Einblicke 2022 Almanach des Archivs der deutschen Frauenbewegung
←
→
Transkription von Seiteninhalten
Wenn Ihr Browser die Seite nicht korrekt rendert, bitte, lesen Sie den Inhalt der Seite unten
e 2 0 2 2 Einblick 3 Editorial 4 Das Herzstück – unsere Sammlungen 8 Forschen in der Stiftung – Themen und Kooperationen 12 Das geschriebene Wort – die Publikationen 14 Wortgewandt – erkunden, entdecken, erfahren 16 Die Freundinnen – Notizen aus dem Förderverein 18 Die Stiftung – mehr als eine Organisationsform
Editorial
War es 2021 noch schwierig und ungewohnt, begrüßen: zwei Mitarbeiterinnen verstärken
die neuen Regelungen rund um die Pandemie das DDF-Projekt und eine Mitarbeiterin hat im
umzusetzen und uns mit dem hybriden Arbei- Bereich Vermittlung und Öffentlichkeitsarbeit
ten zu arrangieren, nehmen wir seitdem immer begonnen. Auch die vakanten Stellen in unse-
selbstverständlicher die Vorteile dieses Arbeits- rem Stiftungskomitee konnten wir erfolgreich
stils in unseren Arbeitsalltag auf. Aber trotzdem wiederbesetzen. Wir begrüßen alle neuen
haben wir uns sehr gefreut, dass das Jahr 2022 Gesichter noch einmal herzlich und freuen uns
ein Jahr zurück in die Normalität war, in dem auf die Zusammenarbeit.
wir uns wieder mehr in Präsenz, mehr im direk- Ein Event, das wir mit großer Freude organi-
ten Austausch und mehr in gemeinschaftlicher sieren und durchführen konnten, war die nur
Arbeit begegnen konnten. alle fünf Jahre stattfindende Stifter:innenver-
So konnten wir wieder verstärkt (überregio- sammlung. Bei bestem Wetter haben wir alte
nale) Kooperationen eingehen und uns mit und neue Stifter:innen in unserem Lesesaal
verschiedensten Projekten – unter anderem begrüßt und uns über den konstruktiven und
mit einer Reihe von Kasseler Institutionen, der aufschlussreichen Austausch gefreut.
Gedenkstätte Breitenau und mit der Monacen- Im Oktober stand dann ein besonderes Ereignis
sia im Hildebrandhaus München – vernetzen. an: die Freundinnen, der Förderverein des AddF,
Beispielsweise die erneute Zusammenarbeit mit feierten ihr 30-jähriges Jubiläum – und wagten
der Monacensia zu #FrauenDerBoheme wird sich mit der Social-Media-Aktion #30Jahre-
uns bis ins Jahr 2023 begleiten. Freundinnen auf ein ganz neues Terrain. Wir
Ein Highlight des Jahres war nach intensiver Arbeit gratulieren noch einmal von ganzem Herzen zum
der Relaunch unserer Website – und sie ist so Jubiläum und sagen Danke für drei Jahrzehnte
schön geworden, dass wir gar nicht anders kön- ehrenamtliches Engagement für das AddF!
nen, als über sie zu sprechen. Bestückt mit neu- Und auch 2023 wartet schon mit dem nächsten
em Design, neuen Fotos, neuen Inhalten, neuen wichtigen Jubiläum auf uns, denn es jährt sich
Informationen zu Projekten und Kooperationen ist zum 175. Mal die Revolution von 1848. Wir
die neue Website ein gelungenes Aushängeschild befinden uns schon lange in der Vorplanung
für die Arbeit des AddF. Schauen Sie unbedingt diverser Formate, die wir anlässlich des Jubi-
unter addf-kassel.de vorbei und machen Sie sich läums in die Welt tragen werden. Wie uns dies
selbst ein Bild von unserem Auftritt. gelungen ist, lesen Sie dann in den nächsten
Aber nicht nur die Website ist neu, auch neue Einblicken. Nun aber erst einmal viel Spaß
Mitarbeiterinnen durften wir zum Jahresbeginn beim Nachlesen des Jahres 2022.
3H e r z s t ü c k–
Das gen lun
mm
unsere Sa
NEUE SICHTBARKEIT AUF- UND AUSBAU DES BILDARCHIVS
Die Freude war groß als uns in der zweiten Jahres- Von Anbeginn an war es dem AddF wichtig,
hälfte die Nachricht erreichte, dass die Bestände neben schriftlichen auch bildliche Quellen zu
und Digitalisate des AddF nun auch in der Deut- sammeln, um im Rahmen des historischen Bild-
schen Digitalen Bibliothek (DDB) und im Archiv gedächtnisses Frauenbewegungsgeschichte zu
portal D nachgewiesen und recherchierbar sind. visualisieren.
Dies erhöht die Sichtbarkeit des Sammlungsbe- Es wurde ein Bildarchiv aufgebaut, für das
standes an zentraler Stelle immens. Derzeit finden gerade in den Anfangsjahren viele Repro-
sich darin über 56.000 Datensätze, davon ca. duktionen aus zeitgenössischen Publikationen
sieben Prozent mit Digitalisat. Das enthaltene angefertigt wurden. Denn vor allem durch
Archivgut wird gleichzeitig im Archivportal D zur Zerstörung und Krieg, aber leider auch durch
Verfügung gestellt und in über 13.000 Nachwei- mangelndes Bewusstsein mancher Protagonis-
sen angezeigt, wovon bereits ca. 18 Prozent mit tinnen der Frauenbewegung und ihrer Nach-
Digitalisat angeboten werden können. Möglich komm:innen sind in den letzten Jahrzehnten
wurde dies mit Hilfe der Servicestelle des Digi- nicht nur wichtige Schriftzeugnisse, sondern
talen Deutschen Frauenarchivs (DDF), die einen auch visuelle Quellen der Frauenbewegungs-
Export aus dem Verbundkatalog META heraus geschichte verlorengegangen.
