SHOWS, MODE & TENDENZEN - NOÉMIE SCHWALLER

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SHOWS, MODE & TENDENZEN - NOÉMIE SCHWALLER
#11 | 12 . N O V E M B E R 2 019 | C H F 16 . 5 0
                                                        TE X TILRE VUE.CH

                                                                Shows, Mode &
                                                                Tendenzen
                                                                  D I E I N T E R N AT I O N A L E N D E S I G N E R ­
                                                                  SCHAUEN IN DER GROSSEN
                                                                  TRENDAUSGABE ZUR SAISON
                                                                  F R Ü H L I N G/ S O M M E R 2 0 2 0
                                                                  –
                                                                  M AT E R I A LT R E N D S F Ü R
                                                                  H E R B S T/ W I N T E R 2 0 2 0/ 21

    NACHWUCHSFÖRDERUNG                          R A B AT T W A H N S I N N      LUXUSBR ANDS IM WANDE L
     E I N Ü BE R BL IC K Ü BE R DI E    GI B T E S E I N Z U RÜC K VON DE N     V E R L I E R E N DIOR & CO. DE N
­S CH W EI Z ER TA L EN TSCH M I EDE N .     P R E I S R E DU Z I E RU NGE N? A NSCH LUSS A N DEN Z EI TGE I S T ?
SHOWS, MODE & TENDENZEN - NOÉMIE SCHWALLER
ausbildung – schweizer talentschmieden

Schweizer
                                                                                                                                                         ZÜRICH                                                                          GENF

                                                                                                                                                        F+F                                                                             HEAD
Talentschmieden
Im Spannungsfeld zwischen
­gesellschaftlichen Strömungen,
                                                                            BASEL
 Kreativität und Technik sowie dem
 wachsenden Anspruch an nach-
 haltige Produktion stellen sich in                                        FHNW
 der Schweiz jährlich über tausend                             Mit dem Leitmotiv «Doing Fashion» wird im Bachelor- oder
 Studierende und Lernende der                                  Master-Studiengang Mode-Design an der Hochschule
                                                               für Gestaltung und Kunst FHNW in Basel der gesamte
 ­Herausforderung einer Laufbahn                               Gestaltungsprozess einer zeitgenössischen Modepraxis
  in der Mode- und T­ extilbranche.                            durchgespielt. Die Studierenden erwerben eine kritische

