ELEKTRISCHE LÖWEN - VERKEHRSRUNDSCHAU
←
→
Transkription von Seiteninhalten
Wenn Ihr Browser die Seite nicht korrekt rendert, bitte, lesen Sie den Inhalt der Seite unten
Test + Technik Fahrbericht MAN E-Truck
Elektrische Löwen
Mit der E-Truck-Reihe unmittelbare – ist es eine Wohltat. Fast ge- kleiner Stückzahl – neun Stück – an aus-
macht MAN jetzt Ernst räuschlos beschleunigt die TGS-Zugma- gewählte Kunden übergeben will. Ab 2021
schine, die MAN zum Start der Praxis- sollen sie eine neue Form der Mobilität in
bei der E-Mobilität. Beim
erprobung einer ausgewählten Gruppe von der urbanen Logistik darstellen. Zunächst
Fahrbericht hinterlassen die Journalisten präsentierte. Außer dem sur- kommen zwei Modelle auf den Markt: eine
elektrisch angetriebenen Lkw renden Singen der Reifen und bei steigen- 4x2-Zugmaschine auf Basis TGS mit acht
einen positiven Eindruck. dem Tempo einigen Windgeräuschen ist Batterien anstelle von Motor, Getriebe und
kaum etwas zu hören. Dabei geht der unter Tank. Die schafft rund 130 elektrisch ge-
der Kabine platzierte 350 Kilowatt starke fahrene Kilometer. Und ein 6x2-Solo-Lkw
E-Motor kräftig zu Werke. Mühelos be- auf Basis der mittelschweren TGM-Reihe.
M
an mag über E-Mobilität denken, schleunigt er den City-Sattel auf Tempo 90. Der hat am Rahmen Platz für mehr Batte-
wie man will. Aber für Fahrer Er ist einer der Vorboten der neuen rien – insgesamt zwölf – und soll so bis zu
und Umwelt – zumindest die E-Trucks, die MAN ab September in 200 Kilometer schaffen.
Die Sattelzug-
maschine
basiert auf
dem MAN TGSFahrbericht MAN E-Truck Test + Technik
Das fehlende Getriebe spart Gewicht
MAN spricht von weitgehender Gewichts-
neutralität, weil man auf ein Getriebe ver-
zichten kann. Zudem ist der bis zu 3500
Newtonmeter starke E-Antrieb – ein Wert,
den nicht mal das 640 PS starke TGX-
Flaggschiff als stärkster Verbrenner erreicht
– leichter und kompakter als ein Diesel.
Technisch interessant hat MAN bei den
beiden Testfahrzeugen zwei unterschied-
liche Philosophien umgesetzt: Während
die Zugmaschine mit einer Art Spar-
programm unterwegs ist und damit mög-
lichst energieeffizient läuft, aber gute
Fahrleistungen realisiert, gibt sich der 6x2
als echter Powertruck. Drückt der Fahrer
das „Gaspedal“ in Richtung Bodenblech,
schießt der Dreiachser regelrecht nach Der Dreiachser mit Nachlauf-Liftachse entstammt der mittelschweren TGM-Baureihe
Gerhard Grünig/VerkehrsRundschau
„MAN plant die Serienproduktion
von Elektro-Lkw für das Jahr
2021, was ambitioniert ist“
JOACHIM DREES
Vorstandsvorsitzender MAN Truck & Bus SE
vorne. Das ist ganz sicher nicht energie-
sparend, soll aber im ersten Ansatz dazu
beitragen, die Akzeptanz der neuen An-
triebstechnik zu verbessern. In Serie,
überlegt MAN-Entwickler Felix Kybart
halblaut, wird es wohl einen Programm-
schalter geben, an dem der Fahrer vorein-
stellen kann, ob er lieber spart oder die
Power des Elektromotors nutzt.
