Diversity and Inclusion Management in der Schweiz 2020 - Eine empirische Studie unter spezieller Berücksichtigung der Dimension sexuelle ...

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Diversity and Inclusion Management in der Schweiz 2020 - Eine empirische Studie unter spezieller Berücksichtigung der Dimension sexuelle ...
Diversity and Inclusion Management
in der Schweiz 2020
Eine empirische Studie unter spezieller Berücksichtigung der Dimension
sexuelle Orientierung, Geschlechtsidentität und -ausdruck (LGBTIQ*)
Diversity and Inclusion Management in der Schweiz 2020 - Eine empirische Studie unter spezieller Berücksichtigung der Dimension sexuelle ...
Impressum

1. Auflage, Januar 2021

Diversity and Inclusion Management in der Schweiz 2020 – eine empirische Studie unter spezieller Berücksichtigung
der Dimension sexuelle Orientierung, Geschlechtsidentität und -ausdruck (LGBTIQ*)

Konzept und Realisierung: Prof. Dr. Andrea Gurtner
Inhalt und Texte: Lena Scheidegger und Linda Rhyn
Gestaltung und Realisation: Etage Est GmbH – Visuelle Kommunikation, Bern
Titelbild: iStock

Nutzungsrechte: Alle veröffentlichten Daten und Beiträge sind urheberrechtlich geschützt. Das gilt auch gegenüber
Datenbanken und ähnlichen Einrichtungen. Die Reproduktion, ganz oder in Auszügen, durch Nachdruck
oder andere Vervielfältigungsverfahren bedarf der vorherigen schriftlichen Zustimmung der Berner Fachhochschule.
Alle übrigen Rechte bleiben vorbehalten. Abdruckanfragen richten Sie bitte an die Berner Fachhochschule.

Herausgeben von: Prof. Dr. Andrea Gurtner, Berner Fachhochschule, Wirtschaft, Institut New Work, Brückenstrasse 73,
3005 Bern, T direkt +41 31 848 34 60, T Zentrale +41 31 848 34 00, andrea.gurtner@bfh.ch, wirtschaft.bfh.ch
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Management Summary

Diversity and Inklusion Management steht für den strategischen Umgang mit                                                3

der Vielfalt und Heterogenität von Mitarbeitenden. Ein ganzheitliches Diversity
and Inclusion Management, das neben Alter, Geschlecht, Nationalität, kultu­
relle und soziale Herkunft, Hautfarbe, oder geistige und körperliche Fähigkeiten
auch die Dimension sexuelle Orientierung, Geschlechtsidentität und -ausdruck
­umfasst, wird zunehmend als Wettbewerbsvorteil auf dem Arbeitsmarkt anerkannt.

Die Berücksichtigung der Vielfaltsdimension sexuelle       Die vorliegende Studie stellt Resultate zum Diversity
Orientierung, Geschlechtsidentität und -ausdruck           and Inclusion Management in der Schweiz mit
signalisiert eine hohe Wertschätzung von individueller     ­Fokus auf die Dimension sexuelle Orientierung, Ge-
Vielfalt und wirkt als Katalysator innerhalb eines          schlechtsidentität und -ausdruck vor und formu-
­starken Diversity and Inclusion Managements. Eine          liert Vorschläge für eine nachhaltige Verankerung die-
 offene und inklusive Organisationskultur ermög-            ser Dimension in der Unternehmenspraxis im
 licht Mitarbeitenden Sinn und Erfüllung in Ihrer Arbeit    ­Rahmen eines systematischen von Diversity and Inclu­
 zu finden und ihr volles Potential einzubringen.            sion Managements.

Bei der ersten Befragung zum Thema Diversity and           In der Schweiz ist auch in grossen Unternehmen und
Inclusion im Jahr 2017 zeigt sich, dass die Dimension      Organisationen Diversity and Inclusion Manage-
sexuelle Orientierung, Geschlechtsidentität und            ment (noch?) nicht selbstverständlich. Das zeigt sich
­-ausdruck bei Schweizer Unternehmen eine eher sel-        einerseits in der Schwierigkeit, entsprechende
 ten betrachtete Vielfaltsdimension darstellt.             ­Organisationen für Befragungen zu gewinnen, anderer-
                                                            seits auch dadurch, dass die befragten Organisatio-
Wie steht es also im Jahr 2020 um das Diversity and         nen sehr unterschiedliche Begriffe verwenden. Ent-
Inclusion Management und im speziellen um die               sprechend vielfältig sind auch die jeweiligen Kon­
­Inklusion von lesbischen, schwulen, bisexuellen,           zepte und Massnahmen. Während rund zwei Drittel der
 trans* und intergeschlechtlichen Menschen bei              ­befragten Unternehmen und Organisationen ein
 Schweizer Arbeitgebenden?                                   ­abgestimmtes Gesamtkonzept entwickelt haben, sind
                                                              ­andere erst auf dem Weg dazu oder verstehen Inklu­
Im Frühjahr 2020 wurden zum zweiten Mal die                    sion als implizit in ihrer Unternehmenskultur veran-
500 umsatzstärksten Schweizer Unternehmen, alle                kert. «Keinen Unterschied zwischen einzelnen Grup-
Kantonsverwaltungen, die Bundesverwaltung                      pen zu machen» birgt allerdings die Gefahr, spezifische
­sowie Fachhochschulen und Universitäten für die               Benachteiligungen oder Bedürfnisse einzelner Grup-
 Teilnahme an der Diversity and Inclusion Befra-               pen oder Menschen nicht zu erkennen. Wo Massnah-
 gung kontaktiert. Berücksichtigt wurden Unternehmen           men implementiert werden, sind die am häufigsten
 und Organisationen mit mehr als 200 Mitarbeiten-              berücksichtigten Diversity-Dimensionen Geschlecht,
 den und Sitz in der Deutschschweiz oder der Roman-            ­Behinderung und Alter. Sexuelle Orientierung
 die. Bedingung zur Teilnahme war, dass die Unter­              und ­Geschlechtsidentität werden von 24 der 38 be­
 nehmen und Organisationen über ein Diversity and               fragten Organisationen explizit berücksichtigt.
 Inclusion Management verfügen oder zumindest                   ­Diese Organisationen verfügen eher über ein professi-
 ­Massnahmen in diesem Bereich implementiert haben.              onelles Diversity and Inclusion Management und
                                                                 ­gehen auch eher davon aus, dass Unternehmen mit
Der Lockdown aufgrund der Corona-Pandemie fiel                    ent­sprechenden Konzepten und Massnahmen wirt-
mitten in die Befragung. Die HR-Abteilungen waren                 schaftlich erfolgreicher sind.
stark durch deren Bewältigung gefordert. Umso
­erfreulicher ist es, dass trotzdem 38 Unternehmen und
 Organisationen aus unterschiedlichen Branchen und
 Regionen an der Studie teilgenommen und im Rahmen
 von standardisierten telefonischen Interviews detail-
 lierte Fragen zu ihrem Diversity and Inclusion Manage-
 ment beantwortet haben.
Diversity and Inclusion Management in der Schweiz 2020 - Eine empirische Studie unter spezieller Berücksichtigung der Dimension sexuelle ...
Inhaltsverzeichnis

4   3    Management Summary

    5    Vorwort

    6    Begrifflichkeiten

    8    Die Studie Diversity and Inclusion Management in der Schweiz 2020

    12 Resultate
    12	
       Welche Begriffe werden von den befragten ­Organisationen für das ­Diversity
       and Inclusion Management verwendet?
    13 Wie gehen die Unternehmen mit der Vielfalt ihrer Mitarbeitenden um?
    13	
       Welche Dimensionen des Diversity and Inclusion Managements werden
       aktuell in den Organisationen berücksichtigt?
    15 Wie ist das Diversity and Inclusion Management in der Organisation verankert?
    17 In welcher Form kommen Diversity and Inclusion Instrumente zum Einsatz?
    19 Welche Relevanz hat Diversity and Inclusion Management für die befragten O  ­ rganisationen?
    21	
       Welche Bedeutung weisen die befragten Organisationen der Kerndimension ­
       sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentitätzu?

