Programmvorschau - Zürcher Theater Spektakel

Die Seite wird erstellt Sibylle-Rose Reich
 
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Programmvorschau
Wir freuen uns, Ihnen einige spannende Aspekte des diesjährigen Programms zu präsentieren.
Das Zürcher Theater Spektakel bietet erneut Künstlerinnen und Künstlern aus über zwanzig
Nationen und von allen Kontinenten eine Bühne. Es sind allesamt herausragende, i­nhaltlich
und formal jedoch ganz unterschiedliche Arbeiten, die zum Beispiel in Sydney, Teheran,
­Kinshasa, Brüssel, Zürich oder Santiago entstanden. Mit drei Produktionen aus dem Iran und
 einer aus dem Irak bildet der Nahe Osten eine Schwerpunktregion.

Inhaltlich zieht sich eine Auseinandersetzung über die Rolle der Kunst bzw. des Künstlers
durch das Programm: Welche Funktion haben Künstler in einer immer stärker globalisierten
Welt, die gleichzeitig regional stark durch Ungerechtigkeit, Krieg und Krise geprägt ist?
Wo verlaufen die Grenzen zwischen Fiktion und Realität, zwischen gelebter Biografie und
Künstlerpersönlichkeit? Und warum setzen sich Künstlerinnen und Künstler Erfolgsdruck und
Prekariat aus? Fragen wie diese sind in den verschiedenen Produktionen oft eingebettet in
die Suche nach neuen Formen, sie ziehen ästhetische Grenzüberschreitungen nach sich, wirken
als Treibkraft eines kreativen Prozesses, bei dem Unverwechselbares und Eigen­ständiges
entsteht. Im Programm 2014 ist denn auch eine ganze Reihe von Produktionen zu ­sehen, die
aus einer gelungenen Verbindung zweier künstlerischer Ausdrucksformen resultieren und
die sich als eigenständige Hybride jeglicher Zuordnung zu den traditionellen Gattungen ent-
ziehen.

Theater aus dem Nahen Osten
Iran ist ein Land mit einer reichen und vielfältigen Theatertradition. Der 36-jährige Amir Reza
Koohestani gilt als wichtigster Vertreter des Sprechtheaters. Am Theater Spektakel ist seine
jüngste grossartige Ensemblearbeit «Iwanow» zu sehen, die auf dem gleichnamigen Drama
von Anton Tschechow basiert. Bei Koohestani wird Tschechows Milieustudie zu einem
­be­drückenden Sinnbild für ein Land, in dem Existenzsorgen, politische Resignation und
 ­Zukunftsangst den Willen zum Aufbegehren erstickt haben. | Werft 23. — 25.8.

Hamid Pourazari ist weitere Schlüsselfigur der iranischen Theaterszene. Seine Stücke
­kreiert er mit jungen Profis, Laien und Flüchtlingen und macht dabei Kneipen, Garagen und
 Wohnungen zu temporären Theatersälen. Am Theater Spektakels zeigt er mit der Urauffüh-
 rung von «Sal Saniye» (Sekunden wie Jahre) eine Arbeit, die er in den letzten Monaten in
 ­Teheran mit einem energiegeladenen Team aus zehn jungen Performerinnen erarbeitet hat.
  | PREMIERE | Rote Fabrik 16. — 18.8.

Die dritte iranische Arbeit ist im Rahmen der Short Pieces zu sehen. In ihrer Lecture-Perfor-
mance «Damascus» nähert sich die Autorin und Performerin Azade Shahmiri einer Stadt an,
die sie nie betreten hat und mit der sie sich doch stark verbunden fühlt. | EUROPA-PREMIERE |
Fabriktheater 21. — 23.8.
Der irakische Regisseur und Choreograf Anas Abdul Samad, von dem erstmals eine Arbeit
in Europa zu sehen ist, hat mit «Scolding» ein beklemmendes und lange nachhallendes Werk
geschaffen. Die angstdurchtränkte Nachkriegsatmosphäre im Irak spiegelt er in einen
­gespenstischen Reigen stummer Figuren, den überdimensionierte Videoprojektionen um­
 geben. | EUROPA-PREMIERE | Nord 19. — 21.8.