  Wir stellen die wichtigsten                                  und selbstbewusste Handlungskompetenz und entwickeln
                                                               ihre individuelle Gestaltungssprache. Das wesentliche
  ­Angebote vor und zeigen, wie                                Ziel ist, alternative Handlungsräume und starke Ideen zu
   sich die Ausbildungsstätten an                              verfolgen, die über ein konventionelles Modeverständnis
                                                               hinausgehen. Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit er-
   den B
       ­ ranchenwandel anpassen.                               möglicht es, die Masterthesis im Team zu absolvieren.
                                                                   Kurt Zihlmann, seit 2000 Leiter des Institut Mode-                                                                                                       Die junge Westschweizer Schule hat ihren Höhepunkt seit
 TEXT NOÉMIE SCHWALLER
                                                               design und Dozent für neue Medien (CAD) im Bereich                                                                                                           der Gründung 2006 in der jährlichen Modenschau der
                                                               der Schnitt-, Produktions- und Produktentwicklung und                                                                                                        Abschlusskollektionen der Bachelor- und Master-Mode-
Kleid, Badetuch, Tasche: Mode und Textilien begleiten uns im   seit 2012 im Masterprogramm des Instituts-Integrative                                                                                                        designstudierenden, inklusive Produkt-, Schmuck- und
Alltag. Designer gestalten Stoffe und Produkte, beeinflussen   Gestaltung/Masterstudio, Vertiefungsrichtung Fashion                         Neben dem Studiengang Modedesign HF gibt es an der                              Accessoiredesign. Nach dieser beginnen die meisten eine
deren Haptik, Ästhetik und Anwendung. Die Grundlagen für       Design, erzählt zu seiner Zeit am Institut: «Der 2000 im                     F+F auch die berufsbegleitende Weiterbildung für Be-                            Karriere mit einem Praktikum in der Modedesignbranche
einen erfolgreichen Berufseinstieg bilden Begeisterung für     Zuge der Fachhochschulen-Reform gegründete Studien-                          kleidungsgestalter EFZ, welcher als Überleitung von der                         im Ausland: in grossen Strukturen wie bei Chloé oder
Design und Kunst, eine hohe Farb- und Materialsensibilität,    gang Modedesign wurde 2005 Bologna-tauglich und in                           «Schneiderei» zum Modedesign-Studium dient. Als einzige                         Hermès oder für kleine Startmarken wie Eckhaus Latta
textiltechnische Kenntnisse, handwerkliches Geschick,          den europäischen Hochschulkontext eingebunden. Nebst                         Deutschschweizer Institution bietet die F+F ein Studium                         oder Faustine Steinmetz. Viele werden nach ein bis zwei
Freude am Experiment und ein Blick für den Zeitgeist. Das      addierten Theorievorlesungen begann eine komplett neue                       auf HF-Stufe an, dessen jährliche Diplommodenschau                              Praktika als Designer für verschiedene Marken eingestellt.
Nicht-zustande-Kommen des berufsbegleitenden Textil-           Auseinandersetzung mit Gestaltung. In den letzten Jahren                     jeweils anfang Juni stattfindet. Spezifisch gefördert wurde                     Besteht der Traum einer eigenen Marke, hilft die HEAD mit
design-Lehrgangs an der St. Galler Schule für Gestaltung       haben wir uns als Institution ein neues Profil mit einem                     in den letzten Jahren ein Fokus auf praktische Anwen-                           dem Certificate of Advanced Studies (CAS) Kick-off-Entre-
(GBSSG) lancierte diesen Sommer grosse Diskussionen            gesamtheitlichen gestalterischen Anspruch geschaffen, das                    dungen und das Teilen ebendieser: Projektumsetzungen                            preneurship and Self Marketing for Designers and Creati-
