Entwicklung Füllerichstrasse - Turbenweg, Gümligen - Gemeinde Muri bei Bern Projektwettbewerb für Planer und Investoren Bericht des Preisgerichts ...
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Gemeinde Muri bei Bern Entwicklung Füllerichstrasse – Turbenweg, Gümligen Projektwettbewerb für Planer und Investoren Bericht des Preisgerichts
Impressum
Veranstalterin Modellfotografie
Gemeinde Muri bei Bern FOTOGRAFIE / NADINE ANDREY
Thunstrasse 74 PROGR - Zentrum für Kulturproduktion
3074 Muri bei Bern Atelier 256
www.muri-guemligen.ch Waisenhausplatz 30
3011 Bern
Verfahrensbegleitung Sprachliche Regelung und Schreibweise
Kontur Projektmanagement AG Zu Gunsten der leichteren Lesbarkeit verwen-
Museumstrasse 10 den wir bei gewissen Begriffen nur die männliche
Postfach 255 Schreibweise; selbstverständlich ist damit immer
3000 Bern 6 auch die weibliche Form gemeint.
www.konturmanagement.chInhalt
1 Einleitung 6
00
2 Wesen der Aufgabe und Zielsetzung 8
3 Projekt-, Ideen- und Betrachtungsperimeter 10
4 Bestimmungen zum Verfahren 11
4.1 Veranstalterin 11
4.2 Art des Verfahrens 11
4.3 Preisgericht und Experten 11
4.4 Sounding Board 11
4.5 Zulassungs- und Eignungskriterien Präqualifikation 12
4.6 Beurteilungskriterien Projektwettbewerb 12
5 Ablauf Präqualifikation 13
5.1 Teilnahmeberechtigung 13
5.2 Publikation und Bezug der Unterlagen 13
5.3 Vorprüfung 13
5.4 Beurteilung und Präqualifikationsentscheid 13
6 Ablauf des Projektwettbewerbs 14
6.1 Versand der Wettbewerbsunterlagen 14
6.2 Auftaktveranstaltung und Begehung 14
6.3 Fragenbeantwortung 14
6.4 Vorprüfung 14
6.5 Beurteilung 15
7 Würdigung und Empfehlung des Preisgerichts 18
7.1 Empfehlung des Preisgerichts 18
7.2 Würdigung 18
8 Genehmigung 19
9 Projektbeschriebe 21Einleitung
Die Einwohnergemeinde Muri bei Bern verfolgt Die Arealentwicklung Füllerichstrasse-Turbenweg
01 eine langfristig orientierte Bodenpolitik. Mit dem
gezielten Erwerb von Grundstücken an strategisch
wichtigen Standorten kann sie die Entwicklung der
ist dabei eine grosse Herausforderung für alle
Beteiligten und gleichzeitig eine Chance, mit neuen
Ansätzen ortsplanerische Zeichen für die ange-
Gemeinde im Sinne der übergeordneten Leitbil- strebte qualitätsvolle Siedlungsentwicklung nach
der und Ziele unterstützen und beeinflussen. Seit innen und für die Weiterentwicklung und Auf-
Ende 2014 setzt sich die Gemeinde zudem inten- wertung des Zentrums Gümligen zu setzen. Der
siv mit der Revision der Ortsplanung auseinander. Entwicklung Füllerichstrasse – Turbenweg kommt
Zwei zentrale Ziele der Gemeinde liegen darin, ins- damit Pionier- und Vorzeigecharakter für weitere
künftig primär innerhalb des bestehenden Sied- Entwicklungs- und Planungsvorhaben von privaten
lungsgebietes zu wachsen und das Ortsteilzentrum Grundeigentümern in der Gemeinde zu.
Gümligen zu stärken und aufzuwerten.
Gegenstand der Planung in diesem zentral gelege-
Dem Areal Füllerichstrasse-Turbenweg kommt nen und gut erschlossenen Areal, ist eine gemischt
in diesem Zusammenhang besondere Bedeutung genutzte Wohn- und Geschäftsüberbauung.
zu. Der Gemeinderat hat dies früh erkannt. Die Dabei gilt es viele unterschiedliche Interessen zu
1 Einleitung
Gemeinde hat sich gemeinsam mit den Gemein- berücksichtigen. Gesucht sind ortsangepasste und
debetrieben Muri GBM das Eigentum an den Lie- zukunftsgerichtete Bebauungs- und Nutzungskon-
genschaften Coop (Füllerichstrasse 57) und Post zepte und eine bestmögliche Einordnung in die im
(Füllerichstrasse
Die 55) gesichert,
Einwohnergemeinde umbei
Muri denBern
Weg für
verfolgt Wandel begriffene orientierte
eine langfristig Nachbarschaft, um den Anfor-
Bodenpolitik. Mit
eine ganzheitliche, den öffentlichen Interes- derungen der künftigen Nutzerinnen und Nutzern,
dem gezielten Erwerb von Grundstücken an strategisch wichtigen Standorten kann sie die
sen verpflichtete Entwicklung dieses Schlüssel- der Bevölkerung sowie der Politik bestmöglich
Entwicklung
grundstücks zuder Gemeinde
ebnen. imStandort
Da für den Sinne der
kein übergeordneten
gerecht werdenLeitbilder
zu können.und Ziele unterstützen
Entsprechend wurde
und beeinflussen.
Eigenbedarf bestand,Seit Ende
hat sich der2014 setzt sich diedieGemeinde
Gemeinde- Entwicklung zudem intensiv mit
Füllerichstrasse der Revision
– Turbenweg
rat entschieden,
der Ortsplanung Areal im Baurecht
dasauseinander. an einen
Zwei sorgfältig
zentrale Ziele dervorbereitet
Gemeinde und aufgegleist.
liegen darin, inskünftig
privaten oder genossenschaftlichen Bauträger
primär innerhalb
abzugeben. des bestehenden Siedlungsgebietes zu wachsen und das Ortsteilzentrum
Gümligen zu stärken und aufzuwerten.
Zentrum Gümligen
Zentrum Muri
Abb. 1 – Ausschnitt kommunaler Richtplan Siedlungsentwicklung (Stand Vorprüfung)
Abb. 1: Ausschnitt Kommunalen Richtplan Siedlungsentwicklung (Stand Vorprüfung)
Dem Areal Füllerichstrasse-Turbenweg kommt in diesem Zusammenhang besondere
6 | Entwicklung Füllerichstrasse-Turbenweg, Gümligen
Bedeutung zu. Der Gemeinderat – Bericht
hat des erkannt
dies früh Preisgerichts
und die Gemeinde hat sich gemeinsam
mit den Gemeindebetrieben Muri GBM das Eigentum an den Liegenschaften CoopMit verschiedenen Machbarkeitsstudien wurden vorgegeben. Das gesuchte breite Nutzungs- und
die verträgliche Erhöhung des Nutzungsmasses Bewohner-Spektrum soll zu einer guten Durchmi-
ausgelotet und verschiedene Nutzungsszenarien schung der Bevölkerung und zu einer sozial und
überprüft. Die dabei gewonnen Erkenntnisse sind ökologisch nachhaltigen Zentrumsentwicklung
in die Anpassung der Zone mit Planungspflicht beitragen und das Zentrum Füllerich nachhaltig
ZPP «Turbenweg» eingeflossen. beleben.
Mit verschiedenen Machbarkeitsstudien wurden die verträgliche Erhöhung des
Der vorliegende Projektwettbewerb für Planer Mit dem vorliegenden Projektwettbewerb für Pla-
Nutzungsmasses ausgelotet und verschiedene Nutzungsszenarien überprüft. Die dabei
und Investoren schafft gemeinsam mit der Anpas- ner und Investoren wurde eine Bietergemeinschaft
gewonnen
sung Erkenntnisse
der ZPP «Turbenweg» sind in die Anpassung
die Voraussetzungen gesucht, der Zone
welche die mit Planungspflicht
Planung, ZPP
Finanzierung, Rea-
für«Turbenweg»
den geplanten ein eingeflossen.
