Dorsten _ TISA-BRUNNEN - Bürgerschaftlicher Austausch und Meinungsbild

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Dorsten _ TISA-BRUNNEN - Bürgerschaftlicher Austausch und Meinungsbild
Dorsten _ TISA-BRUNNEN
Bürgerschaftlicher Austausch und Meinungsbild

                                                                    Quelle: Tisa-Werkstatt, St.-Ursula

                                                   DOKUMENTATION
         03. Mai 2021, 18.00 bis 20.30 Uhr _ Videokonferenz und Youtube-Stream

                                         Begleitung _ Moderation _ Dokumentation

                                                           Elke Frauns | Nicole Bodem
                                                     Schorlemerstraße 4 | 48143 Münster
                                                     0251.534870 | info@buerofrauns.de
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TISA-BRUNNEN _ Bürgerschaftlicher Austausch und Meinungsbild _ 03.05.2021

ÜBERSICHT

WILLKOMMEN
Begrüßung und Einführung                                                                                  3
Informationen zum Ablauf der Veranstaltung                                                                3

INFORMATION
Geschichte, Bedeutung und Deutungen zum Brunnen                                                           4
Aktuelle Situation und öffentliche Debatte                                                                11

BÜRGERSCHAFTLICHER AUSTAUSCH
Drei Denkanstöße                                                                                          16
Erkenntnisse der Online-Befragung und der schriftlichen Eingaben                                          18
Bürgerschaftlicher Austausch und Meinungsbild aus der Veranstaltung                                       21

AUSBLICK
Informationen zum weiteren Vorgehen                                                                       26

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WILLKOMMEN
Begrüßung und Einführung
Bürgermeister Tobias Stockhoff

Bürgermeister Tobias Stockhoff begrüßt sehr herzlich alle Bürgerinnen und Bürger zum digitalen „Bür-
gerschaftlichen Austausch und Meinungsbild“ zum Tisa-Brunnen. Er erinnert daran, dass bereits vielfach
über den Tisa-Brunnen diskutiert wurde. In den Prozess haben sich unterschiedliche Gruppen und viele
fachkundige Menschen aus der Dorstener Stadtgesellschaft eingebracht. Herr Stockhoff stellt fest, dass
eine große Verbundenheit mit Tisa von der Schulenburg in Dorsten besteht. Der Tisa-Brunnen ist für viele
Dorstenerinnen und Dorstener das wichtigste Kunstwerk in der Altstadt.
Der Rat der Stadt Dorsten hat sich zum Umgang mit dem Brunnen positioniert. Per Beschluss wurde
festgelegt, dass am ehemaligen Standort des Tisa-Brunnens auf dem Marktplatz wieder ein Brunnen
errichtet werden soll. Offen ist, wie dieser Brunnen aussehen soll. In jedem Fall soll er das Wirken von
Tisa widerspiegeln. Herr Stockhoff erläutert, dass am Tisa-Brunnen der Zahn der Zeit genagt hat. Durch
Abnutzung und Verwitterung war er so desolat, dass er abgebaut werden musste. Von den Reliefplatten
wurden inzwischen Probeabdrücke angefertigt. Viele Bürgerinnen und Bürger haben in den vergangenen
Wochen die Möglichkeit genutzt, sich diese Probeabdrücke anzuschauen.

Die Veranstaltung dient der Information und dem bürgerschaftlichen Austausch. Herr Stockhoff hält es für
wichtig, miteinander über die Zukunft des Brunnens ins Gespräch und bald zu einer Entscheidung zu
kommen. Im Nachgang zur Veranstaltung will die Stadt Dorsten mit der Fa. Voßbeck-Elsebusch, der
Sparkasse Vest, der Tisa von der Schulenburg-Stiftung und dem Konvent St. Ursulinen sowie dem
Dorstener Kunstverein ins Gespräch gehen. Die Erkenntnisse aus dem intensiven Meinungsaustausch
sollen in den Beschluss des Rates zur Zukunft des Tisa-Brunnens einfließen.
Herr Stockhoff begrüßt besonders die stellvertretende Bürgermeisterin Christel Briefs sowie Elke Frauns
vom büro frauns, die durch die Veranstaltung führt.

Informationen zum Ablauf der Veranstaltung
Elke Frauns _ büro frauns

Elke Frauns führt ein, dass die Veranstaltung einen Beitrag zum bürgerschaftlichen Meinungsaustausch
leisten soll. Dazu werden den Teilnehmenden zunächst ausführliche Informationen rund um den Tisa-
Brunnen gegeben. Im Anschluss erläutern drei lokale Akteure ihre unterschiedlichen Vorstellungen vom
Umgang mit dem Tisa-Brunnen. Im zweiten Teil der Veranstaltung werden alle Teilnehmenden die Mög-
lichkeit haben, ihre Meinungen, Anregungen und Ideen zu äußern. Am Ende besteht die Möglichkeit, sich
per Mausklick an einem Meinungsbild des Abends zu beteiligen. Abschließend wird Bürgermeister Stock-
hoff einen Ausblick auf den weiteren Prozess und künftige Mitwirkungsmöglichkeiten geben.

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INFORMATION
Geschichte, Bedeutung und Deutungen zum Brunnen
Dr. Josef Ulfkotte _ Trägerverein Altes Rathaus e. V.

Dr. Josef Ulfkotte bedankt sich für die Einladung und stellt die Geschichte, Bedeutung und Deutungen
zum Tisa-Brunnen vor.

Einstieg: (Kurze) Beschreibung des Tisa-Brunnens

So haben wir Tisa und den nach ihr benannten Brunnen auf dem Marktplatz in Erinnerung, der im Januar
2020 wegen der Umgestaltung des Marktplatzes entfernt wurde:

Seitenlänge (Quadrat): 2,40 m
Höhe:                  45 cm.

Sockel, Brunnenrand und zwei Stege im Becken waren aus einzelnen aneinandergereihten Bild- und
Schrifttafeln zur Stadtgeschichte vom Römerlager in Holsterhausen bis zu den 7.094 Flüchtlingen aus
den Jahren nach dem 2. Weltkrieg aufgebaut, im Wechsel mit Szenen und Texten aus der Bibel.

Während der Brunnen im Sommer sprudelte, so wurde er in der Weihnachtszeit oft bepflanzt.

