Inpuncto - Heinrich Pesch Haus
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inpuncto. Das Magazin aus dem Heinrich Pesch Haus
Herbst
2019
gratis zum
Mitnehmen
Mut
Wie wir über uns
selbst hinaus-
wachsen
Mit Vertrauen Mit Zivilcourage Mit Entschlossenheit
Leitungswechsel Politische Im Gespräch mit
im HPH Jugendbildungsarbeit der Hoteldirektorin
Seite 6 Seite 8 Seite 14»Eingelassen »Ich habe einen Traum wahr werden
lassen.« So beschreibt Sofia Tsampazi
auf das, was
ihre Entscheidung, ins Musikstudio zu
gehen, um drei Singles aufzunehmen
und zu veröffentlichen. Sie singt
in mir steckt« »Laiko«, populäre Musik in ihrer
Muttersprache Griechisch. »Ich habe
schon immer gesungen und Musik
geliebt.« Eine Zufallsbekanntschaft
animierte sie zu der Entscheidung:
»Ja, ich mach’ das jetzt – nur für mich
und egal, was Andere davon halten.«
Die Reaktionen seien überwältigend:
»Meine Eltern und meine Freunde sind
begeistert, dass ich das durchgezogen
habe.«
Auch beruflich hat sich Sofia Tsampazi
auf Neues eingelassen: Vor Kurzem hat
sie im Heinrich Pesch Hotel den Bereich
Sales & Marketing übernommen.
Bewusst hat sie die Herausforderung
angenommen, sich in das neue
Aufgabengebiet einzuarbeiten. Ihre
Erfahrungen aus ihren Tätigkeiten am
Empfang und im Veranstaltungsbüro
des HPH kamen ihr dabei zu Gute, denn
so kennt sie die Wünsche der Gäste
genau und kann das Hotel-Team mit
kreativen und innovativen Ideen
unterstützen.
IMPRESSUM
inpuncto. Frühjahr 2019 Redaktion: Andrea Neumann, Bilder: Umschlagmotiv © narvikk/iStock.com;
Brigitte Deiters, Jana Schmitz-Hübsch, Innenteil: Seite 2 © Sofia Tsampazi, 4/5 © aluxum/iStock.com,
Herausgeber: Heinrich Pesch Haus
Stefan Weigand 8 © FilippoBacci/iStock.com, 10 © Wavebreakmedia/iStock.
Bildungszentrum Ludwigshafen e.V.
com, 12/13 © Arne Landwehr, 16 © eternalcreative/iStock.com,
Frankenthaler Straße 229 Beratung, Realisierung & Gestaltung:
19 © aquatti/shutterstock.com, Rückseite © narvikk/iStock.com,
67059 Ludwigshafen wunderlichundweigand
alle weiteren: HPH/Referenten
Direktorat: Pater Johann Spermann SJ (ViSdP), Druck: WIRmachenDRUCK GmbH,
Ulrike Gentner, Tel.: +49 621 5999-0, Backnang
Fax: +49 621 517225, info@heinrich-pesch-haus.de
www.heinrich-pesch-haus.deWas ist das Inhalt
Mutigste, das du 4 Was ist das Mutigste, das Sie
bisher gemacht haben?
Wo Menschen über sich selbst hinauswachsen
jemals getan hast? 6 »Es gibt Situationen, in denen man sich treu
bleiben muss«
Der zukünftige Direktor des HPH
Tobias Zimmermann SJ
Die Antwort auf diese Frage fallen sicher ganz unterschied-
lich aus – eines ist jedoch klar: Mut gilt als positive Eigen- 8 Keine Angst vor der eigenen Courage
schaft. Und dabei meinen wir nicht unbedingte Risikobe- Politische Bildungsarbeit für Jugendliche
reitschaft oder den Wunsch nach dem »Kick im Leben«,
sondern die Einstellung, die uns ȟber uns selbst hinaus- 10 Jugendliche stark machen!
wachsen« lässt. Ihre Spende für die Politische Jugendbildung
im HPH
In dieser »inpuncto.«-Ausgabe werden Sie Menschen be-
gegnen, die sich Herausforderungen stellen. Aus unserem
12 Mut entsteht durch Zutrauen
Haus sind das beispielsweise unsere Hoteldirektorin Heidi
Im Gespräch mit dem Winzer
Lueg-Walter sowie Pater Tobias Zimmermann SJ, der im
September die Leitung des Heinrich Pesch Hauses über-
Steffen Christmann
nehmen wird.
14 Zukunft geht nicht ohne Mut
Auch mit unseren Bildungsangeboten bestärken wir Men- Interview mit Hoteldirektorin
schen darin, mutig und beherzt ihr Leben anzupacken. Und Heidi Lueg-Walter
wenn wir im September zum achten Mal das Internationale
Erzählfest Metropolregion Rhein-Neckar veranstalten, geht 16 Über die eigene Vergänglichkeit sprechen
es im weiteren Sinne ebenfalls um Mut: Unter dem Motto Das zefog ermutigt zur Auseinandersetzung
»Geschichten öffnen Horizonte« werden wir in den Genuss mit einem Tabu-Thema
vieler frei erzählter Geschichten kommen, in denen ganz
normale Menschen sich ins Unbekannte wagen. Selma 17 Den Mutigen winkt das Leben
Scheele, eine der künstlerischen Leiterinnen des Erzähl Dr. Melanie Wolfers über Angst,
festes, hat für die inpuncto.« eine solche Heldengeschichte Risikobereitschaft und Lebensmut
zu Papier gebracht.
18 Geschichten öffnen Horizonte
Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre! Das VIII. Internationale Erzählfest
Metropolregion Rhein-Neckar
19 Die kleine Maus
Eine Heldengeschichte
Johann Spermann SJ und Ulrike Gentner
Direktorium des Heinrich Pesch Hauses
inpuncto. Herbst 2019 3E in einschneidendes Erlebnis,
das mich viel Mut gekostet hat,
war die Flucht mit meiner Frau
und unseren beiden Kindern aus
Syrien. Als Familienvater musste
ich entscheiden: Ja, wir wagen
A
diesen Aufbruch ins Ungewisse, ls Leiterin und
der uns über das Mittelmeer nach Doktorandin
Europa geführt hat. meines gerade zum
Bischof geweihten
Hussam Issa, Bundesfreiwilligendienst- Professors Höffner
leistender im HPH
musste ich eine
Grundsatzent-
scheidung treffen: Eine Studentin,
die gerade gefirmt worden war,
fragte mich, o b sie ihre Hochzeit
mit ihrem muslimischen Partner
trotz kirchlichem Verbot in unserem
D er Sprung muss immer ins Schwar-
ze getan werden. Auf klare Sicht zu
warten, um springen zu können, heißt
Haus feiern könne. Ich habe »Ja«
gesagt. Denn in Zeiten des Konzils
hatte ich gelernt, was es mit Gewis-
sich dazu verurteilen, ewig zu warten« sensentscheidungen auf sich hat.