    14   Bern – Stadt der Beteiligung und der Vielfalt
    16   L’égalité est une des priorités de l’Université de Genève
    20   Luzerner Kantonalbank AG – führend, persönlich, solide Diversität leben!
    27   Diversity-Board setzt sich für Vielfalt in der SRG ein
    29   Der Unterschied ist: Wir machen keinen. Die Swiss Diversity Initiative bei Schindler

    31 Schlussfolgerung

    32	Vorschläge von konkreten Massnahmen

    35 Literatur

    35 Institut New Work, Berner Fachhochschule, ­Wirtschaft

    36 Interviewte Unternehmen
Diversity and Inclusion Management in der Schweiz 2020 - Eine empirische Studie unter spezieller Berücksichtigung der Dimension sexuelle ...
Vorwort

Gerne präsentieren wir Ihnen die Ergebnisse der               Diese Studie gibt Ihnen darauf Antworten. Eines kann      5
­zweiten empirischen Studie zum Stand des Diversity           allerdings bereits gesagt werden: Im Vergleich zum
 and Inclusion Managements in der Deutschschweiz              Jahr 2017 wird der Dimension sexuelle Orientierung,
 und neu auch in der Romandie mit besonderer Berück-          Geschlechtsidentität und -ausdruck in Schweizer
 sichtigung der Dimension sexuelle Orientierung,              ­Organisationen mittlerweile mehr Aufmerksamkeit
 ­Geschlechtsidentität und -ausdruck. Warum legen              geschenkt.
  wir den Fokus auf diese Dimension? In den ver­
  gangenen drei Jahren haben auf gesellschaftlicher           Mit dem vorliegenden Bericht möchten wir allen be-
  und p     ­ olitischer Ebene die Inklusion und Siche-       fragten Expert*innen für Diversity and Inclusion
  rung ­gleicher Rechte von homosexuellen und trans*          für ihre Bereitschaft zur Teilnahme an dieser Studie
  Menschen g­ rosse Beachtung gefunden und zu viel­           danken. Sie haben sich die Zeit genommen, um
  fältigen Diskussionen in Öffentlichkeit und Medien          uns ­einen vertieften Einblick in ihre Unternehmens­
  geführt. Im K      ­ ontext von Digitalisierung und Auto­   praxis zu gewähren. Ihre vielfältigen Antworten
  matisierung s­ tellen Unternehmen und Organisationen        und detaillierten Schilderungen ermöglichen nicht
  fest, dass ­einer vielfältigen und innovativen Beleg-       nur eine Beschreibung des Status quo, sondern ani­
  schaft eine Schlüsselrolle zukommt und präsentieren         mieren und motivieren hoffentlich auch weitere Orga-
  sich über eine wertschätzende, offene und inklu­            nisationen eigene Massnahmen zu implementieren.
  sive Unternehmenskultur als attraktive Arbeitgebende.       Ein besonderer Dank gebührt auch denjenigen Unter-
  Junge, (hoch)-qualifizierte und -motivierte Arbeit­         nehmen und Organisationen, die uns ihren Umgang
  nehmende stellen hohe Ansprüche und achten auf              mit der Vielfalt und Heterogenität ihrer Mitarbeitenden
  ­entsprechende Signale von Unternehmen und                  in einem eigenen Porträt vorstellen. Danken möchte
   ­Organisationen. Die Nachfrage von Unternehmen und         ich insbesondere Lena Scheidegger. Ohne ihre umsich-
    ­Organisationen nach einer Auszeichnung mit den           tige Planung und Durchführung der Interviews,
     neu lancierten Swiss LGBTI-Label zeigt, dass die         ­unterstützt durch Linda Rhyn, wäre diese Studie nicht
     ­positive Signalwirkung, die von inklusiven Mass­         zustande gekommen
      nahmen im Bereich sexuelle Orientierung, Geschlecht-
      sidentität und -ausdruck zunehmend Beachtung            Bern, 12. November 2020
      ­findet. Im Zeitalter von sozialen Medien und Bewer-
       tungsplattformen zählen bei der Stellensuche aller-
       dings nicht Lippenbekenntnisse, sondern Taten und
       Erfahrungs­berichte.

Wie steht es also drei Jahre nach der ersten Durchfüh-
rung der Befragung um das Diversity and Inclusion
Management und im speziellen um die Inklusion von
lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans* und inter­
geschlechtliche Menschen bei Schweizer Arbeitgeben-
den?

Prof. Dr. Andrea Gurtner
Institut New Work der BFH Wirtschaft
andrea.gurtner@bfh.ch
Begrifflichkeiten

6   Nachfolgend werden die für die Studie relevanten theoretischen Begriffe erläutert.
    Hierzu wird zuerst auf das übergeordnete Thema Diversität eingegangen, gefolgt
    von der Erläuterung des Inklusionsbegriffs. Schliesslich wird die im vorliegenden
    Bericht fokussierte Diversity-Dimension «LGBTIQ*» beschrieben.

    Diversität
    Diversität (engl. Diversity; auch im deutschen Sprach-        Merkmale wie Alter, Geschlecht oder Behinderung sind
    raum wird oft der englische Begriff verwendet) wird           keine objektiven Gegebenheiten, sondern kulturelle
    auf zahlreiche Arten definiert und umfasst im weites-         Konstrukte. Als unsichtbar gelten die Diversity-Merk-
    ten Sinne Merkmale von Gruppen wie bspw. Migrati-             male Religion sowie sexuelle Orientierung, Ge­
    onshintergrund, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit,          schlechtsidentität und -ausdruck. Neben den sichtbaren
    Alter, Religion, sexuelle Orientierung, Geschlechts­          und unsichtbaren Merkmalen kann Diversity in vier
    identität und -ausdruck, Persönlichkeit, Sprache,             Ebenen eingeteilt werden (vgl. Abbildung 1). Die inter-
    Bildung, körperliches Aussehen, Lebensstil usw.               nen Dimensionen werden als sechs Kerndimensionen
    (Itam & Bagali 2018). Nach Gardenswartz und Rowe              von Diversity bezeichnet. Im organisationalen Kontext
    (1996) wird zwischen sichtbaren und unsichtbaren              steht Diversity für die Betrachtung der Vielfalt der
    Diversity-Merkmalen unterschieden. Auch sichtbare             Mitarbeitenden (Wodrack 2014).

     Organisationale Dimensionen
     Funktion, Arbeitsinhalte,                                                            Externe Dimensionen
     Abteilung, Arbeitsort, Arbeitsfeld,                                                  Ausbildung, Berufserfahrung,
    ­Managementstatus,                                                                    ­Einkommen, Wohnort, Familien-
     Gewerkschaftszugehörigkeit                                                            stand, Elternschaft, Gewohnheiten

                                                                                          Persönlichkeit

     Interne Dimensionen
     Alter, Geschlecht, k­ ulturelle
     Herkunft, Religion,
    ­sexuelle ­Orientierung/
     Geschlechtsidentität,
    ­Behinderung

    Abbildung 1: Vier Ebenen nach Gardenswartz und Rowe (1996).

    Inklusion
    Inklusion (engl. Inclusion; auch im deutschen Sprach-         einbeziehen aller Individuen. Das heisst, im Rahmen
    raum wird oft der englische Begriff verwendet) be-            der Inklusion sollen die strukturellen und sozialen
    schreibt eine Umwelt oder Gesellschaft, in der jeder          Bedingungen in Organisationen so gestaltet werden,
    Mensch – unabhängig von Diversity-Merkmalen –                 dass sie allen Mitarbeitenden eine optimale Ent­
    ­akzeptiert wird und selbstbestimmt sowie gleichbe-           wicklung und Entfaltung ermöglichen (Wondrak 2014).
     rechtigt am gesellschaftlichen Leben teilhaben
     kann. Wohingegen Diversity-Konzepte allgemein den
     Umgang mit der Vielfalt der Personen in einer
     ­Organisation beschreiben, bezieht sich das Konzept
      der Inklusion konkret auf ein konstruktives Mit­
Diversity and Inclusion Management                                                                                     7

Wirtschaftliche und gesellschaftliche Trends verändern      –	Die diskriminierungsfreie Zusammenarbeit sowie
die Arbeitswelt. Die Berücksichtigung von gesellschaft-        die Chancengleichheit führen zu erhöhtem Commit-
lichen Entwicklungen durch entsprechende Massnah-              ment und grösserer Arbeitszufriedenheit, einer
men ermöglicht einem Unternehmen, sich im Wettbe-              motivierten Belegschaft sowie einer offeneren Un-
werb um qualifiziertes Personal zu positionieren.              ternehmenskultur.
­Diversity and Inclusion Management zeigt Wege auf,         –	Das Marketing kann zielgruppenspezifischer gestal-
 wie ein Unternehmen auf bestimmte Trends reagie-              tet werden, womit neue Märkte und andere Ziel­
 ren und diese optimal nutzen kann (Charta der Vielfalt        gruppen erreicht und die generelle Wettbewerbs­
 2020). Aufgabe des Diversity and Inclusion Manage-            fähigkeit erhöht werden.
 ments ist die Entwicklung einer inklusiven Kultur, in      –	Wirtschaftlichkeit und Leistungsfähigkeit des Unter-
 welcher den Mitarbeitenden in ihrer Vielfalt und Ein­         nehmens werden verbessert.
 zigartigkeit Wertschätzung entgegengebracht wird und
 dies als Vorteil im Wettbewerb um die besten Talente       Ein ganzheitliches Diversity and Inclusion Management
 wahrgenommen wird. Folgende Vorteile von Diversity         berücksichtigt alle sechs Kerndimensionen und ver-
 and Inclusion Management können genannt werden             fügt über entsprechende Instrumente und Prozesse.
 (Charta der Vielfalt 2020):                                Der Erfolgsbeitrag von Diversity and Inclusion wird
 –	Indem ein Unternehmen Offenheit und Wertschät-          beeinflusst von der Anerkennung, die das Thema im
    zung von einer vielfältigen Belegschaft fördert,        Unternehmen erfährt, der Kreativität der Mitarbei­
    steigert es seine Attraktivität auf dem Arbeitsmarkt    tenden, dem Engagement der Strategieverantwortli-
    und zieht Talente an.                                   chen und der Eignung der Instrumente (Kinne 2016).
–	Durch heterogene Teams verfügt das Unternehmen
    über eine höhere Kreativität, Innovationskraft und
    ein grösseres Potential für Problemlösungen.