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Historische Einordnung: Der Standort des Brunnens auf dem Marktplatz
Warum entstand Tisas Brunnen an dieser Stelle des Marktplatzes? Werfen wir einen kleinen Blick zurück:

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                                                                      tergrund die Kirche St. Agatha. Das
                                                                      letzte Gebäude der repräsentativen
                                                                      Bürgerhäuser war das Haus Hassel-
                                                                      mann (heute Kaufhaus C&A). Mittig vor
                                                                      dem Alten Rathaus stand ein Brunnen
                                                                      – der auf diesem Bild leider nicht zu er-
                                                                      kennen ist.
 Nordostecke des Marktes um 1910
 Quelle: Slg. Kleine-Voßbeck, Dorsten

                                                                      Der Gastwirt Johann Koop betrieb in
                                                                      den 1930er Jahren neben seiner Gast-
                                                                      wirtschaft auch das Hotel Dorstener
                                                                      Hof.
                                                                      … ein beliebtes Fotomotiv.

 Nordseite des Marktes in den 1930er Jahren
 Quelle: Slg. Kleine-Voßbeck, Dorsten

                                                                      … doch der Krieg macht alles zunichte,
                                                                      denn am 22. März 1945 – wenige Wo-
                                                                      chen vor Kriegsende – wurde die Stadt
                                                                      Dorsten zu etwa 80 % zerstört. Am da-
                                                                      rauffolgenden Tag entstand dieses Bild
                                                                      - die Umgebung des Alten Rathauses
                                                                      glich einer Trümmerwüste, das Ge-
                                                                      bäude selbst blieb von Zerstörungen
 23. März 1945                                                        weitgehend verschont …
 Quelle: Slg. Kleine-Voßbeck, Dorsten

                                                                      Weil die Nordseite des Marktes nahezu
                                                                      komplett zerstört war, verlegte der
                                                                      Gastwirt Koop seine Gastwirtschaft in
                                                                      den ersten Nachkriegsjahren in das
                                                                      Alte Rathaus.

 Nordostecke des Marktes 1946
 Quelle: Slg. Kleine-Voßbeck, Dorsten

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Mit vereinten Kräften nahmen die Menschen den Wiederaufbau ihrer Stadt in Angriff, der in den 1950er
Jahren auch am Marktplatz sichtbar wurde. Die parkenden Autos versinnbildlichen den aufkommenden
Wohlstand; die Nordseite des Marktes ist bis auf die Baulücke im Bereich des früheren Hauses Hassel-
mann wiederhergestellt.

Diese Baulücke schloss die Kreissparkasse Recklinghausen, die im Dezember 1961 ihr neues, modernes
Gebäude am Markt bezog, das der damals 33jährige Architekt Manfred Ludes entworfen hatte. Zur Ver-
schönerung des Vorplatzes hatte die Sparkasse auch den Bau eines Marktbrunnens in Auftrag gegeben,
den es zu diesem Zeitpunkt nicht gab. Die zum Betrieb des Brunnens erforderliche Technik war im Keller
des Sparkassengebäudes untergebracht, sodass sie zukünftig von dort bedient werden konnte.

Es waren also in erster Linie pragmatische Gründe, die bei der Wahl des Standortes für den Brunnen
eine Rolle gespielt haben. Als Sparkassendirektor Poullain mit der seit 1950 zurückgezogen im Dorstener
Ursulinenkloster lebenden und als Kunsterzieherin tätigen Künstlerin Schwester Paula bekannt wurde,
kam ihm der Gedanke, die Ordensschwester für die weitere Ausgestaltung des von Ludes konzipierten
und inzwischen fertiggestellten Brunnens zu gewinnen. Eine entsprechende Anfrage lehnte Schwester
Paula zunächst ab, erklärte sich dazu aber nach weiteren Gesprächen mit Poullain bereit, der ihr bei der
Gestaltung freie Hand ließ.

Markt nach dem Wiederaufbau                            Abschluss des Wiederaufbaus am Markt
Quelle: Slg. Kleine-Voßbeck, Dorsten                   Quelle: Slg. Kleine-Voßbeck, Dorsten

Wir haben es also einmal mit einem fertiggestellten Brunnen zu tun, der in einem zweiten Schritt mit den
von Tisa erstellten Reliefplatten ausgestaltet wurde. Tisas Kunst fand in Poullain – auch in Zukunft – einen
engagierten Förderer.

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Der Tisa-Brunnen: Eine Auftragsarbeit der Kreissparkasse Recklinghausen
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                                                          gleitete die Kreissparkasse mit der Veröffentlichung ei-
                                                          ner kleinen Festschrift, deren Titelblatt hier zu sehen
                                                          ist.

                                                          Das neue Sparkassengebäude hebt sich durch seine
                                                          weiße Umrahmung von den übrigen Gebäuden ab, vor
                                                          dem Gebäude sprudelt der Marktbrunnen.

                                                          Im Rahmen einer Ausstellungseröffnung richtete Poul-
                                                          lain an Tisa gewandt zwei Jahre später die Worte:

 Titelblatt Festschrift Kreissparkasse 1961
 Quelle: Stadtarchiv Dorsten

„Draußen, vor dem Haus, steht Ihr Brunnen, keineswegs aber als selbständiger oder gar als verlorener Punkt auf dem Markt-
platz der Stadt, sondern an dieses Haus gekettet. Umriss, Gestalt, Maß wurden ihm durch die Architektur dieses Hauses
gesetzt. Der Brunnen aber wurde durch die Ausgewogenheit der Form und durch die Kraft seiner Darstellungen so stark, dass
er wiederum das Haus in seinen Kreis einbezog.“ Und weiter: „Wie glücklich ich war, dass auch Sie nichts von Allegorien und
barocken Stufenbrunnen hielten, davon darf ich heute einmal sprechen. Nichts von Spar[kassen]symbolen – etwa Bienenwa-
ben, aus denen sinnigerweise nicht Honig, sondern Wasser tropft – auch nichts von Denkmälern altvorderer oder amtierender
Schultheißen, obschon Denkmäler so praktisch sind, weil man die Sockel immer wieder verwenden kann.“

