ERNÄHRUNGSTHERAPIE BEI SARS-COV-2 - VDD-PRAXISLEITFADEN - VDD - EFAD
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VDD VDD-Praxisleitfaden Ernährungstherapie bei SARS-CoV-2
Vorwort
Liebe Leserinnen, liebe Leser, liebe Kolle- Nur ein intaktes Immunsystem bietet die
ginnen und Kollegen, Voraussetzungen dafür, Viren auf körper-
eigene Weise entgegenzutreten. Das lässt
die COVID-19-Pandemie hat uns gewaltige sich durch eine gesundheitsfördernde
Aufgaben gestellt und wirkt sich nicht nur Lebensweise mit guter Ernährung und aus-
auf unser gesamtes privates und berufli- reichend Bewegung und Schlaf stärken.
ches Leben und Wohlergehen gravierend Basierend auf den DGE-Empfehlungen ent-
aus, sondern auch auf unsere Interventio- hält der Leitfaden alle wichtigen Eckpunkte
nen in der Ernährungstherapie. der Ernährung bei ansonsten gesunden
COVID-19-Patienten, die Mangelsituationen
Das Corona-Virus SARS-CoV-2 hat sich vorbeugt und auch bei evtl. eingeschränk-
schnell weltweit verbreitet. Die Wissen- ten Einkaufsmöglichkeiten alltagstauglich
schaft ist fieberhaft dabei, Mittel und Wege ist.
zu finden, damit Menschen mit der neuarti-
gen COVID-19-Krankheit möglichst unbe- → Mittlere oder schwere Verläufe von
schadet fertig werden können. Jeden Tag COVID-19 sind häufig mit Vorerkrankungen
kommen weitere Erkenntnisse hinzu über assoziiert. Viele stehen im Zusammenhang
Verbreitungswege, Viruslast, Kriterien für mit ernährungsbedingten Erkrankungen,
eine Ansteckungswahrscheinlichkeit und wie z. B. Adipositas, Diabetes, COPD und
die besonders vulnerablen Risikogruppen. Asthma, Herz-/Kreislauferkrankungen,
Nierenkrankheiten, oder dem Alter oder
Die Ernährung spielt eine enorm große der Multimorbidität von Menschen. Der
Rolle in diesem Geschehen: Sie hat so- Leitfaden trägt die Empfehlungen für die
wohl bei betroffenen COVID-19-Patienten Ernährungstherapie Betroffener zusammen
in der Akut- und Rekonvaleszenzphase als und richtet das Augenmerk besonders auf
auch bei gesunden „Risikopatienten“ und die Verhinderung von Mangelernährung
Stillenden einen hohen Stellenwert und ist und Sarkopenie sowie auf ein regelgerech-
mitverantwortlich für eine gute Prognose. tes Screening und Assessment des Ernäh-
Der Verband der Diätassistenten – Deut- rungszustandes einer Patientin bzw. eines
scher Bundesverband e. V. (VDD) hat daher Patienten. Wichtig ist die optimale Ver-
einen systematischen Praxisleitfaden Er- sorgung der Risikopatienten, gerade auch
nährungstherapie bei SARS-CoV-2 erstellt: wenn soziale Distanz nötig ist.
eine Handreichung für die Anwendung in
der ambulanten und klinischen Praxis der → Spätestens, wenn ein Klinikaufenthalt
Ernährungstherapie von leicht oder mit- mit oder ohne Beatmung/ Intubation und
telschwer an COVID-19- Erkrankten, von enteraler oder parenteraler Ernährung er-
schwer Erkrankten, die in verschiedenen forderlich wird, ist eine leitliniengerechte
Stadien behandelt werden müssen, sowie Ernährungstherapie gemäß individueller
von genesenden Patienten, die einer multi- Voraussetzungen des Patienten geboten.
disziplinären Therapie inklusiv zumindest Das SARS-CoV-2-Virus kann alle Organe
Ernährungs- und Physiotherapie während angreifen und zu einem Multiorganversa-
der Rekonvaleszenz bedürfen. gen führen. Eine Ernährungsintervention
mit interdisziplinärem Ansatz ist in dieser
Situation zwingend.
VDD-Praxisleitfaden Ernährungstherapie bei SARS-CoV-2 Seite 2
/ Vorwort
VDDVorwort
Der Praxisleitfaden Ernährungstherapie Das vorliegende Werk ist ein Handlungs-
bei SARS-CoV-2 fußt auf nationalen und leitfaden für die praktische Umsetzung der
internationalen medizinischen Leitlinien Ernährungstherapie in den Alltag. Dass sich
bzw. Empfehlungen z. B. von ESPEN, GLIM, Wissenschaft entwickelt und ständig im
DGEM oder DGE; er ist systematisch auf- Fluss ist, dass Wissen Zuwachs erfährt und
gebaut nach Zielgruppe, jeweiligem Er- dadurch modifiziert oder revidiert werden
nährungsassessment, Ernährungsziel und muss, versteht sich von selbst. Insofern
Ernährungsintervention. Umfangreiche wird auch dieser Praxisleitfaden regelmäßig
Quellenangaben und Links bieten einen überprüft und seine Empfehlungen werden
unschätzbaren Fundus an Hintergrundinfor- künftig den neuesten wissenschaftlichen
mation für Kolleginnen und Kollegen und je Erkenntnissen angepasst.
nach Zielgruppe auch für Endverbraucher.
Der Anhang enthält zudem übersetzte Und noch ein Wort zur Sprache: Um einen
Übersichten von internationalen Fachge- guten Lesefluss zu ermöglichen, wurde bei
sellschaften. Personen in einigen Fällen ausschließlich
die männliche Form gewählt. Wo dies der
Erarbeitet und konsentiert wurde dieser Fall ist, steht sie selbstverständlich stellver-
Praxisleitfaden von Marleen Meteling- tretend für alle Geschlechter.
Eeken und weiteren Experten des VDD:
Ursula Lukas, Dennis Papanouskas, Lars
Selig, Daniela Schweikert, Robert Speer Uta Köpcke
und Matthias Zöpke. Ihnen gebührt Präsidentin VDD e. V.
großer Dank!
Zitierhinweis:
Verband der Diätassistenten – Deutscher Bundesverband e. V. (VDD). VDD-Praxisleitfaden
Ernährungstherapie bei SARS-CoV-2. Version 27. Mai 2020, Version 2. Essen: VDD; 2020.