Zwischen den Gattungen
Mariano Pensotti, der argentinische Theatermacher mit Schweizer Wurzeln, der bereits 2011
mit grossem Erfolg am Theater Spektakel gastierte, verbindet in «Cineastas» mit Witz und
­sicherer Hand die Lebensrealitäten von vier Filmemachern in Buenos Aires mit den vier Filmen,
 die sie während eines Jahres drehen. Virtuos spielt er gleichzeitig auf zwei Ebenen und stellt
 die Frage nach der komplexen Beziehung zwischen Realität und Fiktion. | Nord 14. —17.8.

Ihre «Julia» wurde am Theater Spektakel 2013 gefeiert, nun zeigt das brasilianische Regie­
talent Christiane Jatahy am Festival als Europa-Premiere ihren neusten Wurf «What if they
went to Moscow?», eine sehr freie Adaption von Tschechows «Drei Schwestern». Welche
Wunschvorstellungen machen sich MigrantInnen von ihren Zielorten? Welche Hoffnungen
und Sehnsüchte, welche Nöte stecken hinter dem Verlassen des Gewohnten? Erneut bricht
Jatahy in dieser Arbeit die Genres Theater und Film auf und kreiert eine hybride Präsentations-
form: Während dem Bühnengeschehen entsteht live ein Film, der parallel zur Vorstellung im
Kino gezeigt wird. | EUROPA-PREMIERE | Nord und Haus am See 24. — 26.8.

Die Kombination von neusten Formen der darstellenden Kunst und guter, geistreicher Unter-
haltung ist schwierig und oft vertrackt. Dem französisch-belgischen Duo Halory Goerger &
Antoine Defoort glückt das in «Germinal» wie aus dem Ärmel geschüttelt. Mit unglaublichem
Charme und grosser Klugheit verbinden sie bildende und performative Kunst mit Informations-
und Geisteswissenschaften. In einem wilden Mix aus Lecture und Performance kreisen die
vier SpielerInnen rund um das Thema Kommunikation und lassen auf der leeren Bühne Welten
entstehen und vergehen. | Nord 29. — 31.8.

Höchst geistreiche Unterhaltung an der Kippe zwischen bildender Kunst und Erzähltheater
verspricht auch das Schweizer Duo Lutz & Guggisberg. Als Pointen reissender, Volten schla-
gender und nicht zu bremsender Dr. Lüdi hat sich der palavernde Teil des Duos schon durch
verschiedenste furiose Assoziationsketten gewurstelt. Der neuste Streich steht nun bevor
unter dem vielversprechenden Titel «SCHÖNE SCHÄUME VERBLASEN». | PREMIERE | Süd
26. — 28.8.

Eine höchst überraschende Form der Verbindung verschiedener Genres ist auch Alessandro
Sciarroni, dem aktuellen Überflieger der italienischen Tanzszene, gelungen. «Untitled — I will
be there when you die» ist eine atemberaubende, meditative «Bewegungsstudie» mit vier
professionellen Jongleuren, welche dieser zirzensischen Kunst ein neues und zeitgenössisches
Gesicht verleihen. | Seebühne 22. — 24.8.

Was kann Kunst?
Das australische Back to Back Theatre, das bereits zum dritten Mal am Theater Spektakel
gastiert, kreiert seine hervorragenden Bühnenstücke mit einem einzigartigen Ensemble von
Menschen mit einer Behinderung. Die jüngste Produktion «Ganesh Versus the Third Reich»,
die international grosse Beachtung fand, ist eine berührende und gleichzeitig politisch ­kluge
Arbeit rund um das Thema Macht, Vernichtung und Ausgrenzung Andersdenkender.
| Werft 27. — 30.8.
Der Schweizer Regisseur Milo Rau zeigt mit der Uraufführung von «The Civil Wars» den letzten
Teil seiner Projektreihe «You will not like what comes after America» über Extremismus von
Breivik bis Dieudonné und von 9/11 bis zu den heutigen Gotteskriegern. Ausgehend von
ihren eigenen Biografien fragen die vier Schauspieler Karim Belkacem, Sara de Bosschere,
Sébastien Foucault und Johan Leysen nach den Prämissen von politischem Engagement und
Revolten, nach der Rolle von Familie und Ideologie. | PREMIERE | Rote Fabrik 27. — 31.8.

