Frauen gestalten die Welt - Das Thema
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1
S e r v i c e ␣ f ü r
L e h r e r in n e n
u n d ␣ L e h r e r
Ausgabe␣ 1/1995
○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○
Das Thema:
Frauen gestalten die Welt
Multiplikatorinnen und Multi- in Zusammenarbeit mit dem
plikatoren und an alle, die im
␣ Arbeitskreis Pädagogik␣
entwicklungspolitischen Bildungs-
bereich tätig sind. und der
In den vergangenen Jahren ist
␣ Schulprojektstelle␣
bei allen, die den entwicklungs-
␣ Globales Lernen␣
politischen Zielen von BROT FÜR
DIE WELT nahe stehen, das Inter-
esse an Handreichungen für ihre GLOBAL LERNEN erscheint
Bildungsarbeit stark gewachsen. mit dieser Ausgabe zum
BROT FÜR DIE WELT selbst hat in ersten Mal.
seinen Publikationen ja immer
Die neue Zeitschrift ist für
wieder auf die elementare Bedeu-
Lehrerinnen und Lehrer der
tung von Bewußtseinsbildung und
Sekundarstufen gedacht und
Entwicklungspädagogik in unse-
wird drei bis vier mal pro
rer Gesellschaft hingewiesen. Wir
Jahr kostenlos verteilt.
meinen, daß GLOBAL LERNEN ein
wichtiger Schritt in diese Richtung
Wer Interesse hat, kann
ist, ein Angebot, Themen aus den
GLOBAL LERNEN abonnieren
Bereichen „Eine Welt“, „Umwelt“
(s.␣ Umschlag-Rückseite).
und „Frieden“ spannend und in-
formativ im Unterricht und in der
␣ Schulprojektstelle␣
Erwachsenenbildung umzusetzen.
␣ Globales Lernen␣
Frauen gestalten die Welt –␣ be- Die Zusammenarbeit mit dem
Inhalt stimmt kein einfaches Thema für Verein für Friedenspädagogik Tü- Büro Stuttgart:
die erste Ausgabe einer neuen bingen e.␣ V. trägt mit dazu bei, daß BROT FÜR DIE WELT
Seite 1 Publikation. Ein doppeltes Wag- GLOBAL LERNEN über den ent- Stafflenbergstr. 76
Das Thema nis also. wicklungspolitischen Tellerrand 70184 Stuttgart
bei BROT FÜR DIE WELT Doch wir sind davon überzeugt, schaut. Es ist uns aber auch ein Telefon: 07 11 / 21 59-0
daß es sich lohnt, dieses Wagnis Anliegen, daß unsere Leserinnen Fax: 07 11 / 21 59-368
Seite 3 einzugehen. Immerhin hat es ge- und Leser bei der inhaltlichen Kon-
Themen und Vorschläge nug Zeit gebraucht, bis die Voraus- zeption mitwirken können. Haben Büro Tübingen:
für den Unterricht setzungen hierfür geschaffen wa- Sie Ideen, Anregungen, Kritik ? Verein für Friedenspädagogik
ren, daß das Engagement von Schreiben Sie uns ! Bachgasse 22
Seite 11 BROT FÜR DIE WELT im Bereich Es ist kein Zufall, daß die erste 72070 Tübingen
Nachrichten, Medien, der Schulpädagogik verstärkt wer- Ausgabe von GLOBAL LERNEN un- Telefon: 0 70 71 / 2 13 12
Literatur den konnte. Ein Ergebnis dieser ter dem Thema „Frauen gestalten Fax: 0 70 71 / 2 15 43
Bemühungen ist die vorliegende die Welt“ steht. Äußerliche Anläs- E-Mail:
Bezugsmöglichkeiten Jahr erscheinen und richtet sich den wir uns in der „Ökumeni-
ISSN 0948-7425
an␣ Pädagoginnen und Pädagogen, schen Frauendekade“, und im
1 / 1995Das Thema
2
keit und die Bedeutung einer heute entscheidende Impulse von
frauengerechten Projektförderung Frauen aus. Es ist spannend und
zu dokumentieren. BROT FÜR DIE lohnend, sich mit den Ideen und
WELT möchte Frauen aus den Län- Vorstellungen, den Erwartungen
dern der sogenanten „Dritten und Hoffnungen dieser Frauen zu
Welt“ in Deutschland eine Stimme befassen.
geben. Sie sollen über ihre Situa- In der entwicklungspolitischen
tion berichten, ihre Gedanken, Bildungsarbeit gibt es zahlreiche
Anknüpfungspunkte, um in dieses
Thema einzusteigen: Welche Posi-
Delegierte bei der
tionen besetzen Frauen in der
Weltbevölkerungs-
Schule, in der Gemeinde, in der
konferenz in Kairo
Gesellschaft, in der Wirtschaft, in
1994
der Politik ? Wieviele Frauen wer-
den auf der Titelseite der Tageszei-
ihre Bedürfnisse und ihre Forde- tung genannt ? Was wissen wir über
rungen äußern und dazu anregen, Frauen im Christentum, Frauen in
September 1995 wird in Peking wert. Die 37. Aktion von BROT FÜR über die Situation von Frauen in der Kirchengeschichte, Frauen in
die „Weltfrauenkonferenz“ statt- DIE WELT, die im Advent 1995 er- unserer Gesellschaft zu reflek- der Literatur und in der Kunst ?
finden. öffent wird, wird unter dem Motto tieren. Wir wünschen uns, daß GLO-
In der Projektarbeit von BROT „Frauen gestalten die Welt“ stehen, Es geht nicht darum, Frauen BAL LERNEN Ihnen Anregungen
FÜR DIE WELT besitzt die Unter- ein Motto, das durchaus auch ei- nur in der Opferrolle zu präsentie- gibt und auch Mut macht, dieses
stützung und Förderung von Frau- nen provokativen Charakter hat. ren. Gerade in der Entwicklungs- Thema aufzugreifen.
en in den Ländern der Dritten Welt Die neue Aktion soll aber nicht zusammenarbeit gingen in der
seit Jahren einen hohen Stellen- nur dazu dienen, die Notwendig- Vergangenheit und gehen gerade Jörg Jenrich, BROT FÜR DIE WELT
Materialien Taschenbuch „Klage der Spiel „Manomiya“
Erde“ Das Rollenspiel setzt sich mit
zum Thema bei Rigoberta Menchú erzählt von den Auswirkungen von Entwick-
der Unterdrückung und dem Wi- lungsprojekten auf die Situation
derstand ihres Volkes in Guate- von Frauen auseinander. Geeig-
mala. net für 5–10 Personen ab 16 Jah-
Art. Nr. 05317, DM 16,80 ren, Spieldauer ca. 90 Minuten.
