GEDÄCHTNISTRAINING MITTELS TABLET IN EINEM PFLEGE- UND BETREUUNGSZENTRUM

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GEDÄCHTNISTRAINING MITTELS TABLET IN EINEM PFLEGE- UND BETREUUNGSZENTRUM
GEDÄCHTNISTRAINING
                                                    Eingereicht von
                                                    Reinhard Gölzner, B.A.
                                                    K11806733

MITTELS TABLET IN                                   Angefertigt am
                                                    Institut für Digital
                                                    Business

EINEM PFLEGE- UND                                   Beurteiler / Beurteilerin
                                                    A.Univ.-Prof. Mag. DDr.

BETREUUNGSZENTRUM
                                                    Johann Höller

                                                    Mitbetreuung
                                                    Ass.-Prof.in Mag.a Dr.in

Beobachtungsstudie am
                                                    Elisabeth Katzlinger-
                                                    Felhofer

Beispiel der Applikation                            September 2021

von digitAAL Life

Masterarbeit
zur Erlangung des akademischen Grades

Master of Science in Digital Business Management
im Masterstudium

Joint Master Programm Digital Business Management

                                                    JOHANNES KEPLER
                                                    UNIVERSITÄT LINZ
                                                    Altenberger Straße 69
                                                    4040 Linz, Österreich
                                                    jku.at
                                                    DVR 0093696

                                                    DVR 0093696
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Eidesstattliche Erklärung

Ich erkläre an Eides statt, dass ich die vorliegende Masterarbeit mit dem Titel „Gedächtnis-
training mittels Tablet in einem Pflege- und Betreuungszentrum – Beobachtungsstudie am
Beispiel der Applikation von digitAAL Life“ selbstständig und ohne fremde Hilfe verfasst,
andere als die angegebenen Quellen und Hilfsmittel nicht benutzt bzw. die wörtlich oder sinn-
gemäß entnommenen Stellen als solche kenntlich gemacht habe.

Die vorliegende Masterarbeit ist mit dem elektronisch übermittelten Textdokument identisch.

Steyr, 20. September 2021

Unterschrift

                                                                                           II
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Widmung

          gewidment meinen Eltern,
          Georg und Maria Gölzner

                                     III
GEDÄCHTNISTRAINING MITTELS TABLET IN EINEM PFLEGE- UND BETREUUNGSZENTRUM
Danksagung

Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen Personen bedanken, die mich während meiner
Studienzeit und bei der Erstellung dieser Masterarbeit begleitet, unterstützt und motiviert
haben. Diese Arbeit wurde während der Coronapandemie, in der Zeit von 2020 bis 2021
angefertigt – weltweit für viele Meschen eine schwierige Zeit – und stand vor besonderen
Herausforderungen. Trotz aller Schwierigkeiten und Hürden, die überwunden werden
mussten, blicke ich auf eine lehrreiche Zeit zurück und es freut mich, dass diese Masterarbeit
in dieser Form zustande gekommen ist.

Zuerst möchte ich meinen Dank an Ass.-Prof.in Mag.a Dr.in Elisabeth Katzlinger-Felhofer und
Studiengangsleiter A.Univ.-Prof. Mag. DDr. Johann Höller aussprechen, die mich bei dieser
Arbeit betreut haben, sowie für die Anregungen, die konstruktive Kritik und die Geduld. Ebenso
möchte ich Studiengangsleiter Priv.-Doz. FH-Prof. Mag. Dr. Andreas Auinger sowie dem Leh-
renden-Team der JKU Linz und FH Steyr des Masterstudiums Digital Business Management
für die interessante Studienzeit, die lehrreichen Inhalte und die wertvolle Ausbildung danken.

Dem Seniorenzentrum Stadt Haag möchte ich meinen besonderen Dank für die gute Zusam-
menarbeit aussprechen. Allen voran OMR Dr. Anton Hengst und Peter Hengst, die mir ermög-
lichten, trotz der schwierigen Umstände durch Corona, den empirischen Teil dort durchzu-
führen. Ebenso möchte ich den Seniorinnen und Senioren danken, die sich für die Studie zur
Verfügung stellten und mit Begeisterung mitgemacht haben. Erwähnen und Danke sagen
möchte ich auch FSB-A Andrea Halbartschlager, für die Einblicke und Erfahrungen in der
Arbeit mit älteren und demenzerkrankten Menschen. Sie waren für mich persönlich sehr
wertvoll. Es ist eine besondere und wichtige Arbeit, die von diesen Pflegekräften tagtäglich
geleistet wird.
Außerdem möchte ich mich beim Roten Kreuz Niederösterreich bedanken, im speziellen bei
Franz Bergler-Hellein, für das unkomplizierte Bereitstellen des Tablets mit dem Gedächtnis-
training sowie seine fachliche Unterstützung.
Ohne die gemeinsame und gute Kooperation all dieser Beteiligten, hätte diese Arbeit nicht
entstehen können.

Des Weiteren möchte ich Andrea Ratzinger danken, für das Lektorieren dieser Masterarbeit
und ihr Feedback.

                                                                                            IV
GEDÄCHTNISTRAINING MITTELS TABLET IN EINEM PFLEGE- UND BETREUUNGSZENTRUM
Ein herzliches Dankeschön gilt meinen Freunden und meiner Familie, die mich während
meiner Studienzeit bestärkt und ermutigt haben. Josef Eisenhut für seine emotionale und
moralische Unterstützung sowie meinen Eltern, Georg und Maria Gölzner, ihnen widme ich
diese Arbeit. Ihr seid mir sehr wichtig!

Abschließend möchte ich noch DIin Maria Fellner, MBA, Geschäftsführerin und Mitgründerin
der digitAAL Life GmbH, erwähnen und ihr danken, für das bekundete Interesse an den
Ergebnissen dieser Arbeit. Die Entwicklung und Forschung an dieser besonderen Applikation
kann vielen älteren und demenzerkrankten Menschen helfen. Ich hoffe, mit meiner Arbeit einen
kleinen Beitrag dazu leisten zu können.

                                                                                          V
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Inhaltsverzeichnis

Eidesstattliche Erklärung.............................................................. II
Widmung ....................................................................................... III
Danksagung .................................................................................. IV
Inhaltsverzeichnis ........................................................................ VI
Abbildungsverzeichnis .............................................................. VIII
Tabellenverzeichnis ..................................................................... IX
Abkürzungsverzeichnis / Glossar ................................................ X
Kurzfassung.................................................................................. XI
Executive Summary .................................................................... XII
1    Einleitung ............................................................................... 13
     1.1   Ausgangssituation und Problemstellung ....................................................... 14
     1.2   Zielsetzung und Forschungsfragen .............................................................. 15
     1.3   Methodik ...................................................................................................... 16
     1.4   Aufbau und Struktur der Arbeit ..................................................................... 16
2    Theoretische Grundlagen und Forschungsstand ............... 18
     2.1 Begriffsdefinitionen und Abgrenzungen ........................................................ 18
         2.1.1 Alterskonzepte ................................................................................... 18
         2.1.2 Beschreibung von Tablets .................................................................. 19
         2.1.3 Forschungsstand und Projekte ........................................................... 20
     2.2 Demografischer Wandel ............................................................................... 21
         2.2.1 Lebensformen älterer Menschen ........................................................ 22
         2.2.2 Fachkräftemangel im Pflege- und Betreuungsbereich ........................ 24
         2.2.3 Maßnahmen und Reformierung .......................................................... 24
     2.3 Einschränkungen und Erkrankungen im Alter ............................................... 25
         2.3.1 Allgemeine Einschränkungen ............................................................. 25
         2.3.2 Demenz ............................................................................................ 27
     2.4 Digitale Kompetenzen von Seniorinnen und Senioren .................................. 30
         2.4.1 DESI Index ......................................................................................... 31
         2.4.2 Digitales Kompetenzmodell für Österreich .......................................... 32
         2.4.3 Geragogik .......................................................................................... 34
         2.4.4 Initiativen in Österreich und Deutschland ........................................... 36
     2.5 Zusammenfassung ....................................................................................... 37
3    Anforderungen technischer Devices und Usability ............ 38
     3.1   Heuristiken ................................................................................................... 38
     3.2   Usability Anforderungen für die älterer Zielgruppe ........................................ 38
     3.3   Anforderungen an mobile Endgeräte und Applikationen ............................... 40
     3.4   Zusammenfassung ....................................................................................... 41

