Ostbayern - KONKRET

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Ostbayern
KONKRET




     Kommunalwahl 2020
          Impulse für die Wirtschaftspolitik




                             www.ihk-regensburg.de
Ostbayern - KONKRET
Inhalt
     Inhalt




03     Editorial


04 Was für alle Kommunen gilt
04 Verkehr und Mobilität
06 Flächennutzung und Stadtentwicklung
09 Energieversorgung
10     Bildung und Fachkräftesicherung
12     Digitale Infrastruktur


14     Regionalspezifische Themen
14     Amberg-Sulzbach
16     Cham
18     Kelheim
20     Neumarkt
22     Nordoberpfalz
24     Regensburg
26     Schwandorf




     Impressum

Herausgeber                                   Druck
IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim        SPINTLER Druck und Verlag GmbH
D.-Martin-Luther-Straße 12                    Medienhaus Weiden
93047 Regensburg                              Hochstr. 21 | 92637 Weiden
Tel. 0941 5694-0 | info@regensburg.ihk.de     Telefon 0961 4711-0
www.ihk-regensburg.de                         service@spintler.com
                                              www.spintler.com
Redaktion
Dagmar Schmäche, Peter Burdack
                                              Stand: Oktober 2019
Gestaltung
grafica, Astrid Riege, Lappersdorf            Die Inhalte der Broschüre wurden auf Basis
Tel. 0941 8305308 | riege@grafica-design.de   bestehender Positionen der IHK Regensburg für
                                              Oberpfalz / Kelheim und in Abstimmung mit den
Fotos                                         regionalen Gremien der IHK erstellt.
depositphotos.com (@bioraven),
Julia Knorr (Seite 3), Uwe Moosburger         Alle Positionen der IHK finden Sie unter
                                              www.ihk-regensburg.de/positionen
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Kommunale Wirtschaftspolitik
ist kein Selbstläufer

B       ei der Kommunalwahl am 15. März 2020 geben auch die 91.000 Unterneh-
        merinnen und Unternehmer aus Industrie, Handel und Dienstleistungen
        der Oberpfalz und des Landkreises Kelheim ihre Stimme ab.

Fachkräftemangel, Digitalisierung, Mobilität, Flächennutzung oder Energiever-
sorgung – In den kommenden sechs Jahren gilt es, große Aufgaben zu lösen, um
den ostbayerischen Standort attraktiv zu halten, um Steuereinnahmen, Arbeits-
sowie Ausbildungsplätze und letztendlich auch Zukunftsperspektiven vor Ort zu
sichern. Diese Themen gelten für alle Kommunen in unserer Region. Jede Stadt
und jeder Landkreis steht darüber hinaus vor eigenen Herausforderungen, die
es anzupacken gilt.

Als Vertreter der kommunalen Politik stellen Sie wichtige wirtschaftspolitische
Weichen für die Entwicklung Ihrer Gemeinde, Ihrer Stadt und der Region. Ange-
sichts der gegenwärtigen konjunkturellen Eintrübung tragen Sie eine enorme
Verantwortung für das Wohl der Menschen über eine einzelne Legislaturperiode
hinaus.

Dementgegen werden Ihre Bürgerinnen und Bürger die Früchte wichtiger Großpro-
jekte und Infrastrukturmaßnahmen erst mittel- bis langfristig ernten. Das erfordert
von Ihnen als kommunalem Volksvertreter wiederum Mut und Weitsicht. Sie müs-
sen heute Entscheidungen treffen, deren Notwendigkeit Teilen der Wählerschaft
nicht immer gleich klar sein werden.

Diese Broschüre dient Ihnen als Argumentationsstütze und Leitfaden für Ihre
Wirtschaftspolitik über den Kommunalwahlkampf hinaus. Hier hat die regionale
Wirtschaft die aus ihrer Sicht zentralen Themen formuliert.

Für eine starke Wirtschaft braucht es starke Kommunen. Die IHK Regensburg für
Oberpfalz / Kelheim ist Ihr Partner bei der kommunalen Wirtschaftspolitik. Spre-
chen Sie uns an zu den Herausforderungen in Ihrer Kommune – und sprechen Sie
auch Ihre Nachbarkommunen an. Gemeinsam werden wir die Herausforderungen
meistern, die auf unsere Region zukommen.




Michael Matt                               Dr. Jürgen Helmes
Präsident                                  Hauptgeschäftsführer




                                                                                      KOMMUNALWAHL 2020   3
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Was für alle Kommunen gilt



Verkehr und Mobilität


Für Verkehrsprojekte                           nal bedeutenden Verantwortung bewusst
                                               sein und wichtige Verkehrsmaßnahmen          Ansprechpartner
und Mobilität werben                           auf kommunaler Ebene unterstützen,
                                               auch wenn die unmittelbaren Nutznießer       Manuel Lorenz
Worum geht es?                                 nicht immer die eigenen Bürger sind.         Telefon 09443 92824-10
                                                                                            E-Mail lorenz@regensburg.ihk.de
Menschen wollen mobil sein, möglichst          Kommunen sollten bei der Mobilität ihrer
schnell und flexibel, sowohl in Ballungs-      Bürger vorausschauend agieren und in-
räumen als auch auf dem Land. Dasselbe         telligente Verkehrs- und Mobilitäts-        Aufgrund der ländlichen Prägung Ostbay-
gilt für den Transport von Gütern. Bedarfs-    konzepte entwickeln. Kleine Kommunen        erns bleibt mittel- bis langfristig der priva-
gerechte Verkehrswege und Transport-           können diese Herausforderung meistern,      te Pkw das dominierende Verkehrsmittel.
systeme sind die Adern einer leistungs-        wenn sie sich mit ihren Nachbargemein-      Derzeit ist der Verkehrsfluss vorwiegend
fähigen Wirtschaft und einer modernen          den zusammenschließen und mit über-         durch individuelles Fahrverhalten der Ver-
Gesellschaft, sie entscheiden über Wett-       regionalen Stellen, z.B. den entsprechen-   kehrsteilnehmer geprägt. Die innerstäd-
bewerbsfähigkeit und Wohlstand einer           den Ansprechpartnern im Landratsamt,        tische Belieferung z.B. wird vorwiegend
Region. Die Region wiederum gliedert           vernetzen. Kommunale Politiker sollten      individuell mit Kleintransportern bis vor
sich in unterschiedliche funktionale           ihren Verwaltungen und ihren Bürgern        die Haustüre abgewickelt.
Teilräume, beispielsweise für Gewerbe,         die Chancen vernetzter Mobilität dabei
Wohnen, Freizeit und Naherholung. Die-         immer klar vor Augen führen.
se regionale „Arbeitsteilung“ steigert das                                                 Was muss getan werden?
Verkehrsaufkommen, weil die Menschen
mehr pendeln und Lieferwege weiter                                                         Dem steigenden Verkehrsaufkommen in
werden. Deswegen sollten Um- und Aus-          ÖPNV stärken,                               der Region können die Kommunen ent-
baumaßnahmen des Straßen- und Schie-                                                       gegenwirken, wenn sie ihr ÖPNV-Ange-
nennetzes sowie Optimierungen im ÖPNV
                                               Schnittstellen schaffen                     bot stärken und kontinuierlich erweitern.
immer zügig umgesetzt werden.                                                              Neben der Verdichtung von Taktfahrplä-
                                               Worum geht es?                              nen oder Lückenschlüssen im Netz soll-
Darüber hinaus steht die Mobilität vor                                                     ten sie den Mut für neue Ideen wie z.B.
vielfältigen Veränderungen, beispiels-         Der Verkehr in der Region wächst, nicht     Bedarfsverkehre haben.
weise durch neue Technologien und ein          nur in den Ballungsräumen, auch auf dem
verändertes Nutzerverhalten.                   Land, weil von dort die Pendlerströme an-   Um die Attraktivität des ÖPNV weiter zu
                                               schwellen. Ein mit dem Individualverkehr    steigern, sollten die Kommunen multi-
                                               vernetzter, flächendeckender ÖPNV wie-      modale Schnittstellen schaffen und be-
Was muss getan werden?                         derum reduziert das Verkehrsaufkommen       stehende Bahnhöfe, P+R-Anlagen, Groß-
                                               und entlastet die Umwelt.                   parkplätze oder zentrale Bushaltestellen
Kommunen sind häufig die erste An-                                                         mit verschiedenen Verkehrsmitteln, z.B.
laufstelle für Befürworter und Gegner                                                      Privat-Pkw und kommunalen Mieträdern,
von Verkehrsinfrastrukturprojekten. Sie                                                    verknüpfen.
können maßgeblichen Einfluss auf deren
Realisierung nehmen. Die kommunalen
Politiker sollten sich dieser oft überregio-




