Gute Lösungen INNOVATIVE DIGITALE KOMMUNE - Vitako

Die Seite wird erstellt Anton Siebert
 
WEITER LESEN
Gute Lösungen INNOVATIVE DIGITALE KOMMUNE - Vitako
01|2020

                                                        INNOVATIVE
                                                     DIGITALE KOMMUNE

                                             Gute Lösungen

                                                       ZUKUNFTSWEISENDER SCHRITT

                                                     govdigital nimmt Arbeit auf

                                                         SERIE: DIGITALE BILDUNG

                                                              Umsetzung
                                                           Digitalpakt Schule

                                                        UNSTILLBARER DATENHUNGER
                                                            Vitako-Leitfaden
                                                           zur Office-Nutzung

Zeitschrift der Bundes-Arbeitsgemeinschaft der Kommunalen IT-Dienstleister e. V.   www.vitako.de
Gute Lösungen INNOVATIVE DIGITALE KOMMUNE - Vitako
Nicole J. (31),
                                                seit zwei Jahren
                                                   bei Dataport.

Auf einer Wellenlänge
mit 112.
Der Sinn-Faktor kommt in IT-Berufen
                                 ufen oft zu
kurz. Bei uns ist er sozusagen im Quellcode
                                  s mit der
festgeschrieben. Wir arbeiten stets
Gewissheit, der Gesellschaft etwass zu geben.
Zum Beispiel modernen BOS-Funk    k für eine
reaktionsbereite Feuerwehr.

www.dataport.de

      GUT FÜR ALLE.     GUT FÜR DICH.
Gute Lösungen INNOVATIVE DIGITALE KOMMUNE - Vitako
Editorial

                                                                                                       ▲ Dr. Ralf Resch ist
                                                                                                       Vitako-Geschäftsführer.

                  Liebe Leserinnen
                  und Leser,
unlängst ist die zweite Staffel des Modellwett­       Bedenkenswert wäre, die Förderprogramm
bewerbs Smart Cities made in Germany gestar­          selbst Teil einer umfassenden Strategiebildung
tet. Das Bundesinnenministerium ruft Kommu­           in den und für die Kommunen zu machen,
nen und Gemeindeverbände dazu auf, Projekte           damit eine übergreifende Zusammen­arbeit
für die nachhaltige Gestaltung der Digitalisie­       gelingen kann.
rung einzureichen. Vor allem soll es dabei um
Kompetenzaufbau und Wissenstransfer gehen.            Die übergreifende Zusammenarbeit ist eines
Das ist gut und richtig, und wir haben in dieser      der Ziele von govdigital eG, einem neu gegrün­
Aufgabe den innovativen digitalen Kommunen            deten genossenschaftlicher Zusammenschluss
ja auch einen Schwerpunkt gewidmet.                   von IT-Dienstleistern aller föderalen Ebenen,
                                                      initiiert von Vitako-Mitgliedern. Gemeinsam
Gleichwohl ist es wichtig, darauf hinzuweisen,        sollen innovative Digitalprojekte entwickelt
dass Förderprogramme allzu oft nur Leucht­            und umgesetzt und die länderübergreifende
türme hervorgebracht haben, die relativ einsam        Integration unterstützt werden.
in der Gegend blinken und erlöschen, wenn der
Treibstoff – sprich die befristeten Förder­mittel –   Wie innovativ, smart und digital deutsche
alle ist. Die Förderlandschaft in Deutschland ist     Kommunen schon heute sind, davon können
fragmentiert und erscheint wenig aufeinander          Sie sich ein Bild machen anhand der vielen
abgestimmt; den Förderprogrammen fehlt es             beeindruckenden Beispiele, die wir zusam­
an einer nachhaltigen Strategie, unklar bleibt        mengetragen haben. In allen Bereichen – in
häufig, welche konkreten Ziele verfolgt wer­          Verwaltung, bei Mobilität und Umwelt, im
den. So wurde bereits 2018 die Initiative „Stadt.     Gesundheitswesen, der Kultur und Bürger­
Land.Digital.“ gestartet, die neben Vernetzung        schaft – finden sich gute und vorbildliche
der Akteure auf der kommunalen Ebene auch             Lösungen. Nachahmung erwünscht, bitte
einen Wettbewerb auslobt.                             weitersagen!

                                                                                                 01|2020 Vitako aktuell          3
Gute Lösungen INNOVATIVE DIGITALE KOMMUNE - Vitako
Impressum                                           Inhalt

Herausgeber:
Bundes-Arbeitsgemeinschaft der
Kommunalen IT-Dienstleister e. V.
Charlottenstr. 65
10117 Berlin
Tel. 030/20 63 15 60
E-Mail: aktuell@vitako.de
www.vitako.de

V. i. S. d. P.:
Dr. Ralf Resch

Redaktion und Gestaltung: drei | Medien
Merschmann Mühlke Jaschinski GbR
www.drei-medien.de

Die Redaktion behält sich vor, ­eingesandte
­Berichte auch ohne vorherige Absprache zu
 ­kürzen. Der Inhalt der Beiträge gibt nicht in
  ­jedem Fall die Meinung des Herausgebers
   ­wieder. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck
    oder elektronische Verbreitung nur mit Zu­
    stimmung des Herausgebers.

Korrektorat: Henrike Doerr, Textwelten

Druck: Laserline, Berlin

Erscheinungsweise: 4 Ausgaben im Jahr
Auflage: 5.000

Autoren und Mitwirkende dieser Ausgabe:
Dr. Ralf Resch, Vitako; Matthias Kammer,

                                                    Schwerpunkt: Innovative digitale Kommune
govdigital; Peter Niehues, regio iT;
Victoria Boeck, Technologiestiftung Berlin;
Thomas Jarzombek, Bundesministerium
für Wirtschaft und Energie; Uwe Lübking,
Deutscher Städte- und Gemeindebund;
Daniel Sieberath, Vitako;
Daniel Grimm, Vitako;                               6    Leitartikel: Strategien statt Leuchttürme
Helmut Merschmann, drei | Medien;
Sibylle Mühlke, Text und Wissen;                    Förder- und Modellprojekte gibt es genug, doch es mangelt an Strategien zur Umsetzung.
Karl-Josef Konopka, ProVitako;
Hiestermann & Frömchen GmbH;                        Nur gemeinsame Vorhaben können das kommunale Zusammenspiel stärken und nach­
Susanna Kuper, Fraunhofer FOKUS
                                                    haltig zu Innovation und digitalem Fortschritt führen.
Bildnachweise:
Titel: www.dominikultes.de - stock.adobe.com;
S. 3, 6 Robert Schlesinger © 2017;
S. 4 BillionPhotos.com - stock.adobe.com;           8    Zukunftsweisender Schritt                 12 Digital und innovativ
S. 5 iStock.com/Devonyu; S. 7 istock.com/
Mauricio Graiki; S. 9 istock.com/Joggie Botmai;     Wie sieht es bei Blockchain, digitaler Sou-    Viele Kommunen werden immer digitaler
S. 8 Portrait: frederike heim photography;
S. 11 sindret - stock.adobe.com;                    veränität oder künstlicher Intelligenz mit     und innovativer. Sie entwickeln smarte,
S. 11 und 25 Portrait: dirk hasskarl/fotografie;    der länderübergreifenden Integration aus?      bürgerfreundliche Dienste, die Stadt­
S. 12–17 Sergey Nivens - stock.adobe.com;
S. 18 iStock.com/Orbon Alija;                       Mit der Gründung von govdigital eG machen      entwicklung und Standort-Marketing
S. 20–21 dirk hasskarl/fotografie;
S. 23 Gpoint Studio – stock.adobe.com;
                                                    öffentliche IT-Dienstleister einen zukunfts-   vorantreiben und als Modelle für andere
S. 23 Portrait: Bernhardt Link - Farbtonwerk;       weisenden Schritt.                             Kommunen dienen.
S. 24 ©Herby ( Herbert ) Me - stock.adobe.com;
S. 27 Robbiy / Photocase; S. 27 Portrait:
Anke Illing; S. 28 olly - stock.adobe.com;
S. 30 Afrank99, CC BY-SA 2.0
                                                    10 Nase vorn                                   18 Open Data braucht Impulse
                                                    Die neue govdigital eG fokussiert sich zu-     Berlin macht sich für Open Data stark und
                                                    nächst auf Blockchain und will Konzepte        hat die Open Data Informationsstelle ODIS
Hinweis: Vitako aktuell erscheint zusätzlich        der Self-Sovereign Identity (SSI) einbinden.   eingerichtet, die Verwaltungsmitarbeite-
mit drei Regional­ausgaben: krz, Lecos, regio iT.   Bis Mitte 2020 ist eine IT-Infrastruktur ge-   rinnen und -mitarbeiter bei der Bereitstel-
Der Vertrieb erfolgt durch das jeweilige Vitako-­
Mitglied.                                           plant, auf der auch Algorithmen der künstli-   lung von Open Data unterstützt.
ISSN 2194-1165
                                                    chen Intelligenz betrieben werden können.