                                                                                                                                VI
GEDÄCHTNISTRAINING MITTELS TABLET IN EINEM PFLEGE- UND BETREUUNGSZENTRUM
4   Empirischer Teil ..................................................................... 42
    4.1 Theorie und Methodik bei Beobachtung und Befragungen ........................... 42
    4.2 Beobachtung mittels Videoanalyse............................................................... 44
    4.3 Forschungsdesign der empirischen Studie ................................................... 44
    4.4 Beschreibung der Untersuchungskriterien der empirischen Studie ............... 45
        4.4.1 Artefakt: Rotkreuz-Tablet mit der Applikation von digitAAL Life .......... 45
        4.4.2 Untersuchungsumfeld: Seniorenzentrum in Stadt Haag ..................... 47
        4.4.3 Zielgruppe: Seniorinnen und Senioren ............................................... 47
        4.4.4 Zusammenfassung der Untersuchungskriterien ................................. 48
    4.5 Datenerhebung ............................................................................................ 48
        4.5.1 Vorbereitungen zur Datenerhebung ................................................... 49
        4.5.2 Durchführung der Datenerhebung ...................................................... 52
        4.5.3 Erkenntnisse zur Datenerhebung ....................................................... 55
    4.6 Datenanalyse ............................................................................................... 56
    4.7 Ergebnisse der Studie .................................................................................. 58
        4.7.1 Ergebnisse der vorgelagerten Befragung ........................................... 58
        4.7.2 Ergebnisse der Beobachtung ............................................................. 62
        4.7.3 Ergebnisse der nachgelagerten Befragung ........................................ 78
5   Fazit ........................................................................................ 83
    5.1 Limitationen .................................................................................................. 84
    5.2 Ausblick........................................................................................................ 85
6   Anhang ................................................................................... 86
    6.1   Informationsschreiben .................................................................................. 86
    6.2   Datenschutzvereinbarung............................................................................. 87
    6.3   Reihenfolge der Aufgaben – Level 1 bis 4 .................................................... 88
    6.4   Fragenbogen zur vorgelagerten Befragung .................................................. 89
    6.5   Notizblatt mit Kriterien für die Beobachtung .................................................. 90
    6.6   Fragenbogen zur nachgelagerten Befragung ............................................... 91
7   Literaturverzeichnis ............................................................... 92

                                                                                                                              VII
GEDÄCHTNISTRAINING MITTELS TABLET IN EINEM PFLEGE- UND BETREUUNGSZENTRUM
Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Nutzen durch Digitalisierung im Pflegebereich (Pronova BKK, 2018) ..... 13
Abbildung 2: Bevölkerung nach breiten Altersgruppen 1950 bis 2080......................... 21
Abbildung 3: Vergleich – Bevölkerungspyramide 2020 und 2080 ................................ 22
Abbildung 4: Betreuungs- und Pflegedienste 2018 ..................................................... 23
Abbildung 5: Die 7 Wirkungsziele der österreichischen Demenzstrategie ................... 29
Abbildung 6: Bewertungsbereiche des Tools „B-TiP“ (Fehling, 2020). ........................ 30
Abbildung 7: DESI Index 2020 – Reihung der EU Mitgliedstaaten (DESI, 2020) ......... 31
Abbildung 8: DESI Index 2020 für Österreich mit EU-28 Vergleich (DESI, 2020) ........ 32
Abbildung 9: Digitales Kompetenzmodell für Österreich - DigComp 2.2 AT ................ 34
Abbildung 10: Aspekte zur Begünstigung von Lernen im Alter .................................... 35
Abbildung 11: Forschungsdesign der empirischen Studie ........................................... 44
Abbildung 12: Tablet (Samsung Galaxy Tab Active2) des Roten Kreuz NÖ mit
              der Applikation von digitAAL Life im Startmenü .................................... 45
Abbildung 13: Hauptmenü der Applikation mit Themenauswahl der Trainings ............ 49
Abbildung 14: Ablauf der Datenerhebung ................................................................... 52
Abbildung 15: Beobachtungsplatz mit aufgebautem Equipment.................................. 53
Abbildung 16: Erklärung der Benutzeroberfläche bei einem Aufgabenbeispiel ............ 54
Abbildung 17: Zusammensetzung der Übungsgruppen............................................... 57
Abbildung 18: Screenshot aus MAXQDA 2020 – Aufbereitung einer Videodatei ......... 57
Abbildung 19: Raster - Erfahrung und Interesse der Teilnehmenden .......................... 61
Abbildung 20: Liste der Videos und Codes in MAXQDA ............................................. 63
Abbildung 21: Beispiel der Übung „Quiz mit Fragen“................................................... 64
Abbildung 22: Beispiel der Übung „Quiz mit Bildausschnitt“ ........................................ 65
Abbildung 23: Beispiel der Übung „Mathematik“ ......................................................... 66
Abbildung 24: Beispiel der Übung „Zahlenreihe“ ......................................................... 67
Abbildung 25: Beispiel der Übung „Lückentext“........................................................... 68
Abbildung 26: Beispiel der Übung „Puzzle 2x2“ .......................................................... 69
Abbildung 27: Beispiel der Übung „Bildpaare“ mit aufgedeckten Feldern .................... 70
Abbildung 28: Beispiel der Übung „Außenseiter“......................................................... 71
Abbildung 29: Beispiel der Übung „Fehlersuchbild“ mit falschmarkierten Stellen ........ 72
Abbildung 30: Beispiel der Übung „Hören“ .................................................................. 73
Abbildung 31: Beispiel der Übung „Lied mitsingen“ ..................................................... 74
Abbildung 32: Beispiel der Übung „Reihenfolge“ ......................................................... 75

                                                                                                                 VIII
GEDÄCHTNISTRAINING MITTELS TABLET IN EINEM PFLEGE- UND BETREUUNGSZENTRUM
Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Quantitative Übersicht der Teilnehmenden der Beobachtung ..................... 59
Tabelle 2: Einteilung der Übungsgruppen in leicht, herausfordernd, schwierig ............ 76

                                                                                               IX
GEDÄCHTNISTRAINING MITTELS TABLET IN EINEM PFLEGE- UND BETREUUNGSZENTRUM
Abkürzungsverzeichnis / Glossar

ADI              Alzheimer´s Disease International (Internationale Alzheimer Vereinigung)

App              Kurzform für Applikation

BAGSO            Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (Deutschland)

BMASGK           Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und
                 Konsumentenschutz

BMDW             Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort

B-TiP            Bewertung assistiver Technologien in der Pflege

bzw.             beziehungsweise

DESI             Digital Economy and Society Index (Index für die digitale Wirtschaft und
                 Gesellschaft)