zwischen Initianten und der Branche und warf Fragen zum        durch Priska Morger, die 2011 die künstlerische Leitung                      werden regelmässig schulintern vorgestellt. Projekte und                        ves weiter. Ab Januar 2020 in der vierten Ausgabe, ist es
Bedarf an Textilausbildungen in der Schweiz auf. Sie unter-    übernommen hat, initiiert wurde. Begrifflichkeiten wie                       Workshops dienen nicht nur als Bildungsgefäss, sondern                          ein Weiterbildungskurs für Unternehmertum und Mar-
strich deutlich, dass sich die Anforderungen an Schweizer      Kollektion wurden hinterfragt und in der Curriculums­                        auch als Gegenpol zum Unterricht nach starrem Stunden-                          keting, der von HEAD in Zusammenarbeit mit der Haute
Bildungsanbieter wandeln. Studien- und Lehrgänge als           entwicklung neu interpretiert. Wir denken nachhaltig und                     plan. Zudem kommen alle Studiengänge in den Genuss                              école de gestion, – Pulse Start-up-Incubator HES und Flux
Kreativschmieden zum einen, und praxisorientierte Ausbil-      entwickeln dementsprechend Looks, die das konventionelle                     von Schnupper-Weiterbildungskursen in Modedesign und                            Laboratory angeboten wird. Das Training wird hauptsäch-
dungen zum anderen – das Gut Bildung hierzulande entwi-        Modeverständnis hinterfragen. Der Körper ist unser Werk-                     interdisziplinären Poolingseminaren, die punktuell dazu-                        lich von Fachleuten aus der Geschäftswelt durchgeführt
ckelt sich mit den veränderten Anforderungen. Generell sind    zeug. Mode kann und muss haptisch erlebbar bleiben und                       gebucht werden können, um sich Kenntnisse in weiteren                           und besteht aus fünf Modulen, die Workshops, Coaching,
flexible Modularstrukturen gefragt, wo Wahlmodule nach         eine neue Wertigkeit erhalten.»                                              Fachrichtungen anzueignen. Im Sommeratelier 2020 führt                          Fallstudien und praktische Arbeiten umfassen, die sich
persönlichem Interesse zur Verfügung stehen, und die Absol-    —                                                                            Rafael Kouto einen Workshop zu Upcycling durch.                                 mit den wichtigen Fragen des Berufslebens befassen.
vierenden als Marktsicherer bezeichnet werden. Lag früher      fhnw.ch                                                                      —                                                                               —
der Ausbildungsfokus bei der Ideenfindung und dem eigent-                                                                                   ffzh.ch/modedesign                                                              hesge.ch/head
lichen Gestalten, nehmen die Lernenden heute auch Markt-       Anzahl Ausgebildete / Jahr: 20–24
und Marketingkenntnisse mit. Es bestehen Berufsfelder im       Berufsperspektiven: Designschaffende, Kooperationen, Entrepreneurship,       Anzahl Ausgebildete / Jahr: 7-12                                                Anzahl Ausgebildete / Jahr: 15–20 Bachelors und 7–14 Masters
Einkauf von Rohstoffen bei Konfektionären oder aber im Ein-    Kollektivarbeit, Lehrtätigkeit, Modefotografie oder -journalismus,           Berufsperspektiven: Modedesign freiberuflich; Assistenz in Designerteams, in    Berufsperspektiven: Modedesignbranche, Design, Modellbau,
                                                               Kostümbild, Fotografie, Accessoires und Schmuckdesign, Performance,          Ateliers für individuelle Kunden; Trendbüro, Handel (Einkauf, Kundenberatung,
kauf des Modehandels, wo Kompetenz für die Wahrnehmung                                                                                                                                                                      Leder- oder Strickassistenz, aber auch in der Produktion,
                                                               visuelle Kommunikation oder Kunst                                            Merchandising), Verlagswesen (Moderedaktion, Werbung) oder Theater und Film     der Kommunikation oder im Styling
textiler Qualität zugegebenermassen unabdingbar ist.           Bild: Entwurfsskizze von Yana Slattery, 2019 Institut Mode-Design HGK FHNW   (Ausstattung, Kostüme)                                                          Bild: Der neue Campus der HEAD in Genf / M. Giesbrecht