LGBTIQ*
Die Diversity-Dimension sexuelle Orientierung,              Sexuelle Orientierung beschreibt, auf welches Ge-
­Geschlechtsidentität und -ausdruck und Geschlechts-        schlecht des Gegenübers sich die emotionalen
 merkmale umfasst eine Gruppe von Personen,                 und ­sexuellen Wünsche richten. Geschlechtsidentität
 ­deren ­sexuelle Orientierung, Geschlechtsidentität und    und -ausdruck bezieht sich auf das Bewusstsein
  -ausdruck oder körperliche Geschlechtsmerkmale            der ­geschlechtlichen Zugehörigkeit als weiblich, männ-
  sich von derjenigen der Mehrheit der Bevölkerung          lich oder nonbinär, das mit dem körperlichen Ge-
  unterscheiden. Der Begriff LGBTIQ* kommt aus              schlecht identisch oder nicht identisch sein kann. Als
  dem englischen Sprachraum und ist ein Akronym für         intergeschlechtlich bezeichnen sich Menschen,
  lesbian, gay, bisexual, transgender, intergender          die mit uneindeutigen oder atypischen körperlichen
  und queer (Deutsch lesbisch, schwul, bisexuell, trans-    Geschlechtsmerkmalen geboren wurden (Eisner &
  gender, intergeschlechtlich und queer). Das Gender-       ­Hässler 2019). Die adäquate Berücksichtigung dieser
  sternchen * öffnet das Akronym für weitere Identitäten.    Heterogenität, ohne stereotype Zuschreibungen
                                                             ­for­tzuschreiben, ist eine der Herausforderungen eines
                                                              integrativen Diversity and Inclusion Managements.
Die Studie Diversity and Inclusion Management
    in der Schweiz 2020

8   In erster Linie folgt die Beschreibung der Ziele, des methodischen Vorgehens
    ­sowie der teilnehmenden Organisationen der Untersuchung 2020. Insge-
     samt ­wurden 518 Organisationen für die Teilnahme an der Studie angefragt.
     ­Unternehmen und Organisationen, die über kein Diversity and Inclusion
      ­Management verfügen, wurden einzig nach den Gründen dafür befragt. Diese
       ­werden im Anschluss an die teilnehmenden Organisationen beschrieben.

    Ziele
    Diversity and Inclusion Management motiviert Unter-       Befragung in regelmässigen Abständen durchzuführen.
    nehmen und Verwaltungen, verantwortungsvoll mit der       So können die Veränderungen des Diversity and
    Vielfalt an Menschen und Eigenschaften umzugehen          ­Inclusion-Engagements von Organisationen in der
    und ermöglicht, sich als attraktive*r Arbeitgeber*in zu    Deutschschweiz und der Romandie im Zeitverlauf
    positionieren. Die vorliegende Studie wurde vom            festgestellt und die Hintergründe dafür ermittelt wer-
    ­Institut New Work der Berner Fachhochschule Wirt-         den. Zudem kann eruiert werden, ob die Wirkung
     schaft durchgeführt. Sie lehnt sich eng an die Studie     der angewandten Massnahmen intern überprüft wird.
     «Diversity Management in der Schweiz 2017» an. Das        Die Studie ermöglicht einen Überblick über den
     Ziel der Untersuchung ist es, den Entwicklungs-           ­aktuellen Stand des Diversity and Inclusion Manage-
     stand der verschiedenen Dimensionen des Diversity          ments in der Schweiz und zeigt Unternehmen und
     and Inclusion Managements in der deutsch- und              Verwaltungen Handlungsfelder auf zur Entwicklung
     ­französischsprachigen Schweizer Arbeitswelt zu erfas-     oder zum Ausbau eines ganzheitlichen Diversity
      sen. Weiter soll der Stellenwert ermittelt werden,        and Inclusion Managements unter besonderer Berück-
      den die Dimension sexuelle Orientierung, Geschlecht-      sichtigung der Kerndimension sexuelle Orientierung,
      sidentität und -ausdruck (LGBTIQ*) in der Personal­       Geschlechtsidentität und -ausdruck.
      politik einnimmt. Das langfristige Ziel ist es, diese

    Methode
    Für die Studie wurden die 500 umsatzstärksten             Die Interviews wurden mit Hilfe eines standardisierten
    Schweizer Unternehmen berücksichtigt (vgl. Bisnode        Fragebogens telefonisch durchgeführt. Befragt
    Top 500) alle Kantonsverwaltungen, die Bundes­            ­wurde die jeweils verantwortliche Person für HR/
    verwaltung, Fachhochschulen und Universitäten. Die         Diversity (Expert*innen für Diversity and Inclusi-
    Universitäts- und Kantonsspitäler sowie Reiseunter-        on). Mit Hilfe des bereits zugesandten Fragebogens
    nehmen wurden wegen der Coronakrise und deren Aus-         konnten allfällige Fragen direkt geklärt werden.
    wirkungen nicht angefragt. Es wurden nur Organi­
    sationen der deutsch- und französischsprachigen Regi-     Da es sich um eine Replikationsstudie, der im Jahr
    onen der Schweiz mit mehr als 200 Mitarbeitenden          2017 durchgeführten Studie handelt, stützten sich die
    berücksichtigt. Insgesamt wurden 518 Organisationen       gestellten Fragen auf den 2017 verwendeten Frage­
    identifiziert.                                            bogen. Neben der Beantwortung der standardisierten
                                                              Fragen erlaubte es das Telefoninterview auch
    Die ausgewählten Organisationen wurden telefonisch        ­spontane Äusserungen und Ausführungen der befrag-
    und per E-Mail kontaktiert und über die Rahmenbedin-       ten Expert*innen zu notieren und dadurch zusätzli-
    gungen der Studie informiert. Falls die Bereitschaft       che Informationen zu erhalten.
    zur Teilnahme vorhanden war, wurde ein Befragungs-
    termin vereinbart und ein provisorischer Fragebo-
    gen zur Vorbereitung per Mail zugesandt.
Teilnehmende Organisationen                                                                                                                  9

Insgesamt wurden 518 Organisationen kontaktiert.                                     fanden. Die ersten Anfragen im März wurden aufgrund
Nach dem Erstkontakt waren insgesamt 38 (7.3 %)                                      des Lockdowns Mitte März unterbrochen, da in
Organisationen bereit an der Studie teilzunehmen.                                    ­diversen Unternehmen die Prioritäten auf dem Krisen­
Nicht an der Studie teilgenommen haben 480 (92.7 %)                                   management lagen.
der angefragten Organisationen. Mitverantwortlich
für den geringen Rücklauf ist sicherlich auch die                                    Die befragten Unternehmen bilden eine grosse Vielfalt
Co­ronakrise. Viele Unternehmen und insbesondere                                     an Branchen ab. Die an der Befragung am stärksten
deren HR-Abteilungen hatten andere Prioritäten.                                      vertretene Branche stellt die Bildung/Forschung mit
                                                                                     insgesamt 7 teilnehmenden Institutionen dar, ge-
Die Befragungen wurden in zwei Zeiträumen durchge-                                   folgt von Unternehmen aus dem Energiesektor und
führt, wobei die Anfragen im März und Mai 2020                                       Banken, sowie den öffentlichen Verwaltungen
und die Interviews in den April und Juni 2020 statt­                                 (vgl. ­Abbildung 2).

