Jugendraum 2|21 - Wirkung und evaluation
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jugendraum Kirchliche Jugendarbeit in der Erzdiözese München und Freising
2|21
Foto: Stockwerk-Fotodesign/Adobe Stock
Erzbischöfliches Jugendamt Thema BDKJ München und Freising
Wirkung und Qualität in der Das erwarten
Evaluation Jugendarbeit Jugendlicheinhalt jugendraum Kirchliche Jugendarbeit in der Erzdiözese München und Freising
jugen Kirchliche Jug
thema: Qualität in der Jugendarbeit Erzbischöfliches Jugendamt
barmherzig2016
Versöhnung
Jetzt! Wie geht das?
BDKJ München und Freising
Inklusion: Vielfalt im Verband
Erzbischöfliches Jugendamt
Maria #volldiegnade
Thema:
ERWACHSEN
Vorwort: Fünf Jahre #jugendraum magazin 3
Evaluation und Feedback 4-5
Qualität im Dialog 6
siebensachen 7
Grundvollzüge als Chance 8-9
BDKJ München und Freising
Tägliche Leitplanken 10
Statement: Wozu das Ganze? 11
Jugendarbeit – Gemeinschaft ist das was zählt 12-13
STICKER FOR YOU 14-15
Herbst-Diözesanversammlung – Diskussion zu Maria 2.0 16
PSG am Puls der Zeit 17
Mega-Segen zum Abschied! 18
BDKJ Personalien- neuer Diözesanausschuss 19
FSJ - Hinter den Kulissen 20
Juleica – Standards ja und nein 21
wegweiser 22-23
Mensch sag‘ mal – Sozialraum erkunden 24
Jugendgemäße Liturgie!?! 25
"Zauberformel" Participatio actuosa 26
gadgets 27
Impressum 27
waswannwo 28
2jugendraum 2|21
ndraum
gendarbeit in der Erzdiözese München und Freising
Liebe Leserinnen
und liebe Leser,
BDKJ München und Freising
N werden Bist Du politisch?
seit fünf Jahren gibt es das von BDKJ und Erzbischöflichem Jugendamt
gemeinsam verantwortete #jugendraum magazin! Es freut mich, dass
ich als BDKJ Diözesanvorsitzende, jetzt, kurz vor dem Jahreswechsel
jugendraum Kirchliche Jugendarbeit in der Erzdiözese München und Freising
2021/2022, mein erstes Vorwort an Sie und euch richten darf.
Seit 2016 widmete sich #jugenraum vielfältig, informativ und auch
kontrovers den unterschiedlichsten Schwerpunkten. Sie lauteten:
Versöhnung, Erwachsen werden, Mitbestimmung, Jugend & Pfarrei,
Schule – sowie Ehrenamt, Glauben, Nachhaltigkeit, Aufbruch und zu-
letzt Digitalität. Diese Themen zeigen, wie vielfältig unsere kirchliche
Jugend(verbands-)arbeit war und ist.
Im vorliegenden Heft dreht sich diesmal alles um die Qualität von
Jugendarbeit. Was bedeutet hier Qualität? Wie ist sie messbar? Welche
qualitativen Ansatzpunkte gibt es? Ein Thema, das uns alle angeht!
Erzbischöfliches Jugendamt ThEma BDKJ münchen und Freising
ehrenamt begleiten engagiert! 72-Stunden-aktion Freuen Sie sich/freut euch auf vielseitige, interessante Beiträge in
diesem #jugendraum magazin. Da es bis Weihnachten und ins neue
Jahr nicht mehr weit ist, wünsche ich Ihnen/euch ein frohes Fest und
ein gesegnetes neues Jahr 2022!
jugendraum Kirchliche Jugendarbeit in der Erzdiözese München und Freising
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Clipart: honzahruby/Adobe Stock
START
Erzbischöfliches Jugendamt ThEma BDKJ münchen und Freising
Jugendarbeit im Wandel AUFBRUCH Heute Zukunft gestalten
jugendraum Kirchliche Jugendarbeit in der Erzdiözese München und Freising
2|21
Jana Wulf
BDKJ Diözesanvorsitzende
Erzbischöfliches Jugendamt Thema BDKJ München und Freising
Wirkung und Qualität in der das erwarten
evaluation Jugendarbeit Jugendliche!
3Evalua
Foto: Rawpixel.com/Adobe Stock
Ein Werkzeug für die Qualitätsentwicklung in der kirchlichen Jugendarbeit
Qualität und Qualitätsentwicklung in der kirchlichen Jugendarbeit haben über die Jahre hinweg an
Bedeutung gewonnen. Dabei veränderte sich der Fokus weg von der reinen Leistungsorientierung
hin zu einer Ziel- und einer Wirkungsorientierung. Ein Mittel, das in diesem Qualitätsentwicklungs-
prozess mittlerweile immer häufiger zum Einsatz kommt, ist die Evaluation.
Unter Evaluation versteht man grund- begleiten. Zudem unterstützt sie die für Evaluation (DeGEval) definiert ein
sätzlich eine systematische, auf Daten Beteiligten vor, während und nach Programm als ein „zielgerichtetes
beruhende Beschreibung und Bewertung der Datenerhebung dabei, die gelebte Vorhaben, das auf Basis eines Kon-
von Gegenständen der sozialen Wirklich- Praxis gezielter, effizienter und befriedi- zepts planvoll Aktivitäten durchführt,
keit. Anders als bei der Reflexion oder gender für möglichst viele Beteiligte und die zu bestimmten Wirkungen führen
dem Feedback, die alltäglich genutzte besonders für die Zielgruppen auszuge- sollen“. Hierunter fallen in der kirchli-
Methoden in der kirchlichen Jugendar- stalten. chen Jugendarbeit alle Veranstaltungen,
beit sind, ist die Evaluation umfassender Bildungsmaßnahmen, Ferienfreizei-
und tiefergehend angelegt. Sie basiert Im Fokus von Qualitätsentwicklung ten, Projekte, etc. Außerdem können
auf klaren wissenschaftlichen Stan- auch Materialien und Medien evaluiert
dards. Diese erlauben es den Auftrag- Leistungsorientierung: Was tun wir? werden. Da Programme in der Regel sehr
gebern anhand von Datenerhebung, Zielorientierung: Welches Ergebnis unterschiedlich in Umfang, Aufwand
-auswertung und Berichterstattung streben wir an? und Zielgruppe sind, gilt es vor Beginn
eine fundierte und möglichst objektive der Evaluation klare Evaluationsziele zu
Wirkungsorientierung: Was wollen
Perspektive auf die untersuchte Maß- definieren. Nur so können die relevanten
wir mit unserer Arbeit oder unserem
nahme zu erhalten. Daraus können dann Daten erhoben und aufbereitet werden,
Einsatz bei wem verändern?
entsprechende Schlussfolgerungen die entscheidend für entsprechende
gezogen werden. Schlussfolgerungen sind.
Was wird evaluiert?
Evaluation in der kirchlichen Jugend- Evaluationsziele
arbeit bedeutet damit mehr als nur Im Bereich der kirchlichen Jugendarbeit
Daten zu erheben. Ihr Anspruch ist es findet meist eine Programmevaluati- In der Regel zeichnen sich zwei Schwer-
den gesamten Prozess umfassend zu on statt. Die Deutsche Gesellschaft punkte für eine Evaluation ab:
4jugendraum 2|21
ation
1. Ein Programm wird evaluiert, um die-
ses schrittweise zu stabilisieren oder
zu verbessern. Ist dies der Fall wird
in der Evaluationstheorie von einer
formativen Evaluation gesprochen.
was ist das?
Selbstevaluation
Fremdevaluation
Die Personen, die für die Programmplanung und -umset-
zung zuständig sind, sind für die Evaluation verantwort-
lich.