Art. Nr. 11120, DM 15,00
Video „Rigoberta Menchú“
Zeitung „Frauen gestalten
Film über die Friedensnobel- Projektheft 1995/96
die Welt“
preis-Trägerin und ihren Kampf Enthält einen Auswahl von bei-
Die Aktionszeitung bereitet das
für die Menschenrechte der in- spielhaften Projekten, u.␣ a. mit
Jahresthema zur 37. Aktion auf.
digenen Bevölkerung Guatema- Frauenprojekten in Mali, Ugan-
Mit Berichten und Analysen
las. VHS, 30␣ Minuten, lieferbar da, El Salvador, Haiti und Peru.
über Frauen als Trägerinnen von
ab Oktober 1995. Art. Nr. 03333, kostenlos
Entwicklungsanstrengungen,
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Biographien von Frauen in Über- „Eine Welt im Unterricht“
Plakatserie „Frauen gestal-
see und bei uns und Beispielen Wege zu einer frauenge- Die wichtigsten Materialien von
ten die Welt – Frauen-
für Frauenförderung in der rechten Entwicklungszu- BROT FÜR DIE WELT für Schule
gestalten der Welt“
Projektarbeit von BROT FÜR DIE sammenarbeit und Erwachsenenbildung auf
Auf sechs Plakaten werden be-
WELT. Eine kritische Betrachtung des einen Blick.
kannte und unbekannte Frauen,
Art. Nr. 08179, kostenlos „männlichen“ Verständnisses Art. Nr. 03223, kostenlos
ihre Arbeit, ihre Ziele und ihr
von Entwicklungspolitik und der
Biographie „Rigoberta Lebenswerk vorgestellt, Frauen,
Strukturen des kirchlichen Ent-
Menchú“ die zum Vorbild für soziales En-
wicklungsdienstes.
Das Buch beschreibt das Leben gagement und Zivilcourage
Art. Nr. 04308, DM 14,–
von Rigoberta Menchú und das wurden. DIN␣ A2, zweiseitig be-
grausame Schicksal ihrer Fami- Aktionsplakat „Frauen druckt. Lieferbar ab September
lie und ihres Volkes. gestalten die Welt“ 1995. Für Ihre Bestellung benützen Sie
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1 / 1995Das Thema im Unterricht
3
Die „Geschlechterfrage im Unterricht“
Herr Dayal, Indien Frau Devi, Indien
Die Auseinandersetzung mit der dort Formen der Gewalt, der Un- legale Arbeiterinnen oder in Zu- nenlernen von besonders gelunge-
„Geschlechterfrage“ im Unterricht terdrückung und Diskriminierung sammenhang mit Prostitutions- nen Projekten.
kann auf zwei Ebenen stattfinden: vorzufinden. Wichtig ist es deshalb tourismus.
zunächst, die unterschiedlichen Ziel sollte sein:
1. Sensibilisierung für die Ge- Formen der Menschenrechtsver- 2. Kritische Auseinandersetzung ◗ Den Blick für Diskriminierun-
schlechterfrage im allgemeinen letzungen gegen Frauen deutlich zu mit Konzeption und Ansätzen zur gen von Frauen hier und in der
und die Menschenrechtsverlet- machen. Erlangung von Gleichberechti- „Dritten Welt“ zu öffnen.
zungen an Frauen im besonderen. Ausgangspunkt hierzu sollte gung. ◗ Die besondere Situation der
Die Situation der Frauen in der der eigene Erfahrungsraum (bis Hier steht im Mittelpunkt die Frage Frauen zu erkennen.
„Dritten Welt“ ist in vielen Fällen hin zur Situation in der Klasse) nach der Bewertung von Konzep- ◗ Frauen nicht nur als Opfer son-
zwar von der der Frauen in Mittel- sein. Frauen aus der „Dritten Welt“ tionen und Ansätzen für die dern auch als Gestalterinnen
europa grundsätzlich verschieden können dabei in verschiedener Frauenförderung im Entwick- wahrzunehmen.
(z.␣ B. was Analphabetismus, Schul- Form ins Blickfeld kommen: als lungsprozeß bzw. nach frauenspe-
besuche und Ausbildung betrifft) Mitbürgerinnen, als Flüchtlinge zifischen Ansätzen in der „Dritten
andererseits sind jedoch hier wie oder Asylbewerberinnen, als il- Welt“. Hierzu zählt auch das Ken-
DIDAKTISCHE
Wie mit den Materialien dieses Funktionen an der Schule (Schullei- ◗ Suchen Sie Redewendungen, die wachsenenbildung zeigen, daß das
Heftes umgehen? tung, stellvertretende Schulleitung, sich auf Frauen und solche, die sich Klassenzimmer für Mädchen und
Fachbereichsleitung etc.) tätig? auf Männer beziehen. Welche Unter- Jungen nicht denselben Erfahrungs-
Das Heft bietet keinen fertigen Stun- ◗ Wieviele Frauen sind befördert schiede können Sie feststellen? raum beinhaltet, daß Jungen und
denentwurf. Die Materialien können
worden (Studienrätin, Oberstudienrä- ◗ Durch welche Wendungen Mädchen nicht in der gleichen Weise
vielfältig eingesetzt werden, z. B.: tin, Studiendirektorin etc.)? (Endungen) könnten Frauen in der unterrichtet werden und daß ihre
◗ Einstiegsmöglichkeiten mit S. 5 ◗ Wieviele Frauen sind verbeamtet, Schriftsprache repräsentiert wer- kommunikative Kompetenzen nicht in
oder „Sprache“ (siehe unten).
wieviele sind angestellt? den? Wie stehen Sie zur Verwendung der gleichen Weise bewertet werden
◗ Vertiefungen mit Daten und Fak- ◗ Gibt es einen Hausmeister oder von „Innen“ und „/innen“? und in die Kommunikationsnormen
ten (Menschenrechtsverletzungen eine Hausmeisterin? ◗ Das Wörtchen „man“ wird häufig des Klassenzimmers eingehen.“
(S.␣ 6), Frauenhandel (S.␣ 7).
◗ Sind es Männer oder Frauen, die allgemein für „Mensch“ bzw. für „je- Claudia Fuchs: Interaktionen im Un-
◗ Perspektiven entwickeln mit „In- die Schule putzen? der/jede“ verwendet. Ziehen Sie „man/
tegration“ (S.␣ 8), „Empowerment“ terricht. In: Diskussion Deutsch,
frau“ oder einfach „mensch“ vor? 20.␣ Jahrgang, Heft 105 2/1989. Frank-
(S.␣ 9).
Diskriminierungen in der Sprache furt 1989, S. 92.
