L s Ernest Hemmingway Der alte Mann und das Mehr Ralf Tibusek Als die Queen kam Aretha Franklin Die Queen of Soul - Süddeutscher ...

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Ausgabe 139 – Juli 2021

Ernest Hemmingway
Der alte Mann und
das Mehr

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Seite 4

Ralf Tibusek
Als die Queen kam
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Aretha Franklin
Die Queen of Soul
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angesprochen

    Damals ...                                                                                 Klaus Ehrenfeuchter

    Kaum hatten meine Finger die Süßigkeit
    gegriffen, die mir eine Tante gab, hörte ich
    andere Erwachsene sagen: „Wie sagt man?“                          Ob damals, heute oder
    Und dann musste schnell und deutlich von
    meiner Seite ein „Danke!“ kommen. Erst
                                                                     morgen – Gott ist bei mir
    dann war die süße Schenkung abgeschlos-                           und hält mein Leben in
    sen. Man gewöhnte sich daran, weil ein                                seiner Hand.
    „Raider“ oder Kinderschokolade einfach zu
    gut schmeckten.
    Wenn ich ab und zu mit meinen Brüdern um den             Um die politischen Unruhen der 68er zu verstehen,
    Tagessieg im Ringen kämpfte, durfte besser kein          war ich als Sechsjähriger noch zu jung. Unvergesslich
    Erwachsener kommen. Vor allem dann nicht, wenn           für mich jedoch bei der Olympiade 1972 in München
    es Schreie und Tränen gab. Besonders hart wurde es       die damals 16-Jährige Ulrike Meyfahrt, die am 4. Sep-
    nämlich, wenn ein Erwachsener dazwischen ging und        tember den Fosbury-Flop sprang und sich mit über-
    wir gezwungen wurden, uns die Hand zu geben und          sprungenen 1,90 m die Goldmedaille im Hochsprung
    uns wieder zu vertragen. Nur äußerlich, den Schein       sicherte und anschließend noch mit 1,92 m einen
    wahrend, gaben wir uns die Hand. Innerlich wuss-         neuen Weltrekord überflog. Am Tag darauf nur noch
    ten wir, dass erst ein weiterer Ringkampf den Sieger     Schreckensmeldungen in den Nachrichten durch den
    zeigen würde.                                            Terrorakt des palästinensischen „Schwarzen Septem-
       Singles waren keine Alleinstehenden, sondern kleine   ber“. Die Tötung der israelischen Olympiamannschaft
    Schallplatten mit je einem Lied auf der Vorder- und      schockte die Republik.
    Rückseite.                                                  Zwei Zitate aus den Psalmen der Bibel helfen mir im
       Damals war manches anders.                            Blick auf meine eigene Lebenszeit: „Lobe den Herrn,
                                                             meine Seele, und vergiss nicht was er dir Gutes getan
                                                             hat“ und „Meine Zeit steht in Gottes Händen.“
                                                                Bei allen nostalgischen Erinnerungen bin ich ein
                                                             Mensch, der gerne im Heute lebt und sich auf die
          Singles waren keine                                Zukunft freut. Vielleicht liegt es daran, dass ich seit
            Alleinstehenden,                                 dem Kinofilm „Der Club der toten Dichter“ das Motto
                                                             „carpe diem“ (nutze den Tag) gerne anwende. Als
         sondern kleine Schall-                              Christ weiß ich: Ob damals, heute oder morgen –
          platten mit je einem                               Gott ist bei mir und hält mein Leben in seiner Hand.
                                                                                                                       Bilder: stock.adobe.com, Privat

        Lied auf der Vorder- und                             Mit ganz herzlichen Grüßen
               Rückseite.
                                                             Klaus Ehrenfeuchter
                                                             Herausgeber

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L s Ernest Hemmingway Der alte Mann und das Mehr Ralf Tibusek Als die Queen kam Aretha Franklin Die Queen of Soul - Süddeutscher ...
„Ich bete für Sie“
                                   ARD stellt privates Hilfsprojekt aus
                                   Mittelhessen vor
                                   Mehrere Hundert Reaktionen hat
                                   der frühere Lokaljournalist Die-
                                   ter Lemmer (Treis bei Gießen)
                                   bisher auf seinen Auftritt in der
                                   ARD-Sendung „Live nach neun“
                                   erhalten. Darin stellte er sein
                                   Projekt „Ich bete für Sie“ vor. Seit
                                   Februar 2020 betreibt der heute
                                   63-jährige Rentner diese Gebets-
                                   seite im Internet.

                                   Mit Gott so reden wie mit
                                   einem Mitmenschen
                                   Zwei Schlüsselerlebnisse hätten ihn      beeindruckt, dass man mit Gott          dass Gebet für viele Menschen ein
                                   dazu motiviert, die Seite ins Leben      einfach so reden konnte wie mit         Tabuthema sei und in der Öffentlich-
                                   zu rufen. So habe es in seiner Redak-    den Mitmenschen.“                       keit zu wenig über Gott gesprochen
                                   tion beim „Gießener Anzeiger“ – dort        Aus beiden Begebenheiten sei         werde. Wie er erläuterte, hatte er
                                   war er bis April 2018 tätig – ein Ser-   schließlich der Wunsch entstan-         nach seiner Zusage, an der Sen-
                                   vicetelefon gegeben, bei dem sich        den, im Ruhestand für Menschen          dung mitzuwirken, „ein leichtes
                                   Leser mit Anregungen und Anliegen        zu beten, so der evangelische Christ,   Grummeln im Bauch“. Er habe dann
                                   zu Wort melden konnten. Einmal           der zur hessen-nassauischen Kirche      gebetet und sei danach „ganz ruhig
                                   habe ihn ein Mann angerufen, der         gehört.                                 und gelassen“ gewesen. Lemmer
                                   gerade eine Krebsdiagnose erhal-                                                 wurde von seinem Wohnort Treis in
                                   ten und nur noch wenige Wochen zu        Nach Gebet ruhig und                    die Sendung nach Köln zugeschaltet.
                                   leben hatte. Er habe dem Kranken         gelassen                                   Nach seinen Angaben hat er keine
                                   vor allem zugehört. Am Ende des                                                  festen Gebetszeiten am Tag. Wenn
                                   Gesprächs habe er ihm gesagt, dass       In einem Einspielfilm für die ARD-      ihn eine E-Mail mit einem Anliegen
                                   er ihm keinen Rat geben, aber für        Sendung sagte Lemmer: „Ich bin          erreiche, bete er oft spontan. Alle
                                   ihn beten könne. Das habe sein Ge-       davon überzeugt, dass Gott da ist.“     Bittsteller erhielten eine Rückmel-
                                   genüber sehr positiv aufgenommen.           Personen, die möchten, dass          dung.
                                       Zum anderen habe er als Journa-      Lemmer für sie betet, können ihm
                                   list immer wieder an Hintergrundge-      eine E-Mail schreiben. Die Anliegen
                                   sprächen mit Politikern teilnehmen       reichten von Gesundheit über Beruf
                                   können, die der damalige Geschäfts-      bis zur familiären Situation. Hin und       „Ich bin davon über-
Bilder: Screenshot ARD Mediathek