                                                       7
      Bahnen/Öffentlicher Verkehr
                                           0
                                                                                28
                              Bank
                                                   6
                                                                           24
                Bildung / Forschung
                                                       7
                                                                      21
      Chemie / Medizin / Pharmazie
                                           1
                                                                                          44
             Computer / Informatik
                                           2
                                                                                29
                      Detailhandel
                                           1

                Elektronik / Technik                                                              57
                                           1
                                                                           24
                            Energie
                                                   6
           Gastgewerbe / Catering /                        10
                        Hotellerie         0
                Gesundheitswesen           1
                                           0
                       Grosshandel                                                                56
                                           0
           Industrie / Lebensmittel                5
                                           0
                                                                                                                                  108
                Industrie / Logistik
                                                   5
         Industrie / Nahrungsmittel                                   20
                                           0
                     Mischkonzern                                16
                                           0
            Öffentliche Verwaltung                                              28
                                                   5

           Sonstige Dienstleistung                                     22
                                               3
    Transport / Öffentlicher Verkehr                        12
                                           0
          Unternehmensberatung /                   6
               ­Wirtschaftsprüfung         1
                                       0                              25                  50             75             100

  Anzahl Organisationen nach Branche (n=518)                     Anzahl Organisationen nach Branche die teilgenommen haben (n=38)

Abbildung 2: Angefragte und teilnehmende Unternehmen nach Branche.
10   Was sind die Gründe für das Fehlen eines Diversity and Inclusion Managements
     bei nicht teilnehmenden Unternehmen und Organisationen?
     Falls Unternehmen und Organisationen kontaktiert                 Drittel konnte zu der Frage nach den Gründen für das
     wurden, aber nicht an der Studie teilnahmen wurden               Fehlen eines Diversity and Inclusion Managements
     die Gründe dafür notiert. Der häufigste Grund war                ­keine Angaben machen. Etwa 20 % gaben an, keine
     die fehlende Rückmeldung trotz mehrmaliger Anfrage                Ressourcen für die Erarbeitung eines Diversity and
     über Telefon oder Email. Folgende Gründe wurden                   Inclusion Managements zu haben. Hier haben einige
     notiert:                                                          Organisationen die Coronakrise als mitverantwort-
     –	66.8 % gaben keine Rückmeldung (trotz teilweiser            lich für die fehlenden Ressourcen erwähnt. Von den
        mehrmaliger Anfrage)                                        circa 16 % der Organisationen, die keinen Bedarf für
     –	13.3 % hatten keine Zeit oder kein Interesse                ein Diversity and Inclusion Management sehen, wurde
     –	10.6 % verfügen über kein DiM                               von den Kontaktpersonen oft angegeben, dass alle
     –	2 % regeln das DiM über eine Zentrale im Ausland            Mitarbeitenden im Unternehmen tolerant seien und
                                                                    deshalb kein entsprechendes Management not­
     Von den 480 nicht teilnehmenden Organisationen                 wendig ist. Die restlichen Organisationen sind aktuell
     gaben 11.4 % an, dass sie über kein Diversity and              an der Bearbeitung oder planen die Einführung
     Inclusion Management verfügen. Sie konnten nicht an            ­eines Diversity and Inclusion Management in naher
     der Studie teilnehmen. Hingegen wurden sie nach                 ­Zukunft (vgl. Abbildung 3).
     den Gründen für ein fehlendes DiM befragt. Rund ein

                                                                           Ist in Bearbeitung
                                                                           7.3 %

                          Weiss nicht/keine Angaben
                          32.7 %                                                                Noch nicht in Bearbeitung
                                                                                                21.8 %

                                        Kein Bedarf                                      Keine Ressourcen
                                        16.4 %                                           21.8 %

                                                                                                                      n=55

     Abbildung 3: Gründe für kein Diversity and Inclusion Management.
11
Resultate

12   Die nachfolgenden Resultate basieren auf der detaillierten Befragung der 38 teil­
     nehmenden Organisationen. Dank der Telefonbefragung hatten die interviewten
     Expert*innen für Diversity and Inlusion im Rahmen von offenen Fragen je-
     weils die Möglichkeit, nebst den vorgegebenen Antworten, Themen zu ergänzen ­
     bzw. aus­zuführen. Diese Aussagen sind jeweils als Zitate oder Aufzählungen
     im Text eingefügt.

     Welche Begriffe werden von den befragten ­Organisationen für das D
                                                                      ­ iversity
     and Inclusion Management verwendet?
     Gefragt wurde, welche Begriffe die Organisationen                den Unternehmen die Begriffe «Diversity and
     verwenden, um den Umgang mit diversen Mitarbeiten-               ­Inclusion», «Chancengleichheit» und «Diversity
     dengruppen zu beschreiben. Am meisten werden von                  ­Management» verwendet (vgl. Abbildung 4).

                                           Diversity and Inclusion                                                         34 %

                                                Chancengleichheit                                                          34 %

                                            Diversity Management                                                           34 %

                                      Gleichstellungsmanagement                                  18 %

                                                           Vielfalt                              18 %

                              Diversity and Inclusion Management                       11 %

                                        Interkultureller Austausch            5%

                                              Workplace Diversity             5%

                                    Interkulturelle Personalpolitik         3%

                                                Personelle Vielfalt         3%

                                               Managing Diversity      0%
                                                                                                                    n=38

     Abbildung 4: Begrifflichkeiten für Umgang mit diversen Mitarbeitendengruppen.

     Auffällig ist, dass knapp die Hälfte (47 %) der Unter-           –	Diversity und Gleichstellung
     nehmen zusätzlich zu den abgefragten Begriffen                   –	Égalité et diversité
     noch diverse andere Begriffe für die Beschreibung                –	Fachstelle Gleichstellung und Diversity
     der Mitarbeitendenvielfalt verwenden, wie bspw:                  –	Gender diversity
     –	Diversität und Chancengleichheit                              –	Gibt noch keinen offiziellen Namen, Diversity &
     –	Diversity and Gender                                             Inclusion wäre aber dann in Zukunft eine Idee
     –	Diversity Board                                               –	Mixité & Inclusion (ou Mixité & Diversité)
Wie gehen die Unternehmen mit der Vielfalt ihrer Mitarbeitenden um?                                                                   13

Aus der offenen Frage, wie die Unternehmen mit der             Andere Unternehmen haben konkrete Strukturen
Vielfalt der Mitarbeitenden umgehen, wird deut-                ­geschaffen:
lich, dass sich viele Unternehmen zwar mit der Thema-
tik auseinandersetzen, das Verständnis von einem               «Wir verfügen über eine Diversity-Policy und diese ist
umfassenden Diversity and Inclusion Management je-             fixer Bestandteil unserer Organisation. Vertretungen
doch variiert. Sowohl die Verwendung der Begriffe              sind auf allen Ebenen vorhanden und Zuständigkeiten
als auch die inhaltliche Auseinandersetzung mit Diver-         sind klar definiert. Dank der vorhandenen Struktur
sity and Inclusion Management ist je nach Unter­               ist es einfacher geeignete Massnahmen zu implemen-
nehmen sehr unterschiedlich. Einige Unternehmen                tieren. Die starke Linie zur Personalabteilung und
sehen die Thematik in ihrer Kultur verankert,                  -entwicklung ist für die Umsetzung besagter Massnah-
ohne dies explizit zu formulieren:                             men förderlich».

« Il n’y a aucun besoin de matérialiser la chose. La
thématique fait partie de notre vie profession­
nelle. Nous ne faisons aucune différence avec les diffé-
rents groupes de personnes. Aucun programme
n’est mis en place ».

Welche Dimensionen des Diversity and Inclusion Managements werden
aktuell in den Organisationen berücksichtigt?
Bei dieser Frage ging es darum, herauszufinden, wel-           ­ lter. Interessant ist, dass die Gender-Thematik (Ge-
                                                               A
che der Diversity-Dimensionen (vgl. Abbildung 5)               schlecht) mittlerweile von allen Unternehmen berück-
die Unternehmen im Rahmen des Diversity and Inclu-             sichtigt wird (vgl. Abbildung 5). Als zusätzliche
sion Managements einbeziehen. Die am häufigsten                ­Dimensionen wurden teilweise auch «Kompetenzen»
von den Organisationen berücksichtigten Diversity-­             und «Bildungshintergrund» genannt.
Dimensionen sind Geschlecht, Behinderung und

                        Geschlecht                                              100 %

                      Behinderung                                      81.6 %                                       18.4 %

                              Alter                                    81.6 %                                     13.2 % 5.3 %

            Sexuelle Orientierung /
              Geschlechtsidentität                            63.2 %                                     34.2 %               2.6 %

            Migrationshintergrund /
                                                              63.2 %                                     34.2 %              2.6 %
                Ethnische Herkunft

         Unterschiedliche Sprachen                         55.3 %                                     42.1 %                 2.6 %

         Religion / Weltanschauung                36.8 %                                  55.3 %                       5.3 %2.6 %

                                      0%            20 %               40 %             60 %             80 %                100 %

                                        Ja     Nein     Nein, aber planen wir zu bearbeiten        Weiss nicht
                                      (Mehrfachantworten möglich)

Abbildung 5: Berücksichtigte Dimensionen im Diversity and Inclusion Management.
14   Bern – Stadt der Beteiligung und der Vielfalt
     Die Stadt Bern ist einzigartig: Hauptstadt und politi-        Lebensqualität – Arbeiten für die Stadt Bern: Haupt-
     sches Zentrum der Schweiz, Unesco-Weltkulturerbe,            stadtausstrahlung und Dorfcharme – Bern hat von
     Brücke zwischen Deutschschweiz und Romandie, Sitz            allem etwas, so auch die Stadtverwaltung als Arbeits-
     von Botschaften und internationalen Organisationen           welt. Die Stadt Bern präsentiert sich als vielfältige
     sowie der grossen Service-Public-Unternehmen. Bern           Arbeitgeberin: Über 100 verschiedene Berufe und eine
     ist Wohnstadt, Kulturstadt, Wirtschaftsstadt, Touris-        riesige Vielfalt an unterschiedlichsten Aufgaben
     musstadt, Sportstadt und Bildungsstadt. Die Berner           ­machen sie zu einer der vielseitigsten Arbeitgeberin-
     Bevölkerung ist vielfältig.                                   nen und Ausbildungsstätten auf dem Platz Bern.

