Open Banking in der Schweiz - WHITE PAPER - SEPTEMBER 2021

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Open Banking in der Schweiz - WHITE PAPER - SEPTEMBER 2021
W H I T E PA PE R

Open Banking
in der Schweiz
Teil I
S E P T E M B E R 2 021
Open Banking in der Schweiz - WHITE PAPER - SEPTEMBER 2021
W H I T E PA P E R – O P E N ­B A N K I N G
IN DER SCHWEIZ TEIL 1

Vorwort
                                              Open Banking ist sicherlich eines der    als in der regulatorisch geprägten         zweiteiligen Studie geben wir deshalb
                                              meistdiskutierten Themen unserer        ­Europäischen Union. Dennoch be-            erste Antworten auf die Frage, wie
                                              Zeit. Es wird die Finanzbranche,         zweifeln nur ­Wenige, dass sich Open       die Schweizer Verbraucher:innen zu
                                              wie wir sie kennen verändern, und        Banking-­fähige Dienstleistungen in        Open Banking-fähigen Dienstleistun-
                                              die Art und Weise wie wir unsere         den meisten, wenn nicht in allen Be­rei­   gen s­ tehen und welche Chancen sich
                                              Finanzen verwalten und Zahlungen         chen unseres Finanzlebens unweiger-        daraus für die Marktteilnehmer erge-
                                              tätigen grundlegend beeinflussen.        lich durchsetzen werden. Für unsere        ben dürften. An den für unsere Studie
                                              Mit dem Auftreten von COVID-19 als       Schweizerische Finanz­institute ist der    durchgeführten Befragungen nahmen
            Dr. Daniela Massaro               Kata­ly­sator für die Digitalisierung    Grundstein gelegt, diese Entwicklung       viele unserer Kund:innen und Partner
            C O U N T R Y M A N AG E R ,      in vielen Bereichen unseres Lebens       weiter voranzu­treiben.                    teil und wir möchten allen Mitwirken-
            Mastercard Schweiz                beschleunigt sich auch die Neudefi­                                                 den für die von ihnen aufgewendete
                                              nition altbewährter Wertschöpfungs-     Wir bei Mastercard wollen aktiv zum         Zeit und die eingebrachten Erkennt-
                                              ketten und Benutzerschnittstellen.      Open Banking-Ökosystem beitragen,           nisse danken. Sprechen Sie uns gerne
                                              Wobei Open Banking in vielen gros-      indem wir Dienstleistungen anbieten,        an, wenn Sie mehr über die Studie
                                              sen Volkswirtschaften bereits der       die den Bedürfnissen der Marktteil-         oder über unsere Dienstleistungen
                                              Motor für innovative Lösungen ist.      nehmer in der gesamten Wertschöp-           erfahren möchten.
                                              In der Schweiz ist der ­Aufbau eines    fungskette entsprechen. Mit dem Ziel,
                                              Open B ­ anking-Ökosystems durch        unser internationales ­Know-how zu
                                              den branchengesteuerten Ansatz          nutzen, engagieren wir uns auch für
                                              bereits im vollen Gange, wenn auch      die Entwicklung von Open ­Ban­king
                                              wohl in einem früheren Stadium          in der Schweiz. In der vorliegenden

                                              Mit freundlichen Grüssen,

                                              Dr. Daniela Massaro
                                              Country Manager
                                              Mastercard Schweiz

                                                                                                                                                                      2
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IN DER SCHWEIZ TEIL 1

Open Banking in der Schweiz Teil I
Inhalt

Einführung ............................................................................................................................................................................. 04

Über Open Banking .............................................................................................................................................................. 05

Open Banking in der Schweiz ............................................................................................................................................ 09
 Die Rolle von Regulierung und Standardisierung ....................................................................................................... 09
 Die wichtigsten Marktakteure in der Schweiz ............................................................................................................ 11

Open Banking-Bereitschaft in der Schweiz .................................................................................................................... 13
 Makroindikatoren für Open Banking-Bereitschaft ................................................................................................... 13
 Einstellungen der Verbraucher:innen gegenüber Open Banking ............................................................................ 15
 Einstellungen der Marktakteure gegenüber Open Banking .................................................................................... 20

Folgerungen und Erkenntnisse aus Teil I .......................................................................................................................... 22

Anhang ................................................................................................................................................................................... 23

                                                                                                                                                                                           3
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Einführung
Unsere Welt wird immer digita-                  sem ersten Teil geht es darum, den            befragt, um einen Eindruck von den            baut sich dieser Teil wie folgt auf: Im
ler. Verschiedene Aspekte unseres               Gesamtzusammenhang des Themas                 Überlegungen und Einstellungen der            ersten Kapitel beginnen wir mit einer
Lebens werden in die virtuelle Sphä-            zu verdeutlichen. Er richtet sich an          wichtigsten Interessenvertreter der           Einfüh­rung in das Konzept Open
re verla­gert, wodurch eine ständig             ein Publikum, das mit Open Banking            Wertschöpfungskette in Bezug auf              Banking und die verschiedenen Rollen
wachsende Menge an Daten ent-                   oder dem Schweizer Markt weniger              Open Banking zu erhalten. Unter den           in diesem Ökosystem. Im zweiten Teil
steht, die von den Marktakteuren                vertraut ist. Im zweiten Teil bieten          Befragten befanden sich führende              richten wir den Fokus unserer Analy-
zur Innovations-Förderung genutzt               wir eine tiefere Analyse der geschäft-        Finanzhäuser, Lösungsanbieter und             se auf die Open Banking-bezogenen
werden können. Dieser Trend hat                 lichen Überlegungen für die Markt-            weitere Marktteilnehmer. Schliess-            Entwicklungen in der Schweiz, wobei
tiefgreifende Auswirkungen auf viele            akteure sowie der Möglichkeiten, die          lich wurde die internationale Markt-          wir uns auf die Rolle konzentrieren,
Branchen und prägt die Beziehun-                sich aus relevanten Open Banking-             kenntnis von Mastercard in Ländern,           die der industriegeführte Ansatz
gen zwischen Verbraucher:innen,                 fähigen Dienstleistungen auf dem              in denen Open Banking bereits                 der Schweiz bei der Gestaltung des
Unternehmen und Regierungen. Im                 Schweizer Markt ergeben können.               weiter entwickelt ist, genutzt, um die        Marktes und der Beeinflussung der
Finanzdienstleistungssektor ist Open                                                          Schweiz in den richtigen Kontext der          Art und Weise, wie die Akteure mitei-
Banking eines der meistdiskutierten             Die Studie stützt sich im Wesentli-           globalen Open Banking-Entwicklung             nander interagieren, spielt. Das dritte
Themen, da es das Potenzial hat, die            chen auf drei Säulen. Zunächst haben          zu stellen.                                   Kapitel bietet Einblicke in die Bereit-
Art und Weise, wie Verbraucher:innen            wir gemeinsam mit dem LINK-Insti­                                                           schaft des Schweizer Marktes für
ihre Finanzen verwalten, grundlegend            tut eine eingehende Marktstudie1              Durch die Verbindung dieser Säulen            Open Banking, indem es die wichtigs-
zu verändern, indem sie ihre persön­            durchgeführt, um die Einstellung der          versuchen wir, ein klares Verständ-           ten Makroindikatoren, die Stimmung
lichen Finanzdaten mit anderen                  Verbraucher:innen zu Open Banking             nis des Schweizer Open Banking-               der Verbraucher:innen und die Sicht
Finanz­dienstleistern teilen und den            in Bezug auf eine Reihe von Themen            Marktes zu vermitteln, mit einer              der Marktteilnehmer auf das The-
Verbraucher:innen mehr Wahlmög-                 zu untersuchen, wie z. B. Digital- und        Einschrän­kung: Aufgrund der Art der          ma und sein zukünftiges Potenzial
lichkeiten bei ihren Bank- und Zah-             Bankaffinität, Interesse an Open              Analyse der Verbraucherdimension              skizziert. Wir runden diesen ersten
lungsgeschäften bieten.                         Banking-fähigen Dienstleistungen,             konzentrieren wir uns auf Privat-             Teil der Studie mit einer Zusammen-
                                                Bereitschaft, für solche Dienstleis-          kund:innen und lassen das Firmen-             fassung der Erkenntnisse und wich-
Dies ist der erste Teil einer zweitei-          tungen zu bezahlen, und Sicherheits-          kundensegment vorerst aussen vor.             tigsten Punkte ab.
ligen Studie, in der wir die aktuelle           bedenken. In einem zweiten Schritt
Marktlandschaft des Open Bankings               haben wir verschiedene Schlüssel-             Um die Situation des Open Ban-
in der Schweiz analysieren. In die-             figuren des Schweizer Finanzmarkts            kings in der Schweiz darzustellen,