Wird innerhalb der Zeitschrift auf fremde Links
oder externe Informationsangebote hingewie-
sen, so macht sich Vitako diese Inhalte nicht
zu eigen und kann für sie keine Haftung über-       Interview
nehmen.

                                                    20 „Die öffentliche Hand muss selbst Angebote machen“
Meilenstein der künstlichen Intelligenz gefeiert.
demonstrieren. Seinerzeit wurde ELIZA als
natürlicher Sprache durch einen Computer
Programm ELIZA wollte er die Verarbeitung           Anlässlich der Gründung von govdigital eG hat sich Vitako-Geschäftsführer
Mit dem 1966 veröffentlichten Computer-
Informatiker Joseph Weizenbaum (1923–2008).         Dr. Ralf Resch mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Thomas Jarzombek
Der Gesuchte ist der deutsch-amerikanische
                                                    über aktuelle Themen der öffentlichen IT unterhalten.

4    Vitako aktuell 01|2020
Gute Lösungen INNOVATIVE DIGITALE KOMMUNE - Vitako
Inhalt

Digitale Verwaltung                                                                     Netztalk

22 Serie Teil 1:                              26 Fehlzündung bei                        30 Was macht
   Der Digitalpakt Schule –                      i-Kfz Stufe 3                             eigentlich …
   Aktuelles zur Umsetzung                    Der Start von i-Kfz Stufe 3 im ­Oktober      Branchenticker
Der Digitalpakt Schule soll dazu beitragen,   2019 stellt Kommunen vor finanzielle
dass digitale Technologien und Pro-           und ­organisatorische Schwierigkeiten.
                                                                                        31 Köpfe & Technik
gramme eingesetzt werden, um flexibles,       ­Ursachen und Lösungsansätze zum
                                               ­aktuellen Stand im Überblick               ProVitako
individualisiertes Lernen zu erleichtern.
Für sein Gelingen ist ein qualifizierter
­IT-Support wesentlich.                                                                 32 Vitako-Umfrage
                                              28 Bürgernähe vs.
                                                 Datenschutz
                                                                                        33 App-Check
24 Unstillbarer Datenhunger                   Bürgermeister-Sprechstunden und
Die Debatten um das Sicherheitsniveau         ­Bürgerinformationen per Social Media
                                               geraten in die Kritik. Datenschutz­
von Microsoft Windows und Office-­                                                      34 Spotlight
Produkten reißen nicht ab. Vitako hat          beauftragte haben Richtlinien zum
                                               richtigen Umgang mit Social Media           ITKalender
einen Leitfaden zur sicheren Nutzung
von Office-Anwendungen in der Ver­             ­veröffentlicht.
waltung veröffentlicht.

                                                                                        01|2020 Vitako aktuell   5
Gute Lösungen INNOVATIVE DIGITALE KOMMUNE - Vitako
Leitartikel

                  Strategien statt Leuchttürme
                  Ob Bundesförderprogramm zum Breitbandausbau, Digitalpakt Schule
                  oder Modellprojekte Smart Cities – nicht an Geld mangelt es, sondern an
                  Strategien zur richtigen Umsetzung. Nur gemeinsame Vorhaben können
                  das kommunale Zusammenspiel bestärken und nachhaltig zu Innovation
                  und digitalem Fortschritt führen.

                             Bundesweit warten Dutzende von Fördertöpfen        sich kurzfristig auf die Parameter für ein beliebi­
                             für regionale und lokale Projekte darauf, ver­     ges Förderprogramm einzustellen. Eigene neue
                             ausgabt zu werden. Doch die Digitalisierung        Ideen (Innovationen), örtliches Engagement und
                             der öffentlichen Hand wird von Bund und Län­       subsidiäres Handeln auf der bürgernächsten
                             dern sehr fragmentiert angegangen: Viele Pro­      Staatsebene gehen so verloren.
                             gramme sind kaum abgestimmt, greifen wenig
                             ineinander oder laufen sich sogar zuwider. Hohe
                             formale Anforderungen und ein immer stär­          Förderstrategie und
                             ker werdender personeller Engpass erschwe­         Strategieförderung
                             ren Kommunen zusätzlich den Weg zu Finanz­         In der Konsequenz empfiehlt das Difu, zumin­
                             mitteln und mindern die Effektivität staatlicher   dest für die Standortförderung auf neue Pro­
                             Förderprogramme.                                   gramme zu verzichten. Stattdessen sollten
                                                                                bestehende Fördermaßnahmen konsolidiert,
                             So bemängelt eine Studie des Deutschen Ins­        neu zugeschnitten und flexibilisiert werden,
 ▶ Studie des Deutschen
 Instituts für Urbanistik:   tituts für Urbanistik (Difu) von 2018 die hohen    Anträge und Abrechnungen vereinfacht. Andere
 https://bit.ly/2GRO8fl      Bürokratiekosten auf kommunaler Seite, um          Stimmen fordern, Förderprogramme komplett
                             städtebauliche Fördermittel überhaupt abrufen      abzuschaffen – zugunsten einer größeren (aus­
                             zu können. Eine weitere Hürde: die anteilige       reichenden) kommunalen Beteiligung am Steu­
                             Eigenfinanzierung. Was in Berlin und mancher       eraufkommen. Was zunächst interessant klingt,
                             Landeshauptstadt als Instrument gegen Miss­        wäre politisch aber ein Riesenakt und kaum zeit­
                             brauch beziehungsweise für einen „sorgfältigen     nah umzusetzen. Besser deshalb: Strategien stra­
                             Umgang“ mit Bundesgeldern betrachtet wird,         tegisch bezuschussen.
                             bereitet Städten, Gemeinden und Landkreisen
                             in Finanznot oft große Probleme. Doch gerade       Wünschenswert wäre eine gemeinsame oder
                             hier besteht der größte Nachholbedarf. Fehlt es    zumindest besser abgestimmte Förderstrate­
                             nicht am Geld, so scheitern Anträge und Bewilli­   gie aller staatlichen Akteure. Es braucht eine
                             gungen vor Ort auch an unzureichender Exper­       stärkere Förderung der Strategiebildung in den
                             tise etwa im Vergaberecht oder mangels Erfah­      Kommunen selbst sowie deren übergreifende
                             rungen im Projektmanagement. Und sollte die        Zusammenarbeit. Gerade in kleineren Kommu­
▲ Dr. Ralf Resch ist         Anschubfinanzierung wirklich stehen – was          nen wird Digitalisierung dauerhaft nicht mehr
Vitako-Geschäftsführer.      kommt danach?                                      ohne Konzept und Kooperationen in der vom
                                                                                Bürger erwarteten Qualität zu bewerkstelligen
                             Gerade Digitalprojekte müssen regelmäßig auf       sein. Innovatives Handeln heißt deshalb, sich
                             den aktuellen Stand gebracht werden. Dabei         stärker auf ein gemeinsames Vorgehen einzulas­
                             fallen laufende Betriebskosten an, auf denen       sen und Standards zuzulassen, ohne den indivi­
                             Kommunen oft sitzenbleiben. Neben fehlender        duellen Touch und die Ideengebung vor Ort auf­
                             Nachhaltigkeit bemängeln Kritiker zudem den        geben zu müssen. Ein Ziel, dem etwa auch durch
                             grundsätzlichen Fehlanreiz, „das Geld aus Berlin   den Portalverbund von Bund, Ländern und Kom­
                             noch eben abzugreifen“. Im Zweifel wird man­­      munen im Onlinezugangsgesetz (OZG) Rechnung
                             cherorts ein eigenes Projekt hintangestellt, um    getragen wird.