                                   führer der Christlichen Medieniniti-     wieder bekomme er auch Rückmel-
                                   ative pro, Wolfgang Baake (Wetzlar),     dungen, dass sich die Situationen         zeugt, dass Gott da ist.“
                                   organisiert habe. Zum Auftakt und        positiv entwickelt haben: „Ich freue
                                   zum Abschluss der Tagungen ha-           mich, wenn es Leuten hilft, und ich                DIETER LEMMER
                                   be Baake immer ein freies Gebet          glaube, dass es hilft.“                      www.ich-bete-fuer-sie.de
                                   gesprochen: „Das hat mich stark          In der Sendung bedauerte Lemmer,

                                                                                                                                                           3
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Der alte Mann
                                                        und das Mehr
                                                  Literaturnobelpreisträger Ernest Hemmingway
                                                  war sein ganzes Leben auf der Suche nach
                                                  dem Sinn

    Er ist schon zu Lebzeiten ein Mythos. Der Nobelpreisträger,
    der im Nebenberuf Abenteurer, Hochseefischer, U-Boot-
    und Großwildjäger war. Keine Bar und keine Frau sind vor
    ihm sicher.

    Ernest Hemmingways Machogeha-             den Bahamas, Belgien, Bulgarien,
    be, seine vier Ehen, seine Sucht          China, Deutschland, Frankreich,
    nach Abenteuern und seine lebens-         Hong Kong, Italien, Kenia, Kuba, Lu-
    gefährlichen Unfälle machen ihn zur       xemburg, Mexiko, Österreich, Peru,
    lebenden Legende. Gern zeigt er sich      Schweiz, Spanien, Tansania, Türkei,
    in der Pose des Boxers. Als einer,        Uganda – und noch manche mehr.
    der sich durchboxt und als Gewinner       Als rastloser Weltenbummler reist
    aus dem Ring steigt. Ihn faszinie-        er um den ganzen Erdball, immer
    ren Stierkampf wie Hahnenkampf.           auf der Suche nach neuen Abenteu-
    Leben und Tod sind seine Themen.          ern. Auch heute noch, 60 Jahre nach               Ernest Hemingway (ca. 1930)
        Viele Fotos zeigen ihn in der Sie-    seinem Tod, kann man in verschie-
    gerpose: Als Angler mit großen Fi-        denen Ländern auf seinen Spuren        Das Wesentliche taucht im
    schen, als Großwildjäger vor einem        unterwegs sein. Selbst in Deutsch-     Kopf auf
    erlegten Büffel, vor geschossenen         land gibt es einen Hemingway-Trail.
    Löwen, Antilopen und Nashörnern.          Und am Triberger Wasserfall erinnert   Hemingway ist Reporter, Auslands-
    Er ist davon überzeugt: Ein richtiger     eine Schiefertafel an seinen Besuch    korrespondent, Kriegsberichter-
    Mann stellt sich den Herausforde-         im Jahr 1922.                          statter an verschiedenen Fronten
    rungen und bewährt sich darin.                                                   und wird einer der erfolgreichsten
                                                                                     Schriftsteller seiner Zeit. Die New
                                                                                                                              Bilder: stock.adobe.com, William James, Ermeni Studios

    Schon als 17-Jähri-                                                              York Times nennt ihn „den wichtigs-
    ger schreibt Ernest                                                              ten Autor nach dem Tod von Shake-
    Hemingway in sein              „Ich will einmal                                  speare“. Die „Eisbergmethode“ ist
    Tagebuch: „Ich will               reisen und                                     sein besonderes Markenzeichen. Er
    einmal reisen und                                                                  streicht aus seinen Texten jedes
    schreiben.“                      schreiben.“                                           Wort heraus, das er für über-
       Beide Wünsche                                                                         flüssig hält. Das Wesentliche
    gehen in Erfüllung.                                                                       bleibt unter der Schreib-
    In seinem Reisepass           Hemingway als                                                oberfläche verborgen. Es
    sind die Stempel von          19-jähriger Soldat                                           tauchte erst im Kopf des
                                                                                               Lesers auf.
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Mit Freunden wettet er um 10 Dol-
lar, dass er eine Story aus nur sechs
Wörtern schreiben kann. Er gewinnt
die Wette. Die Kurzgeschichte lau-
tet: „For sale: Baby shoes. Never
worn.“ Auf Deutsch sind es sogar
nur 4 Worte: „Zu verkaufen: Baby-
schuhe, ungetragen.“

Hemingway sucht die Gefahr und           Leben ist ein dunkler Weg gewor-         Das Arbeitszimmer von Hemingway in
testet seine Grenzen aus. Seine Er-      den, der nach Nirgendwo hinführt         Key West
lebnisse sind die Grundlage für sei-     und wieder nach Nirgendwo, immer
ne Geschichten und Romane. 1953          und ewig nach Nirgendwo … dunkel         In einer Kurzgeschichte erzählt He-
erhält er den Pulitzer-Preis für seine   und ohne Ende nach Nirgendwo.“           mingway von einem Kellner in einem
tragische Novelle „Der alte Mann                                                  kleinen Café. Mitternacht ist vorü-
und das Meer“. 1954 bekommt er            Was hat der Schriftsteller doch nicht   ber. Der letzte Gast ist gegangen.
den Literaturnobelpreis für die Ge-      alles erlebt und überlebt:               Unsäglich müde schaut er in das
schichte, mit der er indirekt den Tri-   • Die schwere Verwundung als Sa-         leere Lokal. „Was hat der vergangene
umph und die Tragik seiner eigenen         nitätsfreiwilliger im 1. Weltkrieg     Tag eigentlich gebracht?“, denkt er.
Existenz beschreibt. Ein zentraler         in Italien.                            „Es war alles ein Nichts.“ Und dann
Satz im aussichtslosen Kampf des         • Eine Infektion durch Anthrax in        betet er: „Unser Nichts, der du bist
alten Fischers Santiago gegen die          Frankreich. Mehrere schwere            im Nichts. Nichts ist dein Name. Dein
Haifische lautet: „Der Mann ist nicht      Autounfälle mit schlimmen Ver-         Nichts komme. Dein Nichts gesche-
geschaffen, um zu unterliegen. Ein         letzungen.                             he wie im Nichts so im Nichts. Unser
Mensch kann vernichtet, aber nicht       • 2 Flugzeugunglücke an zwei aufei-      tägliches Nichts gib uns heute ...
besiegt werden.“                           nander folgenden Tagen in Afrika.      Erlöse uns vom Nichts, denn dein
   Die Helden Hemingways sind            • Mehrmals wird er von der Presse        ist das Nichts und das Nichts und
typische Vertreter der „Lost Gene-         für tot erklärt.                       das Nichts …“
ration“. Sie versuchen, ihr Leben zu        Hemingway liest amüsiert seinen
meistern und ertragen ihr Schicksal      eigenen Nachruf. Und dementiert:          Was bin ich froh, dass niemand in
mit Fassung,                             „Das Glück bleibt mir weiterhin          dieses Verzweiflungsgebet einstim-
                                         treu.“                                   men muss. Wir können beten: „Vater
Verzweiflung oder Hoffnung                                                        unser im Himmel.“
                                         Aber dann setzt der rastlos Getrie-         Und damit haben wir die Adresse,
Hemingway hat das Leben genos-           bene, von Selbstzweifel, schwe-          zu der man in jeder Lage kommen
sen, und seine erregenden und            ren Depressionen und paranoiden          kann. Und Zugang zu dem, bei dem
wunderbaren Seiten ausgekostet.          Ängsten geplagte 61-Jährige seinem       man begründete Hoffnung über den
Und doch scheint es, dass er wie         Leben selbst ein Ende. Mit seinem        Tod hinaus bekommt.
Robert Jordan, der Hauptfigur in         Lieblingsjagdgewehr erschießt sich
seinem Roman „Wem die Stunde             der große Jäger selbst. Tragisch,        Ernst Günter
schlägt“, empfunden hat. Mitten          wenn die Hoffnungslosigkeit am           Wenzler
im Liebesrausch denkt der: „Mein         Ende steht.