1
     ielgruppe: Frauen und Männer in der Schweiz im Alter von 18 bis 74, die das Internet mindestens einmal pro Woche zu privaten Zwecken nutzen und die ein Smartphone besitzen,
    Z
    das sie täglich verwenden; Umfang der Stichprobe: n=1073 Befragungen; Umfragezeitraum: 9. bis 19. April 2021

                                                                                                                                                                                     4
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Über Open Banking
Beginnen wir mit der Beantwortung der grundlegen­                                                      Dienstleistungen und Produkte anzubieten, die einen
den Frage: Was ist Open Banking? Allgemein lässt sich                                                  Mehrwert besitzen und die einzelne Institutionen für
Open Banking als Ökosystem verbundener ­Akteure                                                        sich allein nicht anbieten können. Sehen wir uns die
(mehrheitlich aus dem Finanzsektor) definieren, die                                                    Hauptelemente dieser Definition unten genauer an.
Daten miteinander teilen, und zwar mit dem Ziel,

Marktakteure im Open Banking-Ökosystem
Die Akteure im Ökosystem spielen in der Regel eine (oder mehrere)
der vier nachstehend beschriebenen Rollen:

                                                                                                                                                            Regulatoren

                                                                                     Zustimmungsmanagement

                                                 Gezielte Anfrage und
                                              Zustimmung für Zugriff auf             Indirekte gezielte Anfrage
                                               Kundendaten durch TPP                   (über API-Aggregator)                         API-Bereitstellung

                                                                                                 Direkte gezielte Anfrage (über API der Banken)

                       Endkund:innen                            TPP (z. B. Fintechs, Banken,                                                         Banken (z. B. traditionelle
                                                                                                                  API-Aggregator
                     (Privat und Firmen)                       Tech-Giganten, Einzelhändler)                                                           Banken, Neobanken)

                                                                                                                                                                                   5
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• Finanzinstitute (FIs):                     • Drittanbieter (TPPs):                   • Technologieanbieter/Plattformen        • Endkund:innen:
   Die FIs verfügen in der Regel über            TPPs (aus dem Englischen: Third-           und Marktplätze:                          Endkund:innen sind Verbraucher:in-
   die Daten der Kund:innen. Abhän-              Party Providers) sind Dienstleis-          Technologieanbieter sind das Rück-       nen einer Dienstleistung oder eines
   gig von der jeweiligen Plattform              tungsanbieter für Verbraucher:in-          grat eines Open Banking Ökosys-          Produkts am Ende der Wertschöp-
   sowie branchenbezogenen Initia­               nen, wobei sie Kunden­daten nutzen,        tems. Sie stellen die Plattformen        fungskette. Sie fragen eine Dienst-
   tiven und Vorschriften können die             um Dienstleistungen und Produkte           hinter dem Open Banking bereit,          leistung an, die sich entweder durch
   FIs diese Daten mit Zustimmung                mit Mehrwert auf den Markt zu              damit die erforderlichen Gateways        FIs oder TPPs erfüllen lässt, und
   der betref­fenden Kund:innen mit              ­bringen. Auch wenn hiermit in der         als Verbindung vorhanden sind, um        willigen in die Weitergabe ihrer
   Dritten teilen oder Zahlungen aus-             Regel Fintechs assoziiert werden,         den Zugriff auf die APIs zum Teilen      Daten zu diesem Zweck ein.
   lösen, die von A
                  ­ nwendungen Dritter            gehören dazu ebenso Handels-              der Daten zwischen den Akteuren
   angefragt werden. Dies geschieht               unternehmen, Tech-Giganten und            sicherzustellen. Technologiean-        Ein möglicher weiterer Player im
   bei den kontoführenden Instituten              herkömmliche Finanzinstitute.             bieter sind darüber hinaus an den      Ökosystem ist die Regulierungsbe­
   normaler­weise über standardi-                                                           Bemühungen um Standardi­sierung        hörde. Einige Länder oder Regionen
   sierte Schnittstellen, sogenannte                                                        beteiligt, damit sich die Marktteil-   erlassen Open Banking-Gesetze
   APIs ­(Application Programming                                                           nehmer nahtlos und effi­zient mit-     mit der Absicht, die Liberalisierung
   Interfaces). Üblicherweise handelt                                                       einander verbinden können. Obwohl      des Zugriffs auf Kundendaten zu
   es sich bei diesen Finanzinstituten            Fintechs /             Traditionelle      die Technologieanbieter zweifellos     beschleu­nigen – wie im Fall der
                                                  Neobanken                Banken
   um traditionelle Banken, Kredit-                                                         eine wichtige Rolle für ein skalier­   ­Europäischen Union (EU) mit der
   karteninstitute und Versicherer, die                          TPPs                       bares und offenes Ökosystem spie-       ­Zahlungsdienste-Richtline 2 (PSD2).
   im Rahmen ihrer Kundenbeziehung                             (Beispiele)                  len, lassen sie sich als «­optional»
   Daten erfassen.                                                                          bezeichnen, da die Akteure auf
                                                                                            dem Markt die Möglichkeit haben,
                                                                                            sich untereinander verbinden zu
                                                 Einzelhändler                Tech-­
                                                                             Giganten       können – auch wenn dies typischer-
                                                                                            weise einen wesentlich höheren
                                                                                            Aufwand bedeutet.

                                                                                                                                                                           6
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IN DER SCHWEIZ TEIL 1

Open Banking-Kategorien
                                                                                                                        Regulatorische
In der Welt des Open Bankings                 über reine Bankangelegenheiten                                            Anforderungen
werden Daten meistens über APIs               ­hinaus. Allgemein gesprochen können
geteilt. Sie stellen die Verbindung            alle Daten, die sich für eine Dienst-
zwischen den internen Systemen der             leistung mit Mehrwert für die End-
Beteiligten her und ermöglichen eine          kund:innen verwenden lassen und die
sichere und nahtlose Datenübertra-            Grenzen einer einzelnen Institution                                       Open Banking
gung von einer Partei zur anderen.            überschreiten, als relevant angese-
                                              hen werden. Im Folgenden sind die
                                                                                                                        Open Finance
Wenn wir über Open Banking spre-              vier Open Banking-Hauptkategorien
chen, sind wir geneigt anzunehmen,            aufgeführt. Der Hauptunterschied
dass sich das Ökosystem nur auf               zwischen ihnen besteht in der Art der
                                                                                                                         Open Data
Bankdaten bezieht. Doch die Reich-            Daten, die sie verwenden.
weite eines solchen Ökosystems geht

• Regulatorische Anforderungen:               braucher:innen – Daten zwischen          ze der Transaktionsanbahnung auf          ler) beteiligt sind und das darauf
   In den Ländern, in denen das Open           Banken und Drittanbietern (TPPs)         ein breiteres Spektrum von Finanz-        abzielt, den Endverbraucher:innen
   Banking durch den Gesetzgeber ge-           über sichere Schnittstellen (APIs)       sektoren und -produkten (z. B. Kre-       nahtlos eine breite Palette von
   regelt wird, geben die Regulierungs-        geteilt werden, um Endkund:­innen        dite, Anlagekonten, Versicherungen,       Dienstleistungen anzubieten.
   stellen vor, welche Datenelemente           bessere digitale Bank- und Zah-          Pensionsfonds).
   für bestimmte Finanzprodukte zu             lungsdienstleistungen zu bieten;                                                 Der Einfachheit halber werden wir im
   teilen sind (z. B. Zahlungsverkehrs­        typischerweise sind diese auf be-       • Open Data:                            weiteren Verlauf dieser Studie den
   konten in der EU gemäss PSD2 oder           stimmte Bankprodukte, wie den              Ein Ökosystem, das auf den Grund-     Begriff «Open Banking» nicht nur für
   der Open Banking-Verordnung der             Zugriff auf Zahlungsverkehrskon-           sätzen des individuellen Datenei­     die oben definierte Kategorie «Open
   CMA in Grossbritannien).                    ten, beschränkt.                           gentums aufbaut, an dem verschie­     Banking» verwenden, sondern ganz
                                                                                          dene Akteure der Finanz- und          allgemein (sofern nicht anders ange-
• Open Banking:                              • Open Finance:                            Nichtfinanz­branche (z. B. Telekom-   geben).
   Ein ­kollaboratives Ökosystem, in             Die Ausweitung des Open Banking-         munikations-, Technologie- oder
   dem – mit Z­ustimmung der Ver-                Datenaustauschs und der Grundsät-        Energieunternehmen, Einzelhänd-