Sie sind TänzerInnen und wollen nur eins: steptanzen. Das Stück «House of Dance», das die
junge New Yorker Regisseurin Tina Satter mit vier unglaublich authentisch agierenden Per-
formerInnen kreiert hat, zeigt vier ambitionierten Tap Dancers beim Training in einem herunter­
gekommenen Tanzstudio. Vor unseren Augen entfaltet sich ebenso unterhaltend wie abgründig
ein Panorama von Sehnsüchten und Wunschträumen. | EUROPA-PREMIERE | Süd 14. —16.8.

Beruf oder Berufung? Im Rahmen eines Konzertes gehen vier Performer dieser Frage nach.
Sie wollen sich nicht länger über ihren ökonomischen Nutzen definieren lassen und gründen
eine Band. Auf das Modell der maximalen Leistung antworten sie mit einem Modell der
­maximalen Freude. «Stadtmusikanten» heisst die Produktion der jungen Zürcher Truppe
 papst&co., die das Theater Spektakel als Uraufführung zeigt. | PREMIERE | Süd 18. — 20.8.

Shilpa ist die erste App im Theater. Sie ist benutzerfreundlich und charmant, agiert live und
interaktiv. In ihrer Reihe über die schizophrene Rolle der indischen Performerinnen in der
­Entertainmentindustrie präsentiert Sophie Stepf vom Flinn Theater zusammen mit der indi-
 schen Schauspielerin und Sängerin MD Pallavi eine «Singer Application» für Smartphones.
 Eine ­musikalische Theaterperformance mit einem höchst amüsanten Schuss Feminismus.
 | Süd 22. — 24.8.

Tanz & Performance
Der französische Choreografiestar Olivier Dubois sorgt mit seiner 18-köpfigen Compagnie
für e
    ­ inen fulminanten Auftakt in der Werft. Ein Strom von nackten Menschen tanzt und wirbelt
über die Bühne. Was harmlos und überschaubar beginnt, schraubt sich je länger, je heftiger zu
einem Orkan der Körper hoch. Archaisch, anrührend, hypnotisch und zutiefst menschlich.
Dubois sagt denn auch von seinem dreiteiligen Stück «Tragédie», es sei «mehr Welterfahrung
als Choreografie». | Werft 14. —16.8.

Kaum einem Künstler ist es in den letzten Jahren gelungen, die Begegnung mit dem Fremden
so präzise und physisch erfahrbar zu machen wie dem Brasilianer Marcelo Evelin in seiner
interaktiven Produktion «Suddenly Everything Is Black With People». Angelegt auf der Grenze
­z wischen Installation und Tanz, konfrontiert die Performance in einem raffinierten Lichtraum
 die Zuschauenden mit einer Gruppe von tiefschwarz geschminkten Wesen. Daraus erwachsen
 individuelle und lange nachhallende Begegnungen. | Werft Foyer 17. — 20.8.

Krumping ist eine urbane Streetdance-Form, die, ursprünglich aus Los Angeles kommend,
unter jungen Schwarzen in den französischen Vorstädten sehr beliebt ist. Von hier stammen
denn auch die TänzerInnen Jigsaw, Big Trap, Kellias, Girl Mad Skillz und Nach, mit denen der
algerisch-französische Choreograf Heddy Maalem in «Éloge du Puissant Royaume» gearbeitet
hat. In der Choreografie von Maalem zeigt sich die sehr eigenwillige, kämpferische Bewegungs-
sprache des Krumping, die auch eine spirituelle Komponente hat, in höchster Intensität.
| Seebühne 18. — 20.8.
Nicht weniger attraktiv und tänzerisch höchst verblüffend ist das Bewegungsvokabular in
«Kinshasa Electric» der kanadischen Choreografin Ula Sickle. Drei junge Tänzer und eine
­Tänzerin aus Kinshasa, begleitet von der deutsch-israelischen DJ Daniela Bersha aka
 Baba Elektronica, welche gemeinsam mit ihnen den Soundtrack entwickelt hat, zeigen die
 schrägsten und angesagtesten Streetdance-Moves aus der kongolesischen Metropole.
 | Süd 29. — 31.8.

