ORIENTIERUNGSKATALOG KINDERSCHUTZDIAGNOSTIK - ANKERBEISPIELE - Stand: Dezember 2019

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ORIENTIERUNGSKATALOG KINDERSCHUTZDIAGNOSTIK - ANKERBEISPIELE - Stand: Dezember 2019
ORIENTIERUNGSKATALOG KINDERSCHUTZDIAGNOSTIK
                             - ANKERBEISPIELE -

 Stand: Dezember 2019

Jugendamt
Landeshauptstadt Stuttgart                        Amt für Familie
Orientierungskatalog mit Ankerbeispielen zum Stuttgarter Kinderschutzbogen, zum Diagnoseinstrument zur Einschätzung einer
möglichen Kindeswohlgefährdung der Jugendämter Stuttgart und Düsseldorf (DKWG) des Jugendamtes Düsseldorf sowie Diag-
noseinstrument Kindeswohlgefährdung Hamburg

Die hier beschriebenen Ankerbeispiele beziehen sich auf folgende Module der oben genannten Instrumente:
Interaktion; Grundversorgung und Schutz des Kindes und Jugendlichen (0.-3. Geb., 3.-6. Geb., 6.-14. Geb., 14.-18. Geb.)
Erscheinungsbild Jugendliche*r (Altersgruppe 14.-18. Geb.) sowie Kooperationsbereitschaft der Bezugspersonen.

Stand: Dezember 2019

Redaktion:
Wulfhild Reich, Jugendamt Stuttgart, Stabsabteilung Qualität und Qualifizierung
Ulrike Staffeldt, Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration Hamburg, Abteilung Gestaltung der Jugendhilfe

Die Urheberrechte liegen bei den Jugendämtern Stuttgart, Düsseldorf. Die Ankerbeispiele können mit freundlicher Genehmigung und auf
eigene fachliche Verantwortung nachgedruckt und kostenfrei verbreitet werden.

Orientierungskatalog Kinderschutzdiagnostik - Ankerbeispiele - / Stand: Dezember 2019
Copyright © Jugendamt Stuttgart / Jugendamt Düsseldorf
Der Orientierungskatalog enthält sogenannte Ankerbeispiele, die auf der Basis der kommunikativen Validierung, einer Methode der qualitativen Sozialforschung,
entwickelt wurden. Fachkräfte der Jugendhilfe können diesen Katalog als Arbeitshilfe zur Einschätzung der Situation des von Kindeswohlgefährdung bedrohten
Kindes oder Jugendlichen verwenden. Die darin aufgeführten Ankerbeispiele sind nicht als umfassend und abschließend zu betrachten. Sie müssen immer wieder
reflektiert und weiterentwickelt werden. Bevor man sich an einzelnen Beschreibungen orientiert, ist es wichtig alle Beispiele mit ihren Bewertungen zu betrachten!
Die Ankerbeispiele sind Beispiele, die jeweils im Zusammenhang mit der Lebenssituation der Familie zu sehen sind. Sie sollen hilfreich in der Kommunikation mit
den Erziehungsberechtigten, den Kindern und Jugendlichen und den Kooperationspartnern sein und transparent und besprechbar machen, was sozialpädagogische
Fachkräfte als relevant für eine Gefährdung bzw. das Kindeswohl erachten.

Die Ankerbeispiele wurden durch Fachkräfte der Allgemeinen Sozialen Dienste/ Bezirkssozialdienste der Jugendämter Stuttgart, Düsseldorf und Hamburg in durch
Experten geleiteten Praxisworkshops erarbeitet und werden regelmäßig überarbeitet.
Für die Altersgruppe der Jugendlichen (14. – 18. Geb.) liegen zusätzlich Ankerbeispiele für das „Erscheinungsbild Jugendliche*r“ vor, sowie für adipöse Kinder und
Jugendliche. Diese Ankerbeispiele wurden von Berliner Jugendämtern übernommen.

Erläuterungen zu den Abkürzungen:

     Der Erziehungsberechtigte ist gemäß § 7 (1) Nr. 6 SGB VIII der Personensorgeberechtigte selbst und jede sonstige Person über 18 Jahre, soweit sie
      auf Grund einer Vereinbarung mit dem Personensorgeberechtigten nicht nur vorübergehend und nicht nur für einzelne Verrichtungen Aufgaben der
      Personensorge wahrnimmt. Die erziehungsberechtigte Person muss nicht unbedingt mit dem Kind im Haushalt zusammenleben.
      Der Erziehungsberechtigte wird nachfolgend mit „Eb“ abgekürzt.

     Mit Bezugspersonen sind alle Erziehungsberechtigten gemeint, die einen engen Bezug zum Kind haben und daher bei der Gefährdungseinschätzung
      unbedingt zu betrachten sind. In der Regel werden diese Bezugspersonen mit dem Kind auch in einem gemeinsamen Haushalt zusammenleben. Dies
      können z.B. leibliche Eltern, neue Partner, Großelternteile, Onkel, Tanten, Au Pair etc. sein.
      Sie werden im Folgenden mit „Bp“ abgekürzt.
      Neue Partner der Erziehungsberechtigten leben nicht unbedingt mit dem Kind im Haushalt zusammen. Sie können aber für das Kind wichtige Versor-
      gungsaufgaben übernehmen. Insofern sind sie als Bezugsperson des Kindes in den Blick zu nehmen.

     Hausbesuche kürzen wir „Hb“ ab.

Gliederung der Broschüre

    Ankerbeispiele zu                                                                             Seite                                  Farbcode
              Altersgruppe 0.- 3. Geburtstag                                                        4
              Altersgruppe 3.- 6. Geburtstag                                                       24
              Altersgruppe 6.- 14. Geburtstag                                                      44
              Altersgruppe 14.- 18. Geburtstag                                                     62
              Kooperationsbereitschaft Bezugspersonen                                              82

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Überblick der bewerteten Aspekte
                                                      Altersgruppe 0.-3. Geburtstag

Interaktion zwischen Kind und Bezugsperson

Grundversorgung und Schutz
                                               Ernährung
                                               Schlafplatz
                                               Kleidung
                                               Körperpflege
                                               Beaufsichtigung des Kindes und Schutz vor Unfallgefahren,
                                                Schutz vor Gewalt (auch durch sex. Missbrauch, weibl. Genitalverstümmelung,
                                                Erleben häuslicher Gewalt, Schutz vor Ausbeutung etc.)
                                               Sicherung der medizinischen Versorgung

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                                                                                        Seite 4
0.-3. Geburtstag
                                                   Interaktion zwischen
                                                  Kind und Bezugsperson
 Die meisten Kriterien sind nur anwendbar, wenn das Kind bei Hausbesuchen wach ist
 und der Hausbesuch insgesamt mindestens 30 Minuten dauert, vor allem bei Säuglingen.

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                                                                                        Seite 5
Interaktion zwischen Kind und Bezugsperson                                                                                                     0.-3. Geb.
 Interaktion zwischen Kind und
 Bezugsperson                                                              negativ                                                     positiv

                                                  Kaum Blickkontakt der Bp zum Kind, auch nicht nach        Bp hat während des Hausbesuchs mehrfach positiven Körper-
                                                   Signalen des Kindes.                                       kontakt zum Kind.
                                                  Bp spricht nicht mit Kind, hört nicht zu, unterbricht     Bp spricht mit dem Kind, lässt Kind ausreden, hört zu, äußert
                                                   Kind ständig, äußert sich abwertend über Kind.             sich positiv über das Kind.
 Aufmerksamkeit/ Körperkon-                       Bp reagiert mit Abneigung, wenn Kind Körperkontakt        Kind reagiert grundsätzlich freudig auf Bezugsperson.
 takt/ Blickkontakt/ Zuwendung                     sucht.
 für das Kind                                     Versorgung des Kindes wirkt sehr mechanisch.
                                                  Bei Versorgung des Kindes deutliche Ablenkung
                                                   durch das Smartphone, digitale Medien.
                                                  Kind wendet sich während Hausbesuch kaum an Bp,
                                                   blickt ins Leere, wirkt apathisch, dreht Kopf von Be-
                                                   zugsperson weg.

                                                  Bp versteht Signale des Kindes (z.B. Weinen, Rufen,       Bp kann Gefühle und Signale des Kindes weitgehend verste-
                                                   Reiben der Augen aufgrund von Müdigkeit) nicht             hen und reagiert überwiegend angemessen.
                                                   oder deutet sie sehr negativ (z.B. Kind will Bezugs-      Bp spricht differenziert über Bedürfnisse und den individuellen
                                                   person nur ärgern).                                        Rhythmus des Kindes (z.B. bezüglich Mahlzeiten).
                                                  Bp übergeht erkennbare, wichtige Bedürfnisse des          Bp schildert unter Umständen Schwierigkeiten, auf kindliche
 Angemessenheit der Wahr-                          Kindes (z.B. Hunger, Durst) oder wertet wichtige Be-       Bedürfnisse einzugehen, holt sich aber ausreichende Unter-
 nehmung kindlicher Bedürf-                        dürfnisse des Kindes ab, bzw. bagatellisiert sie (z.B.     stützung.
 nisse                                             Bedürfnis nach regelmäßigen Schlafenszeiten).
                                                  Kind verhält sich unruhig, nimmt Ansprache der Bp
                                                   nicht wahr.
                                                  Bp zeigt Hilflosigkeit im Umgang mit wichtigen Be-
                                                   dürfnissen des Kindes (z.B. zwanghaftes Füttern)
                                                   oder die Fachkraft erkennt eine ausgeprägte Überfor-
                                                   derung (Bp macht es nicht selbst zum Thema).

