oder in
die Stärkung der Kooperation mit Blick auf     Somalia destabilisieren oftmals ihr regionales
den Umwelt- und Klimaschutz; die Sicherung,    Umfeld. Aus innerafrikanischen Konflikten
nachhaltige Gewinnung und Nutzung von          gehen zum Teil massive Flüchtlingsbewe-
Energieressourcen und Rohstoffen sowie         gungen hervor.
die Unterstützung neuer Ansätze für eine
nachhaltige und wissensbasierte Entwicklung.   Zunehmend gewinnen in Afrika eigene
                                               Mechanismen zur Friedenskonsolidierung
1. Frieden und Sicherheit: Afrikanische        und Krisenprävention an Bedeutung. Ver-
Eigenverantwortung stärken                     mittlungsmissionen der AU (zum Beispiel im
                                               Sudan oder in Madagaskar) oder der Regio-
Ausgangsbedingungen                            nalorganisationen wie ECOWAS in Guinea
In Teilen Afrikas verhindern zahlreiche be-    oder der Elfenbeinküste sind Beispiele für das
waffnete Konflikte, politische und ethnische   eigenverantwortliche Handeln afrikanischer
Spannungen, Grenzkonflikte und fragile         Staaten.
i Inhalt
     F R I E D E N S E R H A LT E N D E M A S S N A H M E N D E U T S C H L A N D S Z U V N - M I S S I O N E N I N A F R I K A

                                                                                                       1

18
i Inhalt
Im Zentrum afrikanischer Anstrengungen zur        wie den G8 und Organisationen wie der NATO
Vorbeugung und Beendigung von Gewalt-             die afrikanischen Fähigkeiten zur regionalen
konflikten steht der von der AU gesteuerte        Konfliktprävention und -bewältigung zu stär-
Aufbau einer Friedens- und Sicherheits-           ken. Dies bezieht sich auf so unterschiedliche
architektur („African Peace and Security          Konflikte wie derzeit in Teilen Nordafrikas, im
Architecture“). Dafür entwickelt die AU ein       Sudan, in der Elfenbeinküste, in der Demokra-
kontinentales Frühwarnsystem, stärkt ihre         tischen Republik Kongo (vor allem Ostkongo),
Fähigkeit zur Krisenvermittlung und baut          in Somalia oder in Simbabwe. Afrikanische
mit Regionalorganisationen und regionalen         Konfliktprävention und -bewältigung
Koordinationsmechanismen eine regional            entlastet künftig die Friedenssicherung der
organisierte Friedenstruppe, die „African         Vereinten Nationen. Die Bundesregierung
Standby Force“, auf. Bereits jetzt versucht die   setzt auf afrikanische Lösungsansätze und
AU durch Friedenseinsätze wie die African         fördert diese.
Union Mission in Somalia (AMISOM) Frieden         Schwerpunkt des deutschen Engagements ist
auf dem Kontinent herzustellen. Darüber           die Unterstützung der kontinentalen Friedens-
hinaus übernehmen afrikanische Regional-          und Sicherheitsarchitektur. Die Bundesre-
organisationen zunehmend Verantwortung            gierung unterstützt seit 2004 maßgeblich
für die Friedenssicherung in ihren Regionen.      die Abteilung für Frieden und Sicherheit der
Jedoch sind die AU und die Regionalorga-          AU bei Organisation und Management sowie
nisationen weiter auf Unterstützung von           beim Aufbau des kontinentalen Konfliktfrüh-
außen angewiesen: Knapp die Hälfte aller          warnsystems. Zudem unterstützt die Bundes-
Friedensmissionen der Vereinten Natio-            regierung die Abteilungen für Frieden und
nen ist in Afrika tätig, ungefähr 70 Prozent      Sicherheit in den Regionalorganisationen
aller Blauhelmsoldatinnen und -soldaten           Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer
werden auf dem Kontinent eingesetzt.              Staaten (ECOWAS), Ostafrikanische Gemein-
                                                  schaft (EAC), Zwischenstaatliche Behörde
Schwerpunkt deutscher Initiativen                 für Entwicklung von Staaten in Nordostaf-
Zentrales Anliegen der deutschen Afrikapo-        rika (IGAD) und Entwicklungsgemeinschaft
litik ist es, gemeinsam mit den afrikanischen     des Südlichen Afrika (SADC) sowie beim
Staaten, den Vereinten Nationen, der Euro-        Koordinationsmechanismus für die ostafri-
päischen Union, internationalen Initiativen       kanische Bereitschaftstruppe EASFCOM.