Evaluation, bei der die Evaluierenden nicht an Entwick-
lung, Umsetzung oder Management des Evaluationsge-
2. Ein Programm wird evaluiert, um Ent- genstands beteiligt sind. Die Rollen Evaluierende und
scheidungen treffen können, ob dieses Programmverantwortliche sind hier also im Gegensatz
fortgeführt, beendet, ausgeweitet oder zur Selbstevaluation getrennt. Diese kann als interne
oder externe Evaluation realisiert werden.
verkleinert, etc. soll. Hier spricht man
dann von einer summativen Evaluation. Externe Evaluation, bei der die Evaluierenden nicht der Organi-
sation angehören, die für den Evaluationsgegenstand
Evaluation
Formen der Evaluation verantwortlich ist. Ist immer eine Fremdevaluation, aber
nicht dazu synonym, da Fremdevaluationen auch intern
Neben der Definition der Evaluationsziele realisiert werden können (z.B. durch andere Organisati-
muss geklärt werden, welche Form der onseinheiten im Rahmen einer „in-house-evaluation“).
Evaluation genutzt werden soll. Jede
Interne Evaluation, bei der die Evaluierenden derselben Orga-
Form hat ihre Vor- und Nachteile. Da die nisation angehören, die für den Evaluationsgegenstand
Durchführung einer Evaluation aber im- Evaluation
verantwortlich ist. Kann als Selbstevaluation oder Frem-
mer eine Ressourcenfrage ist, wird in der devaluation („in-house-evaluation“) realisiert werden.
kirchlichen Jugendarbeit überwiegend
die Selbstevaluation, manchmal auch die
interne Evaluation genutzt. nagements, das die Prozesse in den Blick BDKJ einher. Evaluation ist also vor allem
nimmt und Handlungsempfehlungen zukunftsorientiert und kann wesentlich
Nutzen von Evaluation sowie Veränderungsvorschläge für (wei- zum Erfolg eines Programms beitragen.
tere) Maßnahmen liefert. So wurde die
Evaluation ist mehr als ein Soll-Ist-Ver- traditionelle Jugendkorbinianswallfahrt
des Erzbistum München und Freising
Monika Godfroy
gleich oder eine reine Erfolgskontrolle,
auch wenn sie diese Kontrollfunktion 2017 für eine Neuausrichtung intensiv Pädagogin M.A.
durchaus innehaben kann. Evaluation evaluiert. Eine umfassende Evaluation Projektleiterin Prävention
in der kirchlichen Jugendarbeit dient vor des Formats ging 2013 und 2019 auch mit im Erzbischöflichen
allem als Instrument des Qualitätsma- der bundesweiten 72-Stunden-Aktion des Jugendamt München
und Freising
5Qualität im Dialog
Im Spannungsfeld der Erwartungen –
Qualitätsentwicklung in der offenen Jugendarbeit
Offene Jugendarbeit – das bedeutet unterschiedlichste Interessen Beteiligter, definierte Strukturen
und eine Vielzahl von durchaus konträren Erwartungen. Wer für die Qualität der Angebote entschei-
dend sein sollte, beleuchtet Markus Bloch, Bereichsleiter Offene Jugendarbeit und Schulsozialarbeit
im Erzbischöflichen Jugendamt München und Freising.
Qualitätskriterien für Dienstleistungen zu bestimmen fällt Ehrenamtliche sind unterschiedlichen Qualitätserwartungen,
nicht schwer. Wer ein Restaurant besucht oder das Auto in die gewünschten Effekten und Wirkungen aber auch einem Legiti-
Werkstatt bringt, wird längst über digitale Plattformen auf mationsdruck ausgesetzt. Dabei haben sie gleichzeitig selbst
dem Weg zum optimalen Service geleitet. Im Profit-Bereich einen Anspruch auf entsprechende Rahmenbedingungen, um
geht es dabei um Umsätze, Kundenbindung, Wachstum. erfolgreich agieren zu können.
Kurz gesagt: um den Unternehmenserfolg. Wie gestaltet sich
jedoch die Erfolgsmessung im Non-Profit-Bereich? Für die Wirksamkeit definieren
Offene Jugendarbeit als Dienstleistung, findet diese im Span-
nungsfeld unterschiedlichster Erwartungen statt. Eindeutige Um Wirksamkeit zu definieren, gilt es zunächst gewünschte
Erfolgs- und Qualitätskriterien lassen sich scheinbar nur Effekte, also Wirkungsziele zu formulieren, um mit Blick auf
schwer bestimmen. diese, attraktive nachhaltige Angebote zu schaffen. In diesem
Kontext geht es für Hauptberufliche darum, sich mit deren
strukturellen Anforderungen sowie mit deren Ausgestaltung
Vielschichte Interessenlage zu beschäftigen. Die notwendigen Prozesse und Ziele sind
zu beschreiben, damit Jugendliche diese Angebote aktiv
• Träger richten sich fachlich nach ihrem Leitbild aus mitgestalten.
Fotos Messschieber: Alexstar/Adobe Stock, Werkstatt: Syda Productions/Adobe Stock
• Zuschussgeber und Lokalpolitik verfolgen kommunale Inter-
essen und sind primär an Kosten und Wirkung interessiert Wichtig ist die Perspektive
• die Zielgruppe hat spezifische Bedürfnisse und Interessen
Die Zielgruppe hat Qualitätsansprüche, die ernst zu nehmen
Hinzu kommen Strukturprinzipien der Offenen Jugendarbeit, sind. Oft werden Kinder und Jugendliche aber nicht in der
z.B. die Freiwilligkeit des Angebots. Dadurch lassen sich Entwicklung von qualitativen Angeboten einbezogen. Es
Entwicklungen nicht immer vorhersehen. Fachkräfte und gilt also deren Perspektive bei der Qualitätsentwicklung zu
berücksichtigen.
Daher braucht die offene Jugendarbeit einen partizipativen
Prozess und den Dialog, in dem Qualität immer wieder neu
Markus Bloch ausgehandelt wird. Denn Bedarfe und Interessen ändern sich.
Dipl. Sozialpädagoge, Bereichsleiter Eine regelmäßige Reflexion des pädagogischen Angebots aus
Offene Jugendarbeit und Schulsozialarbeit dem Blickwinkel der „Kunden/innen“, führt zu einer laufen-
Erzbischöfliches Jugendamt den Weiterentwicklung, die wirksame und erfolgreiche offene
München und Freising Jugendarbeit ermöglicht.
6jugendraum 2|21
siebensachen
Diesmal geht’s bei #siebensachen um?
Die erste Kirche am
Fotos: Hl. Silvester: heiligenlexikon, Petersdom: ptra/pixabay, Rucksack: monticellllo/Adobe Stock, Waldläufer: KJS Bogenhausen – Robert Dembinski, Haustiere: Ermolaev Alexandr/Adobe Stock, Schriftrolle: viktoriagavril/Adobe Stock, Krone: nickolae/Adobe Stock, Wunderkerzen: Shreejith/Adobe Stock
heutigen Petersplatz
wurde in meinem
Auftrag gebaut.
Als junger Christ wurde
Hl. Silvester I. (285 bis 31.12.335): ich verfolgt und muss-
Erster Papst nach der Christenver- te mich in einer Höhle
folgung im frühen Mittelalter und verstecken.
Patron des Jahreswechsels.
Ich habe Kaiser
Konstantin gerettet
und durfte nun,
wie der Kaiser,
Mein Name bedeutet
eine Krone
Waldmann – da bie-
tragen.
tet sich die Rolle
des Waldläufers in
Rollenspielen an.
Als Heiliger sorge ich mich um das
Wohl der Haustiere und um gutes
Futter für die Tiere.
Für mich wurde eine gefälschte Urkunde
erstellt: Dem Bischof von Rom wurde dort Gute Vorsätze für
vom Kaiser die Stadt Rom und das ganze ein neues Jahr:
Abendland geschenkt. Bitte im Gebet
direkt an mich!
7Grund-
vollzüge
als Chance
Potenzial für kirchliches Handeln in der Jugendpastoral
Verkündigung, Liturgie, Diakonie, Gemeinschaft: Das sind die „Grundvollzüge“ der Kirche. Sie
beschreiben, was die Kirche ausmacht. Allerdings gibt es keinen eindeutigen Beleg für diese vier,
in der Kirchengeschichte schwankt ihre Zahl. Für das kirchliche Selbstverständnis sind sie immer
noch entscheidend. Welches Potenzial haben sie für die Jugendarbeit?