4   KOMMUNALWAHL 2020
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Dr
                                  02641 990

                                  www




Vor allem für den innerstädtischen und               verringert die Umweltbelastung und stei-    Kommunale Politiker sollten die örtlichen
ortszentralen Einzelhandel ist ein ausrei-           gert die Verkehrssicherheit. Grundvoraus-   Immobilienbesitzer für dieses Thema be-
chendes Angebot an Parkmöglichkeiten                 setzung dafür ist ein flächendeckendes      geistern und sie mit potenziellen Betrei-
für die Kunden umsatzrelevant. Kommu-                Funknetz mit mindestens 4G-Standard,        bern von Umschlagsflächen in Kontakt
nen sollten das Parken zu einem zen-                 das ohne kommunale Unterstützung in         bringen. Auch die Schaffung von betrei-
tralen Thema der Ortsentwicklung und                 vielen Fällen nicht umgesetzt werden        berneutralen Umschlagsflächen in kom-
des kommunalen Marketings machen.                    kann.                                       munaler Hand ist möglich.
Auch für den modernen Individualverkehr
sollten sie Parkmöglichkeiten schaffen,              Die Schaffung zentraler Anlieferungs-
etwa durch Ladesäulen für Elektrofahr-               stellen entlastet die Innenstädte vom
zeuge.                                               Lieferverkehr. So können z.B. die Kom-
                                                     munen Mikrodepots für Lieferfahrzeuge
Die Digitalisierung und Vernetzung von               schaffen, von denen aus die Feinvertei-
Echtzeitdaten im Straßenverkehr und                  lung der Sendungen mit kleinen, um-
im ÖPNV optimiert den Verkehrsfluss,                 weltfreundlicheren Fahrzeugen erfolgt.




Entwicklung der Pendlerströme im IHK-Bezirk
250.000


230.000


210.000


190.000


170.000


150.000
                      2013                    2014                  2015              2016                2017                2018

                      Summe Einpendler                  Summe Auspendler

Summe der Ein- und Auspendler aller kreisfreien Städte und Landkreise im IHK-Bezirk.
Diese Grafik dient der Darstellung der zunehmenden Verkehrsbelastung. Bei der Interpretation muss berücksichtigt werden, dass
Pendler innerhalb des IHK-Bezirks gleichzeitig sowohl als Einpendler als auch als Auspendler gezählt werden.
Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung




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Was für alle Kommunen gilt



Flächennutzung
und Stadtentwicklung
Mit Flächenpolitik                           Prinzip. Jede Flächenerschließung und       Im Idealfall halten Kommunen strategisch
                                             Baumaßnahme kostet Geld. Lediglich ein      entwickelte und verbindliche Gewerbe-
Investitionen fördern                        Prozent der Fläche in der Oberpfalz und     flächenkonzepte vor, die auch mit Nach-
                                             dem Landkreis Kelheim wird derzeit von      barkommunen abgestimmt oder sogar
Worum geht es?                               Gewerbe und Industrie sowie Handel und      interkommunal entwickelt wurden. In
                                             Dienstleistungen genutzt.                   interkommunal entwickelten Gewer-
Gewerbe- und Industrieflächen in aus-                                                    beflächen können Synergien genutzt
reichender Größe und Qualität werden         Unternehmen, die investieren, brauchen      und attraktive Angebote für Investoren
in den Kommunen des IHK-Bezirks im-          Planungssicherheit bei der Verfügbarkeit    geschaffen werden.
mer knapper. In einer Umfrage der IHK        von Gewerbe- und Industrieflächen. Nur
Regensburg für Oberpfalz / Kelheim gab       so erhalten und schaffen sie Arbeitsplät-   Die Kommunen können darüber hinaus
2018 jedes sechste Unternehmen Proble-       ze. Flächenknappheit und mangelnde          durch Einführung digitaler Verwal-
me bei der Suche nach geeigneten Flä-        Wertschätzung des Gewerbes kann einen       tungsprozesse, z.B. bei der vorhabenbe-
chen an.                                     Rückgang unternehmerischer Investitio-      zogenen Bauleitplanung, Bürokratie ab-
                                             nen oder sogar Betriebsverlagerungen zur    bauen und ein investorenfreundliches
Der Boden ist ein wertvolles Gut. Das un-    Folge haben.                                Klima schaffen.
terstreicht die öffentliche Debatte um das
Thema Flächennutzung. Die Wirtschaft
geht naturgemäß verantwortungsvoll mit       Was muss getan werden?                       Ansprechpartnerin
Grund und Boden um, denn Unterneh-
men handeln nach dem ökonomischen            Die Kommunen sollten für ansässige und       Sibylle Aumer
                                             ansiedlungsinteressierte Unternehmen         Telefon 0941 5694-244
                                             ausreichend Gewerbeflächen auswei-           E-Mail aumer@regensburg.ihk.de
                                             sen und vorhalten. Dabei sollten sie fle-
                                             xibel auf die Anforderungen der Firmen

      Nur 1%der Gesamtfläche
                                             bezüglich Lage, Anbindung, Flächenzu-
                                             schnitt und -ausstattung eingehen. Eine
                                             flächendeckende Erschließung der
                                             Gewerbeflächen mit digitaler und ver-
         in der Oberpfalz und                kehrlicher Infrastruktur ist dabei am
    im Landkreis Kelheim wird von            wichtigsten.
    Gewerbe, Industrie, Handel und
      Dienstleistungen genutzt.




6   KOMMUNALWAHL 2020
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Flächennutzung im IHK-Bezirk
                                                                           Industrie- und Gewerbefläche: 1,07%
                                                        Wohnfläche: 2,35%
                                                                             Fläche Gemischter Nutzung: 2,20%
                                                 Wasserfläche: 1,49%            Sport- und Freizeit: 0,51%
                                                                                    Sonstige Siedlungs- und Verkehrsfläche: 4,71%
                          Sonstige Vegetationsfläche: 4,12%
                                                                                        Abbauland: 0,25%




Wald: 41,28%




                                                                                                             Landwirtschaft: 42,01%




Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik, eigene Berechnung




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Städte nach
                                               Was für eine erfolgreiche Stadtentwicklung nötig ist und wo Ihre Kommune
Funktionen gliedern                            steht, das können Sie mit dem IHK-Stadtentwicklungscheck herausfinden:

Worum geht es?                                      www.ihk-regensburg.de/stadtentwicklungscheck

Liegen Gewerbebetriebe in Mischge-
bieten, urbanen Gebieten oder rückt          Was muss getan werden?                        spiel mit dem lokalen Handel ist die Mul-
aufgrund des Wachstums einer Stadt                                                         tifunktionalität ein essenzieller Baustein
Wohnbebauung an sie heran, kann das          Kommunen können die Verdrängung des           für vitale Ortskerne. Kommunen sollten
Nutzungskonflikte, vor allem beim Im-        Gewerbes aufgrund immissionsschutz-           diese positiven Aspekte im Einzelfall mit
missionsschutz, nach sich ziehen.            rechtlicher Konflikte vermeiden, indem        Beeinträchtigungen, z.B. beim Verkehrs-
                                             sie die Funktionstrennung im Städte-          fluss oder durch Lärm, abwägen.
Der Online-Handel verändert die Han-         bau aufrechterhalten.
delsstruktur grundlegend. Vor allem in                                                     Erreichbarkeit sichern: Attraktive Kom-
den Innenstädten sinkt die Nachfrage         Kommunen können sich als attraktive           munen sind für den ÖPNV, den Indivi-
nach Verkaufsflächen. Nicht nur Kom-         Wohn- und Arbeitsorte aufstellen, indem       dualverkehr sowie den Wirtschaftsver-
munen im ländlichen Raum stehen hier         sie den innerstädtischen Handel und           kehr gleichermaßen erreichbar. Hierbei
vor großen Herausforderungen. Es gilt        Dienstleistungen stärken. Hierfür haben       kommt vor allem in Städten und Kommu-
darüber hinaus, die Ortszentren als Iden-    sie mehrere Möglichkeiten:                    nen, die nicht nur ihr Gemeindegebiet
tifikationskerne zu stärken und ihre Ver-                                                  versorgen, sondern auch Bedeutung für
sorgungsfunktion für Wirtschaft, Arbeit,     Strategische Stadtentwicklung: Eine           das ländliche Umland haben, eine beson-
Wohnen, Freizeit, Kultur und Bildung so-     vorausschauende Steuerung von Einzel-         dere Bedeutung zu. Maßnahmen, wie z.B.
wie als Anbieter öffentlicher Versorgungs-   handels- und Dienstleistungsflächen si-       ausreichendes Parkraumangebot, sollten
leistungen sicherzustellen.                  chert die Grundversorgung der Bevölke-        aber gleichzeitig so gestaltet sein, dass sie
                                             rung und die Attraktivität eines Standorts.   Umweltbelastungen senken.
                                             Eine wichtige Rolle spielen dabei städte-
                                             bauliche Rahmenkonzepte, die primär
                                             den Handel berücksichtigen. Kommunale          Ansprechpartner
                                             Entscheidungsträger sollten diese verab-
                                             schieden und aktiv verfolgen.                  Thomas Genosko
                                                                                            Telefon 0941 5694-201
                                             Multifunktionalität fördern: Gastro-           E-Mail genosko@regensburg.ihk.de
                                             nomie, Dienstleistungen und kulturelle
                                             Angebote führen zu Frequenz- und At-
                                             traktivitätssteigerungen. Im Zusammen-