DIA              Digitalisierungsagentur

et al.           et alii

etc.             et cetera

FH Steyr         Fachhochschule Steyr

FSB-A            Fach-Sozialbetreuerin mit dem Schwerpunkt Altenarbeit

GÖG              Gesundheit Österreich GmbH

Hrsg.            Herausgeber

JKU Linz         Johannes Kepler Universität Linz

OECD             Organisation for Economic Co-operation and Development
                 (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung)

ÖIAT             Österreichisches Institut für angewandte Telekommunikation

OMR              Obermedizinalrat

Rotes Kreuz NÖ   Österreichisches Rotes Kreuz, Landesverband Niederösterreich

SDAT             senile Demenz vom Alzheimer-Typ

WHO              World Health Organisation (Weltgesundheitsorganisation)

ZIMD             Zentrum für Interaktion, Medien und soziale Diversität

                                                                                            X
Kurzfassung

In der vorliegenden Arbeit wird der Einsatz einer Gedächtnistrainings-Applikation auf einem
Tablet bei älteren Personen eines Pflege- und Betreuungszentrums beschrieben sowie
erhoben, wie diese von den Seniorinnen und Senioren angenommen wird.
Der demografische Wandel und die Alterung der Gesellschaft bringen vielfältige Herausforde-
rungen mit sich, unter anderem den Fachkräftemangel im Pflege- und Betreuungsbereich.
Ebenso schreitet auch die Digitalisierung in diesen Bereichen mit großen Schritten voran. So
können Touchscreen-fähige Endgeräte, wie Tablets, sowie Applikationen unterstützen und bei
altersbedingten Einschränkungen bzw. Erkrankungen, wie beispielsweise Alzheimer-Demenz,
vorbeugend wirken.

Im theoretischen Teil wird durch eine Literaturrecherche auf die genannten Bereiche Bezug
genommen. Ebenso wird Einblick gegeben, wie ältere Menschen ihre digitalen Kompetenzen
aufbauen können und welche Initiativen es dazu gibt, um aktiv an der digitalen Gesellschaft
teilzuhaben und somit die digitale Kluft für diese Gruppe zu verringern. Abschließend wird auf
die zielgruppenspezifischen Anforderungen von älteren Menschen und die Usability von
Touchscreen-basierten Geräten eingegangen.
Im empirischen Teil dieser Masterarbeit wird eine teilnehmende Beobachtung mit vor- und
nachgelagerter Befragung durchgeführt. Dabei wird von zwölf Probandinnen und Probanden
des Seniorenzentrums in Stadt Haag die Applikation zum Gedächtnistraining getestet. Diese
App wurde von der digitAAL Life GmbH entwickelt und kommt, auf dem vom Roten Kreuz NÖ
zur Verfügung gestellten Tablet, zum Einsatz. Das erhobene Datenmaterial wird in schriftlicher
Form sowie mit Audio- und Videoaufzeichnungen gesammelt und ausgewertet, um in weiterer
Folge die Forschungsfragen zu beantworten. Die Ergebnisse geben Aufschluss, vor welchen
Herausforderungen bzw. Hürden Seniorinnen und Senioren bei der Interaktion mit der einge-
setzten App sowie im Umgang mit dem Tablet stehen.

Aus den Ergebnissen dieser Studie werden konkrete Vorschläge genannt, die vor allem zur
Verbesserung und Weiterentwicklung der einzelnen Übungen in der App von digitAAL Life
beitragen. Ebenso sollen die gewonnenen Erkenntnisse dieser Arbeit einen Mehrwert und eine
Hilfestellung für App-Entwickler sowie Entscheidungsträger im Pflege- und Betreuungsbereich
liefern, die zukünftig eine Einführung und Verwendung von Tablets bei der älteren Zielgruppe
planen.

                                                                                           XI
Executive Summary

This paper describes the use of a memory training application on a tablet computer for elderly
people in a nursing and care centre and investigates how it is accepted by the elderly.
Due to demographic change and the ageing society a variety of challenges, including a
shortage of skilled workers in the care and nursing sector occur and need to be addressed.
Digitalisation in these areas is also advancing in giant steps. Touchscreen devices, such as
tablet computers, and applications can provide support and have a preventive effect on
age-related limitations and diseases, such as Alzheimer's dementia.

In the theoretical part, reference is made to the areas mentioned through a literature review.
Insight is also given into how elderly people can build up their digital skills and which initiatives
already exist in order to actively participate in the digital society and thus reduce the gap that
separates elderly people. Finally, the specific requirements for elderly people and the usability
of touchscreen-based devices are discussed.
In the empirical part of this thesis, a participatory observation with pre- and post-surveys is
conducted. In the process, the memory training application is tested by twelve test subjects of
the senior citizens' centre in Stadt Haag. This app was developed by digitAAL Life GmbH and
is used on the tablet computer provided by the Red Cross of Lower Austria. The data material
is collected and evaluated in written form as well as with audio and video recordings in order
to subsequently answer the research questions. The results provide information about the
challenges seniors face when interacting with the app and using the tablet computer.

From the results of this study, concrete suggestions will be made, which, above all, contribute
to the improvement and further development of individual exercises in the digitAAL Life app.
The findings of this study are also intended to provide value and support for decision-makers
and those responsible in the care and nursing sector who are planning to introduce and use
tablet computers for the elderly in the future.

                                                                                                 XII
1 Einleitung

Der Megatrend Digitalisierung hält mittlerweile in allen Bereichen des Lebens Einzug und ist
auch bereits in der Pflege und Betreuung angekommen. Durch neue Technologien soll die
Arbeit des Personals erleichtert und das Leben der Bewohnerinnen und Bewohner angeneh-
mer gemacht werden. Produkte und digitale Lösungen werden dabei für ein gesundes Leben,
selbstbestimmtes Wohnen und zur sozialen Einbindung angeboten (Weiß et al., 2017). In den
Bereich für alte und kranke Menschen, bekannt unter der Bezeichnung „Ambient Assisted
Living“ (AAL), fließen derzeit Millionenbeträge in die Forschung und Entwicklung. So soll es
beispielsweise im Pflegeheim der Zukunft ein Bett geben, das beim Aufstehen hilft, ebenso
wird bereits an einem intelligenten Medikamentenschrank und Badspiegel gearbeitet, darüber
hinaus kommen Sensoren, RFID-Chips oder GPS-Tracking in verschiedenster Art und Weise
zum Einsatz. An einer Vielzahl weiterer digitaler Möglichkeiten und Technologien wird
geforscht, um das Leben älterer Menschen zu erleichtern und ihnen zu ermöglichen, selbst-
bestimmt und bis zuletzt auch in der eigenen Wohnung leben zu können (Heil, 2011). An
Robotern, wie beispielweise dem Prototyp „Henry“, wird ebenfalls gearbeitet. Dieser soll in
Pflegeheimen eingesetzt werden und zukünftig bei schwerer körperlicher Arbeit unterstützen.
Als Therapieroboter kommt die Plüschrobbe „Paro“ zum Einsatz, diese soll Demenzerkrankten
helfen (Springer, 2016). Die Digitalisierung des Pflege- und Betreuungsbereichs soll in vielerlei
Hinsicht einen Nutzen bringen (Abbildung 1).