Neubau mit rund 5‘900 m² ober- lisierung und den Betrieb der Neubebauung des
irdischer Geschossfläche und die Realisierung Areals Füllerichstrasse-Turbenweg übernimmt und
desDer
neuen
vorliegende Projektwettbewerb
Quartierbausteins für Planerdazu
im Gebiet Füllerich. unddasInvestoren
Baurecht schafft
seitens der Gemeinde mit
gemeinsam für die
der
Entstehen soll eine zukunftsgerichtete Über- Liegenschaften erhält.
Anpassung der ZPP «Turbenweg» die Voraussetzungen für den geplanten Neubau mit rund
bauung mit Wohnraum für verschiedene Bevöl-
5'900 m² oberirdischer Geschossfläche und die Die Realisierung
öffentlichedieses neuen
Mitwirkung zurQuartierbausteins
Anpassung der
kerungsschichten sowie Geschäftsflächen zur
im Gebiet Füllerich. Entstehen soll
Belebung und Attraktivierung des öffentlicheneine ZPP «Turbenweg»
zukunftsgerichtete wurde
Überbauung im Herbst
mit 2017 durch-
Wohnraum für
verschiedene
Raums geführt. Die kantonale Vorprüfung,
Gesucht waren Wohnformensowie Geschäftsflächen zur Belebung und
(vgl. Abb. 2). Bevölkerungsschichten die öffentliche
und Wohnungen für des eine öffentlichen
geeignete undRaums. Auflage und die Beschlussfassung durch den Gros-
ortsan- Gesucht
Attraktivierung waren Wohnformen und Wohnungen für
gepasste Durchmischung von unterschiedlichen, sen Gemeinderat sind im Verlauf des Jahres 2018
eine geeignete und ortsangepasste Durchmischung von Die
vorgesehen. unterschiedlichen,
Volksabstimmungjüngeren und
wird voraus-
jüngeren und älteren Bewohnergruppen in unter-
älteren Bewohnergruppen in unterschiedlichen Einkommensverhältnissen
sichtlich im Mai 2019 stattfinden. («Wohnen
Es besteht im
die
schiedlichen Einkommensverhältnissen («Wohnen
Alter» und «Preisgünstiges Wohnen»).
im Alter» und «Preisgünstiges Wohnen»). Mit der Mit derAbsicht,
Post AGdie Bevölkerung
und den gleichzeitig
Gemeindebetriebenüber die ZPP
GBM
konnten
Post AG und zudem frühzeitig zwei GBM
den Gemeindebetrieben langfristige und den künftigen
konnten Ankermieter Baurechtsvertrag
mit konkreten abstimmen
Raumbedürfnissen
zudem frühzeitig zwei langfristige Ankermieter mit zu lassen, wobei das Siegerprojekt aus dem vorlie-
gewonnen werden. Deren Raumprogramme wurden entsprechend fix vorgegeben. Das
konkreten Raumbedürfnissen gewonnen werden. genden Wettbewerb der Erläuterung dient.
gesuchte breite Nutzungs- und Bewohner-Spektrum soll zu einer guten Durchmischung der
Deren Raumprogramme wurden entsprechend fix
Bevölkerung und zu einer sozial und ökologisch nachhaltigen Zentrumsentwicklung beitragen
und das Zentrum Füllerich nachhaltig beleben.
Publikumsorientierte Nutzungen mit Kundenfrequenz
Dienstleistungs- und Büronutzungen, wohnergänzende Nutzungen
Wohnnutzungen
Überlagerung publikumsorientierte Nutzungen / Dienstleistungsnutzungen
Überlagerung Wohnnutzungen / Dienstleistungsnutzungen
Abb. 1: Schematische Nutzungskonzeption
Abb. 2 – Schematische Nutzungskonzeption
Mit dem vorliegenden Projektwettbewerb für Planer und Investoren wurde für die eine
Bietergemeinschaft gesucht, welche die Planung, Finanzierung, Realisierung und den Betrieb
der Neubebauung des Areals Füllerichstrasse-Turbenweg übernimmt
Bericht des Preisgerichts – Entwicklung sowie dazu das
Füllerichstrasse-Turbenweg, Gümligen | 7
Baurecht seitens der Gemeinde für die Liegenschaften erhält.Wesen der Aufgabe und Zielsetzung
Nachfolgende Beschreibung des Wesens der Auf- Die Ziele des vorliegenden Projektwettbewerbes
02 gabe legt die Erwartungen der Veranstalterin und
der Nutzerinnen und Nutzer und somit die grund-
sätzlichen Anforderungen an die Projektvorschläge
für Planer und Investoren waren:
• Die Neubebauung des Areals Füllerichstrasse-
der teilnehmenden Bietergemeinschaften dar. Turbenweg schafft im bestens erschlossenen
Ortszentrum von Gümligen die Vorausset-
zungen für ein moderates und qualitätvolles
Das Wesen der Aufgabe bestand darin, für den
Wachstum innerhalb des Siedlungsgebietes
Projektperimeter realisierbare und ortsbau-
(Siedlungsentwicklung nach innen).
lich sowie architektonisch hochstehende Pro-
jektvorschläge und wirtschaftlich optimale • Ein standort- und nachfragegerechter Nut-
Baurechtsofferten hervorzubringen, welche zungsmix mit publikumsorientierten Ver-
einerseits die Raumbedürfnisse der Post und kaufs- und Dienstleistungsnutzungen und
der Gemeindebetriebe Muri GBM optimal abbil- unterschiedlichen Wohnformen fördert die
den und andererseits überzeugende Antworten soziale Durchmischung des Quartiers und die
auf die formulierten übergeordneten Zielset- Belebung des öffentlichen Raums.
zungen der Gemeinde liefern. Insbesondere war
• Es wird ein differenziertes, nachfragege-
mit einem Nutzungs- und Betriebskonzept
rechtes Wohnangebot in verschiedenen
aufzuzeigen, wie der Standort für den Einzel-
Segmenten geschaffen, welches bspw. älte-
handel gestärkt, der Strassen- und Freiraum
ren Menschen sowie Familien / Personen
aufgewertet und attraktiver Wohnraum für
mit kleineren Einkommen eine Teilhabe am
ältere Menschen und kostengünstige Woh-
gesellschaftlichen Leben und das Wohnen im
nungen für Familien geschaffen werden kön-
Zentrum von Gümligen ermöglicht.
nen.
• Mit attraktiven Räumlichkeiten für den Tele-
Im Sinne einer qualitätsvollen Siedlungsent- kom-Shop der GBM, für die Poststelle 3073
wicklung nach innen sollte die mit der ange- Gümligen und für weitere Verkaufs- und
strebten Anpassung der ZPP «Turbenweg» Dienstleistungsnutzungen wird die Quartier-
mögliche höhere Dichte ausgeschöpft wer- versorgung ergänzt, die Verkaufsfunktion des
den. In der Ausgestaltung des Nutzungs- und Zentrums Gümligen gestärkt und ein wichtiger
Betriebskonzepts bestand grosser Spielraum, Beitrag zur Aufwertung des Zentrums Gümli-
der innovative und flexible Konzepte ermög- gen geleistet.
lichte und förderte. Aufgrund der zentralen
Lage im Ortszentrum von Gümligen kam zudem • Die Neubebauung erfüllt wegweisende ener-
einer quartierverträglichen Abwicklung des getische Standards (mindestens Minergie-P
Verkehrs und der Ver- und Entsorgung eine oder GEAK-Klasse A/A) und wird mit einem
wichtige Bedeutung zu. Schliesslich sollte die hohen Anteil an erneuerbaren Energien
Entwicklung dauerhafte Erträge aus dem Bau- betrieben. Beim Bau sollen möglichst ökologi-
recht zu Gunsten der Gemeinde sicherstellen. sche und nachhaltige Materialien verwendet
werden.
8 | Entwicklung Füllerichstrasse-Turbenweg, Gümligen – Bericht des Preisgerichts• Das Areal liegt in Fusswegdistanz zu den Hal-
testellen des öffentlichen Verkehrs. Zusam-
men mit dem Nutzungskonzept ist eine
quartierverträgliche Mobilität zu gewährleis-
ten.