8   KOMMUNALWAHL 2020
Ostbayern - KONKRET
Was für alle Kommunen gilt



Energieversorgung


Kommunale Lösungen                                Was muss getan werden?                       Wenn Kommunen lokalen Akteuren
                                                                                               Partizipationsmöglichkeiten bieten,
anstreben                                         Es ist die Aufgabe der kommunalen Poli-      z.B. über Energiegenossenschaften
                                                  tik, bei ihren Bürgern für den Bau der       für Windkraft- oder PV-Anlagen mit de-
Worum geht es?                                    erforderlichen Energieinfrastruktur          zentralen Speichern, schaffen sie mehr
                                                  zu werben. Denn wenn Großkraftwerke          Akzeptanz für die relevanten Techno-
Sowohl die Bürger als auch die Unter-             wegfallen, müssen dezentral miteinander      logien. Darüber hinaus leisten sie einen
nehmen einer Kommune benötigen                    vernetzte regenerative Kraftwerke gebaut     überregionalen Beitrag zur Energieversor-
eine sichere und effiziente Versorgung            werden. Darüber hinaus müssen entspre-       gung, weil Strom in das öffentliche Netz
mit Strom und Wärme zu fairen Preisen.            chende Übertragungs- und Speicherkapa-       eingespeist wird. Nicht zuletzt lohnt sich
Energiepolitik ist nicht immer Bundessa-          zitäten geschaffen werden.                   die Schaffung dieser Zusammenschlüsse
che, auch auf kommunaler Ebene hat die                                                         für die Kommunen über Gewerbesteuer-
Politik Gestaltungsmöglichkeiten. Kom-            Vor allem in Industrie- und Mischgebieten    einnahmen.
munen, die schon heute auf regenerative           lohnen sich lokale Zusammenschlüsse
Energieträger setzen, investieren in ihre         durch die Gewerbetreibenden bei der
Zukunft und zeigen ihren Bürgern, dass            Energieversorgung. Hier kann die kom-         Ansprechpartner
sie sich für den Klimaschutz engagieren.          munale Politik die Betriebe an einen
Kommunale Zusammenschlüsse steigern               Tisch bringen und mit ihnen Lösungen          Robert Baumhof
darüber hinaus das Image der ganzen Re-           erarbeiten. Nicht zuletzt können auch         Telefon 0941 5694-245
gion, weil sie Akzeptanz für neue Techno-         Wohngebiete mit solchen Verbünden             E-Mail baumhof@regensburg.ihk.de
logien schaffen.                                  energetisch erschlossen werden.



Was die Wirtschaft empfiehlt
                                    Netzausbau unterstützen                                                                          75 %
           Schnellere Planungs-/Genehmigungsverfahren                                                                      65 %
              Ausbau erneuerbarer Energien vorantreiben                                                                 60 %
              Reduktion Steuern/Abgaben auf Strompreis                                                                  59 %
            Bessere Abstimmung politischer Maßnahmen                                                              55 %
              Wettbewerb auf Strom-/Gasmärkten stärken                                                           52 %
  Akzeptanzerhöhung für Umbau der Energieversorgung                                                    41 %
 Mehr Beratung/Unterstützung zu Effizienz-Maßnahmen                                             34 %
Bau neuer/effizienter konventioneller Kraftwerke stärken                                        34 %

                                                                  0%    10%     20%      30%      40%      50%     60%         70%   80%

Welche politischen Maßnahmen wünschen sich die bayerischen Betriebe von der Politik, um die Energieversorgung sicher, bezahl-
bar und umweltverträglich zu gestalten? (Auswahl)
Quelle: IHK-Energiewende-Barometer 2019 (Bayerische Auswertung)




                                                                                                                    KOMMUNALWAHL 2020   9
Ostbayern - KONKRET
Was für alle Kommunen gilt



Bildung und Fachkräftesicherung

Attraktiv für                                Eine qualitativ hochwertige Kinderbe-       meinbildenden und Berufsschulen aus-
                                             treuung mit ausreichenden Plätzen sowie     bauen und digitale Kompetenzen in allen
Familien werden                              Betreuungszeiten, die mit betrieblichen     Bildungsbereichen gezielt fördern.
                                             Arbeitszeiten vereinbar sind, erleichtert
Worum geht es?                               Müttern und Vätern den Wiedereinstieg       Neben dem Freizeitwert und einer guten
                                             in den Beruf und ermöglicht gleichbe-       Infrastruktur ist es standortentscheidend,
Konjunkturbereinigt fehlten den Unter-       rechtigte familiäre Erwerbsmodelle. Trotz   dass die Kommunen geeigneten und be-
nehmen in der Oberpfalz und dem Land-        eines spürbaren Ausbaus der Betreuungs-     zahlbaren Wohnraum für Fachkräfte
kreis Kelheim im Jahr 2019 rund 12.000       infrastruktur sind in der Oberpfalz und     anbieten.
Fachkräfte. Dieser Engpass verursacht        dem Landkreis Kelheim insbesondere die
einen hohen Wertschöpfungsverlust für        Ganztages- sowie die Nachmittags- und
den gesamten Wirtschaftsraum.                Ferienbetreuung von Kindern bis zwölf        Ansprechpartnerin


5,9 Mrd. €
                                             Jahren noch nicht ausreichend und flä-
                                             chendeckend gesichert.                       Nicole Scheßl
                                                                                          Telefon 0941 5694-258
                                                                                          E-Mail schessl@regensburg.ihk.de
  Bruttowertschöpfung verliert               Was muss getan werden?
  die Wirtschaft im IHK-Bezirk
  Oberpfalz-Kelheim im Zeitraum              Die Kommunen in der Region sollten die
  2019-2025 aufgrund fehlender               Kinderbetreuung bedarfsgerecht und          Betriebliche Bildung
  Fachkräfte.                                flächendeckend ausbauen und, wo
                                             nachgefragt, auch Ganztagesbetreuung
                                                                                         stärken, Willkommens-
                                             anbieten.                                   kultur schaffen
Die Kommunen können ihre Betriebe
bei der Fachkräftesicherung unterstüt-       Gleichzeitig braucht es angesichts der      Worum geht es?
zen, denn nicht nur der Job selbst, auch     demografischen Entwicklung eine besse-
die vorhandenen Angebote und Dienst-         re Pflegeinfrastruktur mit Tages- und       Das Bildungssystem wird immer durch-
leistungen vor Ort spielen für die Men-      Kurzzeitpflegeangeboten für pflegebe-       lässiger, akademische und betriebliche
schen eine entscheidende Rolle. Kann ich     dürftige Angehörige von Berufstätigen.      Bildung zunehmend miteinander ver-
wohnortnah arbeiten? Inwiefern ist meine                                                 schränkt. Dabei ist das Studium nicht
Familie vor Ort versorgt? Welche Freizeit-   Um langfristig den Bedarf an qualifizier-   mehr das alleinige Patentrezept für indi-
möglichkeiten bietet mir eine Kommune?       ten und digital kompetenten Fachkräften     viduelle Karrieren und Wohlstand.
                                             zu sichern und die Potenziale der jungen
                                             Generation besser zu fördern, sollten die
                                             Kommunen die technische Ausstattung
                                             an Kindertagesstätten sowie in allge-