Vor der Antwort auf die anfangs ge- wird (Diakonie), entsteht sie immer neu. […] sind dazu berufen, Kirche zu sein und
stellte Frage steht zunächst fest: Alle Das passiert unter anderem in Grup- Kirche mitzugestalten. Sie sind deshalb
vier werden in der Jugendarbeit bereits penstunden, im Zeltlager oder bei der nie nur Adressaten kirchlicher Heilssor-
selbstverständlich gelebt. Verkündigung, Internationalen Ministrantenwallfahrt. ge, sondern immer auch eigenständig
das kann ein ausformuliertes Glaubens- Gemeinschaft ist Ausgangs- und Ziel- Handelnde.“ Auch bei den Grundvollzü-
zeugnis eines jungen Menschen oder das punkt zugleich. gen geht es also darum, junge Menschen
immer wichtiger werdende authentische zu begleiten und zu befähigen, diese
„Zeugnis ohne Worte“ sein, das viel- Mögliche (weiterhin) selbst zu verwirklichen – und
leicht jemanden zum Nachdenken bringt. Missverständnisse nicht darum, ihnen aktiv etwas anzubie-
Liturgische Formen von und mit jungen ten, was sie dann passiv empfangen.
Christen werden immer vielfältiger: Werden die Grundvollzüge konzeptionell
Jugendgottesdienste, Taizé, der ökumeni- auf Jugendarbeit angewendet, können
sche Jugendkreuzweg, Online-Andachten zwei Missverständnisse entstehen. Das Literatur
und vieles mehr. Jugendliche Diakonie hat erste wäre eine Rückkehr in die Angebots- Die deutschen Bischöfe (1991):
nicht nur große Aushängeschilder wie die logik. Dann würde die Frage lauten, inwie- Leitlinien zur Jugendpastoral, Bonn.
72-Stunden- oder die Sternsinger-Aktion. fern Jugendlichen jeweils etwas aus dem Haslinger, Herbert (2006): Wie grund-
Auch persönliches, nicht institutiona- Bereich eines bestimmten Grundvollzugs legend sind die Grundvollzüge? Zur
lisiertes Engagement zählt dazu, zum angeboten wird. Die jungen Menschen
Illustration: Olivier Le Moal/Adobe Stock
Notwendigkeit einer pastoraltheologi-
Beispiel klimabewusst einzukaufen. würden so zu Objekten und nicht mehr schen Formel. In: Lebendige Seelsor-
Subjekten der Jugendarbeit. ge 57, S. 76-82.
Schließlich stellt die Gemeinschaft
Höring, Patrik C. (2017): Jugendlichen
(Koinonia) für Jugendarbeit den entschei- Dabei gilt uneingeschränkt, was die deut-
begegnen. Arbeitsbuch Jugendarbeit
denden Faktor dar. Wenn der Glaube schen Bischöfe schon vor dreißig Jahren
(Praktische Theologie heute 152).
gemeinsam gelebt (Verkündigung), ge- in ihren Leitlinien zur Jugendpastoral fest-
Stuttgart.
feiert (Liturgie) und praktisch umgesetzt gehalten haben: „Die Jugendlichen selbst
8jugendraum 2|21
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Foto: Alexey Astakhov/Adobe Stock
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Kuchenstück-Logik dem Blick geraten, die nicht unmittel- jemand mit einer spirituellen Sehn-
bar einem Vollzug zugeordnet werden sucht einen Raum dafür? Wissen junge
Das zweite Missverständnis wäre eine können. Zwar kann man die Begriffe Menschen, die sich praktisch für andere
Kuchenstück-Logik. Die Grundvollzüge dehnen und etwa Bildungsarbeit je engagieren wollen, dass das dort mög-
werden darin als gleichgroße Stücke nach Argumentation als Verkündigung lich ist? Können Jugendliche offen von
betrachtet, die zusammengenommen oder Diakonie sehen. Aber die Gefahr ihrem Glauben erzählen? So verstanden
ein Ganzes ergeben, das es zu erreichen ist groß, dass ein solcher, weniger können die Grundvollzüge helfen, den
gilt. Die Grundvollzüge sind aber keine eindeutiger Bereich längerfristig unter oder die Einzelnen und seine Bedürfnis-
statischen, sondern dynamische Grö- den Tisch fällt. Ebenso könnten neue, se in den Mittelpunkt zu stellen und der
ßen. Das wird mit Blick auf die Praxis innovative Projekte in einer streng auf Ganzheitlichkeit des Glaubens im Span-
Jesu sichtbar. Wenn er den Emmaus- die Grundvollzüge ausgerichteten Kon- nungsfeld von Denken und Handeln,
Jüngern die Heilige Schrift erklärt, zeption nicht genug Berücksichtigung Fühlen und Leben gerecht zu werden.
ihnen dabei Gemeinschaft leistet und finden.
mit ihnen Mahl feiert, dann kann man
nicht mit der Stoppuhr messen, wann Grundvollzüge
welcher Vollzug aufhört und der andere als Kompass
beginnt. Die Grundvollzüge durchdrin-
gen einander. Eine Chance sind die Grundvollzüge
für die Jugendarbeit, wenn sie nicht als
Nicht alleiniger Maßstab unbewegliche und allein entscheidende Theresia Kamp
Größen, sondern als Kompass gesehen
Auch wenn die Grundvollzüge zur Kirche werden. So könnte sich ein Team kri- Wissenschaftliche Mitar-
beiterin an der Professur
gehören, eignen sie sich wohl nicht als tisch reflektieren und fragen, inwieweit
Porträt: privat
für Pastoraltheologie der
alleiniger Maßstab in der Jugendarbeit. die Grundvollzüge am jeweiligen Ort Katholischen Universität
Dadurch könnten nämlich Bereiche aus erkennbar und spürbar werden. Findet Eichstätt-Ingolstadt
9Tägliche
Leitplanken
Jugendverbände in der Logik der Grundvollzüge
Die Grundpfeiler der inhaltlichen Strategie im Erzbistum Es geht darum Barrieren abzubauen, auch finanzielle, damit
München und Freising sind die Grundvollzüge der Kirche. Die möglichst viele junge Menschen an den unterschiedlichen
Jugendverbände im BDKJ München und Freising diskutierten Maßnahmen teilnehmen können. Es geht um die Schaffung
im Rahmen der BDKJ-Abendreihe „Zukunft ist JUNG!“ über von Freiräumen, in welchen sich junge Menschen ausprobie-
mögliche Anknüpfungspunkte ihrer Arbeit zu den Grundvoll- ren können.
zügen.
Spiritualität
Jugend in Gemeinschaft
Die katholischen Jugendverbände sind spirituell, sie sind
Jugendverbandsarbeit lebt vom Miteinander. Es geht darum katholisch. Sie wollen Kirche in der Lebenswelt von Kindern
zusammen Projekte zu entwickeln, gemeinschaftlich etwas und Jugendlichen sein. Es ist das, was sie ausmacht und
auf die Beine zu stellen und an einem Strang zu ziehen. sie von anderen Jugendverbänden unterscheidet. Bei allen
Coinonia ist das, was Jugendarbeit prägt. Ob im Zeltlager, in Veranstaltungen sind deswegen spirituelle Momente nicht
einer Sitzung der Arbeitsgemeinschaft Spiritualität oder in wegzudenken.
der Gruppenstunde. Das Besondere an Jugendverbandsarbeit
ist, dass sich jede*r einbringen kann, auf seine*ihre Art und Durch Haltung verkünden
Weise.
Die Martyria wird durch Handeln und Haltung sichtbar. Werte
Für andere einstehen sollen das Handeln leiten und diese Werte sollen auch klar
aus dem Verhalten ableitbar sein. Das zeigt sich unter an-
Ein zentrales Element ist füreinander und andere einzuste- derem im Rahmen eines Tür- und Angelgesprächs mit einem
hen. Der BDKJ versteht sich deswegen nicht nur als Dach- son- Jugendlichen. Gemeinsam wollen die kirchlichen Jugend-
dern auch als Spitzenverband. Ob es ein inklusives Projekt verbände Zeugnis ablegen und tun es, indem sie sich als
der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) ist, eine Botschafter*innen Christi verstehen.