„Unsere Beobachtungen und Analy-
Erkundung an der eigenen Schule ◗ Durch welche Begriffe sind Män- sen von Unterricht in großstädti-
◗ Wieviele Vollzeitstellen (Teilzeit- ner/Frauen in der Umgangssprache schen, mittelstädtischen und ländli-
stellen) sind von Frauen, wieviele von repräsentiert? Wo tauchen Frauen in chen Gebieten Hessens, in Grund-
Männern besetzt? sprachlichen Formulierungen nicht schulen, Hauptschulen, Realschulen,
◗ Wieviele Frauen sind in leitenden auf? Suchen Sie Beispiele. Gymnasien und Einrichtungen der Er-
1 / 1995Das Thema im Unterricht
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Daten und Fakten
Analphabeten
␣ ␣ Analphabetismus Analphabeten
␣ ␣ Frauen …
Burkina Faso Mali Südafrika
+ +
72,1 % 91,1 % 59,2 % 76,1 % 22,5 % 25,2 % in den ärmsten- in Deutschland
Ländern der Welt
Männer Frauen Männer Frauen Männer Frauen
Togo Indien Thailand … heiraten mit 18,7 Jahren mit 25,6 Jahren
… gebären 6 Kinder 1,5 Kinder
… besuchen eine Schule 9 Monate lang 11 Jahre lang
43,6 % 69,3 % 38,2 % 66,3 % 5,9 % 9,8 %
… sind Analphabetinnen zu 64 % zu 1–2 %
Männer Frauen Männer Frauen Männer Frauen
… stellen in den Parlamenten einen Anteil von 8 % Anteil von 8 %
Argentinien Brasilien Nicaragua
… besetzen leitende Positionen 8% 8%
… haben eine Lebenserwartung von 51 Jahren 78 Jahren
4,5 % 4,9 % 17,9 % 18,8 % 63,8 % 67,0 %
Alle Werte sind Durchschnitts-
Männer Frauen Männer Frauen Männer Frauen werte.
Quelle: UNESCO: Statistisches Jahrbuch 1993. Zit. nach: Christa Rand- Die Zahlen beziehen sich auf die am wenigsten entwickelten Länder
zio-Platz / Sigrid Mangold-Wegner (Hrsg.): Frauen im Süden. Bonn (LDC). UNDP: Bericht über die menschliche Entwicklung 1994. Bonn
1995. S. 289. 1994.
Beschäftigte innerhalb der Analphabeten
Analphabetismus und Kinderzahl
Analphabeten
Arbeitsgemeinschaft Kirchlicher Entwicklungsdienst (AG KED)
Afghanistan Malta
1991 1994
Aufgliederung nach Frauen und
➞
➞
Männern in den verschiedenen
Positionen + + 95 % 4,7 90 % 3,0
Analphabeten Kinder Analphabeten Kinder
Direktorinnen und Direktoren 0% 100 % 22 % 78 % Pakistan Sri Lanka
Referatsleitung, Abteilungsleitung 17 % 83 % 23 % 77 %
Referentinnen und Referenten 24 % 76 % 30 % 70 %
78 % 2,8 7% 1,2
Analphabeten Kinder Analphabeten Kinder
Projekt-/Sachbearbeitung 71 % 29 % 72 % 28 %
Anteil aller Frauen, die nicht lesen und schreiben können (in Prozent) und
Sekretariat und andere 96 % 4% 96 % 4%
durchschnittliche Kinderzahl pro Frau (absolut).
Rundbrief des Arbeitskreises Frauenfo(e)rderung der AG KED, Nr. 11/ Quellen: UNFPA, Weltbevölkerung, Kurzinformation 1994; Human De-
1995. velopement Report 1990. Zit. nach: Christa Randzio-Plath / Sigrid
Mangold-Wegner (Hrsg.): Frauen im Süden. Bonn 1995, S. 289.
DIDAKTISCHE
Bei der Interpretation der Übersich- Analphabetismus verstanden wer- vielen Faktoren abhängig. Welche
ten sollten folgende Fragen berück- den? Was ist sozialer Analphabetis- sind Ihrer Meinung nach die wichtig-
sichtigt werden: mus? Vergleichen Sie die Angaben sten?
der hier aufgeführten Übersichten mit 3. Frauen sind in vielen Leitungs-
1. Angaben zum Thema Analphabe- Daten aus anderen Quellen (Lexikas, funktionen auch in Deutschland un-
tismus unterliegen großen Schwan- Statistischen Jahrbüchern etc). Wel- terrepräsentiert. Erstellen Sie eine
kungen. Dies liegt an den unter- che Unterschiede gibt es zum Bei- Übersicht für Ihre Schule, Kirchenge-
schiedlichen Definitionen von An- spiel bezüglich Deutschland? meinde, Gewerkschaft, Partei etc.!
alphabetismus. Was kann unter 2. Die Kinderzahl von Frauen ist von
1 / 1995Das Thema im Unterricht
5
Bild zum Thema
Eine kurdische Frau trauert in Gor-
meg, einem Dorf in der Süd-Tür-
kei, um den Tod ihrer vier Kinder
DIDAKTISCHE und fünf anderer Familienangehö-
riger. Sie sind durch eine Lawine
getötet worden.
Betrachten Sie das Bild genau und ◗ Welche Gefühle habe ich?
Eine Woche vor dieser Katastro-
suchen Sie eine Person aus, die Sie ◗ Was denke ich gerade, an wen
anspricht. denke ich? phe ist das Dorf von der türkischen
Versuchen Sie sich mit dieser Person ◗ Wo komme ich her? Luftwaffe bombardiert worden;
zu identifizieren und beschreiben Sie ◗ Wo gehe ich hin? diesen Angriff hat die Familie ohne
dann in Ich-Form die Gefühle, Stim- ◗ Wer sind die anderen Leute Opfer überstanden.
mungen, Gedanken, Probleme usw., neben mir?
die diese Person haben könnte. ◗ Was verbindet mich mit ihnen? Foto: Time, 2. März 1992.
◗ Was trennt mich von ihnen?
◗ Welche Erlebnisse und Ereignisse
Schreiben Sie dies auf einen Zettel. liegen hinter mir?
Hierzu einige Hilfen: ◗ Was erwartet mich, jetzt unmittel-
◗ Welche Person bin ich? bar, morgen, in einigen Wochen?
◗ Wie sehe ich aus?
◗ Wie fühlt sich mein Körper an?
1 / 1995Das Thema im Unterricht
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Frauenspezifische Menschenrechtsverletzungen
„Daten zu frauenspezifischen Erklärung der Weltkon-
Menschenrechtsverletzungen ferenz für Menschen-
tauchten bislang in der Regel in
keinem Menschenrechtsbericht
rechte, Wien 1993
auf, da sie im gängigen Schema „Die Menschenrechtskonferenz
keinem staatlichen Akteur zure- fordert mit Nachdruck, daß die
chenbar sind, sondern als Privat- Frauen in den vollen und gleichbe-
sache gelten. rechtigten Genuß aller Menschen-
Aber gerade die Privatsphäre ist für rechte gelangen und daß dies für
viele Frauen ein gefährlicher Ort. die Regierungen und für die Ver-
Wo ethnische, politische, religiöse einten Nationen ein vorrangiges
oder/und vor allem soziale Span- Ziel sein möge. (...)