VDD-Praxisleitfaden Ernährungstherapie bei SARS-CoV-2 Seite 3
/ Vorwort
VDDInhaltsverzeichnis
Vorwort Seite 2
Ernährung für Gesunde während der Corona-Pandemie Seite 5
Ernährung für Menschen mit Vorerkrankungen,
geschwächte oder betagte Menschen, mit größtmöglicher
Vermeidung sozialer Kontakte während der Corona-Pandemie
(ambulante Therapie) Seite 8
Ernährung für Menschen mit leichteren bis mittelschweren
COVID-19- Krankheitsverläufen Seite 11
Ernährung von intensivmedizinisch betreuten COVID-19-Patienten Seite 16
Ernährung von COVID-19-Patienten in der Rekonvaleszenz Seite 22
Stillempfehlung während der Corona-Pandemie Seite 30
Ernährung für stillende Mütter während der Corona-Pandemie Seite 33
Anhang
Ernährungsmanagement bei COVID-19 modifizierte
Abbildung 1 der ESPEN COVID-19-Empfehlungen, 2020 Seite 37
Ernährungsmanagement bei COVID-19 modifizierte Tabelle 2,
ESPEN COVID-19, 2020 Seite 38
Mangelernährungsscreening nach den GLIM-Kriterien Seite 39
Ernährungsmanagement bei COVID-19: Fragebogen Sarkopenie Seite 40
Ernährungsmanagement bei COVID-19: Kriteria Sarkopenie Seite 41
Ernährungsmanagement bei COVID-19: multidisziplinäre Zusammenarbeit
ICF – Bio-psycho-soziales Modell in der Rekonvaleszenz Seite 42
Abkürzungsverzeichnis Seite 43
Impressum Seite 46
VDD-Praxisleitfaden Ernährungstherapie bei SARS-CoV-2 Seite 4
/ Inhaltsverzeichnis
VDDErnährung für Gesunde während
der Corona-Pandemie
Zielgruppe
Gesunde Personen, Kinder ab Einführung der
Familienkost
Ernährungsziele
→ Bedarfsgerechte, abwechslungsreiche → Wenn möglich Normalgewicht anstreben
Ernährung auch unter ggf. erschwerten (Menschen mit Adipositas haben ein hohes
Einkaufsbedingungen durch die Kontakt- Risiko auf einen schweren Verlauf)
einschränkung und unter ggf. verändertem
Lebens- bzw. Arbeitsrhythmus
Ernährungs
empfehlungen
Für alle gesunden Menschen ist eine → Ergänzung mit tierischen Lebensmitteln:
vollwertige Ernährung auf der Basis der − täglich (fermentierte) Milch bzw. Milch
DGE-Empfehlungen wichtig. produkte wie Joghurt und Käse
− pro Woche: 1-2 Portionen Fisch, 2-3 Por-
Dazu gehören (Portionsgrößen altersgerecht tionen (fettarmes) Fleisch, 2-3 Portionen
anpassen): (fettarmen) Wurst
→ bedarfsgerecht trinken am Tag, am besten − ab und zu Eier
Wasser oder andere kalorienfreie Getränke oder bei vegetarischer/veganer Ernährung
→ frisch und abwechslungsreich (Kinder und Jugendliche sollten nicht ve-
→ möglichst 5 Portionen Obst und Gemüse gan ernährt werden. Schwangere, die sich
am Tag: mindestens 3 Portionen Gemüse/ vegan ernähren, sollten ihre Versorgung
Hülsenfrüchte und 2 Portionen Obst/Nüsse/ mit kritischen Nährstoffen (wie Vitamin B12,
Ölsaaten oder Trockenobst (ganze Beeren, DHA, Zink, Proteine, Eisen, Kalzium und Jod)
Nüsse, Mandeln und Erdnüsse erst für Kin- ärztlich überprüfen lassen und qualifizierte
der ab 4 Jahre, bis dahin nur in gemahlener Ernährungsberatung in Anspruch nehmen):
Form) − eine gute Kombination von verschiedenen
→ bevorzugt Vollkornprodukte (statt raffinierter pflanzlichen Proteinquellen wie Hülsen-
Getreideprodukte) früchten, Vollkorngetreide Sojaprodukten,
Kartoffeln und Nüssen
− die Kombination von eisenreichen pflanz-
lichen Lebensmitteln mit frischem, ggf.
gepresstem, Obst
− kalziumreiches Mineralwasser, mit Kalzium
angereicherte Lebensmittel
VDD-Praxisleitfaden Ernährungstherapie bei SARS-CoV-2 Seite 5
/ Ernährung für Gesunde während der Corona-Pandemie
VDD− fluoridiertes Jodsalz Alle Mitarbeiter in den Kliniken sollten
− Supplementierung mit Vitamin B12 bei mit einer vollwertigen Ernährung versorgt
veganer Ernährung werden.
→ gesundheitsfördernde Öle wie z. B. Rapsöl
und daraus produzierte Streichfette, wenige
verarbeitete Produkte
→ Zucker und Salz einsparen: wenn ab und zu
Süßigkeiten und Snacks, dann möglichst in Um häufiges Einkaufen zu vermeiden, hilft eine
kleinen Mengen gute Planung und Bevorratung. Die DGE hat
→ auf das Gewicht achten, Portionsgrößen be- hierzu Informationen und Rezepte online
achten und täglich mindestens 30 Minuten gestellt.
Bewegung
→ bei zu wenig täglicher Sonnenbestrahlung in → Eine Ernährungsform, Nährstoffpräparate
Isolationssituationen altersgerechte Vitamin- oder einzelne Wirkstoffe aus Lebensmit-
D-Supplementierung teln, die in der Lage sind, das Immunsys-
→ Schwangere sollen in den ersten 3 Mona- tem über die individuelle Stärke hinaus zu
ten Folsäure (täglich 400 μg) und während steigern, sind aktuell nicht bekannt. Essen-
der gesamten Schwangerschaft Jod (täglich ziell ist neben einer vollwertigen Ernäh-
100 - 150 μg) supplementieren rung ein gesundheitsfördernder Lebensstil
→ Kleinkinder sollten, bis die altersgerechte mit täglicher Bewegung, ausreichendem
Anwendung einer Fluorid-haltigen Zahn- Schlaf und mit emotionalem Kontakt zu
creme verwendet werden kann, täglich Bezugspersonen.
0,25 mg Fluorid supplementiert bekommen, → Eine Einnahme von Nahrungsergänzungs-
jedoch nicht bei Trinkwasser mit > 0,7 mg mitteln „auf Verdacht“ ist nicht empfeh-
Fluorid/l lenswert.
→ Beachtung der Hygieneregeln beim Ein-
kaufen und bei der möglichst schonenden
Nahrungszubereitung
VDD-Praxisleitfaden Ernährungstherapie bei SARS-CoV-2 Seite 6
/ Ernährung für Gesunde während der Corona-Pandemie
VDDLinks für Endverbraucher
https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/20200409_053-054_Degam-Patinfo.pdf
https://www.bzfe.de/inhalt/familienalltag-in-zeiten-des-coronavirus-35324.html
https://www.dge.de/presse/pm/schnelle-und-ausgewogene-rezepte-fuer-die-ganze-familie/
https://www.dge.de/service/gepruefte-in-form-rezepte
https://www.diabetesde.org/tipps-gesunden-ernaehrung-zeiten-coronavirus
https://www.diabetesde.org/rezepte
https://www.dgsp.de/seite/446828/informationen-und-tipps-zur-bewegung-während-der-coronavirus-lage.html
https://www.gesund-ins-leben.de/ → Für Familien
https://www.in-form.de/materialien
https://www.in-form.de/materialien/der-ernaehrungskalender-fuer-eltern/
https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/NCOV2019/FAQ_Liste.html
https://www.quarks.de/gesundheit/medizin/corona-virus-das-wissen-wir/
https://www.verbraucherzentrale.de/corona-covid19-die-folgen-und-ihre-rechte-45509
https://www.verbraucherzentrale.de/ernaehrungsempfehlungen-fuer-kinder
https://www.verbraucherzentrale.de/essen-in-der-familie-45954
Quellen, Leitlinien und Links
https://adipositas-gesellschaft.de/fileadmin/PDF/daten/DAG_Positionspapier_Adipositas_und_Covid-19.pdf
https://www.bda.uk.com/resource/covid-19-corona-virus-advice-for-the-general-public.html
https://www.bfr.bund.de/de/kann_das_neuartige_coronavirus_ueber_lebensmittel_und_gegenstaende_uebertragen_wer-
den_-244062.html
https://www.ble-medienservice.de/3589/ernaehrung-und-lebensstil-vor-und-waehrend-der-schwangerschaft-handlungsempfehlun-
gen
https://www.bmel.de/DE/Ministerium/_Texte/corona-virus-faq-fragen-antworten.html
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what-to-choose-and-how-to-eat-healthily
https://www.gesund-ins-leben.de/inhalt/medien-und-materialien-29390.html
https://www.nnedpro.org.uk/post/combatting-covid-19
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/nCoV.html
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ergaenzungsmittel-45640
VDD-Praxisleitfaden Ernährungstherapie bei SARS-CoV-2 Seite 7
/ Ernährung für Gesunde während der Corona-Pandemie
VDDErnährung für Menschen mit Vorerkrankun-
gen, geschwächte oder betagte Menschen,
mit größtmöglicher Vermeidung sozialer
Kontakte während der Corona-Pandemie
(ambulante Therapie)
Zielgruppe
Hochbetagte Menschen, stark adipöse Men- COPD, Asthma, Lebererkrankungen, Nieren-
schen, Patienten mit chronischen Vorerkran- erkrankungen, onkologischen Erkrankungen,
kungen mit/ohne Immunsuppressiva wie z. B. Demenz
Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
Ernährungsassessment
Insbesondere: formen/spezielle Lebensmittel, Versorgungs
Ernährungssituation (Screening Mangeler- situation/Unterstützung, Gewohnheiten
nährung: MUST, PG-SGA, MNA®; Screening Medizinische Situation
Sarkopenie: SARC-F; Screening Appetit: VAS Labordaten
für Anorexie; Kriteria Mangelernährung: GLIM; Emotionale Situation hinsichtlich Angst,
Kriteria Sarkopenie: EWGSOP2), Energie- und Depression, Wünschen, Bedürfnissen
Nährstoffbedarf, ggf. notwendige Ernährungs-
Ernährungsziele
Die Versorgung mit ausreichender vollwerti- an kritischen Nährstoffen wie beispielsweise
ger bzw. dem Krankheitszustand geschulde- Proteinen, muss sichergestellt werden, um das
ter Ernährung, inklusive der Bedarfsdeckung Immunsystem nicht zusätzlich zu schwächen.