entwickeln konnte. Neben den Periodika, die Inzwischen umfasst das Fotoarchiv ca. 10.000
schon seit vielen Jahren in der Zentralen Zeit- Abbildungen aus der Geschichte von Frauen
schriften Datenbank (ZDB) nachgewiesen sind, und Frauenbewegung in Deutschland von 1848
ist damit ein weiterer wichtiger und erfolgreicher bis heute. Es handelt sich dabei sowohl um Ein-
Schritt in überregionale Verbundkataloge des zelfotos, Dias, Zeitungsausschnitte, Postkarten
Archiv- und Bibliothekswesens gelungen. und Drucke als auch um Fotosammlungen aus
Nachlässen und Aktenbeständen, die Einblicke
ins Private sowie auch in die Netzwerke der
Die Bestände
des AddF
werden seit
2022 auch in
der Deutschen
Digitalen
Bibliothek
präsentiertlinks: Ausschnitt einer Foto-
grafie, die vermutlich von
Alice Matzdorff stammt und
Schweißerinnen im Ersten
Weltkrieg zeigt
rechts: Die Frauen- und
Mädchen-Abteilung des
Deutschen Turn-Vereins
Berlin, 1902
Bewegung erlauben. Die meisten Abbildungen tiken aufwirft. Denn in den seltensten Fällen
stammen aus dem 20. Jahrhundert, ein kleinerer sind Angaben zur Provenienz durch die Ver-
Teil aus dem 19., was auf die Entwicklung der käufer:innen möglich, da die Artikel häufig aus
Fotografie als Alltagsmedium zurückzuführen Haushaltsauflösungen oder Flohmarktkäufen
ist. Neben den Reproduktionen umfasst der stammen. Bei Fotografien ist die Kontextin-
Bestand heute vor allem Originale – u. a. Litho- formation wie Ort, Zeit oder Anlass jedoch
grafien, Presse- und Atelierfotografien aber auch von entscheidender Bedeutung, um eine his-
Privataufnahmen, etwa ein Drittel des Bestandes torisch akkurate Weiternutzung der Fotografie
sind zur Zeit erschlossen und digitalisiert. zu ermöglichen. Ein Foto oder Album mag
Der Ausbau erfolgt vor allem über Bildquel- zwar ästhetisch ansprechend oder interessant
len, die durch Übernahmen von Beständen erscheinen, ohne die Möglichkeit der Zuord-
ins Haus kommen. Lücken werden gezielt nung sehen wir von einem Kauf ab. Trotz dieser
über Ankäufe geschlossen. So sind wir z. B. Schwierigkeiten gelingt es dennoch immer wie-
auf der Suche nach Fotografien von: Verei- der interessante Bildquellen zu übernehmen.
nen, in denen F rauen wirkten, wie etwa Turn-,
Sing- oder Handarbeitsgruppen; interessanten EIN GELUNGENER ANK AUF
Berufsvereinigungen wie z.B. dem Schaustel- Im letzten Jahr konnten wir ein Fotoalbum erwer-
lerinnenverein; Frauen in männlich dominier- ben, in dem zahlreiche Originaldokumente der
ten Berufen wie dem der Schweißerin oder ehemaligen Besitzerin beigefügt waren, sodass
Druckerin; Frauen bei öffentlichen Veranstal- eine zeitliche und räumliche Einordnung mög-
tungen wie Demonstrationen, Kundgebungen, lich ist. Die ursprüngliche Eigentümerin Gertrud
Tagungen – um einige Schwerpunkte unse- Knecht hatte es zudem mit aufschlussreichen
rer Ankäufe zu nennen. Durch antiquarische Beschriftungen versehen. Sie war ausgebildete
Onlineverkaufsportale steht ein breiter Markt Säuglings- und Kleinkinderkrankenschwester,
zur Verfügung, der allerdings neue Problema- Geburtsjahrgang 1914. Ihre Ausbildung erhielt
Das gut beschriftete
Fotoalbum mit Original
dokumenten der Säug
lings- und Kinderkranken
schwester Gertrud Knecht
5links: Johannes Ackner
übergibt die hand-
schriftlich festgehaltenen
Lebenserinnerungen der
Frauenrechtlerin Marie
Stritt (1855–1928) an
Mirjam Sachse.
unten: Diverse Zeit-
schriften, Objekte und
Fotos des Erschlie-
ßungsprojekts 2022
sie Anfang der 1930er Jahre in der Säuglings- lieferungen zu bereits bestehenden Beständen,
pflegerinnen- und -schwesternschule Cecilien kamen auch interessante Schenkungen ins Haus.
heim des Vaterländischen Frauenvereins, Zweig- So wurden uns von Johannes Ackner als Fami-
verein Hannover. 90 Fotografien dokumentieren liennachfahre das unvollendete handschriftliche
den Privat- und Berufsalltag Gertud Knechts Manuskript der Lebenserinnerungen der Frauen-
von ca. 1931–1933. Sie zeigen Mitschülerinnen, rechtlerin Marie Stritt (1855–1928) sowie zahlrei-
Lehrerinnen und Unterkunft in der Schwestern- che Fotos übergeben. Das Manuskript und die
schule, Urlaube und Sportveranstaltungen, Sil- Fotos konnten im Rahmen des DDF-Projektes
vester- und Geburtstagsfeiern. Beigefügt sind zugleich erschlossen und digitalisiert werden,
Unterlagen wie Führungs- und Arbeitszeugnisse sodass sie zeitnah online zur Verfügung gestellt
sowie Lehrgangsbescheinigungen. Die Prove werden können. Neu ins Haus kam auch ein
nienzfrage war eindeutig und so erhält das Foto regionales Konvolut von Unterlagen der am
einer Frau in Schwesterntracht eine Geschichte 1. Mai 1869 mit 226 Schülerinnen, 8 Lehrern
und einen konkreten Lebensbezug, die es in den und 4 Lehrerinnen eröffneten Höheren Töchter
historischen Gesamtzusammenhang einord- schule, der „Standesschule für Töchter des geho-
net. Die persönlichen Dokumente von Gertrud benen Bürgertums“, der späteren Kasseler Jacob-
Knecht machten einen gelungen Ankauf aus Grimm-Schule. Ergänzend zu diesen Unterlagen
Privathand möglich. erhielten wir zudem durch den Sohn einer ehe-
maligen Schülerin eine als „Klassen-Rundbrief“
NEUZUGÄNGE IM ARCHIV gekennzeichnete Kladde mit handschriftlichen
Die Archivbestände sind erneut um 40 laufende Erlebnisbeschreibungen der Schulzeit aus der
Meter gewachsen. Neben zahlreichen Nach- Nachkriegszeit bis in die 1960er Jahre.