          Abbildung 1: Nutzen durch Digitalisierung im Pflegebereich (Pronova BKK, 2018)

                                                                                              13
In einer repräsentativen Onlineumfrage bei über 1000 Personen, zwischen 18 und 65 Jahren
können sich zwar 19 % noch keinen Nutzen durch die Digitalisierung im Pflegebereich vorstel-
len, die Hälfte sieht jedoch diesen bereits in der Überwachung der Vitalfunktionen. Dass
Computerspiele zur Verbesserung der motorischen und kognitiven Fähigkeiten beitragen,
sehen 36 % der Befragten und 28 % finden das Pflegeroboter eine Unterstützung sind
(Pronova BKK, 2018). Liest man dies, könne man behaupten, dass die Zukunft im Pflege- und
Betreuungsbereich glänzend aussehe, jedoch zeigt die Realität oftmals noch ein nüchternes
Bild. So gibt es noch viele Herausforderungen und Hemmnisse, die den Chancen der Digitali-
sierung im Weg stehen. Viele dieser technologischen und digitalen Produkte befinden sich
oftmals noch im Entwicklungs- bzw. Prototypen-Stadium. Es muss die Infrastruktur dafür aus-
gelegt sein, um einen flächendeckenden und wirtschaftlichen Einsatz zu ermöglichen. Auch
die Finanzierung stellt einen wichtigen Punkt dar, denn es soll für ältere Menschen sowie
Pflege- und Betreuungseinrichtungen leistbar sein. Ebenso sind digitale Kompetenzen erfor-
derlich, um neue und oftmals komplexe Technologien bedienen zu können und es ist zu
erwähnen, dass ältere Menschen aber auch jüngere der Digitalisierung oftmals kritisch gegen-
überstehen. Ein Umdenken ist erforderlich, weg vom Technikzentrismus hin zu einer Perspek-
tive, die den Menschen in den Mittelpunkt rückt, damit die Chancen der Digitalisierung genützt
werden können (Weiß et al., 2017, S. 21ff). Mobile Endgeräte wie Tablets und Smartphones
sind mittlerweile alltagstaugliche sowie leistbare Geräte und haben sich bei Jung und Alt
etabliert. So ist für 74 % der älteren Menschen ein Smartphone in vielen Situationen des
Alltags hilfreich und 57 % nutzen bereits ein Tablet. Unternehmen bedienen diesen spezifi-
schen und lukrativen Markt bereits, bei dem es darauf ankommt, auf die besonderen
Bedürfnisse der älteren Zielgruppe einzugehen (emporia Telecom, 2020).

1.1   Ausgangssituation und Problemstellung
Aufgrund der demografischen Entwicklung und der höheren Lebenserwartung wird die Pflege-
bedürftigkeit und die Nachfrage nach Pflege- und Betreuungskräften in den nächsten Jahren
stark steigen (Rappold & Juraszovich, 2019, S. 3). In Österreich wird aufgrund der Altersstruk-
tur und wegen Pensionierungen bis zum Jahr 2030 ein Fachkräftemangel herrschen, ein
Ersatzbedarf von rund 41.500 Personen im Pflege- und Betreuungsbereich wird benötigt.
Bereits jetzt haben 65 % der über 65-jährigen Sorge, wie sie im Alter gepflegt werden (Rappold
& Juraszovich, 2019, S. 31). Ebenso nehmen verschiedene Krankheiten im Alter zu, vor allem
an Demenzerkrankungen leiden immer mehr ältere Menschen, dies stellt zukünftig auch das
Pflege- und Betreuungsangebot vor große Herausforderungen (Höfler et al., 2015). Durch eine
Tablet-basierte Applikation zum Gedächtnistraining, können sich Seniorinnen und Senioren
geistig fit halten und so auch einer demenziellen Erkrankung vorbeugen (Christof, 2020).
                                                                                            14
Als Unterstützung für das Pflegepersonal und als Alternative zu herkömmlichen Demenzthe-
rapien kann dies ein Anreiz für Pflege- und Betreuungszentren sein, Tablets einzuführen. Bei
älteren Personen handelt es sich um eine heterogene Zielgruppe. Damit diese Geräte auch
angenommen und verwendet werden, sind digitale Grundkompetenzen eine Voraussetzung.
Meist sind diese jedoch bei den Älteren schwächer ausgeprägt. Ebenso stehen diese Perso-
nen aufgrund von altersbedingten Einschränkungen oftmals vor Herausforderungen und
Hürden in der Bedienung dieser Touchscreen-basierten Devices (Amann-Hechenberger et al.,
2015). Damit die ältere Generation an der digitalen Gesellschaft teilhaben kann und auch die
digitale Kluft verringert wird, müssen Unterstützungen und Angebote wahrgenommen werden
(Kubicek et al., 2019). Die Coronapandemie hat gezeigt, wie wichtig es für ältere Menschen
ist, mit ihren Angehörigen in Kontakt zu bleiben. In persönlicher Form war dies aufgrund der
Beschränkungen und den Schutz dieser vulnerablen Gruppe oft nicht möglich. Durch den
Einsatz von digitalen Hilfsmitteln und Geräten konnte dies aber ermöglicht werden.

1.2   Zielsetzung und Forschungsfragen
Früher oder später muss sich jeder von uns mit den Herausforderungen des Älterwerdens
auseinandersetzen. Den Leserinnen und Lesern soll mit dieser Arbeit die Zielgruppe der älte-
ren Menschen nähergebracht werden und beleuchten, mit welchen physischen und kognitiven
Einschränkungen und Gebrechlichkeiten sie zu kämpfen haben. Es sollen auch die Schwie-
rigkeiten und Herausforderungen aufgezeigt werden, die im Alter besonders im Umgang mit
digitalen Geräten, beispielsweise mit Tablets, auftreten. Der Fokus dieser Arbeit liegt darin,
herauszufinden, wie Seniorinnen und Senioren eines Pflege- und Betreuungszentrums auf den
Einsatz eines Tablets mit einer Gedächtnistrainings-Applikation zur ganzheitlichen Aktivierung
reagieren und wie diese von den älteren Personen angenommen wird. Zum Einsatz kommt
dabei ein Tablet, das vom Roten Kreuz Niederösterreich zur Verfügung gestellt wird, mit einer
Gedächtnistrainings-Applikation, entwickelt von der digitAAL Life GmbH. Durch den Einsatz
dieses Artefaktes bei der älteren Zielgruppe sollen folgende Forschungsfragen beantwortet
werden:

  Wie wird das Tablet mit der Gedächtnistrainings-Applikation von den Probandinnen
  und Probanden angenommen?

  Welche Usability Erkenntnisse lassen sich bei der Verwendung mit dem Tablet und
  der Interaktion mit der Applikation von digitAAL Life ableiten?

                                                                                           15
Das Ziel dieser Arbeit ist, die Hürden und Herausforderungen für Seniorinnen und Senioren
aufzuzeigen, die bei der Benützung des Tablets sowie der Gedächtnistrainings-Applikation
entstehen. Die Erkenntnisse sollen vor allem der digitAAL Life GmbH dienen, um eine Verbes-
serung der Benutzerfreundlichkeit zu erzielen und die Applikation für die ältere Zielgruppe
leichter bedienbar zu machen. Idealerweise trägt diese Arbeit dazu bei, – wenn auch nur sehr
gering – dass ältere Menschen ein Tablet und die Applikation häufiger verwenden und so
länger kognitiv gesund und selbstständig bleiben. Im besten Fall sind die Ergebnisse dieser
Arbeit auch ein Mehrwert für Entwickler von Apps sowie für Entscheidungsträger und Verant-
wortliche im Pflege- und Betreuungsbereich, die einen Einsatz von Tablet-basierten Geräten
bei Seniorinnen und Senioren planen und somit das Personal entlasten bzw. unterstützen
wollen.