26                                                             textilrevue — 11/19                                                                                                                                          textilrevue — 11/19                                            27
SHOWS, MODE & TENDENZEN - NOÉMIE SCHWALLER
ausbildung – schweizer talentschmieden                                                                                                                          ausbildung – schweizer talentschmieden

          ZÜRICH                                                                                                                                         LUZERN                                                                            ZÜRICH

         STF                                                                                                                                            HSLU                                                                               Modeco

                                                                                                                                            Die Hochschule Luzern bietet Textildesign im Bachelor-­
                                                                                                                                            Studium, aber auch im Master Design ist eine entsprechende
                                                                                                                                            Vertiefung möglich. Die HSLU sucht proaktiv den Kontakt
                                                                                                                                            zum Markt, so haben Studierende Stoffe für eine «In­diennes»-­                    Die Modeco, Fachschule für Mode und Gestaltung, bildet
                                                                                                                                            Ausstellung im Musée d’art et d’histoire Neuchâtel gestaltet,                     Bekleidungsgestalter mit Schwerpunkt Damen- und Her-
                                                                                                                                            oder es wurde das gemeinsame Textil-Forschungsprojekt                             renbekleidung aus und bietet die Weiterbildung Theater-
                                                                                                                                            der Firma Dagsmejan, der Empa und der Hochschule Luzern                           schneider an. Direktorin Denise Christen ist überzeugt,
                                                                                                                                            für den Design Preis Schweiz nominiert. Der Bachelor Textil-                      dass sich die Modeco durch die Erfüllung einzigartiger
                                                                                                                                            design ist aufs laufende Semester hin in den Erweiterungsbau                      Wünsche auszeichnet, sei es ein Zunftkostüm oder ein
                                                                                                                                            am Standort Viscosistadt 745 in Emmenbrücke gezogen. Die                          spezielles Kleid. «In unseren Ateliers beraten wir unsere
                                                                                                                                            Eröffnungsfeier findet am 30. November statt.                                     Kunden, wählen den perfekten Schnitt und den idealen
                                                                                                                                                Seit Tina Moor vor zehn Jahren die Leitung übernom-                           Stoff. Mit unseren Ressourcen können wir auf individuelle
                                                                                                                                            men hat, gewann die Studienrichtung durch Messeauftritte                          Wünsche eingehen. Im Weiteren wird swiss made grossge-
                                                                                                                                            (Pitti Filati, Première Vision, Heimtex) und Zusammen-                            schrieben, und wir arbeiten mit Schweizer Designern, die
                                                                                                                                            arbeiten mit Institutionen wie Lantal, Schlossberg,                               Kleinserien bei uns produzieren lassen.»
                                                                                                                                            Création Baumann, der Entomologischen Sammlung ETH                                    Neben der Arbeit in den hauseigenen Ateliers können
                                                                                                                                            Zürich oder dem Textilmuseum St. Gallen an Sichtbarkeit.                          die Lernenden der Modeco während ihrer dreijährigen
Schluss mit reinen Bildungsangeboten: Für innovative          Das textile Bildungsangebot der Höheren Fachschule ist                        «Die Ausbildung hat sich insofern erweitert, als dass wir                         Ausbildung zur Bekleidungsgestalterin, die mit eidgenös-
Textil- und Modebegeisterte lanciert das Kompetenz­           breit und auch textilwirtschaftlich. Ob Farbdesigner oder                     Spezialistinnen der Flächengestaltung sind, und das hört                          sischem Fähigkeitszeugnis (EFZ) abgeschlossen wird, am
