Empfehlungen zur postoperativen Rehabilitation nach Meniskusverletzungen - OUP
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116 WISSENSCHAFT / RESEARCH ÜBERSICHTSARBEIT / REVIEW
Heribert Keller, Michael Lapp, Ingo V. Rembitzki, Jörg Jerosch
Empfehlungen zur postoperativen
Rehabilitation nach
Meniskusverletzungen
Ergebnisse eines internationalen Experten-Konsensus
Hintergrund:
Eine unzureichende Behandlung von Meniskusläsionen bei vor allem jungen
Patienten kann zum Entstehen von zusätzlichen Knorpelschäden führen. Daher ist es wichtig, die
richtige operative Therapie einzuleiten, gefolgt von einer spezifischen Rehabilitation. Betrachtet
man die zunehmende Zahl klinischer Studien über verschiedene Verfahren zur Meniskusnaht, so
fällt auf, dass es zur postoperativen Rehabilitation sehr uneinheitliche Empfehlungen gibt.
Ziel:
Aus diesem Grund haben die Autoren ein Treffen initiiert, um mit internationalen Experten
Empfehlungen zur Rehabilitation nach operativer Knorpeltherapie von vollschichtigen
Knorpeldefekten und Meniskusschäden des Kniegelenks zu erarbeiten.
Material und Methode:
Zur Vorbereitung auf ein 2-tägiges internationales Expertenmeeting wurde ein standardisierter
Fragebogen an alle Teilnehmer versendet, um aktuelle Strategien zu erfassen und zu analysieren,
die Ergebnisse dienten als Diskussionsgrundlage. Konkrete Patientenbeispiele wurden vorgegeben.
Mit den Daten wurde ein Konsens zur Rehabilitation im Rahmen einer Delphi-Runde konsentiert.
Ergebnisse:
Sowohl für die Rehabilitation nach Meniskusnaht eines radiären Innenmeniskus-Risses als auch
für die postoperative Rehabilitation nach lateralem/medialen Meniskuswurzelriss wurden
5 Rehabilitationsphasen von Woche 0–26 identifiziert und entsprechend den Heilungsphasen
Therapieempfehlungen abgeleitet. Für die Rehabilitation nach Naht von Innenmeniskus-Korbhen-
kelrissen wurden 4 Rehabilitationsphasen in den ersten 16 Wochen postop beschrieben und
darüber hinaus ab der 26. Woche eine Phase „Return to play“ identifiziert. Entsprechende
Therapieempfehlungen wurden beschrieben.
Schlussfolgerung:
Nach Knorpel- und Meniskusrepair ist eine stringente, multimodale Versorgung von Patienten
notwendig. In den ersten Wochen steht die Therapie von Schwellung und Schmerz mit ggf.
passagerer Einschränkung der Gelenkbeweglichkeit im Vordergrund. Die Physiotherapie wird
durchgehend empfohlen, sonstige Therapien wie Thromboseprophylaxe gemäß Leitlinien.
Orthesen werden vorwiegend in den Wochen 0–6 bzw. 12 empfohlen, entweder zur Immobili-
sation, ROM-Begrenzung oder Entlastung des betroffenen Gelenkkompartiments. Entlastende
Knieorthesen können als funktionelle Lösung zur Unterstützung der Prähabilitation und der prä-
operativen Behandlung und Rehabilitation von Knorpelverletzungen und Meniskusläsionen eine
wesentliche Rolle spielen, da sie eine dynamische und individuell einstellbare Entlastung eines
Gelenkkompartiments (femoro-tibial) ermöglichen.