Orientierungskatalog Kinderschutzdiagnostik - Ankerbeispiele - / Stand: Dezember 2019
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                                                                                        Seite 6
Interaktion zwischen Kind und Bezugsperson                                                                                                       0.-3. Geb.
 Interaktion zwischen Kind und
 Bezugsperson                                                              negativ                                                       positiv

                                                  Bp ignoriert beim Hausbesuch deutliche emotionale           Bp bietet weinendem Kind Trost an, Kind lässt sich beruhigen.
                                                   Signale des Kindes (z.B. Weinen).                           Kind darf so sein, wie es sich fühlt und wird von Bp respektiert
                                                  Bp belastet weinendes Kind zusätzlich durch Strafen,         und geschützt.
                                                   scharfe Vorwürfe, Anschreien oder Auslachen.                Bp hilft dem Kind beim Umgang mit seinen Gefühlen, indem
                                                  Ausgeprägte negative Stimmungen der Bp werden in             er/sie Gefühle benennt, sie auf reale Ursache zurückführt (z.B.
                                                   einer das Kind erkennbar ängstigenden oder belas-            „du musst dich jetzt ärgern weil…“) und Lösungen aufzeigt
 Feinfühligkeit gegenüber                          tenden Weise vor dem Kind ausgelebt.                         bzw. Körperkontakt anbietet.
 emotionalen Bedürfnissen                         Entwicklung der Geschlechtsidentität: Bp verneint, ig-      Entwicklung der Geschlechtsidentität: Bp greift die Gefühle des
 des Kindes                                        noriert, beschämt das Kind in seinem Gefühl „anders          Kindes „anders zu sein“ einfühlsam auf. Mit dem Kind wird al-
                                                   zu sein“, äußert ein rigides Geschlechterrollenver-          ters- und entwicklungsangemessen darüber gesprochen, dass
    Auch was die Entwicklung der                   ständnis.                                                    es Jungen gibt, die in einem weiblichen Körper geboren sind
     Geschlechtsidentität betrifft                Bp wendet psychische oder körperliche Gewalt an,             und Mädchen, die in einem männlichen Körper geboren sind
                                                   wenn Kind sich nicht als rollenkonformes Mädchen             und dass das ok ist. Kind wird respektiert in seiner Suche.
                                                   oder Junge verhält oder droht, Kind aus der Familie         Sensible Einführung des neuen Partners / der neuen Partnerin.
                                                   zu verstoßen.                                                Bp bleibt dem Kind in der Elternrolle erhalten und hat die Be-
                                                  Neuem Partner wird direkt Erziehungsverantwortung            dürfnisse des Kindes im Blick.
                                                   zugeschrieben.
                                                  Bp und neuer Partner / neue Partnerin bilden eine
                                                   Einheit gegen das Kind.

                                                  Bp reagiert nicht, auch wenn Kind Grenzen gegen-            Bp bestärkt und ermutigt das Kind, spricht es überwiegend
                                                   über den Besuchern deutlich überschreitet, Gegen-            freundlich an und setzt angemessene Grenzen, wenn sein Ver-
                                                   stände im Haushalt zerstört, Geschwister schlägt             halten dies erfordert.
                                                   oder sich selbst in Gefahr bringt.                          Im Konfliktfall erhält das Kind klare und bestimmte Aussagen,
 Grenzen setzen und Führen                        Ständige Ermahnungen des Kindes bleiben ohne                 denen die Bp bei Bedarf durch Wiederholung, Hilfestellung
 des Kindes                                        Wirkung, Bp scheint dies nicht zu bemerken oder              oder Konsequenzen Geltung verschafft.
                                                   zeigt sich hilflos und bleibt passiv.
                                                  Bp verhält sich willkürlich gegenüber Kind (z.B. Medi-
                                                   ennutzung wird erst verboten, fünf Minuten später
                                                   plötzlich erlaubt).
                                                  Kind erscheint angesichts eines übermäßig strengen
                                                   Auftretens der Bp sehr verängstigt.

Orientierungskatalog Kinderschutzdiagnostik - Ankerbeispiele - / Stand: Dezember 2019
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                                                                                        Seite 7
Interaktion zwischen Kind und Bezugsperson                                                                                                      0.-3. Geb.
    Interaktion zwischen Kind und
    Bezugsperson                                                           negativ                                                     positiv

                                                  Kind verbleibt während des Hausbesuchs im Kinder-         Bp kann über beobachtete Entwicklungsfortschritte beim Kind
                                                   bett bzw. im Kinderzimmer, obwohl es wach ist.             sprechen.
                                                  Kind darf nicht in der Wohnung spielen.                   Bp spricht alters-/entwicklungsangemessen mit dem Kind.
                                                  Bp spricht nicht mit dem Kind.                            Digitale Medien werden gemeinsam spielerisch genutzt, um
                                                  Laut der Beobachtung beim Hb und Schilderung der           Kind zu fördern.
    Verbale Anregungen/ Spiel-                                                                               Bp schildert gemeinsame Spiele und alters-/entwicklungsge-
                                                   Bp sitzt Kind häufig vor TV1) Spielkonsole, Tablet.
    und Bewegungsmöglichkeiten                                                                                mäße Freizeitaktivitäten mit dem Kind, die oft im Freien statt-
                                                  Es können kaum gemeinsame Spiele und alters-/ent-
    für das Kind                                                                                              finden oder beschreibt einen aktiven Einbezug des Kindes in
                                                   wicklungsgemäße Aktivitäten mit dem Kind beschrie-
                                                   ben werden.                                                Alltagsaktivitäten (z.B. „Kind hilft beim Backen“).
                                                  Kind wird keine Gelegenheit gegeben, sich im Freien       Kind hat in der Wohnung erkennbar Raum zum Spielen und
                                                   zu bewegen.                                                Erforschen.
                                                  Bei Kind im 3. Lebensjahr: Es werden keine Kontakte       Bp schildert Kontakte des Kindes zu Gleichaltrigen.
                                                   zu Gleichaltrigen beschrieben.                            Ab 1. Lebensjahr: Kind hat ausreichend Gelegenheit zu bewe-
                                                                                                              gungsorientiertem Spiel mit anderen Kindern im Freien.

                                                  Bp äußert deutlich überfordernde Erwartungen an           Bp äußert angemessene Erwartungen bezüglich der Entwick-
                                                   das Kind (z.B. Kind sollte mit 2 Jahren sauber sein,       lung des Kindes und handelt entsprechend (z.B. Förderung
                                                   sich eine Stunde lang alleine beschäftigen oder per-       des Kindes zur Sauberkeit im Alter von 2-3 Jahren).
                                                   sönliche Krisen der Bp verstehen).                        Kind wird von Bp unterstützt, selbstständig aus dem Glas zu
                                                  Eine alters- und/oder entwicklungsentsprechende            trinken, im Alter von ca. 2 Jahren.
                                                   Selbstständigkeit des Kindes zeigt sich beim Haus-        Bp erkennt die besonderen Bedarfe des Kindes und holt sich
    Angemessenheit von Anforde-                    besuch nicht (z.B. gesundes Kind wird mit 3 Jahren         ärztliche/ therapeutische Hilfe.
    rungen/ Erwartungen an das                     noch regelmäßig gefüttert oder nimmt nur flüssige
    Kind                                           Nahrung zu sich).
                                                  Kind mit körperlicher/geistiger Behinderung und/oder
                                                   besonderem Förderbedarf wird ständig überfordert.
                                                  Bewegungsdrang des Kindes wird sehr deutlich be-
                                                   hindert (z.B. Kind wird im Laufstall, Buggy, Baby-
                                                   schale o.ä.) gelassen. 2
                                                   Bp hat massive Ängste bezüglich der Außenwelt.