                                                                                                                                                                       7
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IN DER SCHWEIZ TEIL 1

Überblick über Open Banking-Ansätze in aller Welt

Blickt man auf die Akzeptanz des                          Land beeinflusst, ist die Rolle der           das Open Banking eingreifen, ist von     hingegen beruht die Entwicklung des
Open Bankings rund um den Globus,                         Regulierung. Dies ermöglicht uns eine         Markt zu Markt unterschiedlich. In       Open Banking-Ökosystems allein auf
wird deutlich, dass sich der Trend                        grundlegende Unterscheidung: Auf              einigen Fällen legt die Aufsichtsbe-     den Wettbewerbs- und Koopera­
in den grossen Volkswirtschaften                          der einen Seite regulierungsgetriebe­         hörde den Umfang der Dienstleistun-      tions­kräften zwischen den Markt-
durchgesetzt hat, auch wenn sich                          ne Märkte, wo die Regierungen die             gen fest, lässt aber die Einzelheiten    akteuren. Die Schweiz gehört zur
der Entwicklungsgrad von Land zu                          Liberalisierung der Datenweitergabe           der technischen Umsetzung offen,         letzteren Kategorie.
Land unterscheidet.                                       per Gesetz vorantreiben wollen und            während sie in anderen Fällen auch
                                                          damit die Regeln für den Markt fest-          die Entwicklung von API-Standards
Ein wichtiger Faktor, der die Ent-                        legen. In welchem Ausmass die Regu-           mandatiert, die befolgt werden soll-
wicklung des Ökosystems in jedem                          lierungsbehörden in diesen Fällen in          ten. In branchenorientierten Märkten

                                                                     Norwegen                           Russland                                 Regulatorisch gelenktes Open ­Banking-
                      Kanada                                                                                                                     Regime
                                                               Grossbritannien
                                                                       Deutschland Ukraine                               Südkorea
                                                                                              Kasachstan                                         Open Banking mittels vom Regulator
                                                                Frankreich                                                                       gebilligter Standards, z. B. für Kontodaten
                                                                           Italien
                            USA                                      Spanien         Türkei
                                                                                                                                Japan
                                                                                                                                                 und/oder Zahlungsaufträge
                                                                                   Israel VAE     Pakistan    China
                                                                                           Bahrain
                                                                                                       Indien          Hongkong
                                                                                      Saudi-Arabien                  Taiwan
                      Mexiko                  Kolumbien
                                                                                                            Malaysia      Philippinen
                         Costa Rica                                                             Sri Lanka
                                                                    Nigeria                             Singapur            Indonesien
                                                                                            Kenia

                                                  Brasilien
                                    Peru
                                                                                                                                    Australien
                                                                                                                                                 Branchen-gelenktes Open Banking-Regime
                                                                                                                                                 Open Banking über bilaterale und/oder
                                    Chile                                    Südafrika                                                           freiwillige Branchenvereinigungen und
                                                 Argentinien
                                                                                                                             Neuseeland          Standards für Wettbewerbsdifferenzierung

                                                                                                                                                                                           8
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IN DER SCHWEIZ TEIL 1

Open Banking in der Schweiz
Die Rolle von Regulierung und Standardisierung

Regulierung scheint, aufgrund ihrer            Fortschritt bei der Einführung natio-        reguliert. Der Wettbewerb wird die     system für kleinere Marktteilnehmer
beschleunigenden Wirkung und                   naler API-Standards und damit bei            Landschaft des Open Bankings auf       führt. Infolgedessen haben sich die
zentralisierten Führung im Sinne               der Einführung eines durchgängig             eine Weise formen, dass sich nur die   Akteure auf dem Schweizer Markt in
von Standardisierung, ein wichti-              breiten Spektrums von Anwendungs-            sinnvollsten und nachgefragtesten      Initiativen zusammengeschlossen –
ger Treiber des Open Banking zu                fällen auf den jeweiligen nationalen         Dienstleistungen am Markt halten       um Branchenstandards (meist API
sein. In gewisser Weise ist das auch           Märkten betrifft, die durch zahlreiche       und etablieren werden. Durch deren     bezogen) festzulegen.
­richtig, birgt jedoch Schwachstel-            TPPs unterstützt werden2. Die Regu­          Entwicklung können die Akteure auf
 len. Im Falle der EU beispielsweise           lierung kann also teilweise auf die          dem Schweizer Markt erfolgreiche
 ist der Wirkungsumfang der PSD2               Bedürfnisse der Verbraucher:innen            Geschäftsmodelle aufbauen, die
 eingeschränkt und verpflichtet                eingehen, aber jeder Markt hat seine         eine Monetarisierung und damit die
 Finanz­institute zur Öffnung dreier           eigenen Merkmale und erfor­dert              Generierung n ­ euer Einnahmequellen
  API-Typen (Kontoabfragen, Zah-               einen massgeschneiderten ­Ansatz,            ermöglichen. Abgesehen davon kann
 lungsauslösung, Bestätigung ver-              um die Kund:innen so effektiv wie            das Fehlen regulatorischer Eingriffe
 fügbarer Beträge). Eine kürzlich              möglich zu bedienen.                         die Standardisierung von Prozessen
 durchgeführte ­Mastercard-Studie                                                           und Verbindungsprotokollen schwie-
 hat ergeben, dass in den grossen              Angesichts des oben beschriebenen            riger gestalten. Was wiederum die
 EU-Märkten in den letzten Jahren              Effekts geht die Schweiz das Open            wahre «Offenheit» und Skalierbarkeit
 zwar erhebliche Fortschritte erzielt          Banking branchenorientiert an, in der        des Open Bankings infrage stellt und
 wurden. Es gibt aber immer noch               Erwartung, dass der Markt sich dank          zu höheren Implementierungskosten
 ­signifikante Unterschiede zwischen           der aus Wettbewerb und Zusammen-             für Finanzinstitute und damit höhe-
  den einzelnen Märkten, was den               arbeit entstehenden Kräfte selbst            ren Eintrittsbarrieren in das Öko-

