E-COMMERCE FRAMEWORKS UND E-COMMERCE AS A SERVICE (EAAS) - Moderne Shop-Technologien - Cyberday GmbH
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INHALTSVERZEICHNIS VORWORT Wenn die Technik aus dem Kettenkarussell fliegt 5 NEUE SHOP-SOFTWARE BRAUCHT DAS LAND Die Zeiten ändern sich 6 SHOP-TECHNOLOGIEN, DIE KEINE SHOPSYSTEME SIND Viele Wege führen nach Rom 8 NEUE SHOP-(TRANSAKTIONS-)TECHNOLOGIEN – EIN VERGLEICH Zielsetzungen, Unterschiede, Eigenheiten 11 ANBIETER IM GESPRÄCH: ALEXANDER GRAF, SPRYKER 15 EXPERTENGESPRÄCH: ALEXANDER HOFMANN, ECOMPARO.DE 18 ANBIETER IM GESPRÄCH: LUCIA HEGENBARTOVA, COMMERCETOOLS 21 EXPERTENGESPRÄCH: DR. ROMAN ZENNER, SHOPTECHBLOG 24 ANBIETER IM GESPRÄCH: LARS JANKOWSKY, ONGR.IO 26 EXPERTENGESPRÄCH: SIMON HUCK, CYBERDAY GMBH 28
„E-Commerce Frameworks oder EaaS sind
vor allem für Unternehmen interessant, die
eine agile Lösung suchen, um schnell auf
sich ändernde oder unterschiedliche Gege-
benheiten reagieren zu können.”
- Simon Huck, Geschäftsführer CYBERDAY GmbH -WIR MACHEN AUS
IHREM
WEBSHOP
EINE RUNDE SACHE.
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WWW.CYBERDAY-GMBH.DEWenn die Technik
aus dem Kettenkarussel fliegt
Früher war alles einfacher. Produkte wurden in den Online-Shop
eingestellt und dort auch verkauft. Heute sprechen wir hingegen
von einer Vielzahl von Kanälen wie Preisportalen und Marktplätzen,
von Multi-, Omni- und Crosschannel, wie auch einer steigenden Zahl
an Devices wie Desktop, Tablet oder Smartphones.
Dieses Kettenkarussell dreht sich künftig noch wesentlich schneller. E-Commerce wird im Jahr 2020 noch-
mals deutlich komplexer sein als heute, wie wir auch im vorliegenden Ratgeber aufzeigen.
Diese neue Vielfalt stellt Lösungsanbieter vor ganz neue Herausforderungen. Sie müssen wesentlich
flexibler sein, neue Module und APIs für automatisierte Prozesse in die Verkaufsportale integrieren und
die Daten an den verschiedenen Verkaufsorten verarbeiten können. Auch die intelligente Verknüpfung
von Content und Produkt- oder Contentinformations-Management-Systemen wird immer wichtiger. Hier
sind flexible, moderne Technologien gefragt, welche sich derzeit bereits als Frameworks oder E-Com-
merce as a Service (EaaS) zu etablieren beginnen.
Dennoch wird nicht jeder Online-Händler zwingend auf sog. moderne Shop-Technologien wechseln müs-
sen. Ganz einfach, weil es wirtschaftlich keinen Sinn macht, sie mit den bestehenden Shopsystemen gut
bedient sind und diese für ihr Geschäftsmodell ausreichen.
Der vorliegende Ratgeber und insbesondere die praxisnahen Experten- und Anbieterinterviews sollen für
diese Entscheidungsfindung wertvolle Orientierung und Grundlage sein.
Ich wünsche Ihnen viel Spaß und vor allem neue Erkenntnisse beim Lesen dieses Ratgebers.
Simon Huck
Geschäftsführer der CYBERDAY GmbHNEUE SHOP-SOFTWARE BRAUCHT DAS LAND
Die Zeiten Manche Branchenexperten bemängeln bereits seit einigen Jah-
ren, dass ambitionierte junge E-Commerce-Unternehmen viel zu
ändern sich häufig von starren Shopsystemen ausgebremst würden.
Auch Gründer, die mit alternativen Handelskonzep- Die Nachfrage bestimmt eben auch den Software-
ten an den Start gingen, würden so letztlich ihrer Markt. Der jetzt gestiegene Bedarf an schnellen, fle-
Innovationskraft beraubt. Schließlich können diese xiblen Lösungen ist vor allem auch der gestiegenen
Unternehmen nicht auf bewährte Konzepte setzen, Komplexität in der Handelslandschaft geschuldet.
sondern müssten stattdessen ihr Geschäftsmodell
flexibel auf die Marktentwicklung und Bedürfnisse Früher war ein Shopsystem beinahe ausschließlich für
ihrer Zielgruppe anpassen. Doch auch deren Ziel- die schöne Darstellung der Produkte, dem Frontend,
gruppe an sich kann sich schnell ändern. Und damit zuständig. Das Backend wurde eher vernachlässigt
notwendigerweise auch, zumindest partiell, deren und vor allem für die manuelle Produktdatenpflege
Geschäftsmodell. genutzt. Die Möglichkeit des Uploads von CSV-Datei-
en war hier schon wahrlich ein Fortschritt.
Althergebrachte Shop-Software kann mit dieser not-
wendigen Flexibilität nicht Schritt halten. Auch ist Andere Prozesse, wie Logistik oder Marketing,
es viel zu aufwendig, kleinere Szenarien just-in-time wurden von Drittanbietern, sog. Middleware, gelöst.
zu testen, ohne aufwendige und teure IT-Prozesse Diese wurden wiederum meist mehr schlecht als recht
anzustoßen. über Schnittstellen oder Dateiexport und -import via
CSV-Dateien gesteuert. Zu diesen Zeiten gab es aber
Die Nachfrage bestimmt das Angebot auch schlichtweg noch nicht zig Marketingkanäle, mit
dem Desktop nur ein Ausgabegerät, keine verschie-
Nun muss man den etablierten Lösungsanbietern densten Marktplätze und auch kein Multi-, Omni-
natürlich zugutehalten, dass auch sie wirtschaftlichen oder Crosschannel.
Zwängen unterliegen. Sie können daher ihre Soft-
ware immer nur in eine Richtung entwickeln, so weit Fehlender Wettbewerb und gute Margen erlaubten
ein ausreichend großer Markt vorhanden oder zu- auch noch manuelles Eingreifen in die Geschäftspro-
mindest abzusehen ist. Und eben dieser verlangte zesse. Notfalls wurde halt mal eine Bestellung mit der
letztlich nur herkömmliche Shop-Software. Von da- Hand angelegt.
her ist der Vorwurf, Shopsysteme würden Innova-
tionen ausbremsen, schlichtweg falsch.
6Alles ändert sich Schnell starten und flexibel sein
Diese Zeiten sind vorbei. Auch werden wir schon bald Neben den gestiegenen technischen Anforderun-
nicht mehr vom E-Commerce, sondern nur noch von gen an ein Shopsystem gibt es jedoch noch ei-
Commerce sprechen. Stationär und Online wird end- nen weiteren Grund für den Bedarf an sogenannter
gültig verzahnt sein, Grenzen werden komplett ver- moderner Shop-Technologie. By the way: Auch die
wischen. sogenannte Standard-Shop-Software hybris ist laut
Experten in erster Linie ein Framework mit eigenem
Auch die Devices (Ausgabegeräte) werden ständig Persistenzsystem, das auf der oberen Schicht E-Com-
mehr. Heute kennen wir bereits Desktop, Tablet und merce-Objekte und -Funktionalitäten bietet, jedoch
Smartphone. Schon bald wird ein Drittel und mehr beliebig erweiterbar ist.
des Online-Umsatzes über mobile Endgeräte gene-
riert werden. Und es bleibt abzuwarten, mit welchen Die neuen Entscheider und Start-up-Gründer – nen-
Herausforderungen das „Internet der Dinge“ für On- nen wir sie die Rocket Internet-Generation – legt sehr
line-Händler aufwarten wird. großen Wert auf agile Software- und vor allem Ge-
schäftsentwicklung.
