Reisebüros und Reiseveranstalter - BRANCHENBERICHT - Reisebüros und Reiseveranstalter

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Reisebüros und Reiseveranstalter - BRANCHENBERICHT - Reisebüros und Reiseveranstalter
Branchenmonitor

BRANCHENBERICHT
Reisebüros und
Reiseveranstalter
2020|Q2
2

Branchenbericht: Reisebüros und
Reiseveranstalter
1. Branchenabgrenzung

1.1 Betriebstypen
Diese Branche umfasst die ÖNACE 2008 – Gruppe 79.1 Reisebüros und Reiseveranstalter.
 Reisebüros sind Agenturen, die überwiegend Reise-, Beförderungs- und Unterbringungsdienstleistungen an die
  breite Öffentlichkeit und an Firmenkunden (auf Groß- oder Einzelhandelsbasis) verkaufen.
 Reiseveranstalter stellen Reiseleistungen zusammen und organisieren Pauschalreisen, die über Reisebüros oder
     direkt durch Reiseveranstalter verkauft werden.
Neben den ein breites Sortiment von Tourismusprodukten anbietenden Generalisten hat sich eine Vielzahl von
Nischenveranstaltern etabliert, die sich etwa auf Studien-, Sprach- oder Expeditionsreisen oder auf bestimmte
Länder spezialisieren.

2. Branchenstruktur
Im Jahr 2018 boten die mehr als 1.000 Unternehmen der Branche Reisebüros und Reiseveranstalter rd. 10.200
Personen einen Arbeitsplatz, wovon rd. 9.300 unselbstständig beschäftigt waren. Die durchschnittliche
Unternehmensgröße lag damit bei etwa 10 Mitarbeitern je Unternehmen. Die Betriebe erwirtschafteten insgesamt
Umsatzerlöse in der Höhe von rd. € 4.600 Mio.

 Tabelle 1: Anzahl der Unternehmen, Beschäftigten sowie Umsatzerlöse und Bruttowertschöpfung
                                                    2008       2014     2015         2016          2017           2018           2017/18
                                                                                                                         1
Anzahl Unternehmen                                   1.007      1.085    1.076       1.075          1.054          1.036            -1,7 %
                                                                                                                         1
Anzahl Beschäftigte                                 10.346     10.533   10.361      10.294        10.123          10.247           +1,2 %
                                                                                                                         2
davon: unselbstständig Beschäftigte                  9.723      9.637    9.470       9.382          9.225          9.325           +1,1 %

Ø Unternehmensgröße                                   10,3        9,7      9,6          9,6           9,6              9,9         +3,0 %
Umsatzerlöse in € Mio.                               4.242      4.773    4.764       4.334          4.370          4.599 1
                                                                                                                                   +5,2 %

Bruttowertschöpfung in € Mio.                          374       488      498          462            471           k. W.                 -

 k. W. = kein Wert verfügbar                                                     Quellen: Statistik Austria, AMS, BMASPfK, KMU Forschung Austria
 1 vorläufige Ergebnisse der Leistungs- und Strukturerhebung
 2 Fortschreibung der KMU Forschung Austria

                                                                  Branchenbericht Reisebüros und Reiseveranstalter 2020 | Q2
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In knapp 82 % der Unternehmen waren im Jahr 2017 weniger als zehn Beschäftigte tätig. Etwa 3,6 % der Betriebe
beschäftigten 50 und mehr Mitarbeiter. Die Bedeutung der Ein-Personen-Unternehmen(EPU) lag mit einem Anteil an
allen Unternehmen in Höhe von rd. 29 % unter jener in der gesamten marktorientierten Wirtschaft (rd. 37 %).