• Die nördlich an das Areal angrenzende Bau-
rechtsparzelle Nr. 2478 ist nicht Teil der
Baurechtsvergabe. Der Ideenteil der Wettbe-
werbsaufgabe soll die Grundlagen für eine
konsistente ortsbauliche Weiterentwicklung
des Gevierts schaffen.
• Das gewählte qualitätssichernde Verfahren
sichert eine hohe ortsbauliche und architek-
tonische Qualität der geplanten Überbauung
und fördert die Diskussion über hochwertige
Baukultur im Zentrumsgebiet Gümligen.
• Mit der siegreich aus dem Verfahren hervor-
gehenden Bietergemeinschaft wird ein kom-
petenter Partner für die Realisierung und den
Betrieb der Überbauung Füllerichstrasse-Tur-
benweg gefunden.
• Die Gemeinde bleibt Eigentümerin des Are-
als. Mit dem Abschluss des Baurechtsvertrags
sichert sie über eine lange Dauer nachhaltige
Erträge aus einer sinnvollen, dem öffentlichen
Interesse verpflichteten Bodennutzung.
Bericht des Preisgerichts – Entwicklung Füllerichstrasse-Turbenweg, Gümligen | 9Projekt-, Ideen und
Betrachtungsperimeter
Der Projektperimeter umfasst rund 3‘370 m² und Der Betrachtungsperimeter umfasste je nach
03 war verbindlich für die Umsetzung des Projektes
und für die Baurechtsofferte (vgl. Abb. 3).
Fachbereich – Erschliessung, Strassenraum,
Höhenentwicklung, Körnung etc. – kleinere oder
grössere Bereiche der Nahumgebung oder des
Der Ideenperimeter grenzt nördlich an den Pro- Zentrumsgebietes Gümligen, welche als Kontext
jektperimeter und umfasst rund 1’990 m². Mittels für die Bearbeitung der Aufgabe relevant waren.
ortsbaulicher Ideen war hier das Potential für eine
spätere Gesamtentwicklung aufzuzeigen .
Abb. 3 – Projekt- (rot punktiert) und Ideenperimeter (orange punktiert)
10 | Entwicklung Füllerichstrasse-Turbenweg, Gümligen – Bericht des PreisgerichtsBestimmungen zum Verfahren
4.1 Veranstalterin
Veranstalterin des Verfahrens war die Gemeinde • Karine Grand; Landschaftsarchitektin HTL
04
Muri bei Bern, vertreten durch die Abteilung Bau BSLA, Grand Paysage, Basel
und Planung (nachfolgend Veranstalterin).
• Pascal Vincent; Architekt EPF ETS SIA FSAI,
Aebi & Vincent Architekten, Bern
4.2 Art des Verfahrens • Ruedi Tanner; Immobilientreuhänder,
Wirz Tanner Immobilien AG, Bern
Der anonyme Projektwettbewerb für Planer
und Investoren wurde im selektiven Verfahren • Caroline Fiechter; Architektin ETH, Fiechter &
nach der SIA-Ordnung 142 für Architektur- und Salzmann Architekten, Zürich (Ersatz)
Ingenieurwettbewerbe (Ausgabe 2009) und der
Expertengremium (nicht stimmberechtigt)
SIA-Wegleitung 142i-602d «Wettbewerbe und Stu-
dienaufträge für Planer und Investoren» durchge- • Matthias Haldi; Bauinspektor, Muri bei Bern
führt.
• Thomas Marti; Leiter Umwelt + Verkehr,
Ziel des Verfahrens war, den bestmöglichen Pro- Muri bei Bern
jektvorschlag für die Neubebauung des Projekt-
• Felix Bohn; dipl. Architekt ETH, zertifizierter
perimeters zu ermitteln und einen Bauträger /
Gerontologe INAG
Baurechtsnehmer für deren Realisierung zu finden.
Weiter bildet der vorliegende Projektwettbewerb • Andreas Waber; Planungs- und
die Grundlage, um auf den Erlass der Überbau- Verkehrskommission PVK, Muri bei Bern
ungsordnung gemäss BauG Art. 93 Abs. 1 Buch-
• Werner Abplanalp; Bauökonom MAS AEC,
stabe b zu verzichten.
Abplanalp Affolter Partner, Bern
Das Verfahren unterstand weder den öffentlichen • Andreas Neuenschwander; Vertreter STWEG
Beschaffungsregeln nach GATT/WTO, noch den Turbenweg 2, Muri bei Bern
eidgenössischen oder kantonalen Submissionsvor-
schriften. Die Verfahrenssprache war Deutsch. • Roman Kocher; Leiter Kompetenzzentrum
Bau Post Immobilien M&S AG, Bern
• Manuel Hutter; Kontur Projektmanagement AG
4.3 Preisgericht und Experten (Verfahrensbegleitung)
Sachpreisgericht (stimmberechtigt) • Hansruedi Jegerlehner; Kontur Projektma-
nagement AG (Verfahrensbegleitung)
• Thomas Hanke; Gemeindepräsident,
Muri bei Bern (Vorsitz)
• André Schneider; Geschäftsleiter 4.4 Sounding Board
Gemeindebetriebe Muri GBM, Muri bei Bern
Ein Sounding Board als Resonanzgremium beste-
• Karl Klaus; Leiter Bau Post Immobilien hend aus Vertreterinnen und Vertretern von Par-
Management und Services AG, Bern teien, der Vereine und weiteren interessierten
• Sebastian Mävers; Leiter Hochbau + Planung, Kreisen begleitete den Projektwettbewerb. Dies
Muri bei Bern (Ersatz) stellte sicher, dass Anregungen, Ideen und Beden-
ken rechtzeitig ins Programm, die Beurteilung und
die Vertragsverhandlungen einflossen.
Fachpreisgericht (stimmberechtigt)
• Fritz Schär; Architekt BSA/SIA,
Schär Buri Architekten AG, Bern
Bericht des Preisgerichts – Entwicklung Füllerichstrasse-Turbenweg, Gümligen | 11Sounding Board (nicht stimmberechtigt) • Teamzusammensetzung (10%)
• Skizze Nutzungsprofil und -Idee (40%)
• Heinz Kneubühl; FDP.Die Liberalen
Muri-Gümligen • Referenzen Bauträger / Baurechtnehmer (20%)
• Referenzen Architektur / Städtebau (20%)
• Fritz Braun; Sozialdemokratische Partei • Referenzen Landschaftsarchitektur (10%)
Muri-Gümligen
Selektioniert wurden die 8 bestrangierten Bear-
• Tobias Herren; Schweizerische Volkspartei beitungsteams.
Muri-Gümligen
• Gabriele Siegenthaler; forum Muri-Gümligen
4.6 Beurteilungskriterien
• Carole Klopfstein; GRÜNE Muri-Gümligen
Projektwettbewerb
• Evangelische Volkspartei Muri-Gümligen
[Verzicht auf Teilnahme] Die gewählten Beurteilungskriterien legen aus
einer Gesamtsicht heraus Wirkungen bzw. Qua-
• Karin Schmitter; Quartierverein Seidenberg litäten und Defizite der Projektvorschläge und
Aebnit Füllerich Baurechtsofferten offen. Das Preisgericht nahm
• Florian Lüchinger; Matteleist Gümligen aufgrund der aufgeführten Kriterien und im Rah-
men seines Ermessens eine Gesamtbewertung
• Beat Wegmüller; Präsident Ausschuss für unter Berücksichtigung der kumulativen Zielerrei-
Kinder- und Jugendfragen, Muri bei Bern chung vor.
• Martin Häusermann; Präsident Sozial- • Städtebau und Architektur (40%) – Ortsbau-
kommission, Muri bei Bern liche Qualität Gesamtkonzeption; Qualität der
• Bernard Rellstab; Gewerbeverein architektonischen Lösung; Qualität der Aus-
Muri-Gümligen senräume und des öffentlichen Raums; Zweck-
mässigkeit der Erschliessung, Parkierung und
Anlieferung; Effizienz in Bezug auf Material-,
4.5 Zulassungs- und Eignungskriterien Energie-, Wasser- und Bodenverbrauch und
Präqualifikation ökologische Nachhaltigkeit.