Ernest Miller Hemingway, geboren am 21. Juli 1899, war einer der ein-
flussreichsten und bekanntesten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts.
1953 erhielt der US-Amerikaner den renommierten Pulitzer-Preis für
seine Novelle Der alte Mann und das Meer, 1954 den Literaturnobel-
preis. Er starb vor 60 Jahren am 2. Juli 1961.

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L s Ernest Hemmingway Der alte Mann und das Mehr Ralf Tibusek Als die Queen kam Aretha Franklin Die Queen of Soul - Süddeutscher ...
Als die Queen kam
                                      Ein ganzes Leben mit
                                      der britischen Königin

    Gerade einmal vier Jahre alt war Augenblick mal-
    Redakteur Ralf Tibusek, als die Queen 1965 nach
    Deutschland kam. Von seinem großen Bruder be-
    kam er aus der Schule die Union Jack genannte bri-         besuchen, sondern das ganze Deutschland. Irgendwie
                                                               war ich erleichtert.
    tische Fahne aus Papier mitgebracht. Mit der briti-
    schen Fahne in der Hand stand er wie viele andere          Es war der erste Besuch des britischen Könighauses
    Kölner am Straßenrand und winkte der Queen zu              nach dem Zweiten Weltkrieg. Dass es damals dar-
    – und sie ihm, war er überzeugt. Seitdem hat er            um ging, die beiden Völker zu versöhnen, ahnte ich
    eine ganz besondere Beziehung zu England.                  als kleiner Stöpke nicht. Und auch nicht, dass gute
                                                               Stimmung für den angedachten EU-Beitritt Großbri-
                                                                                                                            Bilder: stock.adobe.com, foto.digitalarkivet.no, Screenshot ARD Mediathek

        „Die Queen kommt uns besuchen“, platzte es aus         tanniens gemacht werden sollte, nachdem Frankreich
       meinem älteren Bruder beim Mittagessen in unserer       und Charles de Gaulle mit aller politischer Macht den
       kleinen Küche heraus. Gerade war er aus der Schule      Beitritt verhindern wollten und das tatsächlich über
       gekommen und hatte sich nach dem Händewaschen           Jahre noch schafften.
       hungrig an den Tisch gesetzt. Doch vorher musste er        Ich war froh, am entscheidenden Tag mit meinem
       diese Nachricht loswerden.                              Fähnchen ganz vorne am Straßenrand stehen zu können
          Ich wusste nicht, was eine „Queen“ war, aber der     und zwischen den Querstreben der Absperrgitter – Köln
       angekündigte Besuch musste anscheinend etwas            als Karnevalsstadt war da gut ausgerüstet – freien Blick
       Tolles sein. Meine Mutter erklärte mir dann, dass die   auf die Queen zu haben. Die EU, damals noch die EWG,
       Queen eine Königin sei wie aus dem Märchen, nur         also die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, kannte
       halt in echt. Und mein Bruder meinte lachend, ich       ich nicht. Ich lernte sie erst kennen, als 1966 ein erster
       müsse nicht die Spielecke in unserem Kinderzimmer       Fernseher in unseren Haushalt Einzug hielt: Um die
       aufräumen. Denn die Queen käme nicht uns persönlich     Fußball-Weltmeisterschaft gucken zu können, wie meine

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Mutter behauptete. Während mein
                                                                                     Was glaubt die Queen?
                       Vater die wichtigen Nachrichten-
                        sendungen als Hauptgrund am
                        Abendbrottisch anführte ...
                        Geguckt haben wir dann aber
                          nach der Fußball-WM vor al-
                          lem EWG mit Hans-Joachim
                          Kulenkampf. Dass sein Quiz
                          „Einer wird gewinnen“ nach
                            dem EU-Vorgänger benannt
                             war und nicht umgekehrt,
                            habe ich erst viel später
                           begriffen.

                                                               © Dirk Vorderstraße
47 Jahre bis zum Brexit
Zum 1. Januar 1973 ist dann das Vereinigte Königreich
offiziell der EWG beigetreten und hat 47 Jahre erst die                              Die Anglikanische Kirche in GB ist eine Staatskirche.
Wirtschaftsgemeinschaft und dann die Europäische                                     Ihr Oberhaupt ist der König oder die Queen. Das hat
Union bestimmt. Ab 1979 war dann Prime Minister                                      Heinrich VIII. eingeführt, als er sich von der katholi-
Maggie Thatcher über elf Jahre prägend für das Ver-                                  schen Kirche löste, um seine Ehe scheiden zu können
hältnis England – EU. Gelernt habe ich in der Zeit, was                              und um für den Mord an der ein oder anderen Ehefrau
es mit Menschen macht, wenn man einmal getroffene                                    nicht vom Papst und den (britischen) Bischöfen zur
Vereinbarungen einfach aufkündigt und nochmals neu                                   Verantwortung gezogen werden zu können. Was für
verhandelt. Während ich gleichzeitig immer wieder                                    Heinrich VIII. ein Machtmittel war, sieht bei Queen
die Insel besuchte und vielen Menschen begegnet                                      Elisabeth ganz anders aus. Zwar spricht sie nur sehr
bin, die ihren christlichen Glauben nicht nur sonntags                               selten über ihren persönlichen Glauben. Aber die Aus-
in der Kirche, sondern ganz konkret im Alltag gelebt                                 wahl der so genannten „Hofprediger“ zeigt ein hohes
haben. In England spricht man erstaunlicherweise                                     Interesse an Glaubensfragen. 1959 wurde John Stott
über seinen Glauben.                                                                 zum Chaplain (Kaplan) berufen. Und bei seinem Ein-
   2020 habe ich dann erlebt, wie noch immer Queen                                   tritt in den Ruhestand 1991 zum „außerordentlichen
Elisabeth in der vorgelesenen Regierungserklärung ih-                                Kaplan“ bis zu seinem Lebensende 2011. John Stott,
res Premiers Boris Johnson den britischen Austritt aus                               langjähriger Pfarrer der All Souls Kirche in London ver-
der EU erklärt hat: Sie kam in die EU, sie ging aus der                              trat sein Leben lang, dass der christliche Glaube auf
EU. Und sie ist die Person, die wie keine andere mein                                der persönlichen Beziehung zu Jesus Christus beruht
ganzes Leben irgendwie prominent präsent war und ist.                                und man eine bewusste Entscheidung für ein Leben
                                           Ralf Tibusek                              mit Gott treffen sollte.