Ernährungsintervention
Siehe „Ernährung für Gesunde während der sollen orale Nahrungssupplemente (ONS)
Corona-Pandemie“. eingesetzt werden. ONS sollten mindestens
400 kcal Energie und 30 g Protein pro Tag
Zusätzliche ESPEN COVID-19-Empfehlungen: liefern und mindestens einen Monat lang
→ Falls bei Mangelernährung Beratung und eingenommen werden. Die Wirksamkeit und
Anreicherung von Speisen nicht ausreichen, der erwartete Nutzen der ONS sollten ein-
um die Nahrungsaufnahme zu steigern und mal im Monat bewertet werden.
die Energie- und Proteinziele zu erreichen,
VDD-Praxisleitfaden Ernährungstherapie bei SARS-CoV-2 Seite 8
/ Ernährung für Menschen mit Vorerkrankungen, geschwächte oder betagte Menschen, mit größt-
VDD möglicher Vermeidung sozialer Kontakte während der Corona-Pandemie (ambulante Therapie)→ Bei Mangelernährung sollte eine ausreichen- Durchschnitt haben laut Geriatrie-Professor
de Versorgung mit Vitaminen und Mineral- Marcel Olde Rikkert Menschen ≥ 80 Jahre
stoffen durch Supplementierung mit der eine Körpertemperatur von 35 bis 36 Grad
empfohlenen altersgemäßen Tagesmenge Celsius. Eine achtzigjährige Person, die nor-
sichergestellt werden. malerweise eine Körpertemperatur von 35
→ Es sollte auf regelmäßige körperliche Aktivi- Grad Celsius hat, kann deshalb bei 37 Grad
täten/Mobilisationsübungen (täglich > 30 Celsius schon Fieber haben, ihre Temperatur
Min. oder jeden 2. Tag > 1 Stunde) geachtet liegt aber unter der allgemeinen Fieber-
werden, unter Einhaltung der Hygienemaß- grenze von 38 Grad Celsius. Bei Hochbe-
nahmen bei Aktivitäten außer Haus. tagten können eher atypische Beschwerden
für eine COVID-19-Infektion, aber typische
Weitere Bemerkungen VDD: Beschwerden für diese Patienten, wie ein
→ Hilfen für die Versorgung mit ausreichender, Sturz, eine akute Verwirrtheit, Dehydratation,
vollwertiger Ernährung könnten sein: Synkope oder ein akuter Funktionsverlust
− Wochenplan erstellen und Bevorratung als Alarmsignal gesehen werden
mit Lebensmitteln (Olde Rikkert et al., 2020).
− Einkauf durch andere Personen organisie-
ren, Einkaufsservice nutzen → Eine Ernährungsform, Nährstoffpräparate
− Tiefkühlprodukte, Dosen, ggf. Liefer oder einzelne Wirkstoffe aus Lebensmit-
service oder Essen-auf-Rädern nutzen teln, die in der Lage sind das Immunsystem
→ CAVE bei Adipositas: „Versteckter Hun- über die individuelle Stärke hinaus zu stei-
ger“ – Mikronährstoffmangel, dem nach- gern, sind aktuell nicht bekannt. Essenziell
gegangen und der entsprechend therapiert ist neben einer vollwertigen Ernährung ein
werden sollte (Astrup & Bügel, 2019). gesundheitsfördernder Lebensstil mit täg-
→ Hochbetagte, noch selbstständig lebende licher Bewegung, ausreichendem Schlaf
Menschen können trotz „Nein“ bei allen und mit emotionalem Kontakt zu Bezugs-
Schlüsselfragen für eine mögliche COVID- personen.
19-Infektion doch infiziert sein. Dies ist in der → Eine Einnahme von Nahrungsergänzungs-
ambulanten Therapie zu berücksichtigen. Im mitteln „auf Verdacht“ ist nicht empfeh-
lenswert.
Monitoring/Evaluation
Im Allgemeinen besteht die Notwendigkeit des
regelmäßigen Monitorings (telefonisch, tele-
medizinisch) der Funktionalität im alltäglichen
Leben, zum Screening auf Mangelernährung/
Sarkopenie und zur Optimierung von krank-
heitsrelevanten Werten wie Gewicht, BMI, Kör-
perzusammensetzung, Plasmaglukose etc.
VDD-Praxisleitfaden Ernährungstherapie bei SARS-CoV-2 Seite 9
/ Ernährung für Menschen mit Vorerkrankungen, geschwächte oder betagte Menschen, mit größt-
VDD möglicher Vermeidung sozialer Kontakte während der Corona-Pandemie (ambulante Therapie)Links für Endverbraucher
https://www.deutsche-alzheimer.de/ueber-uns/presse/aktuelles-zur-corona-krise/haeufige-fragen-und-antworten-zu-corona-und-de-
menz.html
https://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/leitlinien/patienten-leitlinien.html
https://www.europeanlung.org/de/qa-covid-19/
https://www.fitimalter-dge.de/fileadmin/user_upload/medien/Mangelernaehrung_im_Alter.pdf
https://www.kfh.de/fuer-patienten/informationen-zur-corona-pandemie/
https://www.leberhilfe.org/coronavirus/
https://www.was-essen-bei-krebs.de/2020/04/02/coronavirus-tipps-fuer-die-versorgung-und-die-zeit-zu-hause/
https://www.was-essen-bei-krebs.de/2020/04/03/richtige-lagerung-von-lebensmittelvorraeten/
Quellen, Leitlinien und Links
https://adipositas-gesellschaft.de/fileadmin/PDF/daten/DAG_Positionspapier_Adipositas_und_Covid-19.pdf
https://pneumologie.de/aktuelles-service/covid-19/?L=0
https://www.aerzteblatt.de/pdf.asp?id=213454: Dreher et al. Charakteristik von 50 hospitalisierten COVID-19 Patienten mit und ohne
ARDS
https://www.awmf.org/leitlinien/aktuelle-leitlinien.html
https://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/fileadmin/Redakteur/Stellungnahmen/2020/20200403_Positionspapier_COVID19_fi-
nal_1.pdf
https://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/leitlinien/praxisempfehlungen
https://www.dgem.de/leitlinien
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https://doi.org/10.1038/s41366-018-0143-9: Astrup A, Bügel S. Overfed but undernourished: recognizing nutritional inadequacies/defi-
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https://doi.org.10.1055/s-0037-1618928: Kromeyer-Hauschild K, Moss A, Wabitsch M. Referenzwerte für den Body-Mass-Index für
Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Deutschland. Anpassung der AGA-BMI-Referenz im Altersbereich von 15 bis 18 Jahren.