Altkleidersammlung der Katholischen Landjugendbewegung
(KLJB) oder eine bundesweite Sozialaktion wie die 72-Stun- Die Grundvollzüge bilden für die katholische Jugendver-
den-Aktion, hier sind die katholischen Jugendverbände diako- bandsarbeit Leitplanken ihrer Arbeit. Unsere Angebote sind
nisch tätig. täglich geprägt von coinonia, diakonia, liturgia und martyria.
Foto: Bildagentur-o/Adobe Stock
Jana Wulf
BDKJ
Diözesanvorsitzende
10jugendraum 2|21
Wozu das Ganze?
Der BDKJ Diözesanvorstand blickt auf die von April bis September durchgeführten Arbeitsfeld-
Treffen im Rahmen des Strategieprozesses der Erzdiözese München und Freising zurück. Als
Vertreter*innen für „die Jugend“ nahmen Jana Wulf, Marco Gnacy und BDKJ Präses Richard Greul
an sechs Sitzungen des Arbeitsfelds „Kirche vor Ort – Seelsorge nach Lebensalter“ teil.
Marco Gnacy Jana Wulf Richard Greul
ehrenamtlicher BDKJ Präses
BDKJ Diözesanvorsitzender Diözesanvorsitzende BDKJ München und Freising
Den Veranstaltenden gelang es Die Arbeitsfeld-Gruppe mit uns Mit 25 Wirkungskriterien wurden
in den Arbeitstreffen nicht, klar drei Jugendvertreter*innen war innovative und vorhandene Ange-
zu sagen, worum es konkret zwar vielfältig aufgestellt, wenig bote priorisiert. Generell wäre für
geht. Die Stoßrichtung blieb präsent waren aber Menschen mich eine solche Wirkungsmes-
für mich über viele Sitzungen von außerhalb der Kirche. Wir- sung schwierig, wenn davon Grund-
hinweg unklar. Ernüchterung kungsmessung kann meines Er- aufgaben, wie die Sakramente
machte sich bei mir breit, als achtens nur funktionieren, wenn betroffen wären. Denn diese dürfen
deutlich wurde, dass keine nicht immer nur die „eigenen“ keinesfalls zur Disposition stehen.
großen Entscheidungen zu fällen Leute befragt werden. Sozial-
sind, sondern diese durch den räumliches Arbeiten bedeutet, Positiv war, dass allen bewusst
Lenkungskreis bereits gefallen dass auch „Außenstehende“ zu sein scheint, dass im Bereich
sind bzw. von diesem getroffen besprechen, wie sie die Wirkung Jugend nicht gespart werden
werden. wahrnehmen. Es braucht eine kann. Denn junge Menschen sind
ehrliche Bedarfsanalyse und eine die Zukunft dieser Kirche! Jugend-
Problematisch war auch die viel stärkere Feedbackkultur, die arbeit muss weiterhin sowohl in
durch das Beratungsunterneh- man sich von den Jugendverbän- der Pfarrei als auch auf Kreis- und
men PWC vorgegebene Sprache, den sehr gut abschauen könnte. Diözesanebene möglich bleiben
mit der viele Teilnehmende nur und finanziert werden.
schwer zurechtkamen. Hilfreich Innerhalb des Arbeitsfeldes wur-
war, dass die Wirkungskriterien de uns immer wieder vermittelt, Für uns ist klar, dass sich der
in Fragen umformuliert wurden. dass die Jugend vielen am Herzen BDKJ München und Freising und
liegt. Erfreulich für den BDKJ war seine Kreis- und Mitgliedsver-
Sinnvoll wäre gewesen, den die Reaktion auf die sechs Diskus- bände weiterhin intensiv am
Strategieprozess von unten nach sionsabende „Zukunft ist JUNG“, Gesamtstrategieprozess beteiligt
oben durchzuziehen, also von die einzige Rahmenveranstaltun- und sich für die Belange der Kin-
den Pfarrgemeinden ausgehend. gen zu den Arbeitsfeld-Treffen. der und Jugendlichen einsetzt.
11Jugendarbeit
Gemeinschaft, ist da
Für die Attraktivität von Angeboten kirchlicher Jugenda
und entspannt zugeht, man andere junge Menschen ke
So kommen Veranstaltungen bei Jugendlichen an
Einladung und diesen automatisch für Freigetränke
wieder einlösbar zu machen.
Die Einladung ist der Türöffner für das
Angebot. Jungen Menschen genügt dabei Es braucht Räume, die sich junge
eine übersichtliche Gestaltung, sie brau- Menschen aneignen können. Gerne mit
chen keine Schnörkel und bitte keine Sofas und Sitzmöglichkeiten - möglichst
„Jugendslang“-Wörter, außer die Aus- gemütlich. Denn sonst fällt es schwer mit
schreibung wurde wirklich von Jugendli- neuen Leuten ins Gespräch zu kommen.
chen gestaltet. Überflüssig sind Anmel-
dungen in Papierform, allerdings muss Insbesondere im Winter ist eine einfache
die digitale Variante am besten direkt Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmit-
am Handy ausfüllbar sein. Hervorragend teln wichtig, damit die Teilnehmer*innen
ist es, wenn ein Link zur Website und zu gut und sicher nach Hause kommen.
einer digitalen Karte eingebaut ist.
Thema
Eltern
Junge Menschen wollen auf Augenhöhe
Die Zielgruppe ist in vielen Fällen min- wahr- und ernstgenommen werden.
derjährig, deshalb ist es bei der Eltern- Wenn junge Menschen für andere junge
arbeit wichtig, dass die Informationen Menschen etwas anbieten, ist das sehr
deutlich formuliert sind und klar ist, authentisch. Wichtig ist es, die Zielgrup-
dass ausgebildete Jugendleiter*innen pe zu fragen, worauf sie Lust hat und
dabei sind. Gerade bei mehrtägigen Akti- die Jugendlichen dann in die Planung
onen, wie einem Zeltlager, ist es sinnvoll miteinzubeziehen. Das Angebot sollte
einen Elternabend zu veranstalten, um „offen“ sein, um Austausch und Kennen-
dort Fragen und Bedenken zu klären. lernen zu erleichtern – mitmachen oder
zuschauen, beides ist ok.
Infrastruktur
Veranstaltungsende
Enorm wichtig ist eine gut gepflegte
Homepage mit Fotos der Ansprech Schön kann ein offenes Ende sein. Das
partner*innen. Dazu kommt, dass eine Angebot, nach dem Ausflug zur Alpaka-
funktionierende, mobile Ansicht der Farm den Abend in der Jugendstelle
eigenen Homepage unerlässlich ist. ausklingen zu lassen, ist perfekt. Gegen
Ende kann gerne gefragt werden, wie es
Foto: Mittelpunktonline/jugendfotos.de
Bei einer Abendveranstaltung brauchen den Teilnehmer*innen gefallen hat. Aber
Jugendliche neben Getränken auch et- bitte anschließend keinen Fragebogen
Johannes Rohleder was zu essen! Generell gilt: Kostenlos ist verschicken, sinnvoller ist ein Flipchart-
attraktiv, führt aber auch zu einer größe- papier mit Stiften oder ein Korb mit
Erzieher ren Unverbindlichkeit. Eine Lösung kann unterschiedlichen Smileys, aus denen
Kursleiter sein, einen kleinen Betrag zu erheben ausgewählt werden kann.
KjG München und Freising
Mehr unter www.jugendraum-magazin.de
12jugendraum 2|21
as was zählt
arbeit ist aus dem Blickwinkel Jugendlicher entscheidend, dass es dabei locker
ennenlernt und mit Freunden Zeit verbringen kann.
Wann und warum ist ein Angebot der Jugendarbeit für dich so interessant, dass du gerne hin gehst? fragte
#jugendraum in BDKJ und Pfarreien engagierte Jugendliche im Alter von 15 und 16 Jahren. Dabei ging es
nicht um eine konkrete Veranstaltung, sondern um die ganze Bandbreite katholischer Jugendarbeit.