(Madeleine Delbrêl). Ein Sprung ins Daran habe ich mich immer wieder
Schwarze, ins Ungewisse, war für mich erinnert, das hat mich mein Leben
die Entscheidung Ja zu sagen, ob ich die lang geleitet. Die Brautleute konn-
Ernennung zum Weihbischof von Speyer ten ein wunderschönes Hochzeits-
annehmen würde. Ich wollte Pfarrer sein fest bei uns feiern.
und es bleiben. Das war mein Berufs-
wunsch, der in Erfüllung gegangen war. Dr. Marita Estor, leitete Anfang der 60er
Jetzt musste ich mich einer Herausforde- Jahre ein Studentinnenheim und lebt jetzt
mit zwei muslimischen Doktorandinnen
rung stellen und eine Entscheidung tref-
zusammen
fen, die meinem Leben eine ganz andere
Richtung gab.
Otto Georgens,
Weihbischof des
Bistums Speyer
4 inpuncto. Herbst 2019Was ist das Mutigste, Oft sind es gar nicht die steilsten Klippen
oder unerforschten Tiefen, die uns den
das Sie bisher
größten Mut abverlangen. Gerade in, ober-
flächlich betrachtet, alltäglichen Situatio-
nen wachsen wir über uns hinaus. Wir
haben bei dem HPH verbundenen Persön-
gemacht haben? lichkeiten nachgefragt, was ihren Mut am
meisten auf die Probe gestellt hat.
E in Unternehmen mit mittlerweile 3.500
Mitarbeitern zu führen, bedarf immerzu
E inmal, da bin ich über so eine
ganz hohe Hecke gesprungen.
Das hat nicht so gut geklappt,
mutiger Entscheidungen. Aber das Mutigste,
was ich bisher gemacht habe, war zu
heiraten. Was im ersten Moment belustigend
danach hatte ich einige Kratzer … klingt, ist doch ernst gemeint. Um sich vor
Gottes Angesicht einer einzigen Person zu
Samori, 9 Jahre verschreiben und ihr zu versprechen, sie
alle Tage des restlichen Lebens zu lieben,
zu achten und zu ehren, braucht viel
Überzeugung in diesen unauflöslichen und
M ut ist: ganz einzigartigen Bund der Ehe
und gar sich und vor allem Mut. Mut,
selbst treu zu sein! den aufzubringen sich aus
meiner Erfahrung sehr lohnt.
Berivan Ökmen,
Auszubildende zur Prof. Dr. Claus Hipp, Unternehmer
Hotelkauffrau im und Geschäftsführer von HiPP
Heinrich Pesch Hotel
inpuncto. Herbst 2019 5»Es gibt Situationen,
in denen man sich
treu bleiben muss«
Leitungswechsel im Heinrich Pesch Haus: Im September
löst Pater Tobias Zimmermann SJ den bisherigen
Direktor Pater Johann Spermann SJ ab. Mutige Menschen,
sagt er, und faszinieren ihn. Was er sonst noch zum Thema Mut
zu sagen hat und wie er zu der neuen Aufgabe steht,
davon berichtet er m Interview.
Wer ist für Sie ein mutiger Mensch? Das ist ganz schön viel verlangt von Was haben Sie sich – quasi als
Wer mir spontan einfällt, weil mich einem Menschen. Aber wenn wir zum Maxime – für Ihre zukünftige Arbeit
sein Vorbild seit meiner Jugend an- Gegenteil von Mut kommen: Wann vorgenommen?
spornt, ist Mahatma Gandhi. Sein waren Sie im Leben auch schon ein- Ich bin nicht der Typ dafür, mit fes-
Mut zum radikalen Verzicht auf Ge- mal zu ängstlich? ten Vorstellungen zu kommen. Ich
walt hat mich immer fasziniert. Wie Ach, das gab es immer mal wieder. bin ein Mensch, der erstmal an-
viel Mut es zu dieser Friedfertigkeit Ich hatte zum Beispiel eine Zeit lang kommt und sich die Dinge anschaut.
braucht. Er ist natürlich ein Riesen- Schwierigkeiten mit Hunden, weil Mir ist es wichtig zu hören, was den
vorbild! Mir fallen aber auch Jugend- ich wirklich einige ganz schlechte Menschen wichtig ist, welche Ideen
liche im Canisius-Kolleg in Berlin Erfahrungen gemacht habe. Aber die Kolleginnen und Kollegen für
ein, die für sich entschieden haben, deshalb allen Hunden nicht zu trau- ihre Arbeit haben, und dafür möchte
dass es ihnen und ihren Familien en, ist fast so dämlich, wie wenn ich mir Zeit nehmen. Aber dann bin
nicht guttut, wenn sie zuhause blei- man ein zwei schlechte Erfahrungen ich schon auch ein Mensch, der sich
ben. Mich hat beeindruckt, wie diese mit bestimmten Menschen verallge- freut, gestalten zu können.
jungen Menschen ihr Leben in die meinert und dann ganzen Gruppen
Hand nahmen. Darin habe ich sie von Menschen nicht mehr traut. Wie gut kennen Sie das HPH b ereits
und die Familien auch zu unterstüt- und worauf freuen Sie sich am
zen versucht. Ich fand es mutig, sich Sie werden nun Direktor des Heinrich meisten?
in diesem jungen Alter nicht mit ei- Pesch Hauses. Ist das eine neue Ich kenne das HPH als Gast recht
ner scheinbar ausweglosen Situati- Herausforderung, die Ihnen auch Mut gut. Meine früheren Kollegen und
on abfinden zu wollen. abverlangt? ich sind immer gerne zu Veranstal-
Eine Herausforderung ist es auf je- tungen hergekommen. Das Team ist
Wie wichtig ist für Sie persönlich Mut? den Fall. Aber den Begriff Mut möch- unglaublich gastfreundlich. Und die
Ich bin immer ganz dankbar, wenn te ich auch nicht überstrapazieren. Zusammenarbeit mit den Leuten
ich nicht mutig sein muss. Aber es Ich freue mich auf das Team und fin- hier war immer sehr inspirierend
gibt Situationen, in denen man sich de die neuen Aufgaben faszinierend. und kollegial. Dafür haben wir die
und seinen Idealen treu bleiben und Aber, wenn man vor der Leitung ei- lange Fahrt von Berlin gerne in Kauf
sich dafür auch hinstellen muss. Ein nes solchen Hauses keinen Respekt genommen. Das Haus ist schön. Und
kluger Mensch hat einmal gesagt, empfindet, auch vor der Verantwor- ich freue mich auf das gute Essen
man sollte jeden Tag etwas tun, das tung für so viele Menschen, die hier hier. Und natürlich freue ich mich
einem ein bisschen Mut abverlangt, arbeiten, dann sollte man vermut- auf neue Herausforderungen: Das
um sich darauf vorzubereiten. lich besser die Finger davon lassen. Thema Bildungsarbeit und Akademie
6 inpuncto. Herbst 2019»
Ich bin nicht der Typ dafür, mit festen Vorstellungen zu
kommen. Ich bin ein Mensch, der erstmal ankommt und
sich die Dinge anschaut. Mir ist es wichtig zu hören, was
den Menschen wichtig ist, welche Ideen die Kolleginnen
und Kollegen für ihre Arbeit haben, und dafür möchte
ich mir Zeit nehmen. Aber dann bin ich schon auch ein
Mensch, der sich freut, gestalten zu können.