6   Vitako aktuell 01|2020
Gute Lösungen INNOVATIVE DIGITALE KOMMUNE - Vitako
Innovative digitale Kom mune

Zusammenspiel erhöht die Erfolgs­         81 Prozent sehen dabei den Bund in           schaft aus der Taufe gehoben, die
aussichten – viele Städte und Gemein­     der Pflicht. Beide Ebenen können             explizit Innovationen aus Bereichen
den haben das laut einer Befragung        das sicherlich nicht allein leisten. Als     wie künstlicher Intelligenz, Blockchain
des Bundeswirtschaftsministeriums         Ratgeber kommen deshalb genauso              oder Automatisation für Leistungen
(unterstützt durch die kommunalen         andere Vertreter der öffentlichen Hand,      der öffentlichen Hand vorantreiben
Spitzenverbände) längst verstanden.       aus privaten Unternehmen und Ver­            und nutzbar machen soll.
Über 80 Prozent der vorhandenen Digi­     bänden infrage.
talisierungsstrategien beinhalteten                                                    Ob Finanzierung oder Beratung – staat­
demnach explizit die Kooperation mit      Die kommunalen IT-Dienstleister sind         liche Förderungen können sinnvoll
benachbarten Städten und Gemeinden,       bundesweit in unterschiedlichen Kons­        sein: Nämlich genau dort, wo Struktu­
wobei „mangelnde finanzielle Ressour­     tellationen – auch in Kooperation mit        ren entstehen, die möglichst nicht nur
cen“ und „fehlende Expertise“ als größ­   der Privatwirtschaft – mit der Digita­       einen singulären Leuchtturmeffekt,
tes Hindernis erscheinen.                 lisierung befasst. Gerade in übergrei­       sondern einen langfristigen Mehrwert
                                          fenden Projekten und mit Blick auf die       erzielen. Es gilt, Kosten für Wartung
                                          neuen Technologien können (gemein­           und Support nachhaltig zu senken und
Natürliche Partner mit                    same) Rechenzentren als natürliche           gleichzeitig Qualität, Datenschutz und
vielen Kompetenzen                        Partner der Kommunen eine Schlüssel­         Sicherheit zu steigern. Bei passenden
Schon jetzt greifen drei Viertel der      rolle spielen. Oft steckt die Kraft in der   Strategiebildungsprozessen und inter­
befragten Kommunen auf externe            Bündelung von Kapazitäten, das haben         kommunalen Projekten sind und wol­
Beratung zurück, um Digitalisierungs­     die Vitako-Mitglieder verstanden,            len die kommunalen IT-Dienstleister
strategien auszuarbeiten. Fast 90 Pro­    ko­ope­rieren zunehmend gebietsüber­         als Partner und Ideengeber fungieren.
zent dieser Kommunen erwarten von         greifend und gründen gemeinsame
ihrem Bundesland Hilfestellung für        Unternehmen: Mit der govdigital eG            ▶ Befragung des Bundeswirtschafts­
                                                                                           ministeriums: https://bit.ly/2Sfbpxe
die Digitalisierung und Vernetzung,       wurde zuletzt etwa eine Genossen­

                                                                                                 01|2020 Vitako aktuell           7
Gute Lösungen INNOVATIVE DIGITALE KOMMUNE - Vitako
Schwerpunkt

                      Zukunftsweisender Schritt
                      govdigital – Promoter und Plattform
                      für moderne öffentliche Leistungen

                      Themen wie Blockchain, digitale Souveränität oder künstliche
                      Intelligenz sind derzeit in aller Munde. Doch wie sieht es mit der
                      länderübergreifenden Integration dieser innovativen Lösungen
                      im öffentlichen Sektor aus? Durch die Gründung der Genossenschaft
                      govdigital eG machen öffentliche IT-Dienstleister einen zukunfts­
                      weisenden Schritt.

                      Das Medienecho war groß, als die erste öffent­      Gut aufgestellt
                      liche Blockchain-Genossenschaft am 12. Dezem­       Sämtliche Gründungsmitglieder der Genossen­
                      ber 2019 in Berlin gegründet wurde. Drei Monate     schaft sind heute entweder direkt Teil der öffent­
                      nach der Geburt, also kaum in den Kinderschu­       lichen Verwaltung oder agieren mittelbar als
                      hen, hat sich das Konsortium aus neun kom­          öffentliche Unternehmen, die Dienstleistungen
                      munalen IT-Dienstleistern und der Bundesdru­        für den öffentlichen Sektor anbieten. Dabei sind
                      ckerei bereits klar definierte und ambitionierte    die AKDB, Bundesdruckerei, Dataport, ekom21,
                      Ziele gesteckt: Blockchain und weitere neue         Governikus, Kommunale Datenverarbeitung
                      Technologien für die öffentliche Hand voran­        Oldenburg (KDO), Stadt Köln, krz Lemgo, regio
                      treiben! Die Konsortialpartner wollen eine bun­     iT und Südwestfalen-IT. In den Vorstand wurden
                      desweite und dezentrale Netzwerkinfrastruktur       Torsten Koß (Vorstand der Dataport) und Rudolf
                      für sichere und vertrauenswürdige Datenanwen­       Schleyer (Vorstandsvorsitzender der AKDB)
                      dungen schaffen.                                    gewählt. Im Aufsichtsrat sind neben Dieter Reh­
                                                                          feld vertreten: Jochen Felsner (Marketing-Lei­
                                                                          ter der Bundesdruckerei) und Dr. Rolf Beyer
                                                                          (Geschäftsführer der KDO).

                                                                          Was ist nun konkreter Zweck der govdigital? Ein
                                                                          Fokus wird absehbar darin liegen, das Potenzial
                      Erste Gedanken zur Gründung dieses wirklich         der Blockchain beziehungsweise unterschied­
                      bemerkenswerten Unternehmens hatte Dieter           liche Formen der „Distributed Ledger Techno­
                      Rehfeld schon vor vier Jahren. Der Vorsitzende      logy“ für die Zusammenarbeit von Verwaltungs-
                      der Geschäftsführung der Aachener regio iT          und Identifikationsvorgängen auszuloten. Es
                      GmbH hat seither bereits erste Blockchain-Kno­      geht darum, im Sinne einer digitalen Daseins­
                      ten getestet – gemeinsam mit Partnern aus Nord­     vorsorge für öffentliche Verwaltungen und
                      rhein-Westfalen gelang es, Fördergelder des         andere öffentliche Institutionen eine sichere
                      Landes abzurufen und die erste Infrastruktur        und verbindliche bundesweite Kommunikation
                      aufzubauen. Einmal in der Welt, fiel es den Ini­    zu gewährleisten. Ziel ist es auch, notwendige
                      tiatoren um Rehfeld, der heute Vorsitzender des     Infrastrukturen wie Server und Datenbanken in
                      govdigital-Aufsichtsrates ist, nicht schwer, wei­   zertifizierten Rechenzentren zur Verfügung zu
                      tere Mitstreiter aus dem kommunalen Umfeld          stellen und zu betreiben. Auf Basis dieser Infra­
                      von der Idee zu überzeugen.                         strukturen können kommunale genauso wie
                                                                          Landes- und Bundesbehörden Anwendungen für
                                                                          die öffentliche Hand entwickeln und anbieten.