nungen zusammentreffen, kann es Insbesondere betont die Men-
geradezu lebensgefährlich sein, als schenrechtskonferenz, wie wichtig
Angehörige des weiblichen Ge- es ist, auf die Beseitigung der Ge-
schlechts der Privatsphäre zuge- walt gegen Frauen im öffentlichen
ordnet zu sein: und privaten Leben, auf die Besei-
◗ Die Diskriminierung von tigung jeder Form von sexueller
Frauen und Mädchen äußert sich Belästigung und Ausbeutung von
in einer überhöhten Sterblichkeit Frauen und des Frauenhandels, auf
(...). die Beseitigung geschlechtsbezo-
◗ In Indien ebenso wie in China, gener Vorurteile in der Rechtspfle-
Bangladesh und anderen Ländern ge sowie auf die Ausmerzung aller
werden gezielt weibliche Föten Konflikte hinzuwirken, die sich
abgetrieben. In Bangladesh ster- zwischen den Rechten der Frau
ben doppelt so viele weibliche wie und den schädlichen Auswirkun-
ei
gen bestimmter traditioneller oder u gibt b
männliche Säuglinge. Eine Fra guanischen
üblicher Praktiken, kultureller ra
◗ In den USA ist Mißhandlung der nica rechts-
Vorurteile und des religiösen Ex- en
die häufigste Einzelursache von Mensch n eine Klage
tremismus ergeben. (...) sio
Verletzungen bei Frauen und ran- kommis ll.
Die Menschenrechtskonferenz ko
giert noch vor Autounfällen; von 10 zu Proto
Morden an Frauen werden 9 von fordert mit Nachdruck die Ausrot-
Männern begangen (...). tung jeder Form von Diskriminie-
◗ Nach Schätzungen der Welt- rung der Frau, sei sie versteckt
gesundheitsorganisation wurden oder offen.“
80␣ Millionen Mädchen und Frauen Zit. nach: Europa-Archiv, Folge
vor allem in Afrika durch genitale 23 / 1993, S. D 512.
Beschneidungen verstümmelt
(...).
◗ In Norwegen existieren Untersu- Formen der Gewalt gegen Frauen
chungen, wonach 25 Prozent aller
Frauen in ihren Beziehungen kör-
perliche oder sexuelle Gewalt Physische Gewalt Sexuelle Gewalt Materielle Gewalt
erlebt haben. In der Bundesrepu- Körperliche Gewalt, vor dem Durch sexuelle Gewalt- Männliche Kontrolle
blik Deutschland flüchten jährlich Hintergrund eines öffentlich handlungen werden über das Wirtschaftsleben
ca. 40.000 Frauen vor ihren prü- anerkannten Gewaltrechtes Frauen gezielt und über politische
von Männern gegenüber eingeschüchtert. Entscheidungen.
gelnden Männern in eines der 320 Frauen.
existierenden Frauenhäuser. (...)
◗ In Lateinamerika bilden unzu-
länglich durchgeführte Abtrei-
bungen die häufigste Todesursa- Ideologische Gewalt
che für Frauen zwischen 15 und 39 Durch ein Gebäude von kulturellen (rel.) und rituellen Regelungen wird
Jahren.“ Überlegenheit von Männlichkeit und männlicher Herrschaft
aufrecht erhalten.
Ruth Klingebiel: Menschenrechte
für Frauen: Arbeit am positiven
Frieden. In: Jahrbuch Frieden Vgl.: Sigrid Mangold-Wegner / Christa Ranzio-Plath: Gewalt und Menschenrechtsverletzungen – Teil des Frauen-
1995. München 1994, S. 205f. alltags. In: Christa Ranzio-Plath / Sigrid Mangold-Wegner: Frauen im Süden. Bonn 1995. S. 61.
1 / 1995Das Thema im Unterricht
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Frauenhandel/Frauenmigration
Die Migration von Frauen aus eine Grundschullehrerin in Peru nahme für Migrantinnen aus Asien,
Asien, Afrika, Lateinamerika oder $␣ 30 im Monat – davon kann sie Afrika, Lateinamerika und Ost-
Osteuropa in die reichen Metro- nicht einmal sich selbst ernähren, europa de facto abgeschafft. Dies
polen erscheint häufig unter dem geschweige denn eine Familie. Die öffnet der Ausbeutung von Frauen
spektakulären Titel „Frauenhan- hochverschuldeten Staaten des in der Prostitution oder als Haus-
del“ in der Öffentlichkeit. Südens dulden nicht nur die Aus- angestellte Tür und Tor.
beutung der Menschen in den Die meisten Frauen kommen
„Frauen als Ware“ ist eine der be-
Fabriken der multinationalen Kon- mit einem Touristinnen-Visum.
liebten Schlagzeilen. Doch inwie-
zerne zu Billigstlöhnen. Sie fördern Damit ist ihnen zwar ein dreimona-
weit werden die reißerischen
– als eine Deviseneinnahmequelle tiger Aufenthalt in den Staaten der
Überschriften und die oft damit
– den Tourismus der Menschen EU erlaubt, arbeiten dürfen sie je-
verbundenen Horrorgeschichten
des Nordens in den Süden. doch nicht. Werden Migrantinnen
über geschlagene, gequälte und
ohne Arbeitserlaubnis von der Po-
zur Prostitution gezwungene Frau- Keine Frau aus Asien, Afrika oder
lizei kontrolliert oder gar festge-
en und Mädchen der Realität Zehn- Lateinamerika käme nach
nommen, führt dies zwangsläufig
tausender von Frauen gerecht, die Deutschland, wenn es hier keinen
zu einer Ausweisung mit Wieder-
in westeuropäischen Ländern im „Markt“ gäbe: als Prostituierte,
einreiseverbot. Für die Frauen im
Reproduktionssektor – als Prosti- Ehefrau oder ausbeutbare Haus-
Bereich der Prostitution bedeutet
tuierte, als Hausangestellte oder angestellte.
das: Geld weg, Einreiseverbot, oft
als „gekaufte“ Ehefrau leben und Dieser Markt existiert aufgrund spruchsvoll und eigneten sich des- noch Schulden.
arbeiten? knallharter ökonomischer Inter- halb nicht als Ehefrauen. Migrantinnen – insbesondere
Für viele Menschen in der essen, aber auch aufgrund rassisti- Frauen aus Südostasien oder La-
Dritten␣ Welt erfüllt sich selbst mit scher und sexistsicher Bilder und Persönlicher Mut teinamerika –␣ werden oft nur als
einer Berufsausbildung oder ei- Vorurteile in den Köpfen deutscher Der Weg in die Sexindustrie oder in Opfer wahrgenommen. Ihr Selbst-
nem Studium der Traum eines bes- Männer –␣ und Frauen. Diese Bil- die Ehe mit einem Deutschen ist bewußtsein, ihre Stärke, die sich
seren Lebens nicht. So verdient der von „exotischen“ Frauen exi- eine frauenspezifische Form der z.␣ B. im bewußten Aushalten von
stieren und werden nach Bedarf Migration in die reichen Länder – für weiße Feministinnen unvor-
manipuliert. Heiratsinstitute prei- oft die einzige, die Frauen offen- stellbaren Lebenssituationen zeigt
MED sen die „anschmiegsame Asiatin“, steht. Der Schritt ins Ausland erfor- –␣ aber auch ihre individuellen
die „wilde, sexhungrige Schwarze“
IE
dert von den Frauen viel Mut. Sie Schwächen, Nöte und Ängste wer-
N
oder neuerdings die „robuste gehen ihn bewußt, für ihre Famili- den nicht gesehen.
