EINE REISE ZU DEN ADIVASI - Unterwegs in Jharkhand, Indien OSTERAKTION
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NR. 01/15 · MÄRZ 2015 · G 10458
HILFE ZUR SELBSTHILFE IN INDIEN UND BANGLADESCH
EINE REISE ZU DEN ADIVASI
Unterwegs in Jharkhand, Indien
OSTERAKTION
Schafhalter in Karnataka stärken
10 JAHRE NACH DEM TSUNAMI
Nachhaltige Entwicklung dank Ihrer UnterstützungAKTUELLES
Engagierter Einsatz des ZONTA-Clubs Frau – ohne Kaste – ohne
„Ein großartiger Beitrag für unsere Ar- kommt indischen Witwen zugute, Rechte?
beit ist das!“, freute sich Elvira Greiner deren Männer sich aus existenzieller Einladung zu einem Vortrag von
am 27.02. anlässlich eines Schecks über Not und Verzweiflung selbst getö- Jyothi Raj am 27. April
4.000 Euro, den ihr die Präsidentin des tet haben. Elvira Greiner: „Unsere
ZONTA-Clubs Bonn-Rheinaue, Dr. Ma- Frauenprojekte bedeuten ganz ge- Sie gelten als Unberührbare – die
ria Hohn-Berghorn, überreichte. zielte Hilfe für die einzelne Frau und Dalit in Indien. Keiner Kaste ge-
Zusammengekommen war das Geld ihre Familie und gleichzeitig eine hören sie an und sind damit auch
durch ein von ZONTA zu deren wichtige humanistische Investition heute noch extremer Diskriminie-
zehntem Geburtstag organisiertes Be- in die Entwicklung eines so großen rung und Verfolgung ausgesetzt.
nefiz-Konzert. Im ausverkauften Bonner Schwellenlandes. Dass ZONTA uns Besonders betroffen sind die
Pantheon sangen die Mitglieder des dabei hilft, als Club berufstätiger Frauen: Entrechtung, Ausbeutung,
„Ersten Kölner Barbershop Chors“ und Frauen, der weltweit für Frauenrech- Versklavung, sexualisierte Gewalt
des Bonner Quartettes “Klangküsse“ te kämpft, finden wir auch im Sinne - das alles trifft sie in besonders
unter dem Titel „Ohrenfrei & klang- globaler Frauensolidarität großartig. extremer Weise. Jyothi Raj und ihr
geküsst“ allesamt a capella. 250 Gäste Herzlichen Dank dafür!“ I. Stock Mann M.C. Raj sind beide selbst
und die Mitglieder des Clubs feierten - Dalits. Vor 30 Jahren gründeten
und taten gleichzeitig Gutes: Das Geld sie die Organisaton „REDS“ und
kämpfen gegen diese Diskrimi-
nierungen. Die Spiritualität der
Dalits beruht auf einem weibli-
chen Gottesbild. „Mutter Erde“ ist
die höchste spirituelle Kraft. Dar-
aus abgeleitet ist auch das Ziel,
Frauen gleichberechtigt an allen
gesellschaftliche Prozessen zu be-
teiligen, eine zentrale Position der
REDS-Bewegung.
Repräsentantinnen des ZONTA-Clubs überreichen mit Rainer Pause, dem Leiter des
Pantheon-Theaters, die großzügige Spende an Rosi Gollmann und Elvira Greiner
Gemeinsam mit dem ZONTA-Club
Bonn Rheinaue laden wir Sie zu
Ihre Meinung ist uns wichtig! einem Vortrag von Jyothi Raj am
27.04. um 19:00 Uhr im Frauen-
Im Jahr 2017 feiert die Andheri-Hilfe Damit Sie am besten wissen, was mit
museum Bonn (Im Krausfeld 10,
ihr 50-jähriges Bestehen. Im Rahmen Ihrer Spende passiert.
53111 Bonn) ein.
eines Organisationsentwicklungs-Pro- Ihre Meinung ist uns wichtig. Daher
zesses, der von zwei ExpertInnen auf finden Sie in diesem Forum einen
diesem Gebiet unterstützt wird, wol- Fragebogen, den Sie bis zum 30. Lesungen von Rosi Gollmann
len wir unsere Organisation fit für die April ausgefüllt an uns zurücksen-
Zukunft machen. Die Stiftung Umwelt den können. Ebenso können Sie die „Rosi Gollmann“ – so beginnt der
und Entwicklung NRW unterstützt die- Umfrage bequem auf unserer Web- lokale Zeitungsbericht über einen
sen Prozess. site www.andheri-hilfe.org ausfüllen. Leseabend im Kraichgau – „las
Wie können wir unsere Arbeit so Wir bitten Sie herzlich, an unserer aus ihrem Buch ‚Einfach Mensch‘.