                                                                                        „Für mich ist das Leben Jesu Christi,
                                                                                     des Friedefürsten, eine Inspiration und ein
                                                                                      Anker in meinem Leben. Er ist ein Vorbild
                                                                                          für Versöhnung und Vergebung.
                                                                                         Er streckt seine Hand in Liebe aus,
                                                                                         akzeptiert uns und will uns heilen.
                                                                                       Das Beispiel Christi hat mich gelehrt.“

                                                                                                    QUEEN ELISABETH II.
Das Fernsehen dokumentiert den Dom-Besuch der Queen in Köln.

                                                                                                                                                7
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                   ll-WM 19
                 ba
     Von der Fuß M 2021
                 E
         bis zur

    Der größte Sieg
    1954 fand das Turnier der Fußball-Nationalmann-
    schaften zum ersten Mal unter der Bezeichnung Fuß-
    ball-Weltmeisterschaft statt. Und erstmals konnten
    die Spiele sogar direkt im Fernsehen übertragen
    und von weltweit etwa 90 Millionen Menschen
    vor rund vier Millionen Schwarz-Weiß-Fernse-
    hern verfolgt werden.

     In Westdeutschland gab es zu Be-         ten Worte zu Helmut Rahns Siegtor:       Aus dem Hintergrund müsste Rahn
     ginn des Jahres 1954 erst 11.658         „Sechs Minuten noch im Wankdorf-         schießen – Rahn schießt – Toooor!
     angemeldete Fernsehgeräte. Die           Stadion in Bern, keiner wankt, der Re-   Toooor! Toooor! Toooor!“ Und dann:
     WM in der Schweiz sorgte dafür,          gen prasselt unaufhörlich hernieder…     „Das Spiel ist aus! – Deutschland ist
     dass am Ende des Jahres bereits          Jetzt Deutschland am linken Flügel       Weltmeister …“
     84.278 Fernsehgeräte bei der Post        durch Schäfer. Schäfers Zuspiel zu
     angemeldet waren.                                                                 Was wirklich wichtig ist
     Am 4. Juli 1954 dann das für viele                                                Das Hinausrufen einer solchen Sie-
     Deutsche legendäre Endspiel in                                                    gesmeldung erinnert mich daran,
     Bern. Außenseiter Deutschland ringt                                               dass so etwas auch in der Bibel vor-
     die klar favorisierten Ungarn mit 3:2                                             kommt. Sie nennt es „Evangelium
     nieder und wird zum ersten Mal Fuß-                                               verkünden“. Dabei geht es in der
     ball-Weltmeister. Jenes „Wunder von                                               Bibel auch um einen Sieg. Jedoch
     Bern“ hatte eine starke Symbolkraft                                               geht es nicht um Fußball oder ein
     als ein Zeichen des Aufbruchs nach                                                anderes Spiel. Es geht um den Sieg
     dem verlorenen Weltkrieg und den                                                  Jesu über Sünde, Tod und Teufel.
     Entbehrungen der Nachkriegszeit.                                                  Jesus Christus gab sein Leben für
     Manche bezeichnen den Sieg als                                                    uns, damit die Trennung zwischen
     „die eigentliche Geburtsstunde der                                                dem Gott der Bibel und uns sündi-
     Bundesrepublik Deutschland“. Die                                                  gen Menschen aufgehoben werden
     Spieler um Kapitän Fritz Walter und                                               kann. Das gilt für diejenigen, die
     Bundestrainer Sepp Herberger gin-                                                 sich für eine Beziehung mit Jesus
                                                                                                                               Bilder: stock.adobe.com, kicker

     gen als „Helden von Bern“ in die         Morlock wird von den Ungarn abge-        Christus entscheiden. Für mich der
     deutsche Sportgeschichte ein. Heute      wehrt – und Bozsik, immer wieder         größte Sieg.
     lebt nur noch Horst Eckel (geb. 1932).   Bozsik, der rechte Läufer der Ungarn        Gespannt bin ich aber auch,
        Herbert Zimmermann kommen-            am Ball. Er hat den Ball – verloren      welche Nation dieses Jahr bei der
     tierte damals als deutscher Radio-Re-    diesmal, gegen Schäfer. Schäfer nach     Euro2021 den Sieg bejubeln darf.
     porter das Endspiel. Seine oft zitier-   innen geflankt. Kopfball – abgewehrt.                  Klaus Ehrenfeuchter

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Haben Sie auch erlebt, dass bei Familientreffen im-
                          mer wieder Erlebnisse aus dem Zweiten Weltkrieg
                          erzählt wurden? Manches war spannend, anderes
                                                                                                        „Das habe
                          wiederholte sich fast jedes Mal. Heute weiß man wie
                          wichtig Zeitzeugen sind. Vor allem auch im Blick auf
                                                                                                       ich mit Gott
                          den Holocaust braucht es Menschen, die da-
                          von erzählen, damit es nie mehr dazu                                            erlebt“
                          kommen soll.