8   Vitako aktuell 01|2020
Gute Lösungen INNOVATIVE DIGITALE KOMMUNE - Vitako
Innovative digitale Kom mune

Dass die neue Genossenschaft zur richtigen            Augenhöhe, gleichzeitig können jederzeit Inte­
Zeit kommt, zeigen nicht nur erste Förderpro­         ressenten hinzustoßen – bei vergleichbar gerin­
gramme in Ländern wie Nordrhein-Westfalen.            gem bürokratischen und finanziellen Aufwand.
Auch die Bundesregierung will mit ihrer jüngst
                                                      Idee und Konzeption unserer Genossenschaft
beschlossenen Blockchain-Strategie explizit
                                                      scheinen auch weitere Akteure zu überzeu­
digitalisierte Verwaltungsdienstleistungen vor­
                                                      gen. So haben in den Wochen nach der Grün­
antreiben und würdigte darin erste kommunale
                                                      dung mehrere öffentliche IT-Dienstleister und
Ansätze zur Technologieentwicklung. In unse­
                                                      Gebietskörperschaften bereits Interesse signali­
rem neuen Verbund greifen wir die Innovations­
                                                      siert – und werden sicherlich alsbald folgen. Der
dynamik der Blockchain auf und wollen diese für
                                                      zweite Aufnahmeprozess in die Genossenschaft
unsere Verwaltungen zugänglich machen. Dies
                                                      läuft sozusagen schon in vollem Gange.
ist ein wichtiger Beitrag für die nächste Stufe der
Digitalisierung, der den öffentlichen Sektor auch     Anfang Januar 2020 fand die erste Sitzung von
für Startups attraktiver machen wird.                 Geschäftsführung, Vorstand und Aufsichtsrat
                                                      statt. Der anschließende Workshop im brand­
                                                      neuen Digital Lab der AKDB in München brachte
Über Blockchain hinaus –                              ein ganz konkretes Ergebnis: Im Laufe des Som­
wachsendes Netzwerk                                   mers 2020 wird govdigital die erste Infrastruktur
Es geht aber längst nicht nur um Blockchain. Der      zur Verfügung stellen, die für Blockchain-An­
Ansatz der govdigital ist breiter gefasst und tech­   wendungen genutzt werden kann. Weil das bun­
nologieoffen. So wird etwa künstliche Intelligenz     desweite Interesse schon jetzt immens ist, gilt
absehbar ein ebenso wichtiges Geschäftsfeld der       es, die Vorbereitungen zügig voranzutreiben.
Genossenschaft darstellen. Darüber hinaus zielt       Die govdigital-Gremien haben in München ein
das Konsortium darauf ab, Kompetenz und Wis­          solches Projekt auf den Weg gebracht.
sen unserer Mitglieder auszutauschen und damit
in größerem Stil nutzbar zu machen. govdigital        Die govdigital-Genossenschaft hat ihre Ge­
soll ein wachsendes Netzwerk öffentlicher Teil­       schäfts­räume in den Räumlichkeiten der Vitako-­
haber schaffen, das durch vielschichtiges Know-       Geschäfts­stelle in Berlin-Mitte bezogen. Die
how einen Mehrwert für ein modernes Staatswe­         Bundes-Arbeitsgemeinschaft der Kommunalen           ▲ Matthias Kammer
                                                                                                          ist ­Geschäftsführer der
sen in Kommunen, Bund und Ländern schafft.            IT-Dienstleister hatte den Gründungs­prozess eng    ­govdigital eG in Berlin.
Das Modell der Genossenschaft erscheint uns           begleitet. govdigital möchte die gute Zusammen­      Weitere Informationen:
maßgeschneidert, um dieses anspruchsvolle Ziel        arbeit auch künftig fortführen und hat eine Mit­     www.govdigital.de
zu erreichen. Die Mitglieder begegnen sich auf        gliedschaft bei ­Vitako beantragt.

                                                                                                  01|2020 Vitako aktuell              9
Gute Lösungen INNOVATIVE DIGITALE KOMMUNE - Vitako
Schwerpunkt

                     Nase vorn
                     Blockchain-Genossenschaft treibt
                     Entwicklung innovativer Technologien
                     für die öffentliche Hand voran.

                     Die Blockchain-Technologie hat das Potenzial, unseren Umgang
                     mit Daten grundsätzlich zu verändern: Man kann ihnen vertrauen,
                     weil sie in einer Blockchain unveränderbar abgelegt sind. Selbst­
                     bestimmte digitale Identitäten gelten als Schlüsseltechnologie für
                     viele Anwendungen, die auf digital bestätigte Nachweise beruhen.

                     Offensichtlich ebbt der Hype um die Blockchain      Anwendung betrieben werden soll: an welchen
                     mit Jahresbeginn 2020 langsam ab. In ersten         Standorten, bei welchen Institutionen und auf
                     Fachbeiträgen ist gar vom aufkommenden „Tal         wie vielen Knoten? Zwar bieten alle globalen
                     der Tränen“ die Rede. Doch die Gründungsmit­        Cloud-Anbieter mittlerweile Blockchain-Ser­
                     glieder der Genossenschaft govdigital eG glau­      vices an – doch wie sieht es dabei mit einem der
                     ben fest an die gemeinsame Unternehmung             Hauptargumente der Blockchain aus, der Dezen­
                     und sind von deren Erfolg überzeugt. Gegründet      tralität? Kann man noch von einem „Distribu­
                     wurde govdigital Mitte Dezember 2019 mit brei­      ted Ledger“ reden, wenn die Software in einem
                     ter Zustimmung und großer Unterstützung aus         einzigen Rechenzentrum installiert ist und von
                     Politik, Verwaltung und Privatwirtschaft, und       einem einzigen privatwirtschaftlichen Unter­
                     auch auf Arbeitsebene ist bei den Mitgliedern       nehmen betrieben wird?
                     eine große Dynamik spürbar. Was also ist der
                     Grund für den anhaltenden Elan?                     Für eine vertrauenswürdige Blockchain wird
                                                                         eine dezentrale IT-Infrastruktur benötigt, bei
                     Nachdem das Thema Blockchain zuletzt in der         der die einzelnen Knoten sowohl geografisch
                     breiten Öffentlichkeit angekommen ist, zeich­       getrennt als auch organisatorisch von verschie­
                     nen sich gerade im Bereich der öffentlichen         denen Akteuren betrieben werden. Genau die­
                     Verwaltung vielversprechende Anwendungsfälle        sen dezentralen IT-Betrieb wird die Genossen­
                     ab, die ein hohes Verbesserungspotenzial zu her­    schaft organisieren. Dabei befinden sich die
                     kömmlichen Verfahren aufzeigen. Doch noch           Betreiber, gleichzeitig Mitglieder von govdi­
                     gibt es keine lauffähige verteilte Blockchain-In­   gital, ausschließlich in der Hand öffentlicher
                     frastruktur, die nicht ausschließlich in der Hand   Organisationen. Jeder dieser Betreiber stellt
                     eines einzelnen privatwirtschaftlichen Akteurs      aus seinem zertifizierten Rechenzentrum die
                     ist. Genau diese Lücke soll die Genossenschaft      entsprechende IT-Infrastruktur zur Verfügung,
                     nun füllen.                                         bestehend aus Netzwerk, Firewall, Virenschutz,
                                                                         Internetzugang, Speicherplatz, CPU-Kapazität,
                                                                         Überwachung, Backup und weiteren Adminis­
                     Welche Blockchain passt?                            trationsleistungen. Dieses Zusammenspiel der
                     Immer, wenn ein öffentliches oder privates          verteilten Komponenten wird von govdigital nur
                     Unternehmen oder eine Behörde eine Block­           orches­triert: Die Mitglieder bleiben Eigentümer
                     chain-Anwendung entwickelt, steht sie frü­          der Infra­struktur-Elemente und behalten die
                     her oder später vor der Entscheidung, wie die       organisatorische Hoheit.

10   Vitako aktuell 01|2020
Innovative digitale Kom mune

Diese verteilte IT-Infrastruktur dient als Basis   orts für einen Online-Versandhandel oder eine
für kommende Anwendungen der öffentlichen          Versicherung wesentlich vertrauenswürdiger
Daseinsvorsorge, die ihrerseits mithilfe von       sein, als die freiwillige Angabe des Kunden in
Blockchain-Technologien umgesetzt werden           einem Web-Formular. Nicht ohne Grund glei­
können oder weitere Technologien wie Algorith­     chen viele Firmen diese Angaben mit Adressbü­
men der künstlichen Intelligenz verwenden. Die     chern und Dienstleistern ab, um sich vor Ein­
Blockchain ist nur ein Baustein von vielen, maß­   gabefehlern oder bewusstem Missbrauch zu
geblich für eine Technologieentscheidung der       schützen. Die Konzepte der Self-Sovereign Iden­
Genossenschaft ist immer der jeweilige Anwen­      tity (SSI) bieten genau diese Möglichkeiten.
dungsfall aus der öffentlichen Daseinsvorsorge.
Die Genossenschaft fokussiert sich in der aktu­    Die Genossenschaft wird daher eine produk­
ellen Startphase auf Anwendungsfälle, die pri­     tive Blockchain aufbauen, mit der SSI-Anwen­
mär mithilfe einer Blockchain oder, allgemeiner    dungen umgesetzt und langfristig betrieben
gesprochen, auf Basis einer Distributed Ledger     werden können. Basis sind die Konzepte und
Technologie (DLT) optimiert werden können.         die Blockchain-Technologie der Sovrin Foun­
                                                   dation (www.sovrin.org), die ihre Software als
                                                   Open-Source-Lösung bereitstellt. Diese verwen­
Selbstbestimmte                                    det einen Konsensmechanismus, der eben nicht
digitale Identitäten als                           auf hohem Energieverbrauch beruht – anders
Schlüsseltechnologie                               als der viel kritisierte Mechanismus von Bit­     ▲ Peter Niehues arbeitet
Fachverfahren und Prozesse der öffentlichen        coin. Generell will die Genossenschaft die Kon­   als Innovationsmanager
                                                                                                     für die regio iT GmbH.
Verwaltung basieren in der Regel auf Registern,    zepte zu Open-Source-Software und zum ener­
in denen fast ausschließlich personenbezogene      gieschonenden Betrieb bei der technologischen
Daten hinterlegt sind. Diese könnten den Bür­      Umsetzung priorisieren. Neben der Blockchain
gern auch außerhalb der Register einen Nutzen      wird govdigital alle für die Anwendung notwen­
bringen, selbstverständlich immer unter Ein­       digen technologischen Komponenten zur Verfü­
haltung der gesetzlichen und regulatorischen       gung stellen. Erweiterungen dieser Umgebung
Rahmenbedingungen. Beispielsweise kann der         zur Verifikation von Zeugnissen und ähnlichen
digital bestätigte Nachweis des aktuellen Wohn­    Dokumenten werden folgen.