Schließlich sollen bis 2025 nach Schätzungen 30 Mil-
liarden elektronische Endgeräte miteinander ver- Vorbei ist die Zeit, in der man heute bereits wusste,
netzt sein. Im Zuge dessen beschäftigen sich große wie Geschäftsmodelle und Kunden in zwei, drei Jah-
Handelskonzerne schon heute intensiv mit dem Aus- ren aussehen werden. Statt Planung stehen „Trial &
bau der Mobile-Aktivitäten. Error“ oder auch „Fail fast & fail often“. Dementspre-
chend benötigen diese neuen Geschäftsmodelle auch
Alternative Point of Sales eine Software, die schnell auf geänderte Anforderun-
gen reagieren kann und mit der neue Szenarien
Früher fand der Kauf, mit Ausnahme der Marktplätze, möglichst unkompliziert ausgetestet werden können.
ausschließlich im Online-Shop statt. Doch auch dies
ändert sich. Denn eigentlich alle bedeutenden Netz- Auch Markenhersteller, die verstärkt in den On-
werke planen den E-Commerce-Einstieg und haben, line-Handel einsteigen, haben andere Anforderun-
testen oder planen eine Shoppingfunktion: Facebook, gen an eine E-Commerce-Plattform. Hinzu kommen
YouTube, Twitter, Instagram und Pinterest. eine Reihe neuer digitaler Geschäftsmodelle, bspw.
Mass customization, Curated Shopping oder lokale
Auch der Kauf-Button in den Shopping-Suchergebnis- Marktplätze, die durchaus etwas mit Transaktionen
sen von Google ist beschlossene Sache. Und idealo, zu tun haben, aber eben mit einem anderen Ablauf als
Deutschlands größtes Preisportal, ermöglicht seinen bisher gewohnt.
Nutzern bereits seit längerem den Direktkauf bei
seinen angeschlossenen Händlern auf der Plattform.
7SHOP-TECHNOLOGIEN,
DIE KEINE SHOPSYSTEME SIND
Viele Wege Die Lösungsanbieter von modernen Shop-Technologien weigern
sich, als Shopsystem bezeichnet zu werden. Stattdessen sprechen
führen nach Rom sie von ihren Lösungen lieber als Framework oder EaaS (E-Com-
merce as a Service).
Grundsätzlich ist dies auch absolut richtig. Hilft der Sache aber nicht weiter. Menschen, wie auch Entscheider
der E-Commerce-Branche, suchen Vergleiche, um eine Sache beurteilen zu können.
Daher wird in diesem Ratgeber auch von modernen Shop-Technologien gesprochen und durchaus der Ver-
gleich mit althergebrachter Shop-Software gezogen. Wir weisen an der Stelle jedoch sicherheitshalber darauf
hin, dass dieser hinken wird.
Die Unterschiede beginnen damit, dass die Shop-Software vor allem das leistet, was der Name verspricht. Man
kann damit Online-Shops betreiben. Mit den neuen Technologien kann man das natürlich auch, man kann
diese aber darüber hinaus auch für alle anderen Anwendungen nutzen, bei denen eine Transaktion stattfin-
det, beispielsweise Marktplätze oder auch Reiseportale. Diese Umsetzung wird man letztlich auch mit Stan-
dard-Shop-Software irgendwie hinbekommen – das will man aber eigentlich nicht, da diese „Zweckentfrem-
dung“ den Preis einer hohen Komplexität und Fehleranfälligkeit hätte. Auch notwendige Software-Updates
wären deutlich erschwert, wenn nicht sogar unmöglich.
Die Technologie muss sich dem Geschäftsmodell anpassen und nicht andersrum
Gleichzeitig ist eine Standard-Shop-Software in der Regel vergleichsweise starr und „aufgebläht“, muss sie
doch den verschiedensten Ansprüchen genügen und daher eine Vielzahl an Funktionen bereithalten, die nur
jeweils ein Teil der Anwender tatsächlich benötigt. Und ausgerechnet diese Anwender brauchen die Funktionen
dann vielleicht doch noch etwas anders. Nämlich so, wie es in deren Hause schon immer gemacht wurde und
sich auch bewährt hat. Das geht bei Standard-Shop-Software natürlich nicht oder kaum. Stattdessen müssen
sich die internen Prozesse häufig der Software anpassen. Anders bei den neuen Shop-Technologien.
Bei Spryker beispielsweise sind viele Standards bereits angelegt und vorgedacht, aber man kann sie nicht im
Sinne konfigurierbarer Features ausrollen. Es gibt nirgends einen Button zur Einstellung der Mehrwertsteuer
usw. Die Händler haben hier alle Freiheiten mit allen damit einhergehenden Nachteilen.
8Leserkommentar zu einem Blogartikel über Spryker 1:
„Wenn der Entscheider auf Schlagwörter wie “Standard” und “Time-to-Market” steht, dürfte es schwie-
riger sein, mit Spryker zu punkten. Begeistert sich der Entscheider dagegen lieber für Begriffe wie “Offen-
heit”, “Flexibilität”, “Performance” dürften die Chancen viel besser stehen. Dürfte immer eine Frage sein,
in welcher Falle der Entscheider zuletzt gesessen hat: Hat er zuletzt eine Individualentwicklung erlebt,
die massig Geld verschlungen hat und doch niemals erfolgreich fertig wurde, wird unser Entscheider
vermutlich so genannte “Standardsoftware” lieben. Hat er sich jedoch zuletzt vom starren Gerüst einer
“Standardsoftware” und den damit verbundenen Beschränkungen eingeengt gefühlt, wird er wohl für
den Frameworkansatz aufgeschlossen sein. Gefühlsmäßig würde ich sagen, dass momentan eher
mehr Leute gerne das starre Korsett einer klassischen Shopsoftware sprengen möchten.“
Vereinfacht ausgedrückt ist ein großer Vorteil von modernen Technologien, ein agiles System zu haben, bei
dem man sich im Vorfeld nicht allzu sehr festlegen muss, sondern auf der grünen Wiese etwas entwickeln und
schnell reagieren kann. Lediglich die Kernfunktionalitäten müssen vorhanden sein. Bei der Standard-Shop-Soft-
ware ist es meist andersrum. Diese soll möglichst viele Geschäftsfälle und Funktionen bereits abdecken, was es
dementsprechend schwerfälliger bei notwendigen Anpassungen und Erweiterungen macht.
Unterschiedliche Philosophien mit demselben Ziel
Doch auch unter den modernen Technologien gibt es einige Unterschiede. Commercetools beispielsweise
ist eine EaaS-Lösung (E-Commerce as a Service) und technisch gesehen damit so ziemlich das Gegenteil von
Spryker. Ongr.io wiederum konzentriert sich eher auf die Ausgabe, das Frontend.
Spryker bringt schon für viele Drittlösungen (Payment, Logistik) fertige Komponenten mit. Auch unterstreicht
der Anbieter, dass der modernen Software-Architektur wegen, Anbindungen von Drittsystemen deutlich
einfacher sind als bei einer Standard-Shop-Software. Spryker wird auch laufend um verfügbare Funktionali-
täten erweitert werden. Eines der Ziele dabei ist, ERP-Systeme mehr oder weniger zu ersetzen bzw. dass diese
nur noch als Art Lagerverwaltung benötigt werden.
Wiederum stark vereinfacht ausgedrückt könnte man sagen, dass Spryker eine Art Online-Shop-Baukasten ist,
bei dem der Kunde sich die benötigten Module „zusammenstöpseln“ kann. Wobei das „Zusammenstöpseln“
nicht per Plug & Play abläuft, sondern mit Entwicklungsaufwand verbunden ist.