1
  Empfehlung des Berufsverbands der Kinderärzte und BzGA: Im Alter von 0-3 Jahre kein Medienkonsum, 3-6 Jahre 30 Minuten maximal täglich.
2 Hinweis: „Gehfrei“ oder „Baby Walker“ können zu Unfällen führen, sind ohne nachgewiesenen Nutzen für die motorische Entwicklung und können auch schädlich sein (Beinver-
formung, Hüftschädigung).
Orientierungskatalog Kinderschutzdiagnostik - Ankerbeispiele - / Stand: Dezember 2019
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                                                                                        Seite 8
Interaktion zwischen Kind und Bezugsperson                                                                                                      0.-3. Geb.
 Interaktion zwischen Kind
 und Bezugsperson                                                          negativ                                                      positiv

                                                  Im Gespräch mit der Bp wird deutlich, dass das Kind        Es wird eine Tagesstruktur beschrieben, die sowohl die Be-
                                                   häufig an beliebig wechselnde Personen abgegeben            dürfnisse des Kindes als auch der Bp berücksichtigt.
                                                   und dort unzureichend betreut wird.                        Bp sorgt für eine verlässliche Betreuungssituation während ei-
                                                  Die persönliche Situation der Bp (z.B. ständig wech-        gener Abwesenheit.
                                                   selnde Aufenthalte/ Partner) ermöglicht keinen regel-      Bp kann mit bestimmten Tageszeiten oder Ereignissen verbun-
                                                   mäßigen Tagesablauf mit dem Kind.                           dene kindgemäße Rituale beschreiben und umsetzen (z.B.
 Strukturierter Tagesablauf/                      Bp kann nicht schildern, wie lange das Kind in der          beim zu Bett bringen).
 Zuverlässigkeit gegenüber                         Regel schläft, wie oft es Hunger bekommt und wie oft       Falls die Bp gegenüber dem Kind beim Hausbesuch Verspre-
 dem Kind                                          die Windel gewechselt werden muss.                          chungen macht, bleibt sie dabei oder erklärt Abweichungen
                                                  Kind hat keine Möglichkeit eine Tagesstruktur zu ent-       kindgemäß.
                                                   wickeln. Angemessener Schlaf- Wach-Rhythmus
                                                   nicht möglich.
                                                  Kind wird mehrfach nicht rechtzeitig von der Kinder-
                                                   tageseinrichtung abgeholt.
                                                  Bp vertröstet das Kind beim Hb immer wieder, ohne
                                                   dass Versprechen eingelöst werden.

                                                  Aus den Schilderungen der Bp ergibt sich, dass das         Eltern sind sich einig oder schützen das Kind vor unangemes-
                                                   Kind heftige oder gewalttätige Auseinandersetzungen         sen ausgetragenen Auseinandersetzungen.
                                                   miterleben musste.                                         Im Gespräch wird Wertschätzung der Bp gegenüber dem an-
                                                  Es wird vor dem Kind abwertend über den anderen             deren Elternteil deutlich.
 Auseinandersetzung der
                                                   Elternteil gesprochen oder aus den Äußerungen der          Kind spricht unbefangen über den anderen Elternteil.
 Erziehungsberechtigten um                         Bp geht hervor, dass das Kind ausgehorcht / zur Par-       Bei Konflikten, die die Eltern nicht selbst lösen können, wird
 das Kind                                          teinahme aufgefordert wird.                                 Hilfe gesucht.
                                                  Es werden jahrelange gerichtliche Auseinander-
       Vor allem im Rahmen von                     setzungen um das Kind beschrieben.
       Trennung und Scheidung
                                                  Belegbar positive Beziehungen des Kindes zum an-
                                                   deren Elternteil oder weiteren engen Bezugsperso-
                                                   nen werden ohne nachvollziehbaren Grund unterbun-
                                                   den.

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                                                                                        Seite 9
0.-3. Geburtstag
                       Grundversorgung und Schutz des Kindes

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                                                                                        Seite 10
Grundversorgung und Schutz des Kindes                                                                                                                   0.-1. Geb.
Ernährung I
Nach Möglichkeit im U-Heft Gewichtskurve anschauen.
Kinderärztliche Hinweise sind kursiv gedruckt.

    Woran zu
    erkennen?                                -2 (sehr schlecht)                            -1 (schlecht)                  +1 (ausreichend)                          +2 (gut)

                                          Flaschenmahlzeiten:                         Flaschenmahlzeiten:             Flaschenmahlzeiten:                Baby wird voll gestillt oder
                                           Kuhvollmilch, H-Milch oder                   Kuhvollmilch, H-Milch oder       Die Folgemilch (Milch 2)            erhält volladaptierte Pulver-
                                           Magermilch vor dem 5. Le-                    Magermilch vor dem 10.           wird vor dem 4. Lebens-             milch (Milch 1) bis zum 5.
                                           bensmonat.                                   Lebensmonat.                     monat eingesetzt.                   Lebensmonat.
              Essen                       Kein regelmäßiges Angebot                   Phasenweise wenig oder           Ist sättigender, jedoch nicht      Regelmäßiges Angebot an
                                           an Nahrung.                                  kein Angebot an Nahrung.         gut verträglich für das             Nahrung.
    Bei besonderen Ernährungs-            Nicht an die zeitlichen Be-                 Selten an die zeitlichen Be-     Darmsystem des Babys.              Regelmäßiges Angebot an
     weisen sollte Expertise ein-          dürfnisse des Säuglings an-                  dürfnisse des Säuglings         Meistens werden die Mahl-           ungesüßter Flüssigkeit
           geholt werden.                  gepasste Mahlzeiten.                         angepasste Mahlzeiten.           zeiten an die zeitlichen Be-        (Tee, Wasser, Säfte3).
                                          Kein regelmäßiges Angebot                   Nicht dem Alter bzw. der         dürfnisse des Säuglings            Mahlzeiten orientieren sich
     Bei veganer Ernährung der             an Flüssigkeit.                              Gewichtsentwicklung ent-         angepasst.                          an den Bedürfnissen des
    KM ohne ausreichende Vita-            Pflanzliche Milchersatzge-                   sprechende Folgemilch.          Vegane Kost mit Nährstoff-          Säuglings.
    min B -Versorgung erhält das           tränke (außer spezieller So-                                                  überwachung und adäqua-
     Kind über das Stillen keinen          janahrung für Säuglinge).                                                     ter -ergänzung. Bei gestill-
      Vitamin B Komplex, dieser                                                                                          ten Kindern auch bei der
                                          Vegane Kost ohne Nährstoff-
     wird jedoch für den Nerven-                                                                                         Mutter.
                                           überwachung durch Kinder-
    aufbau gebraucht. Außerdem                                                                                          Wissenschaftsbasierte Er-
                                           arzt und adäquate Nährstoff-
      mangelt es an Eisen, Jod,                                                                                          nährungsberatung wird
                                           ergänzung, bei gestillten Kin-
        Zink, Vitamin D, A, B2,                                                                                          konsequent umgesetzt.
                                           dern auch ohne Nährstoff-
         Omega-3-Fettsäuren
                                           überwachung und -ergän-
                                           zung bei der Mutter.
                                          Vegane Kost ohne wissen-
                                           schaftsbasierte Ernährungs-
                                           beratung/ Eltern setzen Er-
                                           nährungsberatung nicht um.

3
    Tee, Wasser erst bei Zufüttern ab 5. Monat; möglichst kein Saft, wenn doch, dann nur sehr stark verdünnt.
Orientierungskatalog Kinderschutzdiagnostik - Ankerbeispiele - / Stand: Dezember 2019
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                                                                                             Seite 11
Grundversorgung und Schutz des Kindes                                                                                                                  0.-1. Geb.
Ernährung II
 Woran zu
 erkennen?                                   -2 (sehr schlecht)                            -1 (schlecht)                +1 (ausreichend)                        +2 (gut)

                                          Saft oder gesüßter Tee aus                  Saft oder gesüßter Tee aus     Vor dem 6. Lebensmonat:          Vor dem 6. Lebensmonat:
            Trinken                        der Babyflasche (Zähne sind                  Trinkbecher.                    Abgekochtes Wasser oder           Abgekochtes Wasser oder
                                           ständig Zucker ausgesetzt).                                                  ungesüßter Tee                    ungesüßter Tee
 Flüssigkeit muss ständig ver-            Unbeaufsichtigtes Einflößen,                                                                                  Nur Muttermilch oder Fla-
  fügbar sein und angeboten                Fläschchen wird durch ein                                                                                      schennahrung, ab Beikost-
            werden                         Kissen fixiert.                                                                                                alter: Wasser + ungesüßter
                                          Zu große und selbst vergrö-                                                                                    Tee
                                           ßerte Sauger.

                                          4.-9. Lebensmonat:                          4.-9. Lebensmonat:             Breiige Beikost oder Gläs-       Frisch zubereitete breiige
   Nahrungsqualität                        Beikost mit Stückchen, zu                    Beikost mit Stückchen, zu       chen.                             Beikost oder Gläschen.
                                           wenig breiig.                                wenig breiig.
   Achtung auf abgelaufene
   Mindesthaltbarkeitsdaten
   oder verdorbene Lebens-
            mittel

                                          Für Säuglinge ungeeignete                   Als Beikost wird Gebrate-      Altersgemäße Beikost wird        Maximal alle 1-2 Wochen
                                           Lebensmittel wie Milchschnit-                nes oder Frittiertes vor        wahllos eingeführt, ohne          wird eine neue altersge-
                                           ten u.ä.                                     dem 10. Lebensmonat ge-         die Verträglichkeit abzu-         mäße Beikost eingeführt
                                          Süßigkeiten werden sehr                      geben.                          warten.                           und Verträglichkeit berück-
                                           häufig als Belohnung und                    Süßigkeiten werden häufig      Gelegentlich werden Sü-           sichtigt.
            Beikost                        Trostmittel eingesetzt.                      als Belohnung und Trost-        ßigkeiten als Belohnung          Gemüse-Getreide-Fleisch-
                                          „Alternative“ Nahrungsmittel                 mittel eingesetzt.              und Trostmittel benutzt.          Brei
  Ab Beginn 5. Lebensmonat                 wie Mandelmilch, vegane                     Vegetarische Kost ohne         Lakto-ovo-vegetarische           Säugling bekommt keine
   schrittweise Einführung                 Kost.                                        wissenschaftsbasierte Er-       Kost mit ausreichender Zu-        Süßigkeiten.
                                                                                        nährungsberatung.               fuhr von tierischen Produk-      Lakto-ovo-vegetarische
                                                                                                                        ten                               Kost mit ausreichender Ei-
                                                                                                                                                          senversorgung auf der
                                                                                                                                                          Grundlage erfolgter wis-
                                                                                                                                                          senschaftsbasierter Ernäh-
                                                                                                                                                          rungsberatung.