10 KOMMUNALWAHL 2020
Fachkräftemangel nach Berufen in der Oberpfalz und dem Landkreis Kelheim

        Maschinen- und Fahrzeugtechnikberufe                                                                                6.200
   Techn. Entwickl. Konstr. Produktionssteuerg.                                                          4.600
  Berufe Unternehmensführung, -organisation                                            2.800
     Metallerzeugung, -bearbeitung, Metallbau                                         2.700
         Kunststoff- u. Holzherst., -verarbeitung                        1.310
                 Medizinische Gesundheitsberufe                          1.300
   Finanzdienstl. Rechnungsw., Steuerberatung                         1.100
         Mechatronik-, Energie- u. Elektroberufe                      1.100
   Erziehung, soz., hauswirt. Berufe, Theologie                    900
        Einkaufs-, Vertriebs- und Handelsberufe                    800
        Verkehr, Logistik (außer Fahrzeugführg.)                700
    Gebäude- u. versorgungstechnische Berufe                    700
   Rohstoffgewinn, Glas-, Keramikverarbeitung                  630
Mathematik-, Biologie-, Chemie-, Physikberufe                460
                                    Hoch- und Tiefbau        450
                                                        0       1.000         2.000   3.000     4.000    5.000      6.000       7.000

In absoluten Zahlen fehlen im IHK-Bezirk die meisten qualifizierten Fachkräfte in Maschinen- und Fahrzeugtechnikberufen sowie
in der technischen Entwicklung, Konstruktion und Produktionssteuerung.
Quelle: IHK-Fachkräftereport 2019



Darüber hinaus beschäftigen viele Unter-          Unternehmen, die Mitarbeiter aus dem
nehmen ausländische Mitarbeiter, möch-            Ausland rekrutieren, benötigen die Un-       Ansprechpartner
ten Fachkräfte und Auszubildende aus              terstützung ihrer Kommune bei der In-
dem Ausland gewinnen oder Geflüchtete             tegrationspolitik und der Schaffung einer    Ralf Kohl
ausbilden.                                        Willkommenskultur. Einfachere Behör-         Telefon 0941 5694-252
                                                  denverfahren, vorgehaltene Informati-        E-Mail kohl@regensburg.ihk.de
                                                  onspakete zum Standort und Angebote
Was muss getan werden?                            zur Freizeitgestaltung können zu einer
                                                  besseren Integration von ausländischen
Indem die Kommunen ihren Bürgern – vor            Fachkräften und Auszubildenden führen.
allem Eltern, Kindern und Lehrern – die
Chancen der betrieblichen Bildung auf-
zeigen, unterstützen sie ihre Unterneh-
men bei der Gewinnung von Fachkräften
aller Qualifikationsstufen.




                                                                                                                 KOMMUNALWAHL 2020   11
Was für alle Kommunen gilt



Digitale Infrastruktur

Gigabits als Daseins-                         komplett auf digitale Geschäftsmodelle.
vorsorge begreifen                            Für all diese Anforderungen reichen kei-
                                              ne Megabit mehr aus, es erfordert stabile
                                              Leitungen im Gigabit-Bereich.
Worum geht es?
                                              Spät aber immerhin gibt es jetzt auf
Eine leistungsfähige digitale Infrastruk-     Bundes- und Landesebene Aktivitäten,
tur gehört bereits heute zur Grundver-        Programme und eigene Ämter, um die
sorgung. Die Kommunen müssen ihren            digitale Infrastruktur sowohl beim Funk
Bürgern das Leben und Arbeiten in der         als auch kabelgebunden auszubauen. Der
digitalen Welt ermöglichen, wenn sie im       Wille ist da, bei der Umsetzung scheint es
Standortwettbewerb bestehen wollen.           jedoch zögerlich voran zu gehen. Der Eng-
Ihre Bürger wollen nicht nur privat konsu-    pass liegt oft genug auf der kommunalen
mieren, etwa indem sie Streaming-Ange-        Ebene. Seien es Förderprogramme, die
bote oder Online-Spiele nutzen. Sie wol-      aufgrund einzelner Vorgaben nicht grei-
len von unterwegs aus und im Homeoffice       fen, Verwaltungskapazitäten, die nicht
arbeiten. Darüber hinaus böte die inter-      ausreichen, oder der mangelnde politi-
netgestützte Telemedizin eine Antwort         sche Wille aufgrund von Widerständen.
auf den Ärztemangel im ländlichen Raum.

Gerade auf dem Land schafft die digitale        Wie steht es um die Breitbandversorgung vor Ort?
Infrastruktur Nähe zu den Wirtschaftszen-
tren der Welt. Die Versorgung mit gutem         Der Breitbandatlas des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur
Internet ist ein wesentliches Kriterium für     zeigt anhand von interaktiven Karten bis auf die Ebene von Orts- und Stadttei-
Bürger und Unternehmen bei der Beurtei-         len, welche Bandbreiten und Techniken für die Datenübertragung zur Verfügung
lung der Attraktivität einer Kommune und        stehen:
damit für Wohn- und Standortentschei-
dungen. Unternehmen vom Handwerker                   www.breitbandatlas.de
bis zum Großunternehmen können ohne
eine ausreichende digitale Anbindung
kaum mehr existieren. Sie wollen ihren
digitalen Vertrieb über die Homepage
steuern, mit den Kunden per Online-Mes-
senger kommunizieren, Cloud-Dienste
nutzen, mit digitalen Services ihre Ma-
schinen überwachen oder sie setzen sogar




12 KOMMUNALWAHL 2020
Was muss getan werden?                      Es gibt einiges Know-how von Institutio-
                                            nen wie dem Bayerischen Breitbandzen-        Ansprechpartner
Aufgabe der Kommunen ist es, die Anbin-     trum in Amberg oder dem Bayerischen
dung der Haushalte und Firmen per Breit-    Mobilfunkzentrum bei der Regierung           Thomas Genosko
band ans Internet noch besser mit Glas-     der Oberpfalz, das die Kommunen von          Telefon 0941 5694-201
faser zu schaffen. Mindestens genauso       Anfang an nutzen können. Auch die ver-       E-Mail genosko@regensburg.ihk.de
wichtig ist die lückenlose Versorgung mit   schiedenen Anbieter von Kabel- und
Mobilfunk jetzt mit der 4G-Technologie      Funklösungen bieten Unterstützung an.
(LTE) und in absehbarer Zukunft mit 5G.
                                            Natürlich müssen die Kommunen auch
Kommunen sollten den Ausbau der digi-       wissen, wo es hakt. Wo setzen Verbin-
talen Infrastruktur deshalb zur Chefsache   dungen aus, wo liefert die Bandbreite
machen. Es braucht einen umfassenden        eher Tröpfchen als einen Datenfluss? Die
Masterplan. Kommunale Planungen             Kommunen sollten ihre Bürger und Un-
und Investitionen müssen die digitale       ternehmer fragen, wo dringender Bedarf
Infrastruktur von Anfang an gleich mit-     herrscht. Eine Bündelung der Nachfrage
denken. Können bei Tiefbauten gleich        macht einen Standort auch für die priva-
Leerrohre verlegt werden, um später viel-   ten Anbieter interessanter.
leicht ein Glasfaserkabel durchzuziehen?
Wo können Grundstücke und Gebäude           Kommunen sollten bei ihren Bürgern
für den Aufbau von Mobilfunkmasten ge-      Überzeugungsarbeit leisten. Gerade
nutzt werden?                               beim Ausbau der Mobilfunkinfrastruk-
                                            tur existieren Ängste, die Politiker ernst
                                            nehmen müssen. Gleichzeitig sollten sie
                                            versuchen, wissenschaftlich fundiert über
                                            Risiken aufzuklären und für den Ausbau
                                            zu werben. Eine kleine Gruppe Lautstar-
                                            ker darf sich nicht über die Mehrheit der
                                            Bürger einer Kommune hinwegsetzen
                                            können und die digitalen Lebensadern
                                            abschneiden.