NEUZU GÄNG E 2022 IN ZAHLE N
BIBLIOTHEK A R C H IV
120 Arc
hivalien
204 Bücher s
6 Audio
289 Zeitschrifteneinzelhefte estand
40 Zeitschriftenjahrgänge 2 Aktenb
sse
3 Nachlä
g
4 Sammlun ständen
ru n g e n zu 14 Be
Nachliefe hivkarton
s
m t 346 Arc
6 Ins g e s alinks: Historische Aufnahme aus dem Konvolut der Jacob-Grimm-Schule
rechts: „Klassen-Rundbrief“ der Kasseler Jacob-Grimm-Schule aus der
Nachkrie gszeit
UNSER DDF-PROJEKT weiterhin nur eine begrenzte Anzahl von Plät-
Die Erschließung des Bestandes der Evange zen zur Verfügung stand. Recherchiert wurde
lischen Frauenarbeit in Deutschland (EFD) wur- zu Protagonistinnen der Frauenbewegung und
de erfolgreich abgeschlossen und neben dem verschiedensten Themen, wie z. B. „Frauen
Onlinefindbuch kann der Bestand über den arbeit im Hotel“, „Sinti- und Roma-Frauen in
META-Katalog recherchiert werden. Darüber der NS-Zeit“, „Jüdischen Protagonistinnen in
hinaus wurde weiter digitalisiert, so dass nun der Sozialarbeit“ oder „Rezeptionsgeschichte
auch das „Centralblatt des Bundes Deutscher der Frauenfriedensbewegung“. Dabei ging es
Frauenvereine“ ebenso wie die Nachfolgezeit- sowohl um Referate und Seminararbeiten als
schrift „Die Frauenfrage“ und die Zeitschrift auch Masterarbeiten oder Dissertationen. Die
„Die Frauenbewegung“ online zur Verfügung Nutzer:innen kamen zu 60 % aus Deutschland,
stehen. Mit einer endgültigen Freischaltung 34 % aus Kassel und etwa 6 % waren internati-
u. a. über den META-Katalog ist ab April 2023 onale Gäste. Besonders intensiv wurde zudem
zu rechnen. im Rahmen des von Dr. Kerstin Wolff an der
Universität Kassel angebotenen Seminars „Wie
NUTZUNG die Gleichberechtigung ins Grundgesetz kam“
Auch 2022 war es uns ein großes Anliegen den mit dem Nachlass von Elisabeth Selbert gear-
Lesesaal trotz der Corona-Pandemie geöffnet beitet. Die Seminarteilnehmer:innen verbrach-
zu halten und weiterhin eine Nutzung vor Ort ten viel Zeit jenseits des Seminars in Eigenre-
zu ermöglichen. Die Nachfrage war hoch und cherche im Lesesaal, und beschäftigten sich
so bedurfte es einer guten Raumplanung, da anhand unterschiedlicher Fragestellungen mit
den Originalquellen.
N U TZ U N G EN IN
ZA H LE N
hriftl.)
en (vor Ort, tel., sc
368 Einzelnutzung
Nutzer:innen
70 Da ten ba nk zu griffe von 11.512
66.4 tzer:innen
3 Ho m ep ag ez ug riffe von 50.584 Nu
818.06S t i f t u n g –
e r
Fors chen in d o p eratio nen
en u n d Ko
Them
„TRÜMMERFR AUEN“ IN K ASSEL wird Ende 2023 mit einer Publikation abge-
2022 startete im Forschungsteam des AddF das schlossen, die im Frühjahr 2024 erscheinen wird.
Projekt „Trümmerfrauen in Kassel“. Finanziert Die Geschichte der Trümmerräumung in Kas-
wird es für zwei Jahre von der Stadt Kassel. Ziel sel soll am Beispiel von drei thematischen
dieses Projektes ist es, die konkrete Arbeit des Schwerpunkten erzählt werden. Während
Trümmerns in Kassel von den ersten Luftangriffen des Krieges sind es die Kriegsgefangenen
1942 bis zur Bundesgartenschau 1955 nachzu- und Zwangsarbeiter:innen, die in den Fokus
zeichnen. Untersucht werden die Organisation der Untersuchung rücken. In der unmittelba-
der Trümmerbeseitigung und der Beitrag, den ren Nachkriegszeit geht es um die Kasseler
die sogenannten Trümmerfrauen und andere Bürger:innen, die im Rahmen der Ehrennot-
Personengruppen wie Zwangsarbeiter:innen, dienstverordnung ihren „Trümmerbeitrag“
Kriegsgefangene, ehemalige NSDAP-Mitglieder, leisten mussten. Und wenig später gewinnen
Schüler:innen oder Firmenbelegschaften für den die Trümmerbeseitigungsanlage und das Bau-
Wiederaufbau der Stadt leisteten. Das Projekt steinwerk der Stadt Kassel an Bedeutung.
f an der
Zerstörung durch den Bombenangrif
8 Kass eler Scho mbu s
rg traße mit Ukra inischen TrümmerfrauenHelke Dreier berichtet
dem Forschungsteam
von ihren Recherche
ergebnissen
Unsere Kollegin Helke Dreier übernahm die „Wem gehören die Trümmer, wer darf welche
Bearbeitung des so wichtigen Themas und Trümmer verwenden und wer hat Anspruch auf
stürzte sich sogleich in die Quellenarbeit. Die Entschädigung?“, welche die Gemüter erhitz-
Bestände des Stadtarchivs Kassel erwiesen ten, denn Baumaterial war vor allem in der
sich als wahre Fundgrube. Neben den Proto Nachkriegszeit Mangelware und die noch zu
kollen der Stadtverordnetenversammlung für verwendenden Trümmer ein wertvolles Gut.
die Jahre 1946 bis 1952 sind es vor allem die
noch unverzeichneten Akten des Amtes für ERLEBTE GESCHICHTE –
Wiederaufbau, die viele Facetten des Themas I NTERVIEWS MIT ZEITZEUG:INNEN
aufzeigen. So geben bspw. die Unterlagen Durch einen Artikel in der örtlichen Tages-
der Kasseler Trümmerverwertungsgesellschaft zeitung HNA und die zeitgleiche Suche über
Auskunft über die Beschaffung, Wiederver- die Website und die Social-Media-Kanäle des
wertung und Aufbereitung der Trümmer. In Archivs gelang es, Zeitzeug:innen zu finden, die
anderen Akten finden sich Listen der bei der einmalige Einblicke in die Zeit liefern konnten.