Ein Pfarreifest nach einem Für mich ist das interessant,
Gottesdienst, bei dem man viele Spiele wenn es mich von der Thematik her
spielen kann, wie Sackhüpfen oder Fußballspielen. bzw. wenn der Anlass mich interessiert
Wo man zusammen isst und redet. Da gehe ich und wenn Leute dabei sind, mit denen
immer gerne hin, weil man mit Freunden ich gut klarkomme.
immer viel Spaß hat.
Basti, 16 Niklas, 15
Für mich ist es definitiv der
Zusammenhalt mit Leiter*innen. Die
Am liebsten, wenn ich Gemeinschaft und Erfahrungen, die
die Möglichkeit habe, neue Leute vor sich dort sammeln lassen.
allem über eine längere Zeitspanne kennen-
Für mich ist ein Angebot
zulernen. Wenn ich vielleicht Erfahrungen
der Jugendarbeit interessant, wenn ich
sammeln kann, die ich sonst durch Noreen, 16 weiß, dass es nicht so streng gehalten
Schule und andere Ausbildungen
wird, sondern Spaß macht und
nicht bekomme.
locker, entspannt ist.
Für mich ist eigentlich alles cool.
Richard, 15
Ich finde das Zeltlager cool, aber auch Marietta, 16
einfach mit denen aus der Pfarrei zu chil-
len. Ich mag es einfach mit ihnen Zeit zu
verbringen. Weil ich Ministrant bin,
beantworte ich es für den Gottesdienst.
Also, ich mag es, wenn es danach noch etwas
Bei Jugendaktionen
Melli, 16 gibt, was man gemeinschaftlich macht. Zum Bei-
sind es die beteiligten Menschen und
spiel etwas zu essen oder auch nur Getränke,
Freunde, die ausmachen, ob ich hingehe
aber auch, wenn es noch ein Fußballspiel
oder nicht. Also, wenn ich mit guten
oder ähnliches gibt.
Freunden etwas unternehme und
dabei andere kennenlernen kann,
finde ich es super.
Raphael, 16
Kathi, 16 Umfrage des BDKJ München und Freising bei Kreis- und Jugendverbänden im Sommer 2021.
13Haltet am Glauben fest,
Haltet am Glauben fest,
seid mutig und stark.
seid mutig und stark.
(1 KOR 16, 13)
(1 KOR 16, 13)
14jugendraum 2|21
Gestaltung Maria Naber
© Erzbischöfliches Jugendamt München und Freising
Gestaltung Maria2021
Naber
Einheitsübersetzung der Heiligen© Schrift
ErzbischöflichesKatholische
© 2016 JugendamtBibelanstalt
München und 15
Freising
GmbH, 2021
Stuttgart
Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, StuttgartDiskussion zu
Maria 2.0
Nicht mehr rein digital, aber auch noch nicht wieder komplett im Jugendhaus Josefstal – zur ersten
„hybriden“ Herbst-Diözesanversammlung trafen sich Mitte Oktober Delegierte in Präsenz plus online
zugeschaltete Mitglieder. Dabei standen der Strategieprozess im Erzbistum und im Studienteil die
Thesen der Initiative Maria 2.0 im Mittelpunkt.
„Ein Anfang ist gemacht und diese Diskussion, die zum großen lange der Kinder und Jugendlichen im
BDKJ Thema Gleichberechtigung zählt, bereichert uns sehr“, Gesamtstrategieprozess „Kirche
so BDKJ Diözesanvorsitzende Jana Wulf zum Studienteil. Die gestalten – Wirkung entfalten“
sieben Thesen der Initiative Maria 2.0, bei denen es um eine einsetzen wird.
offene und zukunftsfähige Kirche geht, wurden ausgiebig
betrachtet und sowohl mit der kirchlichen Lehrmeinung als In diesem Zusammenhang
auch mit den Gegenthesen von Maria 1.0 verglichen. Zentrale stellt der Bund der Deut-
Diskussionspunkte waren dabei die Aspekte: Gleichberech- schen Katholischen Jugend
tigung, Machtteilung, Aufklärung von Missbrauch sowie die (BDKJ) klare Forderungen,
Freiwilligkeit des Zölibats. u.a., dass junge Menschen an
allen Prozessen beteiligt werden
Beschlossen wurde dann, die sieben Thesen der Initiative Maria müssen und dass die Ergebnis-
2.0 zu unterstützen. "Wir sind überzeugt, dass sich unsere Kir- se des Gesamtstrategieprozesses
che als Gemeinschaft der Gläubigen in einem ständigen Wandel hinsichtlich der Ergebnisse des Arbeits-
befindet und mit unserer Unterstützung mutige und notwendige felds „Kirche vor Ort: Seelsorge nach
Entscheidungen treffen muss, damit sie zukunftsfähig, lebens- Lebensalter“ kritisch überprüft werden. „Jede
nah, glaubhaft und authentisch bleibt", heißt es im Beschluß. Politik ist Jugendpolitik.“ bekräftigte Jana Wulf
im Rahmen der Einführung in den Antrag. „Das gilt
Nicht nachlassen auch für jede Kirchenpolitik.“
Zudem beschloss der BDKJ München und Freising, dass sich der Jubiläumsjahr 2022
Dach- und Spitzenverband weiterhin bei Erzbischof Reinhard
Kardinal Marx, Generalvikar Christoph Klingan, Amtschefin Dr. 2022 steht für den BDKJ München und Freising ein Jahr der
Stephanie Herrmann, Msgr. Thomas Schlichting, Ruth Huber und Jubiläen an – 60 Jahre Ecuador-Partnerschaft, 75 Jahre BDKJ,
dem Lenkungskreis des Gesamtstrategieprozesses für die Be- 40 Jahre Internationale Jugendbegegnung Dachau und 80 Jahre
Jugendkorbinianswallfahrt – man darf auf die Aktivitäten dazu
gespannt sein.
Claudia Hoffmann Die Herbst-Diözesanversammlung zeigte, u.a. in den Pau-
sengesprächen, beim „Stüberl“ und dem Gottesdienst, dass
Öffentlichkeitsreferentin alle, die dort waren, die Präsenzveranstaltung im Jugendhaus
BDKJ München und Freising Josefstal genossen. Die nächste BDKJ Diözesanversammlung
kann hoffentlich für alle am 25. und 26. März 2022 in Präsenz
stattfinden!
16jugendraum 2|21
PSG
amPuls
Foto: Lisa Kötter, Maria 2.0, Münster; Porträts: privat
derZeit
Die Pfadfinderinnenschaft St. Georg (PSG) München und Freising steht für eine parteiliche Mädchen-
und Frauenarbeit in der Kirche. Im Verband erleben Pfadfinder*innen Vorbilder und Wegbegleite-
rinnen* und entdecken in Gemeinschaft Spiritualität und Glauben aus weiblichen Perspektiven. So
entstehen neue Antworten auf alte Fragen und gegenwärtige Herausforderungen.
Maria 2.0 was heiSSt das? Periodenarmut bekämpfen
Der Ausgangspunkt für den Start der Initiative Die Periode ist ein wichtiges Ereignis im Leben einer menstru-
Maria 2.0 war die Kritik an der Rolle der Frauen in ierenden Person. Doch sie kann auch verunsichernd sein, wenn
der katholischen Kirche. Frauen* feierten im Mai man nicht versteht, was gerade mit dem eigenen Körper ge-
2019 vor Kirchen Agape-Feiern, um zu kritisieren, schieht. Besonders erschwert wird dies durch gesellschaftliche
dass Frauen* nicht zu Priester*innen geweiht Normen und die Scham über den Zyklus zu sprechen.
werden können. Daraus wurde eine sehr enga-
Zudem fehlen oftmals die Mittel, um sich Hygieneartikel leisten
gierte Bewegung, die sich für eine zukunftsfähi-
zu können. Menschen in Ländern des Globalen Südens improvi-
ge Umgestaltung der Kirche einsetzt.
sieren und verwenden Blätter, Zeitungen oder Stofffetzen als Ein-
In einem Thesenanschlag an Kirchentüren im lage. Diese Hilfsmittel können zu Infektionen führen. Aber auch
Frühjahr 2021 forderte Maria 2.0 Machtteilung, bei uns ist Periodenarmut eine soziale Herausforderung. Sanitäre
Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt mit Anlagen, Hygieneartikel und Wissen bringen Menstruierenden
erforderlichen Konsequenzen, positive Haltung Freiheit. Sie brauchen einen Rückzugsort, an dem sie sich um
gegenüber selbstbestimmter Sexualität und Hygiene kümmern und die gebrauchten Artikel entsorgen können.
die Abschaffung des Pflichtzölibats. Die PSG
Um darauf aufmerksam zu machen, hat die PSG die Toiletten
unterstützt diese Initiative mit Anträgen bei
des KorbiniansHaus für kirchliche Jugendarbeit im Kirchlichen
Versammlungen, weil der Jugendverband hinter
Zentrum in München mit kostenfreien Hygieneprodukten und
den Thesen steht und dies auch nach außen
mit einer Kurzinformation ausgestattet.
tragen will.