Orientierungskatalog Kinderschutzdiagnostik - Ankerbeispiele - / Stand: Dezember 2019
Copyright © Jugendamt Stuttgart / Jugendamt Düsseldorf

                                                                                             Seite 12
Grundversorgung und Schutz des Kindes                                                                                                                0.-1. Geb.
Ernährung III
 Woran zu
 erkennen?                                   -2 (sehr schlecht)                            -1 (schlecht)               +1 (ausreichend)                       +2 (gut)

                                          Bis 5. Lebensmonat:                         Bis 5. Lebensmonat:           Bis 5. Lebensmonat:             Bis 5. Lebensmonat:
                                           Weniger als 4 Flaschen-                      Ab 4 Flaschenmahlzeiten.       6 Flaschenmahlzeiten. Pul-       6-8 Flaschenmahlzeiten.
                                           mahlzeiten. Pulvermilch wird                 Pulvermilch wird nicht im      vermilch wird im richtigen       Pulvermilch wird im richti-
                                           nicht im richtigen Mengen-                   richtigen Mengenverhältnis     Mengenverhältnis von Pul-        gen Mengenverhältnis von
                                           verhältnis von Pulver und                    von Pulver und Wasser          ver und abgekochtem              Pulver und abgekochtem
            Menge                          Wasser hergestellt.                          hergestellt.                   Wasser hergestellt               Wasser frisch hergestellt.
                                          Ab 5. Lebensmonat:                          Ab 5. Lebensmonat:            Ab 5. Lebensmonat:              Ab 5. Lebensmonat:
      Jede Beikost ersetzt                 Keine oder nicht ausrei-                     Keine ausreichende Menge       Getreide-Gemüse 190g,            Getreide-Gemüse 190g,
      1 Flaschenmahlzeit!                  chende Menge an Beikost,                     an Beikost, Getreide-Ge-       Obst 125g.                       Obst 125g.
                                           ausschließlich Flaschennah-                  müse weniger als 190g,        Ab 8. Lebensmonat:              Ab 8. Lebensmonat:
 Hinweis auf Gefahr einer Adi-             rung.                                        Obst 125g.                     220 g Getreide-Gemüse.           220 g Getreide-Gemüse-
           positas                        Keine festen Mahlzeiten oder                Ab 8. Lebensmonat:                                              Fleisch.
                                           ständige Nahrungsgabe                        weniger als 220g Getreide-
                                           (zum Ruhigstellen).                          Gemüse.
                                          Hungerzeichen oder man-                     Auf ausreichende Gesamt-
                                           gelndes Gedeihen werden                      menge wird nicht geachtet
                                           nicht erkannt.

                                          Übelriechende, unreine, nicht               Fläschchen und Sauger         Fläschchen und Sauger           Fläschchen und Sauger
                                           ausgekochte Sauger.                          werden ohne Ausspülen          werden in den ersten 4 Le-       werden in den ersten 4 Le-
           Hygiene                        Dreckiges benutztes Ge-                      mehrmals benutzt.              bensmonaten nach jeder           bensmonaten nach jeder
                                           schirr und Besteck                          Dreckiges benutztes Ge-        Benutzung zumindest heiß         Benutzung ausgekocht.
                                                                                        schirr und Besteck.            ausgewaschen.

Orientierungskatalog Kinderschutzdiagnostik - Ankerbeispiele - / Stand: Dezember 2019
Copyright © Jugendamt Stuttgart / Jugendamt Düsseldorf

                                                                                            Seite 13
Grundversorgung und Schutz des Kindes                                                                                                                  1.-3. Geb.
Ernährung IV
Nach Möglichkeit im U-Heft Gewichtskurve anschauen.
Kinderärztliche Hinweise sind kursiv gedruckt.

 Woran zu
 erkennen?                                   -2 (sehr schlecht)                            -1 (schlecht)                  +1 (ausreichend)                       +2 (gut)

                                          Kein regelmäßiges Angebot                   Phasenweise wenig oder           Unregelmäßiges aber aus-        Regelmäßiges Angebot an
 Essen und Trinken                         an Nahrung.                                  kein Angebot an Nahrung           reichendes Angebot an            Nahrung.
                                          Kein regelmäßiges Angebot                    z.B. am Ende des Monats.          Nahrung und Trinken.            Regelmäßiges Angebot an
 Bei besonderen Ernährungs-                an Flüssigkeit.                             Kein regelmäßiges Ange-          Bp bemüht sich um tägli-         ungesüßter Flüssigkeit
  weisen sollte Expertise ein-            Bp bietet keine täglichen und                bot an Flüssigkeit.               che gemeinsame Mahlzei-          (Tee, Wasser, verdünnte
        geholt werden.                     gemeinsamen Mahlzeiten an.                  Bp bietet nicht täglich ge-       ten.                             Säfte).
                                          Kind isst unkontrolliert und                 meinsame Mahlzeiten an.          Zwischenmahlzeiten nimmt        Tägliche gemeinsame
                                           nebenbei.                                   Kind isst oft alleine, obwohl     das Kind unkontrolliert ein.     Hauptmahlzeiten
 Hinweis auf Gefahr einer Adi-            Kein fester Essplatz.                        Bp anwesend sind.
           positas

                                          Nur 1-2 Mahlzeiten pro Tag,                 Keine festen Mahlzeiten          Mindestens 3 Mahlzeiten         Regelmäßig 5 Mahlzeiten
                                           häufiger Wechsel zwischen                    oder ständige Nahrungs-           pro Tag.                         pro Tag, davon eine
            Menge                          Überfütterung und Mangeler-                  gabe (z.B. zum Ruhigstel-        Bp bemühen sich, ange-           warme: Frühstück, Mittag-
                                           nährung.                                     len).                             messene Portionsgrößen           essen, Abendessen,
   Gewichtskurve im U-Heft                Kind isst zu große Portionen.               Die Essensmenge wird sel-         anzubieten.                      Zwei Zwischenmahlzeiten
         beachten!                        Kind isst wahllos und jeder-                 ten begrenzt.                                                      mit Obst, Joghurt, Quark.
                                           zeit.                                                                                                          Altersangemessene Portio-
                                                                                                                                                           nen

Orientierungskatalog Kinderschutzdiagnostik - Ankerbeispiele - / Stand: Dezember 2019
Copyright © Jugendamt Stuttgart / Jugendamt Düsseldorf

                                                                                             Seite 14
Grundversorgung und Schutz des Kindes                                                                                                                     1.-3. Geb.
Ernährung V
 Woran zu
 erkennen?                                 -2 (sehr schlecht)                           -1 (schlecht)                  +1 (ausreichend)                           +2 (gut)
                                          Im Haushalt stehen nur                 Es werden überwiegend            Bp bemühen sich um ein An-           Mahlzeiten werden mit
                                           hochverarbeitete Lebens-                Fertiggerichte angeboten.         gebot an frischen Lebensmit-          frischen Zutaten zubereitet
                                           mittel, Fertiggerichte zur             Frische Lebensmittel, wie         teln, wie Gemüse und Obst.           Tägliches Angebot an fri-
                                           Verfügung.                              Gemüse und Obst stehen           Mahlzeiten werden frisch zu-          schem Gemüse und Obst.
                                          Einseitiges Lebensmittel-               nur selten zur Verfügung.         bereitet, mitunter gibt es Fer-       Neue Lebensmittel werden
                                           angebot                                Geringes Angebot an Le-           tiggerichte                           vorsichtig eingeführt, häufi-
                                          Verdorbene Nahrung.                     bensmittelvielfalt, geringe      Verschiedene Lebensmittel             ges Anbieten führt zu Akzep-
                                          Keine Koch- und Kühlmög-                Geschmacksvielfalt                werden angeboten, Ge-                 tanz.
   Nahrungsqualität                        lichkeit vorhanden.                    Chips, Cola, Energydrinks         schmacksvielfalt vorhanden.          Geschmacksvielfalt ist durch
                                          Vegane Kost ohne Über-                  oder Süßigkeiten als             Chips oder Süßigkeiten nur            eine breite Palette von Le-
   Achtung auf abgelaufene                 wachung der Nährstoffver-               Hauptnahrungsmittel.              als Zwischenmahlzeiten.               bensmitteln gewährleistet.
   Mindesthaltbarkeitsdaten                sorgung durch Kinderarzt               Vegetarische Kost ohne           Vegane Kost nach erfolgter           Optimierte Mischkost: Spar-
   oder verdorbene Lebens-                 und ohne adäquate Nähr-                 ausreichende Kenntnisse           wissenschaftsbasierter Er-            sam Fett und Zucker, mäßig
            mittel                         stoffergänzung.                         zur Zusammensetzung,              nährungsberatung mit konse-           tierische Lebensmittel (Milch,
                                          Restriktive Kostformen                  z.B. durch wissenschafts-         quenter Nährstoffergänzung            Eier, Fleisch, Fisch), reich-
                                           ohne medizinische Be-                   basierte Ernährungsbera-          und -überwachung.                     lich pflanzliche Lebensmittel.
                                           gründung                                tung.                            Lakto-ovo-vegetarische Kost          Lakto-ovo-vegetarische Kost
                                          Für Kinder ungeeignete                                                    mit ausreichender Zufuhr von          mit ausreichender Eisenver-
                                           Lebensmittel, z.B. alkohol-                                               tierischen Produkten                  sorgung (Sachkenntnisse er-
                                           haltig oder koffeinangerei-                                                                                     forderlich).
                                           chert.