Trümmerbeseitigung eingesetzten Kasseler Bür- Bis Ende des Jahres führte Helke Dreier 13 Inter-
ger:innen und Diskussionen darüber, wer in views mit Menschen im Alter zwischen 91 und
welchem Umfang bei der Trümmerbeseitigung, 97 Jahren, die selbst noch aktiv bei der Trümmer-
dem sogenannten Ehrennotdienst, eingesetzt beseitigung geholfen hatten, in der Regel die laut
werden sollte und wie dies zu organisieren sei. Ehrennotdienst vorgeschriebenen sechs Tage.
Auch über Streitfälle zwischen einzelnen Bür- Die meisten der Interviewten wurden als Kinder
ger:innen oder ortsansässigen Firmen und der oder Jugendliche entweder von der S chule oder
Stadt Kassel wird berichtet. Es sind Fragen wie vom Arbeitgeber zum Helfen entsandt.
In den Gesprächen mit den Zeitzeug:innen
wurden verschiedene Einstellungen zur Trüm-
merarbeit deutlich. Einige sahen es als Pflicht
Aufruf für Zeitzeug:innen
auf Social Media
9Filmstill, Vortrag
von Kerstin
Wolff im Hessi-
schen Landtag
Karoline Balser, Gabriele Strecker und
an, die erfüllt werden musste; andere verstan- VERSCHOBENE VORTR ÄGE UND
den es als ‚Strafe‘, die sie kritisch hinterfrag- INTERNATIONALE KONTAKTE
ten, da sie sich für die Trümmer nicht zuständig 2022 war für die Forschung wieder ein sehr
fühlten – weder für ihre Entstehung noch für vortragsreiches Jahr – 23 Vorträge wurden wie
ihre Beseitigung. geplant gehalten. Der Rückgang der Pandemie
Und ein weiterer wichtiger Punkt zeigte sich in war zu spüren und so wurden dieses Jahr zu
den Interviews: Die in den letzten Jahren geführ- unserer aller Freude wieder mehr Vorträge in
ten erinnerungspolitischen Debatten, die das Präsenz als im digitalen Raum gehalten.
Bild der Trümmerfrau als einen für bestimmte Trotz allem blieb aber auch dieses Jahr nicht
politische Zwecke inszenierten Mythos interpre- verschont von den Ausläufern coronabedingt
tieren, der mit der Wirklichkeit des Nachkriegs verschobener Vorträge. So wurde eine für den
alltags nicht übereinstimme, konnte vor allem November 2021 geplante Tagung des Hes-
von den Zeitzeuginnen nicht nachvollzogen sischen Landtags auf den Juni 2022 verlegt.
werden. In ihrer Erinnerung ist die Trümmer- Auf diesem Symposium der Kommission für
beseitigung ebenso wie ihr geleisteter Beitrag politische und parlamentarische Geschichte
eine gelebte Realität: „Selbstverständlich haben des Landes Hessen mit dem Titel „‚Gefühlte
wir Trümmer weggeräumt, wer sollte es denn Demokratie‘ – Die Weimarer Erfahrung im 20.
sonst tun? Es war ja niemand da.“ So oder so und 21. Jahrhundert“, das unter der Schirmher-
ähnlich klangen die Aussagen der interviewten rinnenschaft der hessischen Landtagspräsiden-
Frauen. Durch die Debatte um die Wirklichkeit tin Astrid Wallmann stand, präsentierte Kerstin
der „Trümmerfrauen“ fühlen sie sich und ihre Wolff für das AddF drei hessische Politikerin-
Arbeit nachträglich an den Rand der Geschichte nen: Karoline Balser, Gabriele Strecker und
gedrängt und unsichtbar gemacht. So stehen Vera Rüdiger. Am Beispiel dieser drei Frauen
die individuellen Erfahrungen den allgemeine- ging sie der Frage nach, wie sich die Landtags-
ren Debattenergebnissen entgegen. politik von Frauen zwischen Weimarer Republik
10Vortragssaal
im Palais
du Rhin in
Straßburg
Vera Rüdiger – drei hessische Parlamentarierinnen
und den 1980er Jahren verändert hat. Es war Zeit im und ihre Arbeit für das AddF bedanken.
schön, dass dem AddF und der Frauenbewe- In dieser Zeit hat sie das AddF mit vielen Vor-
gung eine Bühne wie der Hessische Landtag trägen und Workshops nach außen vertreten
gegeben wurde und dass wir ein so wichtiges, und zahlreiche Artikel, Dossiers und Essays zur
regionales Thema und faszinierende Frauen Frauenbewegung, ihren Akteurinnen und anver-
beleuchten konnten. wandten Themen geschrieben. 2022 übernahm
Im November wurde es dann noch internatio sie gemeinsam mit Elisa Heinrich die Redaktion
nal: Unsere Kollegin Mirjam Höfner konnte auf von Heft 78 der Ariadne zum Thema „Politi-
der deutsch-französischen Tagung: „Renou- sche Freund:innenschaft“. Mirjam Höfner hat
veler l’histoire du Kaiserreich? Perspectives den Relaunch des Newsletters des Arbeitskreises
critiques sur l’empire allemand (1871–1918)“ Historische Frauen- und Geschlechterforschung
im Palais du Rhin in Strasbourg einen Vortrag (AKHFG) erfolgreich umgesetzt und ihre Sou-
mit dem Titel: „Neue Perspektiven auf alte veränität beim Gespräch mit dem Bundespräsi-
Frauenbewegung/en“ halten und Frauen denten im September 2021 wird uns Kolleginnen
bewegungsperspektiven in die internationale stets in allerbester Erinnerung bleiben.
Forschungsgemeinschaft tragen. Wir wünschen Mirjam auf ihrem weiteren Weg
viel Freude und Erfolg und beim anstehenden
ZUM JAHRESENDE (K)EIN ABSCHIED Endspurt mit ihrer Doktorarbeit über D orothee
Das ausgehende Jahr endete mit dem Abschied von Velsen viel Kraft und alles Gute! Wie
unserer Kollegin Mirjam Höfner. Wir freuen Mirjam Höfner es an ihrem letzten Tag im Büro
uns, dass wir ab 2023 Mette Bartels in unserem gesagt hat, möchten wir ihr nun auch noch ein
Forschungsteam begrüßen dürfen. letztes Mal sagen: Wir winken mit lachenden
Wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal Augen und einer Träne im Knopfloch. Dies ist
von ganzem Herzen bei Mirjam Höfner für ihre kein Abschied. Nur ein längeres Tschüss.
links: Akten zur Trümmer
beseitigung aus dem
Stadtarchiv Kassel
rechts: Mirjam Höfner
im Magazin des AddF
11n e Wo r t –
be
Da s geschrie
ationen
die Publik
„Wenn du ein Buch lesen willst, das noch nicht Sophie Goudstikker verfasst. Einhergehend
geschrieben wurde, musst du derjenige sein, mit der Digitalisierung und Erschließung des
der es schreibt.“ Dieses Zitat von Toni Morrison Bestandes der Evangelischen Frauenarbeit
haben wir 2022 sehr ernst genommen – auch, wurden außerdem Essays zur EFD und dem
wenn es nicht um Bücher, sondern um Artikel, Weltgebetstag der Frauen für das Portal erstellt.