     Die Stadt Bern anerkennt Vielfalt und Unterschiedlich-       Als Arbeitgeberin legt die Stadt Bern ein grosses
     keit als Stärke der Gesellschaft. Sie fördert eine Kultur,   ­Augenmerk auf ein umfassendes Diversity-Manage-
     die Menschen vor Diskriminierung und Ausgrenzung              ment. Für alle Mitarbeitenden gelten die gleichen
     schützt. Alle Menschen, die in Bern leben, sollen sich        Grundlagen. Sie gründen auf Fairness und gegenseiti-
     engagieren können, gehört werden und die Möglich-             gem Respekt, auf den Grundsätzen des Persön­
     keit haben, ein Teil des öffentlichen Lebens Berns zu         lichkeitsschutzes, der Rechts- und Chancengleichheit
     sein. Die Hauptstadt ist das Zuhause von und für              sowie der interkulturellen Verständigung. Die Stadt-
     ­Menschen mit vielfältigen Lebensentwürfen.                   verwaltung sieht Vielfalt als Bereicherung und nutzt
                                                                   sie als Chance in allen Tätigkeitsbereichen und
     Die Stadt Bern ist Mitglied des Rainbow Cities                ­Wirkungsfeldern. Sie fördert ein inklusives Arbeitsum-
     ­Network, einem Netzwerk zur Förderung der Gleich-             feld, in welchem sich die Mitarbeitenden zugehörig
      stellung von lesbischen, schwulen, bisexuellen,               fühlen und sich authentisch zeigen können. Sie fördert
      trans, intergeschlechtlichen und weiteren queeren             ein Betriebsklima und eine Führungskultur, in wel-
      Menschen (kurz: LGBTIQ*-Menschen) auf lokaler                 cher Chancengleichheit herrscht und Perspektivenviel-
      ­Ebene. Mit Gebärdensprachvideos für gehörlose Men-           falt erwünscht ist. Für ihre Mitarbeitenden ist die
       schen, mit Webseiten in Leichter Sprache oder mit            Stadt Bern eine soziale Arbeitgeberin mit attraktiven
       für alle zugänglichen Dokumenten wird der nieder-            Arbeits- und Anstellungsbedingungen wie flexible
       schwellige, barrierefreie Zugang zu Informationen            Arbeitsmöglichkeiten, Teilzeit- oder Telearbeit, einem
       der Stadt Bern sichergestellt. Die Stadt gewährt so der      fortschrittlichen Mutterschafts- und Vaterschafts­
       gesamten Bevölkerung einen diskriminierungs­                 urlaub, angemessenen Löhnen, sozialer Sicherheit,
       freien und chancengleichen Zugang zu den städtischen         Gesundheitsschutz, Beratungsangeboten und gut
       Dienstleistungen, unabhängig von Alter, Geschlecht,          ­erreichbaren Arbeitsplätzen. Die Mitarbeitenden arbei-
       Geschlechtsidentität, sexueller Orientierung, Herkunft,       ten in einem Umfeld, das auf gegenseitigem Vertrau-
       Sprache, Religion, sozialer Stellung, Behinderung             en aufbaut, die Eigeninitiative fördert und den Zusam-
       und Lebenssituation. Chancengerechtigkeit ist eine            menhalt stärkt.
       zentrale Voraussetzung gerechter Gesellschaften.
       Das Ziel der Stadtverwaltung ist es deshalb, die Men-      Die städtischen Führungskräfte zeichnen sich aus
       schen in der Stadt Bern mit ihren unterschiedlichen        durch fachliche und soziale Kompetenz, Entschei-
       Bedürfnissen und in ihren unterschiedlichen Lebens­        dungsbereitschaft und hohe Kommunikationsfähigkeit.
       lagen so zu unterstützen und zu stärken, dass sie          Sie sind diversitätssensibel und damit interessiert
       ihre Potenziale nutzen und ihre Chancen wahrnehmen         an der Vereinbarkeit der Anliegen und Bedürfnisse
       können.                                                    ihrer Mitarbeitenden einerseits und den Anfor­
                                                                  derungen und Bedürfnissen der Stadt als Arbeitgebe-
                                                                  rin andererseits. Führungskräfte finden in ihrer
                                                                  ­Tätigkeit Unterstützung bei den Personaldiensten und
                                                                   den verschiedenen städtischen Fachstellen mit
                                                                   ­umfassendem Know-how zu Diversity-Themen.

                                                                  Deshalb bedeutet das Arbeiten für die Stadt Bern
                                                                  Lebensqualität: Das Schaffen von Lebensqualität für
                                                                  die Menschen, die hier leben oder arbeiten aber
                                                                  auch das Erfahren von Lebensqualität für die Mitar­
                                                                  beitenden der Stadt Bern dank attraktiven Arbeits­
                                                                  bedingungen.
Wie ist das Diversity and Inclusion Management in der Organisation verankert?                                               15

Die Bedeutung, der Vielfalt und Inklusion von Mitar-          Knapp ein Viertel aller befragten Expert*innen führten
beitenden im Unternehmen zukommt, zeigt sich insbe-           ergänzend zur geschlossenen Frage das Thema
sondere auch in der Art und Weise wie das Diversity           ­weiter aus. Aus diesen Ausführungen kann der Schluss
and Inclusion Management in der Organisation veran-            gezogen werden, dass sich die meisten Unternehmen,
kert, bzw. welche konkreten Konzepte entwickelt                die bisher keine Gesamtstrategie verfolgen, aktuell mit
und Massnahmen umgesetzt werden. Die Expert*innen              deren Erarbeitung beschäftigt sind: Typische zu­
für Diversity and Inclusion wurden deshalb detail-             sätzliche Kommentare sind: «Die Strategie wird gerade
liert darüber befragt, ob entsprechende Konzepte vor-          bearbeitet», oder: «Eine Gesamtstrategie ist noch
liegen, Ressourcen gesprochen und Massnahmen                   nicht vorhanden, wird aber in den nächsten Jahren
­implementiert werden.                                         erarbeitet».

Gibt es für die Bearbeitung des Diversity                     Im Vergleich zeigt sich, dass Unternehmen, welche
and I­ nclusion Managements ein abgestimmtes                  über ein abgestimmtes Gesamtkonzept/eine Strategie
Gesamtkonzept bzw. eine Strategie?                            verfügen, bzw. nicht verfügen, eher die Dimension
66 % der befragten Organisationen geben an,                   sexuelle Orientierung, Geschlechtsidentität und -aus-
dass es in ihrem Unternehmen ein abgestimmtes                 druck, berücksichtigen als Unternehmen ohne ent­
­Gesamtkonzept zu Diversity and Inclusion gibt.               sprechende Konzepte oder Strategien (vgl. Abbildung 6).

80 %
                  70.8 %
70 %
60 %
                  57.1 %
50 %
                                                                                                 42.9 %
40 %
30 %
                                                                                                 29.2 %
20 %
10 %
0%
       Strategie: Ja                                                                                      Strategie: Nein

         Mit Berücksichtigung von LGBTIQ* (n=24)      Ohne Berücksichtigung von LGBTIQ* (n=14)

Abbildung 6: Berücksichtigung von LGBTIQ*-Personen im Gesamtkonzept / Strategie.