Innovative, neue Armaturen
In den Prototypen finden sich noch kon-
ventionelle Armaturen. Bis auf die Tank-
anzeige, die bei den E-Trucks den Batte-
rieladezustand anzeigt, muss sich der
MAN
Alle Tests und Fahrberichte
für Abonnenten
www.verkehrsrundschau.de/testdatenbank
VerkehrsRUNDSCHAU 34-35/2017 51Test + Technik Fahrbericht MAN E-Truck
ration – die Rückspeisung elektrischer Beim Laden favorisiert die VW-Tochter
Energie beim Bremsen. Ist der Rückfüh- (vom Mutterkonzern kommen übrigens
rungsgrad beim normalen Ausrollen eher die Lithium-Ionen-Batterien) das Nacht-
Gerhard Grünig/VerkehrsRundschau
gering, kann der Fahrer über den bekann- laden. Das ist nach Ansicht der Entwickler
ten Hebel, rechts unter dem Lenkrad, be- schonender für die Akkus und wegen der
ziehungsweise über den darauf platzierten erzielbaren Reichweite würde sich Zwi-
Knopf der Motorbremse sein Bremsmo- schenladen meist ohnehin erübrigen – was
ment erhöhen und damit die Rekuperati- die Logistik vereinfacht. „Die Möglichkeit
on verstärken. zum sogenannten ,Opportunity Char-
Wer vorausschauend mit Fahrpedal und ching‘ haben die Kunden aber in jedem
Motorbremshebel arbeitet, kann sich die Fall“, so Kybart.
Nutzung der Betriebsbremse weitgehend
„Unsere E-Trucks werden die sparen und erzeugt damit noch zusätzliche 2021 ist ein ambitioniertes Ziel
gleiche Zuverlässigkeit haben Energie. Die Test-Lkw zeigen aber auch, Mit der Übernahme der neuen E-Trucks
wie herkömmliche Lkw“ dass man sich als Fahrer etwas umgewöh- ins reguläre Produktportfolio bis 2021 ist
nen muss und eine vorausschauende Fahr- MAN einer der ersten Anbieter, der sich
FELIX KYBART
weise noch viel wichtiger wird, um die des Themas seriös annimmt. Noch ein
Leiter alternative Antriebe, MAN Truck & Bus
Akku-Kapazität zu optimieren. wenig schneller wird der Busbereich sein,
Nachdem MAN die Nebenaggregate (Kli- wo bereits mit ziemlich identischen An-
Fahrer nicht umgewöhnen. Ein MAN- maanlage, Lenkhilfspumpe, Kompressor) triebskomponenten ab 2019 Serienfahr-
Imagefilm zeigt aber bereits eine erste ebenfalls elektrifiziert hat, ist das lauteste zeuge zur Verfügung stehen werden.
Idee, wie die Instrumente künftig ausse- Geräusch am MAN der Luftpresser, der Davon ausgehend, dass bis 2021 die Batte-
hen werden – was sich im Übrigen nicht von Zeit zu Zeit anspringt. rien mehr leisten werden, kann man sich
unbedingt auf die E-Fahrzeuge beschrän- Übrigens arbeitet die Lenkung etwas auf die neuen E-Laster freuen: mehr
ken muss. MAN ist ja bereits an der Über- schwergängiger, als vom konventionellen Power, weniger Geräusche, gleiche Nutz-
arbeitung von TGX, TGS und TGM. Lkw gewohnt – was letztlich nur eine Ab- last – nur leider teurer. ᆙᆚᆚ
Selbstverständlich verfügen die Antriebs- stimmungssache sei, wie Felix Kybart, Lei-
stränge über die Möglichkeit der Rekupe- ter alternative Antriebe, erläutert. Gerhard Grünig
P R A X I S E I N S AT Z A B E N D E 2 0 1 7
Neun E-Trucks als 4x2 und 6x2
für österreichische Kunden
MAN
Der Dreiachser hat reichlich Platz für Batterien (2) und schafft damit bis zu 200 km Reichweite
Ende 2017 gehen vorerst neun E-Trucks an
österreichische Kunden. Der Hintergrund: Die
Lkw werden im Werk Steyr produziert und die
neun ausgewählten Kunden aus dem Bereich
Handel, Transport und Logistik sind in der CNL-
Initiative zusammengeschlossen, in der sich
auch MAN der E-Mobilität annimmt. Die Fahr-
zeuge tragen Kühlkoffer, Getränkeaufbauten
oder sind für den Transport von Wechselbehäl-
tern ausgelegt. Mit der Serienproduktion
möchte MAN dann 2021 starten. Bereits jetzt
MAN
haben sich, so Vorstandssprecher Joachim
Drees, 200 Interessenten gemeldet, die auch Die Sattelzugmaschine schafft 130 km. Wo früher der Motor war, sitzen jetzt Li-Ion-Akkus
gerne einen E-Truck einsetzen würden. gg
52 34-35/2017 VerkehrsRUNDSCHAUSie können auch lesen