Polin“ oder die „sparsame Russin“ en und zum Teil mit der Unterstüt-
an. zung der Familien. In etlichen Fäl- Christamaria Weber: „Ich dachte,
Stadt der Engel Besonders deutlich wurde die len werden Kredite aufgenommen, dieses Land sei das Paradies“.
(Originaltitel: City of Verknüpfung von rassistischen und eine Hypothek aufs Häuschen oder Frauen nur als Opfer wahrzuneh-
Angels) sexistischen Klischees in den Klein- Opas Feld. Neben ökonomischen men reicht nicht aus. In: Frank-
BRD 1991, Produzent: Martin anzeigen und Artikeln über Thai- Motiven spielen aber auch persönli- furter Rundschau, 1.␣ 2.␣ 1995,
Stäbler, Leinfelden-Echter- länderinnen in den 70er und An- che Gründe für die Migrationsent- S.␣ 12, Auszüge.
dingen, TBS, 12 Min., 66 Dias, f, fang der 80er Jahre. Die Frauen scheidung eine Rolle wie z.␣ B. Ent-
Verleih: Evang. Medienzentrale,
wurden nie als Menschen, sondern täuschung mit einem Partner,
Theodor-Heuss-Str. 23,
70174 Stuttgart. als „Geschöpfe“, „Wesen“ oder gar Wunsch nach Ausbruch aus der
Tiere („Täubchen“, „Siamkatze“) Großfamilie oder einfach Aben- DIDAKTISCHE
Statt sexuellen Mißbrauchs der
bezeichnet. teuerlust.
eigenen Kinder eine Reise nach
Asien ... Viele Männer nutzen diese rassi- Doch auch wenn sie diesen
stischen und sexistischen Bilder, Schritt bewußt gehen: freiwillig
Spurensuche und Protest
„Die Tonbildserie gibt einen
um ihre traditionellen Ansprüche gehen sie ihn nicht. Die Armut, die Viele Zeitungen oder Zeitschriften
Überblick in geschichtliche,
soziale und wirtschaftliche aufrechterhalten zu können. Situation ihrer Familie und oft enthalten Anzeigen, die einen Zusam-
Hintergründe und Auswirkungen falsch Vorstellungen und Ver- menhang zu Frauenhandel vermuten
Sie glauben, es sei leichter, die Er- lassen. SchülerInnen können die ih-
des Sextourismus in Thailand. sprechungen bringen sie dazu.
füllung ihrer Bedürfnisse nach Ver- nen zugänglichen Medien auf derarti-
Obwohl die Prostitution dort
sorgung, Zuneigung und Sexualität Sie leiden unter der Trennung von ge Anzeigen hin durchschauen und
verboten ist, greifen die
Behörden kaum in die Entwick- bei einer fremden Frau zu finden, der Familie, den Kindern und unter die „Fundstücke“ im Unterricht aus-
lung ein – selbst neunjährige statt bei einer weißen, „emanzi- den westeuropäischen Lebens- werten:
Kinder sind davon betroffen. Um und Arbeitsbedingungen. Welche „Dienste“ werden mit wel-
pierten“, bekannten Frau. In Inter- chen Worten und Bildern angeboten?
auf die Lösung drängender
views mit Männern, die über eine Wer wird angesprochen?
Probleme aufmerksam zu
machen, sind engagierte Heiratsagentur eine ausländische
Protestbriefe an die Redaktionen
Gruppen entstanden, die auch Frau such(t)en, beklagen diese Die rechtliche Situation können formuliert werden:
diese Tonbildreihe erstellt immer wieder, die deutschen Frau- In der gesamten EU sind die Mög- Warum werden solche Anzeigen
haben.“ (EMZ) en seien zu emanzipiert, zu an- lichkeiten zur legalen Arbeitsauf- abgedruckt?
1 / 1995Das Thema im Unterricht
8
Integration
In vielen Ländern der „Dritten Männer. Solange sich entwick-
Welt“ hat die Konzeption der „In- lungspolitische Maßnahmen in er-
tegration der Frauen in den Ent- ster Linie auf die Optimierung der
wicklungsprozeß“ kaum zu einer Nutzung weiblicher Arbeitskraft in
grundlegenden Verbesserung ih- den unterschiedlichen Bereichen
rer Lebensbedingungen beige- richten und nicht bei der Beseiti-
tragen. gung der strukturellen Ursachen
ihrer sozialen, wirtschaftlichen
Am Ende der UN-Frauendekade
und politischen Benachteiligung
wurde auf der Weltfrauenkonfe-
und Diskriminierung in der Gesell-
renz in Nairobi 1985 eine ernüch-
schaft ansetzen, wird sich an der
ternde Bilanz gezogen. Zwar stan-
Benachteiligung der Frauen nichts
den die ersten Jahre der Dekade
ändern.
unter dem Vorzeichen relativ gün-
Verkäuferin in Sierra Frauenförderung bewegt sich
stiger Wirtschaftsbedingungen so-
Leone / Westafrika heute konzeptionell in dem
wohl in den entwickelten Ländern
Spannungsfeld zwischen einer
als auch in den Entwicklungslän-
„bestmöglichen Integration“ von
dern, doch führte die Verschlech- Frauen fanden überwiegend nur ger Prozentsatz der Mittel der Ent-
Frauen in die bestehenden Ge-
terung der Wirtschaftslage dazu, ein Einkommen in den wenigen wicklungszusammenarbeit wird in
sellschafts- und Wirtschafts-
daß die Bemühungen um eine sogenannten frauentypischen Be- Wirklichkeit für Projekte ausgege-
strukturen einerseits und einer
gleichberechtigte Partizipation der reichen des Dienstleistungssektors ben, die auf die Förderung von
kritischen Auseinandersetzung
Frau in der Gesellschaft sich ab- oder der Industrie, die sich durch Frauen abzielen.
mit diesen Strukturen anderer-
schwächten und daß neue Proble- eine niedrige Bezahlung und
seits.
me entstanden. schlechte Arbeitsbedingungen aus-
Die unabdingbaren Voraussetzun-
Die Erfahrung hat gezeigt, daß die zeichnen. Frauenspezifische gen für ein menschenwürdigeres
Integration der Frauen in den Ent- Es besteht eine Diskrepanz zwi- Förderprogramme sind Leben von Frauen sind die Schaf-
wicklungsprozeß um den Preis schen der Betonung der Frauenför-
notwendig fung besserer Arbeits- und Lebens-
überdurchschnittlicher Ausbeu- derung als einem wichtigen politi-
bedingungen insgesamt sowie die
tung und Marginalisierung inner- schen Ziel auf der einen Seite und Integration in den Entwicklungs- Abschaffung jeglicher Frauendis-
halb des modernen Sektores der tatsächlichen Praxis auf der prozeß bedeutet für Frauen offen- kriminierung und Gewalt ein-
stattfand. anderen Seite. Denn nur ein gerin- sichtlich etwas anderes als für schließlich der Wahrung und
Durchsetzung ihrer Menschen-
Integration rechte.
