Neue Regionalpolitik Umsetzungsprogramm des Kantons Bern 2020-2023
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Neue Regionalpolitik Umsetzungsprogramm des Kantons Bern 2020-2023 Wirtschafts-, Energie- und Umweltdirektion 14. November 2019
Neue Regionalpolitik
Umsetzungsprogramm des Kantons Bern 2020-2023
Impressum
Herausgeber
Standortförderung Kanton Bern
Bezug
Amt für Wirtschaft AWI
Standortförderung Kanton Bern
Tourismus und Regionalentwicklung
Münsterplatz 3a
3000 Bern 8
+41 31 633 41 20
info@berninvest.be.ch
www.weu.be.ch
www.berninvest.be.ch
© AWI, November 2019
Abdruck mit Quellenangaben erlaubt
2/60Neue Regionalpolitik Vorwort
Umsetzungsprogramm des Kantons Bern 2020-2023
Inhaltsverzeichnis
1 Vorwort ................................................................. Fehler! Textmarke nicht definiert.
2 Zusammenfassung ............................................................................................... 5
3 Analyse ................................................................................................................. 6
3.1 Reporting über die bisherige NRP-Umsetzung (Stand per 31.05.19) ........................ 6
3.2 Wirtschaftliche Situation und Entwicklung ............................................................... 7
3.2.1 Kanton Bern ...................................................... Fehler! Textmarke nicht definiert.
3.2.2 Regionalkonferenzperimeter Biel/Bienne-Seeland-Jura bernois ............................. 11
3.2.3 Regionalkonferenzperimeter Oberaargau .............................................................. 12
3.2.4 Regionalkonferenz Emmental ............................................................................... 13
3.2.5 Regionalkonferenz Bern-Mittelland........................................................................ 14
3.2.6 Regionalkonferenzperimeter Thun-Oberland West ................................................ 15
3.2.7 Regionalkonferenz Oberland-Ost .......................................................................... 17
3.3 Tourismus............................................................................................................. 18
3.4 Potenzialanalyse nach Branchen .......................................................................... 20
4 Strategische Rahmenbedingungen .................................................................... 22
4.1 Richtlinien der Regierungspolitik 2019-2022 .......................................................... 23
4.2 Kantonaler Richtplan............................................................................................. 23
4.3 Wirtschaftsstrategie 2025...................................................................................... 26
4.4 Tourismuspolitik .................................................................................................... 27
4.4.1 Tourismusstrategie ............................................................................................... 27
4.4.2 Tourismus BE 2025 .............................................................................................. 28
4.4.3 Bergbahnstrategie: Grundsätze und Kriterien ........................................................ 30
4.5 Innovationsförderungsstrategie 2025 .................................................................... 31
5 Programmziele .................................................................................................... 34
5.1 Förderinhalte ........................................................................................................ 34
5.2 Förderschwerpunkte ............................................................................................. 36
5.3 Wirkungsmodelle .................................................................................................. 37
5.3.1 Strategie Tourismus .............................................................................................. 37
5.3.2 Strategie Regionales Innovationssystem Mittelland / Industrie ............................... 37
Strategische Grundlage ............................................................................................................................37
Funktionsweise des RIS Mittellands........................................................................................................38
Strategie RIS Mittelland 2020-2023.........................................................................................................40
5.3.3 Strategien der Regionen (Innovative regionale Angebote) ..................................... 42
5.3.4 Prioritäten des Mitteleinsatzes .............................................................................. 48
6 Prozesse ............................................................................................................. 49
6.1 Interkantonale Zusammenarbeit ............................................................................ 49
6.1.1 Beteiligung ohne Lead .......................................................................................... 49
6.1.2 Beteiligung mit Lead Kanton Bern ......................................................................... 49
6.2 Grenzübergreifende Zusammenarbeit ................................................................... 50
6.3 Einbezug regionaler Akteure und Organisationen .................................................. 50
6.4 Projektselektion: Prozess und Kriterien, Nachhaltigkeitsbeurteilung....................... 51
6.5 Controlling / Monitoring ......................................................................................... 52
7 Nachhaltigkeitsbeurteilung ................................................................................ 53
8 Örtlicher Wirkungsbereich ................................................................................. 55
9 Kosten-, Finanzierungs- und Realisierungsplan ............................................... 57
9.1 Finanzangaben pro Programmziel und Instrument gemäss Anhang ....................... 57
9.2 Meilensteine und Indikatoren gemäss Anhang ...................................................... 58
10 Verhandlungsergebnis 2020-2023 ...................................................................... 59
10.1 Zusicherung Finanzen Bund ................................................................................. 59
10.2 Nachweis der äquivalenten Kantonsfinanzierung ................................................... 59
11 Anhang ................................................................................................................ 60
3/60Neue Regionalpolitik Vorwort
Umsetzungsprogramm des Kantons Bern 2020-2023
1. Vorwort
Innovation und Unternehmertum fördern
Strukturwandel, Frankenstärke, Klimakapriolen: Diese Begriffe haben die Diskussionen um die regionale
und touristische Entwicklung in den letzten Jahren geprägt und werden dies in der neuen Programmpe-
riode 2020-2023 weiter tun. Die Akteure haben diese Herausforderungen auch dank der Neuen Regional-
politik angenommen – die Regionen sind hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Möglichkeiten mittlerweile viel-
fältig aufgestellt: Zentren, die leistungsfähig und hoch kompetitiv sind, stehen ländlichen Räumen mit spe-
zifischen Stärken aber auch strukturellen Schwächen gegenüber. Trotz insgesamt positiver Wirtschafts-
entwicklung liegt die Entwicklung im Kanton Bern hinsichtlich Beschäftigung und Bevölkerung in allen Re-
gionen unter dem schweizerischen Durchschnitt. Die Neue Regionalpolitik (NRP) ist dementsprechend
gefordert.
Wie sollen sich die Regionen im Kanton Bern weiterentwickeln? Wesentliche Elemente und Massnahmen
wurden in der vergangenen Programmperiode festgehalten und sollen auch für 2020-2023 gelten. Unsere
Stärken bleiben im industriellen Know-How und im Tourismus. Das Umsetzungsprogramm Neue Regio-
nalpolitik (NRP) 2020-2023 behält daher die beiden Förderschwerpunkte Tourismus sowie Industrie. Ein
dritter Förderschwerpunkt unterstützt innovative regionale Angebote und dient als Handlungsachse für die
geplante Umsetzung zusätzlicher Massnahmen für das Berggebiet im Rahmen des vom Bund vorgesehe-
nen Pilotprogramms 2020-2023.
Der Tourismus entwickelt sich schnell weiter – und wichtige Rahmenbedingungen haben sich in der abge-
laufenen Programmperiode verändert: Der Kanton Bern hat das Tourismusentwicklungsgesetz revidiert,
die Destinationsentwicklung abgeschlossen, die Wirkung der Dachmarketinggesellschaft BE! Tourismus
AG analysiert und optimiert sowie das Impulsprogramm für den Tourismus umgesetzt. Der Kanton will nun
im Tourismus zusätzliche Akzente setzen; besonders bei den Themen Kultur und Digitalisierung. Im För-
derschwerpunkt Industrie soll basierend auf den ersten positiven Audit-Ergebnissen das Regionale Inno-
vationssystem RIS-Mittelland weiterentwickelt werden. Der Fokus auf KMU soll dabei noch zielgerichteter
ausgestaltet werden.
Innovation und Unternehmertum sind der Schlüssel für starke Regionen und einen wettbewerbsfähigen
Tourismus. Von der NRP profitieren Regionen und Destinationen, die auf wirtschaftliche und ökonomische
Herausforderungen mit Innovationen reagieren. Mit dem vorliegenden Programm definiert der Kanton den
politischen Rahmen und die Hauptstossrichtungen. Die Regionen und Destinationen definieren inhaltliche
Schwerpunkte und Projekte. Diese Partnerschaft hat sich bewährt und soll in diesem Umfang weitergeführt
werden.