                                                              A F R I K A KO N Z E P T D E R B U N D E S R EG I E R U N G   19
i Inhalt
     Diese umfassende Unterstützung zum Kapazi-        Projekte, die den ideologischen Grundlagen
     tätsaufbau im Bereich Frieden und Sicherheit      des Terrorismus begegnen und eine Radika-
     ist einzigartig auf dem Kontinent. Als viert-     lisierung der Bevölkerung verhindern sollen.
     größter Beitragszahler für friedenserhaltende     Die Bundesregierung engagiert sich seit De-
     Maßnahmen der Vereinten Nationen trägt            zember 2008 mit der von der EU geführten
     Deutschland einen bedeutenden Anteil an           militärischen Operation ATALANTA im inter-
     der Finanzierung der Blauhelm-Missionen           nationalen Kampf gegen die Piraterie im Golf
     (2008–2010: knapp 1,3 Milliarden Euro, davon      von Aden. Deutschland ist zudem seit Langem
     1 Milliarde für Einsätze in Afrika). Ein deut-    Partner in zahlreichen Projekten zur Klein-
     scher Schwerpunkt ist die Konfliktpräven-         waffenkontrolle und zur Räumung von explo-
     tion: Gewaltsame Konflikte sollen frühzeitig      siven Kampfmittelrückständen und Minen
     verhindert werden, wie zum Beispiel durch         in Afrika. Zusammen mit der EU leistet die
     die Absicherung und Begleitung von Wahlen         Bundesregierung auch Beiträge zur Reform
     in der Demokratischen Republik Kongo oder         des Sicherheitssektors, wie im Südsudan und
     Burundi. Die Grundlage des gemeinsamen            in der Demokratischen Republik Kongo.
     Handelns der Bundesregierung ist seit 2004
     der Aktionsplan „Zivile Krisenprävention,         In gravierenden Krisen und nach schwerwie-
     Konfliktlösung und Friedenskonsolidierung“.       genden Naturkatastrophen leistet Deutsch-
                                                       land humanitäre Hilfe. Wichtig ist dabei für
     Die Gewährleistung von Sicherheit, besonders
     durch Terrorismusbekämpfung und -prä-
     vention, ist ein Schlüssel für Demokratie und
     Stabilität in Afrika. Diese sind ihrerseits un-
     verzichtbar für wirtschaftlichen Wohlstand,
     Freiheit und Gerechtigkeit. Deutschland
     trägt mit seiner Hilfe bei der Bekämpfung
     und Prävention des Terrorismus dazu bei, in
     gefährdeten Staaten Polizei, Justiz und Militär
     demokratisch fortzuentwickeln. Dies um-
     fasst die Stärkung staatlicher Institutionen,     Außenminister Guido Westerwelle besucht die EU-Trainings-
     um Staatszerfall entgegenzuwirken, oder           mission für Somalia in Uganda

20
i Inhalt
die Bundesregierung, dass diese Hilfe dem          dazu insbesondere in die Formulierung der
Bedarf entspricht, international von den           Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidi-
Vereinten Nationen koordiniert wird und            gungspolitik der EU (GSVP) im Hinblick auf
reibungslos in langfristigere Übergangshilfe       Afrika einbringen.
und Entwicklungszusammenarbeit übergeht.        3. Friedenskonsolidierung, Wiederaufbau
                                                   und Entwicklung in Postkonfliktländern
Initiativen der Zukunft                            bleibt ein Schwerpunkt deutscher Afrikapo-
1. Die Bundesregierung sieht die Afrikanische      litik. Die Demobilisierung und Integration
   Friedens- und Sicherheitsarchitektur der        von ehemaligen Kombattantinnen und
   AU sowie der Regionalorganisationen und         Kombattanten und Flüchtlingen, Kleinwaf-
   regionalen Koordinationsmechanismen             fenkontrolle, Investitionen in den (Wieder-)
   als Konzept der Zukunft. Deutschland wird       Aufbau von sozialer und wirtschaftlicher
   AU, Regionalorganisationen und regionale        Infrastruktur, die Stärkung der Rechtssi-
   Koordinationsmechanismen deshalb weiter         cherheit, der politisch-administrativen
   beim Ausbau ihrer Fähigkeiten im Bereich        Kapazitäten, der Zivilgesellschaft sowie der
   Frieden und Sicherheit sowie beim Aufbau        lokalen Demokratie sind Felder, in denen
   von Frühwarnmechanismen unterstützen            sich Deutschland weiter umfangreich in
   und diese Unterstützung ausbauen. Die           vielen afrikanischen Postkonfliktstaaten
   Bundesregierung wird diese unter den            engagieren wird.
   Ministerien abstimmen, um Wirkung und        4. Ein Kennzeichen der deutschen Aktivitäten
   Sichtbarkeit des deutschen Beitrags zu          ist auch in Zukunft das Zusammenwirken
   stärken. So wird der politische Dialog mit      von zivilen und militärischen Komponen-
   der AU vom Auswärtigen Amt und dem BMZ          ten in einem Konzept vernetzter Sicherheit.
   bereits gemeinsam geführt, in Fragen von        Wir werden die afrikanischen Trainings-
   Frieden und Sicherheit wird das Bundesver-      zentren für Friedenseinsätze wie derzeit
   teidigungsministerium einbezogen.               das Kofi Annan International Peacekeeping
2. Deutschland wird die internationale             Training Centre (KAIPTC), die École de
   Krisen- und Konfliktbewältigung in Afrika,      Maintien de la Paix (EMP) in Westafrika
   insbesondere unter dem Dach der Verein-         und das Regional Peacekeeping Training
   ten Nationen, aber auch der EU, weiter          Center im südlichen Afrika bei der Ausbil-
   fördern. Die Bundesregierung wird sich          dung von Sicherheitskräften und zivilem