2
    Quelle: Mastercard Open Banking Readiness Index: The future of Open Banking in Europe

                                                                                                                                                                     9
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IN DER SCHWEIZ TEIL 1

Im Schweizer Markt fallen derzeit drei        • Common API:                            • Swiss NextGen API:                   ciation und SFTI bei vermögensver-
Standardisierungsinitiativen beson-              Als eine der Hauptarbeitsgruppen          Um den API-Benutzern die interna­    waltungsbezogenen Schnittstellen
ders auf:                                        der Swiss Fintech Innovations (SFTI)      tionale Zusammenarbeit zu ermög-     ist ein Beispiel, das diese Annahme
                                                 strebt Common API an, API-Stan-           lichen, hat Openbankingproject.ch    bestärkt.
• OpenWealth API:                               dards für Anwendungsbereiche im           APIs entwickelt, die mit minimalen
   Bezieht sich auf Bemühungen                   Bank- und Versicherungswesen zu           Abweichungen auf den PSD2-Stan-       Parallel zu den oben genannten
   unter Führung der OpenWealth                  entwickeln. Common API deckt              dards basieren. Da sie aus einer      Standardisierungsinitiativen, die
   Associa­tion (die Finanzinstitute,            aktuell Schnittstellen für Kontoab-       direkten Anpassung der PSD2-          das Open Banking in der Schweiz
   Wealthtechs und andere technische             fragen, Zahlungsauslösung, Kredite        Standards resultieren, umfassen       vorantreiben, beginnen die Markt-
   Anbieter zusammenbringt), API-                und Vermögensmanagement ab                die abgedeckten Anwendungsfälle      teilnehmer:innen, Plattformen mit
   Standards zu schaffen, zu opera-              (Letzteres in Zusammenarbeit mit          Kontoinformationen und Zahlungs-     ­eigenen API-Lösungen anzubieten.
   tionalisieren und zu verwalten, die           der OpenWealth Association). Die          auslösung.                            Ein Beispiel hierfür ist SIX, die im
   vermögensverwaltungsbezogene                  Gruppe positioniert sich auch in                                                Jahr 2020 b.Link an den Start brach-
   Dienstleistungen abdecken. Derzeit            Hinblick auf internationale Kom­       Diese drei Initiativen unterscheiden     ten. SIX b.Link ist eine Plattform, die
   steht eine erste Version des API-             patibilität, da diese Standards in     sich nicht nur im Umfang der abge-       Datenanbieter und Datenbenutzer
   Standards für Tests bereit (sie deckt         Zusammenarbeit mit der Berlin          deckten Anwendungsfelder, sondern        (d. h. Finanzinstitute und TPPs) über
   Dienstleistungen im Zusammenhang              Group (dem Standardisierungs­          auch in Bezug auf die Teilnehmer. Da     Schnittstellen verbindet, die mit
   mit dem Verbrauchermanagement,                gremium für PSD2 in der EU) ent-       die Common API-Initiative von SFTI       Common API kompatibel sind, um
   der Verwahrung von Wertpapieren               wickelt werden. Schliesslich haben     ein breites Spektrum von Dienstleis­     Dienstleistungen rund um die beiden
   und dem Wertpapierhandel ab),                 diese Standards eine gute Chance,      tungen abdecken soll, umfasst sie        Anwendungsfelder Kontoabfragen
   während eine zweite Version der               sich bei den Schweizer Marktak-        mehr Teilnehmer als die beiden an-       und Zahlungsaufträge mit Fokus auf
   APIs, die zahlreiche weitere Dienst-          teuren durchzusetzen, denn SFTI        deren. Wir erwarten, dass Koopera-       Geschäftskunden zu entwickeln. Als
   leistungen in demselben Bereich ab-           arbeitet nach eigenen Angaben mit      tion und Wettbewerb der Initiativen      Betreiberin der Plattform verwaltet
   deckt, derzeit ausgearbeitet wird.            Technologieanbietern zusammen,         und Teilnehmer mit der Zeit zu einer     SIX b.Link auch die administrativen
                                                 die etwa 75 % des Markts für Kern-     Konsolidierung führen – eine Ansicht,    Aspekte der Beziehungen zwischen
                                                 bankensoftware in der Schweiz          die von den Marktakteuren geteilt        den Teilnehmern und stellt sicher,
                                                 bedienen3.                             wird. Die aktuelle Zusammenarbeit        dass diese die gewünschten Sicher-
                                                                                        zwischen der OpenWealth Asso-            heitsstandards einhalten.

3
    Quelle: SFTI

                                                                                                                                                                     10
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Die wichtigsten Marktakteure in der Schweiz

In der Arena des Open Bankings                Banklizenz die V ­ erfügbarkeit strate­   sie eine Vielzahl von Finanzproduk-      Akteure zusammenzubringen, um
spielen verschiedenste Akteure eine           gischer Optionen beeinflusst. Dieje­      ten anbieten, die für Open Banking-­     einen digitalen Marktplatz für Ver-
jeweils unterschiedliche Rolle, je nach       nigen, die bereits im Ökosystem           Anwendungsfälle relevant sind,           sicherungsprodukte zu schaffen. Mit
ihrem Beitrag zum Ökosystem und               aktiv sind, versuchen, sich an den        diese aber auch für weitere digitale     der Einführung solcher Plattformen
ihrer Interaktion untereinander. Wie          Standardisierungsinitiativen zu           Innovationen speziell in ihrer Branche   bietet sich eine grosse Chance, eine
zu Beginn der vorliegenden Studie             betei­ligen, und einige bieten bereits    nutzen möchten. Die Relevanz von         breite Palette von Finanzdienstleis­
dargelegt, lassen sich diese Marktak-         Open B  ­ anking-bezogene Dienstleis-     Versicherungsdienstleistungen für        tungen bereits in einem frühen
teure in drei Kategorien unterteilen:         tungen für ausgewählte Kund:innen         Open Banking in der Schweiz wird         Stadium in ein offenes Schweizer
Finanzinstitute, Drittanbieter (TPPs)         an. Andere haben noch eine passive        nicht nur durch ihre Aufnahme in         Ökosystem einzubinden, im Sinne
sowie Technologieanbieter/-plattfor-          Haltung gegenüber Open Banking,           den Common API-Bereich deutlich,         von «Open Finance», wie wir es oben
men und -marktplätze.                         schätzen die Nachfrage ein und            sondern auch durch die E ­ ntwicklung    definiert haben.
                                              warten auf konkrete Möglichkeiten,        von Projekten wie der Initiative
Zu den Finanzinstituten zählen                zusammen mit einem hohen Stan-            Pensions-Cockpit von SFTI und der        In der Schweiz sind schon jetzt meh-
vor allem Banken und Versiche-                dardisierungsgrad, der die Umset-         EcoHub-Plattform von IGB2B. Die          rere TPPs auf dem Markt aktiv, die
rungen. Wir verwenden eine weit               zung vereinfachen würde. Die Hypo-        Initiative Pensions-Cockpit zielt        derzeit Open Banking-fähige Dienst-
­gefasste Definition des Begriffs,            thekarbank Lenzburg lässt sich als        darauf ab, die Pensionsverwaltung        leistungen anbieten. Diese Markt-
 da wir sowohl traditionelle als auch         Beispiel für eine Bank anführen, die      der Schweizer Bürger:innen, die sich     akteure können ihren Fokus sowohl
 Challenger-Neobanken sowie die               sich bereits aktiv im Open Banking        derzeit aufgrund der Beteiligung         auf Geschäfts- als auch auf Privat-
 in der Schweiz verbreiteten Kredit-          bewegt. Über ihre Plattform ­Finstar      unterschiedlicher Organisationen         kunden legen. Um einige Beispiele
 karteninstitute darunter fassen.             bietet sie z. B. Neon und Sonect          über die drei Säulen hinweg höchst       zu nennen: Bexio und Klara bieten
 Derzeit sind viele dieser Institutio-        Bankdienstleistungen an.                  komplex gestaltet, zu vereinfachen,      Dienstleistungen für Firmenkunden
 nen dabei zu definieren, wie sie sich                                                  indem sie eine zusammengefasste          an (z. B. über die b.Link-Plattform
 innerhalb des Ökosystems Open                Darüber hinaus spielen die Versiche-      Ansicht der Situation von Einzelper-     von SIX, siehe nächste Seite), die
 Banking positionieren, wobei das             rer eine wichtige Rolle im künftigen      sonen bietet. Die Plattform EcoHub       sich auf die administrative Effizienz
 Vorhandensein oder Fehlen einer              Schweizer Open Banking-Markt, da          hat das Ziel, die Versicherungsmarkt-    von Unternehmen konzentrieren und

                                                                                                                                                                   11
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Verbesserungen in der Buchhaltung,            gehören Finstar, Avaloq, Temenos          nale technologische Know-how zu
bei der Abstimmung von Bankkonten             und Finnova. Zudem gibt es Techno-        nutzen, engagiert sich Mastercard
und bei Zahlungsprozessen ermög-              logieanbieter, die API-Marktplätze        im Ausbau des Open Bankings in der
lichen. Contovista bietet daten-              oder -plattformen schaffen wollen,        Schweiz und ist daher assoziiertes
basierte Lösungen, inklusive Multi-           in denen APIs nicht auf der Grund-        Mitglied der SFTI.
banking, die sich in die Schnittstellen       lage etablierter Software erstellt
der Banken integrieren lassen. Auch           werden, sondern mit dem überge­
Vermögensverwaltungsdienste sind              ordneten Ziel einer allgemeinen
mit Unternehmen wie Etops und Al-             ­Interkonnektivität. In dieser Gruppe
too bereits auf dem Markt vertreten            finden wir Akteure wie SIX b.Link,
(auch wenn diese notwendigerweise              Inventx und Swisscom. Technologie-
noch andere Methoden der Konnekti-             anbietern kommt eine wesentliche
vität als APIs verwenden).                     Rolle dabei zu, die Skalierbarkeit
                                               von Open Banking-Lösungen in der
Technologieanbieter/-plattformen              Schweiz basierend auf den von den
und -marktplätze fungieren als tech-          aktuellen Initiativen festgelegten
nische Partner bei der Bereitstellung         Standards zu fördern. Mastercard
der Verbindung zwischen den Partei-            selbst m
                                                      ­ öchte einen aktiven ­Beitrag
en im Open Banking-Ökosystem. Die              zum Open Banking-Ökosystem
Anbieter von Kernbankensystemen                leisten und hat eine Reihe von Dienst-
bieten in der Regel API-Dienste an,            leistungen entwickelt, um die Bedürf-
um Verbindungen zu anderen Akteu-              nisse der Marktteilnehmer weltweit
ren, die ihre Markensysteme nutzen,            in den verschiedenen Stufen der
zu erleichtern. Zu den wichtigsten             Wertschöpfungskette zu erfüllen.
Anbietern auf dem Schweizer Markt              Mit dem Ziel, das eigene internatio-