Wer bearbeitet das Thema Diversity and                        Wie viel Stellenprozente stehen für das Diversity
­Inclusion?                                                   and Inclusion Management zur Verfügung?
Die Ergebnisse zeigen, dass das Thema Diversity and           Zusätzlich wurde gefragt, wie viele Personen im Unter-
Inclusion bei etwas mehr als der Hälfte der befrag-           nehmen oder der Organisation beschäftigt sind,
ten Organisationen von diversen Fachstellen/Struktu-          ­welche sich mit dem Thema Diversity and Inclusion
ren bearbeitet wird (55 %). In Hochschulen sind                auseinandersetzen. Dabei wurde die Anzahl Personen
die Zuständigkeiten für die Bearbeitung der Thematik           sowie das Vollzeit äquivalent (VZÄ; 100 Stellen­
häufig dezentral bei den entsprechenden Kommis­                prozente = 1 VZÄ) erhoben. Die Ergebnisse zeigen, dass
sionen, den Departementen sowie dem HR angesiedelt.            durchschnittlich 10 Personen für Diversity and
Im Allgemeinen übernimmt das HR eine wichtige                  ­Inclusion zuständig sind. Das VZÄ beläuft sich im
­Funktion im Diversity and Inclusion Management.                Mittel auf 0.7 sprich 70 Stellenprozente. Sieben
                                                                der befragten Organisationen konnten nicht beant­
                                                                worten, wie viele Personen bzw. wie viele Stellen­
                                                                prozente für die Bearbeitung von Diversity and Inclu­
                                                                sion eingeplant sind.
16   L’égalité est une des priorités de l’Université de Genève
     L’égalité est l’objectif n 5 des SDGs des Nations Unies,   –S  ensibilisation et valorisation : campagnes, confé-
     mais elle est aussi une des priorités de l’Université        rences, ateliers, événements jeune public, r­ encontres
     de Genève et ce depuis de nombreuses années. Elle            internes ou avec la cité, summer schools contre
     est inscrite, entre autres textes légaux de l’institu-       les discriminations, réseaux contre l’homophobie et
     tion, dans la Loi sur l’Université :                         la transphobie ;
     « L’université garantit l’égalité des femmes et des        –M  esures en faveur des familles Soutien aux carrières
     hommes. Elle encourage la parité dans les fonctions          duales, brochure Parents, suivez le guide-Fr/En-,
     représentatives et de responsabilité. A cette fin,           ­promotion d’une pédagogie sans stéréotypes de
     elle prend les mesures adéquates en faveur du sexe            genre ;
     sous-représenté. » (art. 3, al. 2).                        –U  niunie contre le harcèlement, campagne
                                                                   pour ­libérer la parole de chacun-e reprise largement
     Son Service égalité & diversité est en charge de ce           à ­l’international ;
     domaine et agit à plusieurs niveaux :                      –P  romotion de l’égalité respect et évolution de
     – Délégation à l’égalité suivi des procédures                la loi, rédaction inclusive et épicène, demande de
        de ­nominations professorales ;                            changement de prénom et nom d’usage ;
     – Commission de l’égalité ;                               – Réseaux : Canton et Ville de Genève, Suisse, rela-
     – Commissions de l’égalité facultaires ;                     tions avec des institutions internationales et réseau
     – Programmes carrière : Mentorat relève, Subside             européen – LERUGender Group, EPWS & Eument-net.
        tremplin, Professeures, ateliers REGARD, RRM ;
In welcher Form kommen Diversity and Inclusion Instrumente zum Einsatz?                                                                         17

Den Expert*innen für Diversity and Inclusion wurde                 gar nicht vorhanden ist. Interessanterweise ist das
eine Liste mit Instrumenten vorgelesen, die im                     ­einzige Instrument, welches in 8 % der Fälle aus-
­Rahmen des Diversity and Inclusion Managements                     schliesslich für LGBTIQ*-Personen existiert, das inter-
 häufig zur Anwendung kommen. Gefragt wurde,                        ne Mitarbeitenden-Netzwerk. In den Personalsta­
 ob die Instrumente auch für LGBTIQ*-Personen, nicht                tistiken wird die Dimension sexuelle Orientierung,
 für LGBTIQ*-Personen, nur für LGBTIQ*-Personen                     Geschlechtsidentität und -ausdruck nur in rund
 verfügbar sind, oder das entsprechende Instrument                  11 % der Fälle auch abgebildet (vgl. Abbildung 7).

Konzepte, Massnahmen und Projekte
                                                                   65.8 %                                  15.8 %             18.4 %
 zum Thema Diversity and Inclusion
    Ansprechpartner*in, welche auf
                                                                57.9 %                                18.4 %              21.1 %        2.6 %
            Thema spezialisiert ist

            Externe Kommunikation                        44.7 %                       13.2 %                     39.5 %                 2.6 %

                 Personalmarketing                     39.5 %                               34.2 %                        23.7 %        2.6 %

            Interne Information und
                                                       39.5 %                           28.9 %                      28.9 %              2.6 %
      ­Sensiblisierungsmassnahmen

       Spezielle Schulungsangebote                  31.6 %                           36.8 %                          31.6 %
  Spezielle Mentoring Massnahmen
            (z. B. für Führungskräfte               31.6 %                    26.3 %                             42.1 %
                 oder ­Minderheiten)
 Interne Mitarbeitenden-Netzwerke            18.4 %          15.8 %      7.9 %                        50.0 %                       7.9 %

               Repräsentant*in und
                                             18.4 %             21.1 %                                  60.5 %
    ­Ansprechperson für eine Gruppe

                 Personalstatistiken     10.5 %                                    73.7 %                                     15.8 %

                                        0%              20 %                40 %               60 %               80 %                 100 %

                                          Ja, auch für LGBTIQ*      Ja, aber nicht für LGBTIQ*           Ja, nur für LGBTIQ*
                                          Nein       Fehlend/weiss nicht
                                        (Mehrfachantworten möglich)

Abbildung 7: Diversity and Inclusion Instrumente.
18   Wie ist das Mitarbeitenden-Netzwerk im Unter-                        waren und mit welchen organisationalen Ressourcen
     nehmen eingebunden und in welcher Form wird                          sie unterstützt wurden. Die Ergebnisse zeigen,
     es unterstützt?                                                      dass die Netzwerke hauptsächlich zur Konsultation bei
     10 Unternehmen verfügen über ein LGBTIQ*-Mitarbei-                   Fragestellungen zu LGBTIQ* genutzt und mittels
     tenden Netzwerk. Uns interessierte, wie die ent­                    ­interner Kommunikati­onsressourcen unterstützt
     sprechenden Mitarbeitenden-Netzwerke in den letzten                  ­werden (vgl. Abbildung 8 und Abbildung 9).
     24 Monaten im U
                   ­ nternehmen eingebunden gewesen

            Redner*in / Standpräsenz an
                                                    22.2 %                              55.6 %                         22.2 %
              ­externen Veranstaltungen
           Ist Netzwerk offen für Andere
                                                                     55.6 %                               33.3 %            11.1 %
                   (bspw. straight Allies)
              Einbindung in betriebliche
                                                    22.2 %                              55.6 %                         22.2 %
                     ­Schulungsangebote
                Nennung des Netzwerkes
                                                    22.2 %                    33.4 %                          44.4 %
                   auf externer Website
        Konsultation des Netzwerkes bei
                                                                         66.7 %                               22.2 %        11.1 %
            Fragestellungen zu LGBTIQ*
               Vertretung des Netzwerks
                                                        33.3%                           33.4 %                     33.3 %
                in betrieblichen Gremien
        Regelmässiger Informationsaus-
                                                               44.4%                             33.4 %                22.2 %
     tausch mit Repräsentant*innen / HR

                                             0%               20 %               40 %            60 %          80 %             100 %

                                               Ja      Nein        Weiss nicht

     Abbildung 8: Einbindung des Netzwerks im Unternehmen.

                        Interne Kommunikationsressourcen nutzen                                                              21.1 %

         Teilnahme Veranstaltungen (PRIDE, Film- oder Kulturtage)                                           13.3 %

               Offizielle Unterstützung (Budget oder Zeitgutschrift)                                        13.2 %

                                                        Weiss nicht                 2.6 %

                                                             Gar nicht              2.6 %

                         Zeitweilige Freistellung für Nebentätigkeit                2.6 %

     Abbildung 9. Finanzielle Unterstützung des Netzwerks.