                                                          Dem damaligen Bericht in den Ruhr-Nachrichten zu-
                                                          folge waren technische Probleme ausschlaggebend
                                                          dafür, dass die Kreissparkasse den Marktbrunnen erst
                                                          Ende Oktober 1962 der Stadt Dorsten schenkte. Die
                                                          Schenkungsurkunde wird heute im Stadtarchiv Dorsten
                                                          aufbewahrt. Der Text lautet:
                                                          „Der Wiederaufbau des Marktes wurde im vergange-
                                                          nen Jahr durch den Neubau der Kreisparkasse abge-
                                                          schlossen. Zwischen dem ältesten Gebäude, der alten
                                                          Waage, und dem modernsten Bau, der Sparkasse,
                                                          wurde durch die Errichtung eines Brunnens, der an die
 Schenkungsurkunde
 Quelle: Stadtarchiv Dorsten
                                                          Stelle einer früheren Tränke trat, die Brücke geschla-
                                                          gen. Dieser Brunnen erzählt die Geschichte Dorstens,
                                                          die zugleich das Schicksal unseres Landes widerspie-
                                                          gelt. Die Kreissparkasse schenkt der Stadt Dorsten
                                                          diesen Brunnen, sie bekundet damit ihre Verbunden-
                                                          heit mit ihren Bürgern. Sie übergibt heute das Bauwerk
                                                          in die Obhut der Stadt.

                                                                                          Dorsten, den 29. Oktober 1962
                                                                Der Vorsitzende des Sparkassenrates Liesenklaas, Landrat
                                                            Der Vorsitzende des Vorstandes, Poullain, Sparkassen-Direktor

                                                                                                                            7
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Dorsten _ TISA-BRUNNEN - Bürgerschaftlicher Austausch und Meinungsbild
TISA-BRUNNEN _ Bürgerschaftlicher Austausch und Meinungsbild _ 03.05.2021

Bedeutung und Deutungen zum Brunnen
Worauf kam es Tisa bei der Gestaltung des Brunnens an?
In der schon genannten Festschrift aus dem Jahre 1961 hat sie das so formuliert:

„Ich wollte in diesem Brunnen die Stadt selbst sich ausdrücken und bezeugen lassen. Der Brunnen einer
Stadt ist ja so etwas wie ihr sozialer Mittelpunkt. Er müsste so sein, dass alle Einwohner der Stadt sich
darin angesprochen und bezeugt sehen, dass sie spüren‚ dies sind WIR.“

Tisa-Brunnen
Quelle: Tisa-Werkstatt, St. Ursula

Es war ihr Wunsch, die Stadt in ihrer „Ganzheit“ darzustellen, die Geschichte mit der Gegenwart zu ver-
binden, „denn die Stadt, die ich 1948 zum ersten Male sah, dieses unvergessliche Gewirr von Ruinen,
Schutthügeln und halbverschütteten Kellern, eine wüste Stätte vom Lippetor bis zum Krankenhaus, hatte
mir über die Vergangenheit nicht viel sagen können.“ Sie dachte sich den Brunnen als stadtgeschichtli-
chen Erinnerungsort, der das Leid, die Ängste, Nöte und Entbehrungen der Dorstener Bevölkerung in den
vergangenen Jahrhunderten wachhalten und so dazu beitragen sollte, Krieg, Unterdrückung, Ausbeutung
und Entrechtung zukünftig zu verhindern.

Es war sicher kein Zufall, dass Tisa drei wörtliche Zitate von Zeitgenossen in die aus Beton gefertigten
Relieftafeln einritzte, die wie sie selbst, Sparkassendirektor Poullain und Architekt Ludes, durch die Hitler-
Diktatur, den Zweiten Weltkrieg und die entbehrungsreichen Jahre des Wiederaufbaus geprägt waren:

 „Durch das lodernde Feuer wurde die Stadt vernichtet.
 Durch das Feuer der Herzen entstand Dorsten zu neuem Leben.“
                                                                          Pater Gerold, Franziskanerkloster Dorsten

 „Dorsten ist wieder da!
 Fleiß und Lebenswille, Treue und Heimatliebe haben die zerstörte Stadt wieder aufgebaut.“
                                                                                     Bürgermeister Paul Schürholz

                                                                                                                      8
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Dorsten _ TISA-BRUNNEN - Bürgerschaftlicher Austausch und Meinungsbild
TISA-BRUNNEN _ Bürgerschaftlicher Austausch und Meinungsbild _ 03.05.2021

 „Die den Greuel der Verwüstung überlebten, schlugen an ihre Brust, widersagten für alle Zukunft der
 Überhebung und Gewalttat, bekannten sich zu einem armen und bußfertigen Leben und erflehten für
 sich, ihr Volk und die Menschheit die Gnade der Umkehr und des Friedens.“
 Dieser Ausspruch von Heinrich Spaemann spiegelt die Grundhaltung Tisas, die – wie ihr Auftraggeber
 – keinen raumgreifenden, protzigen, sondern einen vergleichsweise kleinen, bescheidenen Brunnen
 wollte, der zugleich als Mahnmal gedacht war. Den Gehalt des Spaemann-Appells sollte sich auch die
 Stadt Dorsten zu eigen machen, und deshalb nahm ihn die Kreissparkasse auch in die Schenkungs-
 urkunde auf.
                                                                Heinrich Spaemann, 1942-1948 Kaplan an St. Agatha

Erst wenn ein Marktplatzbesucher ganz nah an den Brunnen herantrat, konnte er die Figuren und Texte
aufnehmen. Um die Fülle der Informationen zu sortieren, ihren inneren Zusammenhang zu erkennen und
zu verstehen, musste er Zeit mitbringen. Da der Brunnen gerade einmal 45 cm hoch war, musste er sich
bücken oder in die Hocke gehen, wenn er die Tafeln an den Seiten in den Blick nehmen wollte. Das war
durchaus anstrengend.

Nachwirkungen des Brunnens als Mahnmal zur kritischen Auseinandersetzung mit
der (Stadt)Geschichte

Der unspektakuläre Brunnen vermittelte zu Beginn der 1960er Jahre unbequeme Wahrheiten über die
Geschichte, insbesondere über die Hitlerzeit, die die Generation, die diese Jahre durchlebt und durchlitten
hatte, in den Jahren des Wiederaufbaus und des allmählich einsetzenden Wohlstandes verdrängte. Es
sollte noch eine Zeitlang dauern, bis die Generation der 1968er den Boden für ein Klima bereitete, das
eine aktive Auseinandersetzung mit der NS-Zeit ermöglichte. Als sich zum Ende der 1970er Jahre in
Dorsten um einen Journalisten und ein Ratsmitglied die „Forschungsgruppe Dorsten unterm Hakenkreuz“
bildete, stand Tisa ihr ebenso zur Seite wie ihre Mitschwester Johanna, die in den nächsten Jahren mit
gleichgesinnten Männern und Frauen die Arbeit dieser Gruppe vorantrieb. Diese fand in mehreren Publi-
kationen ihren Niederschlag.