                                                            A F R I K A KO N Z E P T D E R B U N D E S R EG I E R U N G   21
i Inhalt

           Parlaments- und Präsidentschaftswahlen
           2006 in der Demokratischen Republik Kongo

22
i Inhalt
   Personal für Friedensmissionen weiter            die Akkreditierung von Verteidigungs-
   fördern und uns dabei eng mit anderen            attachés, bilaterale Kooperationen, die
   Partnern, insbesondere der EU, abstimmen.        Entsendung von Militärberaterinnen und
5. Vertrauensbildende Maßnahmen sowie              -beratern, Ausbildungs- und Ausstattungs-
   angemessene Schritte zu Rüstungskontrolle        hilfe. Weitere Möglichkeiten stellen die
   und Abrüstung sowie Projekte zur Nichtver-       Teilnahme an militärischen Übungen oder
   breitung von Massenvernichtungswaffen            eine im Einzelfall zu entscheidende mili-
   können zu mehr Stabilität und regionaler         tärische Unterstützung humanitärer Hilfe
   Kooperation in Afrika beitragen. Die             dar. Dies leistet einen Beitrag zur Reform
   Bundesregierung wird dafür vor allem             des Sicherheitssektors und zur Eigenver-
   Kleinwaffenprojekte und die Räumung von          antwortung in den jeweiligen Regionen.
   Landminen, auch im Rahmen der EU, weiter      7. Deutschland will dazu beitragen, dass die
   fördern und dabei verstärkt Regionalorgani-      Rekrutierung von Mädchen und Jungen
   sationen sowie die Zivilgesellschaft             als Soldaten und Soldatinnen gestoppt
   einbeziehen. Die Bundesregierung will            und möglichst viele Kindersoldaten/-sol-
   zusammen mit der AU und den Staaten              datinnen demobilisiert und reintegriert
   Afrikas vertrauensbildende Maßnahmen             werden. Neben zahlreichen bilateralen
   und die internationale Vertragsarchitektur       Projekten unterstützt die Bundesregierung
   zur Rüstungskontrolle, Abrüstung und             auf globaler Ebene die Tätigkeit der VN-
   Nichtverbreitung festigen. Sie will die          Sonderbeauftragten zum Thema „Kinder
   Universalisierung der Abkommen zum               und bewaffnete Konflikte“. Deutschland hat
   Verbot von Landminen und Streumunition           zudem im Rahmen seiner nichtständigen
   vorantreiben sowie die Zusammenarbeit bei        Mitgliedschaft im VN-Sicherheitsrat 2011/12
   der Exportkontrolle und der Schaffung eines      den Vorsitz der Arbeitsgruppe „Kinder
   rechtlich verbindlichen Waffenhandelsver-        und bewaffnete Konflikte“ übernommen
   trags im Rahmen der Vereinten Nationen           und kämpft gegen die Rekrutierung von
   ausbauen.                                        Jungen und Mädchen als Soldaten/Solda-
6. Durch militärpolitische Instrumente              tinnen und gegen sexuelle Gewalt gegen
   leistet Deutschland einen Beitrag zur            Mädchen und Jungen in Konflikten.
   Entwicklung demokratisch orientierter         8. Deutschland will in Umsetzung der
   Streitkräfte in Afrika. Dazu zählen derzeit      VN-Sicherheitsratsresolution 1325 „Frauen,