• Nutzung (30%) – Standort- und Nachfrage-
Von den Bewerbern wurde ein Dossier mit Anga-
gerechtigkeit, Qualität und Innovation des
ben zur Teamzusammensetzung (inkl. Selbstdekla-
Betriebs- und Nutzungskonzeptes; Beitrag
ration und Bonitätsnachweis), Referenzprojekten
zur Umsetzung der wohnbau- und alterspo-
und einer Skizze des angestrebten Nutzungsprofils
litischen Ziele hinsichtlich der sozialen und
verlangt. Voraussetzungen für die Zulassung zur
generationenübergreifenden Durchmischung;
Präqualifikation waren:
Beitrag zur Stärkung der Verkaufsnutzungen
• Fristgerechte Einreichung aller Unterlagen und Belebung des öffentlichen Raums; Ange-
• Vollständigkeit der eingereichten Unterlagen messenheit und Qualität der Nutzflächen von
• Bestätigung Eckwerte Baurechtsvertrag und Post und GBM.
Mietverträge GBM und Post • Wirtschaftlichkeit (30%) – Höhe und Nach-
• Skizze Nutzungsprofil/-idee vollziehbarkeit des Baurechtszinsangebots;
• Referenzen Bauträger, Architekt und Plausibilität und Sicherstellung der kosten-
Landschaftsarchitekt günstigen Wohnungen.
Die Bewerbungen wurden anhand der nachfol-
genden Eignungskriterien durch das Preisgericht
beurteilt. Jedes Kriterium wurde mit Hilfe einer
Notenskala (1-5) bewertet.
12 | Entwicklung Füllerichstrasse-Turbenweg, Gümligen – Bericht des PreisgerichtsAblauf Präqualifikation
5.1 Teilnahmeberechtigung 05
Bewerben um eine Teilnahme konnten sich Bieter- Aufgrund der vorgegebenen Eignungskriterien
gemeinschaften mit den geforderten Fachkom- präqualifizierte das Preisgericht einstimmig die
petenzen, den nötigen Kapazitäten und Sitz oder nachfolgenden acht Bietergemeinschaften (ange-
Niederlassung in der Schweiz. In den Bearbei- geben ist jeweils nur der federführende Bauträger
tungsteams mussten mindestens folgende Fach- / Baurechtsnehmer; in alphabetischer Reihen-
bereiche vertreten sein: folge):
• Bauträger / Baurechtsnehmer (Federführung) • Bricks Development Mitte AG, Muri b. Bern
• Architektur / Städtebau • bonainvest ag, Solothurn
• Landschaftsarchitektur • Gebäudeversicherung Bern (GVB), Ittigen
Der Beizug weiterer Fachrichtungen war erlaubt. • Helvetia Schweizerische Lebensversicherungs-
Diese Fachleute durften sich in verschiedenen gesellschaft AG, Basel / Wohnbaugenossen-
Teams beteiligen. schaft „Wir sind Stadtgarten“, Bern
• Implenia Schweiz AG, Bern
• Patrimonium Anlagestiftung für die Anlage-
5.2 Publikation und Bezug der gruppe Gesundheitsimmobilien Schweiz, Baar
Unterlagen • Previs Vorsorge, Bern
• Stiftung Abendrot, Basel
Die Ausschreibung wurde am Freitag, 9. März 2018
in der Printausgabe und der Internetplattform von
TEC21 – Schweizer Bauzeitung publiziert. Ab Frei-
tag, 16. März 2018 standen die Unterlagen auf der
Homepage der Gemeinde zum Download zur Ver-
fügung.
5.3 Vorprüfung
Bis zum Eingabetermin gingen 10 Bewerbungen
ein. Die Vorprüfung fand im Zeitraum vom Don-
nerstag, 26. April bis Dienstag, 15. Mai 2018 statt.
Sie umfasste die formelle Prüfung der Zulassungs-
kriterien. Die Feststellungen der Vorprüfung wur-
den dem Preisgericht anlässlich der Beurteilung
der Bewerbungen zur Kenntnis gebracht.
5.4 Beurteilung und
Präqualifikationsentscheid
Das Preisgericht zeigte sich zufrieden mit der
hohen Qualität der eingegangenen Bewerbungen.
Anlässlich der Präqualifikation vom Mittwoch,
16. Mai 2018 wurden die Bewerbungen durch das
Preisgericht begutachtet. Aufgrund der Feststel-
lungen der Vorprüfung wurden zwei Bewerbung
aufgrund Nichterfüllung der Zulassungskriterien
von der Präqualifikation ausgeschlossen.
Bericht des Preisgerichts – Entwicklung Füllerichstrasse-Turbenweg, Gümligen | 13Ablauf des Projektwettbewerbs
6.1 Versand der Wettbewerbsunterlagen
06 Das Programm und sämtliche Unterlagen wurden 6.4.1 Formelle Vorprüfung
am Freitag, 25. Mai 2018 an die präqualifizierten
Bis zum Eingabeschluss am Freitag, 31. August
Teams versandt.
2018 wurden folgende Projektdossiers terminge-
recht und unter Wahrung der Anonymität einge-
6.2 Auftaktveranstaltung und Begehung reicht.
• PROJEKT NR. 01 Seite an Seite
Am Mittwoch, 30. Mai 2018 fand eine Auf-
taktveranstaltung zur Wettbewerbsaufgabe, • PROJEKT NR. 02 vier jahreszeiten
den gesetzten Rahmenbedingungen sowie zur • PROJEKT NR. 03 MURE Guet
Erwartungshaltung der Veranstalterin statt. Im • PROJEKT NR. 04 Der Tee der drei alten Damen
Anschluss an die Auftaktveranstaltung wurde eine • PROJEKT NR. 05 zwei für alle
Begehung durchgeführt. • PROJEKT NR. 06 Erna, Nils und Alle
• PROJEKT NR. 07 tous ensemble
• PROJEKT NR. 08 BERTH
6.3 Fragenbeantwortung
Die Teilnehmenden konnten bis am Mittwoch, 6. Bis auf die PROJEKT NR. 01, 03, 06 und 08 weisen
Juni 2018 Fragen stellen. Die Fragenbeantwortung sämtliche Projekteingaben Verstösse gegen die
erfolgte bis am Freitag, 15. Juni 2018 durch das Vollständigkeit der geforderten Unterlagen oder
Preisgericht. Die Fragen und Antworten betrafen die Darstellungsvorgaben auf.
schwergewichtig das Nutzungsprofil, die Eckwerte Die Modelle sämtlicher Wettbewerbsteilnehmer
des Baurechtsvertrags sowie Fragen betreffend wurden unter Einhaltung der Eingabebedingun-
den Ideen- und Betrachtungsperimeter. gen bis Freitag, 7. September 2018 abgegeben und
standen dem Preisgericht anlässlich der Beurtei-
lung zur Verfügung.
6.4 Vorprüfung
Die Vorprüfung erfolgte vom Montag, 3. September 6.4.2 Materielle Vorprüfung
bis am Dienstag, 11. September 2018. Die Vorprü-
Sämtliche Projekteingaben weisen Verstösse
fung bezog sich auf die Einhaltung der formellen,
gegen materielle Programmbestimmungen auf.
wie auch materiellen Programmbestimmungen
Wesentliche Verstösse und Abweichungen lagen
sowie die Plausibilisierung der Anlagekostenschät-
vor gegen die Bau- und zonenrechtlichen Bestim-
zungen und der Mietzinskalkulationen. Die Vorprü-
mungen (PROJEKT NR. 07), die Anforderungen an
fung erfolgte durch:
Aufenthaltsbereiche, Kinderspielplätze und Spiel-
• Bauinspektorat, Muri bei Bern flächen (PROJEKT NR. 01 und 08), die Erfüllung der
(Bau- und zonenrechtliche Bestimmungen) Anforderungen an das Nutzungsprofil (PROJEKT
NR. 04, 07 und 08) sowie hinsichtlich Erschliessung
• Umwelt + Verkehr, Muri bei Bern und Parkierung (PROJEKT NR. 07 und 08). Weiter
(Umwelt, Erschliessung und Parkierung) wurden einzelne Vorbehalte bezüglich der abge-
• Felix Bohn, Fachberatung altersgerechtes gebenen Anlagekostenschätzung (PROJEKT NR.