                          Wer etwas zu Erzählen hat, der
                          hat auch heute noch begeisterte
                          Zuhörer.
                             Im Judentum hat das Erzählen
                          der eigenen Volksgeschichte seit
                          Jahrtausenden dazu geführt, dass
                          der Glaube an den Schöpfergott wei-
                          tergegeben wurde. In vielen christ-
                          lichen Familien war das mündliche       in den Alltag von uns Menschen.       es, dass Kinder einmal fragen wer-
                          Weitergeben biblischer Geschichte       Der Regenbogen erinnert an die        den: „,Was soll das alles, diese
                          von David und Goliath, Daniel in der    Geschichte von Noah und der Sint-     ganzen Vorschriften, Gesetze und
                          Löwengrube und den vielen Jesus-        flut und gibt heute Hoffnung. Wenn    Bestimmungen? Warum hat der
                          geschichten normal. Ob Eltern oder      nachts klarer Sternenhimmel ist,      Herr, unser Gott, sie uns befohlen?‘
                          Großeltern, man las sie aus den Kin-    kann man von Abraham erzählen,        Wenn dein Kind so fragt, sollst du
                          derbibeln vor, jene Geschichten von     dem viele Nachkommen verspro-         ihm antworten: ,Wir waren Sklaven
                          Gott und seinen Menschen. Oder          chen wurden. Es soll ermutigen,       in Ägypten und mussten für den Pha-
                          man erzählte sie einfach so, weil sie   die Zusagen Gottes für einen per-     rao arbeiten. Aber der Herr hat uns
                          bekannt waren. Das ist heute nicht      sönlich in der Bibel zu entdecken.    aus Ägypten geführt – mit seiner
                          mehr selbstverständlich.                                                      starken Hand. Der Herr hat Zeichen
                             Ein Ethnologe erzählte: In ei-                                             und Wunder vollbracht …‘“
                          nem kleinen afrikanischen Dorf                                                   Später in der babylonischen Ge-
                          legte sich der Stammesführer den                                               fangenschaft und in der Zeit des
                          ersten Fernseher zu. Anfangs
                                                                     Wenn nachts klarer                   Neuen Testamentes wurde vieles
                          schaute das Dorf jeden Abend            Sternenhimmel ist, kann                   aufgeschrieben. Und das ist nun
                          und man ließ sich nicht mehr             man von Abraham er-                      teils vielfach dokumentiert in der
                          vom Stammesältesten wie frü-                                                      Bibel.
                          her Geschichten erzählen. Nach          zählen, dem viele Nach-                      Man kann die großen Taten
                          einiger Zeit kehrten die Leute zu        kommen versprochen                      Gottes nachlesen, aber auch sei-
                          ihm zurück. „Es stimmt“, sagten                                                 ne Hilfe in vielen kleinen alltägli-
                          sie zu ihm. „Das Fernsehen kennt
                                                                          wurden.                       chen Situationen. Heute lässt sich
                          viel mehr Geschichten als du, und                                             vieles im Internet als Doku anschau-
                          es sendet pausenlos. Aber das Fern-                                           en. Es bleibt trotzdem faszinierend,
                          sehen kennt uns nicht.“                 Erntet man Beeren im Garten, kann     wenn man anderen erzählt, warum
                                                                  man darauf hinweisen, dass Gott       man an Gott glaubt und was die-
                          Erzählen ist eine gute                  versprochen hat, Saat und Ernte       ser Gott, der sich in Jesus zeigte, in
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                          Tradition                               werden nicht aufhören. Zeichen        der Geschichte bewirkt hat und im
                                                                  und Erinnerungsstücke werden im       eigenen Leben geschenkt hat. Ich
                          Der jüdischen und christlichen Tradi-   Judentum in das familiäre Leben       wünsche mir, dass Sie Menschen
                          tion gelingt besonders gut das Ein-     bewusst eingebunden.                  kennen, die davon erzählen können.
                          binden der biblischen Geschichten          Im fünften Buch des Mose heißt                      Klaus Ehrenfeuchter

                                                                                                                                                 9
ausgestattet. Sie boten
                                                                                                 Dolby-Rauschunterdrü-
                                                                                                 ckung, Auto Reverse
                                                                                                 und zum Teil auch ei-
                                                                                                 ne Aufnahmefunktion.

      Das waren                                                                                  Problematisch war es,
                                                                                                 wenn es Bandsalat gab.

                                                                                                  Es gibt so viele Dinge,

     noch Zeiten…                                                                                 die in meiner Jugend-
                                                                                                  zeit anders waren als
                                                                                                  heute. Niemand sollte
                                                                                                  überrascht sein, wenn
                                                                                                  es bei den Enkeln ein
     … als man mit einem Diafilm lediglich 36, mit manchen       ungläubiges Staunen hervorruft:
     sogar nur 24 Bilder machen konnte. Niemand wäre es             Dass in der Vor-Handy-Ära in jedem Ort Telefonzellen
     eingefallen, einfach drauflos zu fotografieren. Ärgerlich   standen. Dass man mit einer Drehscheibe wählte und
     war es, wenn man im Ausland noch Filme nachkaufen           die Telefonnummer in einem dicken Telefonbuch suchte.
     musste. Eine der ersten Aktionen nach dem Urlaub war           Dass man eine Bahnsteigkarte lösen musste, wenn
     es, die Filmröllchen zur Entwicklung einzuschicken. Man     man keinen Fahrschein hatte.
     wartete sehnsüchtig, bis die entwickelten Filmstreifen         Dass wir Maikäfer in Schuhschachteln sammelten.
     wieder zurückkamen. Und hoffte inständig, dass nicht        Denn: „Es gibt keine Maikäfer mehr.“
     zu viele Bilder verwackelt oder falsch belichtet waren.
     Retuschieren war nicht möglich. Etwas Gutes hatte es:       Es war wirklich so, wir haben Wühlmäuse gefangen,
     Jedes (gelungene) Bild war wichtig.                         um die Schwanzprämie zu bekommen, Schnecken ge-
                                                                 sammelt, um mit jedem Kilo unser Taschengeld auf-
     … als man noch mit einer großen Straßenfaltkarte nach       zubessern und Unmengen Kartoffelkäfer vom Acker
     dem Weg suchte. Fand man den Zielort im Verzeichnis,        abgesammelt, damit die nicht die Felder kahlfressen.
     stand dahinter ein Buchstabe und eine Zahl. Damit
     hatte man den Quadranten, in dem sich der Ort befand.
     Hatte man den Ort gefunden, ging es auf die Suche
     nach der besten Strecke. Das Gute dabei war, man
     wusste deutlich mehr als heute von dem, was links
     und rechts der Strecke lag.

     … als auf dem Fernsehgerät das Testbild erschien,
     wenn kein Programm angeboten wurde. Und als es
     mit Schwarzweißfernsehen und zunächst nur mit ei-
     nem Programm begann. Erst ab 1963 kam das Zweite
     Deutsche Fernsehen, und ab 1964 wurde ein drittes Pro-
     gramm angeboten. Wenn man nicht pünktlich daheim
     war, verpasste man die Sendung. Keiner hätte je daran
     gedacht, dass man einmal jederzeit sein Programm
     anschauen kann, wann es gerade passt. Farbfernsehen
     gab es erst ab 1967. Und als die Programme immer            Kaum zu glauben, dass es keine Sicherheitsgurte im
     mehr wurden, kam 1975 die Fernbedienung dazu.               Auto und nirgendwo ein Tempolimit auf der Autobahn
                                                                 gab, dass es keine extra Kindersitze gab – im VW-
     … als Kassettenrekorder und Walkman das Hören von           Käfer saßen wir als Kinder im Staufach hinter dem
     Musik und Hörspielen auch unterwegs möglich mach-           Rücksitz, dass wir ohne Fahrradhelme auch über die
     ten. Die guten Geräte waren mit einem Radioempfänger        meist unbefestigten Wege fuhren.