                                          Süßigkeiten und süße Ge-               Kind hat überwiegend un-         Kind trinkt überwiegend un-          Kind trinkt ungesüßte Ge-
                                           tränke, Energydrinks sind               kontrollierten Zugang zu          gesüßte Getränke. Süße Ge-            tränke, wie Tee, Wasser.
                                           in großen Mengen vorhan-                Süßigkeiten und süßen             tränke werden in der Regel           Bp bieten Süßigkeiten in (al-
    Süßigkeiten und                        den. Kind hat unkontrollier-            Getränken.                        nicht eingekauft.                     ters-) angemessener Art und
     süße Getränke                         ten Zugang.                            Süßigkeiten werden häu-          Süßigkeiten werden in der             Weise an.
                                          Süßigkeiten werden immer                fig als Belohnung und             Regel in (alters-) angemes-
   Hinweis auf Gefahr einer                als Belohnung und Trost-                Trostmittel benutzt.              sener Art und Weise angebo-
         Adipositas                        mittel benutzt.                                                           ten, gelegentlich aber als Be-
                                                                                                                     lohnung und Trostmittel be-
                                                                                                                     nutzt.

Orientierungskatalog Kinderschutzdiagnostik - Ankerbeispiele - / Stand: Dezember 2019
Copyright © Jugendamt Stuttgart / Jugendamt Düsseldorf

                                                                                            Seite 15
Grundversorgung und Schutz des Kindes                                                                                                                            0.-3. Geb.
Schlafplatz

 Woran zu
 erkennen?                                   -2 (sehr schlecht)                            -1 (schlecht)                      +1 (ausreichend)                            +2 (gut)

                                          Keine Matratze oder Bett,                    Sofa wird als Schlafplatz            Schlafsofa mit Sicherung            Matratze oder Bett ent-
                                           kein Bettzeug.                                genutzt, keine Sicherung              gegen Herausfallen.                  sprechend der Körper-
                                          dreckig, Ungeziefer,                          gegen Herausfallen                   Eigenes Bett mit Siche-              größe.
                                          Feucht, Schimmel.                            Dreckiges Bettzeug                    rung gegen Herausfal-               Sicherung gegen Heraus-
 Qualität Schlafplatz                                                                                                          len.                                 fallen.
                                                                                                                              Bettzeug einigermaßen               Eigenes, sauberes Bett-
                                                                                                                               sauber.                              zeug, möglichst Schlafsack
                                                                                                                                                                    bei 0-1 Jährigen.
                                                                                                                                                                   Trockener und sauberer
                                                                                                                                                                    Schlafplatz

                                          Wechselnder Schlafplatz                     Fester Schlafplatz.                  Fester Schlafplatz.                 Fester Schlafplatz.
                                          TV, Internet läuft ständig.                 TV, Internet läuft ständig.          Kein TV, Internet im Raum           Rauchfrei, ohne Zugluft, mit
                                          Verraucht, laut.                            Laut.                                Rauchfrei, ohne Zugluft,             Frischluft.
                Ort                                                                                                           mit Frischluft.                     Ruhige Lage des Schlaf-
                                          Zugluft, Raum nicht beheiz-                 Zugluft, Raum beheizbar.
                                           bar.                                                                              Raum beheizbar.                      raumes.
                                                                                                                                                                  Raum beheizbar.

                                          Kind ist den ganzen Tag                     Schlafbedürfnis wird tags-           Schlafbedürfnis wird tags-          Wenn das Kind müde ist,
                                           müde, kann oder darf aber                    über nur selten erfüllt.              über manchmal mit                    wird das Einschlafen durch
                                           nicht schlafen.                             Kind wirkt müde.                      kleinen Verzögerungen                eine ruhige Atmosphäre, ggf.
    Schlafbedürfnis                       Kind hat dunkle Augenringe.                                                        erfüllt.                             Abdunkelung erleichtert.
                                                                                                                             Kind hat keine dunklen              Kind wirkt ausgeschlafen und
                                                                                                                              Augenringe.                          konzentrationsfähig.

Orientierungskatalog Kinderschutzdiagnostik - Ankerbeispiele - / Stand: Dezember 2019
Copyright © Jugendamt Stuttgart / Jugendamt Düsseldorf

                                                                                               Seite 16
Grundversorgung und Schutz des Kindes                                                                                                           0.-3. Geb.
Kleidung

 Woran zu
 erkennen?                                  -2 (sehr schlecht)                          -1 (schlecht)                 +1 (ausreichend)                    +2 (gut)

                                          Kleidung bietet keinen wit-             Überwiegend nicht witte-        Überwiegend Witterungsge-    Kleidung bietet witterungs-
                                           terungsgemäßen Schutz.                   rungsgemäße Kleidung.            mäße Kleidung.                gemäßen Schutz, ist tro-
                                          Kleidung ist hautreizend.               Phasenweise trägt Kind          Ab und zu verschmutzte        cken, nicht hautreizend.
                                           (z.B. zu viel Waschpulver,               nach Urin, Schweiß oder          Kleidung.                    Kind trägt saubere Klei-
     Bekleidung als                        kratzig).                                Kot riechende oder ver-                                        dung.
        Schutz                            Kind trägt immer die gleiche             schmutzte Kleidung.
                                           nach Urin, Schweiß oder
                                           Kot riechende oder stark
                                           verschmutzte Kleidung.

                                          Zu kleine oder zu große Be-                                              Der Körpergröße entspre-
       Kleidergröße                        kleidung.                                                                 chende Kleidung.

                                          Keine passenden Schuhe                  Extrem ausgetretene, nicht      Passende Schuhe, nur be-     Passende, witterungsge-
            Schuhe                         oder kaputte Schuhe.                     passende Schuhe.                 dingt witterungsgemäß, z.B.   mäße Schuhe.
                                          Nicht witterungsgemäß                   Nicht witterungsgemäß            Gummistiefel oder dicke
                                           (z.B. Sandalen im Winter).               (z.B. Sandalen im Winter).       Turnschuhe im Sommer.

Orientierungskatalog Kinderschutzdiagnostik - Ankerbeispiele - / Stand: Dezember 2019
Copyright © Jugendamt Stuttgart / Jugendamt Düsseldorf

                                                                                          Seite 17
Grundversorgung und Schutz des Kindes                                                                                                                 0.-3. Geb.
Körperpflege I

 Woran zu
 erkennen?                                  -2 (sehr schlecht)                          -1 (schlecht)                  +1 (ausreichend)                         +2 (gut)

                                          Der Windelbereich ist mehr-             Volle Windel, die nicht zeit-    Volle Windel wird zeitnah         Volle Windel wird sofort ge-
                                           fach extrem wund und er-                 nah gewechselt wird,              gewechselt.                        wechselt.
                                           fährt keine (medizinische)               Hautreizungen. Mehrfach          Keine erkennbaren Hautrei-        Keine erkennbaren Hautrei-
     Windelbereich                         Behandlung.                              unangenehmer Geruch.              zungen.                            zungen.
                                          Gerötete und/ oder schmie-              Gerötete und/ oder schmie-
                                           rige Ablagerungen in den                 rige Ablagerungen in den
                                           Hautfalten                               Hautfalten

                                          Bp kümmern sich nicht,                  Kind wird von Bp aufgefor-       Kind wird von Bp aufgefor-        Bp halten Kind zum Wa-
                                           überlassen es ihrem Kind                 dert sich zu waschen, aber        dert und teilweise angeleitet      schen an, unterstützen, be-
                                           allein, keine Anleitung und              nicht angeleitet und nicht        und unterstützt.                   gleiten und überprüfen ihr
                                           Kontrolle.                               unterstützt.                     Seife und Handtuch sind            Kind dabei.
    Körper waschen                        Seife und Handtuch stehen                                                  vorhanden.                        Sauberkeitserziehung wird
                                           nicht zur Verfügung.                                                                                          begonnen mit dem Ziel
                                          Sauberkeitserziehung wird                                                                                     Kind ist mit 3,5 Jahren
                                           überhaupt nicht begonnen.                                                                                     „sauber“.

                                          Kind hat ständig unange-                Kind hat bei einem von                                              Kind hat unauffälligen Kör-
      Körpergeruch                         nehmen Körpergeruch.                     mehreren Hausbesuchen                                                pergeruch.
                                                                                    unangenehmen Körperge-
                                                                                    ruch.