                                                                                                           KOMMUNALWAHL 2020   13
Regionalspezifische Themen


Amberg-Sulzbach


Standortbestimmung                            Der teilweise Neubau und die Erweite-       Attraktivitätssteigernd sind darüber
                                              rung der Berufsschule Sulzbach-Rosen-       hinaus eine moderne und mutige Stadt-
Die Stadt Amberg und der Landkreis Am-        berg sollte mit der Unterstützung von       entwicklung und die zügige Umsetzung
berg-Sulzbach sind traditionell stark vom     Verwaltung und Behörden zügig umge-         wichtiger Innenstadtprojekte. Die Um-
Verarbeitenden Gewerbe geprägt. Elek-         setzt werden.                               setzung der Projekte auf dem Bürgerspi-
trotechnik, Maschinenbau, Automation                                                      talgelände und dem ehemaligen Kaufhaus
und Automotive dominieren. Mehrere            Neben der Förderung der Ausbildung ist      Forum in Amberg sollte von der Stadt
innovative, mittelständische Unterneh-        die Vereinbarkeit von Familie und Beruf     bestmöglich unterstützt werden. Für den
men gehören zu den Weltmarktführern           ein wesentlicher Baustein zur Fachkräfte-   Bereich Bierhalsberg mit dem ehemaligen
in ihrer Branche. Signifikant ist die über-   sicherung.                                  Storg-Gebäude in Sulzbach-Rosenberg
durchschnittlich hohe Exportquote der                                                     sollte die Kommune ein zukunftsfähiges
Region von 69 Prozent. Internationale         Der Ausbau regionaler Betreuungsein-        Nutzungskonzept auf den Weg bringen.
Vernetzung sowie weltweiter Freihandel        richtungen für Kinder, Senioren oder
sind für die Sicherung der Wettbewerbs-       pflegebedürftige Angehörige muss in         Gemeinsame Aktionen von Handel und
fähigkeit essenziell. Gerade die Industrie    den Kommunen oberste Priorität genie-       Gastronomie wie z.B. die IHK-Initiative
und das Verarbeitende Gewerbe sind von        ßen.                                        „Heimatshoppen“ stärken die Innenstädte
der sich weiter beschleunigenden Digi-                                                    und sollten von den Kommunen gefördert
talisierung in nahezu allen unternehme-       Die regionale Wirtschaft setzt sich für     werden.
rischen Bereichen stark betroffen. Viele      einen Zuzug ausländischer Fachkräfte ein
Berufsbilder werden sich wandeln und          und befürwortet einen Ausbau des Pro-       In allen größeren Städten der Region soll-
weiterentwickeln.                             jekts zur Anwerbung junger Erwachse-        te ein kostenloses und leistungsfähiges
                                              ner aus der griechischen Partnerstadt       WLAN installiert werden.
                                              Trikala durch die Stadt Amberg und die
                                              Arbeitsagentur Amberg-Sulzbach.
Was der Standort braucht                                                                   Ansprechpartner

Für Fachkräfte sorgen                         Gute Lebensverhältnisse schaffen             Bernhard Reif
                                                                                           Telefon 09621 916593-20
Die Firmen in der Stadt Amberg und dem        Um den Zuzug von Fachkräften zu begüns-      E-Mail reif@regensburg.ihk.de
Landkreis Amberg-Sulzbach suchen hän-         tigen, sollte vor allem in Amberg mehr
deringend nach technischen Fachkräften.       attraktiver und bezahlbarer Wohnraum
Damit die duale Ausbildung mit dem Be-        geschaffen werden. Zielführend sieht die
darf der Unternehmen schritthalten kann,      Wirtschaft eine Umwidmung leerstehen-
sollten die Berufsschulen Amberg und          der Einzelhandelsflächen, eine bedarfsge-
Sulzbach-Rosenberg gemäß der tech-            rechte Ausweisung von Neubaugebieten
nologischen und digitalen Infrastruk-         mit Glasfaseranschluss und Anbindung
tur in den Unternehmen ausgestattet           zum ÖPNV.
werden.




14 KOMMUNALWAHL 2020
Es ist wünschenswert, dass die Öko-Mo-
dellregion Amberg-Sulzbach auch im
Bereich der erneuerbaren Energien eine                                      „Die regionale Wirtschaft
Vorreiterrolle einnimmt. Dazu gehört ein                                    wünscht sich von der
weiterer Ausbau der Ladeinfrastruk-
tur für die Elektromobilität. Sowohl                                        Verwaltung der Stadt
für Freizeitaktivitäten, aber auch zuneh-                                   Amberg und den
mend für den Pendelverkehr, sollte das
Radwegenetz in der gesamten Region
                                                                            Kommunen des
deutlich ausgebaut werden. Die In-                                          Landkreises Amberg-
dustrie- und Gewerbegebiete sowie die                                       Sulzbach mehr Mut und
Handelszentren müssen dabei berück-
sichtigt werden.                                             Durchsetzungsvermögen bei der
                                                             Realisierung zukunftsweisender Projekte,
Effizienz in der kommunalen                                  insbesondere dann, wenn von Teilen der
Verwaltung                                                   Bürgerschaft Gegenwind aufkommt.“
Wesentliche Basis einer wirtschaftlich
florierenden Region ist eine leistungsfä-                    Dr. Rolf Pfeiffer
hige und lösungsorientierte Verwaltung.                      Vorsitzender des IHK-Gremiums Amberg-Sulzbach
Dringliche Planungs- und Genehmigungs-
verfahren sollten zügig und notfalls auch
mit Unterstützung externer Dienstleister    Insgesamt sollten die Stadt Amberg und
durchgeführt werden. Das kommunale          der Landkreis Amberg-Sulzbach mehr
Angebot beim E-Government sowie bei         zusammenarbeiten. Kooperationsmög-
digitalen Informationssystemen sollte       lichkeiten bieten die Realisierung inter-
in allen Verwaltungsbereichen deutlich      kommunaler Gewerbegebiete sowie
ausgebaut und optimiert werden.             eine Stärkung der Infrastrukturgesell-
                                            schaft „inAS“ z.B. zur Förderung des
Die Wirtschaft begrüßt das Engagement       Breitbandausbaus.
der Stadt Amberg zur Smart City und
befürwortet eine Forcierung dieser Stra-
tegie.

Die kommunalen Wirtschaftsförderer
sollten die regionale Wirtschaft stärker
und frühzeitig bei allen unternehmens-
relevanten Entscheidungen und Weichen-
stellungen einbinden.




                                                                                                       KOMMUNALWAHL 2020   15
Regionalspezifische Themen


Cham

Standortbestimmung
Der Wirtschaftsraum Cham verzeichnete                                         „Selbst Anpacken war
in den letzten Jahren ein außergewöhnlich                                     schon immer eine der
dynamisches Wachstum. Neben der Kern-
branche Industrie sind der Handel und die
                                                                              Stärken unseres
Tourismuswirtschaft Wachstumstreiber.                                         Landkreises. Der
Der Wirtschaftsraum Cham ist geprägt
von vielen erfolgreichen Familienunter-
                                                                              Infrastrukturausbau hin
nehmen und industriellen Mittelständlern                                      zur digital vernetzten
mit weltweiter Vernetzung. Mit mehr als                                       (Arbeits-)Welt muss aus
zwei Millionen Gästeübernachtungen
ist der Landkreis der führende Touris-                        unserer Region heraus gestaltet werden.
mus-Standort in der Region. Die Kreis-                        Ein Warten auf die große Politik würde
und Handelsstadt Cham ist angesichts der
überregionalen Kaufkraftbindung einer                         hier unsere Wettbewerbsposition
der Spitzenstandorte in Bayern. Seit 2012                     schwächen.“
ist Cham auch regionaler Hochschulstand-
ort mit zwei Studiengängen im Bereich
der Ingenieurwissenschaften.                                  Dr. Alois Plößl
                                                              Vorsitzender des IHK-Gremiums Cham
Nachteilig für den Wirtschaftsraum sind
die nach wie vor unzureichend ausgebau-
ten überregionalen Verkehrsverbindun-        bewegen, sich für eine Ausbildung, einen   Medien und Plattformen nutzen kann,
gen. Die früher belastende Grenzsituation    Arbeitsplatz oder ein Studium im Land-     ist der Ausbau einer leistungsfähigen
hat sich zu einem strategischen Standort-    kreis Cham zu entscheiden.                 digitalen Infrastruktur wichtig. Die Ent-
vorteil gewandelt. Die 72 Kilometer lange                                               scheidung des Landkreises, den Ausbau
Grenze zur dynamisch wachsenden Re-                                                     des Breitbandnetzes über ein leis-
gion Pilsen schafft Verbindungen für über
4.000 tschechische Fachkräfte, für Han-
                                             Was der Standort braucht                   tungsfähiges Kommunalunternehmen
                                                                                        eigenwirtschaftlich umzusetzen, wird
del und wirtschaftliche Kooperationen                                                   von der Wirtschaft ausdrücklich begrüßt.
sowie einen enormen Kaufkraftzufluss.        Digitale Infrastruktur                     Priorisiert werden sollte von diesem der
                                             und Angebote ausbauen                      schnelle Ausbau des Breitbandnetzes in
Eine große Stärke der Region ist seit lan-                                              den unterversorgten Industrie- und Ge-
gem der konstruktive Dialog zwischen         Damit die Wirtschaft vor Ort die Chan-     werbegebieten des Landkreises Cham.
den Entscheidungsträgern in Wirtschaft,      cen und Potenziale digitaler Techniken,    Die Kommunen sollte es bei der Stand-
Politik, Verwaltung und Institutionen.                                                  ortwahl und bei den Investitionen für
Unternehmen, Politik und Kommunen                                                       Mobilfunkmasten unterstützen, damit
haben gemeinsam Rahmenbedingungen                                                       ein Lückenschluss im 4G-Netz vollzogen
geschaffen, die junge Menschen aus der                                                  werden kann.
Region und teils weit darüber hinaus dazu