Schlüsselwörter:
Meniskusrepair, Meniskuswurzelriss, Innenmeniskusriss, Korbhenkelriss, Rehabilitation
Zitierweise:
Keller H, Lapp M, Rembitzki IV, Jerosch J: Empfehlungen zur postoperativen Rehabilitation nach
Meniskusverletzungen. OUP 2020; 9: 116–120
DOI 10.3238/oup.2020.0116–0120
© Deutscher Ärzteverlag | OUP | Orthopädische und Unfallchirurgische Praxis | 2020; 9 (2)117
Einleitung teilverletzungen auftreten, insbeson- sen (Entzündungsphase, Proliferati-
In den letzten beiden Jahrzehnten hat dere ligamentären Schäden, häufig onsphase, Remodulierungsphase) und
sich die allgemeine Einstellung hin- aber auch mit Mikrofrakturierungen nach persönlichen Gegebenheiten
sichtlich der Funktion und der Bedeu- des subchondralen Knochens des late- ausrichten. Es existieren verschiedene
tung der Menisci neu ausgerichtet. ralen Tibiaplateaus. Oftmals treten operative Verfahren mit differenzier-
Wurden früher Menisci nach Verlet- diese zusammen mit Verletzungen des ten Effekten und Prognosen. All-
zungen häufig als „sekundäre“ Struktur vorderen Kreuzbands auf. Für isolierte gemeine, vor allem einheitliche Richt-
großzügig entfernt, wird seit vielen Jah- Risse der Menisci ist ein häufiger Ver- linien für die Nachbehandlung nach
ren die unbedingte Erhaltung des Ge- letzungsmechanismus die femorale einer Meniskektomie oder Naht-Tech-
webes propagiert. Eine erhebliche An- Rotation bei distaler Fixierung unter niken bestehen zurzeit nicht.
zahl biomechanischer, aber auch ana- Belastung. Allerdings ist der Anteil der Aus diesem Grund haben sich im
tomisch-histologischer Untersuchun- Kombinationsverletzungen, die alle September 2018 Experten aus ver-
gen zeigt die Bedeutung der Menisci im Bewegungen beinhalten können, schiedenen Ländern zu einem Kon-
Zusammenspiel funktioneller Aspekte deutlich höher als die der isolierten sensus-Meeting in Fürstenfeldbruck
im Kniegelenk. Die Menisci sind für Verletzungen. Verletzungen der Me- getroffen mit dem Ziel, einen inter-
den Erhalt des Gelenkknorpels und für nisci sind in unterschiedliche Schwe- nationalen und interdisziplinären
die gesamte biomechanische Kniege- regrade einzuteilen, wie Längsriss, Konsens zur Nachbehandlung von
lenkfunktion essenziell. Bei der Thera- Lappenriss, Horizontalriss, radialer Meniskusverletzungen zu erarbeiten.
pie von Kniegelenkverletzungen hat Riss, komplexe Risse, Korbhenkelläsi-
der Erhalt bzw. die Reparatur der Me- on und degenerative Veränderungen. Methode
nisci hohe Priorität. Die Symptome sind häufig Knie- In Vorbereitung auf ein 2-tägiges in-
Es kommen sowohl konservative schmerzen medial oder lateral, oft im ternationales Expertenmeeting wurde
als auch operative Behandlungsverfah- gesamten Gelenk nicht spezifisch zu- ein standardisierter Fragebogen an al-
ren in Frage; die Auswahl ist erheblich zuordnen und mit typischen Entzün- le Teilnehmer, Moderatoren und Refe-
und hängt von der Lokalisation und dungszeichen mit Bewegungsein- renten versendet, um die aktuellen
Größe der Verletzung ab. Verletzun- schränkungen im betroffenen Gelenk. Strategien zu erfassen und zu ana-
gen der Menisci können isoliert oder Die konservative Therapie ist vielfältig lysieren. Die Teilnehmer waren Alan
in Kombination mit anderen Weich- und sollte sich an den Heilungspha- Getgood (Kanada); Scott Faucett
Phase I Phase II Phase III Phase IV Phase V
Woche 0–2 Woche 3–6 Woche 7–12 Woche 13–26 > Woche 26
Belastung Sohlenkontakt Sohlenkontakt Schmerzadaptierte Vollbelastung
an Unterarm- an Unterarm- Volbelastung
gehstützen gehstützen
Orthese ROM-Orthese, ROM-Orthese, Entlastende Entlastende Entlastende
ggf. entlastende ggf. entlastende Knieorthese Knieorthese Knieorthese
Knieorthese Knieorthese bei Aktivität
ROM 0–90° Flexion, 0–90° Flexion, Übergang zu Übergang zu Frei
mit Bedacht mit Bedacht beschwerde- beschwerde-
adaptierter, freier adaptierter, freier
Beweglichkeit, keine Beweglichkeit, keine
belastete Hocke belastete Hocke
> 70° Flexion > 70° Flexion
Physio- Aktives und passives Aktives und passives Wie Phase II, Progressives Plyometrisches
therapie ROM-Training, ROM-Training, bis zusätzlich ggf. Krafttraining, Training,
isometrisches zu 90° Flexion, offene Kette und Laufband, Übergang sportspezifisches
Quadriceps-Training Patella-Mobilisation, Gehschule, Gehen zu Laufen ab Training,
bis zu 90° Flexion, Kryotherapie Abtrainieren der 16. Woche. Voraussetzungen:
Patella-Mobilisation, Achtung: Keine tiefe Gehstützen Einfaches Balance- keine Schwellung,
Kryotherapie Hocke! Training. freie Beweglichkeit,
Achtung: Keine tiefe passive Stabilität,
Hocke! Symetrie-Index
> 90 %, pos.