 Tabelle 2: Anzahl der Unternehmen nach Beschäftigtengrößenklassen
                                                                                                                                          Anteil
                                                                                            2008         2016           2017
                                                                                                                                           2017
bis 9 Beschäftigte                                                                             817           872             861            81,7 %

 davon Ein-Personen-Unternehmen                                                                222           302             308           29,2 %1
10 bis 49 Beschäftigte                                                                         154           167             155            14,7 %

50 bis 249 Beschäftigte                                                                            34           33             34            3,2 %
ab 250 Beschäftigte                                                                                2            3               4            0,4 %

Gesamt                                                                                       1.007         1.075         1.054            100,0 %

  1 Anteil an Unternehmen insgesamt                                                                                          Quelle: Statistik Austria

Die Fremdleistungen in Reisebüros und bei Reiseveranstaltern betrugen 2017/18 durchschnittlich 47,7 % der
Betriebsleistung. Dieser extrem hohe Anteil zeigt, dass die Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern in dieser
Branche eine bedeutende Rolle spielt. Im Vergleich zu 2008/09 hat sich der Fremdleistungsanteil um 30,4 %-Punkte
deutlich erhöht. (Quelle: KMU Forschung Austria, Bilanzdatenbank)

3. Konjunkturelle Entwicklung
 Grafik 1: Urlaubsreisen der österreichischen Bevölkerung, im Vergleich zur Vorjahresperiode

                                  +10%
                                                                                                        +8,4%
                                  +8%                              +7,2%
                                                                                           +6,2%
                                  +6%                  +4,7%
      Veränderung Urlaubsreisen

                                  +4%      +2,6%
                                  +2%
                                                                                                                     +0,0%          +0,0%
                                  +0%

                                   -2%

                                   -4%

                                   -6%

                                   -8%

                                  -10%
                                         1. Qu. 2018 2. Qu. 2018 3. Qu. 2018 4. Qu. 2018 1. Qu. 2019 2. Qu. 2019 3. Qu. 2019 4. Qu. 2019

                                                                                                                         Quelle: Statistik Austria

                                                                                  Branchenbericht Reisebüros und Reiseveranstalter 2020 | Q2
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 Tabelle 3: Anzahl der Urlaubs- und Geschäftsreisen der Österreicher (in 1.000) sowie deren Veränderung im Vergleich zur
 Vorjahresperiode
                                                      Urlaubsreisen                 davon: Kurzurlaube1                  Geschäftsreisen

                                                  Anzahl          VÄ in %           Anzahl            VÄ in %         Anzahl            VÄ in %
Gesamtjahr 2018                                    21.059           +7,4%           10.846             +8,6%           3.332             -4,4%
I. Quartal 2019                                    4.019            +6,2%            2.443            +20,8%            872              -4,4%

II. Quartal 2019                                   5.596            +8,4%            3.037             +7,6%           1.001             -4,8%

  1 1-3 Nächte                                                                                                                 Quelle: Statistik Austria

4. Betriebswirtschaftliche Situation

 4.1 Kennzahlen ohne Berücksichtigung der kalkulatorischen Kosten
 Tabelle 4: Kennzahlen ohne Berücksichtigung der kalkulatorischen Kosten

                                                                       2016/2017                                        2017/2018

                                                                                                                   ergebnisstarke             ergebnisschwache
                                                                            Ø                     Ø                Unternehmen1                 Unternehmen2

Rentabilität
Gesamtkapitalrentabilität I                                              4,82 %                5,72 %                  13,57 %                       -4,74 %

Umsatzrentabilität II (nach Finanzergebnis)                              1,53 %                1,94 %                  10,46 %                       -2,04 %

Kapitalumschlag                                                          2,72 x                2,66 x                   1,27 x                        2,82 x

Liquidität und Finanzierung
Eigenkapitalquote                                                       30,34 %               29,04 %                  40,99 %                       11,43 %

Korr. Cash flow in % der Betriebsleistung                                3,20 %                3,60 %                  13,59 %                       0,21 %
Anlagendeckungsgrad II                                                  147,59 %             140,13 %                 167,55 %                       93,43 %
Schuldentilgungsdauer                                                  5,35 Jahre            4,90 Jahre               1,48 Jahre                  112,49 Jahre

Produktivität
Bruttoproduktivität                                                      8,74 x                8,73 x                   4,48 x                        6,74 x

Nettoproduktivität                                                       2,07 x                2,05 x                   2,21 x                        1,69 x

Quelle: KMU Forschung Austria, Bilanzdatenbank
1 Durchschnitt der 25 % der Unternehmen mit der höchsten Umsatzrentabilität                      484 Bilanzen mit Stichtagen zwischen 1.7.2016 und 30.6.2017
2 Durchschnitt der 25 % der Unternehmen mit der geringsten Umsatzrentabilität                    416 Bilanzen mit Stichtagen zwischen 1.7.2017 und 30.6.2018.
Der Repräsentativitätsgrad der ausgewerteten Betriebe liegt zw. 51 % und 75 % (gemessen an den Umsatzerlösen der Branche).