Christoph Ammann
Regierungspräsident und Volkswirtschaftsdirektor
4/60Neue Regionalpolitik Zusammenfassung
Umsetzungsprogramm des Kantons Bern 2020-2023
2. Zusammenfassung
Das Umsetzungsprogramm NRP 2020-2023 stellt eine Aktualisierung und Weiterentwicklung im Rahmen
des unverändert gültigen 8-Jahresprogramms des Bundes dar. Es ist gegenüber der laufenden Periode
2016-2019 inhaltlich weiterentwickelt, verfolgt aber eine unveränderte Stossrichtung. Das Umsetzungs-
programm stützt sich ab auf regionalen Förderprogrammen der Regionalkonferenzen und Regionen, die
Mitte März 2019 eingereicht wurden. Eine Konsultation bei den Regionen hat ergeben, dass das vorlie-
gende Umsetzungsprogramm allgemein auf Zustimmung stösst.
Die hauptsächlichen Förderschwerpunkte sind „Tourismus“ (50-70 % des Mitteleinsatzes) und „Industrie“
(25-30 % des Mitteleinsatzes, inkl. Regionales Innovationssystem RIS). Für weitere Projekte, welche NRP-
kompatibel sind, hat sich zudem der Förderschwerpunkt „Innovative Regionale Angebote“ bewährt und
wird daher weitergeführt (0-15 % des Mitteleinsatzes).
Förderschwerpunkt Tourismus: Die aktualisierte Strategie beruht auf dem Strategiepapier „Tourismus
2025“, welches im Januar 2018 den Destinationen und Regionen vorgestellt und anschliessend konsoli-
diert wurde. Im Zentrum der touristischen Fördermassnahmen stehen Digitalisierung, Kultur und Qualifi-
zierung/Qualität.
Förderschwerpunkt Industrie/Regionales Innovationssystem (RIS): Im Mittelpunkt der Strategie stehen der
Ausbau der Zusammenarbeit von be-advanced mit allen Akteuren, ein verstärktes KMU-Coaching auf der
Basis eigener Angebote, eine verbesserte Kundenorientierung, eine stärkere Orientierung an Firmen im
ländlichen Raum und eine Begrenzung der Overheadkosten im Sinne neuer Bundesvorgaben. Komple-
mentäre Projekte zum RIS sind möglich: Im Fokus stehen Qualifizierungsmassnahmen zur Digitalisierung,
überbetriebliche Offensiven gegen den Fachkräftemangel sowie allgemeine überbetriebliche Vernetzungs-
und Kooperationsprojekte, insbesondere die Zusammenarbeit mit den Hochschulen betreffend.
Innovative regionale Angebote: Die Regionen haben ergänzend zu den Förderschwerpunkten des Kantons
regional adaptierte Strategien und Massnahmen in Förderprogrammen formuliert. Diese decken zusätzlich
zu den vom Kanton vorgegebenen touristischen und industriellen Schwerpunkten die Themen Sport, Frei-
zeit, Kultur, Land- und Forstwirtschaft, Soziales sowie Gesundheit ab. Entsprechende Projekte werden
gefördert, wenn Sie die NRP-Anforderungen hinsichtlich Innovation, Wertschöpfung und Beschäftigung
erfüllen.
Der Kanton Bern beantragt dem Bund für 2020-2023 Darlehen und Beiträge in der Höhe von 54.7 Millionen
Franken. Dies ist weniger als in der Vorperiode (70 Millionen), da Grossprojekte wie Swiss Innovation Park
und V-Projekt (Jungfraubahnen) für die neue Periode nicht erwartet werden und das Impulsprogramm
Tourismus wegfällt.
Perimeter: Der NRP-Wirkungsperimeter soll unverändert bleiben.
5/60Neue Regionalpolitik Analyse
Umsetzungsprogramm des Kantons Bern 2020-2023
3. Analyse
3.1 Reporting über die bisherige NRP-Umsetzung (Stand per 31.05.19)
Rund zwölf Prozent der Schweizer Bevölkerung oder eine Million Menschen leben im Kanton Bern auf
einer Fläche von 6‘000 km2. Gemessen an der Wohnbevölkerung und der Fläche ist Bern der zweitgrösste
Kanton der Schweiz. Zwei Drittel der Fläche zählen zum Berggebiet – und ein noch grösserer Anteil zum
ländlichen Raum im Sinne des Bundesgesetzes zur NRP. Damit gehört Bern zusammen mit dem Wallis
und Graubünden zu den bedeutendsten NRP-Kantonen.
In der dritten Programmperiode 2016-2019 hat sich die Umsetzung der NRP bei den Akteuren im Kanton
Bern mittlerweile gut etabliert. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass die im Verbund mit den Regionen
festgelegten Prozesse bei der Projektunterstützung und -entwicklung sowie bei der Prüfung und Beurtei-
lung der Gesuche grundsätzlich zielführend und breit akzeptiert sind. Auch das Controlling arbeitsteilig mit
den Regionen hat sich bewährt. Aufgrund der Heterogenität der Projekte und Trägerschaften mit sehr
unterschiedlichem Hintergrund bezüglich Erfahrung in Projektentwicklung, verlangen zahlreiche NRP-Ge-
suche eine massgeschneiderte Begleitung durch Regionen und Kanton.
Zentrale Voraussetzungen für qualitativ gute Projekte sind eine solide Trägerschaft und ein professionelles
Projektmanagement. Eine angemessene Beteiligung der Trägerschaft (Eigenleistung) fördert den dauer-
haften Erfolg der Projekte.
Im Zeitraum vom 1. Januar 2016 bis 31. Mai 2019 wurden 121 Projekte gefördert. Auf der Basis der Pro-
jektangaben lösen die 121 Projekte in einer ersten Stufe Investitionen und Projektumsätze im Umfang von
rund 320 Millionen Franken aus. Mit der Projektumsetzung werden potenziell rund 1‘400 Arbeitsplätze
langfristig gesichert, im Minimum jedoch 800. Auf lange Sicht können aus den geförderten Projekten im
Idealfall jährlich wiederkehrende Umsätze von 134 Millionen Franken resultieren, minimal rund 70 Millio-
nen Franken. Von besonderer Tragweite in der Förderperiode sind die beiden NRP-Darlehen an das „Ter-
minal V-Projekt“ der Jungfraubahnen und an den Neubau des „Switzerland Innovation Parks“ in
Biel/Bienne. Weiter besonders erwähnenswert sind die Erneuerung der Saanersloch-Bahn in der Destina-
tion Gstaad, die Erneuerung der Stockhornbahn sowie die diversen Projekte zur digitalen Transformation
von Wirtschaftskammern und Destinationen.
Kumulierte Projektübersicht 2016 - 2019 per 31.05.2019
Projekte Darlehen Darlehen Beiträge Beiträge Kan- Investitionen / Poten- Umsatz-po-
Bund Kanton Bund ton (beco)* Projektvolumen zielle Ar- tenzial
CHF CHF CHF CHF CHF beits- CHF
plätze
121 35‘452‘500 15‘912‘500 9‘194‘250 10‘449‘682 319‘095‘826 1‘414 134‘030‘000
* zusätzliche Beiträge anderer kantonalen Stellen nicht enthalten
Die provisorische Gesamtbilanz der NRP-Periode 2016-2019 (Stand per 31. Mai 2019) fällt positiv aus.
Der Nutzen der NRP und der ihr zur Verfügung stehenden Förderinstrumente für die Regionalentwicklung
ist aus kantonaler Sicht unbestritten.