One-leg-jump-Test
Sonstige Thrombose- Thrombose- Thrombose-
prophylaxe gemäß prophylaxe gemäß prophylaxe gemäß
Leitlinien Leitlinien Leitlinien
Die Empfehlung ist auch bei hoher tibialer Umstellungsosteotomie und Refixation anwendbar.
Tabelle 1 Postoperative Rehabilitation nach lateralem/medialem Meniskuswurzelriss
© Deutscher Ärzteverlag | OUP | Orthopädische und Unfallchirurgische Praxis | 2020; 9 (2)Keller et al.:
Empfehlungen zur postoperativen Rehabilitation nach Meniskusverletzungen
118 Recommendations for postoperative rehabilitation after meniscus therapy
Recommendations for postoperative rehabilitation after
meniscus therapy
Results of an international consensus
Background: Inadequate treatment of meniscal lesions, especially in younger patients, may induce additional
cartilage damage. Therefore it is particularly important to initiate the correct surgical treatment followed by a
specific rehabilitation. Considering the increasing number of clinical studies on the different meniscus repair
procedures, it is striking that there are no clear recommendations regarding postoperative rehabilitation.
Objective: For this reason, the authors organized an international expert conference to develop recommen-
dations for rehabilitation following surgical repair of meniscal injuries o the knee.
Material and method: In preparation for an international expert meeting of 2 days, a standardized question-
naire was sent to all participants in order to record and analyze the current strategies. The evaluation of the ques-
tionnaires served as basis for the discussion. As example data of a 28-year-old man were given (athletic type with
normal physical activity, non-smoker, normal BMI) who had hurt his medial meniscus during a football match. The
participants developed a consensus for rehabilitation after surgical repair and then consented in a Delphi round.
Results: For rehabilitation after repair of a radial internal meniscal tear as well as for the postoperative rehabili-
tation after lateral/medial meniscal root tear, 5 rehabilitation phases from week 0–26 were identified and a ther-
apy recommendation was derived according to the healing phases. For rehabilitation after repair of meniscal
bucket handle tear, 4 rehabilitation phases within the first 16 weeks after surgical therapy were identified and
from 26th week onwards a phase „return to play“; corresponding therapy recommendations were described.
Conclusion: After meniscal repair a stringent, multimodal care of patients is necessary. In the first weeks ther-
apy of swelling and pain with temporary restriction of joint range of motion (if needed) are in the foreground.
Physiotherapy is recommended all time, while other therapies such as thrombosis prophylaxis are recom-
mended according to the guidelines. Orthoses are recommended mainly in week 0–6 or 12, either for immobil-
ization, for ROM limitation or unloading of the affected joint compartment. Knee unloader braces as functional
solution for supporting pre-rehabilitation and pre-operative treatment, rehabilitation of cartilage injuries and
meniscal lesions can be essential in rehabilitation, since they provide a dynamic and individually adjustable un-
loading which may be able to support healing of the repaired meniscus.