                                                                                            01|2020 Vitako aktuell          11
Schwerpunkt

      Digital und
      innovativ
      Kommunen werden immer
      digitaler und innovativer
      und entwickeln „smarte“,
      bürgerfreundliche Dienste

      Im Zuge der Digitalisierung ent-
      stehen Apps, lokale Plattformen
      und Online-Tools für Bürgerschaft
      und Unternehmen. Die Kommunen
      wollen smarter werden und unter
      Zuhilfenahme digitaler Technolo-
      gien die Stadt­­entwicklung und das
      Standort-Marketing vorantreiben.        Wettbewerbe und
      Gerade im ländlichen Raum sind          Förderprogramme
      eine leistungsfähige Breitband-         Ob Modellprojekte und Leuchtturmförderung
                                              die Städte und Gemeinden insgesamt auf ein
      versorgung und digitale Vielfalt        zeitgemäßes digitales Niveau bringen können, ist
      ausschlag­gebende Kriterien für die     umstritten. Unter Kommunen sind Wettbewerbe
                                              wie „Modellkommune Smart City“ vom Bundes­
      Ansiedlung von Wirtschaftsbetrie-       innenministerium (BMI) oder „Stadt.Land.Digi­
      ben, inzwischen aber auch für die       tal“ vom Wirtschaftsministerium und die damit
                                              verbundenen Fördergelder jedenfalls beliebt.
      Sesshaftigkeit der Bürgerinnen und      97 Kommunen bewarben sich beim BMI-Wett­
      Bürger. Digitale Infrastruktur, E-­     bewerb, die 13 Sieger sind inzwischen mit der
                                              Umsetzung ihrer digitalen Projekte befasst. Das
      Governance, Mobilität, Umwelt und       Bundesministerium für Bildung und Forschung
      Energie, Bildung und Verwaltung         fördert in der dritten Phase des Wettbewerbs
                                              „Zukunftsstadt“ sieben Städte bei der Umsetzung
      sind die Felder, auf denen die inno-    innovativer Ideen für eine nachhaltige Stadtent­
      vativen Projekte stattfinden. Es geht   wicklung. Der Smart-City-Atlas von Bitkom und
                                              Fraunhofer IESE listet 50 „Vorreiterstädte“ auf,
      um die intelli­gente Vernetzung aller   die mit einer Digitalstrategie aufwarten. Auch
      Lebens- und Wirtschaftsbereiche in      Länderwettbewerbe wie in Baden-Württemberg
                                              und Nordrhein-Westfalen unterstützen Städte
      den Kommunen – und um die Weiter-       bei ihren digitalen Ambitionen.
      verbreitung der guten Lösungen.

12   Vitako aktuell 01|2020
Innovative digitale Kom mune

                        Stadt in 3-D
                    In der westfälischen Kreisstadt Soest ist ein    lationen und die Fußgängerperspek­
                3-D-Stadtmodell zur digitalen Erfassung des Stadt­   tive zurückgreifen können. Daten
               raums entstanden. Es steht im Rathaus als Polymer­    können in offenen Standardforma­
               gipsdruck im Maßstab 1 : 200 und ist als digitales    ten exportiert und etwa Handwer­
               Modell online verfügbar. Alle Gebäude, geschützte     kern als digitale Aufmaße zur Ver­
               Mauern und Bäume der Altstadt sind bis auf einen      fügung gestellt werden. In Zukunft
               Dezimeter genau erfasst – bis Ende 2019 insgesamt     sollen auch unterirdische Infrastruk­
               86 Quadratkilometer Stadtoberfläche. Bürgern und      turen, Brücken, Tunnel und Klima­
               der Verwaltung steht das Modell offen. So können      daten in das 3-D-Modell integriert
               etwa Stadtplaner die Gelände- und Gebäudedaten        werden. Soest gehört zu den „Digita­
               nutzen, um denkmal- und klimaschutzgerecht zu         len Modellkommunen NRW“.
               planen, wobei sie auf uhrzeitgenaue Schattensimu­     https://bit.ly/2GoOABy

                                                                     Smartphone-ID
                                                                     Die Stadt Gelsenkirchen hat eine
                                                                     Bürger-ID zur Authentisierung ent­
                                                                     wickelt, die auf dem Smartphone
                                                                     läuft. Künftig soll die Abwicklung
                                                                     von Behördengängen zuverlässig,
                                                                     einfach und sicher über das Smart­
                                                                     phone erfolgen. Erste Anwendung
                                                                     ist die Beantragung eines Bewoh­
                                                                     nerparkausweises. Bürger müssen
                                                                     hierfür einen QR-Code auf der Web­
                                                                     site mit ihrem Smartphone und
                                                                     einer eigens entwickelten App einle­
Vernetzte Sensoren                                                   sen und starten damit den Antrags­
                                                                     prozess. Ihnen wird daraufhin
Ein „Long Range Wide Area Network“ (LoRaWAN)basiert auf              angezeigt, welche weiteren Daten
(meist batteriegetriebenen) Sensoren, die Daten über Luftqua­        benötigt werden. Abschließend iden­
lität, Pegelwerte, Beleuchtung, Zählerstände, Füllstände und         tifizieren sie sich per Fingerabdruck
dergleichen per Funk liefern. Eingebürgert hat sich dafür der        oder Gesichtserkennung. Die Smart­
Begriff „Internet of Things“. In Karlsruhe werden auf diese          phone-Bürger-ID ist ein Kooperati­
Weise etwa Parkräume überwacht und freie Parkplätze ange­            onsprojekt der Stadt Gelsenkirchen,
zeigt. Gelsenkirchen liest die Verbrauchswerte seiner öffent­        der Gelsenkirchener XignSys GmbH,
lichen Gebäude aus. In Berlin ist ein Projekt für auf Sensoren       dem Institut für Internet-Sicherheit
basierendes „Waste Management“ gestartet. Mülltonnen mel­            der Westfälischen Hochschule und
den ihre Füllstände – geleert wird erst, wenn die Tonne voll         der Stadt Aachen und wird durch
ist. An Flughäfen laufen Projekte mit der Gepäckverfolgung           das Förderprogramm der Digitalen
mittels Funk – der Koffer bleibt immer ortbar. Auch in Fern­         Modellregionen des Ministerium
wärmesystemen findet sich LoRa-Technik, um den Wärmebe­              für Wirtschaft, Innovation, Digita­
darf jahreszeitabhängig und nutzer­optimiert regeln zu können.       lisierung und Energie des Landes
https://bit.ly/2RVOQ02                                               Nordrhein-Westfalen finanziert.
                                                                     https://bit.ly/2GnMO3L

                                                                          01|2020 Vitako aktuell       13
Schwerpunkt

Ein Wörtchen mitreden
Viele Städte und Kommunen haben den Anspruch, die Bür­          Bürgerbefragungen aufgelegt. Die App ist so konzipiert, dass
gerschaft beim Umbau zur smarten Stadt einzubinden, und         die Teilnahme auswärtiger Personen und Mehrfachteilnah­
setzen verstärkt auf Bürgerbeteiligung. So fragte Würzburg      men ausgeschlossen sind. Es muss jedoch nicht immer eine
für seinen neuen Flächennutzungsplan die Entwicklungspo­        Eigenentwicklung sein. Die Gemeinde Kirchheim bei Mün­
tenziale und Stärken im Stadtraum über eine Online-Infor­       chen setzt für ihre Befragung auf eine frei verfügbare Befra­
mationsplattform ab und formulierte daraufhin strategische      gungsapp und erweitert so die Mitsprachemöglichkeit der
Entwicklungsziele, die wiederum in einer Visionswerk­           Bürgerschaft.
statt mit Online-Beteiligung weiter diskutiert werden. An­      https://www.raum-perspektive-wuerzburg.de/#beteiligung
dere Städte nutzen ähnliche Be­tei­li­gungsplattformen. Die     https://www.tuebingen.de/buergerapp
Schwelle zur Teilnahme per Online-Plattform ist jedoch im­      https://democy.de/
mer noch recht hoch. Einige Städte setzen daher auf handy­
gestützte Befragungen. Tübingen hat eine Bürger-App für