10
Das waren noch Zeiten, als man noch mit einer            BUCH DES
                          mechanischen Schreibmaschine schrieb,als es
                          noch keine Kopierer gab, und man mit dem Ma-
                                                                                       MONATS
                          trizendrucker Vervielfältigungen machte, als das
                          Telegramm die schnellste Übermittlungsform für
                          schriftliche Nachrichten war.                          Farah liebt ihren Beruf, den teuren Lebensstil und die
                                                                                 schicke Kleidung, die sie sich leisten kann. Doch als die
                          Nein, es war nicht die „gute alte Zeit“. Auch wenn     Familie dringend eine große Summe Geld braucht, um ei-
                          das Leben deutlich überschaubarer war. Man muss-       ne lebensrettende OP für ihre Mutter bezahlen zu können,
                          te nicht immer online und erreichbar sein und          wird Farah innerhalb weniger Tage zwangsverheiratet. Ihr
                          hat mehr wirklich miteinander geredet, statt per       neues Leben als Ehefrau und schnell auch Mutter wird zur
                          I-Phone miteinander zu kommunizieren.                  Hölle. Ihr Mann verbietet ihr die Berufsausübung, setzt alle
                                                                                 seine Vorstellungen und Wünsche mit Gewalt durch. Mit
                          Aber längst nicht alles war gut. Wenn ich nur an       ihrem alten Leben schließt Farah ab und bringt ihre schicken
                          die Tatzen in der Schule denke. Auch wenn sich         Kleider zur Sammelstelle bei einer christlichen Kirche. Dort
                          im Rückblick manches verklärt. Karl Valentin hat       trifft Farah auf syrische Flüchtlingsfrauen, die zum Glauben
                          es zutreffend formuliert: „Heute ist die gute, alte    an Jesus Christus gefunden haben. Sie ist fasziniert von
                          Zeit von morgen.“                                      ihren strahlenden Gesichtern. Nach anfänglichem Zögern
                             Und wie schrieb doch schon der weise Salo-          beschließt auch Farah, an diesen Jesus zu glauben. Eine
                          mo: „Alles hat seine Zeit!“ Er hatte vor allem die     Entscheidung, die ihr Leben radikal verändert.
                          Gegensätzlichkeit des Lebens im Blick: „ … ge-
                          boren werden hat seine Zeit, sterben hat seine         Frauen, die in einem muslimisch geprägten Umfeld leben,
                          Zeit; … weinen hat seine Zeit, lachen hat seine        erzählen in diesem Buch ihre bewegenden Lebensgeschich-
                          Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit…“   ten. Sie sprechen von ihren Ängsten, Hoffnungen und davon,
                             In 15 Gegensatzpaaren fächert er das Leben          wie die Begegnung mit Jesus Christus ihr Leben auf den
                          auf. Alles hat seine Zeit – das gilt auch im Blick     Kopf gestellt hat. Eindrückliche Lebensberichte, die unter
                          auf den Wechsel der Zeiten.                            die Haut gehen.
                             Das Leben gilt es anzunehmen. Die Höhen
                          und die Tiefen. Genauso gilt es sich den guten
                          und weniger guten Zeiterscheinungen zu stellen.
                          Gut zu wissen, dass alle Zeit Gottes Zeit ist. Das
                          Gestern, das Heute und das Morgen. Und dass er
                          über den Zeiten steht.
                             „Jesus Christus ist derselbe gestern und heute
                          und in Ewigkeit“, heißt es im Neuen Testament
                          in der Bibel.
                             Ihm können wir uns mit unserer Lebenszeit
                          anvertrauen. Und uns darauf verlassen, dass er
                          mit uns durch die Zeiten geht.

                          Deshalb ist Christsein keine verklärte Vergangen-
                          heitsgeschichte, sondern eine hoffnungsfrohe
                          Zukunftsgeschichte.
                             Unser Glaube hat sein Fundament in den großen
                          Taten Gottes in der Vergangenheit.
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                             Wir erleben seinen Beistand, seine Hilfe und
                          seinen Trost im Heute.                                 JoAnn und Tom Doyle
                             Und wir haben die begründete Hoffnung für die       Aufbruch in die Freiheit
                          Zukunft, dass das Schönste noch vor uns liegt.         Frauen in der islamischen Welt begegnen Jesus
                                                      Ernst Günter Wenzler       240 S., gebunden, ISBN 978-3-7655-3746-2, Gießen 2021, € 15,-

                                                                                                                                                 11
Die Spanische Grippe
                                                                                      mie in vielen Ländern einerseits
                                                                                      nicht sauber die Todeszahlen do-
                                                                                      kumentiert wurden, andererseits die
                                                                                      Zahlen nicht offen gelegt wurden,
                                                                                      reichen die Schätzungen heute von
                                                                                      mindestens 20 Millionen Toten welt-
                                                                                      weit bis zu 100 Millionen, die an
                                                                                      Atemnot oder einer aufgesetzten
                                                                                      Lungenentzündung verstarben. Al-
                                                                                      lein in Deutschland sollen es knapp
                                                                                      500.000 Tote gewesen sein. Man
                                                                                      spricht von drei Wellen, in denen
                                                                                      die Pandemie zwischen 1918 und
                                                                                      1920 um die Welt lief.
                                                                                          Trost gab damals vielen Chris-
     100 Jahre vor Corona hat es bereits eine andere Pandemie ge-                     ten die Erfahrung des israelischen
     geben, die ähnlich schlimme Verläufe hatte wie Corona                            Königs Joschafat aus biblischen
                                                                                      Zeiten: „Wenn Unglück, Schwert,
     „Beim Impfen wie auch wie in der        Australien. Allerdings nicht kürzlich,   Überschwemmung, Pest oder Hun-
     Maskenfrage herrschte lange Zeit ein    sondern 1918 aus einem Internie-         ger über uns kommen, wollen wir vor
     lebhafter Streit, der nur insofern zu   rungslager in New South Wales.           dieses Haus und vor dein Angesicht,
     Gunsten der Masken entschieden          Er erlebte mit, wie die Spanische        Gott, hintreten; denn dein Name
     wurde, weil der behördliche Zwang       Grippe, ganz so wie heute Corona,        ist gegenwärtig in diesem Haus. Wir
     dahinter saß, während Impfen frei-      als schreckliche Pandemie um die         wollen in unserer Not zu dir rufen
     willig war. Bei den ersten Fällen in    Welt zog. Bis 1920 tötete sie mehr       und du wirst uns dann hören und
     Sydney war das ganze Lagergebiet        Menschen als vorher im Ersten Welt-      wirst helfen.“
     in ein Quarantäne-Areal verwandelt      krieg umgekommen waren.                      Heute sind Christen noch immer
     worden, es konnte niemand von                                                    davon überzeugt und glauben fest
     draußen rein und es kam niemand         Schwierigkeiten mit der                  und erfahren, wie die Evangelische
     von hier raus.“                         Dokumentation                            Allianz am 3. Juni schrieb in ihrer
        Der deutsche Marinesoldat Fritz                                               Stellungnahme Zeit der Hoffnung:
     Stegherr schickte diese Zeilen an       Weil während des Weltkriegs und          „Gebet bewegt den Arm Gottes.“
     seine Familie in Deutschland aus        auch wegen der Wucht der Pande-                                  Ralf Tibusek
                                                                                                                             Bilder: stock.adobe.com, Harris & Ewing photographers, Dorotheum