                                                                                                                             12
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Open Banking-Bereitschaft in der Schweiz
Makroindikatoren für Open Banking-Bereitschaft

 Open Banking ist eine Entwicklung,           grundlegender Bedeutung für den         liegt bei 75 %6. Am wichtigsten ist,      digitalen Innovation in Europa. Da-
 die durch die technologische und             Einsatz von Open Banking. In der        dass der Anteil der Internetnutzer:in-    rüber hinaus weist die Schweiz laut
 digitale Bereitschaft der Beteiligten        Schweiz nutzen 97 % der Bevölke-        nen, die über ihr Smartphone auf das      DII eine Dynamik bei der digitalen
 ermöglicht wird. Daraus lässt sich           rung das Internet, ein Anteil, der in   Internet zugrei­fen, in der Schweiz bei   Entwicklung auf, die vergleichbaren
 ableiten, dass ein Land, das in der          den vergangenen vier Jahren um          80 % liegt, gegenüber 73 % in der EU.     europäischen Ländern in nichts nach-
 Bevölkerung ein höheres Mass an              3 Prozentpunkte gestiegen ist. In                                                 steht. Es handelt sich also um einen
 ­digitaler Akzeptanz aufweist – z. B.        dieser Hinsicht liegt die Schweiz vor   Ein weiterer Hinweis, der für die         in digitaler Hinsicht reifen Markt.
  bei der Internetnutzung, der Smart-         der Gesamtbevölkerung der EU, bei       Bereitschaft der Schweiz für Open
  phone-Penetration und der Nutzung           der 88 % das Internet nutzen5. Die      Banking spricht, lässt sich im Digital
  des elektronischen Geschäftsver-            Verbreitung von Smartphones ist         Intelligence Index (DII) finden. Der
  kehrs – , mit grösserer Wahrschein-         ein weiterer Aspekt, der bei der An-    DII, ein Index, der aus einer Zusam-
  lichkeit bereit ist, Open Banking           nahme des Open Bankings durch die       menarbeit zwischen der Fletcher
  einzuführen und zu verbreiten. Als          Verbraucher:innen eine wichtige Rolle   School an der Tufts University und
  hochentwickelte Volkswirtschaft –           spielt. Denn viele grundlegende, auf    Mastercard hervorgegangen ist, zielt
  sie steht beim Pro-Kopf-BIP welt-           Open Banking basierende Dienst-         darauf ab, die digitale Entwicklung
  weit an achter Stelle4 – ist es nicht       leistungen, drehen sich um Lösungen     von Ländern zu quantifizieren, indem
  verwunderlich, dass die Schweiz             für unterwegs und verbessern die Be-    er eine grosse Bandbreite von Indika-
  in dieser Hinsicht über ein solides         nutzererfahrung und einfache Hand-      toren umfasst, um eine vollständige
­Fundament verfügt.                           habung. Auch bei diesem Merkmal         Analyse zu diesem Thema zu liefern.
                                              übertrifft die Schweiz die EU: 94 %     Auf dem dritten Platz, hinter Finn-
Aus naheliegenden Gründen ist die             der Haushalte verfügen über ein         land und Dänemark, sieht der DII
Verfügbarkeit des Internets von               Smartphone, der EU-Durchschnitt         die Schweiz an vorderster Front der

4
  Quelle: Weltbank. BIP nominal (in USD). Werte für 2018-2019
5
  Quelle: RBR
6
  Quelle: Euromonitor

                                                                                                                                                                 13
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Die Plattform Digital ­Intelligence           Stand der digitalen Entwicklung               Dynamik der digitalen Entwicklung
Index (DII) verwendet mehrere                                                               in den europäischen Ländern
Score­cards, um die unterschiedlichen
Aspekte der weltweiten digitalen               Rang   Land                      Punktzahl    Rang   Land                  Punktzahl
Wirtschaft, wie digitale Entwicklung            1     Finnland                   87.30        1     Aserbaidschan           65.28
und digitales Vertrauen, zu ­messen.            2     Dänemark                    87.17       2     Dänemark                60.72
Die Digital Evolution Scorecard bildet          3     Schweiz                    86.89        3     Russland                58.90
den Stand und die historische Dyna-
                                                4     Niederlande                85.84        4     Polen                   57.29
mik von 90 Volkswirtschaften – die
                                                5     Norwegen                   85.34        5     Bulgarien               55.02
95 % der weltweiten Online-Bevölke-
rung ausmachen – über einen Zeit-               6     Schweden                   85.07        6     Litauen                 54.21

raum von zwölf Jahren (2008-2019)               7     Island                     84.29        7     Lettland                52.82
ab. Sie misst 160 Kenngrössen in vier           8     Grossbritannien            81.84        8     Serbien                 51.16
Schlüsselbereichen: institutionelles            9     Deutschland                79.27        9     Tschechien              50.89
Umfeld, Nachfrage, Angebot sowie
                                                10    Estland                    76.66        10    Ukraine                 49.21
Innovations- und Wandlungsfähig-
                                                11    Österreich                 75.42        …     Andere europäische          …
keit. Die Scorecard «Digital Evolution»                                                             Länder
                                                12    Belgien                    74.51
definiert einen Rahmen, der auf einer
                                                                                              22    Schweiz                 43.44
Skala von 0 bis 100 sowohl den Stand                  Andere europäische
                                                …                                  …
                                                      Länder                                  …     Andere europäische          …
als auch die Rate (Dynamik) der digi-                                                               Länder
                                                32    Aserbaidschan              51.85
talen Entwicklung erfasst.
                                                                                              33    Belgien                 36.17
                                                33    Ukraine                    46.03
                                                                                              34    Schweden                33.86
                                                       Bosnien und
                                                34                               39.65
                                                      ­Herzegowina                            35    Ungarn                  30.64

                                                                                                                                      14
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Einstellungen der Verbraucher:innen           Beziehungen der Kund:innen zu ihrer Hausbank und Veränderungsbereitschaft
gegenüber Open Banking                        Mit 75 % ist die Mehrheit der Verbraucher:innen in der Schweiz zufrieden mit der Beziehung zu ihrer Hausbank –
                                              nur 6 % erwägen, diese innerhalb des nächsten Jahres zu wechseln. Auch lässt sich ein hoher Grad an Loyalität
In unserem Bemühen, das Wert-                 gegenüber Hausbanken feststellen, 56 % der Kund:innen haben sie noch nie gewechselt. Zurückzuführen ist dies
potenzial von Open Banking für                wahrscheinlich auf die Tatsache, dass 48 % seit ihrer Jugend dort Kund:innen sind.
Verbraucher:innen und ihre Einstel-
lung dazu zu verstehen, haben wir
gemeinsam mit dem LINK Institut
eine detaillierte Marktstudie durch-
geführt. Es wurde eine repräsenta-                    75 %                                  56 %                                      48 %
tive Gruppe von mehr als tausend
Personen befragt, um die Affinität
der Verbraucher:innen zu d­ igitalen
und Bankdienstleistungen, ihr Inte-
                                                 Mit ihrer Hausbank zufriedene         Verbraucher:innen, die ihre Haus­         Verbraucher:innen, die seit ihrer Kind-
resse an Open Banking, ihre Bereit-
                                                 Verbraucher:innen                     bank noch nie gewechselt haben            heit Kund:innen ihrer Hausbank sind
schaft, für Open Banking-fähige
Dienstleistungen zu bezahlen, und
                                                                                       Je nach Dienstleistung
ihre Bedenken, die sie möglicher-
weise davon abhalten, zu erfassen.
In den folgenden Kapiteln sind die
Ergebnisse in zusammengefasster                                                             15% -
                                                       6%                                                                             49%
Form dargestellt. Im zweiten Teil
dieser Studie tauchen wir dann tiefer                                                       29%
in bestimmte Dienstleistungen und
die Zahlungsbereitschaft ein.
                                                 Verbraucher:innen, die bereit sind,   Verbraucher:innen, die pro getes­te­ter   Verbraucher:innen, die bereit sind,
                                                 ihre Hausbank mit aktuellen Dienst-   Open Banking-fähiger Dienstleistung       ihre Hausbank zu wechseln oder
                                                 leistungen zu wechseln                für den Zugriff darauf bereit sind, die   eine zusätzliche Bankverbindung
                                                                                       Hausbank zu wechseln oder eine zu-        für ­mindestens eine Open Banking-­
                                                                                       sätzliche Bank­verbindung zu eröffnen     fähige Dienstleistungen zu eröffnen