                                          Dauerhafter, unbehandelter              Immer wiederkehrender            Immer wiederkehrender             Kein Ungezieferbefall.
                                           Ungezieferbefall.                        Ungezieferbefall. Behand-         Ungezieferbefall, der sofort       Oder wenn Ungezieferbefall
         Ungeziefer                                                                 lung wird nicht vollständig       behandelt wird.                    auftritt, wird dieser sofort
                                                                                    durchgeführt.                                                        und konsequent behandelt.

Orientierungskatalog Kinderschutzdiagnostik - Ankerbeispiele - / Stand: Dezember 2019
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                                                                                           Seite 18
Grundversorgung und Schutz des Kindes                                                                                                               0.-3. Geb.
Körperpflege II

 Woran zu
 erkennen?                                  -2 (sehr schlecht)                          -1 (schlecht)                   +1 (ausreichend)                     +2 (gut)

                                          schmierige Ablagerungen in              Ungepflegte Fingernägel,          Haut, Fingernägel werden       Haut, Fingernägel und
        Haut/                              Hautfalten (Hals, Ohren,                Fettige, ungekämmte Haare          gereinigt,                      Haare wirken gepflegt.
                                           Achseln).                                                                  Haare werden gewaschen
   Nägel und Haare                        Schmutzige, eingerissene,                                                   und gekämmt.
                                           entzündete Fingernägel
                                          Haare verfilzt

                                          Keine Zahnpflege durch die              nur sporadische Zahn-             Zahnpflege durch die Bp.       Zahnpflege 2x täglich durch
                                           Bp.                                      pflege durch die Bp.              Zahnarztbesuch bei Zahn-        die Bp.
                                          Verfärbte Zahnstummel                   Kariöse Zähne.                     problemen.                     Eigene immer wieder aus-
                                          Kein Zahnarztbesuch bei                 Keine eigene Zahnbürste.          Eigene Zahnbürste.              gewechselte Zahnbürste.
                                           Zahnproblemen.                          braun oder gelb verfärbte         Keine verfärbten Zähne         Zahnarztvorsorge
        Zahnpflege                        Keine Zahnbürste im Haus-                Zähne                             Trinkflasche mit ungesüß-      Trinkflasche mit ungesüß-
                                           halt.                                   Zugriff zur Trinkflasche mit       tem Getränk                     tem Getränk
                                          Ständiger Zugriff zur Trink-             gesüßtem Getränk und zu-
                                           flasche mit gesüßtem Ge-                 ckerhaltigen Lebensmitteln.
                                           tränk und zuckerhaltigen
                                           Lebensmitteln.

Orientierungskatalog Kinderschutzdiagnostik - Ankerbeispiele - / Stand: Dezember 2019
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                                                                                           Seite 19
Grundversorgung und Schutz des Kindes                                                                                                             0.-3. Geb.
Beaufsichtigung des Kindes und Schutz vor Unfallgefahren, Schutz vor Gewalt I

 Woran zu
 erkennen?                                   -2 (sehr schlecht)                         -1 (schlecht)                  +1 (ausreichend)                      +2 (gut)
    Gefahrenquellen
    im Innen- und Außen                     Bp erkennt Gefahrenquel-              Bp erkennen Gefahrenquel-        Bp erkennen Gefahrenquel-      Bp erkennen Gefahrenquel-
                                             len nicht als solche und si-           len, verharmlosen sie je-         len und sichern diese über-     len und sichern diese der
          -bereich                           chert diese nicht ab.                  doch und sichern diese nur        wiegend oder provisorisch       Entwicklung des Kindes
 z.B. Scherben, Müll, Kippen am Bo-
 den, ungesicherte Steckdosen, of-          Bp haben kein Bewusstsein              unzureichend ab.                  ab.                             entsprechend dauerhaft ab.
 fene/ defekte Fenster, ungesicherte         für Gefahren.
 heiße Herdplatten, Wasserkocher,
 ungesicherte Treppe, Giftstoffe, Rei-
 nigungsmittel; Gartenteich etc.

                                            Kind wird gefährdender                Kind wird öfter gefährden-       Kind wird sehr selten ge-      Kind wird keiner gefährden-
                                             Umgebung ausgesetzt, z.B.              der Umgebung ausgesetzt           fährdender Umgebung aus-        den Umgebung ausgesetzt
                                             verrauchter Kneipe.                    wie verrauchter Kneipe etc.       gesetzt wie verrauchter         wie verrauchter Kneipe etc.
                                            Haustiere, die nicht adä-             Haustiere, die nicht adä-         Kneipe etc.                    Kein unbeaufsichtigter Kon-
                                             quat versorgt + betreut wer-           quat versorgt + betreut wer-     Kein unbeaufsichtigter Kon-     takt mit dem Haustier. Kein
                                             den, Verunreinigung durch              den, Verunreinigung durch         takt mit dem Haustier. Kein     Zugang des Tieres zum
                                             Speichelkontakt, Tieraus-              Speichelkontakt, Tieraus-         Zugang des Tieres zum           Schlafplatz des Kindes.
                                             scheidungen, Tierhaare.                scheidungen, Tierhaare.           Schlafplatz des Kindes.         Katzenklo und Tierfutter-
       Gefährdende                           Aggressive Tiere. (Fell-)              Aggressive Tiere.                 Katzenklo und Tierfutter-       schalen sind außer Reich-
        Umgebung                             Tierhaltung trotz Tierhaaral-                                            schalen sind außer Reich-       weite des Kindes. Tier ist
                                             lergie des Kindes                                                        weite des Kindes.               veterinär-medizinisch ver-
                                            Für das Kind sichtbarer Me-                                             Jugendschutzrelevanter          sorgt.
                                             dienkonsum der Bp mit Ge-                                                Medienkonsum der Bp
                                             walt- oder pornografischen                                               ohne Anwesenheit des Kin-
                                             Inhalten.                                                                des.
                                            Ungesicherter Zugang des                                                Zugänge zu nicht altersge-
                                             Kindes zu nicht altersge-                                                rechten Medien sind für das
                                             rechten Medien.                                                          Kind blockiert.
                                            Kein altersgerechter Kin-             Kein altersgerechter Kin-                                        Altersgerechter Kindersitz
                                             dersitz, keine Kindersiche-            dersitz, keine Kindersiche-                                       und Kindersicherung.
                                             rung.                                  rung.                                                            Angeschnallt
  Sicherheit im Auto                        Nicht angeschnallt                                                                                      Kind wird nicht alleine im
                                            Kind alleine im Auto.                                                                                    Auto gelassen.

Orientierungskatalog Kinderschutzdiagnostik - Ankerbeispiele - / Stand: Dezember 2019
Copyright © Jugendamt Stuttgart / Jugendamt Düsseldorf

                                                                                           Seite 20
Grundversorgung und Schutz des Kindes                                                                                                               0.-3. Geb.
Beaufsichtigung des Kindes und Schutz vor Unfallgefahren, Schutz vor Gewalt II

 Woran zu
 erkennen?                                 -2 (sehr schlecht)                           -1 (schlecht)               +1 (ausreichend)                        +2 (gut)
                                           Keine Aufsicht,                        Mangelnde Aufsicht               Ausreichende Aufsicht             Gute Aufsicht
                                          Bp sieht keine Notwendig-             Kind wurde mindestens ein-      Wenn das Kind schläft und        Kind wird nicht alleine in
           Aufsicht                        keit.                                  mal für eine längere Zeit        allein in der Wohnung ge-         der Wohnung gelassen.
                                          Kind wird mehrmals pro                 von 1-2 Stunden alleine in       lassen wird, wird Baby-          Bp organisieren geeigneten
  0-3jähriges Kind darf auch               Woche stundenweise al-                 der Wohnung gelassen.            phone benutzt und Bp oder         Babysitter.
 nicht für kurze Zeit alleine in           leine in der Wohnung ge-                                                Aufsichtsperson sind in un-
 der Wohnung gelassen wer-                 lassen.                                                                 mittelbarer Nähe (z.B. bei
              den!                                                                                                 Nachbarn).

                                          Nicht geeignete Aufsichts-            Aufsichtsperson ist überfor-    Dem Kind bekannte Auf-           Aufsichtsperson hat die Ge-
   Aufsichtsperson                         personen, z.B. Geschwis-               dert und kann kindliche Be-      sichtsperson erkennt die          samtsituation gut im Blick,
                                           ter unter 12 Jahren, alko-             dürfnisse nicht erkennen.        kindlichen Bedürfnisse,           erkennt die kindlichen Be-
                                           holisierte, gewaltbereite o-                                            aber kann nicht immer an-         dürfnisse und reagiert ent-
 Neue Partner der Bp können                der dem Kind unbekannte                                                 gemessen darauf reagie-           sprechend.
 eine Gefahr oder Ressource                Personen.                                                               ren.
    für das Kind bedeuten                 Bp telefonisch nicht er-                                               Bp telefonisch erreichbar
                                           reichbar

                                          Kind wird alleine Gefah-              Kind wird zwar ermahnt,         Kind wird über Gefahren          Kind wird vor Gefahren ge-
         Schutz vor                        ren ausgesetzt, die es                 aber nicht nachhaltig vor        angemessen aufgeklärt,            schützt.
          Gefahren                         nicht kennt und nicht be-              Gefahren geschützt. Bp er-       aber nicht immer davor ge-
                                           wältigen kann (z.B. allein             kennt selber Gefahr nicht.       schützt.
                                           an Strasse).
  Schutz vor Gewalt                       Bp ist gewalttätig gegen-                                                                                Bp schützt Kind vor Gewalt
                                           über dem Kind.                                                                                            und Ausbeutung jeglicher
                                          Kind ist nicht geschützt                                                                                  Art. Kein Kontakt zu gefähr-
 auch durch sex. Missbrauch,               vor Gewalt und Ausbeu-                                                                                    denden Dritten.
 weibl. Genitalverstümmelung,              tung jeglicher Art.
  Erleben häuslicher Gewalt,
  Schutz vor Ausbeutung etc.