6/60Neue Regionalpolitik Analyse
Umsetzungsprogramm des Kantons Bern 2020-2023
RIS Mittelland
Das 2016 gestartete Regionale Innovationssystem Mittelland (RIS) wurde von September 2018 – Februar
2019 extern auditiert. Dabei stand die Tätigkeit 2016-2018 der zentralen Innovationsförderagentur „be-
advanced“ im Mittelpunkt. Das Audit bestand aus einer Faktenanalyse, einer Befragung der be-advanced-
Kundinnen und -Kunden sowie einem Stakeholder-Workshop. Im Ergebnis hat sich die Einrichtung dieses
zentralen RIS-Akteurs (be-advanced) als konzeptionelle Stärke des RIS Mittellands bestätigt. Bewährt hat
sich insbesondere auch der Fokus auf junge und kleine Unternehmen (Gründer, KMU und Start-ups). Zu-
dem hat sich der ursprünglich vermutete Bedarf nach Coachings bei den Unternehmen bestätigt. Gemäss
Audit-Ergebnissen sind kontinuierliche Verbesserungen vor allem in den Bereichen Bekanntheit, Control-
ling, Kundenmanagementsystem und Gründerberatung bei be-advanced umzusetzen.
3.2 Wirtschaftliche Situation und Entwicklung
3.2.1 Kanton Bern
Der Kanton Bern deckt ein Gebiet ab, das von den Alpen über das Mittelland bis zum Jura reicht. Entspre-
chend unterschiedlich sind die wirtschaftlichen Profile der Regionen (vgl. Kapitel 0 bis 3.2.7).
Insgesamt ist die Branchenstruktur des Kantons Bern mit dem Schweizer Durchschnitt vergleichbar. Drei
Viertel der Beschäftigten sind im Dienstleistungssektor tätig. Die grössten Branchen sind das Gesundheits-
und Sozialwesen sowie die Bildung und öffentliche Verwaltung – letztere ist aufgrund der Bundesverwal-
tung im Kanton Bern überdurchschnittlich vertreten. Der Beschäftigungsanteil des Industriesektors (Indust-
rie, Bau sowie Energie und Wasser) liegt im Schweizer Durchschnitt. Mit über 80‘000 Beschäftigten in der
Industrie ist der Kanton Bern der grösste Industriekanton der Schweiz. In der Landwirtschaft ist der Be-
schäftigungsanteil zwar gering, jedoch deutlich höher als im Schweizer Durchschnitt: Im Kanton Bern sind
fünf Prozent aller Beschäftigten in der Landwirtschaft tätig; schweizweit sind es drei Prozent.
Die nachfolgende Abbildung zeigt die Beschäftigungsanteile verschiedener Branchen im Kanton Bern im
Verhältnis zur Schweiz. Für den Schweizer Durchschnitt wurde der Anteil einer Branche an der Gesamt-
beschäftigung jeweils auf 1 standardisiert (schwarze Linie). Ist der Beschäftigungsanteil einer Branche im
Kanton Bern (rote Fläche) grösser als in der Schweiz, dann liegt der entsprechende Wert ausserhalb, ist
der Anteil geringer, dann liegt er innerhalb der schwarzen Linie. Die dargestellten Branchen stellen eine
Auswahl der wichtigsten Wirtschaftszweige dar. Aus Gründen der Übersichtlichkeit wurden nicht alle Bran-
chen aufgeführt. Die in der unteren Abbildung dargestellten Branchen machen sowohl in der Schweiz wie
auch im Kanton Bern zusammen rund drei Viertel der Gesamtbeschäftigung aus.
7/60Neue Regionalpolitik Analyse
Umsetzungsprogramm des Kantons Bern 2020-2023
Abb. Branchenstruktur: Relativer Anteil der Beschäftigten nach Branche, 2018
Kanton Bern CH-Durchschnitt
Landwirtschaft
2
Gesundheits-/
Industrie
Sozialwesen
1.5
1
DL für Unternehmen Bau
0.5
0
Bildung, öff.
Energie und Wasser
Verwaltung
Finanzsektor Detailhandel
Gastgewerbe
Quelle: BAK Economics (Stand April 2019)
Für eine weitergehende Beurteilung ist neben der Branchenstruktur auch die wirtschaftliche Entwicklung
entscheidend. Die Wirtschaftsstrategie 2025 des Kantons Bern setzt das strategische Ziel, dass der Kan-
ton Bern bis 2025 bezüglich seiner Nachhaltigen Entwicklung besser dasteht als im Jahr 2011. Für die
Wirtschaft kann die Entwicklung anhand der Veränderung des Bruttoinlandprodukts (BIP) und anhand der
Veränderung in der Anzahl Beschäftigter beobachtet werden. Die Veränderung der Bevölkerung und des
Steuerertrags sind Indikatoren für die Entwicklung der Gesellschaft. Die nachfolgende Abbildung zeigt die
Entwicklung des Kantons Bern deshalb anhand von diesen vier sozioökonomischen Indikatoren auf:
‒ Bevölkerung: ständige Wohnbevölkerung am Jahresende (Quelle: Bundesamt für Statistik)
‒ Beschäftigte: Anzahl Personen, die eine Stelle besetzen (Quelle: BAK Economics)
‒ BIP: Bruttoinlandprodukt (Quelle: BAK Economics)
‒ Steuerertrag: Kanton Bern: Ordentlicher Steuerertrag (Quelle: Finanzdirektion des Kantons Bern),
Schweiz: Fiskaleinnahmen Kantone (Quelle: Eidgenössische Finanzverwaltung)
Die wirtschaftliche Dynamik im Kanton Bern war in den vergangenen zehn Jahren geringer als im Schwei-
zer Durchschnitt. Der Kanton Bern weist bei allen vier Indikatoren ein tieferes Wachstum auf. Die Differenz
ist beim Steuerertrag am geringsten. Das Wachstum des BIP und der Bevölkerung beträgt nur etwas mehr
als die Hälfte des schweizweiten Wachstums. Am grössten ist die Differenz bei der Beschäftigung (BE: +4
%, CH: +10 %).
Die für die Abbildung massgebende Entwicklung entspricht dem prozentualen Wachstum von 2008 bis
2018. Das Wachstum jedes Indikators der Schweiz wurde jeweils auf 1 standardisiert (schwarze Linie).
Wäre das Wachstum im Kanton Bern (rote Fläche) bei einem Indikator grösser als in der Schweiz, dann
läge der entsprechende Wert ausserhalb; da das Wachstum überall geringer ausfiel, liegt die rote Fläche
innerhalb der schwarzen Linie. Dies entspricht aber immer noch einer Zunahme gegenüber 2008, die je-
doch weniger stark als im Schweizer Durchschnitt ausgefallen ist.
8/60Neue Regionalpolitik Analyse
Umsetzungsprogramm des Kantons Bern 2020-2023
Abb. Wirtschaftliche Entwicklung: Wachstum 2008 bis 2018
Kanton Bern CH-Durchschnitt
Bevölkerung
2
1.5
1
0.5
Steuerertrag 0 Beschäftigte
BIP
Quelle: Bundesamt für Statistik (BFS), BAK Economics, Finanzdirektion des Kantons Bern (FIN), Eidgenössische Finanzverwal-
tung (EFV)
SWOT-Analyse zur wirtschaftlichen Situation
Die SWOT-Analyse zur wirtschaftlichen Situation im Kanton Bern zeigt dessen wirtschaftliche Ausgangs-
lage und skizziert mögliche zukünftige Entwicklungschancen und -risiken.
Die Aussagen zu den Stärken und Schwächen basieren auf Kennzahlen und Beurteilungen, die über die
dargestellten wirtschaftlichen Indikatoren hinausgehen.
Die Chancen und Risiken werden von externen Faktoren abgeleitet, auf die der Kanton bzw. die einzelnen
Regionen kaum oder gar keinen Einfluss haben. Chancen ergeben sich dann, wenn die bestehenden Stär-
ken genutzt oder ausgebaut werden können, um die wirtschaftliche Entwicklung positiv zu beeinflussen.