zentrum für Textil und Fashion 2020 einen Incubator- und      Fashion-Spezialist als Berufsprüfung, Diplome als Omni-                       nicht beim Material Textil auf. Im November wird eine mit                         Ende des 2. Lehrjahrs mit Unterstützung von Movetia in
Makerspace. Auch inhaltlich optimiert die STF: Modulare       channel Fashion-Experte, Fashion Stylist, Interior Desig-                     Studierenden gestaltete Solarfassade am neuen Standort                            London ihre Englischkenntnisse vertiefen und ein Prakti-
Abendkurse rund um Social Media, Shoes & Accessories,         ner, Knitwear-Spezialist, Visual Merchandiser Lifestyle,                      der Firma Be Netz eingeweiht», zeigt Moor die Reichweite                          kum an einem Fashion College absolvieren.
CAD Grafis, Functional & Smart Textiles oder Fashion Jour-    Schicht- und Gruppenleiter, eine Höhere Fachprüfung als                       der Ausbildung auf und schliesst: «Meine Arbeit im For-                               Im 3. Ausbildungsjahr arbeiten die Lernenden im Team
nalism werden teilweise in Englisch und online angeboten.     Fashion Designer, Bachelor in Fashion Design & Techno-                        schungsteam Produkt & Textil an der HSLU ist sicher mit                           an einem Kollektionskonzept, das dieses Jahr unter dem
«Natürlich ist auch der Besuch eines einzigen Moduls          logy, Textile Design & Technology oder Textile Business                       ein Grund, dass ich mit meinen Dozierenden vereinbart                             Thema Nachhaltigkeit steht: Als Ausgangsmaterial dient
möglich, um sich zusätzliches spezifisches Know-how an-       Management, Master in Entrepreneurship & Innovation                           habe, dass sie mehr an die Öffentlichkeit gelangen und                            gebrauchte Jeansbekleidung. In Zusammenarbeit mit dem
zueignen», so Sonja Amport, Direktorin von STF. Der Ein-      in Future Textiles oder in Product Management Fashion &                       sich im aktuellen Designdiskurs einbringen, in Fachzeit-                          Zürcher Brockenhaus gilt es, eine Upcycling-Kollektion zu
gangsbereich dient als Verkaufsfläche und Event-Space. Im     Textile oder dem CAS Sustainability Management in Texti-                      schriften publizieren und sich bei Designkonferenzen mit                          erstellen, die an einer Modenschau am 21. Januar 2020 im
Think Tank, wo wirtschaftliche Fragestellungen gemein-        les – die Auswahl ist gross und geht mit der Zeit.                            Beiträgen bewerben.»                                                              Brockenhaus präsentiert wird.
sam mit jungen Talenten bearbeitet und kreative Design-       —                                                                             —                                                                                 —
konzepte entwickelt werden, liegt Potenzial für Innovation.   stf.ch                                                                        hslu.ch/textildesign                                                              modeco.ch
Mit diesen Geschäftsfeldern will Amport die STF in die
Zukunft führen und die Kernkompetenzen im Bereich                                                                                           Anzahl Ausgebildete / Jahr: 16                                                    Anzahl Ausgebildete / Jahr: 25, viele machen anschliessend eine
Wissensvermittlung zu einem Lab formen. «Always on the        Anzahl Ausgebildete / Jahr: 150–160 Diplomanden, über alle Studiengänge ge-
                                                                                                                                            Berufsperspektiven: Accessoires, Badetextilien, Bettwäsche, Fotografie,           Weiterbildung oder eine Berufsprüfung
move» zu sein bedeutet, agil und rasch auf Kundenwün-                                                                                       Interior, Mode, Museen, Nachhaltiges Sourcing, Einkauf für Läden, Strickdesign,   Berufsperspektiven: Änderungsatelier, Beratung im Detailhandel,
                                                              sehen werden an der STF jährlich 530–550 Personen ausgebildet
                                                                                                                                            Styling, Teppiche, Theaterkostüme, Textildesign für den Luxusbereich              Theaterschneider
sche und Marktveränderungen zu reagieren. Die STF als         Berufsperspektiven: eine grosse Palette an Arbeitsmöglichkeiten
                                                                                                                                            Bild: Der Kombucha-Teepilz erfüllt die Anforderungen an ein nachhaltiges          Bild: «Wir haben Mood Boards entwickelt und freuen uns auf die diversen
                                                              Bild: Junge Menschen suchen Know-how adhoc und möchten, wenn sie sich
Kompetenzzentrum der Textil- und Bekleidungswirtschaft        für ein Angebot entschieden haben, lieber heute als erst morgen mit einem
                                                                                                                                            Material: «Er wächst innert weniger Wochen, und für die Produktion werden keine   Modelle, die entstehen.» – Jonathan Heimgartner, 3. Lehrjahr Bekleidungsgestal-
                                                                                                                                            giftigen Chemikalien benötigt.» – Ramona Teller und Hanna Hüttig, Absolventin-    ter Modeco mit Schwerpunkt Herrenbekleidung, will sich nach der Ausbildung
kann so eine essenzielle Stärkung erfahren.                   Studium starten
                                                                                                                                            nen Bachelor Textildesign HSLU; Abschlussarbeit «Fungus TEAxtile»                 zum Theaterschneider weiterbilden