Blogbeiträge, Dossiers und Essays ging. Wir Um weibliche Akteurinnen und Themen im
haben uns an die Arbeit gemacht, um durch Wort Zusammenhang mit der Münchner Boheme ging
und Schrift einige mehr der weißen Flecke inner- es ab Mitte des Jahres in unseren Blogbeiträgen
halb der Frauen(bewegungs)geschichte zu füllen. und Dossiers für das Kooperationsprojekt „Frei
Dabei waren wir thematisch in diesem Jahr Leben! Die Frauen der Boheme 1890–1920“
etwas breiter aufgestellt als im vorangegan- der Monacensia im Hildebrandhaus, München.
genen. Wir befassten uns mit der Münchner Zunächst haben wir im Blog einige Fragen darü-
Boheme, politischen Freund:innenschaften, ber beantwortet, wo überhaupt Schnittpunkte
betrunkenen Männern und natürlich einigen zwischen Frauenbewegung und Boheme existie-
Akteur:innen und Organisationen der bürger- ren und fanden diese in den Themen, mit denen
lichen Frauenbewegung. sich die jeweils zugehörigen Frauen beschäftigten
So wurden im Rahmen unseres geförderten wie der Ehe, der Prostitution und dem selbst-
Erschließungsprojekts im Digitalen Deutschen bestimmten Leben. Daher #bloggten wir im
Frauenarchiv erneut zahlreiche Essays und Online-Magazin „mon_boheme“ über G abriele
Artikel mit Projektbezug veröffentlicht. Biogra- Reuter, „Die ‚fast allumfassende‘ Frauenfrage
fische Portraits wurden unter anderem zu Käthe um 1900“ und die „Die Ehe als Streitfall“. Auch
Schirmacher, Marie Stritt, Ika Freudenberg und 2023 werden wir das Magazin und unsere Web-
site mit ergänzenden Artikeln bestücken.
Neue Essays schrieben wir unter
anderem zu Käthe Schirmacher,
Ika Freudenberg und Marie Stritt
12Erwähnung verdient außerdem die Festtags- welchen Formen wurden Freund:innenschaften
schrift zu Eva Labouvies 65. Geburtstag. Hier- politisch? Wie waren sie mit Frauenbewegungs-
für verfassten wir einen Artikel über „Betrunke- geschichte/n, (feministischen) Bündnispolitiken
ne Männlichkeit im Wahlbüro“ und verblüfften und alternativen Lebensmodellen im 19. und
mit Wendungen rund um eine angefochtene 20. Jahrhundert verbunden?“
Bürgermeisterwahl in Hessen 1925. Die Beiträge der diesjährigen Ariadne erzählten
Im Sommer erschien das Heft 78 der Ariadne von verschiedenen Frauenfreundschaften im
zum Thema „Politische Freund:innenschaft“ – Verlauf von knapp 100 Jahren. In diesem Heft
und auch mit dieser Ausgabe schafften wir es ging es um feministische oder frauenpolitische
wieder, einen sehr aktuellen Bezug herzustellen. Bewegungspolitik, um Bündnis- und Netzwerk-
Denn angeregt durch das breitere Reflektieren praxis und wie diese auf Beruf, Karriere und
über Solidarisierungen und unterstützendes gesellschaftliche Position einwirkte sowie um
Netzwerken angesichts der Pandemie und ihren intime Lebenspraktiken – mit ermutigenden
sozialen Auswirkungen, beschäftigten wir uns wie entmutigenden Aspekten für die Beteilig-
dezidiert mit ‚Frauenfreundschaften‘ als politi- ten. Fazit dieses Heftes: Frauenfreundschaften
schem Konzept. Als Co-Redakteurin der Ausga- waren und sind „lebenswichtig“.
be konnten wir Dr.in Elisa Heinrich, Historikerin Abschließend gab es einen Einblick in die
am Institut für Zeitgeschichte der Universität Arbeit des Centre des Archives du Féminisme
Wien, für eine Zusammenarbeit gewinnen. (CAF) in Angers, das die Mitarbeiterin France
Schon früh hat die Frauen- und Geschlechter- Chabod für die Ariadne verfasste und in die
forschung freundschaftliche Beziehungen unter Spezifika und Herausforderungen eines fran-
Frauen* beleuchtet: als Teil einer widerständigen zösischen Frauenarchivs einführte.
Gegenöffentlichkeit, als besondere Beziehungs-
form innerhalb von Frauenbewegungen oder
als Schauplatz von Liebe, Intimität, Romantik
und Begehren. So fragten wir uns und vor allem
die Autor:innen unserer Ausgabe: „An welchen
Orten, in welchen Zusammenhängen und in
oben v. li. n. re.: Instagram-Posts
zur „allumfassenden Frauenfrage“,
zu Gabriele Reuter und zu
„Die Ehe als Streitfall“
rechts: Titelbild der Ariadne 78
13o r t g e w a ndt – fahren
W entdecken
, er
erkunden,
Unser Jahr 2023 stand unter dem Motto der verhalten hatten und daher in das KZ-Ravens-
Kooperationen und Veranstaltungen – und wir brück deportiert wurden. Die Ausstellung wur-
hatten jede Menge Freude, wieder unterwegs de von diversen Vorträgen und Diskussionen
zu sein. begleitet. In einer Exkursion in die Gedenkstätte
Eine letzte Ausgabe der queer-feministischen Breitenau, die von der Leiterin Dr. Ann Katrin
Talk-Reihe „Butler, Butch, Beyoncé“ mit uns Düben und Laura Schibbe organisiert wurde,
als Kooperationspartnerin fand gut besucht konnten die Verfolgungswege der Christinnen
im März statt. Unter dem Titel „My Body, Tona Baur und Katharina S taritz nach Ravens-
My Choice“ begrüßte Laura N. Junghanns brück näher beleuchtet werden.