                                                                          Branchenbericht Reisebüros und Reiseveranstalter 2020 | Q2
5

5. Rechtliche Neuerungen
Änderungen der Gewerbeordnung
 vollständige
                        Bundesgesetz, mit dem die Gewerbeordnung 1994 geändert wird
 Bezeichnung
 örtlicher
                        Österreich
 Geltungsbereich
 Kundmachung            Juli 2018
 Status                 Vollständig in Kraft seit 01.10.2018
 Inhalt
                        Im Dezember 2015 wurde eine Richtlinie (EU) über Pauschalreisen kundgemacht. Mit dem
                        Pauschalreisegesetz wurden bereits die zivilrechtlichen Vorgaben der Richtlinie umgesetzt. Durch die
                        Änderung der Gewerbeordnung sollen die Anforderungen der Richtlinie an den Insolvenzschutz und die
                        Verwaltungszusammenarbeit bei länderübergreifenden Sachverhalten geregelt werden.
                        Folgende Punkte sind von der Änderung umfasst:
                        Umsetzung der Anforderungen an den Insolvenzschutz bei Pauschalreisen und verbundenen
                        Reiseleistungen: Unternehmen, die Pauschalreisen bzw. verbundene Reiseleistungen verkaufen, müssen
                        über einen Insolvenzschutz verfügen. Dieser deckt die Kosten- und Rückreiseerstattungen für den Fall
                        einer Insolvenz des Reiseveranstalters ab.
                        Normierung von besonderen Pflichten von Reisevermittlern, wenn der Reiseveranstalter außerhalb des
                        Europäischen Wirtschaftsraums niedergelassen ist
                        Normierung von besonderen Pflichten für Reiseveranstalter, die außerhalb des Europäischen
                        Wirtschaftsraums niedergelassen sind
                        Einführung eines Meldesystems hinsichtlich des Nachweises des Insolvenzschutzes
                        Einrichtung einer zentralen Kontaktstelle beim BMDW zur Erleichterung der
                        Verwaltungszusammenarbeit mit anderen Kontaktstellen in Mitgliedstaaten der EU

Vertragsverletzungsverfahren bzgl. Mehrwertsteuervorschriften
 vollständige
                        Nummer der Vertragsverletzung: 20122124; Rechtssache C-787/19
 Bezeichnung
 örtlicher
                        Europäische Union
 Geltungsbereich
 Kundmachung            Februar 2020
 Status                 Anrufung des Gerichtshofs, Verfahren anhängig
 Inhalt
                        Die Europäische Kommission hat im Juni 2019 beschlossen, aufgrund einer Vertragsverletzung von
                        Österreich den EuGH anzurufen. Die Klage hat den Grund, dass die besonderen EU-
                        Mehrwertsteuervorschriften für Reisebüros nicht ordnungsgemäß angewendet werden.
                        Für Reisebüros besteht eine Mehrwertsteuer-Sonderregelung, aufgrund welcher nur die mit dem Verkauf
                        von Reiseleistungen an Verbraucher erzielte Gewinnspanne mehrwertsteuerpflichtig ist. Reisebüros
                        können dafür keinen Vorsteuerabzug für die von anderen Unternehmen erworbenen Dienstleistungen
                        geltend machen. In Österreich sind Reiseleistungen, die an andere Unternehmen erbracht werden, von
                        dieser Regelung ausgenommen.
                        Außerdem wird nach der österreichischen Regelung die von Reisebüros zu zahlende Mehrwertsteuer
                        anhand des Gesamtumsatzes in einem Steuerzeitraum berechnet. Der EuGH hat in der Rechtssache C-
                        189/11 entschieden, dass die Bemessungsgrundlage für jeden Verkauf einzeln zu ermitteln ist.