ausbauen, dass wir auch weiterhin Umfrage teilzunehmen. Fünf Minu- So will die Autorin auch gesehen
Menschen in den Armutsgebieten In- ten reichen aus, um den Fragebogen werden: nicht abgehoben, religiös
diens und in Bangladesch wirkungsvoll auszufüllen. Unter den Teilnehmern verklärt, sondern als individueller
und nachhaltig fördern können? der Umfrage verlosen wir 25 DVDs Mensch, so wie sie jeden anderen
Und was wünschen sich unsere Freunde mit aktuellen Dokumentarfilmen zu in seiner Andersartigkeit sehen
und Spender? Also Sie? Gerne möch- einigen unserer Projekte. und akzeptieren möchte…“ Weite-
ten wir Sie etwas näher kennen lernen, re Autorenlesungen sind für dieses
um zu erfahren, wie wir Sie am besten Jahr geplant; teils liegen Orte und
über den Fortgang und die Erfolge in Termine noch nicht endgültig fest.
unseren Projekten informieren können. Informieren Sie sich auf unserer
Website www.andheri-hilfe.org
Foto Titelseite: Mutter und Kinder vor einem Haus mit traditioneller Adivasi-Malerei. oder rufen Sie uns einfach an.
Fotografiert von Elvira Greiner in Jharkhand, Indien.BEGRÜSSUNG
Liebe Mitglieder und Freunde,
wissen Sie, wie man in der Sprache der Kurukh-Urein- Wir haben die Ver-
wohner im indischen Bundesstaat Jharkhand „Danke“ antwortung sie zu
sagt? Unterwegs in die abgelegenen Walddörfer stellte schützen, so dass
ich diese Frage unserem Projektpartner Zypherinus Bax- auch nachfolgende
la. Und wissen Sie, was er mir antwortete? „In unserer Generationen hier
Sprache haben wir kein Wort für Danke. Jeder gibt selbst- leben können!“ Die
verständlich was er hat, trägt bei, was er kann. Es ist ein Adivasi haben noch
natürliches Geben und Nehmen. Dafür muss niemand diese enge Bezie-
danken.“ Das hat mich sehr nachdenklich gemacht. Ich hung zur „Mutter
habe mich gerade in diesen letzten Wochen, in denen ich Erde“; sie wissen,
in den Adivasi-, den Ureinwohnerdörfern im indischen dass ein Überle-
Bundesstaat Jharkhand unterwegs war, immer wieder ben auf unserem
gefragt: Welche Art von Entwicklung braucht eigentlich Planeten auf Dauer nur möglich ist, wenn sie die natürlichen
wer? Welche Entwicklung brauchten die Menschen, die Ressourcen zwar nutzen, aber nie zerstören; wenn sie als Ge-
vor gut zehn Jahren von der Katastrophe ihres Lebens meinschaft zusammenarbeiten und jeder einbringt, was sie
betroffen waren: vom Tsunami, der alles zerstörte, ihnen oder er einbringen kann.
alles nahm? Welche Entwicklung brauchen die Adivasi, Welche Art von Entwicklung wollen diese Menschen? Und
die Ureinwohner, die ich in den abgelegenen Dörfern welche Art von Entwicklung wollen wir?
besuchte? Und welche Entwicklung brauchen eigent- Hier in diesem FORUM nehmen wir Sie mit auf die Reise
lich wir hier in Deutschland, in Europa? Wer kann von in das Tsunami-Gebiet, in die Ureinwohnerdörfer, zu den
wem lernen – und was? Mich hat der alte Adivasi-Mann nomadischen Schafhirten. Ich bin sicher, es wird eine berei-
beeindruckt, der sagt: „Wir haben die Erde nur geerbt. chernde Reise!
Mit herzlichen Grüßen vom gesamten Andheri-Hilfe-Team
Elvira Greiner, 1. Vorsitzende
10 Jahre nach dem Tsunami – Hilfe, die wirkt
Der 26. Dezember 2004 war der Su- Auch wir erfuhren eine große Wel- pen, in denen sie gemeinsam sparten,
per-GAU für die Menschen an der le der Solidarität und erhielten von Schulungen zu Einkommen schaffen-
südindischen Küste. Der Tsunami unseren Unterstützern Spenden in den Maßnahmen erhielten und sich
erreicht die Küstendörfer und zer- Höhe von rund 2,2 Millionen Euro, dafür einsetzten, die ihnen zustehen-
stört ganze Landstreifen. In vierzehn um den Menschen in den betroffenen de Regierungsgelder zu mobilisieren.