1
http://excitingcommerce.de/2015/06/10/spryker-und-die-umbruche-in-der-berliner-shoptech-welt/
9Wenn also für das jeweilige Geschäftsmodell bestehende Kom-
ponenten nicht sinnvoll sind, dann kann man diese einfach weg-
lassen (Gutscheine) oder ersetzen (Katalog, PIM…). Dies macht
die E-Commerce-Plattform im Kern schneller, da der Code lange
sehr schlank und gut wartbar bleibt.
Commercetools wiederum ist als E-Commerce-as-a-Service,
eine Plattform bzw. Framework für Commerce-Funktionen aus
der Cloud, zu verstehen. Der Kern ist gehosted, jedoch anpassbar
(PIM, Datenmodell, Objekte oder demnächst auch die Elastic-
Was ist Search Konfiguration). Alles wird als REST-API ausgeliefert. Die
SDKs (Java, PHP, node) sowie Template-Shops, Schnittstellen/
mein Integrationen etc. sind allesamt Open Source.
Online-Shop Trotz aller Unterschiede haben Commercetools und Spryker wohl
aber vergleichbare Anwendungsfälle. Die meiste Entwicklung
eigentlich und Anpassung an individuelle Prozesse sowie Logik spielt sich
wert? oberhalb des Kerns ab. Spezielle Anforderungen seitens der Kun-
den oder Entwickler, welche nicht im klassischen E-Commerce
verankert sind, können mit beiden Lösungen verhältnismäßig
schnell entwickelt werden.
Das erfahren Sie Von Äpfel und Birnen
mit der
Letztlich lassen sich die drei erwähnten Technologien Commer-
Kurzbewertung cetools, Ongr.io und Spryker nur schwerlich vergleichen und der
von shopanbieter.de Vergleich mit sogenannter Standard-Shop-Software ist, wie be-
reits aufgeführt, eigentlich gar nicht möglich. Die oft bemühte
nur Phrase des „Äpfel mit Birnen vergleichen“ trifft hier tatsächlich
zu. Dennoch wird Alexander Hofmann vom Shopsystem-Ver-
119 EUR netto* gleichsportal ecomparo im nächsten Kapitel versuchen, die bis-
her genannten Lösungen und ein weiteres System aus dem
US-amerikanischen Raum gegenüber zu stellen.
Die praxisnahen Informationen des nächsten Kapitels und ins-
www.shopanbieter.de/
besondere der danach folgenden Experten- und Anbietergesprä-
shopbewertung che erlauben dem Leser sicherlich eine noch bessere Einschät-
zung, in welchen Fällen und wann die neuen Technologien ge-
* Unser Angebot richtet sich eignet sein könnten.
ausschließlich an Unternehmen,
Gewerbetreibende und FreiberuflerNEUE SHOP-(TRANSAKTIONS-)
TECHNOLOGIEN – EIN VERGLEICH
Zielsetzungen, Die E-Commerce-Lösungen von Commercetools, ongr.io, Spryker
oder WOMBAT unterscheiden sich von klassischen (monolithi-
Unterschiede schen) Standard-Shopsystemen. In diesem Zusammenhang wer-
und Eigenheiten den immer häufiger auch Begriffe, wie z.B. Plattform, Framework,
Cloud-Commerce oder E-Commerce Betriebssystem verwendet.
Die erwähnten Lösungen treten mit unterschiedli- kosten im unteren sechsstelligen Bereich hinzu – zielt
chen Zielsetzungen am Markt an und daher lohnt Spryker v.a. auf etablierte Unternehmen, die für
eine nähere Betrachtung v.a. der Zielsetzungs-Unter- ihre E-Commerce-Ambitionen einen Neustart auf
schiede und Eigenheiten dieser relativ neuen E-Com- der „grünen Wiese“ beabsichtigen. Dabei bietet sich
merce-Technologien. Spryker für Unternehmen an, deren Geschäftsmodell-
Anforderungen signifikant von den Funktionen &
Spryker Prozessen eines klassischen Online-Shopsystems
abweichen. Auch kann Spryker v.a. für Unternehmen
Spryker ist eine Ausgliederung des beim Company mit „stark frequentierten“ Webseiten & Services inte-
Builder Project A Ventures entwickelten und mehr- ressant sein, die auch bei Traffic-Peaks durch TV-Wer-
fach in unterschiedlichen Start-ups eingesetzten bung nicht zusammenbrechen dürfen; dafür sorgt
Frameworks „Yves & Zed“. Es handelt sich hierbei die performance-fokussierte Frontend-Architektur.
um kein einsatzfertiges Shopsystem mit bestimmten Der performance-fokussierte Ansatz ist es auch,
Features, vielmehr beinhaltet das Spryker-Frame- welcher die Trennung in Front- und Backend bedingt.
work ein in der Praxis gereiftes architektonisches
Grundgerüst, das flexibel und mit entsprechendem In der Zwischenzeit wird Spryker, das erst seit Ende
Entwicklungsaufwand und -budget für den jeweili- 2014 als eigenständige E-Commerce-Lösung ver-
gen Bedarf eines Unternehmens „passgenau“ maß- trieben wird, mit einem rudimentären „Out-of-the-
geschneidert werden kann. Das Framework mit seinen Box Testshop“ ausgeliefert, auf dessen Basis die
Code-Bausteinen soll dem jeweiligen Geschäftsmo- eigentliche Entwicklung schneller starten kann.
dell sozusagen „wie angegossen“ passen und wird, Aufgrund der Tatsache, dass die jeweils verwende-
im Gegensatz zu anderen E-Commerce-Lösungen, ten Code-Bestandteile des Spryker-Frameworks
fester Bestandteil der Unternehmens-IT. auf den Bedarf des Kunden beschränkt sind, ist
eine Anpassung der Software an ein sich verän-
Da diese projektbasierte Maßanfertigung einer Com- derndes Geschäftsmodell i.d.R. einfacher möglich.
merce-Software mit der Lösung Spryker seinen Preis
hat – zusätzlich zu den Projektkosten kommen Lizenz- >> www.spryker.com
11ONGR Commercetools SPHERE.IO
Wie auch bei Spryker ist bei der „Frontend-Techno- Commercetools ist eine unternehmensübergreifende
logie“ ONGR, welche u.a. bei Yatego und Kiveda zum Cloud-Plattform, auf der alle E-Commerce-Prozesse
Einsatz kommt, ein skalierbares Frontend mit hoher zentral zusammenlaufen. Das inkludierte Hosting ist
Performance ein zentraler Baustein. ONGR setzt bei hierbei ein elementarer Bestandteil der nutzungs-
den Suchfunktionen ebenso auf Elasticsearch. abhängig (Pay-per-Use) berechneten Leistung.
Im Unterschied zu Spryker steht ONGR jedoch unter Durch die Skalierung in der Cloud wird auch bei Com-
Open Source-Lizenz zur Verfügung und kann – Pro- mercetools eine hohe Performance der Aussteuerung
jektbudgets außen vorgelassen – völlig kostenfrei unterschiedlicher Vertriebskanäle erreicht. Commer-
eingesetzt werden. ONGR kann als Framework oder cetools verfügt ab Start nicht über ein Out-of-the-
auch als Frontend-Layer verstanden werden, das kein Box Shop-Frontend, sondern beschränkt sich auf eine
Backend zur Abwicklung von Zahlungs- und Verwal- anpassbare Entwicklungsoberfläche, mit der eine an
tungsprozessen beinhaltet. die jeweils notwendigen E-Commerce-Szenarien an-
gepasste Store-Front erstellt werden kann.
Auch bei ONGR ist das Abfangen von Last-Spitzen
durch TV-Werbespots ein relevanter USE-CASE. Durch die Bereitstellung von diversen SDKs und ei-
Durch den modularen Ansatz kann ONGR auch bei ner REST-API bei einer gleichzeitig großen Anzahl
Unternehmen zur Performance-Optimierung von an fertigen APPs zur flexiblen Anpassung an das Ge-
Frontends eingesetzt werden, für die ein kompletter schäftsmodell einerseits, und durch die Kosten-,
Wechsel der E-Commerce-Infrastruktur nicht in Frage Skalierungs- und Performance-Vorteile einer Cloud-
kommt, bzw. deren Backend-Systeme (z.B. OXID) Plattform-Lösung andererseits, versucht Commerce-
weitgehend beibehalten werden sollen. Via REST- tools das Beste aus zwei Welten zu vereinen.