Orientierungskatalog Kinderschutzdiagnostik - Ankerbeispiele - / Stand: Dezember 2019
Copyright © Jugendamt Stuttgart / Jugendamt Düsseldorf

                                                                                           Seite 21
Grundversorgung und Schutz des Kindes                                                                                                                 0.-3. Geb.
Sicherung der medizinischen Versorgung I

    Woran zu
    erkennen?                                -2 (sehr schlecht)                            -1 (schlecht)                +1 (ausreichend)                        +2 (gut)

      Vorsorgeunter-                      Es wurden keine Vorsorge-                   Unregelmäßige Vorsorge-       Regelmäßige Vorsorge-             Es wurden alle Vorsorge-
                                           untersuchungen durchge-                      untersuchungen.                untersuchungen mit 1 bis           untersuchungen wahrge-
       suchungen                           führt.                                                                      höchstens 2 nachvollzieh-          nommen.
         (U-Heft)                         Keine U nach der U3.                                                        baren Ausnahmen, z.B.             Gewicht und Größen-
                                          Es ist kein U- Heft vorhan-                                                 längere Erkrankung des             wachstum sind perzenti-
                                           den, obwohl das Kind in                                                     Kleinkindes.                       lenparallel.
    Termine nachholen=> bei
    Gesundheitsamt anfragen!               Deutschland geboren
                                           wurde.

         Impfschutz4
                                          Keinerlei Impfungen.                        Impfungen unvollständig.      Zumindest Impfungen von           Alle empfohlenen Impfun-
                                                                                                                       Polio, Diphtherie, Tetanus         gen liegen vor.
    Eine willkürliche Auswahl an
     Impfungen ist medizinisch
            nicht sinnvoll

                                          Bei Erkrankung und in Not-                  Bei Erkrankung des Kindes     Bei Erkrankung des Kindes         Bei Erkrankung und in
                                           situationen des Kindes erfol-                und in Notsituationen erfol-   und in Notsituationen erfol-       Notsituationen erfolgen
                                           gen keine Arztbesuche.                       gen Arztbesuche erst auf       gen Arztbesuche.                   unverzüglich Arztbesu-
                                          Auch bei ernsten Erkrankun-                  dringliches Anraten.                                              che.
                                           gen wird ausschließlich der                 Kind kommt immer als Not-                                        Bp erkennt die besonde-
        Arztbesuche                        Notarzt gerufen.                             fall zum Kinder- oder Haus-                                       ren Bedarfe des Kindes
                                          Trotz erkennbarer Behinde-                   arzt.                                                             und holt sich ärztliche/
                                           rung/ Förderbedarf wird kein                                                                                   therapeutische Hilfe
                                           Arzt beratend hinzugezo-
                                           gen.
                                          Förder-/Therapiebedarf des
                                           Kindes wird negiert.

4
 Aktuelle Informationen im Gesundheitsamt erfragen. Das im Juli 2019 im Kabinett beschlossene Masernschutzgesetz sieht eine Impfpflicht für Masern ab März
2020 vor. Wenn Impfungen nicht gemacht werden, stellt dies alleine noch keine Kindeswohlgefährdung dar, da keine Impfpflicht besteht. Eltern müssen sich jedoch
der Konsequenzen eines mangelnden Impfschutzes bewusst sein. Der Impfschutz ist Teil der Gesundheitsfürsorge, die als Ganzes bewertet werden muss. Fehlen-
der Impfschutz kann Aufnahme und Weiterbesuch von Kindern in einer Kindertageseinrichtung verhindern.
Orientierungskatalog Kinderschutzdiagnostik - Ankerbeispiele - / Stand: Dezember 2019
Copyright © Jugendamt Stuttgart / Jugendamt Düsseldorf

                                                                                             Seite 22
Grundversorgung und Schutz des Kindes                                                                                                                    0.-3. Geb.
Sicherung der medizinischen Versorgung II

 Woran zu
 erkennen?                                   -2 (sehr schlecht)                             -1 (schlecht)                   +1 (ausreichend)                       +2 (gut)

                                          Verordnete Diagnostik und /                 Therapie wird nicht einge-        Diagnostik und Therapie         Diagnostik und Therapie
    Weiterführende                         oder Therapie wird nicht ge-                 sehen oder nur unzuverläs-         werden verzögert und /           werden zeitnah und konse-
    Diagnostik und                         macht (z.B. Augenarzt –                      sig durchgeführt.                  oder unregelmäßig ge-            quent durchgeführt.
       Therapie                            Brille / Ergotherapie / Logo-                                                   macht.
                                           pädie).
                                          Verschriebene Medika-                       Verschriebene Medika-             Verschriebene Medika-           Verschriebene Medika-
                                           mente werden entweder                        mente werden nicht umge-           mente werden noch am             mente werden sofort be-
                                           nicht besorgt und/ oder nicht                hend besorgt und/ oder             gleichen Tag besorgt und         sorgt und regelmäßig und
                                           verabreicht.                                 nicht regelmäßig verab-            wie verordnet verabreicht.       wie verordnet verabreicht.
 Medikamentengabe                         Kind wird über Medika-                       reicht.
                                           mente, z.B. Schlafmittel
                                           ruhig gestellt, damit Bp
                                           durchschlafen kann
                                          Überwiegend kaputte                         Vereinzelt kaputte Zähne.         Überwiegend gesunde             Gesunde Zähne.
                                           schwarze Zähne.                             Ungepflegte Zähne.                 Zähne.                          Zahnarztbesuch bei Bedarf
             Zähne                        Evtl. Schmerzzustände.                      Kein Zahnarztbesuch               Zahnarztbesuch bei Bedarf
                                          Kein Zahnarztbesuch
                                          Für das Kind besteht keine                  Für das Kind besteht keine                                         Für das Kind besteht eine
                                           Krankenversicherung.                         Krankenversicherung.                                                Krankenversicherung.
  Krankenversiche-                        Die Bp organisiert diese                    Die Bp organisiert die Kran-
                                           nicht selbstständig.                         kenversicherung für das
    rungsschutz                                                                         Kind erst nach Aufforde-
                                                                                        rung.
                                          Keine Einschätzungsfähig-                   Mangelnde Einschätzungs-          Einschätzungsfähigkeit des      Bp kümmert sich um die
                                           keit der Bp. was den Ge-                     fähigkeit des Gesundheits-         Gesundheitszustandes des         Gesundheitsförderung des
                                           sundheitszustand des Kin-                    zustandes des Kindes.              Kindes ist gegeben und Bp        Kindes:
      Gesundheits-                         des betrifft.                               Bp geht Gesundheitsfragen          handelt angemessen.              - Gesunde Ernährung
                                                                                        nur bei akuter Erkrankung         Bp verfügen über Grund-          - Bewegung
      bewusstsein                                                                       nach.                              kenntnisse der Kinder-           - Frische Luft
                                                                                                                           krankheiten.                     - Körper- und Zahn-
                                                                                                                                                                pflege.
Orientierungskatalog Kinderschutzdiagnostik - Ankerbeispiele - / Stand: Dezember 2019
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                                                                                              Seite 23
Überblick der bewerteten Aspekte
                                                      Altersgruppe 3.-6. Geburtstag
                            zu folgenden Kategorien liegen Ankerbeispiele vor:
Interaktion zwischen Kind und Bezugsperson

Grundversorgung und Schutz
                                              Ernährung
                                              Schlafplatz
                                              Kleidung
                                              Körperpflege
                                              Beaufsichtigung des Kindes und Schutz vor Unfallgefahren,
                                               Schutz vor Gewalt (auch durch sex. Missbrauch, weibl. Genitalverstümmelung,
                                               Erleben häuslicher Gewalt, Schutz vor Ausbeutung etc.)
                                              Sicherung der medizinischen Versorgung

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                                                                                       Seite 24
3.-6. Geburtstag
                                                        Interaktion zwischen
                                                       Kind und Bezugsperson
 Die meisten Kriterien sind nur anwendbar, wenn der Hausbesuch mindestens 30 Minuten
 dauert und Kind und Bezugsperson ausreichend zusammen wahrgenommen werden
 können.