Keywords: meniscal repair, meniscal root tear; medial meniscal tear, bucket-handle meniscal tear, rehabilitation
Citation: Keller H, Lapp M, Rembitzki IV, Jerosch J: Recommendations for the postoperative rehabilitation after
meniscus therapy. OUP 2020; 9: 116–120 DOI 10.3238/oup.2020.0116–0120
(USA); Siti Hawa Tahir (Myanmar), wurden konkrete Patientenbeispiele Ergebnisse
Sherwin Ho, Jihad Abouali, Andrew diskutiert, z.B. ein 28 Jahre alter Mann Meniskusverletzungen führen in der
Geeslin, Patrick Kane, Shane P. Wha- (athletischer Typ mit normaler sportli- Regel zu deutlichen Einschränkungen
len, Peter D’Alessandro, Ross Radic cher Aktivität, Nichtraucher, normaler der Kniefunktion und zu Schmerzen
(Australien), Pete Gallagher, Ionnis BMI), der sich beim Fußballspielen im Knie. Da eine Operation meist
Pengas (Großbritannien), Heribert den Innenmeniskus verletzt hat. nicht am Tag der Diagnose durch-
Keller, Michael Lapp, Ingo V. Rembitz- Auf Grundlage dieser Daten wur- geführt werden kann, ist eine Be-
ki, und Jörg Jerosch (Deutschland). de einen Konsens zur Rehabilitation handlung der Knieschmerzen und
Die Auswertung der Fragebögen nach operativem Repair erarbeitet der Funktionseinschränkung schon
diente als Grundlage für die Diskussi- und im Rahmen einer Delphi-Runde präoperativ erforderlich. Ziel dieser
on zwischen den Experten. Zusätzlich anschließend konsentiert. Prehabilitation ist es, die Schmerzen
Heribert Keller: OUG Schwäbisch-Gmünd, Oberbettringer Str. 1, 73525 Schwäbisch Gmünd
Michael Lapp: Gemeinschaftspraxis Allgemeinchirurgie, Mathildenstraße 12, 64625 Bensheim
Ingo V. Rembitzki: Össur Europe B.V., De Schakel 70, 5651 GH Eindhoven, Niederlande
Jörg Jerosch: Johanna-Etienne-Krankenhaus, Am Hasenberg 46, 41462 Neuss
© Deutscher Ärzteverlag | OUP | Orthopädische und Unfallchirurgische Praxis | 2020; 9 (2)119
Phase I Phase II Phase III Phase IV Phase V
Woche 0–2 Woche 3–6 Woche 7–12 Woche 13–26 > Woche 26
Belastung Sohlenkontakt Sohlenkontakt Schmerzadaptierte Vollbelastung
an Unterarm- an Unterarm- Vollbelastung
gehstützen gehstützen
Orthese ROM-Orthese, ROM-Orthese, Entlastende Entlastende Entlastende
ggf. entlastende ggf. entlastende Knieorthese Knieorthese Knieorthese bei
Knieorthese Knieorthese Aktivität
ROM 0–90° Flexion, 0–90° Flexion, Übergang zu Übergang zu Frei
mit Bedacht mit Bedacht beschwerde- beschwerde-
adaptierter, freier adaptierter, freier
Beweglichkeit, keine Beweglichkeit, keine
belastete Hocke belastete Hocke
> 70° Flexion > 70° Flexion
Physio- Aktives und passives Aktives und passives Wie Phase II, Progressives Plyometrisches
therapie ROM-Training, ROM-Training, bis zusätzlich ggf. Krafttraining, Training,
isometrisches zu 90° Flexion, offene Kette und Laufband, Übergang sportspezifisches
Quadriceps-Training Patella-Mobilisation, Gehschule, Gehen zu Laufen ab Training,
bis zu 90° Flexion, Kryotherapie Abtrainieren der 16. Woche. Voraussetzungen:
Patella-Mobilisation, Achtung: Keine tiefe Gehstützen Einfaches Balance- keine Schwellung,
Kryotherapie Hocke! Training. freie Beweglichkeit,
Achtung: Keine tiefe passive Stabilität,
Hocke! Symetrie-Index
> 90 %, pos.