     Welche Instrumente werden noch angewendet?                          zusätzlich genannt wurde, ist die Vereinbarkeit von
     Zusätzlich wurden die Unternehmen gefragt, ob sie im                Familie und Beruf. So werden Massnahmen für die
     Rahmen des Diversity and Inclusion Managements                      Kinderbetreuung ausgearbeitet, flexible Arbeitszeit­
     noch andere Instrumente anwenden, die sie gerne er-                 modelle angeboten oder Wiedereinstiegsberatungen
     wähnen möchten. Ein Thema, das im Zusammenhang                      durchgeführt.
     mit Diversity and Inclusion von fünf Unternehmen
Welche Relevanz hat Diversity and Inclusion Management für die befragten                                                               19
­Organisationen?
Den Expert*innen aus den befragten Unternehmen                    pen gibt es in Bezug auf die Annahme, dass Unterneh-
wurden allgemeine Statements zum Diversity                        men mit professionellem Diversity and Inclusion
and ­Inclusion Management bzw. zur Praxis im Unter-               ­Management wirtschaftlich erfolgreicher sind als
nehmen vorgelegt, die es hinsichtlich ihrer Rele-                  solche mit gering ausgeprägtem Diversity and
vanz für die entsprechende Organisation zu beurteilen              ­Inclusion Management. Dieser Aussage stimmen fast
galt (vgl. Abbildung 10). Die Ergebnisse der Be­                    60 % der Organisationen mit LGBTIQ*-Engage-
fragung zeigen, dass beinahe alle Organisationen der                ment zu, aber nur ein Viertel der Unternehmen ohne
Meinung sind, dass die Vielfalt der Mitarbeitenden-                 LGBTIQ*-Engagement. Übereinstimmung zwischen
gruppen ein wichtiger Erfolgsfaktor für sie als Arbeit-             den beiden Gruppen gibt es bezüglich des Statements,
gebende ist (trifft eher zu/trifft zu). Interessant                 dass der aktuell diskutierte Fachkräftemangel den
ist, dass die Unternehmen ohne LGBTIQ*-Engagement                   Diversity and Inclusion Gedanken bei Arbeitgebenden
dieser Aussage noch stärker zustimmen (85 %),                       fördert. Mehr als die Hälfte der Organisationen ohne
als diejenigen mit LGBTIQ*-Engagement (71 %). Einen                 und mit LGBTIQ*-Engagement sind dieser ­Meinung.
grösseren Unterschied zwischen den beiden Grup-

Unternehmen mit professionellem Diversity and Inclusion Management sind wirtschaftlich erfolg­reicher
als solche mit gering ausgeprägtem Diversity and Inclusion Management.

             25 %                                                  59 %                                         8%            8%
                                  57 %                                                          39 %                           4%

 Der aktuell diskutierte Fachkräftemangel fördert den Diversity and Inclusion – Gedanken bei
­Arbeitgebenden.

                                54 %                                              23 %                          23 %
                                   58 %                                                     29 %                       8%      4%

Die Vielfalt der Mitarbeitendengruppen ist ein wichtiger Erfolgsfaktor für uns als Arbeitgebende.

                                                    85 %                                                               15 %
                                            71 %                                                            29 %

Ohne Berücksichtigung von LGBTIQ* (n=13, 1 Wert fehlend)          Mit Berücksichtigung von LGBTIQ* (n=24)
  Trifft zu Trifft eher zu Trifft eher nicht zu Trifft nicht zu     Trifft zu Trifft eher zu Trifft eher nicht zu    Trifft nicht zu

Abbildung 10: Allgemeine Statements zum Diversity and Inclusion Management.
20   Luzerner Kantonalbank AG – führend, persönlich, solide Diversität leben!
     Die 1850 gegründete Luzerner Kantonalbank AG              Familienfreundliche Arbeitsmodelle
     (LUKB) ist mit rund 1000 Mitarbeitenden die führen-       Der Mann ist berufstätig und bringt das Geld nach
     de Bank im Kanton Luzern. Sie betreibt insge-             Hause, die Frau kümmert sich um die Kinder
     samt 25 Geschäftsstellen und gehört zu den grössten       und ­besorgt den Haushalt. Dieses Modell ist definitiv
     Schweizer Kantonalbanken. Zu ihren Kerngeschäfts-         vorbei. Für immer mehr Menschen – Frauen und
     feldern gehören die Immobilien- und Unternehmens-         ­Männer – bedeutet Life-Balance, dass sie Berufsar-
     finanzierung, die Vorsorge sowie die Vermögens­            beit, Familienarbeit und weitere Engagements in
     beratung und -verwaltung. Kundennähe und Leistungs­        ein ausgewogenes Verhältnis bringen wollen. Dazu
     stärke zeichnen die LUKB aus und machen sie für            braucht es entsprechende Arbeits- und Arbeits­
     Kunden, Mitarbeitende, Aktionäre und die Region zur        zeitmodelle. Die Luzerner Kantonalbank bietet beides
     Bank erster Wahl.                                          an und findet individuelle Lösungen. Erfreuliches
                                                                Ergebnis ist nicht zuletzt eine hohe Rückkehrquote
     Für die Luzerner Kantonalbank ist es schlicht gesun-       von Frauen nach dem Mutterschaftsurlaub. Dass
     der Menschenverstand, dass Vielfalt ein unver­             die LUKB in Zeiten des Coronavirus flexible und gross­
     zichtbarer Erfolgsfaktor ist. Ältere und jüngere Mitar-    zügige Lösungen für Mitarbeitende mit Betreu­
     beitende, Frauen und Männer, Menschen mit unter-           ungspflichten gefunden hat, ist ein weiterer Ausdruck
     schiedlichen Bildungs- und Lebensgeschichten: Diese        einer Kultur der unkomplizierten und verantwor-
     Vielfalt der Perspektiven und Kompetenzen ist es,          tungsbewussten Zusammenarbeit.
     die ein Unternehmen in bewegten Zeiten robust und
     erfolgreich macht. Die LUKB hat keine eigenstän­          Integration von Menschen mit einer
     dige Diversity-Fachstelle, sondern sie lebt Diversität    ­Beeinträchtigung
     als durchgängiges Prinzip. Beispiele dafür:                Erleidet eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter eine
                                                                Beeinträchtigung aufgrund einer Krankheit oder
     Lohngleichheit – eine Selbstverständlichkeit               ­eines Unfalls, versucht die Luzerner Kantonalbank
     Für die Luzerner Kantonalbank sind faire, fortschritt-      alles, um diese Personen am Arbeitsplatz integ-
     liche Anstellungsbedingungen das Fundament für              riert zu halten. Die LUKB hat auch Personen mit Be-
     ein erfolgreiches und konstruktives Arbeitsverhältnis.      einträchtigungen angestellt. Dabei agiert sie
     Dazu gehört, dass Frauen und Männer für ver­                ­potenzialorientiert: Im Zentrum steht nicht die Be-
     gleichbare Arbeit den gleichen Lohn erhalten. Als            einträchtigung, sondern der Beitrag, den eine
     erste Bank der Schweiz hat die LUKB im Jahr               ­Person leisten kann.
     2014 den Lohngleichheitsdialog der Sozialpartner
     und des Bundes erfolgreich abgeschlossen. Sie             Die Luzerner Kantonalbank ist überzeugt, dass sie
     ­wiederholt diese Auswertung jährlich nach der Lohn-      mit der Förderung von personeller Vielfalt in mög-
      runde. Das Ergebnis war und ist, dass jeweils ein        lichst vielen Bereichen der Arbeit einen wesentlichen
      Lohnunterschied zwischen den Geschlechtern von nur       Beitrag zur nachhaltigen Wertschöpfung des Unter-
      rund 1 Prozent besteht. Das ist das Ergebnis eines       nehmens leistet.
      vor über 20 Jahren eingeführten Lohnsystems, in dem
      das Geschlecht nie ein Faktor war.
Welche Bedeutung weisen die befragten Organisationen der Kerndimension                                                   21
­sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentitätzu?
Die Resultate der Befragung zeigen, dass 63 % der             Schliesslich wird das LGBTIQ*-Engagement als mögli-
befragten Unternehmen die Kerndimension sexuelle              cher Erfolgsfaktor beleuchtet. Durch die von den
Orientierung, Geschlechtsidentität und -ausdruck              ­Organisationen angestellten Überlegungen oder ge-
berücksichtigen. Im Jahr 2017 waren es nur 34 %. Es            planten Projekte hinsichtlich einer zukünftigen
scheint also, dass die Thematik in den letzten Jah-            ­Förderung der Gleichstellung der LGBTIQ*-Mitarbei-
ren stärker in den Fokus rückte. Dennoch fehlt es viel-         tenden wird ­aufgezeigt, wie sich die Kerndimen­
fach noch an expliziten LGBTIQ*-Instrumenten (vgl.              sion weiterent­wickeln könnte.
Abbildung 7). Im Folgenden sollen die Ergebnisse zur
Dimension sexuelle Orientierung, Geschlechtsiden­             Gründe für ein fehlendes LGBTIQ*-Engagement?
tität und -ausdruck näher betrachtet werden. Hierzu           Die 37 % der befragten Unternehmen wurden nach den
wird zuerst der Frage nachgegangen, weshalb 37 %              Gründen für die Nicht-Berücksichtigung der Dimen­
der Unternehmen die Kerndimension LGBTIQ* nicht               sion sexuelle Orientierung, Geschlechtsidentität und
aktiv berücksichtigen. Anschliessend wird auf ver­            -ausdruck befragt. Diese sind nachfolgend abgebil-
fügbare Anlaufstellen für LGBTIQ*-Personen sowie auf          det (vgl. Abbildung 11).
die betrieblichen Zusatzleistungen eingegangen.

                                                          Andere Dimensionen sind wichtiger
                                                          7%

                                                                                       Datenschutz / ist privat
                                                                                       21 %

                    Keine Notwendigkeit
                    43 %

                                                                                       Noch nicht besprochen /
                                                                                       könnte noch kommen
                                                                                       29 %

                                                                                                                  n=14

Abbildung 11: Gründe für kein LGBTIQ*-Engagement.