»
kenne ich noch nicht, und auch nicht,
wie es sich anfühlt, ein Hotel am Laufen
zu halten. Und dazu die Entwicklung und
Gestaltung der Heinrich-Pesch-Siedlung
– das ist wirklich eine Kombination fas-
zinierender Aufgaben.
Wie würden Sie jemandem das HPH
beschreiben, der noch nie etwas davon
gehört hat?
Das Heinrich Pesch Haus investiert in
Menschen, damit sie die Gelegenheit
haben, sich als Persönlichkeit zu entfal-
ten, ihr Leben zu gestalten, Verantwor-
tung für Andere zu übernehmen und auf
Grundlage reflektierter ethischer Prinzi-
pien an der Gestaltung der Gesellschaft
mitzuarbeiten. So verstehe ich Bildung.
Um sein Leben danach immer wieder
neu auszurichten, braucht man Freiräu-
me. Als Akademie und als Hotel bietet
das HPH Menschen solche Freiräume. So
habe ich es als Gast erlebt.
Und nicht zuletzt im Blick auf die Sied-
lung ist mir wichtig: In unserer Gesell-
schaft müssen wir derzeit härter denn
je daran arbeiten, die Menschen unter-
schiedlicher Generationen, Milieus und
Kulturen miteinander ins Gespräch und
in Beziehung bringen. Auch das ist ein
Auftrag des HPH.
Pater Tobias Zimmermann SJ
1967 geboren als jüngstes von vier ymnasium des Jesuitenordens. Er stu-
G
Geschwistern. Nach dem Abitur stu- dierte Kunstpädagogik und wurde 2003
dierte er Theologie und Philosophie. Er zum Priester geweiht. Bis 2010 war er als
verbrachte ein Jahr in Lateinamerika, was Schulseelsorger am Canisius-Kolleg tätig.
ihn sehr geprägt hat, »weil es meine erste Seit 2011, nach einem weiteren Jahr der
Begegnung mit fremden, mit indigenen Ordensausbildung in Kalifornien, leitete
Kulturen war.« 1990 trat er in den Jesui- er das Canisius-Kolleg. Ab September
tenorden ein. Er schloss sein Studium ab 2019 ist Tobias Zimmermann SJ Direktor
und arbeitete fünf Jahre in der Jugendar- des Heinrich Pesch Hauses.
beit am Canisius-Kolleg in Berlin, einem
inpuncto. Herbst 2019 7Keine Angst vor der
eigenen Courage H
aben Jugendliche überhaupt Interesse an
politischen und gesellschaftlichen Fragen?
Sind 16-Jährige in der Lage, sich eine Mei-
nung zu bilden? Haben sie Lust, sich in die Gesell-
Viele Jugendliche wollen gesellschaftlich schaft einzubringen? Interessiert sie überhaupt,
was »die da oben« diskutieren und entscheiden?
Verantwortung übernehmen. Was ihnen
Solche Fragen hört Philipp Wagner, Referent
dazu leider oft fehlt: Wissen über politische für außerschulische Politische Jugendbildung im
Prozesse, Erfahrung bei Teamprojekten und Heinrich Pesch Haus, häufig. Seine Überzeugung:
»Viele Jugendliche wollen gesellschaftlich Verant-
gute Räume für Austausch und Diskussion. wortung übernehmen und interessieren sich für
Die Politische Jugendbildung im Heinrich die Zukunft ihres Landes. Ihnen fehlen nur oft die
Perspektive, Möglichkeiten des Austausches und
Pesch Haus ermöglicht dies und sorgt so
Wissen um demokratische Zusammenhänge.«
dafür, dass junge Menschen Verantwortung Hier setzt die Politische Jugendbildung im HPH
übernehmen und populistischen Meinun- an: Sie vermittelt Inhalte über politische Prozesse
und Strukturen und zeigt Gestaltungsmöglichkei-
gen kritisch entgegentreten können. ten auf. Dabei thematisiert sie Extremismus und
Strömungen, die unsere Demokratie gefährden. So
werden die Jugendlichen aufmerksam und hand-
lungsfähig, wenn in ihrem Umfeld Diskriminierung
und Ausgrenzung stattfinden.
8 inpuncto. Herbst 2019Überzeugungskraft In den Seminaren tauschen sich die jungen
Weil dieses Aufstehen und Einstehen so schwie- Menschen auch über Ideen und eigene Projek-
rig ist, hat der Bereich der Politischen Jugend- te aus, die eigentliche Wirkung und der Erfolg
bildung ein genau umrissenes Ziel: »Wir wollen der Arbeit ist aber ganz nachhaltig angelegt:
jungen Menschen zeigen, wie sie andere über- »Oft spüren Jugendliche erst viel später, was es
zeugen können, sich mit ihnen zu engagieren. bringt, wenn sie sich engagieren, wenn sie ge-
Denn in der Gruppe ist alles leichter.« Deshalb lernt haben, zu argumentieren und andere mit-
werden Schülervertretungen in Seminaren bei- zunehmen. Zugleich gibt es aber auch ganz un-
spielsweise durch Teambuilding gestärkt. Außer- mittelbare Veränderungen: Es ist immer wieder
dem organisiert das HPH zum Beispiel Argumen- schön beispielsweise von einer Schule zu hören,
tationsseminare oder Fortbildungen, bei denen dass nun Konflikte leichter gelöst werden kön-
sich junge Menschen über gesellschaftliche Fra- nen und die Möglichkeiten der Mitbestimmung
gen austauschen oder bei denen Multiplikator_ und Mitgestaltung viel größer sind als vorher
innen geschult werden, z. B. zu digitalen Metho- angenommen.« Wenn Philipp Wagner über sei-
den in der Jugendbildungsarbeit. ne Arbeit spricht, dann merkt man ihm seine
Hinter all den Angeboten steht der Aspekt der Leidenschaft für Jugenbildung an. Kein Wunder,
Demokratieförderung, indem die Teilnehmenden dass nun ganz neue Kooperationen entstehen
erfahren, wie demokratische Strukturen funkti- und alte – wie etwa mit kirchlichen Jugendver-
onieren, worin ihre Rechte und Pflichten beste- bänden – vertieft werden.
hen und was sie selbst zur Gestaltung der Gesell-
schaft beitragen können.
»Ich erlebe Jugendliche, die sich in Verbänden engagie- »Diskriminierung und Ausgrenzung entschieden
ren, als wissbegierig, reflektiert und diskussionsfreudig. entgegenzutreten ist gar nicht so einfach. Jede_r
Der BDKJ ist einerseits eine harte Schule: Wer sich in weiß wie viel Mut es oft braucht, sich in einen
den Verbänden – gerade auf Leitungsebene – engagiert, Konflikt einzumischen oder sich gegen abfällige,
der muss sich und seine Positionen und Haltungen in diskriminierende Kommentare zu positionieren.