28                                                            textilrevue — 11/19                                                                                                                                             textilrevue — 11/19                                                          29
SHOWS, MODE & TENDENZEN - NOÉMIE SCHWALLER
ausbildung – schweizer talentschmieden                                                                                                                 ausbildung – schweizer talentschmieden

              BASEL                                                                                                     SCHWEIZWEIT                                      ZÜRICH                                                                             THUN

             SfG                                                                                                        IBBG                                            ZHdK                                                                               Nähwerk IDM
                                                                                                               Die Interessengemeinschaft Berufs-
                                                                                                               bildung Bekleidungsgestalter (IBBG)
                                                                                                               ist Trägerin der Bildungsverordnungen
                                                                                                               für Bekleidungsgestalter EFZ sowie für
                                                                                                               Bekleidungsnäher EBA. Im Zuge einer
                                                                                                               Revision wird eine neue Bildungsver-
                                                                                                               ordnung der Höheren Berufsbildung
                                                                                                               eingeführt. Die Trägerschaftsorgani-
                                                                                                               sation zwischen dem Schweizerischen
                                                                                                               Modegewerbeverband und der IBBG
                                                                                                               wird mittels einer Trägerschaftsverein-
                                                                                                               barung geregelt.

Die Schule bietet verschiedene Bildungsgänge der Höheren Fachschule                                            Zu den Lehrwerkstätten zur
(HF). Die praxisnahen, modular aufgebauten Tertiärausbildungen richten                                         Berufs­ausbildung Bekleidungsgestalter
sich an qualifizierte Berufsleute und können Vollzeit oder berufsbegleitend                                    zählen:
absolviert werden. Die Bildungsgänge schliessen mit dem eidgenössisch an-
erkannten Diplom Gestalter HF ab.                                                                              •A  telier Schnittpunkt, Stans
    Der Schwerpunkt des Bildungsgangs HF Textildesign liegt auf der Ge-                                        •B  BZ Freiamt, Atelier für
staltung. Studierende erwerben ihre Kompetenz im praxisnahen Unterricht                                           Bekleidungsgestaltung, Wohlen
und in Zusammenarbeit mit Firmen und Institutionen. Die Absolventen sind                                       •B  erufsbildungszentrum Olten,
bereit, produktionsreife textile Entwürfe zu gestalten, Kunden zu beraten                                         Schule für Mode und Gestalten, Olten
und textile Produkte zu entwickeln. Agathe Kern, Leiterin Bildungsgang HF                                      •B  erufsfachschule Winterthur
Textildesign (TD): «Das Berufsfeld TD hat in den letzten Jahren Veränderun-                                       (Schliessung Sommer 2020)
gen durchlaufen. Mit dem Bildungsgang versuchen wir, praxisnah auf diese                                       •B  erufsschule Mode und Gestaltung,
und vermehrt auf Kooperationen einzugehen. Studierende erleben die Breite                                         Zürich
des Berufsfelds und schauen über den textilen Tellerrand hinaus. So gewan-                                     • BZF Fricktal, Rheindesign, Rheinfelden   An der ZHdK gibt es keine Ausbildung, die sich auf Mode                             Die beiden Lehrgänge Bekleidungsgestalter EFZ und Be-
nen Studierende den 3. Preis beim Innovationswettbewerb eines Herstellers                                      •C  FP Ecole d’Art appliqués, Genf         und Textil konzentriert. Diese Themen werden in der                                 kleidungsnäher EBA am Nähwerk IDM setzen bei der von
für Schichtstoffplatten oder entwickelten Krawatten und Pochetten für die                                      • Couture Création, Schneiderinnen-­       Fachrichtung Trends & Identity des Departements ­Design                             rasanten technischen Entwicklungen geprägten Textil­
Zunft zu Webern. Momentan arbeiten wir mit dem grossen Archiv der deut-                                           Fachschule, Kreuzlingen                  behandelt, in der Bachelor- und Master-Studiengänge an-                             branche an. Einerseits Ausbildungsstätte, andererseits
schen Firma Pausa, einem einst renommierten Dekorationsstoffhersteller.                                        •E  cole d’arts appliqués EAA,             geboten werden. Im Rahmen ihrer Arbeiten können sich                                Kompetenzzentrum für textile Lösungen: Um die Lernen-
Das Kernthema bleibt das versierte Gestalten von Flächen mit Material,                                            La Chaux-de-Fonds                        Studierende auf die Bereiche Mode und Textil spezialisie-                           den in einem realitätsnahen Arbeitsumfeld auszubilden,
Farbe und Muster.»                                                                                             •E  cole de Couture, Freiburg              ren, z. B. Modetrends, Materialien oder die Funktionalität                          setzen sie in den Produktionsateliers reale Aufträge um,