die Gynäkologin Nora Szász, die Ärztin und Widerständige Frauen beschäftigten uns auch
Medizinhistorikerin Dr. Marion Hulverscheidt in unserem nächsten Projekt: Die Ausstellung
und Melanie Lyn vom Kinokas-Filmkollektiv, um „Deutsche und Französische Frauen im Wider-
über die umkämpfte Geschichte und Auswir- stand 1933–1945“ war seit 2021 geplant,
kungen des Paragrafen 218 zu reden. musste aber aufgrund des Pandemiegesche-
In Zusammenarbeit mit einem Kasseler Bündnis hens immer wieder verschoben werden. Im Mai
konnten wir im Mai die Wanderausstellung „Reli- 2022 konnte die Ausstellung dann anlässlich
gion, Widerstand und Verfolgung. (Christliche) des 77. Jahrestages der Befreiung endlich im
Frauen in der Zeit des Nationalsozialismus“ der Kasseler Rathaus Eröffnung feiern. Einem gro-
Gedenkstätte Ravensbrück in Kassel eröffnen. In ßen Publikum wurden dort zehn Frauen aus
dieser Ausstellung wurden 13 Frauen porträtiert, dem deutschen und französischen Widerstand
die sich aufgrund ihrer Geisteshaltung kritisch vorgestellt – darunter z. B. die Kasseler Politike-
oder oppositionell gegenüber dem NS-Regime rin Nora Platiel und die französische Ethnologin
Germaine Tillion. Begleitet wurde die Ausstel-
lung von einem breiten Rahmenprogramm,links: Logo der
Ausstellung „Frei
Leben! Die Frauen der
Boheme 1890-1920“
der Monacensia im
Hildebrandhaus
rechts: Jahresserie
#100JahreCauer
unter anderem mit Vorträgen von Dr. Frauke Boheme 1890–1920“ beleuchtet die Akteu-
Geyken zu Frauen im Widerstand und einem rinnen der Münchner Boheme wie Fanny zu
Gespräch über das Leben von Nora Platiel. Reventlow, Emmy Hennings und Margarete
Im Digitalen schlossen wir an unsere Erfol- Beutler sowie Themen wie Ehe, freie Mut-
ge der letzten zwei Jahre an. So konnten wir terschaft oder Schwangerschaftsabbrüche
sowohl die Anzahl unserer Follower:innen als stehen im Fokus. Als Kooperationspartnerin
auch unsere Reichweite weiter ausbauen – begleiten wir die Ausstellung während der
im September knackten wir auf Twitter die Laufzeit bis Juli 2023 mit Blog- und Social-
1.500 Follower:innen. Aufgrund der Reso- Media-Beiträgen und werfen anhand unse-
nanz unserer ersten Social-Media-Jahresserie rer Expertisen einen eigenen Blick auf die
#125JahreSelbert – aufmerksame Leser:innen Themen der Ausstellung unter dem Hashtag
der Einblicke erinnern sich – entschlossen wir #FrauenDerBoheme.
uns, das Format der Jahresserie beizubehalten. Für alle diejenigen, die keine Social-Media-
2022 widmeten wir uns anlässlich ihres Accounts haben, lassen sich eine Vielzahl der Bei-
100. Todestages im August der Frauenrechtlerin träge in der „Leseecke“ unserer Website finden.
und Publizistin Minna Cauer. #100JahreCauer Im Dezember wurde es dann erneut unge-
beleuchtete in 14 Beiträgen unterschiedliche halten. Die Stiftung Brückner-Kühner und
Aspekte aus dem Leben der radikalen Frauen- der S. Fischer-Theater-Medien-Verlag wollten
rechtlerin – von ihren Anfängen in der Frauen mit uns gemeinsam an den Erfolg der ersten
bewegung über ihre Tätigkeit als Autorin und Ausgabe anknüpfen. Die Jury – in der für uns
Publizistin bis hin zu ihren Korrespondenzen Gilla Dölle aktiv war – wählte sechs Frauen
und ihren Tagebüchern. aus, die am 10. Dezember im Kasseler Rat-
Im Juli begann unsere Kooperation mit der haus ihre ungehaltene Rede vor Publikum hiel-
Monacensia im Hildebrandhaus, München. ten. Ein fulminanter Abend im vollbesetzten
Die Ausstellung „Frei Leben! Die Frauen der Stadtverordnetensaal.
links: Plakat der Ausstel
lung „Religion, Widerstand 28 Vorträge
und Verfolgung. (Christ ltungen
18 Veransta 9 Personen
liche) Frauen in der Zeit
9 Archivfüh
rungen mit 7
des Nationalsozialismus“ Personen
ngen mit 44
Mitte: Büchertisch zur 4 Stadtführu
Ausstellung „Deutsche und
Französische Frauen im
Widerstand 1933–1945“
rechts: Ann Katrin Düben
und Laura Schibbe
15
während der Exkursione u n d i n n e n–
Die Fr Förderver
ein
dem
us
Notizen a
DIE JAHRESVERSA MMLUNG: und als das AddF 2003 die gleichnamige Stif-
R ÜCKSCHAU AUF 30 JAHRE tung gründete, kamen von den Gründungsstif-
30 Jahre Freundinnen des Archivs der deut- terinnen fast die Hälfte aus dem Förderverein.
schen Frauenbewegung – das war bei der In diesem Jahr fanden turnusmäßige Vor-
Jahresversammlung der Freundinnen im August standswahlen statt: Brigitte Vogler, Gilla D
ölle,
willkommener Anlass, zurückzuschauen: Angela Wickert und Rita Malek wurden in ihren
Am 13. Oktober 1992 haben sieben „Grün- Ämtern bestätigt. Konstanze Liebelt wurde aus
dungsfrauen“ den Förderverein aus der Taufe ihrem Amt als Schriftführerin nach über 20 Jah-
gehoben: Sabine Schott-Tannich, Ruth Neuner, ren engagierter Mitarbeit im Vorstand des För-
Sabine Hering, Maili Hochhuth, Rita Malek, dervereins mit großem Dank von Brigitte Vogler
Astrid Otto und Brigitte Vogler. verabschiedet. Als Nachfolgerin wurde Elke
Der öffentlichkeitswirksame Start erfolgte 1993 Bockhorst gewählt, die dem Förderverein schon
mit einer Lesung der Karikaturistin Marie Macks viele Jahre angehört.
aus ihrem Buch „Marie es brennt“. 400 begeis-
terte Frauen füllten damals die Aula der Kasse- DIE VER ANSTALTUNGEN
ler Ingenieurschule. Seitdem wurden 62 Lesun- Als Auftakt unserer Veranstaltungsreihe zeigten
gen von Autorinnen veranstaltet, seit 2003 in wir im Mai den wunderbaren Dokumentarfilm
Kooperation mit den Kasseler Bali-Kinos. Auto- „Bettina“ von Lutz Pehnert, der das spannen-
rinnen und Publikum schätzen die besondere de Leben der Liedermacherin Bettina Wegner
Atmosphäre des Filmtheaters gleichermaßen. nachzeichnet.