Ländern am Indischen Ozean ver- Bundesstaaten Tamil Nadu, Andhra 11.570 Kinder wurden in unseren
lieren rund 230.000 Menschen ihr Pradesh und Kerala zu helfen. Projekten erreicht. Nach dem erleb-
Leben, davon ca. 16.000 Menschen Gemeinsam mit unseren zwölf ten Trauma brauchten sie intensive
in Indien. Über 1,7 Millionen Küsten- Partnerorganisationen in der Regi- Begleitung, um wieder zu neuem Le-
bewohner werden obdachlos, davon on berieten wir, was zu tun war. 28 bensmut zu finden. Schließlich
ca. 650.000 alleine in Indien. Weltweit Wiederaufbauprojekte in 116 Dör- konnten sie alle ihre Schulausbildung
solidarisierten sich Menschen mit den fern wurden initiiert. Zunächst ging fortsetzen, viele später sogar eine
Betroffenen, sammelten Geld und es darum, die Menschen dort mit dem Universität besuchen.
wurden aktiv, um Ihnen neue Hoff- Nötigsten zu versorgen. Längerfristig Die Menschen haben sich nach dem
nung zu geben. setzten wir uns in den Dörfern dafür grauenvollen Tsunami mit IHRER Hil-
ein, dass die Menschen fe, liebe Andheri-Freunde, ein neues
auch nachhaltig Leben aufbauen können. Jeder Euro
dazu befähigt wur- wurde eingesetzt! Dafür danken wir
den, sich wieder eine Ihnen von Herzen! Lesen Sie mehr
Lebensgrundlage auf- dazu auf Seite 6 dieses Forums.
zubauen. Besonders B. S. Ollig
Dalits, die so genann-
ten Unberührbaren,
waren im Fokus unse- Das Deutsche
rer Projekte, ebenso Zentralinstitut
Frauen und Kinder. für soziale
325 Häuser mit sani- Fragen (DZI)
tären Anlagen wurden bescheinigt:
gebaut. Die Frauen in
den Dörfern gründeten Ihre Spende
Verzweiflung: Der Tsunami nahm den Menschen alles 1200 Selbsthilfegrup- kommt an!BERICHTE AUS UNSEREN PROJEKTEN
Eine Reise zu den Adivasi in Jharkhand
- Ein Bericht von Elvira Greiner
Wer braucht welche Art von Fortschritt?
Jharkhand
Es stimmt, ich habe es bei meiner Reise durch den in- Der indische Bundesstaat Jharkhand wurde erst im
dischen Bundesstaat Jharkhand wieder erlebt: Viele der Jahre 2000 gegründet und sollte den Ureinwohnern
Adivasi, der Ureinwohner, leben immer noch in einfa- (Adivasi) mehr Rechte im eigenen Land geben.
chen Lehmhütten. Viele haben kaum Schulbildung. Viele Jharkhand ist nur wenig größer als Bayern, aber mit
ernähren sich immer noch von dem, was die Natur ihnen 33 Millionen Einwohnern doppelt so dicht besiedelt.
bietet. Viele arbeiten immer noch gemeinsam auf ihrem Die Adivasi machen heute nur noch gut ein Viertel der
Land, statt persönliche Gewinnmaximierung anzustre- Gesamtbevölkerung aus, Tendenz sinkend. Es handelt
ben. sich nicht um eine homogene Gruppe, sondern um
Doch ich habe mich in diesen Wochen oft gefragt: 32 verschiedene Stämme, alle mit eigener Kultur und
Welche Art von Fortschritt brauchen oder wollen diese Sprache. Trotz guter Gesetze und staatlicher Program-
Menschen? Und: Brauchen nicht wir, die „zivilisierten, me sind sie – vor allem durch Minen, Stahlwerke und
modernen Menschen“ eine Entwicklung, die uns in man- Staudämme – von Vertreibung und Ausbeutung be-
cher Hinsicht den Adivasi wieder näher bringt? droht.