An diesen grundlegenden Krite-
␣ Verbesserung der aktuellen Situation␣ ␣ Veränderung von hemmenden Strukturen␣ rien sollten Entwicklungspro-
gramme ausgerichtet werden, und
Integration in bestehende Gesellschafts- Kritische Auseinandersetzung mit und sie müssen darüber hinaus sicher-
und Wirtschaftsstrukturen. Veränderung von bestehenden Gesell- stellen, daß die jeweiligen Maß-
schafts- und Wirtschaftsstrukturen. nahmen sich auch an den Erfah-
rungen und Bedürfnissen von
Schaffung besserer Lebens- und Arbeits- Abschaffung jeglicher Frauen- Frauen orientieren und daß Frau-
bedingungen. diskriminierung. en aktiv und mitverantwortlich an
der Gestaltung, der Entscheidung
Beteiligung an Entscheidungsprozessen. Durchsetzung der Menschenrechte für und Umsetzung beteiligt sind.
Frauen. Angesicht der weltweiten wirt-
schaftlichen, ökologischen und
politischen Krisen, deren Lasten
vorwiegend Frauen tragen, ist ein
␣ Förderungen␣
Umdenken unumgänglich.
Bevorzugte Förderung von Frauen- Förderung von Frauennetzwerken. Eva von Hertzberg (Red.): Wege
organisationen. zu einer frauengerechten Ent-
wicklungszusammenarbeit. Ein
Bevorzugte Förderung von Trägern in Unterstützung für Aus- und Fortbildungs- Orientierungsrahmen der AG
deren Strukturen Frauen besonders maßnahmen von Frauen. KED. Texte zum Kirchlichen Ent-
berücksichtigt werden. wicklungsdienst 52, Hamburg
1993, Auszüge.
1 / 1995Das Thema im Unterricht
9
Empowerment
In Nairobi (Dritte Weltfrauenkon- gifteten Kuchen verschafft, soll die
ferenz 1985, d.␣ A.) war Empower- Strategie der Machtbildung auf ge-
ment der richtige Begriff zum rich- sellschaftliche Transformation von
tigen Zeitpunkt. Mit ihm bekam unten abzielen. Sie ist eine Anlei-
die Suche nach einer anderen, tung zum Kampf gegen Unterdrük-
frauengerechteren Entwicklungs- kung und Abhängigkeit, eine politi-
richtung plötzlich eine konkrete sche Handlungsanweisung für die
Marschroute, die eine Kompro- Betroffenen selbst. Denn „empo-
mißformel zwischen dem dualen wern“ kann man nicht jemand an-
Politmodell von Reform und Revo- ders, empowern müssen Frauen
lution ist. sich selbst. (...)
Macht als Dreh- und Angel-
Diese enthält eine Neudefinition punkt des empowerment-Konzepts
von Macht: Macht wird verstanden bedeutet eine Politisierung ent-
als Verfügungsrecht über Ressour- wicklungsstrategischen Denkens.
cen, Entscheidungs- und Gestal- In dieser Hinsicht hat das Em-
tungsrecht in verschiedensten ge- powerment-Konzept viel gemein-
sellschaftlichen Bereichen, ohne sam mit jedem politischen Befrei-
daraus Herrschaft über andere ab- ungskonzept und ist grundsätzlich Mitglieder der über-
zuleiten. für alle unterdrückten, ausgebeu- wiegend von Frauen ge-
In vieler Hinsicht symbolisierte teten oder marginalisierten Indivi- tragenen Textilgewerk-
der Begriff einen Paradigmen- duen und Gruppen anwendbar. empowered, wenn sie zwar ein schaft SACTWU fordern
wechsel. Nicht nur, daß seine Neu ist jedoch die Komplexität geregeltes Einkommen, in ihrer Erziehungsurlaub in
„Mütter“ aus dem Süden, nämlich und Ganzheitlichkeit des Konzepts: sexuellen Beziehung aber keiner- einem neuen Südafrika.
aus dem Frauennetzwerk DAWN die DAWN-Initiatorinnen dachten lei Entscheidungsrechte hat.
(Development Alternatives with von reproduktiven Rechten über Die Frage ist, welche Anstöße
Women für a New Era) kamen. Im ökonomische Selbständigkeit bis und Inputs können zur Unterstüt- Es kann kein stereotypes Ab-
Gegensatz zum Intergrationskon- zu politischer Partizipation, von zung dieses Prozesses von außen laufschema für empowerment ge-
zept war das Empowerment-Kon- der symbolisch-kulturellen Ebene erfolgen? Welche Instrumente gibt ben, weil die Ausgangsbedingun-
zept entwicklungs- und gleich- über Klassenverhältnisse bis zur es und welche Indikatoren? Läßt gen der Frauen – Armutssituation,
heitskritisch: an die Stelle einer Geschlechterbeziehung alle Di- sich eine „empowerment-Matrix“ Klassenzugehörigkeit, Geschlech-
Gleichheitspolitik, die Frauen le- mensionen von Macht zusammen. erstellen, an der sich die Stufen terverhältnis, kulturelle Normen –
diglich ein größeres Stück vom ver- Eine Frau ist nicht ausreichend einer Erfolgsleiter ablesen lassen? völlig unterschiedlich sind. Trotz-
dem lassen sich aus den bisherigen
Erfahrungen bestimmte Elemente
Empowerment: Ebenen der Machtbildung skizzieren.
Christa Wichterich: Empower-
Im Gesundheits- ment. Vom Widerspruch zum Wi-
Handlungs- Räumliche Mobilität Bestehende
bereich derstand der Frauen. In: epd-Ent-
spielräume Aufbrechen kultureller/ soziale Service-
religiöser Tabus/ Im Bildungsbereich wicklungspolitik 14/94, S.␣ 33␣ ff.
sichern bzw. angebote und
Symbole/Werte Im sozialen Bereich
erweitern Rechte nutzen:
Handlungsalternativen, Im Bereich von
durch: Wahlmöglichkeiten Rechtssprechung
und Gesetzgebung
DIDAKTISCHE
Projekt
Verfügungs- Materielle Verhandlungs- In der Familie Erarbeiten Sie eine Checkliste, was
Ressourcen und Entschei-
rechte In der Gemeinde Empowerment in Ihrer Schulklasse
gewinnen Informationen, dungsmacht und in der Schule bedeuten könnte!
In der Politik
Wissen, Fertigkeiten
über: aufbauen:
Körper, Sexualität, Ähnliche Anforderungskataloge
Fortpflanzung können auch für die Kirchengemein-
de, für Vereine oder die Kommune
entwickelt werden.