                                                                                                                                                                       15
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Trotz der lang anhaltenden Bezie­                  hinweg sahen es 49% bei mindestens               Bankgeschäft hinaus, so haben 44 %               leistungen das Potenzial besitzen, die
hung zu ihrer Hausbank pflegen                     einer als wahrscheinlich an, dies zu-            der Befragten mehr als zwanzig Apps              Neukundengewinnung, die Kundenbin-
durchschnitt­liche Verbraucher:innen               künftig zu tun.                                  auf ihrem Telefon8 (und 73 % mehr als            dung und den Share of Wallet derjeni-
in der Schweiz noch zusätzliche                                                                     zehn) in einer Vielzahl von Kategorien,          gen zu erhöhen, die sich zu Innovatio-
Beziehungen zu anderen Banken.                     Ein weiteres Thema, das u  ­ ntersucht           was die Nutzung dieses Kanals für                nen entschliessen, was wiederum den
Konkret hatten 58 % der Verbrau-                   wurde, war die Interaktion der Ver-              alltägliche Bedürfnisse weiter unter-            Wettbewerb fördert. Gleichzeitig ist
cher:innen mehr als eine Bankbezie-                braucher:innen mit ihren Banken.                 streicht.                                        zu erwarten, dass das mobile Banking
hung, wobei der Durchschnitt der                   Betrachtet man die bevorzugten                                                                    in diesem Szenario eine zentrale Rolle
gesamten Stichprobe bei 1,9 Bezie­                 Kommunikationskanäle durchschnitt-               Die Umfrageergebnisse lassen den                 als wertvoller Interaktionskanal und
hungen lag. Der meistgenannte                      licher Schweizer Kund:innen mit dem              Schluss zu, dass Open Banking-Dienst-            Schnittstelle zu Kund:innen spielen wird.
Grund für Kundenbeziehungen mit                    jeweiligen Finanzinstitut, lässt sich
mehreren Banken ist die Risikomini-                feststellen, dass digitale Kanäle
mierung durch Vermögen bei unter-                  ­(online und mobil) die Häufigkeit des                     Anteil der Verbraucher:innen, die den jeweiligen Banking-Kanal
schiedlichen Instituten, ein weiterer               Kontakts mit den Verbraucher:innen                        mindestens einmal pro Woche nutzen
häufig genannter Grund ist mit 26 %                 fördern. Wir konnten ermitteln, dass
die Wettbewerbsfähig­keit der ange­
botenen Finanzproduk­te. Obwohl die
                                                    32 % der Befragten mindestens ein-
                                                    mal pro Woche Onlinebanking nutzen,                            32%                            30%
Bereitschaft die Hausbank zu wech-                  dicht gefolgt vom ­mobilen Banking
seln heute offensichtlich gering ist,               mit 30 %. Nur 2 % der Umfrageteil-
geben bis zu 29% der Befragten an,                  nehmer:innen besuchen w  ­ öchentlich
dies für den Zugriff auf bestimmte                  eine Bankfiliale. Im Bereich des mobi-
Open Banking-fähige Dienstleistun-                  len Bankings besteht noch ungenutz-
gen zukünftig tun zu wollen, oder für               tes Potenzial, denn 33 % der Verbrau-
diese eine zusätzliche Bankbeziehung                cher:innen gaben an, dass sie bei der
zu eröffnen, falls ihre heutige Bank die
jeweilige Dienstleistung nicht anbieten
                                                    Verwaltung ihrer Finanzen bisher nie
                                                    von diesem Kanal Gebrauch gemacht                                                                                              2%
würde7. Über alle getesteten Open                   haben. Vergleicht man dies mit der
Banking-fähigen Dienstleistungen                    Nutzung des Mobiltelefons über das                                Online                         Mobile                       Bankfiliale

7
    Umfasst alle Befragten, die diese Szenarien für «sehr wahrscheinlich» oder «eher wahrscheinlich» hielten, nachdem die Dienstleistungen erklärt wurden, aber bevor ein Preisfaktor eingeführt wurde
8
    Zu verstehen als heruntergeladene Apps, die über die in einem Betriebssystem vorinstallierten Standardanwendungen hinausgehen

                                                                                                                                                                                                16
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Bekanntheit und Interesse an Open Banking

In der Schweiz scheint der B­ egriff                zenreiter ein Anteil von mehr als 50%                    Verbraucher:innen-Bewusstsein und Interesse an Open Banking
«Open Banking» immer noch als                       jeweils Interesse bekundete.9 für die
Finanzjargon wahrgenommen zu-                       drei Spitzenreiter führte. Wir können
werden, und sein Bekanntheitsgrad                   also deutlich beobachten, dass die                       Bekanntheit                               Interesse
ist eher gering. Die Frage, ob sie                  Verbraucher:innen dem Finanzbegriff                      Anteil der Befragten, die von             Anteil der Befragten, die Open
den Begriff «Open Banking» bereits                  Open Banking gegenüber zunächst                         Open Banking gehört haben                 Banking interessant finden
gehört hätten, konnten nur 6 % der                  neutral reagieren. Daher wird die
Teilnehmer:innen bejahen. Daraus                    Aufklärung der Kund:innen mit Open                       Alle                                      Noch nie etwas von        Von Open
lässt sich jedoch nicht auf das Inter-              Banking-Beispielen aus dem echten                        Befragten                                 Open Banking gehört       Banking gehört
esse an Open Banking schliessen. Von                Leben für Finanzinstitute entschei-
denjenigen, denen «Open Banking»                    dend sein, um das Nachfragepoten­
                                                                                                                           94 %                                      86 %                     48 %
ein Begriff war, gaben 52 % an, daran               zial der Verbraucher:innen auszu-
interessiert zu sein. Nachdem den-                  schöpfen – selbst wenn dies heute
jenigen, die noch nie davon gehört                  noch nicht klar erkennbar ist. Abgese-
hatten, eine allgemeine Definition                  hen vom allgemeinen Interesse gaben
von Open Banking gegeben wurde,                     sogar 62 % der Verbraucher:innen an,
zeigten 14 % von ihnen Interesse                    dass sie bereit wären, für Open Ban-
daran. Zusammengenommen gaben                       king-fähige Dienste eine Gebühr zu
also 16 % der gesamten Befragten                    bezahlen. Wenn mann sie nach einem
an, dass sie allein aufgrund der Defi-              nutzungsunabhängigen Höchstbe-
nition von «Open Bankings» Interesse                trag fragt, während 45 % mehr als                                      6%                                        14 %                     52 %
haben. Dieses Interesse nahm zu, als                4.- CHF pro Monat bezahlen würden.
den Verbraucher:innen reale Anwen-                  Auf diese Erkenntnisse werden wir im                     ■ Nein                                    ■ Nicht interessiert

dungsfälle von Open Banking erläu-                  zweiten Teil unserer Studie näher                        ■ Ja                                      ■ Interessiert

tert wurden, worauf für die drei Spit-              eingehen.