„Unsere Sprache und unsere Kultur,
das sind unsere Wurzeln!“
Zypherinus Baxla, Partner der Andheri-Hilfe: Ich habe in Indien, in Rom
und in Bayern studiert. Doch meine Wurzeln in meiner Kultur, im Kurukh-
Stamm, sind die wichtigste Basis für mein Leben. Ich will, dass auch unsere
Kinder Stärke aus ihrem reichen kulturellen Erbe ziehen. Sie sollen sich nicht
minderwertig fühlen, weil sie Adivasi sind – im Gegenteil! Sie brauchen eine
Chance zu lernen – wenn sie klein sind auch in unserer Muttersprache. Sie
sollen ihre Talente entfalten können. Viel zu oft habe ich meine Leute als
Tagelöhner oder als Schuldknechte gesehen. Es ist furchtbar zu wissen, dass
oftmals unsere Mädchen nach Haryana verschleppt und dort zwangsverhei-
ratet werden – manchmal sogar mit mehreren Männern gleichzeitig. Ich will
alles dafür tun, dass heutige und nachfolgende Generationen unser reiches
Erbe wertschätzen und Beispiel geben für ein Leben im Einklang mit unserer
Mutter Erde!
Zypherinus Baxla mit Elvira Greiner und seiner
Mutter
„Dieses Land ist unser Erbe,
für das wir Verantwortung tragen!“
Kalpati Tirki aus Oskya: Vor einigen Jahren haben wir hier
noch unser Feld bestellt, wenigstens einmal im Jahr, nach
der Regenzeit. Damit – und auch mit dem Korbflechten
– konnte meine Familie überleben. Aber der Monsunre-
gen wird von Jahr zu Jahr unberechenbarer, die Regenfälle
sind oft sintflutartig und reißen immer mehr Erde mit. Wir
wollen unser Land schützen, denn es ist unser Erbe, für das
wir Verantwortung tragen, damit auch unsere Kinder und
Enkel noch davon leben können. Mit Förderung der An-
dheri-Hilfe haben wir bereits damit begonnen, die tiefen
Erosionsgräben zu verbauen und Bäume zu pflanzen. Wir
lernen, wie wir das Wasser des Monsunregens sammeln
und dann für die Bewässerung unserer Felder nutzen kön-
nen. Das Gleichgewicht der Natur muss wiederhergestellt
werden, wollen wir hier in unserer Heimat überleben. Wir
Kalpati Tirki möchte, dass auch zukünftige Generationen in ihrer
wollen – für uns und für unsere Kinder!
Heimat überleben könnenBERICHTE AUS UNSEREN PROJEKTEN
Gram Sabha – die Dorfversammlung
Mahendra, das Dorfoberhaupt von Gangira: Es gibt
große Veränderungen hier in unserem Dorf, seit wir
das Projekt mit LEADS und Andheri-Hilfe begonnen
haben. Nehmen Sie nur unsere Dorfversammlung: Frü-
her entschieden nur wir Männer über wichtige Fragen
des Dorfes. Jetzt sind auch die Frauen mit dabei. Und
das macht einen großen Unterschied. So werden alle
Aspekte beleuchtet und wir treffen die Entscheidungen
zum Wohle der ganzen Gemeinschaft. Das funktioniert
sehr gut, obwohl unsere Dorfgemeinschaft überaus
gemischt ist: Hier leben Adivasi und Nicht-Adivasi, Hin-
dus, Christen und Animisten. Wir sind stolz auf unsere
starke Einheit in Gangira. Und wir arbeiten auch immer
selbst an Projekten mit: Als die Regierung z.B. eine feste
Zugangsstraße nach Gangira baute, haben wir selbst Erfolge der Dorfversammlung: Wir haben 11.000 Obstbäume ge-
sie innerhalb des Dorfes noch weitergebaut. Uns ist es pflanzt und was wir in den Schulungen im Rahmen des Projektes
einfach wichtig, dass wir als Dorfgemeinschaft uns mit gelernt haben, nutzen wir intensiv: Wir stellen jetzt Biodünger selbst
unseren eigenen Ressourcen einbringen und zeigen, her und haben Gemüsegärten angelegt. So ist die Zahl der unter-
ernährten Kinder in unserem Dorf bereits deutlich zurückgegangen.
was wir selbst aus eigener Kraft erreichen können.
„Wir sind FRAUEN
– egal welcher Religion oder Kaste!“
Sachi, Partnerin der Andheri-Hilfe: Wieso ich so sehr mit Frauen und für
Frauen kämpfe, fragen Sie? Ganz einfach: Als ich meine dritte Tochter gebar,
wurde mir das Leben von meiner Schwiegerfamilie zur Hölle gemacht. Aber ich
habe nicht klein beigegeben. Im Gegenteil! Ich habe Frauenselbsthilfegruppen
gegründet und wir setzen uns ein für jede Frau, die Gewalt erlebt. Zum Beispiel
Peto Devi: Ihr Mann starb bei einem Unfall, sie blieb allein zurück mit ihren vier
kleinen Kindern, wurde von ihrem kleinen Stück Land vertrieben.