Bauen, Zürich (Altersgerechtes Wohnen) 06) und einer geeigneten Umsetzung des geforder-
ten Angebotssegments kostengünstiges Wohnen
• Abplanalp Affolter Partner, Bern (PROJEKT NR. 08) festgestellt.
(Anlagekosten, Mietzins, Baurechtsofferten)
Die Feststellungen der Vorprüfung wurden dem
• Kontur Projektmanagement AG, Bern
Preisgericht, welches abschliessend darüber
(Allgemeine Vorprüfung, Nutzungsprofil)
befand, anlässlich der Beurteilung bekannt gege-
ben.
14 | Entwicklung Füllerichstrasse-Turbenweg, Gümligen – Bericht des Preisgerichts6.5 Beurteilung
Die Beurteilung erfolgte am Mittwoch, 12. Sep- 6.5.3 Informationsrundgang
tember 2018 und Donnerstag, 13. September
Im Anschluss an die Begutachtung der Projekte
2018. Die Beurteilung und Bewertung der Pro-
durch die Gruppen, wurde ein Informationsrund-
jekteingaben erfolgte gemäss den beschriebenen
gang im Plenum durchgeführt. Dabei wurden auch
Beurteilungskriterien. Das Preisgericht nahm auf-
die in der Vorprüfung festgestellten Verstösse ein-
grund der aufgeführten Kriterien eine Gesamtbe-
gehend besprochen.
wertung der Qualität der Projektvorschläge und
der Baurechtsofferten unter der Berücksichtigung Das Preisgericht beschloss nach dem Informati-
der kumulativen Zielerreichung vor. onsrundgang einstimmig, sämtliche Projekte zur
Beurteilung zuzulassen, da sich keine Bieterge-
6.5.1 Beschlussfähigkeit und Zulassung zum meinschaft durch die festgestellten (schweren)
Informationsrundgang Verstösse / Abweichungen einen Vorteil verschafft
hat oder sich unlautere Absichten vermuten las-
Aufgrund der Abwesenheit von Karl Klaus (Sach-
sen. Sämtliche Verstösse flossen jedoch in die
preisrichter) wurde Sebastian Mävers (Ersatzsach-
Beurteilung ein. Der Vorprüfungsbericht wurde
preisrichter) gemäss den Programmbestimmungen
genehmigt und verdankt.
vom Preisgericht einstimmig als Ersatz bestätigt.
Die Beschlussfähigkeit des Preisgerichts war 6.5.4 Erster Beurteilungsrundgang
somit an beiden Beurteilungstagen permanent
gegeben. Im ersten Beurteilungsrundgang wurden im Ple-
num alle Projekte eingehend besprochen und
Die im Rahmen der Vorprüfung festgestellten Ver- anhand der im Programm vorgegebenen qualitati-
stösse rechtfertigten aus Sicht des Preisgerichtes ven Kriterien «Städtebau und Architektur» sowie
keinen unmittelbaren Ausschluss. Das Preisge- «Nutzung» aus einer gesamtheitlichen Sicht beur-
richt beschloss, die schweren Verstösse gegen die teilt.
materiellen Programmbestimmungen während des
gemeinsamen Informationsrundgangs vor den Pro- Das Preisgericht beschloss einstimmig, folgende
jekten vertieft zu diskutieren. Projekte, trotz teilweise interessanter Ansätze,
wegen Mängeln in einem oder mehreren der beiden
6.5.2 Individuelle Besichtigung und Rundgang in Beurteilungskriterien ausscheiden zu lassen:
Gruppen • PROJEKT NR. 03 MURE Guet
Vor dem Einstieg in die Beurteilung hatten die Mit- • PROJEKT NR. 06 Erna, Nils und Alle
glieder des Preisgerichts im Rahmen eines indi- • PROJEKT NR. 07 tous ensemble
viduellen Rundgangs die Gelegenheit, sich einen • PROJEKT NR. 08 BERTH
vertieften Überblick über die Projekte zu verschaf-
fen. 6.5.5 Zweiter Beurteilungsrundgang
Nach dieser individuellen Begutachtung wurden Im zweiten Rundgang wurden die verbleibenden
die acht Projekte auf drei Gruppen aufgeteilt, so vier Projekte einer vertieften Beurteilung hinsicht-
dass jedes Projekt von einer Gruppe hinsichtlich lich «Städtebau und Architektur» sowie «Nutzung»
der Kriterien «Städtebau und Architektur» sowie unterzogen und gegeneinander abgewogen. Dabei
«Nutzung» eingehend begutachtet wurde. In jeder beschloss das Preisgericht einstimmig, die folgen-
Gruppe waren Vertreterinnen und Vertreter des den zwei Projekte ausscheiden zu lassen:
Sach- und Fachpreisgerichtes und der Expertinnen
und Experten eingeteilt. • PROJEKT NR. 02 vier jahreszeiten
• PROJEKT NR. 05 zwei für alle
Bericht des Preisgerichts – Entwicklung Füllerichstrasse-Turbenweg, Gümligen | 15Beide Projekte werden der Aufgabenstellung in In der intensiven Diskussion der verbleibenden
den wesentlichen Punkten gerecht und zeugen zwei Projekte wurden schwergewichtig deren Cha-
von einer intensiven Auseinandersetzung der Ver- rakter und Ausdruck, deren Beitrag zur Umset-
fassenden mit der gestellten Aufgabe. Sie weisen zung der wohnbau- und alterspolitischen Ziele
in verschiedenen Aspekten sehr gute Lösungsan- (insb. hinsichtlich der sozialen und generatio-
sätze auf, können aber in ihrer gesamtheitlichen nenübergreifenden Durchmischung) sowie die
Betrachtung aufgrund von Defiziten in der ortsbau- Angemessenheit, Qualität und Innovation des vor-
lichen Haltung oder einer mangelnden Umsetzung geschlagenen Betriebs- und Nutzungskonzeptes
der wohnbaupolitischen Zielsetzung einer ortsan- und die Zukunftsfähigkeit als Pionierprojekt für die
gepassten Durchmischung nicht vollauf überzeu- gesamte Zentrumsentwicklung Gümligen vertieft
gen. beurteilt.
Mit der Öffnung der anonymen Baurechtsoffer- Das Preisgericht empfahl der Veranstalterin auf
ten und einem Ausblick auf die nächsten Beur- Basis der intensiven Diskussionen und in Abwä-
teilungsschritte wurde der erste Beurteilungstag gung aller Kriterien einstimmig das Projekt:
abgeschlossen. Bis zum zweiten Beurteilungstag
wurden die anonymen Baurechtsofferten vorge- • PROJEKT NR. 04 Der Tee der drei alten Damen
prüft. zur Weiterbearbeitung in einem durch eine Delega-
tion des Preisgerichtes begleiteten Workshopver-
6.5.6 Beurteilung Wirtschaftlichkeit / Bau- fahren. Im Workshopverfahren gilt es, die Qualität
rechtsofferten der Weiterentwicklung und Überarbeitung des Sie-
gerprojektes zum wegleitenden Richtprojekt als
Der zweite Beurteilungstag startete mit der Vor-
Grundlage für die Realisierung durch das Preisge-
stellung der Prüfergebnisse und Bewertung der
richt zu bestätigen.
eingegangenen Baurechtszinsangebote sowie
der Plausibilität und Sicherstellung des geforder- Das Projekt überzeugt durch seine grosse Bear-
ten Anteils preisgünstigem Wohnen. Das Preis- beitungstiefe, die adäquate und innovative Umset-
gericht zeigte sich erfreut über die eingegangenen zung des Nutzungsprofils und dem georteten
Baurechtszinsangebote, welche im Mittel CHF hohen Potential zur Stärkung einer ortsangepass-
145‘000.- pro Jahr bzw. 32.5 CHF / m2 HNF betra- ten Öffentlichkeit und Urbanität. Zudem verspricht
gen. Ebenso erfreut ist das Preisgericht, dass es, einen wichtigen Beitrag zur künftigen Entwick-
beide Projekte aus der engeren Wahl die höchsten lung des Zentrums Gümligen und des Gebietes Fül-
Baurechtszinsangebote aufweisen. lerich zu leisten.