Kunst- Kultur- und Sportsicherungsgesetz
 vollständige           Bundesgesetz zur Sicherung des Kunst-, Kultur- und Sportlebens vor weiteren Auswirkungen der COVID-
 Bezeichnung            19-Pandemie (Kunst-, Kultur- und Sportsicherungsgesetz – KuKUSpoSiG)
 örtlicher
                        Österreich
 Geltungsbereich
 Kundmachung            April 2020
 Status                 rechtskräftig
 Inhalt                 Wenn ein Kunst-, Kultur- oder Sportereignis aufgrund der COVID-19-Pandemie im Jahr 2020 entfallen ist
                        und der Veranstalter deshalb einem Besucher oder Teilnehmer den Eintritts- oder Teilnahmepreis oder
                        ein vergleichbares Entgelt zurückzuzahlen hat, kann der Veranstalter dem Besucher oder Teilnehmer
                        anstelle der Rückzahlung einen Gutschein über den zu erstattenden Betrag übergeben.
                        Gleiches gilt im Fall der Rückzahlungspflicht des Betreibers einer Kunst- oder Kultureinrichtung, wenn
                        diese aufgrund der COVID-19-Pandemie im Jahr 2020 geschlossen wurde. Wenn das zu erstattende

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                       Entgelt den Betrag von 70 Euro, nicht aber jenen von 250 Euro
                       übersteigt, kann sich der Veranstalter oder Betreiber nur bis zum Betrag von 70 Euro durch die Übergabe
                       eines Gutscheins von seiner Rückzahlungspflicht befreien; den 70 Euro übersteigenden Teil des Entgelts
                       hat er hingegen dem Besucher oder Teilnehmer zurückzuzahlen.
                       Wenn das zu erstattende Entgelt den Betrag von 250 Euro übersteigt, hat der Veranstalter oder
                       Betreiber dem Besucher oder Teilnehmer den Betrag von 180 Euro zurückzuzahlen; hinsichtlich des
                       180 Euro übersteigenden Teils des Entgelts kann er sich hingegen durch die Übergabe eines Gutscheins
                       von seiner Rückzahlungspflicht befreien.
                       Hat der Inhaber des Gutscheins diesen nicht bis zum Ablauf des 31. Dezember 2022 eingelöst, so
                       hat ihm der Veranstalter oder Betreiber den Wert des Gutscheins auf Aufforderung unverzüglich
                       auszuzahlen. Dieses Bundesgesetz tritt mit Ablauf des Tages seiner Kundmachung in Kraft und mit
                       Ablauf des 31. Dezember 2022 außer Kraft.
                       Dieses Bundesgesetz ist auf Rückzahlungspflichten für nach dem 13. März 2020 entfallene
                       Kunst-, Kultur- oder Sportereignisse oder für nach dem 13. März 2020 durchgeführte Schließungen von
                       Kunst- oder Kultureinrichtungen anzuwenden.

6. Nachfrage
Corona-Pandemie
Die Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus haben Reisen vorübergehend unmöglich gemacht und damit
den Reisebüros ihre Geschäftsgrundlage entzogen.
 Der Schock betrifft dabei sowohl die Nachfrageseite (Einschränkungen von Kontakten und der
    Bewegungsfreiheit, in- und ausländische Reisebeschränkungen bzw. –warnungen, Grenzschließungen, Angst der
    Gäste vor Ansteckungen),
 als auch die Angebotsseite (Schließung von Beherbergungs- und Gastronomiebetrieben sowie touristisch
  genutzte Freizeiteinrichtungen).
       Es ist davon auszugehen, dass Reisebüros aufgrund von Reisewarnungen in anderen
        Ländern schon vor Ausbruch der Corona-Krise in Österreich von Umsatzrückgängen
        betroffen waren.
       Während des Lock-Downs haben viele Konsumenten bereits gebuchte Reisen storniert
        oder verschoben.
       Das Neuauftragsvolumen bleibt voraussichtlich gering, es ist von einer nur allmählichen
        Rückkehr zum Vor-Krisen-Volumen auszugehen. Zum einen aufgrund von Unsicherheiten in
        Bezug auf Reisebeschränkungen in der normalerweise umsatzstarken Sommersaison. Zum
        anderen da ein Großteil der nun wieder möglichen Reisen innerhalb Österreichs oder in
        angrenzende Nachbarländer stattfindet und derartige Reisen häufig individuell und ohne
        Unterstützung durch Reisebüros gebucht werden.
 Privatkunden: Reiseangebote müssen sich an den Eindämmungsmaßnahmen sowie Abstands- und
    Hygieneregelungen orientieren. Durch Beschränkungen der Gästezahl (z. B. in Pools, Stränden,
    Reiseverkehrsmittel) kann sich der Reisemarkt insgesamt verkleinern und Reisen dadurch für Endkunden teurer
    werden.
 Geschäftsreisen: Aufgrund des derzeitigen Digitalisierungsschubes können Geschäftsreisen zukünftig verstärkt
    durch Videokonferenzen und digitale Veranstaltungen ersetzt werden. Reisebüros würden jedoch kaum von den
    sich daraus ergebenden neuen Geschäftsmodellen profitieren.