Dem besonderen Engagement dieser Bürgerinitiative verdankt das Jüdische Museum Westfalen seine
Entstehung. In den vergangenen 20 Jahren sind 45 Stationen Dorstener Geschichte im gesamten Stadt-
gebiet entstanden, weitere sind in Vorbereitung. Sie sind – wie die Arbeit des Jüdischen Museums und
die jüngsten Publikationen zur Stadtgeschichte – „Dorsten – eine Zeitreise“, herausgegeben vom Verein
für Orts- und Heimatkunde Dorsten e. V. und dem Stadtarchiv Dorsten sowie dem von der Historischen
Kommission für Westfalen veröffentlichten „Historische[n] Städteatlas Dorsten“ – Beispiele dafür, dass
Tisas Mahnung zu einem kritischen Umgang mit der Geschichte nicht vergessen wurde, sondern auf
fruchtbaren Boden gefallen ist – und das bleibt hoffentlich auch in Zukunft so.

                                                                                                                    9
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Dorsten _ TISA-BRUNNEN - Bürgerschaftlicher Austausch und Meinungsbild
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Marktplatz – Veränderungen nach der Übergabe des Brunnens bis heute
Tisa ist seit 1972 Ehrenbürgerin der Stadt Dorsten. Sie starb im Februar 2001 im Alter von 97 Jahren.
Einschneidende Veränderungen, die sich auf dem Marktplatz nach der Schenkung des nach ihr benann-
ten Brunnens an die Stadt vollzogen haben, hat sie miterlebt:

                                                                     Marktplatz 1968:
                                                                     … noch ist der Marktplatz Parkplatz, der
                                                                     Brunnen von parkenden Autos umgeben
                                                                     …

 Quelle: Slg. Kleine-Voßbeck, Dorsten

                                                                    … bis ihm die Fußgängerzone in den
                                                                    1970er Jahren ein neues Flair verlieh …
                                                                    zu dem auch der 1986 errichtete zweite
                                                                    Marktbrunnen beitragen sollte …

 Quelle: Slg. Kleine-Voßbeck, Dorsten

                                                                      Marktplatz heute:
                                                                      Zehn Jahre nach Tisas Tod hat der
                                                                      Marktplatz eine weitere Umgestaltung
                                                                      erfahren, den von ihr gestalteten Brun-
                                                                      nen gibt es nicht mehr.

                                                                      „Was soll – was kann – bleiben?“

                                                                                                               10
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INFORMATION
Aktuelle Situation und öffentliche Debatte
Mila Ellee _ Stadt Dorsten

Mila Ellee erläutert die bisherigen Schritte seit dem Abbau des Tisa-Brunnens im Jahr 2020. Einführend
präsentiert sie ein Luftbild des Marktplatzes aus dem Jahr 2018, das den Tisa-Brunnen in prominentester
Lage auf dem Marktplatz zeigt. Es ist deutlich erkennbar, dass der Brunnen von Außengastronomie um-
schlossen ist.

Eigentümerin des Brunnens war die Stadt Dorsten. Einige Unterstützer kümmern sich seit vielen Jahren
um den Brunnen. Dies waren die IPE und die Sparkasse Vest. Im Jahr 2018 wurde eine hohe vierstellige
Summe in den Erhalt des Brunnens investiert, indem die Brunnentechnik instandgesetzt wurde. Dabei
wurde deutlich, dass eine veraltete Brunnentechnik vorhanden war und es einer Generalüberholung be-
durft hätte. Durch Witterung und Abnutzung waren im Laufe der Jahre Schäden am Tisa-Brunnen ent-
standen. Im Jahr 2019 gab es Gespräche zur Zukunft des Brunnens mit dem Ziel einer Restaurierung.
Eine erste Kostenschätzung ergab einen Investitionsbedarf von 80.000 bis 100.000 Euro in die Brunnen-
technik. Damit wurde deutlich, dass grundsätzliche Überlegungen zur Zukunft des Brunnens anzustellen
sind.

Im Januar 2020 wurde der Marktplatz erneuert. Durch die Bauarbeiten haben sich die Reliefplatten gelo-
ckert. Daraufhin musste schnell gehandelt werden.

                                                                                                               11
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TISA-BRUNNEN _ Bürgerschaftlicher Austausch und Meinungsbild _ 03.05.2021

Die Stadt Dorsten hat die Platten durch den Dorstener Steinmetz Rainer Kühn fachgerecht abnehmen,
sichern und einlagern lassen. Die Kosten wurden von der Stadt Dorsten getragen. Beim Abbau des Brun-
nens wurde ersichtlich, dass sich der Korpus und die Brunnentechnik in einem sehr schlechten baulichen
Zustand befanden.

Sicherung der Platten im Januar 2020                                                                  Fotos: Stadt Dorsten

In der Folge fand am 04.02.2020 zunächst ein Gespräch mit den „Unterstützern“ statt. Einbezogen wur-
den auch die Tisa von der Schulenburg-Stiftung und die St. Ursula-Stiftung. Dieser Kreis kann sich vor-
stellen, die Original-Reliefplatten der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, indem sie beispielsweise aus-
gestellt werden. Am 06.02.2020 fand eine Beratung im Verwaltungsvorstand statt. Dieser hat sich dafür
ausgesprochen, die Öffentlichkeit an der Diskussion über den Tisa-Brunnen zu beteiligen. Am 04.03.2020
wurde im Rat der Stadt Dorsten darüber diskutiert, wie weiter vorzugehen ist. Das Thema sollte auch im
Beirat für Kunst im öffentlichen Raum besprochen werden. Weiter hat sich der Rat für eine Öffentlich-
keitsbeteiligung ausgesprochen.

Mit der fortschreitenden Erneuerung des Marktplatzes musste auch der Rumpf des Tisa-Brunnens besei-
tigt werden. Für einen eventuellen (Wieder-) Aufbau eines Brunnens wurden Vorkehrungen getroffen,
indem Leerrohre verlegt und der genaue Standort eingemessen wurde.