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https://www.espen.org/guidelines-home → https://doi.org/10.1016/j.clnu.2020.03.022 (ESPEN COVID-19)
https://www.fitimalter-dge.de/fachinformationen/medien/
https://www.nrc.nl/nieuws/2020/05/13/tachtigers-waren-een-blinde-vlek-bij-coronavirus-a3999551: Weeda F, Olde Rikkert MGM.
Interview Marcel Olde Rikkert Hoogleraar Ouderengeneeskunde: ‚Tachtigers blinde vlek bij Coronavirus‘. [Interview Marcel Olde
Rikkert, Professor Geriatrie: ‚Die Achtziger fielen beim Coronavirus durch das Screeningnetz‘]. NRC-Handelsblad, 14.05.2020.
https://www.ntvg.nl/artikelen/atypisch-beeld-van-covid-19-bij-oudere-patienten: Olde Rikkert MGM, et al. [Atypisches Bild von CO-
VID-19 bei älteren Patienten]. Nederlands Tijdschrift voor Geneeskunde 2020;164(D5004):1-7.
https://www.vdd.de/fileadmin/downloads/Leitfaden_Prävention/LEKuP.PDF
VDD-Praxisleitfaden Ernährungstherapie bei SARS-CoV-2 Seite 10
/ Ernährung für Menschen mit Vorerkrankungen, geschwächte oder betagte Menschen, mit größt-
VDD möglicher Vermeidung sozialer Kontakte während der Corona-Pandemie (ambulante Therapie)Ernährung für Menschen mit
leichteren bis mittelschweren
COVID-19-Krankheitsverläufen
Zielgruppe
Leichtere bis mittelschwere Verläufe (Patienten
auf Normal-Station)
Ernährungsassessment
Insbesondere: Müdigkeit und Muskelschwäche, Schluck-
Ernährungssituation hinsichtlich Mangelernäh- störungen, Übelkeit); Hindernisse hinsichtlich
rung (Screening Mangelernährung: NRS 2002; Versorgung
Screening Sarkopenie: SARC-F; Screening Medizinische Situation hinsichtlich respira-
Appetit: VAS für Anorexie; Kriteria Mangeler- torischer-/Lungenkondition, Atemnot/Sauer-
nährung: GLIM; Kriteria Sarkopenie: EWGS- stoffversorgung, Vigilanz und Schutzreflexe,
OP2), Energie- und Nährstoffbedarf, Körper- kardiologischer und neurologischer Symptome,
zusammensetzung (BMI, Taillenumfang, FFM, Nieren- und Leberfunktion, Onkologie
FFMI); Hindernisse hinsichtlich Nahrungsauf- Labordaten bzgl. Blutzucker, Blutdruck, Entzün-
nahme/Nährstoffaufnahme (Anorexie, Bauch- dungswerten, Insulin, Plasmaproteinen,
schmerzen, Blutverlust, Diarrhö (Frequenz, Vitamin D, Vorerkrankung(en); ggf. bzgl. Refee-
Bristol-Stuhl-Skala), Erbrechen, Geruchs- und ding-Syndrom (Phosphat, Elektrolyte)
Geschmacksstörungen, Kopfschmerzen, Ma- Emotionale Situation hinsichtlich Angst, De-
genatonie/Magenentleerungsstörung, extremer pression, Wünschen, Bedürfnissen
Ernährungsziele
→ Ausgleich des erhöhten Protein- und Ener- → Priorisierung der Ernährungsziele, bedingt
giebedarfs, ggf. bei bereits vorbestehender durch bestehende Vorerkrankungen
Mangelernährung/Katabolie zur Erhaltung → Ggf. Vermeiden des Refeeding-Syndroms
der Muskelmasse → Anpassung des Ernährungsmanagements
→ Reduktion der Proteinverluste und Erhaltung an die Symptomatik und ggf. an notwendige
bzw. Verbesserung der Immunkompetenz Sauerstofftherapie (NIV-Maske, Sauerstoff-
helm)
VDD-Praxisleitfaden Ernährungstherapie bei SARS-CoV-2 Seite 11
/ Ernährung für Menschen mit leichteren bis mittelschweren COVID-19- Krankheitsverläufen
VDDErnährungsintervention
ESPEN COVID-19 Empfehlungen zur Optimie- Ergänzende Practice-based-Empfehlungen
rung des Ernährungszustandes: (NESPEN/NDIC/BDA/VDD):
→ Personbezogene Energie- und Proteinziele → Diätassistenten sollten von Anfang an (ggf.
auf der Basis der ESPEN-Leitlinien für klini- telefonisch) in die stationäre Behandlung
sche Ernährung (ESPEN-COVID-19): einbezogen werden.
Geschätzter Energiebedarf → Diätetische Prinzipien anderer Erkrankungen
= REE von 18-20 kcal/kg KG/Tag + Aktivitäts- sollten bei der Berechnung der bedarfsge-
und ggf. Stressfaktor bzw. rechten Ernährung weiterhin beachtet wer-
= 27 kcal/kg KG/Tag bei polymorbiden den, wie beispielsweise laktosereduzierte,
Patienten > 65 Jahren bzw. allergenfreie oder adaptierte Konsistenzen.
= 30 kcal/kg KG/Tag bei polymorbiden → Täglich 6 einfache, kleine, proteinreiche
Patienten mit schwerer Mangelernährung Mahlzeiten anbieten, wovon beispielsweise
oder auch bei älteren Patienten ≥ 65 Jahren; 2-3 ONS sind.
Geschätzter Proteinbedarf CAVE: schwierig durch strikte Isolations-
= 1 g Protein/kg KG/Tag bei älteren Patienten maßnahmen, reduzierten Personalkontakt
≥ 65 Jahren, bzw. und Knappheit an Personenschutzmateria-
= ≥ 1 g Protein/kg KG/Tag bei polymorbiden lien. Standard/Vorgangsweise mit Ärzten
Patienten, bzw. und Pflege definieren.
= 0,8-1,0 g Protein/kg aktuelles KG/Tag bei → Bedarfsgerechte Flüssigkeitszufuhr mit
Nierenpatienten mit (Risiko für) Mangel Korrektion bei Fieber, Erbrechen und Diarrhö
ernährung ohne Dialysepflicht. zur Vorbeugung einer Dehydratation.
Bei Adipositas sollte für den Proteinbedarf → Zum Erhalt der oralen Nahrungsaufnahme
ein adaptiertes Körpergewicht (= Idealge- benötigen die Patienten Unterstützung, in-
wicht + (aktuelles Gewicht – Idealgewicht) × dem beispielsweise das Essen geschnitten
0,33) eingesetzt werden. Idealgewicht (kg) = wird oder Brot und Brötchen bestrichen und
48,4 + 77,0 × (Körpergröße (m) – 1,50 m) belegt werden. Insbesondere strohhalmgän-
→ Bei Mangelernährung sollte eine ausreichen- gige, joghurtartige oder mit der Zunge am
de Versorgung mit Vitaminen und Mine- Gaumen zerdrückbaren Speisen sind ge-
ralstoffen durch Supplementation mit der eignet, z. B. Joghurt, Brei, Milch, Buttermilch,
empfohlenen altersgemäßen Tagesmenge Frischsäfte und Mischgetränke, Smoothies.
sichergestellt werden. → Bei aktiver Beatmung mit einer nicht-invasi-
→ Orale Nahrungssupplemente (ONS) sollen ven Beatmungsmaske (NIV-Maske) wird das
eingesetzt werden, wenn Ernährungsbera- Trinken durch einen Strohhalm mithilfe eines
tung und Nahrungsmittelanreicherung nicht Keilstückes empfohlen, um einen schnellen
ausreichen, um die Nähstoffaufnahme zu Abfall der Sauerstoffsättigung beim Aus-
erhöhen und den Bedarf zu decken. ONS setzen der Beatmung durch das vorüber-
sollten mindestens 400 kcal Energie und gehend Ablegen der Maske vorzubeugen.