Bauleitplanung online
Gerade bei kommunalen Bauvorhaben werden Betei­
ligungsverfahren seitens der Bürger eingefordert. In
Schleswig-Holstein ist ein Projekt gestartet, das für
die Bauleitplanung eine Online-Beteiligung erlaubt.
„BOB-SH“ steht allen Kommunen zur Verfügung,
um die Beteiligung in der Bauleitplanung komplett
medien­bruchfrei im Internet durchzuführen. Verwal­
tungen laden die Planungsdokumente auf der Web­
site hoch und stellen sie der Öffentlichkeit zur Verfü­
gung. Die Bürger reichen ihre Stellungnahmen online
ein und erhalten später eine Bewertung. Startpunkt
ist eine interaktive Karte, auf der die lokalen Betei­
ligungsverfahren eingetragen und weiterführende
Verfahrensseiten erreichbar sind. Auch die Freie und
Hansestadt Hamburg bietet mit BOB-HH ein ähn­
liches Tool an.
https://www.bob-sh.de/

            „Hallo, ich bin Bobby!“
            Smarte Schnittstellen zwischen Bürgern und          Bürgerserviceportal der Stadt und nutzt dessen
            Verwaltung entlasten beide Seiten: Der Gang         Datenbasis. Der Prototyp wurde in einer Koope­
            aufs Amt oder unfreiwillig lange Aufenthalte in     ration von Technischer Universität Berlin und
            Telefonwarteschleifen entfallen; in den Verwal­     dem IT-Dienstleistungszentrum Berlin entwi­
            tungen werden Helpdesks und Mitarbeiter ent­        ckelt. Auch Duisburg setzt künstliche Intelligenz
            lastet. Die Stadt Berlin nutzt seit geraumer Zeit   ein und erweitert bisherige Informationskanäle
            einen Chatbot namens Bobby, der rund um die         um einen Chatbot. Damit sollen Mitarbeitende
            Uhr und in verschiedenen Sprachen (Standard-)       entlastet werden, um mehr Zeit für individuelle
            Fragen zu Leistungen und Standorten der Ber­        Anfragen zu haben.
            liner Verwaltung beantwortet. Er läuft auf dem      https://bit.ly/2t0Jo3H

14   Vitako aktuell 01|2020
Innovative digitale Kom mune

Erforschtes Wohnen
Wie kann die Digitalisierung auch älte­   loten. Sechs automatisierte Forschungs­   kaum sichtbare Kleinstrechner und Sen­
ren, womöglich pflegebedürftigen Men­     wohnungen wurden dazu mit digitalen       soren verbaut. Die Wohnungen werden
schen behilflich sein? Die Stadt Braun­   Assistenzsystemen ausgestattet (Ambi­     so zum dritten Gesundheitsstandort ne­
schweig hat ein Projekt gestartet, um     ent Assisted Living – AAL), zusätzlich    ben Kliniken und Arztpraxen. Erforscht
Möglichkeiten des Wohnens für pflege­     hat die Technische Uiversität Braun­      wird nun, wie Wohnungen mithilfe
bedürftige und ältere Menschen auszu­     schweig in den Wohnungen zahllose,        smarter Meldesysteme und Sensorik als
                                                                                    diagnostisch-therapeutischer Gesund­
                                                                                    heitsstandort fungieren können. Auch
                                                                                    andere altersgerechte, intelligente As­
                                                                                    sistenzsysteme werden erprobt.
                                                                                    http://www.digitales-wohnen.de/

                                                                            Stadterkundung mit VR
                                                                            Hinter dem Projekttitel „Art Caching Kaisers­
                                                                            lautern“ verbirgt sich eine digitale Schnitzel­
                                                                            jagd durch die Stadt Kaiserslautern und ihre
                                                                            Kulturinstitutionen. Mit dem eigenen Smart­
                                                                            phone und einer geliehenen Virtual-Reality-­
                                                                            Brille begeben sich die Teilnehmenden im
                                                                            Stadtraum auf die Suche nach virtuellen Mar­
                                                                            kern in Form von QR-Codes, die Hinweise zur
                                                                            Lösung von Rätselfragen und auf das nächste
                                                                            Ziel preisgeben. So können sie unter Umstän­
                                                                            den neue Orte oder bisher unbekannte Aspekte
                                                                            der städtischen Kulturszene entdecken. Neben
                                                                            dem Art-Caching gibt es inzwischen auch ande­
                                                                            re Virtual-Reality- und 360-Grad-Touren zu ver­
                                                                            schiedenen Orten und Themen. Kaiserslautern
                                                                            begreift seine Wandlung zur Smart City auch als
                                                                            Entwicklung des Gemeinwesens und bezieht
                                                                            Kunst und Kultur ausdrücklich ein.
                                                                            https://bit.ly/2RNOvN6

                       Flexibles Ehrenamt
                       Vereine und (Hilfs-)Organisationen finden nur        Für Helfende ist die Bedienung unkompliziert,
                       noch schwer ehrenamtliche Helfer. Insbesondere       Organisationen können auf Bedarfsspitzen
                       junge Menschen wollen sich nicht fest an eine        schnell und flexibel reagieren – ein guter Nut­
                       Organisation binden – möchten sich aber den­         zen also für alle. Gütersloh ist bereits seit 2014
                       noch engagieren. Die Stadt Gütersloh hat nun eine    Teil des Projekts „Modellkommune E-Govern­
                       Ehrenamts-App entwickelt, mit der sich spontan       ment“ des Bundesministeriums des Innern,
                       und flexibel der freiwillige Dienst an der Gemein­   für Bau und Heimat und hat sich den Leitsatz
                       schaft organisieren lässt. Die App bringt Hilfs­     „Wir machen uns das Leben leichter“ zu eigen
                       willige und ein breites Spektrum von Vereinen,       gemacht.
                       Einrichtungen und Organisationen zusammen.           https://bit.ly/2tW4bG1

                                                                                            01|2020 Vitako aktuell        15
Schwerpunkt

Raum für Ideen
Wolfsburg hat einen Aktionsort für digitale Vorhaben eröffnet,
die „Markthalle – Raum für digitale Ideen“. In der zen­
trumsnah gelegenen Halle wurde bereits ein erfolgrei­
cher Pop-up-Space für Digitalisierung und Co-Crea­
tion betrieben. Nun wird die Markthalle von der Stadt
Wolfsburg in Zusammenarbeit mit der Volkswagen
AG und dem VfL Wolfsburg umgebaut. Auf 2.500 qm
Fläche sollen unter anderem ein Makerspace, ein
Virtual und Augmented Reality Lab, ein Broadcast
Studio und ein Event Space entstehen. Ein bereits beste­
hendes Jugendzentrum und das städtische Co-Working werden
einbezogen. Die Markthalle wird somit zu einem Ort, an dem
Digitalisierung für verschiedene Zielgruppen aus Bürgerschaft
und Wirtschaft erlebbar wird. Wolfsburg will bis 2025 zur Refe­
renzstadt für digitale Anwendungen werden und legt dabei
besonderen Wert auf Projekte mit direktem Bürgernutzen.
http://markthalle.digital