Abbau des maroden Tragkörpers am 10. März 2020                                                        Fotos: Stadt Dorsten

                                                                                                                       12
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                                                                   Nach ausführlicher Diskussion empfiehlt
                                                                   der Beirat für Kunst im öffentlichen Raum
                                                                   der Stadt Dorsten, die 60 Jahre alten Re-
                                                                   liefplatten des Tisa-Brunnens zu sichern
                                                                   und an einem geeigneten, sicheren Ort
                                                                   auszustellen, so dass sie den Bürgerin-
                                                                   nen und Bürgern der Stadt Dorsten und
                                                                   interessierten Personen zur Ansicht zu-
                                                                   gänglich sind. Der Umzug der Reliefplat-
                                                                   ten soll in würdiger Form durch ein Rah-
                                                                   menprogramm begleitet werden.

 17. Juni 2020
 Quelle: Dorstener Zeitung

Der Beirat empfiehlt weiterhin, den Brunnen in seiner bisherigen Form und an derselben Stelle nicht wie-
der aufzubauen. Er betrachtet nicht den Brunnen als Bauwerk an sich, sondern die Reliefplatten von Tisa
von der Schulenburg, als Kunstwerk. Er spricht sich dafür aus, sich Zeit zu nehmen, die Bedeutung und
Tiefe der Arbeiten von Tisa von der Schulenburg zu ergründen, um dann ggf. über ein entsprechendes
Folgekunstwerk auf dem Marktplatz nachzudenken.

Am 23.06.2020 beriet der Umwelt- und Planungsausschuss mit Beratung durch den Beirat für Kunst im
öffentlichen Raum. Dieser stellt ein öffentliches Interesse am Tisa-Brunnen fest und spricht sich für die
Sicherung und für den Schutz der Original-Platten vor Verwitterung und Vandalismus aus. Die Platten
sollen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die Ausschussmitglieder betrachten den Brunnen-
körper und die Reliefplatten als Einheit, so dass sie zusammen gedacht werden sollen.

Abschließend hat der Rat der Stadt Dorsten am 24.06.2020 folgenden einstimmigen Beschluss gefasst:

Dieser Beschluss bildet die Grundlage für das weitere Vorgehen. Ein Beteiligungskonzept wurde erarbei-
tet und eine Beteiligungsveranstaltung am 30.11.2020 geplant. Diese wurde aufgrund der Corona-Pan-
demie auf den heutigen Tag verschoben.

                                                                                                               13
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In der Zwischenzeit wurden aus den 62 Reliefplatten zwei Platten von mittlerer Qualität ausgewählt, von
denen Abdrücke durch die Fa. Voßbeck-Elsebusch Betonprodukte GmbH angefertigt wurden. Diese Ab-
drücke wurden öffentlich ausgestellt. Auf den Fotos sieht man Abdrücke mit und ohne Einfärbung des
Betons. Möglich ist die Anfertigung mehrerer Abdrücke durch die Anfertigung eines Negativabdrucks.
Zerbrochene Originalplatten können repliziert werden.

Testabdrücke der Original-Reliefplatten als Schrift- und Bildplatte                                       Fotos: Stadt Dorsten

Für die Anfertigung von Abgüssen aller Reliefplatten wurden mehrere Kostenschätzungen eingeholt:

                                                                                                                           14
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Hinzu kommt der originalgetreue Brunnengrundkörper. Anfertigung und Aufbau sind mit rd. 44.000 € zu
veranschlagen. Frau Ellee betont, dass die Entscheidung nicht von den Kostenschätzungen getragen
werden soll. Finanziert werden kann ein neuer Brunnen über den Altstadtfonds, mit dem eine 50 %-ige
Förderung möglich ist. Die Altstadtschützen wären bereit, den nötigen Antrag zu stellen. Die Förderung
kann in Anspruch genommen werden, sofern das Projekt bis Ende 2021 abgerechnet ist.

Online-Befragung von Bürgerinnen und Bürgern

Im Vorfeld des „Bürgerschaftlichen Austausches“ am 03.05.2021 fand eine Online-Befragung von Bürge-
rinnen und Bürgern statt. Diese hatten die Möglichkeit, ihre Meinungen, Gedanken und Hinweise zum
Tisa-Brunnen mitzuteilen.

Quelle: Dorstener Zeitung

                                                                                                               15
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BÜRGERSCHAFTLICHER AUSTAUSCH
Meinungen, Positionen und Denkanstöße aus der Bürgerschaft

Drei Denkanstöße
In eingespielten Videos lassen drei Experten aus Dorsten die Teilnehmenden der Veranstaltung an ih-
ren Gedanken zur Zukunft des Tisa-Brunnens teilhaben.

Rainer Kühn _ Steinmetz

 Aus Sicht von Rainer Kühn ist der Tisa-Brunnen als Brunnen er-
 schöpft. Der Tisa-Brunnen hat den Dorstener Bürgern über viele Jahre
 gedient und signalisiert nun in seinem erschöpften Zustand, dass hier
 Vergänglichkeit stattfindet. Jeder Versuch, die Reliefplatten abzugie-
 ßen, um der Vergänglichkeit zu trotzen, wird die Stadtgesellschaft ir-
 gendwann dahinführen, dass auch dann wieder Vergänglichkeit erfah-
 ren wird.

 Zur Zukunft des Markplatzes meint Herr Kühn, dass nichts dagegen-
 spricht, den alten Standort des Brunnens kenntlich zu machen. Die
 Pflastersteine könnten aufgenommen und neugestaltet werden. Herr
 Kühn schlägt vor, Jugendliche in ein solches Projekt einzubeziehen.
 So könnten sie sich mit diesem Ort der Stadtgeschichte auseinander-
 setzen und diesen nach ihren Vorstellungen weiterentwickeln.

 Für den Marktplatz wünscht sich Herr Kühn, dass er künftig zu einem
 lebendigen Zentrum mit Handel und Gastronomie fungiert. Herr Kühn
 meint, dass ein solches Vorgehen auch in Tisas Sinn gewesen wäre.
 Die Geschichte soll nicht verschwiegen oder vergessen werden. Sie
 darf auch ermahnen und man soll daraus lernen, aber sie darf nicht
 belastend sein. Herrn Kühn ist es wichtig, bei der Diskussion um den
 Tisa-Brunnen nicht in die Vergangenheit, sondern in die Zukunft zu
 blicken.