Anschliessend erfolgte ein Rückblick auf den ers-
ten Beurteilungstag. Nach nochmaliger kritischer 6.5.8 Kontrollrundgang
Durchsicht aller Projekte / Bewertungen bestätigte Im Zuge eines Kontrolldurchganges wurden alle
das Preisgericht die Feststellungen des ersten Projekte einer nochmaligen Durchsicht unterzogen
Beurteilungstags. und die bisherigen Entscheide und Bewertungen
des Preisgerichtes hinterfragt. Dabei beschloss
6.5.7 Engere Wahl das Preisgericht einstimmig, keine Änderungen
vorzunehmen und die Bewertung zu bestätigen.
Aufgrund der bisherigen Beurteilung der qualita-
tiven und quantitativen Kriterien verblieben wei-
terhin die folgenden zwei Projekte in der engeren 6.5.9 Rangierung und Entschädigung
Wahl: Das Preisgericht beschloss einstimmig, dass alle
acht eingereichten Projekte die Voraussetzungen
• PROJEKT NR. 01 Seite an Seite
für die gemäss Ausschreibung in Aussicht gestellte
• PROJEKT NR. 04 Der Tee der drei alten Damen fixe Entschädigung von CHF 8‘000.- (exkl. MWST)
erfüllt haben.
16 | Entwicklung Füllerichstrasse-Turbenweg, Gümligen – Bericht des PreisgerichtsGestützt auf die im Programm aufgeführten Beur- • PROJEKT NR. 04 Der Tee der drei alten Damen
teilungskriterien und deren Bewertung beschloss Bauträger (Federführung): Helvetia AG, Basel /
das Preisgericht einstimmig folgende Rangierung Genossenschaft «Wir sind Stadtgarten»; Archi-
und Preiszuteilung: tektur / Städtebau: GWJ Architektur AG, Bern;
Landschaftsarchitektur: planikum GmbH,
• 1. RANG / 1. PREIS: Zürich
PROJEKT NR. 04 Der Tee der drei alten Damen
CHF 48‘000.– • PROJEKT NR. 05 zwei für alle
Bauträger (Federführung): bonainvest ag,
• 2. RANG / 2. PREIS: Solothurn; Architektur / Städtebau: Burck-
PROJEKT NR. 01 SEITE AN SEITE hardt + Partner AG, Bern; Landschaftsarchi-
CHF 40‘000.– tektur: Xerox Landschaftsarchitekten GmbH,
• 3. RANG / 3. PREIS: Bern
PROJEKT NR. 05 zwei für alle • PROJEKT NR. 06 Erna, Nils und Alle
CHF 10‘000.– Bauträger (Federführung): Immobilien-Anla-
• 4. RANG / 4. PREIS: gestiftung ASGEBA / Implenia Schweiz AG;
PROJEKT NR. 02 vier jahreszeiten Architektur / Städtebau: bauzeit architekten,
CHF 8‘000.– Biel-Bienne; Landschaftsarchitektur: bbz bern
gmbh, Bern
6.5.10 Couvertöffnung • PROJEKT NR. 07 tous ensemble
Nach der abschliessenden Rangierung und Preis- Bauträger (Federführung): Patrimonium Anla-
zuteilung und der Formulierung der Empfehlun- gestiftung für die Anlagegruppe Gesund-
gen für die Weiterbearbeitung des siegreichen heitsimmobilien Schweiz, Baar; Architektur /
Projektes ermittelte das Preisgericht mit der Städtebau: Baumschlager Eberle Architekten
Couvertöffnung folgende Projektverfasser bzw. Zürich AG, Zürich; Landschaftsarchitektur:
Bietergemeinschaften (vorgeschriebene Teammit- Westpol Landschaftsarchitektur AG, Basel
glieder): • PROJEKT NR. 08 BERTH
Bauträger (Federführung): Stiftung Abendrot
• PROJEKT NR. 01 Seite an Seite
– die nachhaltige Pensionskasse, Basel; Archi-
Bauträger (Federführung): Previs Vorsorge,
tektur / Städtebau: Leismann AG, Bern; Land-
Bern; Architektur / Städtebau: Bauart Archi-
schaftsarchitektur: Cukrowicz Landschaften,
tekten und Planer AG, Bern; Landschaftsarchi-
Winterthur
tektur: Weber + Brönnimann AG, Bern
• PROJEKT NR. 02 vier jahreszeiten
Bauträger (Federführung): GVB Gebäudeversi-
cherung Bern, Bern; Architektur / Städtebau:
Rykart Architekten AG, Liebefeld; Land-
schaftsarchitektur: extrã Landschaftsarchi-
tekten AG, Bern
• PROJEKT NR. 03 MURE Guet
Bauträger (Federführung): Bricks Development
Mitte AG, Muri b. Bern; Architektur / Städte-
bau: Boegli Kramp Architectes SA, Fribourg;
Landschaftsarchitektur: Klötzli Friedli Land-
schaftsarchitekten AG, Bern
Bericht des Preisgerichts – Entwicklung Füllerichstrasse-Turbenweg, Gümligen | 17Würdigung und Empfehlung des
Preisgerichts
7.1 Empfehlung des Preisgerichts
07 Das Preisgericht empfiehlt der Veranstalterin ein- Laubengang) sind hinsichtlich Lage, Ausge-
stimmig, die Bietergemeinschaft des erstrangier- staltung und Funktionalität zu überprüfen und
ten PROJEKT NR. 04 Der Tee der drei alten Damen gegebenenfalls anzupassen. Beim Lauben-
– vorbehältlich einer erfolgreichen Weiterbearbei- gang gilt es im Besonderen, dessen Bespiel-
tung des Siegerprojektes im Workshopverfahren und Nutzbarkeit vor dem Hintergrund seiner
mit der Delegation des Preisgerichtes – mit der Funktion als vis-à-vis des Hofgebäudes (inkl.
Weiterbearbeitung und Ausführung des Projektes allfälliger Konflikte mit den angrenzenden
gemäss Ausschreibung zu betrauen und den Bau- Wohnungen) und Platzfassade zu prüfen.
rechtsvertrag für das Grundstück abzuschliessen.
• Um die Qualität der Weiterentwicklung des
Bei der Weiterbearbeitung des Siegerprojektes Siegerprojektes zum wegleitenden Richt-
zum Richtprojekt im Workshopverfahren und bei projekt zu bestätigen sowie die Qualitätssi-
dessen Umsetzung in ein Bauprojekt sind die im cherung bei der weiteren Projektierung beim
Projektbeschrieb des Preisgerichts enthaltenen Verzicht auf den Erlass der Überbauungsord-
sowie insbesondere die nachfolgend aufgeführten nung gemäss BauG Art. 93 Abs. 1 Buchstabe b
Punkte zu beachten respektive zu bearbeiten: zu gewährleisten, empfiehlt das Preisgericht,
eine Jurydelegation einzusetzen, welche den
• Während die Aufteilung der wesentlichen weiteren Planungsprozess begleitet. Die Ver-
Bestandteile des Nutzungsprogramms auf anstalterin nimmt dieses Angebot gerne an.
zwei verschieden hohe, versetzte Baukörper
mit differenzierten Platzbildungen überzeugt,
vermag dies der mit öffentlichen Nutzungen 7.2 Würdigung
belegte Pavillonbau noch nicht. Ausgehend
von alternativen Nutzungs- und Betriebs- Das Preisgericht ist sich bewusst, dass die Auf-
konzepten gilt es entsprechend Volumet- gabenstellung mit den gegebenen Rahmenbedin-
rie, Setzung und Gestaltung des Pavillons im gungen und gewissen Zielkonflikten anspruchsvoll
Zusammenspiel mit dem durch die höheren war. Es gebührt allen Bietergemeinschaften für die
Volumen gefassten umliegenden Freiraum eingereichten, interessanten Projektbeiträge und
grundsätzlich zu überprüfen. Für die Lösungs- Baurechtsangebote ein grosser Dank. Sie haben
suche besteht eine grosse Offenheit, d.h. unter anderem mit der Vielfalt und hohen Qualität
vom Baumbosquette über einen offenen, frei ihrer Lösungsvorschläge dazu beigetragen, eine
bespielbaren gedeckten Ort im Aussenraum intensive und wertvolle Diskussion und vertiefte
bis hin zum festen, mehrgeschossigen Pavillon Auseinandersetzung mit der Aufgabe, dem Ort
für publikums- und/oder quartierorientierte und den Schlüsselfragen zur sozialen und alter-
Nutzungen. mässigen Durchmischung, einer ortsangepassten
Urbanität und Lebendigkeit sowie zur Zukünftigen
• Je nach Prüfergebnis zum Umgang und Aus- Identität und Funktion des Areals im Kontext der
gestaltung des Pavillonbaus – in nachgeord- Zentrumsentwicklung Gümligen zu ermöglichen.