Sachi, die Leiterin unserer Partnerorgani-
sation Chotanagpur Sanskritik Sangh
Ein Mann aus Ranchi bot an, die sechsjährige Tochter Amita
mit in die Stadt zu nehmen, damit sie dort zur Schule ge-
hen könne. Als wir von dem Fall hörten, zogen wir sofort
Erkundigungen ein: Das kleine Mädchen wurde unter ka-
tastrophalen Bedingungen in einem Haushalt zur Arbeit
gezwungen! Wir konnten sie befreien, ihrer Mutter zu einer
Witwenrente verhelfen. Zurzeit kämpfen wir dafür, dass sie
ihr Land wiedererhält. Amita geht jetzt zur Schule!
Es macht mich oft wütend zu sehen, wie Frauen misshandelt
werden – aber auch stolz zu erleben, was wir als Frauen ge- Die kleine Amita (Bildmitte) wurde gezwungen als Haushaltshilfe
meinsam erreichen können! zu arbeiten
Adivasi in Jharkhand können uns Vorbild sein in vieler Hinsicht. Gleichzeitig müssen sie gestärkt werden, um sich
gegen Diskriminierung, Vertreibung und Ausbeutung wehren zu können. Mehr als 1,7 Millionen Adivasi wurden
bereits von ihrem Land vertrieben, hunderttausende fristen ein Leben als Schuldknechte, oft weit von der Heimat
entfernt. Niemand kennt die Zahl der Mädchen, die als Hausangestellte missbraucht und eingesperrt sind oder
verschleppt und zwangsverheiratet werden.
Helfen Sie mit, dass Adivasi in ihrer Heimat überleben und Beispiel geben können für ein Leben, welches
heutigen und künftigen Generationen Lebenschancen sichert!
Wir danken für Ihre Spende unter dem Stichwort „Adivasi“!BERICHTE AUS UNSEREN PROJEKTEN
Kundrudaku - Neue Hoffnung nach dem Tsunami
Kundrudaku nahe der Metropo- Jeevalakshmi aus Kundrudaku
le Chennai ist eines der Dörfer, in berichtet: „Der Tsunami hat uns
welchen wir nach dem Tsunami tä- alles genommen: das Fischer-
tig waren. Gemeinsam mit unserem boot, die Netze, unsere ganze
Projektpartner Mr. Devanbu organi- kleine Habe. Wir hatten nichts
sierten wir hier Hilfsmaßnahmen für mehr als die Kleider, die wir auf
130 Familien. 65 von diesen Familien, dem Leib trugen. Wir dachten,
alle gehörten sie zu den Dalits, den dies ist das Ende. Aber irgendwie
so genannten Unberührbaren, hatten musste es ja weitergehen. Die
vor der zerstörerischen Flutwelle ih- ersten Treffen mit Mr. Devanbu
ren Lebensunterhalt als Inlandsfischer gaben uns vorsichtig Anlass zur
verdient. Durch den Tsunami, der Hoffnung. Unsere Kinder erhiel-
mit brutaler Kraft ins Land vordrang, ten neue Schulbücher, Hefte und
wurden auch ihre Boote, Netze und Stifte. Bald schon wurde provi-
anderen Utensilien auf den Flüssen sorisch wieder Unterricht für sie
und Seen zerstört. Doch während die organisiert. Das half ihnen, wie-
Fischer, die auf dem Meer tätig waren, der ein wenig „Normalität“ zu Familien nehmen die Zukunft in die Hand
vielfältige Hilfen erhielten, gerieten erfahren, nicht immer nur an die
die Inlandsfischer aus dem Blick. furchtbare Katastrophe zu denken. Wir geht es uns jetzt recht gut.