Sicht aus dem Cockpit
Das Smart-City-Cockpit der Stadt Bad Hers­
feld ist ein Echtzeit-Tool, das Informationen
zu Lärmbelastung, Parkplatzsituation, Luft­
qualität oder auch Wetterdaten in der Kom­
mune anzeigt. Auf der Website kann man
eine Kachelansicht wählen oder sich auf einer         Die letzte Meile
Geländekarte orientieren und erhält Auskünfte
über freie Parkplätze in Parkhäusern oder auf         Die Freie Hansestadt Bremen hat sich
dem Markt im Zentrum, verfügbare Ladesäulen           im Zuge ihrer IT-Strategie und des Mas­
und angeschlossene städtische Mülleimer und           terplans Green City Bremen Gedanken
deren Füllstand. An das „Smart Lighting“ sind         über eine nachhaltige Logistik im Innen­
über 40 Laternenmasten angeschlossen, die bei         stadtbereich gemacht – insbesondere was
Dunkelheit auf Bewegung reagieren und Fuß­            die Anlieferung von Paketen und Palet­
gängern und Kraftfahrzeugen bei Bedarf Licht          ten anbelangt. Das Projekt „Elektromo­
spenden. Und weil die Lösungen allesamt bür­          bile Citylogistik“ stellt ein neuartiges
gerorientiert sind, hat sich Bad Hersfeld im          Konzept für die Innenstadtbelieferung
europaweiten Wettbewerb „Innovation in Poli­          dar. Anstatt Pakete und Paletten direkt
tics Awards“ als Sieger in der Kategorie Lebens­      und einzeln an die Empfänger auszulie­
qualität durchgesetzt.                                fern, werden sie zunächst mit Transpor­
https://badhersfeld.urbanpulse.de/                    tern oder Lkws an einen zentralen Ver­
                                                      teilpunkt in der Innenstadt gebracht und
                                                      von dort aus mit elektrischen Lastenrä­
                                                      dern weiter ausgeliefert. Das reduziert den
                                                      innerstädtischen Verkehr und CO2-Ausstoß
                                                      gleichermaßen. Ziel ist die umweltfreund­
                                                      liche Lieferung auf der „letzten Meile“.
                                                      https://bit.ly/2RRopsG

16   Vitako aktuell 01|2020
Innovative digitale Kom mune

                 Kluger Verkehr
                 Innenstädte leiden oft unter starkem Verkehrsaufkommen trotz Umweltzonen und Ampel­
                 schaltung. Smart Traffic soll das ändern. Die intelligente Steuerung von Verkehrsflüssen auf
                 der Basis von automatisch erhobenen Daten zu Verkehrsdichte, Wetterbedingungen oder
                 Umweltfaktoren soll den Verkehr in Fluss und die Belastungen in Grenzen halten. Die Daten
                 stammen von Sensoren am Straßenrand, von Kontaktschleifen in der Fahrbahn oder von im
                  Auto montierten GPS-Systemen. In Darmstadt werden Verkehrsdaten mithilfe von Sensoren
                            an Ampelknoten erfasst und aufgezeichnet. Dies ermöglicht die Optimierung der
                                         örtlichen Verkehrssteuerung und mittelbar die Senkung von Emis­
                                                       sionen im Straßenverkehr. Das Bundesumweltministe­
                                                                       rium fördert entsprechende Projekte im
                                                                          Rahmen der Kommunalrichtlinie.
                                                                          https://www.digitalstadt-darmstadt.de

                                                                        Integrierte
                                                                        Sicherheit
                                                                         Paderborn ist eine integrierte Sicher­
                                                                         heits-Pilotregion. Wenn ein Einsatz
                                                                        der Feuerwehr oder Polizei nötig ist,
                                                                     zählt jede Minute. Wichtige Informatio­
                                                                  nen müssen schnell und zuverlässig bei den
                                                               Einsatzkräften ankommen. Das Sicherheitspro­
                                                            jekt INSPIRE basiert auf der Vernetzung von inno­
                                                          vativen Technologien für die zivile Gefahrenab­
                                                          wehr. Dabei kooperieren die Feuerwehren von Stadt
                                                          und Kreis Paderborn, Polizei und Ordnungsamt, die
                                                          Universität und der neu gegründete Verein „Safety
                                                          Innovation Center“ miteinander. Durch intelligente
                                                          Verknüpfung und Darstellung von Daten soll den
                                                          Einsatzkräften bereits auf dem Weg zur Unglücks­
                                                          stelle ein möglichst umfangreiches und auf Echt­
                                                          zeitdaten basiertes Lagebild übermittelt werden.
                                                          Auch Drohnen zur Visualisierung und Social Media
                                                          für die Information sind eingebunden.
                                                          https://bit.ly/2tSN489

Autonom durch die Stadt
Der Stadtverkehr der Zukunft braucht neue Mobili­        entwickelt hat. Die Stadt Aachen ist eine von fünf
tätskonzepte. In Aachen wird seit 2019 ein Elek­tro-     digitalen Modellregionen in Nordrhein-Westfalen und
Kleinbus im Innenstadteinsatz getestet, der ab 2021      will Modellstandort für autonomes Fahren, Mobilität
das Aachener Angebot des öffentlichen Personennah­       4.0 und innovativen ÖPNV werden. Das 2018 gegrün­
verkehrs (ÖPNV) ergänzen soll. Der e.Go Mover hat        dete Projekt Erlebniswelt Mobilität Aachen bündelt
Platz für 15 Personen und fährt zunächst noch mit        die Forschungs- und Entwicklungskompetenzen von
Fahrer, künftig soll er aber hochautomatisiert betrie­   über 30 lokalen Partnern aus Wirtschaft, Forschung
ben werden. Dahinter steckt das Aachener Unterneh­       und Kommunen.
men e.Go, das auch einen elektrischen Klein­wagen        https://bit.ly/2RvnTBy

                                                                               01|2020 Vitako aktuell       17
Schwerpunkt

               Kein Selbstläufer

               Open Data braucht Impulse
               Open Data ist kein Nischenthema mehr – das zeigt etwa der
               Koalitionsvertrag, der diesbezüglich klare Ziele festschreibt.
               Dennoch stellen von 11.000 Kommunen in Deutschland nur
               knapp 100 ihre Daten in Open-Data-Portalen bereit.
               Woran liegt das? Berlins Open Data Informationsstelle (ODIS)
               unterstützt Verwaltungsmitarbeitende.

              Laut der „Open Definition“ sind offene Daten solche        onen eher gering. Das Kernargument für Open Data
              Daten, auf die alle frei zugreifen können und die mit      lautet: Wenn Daten offen sind, gibt es die Möglichkeit,
              wenigen Einschränkungen auch von allen benutzt, ver­       dass Bürgerschaft, Privatwirtschaft oder andere gesell­
              ändert und geteilt werden dürfen. Open Data bedeu­         schaftliche Akteure nützliche Tools oder Anwendun­
              tet also, dass Verwaltungen radikal anders mit Daten       gen mit den Daten erstellen. So entstehen Tools und
              umgehen müssen als bisher. In der gängigen Vorstel­        Anwendungen, deren Entwicklung für die Verwaltung
              lung sind Verwaltungsbeschäftigte die Einzigen, die        gar nicht möglich wäre, weil Ressourcen oder Exper­
              die nötige Kompetenz besitzen, Verwaltungsdaten zu         tise dafür fehlen.
              verstehen oder zu analysieren. Häufig wird befürch­
              tet, dass offene Verwaltungsdaten inkorrekt analysiert
              oder falsch interpretiert werden.                          Nicht alle Daten eignen sich
                                                                         Kommunen machen aber auch die Erfahrung, dass
              Tatsächlich haben Bürgerinnen und Bürger durchaus          bereitgestellte Daten kaum genutzt werden. Allein
              die nötigen Fähigkeiten, rohe Verwaltungsdaten zu          die Veröffentlichung von Daten bedeutet nicht, dass
              analysieren. Wenn die Verwaltung ausreichend Kon­          die Daten sofort genutzt werden und eine Anwendung
              text zu möglicherweise komplizierten oder komplexen        entsteht. Ein Grund dafür ist, dass in vielen Kommu­
              Daten bereitstellt, ist das Risiko von Fehlinterpretati­   nen ein Austausch über Datenbedarfe mit potenziel­