Eine halbe Million Euro haben die Freundinnen Mit Helga Schubert, Sonia Mikich und Kathe-
in den 30 Jahren an Spenden für das AddF rina Poladjan konnten wir im Herbst drei Auto-
aufgebracht und mittlerweile liegt das jährliche rinnen nach Kassel einladen, die auf unserer
Spendenaufkommen bei ca. 20.000 Euro. Wunschliste für die Lesereihe ganz oben standen.
Viele Freundinnen sind schon seit Jahren dabei Das Publikumsinteresse war groß: zur Lesung
ZA HL EN , ZA HL EN
, ZA HL EN
derzeit 172 Freundinnen
Einnahmen 2022: 22.238,36 €
davon Freundinnenspenden: 19.538,36 €
Einnahmen seit Gründung: 600.591,25 €
davon Freundinnenspenden: 503.700,26 €Die eingeladenen Autorinnen mit den Moderatorinnen aus dem Förder-
verein. V. li. n. re.: Elke Bockhorst mit Sonia Mikich; Helga Schubert mit
Petra Koellreutter-Strothmann und Angela Wickert mit Katerina Poladjan
von Helga Schubert aus ihren Erzählungen „Vom Menschenvertrauen und (fast) keine Angst“
Aufstehen“ kamen über 130 Interessierte. Die nahm ihr das zahlreiche Publikum sofort ab.
Mitarbeiter:innen der Bali-Kinos kamen aus
dem Staunen nicht heraus, als die Schlange an SOCIAL-MEDIA-AKTION
der Kinokasse kein Ende nehmen wollte. Helga ZUM JUBIL ÄUM
Schubert genoss den großen Zuspruch, der den Im Jubiläumsjahr wagten sich die Freundin-
Start der Lesung verzögerte – sie setzte spontan nen erstmals auf Social-Media-Kanäle und
die Zugabe an den Anfang: „Man kann doch die nutzten die jeweiligen Auftritte des AddF. Die
Pünktlichen nicht bestrafen.“ Das Publikum erleb- Idee einer Social-Media-Aktion war auf der
te eine wunderbare Lesung einer gut aufgelegten Jahresversammlung vorgestellt worden und
Autorin, die sichtlich Freude am Erzählen hatte. abschließend stand der Entschluss fest: wir
Katerina Poladjan war bereits 2020 zu Gast wollen neue, auch jüngere Zielgruppen für
mit ihrem Buch „Hier sind Löwen“, dieses Mal den Förderverein gewinnen und wollen neben
fesselte sie das Publikum mit einer Lesung aus den Veranstaltungen auch den Verein selbst
ihrem vielfach preisgekrönten neuen Buch präsentieren. Es erfolgte ein Aufruf an alle
„Zukunftsmusik“. Der Roman wurde von der Freundinnen, sich anlässlich des Jubiläums
Literaturkritik als einer der interessantesten des einmal zu ihrer Motivation, Freundin zu sein, zu
Frühjahrs 2022 beschrieben und angesichts äußern und warum es sich lohnt, dabei zu sein.
des Russland-Ukraine-Kriegs auch fast ein Was für schöne Statements uns zugeschickt
„Buch der Stunde“ ist. wurden, darüber können Sie sich auch auf der
Auf Sonia Mikich waren alle Anwesenden Homepage selbst ein Bild machen: https://addf-
gespannt, denn als Fernseh-Journalistin kann- kassel.de/foerderverein/30jahrefreundinnen.
ten sie viele und wollten sie nun einmal live An dieser Stelle bedanken wir uns noch einmal
erleben. Sie las aus ihren Lebenserinnerungen sehr herzlich bei allen, die sich beteiligt haben!
„Aufs Ganze. Die Geschichte einer Tochter aus
scheckigem Haus“, erzählte aus den Kindheits- Kontoverbindung:
und Jugendjahren, von Widerständen, die ihr
Freundinnen des Arch
als Frau in der Medienwelt begegneten und ivs der deutschen
Frauenbewegung e.
von abenteuerlichen Erlebnissen als Kriegs- V.
IBAN: DE72 5205 0353 00
reporterin. Ihre Selbstbeschreibung „großes 01 0060 87
BIC: HELADEF1KAS
Kontakt:
Die Jahresversammlung der
Freundinnen, August 2022 Gottschalkstr. 57 | D – 34127 Kassel
Tel.: +49 (0)561-9893670
E-Mail: foerderverein@addf-kassel.de
Website: www.foerderverein-addf.deS t i f t u n g –
Di e Or g a n i s a t i o nsform
ine
mehr als e
NEUE GESICHTER UND EIN ABSCHIED öfner aus dem Bereich Forschung hat das
H
Das Jahr 2022 begann für uns mit vielen neuen AddF im Dezember verlassen. Wir wünschen
Gesichtern. So konnten wir im Januar unsere ihr für die Zukunft alles Gute. Ab 2023 wird
neuen Kolleginnen Dr. Barbara Krautwald und Mette Bartels das Forschungsteam verstärken.
Michaela Wilhelm als neue Projektmitarbei-
terinnen im DDF-Projekt „Erschließung und RUND UM DIE GREMIEN
Digitalisierung von Sammlungsgut“ begrüßen. Turnusmäßig fand in diesem Jahr die Stif-
Christina Soose startete im Bereich Vermittlung ter:innenversammlung des AddF statt. Alle
und Öffentlichkeitsarbeit als neue Mitarbeiterin. fünf Jahre kommen dabei Stifter:innen und
Wir wagten uns aber auch personell an etwas Stiftungsvorstand zusammen, um allgemeine
Neues und dürfen freudig verkünden, dass Ida Informationen zu teilen und sich zu beraten.
Krugmann von der Offenen Schule Waldau Wir bedanken uns bei allen Stifter:innen für die
unsere erste FSSJlerin ist! Im Rahmen ihres Teilnahme und den konstruktiven Austausch.