                                                                                                               16
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Gerhard Schute _ Bergbauverein e. V.

 Als Vorsitzender des Bergbauvereins spricht sich Herr Schute dafür
 aus, künftig auf dem Marktplatz am alten Standort des Tisa-Brunnens
 an das Kunstwerk zu erinnern. Er begründet dies damit, dass Tisa den
 Brunnen ganz bewusst für den Marktplatz gestaltet hat, wo er deshalb
 auch in Zukunft hingehört. Seiner Ansicht nach sollte der Brunnen als
 Replik am Standort wieder aufgebaut werden.

 Die Original-Reliefplatten sollten standortnah in der Dorstener Innen-
 stadt untergebracht werden. Beispielsweise könnten sie in den Ein-
 gangsbereichen der St. Agatha-Kirche ausgestellt werden. Denkbar
 wäre auch die Präsentation der alten Reliefplatten unter Panzerglas an
 der Rückseite der Alten Stadtwaage. Dies sollte ausführlich im Kultur-
 ausschuss, weiteren Fachausschüssen und im Rat der Stadt beraten
 werden.

 Wichtig ist aus Sicht von Herrn Schute, dass der Brunnen wieder an
 seinem alten Standort auf dem Marktplatz aufgebaut wird. Er bezieht
 sich auf Aussagen von Tisa, die den Brunnen explizit für den Dorstener
 Marktplatz gestaltet hat. Der Brunnen gehört seit Anfang der 1960er
 Jahre zum Markt. Für Herrn Schute gibt es keinen erkennbaren Grund,
 ihn dort nicht wieder aufzubauen.

Peter Schwanenberg _ Dorstener Kunstverein e.V.

 Aus der Sicht von Herrn Schwanenberg sind viele Dorstenerinnen und
 Dorstener der Ansicht, dass der Tisa-Brunnen als Wahrzeichen der
 Stadt wiederaufgebaut werden muss. Herr Schwanenberg nimmt Be-
 zug auf die beiden Möglichkeiten, den Brunnen entweder als Replik
 des alten Brunnens oder als neu gestalteten Brunnen im Geiste Tisas
 zu erstellen. Er spricht sich dafür aus, die originalen Reliefplatten ab-
 zugießen und den Brunnen als Replik am alten Standort wiederaufzu-
 bauen. Er führt an, dass die Abgüsse aus Feinbeton im Vergleich zum
 Original deutlich weniger porös sind und eine glattere Oberfläche ha-
 ben. Damit erscheinen sie plastischer als das Original und werden we-
 niger verwittern. Herr Schwanenberg gibt aber zu bedenken, dass die
 beispielhaft abgegossene Originalplatte in einem besseren Zustand ist
 als viele andere.

 Da es sich bei dem Brunnen um ein Gesamtkunstwerk handelt, sollte
 auch darüber nachgedacht werden, was mit dem Mosaikboden des
 früheren Brunnens passiert ist, und wie damit künftig umzugehen ist.

 Wenn der Brunnen originalgetreu wieder auf dem Marktplatz errichtet
 werden sollte, könnte aus Sicht von Herrn Schwanenberg ein neues
 Interesse an der Geschichte in der Dorstener Bevölkerung entstehen.

                                                                                                               17
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Kurz-Information zu den Erkenntnissen der Online-Befragung
und der schriftlichen Eingaben
Joachim Thiehoff _ Stadt Dorsten

Die Stadt Dorsten hat im Laufe des Diskussionsprozesses über die Zukunft des Tisa-Brunnens Eingaben
aus der Dorstener Bürgerschaft erhalten. Eingegangen sind vier Briefe, 19 E-Mails und 154 Unterschriften
von Personen, die sich in eine Liste für den Erhalt des Brunnens am angestammten Standort auf dem
Marktplatz ausgesprochen haben.

Im Zeitraum von 01.04.2021 bis 25.04.2021 wurde auf den Internetseiten der Stadt Dorsten die Möglich-
keit gegeben, sich zur Zukunft des Tisa-Brunnens zu äußern. An dieser Online-Befragung haben sich 80
Personen beteiligt.

Aus diesen schriftlichen Eingaben und der Online-Umfrage gehen folgende Erkenntnisse hervor:

Bedeutung des Brunnens

Grundsätzlich: Es gab mehrere Einzelmeinungen, die den Brunnen nicht für wichtig halten; der Platz wäre
wichtiger für die Marktstände. In der Mehrheit der Meinungen werden positive Bedeutungen mit dem
Brunnen verbunden.

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TISA-BRUNNEN _ Bürgerschaftlicher Austausch und Meinungsbild _ 03.05.2021

Wünsche und Anliegen für die Zukunft

Ideen

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Bürgerschaftlicher Austausch und Meinungsbild

Die Teilnehmenden äußern sich im „Bürgerschaftlichen Austausch“ zu den Fragen, ob auf dem Marktplatz
ein Nachbau des Tisa-Brunnens in seiner Originalgestaltung entstehen soll oder ob der Bau eines Brun-
nens mit einer neuen Gestaltung in Anlehnung an das Werk von Tisa befürwortet wird.

Das Meinungsspektrum reicht über diese beiden Denkrichtungen hinaus, weil auch weiteren mögliche
Handlungsoptionen angesprochen werden. Im Folgenden sind die unterschiedlichen Meinungen, Argu-
mente und Positionen zusammengefasst dargestellt.

Grundsätzliches

> GEDENKEN AN DAS WERK VON TISA HAT HOHEN STELLENWERT
Einigkeit unter den Teilnehmenden besteht in der Ansicht, dass die Persönlichkeit und das Werk von Tisa
von der Schulenburg für die Stadt Dorsten prägend sind. Sie messen ihrer Ehrenbürgerin Tisa eine große
Bedeutung im Hinblick auf die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte sowie einer sozialen, auf
den Menschen ausgerichteten Lebensweise bei. Den Teilnehmenden ist es wichtig, in gebührender
Weise an Tisa von der Schulenburg zu erinnern und ihr Werk für alle Bürgerinnen und Bürger präsent zu
halten.