Sie wandten sich an unseren Partner sind so stolz: Unsere älteste Tochter Nach dem Tsunami haben wir in
Mr. Devanbu und gründeten unter Nirmala studiert jetzt und die beiden der Zusammenarbeit mit Mr. De-
seiner Anleitung eine eigene Koope- Jüngeren sind auf dem besten Weg vanbu gelernt, dass es nicht nur um
rative. Sie setzten sich dafür ein, dass zu einem guten Schulabschluss. Für die Entwicklung der einzelnen Fa-
ihre Arbeit auch von staatlicher Seite mich selbst war es ein Geschenk, dass milie geht. Gemeinsam mit meiner
anerkannt wird und sie so Zugang zu eine Frauenselbsthilfegruppe organi- Frauengruppe setzen wir uns z.B. für
den Hilfsprogrammen erhielten, die siert wurde. Da ich bereits Erfahrungen Schülerstipendien und für kosten-
zuvor nur den Fischern auf dem Meer als Schneiderin hatte, erhielt ich sehr lose Schülerfahrkarten ein, auch für
vorbehalten waren. Boote und Netze schnell einen kleinen Kredit für den saubere sanitäre Anlagen und für ver-
waren das Erste, was sie brauchten, Kauf einer Nähmaschine. Damit konn- günstigte Grundnahrungsmittel für
um wieder arbeiten zu können. te ich schon bald ein gutes Einkommen ärmste Familien. Aus der Krise wur-
Einer der größten Wünsche der für die Familie erarbeiten, denn die de eine Chance: Wir haben gelernt,
Menschen war es, in ihrem Dorf ein Nachfrage nach Kleidung war natür- unsere Entwicklung in die eigenen
Gemeindehaus aufzubauen, welches lich riesig. Für meinen Mann Mohan Hände zu nehmen!“
bei einer zukünftigen Katastrophe war es schwerer: Schon vor dem Tsu-
auch Schutz vor der Flut bieten wür- nami hatte er mit seiner Krabbenzucht
de. Das Land stellte die Gemeinde zur nur wenig verdient. Jetzt gab es prak-
Verfügung, der Bau konnte dank der tisch keine Krabben mehr. Es war unser „Ich war in der Hölle!“
Spenden aus Deutschland realisiert Glück, dass wir über die Frauengrup-
werden. Das Gemeindehaus wird auch pe einen weiteren Kredit beantragen So beschrieb ich vor nunmehr zehn
heute noch vielfältig genutzt: Es wer- konnten. So bauten wir uns einen klei- Jahren meine Erlebnisse während
den wichtige Schulungen abgehalten nen Laden auf, in dem die Leute alles des Tsunami. Zufällig mit Franz Alt
und die Fischerkooperative, die Frau- Wichtige für den täglichen Bedarf kau- auf Filmreise in Indien unterwegs,
engruppen und das Kinderparlament fen können. Mohan hat Freude daran, erlebten wir an der Ostküste des
treffen sich hier regelmäßig. den Laden zu führen. Wirtschaftlich Landes die unvorstellbare Not un-
gezählter Menschen:
Ganze Dörfer hatte das Seebeben
dem Erdboden gleichgemacht. Die
Schlammmassen begruben unge-
zählte Menschen. Kinder schrien
nach Mutter und Vater. Eltern
suchten verzweifelt ihre Kinder
unter den Überlebenden. Dazu
der Verlust an Hab und Gut, an
Obdach und Heimat.
Beglückend dann in den Fol-
gejahren: Unsere Andheri-Hilfe
half gezielt, gemeinsam mit den
Betroffenen. So wurde aus
Katastrophenhilfe Entwicklungs-
zusammenarbeit.
Rosi Gollmann
Kinder spielen wieder fröhlich Kricket vor den nach dem Tsunami aufgebauten HäusernNEUIGKEITEN UND ROSI-GOLLMANN-ANDHERI-STIFTUNG Mit NATURSTROM ohne Atom und Kohle Am 11. März 2011 begann die Ka- bieter NATURSTROM, der zu 100% 240 Ökokraftwerke (Solar, Windkraft, tastrophe in Fukushima, bei der sauberen Strom ohne Atom und Biogas, Wasser) hat NATURSTROM mehrere Reaktoren zerstört wurden Kohle liefert. Wir wollten mit diesem seit Gründung bereits errichtet oder und Radioaktivität freigesetzt wur- Wechsel ein Zeichen für Klima- und gefördert. In Bangladesch unterstützt de. Zehntausende Familien mussten Umweltschutz setzen. Unser Stromlie- NATURSTROM unser Projekt „So- evakuiert werden, viele starben und ferant NATURSTROM gehört zu den laranlagen für arme Familien“. Dort die Langzeitfolgen sind heute noch führenden Anbietern von Strom aus konnten durch die Kunden-werben- nicht absehbar! In einigen Ländern, Erneuerbaren Energien. Das Unter- Kunden-Aktion von NATURSTROM wie Deutschland, hat die Katastrophe nehmen wurde 1998 von Umwelt- und