                                                             A F R I K A KO N Z E P T D E R B U N D E S R EG I E R U N G   23
i Inhalt
       Frieden, Sicherheit“ und ihrer Nachfolge-   fragen zeigen, dass die große Mehrheit der
       resolutionen dazu beitragen, Frauen und     afrikanischen Bürgerinnen und Bürger Demo-
       Männer gleichberechtigt in den Aufbau       kratie als Regierungsform unterstützt.
       demokratischer und gerechter Gesell-
       schaftsordnungen einzubeziehen. Die         Es bleibt jedoch eine erhebliche Herausforde-
       Bundesregierung unterstützt daneben         rung, gute Regierungsführung, Rechtsstaat-
       auch weiter die Arbeit der Sonderbeauf-     lichkeit, Demokratie und Menschenrechte zu
       tragten des VN-Generalsekretärs zum         verwirklichen: Trotz positiver Entwicklungen
       Thema „Sexuelle Gewalt in Konflikten“.      gefährden willkürliche Rechts- und Justizsys-
                                                   teme, organisierte Kriminalität wie zum Bei-
     2. Gute Regierungsführung, Rechtsstaat-       spiel Frauenhandel, schlecht funktionierende
     lichkeit, Demokratie und Menschenrechte: Verwaltungen, Patronage und Korruption in
     Offene Gesellschaften fördern                 vielen Teilen Afrikas die Sicherheit und Sta-
                                                   bilität. Presse- und Meinungsfreiheit werden
     Ausgangsbedingungen                           oftmals nur eingeschränkt gewährleistet,
     Der demokratische Wandel in Afrika ist        Menschenrechte in zahlreichen Staaten durch
     ermutigend. Seit 1973 hat sich die Zahl der   staatliche und nichtstaatliche Akteure ver-
     afrikanischen Länder mit Mehrparteienwah-     letzt. Demokratisierung wird oftmals durch
     len von drei auf vierzig erhöht. In Tunesien  schwache Staatlichkeit gefährdet: Aus zahl-
     und Ägypten wurden langjährige autokrati-     reichen politischen Umbrüchen gingen nicht
     sche Herrscher durch öffentliche Proteste zum freiheitliche Demokratien, sondern politische
     Rücktritt gezwungen. In weiteren nordafrika- Systeme hervor, die zwischen Diktatur und
     nischen Staaten stehen autokratische Regime Demokratie stecken geblieben sind.
     unter Reformdruck. Die Zahl der Militärput-
     sche in Afrika ist ebenso zurückgegangen wie Schwerpunkt deutscher Initiativen
     die Wahrscheinlichkeit, dass solche Umstürze Gute Regierungsführung („Good Gover-
     von den afrikanischen Regionalorganisatio-    nance“) ist Querschnittsanliegen und
     nen hingenommen werden; jüngste Beispiele zugleich Schwerpunkt der deutschen
     dafür sind etwa die Elfenbeinküste, Guinea    Entwicklungszusammenarbeit mit 16
     und Madagaskar. Die AU lehnt gewaltsame       afrikanischen Ländern – kein anderer
     Regierungswechsel explizit ab. Meinungsum- Schwerpunkt wurde häufiger vereinbart.

24
i Inhalt
Mit zuletzt jährlich über 285 Millionen Euro   in Tansania sowie die internationalen Straf-
öffentlicher Entwicklungszusammenarbeit        gerichtshöfe für Ruanda und Sierra Leone.
gehört Deutschland zu den drei größten
bilateralen Unterstützern guter Regierungs-    Die Bundesregierung leistet mit einer Vielzahl
führung in Afrika. Gute Regierungsführung      von Instrumenten gezielte Unterstützung
beinhaltet unter anderem die Rechenschafts-    beim Wiederaufbau und bei der Stabili-
pflicht der Regierungen, Gewaltenteilung und   sierung staatlicher Strukturen in fragilen
verantwortliches Handeln der öffentlichen      Staaten oder nach Konflikten, insbesondere
Verwaltung. Zentrale Bereiche sind daneben     durch die Förderung von Menschenrechten
die Unterstützung von Dezentralisierung zur    und Rechtsstaatlichkeit sowie durch den
Stärkung lokaler Eigenverantwortung und        Aufbau der Polizei. Dabei ist die Stärkung
Bürgernähe sowie guter finanzieller Regie-     der Rechtssicherheit, der staatlichen Kapa-
rungsführung („Good Financial Governance“)     zitäten, der Zivilgesellschaft und der lokalen
mit besonderem Augenmerk auf Haushaltsre-      Demokratie von besonderer Bedeutung.
formen, Stärkung staatlicher Einnahmen und
verbesserter externer Finanzkontrolle.         Unser Leitbild sind offene Gesellschaften –
                                               wichtige Mittel für deren Förderung sind die
Wichtige Instrumente deutscher Förderung       Kooperation mit den afrikanischen Zivil-
von Rechtsstaatlichkeit sind die Beratung      gesellschaften und der Einsatz von Kultur
der Polizei, die Reform des Sicherheitssektors und Medien. Der von der Bundesregierung
und der Aufbau einer unabhängigen Justiz.      geförderte kulturelle Austausch (zum Beispiel
So finanziert die Bundesregierung Justizpro-   durch das Goethe-Institut, die PASCH-Part-
gramme in der Elfenbeinküste, in Liberia und nerschulen, den Deutschen Akademischen
Sierra Leone. Neben der Aus- und Fortbildung Austauschdienst (DAAD), die Alexander von
von Richterinnen/Richtern und Rechtsan-        Humboldt-Stiftung, das Deutsche Archäo-
wältinnen/Rechtsanwälten unterstützen die      logische Institut und die Deutsche Welle)
Programme die Justizministerien der drei       versteht sich als Beitrag zu einem gleichbe-
westafrikanischen Länder. Die Bundesregie-     rechtigten Diskurs zwischen der deutschen
rung unterstützt auch den Internationalen      und den afrikanischen Gesellschaften. Die
Strafgerichtshof, den 2004 gegründeten         politischen Stiftungen spielen dabei ebenfalls
Afrikanischen Menschenrechtsgerichtshof        eine zentrale Rolle. Jede deutsche Botschaft