Allgemeine Nachfrage-Trends
 Verbraucher organisieren und buchen ihre Reisen zunehmend selbst.
 Für Millenials hat die klassische Pauschalreise einen schlechten Ruf; die vorgefertigte Reise wird mit einer

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    eingeschränkten individuellen Wahlfreiheit gleichgesetzt. Convenience und Sicherheit entsprechen zwar den
    Bedürfnissen, werden aber von dieser Zielgruppe häufig nicht als Vorteile wahrgenommen und haben zu wenig
    gefühlten Mehrwert. Chancen liegen daher im Aufzeigen der Vorteile, etwa Sorglosigkeit, Sicherheit und
    Preisattraktivität gegenüber individueller Buchung.
 Urlaubsreisen werden immer häufiger im Bausteinsystem gebucht (insbesondere bei Fernreisen). Individuelle
    Zusammenstellung der Reise (Flug, Hotel, ev. Mietwagen, Ausflüge, Eintritte).
Nachhaltigkeit der Reisen:
 Nachhaltige Tourismus-Angebote, bei denen besonderer Wert auf Umweltfreundlichkeit, Corporate Social
    Responsibility (unternehmerische Sozialverantwortung) der Reiseveranstalter sowie auf die Berücksichtigung
    kultureller und sozialer Gegebenheiten im Gastland gelegt wird
 Auch im Kreuzfahrtbereich: MSC Cruises soll als erstes Kreuzfahrtunternehmen der Welt 100 % klimaneutral
    aufgestellt werden.
 "Flugscham" bzw. "Greta-Effekt": steigendes Bewusstsein darüber, dass Flugreisen besonders klimaschädlich
  sind
Weitere Trends
 Luxusreisen: Trend geht mehr zu einzigartigem Erlebnis (z. B. Übernachtung im Baumhaus) als zu Glamour und
    Statussymbolen
 Medical Tourismus: gesundheitsorientierte und medizinisch motivierte Reise
 Busreisen: (Bus-Trendumfrage, T.A.I., Oktober 2019)
       Trendziele 2019: Österreich, Italien, Kroatien
       Top-3 Städteziele 2019: Wien, Rom, Prag

7. Mitbewerb

7.1 Brancheninterne Konkurrenzsituation
 Zu den bedeutendsten nationalen Marktteilnehmern (gemessen am Nettoumsatz zählen die Österr.
    Verkehrsbüro AG, die TUI Austria Holding GmbH sowie die Reisewelt GmbH.
 Zahlreiche Angebote von Reiseveranstaltern über große Lebensmittelhändler
 Insolvenz des britischen Reisekonzerns Thomas Cook
       Thomas Cook hat in Österreich neben einem konzerneigenen Reisebüro ein gutes Dutzend
        Franchisepartner mit je einer Handvoll Mitarbeitern.
       Diese selbstständigen Reisebüros, haben teilweise ausschließlich Thomas-Cook-Angebote
        verkauft. Sie sind von der Pleite des britischen Mutterkonzerns massiv betroffen.
       Mehr als 800 aktive Reisebüroagenturen, andere Onlineseiten und die firmeneigene
        Homepage neckermann-reisen.at haben Reisen aus dem Portfolio von Thomas Cook
        vermittelt (www.diepresse.at).
 "Digital Tourism Index" (MindTake Research, 2019): Untersuchung von Websites von Reisbüros, Veranstaltern
  und Portalen und Kundenbefragung, inwieweit die für sie wichtigen Kriterien auf den Websites zu finden sind
       Nutzerfreundlichkeit: beste Platzierung für Check24, TUI und Expedia
       Flexible Buchung: HolidayCheck vor Jahn Reisen und ITS
       Information und Transparenz: ITS und Gulet vor TUI, Check24 und Alltours