Frage stellen lassen und gut vor sich selbst und ande- Ich höre von Jugendlichen oft, dass es gerade im
ren argumentieren können. Andererseits machen die Familien- und Freundeskreis schwerfällt, gegen
Verbände gerade dadurch stark fürs Leben. Ich sehe Personen mit menschenfeindlichen Meinungen zu
darin auch unsere Aufgabe: Wir unterstützen Jugendli- argumentieren, weil man sie ja gut leiden kann.
che dabei, ihre Positionen mit demokratischen Mitteln Wir wollen sie ermutigen und darin unterstüt-
zu festigen und zu vertreten. Wir vermitteln Wissen, zen, diesen Positionen Argumente entgegenzu
machen sprachfähig und fördern Partizipation. Der Rest setzen, um zu zeigen: Ich sehe das anders und
kommt ganz von selbst. Da setze ich viel Vertrauen in hier ist kein Platz für Hetze und diskriminierende
die Gaben, die Gott jeder und jedem von uns persönlich Sprüche!«
in die Wiege gelegt hat.« Philipp Wagner
Katharina Goldinger Referent für Politische Jugendbildung
Referentin für Politische Bildung im Heinrich Pesch Haus
im Bischöflichen Ordinariat Speyer
inpuncto. Herbst 2019 9Aktuelles
Spenden-
projekt Jugendliche stark ma
Radikalisierungsprävention
Religiös motivierter Extremismus: Was
Mit ihren Angeboten geht die Politische Jugend-
zunächst sehr abstrakt klingt, ist auf so man-
bildung im Heinrich Pesch Haus stets auf aktu-
chem Pausenhof oder im Internet-Alltag von elle politische Entwicklungen ein. Zum Themen-
Jugendlichen gegenwärtiger als man denkt. Schwerpunkt »Radikalisierungsprävention« star-
tet Bildungs
referent Philipp Wagner ein neues
Eine zweifelhafte Nachrichtenmeldung Projekt: ein »Escape Game«, das möglichst viele
transportiert antisemitisches Gedankengut Schülerinnen und Schüler an allgemeinbildenden
Schulen und Berufsschulen in Ludwigshafen und
oder der Text eines HipHop-Songs schürrt
Umgebung erreichen soll.
antimuslimische oder antichristliche Vorur- Damit dies möglich ist, sind wir auf Spenden
teile. Die Politische Jugendbildung im HPH angewiesen. Unterstützen Sie dieses und weitere
Projekte der Politischen Jugendbildung und sor-
möchte sich dieser Gefahr annehmen und gen Sie dafür, das junge Menschen zu reflektierten
Jugendliche mit einem ungewöhnlichen und kritischen Persönlichkeiten reifen, die die Zu-
kunft des Landes in die Hand nehmen!
Projekt aufklären und stärken.
Der Hintergrund
Religiös motivierter Extremismus wird mehr und
mehr zu einer Gefahr für Jugendliche: Wer unre-
flektiert Informationen und Meinungen aus dem
Internet übernimmt, eignet sich schnell antisemi-
tische, antichristliche oder antiislamische Haltun-
gen an.
Das »Escape Game« verfolgt einen primärprä-
ventiven Ansatz. Radikalisierungstendenzen im
eigenen Umfeld zu erkennen, diesen entgegen zu
wirken und sich und andere davor zu schützen, ist
eine Gemeinschaftsaufgabe, an der das HPH gerne
mitwirkt.
Das Ziel
»Politische Bildung ist kein Trichter, durch den
wir Wissen vermitteln, sondern es geht um ein ge-
meinsames Diskutieren verschiedener Positionen
und den Austausch unterschiedlicher Sichtwei-
sen. Die Bildungsarbeit möchte junge Menschen
darin fördern ihre eigene Persönlichkeit auszubil-
den und religiöse, kulturelle und politische Vielfalt
als Herausforderung aber zugleich auch als Berei-
cherung für eine Gesellschaft zu erleben.«
Philipp Wagner, Referent
für Politische Jugendbildung im HPH
10 inpuncto. Herbst 2019achen!
Das »Escape Game«
Bei dem »Escape Game« handelt es sich
um eine kreative Methode, um mit jun-
gen Menschen über Mechanismen der
Radikalisierung ins Gespräch zu kom-
men. In einem authentisch nachgestell-
ten Jugendzimmer erleben diese, wie ein
junger Mensch auf der Suche nach Orien-
tierung an das falsche Vorbild gerät und
innerhalb kürzester Zeit von einer Ideo-
logie überzeugt wird. Die Teilnehmenden
werden in die Geschichte einbezogen,
setzen sich mit Positionen auseinander Ein komplett eingerichtetes Jugendzimmer als Kulisse:
und lösen Rätsel, um im Spielverlauf Hier findet das »Escape Game« statt, ein Spiel, in dem
weiterzukommen. So können sie die Ver- Jugendliche über die Gefahren des religiös motivier-
änderungen der Persönlichkeit des Prot- ten Extremismus aufgeklärt werden und sich konkrete
Handlungsmöglichkeiten aneignen können. Es wurde von
agonisten direkt miterleben. 60 Minuten
dauert das Spiel – weitere 60 Minuten Thorsten Gonska und Jonas Kühn, Fachbereich politische Helfen
veranschlagt Philipp Wagner für die ge-
Bildung der Akademie Klausenhof, entwickelt.
Sie mit!
meinsame Reflexion des Erlebten.
Unterstützen Sie die Politische
Jugendbildung im Heinrich Pesch Haus.
»Junge Menschen, die aufgeklärt und
mit Weitblick gesellschaftliche Themen Spendenkonto
diskutieren und sich gegen Mobbing, Förderverein des Heinrich Pesch Hauses
Liga Bank
Diskriminierung und Populismus ein-
IBAN: DE35 7509 0300 0000 0588 58
setzen: Das ist das Beste, was einer BIC: GENODEF1M05
Gesellschaft passieren kann. Dafür Verwendungszweck: Jugendbildung
tritt die Politische Jugendbildung im Haben Sie Fragen oder wünschen
Heinrich Pesch Haus ein. Ich Sie eine Beratung:
freue mich, wenn Sie mit Andrea Neumann
Direktionsassistentin
Ihrer S
pende unsere Jugend-
Tel.: +49 621 5999-161
bildungsarbeit unterstützen!« E-Mail: neumann@hph.kirche.org
Johann Spermann SJ,
Direktor des Heinrich Pesch Hauses
Danke!
inpuncto. Herbst 2019 11Mut entsteht
durch Zutrauen
»Ich bin kein Zauderer, aber ich gehe auch keine unkalkulierbaren
Risiken ein. Ich bin überzeugt, dass Dinge, die ich nach reiflicher
Überlegung tue, gut sind.« Steffen Christmann führt gemeinsam mit
seiner Frau Daniela in siebter Generation das Weingut Christmann in
Neustadt-Gimmeldingen. Tochter Sophie, eines von vier Kindern des
Ehepaares, steht in den Startlöchern, die Tradition weiterzuführen.
Braucht es Mut, ein Weingut zu übernehmen, zu führen, weiterzuent-
wickeln und weiterzugeben? Darüber sprach Dr. Thomas Steinforth,
Bildungsreferent im Heinrich Pesch Haus, mit Steffen Christmann.