1.3   Methodik
Mittels einer teilnehmenden Beobachtung mit vor- und nachgelagerter Befragung wurde das
Datenmaterial von zwölf Teilnehmenden des Betreuten Wohnens im Seniorenzentrum Stadt
Haag schriftlich und in Form von Audio- und Videoaufzeichnungen gesammelt und mit einer
zusammenfassenden, qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet (Mayring & Fenzl
2019). Als Software zur Transkription und Aufbereitung des Audio- und des Videomaterials,
mittels Codierung, wurde MAXQDA 2020 verwendet. Die Sortierung, Strukturierung und
Analyse des gesammelten Datenmaterials wurde damit maßgeblich erleichtert. Eine genaue
Beschreibung dazu erfolgt in Kapitel 4.6.

1.4   Aufbau und Struktur der Arbeit
Die Masterarbeit ist in zwei Teile aufgegliedert. Der theoretische Teil wurde mit einer Litera-
turrecherche durchgeführt, welcher im Zeitraum von März 2020 bis August 2021 stattfand.
Für die Recherche wurde Literatur in digitaler und physischer Form aus den Bibliotheken der
Johannes Kepler Universität (JKU) Linz und der Fachhochschule (FH) Oberösterreich – Cam-
pus Steyr sowie durch Fernzugriff die Suchportale und online Datenbanken beider Institutionen
zu Hilfe genommen. Ebenso wurde in verschiedenen Fachdatenbanken, Statistikportalen,
e-Journals, Online-Zeitungen und e-Books für die Literaturrecherche zugegriffen sowie Google
Scholar als Informationsquelle und Google als Suchmaschine verwendet.

                                                                                            16
Die vorliegende Arbeit führt im zweiten Kapitel eine begriffliche Abgrenzung durch und gibt
Auskunft über demografische Daten, Altersentwicklung sowie den Fachkräftemangel im
Pflege- und Betreuungsbereich. Es werden altersbedingte Einschränkungen erläutert sowie
auf digitale Kompetenzen von Seniorinnen und Senioren eingegangen.
In Kapitel drei wird erklärt, auf welche Bedürfnisse der älteren Zielgruppe, bei der Entwicklung
von digitalen Geräten und mobilen Applikationen, eingegangen werden muss.
In Kapitel vier wird der empirische Teil beschrieben. Aufgrund der Coronapandemie, die im
März 2020 ausbrach und der damit verbundenen Lockdowns und Beschränkungen, kam es
zu Verzögerungen der empirischen Ausarbeitung. Im Detail wird in diesem Kapitel auf die
Methodik eingegangen sowie die Untersuchungskriterien beschrieben. Weiterführend wird die
Datenerhebung und -analyse erklärt sowie die Ergebnisse der Beobachtung mit vor- und nach-
gelagerter Befragung erläutert.
In Kapitel fünf folgt das Fazit mit der Beschreibung der Limitationen und einem Ausblick.

Das Datenmaterial und die Transkripte der Audio- und Videoaufzeichnungen der Beobachtun-
gen sowie der vor- und nachgelagerten Befragungen sind in der gedruckten Version dieser
Masterarbeit nicht veröffentlicht, jedoch ist eine Daten-CD beigefügt. Ebenso kann beim Autor
darum angefragt werden.

                                                                                             17
2 Theoretische Grundlagen und Forschungsstand

In diesem Kapitel werden theoretische Grundlagen, der aktuelle Forschungsstand sowie wich-
tige Definitionen und Abgrenzungen, welche für das Verständnis dieser Arbeit relevant sind,
behandelt. Es wird der demografische Wandel erörtert sowie der Fachkräftemangel in der
Pflege und Betreuung beleuchtet. Des Weiteren werden altersbedingte Erkrankungen genannt
und konkret das Thema „Demenz“ erläutert. Abschließend wird auf digitale Kompetenzen von
älteren Menschen eingegangen.

2.1     Begriffsdefinitionen und Abgrenzungen

Der Fokus dieser Arbeit liegt auf der Zielgruppe der Menschen in der nachberuflichen Lebens-
phase und wird definiert ab dem Alter von 65 Jahren. Im Kontext wird synonym auch von
älteren Personen bzw. alten Menschen oder Seniorinnen und Senioren gesprochen. Diese
älteren Personen sollen psychisch und physisch in der Lage sein, ein Tablet zu bedienen. Im
Rahmen der empirischen Studie wird ein Tablet-basierte Applikation mit einem ganzheitlich
aktivierenden Gedächtnistraining an Probandinnen und Probanden in einer Pflege- und
Betreuungseinrichtung getestet. In der Ausarbeitung wird dies auch synonym als Artefakt bzw.
Tablet mit Gedächtnistraining bezeichnet. Ebenso wird allgemein von Pflege- und Betreuungs-
einrichtungen gesprochen, dies schließt die Bezeichnung Seniorenzentrum und Betreutes
Wohnen mit ein.

2.1.1    Alterskonzepte
Der Begriff Alter bzw. das Altern kennt eine Vielzahl von Einteilungen und unterschiedlichen
Definitionen. Es ist nicht eindeutig festgelegt, denn Altern ist ein sehr individueller Vorgang.
So wird das kalendarische Alter nach dem Geburtsdatum bzw. der Anzahl der Lebensjahre
definiert. Das biologische Alter wird durch körperliche Veränderungen und Abbauprozesse
sichtbar (Amann-Hechenberger et al., 2015, S. 25). In den entwickelten Ländern ist zu erken-
nen, dass die Menschen kalendarisch älter sind als biologisch. Der umgekehrte Fall fällt tritt
hingegen in weniger entwickelten Ländern wie Afrika auf. Das Alter ist von unterschiedlichen
Faktoren beeinflusst aber wesentlich mit dem eigenen Gesundheitszustand verknüpft. Die
Abnahme der kognitiven, physischen und emotionalen Funktionsreserven durch Stressoren
wie Krankheit und Veränderungen des sozialen Milieus, fallen sehr unterschiedlich aus und
werden mit dem Begriff „Gebrechlichkeit“ gleichgesetzt (Schuler, 2015; WHO, 2002, S. 19).

                                                                                             18
Laut Definition der WHO wird eine Kategorisierung des Alterns wie folgt eingeteilt
(Schuler, 2015):
   •    60–75 Lebensjahre: älterer Mensch
   •    76–90 Lebensjahre: alter Mensch
   •    91–100 Lebensjahre: sehr alter oder hochbetagter Mensch
   •    > 100 Lebensjahre: langlebiger Mensch

Ebenso wird von Schuler (2015) auch eine funktionelle Einteilung erwähnt und wie folgt
beschrieben:
   •    Unabhängig lebende Senioren („go goes“)
   •    Hilfsbedürftige Senioren („slow goes“)
   •    Pflegebedürftige Senioren („no goes“)

2.1.2   Beschreibung von Tablets
Als Tablet, synonym auch Tablet-PC oder Tablet Computer, wird ein flacher, leichter und
mobiler Computer mit einem berührungsempfindlichen Bildschirm (Touchscreen) bezeichnet.
Wie auch Smartphones zählen Tablets zu den mobilen Endgeräten und sind ähnlich in der
Bedienung. Ein Tablet ist mit Kameras, Mikrofon und Lautsprecher ausgestattet, die auch als
auditive und visuelle Schnittstellen benötigt werden. Eine Tastatur ist virtuell am Screen
vorhanden oder kann extern angeschlossen werden. Die Bedienung und Interaktion mit dem
Tablet erfolgt mithilfe eines speziellen Eingabestiftes oder durch Berühren des Bildschirms mit
den Fingern. Das Betriebssystem und Programme sind meist vorinstalliert. Dienste und Funk-
tionen können individuell erweitert und über mobile Applikationen (Apps) heruntergeladen wer-
den (Bendel, 2018; Knoll et al., 2015).