Nachbau des Tisa-Brunnens in seiner Originalgestaltung auf dem Marktplatz

> WERTSCHÄTZUNG

Das Werk und die Persönlichkeit von Tisa sollten durch die Wiedererrichtung des Tisa-Brunnens auf dem
Marktplatz als Replik wertgeschätzt werden. Beides sollte deutlicher als bisher in den Mittelpunkt der
Stadtgeschichte gestellt werden. Tisa war hilfsbereit, großzügig und tolerant. Ihr Wirken ist nach wie vor
ein Glücksfall und ein Aushängeschild für die Stadt Dorsten. Der Brunnen und die Persönlichkeit von Tisa
sollten als Einheit gedacht werden. Eine abweichende Gestaltung eines Brunnens stellt keinen Ersatz für
den Originalbrunnen dar.

> RESPEKT
Der Tisa-Brunnen und die Erinnerung an Tisas Werk sollte nicht aus kommerziellen Gründen vom Markt-
platz entfernt werden. Vielmehr sollte die Bestuhlung der Außengastronomie und das Aufstellen von
Marktständen aus Respekt vor Tisas Werk zurückhaltend erfolgen. Eine Replik des Tisa-Brunnens am
alten Standort soll gut sichtbar sein. Die Reliefplatten sollten so freigehalten werden, dass sie gut zu
betrachten sind.

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> AUSEINANDERSETZUNG
Der Brunnen mit seinem Standort auf dem Marktplatz hat in der Vergangenheit viele Passantinnen und
Passanten zum Innehalten angeregt. Sie haben die Inschriften gelesen und sind darüber ins Gespräch
gekommen. Durch eine Replik des Tisa-Brunnens am Standort sollte diese Auseinandersetzung weiter
ermöglicht werden.

Tisas Werk war häufig provozierend. Dies findet sich auch auf den Reliefplatten des Tisa-Brunnens wie-
der. Die Wiedererrichtung des Tisa-Brunnens als Replik erinnert an diesen Wesenszug von Tisa, der für
die Stadt Dorsten wichtig war.

Gehängte, museale Stücke von Tisa gibt es in Dorsten bereits an anderen Standorten. Der Sinn des
Brunnens ist, Geschichte spielend begreifbar zu machen. Deshalb sollte der Brunnen mit seiner Aussage
– so wie er geschaffen wurde – als Ganzes erhalten bleiben. Er ist auch ein Ort der Begegnung.

Die Erinnerung an die Geschichte sollte mit einer Geschichtsstation an der Replik des Tisa-Brunnens
gefördert werden. Informationen über den Tisa-Brunnen können mithilfe eines QR-Codes abrufbar ge-
macht werden.

Die Anfertigung einer Replik in Bronze hätte den Vorteil, dass die Aussagen von Tisa für die Ewigkeit
gesichert wären.

> STANDORTBINDUNG
Der Brunnen wurde für den Marktplatz geschaffen. Hinzu kommt die historische Verbindung des Brun-
nens zur Sparkasse und die frühere Verbindung von Tisa zum Kunsthandwerker Antonio Philippin, der
hier seine Holzschnittarbeiten anfertigte. Dadurch ist der Brunnen auf dem Marktplatz fest verankert. Aus
Respekt vor Tisa von der Schulenburg sollte der Brunnen an gleicher Stelle wiedererrichtet werden. Ohne
den Brunnen fehlt etwas in der Dorstener Innenstadt.

Dem Wirken von Tisa wird nur ein Brunnen in seiner ursprünglichen Gestaltung am alten Standort ge-
recht. Andere Standorte, etwa in der St. Agatha-Kirche oder am Ursulinenkloster, werden für unpassend
gehalten.

Der Tisa-Brunnen sollte am alten Standort wiedererrichtet werden. Der genaue Standort kann geringfügig
von dem ursprünglichen Standort abweichen. Er sollte mit den ansässigen Geschäftsleuten und Gastro-
nomen festgelegt werden. Eine geringe Abweichung kann sinnvoll sein, wenn der Marktplatz dadurch
besser nutzbar wird und eine Belebung erfahren kann. Die Veranstaltungen des Kultursommers wurden
durch den Tisa-Brunnen bislang nicht beeinträchtigt.

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Bau eines Brunnens mit einer neuen Gestaltung in Anlehnung an das Werk von Tisa

> BRUNNEN UND TISAS WERK VONEINANDER TRENNEN
Der Brunnenkörper und die künstlerische Gestaltung des Brunnens durch Tisa können getrennt vonei-
nander betrachtet werden, da der Brunnenkörper zuerst errichtet und die Reliefplatten später angebracht
wurden (zu erkennen z. B. an den eingesetzten Passplatten). Eine eingehende Betrachtung des Kunst-
werks ist durch die Anbringung der Platten in Bodennähe schwierig. Insgesamt kann daher eine geeig-
netere Brunnenform für den Standort Marktplatz gefunden werden.

Es ist fraglich, ob es Tisa bei der Gestaltung des Brunnens auch um den Brunnenkörper ging, der nicht
durch sie, sondern durch den Architekten Manfred Ludes gestaltet wurde. Daher ist es möglicherweise
nicht unbedingt notwendig, den Brunnenkörper in derselben Form wieder zu errichten. Auf jeden Fall
sollte sich aber die Aussagen der Tafeln auf einem neuen Kunstwerk wiederfinden. Es darf die Frage
gestellt werden, ob der Brunnen die Dorstener Stadtgesellschaft tatsächlich zur Auseinandersetzung mit
der Geschichte angeregt hat, oder ob dafür andere Formen gefunden wurden.

> ENTWICKLUNG DES MARKTPLATZES ALS LEBENDIGES ZENTRUM
Die Nutzbarkeit des Marktplatzes wurde durch den Tisa-Brunnen eingeschränkt. Der Raum für Außen-
gastronomie war beschränkt. Durch die erforderlichen Rettungswege und Anleiterbereiche für die Feuer-
wehr waren Veranstaltungen nur noch schwer durchführbar. Der Marktplatz mit seiner neuen Gestaltung
bietet die Chance für eine Belebung der Innenstadt. Er sollte in Zukunft flexibel nutzbar sein. Der Bereich
des Sparkassenbrunnens könnte durch ein flächenebenes Wasserspiel gekennzeichnet und gestaltet
werden, welches bei Veranstaltungen überbaut werden kann. An den Tisa-Brunnen könnte mit Gedenk-
tafeln aus Bronze erinnert werden.

Bei einer Neugestaltung des Brunnens könnte ein Trinkbrunnen integriert werden (Anregung aus dem
Chat zur digitalen Veranstaltung).