30 g Protein pro Tag liefern. Bei nasaler High-Flow-Therapie (NHF) kann
→ Wenn der Nährstoffbedarf (absehbar) nicht gegessen und getrunken werden.
mit oraler Ernährung abgedeckt werden CAVE: reduzierte Lebensmittelaufnahme
kann, sollte (zusätzlich) enterale Ernährung bzw. Nahrungsdichte, unzureichende Ener-
(EN) zugeführt werden. Vor Beginn der EN gie-/Bedarfsdeckung ⊲ Einsatz ONS
Kontrolle auf Risiko für das Refeeding-Syn-
drom. Parenterale Ernährung (PN) sollte er-
wogen werden, wenn die EN unzureichend
oder kontraindiziert ist.
VDD-Praxisleitfaden Ernährungstherapie bei SARS-CoV-2 Seite 12
/ Ernährung für Menschen mit leichteren bis mittelschweren COVID-19- Krankheitsverläufen
VDD→ Risiko-Alters-/Patientengruppe: ab statio- → Sondennahrung kontinuierlich mit niedriger
närer Aufnahme orale Trinknahrung sup- Flussrate über Pumpe applizieren. Sonden-
plementieren. Beginn mit 2 x 60-100 ml nahrung langsam einschleichen (10-20 ml/h)
Trinknahrung (mindestens 300 kcal/Tag). und bis Zielvolumen standardisiert (täglich
Steigerung bei guter Verträglichkeit bis um 10-20 ml/h) steigern. Bei jejunaler Son-
mindestens 400 kcal/Tag und ≥ 30 g Protein. denlage bevorzugt mit normokalorischer
Vitamin-D-Supplementierung in Abhängig- Sondennahrung mit 1,0 bis 1,3 kcal beginnen,
keit des Vitamin-D-Status und der Vitamin-D- dadurch Steigerung der intestinalen Verträg-
Aufnahme mit ONS. lichkeit und Reduktion der Dumping-Gefahr.
→ Versorgung mit Trinkbechern/Tassen aus Grundsätzlich: die Flussrate sollte jejunal
Plastik oder mit leichtem Gewicht. 125 ml/h nicht übersteigen.
→ Produktauswahl: u. a. abhängig vom Körper-
Ergänzende Practice-based-Bemerkungen/ gewicht, Unterscheidung zwischen Normal-
Empfehlungen (NESPEN/NDIC/BDA/VDD) zur gewicht und Übergewicht/Adipositas:
enteralen Ernährung: − Bei Normalgewicht (aktuellem Körper
→ Personbezogene Energie- und Proteinziele gewicht): hochkalorisch: 1,3-2 kcal/ml,
auf der Basis der DGEM-Leitlinien für klini- proteinreich: 20 Energieprozent Protein,
sche Ernährung bzw. LEKuP. ggf. mit Ballaststoffen.
→ Als Alternative zu Proteinzielen in g/kg KG/ − Bei Übergewicht/Adipositas gilt das Ideal-
Tag ist eine genauere Berechnung des gewicht (Möglichkeit 1 (DGEM): [Ideal-
Proteinbedarfes, insbesondere bei überge- gewicht (kg) = 48,4 + 77,0 × (Körpergröße
wichtigen/adipösen Personen, möglich auf (m) – 1,50 m)], Möglichkeit 2 (NESPEN):
der Basis der fettfreien Masse (FFM) (1,2 g das Körpergewicht gehörend zum BMI
Protein/kg FFM gleichen nach Ishibashi et von 27,5 kg/m²): isokalorisch: 1 kcal/ml,
al. 1998 ≈ 1,0 g Protein/kg KG, bei Krankheit: proteinreich: 20 Energieprozent Protein,
1,5 g Protein/kg FFM gleichen ≈ 1,2 g Prote- ggf. mit Ballaststoffen.
in/kg KG und 1,9 g Protein/kg FFM gleichen − Spezielle Sondennahrung mit angepasster
≈ 1,5 g Protein/kg KG). Kohlenhydrate-Fett-Ratio bei Mukoviszi-
Wenn eine Messung der FFM durch z. B. dose und Lungenerkrankungen, um den
bioelektrische Impedanzanalyse nicht mög- respiratorischen Quotient zu verbessern.
lich ist, kann die FFM mit der Formel von Ggf. Sondennahrung mit Ballaststoffen bei
Gallagher berechnet werden (Velzeboer et persistierender Diarrhö oder Obstipation.
al., 2017). Siehe für automatische Berech- CAVE: Ballaststoffhaltige bzw. mit
nung: https://zakboekdietetiek.nl/gallagher/ Ballaststoffen angereicherte Sonden-
(Lengte = Körpergröße, Gewicht = Gewicht, nahrungen sollten in der Akutphase (auf
Geslacht = Geschlecht, Vrouw = Frau, Man = der ICU) bzw. bei Hochrisiko-Patienten
Mann, Leeftijd = Alter, niet-Aziatische perso- (Darmischämie, Paralyse) nicht einge-
nen = nicht-asiatische Personen, Aziatische setzt werden.
personen = asiatische Personen). → Beim Vorliegen eines Risikos für das Refee-
→ Bei einer NIV-Maske (mit Port oder Keilstück) ding-Syndrom sollte nach dem konsensus-
ist eine nasogastrale Sondenlage bei Patien- basierten Algorithmus für stationäre Patien-
ten mit ausreichender Vigilanz möglich. ten von Aubry et al. Aktuel Ernahrungsmed
→ Patienten sind häufig länger als eine Woche 2019 bzw. nach dem Refeeding-Syndrom-
sauerstoffbedürftig. Wenn Patienten keine PDF des Kantonspitals Aarau oder ggf. auch
ausreichende(n) Vigilanz/Schutzreflexe nach krankenhausinternen Protokollen vor-
haben, sollte frühzeitig die Anlage einer gegangen werden.
nasojejunalen Sonde, ggf. mit einer monitor-
basierten bettseitigen Anlage der Sonde,
thematisiert werden, um unterstützend
ernähren zu können. Bei einem Sauerstoff-
helm ist sowohl eine nasogastrale als auch
eine nasojejunale Sonde möglich.
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VDDMonitoring/Evaluation
Practice-based-Empfehlungen
(NESPEN/NDIC/BDA/VDD) Im Allgemeinen sind eine frühzeitige
→ Tägliche Überprüfung der Einnahme der Evaluation des Ernährungszustandes, der
Mahlzeiten und ggf. der Zusatzernährung/ gastrointestinalen Funktionen und des
ONS. Aspirationsrisikos sowie der rechtzeitige
→ Regelmäßige Kontrolle der Proteinzufuhr Start einer bedarfsgerechten (ggf. ente-
und der Energiezufuhr, z. B. am Tag 3-4 der ralen/parenteralen) Ernährungstherapie
Aufnahme um die Intervention der oralen wichtig für die Prognose des Patienten.
Ernährung/ONS zu evaluieren und frühzeitig
enterale Ernährung einzusetzen (Nahrungs-
aufnahme < 65 % des Bedarfs).