Anbieter und Verbreitung von Tablets
Tablets lassen sich anhand der Betriebssysteme in Android, iOS von Apple und Windows
unterscheiden. Tablets des Elektronikherstellers Apple werden als „iPad“ bezeichnet. Weitere
bekannte Tablets sind das „Samsung Galaxy Tab“ oder „Microsoft Surface“. Im Jahr 2019 teilte
sich der Marktanteil von Tablet-Betriebssystemen mit 60 % auf Android, 28 % auf iOS und
12 % auf Windows auf (Strategy Analytics, 2020). In der Seniorenstudie von (emporia Tele-
com, 2020, S. 38) wurde bei österreichischen Personen ab 65 Jahren erhoben, dass 84 % der
Befragten bereits ein Tablet verwenden oder sich vorstellen können eines zu nutzen.

                                                                                            19
2.1.3    Forschungsstand und Projekte
In einer Pilotstudie wurde 2014 der Einsatz von Tablets und ihr Nutzen für demente Heimbe-
wohnerinnen und -bewohner in einem Berliner Pflegeheim in einer dreimonatigen Testreihe
untersucht. Ziel war es, die Praktikabilität und Anwendungsmöglichkeiten der Tablets bei den
Teilnehmenden wissenschaftlich zu untersuchen (Nordheim et al., 2015). Aufbauend darauf
wurde das dreijährige Modellprojekt „PflegeTab1“ durchgeführt. Auf Basis von Tablets und
mittels speziell entwickelter Software wurde ein integriertes System für den Pflegebereich
geschaffen, der speziell auf die Bedürfnisse von Demenzerkrankten sowie deren Pflegekräfte
und Angehörigen abgestimmt ist. Rund 200 Bewohnende von Heimen nahmen an der
klinischen Studie teil, dessen Ziel es war zu untersuchen ob sich die tabletgestützte Aktivie-
rung positiv auf das Wohlbefinden und die soziale Teilhabe der Betroffenen auswirkt
(Nordheim et al., 2018; Krüger-Brand, 2015).

Das österreichische Forschungsprojekt „mobi.senior.A“ 2 wurde von 2013 von 2016 durchge-
führt, dabei ging es um eine genderspezifische Erforschung der Zielgruppe Seniorinnen und
Senioren. Mittels unterschiedlicher partizipativer Methoden, wie Usability-Tests, Experience-
Diary, Fokusgruppen, Befragung, etc. wurden die Motivationen, Hindernisse, Zugänge,
Anforderungen, etc. für die Internetnutzung mit Tablets und Smartphones erforscht. Im
empirischen Teil wurden unter anderem in Leitfaden Handlungsempfehlungen zu mobilen
Applikationen, Schulungsangeboten, Kaufberatung und Support erarbeitet (Amann-Hechen-
berger et al., 2015).

2010 wurde das im Rahmen des Programmes „netidee“ geförderte Projekt „myTablet3“ durch-
geführt. Auf Grund von technischen, sozialen und ökonomischen Hürden besteht ein starkes
Altersgefälle in der Nutzung internet-basierter Dienste. Gemeinsam mit Seniorinnen und
Senioren im Alter ab 60 Jahren wurde untersucht, in welchem Ausmaß sich aktuelle Tablets
(iPad) als Gateway ins Internet eignen und wie Hürden bei Älteren verringert werden können.
Mit elf Teilnehmenden wurden eine Usability Studie, mit vier einmonatigen Feldtests durchge-
führt, um eine allgemeine Benutzbarkeit festzustellen. Die älteren Teilnehmenden erhielten
eine Einschulung auf das Tablet und wurden, wenn nötig, betreut. Die Studienergebnisse zeig-
ten, dass es eine hohe Zufriedenheit und Akzeptanz bei den Teilnehmenden gab. Damit die
ältere Zielgruppe leichter an der digitalen Gesellschaft teilhaben kann und um den höheren
Informationsbedarf abzudecken, sollte der Fokus auf die Entwicklung von Tablet Apps, speziell
für diese Zielgruppe, gelegt werden und Initiativen zur Unterstützung gestartet werden
(Werner et al., 2012).

1 URL: https://pflegetab.qu.tu-berlin.de/de [20.08.2021]
2 URL: http://www.mobiseniora.at [20.08.2021]
3 URL: www.netidee.at/mytablet [20.08.2021]

                                                                                           20
In der Forschungsarbeit von Oppl & Stary (2020) sammelten Seniorinnen und Senioren bei
einer Pilotstudie in Anlehnung an ein Game-based Learning-Konzept erste spielbasierte
Erfahrungen mit Tablets. Durch erfolgreiches Spielen sollte das Kompetenzempfinden älterer
Menschen gestärkt werden. Mittels Videoanalyse wurden Spielsitzungen mit aktiver Lernun-
terstützung durchgeführt. Als Ergebnis wurden methodische Vorschläge zur Untersuchung der
Akzeptanz von digitalen Medien gegeben.

2.2   Demografischer Wandel

In Österreich lag die Bevölkerungszahl Ende 2019 bei 8,9 Millionen Einwohnern und im Jahr
2022 soll die Neun-Millionen-Grenze überschritten werden. Bis 2080 wird prognostiziert, dass
die Bevölkerung um 12 % auf 9,93 Millionen Einwohnern wachsen wird (Abbildung 2). 2021
liegt der Anteil der Personen im Alter von 65 und mehr Jahren bei über 19 % der Gesamtbe-
völkerung. Diese Altersgruppe, die zukünftig zahlen- und anteilsmäßig stark zulegen wird, ist
somit größer als jene der Kinder und Jugendlichen unter 20 Jahre. Die Generation 65+ wird
somit bis 2040 auf 26,4 % und bis 2080 auf über 29 % der Gesamtbevölkerung wachsen.
Gründe für diesen Anstieg sind die stagnierenden Geburtenzahlen und die steigende Lebens-
erwartung sowie die geburtenstarken Jahrgänge des Babybooms der 1950er und 1960er
Jahre, die sukzessive in das Pensionsalter wechseln (Statistik Austria, 2020a; Huber-Bach-
mann & Bammer, 2021, S. 14).

               Abbildung 2: Bevölkerung nach breiten Altersgruppen 1950 bis 2080
                                   (Statistik Austria, 2020c)

                                                                                          21
Die durchschnittliche Lebenserwartung bei der Geburt lag laut Statistik Austria im Jahr 2019
für Männer erstmals bei 79,5 Jahre und für Frauen bei 84,2 Jahre. Frauen leben somit im
Schnitt um 4,7 Jahre länger als Männer (Statistik Austria, 2021a). Die Prognosen für die
kommenden Jahrzehnte zeigen, dass die Lebenserwartung bis 2080 bei den Männern auf
89,4 Jahre und bei den Frauen auf 92,2 Jahre steigen wird (Statistik Austria, 2020b). Der
demografische Wandel wird durch den Vergleich der Bevölkerungspyramiden (Abbildung 3)
ersichtlich, welche das Jahr 2020 sowie die Prognose für das Jahr 2080 zeigt. Die Verschie-
bung in Richtung eines höheren Alters der Gesellschaft ist klar ersichtlich.