One-leg-jump-Test
Sonstige Thrombose- Thrombose- Thrombose-
prophylaxe gemäß prophylaxe gemäß prophylaxe gemäß
Leitlinien Leitlinien Leitlinien
Die Empfehlung ist auch bei hoher tibialer Umstellungsosteotomie und Refixation anwendbar.
Tabelle 2 Rehabilitation nach Repair eines radiären Innenmeniskusrisses
zu mindern, die Gelenkfunktion zu peutischen Therapie der Patienten. Therapie des symptomatischen Me-
erhalten/zu verbessern und weiteren Gerade bei der Be- oder besser Teilbe- niskusschadens, ist bisher unzurei-
Schädigungen der betroffenen Struk- lastung des behandelten Kniegelenks chend. Daher hat sich ein internatio-
turen bis zum Zeitpunkt der Operati- bietet die Industrie innovative Knie- nales Expertengremium mit dem The-
on vorzubeugen. Dadurch können orthesen zur Entlastung des behan- ma beschäftigt. Ziel war es, einen leit-
die Knieschmerzen eingegrenzt und delten Meniskus an (z.B. Rebound liniengerechten und pragmatischen
das Knie funktionsfähig gehalten Cartilage), die in biomechanischen Konsens zu Rehabilitationsempfeh-
werden, bis die Operation terminiert Tests an speziellen Humanpräparaten lungen unter Berücksichtigung der
ist [1, 4, 7]. Darüber hinaus ist der Er- eine signifikante Entlastung des Me- Einteilung und Klassifikation von Me-
folg nach einer Meniskus-OP auch niskus ermöglichen [6]. Die Abbil- niskusschäden zu erarbeiten. Unter
von der gezielten Rehabilitation un- dungen 1–3 zeigen die erarbeiteten Beachtung der S2k-Klassifikationen
ter Beachtung der Heilungsphasen Rehabilitationsprotokolle für die je- [5] wurden Rehabilitationsempfeh-
abhängig. Die von den internationa- weiligen Meniskuspathologien. lungen für die am häufigsten auftre-
len Experten erstellten Rehabilitati- tenden Meniskusläsionen erstellt.
onsempfehlungen basieren auf den Diskussion Die multimodalen Therapiemaß-
Ergebnissen des Konsensus und be- Laut der S2k-033–006-Leitlinie Me- nahmen sehen die biomechanischen
ziehen sich auf eine über mehrere niskuserkrankung der DGOU [5] Interventionen als einen wesentli-
Wochen dauernde eingeschränkte steigt die Inzidenz von Meniskus- chen Bestandteil der konservativen
Gelenkbelastung, in Kombination läsionen in der Gesamtbevölkerung und postoperativen Versorgung bei
mit einer entsprechend den Hei- mit Zunahme des Alters und Ausmaß Meniskusschäden in den ersten Wo-
lungsphasen empfohlenen Steige- der degenerativen Veränderungen des chen im Vordergrund; insbesondere,
rung von Aktivitäten. Besondere Be- Kniegelenks. Eine klare Zuordnung um die Rehabilitation von geschädig-
achtung muss im Rahmen der post- der klinischen Beschwerden zum Me- ten Strukturen entlang der Heilungs-
operativen Rehabilitation auf die Be- niskusschaden scheint jedoch durch phasen zu respektieren und zu si-
lastung und das Bewegungsausmaß die geringe Spezifität der klinischen chern. Weitere klinische Studien zur
gelegt werden, beide teilweise unter- Untersuchungstests schwierig. konservativen Therapie und Rehabili-
stützt durch den Einsatz entsprechen- Die Anzahl der klinischen Studi- tation von Meniskusschäden werden
der Orthesen und der physiothera- en, insbesondere zur konservativen empfohlen.