16 KOMMUNALWAHL 2020
Der Technologiecampus und das Digi-           konsequent verfolgt werden. Die Wirt-        Wirtschaft ist es wichtig, diese Stärken
tale Gründerzentrum Cham sollten als          schaft hofft darauf, dass sich die Stadt     und Standortvorteile mit einem aktiven
Innovationstreiber für alle Wirtschaftsbe-    Cham um die Ansiedelung eines wei-           und nachhaltigen Standortmarketing
reiche, Schulen und die Fachkräftequali-      teren Stadthotels bemüht. Cham sollte        zu kommunizieren und damit die Fach-
fizierung im Bereich Digitalisierung noch     mit seinen Umlandkommunen interkom-          und Führungskräfte von morgen für die
stärker genutzt werden. Die Akkreditie-       munale Industrie- und Gewerbeflächen         Region zu gewinnen.
rung des Technologiecampus als Studien-       entwickeln.
standort sowie der Ausbau des dortigen
Studien- und Bildungsangebots sollte von      Die Stadt Furth im Wald hat mit der Zu-       Ansprechpartner
der kommunalen Politik weiter mit Nach-       sage zur Landesgartenschau 2025 die
druck verfolgt werden.                        Chance für einen strategisch angelegten       Richard Brunner
                                              Stadtentwicklungsprozess. Neben einer         Telefon 09971 31082-10
Das Standort- und Tourismusmarketing          Verbesserung ihres Images sollte die Stadt    E-Mail brunner@regensburg.ihk.de
in der Region sollte digitale Techniken im    aber auch gezielt ihre Flächenpolitik neu
Gästeservice vor Ort verstärkt einsetzen.     ordnen, um den Gewerbeflächenbedarf
                                              für Handel und Produktion zu decken. Ein
                                              dringend notwendiger Impuls aus Sicht
Stadtentwicklung konsequent                   der Wirtschaft wäre die Schaffung einer
vorantreiben                                  Stelle für Stadtentwicklung und Wirt-
                                              schaftsförderung.
Die Kreisstadt Cham muss ihre Rolle
als Oberzentrum der Region konsequent
weiter verfolgen. Wesentlich dafür ist eine   Standort- und Fachkräftemarketing
Strategie zur weiteren Entwicklung als        aufbauen
Wohn- und Einkaufsstadt mit dem Fo-
kus auf eine attraktive Innenstadt. Die       Die außergewöhnlich positive wirtschaft-
Stadt Cham benötigt mehr Personal für         liche Entwicklung des letzten Jahrzehnts
ein professionelles Stadtmarketing, für       hat die Berufs- und Lebensperspektive
die Umsetzung der Markenstrategie wie         der Menschen im Landkreis Cham ent-
auch für Stadtentwicklungsprojekte. Die       scheidend verbessert. Die seit Jahren
Entwicklung der Badstraße als Techno-         kontinuierlich wachsende Zahl an Ein-
logie-, Bildungs- und Start-up-Quartier       pendlern und Zuzüge unterstreichen die
wie auch die Akkreditierung des Techno-       Attraktivität des Landkreises. Für die
logiecampus als Studienstandort sollten




                                                                                                               KOMMUNALWAHL 2020   17
Regionalspezifische Themen


Kelheim

Standortbestimmung                            von Fachkräften Argumente gegenüber
                                              den umgebenden Ballungsräumen. Ein           Ansprechpartner
Der Landkreis Kelheim liegt inmitten der      Ziel muss es sein, Auszubildenden die
Ballungsräume München, Regensburg, In-        Fahrt zur Berufsschule und zum Ausbil-       Manuel Lorenz
golstadt und Landshut. Das bringt Stand-      dungsbetrieb ohne lange Fahrzeiten zu        Telefon 09443 92824-10
ortvorteile aber auch Herausforderungen       ermöglichen. Aufgrund der Struktur des       E-Mail lorenz@regensburg.ihk.de
für die ansässigen Unternehmen mit sich.      Landkreises Kelheim mit mehreren ver-
Bei der Verfügbarkeit von Fachkräften,        gleichbar großen Städten und Märkten, ist
einem zukunftsgerechten Ausbau der            ein flächendeckender ÖPNV nur schwer        Die Bundesstraße B16 und die Schie-
Infrastruktur und einem attraktiven An-       und kostspielig zu erreichen. Der ÖPNV      nenverbindung nach Regensburg und
gebot für Mobilität bestehen große Unter-     sollte vor dem Hintergrund moderner Mo-     Ingolstadt sollten aus Sicht der Wirt-
schiede zwischen Stadt und Land. Diese        bilitätsformen neu interpretiert werden.    schaft bedarfsgerecht ausgebaut wer-
sollten aus Sicht der regionalen Wirtschaft   Gut frequentierte ÖPNV-Linien binden        den. Für die Schienenverbindung nach
ausgeglichen werden.                          als Rückgrat der Mobilität dabei auch       Regensburg und Ingolstadt unterstützt
                                              Gewerbegebiete und Arbeitgeber an. Ab-      die regionale Wirtschaft die politische
                                              seits dieser Routen lohnen sich bedarfs-    Forderung nach einem durchgängigen
                                              orientierte Mobilitätsformen, beispiels-    30-Minuten-Takt. Für die B16 wird ein
Was der Standort braucht                      weise der Einsatz von Rufbussen. Mit dem    abschnittsweise dreispuriger Ausbau
                                              Modellprojekt eines Rufbussystems für       bei Mühlhausen und Lengfeld erwartet
Der Landkreis Kelheim muss                    Kelheim und Saal a.d. Donau wird bereits    sowie eine Prüfung des Ausbaus zwi-
mobiler werden                                der richtige Weg beschritten. Die kommu-    schen Abensberg und Saal a.d. Donau.
                                              nale Politik sollte dieses System weiter    Weiterhin wird angeregt, Ausbaumaß-
Auch wenn der Pkw auf absehbare Zeit          ausbauen.                                   nahmen entlang der Bundesstraße
das dominierende Verkehrsmittel im                                                        B299 zu prüfen. Diese ist als wichtigste
Landkreis Kelheim bleibt, sollte das Mobi-                                                Verbindung nach Landshut eine bedeu-
litätsangebot im Landkreis weiterent-                                                     tende Entwicklungsachse und existenziell
wickelt werden. Attraktive Alternativen                                                   für eine Vielzahl von Pendlern und Güter-
bei der Mobilität schaffen bei der Akquise                                                transporten. Die kommunalen Vertreter
                                                                                          sollten diese überregional wichtigen Maß-
                                                                                          nahmen weiter vorantreiben, auch wenn
                                                                                          sie im eigenen Wahlkreis umstritten sind.

                                                                                          Um den Wechsel zwischen verschiede-
                                                                                          nen Verkehrsmitteln zu erleichtern, sollte
                                                                                          das Mobilitätsangebot an multimoda-
                                                                                          len Knoten wie Bahnhöfen, wichtigen
                                                                                          Bushaltestellen oder P+R-Anlagen
                                                                                          erweitert werden. Hierzu zählt z.B. die
                                                                                          Schaffung von Fahrradverleihstationen,
                                                                                          Ladesäulen oder weiteren Parkplätzen.