bisher über 1300 Solaranlagen für je zum Umdenken geführt und Kern- Ökoenergieverbänden wie dem BUND zwei Familien finanziert werden. kraftwerke sollten stillgelegt werden. und dem NABU in Düsseldorf ge- Die Andheri-Hilfe fördert Viele Bürger nahmen diesen Super- gründet. Durch die Versorgung der in Bangladesch und Indien GAU zum Anlass, ihren Stromanbieter Kunden mit NATURSTROM wurden Ressourcenschutz-Maßnahmen wie zu wechseln, um Strom ohne Atom allein im Jahr 2013 rund 475.500 Ton- Aufforstungen, Solaranlagen, Biogas- und Kohle zu beziehen. nen CO2 vermieden und Investitionen anlagen, Wasser-Management, usw. Die Andheri-Hilfe bezieht bereits von mehreren Millionen Euro in neue - Alle Maßnahmen sollen Mensch und seit 2008 Strom vom Ökostroman- Öko-Kraftwerke ermöglicht. Knapp Natur zugute kommen! G. Witzel Neues von der Rosi-Gollmann-Andheri-Stiftung Es geht um die Zukunft Unsere Stiftung wächst kontinuier- lich. Immer mehr Förderer schließen sich unserer Zielsetzung an, „…damit nicht zu übersehen: Auf Dauer wird Menschlichkeit Zukunft hat“. Folglich nur so die Kontinuität in der zuverläs- wächst das Vermögen, gleichzeitig sigen Arbeit der RGASt gewährleistet aber wachsen auch die Aufgaben für sein. den ehrenamtlichen Vorstand und Einige unserer Stifter, mit denen wir letztendlich auch für mich. Vor allem im Vorfeld diese neue Herausfor- wächst damit die Verantwortung, das derung diskutierten, haben uns zu uns anvertraute Geld effektiv zu ver- diesem Schritt ermutigt. Es gingen walten, damit es gezielt in unseren sogar erste „Spenden“ ein mit der Projekten eingesetzt werden kann. Zweckbestimmung „für Verwaltungs- Unsere Stifter und Förderer wissen aufgaben“. darum. So erreichen uns immer häu- Stiftungsmitarbeiterin Birgit Jendrock Das ist unsere Stiftung! Das sind un- figer besorgte Anfragen nach der sere Förderer: Wir können uns immer Zukunft der RGASt. Da heißt es etwa: RGASt mittragen. Sie wird uns bei den auf SIE verlassen. „Wir bewundern den Einsatz Ihres vielen Verpflichtungen den öffentli- Dafür danke ich von ganzem Herzen Vorstandes und der zusätzlichen chen Instanzen, aber auch den Stiftern im Namen des Vorstandes und des Helfer, die die gesamte Verwaltung gegenüber entlasten. Ziel bleibt die Stiftungsrates als ehrenamtlich und in so vorbildlicher größtmögliche Hilfe für an den Rand Ihre Rosi Gollmann, Vorsitzende der Weise meistern. Aber wie lange ist das gedrängte Menschen in Indien und Rosi-Gollmann-Andheri-Stiftung bei den ständig wachsenden Heraus- Bangladesch. forderungen möglich?“ Oder: „Was Wir sind überzeugt, mit Frau Jen- Sie wollen mehr über die Rosi- kommt auf die Stiftung zu, wenn Ihr drock eine erfahrene Kraft und eine Gollmann-Andheri-Stiftung Alter, liebe Frau Gollmann, und zu engagierte Mitarbeiterin gefunden zu erfahren? erwartende gesundheitliche Beein- haben, die viele der immer komple- Besuchen Sie unsere Homepage trächtigungen Sie zum Reduzieren xer werdenden Verwaltungsaufgaben oder fordern Sie unsere Informa- Ihres Einsatzes zwingen oder Sie eines professionell und effizient überneh- tionen an. Tages ganz ausfallen?“ men kann. Rosi-Gollmann-Andheri-Stiftung Unser Vorstand teilt diese Bedenken, Die Entscheidung ist mir und allen Mackestr. 53, 53119 Bonn weil er die übernommene Verantwor- Vorstandsmitgliedern unserer Stiftung Tel. 0228-92 65 25 36 tung sehr ernst nimmt. der anfallenden Kosten wegen nicht E-Mail: info@rgast.de Darum hier das absolut „NEUE“ von leicht gefallen. Wir waren stolz dar- Homepage: www.rgast.de der Rosi-Gollmann-Andheri-Stif- auf, dass alle Stiftungsgelder gezielt Konto für die Förderung der Stif- tung: Ab 1. April 2015 wird Frau Birgit den Menschen in unseren Projekten tung: Pax-Bank Köln, IBAN: Jendrock als angestellte Teilzeitkraft zugute kamen – ohne großen Verwal- DE07 3706 0193 0028 9410 13, die Verwaltungsaufgaben unserer tungsaufwand. Aber die Realität ist BIC: GENODED1PAX
HELFEN SIE MIT
Unser Einsatz für traditionelle
Schafhirten lohnt sich
ihren Tieren, wa-
ren erleichtert.