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Empfehlungen zur postoperativen Rehabilitation nach Meniskusverletzungen
120 Recommendations for postoperative rehabilitation after meniscus therapy
Phase I Phase II Phase III Phase IV Rückkehr zum
Woche 0–2 Woche 3–6 Woche 7–12 Woche 13–26 Sport
> Woche 26
Belastung Schmerzadaptierte Schmerzadaptierte Abtrainieren der Vollbelastung
Belastung an Belastung an Gehstützen,
Unterarm- Unterarm- Vollbelastung
gehstützen, je nach gehstützen, je nach Gangnormalisierung
Stabilität des Repairs Stabilität des Repairs
bis Vollbelastung bis Vollbelastung
Orthese ROM-Orthese, unter Orthese mit 0–90° Keine Orthese Keine Orthese
Belastung nur in Flexion
gesicherter
Extension, ohne
Belastung (z.B.
Physiotherapie) mit
0–90° Flexion
ROM Physiotherapie/ In Rückenlage: Frei, keine tiefe Frei
assistiert 0–90° 0–90°, Hocke
Flexion [80 % Physiotherapie:
Konsensus] langsam
zunehmende
Beugung bis max.
90° ohne Belastung
Physio- Isometrische Isometrische Wie Phase II, Progressive Plyometrisches
therapie Quadriceps- Quadriceps- zusätzlich ggf. Muskelkräftigung, Training,
Übungen, assistierte Übungen, assistierte offene Kette und Laufband, Übergang sportspezifisches
Bewegung 0–90°, Bewegung 0–90°, Balance-Training Gehen zu Laufen Training,
Patella-Mobilisation, Patella-Mobilisation, > 16. Woche, Voraussetzungen:
Kryotherapie Training in komplexeres keine Schwellung,
Achtung: Keine tiefe geschlossener Kette, Balance-Training freie Beweglichkeit,
Hocke! Kryotherapie Kein Kontaktsport passive Stabilität,
Achtung: Keine tiefe Symetrie-Index
Hocke! > 90 %, pos.
One-leg-jump-Test
Sonstige Thrombose- Thrombose- Thrombose-
prophylaxe gemäß prophylaxe gemäß prophylaxe gemäß
Leitlinien Leitlinien Leitlinien
Die Empfehlung ist auch bei hoher tibialer Umstellungsosteotomie und Refixation anwendbar.
Tabelle 3 Rehabilitation nach Repair eines Innenmeniskus-Korbhenkelrisses. Quellen: [2, 3, 6]
ring versus protected weight bearing knee. Curr Rev Musculoskelet Med.
Interessenkonflikte: following meniscal repair on peripheral, 2012; 5: 72–81
vertical meniscal tears. Knee Surg Sports
ML, IVR und JJ geben an, dass Bera- Traumatol Arthrosc 2018; 26: 2245–50
terverträge mit der Firma Össur beste-
hen bzw. sie Mitarbeiter der Össur BV 4. Reinold MM, Wilk KE, Macrina LC,
Netherlands sind. Dugas JR, Cain EL: Current concepts
in the rehabilitation following articu-
lar cartilage repair procedures in the
knee. J Orthop Sports Phys Ther.
Literatur
Foto: H. Keller
2006; 36: 774–94
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Accelerated weightbearing rehabili-
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the tibiofemoral joint. Am J Sports
Korrespondenzadresse
Med. 2013; 41: 2314–24 6. Spang III RC, Nasr MC, Mohamadi A Dr. med. Heribert Keller
2. O’Donell K et al.: Rehabilitation after et al.. Rehabilitation following menis- Facharzt für Orthopädie
isolated meniscal repair: A systematic cal repair: a systematic review. BMJ Orthopädie Unfallchirurgie Gmünd
review. Am J Sports Med. 2017; 45: Open Sport Exerc Med 2018; 4:
Oberbettringer Str. 1
1687–97 e000212
73525 Schwäbisch Gmünd
3. Perkins B. et al.: Similar failure rate in 7. Tyler TF, Lung JY: Rehabilitation follo- Tel. 07171 1045980
immediate post-operative weight bea- wing osteochondral injury to the dr.keller@ou-gmuend.de
© Deutscher Ärzteverlag | OUP | Orthopädische und Unfallchirurgische Praxis | 2020; 9 (2)Sie können auch lesen