                          Die spanische Grippe traf vor allem Männer Ende der zwanziger Jahre – und
                          schwangere Frauen. Der österreichische Maler Egon Schiele – einer der be-
                          deutendsten Expressionisten – setzte dem Geschehen ein Denkmal mit seinem
                          unvollendeten Bild „Die Familie“. Es porträtierte ihn, seine Frau Edith und den
                          gemeinsamen kleinen Sohn. Eine Familie, die es nie geben sollte, weil Edith am
                          28. Oktober 1918 verstarb, als sie im sechsten Monat schwanger war. Der Christ
                          Schiele selbst starb drei Tage später – am Reformationstag –, nachdem er in der
                          Zwischenzeit „Die Familie“ begonnen hatte zu malen. Schiele wurde 28 Jahre alt.
                          Seinen persönlichen Glauben an den Gott der Bibel hatte er 1908 in dem Bild
      Egon Schiele        „Kniender Jüngling vor Gottvater“ eindrücklich zum Ausdruck gebracht.

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Ar e t h a F r a n k l i n
                                                            Die Queen of Soul
                                                       „Respekt“ wollte sie zeigen vor dem Leben der Menschen. „Respekt“
                                                       erbat sie sich von den Menschen. „Respekt“ forderte sie ein von der
                                                       weißen US-Bevölkerung vor der schwarzen Community. Das drückte
                                                       sie auch in ihrem Lied während der Amtseinführung von Barack Obama
                                                       aus. Jetzt verfilmt Hollywood das Leben der 1942 geborenen Soulsänge-
                                                       rin Aretha Franklin drei Jahre nach ihrem Tod unter dem Titel „Respect“.

                                                                                                           und Pastors ein und aus,
                                                                                                           kochten auch mal eine
                                                                                                           Suppe auf den Herd.
                                                                                                               Aretha kam früh zur
                                                                                                           Gospelmusik, die für sie
                                                                                                           Ausdruck ihres Glaubens       tischen Zwischenfall in einem Flug-
                                                                                                           und Lebens war. 1956, mit     zeug ist die Künstlerin nicht mehr
                                                                                                           14 Jahren, nahm sie ihr       geflogen. „Respect“ war ihr politisch
                                                                                                           erstes Album: „Songs of       wichtigstes Lied. Ihr selbst war aber
                                                                                                           Faith – Lieder des Glau-      immer der Gospel „What a friend
                                                                                                           bens“ in der Gemeinde         we have in Jesus“ Trost im Alltag
                                                                                                           ihres Vaters auf. Da ahnte    und Vermittler von Zuversicht. Sie
                                                                                                           sie noch nicht, dass sie in   vertraute fest darauf, was sie so oft
                                                                     Aretha Franklin (1968)
                                                                                                           ihrer 62-jährigen Musik-      sang: „Was für einen Freund haben
                                                                                                           karriere über 75 Millionen    wir in Jesus. All unsere Verstrickun-
                                                       Oscarpreisträgerin Jennifer Hudson       Platten verkaufen sollte, mit 20 Sin-    gen und Verwundungen hält er aus.
                                                       wurde für die Rolle ausgesucht,          gles Platz 1 in den Billboard-Charts     Was für ein Privileg, alles zu Gott
                                                       die ihr alles andere als leicht fällt.   einnahm. Aufgetreten ist sie aber        bringen zu können im
                                                       Einerseits war Franklin ihr großes       ab Mitte der 80erjahre nur noch in       Gebet.“
                                                       Vorbild, andererseits hat es zahllose    Nordamerika. Nach einem trauma-          Ralf Tibusek
                                                       Brüche im Leben der Soulsängerin
                                                       und Schauspielerin gegeben. Aretha
Bilder: stock.adobe.com, Billboard Magazine, WEBN-TV

                                                       Franklin wuchs nach der Trennung            Oscar-Preisträgerin Jennifer Hudson kann
                                                       der Eltern bei ihrem Vater auf. Mit 12      den christlichen Glauben von Aretha Franklin
                                                       Jahren wurde sie nach Missbrauch            gut nachvollziehen: „Ich bin ein Kind Gottes,
                                                       durch einen Mitschüler schwanger            in die christliche Gemeinde hinein geboren.
                                                       mit ihrem ersten Sohn Clarence.
                                                                                                   Es ist absolut natürlich.“ Über Aretha Franklin: „Ich habe das
                                                       Getragen hat sie schon damals ihr
                                                                                                   Gefühl, dass eine unserer engsten Verbindungen unser Glaube
                                                       Glaube und die Kirchengemeinde,
                                                       in der sie aufwuchs. Gospelgrößen           ist.“ Über ihre Lebenserfahrung mit Gott: „Gott hat immer noch
                                                       wie Mahalia Jackson gingen in dem           etwas Größeres auf Lager. Das weiß ich, weil ich sein Wirken oft
                                                       Haus des alleinerziehenden Vaters           erlebt habe.“

                                                                                                                                                                                 13
150 J AHRE D EUTSCHLAND

     Otto von Bismarck:
     Reichsgründer, Eiserner Kanzler und Lotse
     1871, vor 150 Jahren, wurde das        oder soll ich sagen zu bestechen,        gegen Altersarmut hinzu. Bismarck
     Deutsche Reich gegründet. Bestand      den Staat als soziale Einrichtung        wollte so „in der großen Masse der
     Deutschland vorher aus einer Reihe     anzusehen, die ihretwegen besteht        Besitzlosen die konservative Gesin-
     Kleinstaaten, begann man jetzt ei-     und für ihr Wohl sorgen möchte.“         nung erzeugen, welche das Gefühl
     ne gewisse Einheit zu sehen unter                                               der Pensionsberechtigung mit sich
     der Herrschaft eines Kaisers, den es                                            bringt“, argumentierte er selbst.
     jahrhundertelang nicht mehr gege-                                                  Während das allseits bekannt ist,
     ben hatte. Für die Reichsgründung                                               weiß man meist wenig von einer ganz
     steht ein Name: Otto von Bismarck.                                              anderen Seite Bismarcks, seinem
     Als preußischer Ministerpräsident                                               persönlichen Glauben.
     setzte er nach dem Sieg der zahl-                                                  Erzogen in einem Mix aus Land-
     reichen deutschen Verbündeten im                                                junkertum (väterlicherseits) und
     Deutsch-französischen Krieg nicht                                               Großbürgertum (mütterlicherseits)
     nur die Reichsgründung durch, son-                                              sowie traditionellem Luthertum hatte
                                                                                                                             Bilder: stock.adobe.com, The Bridgeman Art Library, Richard Carstensen