                                                            A F R I K A KO N Z E P T D E R B U N D E S R EG I E R U N G   25
i Inhalt

           Fortbildung eines Radiomoderators
           in Niger State, Nigeria

26
i Inhalt
in Afrika fördert darüber hinaus über einen     Mitteln knapp 40 Millionen Euro dafür bereit-
eigenen Fonds Kulturprojekte in afrika-         stellen. Aus Mitteln der Entwicklungszusam-
nischen Ländern und kulturelle Koopera-         menarbeit hat die Bundesregierung bereits
tionen zwischen Afrika und Deutschland.         im Februar 2011 drei Fonds für Nordafrika
Mit „Learning by Ear“, einem interaktiven       eingerichtet: einen Fonds für die Förderung
Bildungsprogramm, erreicht die Deutsche         der Demokratie, einen für Bildung und einen
Welle ungefähr 40 Millionen junge Afri-         für die Wirtschaft. Zudem werden Mittel der
kanerinnen und Afrikaner. Zahlreiche            Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik, der
Projekte, zum Beispiel in Ruanda, fördern       Krisenprävention und der Demokratieförde-
zudem die Ausbildung von Journalistinnen        rung für die Transformationspartnerschaft
und Journalisten. Die Kooperation über          verwendet. In diesen Bereichen sollen 2012
die UNESCO auf den Gebieten Bildung,            und 2013 jeweils 50 Millionen Euro zusätzlich
Wissenschaft und Kultur trägt ebenfalls         eingesetzt werden. Die Bundesregierung setzt
zur Stärkung der Zivilgesellschaften bei.       sich dafür ein, die EU-Nachbarschaftspolitik
                                                zur Unterstützung des demokratischen Wan-
Gerade vor dem Hintergrund der Um-              dels in Nordafrika zu nutzen und im Bereich
brüche in Nordafrika zeigt sich die enorme      der Handels-, Agrar- und Mobilitätspolitik den
Bedeutung von guter Regierungsführung,          Reformländern besondere Erleichterungen
Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Men-        zu gewähren. Dadurch sollen wirtschaftliche
schenrechten und deren Unterstützung.           Wachstumschancen gestärkt werden.
Die Bundesregierung steht auf der Seite der
demokratischen Bewegungen in Nordafrika:        Initiativen der Zukunft
Sie hat eine „Transformationspartnerschaft“     1. Die Bundesregierung setzt sich weiter
angeboten; diese soll mit konkreten Pro-           bilateral sowie im europäischen und
jekten zur Stärkung der Zivilgesellschaft und      multilateralen Rahmen für gute Regie-
des Rechtsstaats dazu beitragen, dass der          rungsführung ein, unter anderem durch
politische Wandel in den betreffenden Län-         Unterstützung von Dezentralisierung und
dern – derzeit Tunesien und Ägypten – auch         lokaler Selbstverwaltung sowie Förderung
die Lebenschancen der Menschen verbessert          eines verantwortungsvollen und entwick-
und dadurch unumkehrbar wird. Im Jahr 2011         lungsorientierten Umgangs mit öffent-
wird die Bundesregierung aus bestehenden           lichen Finanzen. Auf kontinentaler Ebene