→ Patienten mit Ernährungssonde: Häufigere/
striktere Kontrolle des gastralen Residualvo-
lumens. Bei anhaltender Magenentleerungs-
störung sollte zügig auf eine nasojejunale
Sondenlage gewechselt werden.
→ Individuelles Proteinziel (ca. 1,3 g/kg KG/
Tag) bei vollständiger Sondennahrung nicht → PN sollte nur zugeführt werden, wenn EN
erreicht? Sondierung durch Proteinmodul nicht umsetzbar ist (z. B. wenn > 5 Tage nicht
ergänzen. realisierbar).
→ Kontrolle auf Beschwerden durch die Ernäh- → Monitoring des Gewichtes/Gewichtsverlau-
rung: Wird hochmolekulare Sondennahrung fes, der Funktionalität und Körperzusammen-
nicht vertragen, dann sollte niedermoleku- setzung, des Krankheitsverlaufs (bilaterale
lare Sondennahrung (Di-/Oligopeptid/MCT) Pneumonie, Thrombopenie), der Urinfarbe
eingesetzt werden. Als Folge der viralen und des Urinvolumens (wenn Katheter).
Infektion und/oder der antiviralen bzw. anti- → Monitoring des Blutzuckers, Insulins, der
infektiösen Medikamente ist eine nachhaltig Sauerstoffversorgung, Nieren- und Leber-
negative Balancestörung des Darmmikrobi- werte, Entzündungswerte, Plasmaproteine,
oms mit Reduktion der intestinalen Probioti- ggf. bzgl. des Refeeding-Syndroms (Phos-
ka wie Lactobacillus und Bifidobakterien zu phat, Elektrolyte: Tag 1-3: täglich, Tag 4-6: je-
erwarten. den zweiten Tag, Tag 7-10: 1-2 x pro Woche).
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VDDQuellen, Leitlinien und Links
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Caccialanza R, Cereda E, et al. Early nutritional supplementation in non-critically ill patients hospitalized for the 2019 novel coro-
navirus disease (COVID-19): Rationale and feasibility of a shared pragmatic protocol. Nutrition 2020;74:110835. doi:10.1016/j.
nut.2020.110835.
Dreher M, Marx N, et al. Charakteristik von 50 hospitalisierten COVID-19-Patienten mit und ohne ARDS. Dtsch Arztebl Int
2020;117(16):271-8. doi:10.3238/arztebl.2020.0271.
Elke G, Bischoff SC, et al. DGEM-Leitlinie: „Klinische Ernährung in der Intensivmedizin“. Aktuel Ernahrungsmed 2018;43(5):341-408.
Gomes F, Bischoff SC, et al. ESPEN guidelines on nutritional support for polymorbid internal medicine patients. Clin Nutr
2018;37(1):336-53. doi:10.1016/j.clnu.2017.06.025.
Reber E, Stanga Z, et al. CME-Fortbildung: Herausforderungen und Wirksamkeit eines klinischen Ernährungsteams. Aktuel Ernah-
rungsmed 2019;44(5):336-54. doi:10.1055/a-0887-1996.
Singer P, Bischoff S, et al. ESPEN guideline on clinical nutrition in the intensive care unit. Clin Nutr 2019;38(1):48-79. doi:10.1016/j.
clnu.2018.08.037.
Stefan N, et al. Obesity and impaired metabolic health in patients with COVID-19. Nat Rev Endocrinol 2020. doi:10.1038/s41574-020-
0364-6.
Velzeboer L, Kruizenga H, et al. [Wie berechnen wir den Eiweißbedarf bei Mangelernährung (Untergewicht) und Übergewicht? Führt
die Formel von Gallagher zu einer besseren Schätzung?]. Ned Tijdschr voor Voeding & Diëtetiek 2017;72(1):S1-S7.
Volkert D, et al. ESPEN guideline on clinical nutrition and hydration in geriatrics. Clin Nutr 2019;38(1):10-47. doi:10.1016/j.
clnu.2018.05.024.
https://covid-19.alibabacloud.com/#J_8102420620
https://ftp.iddsi.org/Documents/20180410_Vollstandige_IDDSI_Struktur_und_Beschreibung.pdf
https://ntvd.media/artikelen/voedingsadviezen-voor-patienten-met-covid-19/
https://www.bda.uk.com/resource/critical-care-dietetics-guidance-covid-19.html
https://www.dgem.de/leitlinien;
https://www.efad.org/en-us/covid-19/
https://www.espen.org/guidelines-home → https://doi.org/10.1016/j.clnu.2020.03.022 (ESPEN COVID-19)
https://www.ksa.ch/sites/default/files/cms/edm/pocketguide/appendix/14_refeeding_therapie.pdf (Kantonspital Aarau)
https://www.station-ernaehrung.de
https://www.vdd.de/fileadmin/downloads/Leitfaden_Prävention/LEKuP.PDF
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VDDErnährung von intensivmedizinisch
betreuten COVID-19-Patienten
Zielgruppe
Intensivmedizinisch betreute COVID-19-Pa-
tienten in den Phasen: frühe Akutphase, späte
Akutphase und Post-Akutphase, mit Sauerstoff-
therapie oder mechanischer Beatmung
Ernährungsassessment
Siehe Assessment für Menschen mit leichteren kungen) und weitere Komplikationen
bis mittelschweren COVID-19-Krankheitsverläu- Zusätzliche Labordaten bzgl. Harnstoff, Werte
fen + Beatmungsform, Ressourcen(einschrän- von Triglyzeriden im Plasma
Ernährungsziele
Siehe Ziele für Menschen mit leichteren bis mit- Zusätzliche Ziele:
telschweren COVID-19-Krankheitsverläufen → Anpassung des Ernährungsmanagements
an die Symptomatik und Sauerstoffthera-
pie (NIV-Maske, (High-)Flow-Nasenkanüle
(HFCN), Sauerstoffhelm/Intubation)
→ Reduktion der Mortalität
ICU ≈ Tag 1 - 3 ICU ≈ Tag 2 - 4 ICU/Station > 7 Tage
Frühe Akutphase Späte Akutphase Chronische/Post-Akutphase
→ Energie: < 70 % des ge- → Energie: 70 % des ge- → Energie: 80-100 % des ge-
schätzten oder gemesse- schätzten oder 80-100 % schätzten oder gemesse-
nen Bedarfs* des gemessenen Bedarfs** nen Bedarfs*
→ Protein: die Proteinmenge, → Protein: schrittweise Steige- → Protein: mindestens
die erreicht wird mit der zu- rung bis 1,3 g/kg KG/Tag** 1,3 g/kg KG/Tag**
geführten Energie
* Gemessener Energiebedarf mithilfe indirekter Kalorimetrie, wenn hygienebedingt möglich; VCO2 oder VO2.
Geschätzter Energiebedarf nach Vorgaben DGEM/ESPEN-LL. Notfallzeiten-Schätzung: 20 kcal/kg KG/Tag.
** Proteinziel: Bei Adipositas sollte ein adaptiertes Körpergewicht (= Idealgewicht + (aktuelles Gewicht – Idealgewicht) × 0,33) ein-
gesetzt werden. Idealgewicht (kg) = 48,4 + 77,0 × (Körpergröße – 1,50 m). Bei Patienten mit chronischer Nierenerkrankung ohne
Dialysepflicht: 0,8-1,0 g Protein/kg KG/Tag.