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                                                                                        Seite 25
Interaktion zwischen Kind und Bezugsperson                                                                                                      3.-6. Geb.
 Interaktion zwischen Kind
 und Bezugsperson                                                         negativ                                                       Positiv

                                                Kaum Blickkontakt zum Kind, auch nicht, wenn Kind              Bp hat mindestens einmal positiven Körperkontakt zum Kind.
                                                 Bp anspricht oder ruft.                                        Bp spricht überwiegend freundlich mit dem Kind und äußert
 Aufmerksamkeit / Körper-                       Bp reagiert mit Abneigung, Herabsetzung, Ironie oder            sich auch positiv über das Kind.
                                                 Spott auf Kontaktversuche des Kindes oder Berührun-            Bp reagiert angemessen auf die Zuwendungswünsche des
 kontakt / Blickkontakt /
                                                 gen (z.B. „Immer hängst Du an mir“).                            Kindes.
 Zuwendung für das Kind                         Während der Anwesenheit des Kindes deutliche Ab-
                                                 lenkung durchs Smartphone, digitale Medien.
                                                Kind wendet sich auch bei erkennbarer Überforderung
                                                 nicht an Bp (z.B. kann Tür nicht alleine öffnen).

                                                Bp versteht beim Hausbesuch Bedürfnisse des Kindes             Bp geht auf beobachtbare Gefühle beim Kind (z.B. Langeweile,
                                                 (z.B. Wunsch nach Eigenständigkeit, Selbermachen)               Frustration nach Misserfolg im Spiel) und Bitten des Kindes
                                                 nicht oder deutet sie sehr negativ (z.B. Kind will Bp nur       weitgehend angemessen ein.
                                                 ärgern, lehnt Bp ab oder braucht sie nicht mehr).              Bp spricht differenziert über Bedürfnisse und Vorlieben des
 Angemessenheit der                             Bp übergeht Bitten, Äußerungen oder andere deutliche            Kindes (z.B. beim ins Bett bringen).
 Wahrnehmung kindlicher                          Signale des Kindes ohne Not.                                   Bp schildert unter Umständen Schwierigkeiten, auf kindliche
 Bedürfnisse                                    Bp lässt Hilflosigkeit im Umgang mit wichtigen Bedürf-          Bedürfnisse einzugehen, holt sich aber ausreichende Unter-
                                                 nissen des Kindes (z.B. im Hinblick auf Schlafenszei-           stützung.
                                                 ten, Zähneputzen oder regelmäßiges Essen) erken-               Bp schildert eine Förderung von Außenkontakten des Kindes
                                                 nen.                                                            (z.B. Kindertageseinrichtung, Besuch bei Freundinnen oder
                                                Außenkontakte werden unterbunden (z.B. auch wenn                Freunden).
                                                 Besuch da ist, verbleibt das Kind in seinem Zimmer).

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                                                                                        Seite 26
Interaktion zwischen Kind und Bezugsperson                                                                                                      3.-6. Geb.
 Interaktion zwischen Kind
 und Bezugsperson                                                         negativ                                                       Positiv

                                                Bp ignoriert deutliche emotionale Signale des Kindes         Bp bietet weinendem oder ängstlichem Kind Trost und Ermuti-
                                                 (z.B. Weinen).                                                gung an, Kind lässt sich beruhigen.
                                                Bp belastet weinendes oder ängstliches Kind zusätz-          Bp hilft dem Kind beim Umgang mit seinen Gefühlen (z.B. Be-
                                                 lich durch Drohungen, Strafen oder scharfe Vorwürfe           schäftigung bei Langeweile).
                                                 (z.B. siehst Du, jetzt kommst Du bald ins Heim).             Bp kann eigene Stimmungen und emotionale Bedürfnisse zu-
                                                Ausgeprägte negative Stimmungen der Bp werden vor             gunsten des Kindes zumindest zeitweise zurückstellen.
 Feinfühligkeit gegenüber                        dem Kind ausgelebt (z.B. Bp sucht vor dem Kind Streit        Im Beisein von Dritten z.B. in der Kindertageseinrichtung be-
 emotionalen Bedürfnissen                        mit Fachkraft oder bricht emotional zusammen).                richtet das Kind gegenüber der Bp offen von Erlebnissen und
 des Kindes                                     Entwicklung der Geschlechtsidentität und sexuellen            Gefühlen.
                                                 Orientierung: Bp verneint, ignoriert, beschämt das Kind      Entwicklung der Geschlechtsidentität und sexuellen Orientie-
     auch was die Entwicklung                    in seinem Gefühl „anders zu sein“, äußert ein rigides         rung: Bp greift die Gefühle des Kindes „anders zu sein“ einfühl-
   der Geschlechtsidentität und                  Geschlechterrollenverständnis, verweigert es, kindliche       sam auf. Kind weiß, dass es Jungen gibt, die in einem weibli-
   sexuellen Orientierung betrifft               Fragen zur Sexualität zu beantworten.                         chen Körper geboren sind und Mädchen, die in einem männli-
                                                Bp wendet psychische oder körperliche Gewalt an,              chen Körper geboren sind und dass das ok ist.
                                                 wenn Kind sich nicht heteronormativ verhält oder             Bp respektiert, schützt und unterstützt das Kind mit seinen Vor-
                                                 droht, Kind aus der Familie zu verstoßen.                     stellungen von seinem Leben und seiner Identität.
                                                Neuem Partner wird direkt Erziehungsverantwortung            Sensible Einführung des neuen Partners / der neuen Partnerin.
                                                 zugeschrieben.                                                Bp bleibt dem Kind in der Elternrolle erhalten und hat die Be-
                                                Bp und neuer Partner / neue Partnerin bilden eine Ein-        dürfnisse des Kindes im Blick.
                                                 heit gegen das Kind.

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                                                                                        Seite 27
Interaktion zwischen Kind und Bezugsperson                                                                                                   3.-6. Geb.
    Interaktion zwischen Kind
    und Bezugsperson                                                       negativ                                                    Positiv

                                                 Bp reagiert nicht, auch wenn Kind Grenzen über-           Kind wird gelobt, überwiegend freundlich angesprochen, aber
                                                  schreitet, massiv stört, Gegenstände zerstört oder Ge-     es wird auch bei grenzüberschreitendem Verhalten angemes-
                                                  schwister schlägt oder sich selbst in Gefahr bringt.       sen reagiert.
    Grenzen setzen und Führen                    Ständige Ermahnungen des Kindes bleiben ohne Wir-         Bezugsperson erklärt Verbote.
                                                  kung, Bp scheint dies nicht zu bemerken oder zeigt        Im Konfliktfall erhält das Kind klare und bestimmte Aussagen,
    des Kindes
                                                  sich hilflos.                                              denen die Bp bei Bedarf durch Wiederholung, Hilfestellung
                                                 Bp verhält sich willkürlich gegenüber Kind (z.B. Medi-     oder Konsequenzen angemessen Geltung verschafft.
                                                  ennutzung wird erst verboten, fünf Minuten später
                                                  plötzlich erlaubt).
                                                 Kind erscheint angesichts eines übermäßig strengen
                                                  Auftretens der Bp sehr verängstigt.

                                                 Kind darf nicht in der Wohnung spielen.                   Bp kann über beobachtete Lernfortschritte und Interessen
                                                 Nach der Schilderung des Kindes oder der Bp ver-           beim Kind sprechen.
                                                  bringt das Kind ein Großteil seiner Freizeit mit dem      Bp nutzt gemeinsam mit dem Kind Kinder-Apps und sorgt für
                                                  Konsum von Medieninhalten digitaler Medien5.               eine altersangemessene Medienkompetenz des Kindes.
                                                 TV, Internet läuft den ganzen Tag ununterbrochen          Bp schildert gemeinsame Spiele und Freizeitaktivitäten mit
                                                  und Kind sieht für sein Alter ungeeignete Sendungen,       dem Kind, die oft im Freien stattfinden.
    Verbale Anregungen / Spiel-                   kann sich dem nicht entziehen.                            Bp beschreibt einen aktiven Einbezug des Kindes in Alltagsak-
    und Bewegungsmöglichkei-
                                                 Es können kaum gemeinsame Spiele und altersge-             tivitäten.
    ten für das Kind                              mäße Aktivitäten mit dem Kind beschrieben werden.         Kind hat zu Hause Raum zum Spielen und Erforschen.
                                                 Kind wird keine Gelegenheit gegeben, sich im Freien       Das Kind hat Kontakte zu Gleichaltrigen.
                                                  zu bewegen.                                               Kind hat täglich Gelegenheit zu bewegungsorientiertem Spiel
                                                 Es werden keine Kontakte zu Gleichaltrigen beschrie-       mit anderen Kindern.
                                                  ben.                                                      Bp organisiert die Mitgliedschaft in einem Sportverein und
                                                 Freizeitgestaltung besteht hauptsächlich aus Medien-       nimmt ggf. selbst mit teil. Kind wird regelmäßig dorthin beglei-
                                                  konsum und Essen.                                          tet und ermutigt sich zu beteiligen.

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    Empfehlung des Berufsverbands der Kinderärzte und BzGA: Im Alter von 3-6 Jahre maximal 30 Minuten täglich Medienkonsum
Orientierungskatalog Kinderschutzdiagnostik - Ankerbeispiele - / Stand: Dezember 2019
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                                                                                        Seite 28
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