                                                            A F R I K A KO N Z E P T D E R B U N D E S R EG I E R U N G   27
i Inhalt
        fördert Deutschland gute Regierungs-            und die Verbreitung von Informationen
        führung in Zusammenarbeit mit der               und Meinungen vor Repressionen aller Art
        AU-Kommission, dem Afrikanischen                zu schützen. Die Bundesregierung fördert
        Menschenrechtsgerichtshof und dem               afrikanische und deutsche Medien (vor
        Panafrikanischen Parlament.                     allem den Hörfunk), damit diese mit ihren
     2. Der demokratische Wandel in Ägypten             Bildungsangeboten eine möglichst große
        bietet eine Gelegenheit, die Partnerschaft      Zahl von Menschen erreichen. Hierzu
        der Gemeinsamen Afrika-EU-Strategie für         zählen deutsch-afrikanische Mediendia-
        demokratische Regierungsführung und             loge, Studienreisen afrikanischer Journalis-
        Menschenrechte neu zu beleben. Deutsch-         tinnen und Journalisten nach Deutschland
        land hat deren Vorsitz gemeinsam mit            sowie die „Internationalen Journalisten-
        Portugal und Ägypten inne. Deutschland          Programme“.
        wird in dieser Partnerschaft auch Vor-       5. Die Bundesregierung wird die demokrati-
        schläge machen, wie die demokratischen          schen Umbrüche in Nordafrika und den
        Entwicklungen in Nordafrika gemeinsam           Auf- und Ausbau demokratischer Strukturen
        durch Afrikaner/Afrikanerinnen und              im subsaharischen Afrika durch zahlreiche
        Europäer/Europäerinnen gestärkt werden          Instrumente verstärkt unterstützen und
        können. Hierzu wird insbesondere die            demokratiefördernde, entwicklungs-,
        Ende 2010 ins Leben gerufene interkonti-        migrations- und wirtschaftspolitische
        nentale Dialogplattform genutzt werden.         Ansätze verknüpfen.
     3. Ein wesentliches Element der deutschen       6. Die Bundesregierung wird auch in Zukunf t
        Politik bleibt der internationale               zahlreiche Projekte zur Stärkung von
        Justiz-dialog, das heißt die Zusammenarbeit     Menschenrechtsverteidigern, Menschen-
        mit Justiz und Gerichten der Länder Afrikas.    rechtsbildung, Frauenrechten und anderen
        Dies stärkt die Recht sprechende Gewalt         Bereichen in Zusammenarbeit mit lokalen
        gegenüber der Exekutive.                        Nichtregierungsorganisationen organisie-
     4. Die Bundesregierung wirkt auch in               ren und unterstützen.
        Zukunft weiter daran mit, journalistische    7. Die Bundesregierung wird den parlamen-
        Kompetenz zu schaffen. Dies geschieht mit       tarischen Austausch verstärkt unterstützen,
        dem Ziel, die Verantwortung der Medien          um so demokratisches und rechtsstaatliches
        für ein friedliches Miteinander zu stärken      Handeln zu fördern.

28
i Inhalt
8. Die Bundesregierung leistet Unter-          3. Wirtschaft:
   stützung zur Umsetzung der “VN-Palermo-     Chancen gemeinsam nutzen
   Konvention“ aus dem Jahr 2000 und ihrer
   Zusatzprotokolle (Übereinkommen der         Ausgangsbedingungen
   Vereinten Nationen zur Bekämpfung           Durch die Reformen der vergangenen Deka-
   der grenzüberschreitenden organi-           den haben viele afrikanische Staaten gute
   sierten Kriminalität, Zusatzprotokoll zur   Voraussetzungen für nachhaltiges Wirtschafts-
   Verhütung, Bekämpfung und Bestrafung        wachstum geschaffen. Das Wachstum lag in
   des Menschenhandels, insbesondere des       den vergangenen zehn Jahren durchschnitt-
   Frauen- und Kinderhandels).                 lich bei ungefähr 6 Prozent pro Jahr, die Infla-
                                               tionsraten sind inzwischen im Durchschnitt
                                               einstellig. Mehrere afrikanische Länder gehör-
                                               ten im vergangenen Jahrzehnt zu den weltweit
                                               am schnellsten wachsenden Volkswirtschaf-
                                               ten. Der Zufluss von privatem ausländischem
                                               Kapital (2009 ausländische Direktinvestitionen
                                               in Höhe von knapp 40 Milliarden Euro) über-
                                               trifft die offizielle Entwicklungszusammen-
                                               arbeit (2009: circa 32 Milliarden Euro). Schon
                                               heute ist – je nach Maßstab – die kaufkräftige
                                               afrikanische Mittelschicht bis zu 300 Millio-
                                               nen Menschen stark. Zwar beträgt der Anteil
                                               Afrikas an der globalen Wirtschaftsleistung
                                               nur ungefähr 2 Prozent, allerdings angesichts
                                               der überdurchschnittlichen Wachstumsra-
                                               ten mit steigender Tendenz. Afrika selbst hat
                                               sich zum Schauplatz eines globalen Wett-
                                               bewerbs entwickelt, die wirtschaftlichen
                                               Verbindungen Afrikas mit einflussreichen
                                               Ländern wie China und Indien sind in den
                                               vergangenen Jahren sprunghaft gestiegen.

                                                            A F R I K A KO N Z E P T D E R B U N D E S R EG I E R U N G   29
i Inhalt
     Dieser verstärkten Konkurrenz muss sich die      Allein die fünf größten afrikanischen Volks-
     deutsche Wirtschaft stellen. Sie wird dabei      wirtschaften Südafrika, Ägypten, Nigeria,
     von der Bundesregierung unterstützt.             Algerien und Marokko tragen knapp
     Als besonders dynamische Sektoren in Afrika      60 Prozent zum gesamten Einkommen des
     gelten neben Rohstoffen und Energie Land-        Kontinents bei. Trotz verbesserter sozioöko-
     wirtschaft, Konsumgüter, Dienstleistungen        nomischer Indikatoren wie Kindersterb-
     (insbesondere Telekommunikation, Banken          lichkeit und sinkender Armutsrate bleibt
     und Versicherungen) sowie die Infrastruk-        Afrika der ärmste Kontinent der Welt. In
     turbereiche Verkehr, Elektrizität und Was-       der Regel kommt das hohe Wirtschafts-
     ser. Afrikas rasante Urbanisierung erfordert     wachstum nicht der breiten Bevölkerung
     massive Investitionen in die Infrastruktur des   zugute. Die Ungleichheit nimmt oft sogar zu
     Kontinents. Vor allem erneuerbare Energien       und birgt erheblichen sozialen Sprengstoff.
     und dezentrale Produktion können die Ener-       Der sogenannte informelle, also nicht
     gieknappheit Afrikas lindern.                    registrierte Wirtschaftssektor (zum Beispiel
                                                      Handel oder Kleinstlandwirtschaft) wird
     Jedoch bleiben die Voraussetzungen in den        für viele Menschen in Afrika auf absehbare
     einzelnen Ländern äußerst unterschiedlich:       Zeit die Haupteinnahmequelle bleiben.