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       Flexible Kontaktmöglichkeiten: Sabtours vor TUI und Alltours
       Filialen: Ruefa vor TUI und Sabtours
       Gesamtsieger: TUI (79 % der Gesamtpunkte erreicht) vor ITS Deutschland (73 %) und
        Holiday Check (72 %)
       Was die tatsächliche Performance der Portale im Internet betrifft, so liegt "hofer-reisen.at"
        an erster Stelle (durchschnittlich rd. 960.000 Visits pro Monat und geringe Absprungrate von
        33,7 %) vor "urlaubsguru.at" (rd. 961.000 Visits, Absprungquote: 48,2 %). (T.A.I., 3. Mai 2019)
 Erfolgsfaktoren für kleine und mittlere Unternehmen
       Fokussierung auf Nischenmärkte
       Kompetentes Personal
       Individuelle Ansprache
       Ausgewogener Mix zwischen persönlicher Beratung und Onlinetools
       Spezialisierung auf Geschäfte mit höheren Margen

7.2 Branchenexterne Konkurrenzsituation
 Flug-/ Bahngesellschaften bieten verstärkt Reisepakete an.
 Hotels bieten immer öfter Reisepackages an und betreiben so Nebengeschäfte im Bereich Reiseveranstaltung.
 Lebensmitteleinzelhandel (Hofer-reisen.at, billareisen.at)
 Plattformen
       Regionale Plattformen (wie z. B. Kärnten-Portal) versuchen den potenziellen Gast direkt
        zum Beherbergungsbetrieb zu leiten und den Buchungsvorgang dort durchzuführen.
       Gruppenreisen: Anbieter welcomegroups ist das erste Online-Vermittlungsportal für
        Gruppen ab 10 Personen, bei dem aus einer Vielzahl von Unterkünften, Touren & Aktivitäten
        individuelle Angebote ausgewählt, kombiniert und einfach direkt beim Anbieter online
        bestellt werden können.
 Eigene Zusammenstellung von Flug, Bahn, Hotel etc. und Reisebuchung über Websites wird immer einfacher.
 Unzulässiger Wettbewerb durch Reiseanbieter, die eigentlich gar keine Konzession besitzen oder keine
    Meldung als Veranstalter mit Insolvenzabsicherung erbringen.

8. Vorleistungen und Arbeitsmarkt

8.1 Fluggesellschaften
 2020: Einbruch der Passagierzahlen infolge der Corona-Krise führt zu einer angespannten Situation bei den
    Flugunternehmen: So ist z.B. die AUA auf Staatshilfen angewiesen, LEVEL ist insolvent.
       Flughafen Wien (www.viennaairport.com, April 2020): Am Standort Flughafen Wien ging
        aufgrund der weltweiten Reisebeschränkungen und zahlreichen eingestellten
        Flugverbindungen das Passagieraufkommen im April 2020 um 99,5 % gegenüber dem
        Vergleichszeitraum des Vorjahres auf 12.632 Reisende zurück. Die Anzahl der
        Lokalpassagiere sank dabei um 99,4 %, die Anzahl der Transferpassagiere ging um 99,9 %
        zurück. Die Flugbewegungen gingen im April 2020 um 95,8 % ebenfalls massiv zurück.

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8.2 Reiseversicherer
 Österreichs größte Reiseversicherer sind
                          Europäische Reiseversicherung
                          Allianz Travel
                          Hanse Merkur
 Die Pleite von Thomas-Cook hat die Reiseversicherer deutlich in den Fokus gerückt. Das ist aktuell im Zuge der
  Corona-Krise auch der Fall.