netem Mass auch unabhängig davon – ist
Volumetrie (Setzung und Proportion) des Hof- Die Durchführung des Projektwettbewerbes für
und Längsbaus weiter zu präzisieren bzw. die Planer und Investoren im selektiven Verfahren hat
Suche nach der richtigen Balance zwischen sich aus Sicht des Preisgerichtes als zweckmässig
Nähe und Distanz und Gebäudetiefen und und gewinnbringend erwiesen. Die intensive, the-
-Höhen fortzusetzen. menübergreifende Auseinandersetzung mit dem
Areal in interdisziplinären Bietergemeinschaften
• Die vertikalen und horizontalen Erschlies- hat zu ortsbaulich, architektonisch und program-
sungselemente des Längsbau entlang der matisch überzeugenden und wirtschaftlich opti-
Füllerichstrasse (d.h. Wendeltreppe und malen Lösungsvorschlägen geführt.
18 | Entwicklung Füllerichstrasse-Turbenweg, Gümligen – Bericht des PreisgerichtsGenehmigung
Vom Preisgericht genehmigt: Muri bei Bern, 18. Oktober 2018
08
Thomas Hanke (Vorsitz)
Karl Klaus
André Schneider
Sebastian Mävers
Fritz Schär
Karine Grand
Pascal Vincent
Ruedi Tanner
Caroline Fiechter
Bericht des Preisgerichts – Entwicklung Füllerichstrasse-Turbenweg, Gümligen | 19R Rangierte Projekte
1. RANG
Der Tee der drei alten
Damen
Bauträger / Baurechtsnehmer
Helvetia Schweizerische Lebensversicherungsgesellschaft AG
gemeinsam mit Genossenschaft «Wir sind Stadtgarten»
St. Alban-Anlage 26, 4002 Basel
Kurt Ernst Baumann, Sandro Sieber
Architektur / Städtebau
GWJ Architektur AG
Nordring 4A, 3001 Bern
Christian Lasser, Aitor Andueza, Elisa Taraglio, Bruno Morais,
Donat Senn
Landschaftsarchitektur
planikum GmbH
Schaffhauserstrasse 358, 8050 Zürich
Florian Glowatz-Frei, Daniela Hitzler
Fachplaner
Genossenschaft «Wir sind Stadtgarten»
Europaplatz 1A, 3008 Bern
Herbert Zaugg
Halter AG, Gesamtleistungen
Europaplatz 1A, 3008 Bern
Raphael Burkhalter, Gianluca Giardina
Marc Rüfenacht Bauphysik & Energie
Muesmattstrasse 37, 3012 Bern
Marc Rüfenacht
Entwicklung Füllerichstrasse-Turbenweg, Gümligen | 23Projektbeschrieb
Der vorliegende Entwurf reagiert geschickt auf auf Wiederholungen gesetzt. So wird die fortge-
die vorhandene, sehr heterogene und gewachsene setzte Gestaltung mit Zierkirschen und Sitzbän-
Struktur des Ortes, indem die geplanten Volumen ken bekräftigt. Die vorhandene Bodenverzierung
die Körnung ihrer Umgebung übernehmen. Die gewinnt zugleich an Bedeutung. Die Vegetation
drei - mit der zweiten Etappe vier - eigenständi- definiert sich über eine Baumstruktur. Zusätzliche
gen Volumen fügen sich selbstverständlich in die Begrünungselemente könnten das Projekt noch
Strukturen ein. Es entsteht eine Gesamtanlage mit bereichern.
einer sehr hohen Durchlässigkeit und neuen Aus-
sen- und Zwischenräumen von grosser, ortsbau- Die Verfasser belegen konsequent sämtliche Erd-
licher Qualität. Entlang der Moosstrasse wird der geschosse mit öffentlichen Nutzungen und den
Strassenverlauf durch höhere Baukörper begleitet. GBM-Büroflächen. Die Erschliessung der Bauten
Wobei das in der 2. Etappe vorgeschlagene Zurück- geschieht bei den Wohnnutzungen gänzlich, bei
versetzen auf einfache Weise eine Platz- und Ein- den weiteren Nutzungen zu einem grossen Teil
gangssituation schafft. In der ersten Etappe sind über die innenliegenden Aussenräume, wodurch
entlang der Moosstrasse lediglich die Einstell- eine hohe Belebung der Anlage erzielt werden
hallenzufahrt sowie Besucher- und Velokpark- kann. Bei der Ausgestaltung der beiden Hauptvo-
plätze vorgesehen. Entlang der Füllerichstrasse lumen werden sehr unterschiedliche Strategien
wird gegen Süden ein Vorplatz für die dort ange- angewandt. Der grössere Baukörper verfügt über
ordneten Post- und Gewerberäume geschaffen. einen gedeckten, grosszügigen, von den Wohnun-
Am Friedrich-Glauser-Weg, welcher die Füllerich- gen einsehbaren Innenhof, welcher eine sehr hohe
strasse mit dem Hauptzugang des Einkaufszent- soziale Qualität erwarten lässt und als Erschlies-
rums verbindet, wird der neu geschaffene, durch sungsraum funktioniert. Als Wohntypologien wer-
die höheren Volumen gefasste Raum durch einen den sowohl konventionelle Wohnformen wie auch
mit öffentlichen Nutzungen belegten Pavillon- gute Alternative grössere Clusterwohnungen vor-
bau besetzt. Die Materialisierung der Bauten fällt geschlagen. Der südliche Baukörper wird über
zurückhaltend und aufgrund seiner Orientierung an einen klassischen Laubengang erschlossen. Für
den Gestaltungselementen und Materialisierung die hier neben grösseren Mehr-Zimmer-Wohnun-
der Bauten aus dem Umfeld dem Ort angemessen gen als Idee vorgeschlagenen Studiowohnungen
aus. wurde ein innovatives System mit sich je nach Situ-
ation automatisch veränderbaren Raumsituationen
Die neuen Baukörper lassen zu, dass Plätze und angedacht.
Gassen sich ins Quartiersystem einfügen. In der
zweiten Etappe wird ein kluger Anschluss zur Das Projekt ist wirtschaftlich gut austariert und
Moostrasse in Form eines kleinen Platzes als fällt durch eine sehr gute Ausnutzung (hoher Anteil
Wegweiser zum neuen Quartierteil geschaffen. an Hauptnutzflächen) auf. Dies führt zu hohen
Eine „innere Welt“ und eine „äussere Welt“ span- Mieterträgen und im Quervergleich zum höchsten
nen zwischen der Moostrasse und dem Friedrich- Baurechtszins.