Wir freuen uns über Unterstützer*innen!
Pfadfinder*innen machen sich also gemeinsam auf den Weg, um Veränderungen und eine für alle vielfältigen Geschlechter gerech-
tere Kirche, Gesellschaft und Welt zu erreichen. Das beginnt in den Gruppenstunden vor Ort, bei Abenteuern mit dem Stamm und
in der Gemeinschaft des Diözesan- und Bundesverbandes, der eine starke frauen*politischer Stimme wahrnimmt.
Verena Schlagheck Valerie Gastager
Diözesanvorsitzende Diözesanvorsitzende
PSG München und Freising PSG München und Freising
17zum Abschied
Endlich konnten die „Superheldinnen“ des BDKJ ausgiebig gefeiert werden
Am 25. September 2021 war es endlich
soweit, die festliche Verabschiedung der
langjährigen BDKJ Diözesanvorsitzenden
Monika Godfroy und Dr. Stephanie von
Luttitz konnte in der Jugendkirche in
München-Haidhausen stattfinden. Die
beiden – so die Einladung – „Superhel-
dinnen“ hatten sich bereits im Juli 2020
als Hauptamtliche verabschiedet. Jetzt
trafen sich Weggefährt*innen, ehemalige
und derzeitige Jugendamtsleitungen,
Vertreter*innen aus dem Ordinariat und
viele Freund*innen aus Jugendverbänden
und -organisationen, um sie zu feiern.
Beim Gottesdienst mit Diözesanjugend-
pfarrer Richard Greul konnten die Gäste
die beiden segnen – Mega-Segen zum
Abschied! Bei Monika Godfroy bedank-
te sich Laudator Alexander Klug dafür,
dass „unsere Moni einfach immer alles
wusste“ und den BDKJ als Geschäftsfüh-
rerin durch schwierige Zeiten brachte.
In seiner Laudatio für Stephanie von
Luttitz betonte Pfarrer Daniel Lerch ihren
vielfältigen Einsatz für die Frauen- und
Kirchenpolitik und die medialen Erfolge
der Kommunikationsfachfrau.
Bis sich Kreis- und Jugendverbände, der
Diözesanausschuss und viele andere bei
den beiden für ihre großartige Arbeit be-
dankt hatten, war es 23.30 Uhr und die
Moderation, Jana Wulf und Marco Gnacy,
lud zur Party ein.
Bye, bye
Superwomen!
18jugendraum 2|21
per s onalien
KjG München und Freising
Pfarrer Tobias Hartmann ist seit 3. Juli 2021
geistlicher Leiter der KjG München und Freising.
Ebenfalls neu in der Diözesanleitung ist (im Bild
rechts) Daniela Kistler als ehrenamtliche Diöze-
Foto: KjG München und Freising
sanleiterin. Veronica Seidel war zuvor bereits in
der Diözesanleitung, wurde nun aber als ehren-
amtliche geistliche Diözesanleiterin gewählt.
Ministrantenverband
Bei den Vorstandswahlen im Ministranten-
Foto: Ministrantenverband München und Freising
verband München und Freising wurden Isabel
Gnacy und Stefan Heumann als Vorstände be-
stätigt. Zudem gehören dem Vorstand weiterhin
Benedikt Gernand und Theresa Hepfengraber
an. (Bild v.l.n.r.: Stefan, Isabel, Theresa und
Benedikt)
BDKJ in der Region München e.V.
Am 24. April 2021 wurde Max Sternberg in den
Stadt- und Regionalvorstand des BDKJ in der
Region München e.V. nachgewählt.
Neuer Diözesanausschuss
Portraits: privat
In folgender Besetzung nahm der Mitte Oktober neu gewählte Diözesanausschuss (DA) des BDKJ München und Freising seine
Arbeit auf: Wiedergewählt wurden Florian Wiedner und Veronica Seidel, neu dabei sind Benedikt Gernand, Carla Kerling, Matthias
Stiftinger und Franziska Thums (siehe Bilder von links oben nach rechts unten)
Bei der Diözesanversammlung im Herbst wurden die bisherigen Mitglieder des Diözesanausschusses verabschiedet. Vielen Dank an Katrin
Ascher, Barbara Purschke (Vorsitzende), Magdalena Poruba, Philipp Wittershagen und Veronika Vogl für ihr langjähriges Engagement.
19Hinter den Kulissen
Nicht nur praktisches Arbeiten –
viel Qualität und Herzblut steckt dahinter!
Ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) FSJ im geschützten Rahmen ableisten
bedeutet, dass junge Menschen für ein kann. Dies ist sehr wichtig, um den
ganzes Jahr in einer sozialen Einrich- Freiwilligendienst im sozialen Bewusst-
tung mitarbeiten. Dabei sollen sie in sein hervorzuheben und den vielen
möglichst alle Bereiche des Berufs- jungen Menschen ein wertvolles Jahr
feldes eingebunden werden, wie auch zu ermöglichen, welches Orientierung
Teamsitzungen und Elternabende. So schafft und den Einstieg ins Berufsle-
steht es im Handbuch-Freiwilligen- ben erleichtert.
dienste.
„Ich fühle mich wie ein festes Teammit
Qualitätsmanagement glied“, diesen Satz hören Fachreferent
im FSJ *innen, welche die Freiwilligen während
des FSJ unterstützen, häufig und er
Bereits seit 2011 gibt es bundesweit für zeugt von der guten Anbindung und
die katholischen FSJ-Träger einzuhalten- Einbindung in den Einsatzstellen. Päda-
de „Qualitätsstandards“. Durch diese gogische Begleitung in der Einsatzstelle Evaluation und Statistik
Vorgaben wird gewährleistet, dass ein und durch das FSJ Fachreferat sind ein
FSJ eben nicht „nur ein Praktikum“ ist. wesentlicher und wichtiger Bestandteil Qualifizierungsangebote für die Ein-
Es müssen eine fachliche Anleitung, des Jahres und ebenfalls in den Quali- satzstellen, fachlicher Austausch im
Bildungsseminare, pädagogische tätsstandards genau verankert. Wie viel Team sowie eine enge Zusammenarbeit
Begleitung, Arbeitsrichtlinien und viele und welche Form der Unterstützung die mit anderen Gremien stehen für die
weitere Grundbedingungen gegeben Freiwilligen brauchen, entscheiden sie Fachreferent*innen regelmäßig an.
sein, damit ein junger Mensch sein selbst. Auch eine jährliche Evaluation in Form
von Fragebögen und einer statistischen
Herzstück Seminararbeit Erhebung werden genutzt, um die Arbeit
und Zufriedenheit aller Parteien zu über-
Foto + Abbildung: FSJ Referat BDKJ + Caritas
Auch die vorgeschriebenen 25 Bildungs- prüfen und schnell auf Veränderungen
tage in Form von fünf Seminarwochen reagieren zu können.
tragen zur persönlichen Reife und
Andrea Reichert
Entwicklung der jungen Menschen bei. Alle genannten Bausteine sind ein
Dipl. Sozialpäd.in (FH) Hier stehen Qualität und Fachlichkeit wichtiges Fundament für ein gelingen-
FSJ Fachreferentin an erster Stelle – doch auch Spaß und des Freiwilliges Soziales Jahr, durch das
BDKJ und Caritas Erholung dürfen natürlich nicht zu kurz jährlich 100 junge Menschen vom FSJ
kommen. Referat begleitet werden.