Die Mehrheit gab an, dass hierfür keine Notwendigkeit         Knapp 30 % der befragten Unternehmen haben die
besteht. Spontane Aussagen dazu waren folgende:               Dimension noch nicht angesprochen, denken jedoch,
                                                              dass es in naher Zukunft ein Thema werden könnte:
«Bei uns sollte die sexuelle Orientierung/Geschlechts­
identität keine Rolle spielen, deshalb wird sie nicht         «Ist momentan kein Thema. Könnte aber in naher
thematisiert»                                                 Zukunft aufgegriffen werden».

«Alle sind gleich. Deshalb muss dieses Thema nicht            20 % sehen im Ansprechen der Thematik ein Daten-
angesprochen werden».                                         schutzproblem. Das Thema sei eine persönliche Ange-
                                                              legenheit. Sexuelle Orientierung, Geschlechtsidenti-
« On ne se pose pas plus de questions que ça. Un col-         tät und -ausdruck gehe den Arbeitgeber nichts an. Ein
lègue est homosexuel et nous ne le traitons pas               weiteres Unternehmen merkt an, dass andere Dimen­
­différemment. Nous ne tolérons pas la discrimination ».      sionen momentan Vorrang haben:

                                                              «Es ist eine Kapazitätsthematik. Wir sehen, dass der
                                                              Bedarf bei den Frauen und beim Alter liegt. Es gibt im
                                                              Moment keinen spezifischen Bedarf».
22   Welche Anlaufstellen für LGBTIQ*-Mitarbeitende                    ne Beratungs- oder Beschwerdestelle, an die sich
     gibt es?                                                          LGBTIQ*-Mitarbeitende wenden können, wenn sie sich
     Weiter interessierte, welche Anlaufstellen (Beratungs-            am Arbeitsplatz diskriminiert fühlen. Rund 37 %
     bedarf oder Diskriminierung) die Unternehmen                      ­nennen der/die Diversity-Zuständige als Anlaufstelle.
     für LGBTIQ*-Mitarbeitende anbieten. Knapp 40 % der                 Gut 10 % verfügen über keine Beratung- oder Be-
     befragten Unternehmen verfügen über eine allgemei-                 schwerdestelle im Unternehmen (vgl. Abbildung 12).

                                      Allgemeine Beschwerdestelle                                                            39.5 %

                                      Der/die Diversity-Zuständige                                                       36.8 %

                                              Eine Beratungsstelle                                          26.3 %

                                      Das entsprechende Netzwerk                             15.8 %

                                Eigene LGBTIQ*-Beschwerdenstelle          2.6 %

                                                              Nein                  10.5 %

                                                                       (Mehrfachantworten möglich)

     Abbildung 12: Anlaufstelle bei Beratungsbedarf/Diskriminierung.

     Es fällt auf, dass einige Organisationen über alternati-          Gehen LGBTIQ*-Führungskräfte offen mit dem
     ve Anlaufstellen verfügen und diese auch anders                   Thema um?
     ­benennen als im Fragebogen vorgegeben. Einige zu-                Die Expert*innen für Diversity and Inclusion wurden
      sätzlich erwähnte Begriffe sind untenstehend auf­                gefragt, ob ihnen bzw. in ihrer Organisation eine
      gelistet:                                                        ­Führungskraft bekannt ist, die offen mit Ihrer Homo-,
      – HR, HR-Business Partner, HR-Compliance                         Bi-, Trans- oder Inter-Sexualität umgeht. Während
      – Direkte Vorgesetze                                             bei gut 70 % der Organisationen mit LGBTIQ*-Engage-
      – Geschäftsleitung                                               ment eine Führungskraft bekannt ist, sind in den
      – Anlaufstelle: Schutz persönliche Integrität                    ­Organisationen ohne LGBTIQ*-Engagement nur bei
      – Compliance Officer                                              knapp 43 % LGBTIQ*-Führungskräfte bekannt (vgl. Ab-
      – Ethikhotline                                                    bildung 13). Dies kann als Indiz gewertet werden,
      – Sozialberatung, Sozialdienst                                    dass die Offenheit gegenüber und die Sichtbarkeit von
      – Spezialisierte Vertrauenspersonen (w & m)                       LGBTIQ*-Personen in Organisationen mit expliziter
      – Service égalité et diversité                                    Berücksichtigung der Dimension sexuelle Orientierung,
                                                                         Geschlechtsidentität und -ausdruck grösser ist.

     80 %
                      70.8 %
     70 %
     60 %
                                                                                                            57.1 %
     50 %
                       42.9 %
     40 %
     30 %
                                                                                                            29.2 %
     20 %
     10 %
     0%
            Geoutete Führungsperson: Ja                                                               Geoutete Führungsperson: Nein

              Mit Berücksichtigung von LGBTIQ* (n=24)       Ohne Berücksichtigung von LGBTIQ* (n=14)

     Abbildung 13: Bekanntheit von LGBTIQ*-Führungskräften.
23
24   LGBTIQ*-Engagement als zentraler Erfolgsfaktor?                       re Diskrepanz zwischen den beiden Unternehmens-
     Den Expert*innen für Diversity and Inclusion wurden                   gruppen: 39 % (20 %) der Organisationen mit
     allgemeine Statements zum Thema sexuelle Orien­                       LGBTIQ*-Engagement (ohne LGBTIQ*-Engagement),
     tierung, Geschlechtsidentität und -ausdruck (LGBTIQ*-                 stimmen dieser Aussage zu. Ein Viertel (25 %)
     Engagement) vorgelesen, die sie als zutreffend oder                   der ­Organisationen mit LGBTIQ*-Engagement und
     nichtzutreffend beurteilen sollten (vgl. Abbildung 14).               22 % ohne LGBTIQ*-Engagement stimmen der Aus­
     Mehr als die Hälfte (55 %) der Organisationen mit                     sage zu, dass der Beitrag von LGBTIQ*-Mitarbeitenden
     LGBTIQ*-Engagement stimmen der Aussage zu, dass                       zum Erfolg von dessen Arbeitgebenden zu wenig er-
     Unternehmen Absatzmöglichkeiten verloren gehen,                       forscht ist. Einen grösseren Unterschied zwischen den
     wenn im Rahmen des Marketings nicht auch LGBTIQ*-                     Unternehmensgruppen gibt es bezüglich der
     Personen konkret angesprochen werden. Im Gegen-                       ­Thematisierung von LGBTIQ*. 62 % der Unternehmen
     satz zu den Organisationen mit LGBTIQ*-Engagement                      ohne LGBTIQ*-Engagement und 29 % mit LGBTIQ*-­
     stimmen dieser Aussage nur 15 % der Organisatio-                       Engagement sind der Ansicht, dass das Thema sexuelle
     nen ohne LGBTIQ*-Engagement zu. Hinsichtlich des                       Orientierung, Geschlechtsidentität und -ausdruck
     Verlusts von Personalressourcen, wenn beim Per­                        im Unternehmen nicht thematisiert wird, da dort eine
     sonalmarketing nicht auch LGBTIQ*-Mitarbeitende                        tolerante Führung & tolerante Mitarbeitende arbeiten.
     gezielt angesprochen werden, besteht eine kleine-

     Unternehmen gehen wichtige Absatzmöglichkeiten                        Es ist heute noch zu wenig erforscht, ob LGBTIQ*-
     verloren, wenn sie bei ihrem Produkte-/DL-Marketing                   Mitarbeitende einen spezifischen Beitrag zum Erfolg
     nicht auch LGBTIQ*-Kunden ansprechen.                                 ihrer Arbeitgebenden leisten können.

       15 %        23 %             31 %                  31 %                              62 %                       23 %         15 %
                    55 %                     23 %         14 % 9 %               29 %              21 %    4%            46 %

     Es ist heute noch zu wenig erforscht, ob LGBTIQ*-                     Den Arbeitgebenden gehen Ressourcen verloren,
     Mitarbeitende einen spezifischen Beitrag zum Erfolg                   wenn sie beim Personalmarketing nicht auch
     ihrer Arbeitgebenden leisten können.                                  LGBTIQ*-Mitarbeitende gezielt ansprechen & dies
                                                                           auch nach aussen

         22 %       11 % 11 %                     56 %                        20 %      10 %              40 %                  30 %
          25 %             30 %            15 %           30 %                       39 %                 22 %         26 %            13 %

     Ohne Berücksichtigung von LGBTIQ* (n=14)                              Mit Berücksichtigung von LGBTIQ* (n=24)
       Trifft zu Trifft eher zu Trifft eher nicht zu     Trifft nicht zu     Trifft zu Trifft eher zu Trifft eher nicht zu    Trifft nicht zu

     Abbildung 14: Allgemeine Statements zu LGBTIQ*.
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