     Containerhafen in Daressalam, Tansania

30
i Inhalt
Die Landwirtschaft besitzt auf dem Kontinent   nischer Binnen- und Außenwirtschaft und
besonderes Potenzial, die Ernährungssicher-    auch Deutschland als Exportland zugute.
heit zu verbessern, Menschen Arbeit zu geben
und Erzeugnisse für den Export zu produzie-    Deshalb unterstützt die Bundesregierung
ren. Grundsätzlich unterstützt die Bundesre-   zahlreiche afrikanische Partnerländer
gierung Investitionen in den Agrarsektor;      mit einem umfassenden Ansatz der nach-
dabei müssen aber die Ernährungssicherung      haltigen Wirtschaftsentwicklung mit
und die Einhaltung von internationalen         derzeit mehr als 800 Millionen Euro. Sie
Standards gewährleistet sein.                  will privates Kapital verstärkt für Ent-
                                               wicklung nutzen und die wirtschaftliche
Derzeit entfällt der überwiegende Teil des     Zusammenarbeit ausbauen. Wesentliche
deutschen Außenhandels auf nur fünf der        Instrumente dafür sind Exportkreditgaran-
54 afrikanischen Staaten: Südafrika, Ägyp-     tien und Investitionsschutzabkommen.
ten, Nigeria, Tunesien und Algerien. Über
600 deutsche Unternehmen haben sich             Ziel deutscher Afrikapolitik ist es auch, die
in Afrika niedergelassen und beschäf-           Stärken der deutschen Wirtschaft in Afrika
tigen mehr als 146.000 Menschen.                einzubringen. Eine stärkere Verzahnung von
                                                Außenwirtschaftsförderung und Entwick-
Schwerpunkt deutscher Initiativen               lungszusammenarbeit erhöht die Absatz-
Die Bundesregierung möchte ein breiten-         chancen deutscher Unternehmen, kräftigt
wirksames Wirtschaftswachstum mit einer         die wirtschaftliche Entwicklung in Afrika
dynamischen Privatwirtschaft in Afrika          und verhilft zu verbesserten und stabile-
fördern, den wirtschaftlichen Austausch mit     ren Rahmenbedingungen für ein stärkeres
Afrika stärken und Handel und Investitionen     unternehmerisches Engagement in Afrika.
erleichtern. Deutsche Afrikapolitik will        Insbesondere im Infrastrukturbereich und bei
dazu beitragen, dass durch Handel, Inves-       Umwelttechnologien schaffen Lösungsansätze
titionen und wirtschaftliche Entwicklung       „aus einer Hand“ Vorteile. Die Verzahnung der
der Wohlstand in afrikanischen Ländern          deutschen Bau- und Beratungsunternehmen
wächst. Ein wachsender Privatsektor und die     bei Planung, Bau, Betrieb und Instandhaltung
Verbesserung der Rahmenbedingungen für          moderner Verkehrssysteme würde in Afrika
wirtschaftliches Handeln kommen afrika-         zum Beispiel einen wichtigen Beitrag zur