20jugendraum 2|21
Foto: DisobeyArt/Adobe Stock
standards ja+nein
Die Erwartungen unterschiedlichster Beteiligter bei Veranstaltungen in der Jugend(verbands)arbeit
erfordern nach Ansicht von Maria-Theresia Kölbl, geistliche Verbandsleiterin des BDKJ Bayern,
das immer wieder neue Aushandeln von Standards. Einige Standards, wie die Bestimmungen zum
Erwerb der Juleica (Jugendleiter*innencard) sind dennoch festgelegt.
„So, dann wären wir fertig. Kann bitte jede*r noch einen „Feed- Von den Bundesländern wurden jeweils noch Präzisierungen
backbogen“ ausfüllen, bevor ihr nach Hause geht!“ Selten vorgenommen, in Bayern durch den Bayerischen Jugendring
gibt es in der Jugendarbeit eine Veranstaltung, bei der am (BJR Beschluss, 2013).
Ende nicht noch die Aufforderung zum Ausfüllen eines solchen
Bogens kommt. Sie sollen dabei helfen, die Veranstaltung zu Wichtige Juleica-Standards sind daher:
reflektieren und evtl. nachzubessern und sind damit trotz ihrer
Bezeichnung tatsächlich Reflexionsbögen, die dazu beitragen, Die Ausbildung darf 34 Zeitstunden nicht unterschreiten
die Qualität zu sichern. Dabei ist Qualität ein weiter Begriff und und soll von pädagogischem Personal geleitet werden und/
gerade in der Jugend(verbands)arbeit schwer zu greifen, da oder von Menschen, die fundierte Erfahrungen mit Jugend-
Qualität vor allem auch ein Prozess ist (LJA, 2001). arbeit und Kursleitung aufweisen.
Der Inhalt der Gruppenleitungsschulung umfasst u.a. die Le-
Juleica ist Standard benssituation von Kindern und Jugendlichen, Grundkennt-
nisse in Entwicklung, Vermittlung von Leitungskompetenz
Trotzdem oder gerade deswegen gibt es Qualitätsstandards, und Gruppenpädagogik. Außerdem soll gezeigt werden, wie
die schon 2009 von der Jugend- und Familienministerkonfe- Aktivitäten geplant und durchgeführt werden können, wie
renz der Länder (JFMK, 2013) definiert wurden und so eine die Strukturen von Jugendarbeit sind und welche Wertorien-
Grundlage für Jugendarbeit bilden. Zusammengefasst sind sie tierung Jugendverbände haben. Außerdem gehören Rechts-
in den Bestimmungen zur Juleica. Sie stellen ein Mindestmaß und Versicherungsfragen dazu.
an Anforderungen an die Ausbildung von Jugendleiter*innen.
Zudem findet die Prävention sexualisierter Gewalt und
geschlechtsbewusste Arbeit ihren Platz.
Quellen
Gender Mainstreaming und interkulturelle Kompetenzen sol-
Mitteilungen LJA WL 148/2001, Fachausschuss 2 (Jugendar- len als Querschnittsthemen bei allen Inhalten mit einfließen.
beit) der Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendäm-
ter, Qualitätsentwicklung in der Jugendarbeit, 2001, Seite 36
Diese Standards verbessern die Qualität trägerübergreifend
Jugend- und Familienministerkonferenz der Länder – JFMK, und machen sie, gewissermaßen, auch vergleichbar. Gleich-
Design juleica 2009. Christine Kessel, Porträt: privat
Vereinbarung der Obersten Landesjugendbehörden zur An- zeitig bieten sie die Möglichkeit für die Jugendverbände ihre
wendung einer Card für Jugendleiterinnen und Jugendleiter, verbandsspezifischen Inhalte miteinzubringen und so Vielfalt
2009, online: https://jfmk.de/wp-content/uploads/2018/12/ zu ermöglichen.
Anlage_zu_TOP_4.7_2.pdf (13.11.2021)
Bayerischer Jugendring, Beschluss zu Qualitätsstandards für Maria-Theresia Kölbl
die Vergabe der Jugendleiter/-innen- Card (Juleica) in Bayern
– Aktualisierung bzgl. Erste-Hilfe- Ausbildung, 2013, online: Geistliche Verbandsleiterin
BDKJ Bayern
www.bjr.de/themen/ehrenamt/juleica/qualitaetsstandards.html
Vorsitzende der Landesstelle für
(13.11.2021)
kath. Jugendarbeit in Bayern
21Foto: The Creation of Man, Birth Undisturbed, Natalie Lennard
22
weg weiserjugendraum 2|21
eine Geburt
so faszinierend so gewaltig so krass
ein Wunder –
wie es jeden Tag auf der Welt passiert
und doch unglaublich
staunend den Atem anhalten
jedes Kind
jeder Mensch
wurde geboren
aus dem Schoß seiner Mutter
die Geburt Jesu
alles aus der Bahn werfend
die Welt verändernd
im Stall geboren
eine Geburt wie jede andere
und doch
born to be a star
der Messias
Jesus!
Das ist Weihnachten!
Oh ja, das ist kein typisches Krippenbild, keine heilige Familie, kein Knabe im lockigen Haar. Die britische Künstlerin
und Fotografin Natalie Lennard zeigt Geburtsszenen realistisch, direkt und natürlich. Trotz oder gerade wegen ihrer
Natürlichkeit wirken die Bilder in ihrer Direktheit erschreckend. Wer war denn schon einmal bei einer Geburt dabei?
In unserer Gesellschaft verschicken wir Fotos von süßen Babys, ein paar Tage nach der Geburt. Wen wundert es, dass
uns ein radikales Geburtsfoto von der Geburt Jesu fremd ist, wenn wir bisher nur die gebräuchlichen Weihnachtsbilder,
die den gedruckten Dankeskarten nach der Geburt ähneln, kennen.
Jesus wurde geboren, mit allem was dazu gehört, als Mensch und als Gottes Sohn! Warum also nicht, auch diese Seite
von Jesu Geburt einmal zeigen – realistisch schön und faszinierend zugleich!
Ursula Wieser
Pastoralreferentin
Portrait: privat
Pfarrverband Haar
23Mit der Fragetasche den Sozialraum erkunden
Die Fragetasche „Mensch, sag mal“ des evangelischen Amts für Gemeindedienst in Nürnberg bietet
umfangreiches Material für eine sozialraumorientierte Arbeitsweise. Im Fokus stehen bei den Metho-
den die Bedürfnisse der jungen Menschen im Sozialraum und somit eine neue Qualität der Angebote.
Sozialraumorientierung ist eine Haltung, mittels derer sich
Menschen langfristig mit ihren vielfältigen Bezügen in den
Material und Methoden
Blick nehmen lassen. Das Profil der existenziell gewendeten Mit der Fragetasche werden konkrete Anregungen für erste
Pastoral in der Erzdiözese München und Freising, beschreibt Schritte, aber auch Materialien und Begleitangebote für die Er-
fachlich eine notwendige Hinwendung von der Pfarrgemeinde schließung des Sozialraums als längerer Prozess zur Verfügung
zum Sozialraum. gestellt. Die Broschüre führt anschaulich in die Sozialraumo-
rientierung mit christlichem Hintergrund ein, dazu enthält die
Pastoral im Wandel Projektbox eine Fülle an Methoden mit passendem Material.