Sie haben ab 2002 Ihr Weingut auf bio- sehr erfolgreich. Wir hatten etwas Sie haben vier Kinder …
dynamisch umgestellt. Woher nahmen vorzuweisen, und ich hatte mir ei- (lacht): Ja, und das könnte man auch
Sie den Mut, das zu tun? nen gewissen Respekt erarbeitet. als mutig bezeichnen – oder viel-
Wenn man eine solche Entscheidung Aber natürlich gab es Menschen, die leicht sogar blauäugig.
von außen betrachtet, mag das mu- mir klar gemacht haben, warum das
tig erscheinen. Aber mir erschien sie schief gehen würde. Andere Kollegen Was tun Sie als Vater – oder mit Ihrer
ganz logisch. Hier in der Region war dagegen haben mich ermutigt – und Frau zusammen als Eltern – damit Ihre
das neu, aber in anderen Regionen in der Folge habe ich wiederum an- Kinder mutig werden? Können Sie
– im Elsass oder Burgund – wurde dere durch den Erfolg ermutigt. dazu etwas beitragen?
es schon gemacht. Was ich dort ge- Ja, sehr viel sogar. Denn das habe
sehen habe, erschien mir schlüssig Um eine solche Entscheidung zu ich auch von meinen Eltern erfah-
und so vernünftig, dass ich das nicht treffen, braucht es aber auch inneren ren. Ich bin langsam in die Leitung
als Risiko ansah. Halt. Was ist oder war Ihr Halt? des Weinguts hineingewachsen, bis
Das Grundvertrauen, um etwas anzu- mein Vater es mir 1996, als ich 30
Waren Sie nicht darüber besorgt, was packen, ist mein christliches Funda- wurde, übertragen hat. Ich durfte
Andere davon hielten – dass Sie viel- ment. Ich fühle einen gewissen Rück- und konnte immer mehr entschei-
leicht sogar als esoterischer Ökospin- halt, wenn ich etwas anpacke. Man den und hatte dabei die Gewissheit,
ner verspottet werden? könnte ja alles, was wir hier erreicht dass ich im entscheidenden Moment
Nicht so sehr. Zu diesem Zeitpunkt haben, als Zufälle abtun. Aber das er- einen bedingungslosen Rückhalt
waren wir mit unseren Weinen schon scheint mir zu unwahrscheinlich. habe. Dieses Zutrauen hat mich be-
stärkt. Nachdem ich allein verant-
wortlich war für das Weingut, hat
mein Vater nie etwas abgelehnt oder
sich eingemischt, aber er hat immer
Steffen Christmann war Impulsgeber bei
einer Veranstaltung der Reihe »Kamin-
gespräche« im Heinrich Pesch Haus. Im
Bild links ist er mit HPH-Bildungsreferent
Dr. Thomas Steinforth zu sehen, auf dem
Bild oben mit seiner Tochter Sophie und
Kellermeister Oskar Michelletti. Das
Weingut Christmann bewirtschaftet
ökologisch-biodynamisch 20 Hektar
Weinberge in Gimmeldingen, Königs-
bach, Ruppertsberg und Deidesheim.
12 inpuncto. Herbst 2019Ich muss
mit jemandem
reden …
Unsere Beratungsstelle steht allen offen,
unabhängig von Alter, Konfession und
Weltanschauung.
viel hinterfragt. Ich musste das nie als mangelndes
Zutrauen empfinden, sondern es half zur reiflichen
Überlegung.
Und dieses Erleben geben Sie weiter?
Ich denke schon. Ich freue mich, wenn unsere Kin- … bei Sorgen und Ängsten … vor einer schwierigen
der sagen, sie können uns alles erzählen. Ich glau- im Blick auf die Zukunft Entscheidung
be, dass wir als Eltern viel dazu beitragen können,
… nach Enttäuschungen … in Konflikten mit
wie unsere Kinder leben. Sicher, sie haben das
oder Rückschlägen dem Partner,
Glück, dass sie in diese Familie mit einem gewissen
der Familie oder
wirtschaftlichen Niveau hineingeboren sind. Aber … nach einem
Kollegen
es hängt viel davon ab, wie wir mit ihnen umgehen Klinikaufenthalt
– und ob sie mit dem, was sie haben und können, … bei Fragen nach
verantwortungsbewusst umgehen. Lebenssinn und Glaube
Wir hören Ihnen zu, erarbeiten mit Ihnen Lösungen,
Eine letzte Frage: Gibt es etwas in Ihrem Leben, das
Sie noch nicht gewagt haben, aber gerne noch wagen gehen mit Ihnen Wege.
würden?
(überlegt länger): Da wüsste ich nichts. Ich ruhe –
nicht nur, was den Betrieb angeht – in mir. Ich habe Aussprache · Lebensberatung ·
das Gefühl, dass ich hier genau richtig bin. Mit allem!
Hilfe in Krisen · Seelsorge ·
Geistliche Begleitung
Das nächste »Kamingespräch« im HPH für Wir sind ein Team von Psychologinnen, einer
christliche Unternehmer_innen und Füh- Sozialarbeiterin und Priestern. Für Einzelgespräche
rungskräfte findet am 12. September 2019
nehmen wir uns Zeit. Sie können Verschwiegenheit
um 19 Uhr statt.
erwarten und auf Wunsch auch anonym bleiben.
Thema: »Psychopathen in der Chefetage?«
Es entstehen Ihnen keine Kosten.
Impulsgeber: Prof. Dr. Volker Lingnau, TU
Kaiserslautern
Sie finden die Offene Tür hier:
Anmeldung bei
F 2, 6 Öffnungszeiten:
Andrea Neumann, Direktionsassistentin HPH 68159 Mannheim Mo, Di, Do, Fr 9 – 12 Uhr
Tel.: 0621 5999-161 Tel.: 062116066 Mo – Do 14 – 17 Uhr
E-Mail: neumann@hph.kirche.org E-Mail: mannheim@offene-tuer.net und nach Vereinbarung
Anzeige
Die Leitung der Offenen Tür
inpuncto. Herbst 2019 liegt beim Jesuitenorden.Zukunft geht
nicht ohne Mut
A
ls Heidi Lueg-Walter im Jahr 2008
ihre Aufgabe als Hoteldirektorin im
Heinrich Pesch Haus antrat, war
ihre Herausforderung: Ein Bildungshaus
auf dem Stand der neunziger Jahre fit zu
machen für die Zukunft und so den Fortbe-
stand des Hauses und die Arbeitsplätze der
Mitarbeitenden zu sichern.
Was sie vorfand, war ein Gebäude, das
in die Jahre gekommen war und im Reno-
vierungsstau stand. Doch die Hoteldirek-
torin ließ sich davon nicht abschrecken,
sondern sah gleich das Potenzial des Ortes
mit seinen flexiblen Räumlichkeiten, dem
wunderbaren Park und kostenfreien Park-
plätzen. »Perfekte Voraussetzungen für ein
richtig gutes Seminarhotel!«, erinnert sie
sich. Doch der Weg dorthin war nicht ganz
leicht.