9
    Interesse ist definiert als Befragte, die auf die Frage, ob sie die Anwendungsfälle nutzen würden, antworteten: «Ich würde sie auf jeden Fall verwenden» und «Ich denke, ich würde sie verwenden»

                                                                                                                                                                                                  17
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Sicherheitsbedenken                                                                     Bereitstellung zusätzlicher Informa­      Schaffung klarer Vorteile vom Daten-
Der Austausch der Finanz­daten von            die Verbraucher:innen also der Wei-       tionen:                                   austausch:
Verbraucher:innen ist sowohl die              tergabe von Finanzdaten an Nicht-         57 % der Kund:innen zeigten sich          Für TPPs ist es weitaus schwieriger,
­Voraussetzung für das Open Banking           banken skeptisch gegenüberstehen,         bereit, ihre Daten einem Dienstleister    Kund:innen dazu zu bringen, ihre
 Ökosystem als auch einer dessen              ist die Mehrheit (69 %) gleichzeitig      (Bank oder TPP) gegenüber offenzule-      Daten mit ihnen zu teilen, als für
 am als grössten wahrgenommenen               bereit, ihrer Hausbank die Verwaltung     gen, wenn vorab bestimmte Informa-        Hausbanken. Wenn die Vorteile der
 Nachteile. Der Umgang mit sensib-            ihrer Finanz­daten von Drittanbietern     tionen vermittelt werden, die zu einem    Datenoffenlegung – monetärer und
 len, privaten Daten kann bei Ver-            anzuvertrauen. Dies bringt uns zu         hohen Mass an Transparenz führen (z.      nicht-monetärer Art – den Verbrau-
 braucher:innen wie bei Institutionen         einer wichtigen Erkenntnis: Während       B. der Verwendungszweck der Daten,        cher:innen jedoch verdeutlicht werden
 gleichermassen Bedenken hervorru-            etablierte Beziehungen zu Hausban-        welche Daten genau geteilt werden         können, sinkt deren Ablehnung. Die-
 fen. Bei den Verbraucher:innen auf-          ken in Frage gestellt werden könnten,     und welche Sicherheitsmassnahmen          jenigen, die weniger Bedenken gegen
 grund ihrer Sorge, wie mit den Daten         wenn neue Marktteilnehmer begin-          der Anbieter in Bezug auf die Daten       den Austausch von Daten mit TPPs
 verfahren wird, und bei den Institu-         nen, Open Banking-fähige Dienstleis-      getroffen hat). Trotzdem sind 41 %        hatten, nannten als Hauptfaktoren
 tionen aufgrund der notwen­digen             tungen anzubieten, sind Hausbanken        der Kund:innen nicht zur Offenlegung      den Zugang zu besseren, beque­
 ­Investitionen in Sicherheitsmassnah-        immer noch in einer idealen Position,     ihrer Daten bereit, unabhängig von        meren Dienstleistungen, bessere
  men und Datenverwaltung.                    um die Vertrauenslücke der Verbrau-       den begleitenden Informationen (die       Gebührenbedingungen oder Rabatte
                                              cher:innen zu schliessen, indem sie       übrigen 2 % haben diese Frage nicht       und Cashbacks. Dies erhöht zwar die
Laut den Umfrageergebnissen haben             Partnerschaften mit Nicht- Banken/        beantwortet). Interessanterweise          Hürde für TPPs, die Vertrauenslücke
88 % der Verbraucher:innen Bedenken,          TPPs eingehen. Basierend auf den          bedeutet dies angesichts des oben         zu schliessen, verdeutlicht aber auch
ihre Finanzdaten mit Nicht-Banken             Umfrageergebnissen konnten wir            festgestellten Interesses an Anwen-       die Chance für diejenigen, die einen
zu teilen. Die Hauptgründe für diese          Faktoren identifizieren, welche die Be-   dungsfällen auch, dass nur ein klei-      solchen Wert vermitteln können, viele
Bedenken liegen in der möglichen              reitschaft der Verbraucher:innen, ihre    ner Teil der Verbraucher:innen Open       Verbraucher:innen davon zu überzeu-
Nutzung ihrer Finanzdaten für kom-            Daten zu teilen, möglicherweise erhö-     Banking-fähige Dienste interessant        gen, sich mit ihnen zu vernetzen – und
merzielle Zwecke und in möglichen             hen. Hier sind die zwei wichtigsten:      finden könnte, während sie die für ihre   Daten zu teilen.
Sicherheitsmängeln, die zur Preis-                                                      Bereitstellung im Hintergrund erfor-
gabe ihrer Daten führen. Während                                                        derlichen Mechanismen ablehnen.

                                                                                                                                                                     18
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Bedenken der Verbraucher:innen bezüglich Datenaustausch

                                                 Hauptsorgen:                             In der Umfrage wurde auch unter-             Besorgnis entsprechen denjenigen
                                                                                          sucht, was die Verbraucher:innen             für Finanzdaten. Interessanterweise

              88 %
                                                 ❶	«Nicht-Banken nutzen die Finanz-      über die gemeinsame Nutzung von              war der Anteil derjenigen, die einen
                                                   daten zu kommerziellen Zwecken»        Versicherungsdaten denken. Vergli­           Versicherer als vertrauenswürdige
                                                                                          chen mit den Finanzdaten zeigten             Partei für Versicherungsdaten von
                                                 ❷	«Finanzdaten sind bei Nicht-­         die Befragten geringere Bedenken,            Dritten ansahen, mit 38 % niedriger
         Anteil der Verbraucher:innen              Banken nicht sicher»                   Versicherungsdaten mit Nicht-Ver-            als der der Hausbanken für Finanzda-
          mit Bedenken, Daten mit
                                                                                          sicherern zu teilen, auch wenn der           ten. Auch bei den Versicherungsdaten
           Nicht-Banken zu teilen
                                                 ❸	«Finanzdaten könnten missbraucht      Prozentsatz der besorgten Verbrau-           waren die Hausbanken mit 32 % der
                                                   werden und ich verliere Geld»          cher:innen mit 78 % auch in diesem           Verbraucher:innen als vertrauenswür-
                                                                                          Bereich hoch ist. Die Gründe für die         dige Partei dicht auf den Fersen.

         Welche Informationen brauchen Sie, damit Sie bereit sind, Ihre Finanzdaten mit         Wofür würden Sie Ihre Finanzdaten mit einem TPP teilen?
         einem Anbieter (Bank/TPP) zu teilen?                                                   Ergebnisse: die vier wichtigsten (unter denjenigen, die keine Bedenken
         Ergebnisse: die häufigsten vier (alle Befragten), mehrere Antworten möglich            ­angaben), mehrere Antworten möglich

         Verwendungszweck der                                                                   Bessere Produkte /
         Informationen
                                                          36 %                                  Dienstleistungen
                                                                                                                                   35 %

         Art der Daten, auf die der Anbieter                                                    Bessere Gebühren­
         Zugriff haben würde
                                                          34 %                                  bedingungen
                                                                                                                                   30 %

         Was der Anbieter tun würde, um die
         Privatsphäre ihrer Daten zu schützen
                                                          33 %                                  Bequemlichkeit                     26 %

         Würden keine Daten teilen, egal                                                        Rabatte und
         welche Informationen vorliegen
                                                          41 %                                  Cashbacks
                                                                                                                                   24 %

                                                                                                                                                                         19
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Einstellungen der Marktakteure gegenüber Open Banking

Zusätzlich zu der Verbraucherumfra-           für weitere treibende Faktoren wie       vermeintliche Fehlen des Verbraucher-      unausweichliche strategische Frage
ge umfasste unsere Untersuchung               Standardisierungsbemühungen, die         interesses eine Folge des mangelnden       und die Ausarbeitung eines entspre-
auch Interviews mit wichtigen Akteu-          Entwicklung neuer Dienstleistungen       Angebots an Dienstleistungen sein          chenden strategischen Ansatzes
ren auf dem Schweizer Markt. Hierbei          und den daraus resultierenden Markt-     könnte, das jedoch durch die Einfüh-       wichtig für eine gute Aufstellung in
ging es um deren Überlegungen und             wettbewerb. Die Sichtbarkeit einer       rung und Aufklärung über erste inno-       der Zukunft ist.
Einstellungen zu verschiedenen The-           solchen Nachfrage ist auch einer der     vative Anwendungsfälle angekurbelt
men rund um das Open Banking. Um              Gründe, warum sich viele der aktu-       werden wird. Die Ergebnisse unserer        Damit ein Marktteilnehmer zu den
sicherzustellen, dass unsere Erkennt-         ellen Open Banking-fähigen Dienst-       Studie unterstützen diese These, denn      «First Mover» gehört, müssen jedoch
nisse nicht nur die Sicht traditioneller      leistungen und Entwicklungen in der      das Interesse an Open Banking stieg        mehrere Hindernisse berücksichtigt
Institutionen widerspiegeln, haben            Schweiz auf kommerzielle und vermö­      erheblich, sobald die Dienstleistungen     werden. Die Finanzinstitute scheuen
wir auch Vertreter von aufstrebenden          gensverwaltungsbezogene Anwen-           erläutert wurden. Es ist zwar klar,        die Investitionskosten (z. B. für die
Marktakteuren, Finanzdienstleistern           dungsfälle konzentrieren. Gleichzeitig   dass die Aufrechterhaltung der Kun-        Überwindung von Altsystemen, die
und Wissensplattformen befragt.               wird die Wahrnehmung des Open            denschnittstelle für viele Marktteil-      Entwicklung und Anwendung neuer
Die Ergebnisse dieser Gespräche sind          Banking seitens privater Kund:innen      nehmer ein vorrangiges Ziel sein wird,     Konnektivitätsschichten), die für die
in viele Teile und Schlussfolgerungen         bisher als unterentwickelt angesehen     doch könnte dies letztlich das Vor-        Entwicklung des Open Banking und
dieser Studie eingeflossen, dabei             (was unsere Verbraucherumfrage           recht der stärksten Innovatoren und        der damit verbundenen Dienste er-
waren unsere Haupterkenntnisse die            bestätigt). Infolgedessen besteht        besten Berater sein, während andere        forderlich sind. Die Herausforderun-
Folgenden:                                    eine gewisse Skepsis gegenüber dem       sich für Prozesse und Skalier­barkeit im   gen, die sich bei der Beurteilung des
                                              Ausmass des Verbraucherinteresses        Hintergrund ­entscheiden. Für ­welche      Kundeninteresses stellen, führen zu
Die meisten Marktteilnehmer sehen             an Open Banking-fähigen Dienstleis-      Rolle sie sich auch ent­schei­den wer-     Unsicherheiten bei der Erarbeitung
die Kundenachfrage als Hauptan-               tungen für Privatkund:innen. Mehrere     den, viele Schweizer Finanzinstitute       eines entsprechenden Business Case,
trieb für die Entwicklung des Open            Marktteilnehmer waren jedoch über-       sind bereits überzeugt davon, dass         das wiederum helfen könnte, die Prio-
Banking und damit als Katalysator             einstimmend der ­Meinung, dass das       das Open Banking in der Schweiz eine       risierung in der Entwicklungs-Pipeline