1 / 1995Das Thema im Unterricht
10
Frauenprojekte
Die politische und wirtschaftli- Hier gibt es Information
che Lage in Uganda hat sich in den über Frauenprojekte:
letzten Jahren stabilisiert. Zu spü-
ren sind die Veränderungen auch
Aktionsgemeinschaft
für die ländliche Bevölkerung, die
Solidarische Welt,
durch die Produktion von Nah-
Hedemannstr. 14,
rungsmitteln und Verkaufsfrüch-
10996 Berlin,
ten den größten Teil zur wirt-
Telefon: 0 30 / 251 02 65.
schaftlichen Entwicklung des
Landes beiträgt. Deutscher Frauenring,
Talstr. 56a,
Während Männer meist Verkaufs- 66119 Saarbrücken,
früchte anbauen, produzieren Telefon: 06 81 / 5 47 10.
Frauen für die Eigenversorgung
der Familie. Obwohl Frauen in der Deutscher Frauenrat,
Landwirtschaft eine ganz zentrale Simrockstr. 5,
Rolle spielen, wurden sie in der 53113 Bonn,
Vergangenheit wenig gefördert und Telefon: 02 28 / 22 30 08.
beraten. (...) Im Jahr 1978 wurde Deutsches Institut für Ärztliche
in Uganda eine Dachorganisation Mission e.␣ V. (DIFÄM),
für Frauen gegründet, die ver- Paul-Lechler-Str. 24,
schiedenen Ministerien unter- 72076 Tübingen,
stellt war. 1993 entschlossen sich Telefon: 0 70 71 / 2 06-0.
die einzelnen Mitgliedsorganisa-
tionen, eine regierungsunabhän- Evangelische Frauenarbeit in
gige Organisation zu schaffen und Deutschland e.␣ V.,
gründeten die National Associati- Emil von Behring-Str. 3,
on of Women’s Organizations in 60439 Frankfurt,
Uganda (NAWOU). Telefon: 0 69 / 958 01 20.
Die Arbeitsschwerpunkte blie-
ben die gleichen: Erhaltung der Frauenverband Courage, GS
In der Landwirtschaft Bergisch Gladbacher Str. 1006,
Umwelt, Schutz von Wasser und tätige Frau in Uganda.
Boden, Förderung angepaßter 51069 Köln,
Technologien und Verbesserungen Telefon: 02 21 / 68 10 88.
in der Landwirtschaft. Die NAWOU Organisationen gemeinsam ein Frauen für Frieden und Ökologie,
hat dabei die Funktion, die Zusam- Die vielen Aktivitäten der Frau- Konzept, wie die Aktivitäten der Behrensstr. 23,
menarbeit zwischen den sehr un- engruppen im Bereich Landwirt- Frauen weiter gefördert werden 10117 Berlin,
terschiedlichen Frauengruppen zu schaft und Umweltschutz sollen können. Telefon: 0 30 / 20 22 03 86.
fördern, Informationsveranstal- möglichst vollständig in einer Er- Eine Projektmappe sowie zwei
tungen und Seminare zu organisie- hebung erfaßt werden. Auf einem Diaserien zu diesem Projekt kön- Mütterzentrum Bundesverband,
ren und die Mitgliedsorganisatio- landesweiten Treffen erarbeiten nen bei BROT FÜR DIE WELT ange- Bismarckstr. 55/1,
nen bei der Planung und Durch- dann alle Gruppen, die zuständi- fordert werden (Projekt Nr. UGA 70197 Stuttgart,
führung ihrer Vorhaben zu unter- gen Ministerien und internationale 9406-003). Telefon: 07 11 / 639 68 32.
stützen.
In den letzten Jahren führte NRO-Frauenforum, Universität
NAWOU drei landesweite Seminare Frankfurt,
DIDAKTISCHE
zum Thema „Frauen und nachhal- Senckenberganalge 13–17,
tige Entwicklung“ durch, die auf 60054 Frankfurt,
eine große Resonanz stießen. Telefon: 0 69 / 798 84 93.
Projekt gen (amnesty international) etc.
Frauen aus allen Regionen nahmen ◗ Sammeln von Informationen über Terre des Femmes,
Schülerinnen und Schüler können
daran teil. Diese Arbeit soll weiter sich in Arbeitsgruppen mit diesem das Projekt (Anfordern der Projekt- Nauklerstr. 60,
intensiviert werden. Geplant sind Projekt näher beschäftigen: mappe bei BROT FÜR DIE WELT)
◗ Gibt es in Ihrem Ort Frauen- und/
72074 Tübingen,
jährlich vier Seminare in verschie- Telefon: 0 70 71 / 2 42 89.
◗ Sammeln von Informationen über oder Mädchenprojekte? Wie sieht
denen Provinzen. Die Teilnehme- deren Arbeit aus? Welche Probleme
Uganda unter verschiedenen Aspek-
rinnen haben dort die Möglichkeit, werden aufgegriffen? Welche Forde- Weltfriedensdienst,
ten: Länder-Daten (z.␣ B. über die
neue Methoden kennenzulernen, Situation der Frauen), aktuelle rungen werden gestellt? Hedemannstr. 14,
Erfahrungen auszutauschen und politische Entwicklungen (Tageszei- 10969 Berlin,
Probleme zu diskutieren. tungen), Menschenrechtsverletzun- Telefon: 0 30 / 25 39 90-0.
1 / 1995Nachrichten
11
Nachrichten Medien Literatur
entwickelt wurden. Einmal im Jahr Diese Hände, Tansania 1992, Ache, Susanne / Anne Huschens:
treffen sich die Mitglieder des Ar- 45␣ Min., 16 mm, f, Dokumentarfilm, Frauen, Gleichberechtigung, Gleich-
beitskreises, um sich auszutau- OmU stellung, Emanzipation? Reihe Ge-
schen, ihre Arbeiten und ihre Ide- Der Film zeigt einen Ausschnitt aus schichte und Politik – Unterrichts-
Schulprojektstelle en vorzustellen. dem Leben tanzanischer Frauen. materialien. Verlag Moritz Diester-
eingerichtet! Interessierte sind herzlich einge- Sie zerkleinern Steine zu Schotter weg, Frankfurt/M. 1990.