Das Heinrich Pesch Hotel »Ich erinnere mich noch, dass das Bil-
dungshaus damals fast ausschließlich von
Das mit drei Sternen klassifizierte Heinrich Pesch
kirchlichen und caritativen Gruppen ge-
Hotel verfügt über 58 Einzel- und 18 Doppelzimmer
bucht wurde; das ist eine wichtige Zielgrup-
sowie 20 Seminarräume unterschiedlicher Größe
pe, allerdings konnten wir so allein keine
mit moderner Tagungstechnik und exzellenter
IT-Infrastruktur. zufriedenstellende Auslastung erreichen.
Der Betrieb hätte auf längere Sicht nicht
Heinrich Pesch Hotel *** kostendeckend erhalten werden können.«
Frankenthaler Straße 229 Inzwischen ist das Heinrich Pesch Hotel
67059 Ludwigshafen mit drei Sternen klassifiziert und hat eini-
www.heinrich-pesch-hotel.de ge Auszeichnungen und Qualitätssiegel er-
worben. Um das zu erreichen, musste Heidi
Bei Tagungs-Anfragen ist das Team des Lueg-Walter auch mutige Entscheidungen
Veranstaltungsbüros gerne für Sie da: treffen.
Tel. +49 621 5999-162
E-Mail veranstaltungen@heinrich-pesch-hotel.de
Das Empfangs-Team steht Ihnen für Ihre
Zimmerreservierungen zur Verfügung:
Tel. +49 621 5999-0
E-Mail empfang@heinrich-pesch-hotel.de
14 inpuncto. Herbst 2019Einladende Räumlichkeiten,
eine großzügige Lounge und
moderne Technik: Das Heinrich
Pesch Hotel ist geschätzer Ort
für Seminare, Tagungen und
Übernachtungen geht.
Das Heinrich Pesch Hotel
Was war Ihre mutigste Entscheidung In Ihrer Funktion als Hoteldirektorin:
ist der ideale Partner für
als Hoteldirektorin? Ist »mutig« manchmal auch gleichzu-
Es war die Entscheidung, das Bil- setzen mit »unpopulär«? anspruchsvolle Tagungen.
dungshaus weiterzuentwickeln und Das kommt vor! So manches Team-
es als Hotel klassifizieren zu lassen. mitglied, das seit Jahrzehnten für das 20 unterschiedliche Tagungsräume
Damit verbunden waren natürlich Haus tätig war, war über die Neue- Aula für bis zu 400 Personen
große Investitionen und Änderungen rungen nicht immer glücklich. Es fiel 76 moderne und gepflegte Zimmer
im Betriebsablauf. Nun sind wir ein einigen Mitarbeiterinnen und Mitar-
Vielfältiges Catering
Drei-Sterne-Hotel. beitern schwer, die Veränderungen
mitzutragen. Damit wir den hohen
Kostenfreie Parkplätze
Warum war das mutig? Was hätte Servicestandard halten konnten, wa-
schief gehen können? ren beispielsweise Veränderungen Lassen Sie sich gleich Ihr persönliches
Es gab drei Knackpunkte, die Unge- bei den Arbeitszeiten nötig, die sich Angebot erstellen unter unserer
wissheit in das Vorhaben gebracht erst einmal einspielen mussten. Was Nummer: (0621) 5999-162
haben: Zunächst einmal, dass der uns aber allen geholfen hat, war die
Hotelmarkt in Ludwigshafen und der Haltung: »Wir sind Gastgeber!« Aus
Rhein-Neckar-Region nicht noch ein der heraus engagiert sich das gesam-
weiteres Hotel auslasten könnte. Au- te Team Tag für Tag, damit jeder Gast
ßerdem mussten wir befürchten, dass sich hier rundum wohl fühlt. Die be-
das »alte Bildungshaus« nicht als Ta- geisterten Rückmeldungen unserer
gungshotel angenommen wird. Und es Gäste beweisen uns, dass wir das
bestand die Gefahr, dass wir Stamm- überzeugend leben.
gruppen, die dem Haus viele Jahre die
Treue hielten, verlieren würden. Welche Ziele verfolgen Sie für das
Hotel?
Haben sich die Entscheidung und die Das Hotel darf sich jetzt nicht auf
Mühen dennoch gelohnt? seinen Erfolgen ausruhen. Deshalb
Ja, und darüber freue ich mich sehr! arbeiten wir weiter für eine noch
Wir konnten fast alle Stammgäs- bessere Auslastung der Hotelzim-
te halten – und wir bekommen von mer sowie der Seminarräume. Dazu
ihnen immer wieder schöne Rück- kommt, dass wir permanent die
meldungen über die neuen Möglich- Ausstattung an die gestiegenen Er-
keiten und die renovierten und um- wartungen der Gäste anpassen. Und
gestalteten Zimmer. Dazu konnten dann gibt es noch das Vorhaben, das
wir viele neue Gäste und Firmen hin- Hotel als »Green Hotel« zertifizieren
zugewinnen, aus Bereichen, die wir zu lassen. Hierzu arbeiten wir gerade
Heinrich Pesch Hotel
als reines Bildungshaus nicht hätten an Energieaspekten und probieren
erreichen können. Chancen aus, das Hotel noch nach- Frankenthaler Straße 229
haltiger zu betreiben. 67059 Ludwigshafen
www.heinrich-pesch-hotel.de
Anzeige
inpuncto. Herbst 2019 15»Wie möchte ich eigentlich mal sterben?
Was soll passieren, wenn ich selbst nicht
mehr entscheiden kann?« Über den eigenen
Tod und das eigene Sterben nachzudenken
Über die eigene und darüber zu sprechen, ist für viele Men-
schen mit Angst und Unsicherheit behaf-
Vergänglichkeit tet. Trotzdem kann niemand dem Thema
ausweichen. Das HPH bietet deshalb eine
sprechen
Veranstaltungsreihe an, die hilft, sich dem
Thema ganz persönlich und ohne Scheu zu
widmen.
W
enn du es dir aussuchen genau solche Themen aufgreift.«
Vortragsreihe: könntest: Wie stellst du Birgit Meid-Kappner leitet im HPH
»Wohlgeordneter Lebensabend dir deinen Tod vor? Was das Zentrum für Ethik, Führung
unter christlichen Aspekten« würdest du dir für deine letzten und Organisationsentwicklung im
Tage und Stunden wünschen?« Gesundheitswesen (zefog). »Das
Die Abende umfassen einen Vortrag mit Wenn man solche Fragen liest, Besondere an den Vorträgen ist,
anschließender Möglichkeit zum Gespräch. kommt man schnell ins Grübeln. dass sie ganz unbefangen mit dem
Vielleicht stellt sich auch Unsi- Thema Lebensende umgehen. Wir
05.11.2019, 19 bis 20:30 Uhr cherheit oder der Wunsch nach möchten zeigen: Der Tod gehört
»So sterben wir – Was wir über unser einem Themenwechsel ein. Trotz- zum Leben dazu, also können wir
Lebensende wissen sollten«
dem sind es Fragen, die gar nicht frei und offen darüber reden.«
Roland Schulz, Journalist und Autor,
so fernliegend ist. Sterben müssen Wie sieht ein guter Abschied
München
wir alle. Und doch sind Tod und die aus, was passiert eigentlich beim
eigene Vergänglichkeit alles ande- Sterben, welche Regelungen soll-
15.01.2020, 19 bis 20:30
»Was Palliativmedizin und Palliativpflege re als bequeme Themen. ten wir frühzeitig treffen, was kann
am Lebensende noch für uns tun können« »In den Fortbildungen für Fach- die Palliativmedizin leisten – und
PD Dr. Matthias Schuler, Facharzt für Innere kräfte aus dem Krankenhaus- und was nicht: Die Referenten sprechen
Medizin/Palliativmedizin am Diakonissen- Pflegebereich treffe ich viele Men- ganz verständlich und alltagsnah
krankenhaus Mannheim schen, die täglich mit Tod und Ster- über die wesentlichen Aspekte. Je-
ben zu tun haben. Was fast alle sa- der Vortragsabend gibt auch Raum
11.03.2020, 19 bis 20:30 Uhr gen: Es ist unverzichtbar, dass sich für Fragen und Austausch.