18   Vitako aktuell 01|2020
Innovative digitale Kom mune

len Nutzerinnen und Nutzern dieser            unklaren Zuständigkeiten für die Daten­   beispielsweise in Zusammenarbeit mit
Daten fehlt. Verwaltungen können nicht        bereitstellung zwischen den zwölf Ber­    der Senatsverwaltung für Finanzen eine
immer einschätzen, welche Datensätze          liner Bezirken und der Hauptverwal­       interaktive Visualisierung von Förderda­
interessant sind oder wer sie überhaupt       tung – als Stadtstaat hat Berlin eine     ten entwickelt.
nutzen könnte. Ohne den Bedarf und            komplexere Verwaltungsstruktur als die
Interessen vor Ort zu verstehen, stellen      meisten anderen deutschen Städte.         ODIS plant, für die nächste zwei Jahre
Verwaltungen möglicherweise Daten                                                       weitere Visualisierungsprojekte und
bereit, die zu wenig Nutzungsmöglich­         Als Hilfeleistung für solche Fälle hat    Anwendungen zu entwickeln sowie
keiten bieten.                                die Berliner Senatsverwaltung für Wirt­   neue Fortbildungsmaßnahmen im
                                              schaft, Energie und Betriebe im Mai       Bereich Datenmanagement und Daten­
Zugriffe auf offene Daten können auch         2018 die Open Data Informationsstelle     nutzung anzubieten. ODIS hat als eine
auf Probleme mit der Datenqualität hin­       (ODIS) ins Leben gerufen und fördert      einzigartige Initiative angefangen,
weisen. Vielleicht liegen die Daten nicht     sie. ODIS wird von der Technologiestif­   aber das Modell erweckt langsam auch
in optimalen Formaten oder Strukturen         tung Berlin betrieben und unterstützt     bei anderen Kommunen und Behör­
bereit (zum Beispiel, wenn eine verwal­       die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter      den Interesse. Beispielsweise hat auf
tungsspezifische Datenstruktur benutzt        der Berliner Verwaltung bei der Bereit­   Bundes­ebene das Kompetenzzentrum
wird statt eines national oder interna­       stellung von Daten. Ein Teil dieser       Open Data als Teil des Bundesverwal­
tional anerkannten Datenstandards)            Arbeit besteht in der fachlichen Bera­    tungsamtes seine Türen im Mai 2019
oder sie sind nicht ausreichend spezi­        tung zur Bereitstellung von Open Data,    geöffnet. Das Kompetenzzentrum funk­
fisch (zum Beispiel, wenn Daten nur auf       zum Beispiel zur Frage, welche Daten­     tioniert ähnlich wie ODIS und stellt
einer sehr aggregierten Ebene verfüg­         sätze eine bestimmte Behörde als Open     Informationsmaterialien über Open
bar sind). Um solche Probleme zu iden­        Data bereitstellen kann oder soll oder    Data bereit und bietet Bundesbehörden
tifizieren, hilft ein aktiver Austausch mit   wie man eine Dateninventur, bei der       Unterstützung bei der Bereitstellung
denjenigen, die die Daten später nutzen       alle Datensätze im Besitz einer Behörde   von Daten an.
sollen.                                       erfasst werden, konzipiert und umsetzt.

Berlin hat sein Open-Data-Portal 2011
eröffnet. 2016 wurde Open Data durch          Potenziale zeigen
das Berliner E-Government-Gesetz für          Neben ihrer Beratungstätigkeit entwi­
alle Verwaltungsbehörden verpflich­           ckelt ODIS auf Open Data basierende
tend. Wie der betreffende Paragraf tat­       Visualisierungen und Anwendungen,                                 ◀ Victoria Boeck ist
sächlich in der Praxis umgesetzt wer­         um das Potenzial von Open Data offen­                             bei der Technologie-
den soll, wird eine Rechtsverordnung          zulegen und für die Behörden einen                                stiftung Berlin für
                                                                                                                Open Data zuständi-
klären, die aktuell erarbeitet wird.          Anreiz für die Bereitstellung von Open
                                                                                                                ge wissenschaftliche
Doch schon jetzt gibt es mehr als 2.000       Data zu schaffen. Einige dieser Pro­                              Mitarbeiterin und
Datensätze im Berliner Datenportal –          jekte wurden gemeinsam mit Verwal­                                unter anderem Be-
ein klarer Erfolg. Im November 2019           tungseinheiten entwickelt, so wurde                               treuerin der ODIS.
hat die Verwaltung zudem ein Open-­
Data-Handbuch veröffentlicht, das eine
umfassende Einführung in die Open-­
Data-Prozesse des Landes anbietet. Es          Zum Weiterlesen
gibt aber noch Herausforderungen für
                                               ▶ Zahlen zu Open Data in deutschen Kommunen: http://opendata.tursics.de/
Open Data in Berlin.
                                               ▶ Wann sind Daten offene Daten? https://opendefinition.org/od/2.1/de/

Unterstützung für Daten-                       ▶ Open-Data-Portal Berlin: https://daten.berlin.de/
Bereitsteller                                  ▶ Berliner Open-Data-Handbuch:
Ein großes Problem ist, dass viele Ber­           https://berlinonline.github.io/open-data-handbuch/
liner Behörden recht wenig darüber
                                               ▶ Berliner Open Data Informationsstelle (ODIS): https://odis-berlin.de/
wissen, welche Arten von Daten sie
überhaupt besitzen und welche dieser           ▶ Beispielhaftes ODIS-Projekt Visualisierung von Förderdaten:
Datensätze sich für eine Veröffentli­             http://zuwendungsdatenbank.lab.technologiestiftung-berlin.de/
chung als Open Data eignen. Eine wei­
                                               ▶M
                                                 usterdatenkatalog NRW: https://cutt.ly/5N4HTX
tere Herausforderung liegt in den oft

                                                                                                 01|2020 Vitako aktuell          19
Interview

                    „Die öffentliche Hand muss
                    selbst Angebote machen“
                     Anlässlich der Gründung von govdigital eG hat sich Vitako-
                     Geschäftsführer Dr. Ralf Resch mit dem Bundestagsabgeordneten
                     Thomas Jarzombek unterhalten.

                     Herr Jarzombek, bei der Nutzung von                   fizierungsmechanismus zu werden. Ebenfalls
                     Online-Diensten stehen Bürgerinnen und                beschlossen wurde, dass es über eine gesetzliche
                     Bürgern eine Vielzahl von Möglichkeiten zur           Implementierung dann für alle Anbieter Pflicht
                     Identifizierung und Authentisierung gegenüber.        sein muss, dieses System zu akzeptieren und
                     Wie zufriedenstellend ist das für Sie?                bereitzustellen. Wichtig: Es soll keine ausschlie­
                        Die Authentifizierung von Bürgern lag bisher       ßende Funktion werden, aber als eine Option
                     vollkommen eindeutig in staatlicher Hand. Wenn        neben den bestehenden Möglichkeiten stehen.
                     ich sehe, wie viele Nutzer sich auf allen mögli­
                     chen Webseiten und Plattformen mit ihrem Goo­
                     gle- ­oder Facebook-Konto anmelden, dann wird
                     der Staat in seiner hoheitlichen Funktion hier
                     ganz klar herausgefordert. Die aktuelle Situation
                     kann uns deshalb nicht zufriedenstellen.

                     Warum wird die eID-Funktion des neuen
                     ­ ersonalausweises so gut wie nicht genutzt?
                     P
                        Hier gibt es bislang zu wenige attraktive
                     Anwendungen, sodass schon die Mitarbeiterin­
                     nen und Mitarbeiter der Einwohnermeldeäm­
                     ter sich schwertun, den Nutzen der Funktion zu
                     erklären. Andererseits kann man aber erst dann
                     sinnvoll Anwendungen entwickeln, wenn eine
                     Nutzerbasis einer gewissen Größe vorhanden
                     ist. Deshalb habe ich mich in der letzten Legis­
                     laturperiode dafür eingesetzt, dass das Personal­
                     ausweisgesetz so verändert wird, dass Personal­
                     ausweise nun mit eingeschalteter eID-Funktion
                     ausgeliefert werden. An diesem Punkt müssen           Wie lassen sich die Entwicklung von Anwen­
                     wir nun weitergehen.                                  dungen für den öffentlichen Sektor und die
                                                                           Interaktion mit den Bürgerinnen und Bürgern
                     Woran wollen Sie dabei anknüpfen?                     erfolgreicher gestalten?
                        Es gibt hier bereits Initiativen. Wenn ich ein        Ich glaube, dass wir unbedingt eine Öffnungs­
                     aktuelles Beispiel geben darf, hat meine eigene       strategie für die Leistungen der öffentlichen Ver­
                     Partei auf meine Initiative hin jüngst beschlos­      waltung brauchen. Wir sollten stärker durchdrin­
                     sen, dass wir das System der Authentifizierung        gen, was der aktuelle technische Stand ist, was
                     für Internet-Angebote staatlicherseits durch          die Verwaltung wirklich braucht und was realis­
                     eine Programmierschnittstelle (API) öffnen wol­       tisch umzusetzen ist. Darüber hinaus müssen
                     len. Das heißt also, es soll eine Schnittstelle zur   wir mehr als in der Vergangenheit auf die Stärke
                     Verfügung gestellt werden, an der andere Sys­         von Mittelständlern und Start­ups setzen, etwa
                     teme andocken können, um Teil des Authenti­           bei der Organisation von Ausschreibungen. Es

20   Vitako aktuell 01|2020
Sie können auch lesen