18 KOMMUNALWAHL 2020
Darüber hinaus regt die regionale Wirt-
schaft die Schaffung einer landkreis-
übergreifenden Mobilitätsplattform,                                           „Unsere Betriebe,
beispielsweise als Smartphone-App, an.                                        Mitarbeiter und Kunden
Diese sollte neben Fahrzeiten auch Preise
und die Möglichkeit zur Buchung enthal-                                       brauchen unkomplizierte
ten und sich dabei nicht auf den ÖPNV                                         Mobilität und schnelles
und die Zugverbindungen beschränken,
sondern weitere Mobilitätsangebote wie
                                                                              Internet. Dabei darf es bei
Taxis, Fahrradverleihstationen oder E-La-                     der Infrastruktur keinen Unterschied
desäulen abbilden.                                            machen, ob man sich in der Stadt oder auf
                                                              dem Land befindet.“
Innovationszentren aufbauen
                                                              Michael Gammel
Der Landkreis Kelheim weist keine eige-                       Vorsitzender des IHK-Gremiums Kelheim
nen Innovationseinrichtungen auf. Die
regionale Wirtschaft kooperiert daher
u.a. mit den nahen Universitäten, Hoch-       Schnelles Internet flächendeckend         den Ausbau sind die Kommunen und ihre
schulen und Forschungseinrichtungen                                                     politischen Vertreter. Von ihnen erwartet
in Regensburg und Ingolstadt. Mit den         Für die Wettbewerbsfähigkeit des Wirt-    die regionale Wirtschaft Weitsicht und
Planungen für einen Technologie Cam-          schaftsstandorts Kelheim und seiner       Durchsetzungskraft, den Ausbau trotz
pus in Neustadt a.d. Donau sowie einer        Betriebe ist eine Anbindung neuer Ge-     zu erwartenden Widerstands zu ermögli-
Arbeitsgruppe für autonomes Fahren            werbegebiete mit leistungsfähigen         chen. Grundlage hierfür muss eine fakten-
in Kelheim könnten neue Anlaufstellen         Breitbandanschlüssen unerlässlich. Be-    basierte Diskussion und Moderation sein.
für Betriebe sowie die Basis für innovative   stehende Gewerbeflächen sollten eben-
Milieus und positive Impulse für den Wirt-    falls umgehend und in Abstimmung mit
schaftsstandort geschaffen werden. Die        den ansässigen Betrieben nachgerüstet
regionale Wirtschaft unterstützt diese Be-    werden. Beim Ausbau des Mobilfunk-
strebungen und erwartet Unterstützung         netzes ist eine flächendeckende Ver-
von der kommunalen Politik.                   fügbarkeit des 4G-Standards dringend
                                              notwendig. In Ballungsgebieten sowie
                                              entlang von Hauptverkehrsrouten soll-
                                              te der priorisierte Ausbau mit 5G-Stan-
                                              dard erfolgen. Dreh- und Angelpunkt für




                                                                                                            KOMMUNALWAHL 2020   19
Regionalspezifische Themen


Neumarkt


Standortbestimmung                           Neben der Fachkräftesicherung und der       Neue Mobilitätsformen etablieren,
                                             Stärkung der dualen Ausbildung steht        ÖPNV stärken
Der Landkreis Neumarkt i.d.Opf. zählt zu     der Landkreis Neumarkt mit der Digi-
den wirtschaftlich stärksten Regionen        talisierung in allen Bereichen, von der     Um eine bessere Anbindung der ländli-
in Bayern. Innovative mittelständische       Arbeitswelt über den Verkehr bis hin zur    chen Gemeinden an die Stadt Neumarkt
Betriebe mit besonderen Kompetenzen          öffentlichen Verwaltung, vor der größten    zu erreichen, muss ein bedarfsgerechtes
in den Bereichen Bau, Elektroindustrie       Herausforderung.                            und nachfrageorientiertes Mobilitäts-
sowie Maschinen- und Anlagenbau sind                                                     system, das flexibel und finanzierbar ist,
der ökonomische Hauptfaktor der Region.                                                  entwickelt werden. Zu den Maßnahmen
Die Arbeitslosenquote liegt deutlich unter                                               zählen der flächendeckende Ausbau des
dem bayerischen Durchschnitt. Direkt an      Was der Standort braucht                    Rufbussystems und eine Verbesserung
der A3, A6 und A9 gelegen sowie mit der                                                  des Randzeitenverkehrs abends und am
Schienenanbindung Richtung Nürnberg          Die (digitale) Infrastruktur ausbauen       Wochenende.
und Regensburg ist Neumarkt ideal in den
Nah- und Fernverkehr eingebunden.            Zwar ist Neumarkt verkehrstechnisch gut     Der eher ländliche Landkreis Neumarkt
                                             angeschlossen, nichtsdestotrotz gibt es     ist stark vom Individualverkehr geprägt.
Die zentrale und verkehrsgünstige Lage       noch Ausbaubedarf. Dazu gehören der         Neue Mobilitätsformen wie Car Sha-
zwischen den großen Zentren Nürn-            dreistreifige Ausbau der B B299 und         ring oder auch Mobilitäts-Apps bieten
berg, Regensburg und Ingolstadt ist auf      ein zusätzlicher neuer Bahnhalt „Neu-       Anreize, um auf den öffentlichen Nah-
der einen Seite ein großer Vorteil, auf      markt Süd“.                                 verkehr umzusteigen. Zudem müssen
der anderen Seite stehen die Firmen                                                      die Kommunen die einzelnen Mobilitäts-
mit den Ballungsräumen in Konkurrenz         Geschlossen werden müssen die Versor-       formen besser vernetzen, um den Um-
um Fachkräfte. Hinzu kommt, dass die         gungslücken im Mobilfunknetz. Vor al-       stieg auf den ÖPNV zu erleichtern.
Stärken, Standortvorteile und die gute       lem in den Randgemeinden des Truppen-
Lebensqualität der Region Neumarkt bis       übungsplatzes Lauterhofen und Velburg
dato kaum kommuniziert werden. Der           und in einigen Talbereichen der Kommu-       Ansprechpartnerin
Landkreis Neumarkt wird infolge dessen       nen Berching, Breitenbrunn und Diet-
überregional nicht als guter Wohn- und       furt bestehen noch immer große Defizite.     Silke Auer
Arbeitsstandort wahrgenommen. Immer-                                                      Telefon 09181 32078-10
hin: Einen ersten Schritt in die richtige    Dringend angepackt werden muss auch          E-Mail silke.auer@regensburg.ihk.de
Richtung haben Stadt und Landkreis Neu-      die Digitalisierung der kommunalen
markt mit dem Fachkräfteportal „Starke       Verwaltungsverfahren. Die kommuna-
Jobs“ gemacht, das neben einer Jobbörse      len Einrichtungen können dann z.B. Bau-
auch die Standortvorteile herausstellt.      genehmigungen schneller erteilen und
                                             damit ihren Service für Bürger und Unter-
                                             nehmen verbessern.




20 KOMMUNALWAHL 2020
Das Umfeld für Innovationen stärken

Die Kommunen im Landkreis Neumarkt                                             Die Kommunen müssen
sollten zukunftsweisende Technologien                                          die Digitalisierung ins
fördern und den Wissenstransfer zwi-
schen Hochschulen, Start-ups und Unter-                                        Zentrum ihres Handelns
nehmen stärken. Die Wirtschaft sieht in                                        rücken, sei es in den
der Weiterentwicklung des Technolo-
giecampus Parsberg-Lupburg großes
                                                                               Schulen, in der
Potenzial. Er soll vor allem die Innovati-                     Verwaltung oder beim Ausbau der
onsleistung kleiner und mittelständischer                      Infrastruktur vor Ort, um die weitere
Unternehmen steigern.
                                                               positive wirtschaftliche Entwicklung des
Mit dem Bau des Hochschulcampus in                             Landkreises Neumarkt zu fördern.
der Neumarkter Innenstadt siedelt sich
der deutschlandweit einmalige Studien-
gang der TH Nürnberg „Management in                            Ursula Hammerbacher
der Biobranche“ an. Die Unternehmen                            Vorsitzende des IHK-Gremiums Neumarkt
setzen darauf, dass die Stadt Neumarkt
bei den regionalen Hochschulen für die
Etablierung weiterer Studiengänge            Neumarkts Zukunft sichern
und Weiterbildungsangebote am neuen
Campus wirbt, vor allem Angebote in der      Für das ehemalige Flugfeld in Neumarkt
Digitalisierung sind erforderlich.           sollte die Stadt eine innovative und be-
                                             darfsgerechte Entwicklung erarbeiten.
In Parsberg entsteht aktuell ein Digitales   Das Areal mit einer Fläche von 58 Hektar
Gründerzentrum, in Neumarkt soll ein         unweit der Neumarkter Innenstadt bietet
Co-Working-Space geschaffen werden.          Potenzial für Gewerbeflächen und Wohn-
Die Kommunen sollten in enger Koope-         raum. Gerade im Stadtgebiet wird Wohn-
ration mit der Wirtschaft alles dafür tun,   raum dringend benötigt.
dass diese Einrichtungen mit Leben ge-
füllt werden, damit ein attraktives Netz-    Die Stadt Neumarkt sollte als Ober-
werk für digitale und innovative Gründer     zentrum für den ländlich geprägten Land-
entsteht.                                    kreis als Einkaufsstadt attraktiver werden.
                                             Aus diesem Grund sieht die Wirtschaft
                                             eine zukunftsorientierte Innenstadt-
                                             entwicklung als unerlässlich an.