> KONSEQUENT SEIN
Das Erbe von Tisa sollte für die Stadt Dorsten bewahrt werden. Dies kann entweder durch die Wieder-
herstellung des Original-Brunnens mit den historischen Reliefplatten erfolgen oder in anderer Form in
Erinnerung an das Werk von Tisa. Wenn der Brunnen als Original nicht mehr aufzubauen ist, sollte etwas
Neues im Geiste von Tisa am Standort des ehemaligen Tisa-Brunnens entstehen. Dabei sollten Möglich-
keiten zur Belebung des Marktplatzes geschaffen werden.

Eine gute Gestaltung lebt von Kompromisslosigkeit. Für die Marktplatzentwicklung sollten Ziele definiert
werden, die dann stringent verfolgt werden. Wenn der Brunnen an gleicher Stelle wieder aufgebaut wer-
den soll, wäre dies nur mit den Original-Reliefplatten sinnvoll. Jedoch besteht die Gefahr, dass aus dem
Marktplatz ein „Brunnen-Platz“ wird, der kaum nutzbar und bespielbar ist, sodass die Entwicklung der
Innenstadt zu Gunsten eines Brunnens zurückgestellt wird. Daher sollte ein ganz anderes Werk im Geiste
Tisas entstehen, das einer zukunftsfähigen Entwicklung des Marktplatzes nicht entgegensteht. Die Stadt
Dorsten sollte die Chance nutzen, um in die Zukunft zu blicken, und nicht in der Vergangenheit haften.
Bei dieser Weiterentwicklung des Marktplatzes sollte das Werk und die Erinnerung an Tisa weiterhin
sichtbar sein.

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Verzicht auf einen Brunnen auf dem Marktplatz

> PFLEGEAUFWAND UND VANDALISMUS
Die Pflege des Tisa-Brunnens war in der Vergangenheit offenbar zu aufwändig. Durch häufige Ver-
schmutzungen und Vandalismus wurde der Brunnen als Schandfleck auf dem Marktplatz wahrgenom-
men. Der künftige Pflegeaufwand spricht gegen die Errichtung eines zweiten Brunnens auf dem Markt-
platz.

> MARKTPLATZ FÜR DIE INNENSTADTENTWICKLUNG NUTZEN
Der Markplatz sollte als Chance für die Entwicklung der Dorstener Innenstadt betrachtet werden. Die
Innenstadt ist bereits von massivem Leerstand betroffen. Ein zweiter Brunnen auf dem Marktplatz ist für
die Entwicklung der Innenstadt in Bezug auf die Außengastronomie und den Einzelhandel hinderlich.
Außengastronomie, Veranstaltungen und Feste sind wichtig für die zukünftige Entwicklung von Dorsten.

> STANDORT NEU BESTIMMEN
In Dorsten sollte ein Brunnen zur Erinnerung an Tisa wieder errichtet werden. Allerdings sollte der Stand-
ort auf dem Marktplatz noch einmal überdacht werden. Denkbar wäre z. B. auch das Ursulinenkloster.

Der Standort kann der Replikation des Tisa-Brunnes untergeordnet werden. Denkbar wäre auch ein neuer
Ort für den Brunnen, etwa am Platz der Deutschen Einheit.

Vorschläge für einen neuen Ort für die Original-Reliefplatten
Die Wertschätzung von Tisas Wirken zeigt sich nach Ansicht vieler Teilnehmender in der öffentlich zu-
gänglichen Unterbringung der Originalplatten. Dafür werden im Laufe des Gesprächs folgende Hinweise
gegeben:
 die Reliefplatten sollten barrierefrei für die Öffentlichkeit zugänglich sein, und sie sollten auf Augen-
    höhe angebracht werden
 ein möglicher Ort stellt das St. Ursula Gymnasium dar, das für Tisa ein Bezugspunkt war; denkbar
    wäre die Anbringung der Platten am Eingang zum Schulhof
 der Südgraben wird als weiterer möglicher Ort für die Ausstellung der originalen Reliefplatten genannt
 einige Teilnehmende sehen die Reliefplatten künftig im nahen Umfeld des ehemaligen Standorts auf
    dem Marktplatz

Die Tisa-Stiftung steht bereit, die originalen Reliefplatten zu sichern und für die Öffentlichkeit zugänglich
zu machen.

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Meinungsbild
Die Teilnehmenden erhalten die digitale Möglichkeit, mit einem „Symbol“ einen der beiden Vorschläge
zu kennzeichnen und sich damit für diesen Vorschlag auszusprechen:

Entstanden ist dieses Meinungsbild:

Screenshot aus der Veranstaltung                                                                Quelle: Stadt Dorsten

   15 Zeichen befinden sich im Feld „Nachbau des Tisa-Brunnens in seiner Originalgestaltung“.
   10 Zeichen befinden sich im Feld „Bau eines Brunnens mit einer neuen Gestaltung, aber in Anleh-
    nung an das Werk von Tisa.
   3 Zeichen befinden sich außerhalb der beiden Felder.

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AUSBLICK
Informationen zum weiteren Vorgehen
Bürgermeister Tobias Stockhoff

Bürgermeister Tobias Stockhoff bedankt sich bei allen Teilnehmenden des „Bürgerschaftlichen Austau-
sches“ und allen Akteuren, die durch ihren Input zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen und eine
fundierte Diskussion ermöglicht haben.

Er betont, dass der Austausch unterschiedlicher Meinungen und Argumente sehr positiv und wichtig ist,
und dass die Erkenntnisse in die weitere Beratung einfließen werden. Die nächsten Schritte sollen zeitnah
stattfinden, um die Mittel des Altstadtfonds in Anspruch nehmen zu können.

Unabhängig davon, ob eine Replik des Tisa-Brunnens oder etwas ganz Neues auf dem Marktplatz ent-
stehen wird, sollen die Original-Reliefplatten gesichert und öffentlich zugänglich gemacht werden.

Zur Beratung des weiteren Umgangs mit den Original-Reliefplatten soll ein „Bürgerschaftliches Team“
gebildet werden. Anmeldungen von interessierten Bürgerinnen und Bürgern dazu werden vom 04.05. bis
09.05.2021 unter E-Mail-Adresse buergerkommune@dorsten.de entgegengenommen. Das Team soll
aus zehn Personen bestehen. Sollten sich mehr Interessierte für diese Aufgabe melden, entscheidet das
Los.

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