                      Abbildung 3: Vergleich – Bevölkerungspyramide 2020 und 20804

Anhand der Statistiken und Prognosen kann zusammengefasst werden, dass die Bevölkerung
in den kommenden Jahrzehnten wachsen wird und die Lebenserwartung der Österreicherin-
nen und Österreicher zunimmt, gleichzeitig ist eine rapide Entwicklung hin zu einer alternden
Gesellschaft ersichtlich.

2.2.1      Lebensformen älterer Menschen
In Österreich hat sich die Zahl der Einpersonenhaushalte von 1985 (768.000) bis 2020
(1.506.000) beinahe verdoppelt. Die Haushaltsgrößen sanken im selben Zeitraum von
durchschnittlich 2,67 Personen in einem Haushalt auf 2,20 Personen und der Anteil der Allein-
lebenden im Bezug zur Gesamtbevölkerung stieg von 10,3 % auf 17,2 %.

4   URL: https://www.statistik.at/web_de/downloads/webkarto/bev_prognose_neu/ [15.06.2021]
                                                                                             22
Ein Trend zu mehr Haushalten und kleineren Haushaltsgrößen ist somit erkennbar. Immer
mehr Menschen im höheren Alter leben alleine. In der Altersgruppe ab 65 Jahren ist sogar
jede dritte ältere Person (542.000 bzw. 33,1 %) alleinlebend. Männer befinden sich bis in die
höchsten Altersgruppen zu einem großen Teil in Partnerschaften. Frauen, besonders ab
80 Jahren, verbringen hingegen ihren Lebensabend häufig als Alleinlebende. Die Gründe
dafür sind die höhere Lebenserwartung der Frauen und der Altersunterschied zwischen den
Ehepartnern. Verheiratete Frauen tragen somit ein höheres Verwitwungsrisiko als verheiratete
Männer (Statistik Austria, 2021b).

Betreuungs- und Pflegedienste
Im Jahr 2018 wurden insgesamt 153.486 ältere Personen durch mobile Dienste (z.B. Haus-
krankenpflege, Heimhilfe) zu Hause betreut oder gepflegt. Das entspricht 57 % der von den
Ländern und Gemeinden finanziell unterstützten Betreuungs- und Pflegeverhältnissen
(Abbildung 4). Knapp drei Viertel (74 %) der betreuten bzw. gepflegten Personen waren
75 Jahre oder älter. 95.100 Menschen waren in stationären Einrichtungen, also in Pflegehei-
men, Pflegewohnhäusern und ähnlichen Einrichtungen untergebracht, weitere 9.871 nahmen
eine stationäre Kurzzeitpflege in Anspruch. Das entspricht insgesamt 39 %. In alternativen
Wohnformen ohne ständige Betreuung, also betreubares bzw. betreutes Wohnen lebten 3.485
Personen (1 %). Für 8.188 (3 %) zu Hause wohnende Menschen erbrachten teilstationäre
Dienste tagsüber Betreuungs- und Verpflegungsleistungen in ihren Einrichtungen (Tagesstät-
ten, Tageszentren). Der Anteil der 75-Jährigen oder Älteren lag in der außerhäuslichen
Betreuung und Pflege bei 80 % (Statistik Austria, 2019).

                        Abbildung 4: Betreuungs- und Pflegedienste 2018
                                     (Statistik Austria, 2019)

                                                                                          23
Frauen stellen in der mobilen und stationären Pflege mit 88 % die Mehrheit des Betreuungs-
und Pflegepersonals dar. Ebenfalls sind die zu betreuenden bzw. pflegenden Personen mit
68 % weiblich (Statistik Austria, 2019).

2.2.2   Fachkräftemangel im Pflege- und Betreuungsbereich
In der Studie der GÖG wird festgestellt, dass die Zahl der Pflegebedürftigen steigt und bis
2030 die Gesamtsumme der zusätzlich benötigten Pflegekräfte auf 75.700 Personen
geschätzt wird. Derzeit sind rund 127.000 Menschen in Krankenhäusern sowie im Bereich der
Langzeitpflege und -betreuung beschäftigt (Rappold & Juraszovich, 2019, S. 3). In Österreich
ist die familiäre (informelle) Pflege nach wie vor die dominante Pflegeform. Aufgrund der
demografischen Änderungen, der Veränderungen von Haushaltsstrukturen, der Gesundheits-
entwicklung und des veränderten Erwerbsverhaltens von Frauen wird es zukünftig zu einem
Nachfrageanstieg an formellen Pflegedienstleistungen kommen (Famira-Mühlberger & Firgo,
2018, S. 16). Der Zusatzbedarf wird sich somit auf 34.200 Personen belaufen. Jährlich anfal-
lende Pensionierungen sind ein ausschlaggebender Faktor für die Berechnung des Ersatzbe-
darfs. Bis 2030 kann davon ausgegangen werden, dass rund ein Drittel des jetzigen Personals
nicht mehr im Erwerbsleben steht, und daher 41.500 Personen neu in den Beruf einsteigen
müssen (Rappold & Juraszovich, 2019, S. 45). Aus der Studie der OECD (2020) geht hervor,
dass 35 % der Pflegekräfte in Österreich von Gesundheitsproblemen im Zusammenhang mit
ihrer Arbeit berichten und somit besonders belastet sind. Der OECD-Schnitt liegt im Vergleich
bei 15 %. Ebenso was Risikofaktoren am Arbeitsplatz betrifft sind rund 90 % des Pflegeperso-
nals einem solchen ausgesetzt. Laut Schätzungen werden in den nächsten 20 Jahren in den
OECD-Staaten um 60 % mehr Pflegekräfte benötigt. Das entspricht 13,5 Millionen Jobs, damit
der Versorgungsstand aufrecht erhalten werden kann (ORF, 2020).

2.2.3   Maßnahmen und Reformierung
Um dem Bedarf gerecht zu werden und damit zukünftig qualifizierte Pflegekräfte in allen Set-
tings des Gesundheits- und Pflegewesens zur Verfügung stehen, sind Maßnahmen auf unter-
schiedlichen Ebenen zu setzen. Diese umfassen die Personalanwerbung (Steigerung der
Attraktivität der Pflege- und Betreuungsberufe), die Personalbindung (Vermeidung des Berufs-
ausstiegs) und eine Effizienzverbesserung (Digitalisierung und Einsatz neuer Technologien).
Die Umsetzung liegt in der Verantwortung zahlreicher Akteure, angefangen bei den zuständi-
gen Ministerien im Bund und setzt sich fort auf Länderebene. Auch Gemeinden Sozialpartner,

                                                                                          24
Berufs- und Interessensvertretungen, Trägereinrichtungen, Ausbildungsstätten, Forschungs-
einrichtungen, und ebenso Pflege- und Betreuungspersonen selbst tragen Verantwortung, für
den Verlauf und die Umsetzung erfolgreicher Maßnahmen (Rappold & Juraszovich, 2019,
S. 52). Organisationen wie das Hilfswerk Österreich (2021) kritisieren, dass im Juli 2020 von
der Bundesregierung zwar die Pflegereform lanciert wurde, jedoch bisher nur wenig Konkretes
passiert ist. Nicht nur die entscheidende Kernfrage des Personals bleibt unberührt, sondern
auch Schlüsselthemen, wie die bessere Unterstützung pflegender Angehöriger, der bedarfs-
gerechte Ausbau der mobilen Dienste und die Mängelbeseitigung im Pflegegeldsystem sind
offen Fragen, die einer dringende Reform bedürfen und bald umgesetzt werden müssen.