                                                                                                                                                                      20
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IN DER SCHWEIZ TEIL 1

sicherzustellen. Gleichzeitig sahen die       und Prozesse. Mit den verschiedenen,     eines von der Branche gesteuerten        durch eine regulierende Stelle bei der
etablierten Finanzinstitute die Gefahr,       heute existierenden Standardisie-        ­Marktes ist, besteht weitgehend         Registrierung und Lizenzierung von
dass die Öffnung der Datentore fast           rungsplattformen zeigen die aktuel-       Einigkeit darüber, dass die Regulie-    TPPs am sinnvollsten wäre. Dies könn-
zwangsläufig zu einem Verlust von             len Bemühungen in der Schweiz eine        rungsbehörde weiterhin eine begrenz-    te den Kund:innen (und anderen Teil-
Kund:innen und der Kundenschnitt-             Heterogenität in der API Entwicklung,     te Rolle im Ökosystem spielt und die    nehmer:innen des Ökosystems) das
stelle führen würde, nicht mehr als           und es gibt eine gewisse Erkenntnis,      Marktakteure sich durch Wettbewerb      nötige Vertrauen in die Interaktion mit
gleich gross an, wie zum Zeitpunkt als        dass zukünftige Marktbedürfnisse          und Zusammenarbeit selbst «regu­        neuen Marktteilnehmern geben – und
das Konzept des Open Banking noch             über einen ganzheitlicheren A­ nsatz      lie­ren» sollten. Dies beruht unter     die klare Botschaft vermitteln, dass
neuer war als dies heute der Fall ist.        angegangen werden sollten. Das            anderem auf der Vorstellung, dass       die sehr hohen Standards der Schwei-
Es besteht kein Zweifel daran, dass           heisst über APIs hinausgehend, um         die Regulierung von Anwendungsfäl-      zer Finanzdienstleistungs­branche
die derzeitigen Betriebsmodelle in            auch angrenzende Prozesse zu stan-        len und technologischen Standards       aufrechterhalten werden.
Frage gestellt werden, doch setzt sich        dardisieren (z. B. Verträge zwischen      sich als Hindernis für die Fähigkeit
zunehmend die Ansicht durch, dass es          Finanzinstituten und TPPs, Verwal-        des Marktes erweisen könnte, das
im Sinne von Win-Win-Szenarien für            tung der Zustimmung der Verbrau-          Innovationspotenzial zu maximieren
alle Seiten von Vorteil ist, wenn sich        cher:innen, Due Diligence von TPPs        und diejenigen Anwendungsfälle zu
die Marktteilnehmer auf die Teile der         usw.). Die Festlegung solcher Stan-       bedienen, von denen erwartet wird,
Wertschöpfungskette konzentrieren,            dards wäre auch für diejenigen, die       dass sie für Verbraucher:innen und
in denen sie am stärksten sind.               bisher bei der Entwicklung von Dienst-    Marktteilnehmer gleichermassen den
                                              leistungen noch abwartend z  ­ usehen,    grössten Wert schaffen, da sich die
Die Marktteilnehmer sehen einen der           ein entscheidendes Argument.              Anforderungen so schnell entwickeln,
wichtigsten Faktoren für die weitere                                                    dass die Regulierung möglicherweise
Entwicklung von Open Banking in der           Obwohl diese Vielzahl konkurrieren-       nicht folgen kann. Gleichzeitig wurde
Etablierung von Standards für APIs            der Normen sicherlich das Ergebnis        mehrfach erwähnt, dass der Beitrag

                                                                                                                                                                    21
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Folgerungen und Erkenntnisse aus Teil I
Aus dem ersten Teil unserer zweiteiligen Studie lassen sich folgende Erkenntnisse zusammenfassen:

• Die Schweiz befindet sich mit der          • Die Mehrzahl der Verbraucher:in-      • Zum jetzigen Zeitpunkt führen
   Einnahme eines hohen Rangs in                 nen gab an, Bedenken hinsichtlich        private Initiativen die Bemühungen
   Bezug auf die digitale Bereitschaft           der Offenlegung ihrer Finanz-            um Standardisierung an, die Regu­
   und ihrem branchenoerientierten               daten gegenüber TPPs zu haben,           lierungsstellen hingegen beteiligen
   Ansatz insgesamt in einer soliden             und vertraut hauptsächlich ihrer         sich nur in geringem Umfang. Diese
   Position, um die Entwicklung von              Hausbank, weshalb diese eine ver-        privaten Initiativen werden für
   Open Banking zu fördern.                      trauensbildende Brückenfunktion          die Entwicklung und Einführung
                                                 einnehmen sollte. Solche Bedenken        von Diensten entscheidend sein,
• Es wird erwartet, dass die Verbrau-           können durch ein hohes Mass an           und zwar nicht nur bei denjenigen,
  chernachfrage die Entwicklung von              Transparenz hinsichtlich der Daten-      die bereits beteiligt sind, sondern
  Open Banking vorantreiben wird,                nutzung und – für TPP – durch den        insbe­sondere auch jenen, die noch
  und auch wenn sie heute auf dem                Nachweis eines eindeutigen mone-         am Rande stehen.
  Markt noch nicht deutlich sichtbar             tären oder nichtmonetären Werts,
  ist, zeigt ein grosser Teil der befrag-        den andere möglicherweise nicht       Wir werden unsere Analyse in Teil II
  ten Verbraucher:innen Interesse                bieten können, entkräftet werden.     der Studie fortsetzen und die Mone-
  an Open Banking-fähigen Dienst-                                                      tarisierungsmöglichkeiten für die
   leistungen und ist bereit, dafür zu        • Viele Schweizer Marktteilnehmer       Schweizer Marktteilnehmer n   ­ äher
   bezahlen.                                     haben Open Banking als unum-          beleuchten, wobei wir einen detaillier-
                                                 gängliches strategisches Thema        teren Blick auf die Dienstleistungen,
• Die Loyalität der Kund:innen gegen-           erkannt, und die Erkenntnis des       das Interesse der Verbraucher:innen
   über ihrer Hausbank ist hoch.                 Win-Win-Potenzials setzt sich zu-     und die Zahlungsbereitschaft werfen
   Dennoch ist ein höherer Anteil der            nehmend durch. Bei der Entwick-       werden.
   Verbraucher:innen bereit, für Open            lung und Priorisierung bleiben noch
   Banking-fähige Dienstleistungen in            zahlreiche Hindernisse auszuräu-
   Zukunft die Hausbank zu wechseln,             men und klare „First Mover“ stehen
   oder eine zusätzliche Bankbezie-              noch aus.
   hung zu eröffnen, als dies heute der
   Fall wäre.

                                                                                                                                 22
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