»Was wir am Lebensende regeln soll- jeder Einzelne Gedanken über den
ten – Fragen und Antworten zu einer eigenen Tod macht und beispiels-
verantwortungsvollen und gut weise eine Patientenverfügung ver-
informierten Nachlassregelung« fasst oder eine Vorsorgevollmacht
RA Michael Ramstetter, Mannheim
erteilt. Das entlastet den Einzel-
Birgit Meid-Kappner,
nen im Leben, im Ernstfall dann Leiterin des zefog, rät
18.06.2020, 19 bis 20:30 Uhr
auch die Angehörigen. Deshalb zu einer unbefangenen
»Von der Kunst des Sterbens«
haben wir für den Herbst 2019 und Auseinandersetzung
Prof. Dr. Traugott Roser, Münster
das erste Halbjahr 2020 eine Vor- mit der eigenen Ver-
tragsreihe ins Leben gerufen, die gänglichkeit.
16 inpuncto. Herbst 2019Den Mutigen winkt das Leben
M
Im Alltag aller Menschen gibt utig sein bedeutet: Wir brin- hätte für mich nach Kapitulation und
gen uns selbst ins Spiel. Wir Scheitern geschmeckt.
es zahlreiche Momente, die
machen uns emotional be- Wir haben jeden Augenblick neu
zur Mutprobe werden. Da rührbar; wir lassen uns auf etwas ein, die Wahl: Wir können am Ufer sitzen
wagt ein Student, in einem dessen Ausgang ungewiss ist. Und bleiben oder uns mit unserem Le-
wir gehen damit zugleich das Risiko bensschiff aufs Wasser hinauswagen.
Seminar eine Frage zu stellen, ein, enttäuscht oder verletzt zu wer- Natürlich lockt das sichere Ufer. Denn
auch wenn er sich dadurch den. Und das bedeutet auch: In dem dort haben wir festen Boden unter
Maß, in dem wir uns ins Leben hin- den Füßen. Wir vermeiden das Risiko,
die Blöße gibt, das Ganze
einwerfen, riskieren wir, dass wir uns zu kentern oder uns zu verletzen. Vor
nicht richtig verstanden zu Schrammen und blaue Flecken ho- allem aber könnten wir uns am Ufer
haben. Da möchte ein Pen- len. In dem Maß, in dem wir auf der weiterhin hingebungsvoll der Aufga-
Bildfläche des Lebens auftauchen, be widmen, die Sicherheitsstandards
sionär gerne einen Tanzkurs anstatt unter dem Radarschirm zu unseres Bootes zu perfektionieren.
besuchen, aber seine Furcht, fliegen, laufen wir Gefahr, dass wir Denn schließlich wollen wir ja eines
verletzt werden. Und dies ängstigt – Tages hinausrudern! Doch das Fatale
eine blöde Figur zu machen,
denn niemand will verwundet wer- ist: Wer auf ein »Rundum-sorglos-
hält ihn davon ab. Mut be- den! Paket« spekuliert, wartet auf den
ginnt nicht erst bei nobel- »Hast du keine Angst davor, zu Sankt-Nimmerleins-Tag!
scheitern?«, fragten mich die Studie- Beherzt leben können wir in je-
preisverdächtigen Großtaten renden bei meinem Abschied von der nem Maß, in dem wir unsere Angst
(die ohnehin höchst selten Universität. Mir war bei meinem Auf- wahrnehmen, verletzt zu werden.
bruch vor vielem bange. Zum Beispiel Wenn wir uns dieser Angst stellen,
vorkommen). Sein eigent davor, dass ich mich in der Ordens- und wenn wir ihr nicht die Deutungs-
liches Revier ist der konkrete gemeinschaft nicht heimisch fühlen hoheit über unser Leben geben. Ihr
Alltag! würde, oder dass mir der Lebensrah- nicht das letzte Wort überlassen.
men auf Dauer zu eng wird und die Kurz gesagt: Mut ist, wenn anderes
Luft abschnürt. Aber ich hatte nicht wichtiger wird als unsere Angst! Wer
die Befürchtung zu scheitern. Den mutig seine Angst durchwatet, wird
Aufbruch gar nicht erst zu wagen, das die Erfahrung machen: Ich spüre Le-
bendigkeit, wenn ich mich ins Tie-
fe wage und dem Strom des Lebens
überlasse. Solche Erfahrungen stär-
Foto © Manuela Holzer-Horny, www.picts.at
ken wiederum das Vertrauen hinaus-
zupaddeln. Gerade an einem Tag, der
Angst macht. Es ist das Leben selbst,
das fragt: Bist du mit an Bord?
Melanie Wolfers, Dr. theol., Mag. Phil.,
war Hochschulseelsorgerin in München
und trat 2004 in den Orden der Salvato
rianerinnen in Österreich ein. Seitdem
lebt sie in Wien und engagiert sich
vielfältig in der Beratungs- und Bildungs-
arbeit. Im Heinrich Pesch Haus war sie
bereits mehrfach als Referentin. Der
vorliegende Text ist ein Auszug aus ihrem
Buch »Trau dich, es ist dein Leben«
(bene! Verlag 2018).
inpuncto. Herbst 2019 17Geschichten
öffnen
Horizonte
Im September 2019 begeistert das Erzählfest wieder
Erwachsene und Kinder in der Metropolregion Rhein-Neckar.
Das Heinrich Pesch Haus veranstaltet zum achten Mal
dieses deutschlandweit einzigartige Festival. Geschichten beflügeln
die Fantasie, Fantasie
fördert die Kreativität
A
ltbekanntes hinterfragen, fan- öffnen Horizonte.« Es findet vom 15. von Menschen – mit
tasievoll und kreativ auch Un- bis 22. September 2019 an verschie- unserem Erzählfest laden
mögliches denken und so neue denen Orten der Metropolregion wir Sie auf eine Ent
deckungsreise ein!
Horizonte entdecken – das klingt statt.