Short Pieces
Mit grossem Erfolg vor drei Jahren lanciert, sind die Short Pieces auch dieses Jahr ein Kern-
stück des Festivals: Mit der Breakdancerin Aline Corrêa aus Macaé, dem jungen chilenischen
Performance-Duo Cuerpo Indisciplinado, der südkoreanischen Puppenspielerin Geum­
hyung Jeong, dem skurrilen pysikalischen Tüftler Tetsuya Umeda aus Japan, dem kosovari-
schen ­Solo-Performer Astrit Ismaili und Azade Shahmiri aus Tehran bieten die Short Pieces
erneut einen einzigartigen Einblick in die junge internationale Performance-Szene. Erstmals
werden auch Schweizer KünstlerInnen mit von der Partie sein: das junge wilde Duo Destiny’s
Children aus Bern und aus der Romandie Marie-Caroline Hominal alias MadMoiselle MCH.
| Rote Fabrik und Haus am See 21. — 23.8.

Und das ist noch nicht alles
Selbstverständlich umfasst das Programm auch dieses Jahr wieder zwei herausragende
­Produktionen aus dem Bereich Nouveau Cirque: waghalsig, rotzfrech und trashig die finnische
 Race Horse Company (Werft 18. — 21.8.), poetisch, aber nicht weniger spektakulär das Début
der jungen belgischen Artisten der Cie. du Poivre Rose, deren Vorstellungen live von der
tschechischen Sängerin und Violinistin Iva Bittová begleitet werden. | Seebühne 28. — 30.8.

Zwei herzerfrischende Produktionen für Kinder setzten weitere Theater-Akzente: Die in Zürich
lebende argentinische Puppenspielerin Frida Beraud begibt sich auf die Spuren ihrer Kindheit
(Haus am See 15. — 17.8.) und das Studio Orka aus Gent lädt uns in «Jakobs Nase» in eine
­Wäscherei ein, wo der fast blinde Jakob die Wäsche mit der Nase sortiert. | Rote Fabrik
27. — 31.8.

Highlight auch bei den Seebühne-Konzerten: Erika Stucky mit der siebenköpfigen Burgen-
länder Blasmusik da Blechhhaufn, das OqueStrada aus Lissabon mit portugiesischem
Swing, das Taksim Trio aus Istanbul und der Mailänder Musiker Vinicio Capossela zusam-
men mit der Banda della Posta aus der Campagna.

Im intimeren Rahmen des Lido reicht das Spektrum vom Singer/Songwriter Gustav aus
­Fribourg über die von elektronischen Klangwelten von Filastine & Nova und die Königin des
 Nu-Cumbia La Yegros aus Bogotá bis zum iranisch-serbischen Frauentrio Sormeh.
Programminfos & Vorverkauf
Das komplette Programm mit allen Konzerten, Open-Air-Veranstaltungen, den Darbietungen
auf der Zentral-Bühne und allen weiteren Festivalinformationen, finden Sie ab Freitag, 4. Juli,
auf unserer Website. Alle Angaben in dieser Programmvorschau sind ohne Gewähr.

Programmzeitung Montag, 7. Juli als Beilage im Tages-Anzeiger, danach für 3 CHF am Kiosk
Beginn Vorverkauf Mittwoch, 9. Juli, 8 Uhr
Tickets www.theaterspektakel.ch und www.starticket.ch
Aktuelles zum Theater Spektakel auch auf www.facebook.com/theaterspektakel

Kontakt
Festivalbüro
Zürcher Theater Spektakel
Stadthausquai 17, 8001 Zürich
Telefon +41 (0)44 412 35 51
contact@theaterspektakel.ch

Presse
Telefon Sekretariat +41 (0)44 412 35 51
presse@theaterspektakel.ch
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