Renuka enga-
giert sich auch für
den Einsatz von
traditionellen Heil-
kräutern in der Tierhaltung. Sie sich wiederum als Föderationen in
organisierte ein Training für 12 Distrikten im Norden des Bun-
ihre Frauengruppe, bei dem die desstaates Karnataka vernetzt haben
Frauen angeleitet wurden, fünf und inzwischen sehr erfolgreich z.B.
verschiedene Kräuterarznei- gegenüber Regierungsvertretern
mittel herzustellen, z.B. gegen ihre Interessen vertreten. Insgesamt
Durchfall oder Husten der Tiere. 1061 Gruppen mit fast 15.000 Mit-
Die Frauen lernten ganz prak- gliedern konnten bisher aufgebaut
tisch, welche lokalen Kräuter werden und jeden Monat kommen
sie wie und für welche Krank- neue Gruppen dazu, ermutigt von
heiten verwenden können. Sie den Erfolgen der bestehenden Grup-
sparen so nicht nur enorme pen. Unser Partner unterstützt sie mit
Kosten, sondern können ihre zahlreichen maßgeschneiderten Trai-
Tiere ohne Nebenwirkungen ningsprogrammen und einem Team
und Medikamentenrückstände von äußerst engagierten lokalen Mit-
Schaf- und Ziegenzucht sind die Lebensgrundlage selbst behandeln.
arbeitern. B. von Hillebrandt-Jung
der Familien
Dieses Beispiel illustriert
Renuka ist 36 Jahre alt und Mitglied die großen Erfolge
der Frauenselbsthilfegruppe Rama- des von uns unterstützten
lingeswar. Als deren Vertreterin ist sie Projektes zur Förderung
auch in der Frauenföderation aktiv. traditioneller Schafhalter-
Ihr Mann Viresh Mantri ist ein tradi- familien. In dem weitläufigen
tioneller Schafhirte. Sie haben zwei Projektgebiet leben rund
Töchter, 17 und 13 Jahre alt, und ei- 150.000 Familien nomadi-
nen neunjährigen Sohn. Renuka hat scher, halb-nomadischer und
bereits an einigen Trainings unserer sesshafter Schafhirten, die
Partnerorganisation Jana Jagaran teil- aufgrund ihrer Lebensweise
genommen. Vor einem Jahr erwarb am Rande der Gesellschaft
sie mit einem Bankkredit eigene Zie- stehen und von allgemeinen
gen. Mit dem Erlös finanzierte sie die Entwicklungsprozessen aus-
Schulausbildung ihrer ältesten Toch- geschlossen werden. Männer
ter bis zur 10. Klasse. wie Frauen organisieren sich Begeistert nehmen Frauen an den Fortbildungen über
Im letzten Jahr litt ihr Dorf unter aku- in Selbsthilfegruppen, die traditionelle Heilkräuter teil
tem Trinkwassermangel. Gemeinsam
mit zwei weiteren Frauen aus ihrer Besonders zu Ostern wollen wir unsere Festtagsfreude mit den traditionel-
Gruppe suchte sie den Gemeinde- len Schafhirten in Karnatka, Indien, teilen. Eine Fortbildung für 20 Vertreter/
vorsteher auf, der daraufhin für einen -innen der Schafhirtenföderation kostet 139 €, das Monatsgehalt eines lo-
Bohrbrunnen und Wasserleitungen kalen Dorfberaters 97 €.
für die Dorfbewohner sorgte. Alle im Unterstützen Sie dieses erfolgreiche Projekt mit Ihrer Spende unter
Dorf, besonders auch die Männer mit dem Stichwort „Schafhirten“.
Impressum
Herausgeberin:
Andheri-Hilfe Bonn e.V. Der Bezug des Forum ist kostenfrei. Druck: SZ Druck & Verlagsservice
Mackestr. 53, 53119 Bonn Sparkasse KölnBonn Urbacher Str. 10, 53842 Troisdorf
Telefon: 0228-926525-0 IBAN: DE80 3705 0198 0000 0400 06 Auflage: 11.500
Telefax: 0228-926525-99 BIC: COLSDE 33 Gedruckt auf:
info@andheri-hilfe.org Postbank Köln
www.andheri-hilfe.org IBAN: DE25 3701 0050 0001 5005 05
V.i.S.d.P.: Elvira Greiner BIC: PBNKDEFF
Redaktion: Bibi Sabina Ollig Postbank Köln Sonderkto. Blindenhilfe
Fotos & Satz: IBAN: DE74 3701 0050 0013 5005 08
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