    Diesen August hat der berufsbegleitende Bildungsgang HF Visual Mer-                                        •E  cole de Couture du Valais, Sierre      von Kleidung. Prof. Katharina Tietze, Leiterin Fachrich-                            wie für Lela Scherrer oder Claudia Nabholz, und bewegen
chandising Design (VMD) mit acht Studierenden angefangen. Es ist möglich,                                      •E  racom, Lausanne                        tung Trends & Identity, erläutert: «Modeaffine, die sich                            sich so an der Schnittstelle von Kreativität und Wirtschaft-
in einzelnen Bereichen zu hospitieren. Das erste Modul gilt dem Interior                                       •L  ehratelier Modegestaltung, Kantonale   nicht mit Kleidermachen beschäftigen wollen, sind richtig                           lichkeit. Begleitet werden sie von 15 Ausbildner, die sich
Design; in einem zweiten Schritt werden Disziplinen wie Szenografie und                                           Schule für Berufsbildung, Aarau          bei uns. Wir verstehen Mode als Trendphänomen. Auf der                              ihre fachspezifischen Sporen unter anderem bei Vivienne
Kommunikationsdesign, Produktinszenierung, Dienstleistungen und                                                •L  ehratelier Bekleidungsgestaltung Uri   konzeptionellen Seite ist uns die gesellschaftskritische                            Westwood, Hugo Boss, Givenchy oder Alexander Wang
Marken erkundet. Messebesuche und Zusammenarbeiten mit Partnern wie                                            •L  ehratelier Bekleidungsgestaltung/      Sicht wichtig, die Arbeit in den Werkstätten bietet über das                        verdient haben. Sabine Portenier, Betriebsleitung, erzählt:
Aroma, Dioma oder Richnerstutz sind Teil des Bildungsgangs, der einerseits                                        LAB, Chur                                Material einen textilen Zugang im Praktischen. Ein Lehr-                            «Früher hatte die Ausbildung den Fokus auf Masskonfek-
für Designer ist, die sich im Bereich Detailhandel oder der Raum- und Kom-                                     •L  ehrwerkstätte Basel                    modul widmet sich der Modegeschichte und -theorie, in                               tion. Nach der neuen gesamtschweizerischen Bildungs-
munikationsgestaltung vertiefen wollen, aber auch für Quereinsteiger, die                                      •L  ehrwerkstätte St. Gallen,              einem anderen geht es darum, Kleinserien zu entwerfen,                              verordnung wurde er auf eine zeitgemässe rationelle Ver-
durch ihre Arbeitspraxis Erfahrung im Marketing und Retail mitbringen.                                            Lehratelier Couture, St. Gallen          zu produzieren und in existierenden Läden zu verkaufen.»                            arbeitung gelegt mit den drei Schwerpunkten Prototyping,
—                                                                                                              •L  u Couture, Willisau                    —                                                                                   Masskonfektion und Serienproduktion.»
sfgbasel.ch/hoehere-berufsbildung-hf                                                                           •M  odeco, Schweizerische Fachschule       zhdk.ch                                                                             —
                                                                                                                  für Mode und Gestaltung, Zürich                                                                                              idm.ch/naehwerk-idm
Anzahl Ausgebildete: Alle 3 Jahre VMD: 15 / Alle 2 Jahre TD: 12                                                •N  ähwerk IDM, Textile Fachschule/
                                                                                                                                                           Anzahl Ausgebildete / Jahr: Bachelor: rund 18 / Master: rund 8.
Berufsperspektiven: TD: Design, Produktmanagement, Styling, Markt- und Trendforschung oder                        Produktion, Thun                         Berufsperspektiven: AbsolventInnen sind Generalisten                                 Anzahl Ausgebildete / Jahr: 15 EFZ und 10 BKN
Beratung in Ateliers, Trendstudios, in der Textilindustrie, im Fachhandel oder in selbstständiger Tätigkeit.
                                                                                                               •S  cuola d’arti e mestieri della          Im Bereich Trendforschung bieten sie Recherchen, Marktanalysen und Prognosen         Berufsperspektiven: Ateliers, Praktika, Fashion Design, Editorial Work,
Je nach Vorbildung auch in sozialen oder kulturellen Institutionen
                                                                                                                                                           an. Sie arbeiten für Print- und Onlinemedien in den Bereichen Styling, Bildredak-    Reisetechniker, Prototypenentwicklung, Product Management, Weiterbildung in
VMD: Retail und Urban Design, Innenarchitektur, Eventdesign und -management, Projektleitung und                   sartoria di Lugano                       tion oder Journalismus. Als Ausstatter sind sie in Foto-, Film- oder Theater­        der Massschneiderei
-entwicklung, Beratung und Konzeption Raum und VMD oder Unternehmensgründung
Bild: Unterrichts-Projekt «Transform» im schulinternen Raum-Labor /
                                                                                                               •S  cuola d’arti e mestieri della          produktionen tätig. Sie konzipieren Markenwelten und Events oder machen sich         Bild: Im Nähwerk IDM werden reale Aufträge für Claudia Nabholz, Sanikai,
                                                                                                                                                           mit eigenen Produkt- oder Dienstleistungskonzepten selbstständig                     Ezgi Cynar, Seespiele Thun, Rotauf, SBB, Arma Suisse und Lela Scherrer
A. Mosimann/Schule für Gestaltung Basel                                                                           sartoria di Biasca                       Bild: Growing Garments. Anouk Schädler, Zürcher Hochschule der Künste               ­umgesetzt

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