Die Risiken treten dann ein, wenn vorhandene Schwächen aufgrund übergeordneter Entwicklungen stär-
ker zum Tragen kommen oder der Kanton bzw. die Regionen zu wenig Handlungsspielraum haben, um
adäquat auf die Risiken zu reagieren.
9/60Neue Regionalpolitik Analyse
Umsetzungsprogramm des Kantons Bern 2020-2023
Stärken Schwächen
‒ politisches Zentrum der Schweiz ‒ im nationalen Vergleich hohe Steuerbelastung
‒ hervorragendes Bildungsangebot auf Tertiär- für juristische und natürliche Personen
stufe (Universität, Fachhochschule, Pädagogi- ‒ unterdurchschnittliches Ressourcenpotenzial
sche Hochschule) ‒ strukturelle Heterogenität innerhalb des Kantons
‒ Hervorragende Innovations- und Forschungsin- (u.a. zwischen städtischen und ländlichen Ge-
stitutionen (Institute an Hochschulen, Switzer- bieten)
land Innovation Park Biel/Bienne, sitem-insel, ‒ kein internationaler Flughafen
Empa) ‒ hohe Kosten für Service public und Infrastruktur
‒ führende Unternehmen und Kompetenzen in zu- aufgrund Geographie und Topographie
kunftsträchtigen Branchen (u.a. Hochpräzisions-
fertigung in der Industrie, Medizintechnik)
‒ gut ausgebildete Fachkräfte
‒ tiefe Arbeitslosigkeit
‒ Zweisprachigkeit
‒ weltbekannte Tourismusdestinationen (u.a.
UNESCO-Weltkultur- und -Weltnaturerbe)
Chancen Gefahren
‒ steigende touristische Nachfrage aus dem Aus- ‒ Abwanderung der Bevölkerung aus ländlichen
land verhilft dem gesamten Kanton Bern zu in- Gebieten führt zu Interessenskonflikten
ternationaler Bekanntheit ‒ hohe Steuerbelastung führt zu Abwanderung
‒ Globalisierung stärkt die Bedeutung der politi- von Unternehmen und dem Verlust von Arbeits-
schen/regulatorischen Rahmenbedingungen und plätzen
damit den Standort Bern ‒ Starker Franken hat negative Auswirkungen auf
‒ Strukturwandel in der Industrie (Digitalisierung) exportorientierte Industrie und den Tourismus
eröffnet neue Geschäftsfelder ‒ Kanton Bern verliert aufgrund schwächerer
‒ industrielles hochspezialisiertes Know-How kann Wachstumsraten den Anschluss an andere
nicht leicht andernorts kopiert werden Schweizer Wirtschaftsstandorte
‒ Medizinstandort Bern profitiert von demographi-
scher und gesellschaftlicher Entwicklung
Hinweis zu den nachfolgenden Abschnitten
In den folgenden Abschnitten zur regionalwirtschaftlichen Analyse nach regionalen Förderprogrammen
werden die Abbildungen zur Branchenstruktur und zur wirtschaftlichen Entwicklung ähnlich verwendet.
Dabei werden die Branchenanteile bzw. das Wachstum der jeweiligen Region jedoch nicht im Verhältnis
zum Schweizer Durchschnitt, sondern im Verhältnis zum Durchschnitt des Kantons Bern dargestellt.
Gleiches gilt für die SWOT-Analyse auf regionaler Ebene, wo Aspekte in den Vordergrund rücken, die für
einzelne Regionen besonders relevant sind, in der SWOT-Analyse des Kantons weniger Gewicht aufwei
sen.
10/60Neue Regionalpolitik Analyse
Umsetzungsprogramm des Kantons Bern 2020-2023
3.2.2 Regionalkonferenzperimeter Biel/Bienne-Seeland-Jura bernois
Branchenstruktur: Relativer Anteil der Beschäftigten nach Branche, 2018
Der Regionalkonferenzperimeter Biel/-Bienne-
Biel/Bienne-Seeland-Jura bernois BE-Durchschnitt Seeland-Jura bernois umfasst 22 % der Bevölke-
rung und 18 % der Beschäftigten des Kantons
Landwirtschaft Bern.
2
Gesundheits-/
Industrie Rund ein Viertel aller Beschäftigten sind in der In-
Sozialwesen 1.5
DL für
1 dustrie tätig; dieser Anteil ist nahezu doppelt so
Bau hoch wie der kantonale Durchschnitt und auch
Unternehmen 0.5
0 schweizweit aussergewöhnlich. Der Dienstleis-
Bildung, öff. Energie und tungssektor (insbesondere Gastgewerbe und
Verwaltung Wasser
Finanzsektor) hat dagegen eine kleinere Bedeu-
Finanzsektor Detailhandel tung als in anderen Regionen.
Gastgewerbe
Quelle: BAK Economics
Wirtschaftliche Entwicklung: Wachstum 2008 bis 2018
Der Regionalkonferenzperimeter Biel/-Bienne-
Biel/Bienne-Seeland-Jura bernois BE-Durchschnitt Seeland-Jura bernois verzeichnete in den letzten
zehn Jahren beim BIP, beim Steuerertrag und
Bevölkerung insbesondere bei den Beschäftigten ein tieferes
2
Wachstum als der kantonale Durchschnitt. Die
1.5
Anzahl der Beschäftigten blieb nahezu konstant.
1
Die Bevölkerung hingegen ist mit einer Zunahme
0.5
von 9 % überdurchschnittlich angestiegen; das
Steuerertrag 0 Beschäftigte
Wachstum liegt aber immer noch unter dem
schweizweiten Bevölkerungswachstum von
11 %.
BIP
Quelle: BFS, BAK Economics, FIN, EFV
11/60Neue Regionalpolitik Analyse
Umsetzungsprogramm des Kantons Bern 2020-2023
SWOT-Analyse zur regionalwirtschaftlichen Situation
Stärken Schwächen
‒ hervorragende Unternehmen und Kompetenzen ‒ strukturelle Heterogenität innerhalb der Region
in der Präzisions- und Metallindustrie (Uhren und (u.a. Branchenstruktur, Entwicklung, Arbeits-
Zulieferbetriebe) markt)
‒ Innovationspotenzial vorhanden (u.a. Switzer- ‒ relativ hohe Arbeitslosigkeit und starke
land Innovation Park Biel/Bienne, BFH-Campus) Beschäftigungsschwankungen
‒ gelebte Zweisprachigkeit ‒ hohe Abhängigkeit vom Aussenhandel bzw.
‒ kleinstrukturierte Unternehmenslandschaft bietet von der internationalen Konjunkturlage
Flexibilität, um auf Veränderungen zu reagieren
Chancen Gefahren
‒ Strukturwandel in der Industrie (Digitalisierung) ‒ Mangel an Fachkräften bremst Entwicklung
eröffnet neue Geschäftsfelder ‒ starker Anstieg der Arbeitslosigkeit und der So-
‒ abgeschlossene bzw. geplante Infrastrukturpro- zialhilfequote bei konjunkturellen Rückschlägen
jekte verbessern die Erreichbarkeit und Attraktivi-
tät
3.2.3 Regionalkonferenzperimeter Oberaargau
Branchenstruktur: Relativer Anteil der Beschäftigten nach Branche, 2018
Der Regionalkonferenzperimeter Oberaargau
Oberaargau BE-Durchschnitt umfasst 8 % der Bevölkerung und 6 % der Be-
Landwirtschaf schäftigten des Kantons Bern.
t
Gesundheits-/ 2 Rund ein Viertel aller Beschäftigten sind in der
Industrie Industrie tätig; dieser Anteil ist nahezu doppelt
Sozialwesen 1.5
1 so hoch wie im kantonalen Durchschnitt und
DL für
Bau auch schweizweit aussergewöhnlich. Auch die
Unternehmen 0.5
0 Landwirtschaft und der Bau weisen überdurch-
Bildung, öff. Energie und schnittliche Beschäftigungsanteile auf. Ent-
Verwaltung Wasser sprechend weniger gross ist die Bedeutung
des Dienstleistungssektors. Im Finanzsektor
Finanzsektor Detailhandel
sowie in der Branche Bildung, öffentliche Ver-
Gastgewerbe waltung betragen die Beschäftigungsanteile je
nur die Hälfte des kantonalen Durchschnitts.