API ist ONGR dabei zu fast jeder Standard-Shop-
Software, bei reduziertem Implementierungs-Auf- Die Verringerung des Entwicklungs- und Pflegeauf-
wand, kompatibel. wands führt dazu, dass kleine Commercetools-Pro-
jekte bereits mit einem Budget ab 50.000 Euro reali-
Die Projektumsetzung funktioniert nicht Out-of- siert werden können. Da sehr viele Funktionen und
the-Box, sondern i.d.R. im Rahmen von drei- bis Schnittstellen in der Cloud einsatzbereit vorgehalten
sechsmonatigen Projekten. Gerade für Händler oder werden, ergibt sich auch eine kürzere durchschnittli-
Hersteller, die klassische Standard-Shopsysteme che Projektdauer als z.B. bei Spryker.
einsetzen und aufgrund starken Traffic-Wachstums
nach einer optimalen Frontend-Skalierungsmöglich- >> www.commercetools.com/de
keit suchen, kann ONGR von Relevanz sein.
>> www.ongr.io
12WOMBAT Im Gegensatz zu Commercetools bietet WOMBAT
auch eine Reihe von Anbindungen an Shop-(Front-
Falls ein Unternehmen auf der Suche nach neuen end)-Systeme wie Magento oder Shopify. Mit WOM-
E-Commerce-Lösungen ist, so lohnt sich in die- BAT muss nicht zwangsweise ein E-Commerce-Mo-
sem Kontext ein Blick auf internationale Lösun- dell betrieben werden. Die Lösung kann ebenso als
gen. WOMBAT ist eine dieser Lösungen. Im Ge- intelligente Interface-Schnittstelle zwischen einzel-
gensatz zu Commercetools beschränkt sich diese nen Software-Bestandteilen dienen.
„E-Commerce-Betriebssystemlösung“ auf ein Back-
end-System zur Steuerung von Hintergrundprozes- Lösungen wie WOMBAT und Commercetools tragen
sen mit einem Fokus auf Automatisierung von sich auch der Tatsache Rechnung, dass E-Commerce eine
wiederholenden Prozess- und Kommunikationsab- zunehmende Vernetzung von Kanälen, Diensten,
läufen. Die Einrichtung von Schnittstellen und Prozessen und Services erfährt. In konsequenter
Datenübergaben ist jedoch der von Commerce- Weise werden hierdurch einzelne spezialisierte Ser-
tools sehr ähnlich und ebenfalls vereinfacht „per vices verknüpft („Best-of-Breed“-Ansatz).
Klick“ möglich. Viele APIs von Drittservices sind
hierzu bereits vorkonfiguriert eingerichtet. >> www.wombat.co
Ansatz: Grüne Wiese
Einsatz in bestehenden Projekten
Frontend-Lösung
Backend-Lösung
Framework
Plattform (mit Hosting)
Out-of-the-box Erweiterungen/ APPs
Mindest-Projektkosten ab 50.000 ab 30.000 ab 5-10 Mio
ab 5 Mio Umsatz
Umsatz
Umsetzungsdauer in Monaten 2 bis 9 1 bis 6 1 bis 6 3 bis 6
Pricing ab 100k pro Jahr Nutzungs- Nutzungs- Open Source
(Lizenz) abhängig abhängig
Abbildung 1: Abgrenzung der Shop-Technologien
13Weitere Shopsystem-Lösungen im aktuellen Fazit und Einordnung in die Shopsystem-Land-
„Plattform-Trend“ schaft
Bei einer Beobachtung des Marktes für E-Com- Auch wenn die Zielgruppe der vorgestellten E-Com-
merce-Software stellt man fest, dass immer mehr merce-Lösungen, z.B. aufgrund der erforderlichen
Shopsysteme, oft nach einer Restrukturierung ihrer Projektbudgets oder Lizenzkosten, nicht die breite
Tarifstruktur, Begriffe wie Plattform, Cloud-Com- Masse an E-Commerce-Unternehmen ist, so wird
merce oder SaaS in ihrer Namensgebung tragen, dennoch deutlich, dass der Shopsystem-Markt ent-
obwohl diese Lösungen auch nach wie vor als „Miet- gegen gängiger Meinungen („Online-Shops sehen
shop-Lösung inkl. Hosting“ bezeichnet werden könn- immer noch aus wie vor 15 Jahren“) durchaus in Be-
ten. Dies führt dazu, dass diese Begriffe zunehmend wegung ist. So entwickeln sich basierend auf den An-
zu einem schlichten Synonym zum Begriff Shopsys- forderungen des Marktes laufend neue Lösungen, die
tem “verkommen” und nicht mehr nur den neuen im Einzelfall von Grund auf neu gedacht sind. Parallel
Shop-Technologien dieses Ratgebers vorbehalten dazu erfahren die unzähligen „Standard-Shopsys-
sind. Aus diesem Grunde wurden auch die Lösungen teme“ aber ebenfalls eine kontinuierliche Weiter-
Shopify plus und mozu, die ebenfalls im Zusammen- entwicklung und machen teilweise zwischen Ver-
hang mit modernen Shop-Technologien genannt sion-Releases gewaltige Innovationssprünge. Dies
werden, im Vergleich nicht berücksichtigt. wird ebenfalls durch die kürzlich erfolgten Investi-
tionsrunden in „Standard-Shop-Software“ deutlich.
Was eine begriffliche Abgrenzung von E-Com-
merce-Lösungen zusätzlich erschwert, ist eine sich Zusätzlich zum bewährten Leistungsumfang von
auflösende klare Unterscheidbarkeit der Leistungs- Standard-Shopsystemen bewirken die vorgestellten
umfänge von E-Commerce-Software bzgl. Shopsys- Lösungen jedoch nicht nur eine bloße Vergrößerung
tem-, ERP-, Middleware- oder Multichannel-Funk- der Shopsystem-Auswahl, sondern ermöglichen nun
tionalität. Durch horizontale Leistungserweiterungen auch, wenn kein geeignetes Standard-Shopsystem
ergeben sich so immer häufiger „All-In-One“-E-Com- gefunden werden kann, eine – in gewisser Weise –
merce-Lösungen, die mehrere E-Commerce-Pro- wirtschaftlichere Shopsystem-„Eigenentwicklung“.
zesse umfassen.
Der Autor
Alexander Hofmann ist Geschäftsführer der HOWADO GmbH, die mit ecomparo indivi-
duelle und umfassende Recherche- & Beratungsleistungen zur Auswahl der passenden
E-Commerce-Software ermöglicht. Als E-Commerce-Berater unterstützt er Unterneh-
men dabei, die Zukunftsfähigkeit von Geschäftsmodellen zu validieren, Fragestellun-
gen zum Auf- oder Ausbau der E-Commerce-Strategie praxisnah zu beantworten und
durch die Identifikation der individuell passenden E-Commerce-Software-Bausteine
softwareseitig ein langfristig uneingeschränktes Unternehmenswachstum sicherzu-
stellen.
E-mail: a.hofmann@ecomparo.de
Website: www.ecomparo.deANBIETER IM GESPRÄCH:
ALEXANDER GRAF, SPRYKER
„Spryker bietet ein sehr flexibles Commerce Framework an, mit dem
sehr individuelle und stark skalierende Geschäftsmodelle umgesetzt
werden können.“
Alexander Graf ist Gründer und Geschäftsführer von Die Webseite ist dabei also nicht „nur“ ein Art Interfa-
Spryker Systems, einem Technologie-Unternehmen, ce vom ERP, sondern spielt eine sehr zentrale Rolle,
das er zusammen mit Project A Ventures 2014 ge- so wie man es bei vielen führenden E-Commerce-
gründet hat. Der Vorgänger von Spryker ist bereits bei Projekten sehen kann (Zalando, Collins, Amazon,
einigen erfolgreichen Online-Shops wie Tirendo, nu3 check24 usw.).
oder Contorion zum Einsatz gekommen.