8.3 Personal
 Der Anteil der Teilzeitbeschäftigten an den insgesamt Beschäftigten (inkl. Selbstständigen) lag im Jahr 2017 bei
               34,5 % und war somit höher als in der marktorientierten Wirtschaft (26,2 %). Im Vergleich zu 2008 hat sich die
               Teilzeitquote in Reisebüros und bei Reiseveranstaltern um 5,5 %-Punkte erhöht. (Statistik Austria)
 qualifizierte Beratung und Betreuung durch Reisebüroassistenten sind weiterhin gefragt, vor allem bei
  Angeboten für spezifische Zielgruppen, wie z. B. werdende Eltern, Großeltern mit Enkeln, Singles, Geschiedene.
 Besondere fachliche Qualifikationen
                          Reisefreudigkeit (Reisedestinationen und Produkte sollen aus eigener Erfahrung
                           beschrieben werden)
                          Sprachkenntnisse (v. a. Fremdsprachen neben Englisch)
                          professionelle Beratung und Betreuung im interkulturellen Umfeld
                          Kenntnisse von Krisenmanagement und persönliche Belastbarkeit sind von Vorteil (
Lehrlingssituation
              Per Ende 2019 waren in Reisebüros 286 Lehrlinge tätig, wovon 57 % den Lehrberuf "Reisebüroassistent/in"
               erlernten. Zwischen 2018 und 2019 ist die Zahl der Lehrlinge nahezu konstant geblieben.

 Grafik 2: Anzahl der Lehrlinge per Jahresende nach Lehrberufen, Reisebüros

                           300          283                                                        284                        286
                                                           260                 254
    Anzahl der Lehrlinge

                           200

                           100

                             0
                                        2015             2016                  2017               2018                       2019

                                 Reisebüroassistent/in     Mobilitätsservice      sonstige Lehrberufe            Lehrlinge gesamt

                                                                                        Quelle: Wirtschaftskammer Österreich, Lehrlingsstatistik

                                                                       Branchenbericht Reisebüros und Reiseveranstalter 2020 | Q2
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9. Technologische Entwicklungen
 Digitalisierung fordert die Reisebüros und -veranstalter weiter heraus: Stationäre Reisebüros können sich
    weiterhin am Markt nur behaupten, wenn sie ihr Angebot online ergänzen (Hybrid-Angebote).
 Laut einer Expertenbefragung werden rd. drei Viertel der Verbraucher ihre Reiseziele vorab mithilfe von Virtual-
    Reality-Brillen erkunden. (bitkom, 2016)
 Tourismusexperten gehen davon aus, dass im Jahr 2025 Reisen mithilfe von Big-Data-Analysen persönlich auf
  Verbraucher zugeschnitten sein werden (z. B. durch die Analyse von Daten aus Sozialen Netzwerken). (bitkom,
    2016)
 Reichweitenstarke SocialMedia Tools (z. B. Facebook, Instagram, etc.) sowie User-zentrierte Web 2.0 Formate
    (Blogs, Flickr, YouTube) werden in von den Usern selbst erstellten Inhalten in Marketing- und
    Vertriebsaktivitäten eingebunden.
 Apps für Smartphones werden bei der Gestaltung des Urlaubs immer wichtiger. So können sie beispielsweise als
  mobile Reiseführer genutzt werden, welche den mühelosen Zugriff auf Informationen vor Ort ermöglichen.
 QR-Codes im Schaufenster: In der Auslagendekoration mit inbegriffen sind QR-Codes, über die man mittels der
    passenden App direkt zu den Reiseangeboten des Reiseveranstalters weitergeleitet wird.
 Echtzeit-Chat mit Reisebüromitarbeitern: Auf Internet-Reiseveranstalter-Webseiten gibt es die Möglichkeit mit
    Verkaufsmitarbeitern via Text- oder Video-Chat in Verbindung zu treten und sich beraten zu lassen.

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IMPRESSUM

BRANCHENMONITOR
Stand: Juni 2020
Medieninhaber, Herausgeber, Verleger:
KMU Forschung Austria, 1040 Wien, Gußhausstraße 8

Für den Inhalt verantwortlich:
Thomas Oberholzner

Ansprechpartnerin
Karin Petzlberger

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                                                  BRANCHENMONITOR 2020
                                                    Telefon: +43(1) 505 97 61.
                                       eMail: branchenmonitor@kmuforschung.ac.at
                                                    www.branchenmonitor.at

                                                                                                           Branchenreport 2020 | Q1
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