Quelle: BAK Economics
12/60Neue Regionalpolitik Analyse
Umsetzungsprogramm des Kantons Bern 2020-2023
Wirtschaftliche Entwicklung: Wachstum 2008 bis 2018
Das Bevölkerungswachstum lag in den letzten
Oberaargau BE-Durchschnitt zehn Jahren im Durchschnitt des Kantons
Bern; das Wachstum des Steuerertrags lag
Bevölkerung knapp darüber. Das BIP entwickelte sich un-
2
1.5
terdurchschnittlich und das Beschäftigungs-
1
wachstum war in dieser Zeit sogar leicht nega-
0.5 tiv.
Steuerertrag 0 Beschäftigte
BIP
Quelle: BFS, BAK Economics, FIN, EFV
SWOT-Analyse zur regionalwirtschaftlichen Situation
Stärken Schwächen
‒ hervorragende Unternehmen und Kompetenzen ‒ Nähe zu attraktiveren ausserkantonalen
in der Industrie (u.a. Maschinenbau) Standorten (v.a. Steuerbelastung und Verfüg-
‒ gute nationale Erreichbarkeit barkeit von Bauland)
‒ räumliches Entwicklungspotenzial ‒ hohe Abhängigkeit vom Aussenhandel bzw.
von der internationalen Konjunkturlage
Chancen Gefahren
‒ Strukturwandel in der Industrie (Digitalisierung) ‒ Mangel an Fachkräften bremst Entwicklung
eröffnet neue Geschäftsfelder ‒ geringe Dynamik aufgrund der relativ hohen
Steuerbelastung des Kantons Bern
3.2.4 Regionalkonferenz Emmental
Branchenstruktur: Relativer Anteil der Beschäftigten nach Branche, 2018
Die Regionalkonferenz Emmental umfasst rund
Emmental BE-Durchschnitt 9 % der Bevölkerung und 8 % der Beschäftigten
des Kantons Bern.
Landwirtsch…
2 Die Branchenstruktur ist landwirtschaftlich
Gesundheit… 1.5 Industrie
geprägt: mit 12 % der Beschäftigten ist der An-
1 teil mehr als doppelt so hoch wie im gesamten
DL für… 0.5 Bau
Kanton und viermal so hoch wie im schweizwei-
0
ten Durchschnitt. Auch die Industrie ist über-
Bildung, öff.… Energie…
durchschnittlich vertreten. Demgegenüber sind
Finanzsektor Detailhandel
verhältnismässig weniger Personen in den
Dienstleistungsbranchen beschäftigt.
Gastgewerbe
Quelle: BAK Economics
13/60Neue Regionalpolitik Analyse
Umsetzungsprogramm des Kantons Bern 2020-2023
Wirtschaftliche Entwicklung: Wachstum 2008 bis 2018
In der Regionalkonferenz Emmental ging die
Emmental BE-Durchschnitt Beschäftigung in den letzten zehn Jahren leicht
zurück. Die Bevölkerung und das BIP haben
Bevölkerung zwar zugenommen, jedoch deutlich weniger
2
stark als im Kanton Bern. Einzig das Wachstum
1.5
des Steuerertrags liegt im kantonalen Durch-
1
schnitt.
0.5
Steuerertrag 0 Beschäftigte
BIP
Quelle: BFS, BAK Economics, FIN, EFV
SWOT-Analyse zur regionalwirtschaftlichen Situation
Stärken Schwächen
‒ hervorragende Unternehmen und Kompetenzen ‒ Erreichbarkeit (Autobahn)
in der Industrie ‒ wenig Arbeitsplätze im Verhältnis zur Bevölke-
‒ tiefe Arbeitslosigkeit und tiefe Sozialhilfequote rung
‒ lokale Verbundenheit der Unternehmen ‒ geringe Dynamik der Wirtschafts- und Bevölke-
‒ „Emmental“ als positive, traditionelle Marke rungsentwicklung
Chancen Gefahren
‒ mobile Arbeitsformen stärken den Wohnstandort ‒ steigende Mobilitätskosten führen zu Abwan-
derung von Unternehmen und Bevölkerung
‒ abrupter Strukturwandel in der Landwirtschaft
aufgrund von Reformen in der Agrarpolitik
3.2.5 Regionalkonferenz Bern-Mittelland
Branchenstruktur: Relativer Anteil der Beschäftigten nach Branche, 2018
Die Regionalkonferenz Bern-Mittelland umfasst
Bern-Mittelland BE-Durchschnitt rund 40 % der Bevölkerung und 51 % der Be-
Landwirtschaf schäftigten des Kantons Bern.
t
Gesundheits-/ 2 Die Beschäftigungsstruktur zeichnet sich durch
Industrie hohe Anteile in den Dienstleistungsbranchen aus.
Sozialwesen 1.5
DL für
1 Beim Finanzsektor ist die Abweichung zum kan-
Bau tonalen Durchschnitt am grössten – auch wenn
Unternehmen 0.5
0 der Beschäftigungsanteil verglichen mit dem
Bildung, öff. Energie und Schweizer Durchschnitt geringer ist. Aufgrund der
Verwaltung Wasser
Bundesverwaltung liegt der Beschäftigungsanteil
Finanzsektor Detailhandel in der öffentlichen Verwaltung nicht nur über dem
Gastgewerbe
kantonalen, sondern noch deutlicher über dem
Schweizer Durchschnitt.
Quelle: BAK Economics
Wirtschaftliche Entwicklung: Wachstum 2008 bis 2018
14/60Neue Regionalpolitik Analyse
Umsetzungsprogramm des Kantons Bern 2020-2023
Aufgrund ihrer Grösse hat die wirtschaftliche Ent-
Bern-Mittelland BE-Durchschnitt wicklung in der Regionalkonferenz Bern-Mittel-
land einen grossen Einfluss auf die Entwicklung
Bevölkerung des Kantons und die Abweichungen sind entspre-
2 chend gering. Auffallend ist deshalb, dass die Be-
1.5
schäftigung deutlich stärker gewachsen ist als im
1
Durchschnitt. Die Region ist der Beschäftigungs-
0.5
motor des Kantons: 90 % des Beschäftigungs-
Steuerertrag 0 Beschäftigte
wachstums im Kanton Bern erfolgte in Bern-Mit-
telland – und hier ausschliesslich im Dienstleis-
tungssektor (Industrie und Landwirtschaft weisen
rückläufige Beschäftigungszahlen auf). Das Be-
BIP schäftigungswachstum in der Regionalkonferenz
liegt mit rund 8 % jedoch unter dem schweizwei-
Quelle: BFS, BAK Economics, FIN, EFV ten Beschäftigungswachstum von 10 %.
SWOT-Analyse zur regionalwirtschaftlichen Situation
Stärken Schwächen
‒ wirtschaftliches Zentrum des Kantons ‒ geringes Steuersubstrat aufgrund der Bun-
‒ politisches Zentrum der Schweiz desstadtfunktion und der Bundesverwaltung
‒ hohe Dynamik der Wirtschafts- und der Bevöl- ‒ Agglomeration Bern erreicht kritische Grösse
kerungsentwicklung für nationale Führungsrolle nicht
‒ gute nationale Erreichbarkeit ‒ hohe Abhängigkeit von staatlichen oder staats-
‒ hervorragendes Bildungsangebot nahen Unternehmen und Branchen
Chancen Gefahren
‒ zunehmende Bedeutung der politischen Rah- ‒ geringe Dynamik aufgrund der relativ hohen
menbedingungen stärkt den Standort Steuerbelastung des Kantons Bern
‒ Demographie und zunehmender Wohlstand ‒ gewisse Verdrängungseffekte zu Lasten priva-
stärken den national führenden Medizinstandort ter Unternehmen aufgrund der staatlichen
Nachfrage nach Fachkräften und Büroflächen
3.2.6 Regionalkonferenzperimeter Thun-Oberland West
Branchenstruktur: Relativer Anteil der Beschäftigten nach Branche, 2018
Der Regionalkonferenzperimeter Thun-Oberland
Thun-Oberland West BE-Durchschnitt West umfasst rund 16 % der Bevölkerung und
13 % der Beschäftigten des Kantons Bern.