Solche Projekte finden sich oft bei Pure Playern, die
Wie erklärst Du Nicht-ITlern Eure Lösung? in den Jahren nach 2000 entstanden sind und die nun
ihre Plattform erneuern müssen, und bei vielen klas-
Spryker bietet ein sehr flexibles Commerce Frame- sischen Unternehmen, die neben ihrem Bestandsge-
work an. Damit können sehr individuelle und stark schäft nun neue, digitale Unternehmen aufbauen
skalierende Geschäftsmodelle umgesetzt werden. wollen – oft in Form von Digital Venture Strukturen.
Vom Marktplatz über B2B-Modelle bis hin zu Direkt-
versicherungen – solange eine Art Bestellprozess im Wo liegt der Vorteil, Unterschied Eurer Lösung
Geschäftsmodell enthalten ist und online der führen- im Vergleich zu den bisher eingesetzten Syste-
de Kanal ist, kann Spryker zum Einsatz kommen. men Eurer Zielgruppe?
Wer ist Eure Zielgruppe, welche Lösungen Unternehmen mit schnell wachsenden und gleich-
werden von dieser heute üblicherweise ge- zeitig sehr individuellen digitalen Geschäftsmodellen
nutzt? hatten bisher die Wahl zwischen einer kompletten Ei-
genentwicklung oder der Modifikation von mehr oder
Unsere Lösung richtet sich an Projekte, die eine we- weniger flexiblen Standardsystemen.
sentliche Wertschöpfung aus ihrer Technologie ziehen.
15Während Standardsysteme aufgrund der gestiegenen zum Teil sehr große Commerce-Projekte internatio-
Anforderungen an digitale Geschäftsmodelle höchs- nal verweisen, als Nachweis der Leistungsfähigkeit
tens noch in der MVP-Phase zum Einsatz kommen, von Spryker.
schrecken viele Unternehmen vor einer kompletten
Neuentwicklung auf der grünen Wiese zurück, weil Ab welcher Umsatzgröße, in welchem IT-Um-
das teuer, langwierig und ressourcenintensiv ist. feld (Inhouse, Extern) lohnt sich für Eure Ziel-
gruppe der Einsatz Eurer Lösung?
Wir verbinden beide Ansätze und geben unseren Kun-
den ein Werkzeug, mit dem sie so leistungsfähige Das Umsatzniveau nach oben hin ist offen, aber ein
Modelle wie auf der „grünen Wiese“ bauen können, siebenstelliger Umsatz mit guter Wachstumsperspek-
ohne aber in das Risiko einer Abhängigkeit vom CTO/ tive sollte schon vorhanden sein, um bei bestehenden
von der Agentur zu geraten und gleichzeitig Kosten & Projekten auf Spryker zu wechseln. Genauso ver-
Zeitplan im Griff zu behalten. hält es sich auch mit den Ambitionen von Neugrün-
dungen. Wer heute außerdem schon eine Inhouse-IT
Spryker ist deshalb nicht besser oder schlechter als mit mind. 4-6 Leuten für sein E-Commerce Geschäft
Standardsysteme – es richtet sich an einen komplett beschäftigt, für den ist Spryker eine spannende Alter-
anderen Case, in dem die Technologie zum wichtigen native.
Wettbewerbsvorteil wird.
Für welche Art Online-Händler ist Eure Lösung
Was sind typische Wechselgründe auf Euer nicht geeignet, der Aufwand zu hoch?
System?
Für Online-Händler, die das eben genannte Umsatz-
Das unterscheidet sich in den zwei oben genannten niveau noch nicht erreicht haben bzw. dieses Wachs-
Beispielen. Unternehmen, die schon ein laufendes tum nicht finanzieren können, ist Spryker keine at-
Geschäft haben, schauen sich Spryker an, weil sich traktive Lösung. Zudem gibt es viele Projekte bei
deren bestehendes System (Eigenentwicklung oder denen es ausreicht, sich an den Funktionen von Stan-
Standardsystem) nur noch schwer weiterentwickeln dard-Software zu orientieren, z.B. wenn das eigene
lässt. Teilweise sind in diesen Projekten 90 % der IT- Geschäft darin besteht, schöne Produkte wie iPad-
Kapazitäten für den Betrieb der Plattform eingesetzt Hüllen oder Schuhe herzustellen.
und nur noch in 10 % der Zeit können neue Themen
umgesetzt werden, mit sinkender Tendenz. Diese In welchen Fällen, welchen Ausgangssitua-
Unternehmen versprechen sich von Spryker mehr tionen ist Eure Lösung optimal geeignet?
Flexibilität, Geschwindigkeit und mehr Entwicklungs-
möglichkeiten. Wenn ein digitales Geschäftsmodell vorliegt, das
über Standardprozesse hinweg geht, einem hohen
Die Kunden, die mit neuen Projekten zu uns kom- Wachstums- und Innovationsdruck unterliegt und sich
men, finden den technischen Ansatz eines Frame- nicht durch verwendete Technologien einschränken
works spannend, da diese Projekte nicht mehr in die lassen möchte. Außerdem sollte ein eigenes IT-Team
Standard-Softwarewelt passen. Zudem können wir vorhanden sein (oder zumindest der Wille, ein solches
durch unsere technische Historie (Rocket Internet aufzubauen). Technologie sollte zudem als zentraler
und Project A Ventures) auf mehr als 100 erfolgreiche, Wert in dem Unternehmen gesehen werden.
16Was wäre der optimale Anwendungsfall, den Welche Vorteile bieten sich für Agenturen,
ein Online-Händler mit Eurer Technologie reali- künftig auch Eure Lösung als Implementie-
sieren, erreichen kann? rungspartner bei deren Kunden einzusetzen?
Den einen speziellen Fall gibt es nicht. Wir zielen auf Für Agenturen kommen die bereits erwähnten
transaktionale Geschäftsmodelle ab, die einen On- Vorteile zum Tragen: Sie können ihren Kunden ein
linefokus haben. Ob das eine Direktversicherung, ein flexibles, individuelles E-Commerce-Modell anbieten
Händler oder ein Marktplatz im B2B-Bereich ist, spielt – bei geringeren Projektlaufzeiten im Vergleich zur
keine Rolle – solange Waren angeboten werden und Individualentwicklung.
ein Kaufprozess angedacht ist, kann Spryker einge-
setzt werden. Dazu kann noch gesagt werden, dass Spryker selbst
„nur“ das Framework anbietet und mit entsprechen-
Mit welchen Kosten sollten Eure Kunden in den Schulungsmaßnahmen und Consultants zur
etwa rechnen? Seite steht – die Implementierung beim Kunden muss
immer durch eine Agentur erfolgen, wenn nicht eine
Unsere Lizenz kostet zur Zeit 100.000 € pro Jahr umfassende Inhouse-IT vorhanden ist.
zzgl. 5.000 € pro Jahr für jedes weitere Land/Domain,
über die Endkunden erreicht werden. Umsatz, An- Agenturen können außerdem individuelle Kom-
zahl Transaktionen, Anzahl Server usw. spielen keine ponenten entwickeln, die Spryker ergänzen und
Rolle. Der Zugriff auf Updates, neue Komponenten, sich dann auf bestimmte Kunden spezialisieren –
Academy usw. ist in den Kosten enthalten. Die Imple- z.B. Spryker für Versicherungen oder Spryker für
mentierungskosten unterscheiden sich in jedem Pro- B2B-Großhändler.
jekt, dürften aber selten unter 100 Manntage fallen,
außer man startet mit unserem Demoshop. Der läuft
natürlich sofort. Die laufenden Kosten im Projekt
hängen davon ab, wie groß das IT-Team des Kunden/ Interviewpartner
der Agentur ist. Es sollten mindestens vier Entwick-
ler permanent für Spryker eingeplant werden, um die Alexander Graf ist Herausgeber des Blogs Kassen-
Weiterentwicklung effizient zu steuern. zone.de, Gründer des Beratungsunternehmens
eTribes sowie Gründer und Geschäftsführer von
Welche Unternehmen setzen Eure Lösung be- Spryker Systems. Er ist außerdem Autor zahlrei-
reits ein? cher Fachbeiträge und -bücher zur Strategie digi-
taler Geschäftsmodelle sowie Kurator des Digital
Spryker bzw. die bestehenden Agenturpartner imple- Commerce Day & der K5 Cruise.
mentieren zurzeit unterschiedliche Projekte, bereits
offiziell ist die Kartenmacherei aus Hamburg. Der Vor- E-mail: info@spryker.com
läufer der Software ist bei erfolgreichen Shops wie Website: spryker.com
Tirendo, nu3 oder Contorion, sowie u.a. in Südamerika
bei dafiti.br oder ProCompra im Einsatz.