Aufgrund der Förderung durch laden, im Arbeitskreis Pädagogik für den Straßenbau. Der Stein- Geschichte betrifft uns: 3/85-8:
den Ausschuß für entwicklungs- mitzuarbeiten! bruch ist nicht nur Arbeitsplatz, er Bürgerlicher Frauenalltag und
bezogene Bildung und Publizistik Kontakt: BROT FÜR DIE WELT, ist Spielplatz und Schule für ihre bürgerliche Frauenbewegung im
(ABP) und durch BROT FÜR WELT Stafflenbergstr.␣ 76, 70184␣ Stuttgart; Kinder – hier leben sie, durch ihre 19. Jahrhundert. Bezug: Berg-
hat im Januar 1995 die „Schulpro- Tel.: 07 11 / 21 59-0, Jörg Jenrich. Arbeit. moser + Höller Verlag, Karl-Fried-
jektstelle GLOBALES LERNEN“ ... wie im Krieg (Something like rich-Str. 76, 52072 Aachen.
die Arbeit aufgenommen. a war), Indien / Großbritannien Geschichte betrifft uns: 5/87-8:
Beantragt wurde das zunächst auf 1991, 52 Min., VHS, f., Dokumen- „Damen haben wir schon genug“.
zwei Jahre angelegte „Pilot-Pro- tarfilm. Frauen in der Politik. Bezug:
jekt“ vom Verein für Friedenspäd- Der Film dokumentiert die Ge- Bergmoser + Höller Verlag, Karl-
agogik Tübingen e.␣ V.. Dort befin- schichte der Familienplanung in Friedrich-Str. 76, 52072 Aachen.
det sich auch einer der beiden Indien, zeigt den Zynismus, die
Kersting, Ursula / Regina Riepe /
Dienstsitze, der zweite bei BROT Korruption und die Brutalität ihrer
Brigitte Vest:
FÜR WELT in Stuttgart. Durchführung, und er fragt nach
Im Rahmen der Schulprojekt- Sie halten die Fäden in der Hand.
der Verantwortung der Mediziner,
stelle soll u.␣ a. die schulbezogene Vom Leben und Arbeiten der Frau-
Funktionäre und Entwicklungs-
Bildungsarbeit von BROT FÜR DIE en in Afrika, Asien und Lateiname-
experten.
WELT erweitert werden. rika. Misereor, Aachen 1991, 95 S.,
Es gibt eine Welt außerhalb der DIN A4.
Büro Stuttgart: vier Wände, BRD 1992, 26 Min.,
Kindernothilfe e.␣ V. (Hrsg.):
BROT FÜR DIE WELT VHS, f., Dokumentarfilm.
Stafflenbergstr. 76 Nur ein Mädchen. Unterrichtsma-
Der Film berichtet über die Aktivi-
70184 Stuttgart; terialien für die Sekundarstufe I
täten einer von BROT FÜR DIE
Telefon: 07 11 / 21 59-0 Schulpartnerschaften WELT unterstützen Frauengruppen
zum Thema: „Mädchen und Frauen
mit der „Dritten Welt“ in der Dritten Welt“. Duisburg
Büro Tübingen: in Costa Rica.
1994, 30 S., DIN A4. Bezug: Kin-
Verein für Friedenspädagogik Beim Verein für Friedenspädago- Das Ende der Duldsamkeit – dernothilfe, Düsseldorfer Land-
Bachgasse 22 gik ist ein Buch erschienen, in wel- Frauen in Cuzco. BRD 1990, 50 str.␣ 180, 47249 Duisburg.
72070 Tübingen chem die Partnerschaften von Dias, 20␣ Min.
Telefon: 0 70 71 / 2 13 12 Schulen aus Baden-Württemberg Für die Frauen aus den Armen-
mit Schulen in der „Dritten Welt“ Stadtvierteln von Cuzco (Peru) be-
Mitarbeit erwünscht! untersucht und ausgewertet wur- ginnt der Tag vor dem Morgen-
den. Die Publikation von Marianne grauen und endet spät in der Nacht. ␣ Impressum␣
Seit 1992 gibt es den „Arbeitskreis März („Eins plus eins macht mehr
Pädagogik“, in welchem Lehrerin- Die Frauen tragen die Hauptverant-
als zwei. Schulpartnerschaften wortung für den Fortbestand der GLOBAL LERNEN.
nen und Lehrer mitarbeiten, die in Baden-Württemberg“, 140␣ S., Service für Lehrerinnen und
Interesse an der entwicklungs- Familie. Die Diaserie zeigt Ansätze, Lehrer.
20,00 DM) kann über den Buch- die aus der Isolation herausführen
bezogenen Bildungsarbeit haben. handel bestellt oder direkt beim
1. Jahrgang.
Auf regionaler Ebene beschäftigen sollen. Nr. 1 / 1995
Verein für Friedenspädagogik be-
sich einzelne Gruppen mit ent- Leben ohne Ausweg: Sawei Herausgeber: Schulprojektstelle
zogen werden.
wicklungspädagogischen Fragen Chandee, Schweiz 1981, 45 Min., Globales Lernen in Zusammen-
und arbeiten zum Thema „Eine 16 mm, f., Dokumentarfilm. arbeit mit dem Arbeitskreis Päda-
gogik und BROT FÜR DIE WELT.
Welt in der Bildung“. Eine Gruppe Der Film zeigt den Zusammenhang
befaßt sich beispielsweise mit neu- zwischen Prostitution, Tourismus © Schulprojektstelle GLOBALES
LERNEN
en Lern- und Aktionsmodellen, und der Verarmung der ländlichen
eine andere entwickelt Materialien ␣ Bildquellen␣ Bevölkerung im Norden Thailands. Redaktion: Günther Gugel / Uli
für den Unterricht zum Thema Jäger / Jörg Jenrich
Titelbild: missio;
„Umwelt und Entwicklung“. Eine S.␣ 2: Süddeutscher Verlag; Verleih und weitere Informatio- Erscheinungsweise: 3 bis 4 mal
dritte Gruppe wiederum sieht ih- jährlich
S.␣ 3: BROT FÜR DIE WELT; nen:
ren Arbeitsschwerpunkt im Grund- S. 5: Time; S. 6: KLIJN/foto-present; Evang. Zentrum für entwicklungs- Layout: Studio Christoph Lang
schulbereich. S. 8: BROT FÜR DIE WELT; bezogene Filmarbeit, Druck: Mühlbauer,
In der Reihe „Lernwege“ sind S.␣ 9: Bosch/South Light;
S.␣ 10: BROT FÜR DIE WELT;
Kniebisstr. 29, Ditzingen
bereits einige Publikationen er- S. 12: BROT FÜR DIE WELT. 70188 Stuttgart, ISSN 0948-7425
schienen, die in diesen Gruppen Tel.: 07 11 / 925 77 50.
1 / 199512
Warum diese Zeitschrift?
GLOBAL LERNEN wendet sich
vor allem an Lehrerinnen und
Lehrer der Sekundarstufen und
bietet unterrichtsrelevante Infor-
mationen und Materialien sowie
didaktische Hinweise. Wichtige
Themen für Unterricht und Bil-
dungsarbeit werden aufbereitet.
GLOBAL LERNEN informiert über
Entwicklungen und Tendenzen
und bietet einen Serviceteil mit
Nachrichten, Literatur- und
Medienhinweisen.
Die nächsten Themen
◗ Katastrophenhilfe
◗ Landminen
◗ Entwicklung und Umwelt
◗ Biographisches Lernen
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GLOBALES LERNEN:
Büro Stuttgart: BROT FÜR DIE WELT, Stafflenbergstr. 76, 70184 Stuttgart
Büro Tübingen: Verein für Friedenspädagogik, Bachgasse 22, 72070 Tübingen
1 / 1995Sie können auch lesen