                                                           A F R I K A KO N Z E P T D E R B U N D E S R EG I E R U N G   31
i Inhalt

           Verarbeitung von Cashewnüssen,
           Burkina Faso

32
i Inhalt
wirtschaftlichen Entwicklung leisten und die   beschäftigt Auslandsmitarbeiterinnen
Exportchancen in diesem Bereich stärken.       und -mitarbeiter in Johannesburg, Nairobi,
                                               Kairo und Tunis. Das umfassende Netz der
In Afrika liegt der Schwerpunkt der            Auslandshandelskammern, Botschaften und
deutschen Politik auf Maßnahmen, die die       GTAI-Mitarbeiter hat sich seit vielen Jahren bei
Rahmenbedingungen für wirtschaftliches         der Förderung der Wirtschaftsbeziehungen
Handeln verbessern. Hierzu zählt die           bewährt.
Verbesserung des Investitionsklimas und
der Rechtssicherheit, aber auch der Zugang     Das Netz deutscher Auslandshandelskammern
zu Krediten, der zentral für den Erfolg        wurde in den vergangenen Jahren erweitert:
vieler kleiner und mittlerer Unternehmen       Neue Delegiertenbüros der Deutschen
in Afrika ist. Deutschland ist auf dem         Wirtschaft wurden in Angola und in Ghana
Kontinent einer der wichtigsten entwick-       errichtet, Kenia soll folgen. Zusammen mit
lungspolitischen Partner in den Bereichen      der Auslandshandelskammer in Südafrika
Mikrofinanzierung und Handelsförderung.        und dem Delegiertenbüro in Nigeria werden
                                               dann die derzeit wichtigsten Zukunftsmärkte
Die Bundesregierung steht bereit, deutsche     in Afrika südlich der Sahara abgedeckt sein.
Unternehmen in Afrika mit zahlreichen          Das Bundesministerium für Wirtschaft und
Instrumenten der Außenwirtschafts-             Technologie stellt für die neuen Büros die
förderung zu unterstützen: Die Auslands-       finanzielle Ausstattung bereit, während der
handelskammern versorgen gemeinsam             Deutsche Industrie- und Handelskammertag
mit Germany Trade and Invest (GTAI) und        (DIHK) die Steuerung übernimmt.
den deutschen Botschaften die deutsche
Wirtschaft mit detaillierten Informationen
über die afrikanischen Märkte. Sie bieten
damit gerade kleinen und mittleren
Unternehmen wichtige Dienstleistungen an.
Deutschland ist heute in Ägypten, Algerien,
Angola, Ghana, Marokko, Nigeria, Südafrika
und Tunesien mit Auslandshandelskammern
oder Delegiertenbüros vertreten, die GTAI

                                                            A F R I K A KO N Z E P T D E R B U N D E S R EG I E R U N G   33
i Inhalt
     Initiativen der Zukunft                            Mindeststandards beachten (zum Beispiel
     1. Die besondere Aufmerksamkeit der Bundes-        Normen der Internationalen Arbeitsorgani-
        regierung gilt der regionalen Integration.      sation, ILO).
        Nur so können größere Wirtschaftsräume       3. Die Bundesregierung setzt sich dafür ein,
        geschaffen werden, die wettbewerbsfähig         dass sich die deutsche Wirtschaft Afrika
        sind und Investoren anziehen. Die Bundes-       noch intensiver zuwendet. Auslandsmitar-
        regierung wird die wirtschaftliche Integra-     beiter der Germany Trade and Invest (GTAI),
        tion in enger Kooperation mit der AU, der       Botschaften und Konsulate informieren die
        Afrikanischen Entwicklungsbank und den          deutsche Wirtschaft über Afrikas wirtschaft-
        Regionalorganisationen verstärkt fördern,       liches Potenzial. Über den weiteren Ausbau
        unter anderem durch die Unterstützung           des Netzes der deutschen Auslandshandels-
        regionaler Infrastrukturvorhaben. Schon         kammern, durch Markterkundungs- und
        heute werden zahlreiche afrikanische            Markterschließungsreisen sowie Messebetei-
        Regionalorganisationen bei der Schaffung        ligungen und Besuche auf politischer Ebene
        von Zollunionen und Freihandelszonen            fördert die Bundesregierung den wirtschaft-
        von Deutschland entwicklungspolitisch           lichen Austausch mit Afrika.
        beraten. Die Bundesregierung unterstützt     4. Mit Exportkreditgarantien der Bundesre-
        zudem die EU bei ihren Verhandlungen zu         gierung können sich deutsche Unterneh-
        WTO-konformen, umfassenden regionalen           men bei ihren Geschäften gegen mögliche
        Wirtschaftspartnerschaftsabkommen mit           Zahlungsausfälle ihrer afrikanischen
        den Staaten Afrikas, der Karibik und des        Partner absichern. Die Bundesregierung
        Pazifiks (AKP) als Baustein zur regionalen      entwickelt dieses Instrument im Austausch
        Integration und Beitrag zur Stärkung des        mit Exporteuren und Banken weiter und
        Süd-Süd-Handels.                                schneidet es angesichts veränderter Märkte
     2. Die Bundesregierung wird sich weiter für        und Rahmenbedingungen genauer auf die
        die Verbesserung der Rahmenbedingungen          Bedürfnisse der deutschen Wirtschaft zu.
        für privatwirtschaftliches Handeln in Afrika    Abkommen zur Förderung und zum Schutz
        einsetzen. Hierzu zählt die bilaterale Bera-    von Investitionen erleichtern das wirtschaft-
        tung und die Unterstützung der Investment       liche Engagement in Afrika zusätzlich.
        Climate Facility for Africa. Wir unterstü-   5. Mit zahlreichen entwicklungspolitischen
        zen marktwirtschaftliche Reformen, die          Instrumenten der Bundesregierung wird

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