17EXPERTENGESPRÄCH:
ALEXANDER HOFMANN, ECOMPARO.DE
„Zielgruppe dieser Lösungen sind vor allem Unternehmen, die sich neben
ihrer Kernkompetenz dem Handel auch anderen Erlösströmen wie Ser-
vices und Mehrwertdiensten widmen möchten.“
Alexander Hofmann ist Geschäftsführer der HOWADO die Infrastruktur, Strom, Wasser oder Flächenbedarf
GmbH, die mit ecomparo individuelle und umfassende keine Gedanken machen müssen. Sie können auch
Recherchemöglichkeiten zur Auswahl der passenden auf alle Werkzeuge (Schnittstellen und SDKs) der Pro-
E-Commerce-Lösung ermöglicht. duktionshalle zurückgreifen und diese quasi geteilt
(Platform as a Service) nutzen.
Wie erklärst Du Nicht-ITlern die sogenannten
modernen Shop-Technologien? Wer ist Deiner Meinung nach Zielgruppe für
diese Lösungen und welche Shopsysteme
Am besten anhand eines Produktionsvergleichs. werden von diesen heute üblicherweise ge-
Bei Frameworks wie Spryker wird mit halbfertigen nutzt?
Bauteilen (Framework-Code) in einer Werkstatt das
gewünschte Produkt mit viel Zeitbedarf und Ent- Eine Zielgruppe dieser Lösungen sind Unterneh-
wicklungs-Know-how nach individuellen Kunden- men, welche aus ihrer Kernkompetenz z.B. „Handel“
wünschen produziert, die dabei entstandene E-Com- ausscheren und sich anderen Erlösströmen auch in an-
merce-Lösung ist dementsprechend ein Einzel- deren Branchen widmen, die jedoch weiterhin mit dem
stück. Daher sind Frameworks nicht nur für Online- Kerngeschäft eng verzahnt sind.
Händler geeignet.
Diese Lösungen füllen in ihrer eigenen Projektbud-
Commercetools wiederum ist eine Plattform. In ei- get-Größenordnung sozusagen die Bedarfslücke zwi-
ner großen Produktionshalle bei commercetools ent- schen einem angepassten (Enterprise-)Shopsystem
stehen in eigenständigen Parzellen unterschiedliche und einer Shopsystem-Eigenentwicklung mangels
Lösungen, wobei sich die einzelnen Unternehmen um passender Standard-Shop-Software.
18Die Hauptzielgruppe sind neben stark gewachsenen Unternehmen, welche auf die neuen Shop-Techno-
Handelsunternehmen auch Service-Dienstleister in logien setzen, werden aller Voraussicht nach auch
unterschiedlichen Branchen, welche den Kunden ihre schneller auf die sich rasant ändernden technolo-
Transaktions-Services performant über das Internet gischen Entwicklungen und Anforderungen reagieren
bereitstellen möchten. können und dürften so stets State of the Art sein; die
entsprechenden unternehmensinternen Budgets zur
Abhängig von der Unternehmensgröße nutzten Weiterentwicklung vorausgesetzt.
diese bisher Standard-Shop-Software, welche über
eine relativ hohe Anpassbarkeit an die jeweiligen Ab welcher Umsatzgröße, in welchem IT-Um-
Anforderungen verfügen (Magento, OXID, Shopware) feld (Inhouse, Extern) lohnt sich Deiner
oder es wurde eine komplette Eigenentwicklung an- Meinung nach der Einsatz dieser neuen Tech-
gestrebt. nologien?
Falls die Anforderungen im Enterprise-Segment mit Welche Lösung überhaupt in Betracht gezogen
den e-Commerce Lösungen von hybris, Intershop werden kann, hängt von den unterschiedlichen Min-
oder Demandware nicht zufriedenstellend realisier- destprojektbudgets und Lizenzkosten ab. Während
bar waren, blieb vielen Unternehmen ebenfalls nur sich mit Plattform-Anbieterlösungen wie com-
eine Eigenentwicklung als Option. mercetools Projekte aufgrund einer wachsen-
den Agenturlandschaft auch extern kostentrans-
Wo liegt der Vorteil dieser neuen Technologien parent ab einem mittleren fünfstelligen Betrag
zu den bisher eingesetzten Systemen der je- realisieren lassen, muss beim Projektaufwand mit
weiligen Zielgruppe? Framework-Lösungen wie Spryker mit Mindestpro-
jektbudgets im niedrigen sechsstelligen Bereich
Der größte Vorteil ist in der Unabhängigkeit von gerechnet werden.
klassischen E-Commerce-Kaufabläufen zu sehen.
Je „handelsferner“ ein Geschäftsmodell ist oder Neben der Größe „Umsatz“ ist vielmehr die Rentabi-
sich entwickelt, desto größer ist der Schlank- lität der Investition in neue Shop-Lösungen, v.a. hin-
heitsvorteil dieser Lösungen. Schlank in dem sichtlich der durch die Investition erst ermöglichten
Sinne, dass nur die für das eigene Geschäftsmo- Erlösströme, eine wichtige Entscheidungsgröße.
dell benötigten Funktionen genutzt werden, ohne
den Ballast von breit ausgerichteter Standard- Für welche Online-Händler sind diese Lösun-
Shop-Software mitschleppen zu müssen. gen nicht geeignet, der Aufwand zu hoch?
Was schätzt Du was typische Wechselgründe Für alle Unternehmen, deren Kerngeschäft nach
auf die neuen Technologien sein könnten? wie vor der klassische Multichannel-Commerce ist,
oder deren E-Commerce-Prozesse durch Standard-
Wenn sich Geschäftsmodelle von klassischen E-Com- Shopsysteme zufriedenstellend abgebildet werden
merce-Modellen sehr weit entfernen, decken klas- können, sind die Lösungen nicht primär konzipiert,
sische „Shopsysteme“ (auch im Enterprise-Bereich) weil sie hier ihren Mehrwert/ USP an Flexibilität nicht
die benötigten Service-Features oft nicht mehr voll- in vollem Maße ausspielen können.
umfänglich mit ihren jeweillgen Kernkompetenzen
ab, was zu hohem Anpassungsaufwand und zu Ein-
bahnstraßen (Updatefähigkeit, etc.) führen kann.