2.3       Einschränkungen und Erkrankungen im Alter

Das Verhalten und die Wahrnehmung von älteren Menschen wird stark durch den biologischen
Alterungsprozess beeinflusst, die zahlreiche körperliche Veränderungen und Einschränkun-
gen umfassen. Diese sind bei jedem Menschen naturgemäß höchst unterschiedlich ausge-
prägt (ÖIAT, 2014, S. 28).

2.3.1      Allgemeine Einschränkungen
Von Seifert & Schelling (2016) werden wichtige Einschränkungen bzw. Barrieren genannt, die
bei älteren Menschen auftreten können. Die Nutzung von Technik muss nicht zwangsläufig
aufgrund altersbedingter oder körperlicher Umstände eingeschränkt bzw. erschwert sein, son-
dern kann auch mit aktuellen und früheren gesellschaftlichen Lebensumständen zu tun haben.
Teilweise herrscht eine mangelnde Technikerfahrung bei älteren und sie sehen oftmals keinen
Vorteil darin, den Umgang eines technischen Gerätes zu erlernen. Jedoch bieten moderne
Kommunikationsmittel und Anwendungen ein erhebliches Potenzial in der Kompensation von
körperlichen, sozialen und kognitiven Einschränkungen.

Mögliche altersbedingte Einschränkungen:
      •    Sehbeeinträchtigungen: aufgrund zu kleiner und wenig kontrastreiche Schrift oder
           durch zu filigrane Bedienelemente wird die Techniknutzung erschwert.
      •    Hörbeeinträchtigungen: eine akustische Wahrnehmung von multimedialen Inhalten
           wird erschwert

                                                                                          25
•   Körperliche Beeinträchtigungen: Maussteuerung bzw. die Verwendung eines Touch-
       screen wird durch eingeschränkte Feinmotorik oder Geschicklichkeit der Hände
       erschwert
   •   Kognitive Einschränkungen: Schwierigkeiten multiple, zeitlich aufeinanderfolgende
       Aufgaben zu lösen, Verlangsamung und Begrenzung der Aufnahme neuer Informatio-
       nen, Konzentrationsschwierigkeiten, Gedächtnislücken

Mögliche sozioökonomische und soziale Einschränkungen:
   •   Ökonomische Ressourcen: fehlende finanzielle Mittel zur Technikanschaffung und
       Techniknutzung sowie zur Kompetenzaneignung
   •   Soziale Ressourcen: fehlende Unterstützung aus dem sozialen Umfeld zum Erlernen
       und Nutzen von technischen Anwendungen

Techniksozialisation:
   •   Technikbiografie: in Jugend oder Berufsleben wenig mit digitalen Endgeräten soziali-
       siert worden
   •   Technikumfeld: nach Pensionierung nicht mehr unbedingt auf technische Geräte
       angewiesen bzw. kein berufsbedingter Druck zur Technikanwendung

Technikeinstellung:
   •   Technikangst: aufgrund geringerer Technikerfahrung bzw. Befürchtung etwas kaputt
       zu machen
   •   Nutzenabwägung: Hard- und Software sowie neue Technologien werden stark nach
       dem direkten Nutzen bewertet
(Seifert & Schelling, 2016)

In Bezug auf die Bedienung von digitalen Endgeräten, wie Tablets und Smartphones, können
bei älteren Menschen, neben den bereits erwähnten Seh- und Hörbeeinträchtigungen auch
noch Farbfehlsichtigkeit und Beeinträchtigungen im Bewegungsapparat erwähnt werden.
Ebenso nachlassender Muskeltonus, Zittern in den Händen, dickere Finger, Unbeweglichkeit
und Schmerzen sowie Gefühllosigkeit und Verformungen der Finger (Erharter et al., 2014).

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2.3.2   Demenz
Das lateinische Wort „Demenz“ bedeutet wörtlich übersetzt „ohne Geist (sein)“. Es handelt
sich dabei um die zusammenfassende Krankheitsbezeichnung langjähriger Schädigungen
und Zerstörungen von Hirnzellen sowie pathologischer Gewebeveränderungen, die im Gehirn
auftreten In erster Linie sind geistige und seelische Leistungen davon betroffen und werden
gestört, wie das Gedächtnis, Lernfähigkeit, Konzentration und das Denkvermögen, die
Aufmerksamkeit, motorische Fähigkeiten und Sprache sowie das Orientierungsvermögen,
Auffassung und Urteilsvermögen. Ausfälle in diesen Bereichen haben weitreichende Verhal-
tensauffälligkeiten und auch eine Veränderung der Persönlichkeit zur Folge und führen auch
zu Einschränkungen in der Alltagsbewältigung (Steurenthaler, 2013, S. 22; BMASGK 2019;
Höfler et al., 2015, S. 1).

Es werden zwei Formen von Demenzen unterschieden. Bei der primären, degenerativen
Demenz lassen durch den Nervenzellverlust Hirnfunktionen schleichend, aber stetig nach und
sind damit unwiederbringlich verloren und die sekundären Demenzen, deren geistiger Verfall
eine Folge einer anderen, behandelbaren organischen Erkrankung ist. Durch Besserung bzw.
Heilung der Grunderkrankung ist diese Demenz auch heilbar. Mit ca. zwei Drittel die häufigste
und bekannteste Form der primären Demenzerkrankung ist die senile Demenz vom Alzheimer-
Typ, kurz SDAT, oder einfach nur Alzheimerkrankheit (Morbus Alzheimer) bekannt. Die zweit-
häufigste mit ca. 15 % ist die vaskuläre bzw. gefäßbedingte Demenz. Hauptursache ist die
Schädigung der Gefäße durch Arteriosklerose und führt zu langfristigen Durchblutungsstörun-
gen im Gehirn. Bei den restlichen Formen handelt es sich um Mischformen und sonstigen
Arten von Demenz (Steurenthaler, 2013, S. 22).
Benannt ist Morbus Alzheimer nach dem bayerischen Nervenarzt Alois Alzheimer, der 1906
zum ersten Mal die Symptome dieser Krankheit erforschte und beschrieb. Als degenerative
Krankheit schreitet sie mitunter zwar langsam, aber stetig und unaufhaltsam fort. Veränderun-
gen im Gehirn beginnen bereits 15 bis 30 Jahre vor dem Auftreten der ersten Symptome. Die
klinischen Hauptmerkmale sind, dass amyloide (eiweißhaltige) Ablagerungen, sogenannte
Plaques und Neurofibrillenbündel, die Nervenzellen im Gehirn zerstören. Dadurch verküm-
mern die für die Übertragung von Informationen wichtigen kurzen Nervenzellfortsätze
(Dendriten) und führen zu einem Funktionsverlust der geistigen Leistungsfähigkeit. Eine
Atrophie (Schrumpfung) des Gehirns ist durch das Absterben der Nervenzellen festzustellen
(Steurenthaler, 2013, S. 22). Erst nach dem Tod lässt sich, durch Untersuchung der Gewe-
bestruktur des Gehirns, mit Sicherheit bestimmen, ob ein Mensch an Alzheimer erkrankt war.
Die Ursachen sind bis heute nicht endgültig geklärt. Hauptrisikofaktor für Demenz ist das
steigende Alter (Beck et al., 2018, S. 224; Steurenthaler, 2013, S. 22).

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