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VDDErnährungsintervention
(ESPEN COVID-19)
ICU ≈ Tag 1 - 3 ICU ≈ Tag 2 - 4 ICU/Station > 7 Tage
Frühe Akutphase Späte Akutphase Chronische/Post-Akutphase
Von NIV-Maske/HFCN Über- Mechanische Beatmung Weiterhin mechanische Be-
gang auf mechanische Beat- atmung; Mögliche Extuba-
mung, wenn nach 2 Stunden tion und Rückverlegung auf
ungenügender Sauerstoffsät- Station
tigung
Verschlechterung des res- Multiorganversagen möglich Persistierende Organdysfunk-
piratorischen Status; akutes tion; Progressive Erholung
Atemnot-Syndrom (ARDS); nach Extubation
möglicher Schock
→ Festlegung des Energie- → Bevorzugt frühzeitige → Siehe Empfehlungen
ziels und der Kalorien- enterale Ernährung (EN), „Späte Akutphase“
zufuhrrate, wenn möglich innerhalb von 24 Std., ziel- → Untersuchung auf Dyspha-
mithilfe der indirekten gerechte Proteinzufuhr gie, wenn möglich orale
Kalorimetrie oder der → EN sollte mit einer naso- Ernährung/konsistenzadap-
CO2-Produktion (VCO2, gastralen Sonde begonnen tierte Kost einsetzen; wenn
Beatmungsgerät) oder des werden; bei Patienten mit der Schluckakt als unsicher
O2-verbrauchs (VO2, Lun- gastrointestinaler Intoleranz beurteilt wird, sollte durch
genarterienkatheter) nach prokinetischer The- eine Sonde enteral oder
→ Festlegung des Proteinziels rapie oder bei Patienten ggf. parenteral ernährt wer-
und der Protein-/Aminosäu- mit einem hohen Risiko auf den
ren-Zufuhrrate Aspiration ist eine nasojeju- → Erhöhung der Proteinzufuhr
→ Bei NHF oder nicht-inva- nale Sondenanlage indiziert bis 100 % des Bedarfs
siver Beatmung, sollten → Wenn zielgerechte EN → (Hinzufügung bzw. langsa-
Kalorien/Proteine oral oder während der ersten Woche me Steigerung der Mobi-
enteral oder, falls nicht auf der ICU (absehbar) nicht lisationsübungen durch
möglich, parenteral zuge- toleriert wird, sollte von Fall Physiotherapie)
führt werden zu Fall die Einleitung einer
Bei schwerer Mangelernäh- (peripheren) parenteralen
rung zusätzlich: Ernährung (PN) erwogen
→ Engmaschige Überwachung werden. (CAVE: Volumen-
von Zeichen des Refeeding- probleme bei peripherer
Syndroms, insbesondere PN ⊲ zügig zentrale PN)
Hypophosphatämie Bei schwerer Mangelernäh-
→ Bei niedrigem Phosphat- rung zusätzlich:
spiegel sollten Vitamin B1 → PN sollte niedrig dosiert und
und Phosphat supplemen- progressiv gestartet werden,
tiert und die Kalorienzufuhr wenn EN kontraindiziert
mit 30 % des gemessenen oder unzureichend ist
Energie-bedarfs gestar- → Weiterhin aufmerksame Be-
tet werden, während 2-3 obachtung von Zeichen des
Tagen sollte das Energieziel Refeeding-Syndroms, die
50-70 % des geschätzten Kalorienzufuhr sollte ent-
Bedarfs sein sprechend der individuellen
metabolischen Toleranz
gesteigert werden
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VDDSiehe die Bemerkungen/Empfehlungen (NE- mit anschließender langer Rekonvaleszenz/
SPEN/NDIC/BDA/VDD) zur enteralen Ernährung Rehabilitationsphase, in der zumindest
unter Ernährung für Menschen mit leichteren- Ernährungstherapie und Physiotherapie not-
mittelschweren COVID-19 Krankheitsverläufen wendig sind.
→ Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 haben
Ergänzende Practice-based Bemerkungen/ ein höheres Risiko auf schwere Erkrankung,
Empfehlungen (NESPEN/NDIC/BDA/VDD): wobei sehr hohe Insulindosen erforderlich
→ Oft ist die Bauchlage bzw. 135°-Lagerung sein könnten. Dies sollte bei enteraler/par-
erforderlich, um die Sauerstoffsättigung des enteraler Ernährung berücksichtigt werden.
Blutes zu verbessern. Bauchlage mit gastra- → Nicht-ernährungsbedingte energieliefernde
ler Sonde ist bei ausreichender Vigilanz und Substrate wie Propofol (Sedierung), Zitrat
engem Monitoring möglich, in der Regel wird (bei kontinuierlicher venovenösen Hämofil-
das Bett, bei stabilem Kreislauf, in einem tra-tion (CVVH)) und Glukose (bei kontinuier-
z. B. 30°-Winkel aufgestellt. Die Flussrate licher Dialyse) sollten bei der Berechnung
sollte individuell ausgetestet und gesteigert der Gesamtenergiezufuhr berücksichtigt
werden (klinikeigene Vorgaben beachten). werden.
→ Corona-Patienten unterscheiden sich hin- CAVE: bei Multiorganversagen/kritisch
sichtlich des Stressstoffwechsels primär kranken Patienten kann Propofol 50-60 g
nicht von anderen internistischen ICU-Pa- Fett bzw. bis zu einem Drittel der Gesamt-
tienten, für welche die DGEM empfiehlt, energiezufuhr pro Tag liefern.
mit 75 % des Energieziels zu beginnen. → Die DGEM empfiehlt in der Akutphase und
Geschätztes Energieziel nach DGEM, wenn chronischen Phase 1,0 g Protein bzw. 1,2 g
indirekte Kalorimetrie nicht möglich ist, Aminosäuren pro kg aktuellem Körper-
bei nicht adipösen kritisch kranken Patien- gewicht für nicht adipöse kritisch kranke
ten (BMI < 30 kg/m²): 24 kcal/kg aktuelles Patienten (BMI < 30 kg/m²). In der Rekonva-
Körpergewicht/Tag. Bei adipösen kritisch leszenzphase kann der Bedarf noch darüber
kranken Patienten (BMI ≥ 30 kg/m²) können liegen (1,2-1,5 g Protein/kg aktuelles KG/
als Alternative zum Energieziel von 60 % Tag). Für Patienten mit Nierenersatzthe-
des gemessenen Umsatzes die folgenden rapie gelten die gleichen Empfehlungen,
Formeln verwendet werden: wobei die Kompensierung für den Verlust
− bei einem BMI zwischen 30 und 50 kg/m²: an Aminosäuren bei kontinuierlicher/inter-
11-14 kcal/aktuelles KG/Tag, mittierender Nierenersatztherapie berück-
− bei einem BMI > 50 kg/m²: 22-25 kcal/ sichtigt werden muss (→ ca. 1,7 g Protein/kg
ideales KG/Tag. Idealgewicht (kg) = 48,4 + KG/Tag). Für Patienten mit Nierenerkrankun-
77,0 × (Körpergröße (m) – 1,50 m). gen ohne Dialysepflicht werden 0,8-1,0 g
In der frühen und späten Akutphase sollte Protein/kg KG/Tag empfohlen. Bei adipösen
die Hyperalimentation (Gefahr der Hypergly- kritisch kranken Patienten (BMI ≥ 30 kg/m²)
kämie) vermieden werden. In der Post-Akut- sollte das Proteinziel bei 1,5 g/kg (bzw. 1,8 g/
phase gilt es die Hypoalimentation (Gefahr kg Aminosäuren) Idealgewicht/Tag liegen
der Mangelernährung, CAVE: Sarkopenie) und bei Adipositas mit Dialysetherapie bei
zu vermeiden. Die Balance der Bedürfnisse 2,0-2,5 g Protein/kg Idealgewicht/Tag. Ideal-
zwischen Sepsis/Kreislaufstabilität und pul- gewicht (kg) = 48,4 + 77,0 × (Körpergröße (m)
monalem Risiko für Flüssigkeitseinlagerung – 1,50 m).
bildet die Herausforderung.