19Was ist die optimale Ausgangsituation für den
Einsatz dieser neuen Technologien? Interviewpartner
Diese Lösungen können für Unternehmen interessant Alexander Hofmann ist Geschäftsführer der
sein, deren Geschäftsmodell sich zunehmend von ei- HOWADO GmbH, die mit ecomparo individuelle
ner Beschränkung auf die Distribution von Waren löst und umfassende Recherche- & Beratungsleistun-
oder die sich mit ihrem existierenden Shopsystem gen zur Auswahl der passenden E-Commerce-
strategisch betrachtet technologisch in einer Sack- Software ermöglicht. Als E-Commerce-Berater
gasse sehen. unterstützt er Unternehmen dabei, die Zukunfts-
fähigkeit von Geschäftsmodellen zu validieren,
Aber auch für Software-Entwicklungen auf der grü- Fragestellungen zum Auf- oder Ausbau der
nen Wiese können die Lösungen selbst dann sinn- E-Commerce-Strategie praxisnah zu beantworten
voll sein, wenn ein reines Handelsmodell abgebildet und durch die Identifikation der individuell
werden muss. passenden E-Commerce-Software-Bausteine soft-
wareseitig ein langfristig uneingeschränktes Un-
ternehmenswachstum sicherzustellen.
E-mail: a.hofmann@ecomparo.de
Website: www.ecomparo.de
AnzeigeANBIETER IM GESPRÄCH:
LUCIA HEGENBARTOVA,
COMMERCETOOLS GMBH
„Mit commercetools kann man auf einfache Weise individuelle Einkaufs-
welten erstellen, ohne durch das enge Korsett einer herkömmlichen Stan-
dardlösung eingeschränkt zu werden.“
Lucia Hegenbartova, Head of Product Marketing and bare Werkzeuge und Erweiterungen sowie eine um-
Communications, verantwortet bei commercetools fangreiche Dokumentation optimal unterstützt.
das internationale Produktmarketing und Kommuni-
kation. commercetools wurde 2013 als erste E-Com- Wer ist Eure Zielgruppe, welche Lösungen
merce-as-a-Service-Plattform (EaaS) gelauncht. Die werden von dieser heute üblicherweise ge-
Cloud-basierte Lösung wird heute bereits von großen nutzt?
internationalen Händlern und Herstellen genutzt.
Unsere Lösung ist für alle Händler und Hersteller in-
Wie erklärt Ihr Nicht-ITlern Eure Lösung? teressant, die ihren Kunden keinen Shop nach “Sche-
ma F” präsentieren wollen, sondern wirklich einzigar-
Unsere Lösung zeichnet sich vor allem durch ihre tig sein möchten – und das auf allen Endgeräten und
Flexibilität aus. Mit commercetools kann man auf über alle Vertriebskanäle. Üblicherweise nutzen sie
einfache Weise individuelle Einkaufswelten erstellen, derzeit Template-basierte Lösungen, die sie mit viel
ohne durch das enge Korsett einer herkömmlichen Aufwand an ihre Bedürfnisse anpassen, was zu langen
Standardlösung eingeschränkt zu werden. Projektlaufzeiten und hohen Kosten führt.
Die Erfahrung in Projekten mit Template-basierten Wo liegt der Vorteil, Unterschied Eurer Lösung
Systemen wie Magento & Co. zeigt, dass es mitunter im Vergleich zu den bisher eingesetzten Syste-
sehr aufwendig sein kann, Anforderungen umzuset- men Eurer Zielgruppe?
zen, die nicht ganz der Struktur dieser Shopsysteme
entsprechen. Unsere Plattform bietet den Händlern und Herstellern
die Möglichkeit, bestehende Systeme und neue Ver-
Mit commercetools arbeiten Entwickler stattdessen kaufskanäle schnell zu integrieren und individuelle An-
direkt am Projekt und werden durch viele frei verfüg- forderungen in kurzen Projektlaufzeiten umzusetzen.
21Außerdem wächst sie dynamisch mit den Bedürfnis- Bei individuellen Anforderungen – wenn Kunden
sen von Händlern oder Herstellern. z.B. nur ein Produkt verkaufen möchten – kann der
Wert auch darunter liegen, wenn es sich um ein Ge-
Egal, ob ein Produkt oder hunderttausende Artikel schäftsmodell mit deutlichen Wachstumsambitio-
verkauft werden sollen und ganz gleich wie groß der nen handelt.
Besucheransturm wird – commercetools skaliert un-
begrenzt und ist immer erreichbar. Für welche Art Online-Händler ist Eure Lösung
nicht geeignet, der Aufwand zu hoch?
Zusätzlich werden durch unser transaktionsbasiertes
Preismodell Händler und Hersteller nicht durch hohe Wenn sich das Anforderungsprofil eines Händlers
Initialkosten eingeschränkt. oder eines Herstellers weitgehend mit dem einer
Standard-Shop-Software deckt – das berühmte Aus-
Was sind typische Wechselgründe auf Euer tauschen des Logos als einzige Designanforderung
System? beispielsweise – ist unsere Plattform nicht die beste
Wahl.
Wir sehen hier viele verschiedene Gründe. Einer un-
serer Kunden – CHRONEXT, Betreiber eines Markt- Sobald sich diese Anforderungen aber weiterentwi-
platzes für Luxus-Uhren – hatte beispielsweise mit ckeln, individueller werden – insbesondere im Hin-
seinem Vorgängersystem ein akutes Perfor- blick auf eine einzigartige Brand Experience oder die
mance-Problem, außerdem war keine hochwertige Integration von mehreren Verkaufskanälen – lohnt
Darstellung auf Smartphones und Tablets möglich. sich ein Blick auf unsere Technologie in jedem Fall.
Nach dem Wechsel auf unsere Plattform haben
sich die Ladezeiten enorm verbessert, wodurch die In welchen Fällen, welchen Ausgangsitua-
Bounce-Rate deutlich zurückgegangen ist. tionen ist Eure Lösung optimal geeignet?
Andere Kunden stehen vor der Herausforderung, Insbesondere bei Omnichannel-Themen bietet un-
zusammen mit E-Commerce-Funktionalitäten auch sere Plattform Händlern und Herstellern nahezu
hochwertigen Content zu präsentieren. unbegrenzte Möglichkeiten, ihre digitalen Geschäfts-
modelle umzusetzen. Online- und Offline-Kanäle
Unsere Plattform ist bereits auf die Integration in werden intelligent verknüpft, sodass eine opti-
bekannte CMS-Systeme wie beispielsweise Hippo male Customer Experience ohne Medienbrüche
CMS vorbereitet. gewährleistet ist.
Ab welcher Umsatzgröße, in welchem IT-Um- Auch im Wachstums-Segment “Mobile” spielt com-
feld (Inhouse, Extern) lohnt sich für Eure Ziel- mercetools seine Stärken aus und fungiert beispiels-
gruppe der Einsatz Eurer Lösung? weise als hochperformantes Daten-Backend für na-
tive Applikationen.
Wir gehen normalerweise von einem jährlichen On-
line-Umsatz von mindestens 10 Millionen EUR aus.
22Was wäre der optimale Anwendungsfall, den Welche Vorteile bieten sich für Agenturen,
ein Online-Händler mit Eurer Technologie reali- künftig auch Eure Lösung als Implementie-
sieren, erreichen kann? rungspartner bei deren Kunden einzusetzen?
Händler und Hersteller, die verschiedene Verkaufs- Agenturen können mit unserer Plattform vor allem
kanäle über eine zentrale Plattform abwickeln kön- Kundenprojekte umsetzen, die solch einen hohen
nen möchten, können das via commercetools sehr Grad an Individualisierung erfordern, dass herkömm-
dynamisch tun. liche Shop-Software an ihre Grenzen kommt. Oftmals
müssen diese Systeme ja aufwendig “verbogen” und
Damit wird die Technologie vor allem für diejenigen ihre Standard-Templates “abgerissen” werden, bevor
interessant, die eine Multichannel-Strategie verfol- die Kundenwünsche umgesetzt werden können – bei
gen und vor diesem Hintergrund sehr individuelle commercetools beginnen Entwickler jedoch gleich
Anforderungen umsetzen möchten. bei der eigentlichen Implementierung.