Landwirtsc…
2 Die Beschäftigungsstruktur ist landwirtschaftlich
Gesundheit… Industrie
1.5 und touristisch geprägt; so weist die Region deut-
1 lich grössere Beschäftigungsanteile in der Land-
DL für… 0.5 Bau
wirtschaft und im Gastgewerbe auf als der kanto-
0
nale Durchschnitt. Auch das Baugewerbe ist stär-
Bildung,… Energie… ker vertreten, während in den Dienstleistungs-
branchen verhältnismässig weniger Personen be-
Finanzsektor Detailhandel
schäftigt sind.
Gastgewerbe
Quelle: BAK Economics
Wirtschaftliche Entwicklung: Wachstum 2008 bis 2018
15/60Neue Regionalpolitik Analyse
Umsetzungsprogramm des Kantons Bern 2020-2023
Der Steuerertrag im Regionalkonferenz-perimeter
Thun-Oberland West BE-Durchschnitt Thun-Oberland West verzeichnete in den vergan-
genen zehn Jahren eine überdurchschnittliche
Bevölkerung Zunahme. Diese lag sogar über dem Schweizer
2
1.5
Durchschnitt. Die Bevölkerung und das BIP sind
1
deutlicher weniger stark gewachsen als im ge-
0.5 samten Kanton. Die Beschäftigung blieb unverän-
Steuerertrag 0 Beschäftigte dert.
BIP
Quelle: BFS, BAK Economics, FIN, EFV
SWOT-Analyse zur regionalwirtschaftlichen Situation
Stärken Schwächen
‒ hervorragende Unternehmen und Kompeten- ‒ strukturelle Heterogenität innerhalb der Region
zen in der Industrie (u.a. Maschinenbau) (u.a. Branchenstruktur)
‒ starke Tourismusdestinationen ‒ geringe Produktivität der Branchenstruktur
‒ tiefe Arbeitslosigkeit und tiefe Sozialhilfequote
Chancen Gefahren
‒ Strukturwandel in der Industrie (Digitalisierung) ‒ Strukturwandel bei der touristischen Nachfrage
eröffnet neue Geschäftsfelder führt zu starkem Anstieg der Arbeitslosigkeit
‒ mobile Arbeitsformen stärken den Wohnstand- ‒ mangelndes Angebot und geringe Vielfalt an
ort Arbeitsplätzen führt zu Abwanderung
‒ abrupter Strukturwandel in der Landwirtschaft
aufgrund von Reformen in der Agrarpolitik
‒ Frankenaufwertung bewirkt Rückgang der tou-
ristischen Nachfrage
16/60Neue Regionalpolitik Analyse
Umsetzungsprogramm des Kantons Bern 2020-2023
3.2.7 Regionalkonferenz Oberland-Ost
Branchenstruktur: Relativer Anteil der Beschäftigten nach Branche, 2018
Die Regionalkonferenz Oberland-Ost umfasst
Oberland-Ost BE-Durchschnitt rund 5 % der Bevölkerung und 4 % der Beschäf-
tigten des Kantons Bern.
Landwirtsc…
2 Die Jungfrau Region und Interlaken sind weltbe-
Gesundheit… 1.5 Industrie
kannte Tourismusdestinationen – entsprechend
DL für…
1
Bau
wichtig ist der Tourismus, was sich an der Bedeu-
0.5
tung des Gastgewerbes zeigt: Rund 18 % der Be-
0
schäftigten sind in dieser Branche tätig; dieser
Bildung,… Energie…
Anteil ist rund viermal so hoch wie der kantonale
Finanzsektor Detailhandel und der schweizweite Durchschnitt. Auch in den
Gastgewerbe
Branchen Bau sowie Energie und Wasser sind
deutlich überdurchschnittlich viele Personen be-
Quelle: BAK Economics
schäftigt.
Wirtschaftliche Entwicklung: Wachstum 2008 bis 2018
Das Wachstum des Steuerertrags fiel in der Re-
Oberland-Ost BE-Durchschnitt gionalkonferenz Oberland-Ost überdurchschnitt-
lich aus. Das BIP-Wachstum entsprach knapp
Bevölkerung dem kantonalen Durchschnitt. Die Bevölkerung
2
1.5
und die Beschäftigten sind jedoch deutlich weni-
1 ger stark gewachsen als im ganzen Kanton.
0.5
Steuerertrag 0 Beschäftigte
BIP
Quelle: BFS, BAK Economics, FIN, EFV
SWOT-Analyse zur regionalwirtschaftlichen Situation
Stärken Schwächen
‒ mehrere weltbekannte Tourismusdestinationen ‒ Abhängigkeit der Beschäftigung vom Touris-
‒ zahlreiche leistungsfähige Unternehmen im mus und damit von internationaler Konjunktur
Tourismus und Wechselkursen
‒ breit diversifizierte Gästestruktur ‒ geringe Diversifikation der Branchenstruktur
‒ relativ viele Arbeitsplätze im Tourismus im Ver- ‒ wenig wertschöpfungsstarke Unternehmen
hältnis zur Bevölkerung ‒ anspruchsvolle und kostenintensive Topografie
‒ tiefe Arbeitslosigkeit und tiefe Sozialhilfequote
Chancen Gefahren
‒ Ergänzung des klassischen Tourismus mit An- ‒ Strukturwandel bei der touristischen Nachfrage
geboten im medizinischen Bereich (Potenzial führt zu starkem Anstieg der Arbeitslosigkeit
Gesundheitstourismus) ‒ mangelndes Angebot und geringe Vielfalt an
‒ Ausbau Wasserkraft als nachhaltige und zuver- Arbeitsplätzen führt zu Abwanderung
lässige Energiequelle ‒ Frankenaufwertung bewirkt Rückgang der tou-
ristischen Nachfrage
17/60Neue Regionalpolitik Analyse
Umsetzungsprogramm des Kantons Bern 2020-2023
3.3 Tourismus
Volkswirtschaftliche Bedeutung
Der Kanton Bern gehört zusammen mit Wallis und Graubünden zu den wichtigsten Tourismuskantonen
der Schweiz. Entsprechend gross ist die wirtschaftliche Bedeutung. Insgesamt trägt die gesamte Touris-
musbranche (nur direkte Effekte) im Kanton Bern 24‘000 Vollzeitstellen zur Beschäftigung (5 Prozent der
Gesamtbeschäftigung) und CHF 2.6 Milliarden zur Wertschöpfung (4 Prozent der gesamtkantonalen Wert-
schöpfung) bei. Im Berner Oberland ist der Tourismus eine der wichtigsten Branchen; insbesondere in den
Destinationen Gstaad und Jungfrau Region.
Abb. Volkswirtschaftliche Bedeutung des Tourismus 2016 (nur direkte Effekte)
Wertschöpfungsanteil Beschäftigungsanteil
35 %
30 %
25 %
20 %
15 %
10 %
5%
0%
J3L Bern GS ALK Int JR BE GR VS
Berner Destinationen Kantone CH
Quelle: Rütter Soceco 2018, BFS
Entwicklung der Logiernächte
Der Kanton Bern verzeichnete mit 5.5 Millionen Logiernächten in Hotels und Kurbetrieben im Jahr 2018
ein neues Rekordhoch. Im langfristigen Vergleich lag die Zunahme im Kanton Bern im Schweizer Durch-
schnitt. In den Jahren 2017 und 2018 haben die Logiernächte – mit Ausnahme der Destination Jura/Drei-
Seen-Land – in allen Destinationen deutlich zugenommen.