→ Die Zeit der mechanischen Beatmung bei
COVID-19-Patienten kann > 14 Tage, bis zu
4 Wochen dauern. Dies bedeutet ein sehr
hohes Risiko für die Verschlechterung des
Ernährungszustandes bzw. einen hohen
Verlust an Muskelmasse, -kraft und -funktion,
VDD-Praxisleitfaden Ernährungstherapie bei SARS-CoV-2 Seite 18
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VDDAls Alternative ist eine genauere Berech- − Bei Krankenhausaufnahme schlechter Er-
nung des Proteinbedarfes, insbesondere bei nährungszustand: nach 3-5 Tagen fehlen-
übergewichtigen/adipösen Personen, mög- der Energiebedarfsdeckung
lich auf der Basis der fettfreien Masse (FFM) − Ältere Menschen mit einem hohen Risiko
(1,2 g Protein/kg FFM gleichen nach Ishibas- für Aspiration oder Patienten mit ersicht-
hi et al. 1998 ≈ 1,0 g Protein pro kg KG, bei licher abdominaler Distension (Ileus)
Krankheit: 1,5 g Protein/kg FFM gleichen ≈ können vorübergehend durch parenterale
1,2 g Protein pro kg KG, 1,9 g Protein/kg FFM Ernährung versorgt werden.
gleichen ≈ 1,5 g Protein pro kg KG). Wenn − Italienische Ernährungsprotokolle schla-
eine Messung der FFM durch z. B. bioelek- gen vor, in Notfallsituationen mit sehr
trische Impedanzanalyse nicht möglich ist, vielen Patienten, ggf. direkt für supporti-
kann die FFM mit der Formel von Gallagher ven PN zu wählen, wenn eine ausreichen-
berechnet werden (Velzeboer et al., 2017). de Energiezufuhr mit oraler Ernährung 2
Siehe für automatische Berechnung: Tage nicht gelingt. Genannte Gründe sind
https://zakboekdietetiek.nl/gallagher/ u. a., dass häufig vorkommende Diarrhö
(Lengte = Körpergröße, Gewicht = Gewicht, (als Folge antiretroviraler Therapie) und
Geslacht = Geschlecht, Vrouw = Frau, Man = Magen-Darm-Störungen die Nährstoffab-
Mann, Leeftijd = Alter, niet-Aziatische perso- sorption und Toleranz für eine EN bein-
nen = nicht-asiatische Personen, Aziatische trächtigen können. Auch kann eine naso-
personen = asiatische Personen). gastrale Sonde Luftleckage verursachen
→ Die Extubation in der Post-Akutphase ist mit und damit die Sauerstofftherapie negativ
anschließender Schluckproblematik, die die beeinflussen, insbesondere wenn speziel-
Nahrungsaufnahme negativ beeinflussen le NIV-Masken mit Port fehlen (Brugliera et
kann, verbunden. Der Diätassistent sollte in al., 2020; Caccialanza et al., 2020).
die anschließende Therapiephase einbezo- → Beim Vorliegen eines Risikos für das Refee-
gen werden. ding-Syndrom sollte nach dem konsensus-
→ Empfehlung zum Start einer supportiven basierten Algorithmus für stationäre Patien-
parenteraler Ernährung (PN) (begleitend zur ten von Aubry et al. Aktuel Ernahrungsmed
enteralen Ernährung): 2019 bzw. nach dem Refeeding-Syndrom-
− Bei Krankenhausaufnahme guter Ernäh- PDF des Kantonspitals Aarau oder ggf. auch
rungszustand: nach 7 Tagen fehlender nach krankenhausinternen Protokollen vor-
Energiebedarfsdeckung gegangen werden.
Nebenwirkungen des Appetits haben. Bei der Kombination Lo-
pinavir/Ritonavir (HIV-Medikamente) kann Dia-
Medikation von betes mellitus entwickelt werden oder eine
COVID-19-Patienten bestehende Diabetes mellitus entgleisen.
Es wird nach vielen weiteren Medikamenten
(NESPEN/NDIC) wie Remdesivir (Hemmstoff der RNA-Poly-
merase des Virus) und Beta-Interferon (MS-
Medikament) geforscht, siehe die Website
Spezifische Medikation bei der forschende Pharma-Unternehmen vfa.
COVID-19-Patienten:
→ Im Rahmen von (randomisiert kontrollier- Interaktionen
ten) Studien können mäßig-schwer- und → Interaktionen von Lopinavir/Ritonavir mit
schwerkranken Patienten Medikation off-la- anderen Medikamenten, deren Plasmakon-
bel verabreicht/zugeführt bekommen. Die- zentration beispielsweise ansteigen kann
se Medikation kann Nebenwirkungen wie wie z. B. bei Statinen und Immunsuppressi-
Magen-Darmbeschwerden und Beeinflussung va, sind möglich. Siehe Handbook COVID-19
der Zhejiang University.
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VDDMonitoring/Evaluation
Practice-based-Empfehlungen → Monitoring des Gewichtes/Gewichtsver-
(NESPEN/NDIC/BDA/VDD) laufes, der Körperzusammensetzung, des
→ Tägliche Überprüfung der Einnahme der Krankheitsverlaufs (Verschlechterung des
Mahlzeiten und ggf. der Zusatzernährung/ respiratorischen Status; akutes Atemnot-
oralen Nahrungssupplementierung. Täg- Syndrom (ARDS); möglicher Schock; Multi-
liche Kontrolle der tatsächlich zugeführten organversagen), der Urinfarbe und des
Substrat- und Flüssigkeitsmenge. Es wird Urinvolumens.
grundsätzlich ein restriktives Flüssigkeitsma- → Monitoring des Blutzuckers, Insulins, der
nagement empfohlen. Wenn möglich sollten Atemnot/Sauerstoffversorgung, Nieren- und
eine „ständige“ Versorgung mit Infusions- Leberwerte, Entzündungswerte, Plasmapro-
flüssigkeit, ein hohes Volumen bei enteraler teine, Harnstoff, Phosphat, Elektrolyte, Werte
Ernährung und ein Flüssigkeitsbolus bei von Triglyzeriden.
niedrigem Blutdruck vermieden werden, ggf. → Ggf. Monitoring des Risikos für Refeeding-
Wechsel auf konzentrierte Sondennahrung/ Syndrom: Tag 1-3: täglich, Tag 4-6: jeden
Volumenbeschränkung bei EN/PN. 2. Tag, Tag 7-10: 1-2 x pro Woche.
→ Patienten mit Ernährungssonde: Häufigere/ → Die frühzeitige Evaluation des Ernährungs-
striktere Kontrolle des gastralen Residualvo- zustandes innerhalb von 24 Std. auf der ICU,
lumens. Bei anhaltender Magenentleerungs- der gastrointestinalen Funktionen und des
störung zügig auf eine nasojejunale Sonden- Aspirationsrisikos sowie der rechtzeitige
lage wechseln. Start einer bedarfsgerechten enteralen/par-
→ Individuelles Proteinziel bei vollständiger EN enteralen Ernährungstherapie sind wichtig
nicht erreicht? Sondierung durch Proteinmo- für die Prognose des Patienten.
dul ergänzen.
→ Kontrolle auf Beschwerden durch die Ernäh-
rung: Wird hochmolekulare Sondennahrung
nicht vertragen, dann sollte niedermoleku-
lare Sondennahrung (Di-/Oligopeptid/MCT)
eingesetzt werden. Als Folge der viralen
Infektion und/oder der antiviralen bzw. anti-
infektiösen Medikamente ist eine nachhaltig
negative Balancestörung des Darmmikrobi-
oms mit Reduktion der intestinalen Probioti-
ka wie Lactobacillus und Bifidobakterien zu
erwarten.
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