Mit welchen Kosten sollten Eure Kunden in Ein weiterer Vorteil: die Agentur ist bei der Auswahl
etwa rechnen? ihrer Programmiersprache vollkommen frei, unsere
gut dokumentierte API lässt sich über verschiedenste
Da wir unsere Technologie als E-Commerce-as-a-Ser- Technologien ansprechen.
vice bereitstellen, es also keine Softwareinstallation
o.ä. gibt, fallen zu Beginn keine einmaligen Lizenz-
kosten an. Im B2C-Bereich berechnen wir monatlich
2,5 % vom Netto-Umsatz für die Nutzung der Platt- Interviewpartnerin
form. Bei höheren Umsätzen sieht unser Pricing eine
entsprechende Staffelung vor. Lucia Hegenbartova, Head of Product Marketing
and Communications bei commercetools GmbH,
Darin sind bereits sämtliche Kosten für Hosting, Mo- verfügt über 7 Jahre Praxiserfahrung im E-Com-
nitoring und SLA enthalten. Dazu kommen noch die merce-Bereich, auf der Händler- als auch auf der
projektspezifischen Implementierungskosten, die von Technologieanbieter-Seite. Aktuell verantwortet
Fall zu Fall – wie bei jedem E-Commerce-Projekt – sie das internationale Produktmarketing bei com-
sehr unterschiedlich sein können. mercetools und betreut unter anderem das Kon-
ferenzformat APIDays und die Hackathon-Serie
Welche Unternehmen setzen Eure Lösung be- ecomhack, die sich mit Technologiethemen rund
reits ein? um Innovation im E-Commerce auseinandersetzen.
Aktuell nutzen Unternehmen wie BRITA, DeinDeal, E-mail: lucia.hegenbartova@commercetools.com
Koffer24, Merkur, Red Bull und REWE unsere Tech- Website: www.commercetools.com/de
nologie. Weitere spannende Projekte befinden sich
gerade in der Umsetzung.
23EXPERTENGESPRÄCH:
DR. ROMAN ZENNER, SHOPTECHBLOG
„Vereinfacht gesagt bieten diese Technologien den Anwendern einen
Baukasten für höchst individuelle Anforderungen.“
Dr. Roman Zenner arbeitet seit 2002 als freiberuflicher Wer ist Deiner Meinung nach Zielgruppe für
Autor, Berater und Dozent im Bereich E-Commerce. diese Lösungen und welche Shopsysteme
Er veröffentlicht regelmäßig in Fachmagazinen, hat werden von diesen heute üblicherweise ge-
mehrere Bücher zu Onlineshop-Systemen wie Ma- nutzt?
gento und OXID eShop verfasst und betreibt den Blog
ShopTechBlog sowie den Podcast ShopTechTalks. Zielgruppe sind vor allem ambitionierte Onlinehändler,
die in punkto Entwicklungsgeschwindigkeit/Agilität,
Wie erklärst Du Nicht-ITlern die sogenannten Skalierung und Personalisierungsmöglichkeiten bei
modernen Shop-Technologien? ihrer bisherigen Lösung an ihre Grenzen stoßen. Auch
andere Geschäftsmodelle, die man klassischerweise
So unterschiedlich beispielsweise Spryker (= Frame- vielleicht nicht dem E-Commerce zurechnen würde,
work) und commercetools (= Plattform) sind – sowohl können ebenfalls von diesen Systemen profitieren,
hinsichtlich des technischen Aufbaus als auch der beispielsweise Reiseportale, Veranstaltungsseiten etc.
Zielgruppe – eins haben sie gemeinsam: Sie bieten
Händlern und Herstellern vereinfacht gesagt eine Art Die Ausgangssituation der Zielgruppe kann dabei ganz
Baukasten, mit dem diese höchst individuelle An- unterschiedlich sein: Es gibt Händler und Hersteller, die
forderungen umsetzen können, die sich vor allem an zunächst ihren Markt mit einer Open Source-Version
den (wachsenden und teilweise sehr unterschiedli- von Magento, OXID oder Shopware testen und dann
chen) Bedürfnissen der Endkunden orientieren. auf eine moderne Lösung umsteigen, weil die Skalier-
barkeit nicht mehr gegeben ist – Zalando ist dafür ein
Herkömmliche Standardsysteme gehen oft von ei- populäres Beispiel. Ich sehe aber auch viele Nutzer von
nem Plug-and-Play-Ansatz aus und konzentrieren Enterprise-Level-Software wie Intershop und hybris,
sich primär auf Backend-Prozesse. die sich deutlich mehr Flexibilität wünschen und da-
her wechseln.
24Wo liegt der Vorteil dieser neuen Technologien Für welche Online-Händler sind diese Lösun-
zu den bisher eingesetzten Systemen der je- gen nicht geeignet, der Aufwand zu hoch?
weiligen Zielgruppe?
Für Online-Händler, deren Umsatz deutlich unter dem
Der Vorteil liegt darin, die gewünschten Funktiona- oben genannten Wert liegt und die noch keine eigene
litäten frei implementieren zu können, ohne von zu technische Kompetenz haben aufbauen können, sind
starren Strukturen einer Standard-Software einge- diese Lösungen weniger geeignet.
schränkt zu werden – dies sorgt unter anderem für
eine kürzere Entwicklungszeit. Die modernen Sys- Was ist die optimale Ausgangsituation für den
teme sind außerdem so konzipiert, dass sie auch un- Einsatz dieser neuen Technologien?
ter Hochlast ausreichend skalieren.
Immer dann, wenn innovative Geschäftsmodelle
Was schätzt Du, was könnten typische Wech- umgesetzt werden sollen, haben diese Technologien
selgründe auf die neuen Technologien sein? Vorteile gegenüber Standard-Shop-Software. Das
beginnt bei Shops, die nur einen bzw. sehr wenige
Es gibt Szenarien, in denen es teilweise mehrere Artikel verkaufen, geht über Produkt-Konfiguratoren
Monate dauert, bis eine Zeile Programmcode auf ein und Abo-Modelle hin zu mobilen Szenarien und allem,
Live-System aufgespielt werden kann. was in Zukunft unter dem Begriff “Internet of Things”
entwickelt wird. Ideal sind diese Systeme auch, wenn
Damit wird natürlich jede innovative Idee im Keim die sogenannte time-to-market möglichst kurz sein
erstickt. Auch die fehlende Skalierbarkeit ist oft ein soll und ein hohe Besucherzahl zu erwarten ist.
großes Thema – es gibt Unternehmen, die zwar aus-
reichend Budget für TV-Werbung hätten, diese aber
aus der Angst heraus, ihr eigenes System zu über- Interviewpartner
fordern, nicht schalten.
Dr. Roman Zenner arbeitet seit 2002 als Autor,
Ab welcher Umsatzgröße, in welchem IT-Um- Berater und Dozent im Bereich E-Commerce.
feld (Inhouse, Extern) lohnt sich Deiner Regelmäßig hält er Vorträge auf einschlägigen
Meinung nach der Einsatz dieser neuen Tech- Konferenzen und moderiert unter anderem Ex-
nologien? perten-Panels. Er beschäftigt sich intensiv mit
Onlineshop-Technologien und den zugrundelie-
Als untere Umsatzgröße sehe ich einen Wert genden Prozessen und nimmt innovative Ent-
zwischen 1 und 5 Mio. EUR. Im Fall von Spryker ist wicklungen und Strategien in diesem Bereich
nach eigenen Angaben eine Teamgröße von 4 - 8 unter die Lupe. Darüber hinaus unterstützt er
guten PHP-Entwicklern erforderlich (siehe IWB 8/15). mittlere und große Unternehmen bei der Konzep-
Meistens befinden sich die Unternehmen, für die eine tion und Umsetzung ihrer E-Commerce-Projekte
solche Lösung infrage kommt, in einem Transfor- sowie bei der Aus- und Weiterbildung ihrer Mitar-
mationsprozess – von einem klassischen Handelsun- beiter.
ternehmen hin zu einem Technologieunternehmen.
In diesem Fall werden in der Regel auch eigene In- E-mail: roman@romanzenner.com
house-Teams aufgebaut. Website: www.shoptechblog.de
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