18/60Neue Regionalpolitik Analyse
Umsetzungsprogramm des Kantons Bern 2020-2023
Abb. Entwicklung der Logiernächte in Hotels und Kurbetrieben, 2006 = 100
125
Interlaken
120
115 Bern
110
Kanton Bern
105
100 Schweiz
95 Jungfrau Region
90
Gstaad
85 Saanenland
80 Jura/Drei-Seen-
Land
75
Adelboden-Lenk-
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
2014
2015
2016
2017
2018
Kandersteg
Quelle: BFS Hesta
SWOT-Analyse: Tourismus Kanton Bern
Stärken Schwächen
‒ Nachfrage aus den neuen Wachstumsmärkten ‒ hohes Preisniveau (u.a. wegen starkem
(z.B. Asien und Golfstaaten) Schwei¬zer Franken)
‒ dank Jungfraujoch und Interlaken verfügt der ‒ rentabilitätsschwache touristische Leistungsträ-
Kanton Bern über zwei internationale Top- ger (Beherbergungs- und Seilbahnbranche)
Brands ‒ zunehmende Abhängigkeit von Wachstumsmärk-
‒ kaufkräftige Senioren stärken den Binnentouris- ten (z.B. China und Indien)
mus und dabei insbesondere den Ausflugstouris-
mus
‒ attraktive urbane wie auch ländliche Gebiete,
(erlauben eine Diversifikation der touristischen
Erscheinungsformen und Gästegruppen)
‒ Polit-Tourismus
Chancen Gefahren
‒ Geschäfts- und Kongresstourismus ‒ verstärkte Konkurrenzsituation im interna-
‒ Sharing Economy (Akquisition von zusätzli¬chen tiona¬len Geschäfts- und Freizeittourismus
Gästen) ‒ hoher Zweitwohnungsanteil
‒ Onlineportale (Bewertung und Buchung) ‒ Arbeits- und Fachkräftemangel
‒ Digitalisierung ‒ Klimawandel (Schneesicherheit des
Alpen¬raums schwindet weiter)
19/60Neue Regionalpolitik Analyse
Umsetzungsprogramm des Kantons Bern 2020-2023
3.4 Potenzialanalyse nach Branchen
Entwicklungspotenzial der einzelnen Branchen im Kanton Bern
Die intern erstellte Potenzialanalyse 1 (Chancen- und Risikoanalyse) schätzt mittels verschiedener Ein-
flussfaktoren (Demografie, natürliche Ressourcen, staatliche Regulierungen und Abkommen, Globalisie-
rung, Digitalisierung, gesellschaftliche Werte sowie Geld- und Währungspolitik) das potenzielle Wert-
schöpfungswachstum ausgewählter Branchen in der Zukunft ab. Die nachfolgende Abbildung zeigt das
Ergebnis dieser Einschätzung.
In Quadrant I der Abbildung sind jene Branchen positioniert, die im Kanton Bern stärker vertreten sind als
in der Schweiz und die ein überdurchschnittliches Entwicklungspotenzial aufweisen. Neben den Dienst-
leistungsbranchen „Gesundheit, Soziales“ und „Information, Kommunikation, Telekom (ICT)“ sind dies die
Industriebranchen „Maschinenbau“, „Uhren“ und „Nahrungsmittel“.
Quadrant II enthält Branchen mit überdurchschnittlichem Entwicklungspotenzial, aber geringerer Präsenz
im Kanton Bern: „Medtech“, „Elektronik, Optik“, „Pharma“, „Wasser, Entsorgung“ und „unternehmensbezo-
gene Dienstleistungen“.
Die Branche „Grosshandel“ in Quadrant III hat ein unterdurchschnittliches Wachstumspotenzial und ist im
Kanton Bern weniger stark vertreten als im Schweizer Durchschnitt.
In Quadrant IV enthalten sind jene Branchen mit unterdurchschnittlichem Entwicklungschancen, aber re-
lativ grosser Bedeutung im Kanton Bern: „Landwirtschaft“, „öffentliche Verwaltung, Bildung“, „Holz, Papier,
Druck“, „Metallindustrie“, „Baugewerbe“ und „Gastgewerbe“.
1
beco Berner Wirtschaft, Entwicklungspotenzial der Wirtschaftsbranchen, interner Bericht, Bern 2018
20/60Neue Regionalpolitik Analyse
Umsetzungsprogramm des Kantons Bern 2020-2023
Standortquotient und Entwicklungspotenzial nach Branchen
1.0
II I
Medtech
0.5
Gesundheits,
Elektronik, Optik Soziales
Entwicklungspotenzial, BE total = 0
Pharma
Wasser, Entsorgung ICT
Uhren
Maschinen-
unternehmens-Nahrungsmittel bau
bezogene DL Energie
0.0
Chemie
Finanzsektor Logistik, Verkehr
Bau
Landwirtschaft
Öff. Verwaltung,
Gastgewerbe Bildung
Grosshandel
Metallindustrie
-0.5
Holz, Papier, Druck
Detailhandel
-1.0
III IV
0.0 0.5 1.0 1.5 2.0
Standortquotient, CH = 1 (BWS)
Legende BWS-Anteil:
● 1.Sektor
15 %
6 %
● 2.Sektor
2 %
● 3.Sektor 0.3 %
Standortquotient: BWS-Anteil einer Branche im Kanton Bern im Verhältnis zum BWS-Anteil dieser Bran-
che in der Schweiz
Quelle: BAK Economics (Stand: Dez. 2017, prov. Daten für 2017)
21/60Neue Regionalpolitik Strategische Rahmenbedingungen
Umsetzungsprogramm des Kantons Bern 2020-2023
4. Strategische Rahmenbedingungen
Das Umsetzungsprogramm NRP 2020-2023 ist strategisch eingeordnet in die Richtlinien der Regierungs-
politik 2019-2022, in den kantonalen Richtplan, in die Wirtschaftsstrategie 2025 sowie in die für die NRP
wichtigen Bereichsstrategien (insbesondere Tourismus und Innovationsförderung). Der Finanzbedarf ist
mit dem Aufgaben- und Finanzplan abgestimmt.
Abb. Instrumente zur Koordination der Sektoralpolitik
Bund
Raumkonzept
Botschaft Standortförderung Mehrjahresprogramm NRP
Schweiz
Kanton
Regierungsrichtlinien 2019-2022
Aufgaben- und Kantonaler Wirtschaftsstrategie
Finanzplan Richtplan 2025
Tourismus BE 2025 Umsetzungsprogramm NRP
Innovationsförderungsstrategie Energiestrategie
Agglomerationsprogramme Bildungsstrategie
Verkehr und Siedlung
Spitalversorgungsplanung
Investitionsrahmenkredit ÖV
Angebotsbeschluss ÖV Kulturstrategie
Investitionsrahmenkredit Strasse Finanz- und Lastenausgleich
Strassennetzplan Gesundheitsstrategie
Regionen
Regionalkonferenzen
Quelle: eigene Darstellung
22/60Neue Regionalpolitik Strategische Rahmenbedingungen
Umsetzungsprogramm des Kantons Bern 2020-2023
4.1 Richtlinien der Regierungspolitik 2019-2022
In den Richtlinien der Regierungspolitik 2019–2022 hat der Regierungsrat des Kantons Bern eine Vision
mit Zeithorizont 2030 definiert. Er will in den kommenden zwölf Jahren die Ressourcen- und Wirtschafts-
kraft des Kantons stärken, die Lebensqualität der Bevölkerung steigern, den gesellschaftlichen Zusam-
menhalt festigen sowie als Kanton eine führende Rolle beim Bewältigen der Herausforderungen im Um-
weltbereich übernehmen.