Glauser-Weg ein zukunftsträchtiges Ensemble auf. Der Entwurf vermag dank der äusserst klugen
Die umliegende Asphaltfläche wechselt den Ton Setzung der Volumen und der damit einherge-
und verwandelt sich in einen milden, privatisieren- henden hohen Durchlässigkeit ortsbaulich zu
den Teppich. In seiner Mitte beherbergt der helle überzeugen und zeigt eine realistische und quali-
Belag gruppierte, in Kies angelegte Bauminseln, tätvolle Strategie für die weitere Entwicklung der
die mit hochstämmigen Feldahornen und Sitzgele- angrenzenden Nachbarschaft auf. Die Anordnung
genheiten den Platzcharakter stärken. Die «innere der unterschiedlichen Funktionen und Nutzun-
Welt» präsentiert sich wie eine Aufenthaltsbühne gen sowie die gelungenen, teilweise experimen-
um den Ankerpunkt – den Pavillonbau. Es macht tellen Typologien und Grundrisse überzeugen und
sich ein Hauch Geborgenheit bemerkbar. Der Frei- bieten für den Ort neue, attraktive, zukunftswei-
raum zwischen dem Pavillon und dem Längsbau sende Wohn- und Nutzungsformen.
könnte als wahrnehmbarer Platz wachsen. Das
Projekt verknüpft den Freiraum mit der umliegen-
den Nachbarschaft auf einfache Art und Weise: Es
wird auf grosses Neues verzichtet und viel mehr
24 | Entwicklung Füllerichstrasse-Turbenweg, Gümligen – Bericht des PreisgerichtsSituation Projekt- und Ideenteil (1. + 2. Etappe)
Modellfoto Projekt- und Ideenteil (1. + 2. Etappe, Ansicht Süd-West)
Bericht des Preisgerichts – Entwicklung Füllerichstrasse-Turbenweg, Gümligen | 25Modellfoto Projektteil (1. Etappe, Ansicht Süd-West) Modellfoto Projektteil (1. Etappe, Ansicht Nord-West) 26 | Entwicklung Füllerichstrasse-Turbenweg, Gümligen – Bericht des Preisgerichts
Ansicht Ost
Schnitt Ost-West Schnitt / Ansicht Ost
Erdgeschoss Projektteil (1. Etappe)
Bericht des Preisgerichts – Entwicklung Füllerichstrasse-Turbenweg, Gümligen | 27Visualisierung Regelgeschoss 28 | Entwicklung Füllerichstrasse-Turbenweg, Gümligen – Bericht des Preisgerichts
Fassadenschnitt und -ansicht Bericht des Preisgerichts – Entwicklung Füllerichstrasse-Turbenweg, Gümligen | 29
2. RANG
SEITE AN SEITE
Bauträger / Baurechtsnehmer
Previs Vorsorge
Brückenfeldstrasse 16, Postfach, 3001 Bern
Christoph Stäger, Loris Hausammann
Architektur
Bauart Architekten und Planer AG
Laupenstrasse 20, 3008 Bern
Raffael Graf, Pasquale Zarriello, Loris Lotti, Maurin Pürro,
Saida Frey
Landschaftsarchitektur
Weber + Brönnimann AG Ingenieure,
Planer & Landschaftsarchitekten
Morillonstrasse 87, 3007 Bern
Pascal Weber, Vera Borloz
Fachplaner
Weber + Brönnimann AG Ingenieure,
Planer & Landschaftsarchitekten
Morillonstrasse 87, 3007 Bern
Matthias Lüthi
Allreal Generalunternehmung AG
Zieglerstrasse 53, 3007 Bern
Stefan Ringler
Entwicklung Füllerichstrasse-Turbenweg, Gümligen | 31Projektbeschrieb
Auf der Grundlage einer sehr präzisen Analyse ermöglichen. Die vorgeschlagenen Wegverbindun-
schlagen die Projektverfasser die Setzung von gen durch diesen Grünbereich vermögen nicht zu
drei in der Höhe gestaffelten Volumen vor. Durch überzeugen und können mit der Masstäblichkeit
die Erkenntnis, dass sich das Areal in einer zwei- des künftigen Quartiers nicht mithalten. Posi-
ten Ebene zur Hauptachse von Gümligen befindet, tiv bewertet wird der „Glauser-Platz“, der sich um
beziehen sich die Gebäude auf ihren unmittelba- eine Dachkonstruktion artikuliert. Dem Platz man-
ren Kontext und versuchen das bereits bestehende gelt es jedoch an einer räumlichen Trennung zum
Subzentrum zu stärken. Die Massstäblichkeit und bestehenden Parkplatz hin.
Setzung der drei Bauten ist bestechend. Diese
integrieren sich trotz der höheren Dichte nahtlos Das Projekt schlägt eine überzeugende, sozial und
ins Quartier. Die Stärkung des Friederich-Glauser- altersmässig vielfältige Nutzungsdurchmischung
Weges ist eine plausible Folgerung des gewählten vor, welche eine abwechslungsreiche Nachbar-
Konzeptansatzes. Die Ausweitung mit einem neuen schaft garantiert und das Quartier entsprechend
Platz, welcher als Marktplatz für unterschied- beleben kann. Folgerichtig werden unterschiedli-
lichste Nutzungen vorgeschlagen wird, ist eine che Wohnungsangebote und Grundrisstypologien
stringente Umsetzung der postulierten Begeg- vorgeschlagen. Diese sind mit ihrer pragmatischen
nungszone für Jung und Alt. Ein Erschliessungs- Einfachheit, den ausgewogenen Räumen und
netz, bestehend aus Wegen und Gassen ermöglicht einer grossen Möblierungsflexibilität überzeugend
sowohl eine angemessene Adressierung der ein- gelöst und gut auf die Nutzungsbedürfnisse der
zelnen Bauten als auch eine gewünschte Durch- unterschiedlichen BewohnerInnen abgestimmt. Die
wegung. Die vorgeschlagene Wohnnutzung im vorgeschlagene Dachgartennutzung steigert die
Erdgeschoss mit den vorgelagerten Privatgärten Wohnqualität erheblich, ist jedoch leider nur auf
seitens Moosstrasse ist jedoch wenig nachvoll- einem Gebäude vorgesehen.
ziehbar. Die Privatgärten, welche in dieser Form Die gut nachvollziehbaren Angaben zur Wirtschaft-
entlang der alleebestückten Moosstrasse ein lichkeit führen zu einem im Quervergleich über-
Novum darstellen, verunklären den ansonsten äus- durchschnittlich hohen Baurechtszins und einer
serst qualitätsvollen Konzeptansatz merklich. Die eher tiefen Rendite. Auffällig sind hierbei ein sehr
zwei Wege, welche die Moosstrasse mit dem Sub- hoher Anteil an Hauptnutzflächen, welcher zu rela-
zentrum entlang dem Friederich-Glauser-Weg ver- tiv hohen Anlagekosten und Mieterträgen führt.
binden sollen, führen durch diese Privatgärten und
verdeutlichen diese Problematik. Die vorspringen- Das Projekt ist ein äusserst wertvoller Bei-
den Sockelgeschosse in Analogie an angrenzende trag zur gestellten Aufgabe und. Der integra-
Bauten definieren für die Gassen eine angemes- tive Konzeptansatz wird mit der Setzung und
sene Identität und bewirken für die Wohnungen Massstäblichkeit der Bauvolumen sowie mit der
eine qualitätsvolle Distanz. Ausgestaltung des Friederich-Glauser-Weges
stringent umgesetzt. Ebenso überzeugend ist
Die integrative Strategie des Konzepts wird beim der Vorschlag der attraktiven Durchmischung
architektonischen Ausdruck der Gebäude leider unterschiedlicher Nutzungsangebote. Aus orts-
nicht weitergeführt. Die vorgeschlagene Materiali- baulicher Sicht wird jedoch die Wohnnutzung im
sierung und Gestaltung der Bauten vermögen das Erdgeschoss mit den dazugehörenden Privat-
Konzept nicht zu stärken, kontextuellen Bezüge gärten gegenüber der Moostrasse sowie die zwei
mit einer entsprechenden Verortung fehlen. die Gärten durchstossenden Fusswege kritisiert.
In der Umgebungsgestaltung treten die nachtei- Ebenso vermag der architektonische Ausdruck
ligen Konsequenzen der Anordnung von Wohn- infolge seiner Autonomie nicht zu überzeugen.
nutzungen im Erdgeschoss deutlich zu Tage. Sie
besteht aus zwei gänzlich gegensätzlichen Tei-
len: Am urban angelegten Raumteil versucht ein
grüner willkürlich verlaufender Teppich das Woh-
nen im Erdgeschoss entlang der Moostrasse zu
32 | Entwicklung Füllerichstrasse-Turbenweg, Gümligen – Bericht des PreisgerichtsSie können auch lesen