Freiwilligen Sozialen Schuljahres steht sie dem Wer die Einblicke von 2021 aufmerksam gele-
AddF seit Oktober 2022 ein Schuljahr lang sen hat, weiß, dass es im Stiftungskomitee zwei
zwei Stunden wöchentlich für ehrenamtliche vakante Positionen im Bereich Kommunikation
Arbeit zur Verfügung. und Archiv/Bibliothek zu besetzen gab. Wir
Trotz der immer noch geltenden Auflagen sind nun froh mitzuteilen, dass wir Claudia
zur Pandemiebekämpfung hatte sich das Lei- Martin-Konle (Bibliotheksdirektorin der UB
tungsteam dafür entschieden, ab Herbst wie- Kassel) für den Bereich Archiv/Bibliothek und
der studentische Praktikantinnen anzunehmen. Anke Buettner (Leiterin der Monacensia im
Wir sind sehr froh, dass wir damit weiter in die Hildebrandhaus, München) für die Kommuni-
Normalität zurückkehren, auch wenn wir den kation als neue Mitglieder gewinnen konnten.
zahlreichen Anfragen für Praktikumsplätze nicht Sprecherin des Stiftungskomitees ist seit die-
in Gänze nachkommen können. sem Jahr Prof. Dr. Susanne Schötz (Professo-
Das Jahr 2022 endete für uns dann noch rin für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, TU
mit einem Abschied. Unsere Kollegin Mirjam Dresden). Frau Prof. Dr. Susanne Kinnebrock
links: Unsere neuen Mit
en v. li. – Ch rist ina
arbeiterinn
ut
Soose, Dr. Barbara Kra
wald, Michaela Wilhelm
rechts: Logo FSSJ Kassellinks: Der Platzmangel
im Depot wird immer
dramatischer sichtbar
rechts: Die neue Website
des AddF ist online!
(Professorin für Öffentliche Kommunikation, Zum Abschluss des Jahres gab es dann ein
Universität Augsburg) wurde dieses Jahr in den Ereignis, auf das wir alle im AddF mit großer
Stiftungsvorstand wiedergewählt und gleich- Freude und Erwartung geschaut haben: unsere
zeitig als Vorsitzende benannt. Wir gratulieren neue Homepage ging online. Unzählige Stun-
allen neuen Mitgliedsfrauen und freuen uns auf den Arbeit flossen in den Transfer von Daten,
die gemeinsame Arbeit. das Einstellen von Dossiers, die Überarbeitung
von Texten, die Bildredaktion, Gespräche mit
ALTE THEMEN UND NEUE SEITEN dem Dienstleister und und und …
Unser ständiger Begleiter 2022 war erneut Neben dem neuen Äußeren der Seite finden
das Thema Raumfindung. Auch dieses Jahr sich nun auch die Social-Media Reihen des
dominierte die Suche nach geeigneten Räumen AddF auf der Homepage sowie Querverweise
unseren Alltag. Besonders in den Depots wird zu allen Blogs und anderen Kooperationspro-
der Platzmangel immer dramatischer sichtbar. jekten. Wir sind glücklich, zufrieden und stolz
Trotz unseres großen Einsatzes in Gesprächen darüber, dass sich die ganze Arbeit gelohnt hat
mit Angehörigen des Landtags und der Rathaus- und das Ergebnis so großartig geworden ist.
fraktionen in Kassel, aber auch mit dem größten Die neue Homepage ist unter der alten Adresse
Zuschussgeber, dem HMWK und einiger vielver- addf-kassel.de abrufbar.
sprechender Termine und Besichtigungen mit
Immobilienmakler:innen haben wir auch dieses
EN
Jahr kein passendes Objekt gefunden. DIE STI FTU NG IN ZA HL
Durch die Regression der Pandemie hat sich die
Situation in den Büroräumen zunächst wieder
41 Stifter:innen
etwas entspannt, allerdings muss auch hier wei-
terhin eine langfristige Raum-Lösung gefunden Stiftungskapital:
194.744,22 €
werden. Daher suchen wir auch 2023 weiterhin Archiv- und
dringlich nach passenden Räumlichkeiten zur Bibliotheksbeständ
e: 6.694.001,00
Sachwerte: €
Unterbringung von Depot- und Büroräumen.
265.900,00 €
22: 774.022,75 €
Einnahmen 20
davon
ft: 19.287,27 €
Stiftungsgeschä
479.069,18 €
Institut:
275.666,30 €
Drittmittel:IMPRESSUM
AddF – Stiftung Archiv der deutschen Frauenbewegung
Gottschalkstraße 57
D – 34127 Kassel
Tel.: +49 (0)561-989 36 70
Fax: +49 (0)561-989 36 72
E-Mail: info@addf-kassel.de
Website: www.addf-kassel.de
facebook.com/Archiv.der.deutschen.Frauenbewegung
instagram.com/addf_kassel
twitter.com/addf_kassel
IBAN: DE65 5205 0353 0002 1092 00
BIC: HELADEF1KAS
Bildnachweise: Soweit nicht anders angegeben AddF – Archiv der deutschen Frauenbewegung,
Kassel.
S. 4 unten: Screenshot Website Deutsche Digitale Bibliothek ■ S. 8 unten: Foto: Stadtarchiv Kassel,
Bild-0.005.497, Dr. Karl Paetow ■ S. 9 oben: Foto: Sonja Rode/AddF Kassel ■ S. 10 oben: Filmstill
aus: Hessischer Landtag, Tagung, 9.-10.6.2022, „Gefühlte Demokratie - Sektion 1 - Erwartungen:
Hoffnung, Träume, Visionen“, abrufbar auf YouTube unter https://youtu.be/cHDYZWQfyHY; Foto:
Karoline Balser, Stadtarchiv Darmstadt; Foto: Vera Rüdiger, beschnitten, Bundesarchiv, B 145
Bild-F083176-0020/Wegmann, Ludwig/CC-BY-SA3.0, via Wikimedia Commons ■ S. 10 unten:
Aktenkonvolut, Stadtarchiv Kassel ■ S. 11 unten: Sonja Rode/AddF Kassel ■ S. 14/15 oben: Logo:
Frei Leben!, Monacensia im Hildebrandhaus, München ■ S. 19 unten: Logo FSSJ-H.
Layoutkonzept: Anett Krumbein, Kassel; Gestaltung: DeinSatz Marburg | lfSie können auch lesen