Dafür hat der Regierungsrat fünf strategische Ziele festgelegt. Diese orientieren sich an der Grundmaxime
der Nachhaltigen Entwicklung und sind jeweils mit Massnahmen verknüpft.
Die kursiv dargestellten Ziele (Nr. 1 und Nr. 4) sind in besonderem Masse relevant für das vorliegende
Umsetzungsprogramm und wurden in den Förderinhalten, Förderschwerpunkten und Wirkungsmodellen
speziell berücksichtigt.
‒ Ziel 1: Der Kanton Bern ist ein attraktiver Innovations- und Investitionsstandort. Er fördert die Vernet-
zung von Forschung und Wirtschaft.
‒ Ziel 2: Der Kanton Bern nutzt als nationales Politikzentrum die Chancen der digitalen Transformation
und erbringt wirkungsvolle, qualitativ hochstehende und effiziente Dienstleistungen für Bevölkerung und
Wirtschaft.
‒ Ziel 3: Der Kanton Bern ist für seine Bevölkerung attraktiv. Er fördert den gesellschaftlichen Zusam-
menhalt durch eine verstärkte und gezielte Integration von sozial Benachteiligten.
‒ Ziel 4: Der Kanton Bern pflegt seine regionale Vielfalt und nutzt verstärkt das Potenzial der Zweispra-
chigkeit.
‒ Ziel 5: Der Kanton Bern schafft gute Rahmenbedingungen für Zukunftstechnologien und Nachhaltige
Entwicklung.
4.2 Kantonaler Richtplan
Der kantonale Richtplan (Richtplan 2030) setzt den Rahmen für konsolidierte Sachplanungen, Leitbilder
und Konzepte des Kantons. Er ist eines der übergeordneten Führungsinstrumente der Regierung und ein
verbindlicher Orientierungsrahmen für die Umsetzung der Neuen Regionalpolitik im Kanton Bern. Der
Richtplan 2030 ist in das Raumkonzept Schweiz eingebettet.
Der Kanton Bern unterstützt die Zusammenarbeit in funktionalen Räumen auf allen Stufen. Schwerpunkte
setzt er in der Zusammenarbeit in der Hauptstadtregion Schweiz und den anderen Handlungsräumen des
Raumkonzepts Schweiz sowie mit und innerhalb der Regionalkonferenzen. Er nimmt seine Brückenfunk-
tion über die Sprachgrenze zwischen deutsch- und französischsprachiger Schweiz bewusst wahr.
Der Kanton Bern liegt in unmittelbarer Nähe zu den wichtigsten Märkten der Schweiz und Europas. Will er
dieses Potenzial nutzen, muss er seine Kräfte konzentrieren und gezielt einsetzen. Tragendes Element
dabei ist die Zentralitätsstruktur. Der wirtschaftliche Motor von nationaler Bedeutung ist die Agglomeration
Bern. Ihre Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den Zentren Zürich, Basel und Lausanne/Genf muss erhalten
bleiben. Die Zentren Biel und Thun sind von kantonaler, Langenthal, Burgdorf und Interlaken sind von
regionaler Bedeutung. Die städtischen Zentren liegen entlang der Entwicklungsachsen auf nationaler und
internationaler Ebene. Im Kanton Bern bilden diese übergeordneten Achsen ein doppeltes Kreuz mit der
Mittelland-Achse, der Jurasüdfuss-Achse sowie der Nord-Süd-Achse innerhalb des Kantons.
23/60Neue Regionalpolitik Strategische Rahmenbedingungen
Umsetzungsprogramm des Kantons Bern 2020-2023
Auf der kantonalen und regionalen Ebene müssen die Wirtschaftskräfte gebündelt werden. Nur so kann
der Mitteleinsatz effizient und unter Berücksichtigung der regionalen Vielfalt erfolgen. Dazu werden acht
regionale Zentren von kantonaler Bedeutung festgelegt: Moutier, St-Imier, Lyss, Schwarzenburg, Langnau,
Saanen-Gstaad, Frutigen und Meiringen. Dank weniger, dafür besser erschlossener Regionalzentren soll
in ländlichen Regionen die Grundversorgung mit zentralen Funktionen gewährleistet und das Entwick-
lungspotenzial gestärkt werden.
Das kantonale Umsetzungsprogramm NRP setzt den Fokus unverändert auf diese regionalen Zentren. Sie
sollen als Motoren für die Entwicklung der ganzen Region gestärkt werden. Die Zentralitätsstruktur gemäss
Richtplan 2030 ist für das Umsetzungsprogramm NRP 2020-2023 verbindlich. Insbesondere für grössere
Infrastrukturvorhaben im Rahmen der NRP wird die Konzentration auf die regionalen Zentren von kanto-
naler Bedeutung weiter verstärkt.
24/60Neue Regionalpolitik Strategische Rahmenbedingungen
Umsetzungsprogramm des Kantons Bern 2020-2023
Abb. Räumliche Struktur des Kantons Bern
Quelle: Richtplan Kanton Bern
25/60Neue Regionalpolitik Strategische Rahmenbedingungen
Umsetzungsprogramm des Kantons Bern 2020-2023
4.3 Wirtschaftsstrategie 2025
Die Wirtschaftsstrategie 2025 legt die wirtschaftspolitischen Ziele und Schwerpunkte für die nächsten fünf-
zehn Jahre fest. Sie wurde vom Regierungsrat erarbeitet und vom Grossen Rat im November 2011 zur
Kenntnis genommen.
Bis ins Jahr 2025 soll der Wohlstand der Bernerinnen und Berner über den Schweizer Durchschnitt an-
steigen. Gleichzeitig will sich der Kanton Bern bei der Wirtschaftskraft in der Rangliste der Kantone ver-
bessern.
Um dieses anspruchsvolle Ziel zu erreichen, hat der Regierungsrat in seiner Wirtschaftsstrategie 2025 drei
Handlungsachsen bestimmt. Diese setzen dort an, wo Handlungsbedarf besteht und wo der Kanton effek-
tiv Einfluss nehmen kann:
‒ Der Kanton setzt auf Innovation und auf Schonung der Ressourcen
‒ Der Kanton setzt Anreize richtig und baut bestehende Fehlanreize ab
‒ Der Kanton handelt verständlich und bürgernah
Der Regierungsrat hat im Mai 2018 ein drittes Massnahmenpaket zur Umsetzung der Wirtschaftsstrategie
2025 beschlossen. Mit sechs Massnahmen will er die Attraktivität des Kantons Bern als Wirtschaftsstandort
weiter verbessern und günstige Rahmenbedingungen für ein nachhaltiges wirtschaftliches Wachstum
schaffen. Ziel ist, dass mehr Unternehmen zusätzliche Arbeitsplätze in wertschöpfungsstarken Branchen
im Kanton Bern anbieten können.
Massnahmen, die besonders mit der NRP abgestimmt sind und auch über die NRP gefördert werden sol-
len, sind kursiv dargestellt:
‒ Innovationen fördern
Die Innovationsförderung des Kantons Bern trägt dazu bei, die Leistungs- und Wettbewerbsorientierung
von Berner Unternehmen zu stärken und dadurch deren Wertschöpfung zu steigern. Der Kanton Bern
engagiert sich dabei in seinen bereits vorhandenen Kompetenzfeldern und Wachstumsmärkten. Die
Standortförderung hilft, exportorientierte, innovative Projekte, Neuheiten und Investitionsabsichten von
volkswirtschaftlicher Bedeutung mitzufinanzieren.
‒ Steuerstrategie aktualisieren
Die Steuerbelastung liegt im Kanton Bern deutlich über dem schweizerischen Durchschnitt. Dies gilt
sowohl für die Steuern der natürlichen Personen als auch für die Steuern der juristischen Personen,
weshalb aus Sicht der Standortattraktivität Handlungsbedarf besteht.
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