     dern auch seinen Landesfürsten als                                              Bismarck nach der Konfirmation keine
     Kaiser Wilhelm I. Als erster Reichs-                                            Kirche mehr aufgesucht. Erst der Tod
     kanzler holte er sich nicht nur den                                             von Marie von Blankenburg, der Frau
                                              Otto von Bismarck als junger Student
     Spitznamen „Eiserner Kanzler“ wegen                                             seines besten Freundes Moritz, löste
     seiner hart geführten Auseinander-                                              1846 bei Bismarck eine Sinnfrage aus.
     setzungen im Parlament – vor allem     So kam es zunächst zur Einrichtung       Hatte er bisher „Orientierungslosig-
     gegen die SPD – und außerhalb des      einer Unfallversicherung. Später ka-     keit und innere Leere“ beklagt und
     Parlaments gegen die katholische       men die Krankenversicherung (All-        durch sein wildes Leben auch zum
     Kirche. Man sieht in ihm auch den      gemeine Ortskrankenkasse – AOK),         Ausdruck gebracht, brachte ihn das
     Begründer des modernen Sozial-         eine Invaliditätsversicherung, die       tiefe Gottvertrauen der pietistischen
     staates. „Mein Gedanke war, die        Berufsgenossenschaften und zu-           Verwandtschaft der Blankenburgs
     arbeitenden Klassen zu gewinnen,       letzt, 1889, die Rentenversicherung      dazu, neu zu denken und zu fragen.

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In einem Brief an seinen angehen-
   den Schwiegervater Heinrich von                                    „Ich weiß
   Puttkamer schrieb er: „Was sich in                             nicht, wie ich das
   mir regte, gewann Leben, als sich,
   bei der Nachricht von dem tödlichen
                                                             früher ausgehalten habe.
   Erkranken unserer verstorbenen                           Sollte ich jetzt Leben wie da-
   Freundin in Cardemin, das erste in-                      mals, ohne Gott, ohne Dich,
   brünstige Gebet, ohne Grübeln über
                                                           ohne die Kinder – ich wüsste in
   die Vernünftigkeit desselben, von
   meinem Herzen losriß, verbunden                          der Tat nicht, warum ich dies
   mit schneidendem Wehgefühl über                           Leben nicht ablegen sollte                         Otto und Johanna von Bismarck
   meine eigene Unfähigkeit zu beten,
                                                                wie ein schmutziges                             (geb. von Puttkammer)
   und mit Tränen, wie sie mir seit den
   Tagen meiner Kindheit fremd gewe-                                    Hemd.“
   sen sind. Gott hat mein damaliges
   Gebet nicht erhört, aber er hat es
   auch nicht verworfen, denn ich ha-                  „Ich weiß nicht, wie ich das früher         wieder täglich und las auch täglich
   be die Fähigkeit, ihn zu bitten, nicht              ausgehalten habe. Sollte ich jetzt          in der Bibel. „Nur im Einklang mit
   wieder verloren, und fühle, wenn                    Leben wie damals, ohne Gott, ohne           dem Christentum schien ihm ein
   nicht Frieden, doch Vertrauen und                   Dich, ohne die Kinder – ich wüss-           sinnvolles und erfolgreiches Han-
   Lebensmut in mir, wie ich sie sonst                 te in der Tat nicht, warum ich dies         deln jetzt möglich“, schreibt der
   nicht mehr kannte.“                                 Leben nicht ablegen sollte wie ein          Historiker Christoph Nonn in seiner
      Seit dieser Zeit spielte der Glau-               schmutziges Hemd“, schrieb er               Biografie „Bismarck“.
   be an einen persönlichen Gott für                   Jahre später an seine Frau. Bis zu
   Bismarck eine zentrale Rolle.                       seinem Lebensende betete er nun             Ralf Tibusek               Falls Sie
                                                                                                                          AUGENBLIC
                                                                                                                                     Kmal ...

AUGEN
                                                                                     Falls Sie AUGENBLICKmal nur ab und zu in die Hand be-
                                                                                     kommen, es aber gerne regelmäßig lesen würden, können
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In der nächsten Ausgabe:
     Wenn Türen sich öffnen

       AUS ALLER
       WELT
     Ein Drittel betet mindestens einmal täglich

     Statista: 38 Prozent der deutschen                        Wofür die Deutschen beten
     Bevölkerung bezeichnen sich als gläubig
                                                               Am häufigsten beten die Deutschen
     Hamburg (IDEA) – Ein Drittel der Bürger in Deutschland    bei einer Beerdigung (42 Prozent),
     (34 Prozent), die sich als gläubig bezeichnen, betet      während des Gottesdienstes (38
     nach eigenen Angaben mindestens einmal täglich. Das       Prozent), für Familienangehörige/Freunde in Not (37
     ergab eine repräsentative Umfrage des Statistik-Portals   Prozent), bei persönlichen Nöten (34 Prozent) sowie
     „Statista“ (Hamburg). Fast jeder Fünfte (18 Prozent)      in Momenten großer Dankbarkeit und Glücks (30 Pro-
     tut dies sogar mehrmals täglich. 16 Prozent wenden        zent). Bei einem starken persönlichen Wunsch und bei

                                                                                                                             Foto: stock.adobe.com
     sich einmal täglich an Gott und 13 Prozent mehrfach       einschneidenden Erlebnissen – zum Beispiel einem Um-
     in der Woche. 22 Prozent der Religiösen beten weniger     zug oder einer Operation – sprechen jeweils 23 Prozent
     als einmal pro Monat und sieben Prozent verzichten        Gebete. Vor Prüfungen tun dies 16 Prozent. Für die Erhe-
     gänzlich darauf.                                          bung wurden rund 2.000 Bürger ab 18 Jahren befragt.

                         Marvin Schulz: „Ich schöpfe Kraft und Stärke aus dem Glauben.“

                          Er hat noch den 2:2-Endstand ge-     Physiotherapeuten, der ein guter Freund von mir ist,
                          gen den Schweizer Fußballmeister     bin ich noch stärker dazugekommen. An einem Abend
                          Young Boys Bern erzielt. Marvin      haben wir zusammen gebetet.“ Dabei habe er eine echte
                          Schulz, 26-jähriger Leistungsträ-    Verbundenheit gefühlt, was seinen Glauben gestärkt
                          ger des Schweizer Erstligisten FC    habe. Kurz nach dem Gebet wurde er zu einem anderen
     Luzern hätte fröhlich sein können. Aber sein Gesicht      Arzt geschickt. „Dieser fand heraus, wo die Rückschläge
     ist schmerzverzerrt. Am darauffolgenden Tag stellt man    herrühren. Ab da erfolgte die Heilung schneller. Man
     beim Ex-Mönchengladbacher eine Verletzung am rechten      kann es als Gebetserhörung bezeichnen.“
     Fußgelenk fest, die zwingend operiert werden muss.        „Der Glaube bedeutet mir sehr viel, weil ich viel Kraft und
                                                                                                                             Foto: fcl.ch

     Saisonaus, vielleicht Karrierestop? Nicht zum ersten      Stärke daraus schöpfen kann“, sagt Marvin Schulz. Und:
     Mal hilft Schulz sein christlicher Glaube. „Durch den     „Man kann in guten und in schlechten Zeiten beten.“

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