                                                                                                       KOMMUNALWAHL 2020   21
Regionalspezifische Themen


Nordoberpfalz


Standortbestimmung
Die Wirtschaftsregion Nordoberpfalz                                            „Unternehmen kennen
umfasst die Landkreise Neustadt a.d.                                           keine Grenzen – Städte,
Waldnaab und Tirschenreuth sowie die
kreisfreie Stadt Weiden i.d.Opf. Die Max-
                                                                               Gemeinden und
Reger-Stadt als handelsgeprägtes regio-                                        Landkreise leider viel zu
nales Oberzentrum ist auch stark durch
unternehmensnahe Dienstleistungen ge-
                                                                               oft. Die regionale
prägt. Die Wirtschaft der Landkreise wie-                                      Wirtschaft fordert die
derum trägt das Verarbeitende Gewerbe.                                         Bewerber um die
Beide Kreise belegen oberpfalzweit Spit-
zenplätze bei der Industriedichte und der                      kommunalen Spitzenämter auf, die
Umsatzproduktivität. Die meiste Wert-                          gemeinsamen Herausforderungen wie
schöpfung findet im Anlagen- und Ma-
schinenbau, dem Bereich Automotive                             Fachkräftemangel, Flächenpolitik und
und der Glas- und Keramikindustrie statt.                      Wirtschaftsförderung anzuerkennen und
Letztere sind heute hochspezialisiert und
international wettbewerbsfähig und gel-
                                                               im Schulterschluss schlagkräftige
ten als Zeichen des Strukturwandels, den                       Strategien und Antworten darauf zu
die Nordoberpfalz gemeistert hat.
                                                               entwickeln.“
Als ländlich geprägte Wirtschaftsregion
leidet die Nordoberpfalz besonders unter                       Bernd Fürbringer
dem Fachkräftemangel. Es fehlt aus Sicht                       Vorsitzender des IHK-Gremiums Nordoberpfalz
der Wirtschaft an einem einheitlichen
Fachkräftemarketing, das die Region über-
regional für qualifizierte Mitarbeiterinnen   Was der Standort braucht                   Weiden i.d.Opf. auf, eine gemeinsame
und Mitarbeiter aller Berufsgruppen und                                                  Wirtschaftsförderung aufzubauen. Das
Qualifikationen interessant macht.                                                       IHK-Gremium Nordoberpfalz erwartet ins-
                                              Gemeinsame Wirtschaftsförderung            besondere von den Kandidaten um die
Auch die Entwicklung bedarfsgerechter         aufbauen                                   politischen Spitzenämter Antworten und
Gewerbe- und Industrieflächen geht in                                                    Vorschläge, wie diese aufgebaut werden
der Nordoberpfalz nur schleppend voran.       Die regionale Wirtschaft fordert die       soll.
Zwar lassen sich mit dem interkommu-          Landkreise Neustadt a.d. Waldnaab und
nalen Gewerbe- und Industriegebiet in         Tirschenreuth sowie die kreisfreie Stadt
Wiesau erste vielversprechende Ansätze
verzeichnen, die umstrittene und zähe
Entwicklung des Gewerbegebietes „Wei-
den West IV“ gefährdet jedoch die wirt-
schaftliche Zukunftsfähigkeit.




22 KOMMUNALWAHL 2020
Was die Wirtschaft von der Politik fordert, das hat das IHK-Gremium Nord-
  oberpfalz in einem Wirtschaftsleitbild vorgestellt.

  Download unter
     www.ihk-regensburg.de/leitbildnordoberpfalz


Schnittmengen können nur im Verbund        brauchen funktions- und bedarfsgerechte
effektiv bearbeitet werden. Dazu gehö-     Flächen, die in langfristiger Perspektive
ren u.a. Flächenmanagement sowie           Entwicklungsmöglichkeiten bieten. Die
Standort- und Fachkräftemarketing.         Gebietskörperschaften als Inhaber der
Das IHK-Gremium Nordoberpfalz hat          Planungshoheit sind dafür verantwortlich,
die Erarbeitung eines Fachkräftekon-       Flächen dementsprechend zu entwi-
zepts angestoßen und erwartet von der      ckeln. Dabei sollten in der Nordoberpfalz
Kommunalpolitik und den Verwaltungen       auch interkommunale Ansätze verfolgt
Unterstützung und Mitarbeit bei dessen     werden. Die öffentliche Diskussion um
Realisierung.                              Flächennutzung durch die Wirtschaft soll-
                                           te sachlich und unter Einbeziehung der
                                           regionalspezifischen Strukturmerkmale
Gewerbegebiet Weiden West IV               vonstattengehen. Auch sollte die Politik in
realisieren                                der Diskussion die Nutzung von Flächen
                                           nicht mit Versiegelung gleichsetzen.
Nachdrücklich spricht sich die regionale
Wirtschaft für die Realisierung des Ge-
werbegebiets Weiden West IV aus. Die        Ansprechpartner
verantwortlichen Akteure in Politik und
Verwaltung sollten die Planungen und er-    Florian Rieder
forderlichen Maßnahmen vorantreiben,        Telefon 0961 48195-13
damit sie den Unternehmen dringend          E-Mail rieder@regensburg.ihk.de
benötigte Flächen anbieten können.

In der Nordoberpfalz ist die Flächen-
nutzung durch Industrie und Gewerbe
im bayerischen Vergleich unterdurch-
schnittlich ausgeprägt. Die Unternehmen




                                                                                         KOMMUNALWAHL 2020   23
Regionalspezifische Themen


Regensburg


Standortbestimmung
                                                   Was die regionale Wirtschaft von der Politik braucht, das hat das
Die Region Regensburg ist einer der                IHK-Gremium Regensburg in einem Wirtschaftsleitbild formuliert.
Top-Wirtschaftsstandorte Deutschlands
und gilt dabei als besonders lebenswert,           Download unter
das belegen regelmäßig Spitzenplätze                  www.ihk-regensburg.de/leitbildregensburg
bei nationalen Rankings. Die Prognosen
sagen für das kommende Jahrzehnt ein
weiteres Bevölkerungswachstum voraus             Ein Standort, dem es wirtschaftlich so gut    men bei den Plänen zum höherwertigen
– mit Chancen und Herausforderungen.             geht wie Regensburg, der sollte nicht ver-    ÖPNV, dass die avisierte Regensburger
Die Wirtschaft fordert von Stadt und Land-       gessen, dass das Unternehmertum kein          Stadtbahn auch eine Schienenverbin-
kreis Regensburg gemeinsame Strategien           Selbstläufer ist. Die Firmen benötigen        dung in den Landkreis bekommt und
bei der Infrastruktur, Mobilität, Digitalisie-   wirtschaftsfreundlichere Rahmenbedin-         nicht an der Stadtgrenze endet.
rung, Bildung, dem Arbeiten und Wohnen.          gungen, und auch eine öffentlich sicht-
                                                 bare Wertschätzung vonseiten der Politik.     Um den Wechsel zwischen den verschie-
Mobilität spielt eine vorrangige Rolle für                                                     denen Verkehrsmitteln zu erleichtern,
die Unternehmen aller Branchen und Grö-                                                        sollte das Mobilitätsangebot an multi-
ßen im Großraum Regensburg. Mitarbei-                                                          modalen Knoten wie dem Hauptbahnhof
ter müssen pünktlich zur Arbeit, Kunden          Was der Standort braucht                      Regensburg aber auch dem Bahnhalte-
wünschen kurze Wege und bequemes                                                               punkt Walhallastraße, an wichtigen Bus-
Parken. Für Handwerker und Dienstleis-           Verkehrsinfrastruktur ausbauen                haltestellen oder P+R-Anlagen erweitert
ter bedeuten Verzögerungen auf dem               Mobilität neu denken                          werden. Da mittel- bis langfristig der Pkw
Weg zum Kunden verlorenes Geld. Dass                                                           das dominierende Verkehrsmittel in der
die Verkehrsinfrastruktur mit dem Wachs-         Regensburg wird seine wirtschaftliche         Region bleiben wird, sollten die Kommu-
tum Regensburgs nicht mehr Schritt hält,         Attraktivität nur dann behaupten kön-         nen attraktive Schnittstellen zwischen
zeigte jüngst die Mobilitätsumfrage von          nen, wenn es Mobilität modern begreift        den Verkehrsmitteln schaffen. Dies kön-
IHK und Handwerkskammer: 63 Prozent              und seine Verkehrswege ausbaut, wo            nen beispielsweise moderne P+R-Anlagen
der befragten Unternehmen bewerten die           dies nötig ist. Gefragt ist ein intelligen-
aktuelle Verkehrssituation im Großraum           ter Wachstumspfad, der auf die aktuellen
Regensburg als großes oder sehr großes           Herausforderungen Antworten gibt und           Ansprechpartner
Problem, 42 Prozent gar als großes oder          der engen Stadt-Umland-Verflechtung
sehr großes Problem für den eigenen Be-          Rechnung trägt. So fordern die Unterneh-       Dr. Martin Kammerer
trieb.                                                                                          Telefon 0941 5694-247
                                                                                                E-Mail kammerer@regensburg.ihk.de




24 KOMMUNALWAHL 2020
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