Für diesen Wandel bietet die Fragetasche zahlreiche Metho-
den, um auf unterschiedliche Personen im Sozialraum zuzuge-
hen. Die Anregungen zum kreativen Erkunden des Raums und
seiner Akteure, ermöglichen es einen Fokus auf die Bedürfnis-
Was ist in der Fragetasche?
se der Menschen vor Ort zu lenken. Es bedeutet in der Nach- Projektbox: Sie ist angefüllt mit Arbeitsbögen zu Methoden,
folge Jesus hinauszugehen und zu fragen: „Was willst du, dass Arbeitstechniken, Formaten, guten Beispielen und Dialogange-
ich dir tue?“ (Lk 18,41). boten sowie zahlreichen raffinierten Hilfsmitteln wie Flanier- oder
Netzwerkkarten.
geht hin und fragt
Broschüre: Sie bietet Orientierung, Hintergrundinformationen,
Als Startpaket für die Sozialraumerkundung versorgt die ent- Anleitungen, um Fragen zu stellen und Kontaktadressen.
haltene große Projektbox Pfarreien und Verbände mit zahlrei-
chen Arbeitsbögen und Begleitmaterialien. Ob als Einsteiger/ Plakat: Es gibt einen guten Überblick im XL-Format über alle Mög-
in oder erfahrene Person der Sozialraumorientierung, es finden lichkeiten, die Ihnen Ihre Fragetasche bietet. Auf der Rückseite
sich in der Fragetasche spannende Projekte, Methoden, Forma- erfahren Sie, warum Sozialraumerkundung und (Feld-)
te und Arbeitstechniken. Forschung einiges gemeinsam haben – und wie
Sie zum Forscher werden!
Online-Material
losgehen
https://afg-elkb.de/fragetasche/worum-es-geht/
„Wege entstehen dadurch, dass man sie geht“ – dieser Satz
Abbildung Tasche: afg, Portrait: privat
findet sich zwar nicht ausdrücklich in den Schriften Franz Kaf-
Martina Jakubek kas, er wird ihm aber zugeschrieben. Für den Umgang mit der
„Fragetasche“ könnte er ein gutes Motto sein. Niemand kann
Dipl. Sozialpädagogin (FH) nämlich ganz genau wissen, wohin der Weg im Sozialraum
Referentin forum führt, welchen Menschen, Gruppen, Vereinigungen und Organi-
alter & generationen sationen man dabei begegnet und wie sich dies auf einen
selbst und die ganze Gemeinde auswirkt.
24jugendraum 2|21
Jugendgemäße
Liturgie!?!
Stylisch, verständlich und respektvoll – um Jugendliche für Gottesdienste zu begeistern, braucht
es Sensibilität für deren Lebenswirklichkeit. Wichtig ist, dass alle, die da sind und mitfeiern,
auch willkommen und gewollt sind.
Zeitgemäße Jugendliturgie erfordert stetige Anpassung an die aktuelle Sprache und Ästhetik. Die folgenden acht Aussagen geben
eine Orientierung für die Reflexion von Jugendliturgie. Sie sind eine Weiterentwicklung der im Materialien-Heft 140 des Erzbischöf-
lichen Jugendamts München und Freising 2008 formulierten neun Orientierungen „Liturgie ist jugendgemäß, wenn...“.
Liturgie ist jugendgemäß, wenn … Liturgie ist jugendgemäß, wenn …
sich jede*r willkommen fühlt. Jugendliche darin Gott erahnen
können.
Liturgie ist jugendgemäß, wenn … Liturgie ist jugendgemäß, wenn …
Jugendliche einen Zusammenhang Jugendliche sich in Leitung und
zu ihrem Leben erkennen. Begleitung erfahren.
Liturgie ist jugendgemäß, wenn … Liturgie ist jugendgemäß, wenn …
Jugendliche sie in vielfältigen For- sie Jugendliche in ihrem Glauben
men mitgestalten. und Leben ernst nimmt.
Liturgie ist jugendgemäß, wenn … Liturgie ist jugendgemäß, wenn …
Symbole und Riten von Jugendli- sie in Musik, Sprache und Ästhetik
chen verstanden werden. den Feiernden entspricht.
SharePics mit ausführlichen Texten stehen ab sofort online zur Verfügung unter: www.eja-muenchen.de/jugendliturgie. Im neuen
Materialien-Heft Nr. 156 des Erzbischöflichen Jugendamts München und Freising sind die bislang veröffentlichten und die neuen
Texte nun als Zusammenfassung erschienen.
Miriam Grottenthaler Markus Lentner
Pastoralreferentin Gemeindereferent
Portraits: privat
Jugendseelsorgerin Referent für religiöse Bildung und
Jugendstellen München Süd-West Ministrantenarbeit bis Mai 2021
25Participatio
actuosa
Foto: julia_104/Adobe Stock
Die Zauberformel für einen
gemeinsam gefeierten Gottesdienst:
Aktive Teilnahme!
„Mama, mir ist so langweilig – an meinem Bein
hängend und ziehend nervt mein Sohn während des
Hochgebets. Er hat schon lange durchgehalten…“
Immer wieder haben wir den Eindruck, dass der Gottesdienst
vom Priester gefeiert wird und wir „Besucher“ sind oder Zu „Zur Gestaltung gehören Methoden der ganzheitlich-sinn
schauende. Aber so gelingt Gottesdienst nicht – das wissen enhaften Religionspädagogik: Mit den Augen sehen, mit
wir alle. Gottesdienst ist schön, wenn alle mitfeiern können. den Ohren hören, etwas mit den Händen zu fassen und zu
Anstatt mit jeder Altersgruppe einzeln zu feiern – Gottesdienst tun – das alles gehört zum religiösen Erleben für Kinder
im Altenheim, in der Behinderteneinrichtung, mit den Kleinkin- im Kindergartenalter. [..] Wenn Kinder bei der Gestaltung
dern oder Jugendlichen – ist der sonntägliche Gottesdienst mit etwas (mit) spielen, dann erleben sie selbst etwas von
„der ganzen Pfarrfamilie“ eine ganz andere Herausforderung. der Freude, Angst, Hoffnung, dem Geheiltwerden oder
Ich würde sagen: Eine Chance. dem Wachsen der Personen in den Geschichten. Diese
Erfahrungen können sie anschließend mit dem Glauben in
Lebenslust, die ansteckt Beziehung setzen.“ (Heike Helmchen-Menke 2019)
Kinder sind dabei ein belebendes Element: Die Kunst ist, den
Kindern mit ihrer Lebendigkeit, ihrem Bewegungsdrang und
ihrer Spontanität einen angemessenen Raum zu geben, so Gemeinsamkeit stärken
dass die älteren Mitfeiernden an der Lebenslust der Kinder
Dabei rührt es Erwachsene und Senioren/innen an, wenn
partizipieren können und davon angesteckt werden. Können
sie Kinder zuschauen. Für viele Erwachsene ist das Erleben
Jugendliche und Erwachsene einer Predigt folgen, fordern
von Kindern im Gottesdienst außergewöhnlich, deshalb ist
Kinder (und auch viele Senioren) dazu heraus, nicht nur das
es umso wichtiger Kinder im Gottesdienst zur Gewohnheit
kognitive Vermögen einzusetzen.
werden zu lassen. Unter dem Motto „Sonntagselement“ der
Beteiligung ermöglichen Kinderpastoral finden sich für jeden Sonntag im Jahreskreis
einfache Ideen, um Kinder aktiv in den Gemeindegottes-
Im Gegensatz zu vielen Erwachsenen oder Jugendlichen beteili- dienst einzubinden. Die Kinder spüren dann, wir sind nicht
gen sich Kinder und machen gerne mit: nur schmückendes Beiwerk, sondern: die Gemeinde braucht
• sie stellen an Allerseelen die Kerze für den Verstorbenen auf uns. Wir sind notwendig für den Gottesdienst und tragen die
den vorbereiteten Platz, Feier mit.
• sie zünden die Kerzen am Adventskranz an,
• sie vollziehen zum Lied "Gottes Wort ist wie Licht in der
Nacht" die Gesten mit,
• sie legen Weihrauchkörner in die Schale zu den Fürbitten. Literatur
Ideen für die Gestaltung des Sonntagsgottesdienstes
Monika Mehringer „wenn Kinder da sind“, finden sich unter „Sonntagsele-
ment“ auf www.erzbistum-muenchen.de/Kinderpastoral
Gemeindereferentin oder auf www.kinderpastoral.de/Kindergottesdienst
Fachreferat Kinderpastoral
Helmchen-Menke, Heike (2019): Mit den Kleinsten das
im Erzbischöflichen Jugendamt
Größte feiern. In: Gottesdienst 18/2019, S. 202
München und Freising
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