Ulrike Gentner, stellvertretende
spannend, kann aber auch Unsicher- Im Mittelpunkt stehen wieder die
Direktorin des HPH
heit erzeugen. Wie oft im Leben trau- Kinder. Aber auch Erwachsene wer-
en wir uns wirklich, das Gewohnte den in dieser Woche angeregt, mit
hinter uns zu lassen und neu aufzu- den Geschichtenerzählerinnen und Zuhören und miteinan-
brechen? -erzählern aus aller Welt auf Reisen der reden, das müssen
»Aber genau das macht doch das zu gehen, hinter fremde Türen zu bli- wir, um gemeinsam un-
Leben reicher und lebenswert. Denn cken, ihrer Fantasie Raum zu geben sere Zukunft zu gestal-
wenn wir uns auf Neues einlassen, und »Unmögliches zu denken«. ten. Tauchen Sie beim
Erzählfest in Geschichten
können zum Beispiel Respekt und Tausende große und kleine Zuhö-
und Gespräche ein, eröffnen Sie sich
Miteinander wachsen«, betont Ulrike rer hat das Internationale Erzählfest
neue Perspektiven!
Gentner, stellvertretende Direktorin in den vergangenen Jahren begeis-
Karin Heyl, BASF SE,
des HPH. tert. 2017 waren es 8.400, davon
Corporate Citizenship
Eine solche Haltung und Einstel- 6.100 Kinder.
lung zum Leben kann nicht erzwun- »Wir sind froh, dass wir als lang-
gen werden – viel besser ist es, wenn jährigen Hauptsponsor wieder die
sie spielerisch und leicht wächst. Frei BASF SE für das einzigartige Erzähle-
erzählte Geschichten können dabei vent gewinnen konnten«, freut sich
ein Türöffner sein. Und deshalb lautet Ulrike Gentner. Finanzielle Unterstüt-
das Motto des VIII. Internationalen zung kommt auch von der Heinrich- Veranstaltungstipps
Erzählfestes Metropolregion Rhein- Pesch-Stiftung.
Neckar in diesem Jahr: »Geschichten Das Erzählfest wird am Sonntag,
15.09.2019, um 19.30 Uhr mit dem
Erzählabend »Querdenker und
Traumtänzer« eröffnet.
Weitere Veranstaltungen im
Heinrich Pesch Haus:
Samstag, 21.09.2019, 18 bis 22 Uhr:
Lange Nacht: Geschichten im
Park mit dem Titel »Hinter dem
Horizont«
Sonntag, 22.09.2019, 11 bis 17 Uhr:
Familientag zum Abschluss
Der Eintritt ist frei.
Das Programm des Erzählfestes
und viele weitere Informationen
finden Sie auf der Seite
18 www.die-welt-erzaehlt.de
inpuncto. Herbst 2019Impuls
Die kleine Maus
E
ine kleine Maus lebte einst in einem ruhigen Als die Maus das hörte, wurde sie nachdenklich. Was
Wald. Eines Tages jedoch hörte sie ein Rauschen, war der Wolf doch für ein schönes Tier! Und er war noch
das ihr vorher noch nie aufgefallen war. Neugie- dazu der Wächter des Berges. Und sie kleine Maus konn-
rig folgte sie dem Geräusch. Plötzlich stand sie an ei- te auch mit ihren Barthaaren einen Weg über den Bo-
nem riesigen Fluss. Ihr kleines Herz pochte heftig und den ertasten. Da kam sie aus ihrem Versteck und sprach:
sie war überwältigt von dem Anblick. »Woher kommt »Hier bin ich, grauer Wolf, und ich gebe Dir meine Au-
der nur?« fragte sie sich und lief flussaufwärts. Da teil- gen.« Kaum hatte sie das gesagt, da wurde ihr schwarz
te sich das Gras und sie stand vor einer weiten Ebene. vor Augen. Nichts als Dunkelheit. Sie hörte nur noch die
Der Fluss schlängelte sich hindurch zu einem hohen warme Stimme des Wolfes. »Ich danke Dir, kleine Maus.
Berg. Weit oben kreisten Adler. »Oh nein!«, dachte die Du hast mein Leben gerettet. Und nun komm.« Vorsich-
Maus, »wenn die mich sehen, bin ich Vogelfutter!« tig hob der Wolf die Maus auf seinen Rücken und brachte
Sie hatte furchtbare Angst und zitterte am ganzen sie zum Gipfel. Dort war ein klarer, tiefer See. Der Wolf
Leib. Aber die Neugier siegte. Sie huschte über die setzte die Maus ab und sprach: »Tauche in das Wasser.«
Ebene am Fluss entlang. Sie spürte einen Schatten Kaum hatte sie das getan, konnte sie wieder sehen!
über sich und hörte Flügel schlagen - aber sie rann- Da sah sie zum ersten Mal den Blick vom Berg. Die Weite
te weiter ohne Unterlass. Da! Ein Stein! Und schwups war erschreckend und atemberaubend schön. Die kleine
war sie in einem Loch, in der Erde unter dem Stein Maus kletterte auf den höchsten Stein. Der Wind zerrte an
verschwunden. Die Adler flogen davon, doch die klei- ihr. Sie sah die Adler kreisen, doch sie hatte keine Angst.
ne Maus blieb in ihrem Versteck. Da hörte sie eine »Spring!« sagte der Wolf. Und die kleine Maus schloss die
Stimme. »Was soll nur aus mir werden?« Es war ein Augen und sprang. Der Wind trug sie hoch. Sie flog. Sie
alter grauer Wolf mit trübem Blick. »Bald habe ich al- lachte. »Jetzt bist Du nicht mehr ›Kleine Maus‹,« rief der
les, auch mich selbst vergessen. Aber ich bin doch der Wolf ihr nach, »jetzt bist du ›Fliegende Maus‹!«
Wächter des Berges! Das einzige, was mir jetzt noch (Frei nach einer Geschichte aus Nordamerika)
helfen könnte, sind die Augen einer Maus.« Selma Scheele
In vielen Geschichten machen sich Heldinnen und Helden
auf einen ungewissen Weg. Dafür braucht es Mut. Und wir?
Wir f olgen ihnen dabei, fürchten uns mit ihnen und bangen
und hoffen mit ihnen gemeinsam. Das liebe ich an Geschichten!
Sie erlauben es uns mit den Figuren auf Reisen zu gehen.
Und wer weiß, vielleicht packt uns danach selbst der Wunsch
etwas Neues zu wagen. Denn wie sagte die Schriftstellerin
Susan Sontag so schön: »Mut ist genauso ansteckend wie Angst.«
Selma Scheele hat mit Susanne Tiggemann
die künstlerische Leitung des Erzählfestes
inne. Manchmal sind ihre Erzählungen mit
musikalischen oder bilingualen Klängen
verwebt – in ihren beiden Familiensprachen
Deutsch und Türkisch.
inpuncto. 19Heinrich Pesch Haus
Bildungszentrum Ludwigshafen e.V.
Frankenthaler Straße 229
67059 Ludwigshafen
Tel.: +49 621 5999-0
Fax: +49 621 517225
E-Mail: info@heinrich-pesch-haus.de
www.heinrich-pesch-haus.de
»Mut steht am Anfang
des Handelns,
Glück am Ende.«
Demokrit, griechischer Philosoph
смелéть
courage dânshí
la valentia il corragio
la fortitudeSie können auch lesen