Sinnvoll oder Spielerei? - Noch ist die Corona-Warn-App von einer Erfolgsgeschichte weit entfernt
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politik KZVB
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Sinnvoll oder Spielerei?
Noch ist die Corona-Warn-App von einer Erfolgsgeschichte weit entfernt
Markus Söder vergleicht sie mit der Smartphone-Nutzer liegt es jedenfalls Tausende Menschen von der App vor einer
einem „zahnlosen Tiger“, für nicht: Rund 58 Millionen wurden 2019 in möglichen Infektion mit dem Corona-
Jens Spahn ist sie eine „Erfolgs- Deutschland gezählt, auch der Absatz an virus gewarnt werden. Ein guter Schnitt!
geschichte“. Die mit viel politischem Neugeräten florierte mit 21,9 Millionen De facto sah es noch bis vor Kurzem an-
Elan gestartete Corona-Warn-App verkauften Stücken (Quelle: Statista.com). ders aus. Bei der Pressekonferenz zu den
kann tatsächlich eine ganze Menge, „100 Tagen Corona-Warn-App“ berichtete
erfüllte bislang allerdings nicht die der Minister von erst etwa 5000 Personen,
Viele Downloads,
in sie gesetzten Erwartungen. Neue die bis dato ihre App-Kontakte aktiv über
doch geringes Interesse
App-Funktionen und eine millio- das Infektionsrisiko in Kenntnis gesetzt hät-
nenschwere Finanzspritze der EU Nach der Ministerpräsidentenrunde Mitte ten. Mitte Oktober, vier Monate nach dem
könnten eine Wende bringen. Oktober, als es um die aktuellen Corona- Start der App, hat sich dieser Wert immer-
Maßnahmen ging, hatte selbst die Bundes- hin schon verdreifacht. Die „Süddeutsche
Technologisch ist sie auf einem hohen kanzlerin nochmals eindringlich appelliert, Zeitung“ beruft sich hier auf Angaben von
Niveau und ihre Downloadzahl beein- die App zu nutzen, „weil sie ein Hilfsmit- Entwicklern, die entsprechende Datenaus-
druckt. Beim 100-Tage-Resumee im Sep- tel ist“. Nach Ansicht von Experten wird wertungen im Netz aufbereiten. Nicht nur
tember hatten sich bereits um die 18,5 Mil- sie derzeit auch von um die 16 Millionen die Downloads, sondern auch die Bewer-
lionen Menschen die Corona-Warn-App Smartphone-Besitzern aktiv eingesetzt, tungen stiegen an und täglich kämen gut
heruntergeladen. Seitdem die Fallzahlen heißt es im „Spiegel“. Eine Zahl, die sich 500 neue positive Testergebnisse dazu, die
auch in Deutschland wieder so rasant an- in etwa auch mit den Zugriffen auf den in der App eingetragen würden.
steigen, wuchs die Zahl der Nutzer bis zum Telekom-Server in Einklang bringen lässt,
letzten Oktoberdrittel auf über zwei Millio- mit dem sich die App täglich verbindet,
Mehr Funktionen gewünscht
nen. Die App, die von der Bundesregie- um Datenschlüssel zu aktualisieren.
rung Mitte Juni mit einem Paukenschlag Der Bundesgesundheitsminister rech- Inzwischen enthält die App endlich auch
präsentiert worden war, hat sich, so könnte nete vor: Kämen auf jeden, der sein posi- neue Features – vielleicht ist auch dies
man annehmen, etabliert. Doch leider ist tives Testergebnis über die App kommu- ein Grund, weshalb ihre Akzeptanz bei
dies ein Trugschluss. Der Rückhalt der niziert, noch um die zehn bis 20 Kontakte, den Nutzern so lange stagnierte. Erst seit
großen Masse fehlt bislang. An der Anzahl so könnten vermutlich auf diese Weise einiger Zeit gibt es ausführlichere Verhal-
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tenshinweise wie etwa, was bei einer Be- Daten austauschen. Dänemark, Lettland zweite Smartphone-Nutzer eine Warn-
gegnung mit einem „niedrigen Risiko“ zu und Spanien, die Niederlande, Österreich, App einsetzen, im Umkehrschluss sieht
tun ist. Henning Tillmann, Co-Vorsitzender Polen und Tschechien ziehen nach. Mit jeder Zweite also keinen großen Sinn
des digitalpolitischen Thinktanks D64 dazu dieser europäischer Tracing-Lösung lässt darin. Smartphone-Nutzer, die die App
in der „Welt“: „Wenn so viele Nutzer das sich also ein grenzüberschreitendes Netz- nicht nutzen wollen, ließen sich vor allem
gleiche Problem haben, ist das immer ein werk errichten. Bis Ende 2020 könnten von ihrem Bauchgefühl leiten, ist auf der
Zeichen dafür, dass eine App nicht gut ge- tatsächlich auch 16 nationale Warn-Apps Bitkom-Website nachzulesen. Ein Drittel
nug durchdacht ist.“ Angesichts der bisher bereits daran gekoppelt sein, berichtet die der Nichtnutzer glaube nicht an die Wir-
veranschlagten Kosten von über 60 Millio- „Wirtschaftswoche“ im Oktober. kung der App (33 Prozent) und jeder Vierte
nen Euro für Entwicklung und Unterhalt Für die Realisierung einer solchen (24 Prozent) hätte Bedenken um den Da-
der App sei das nicht nachvollziehbar. länderübergreifenden Plattform stellt tenschutz. Anfang September hatten sich
In den vergangenen Monaten wurde die EU 13 Millionen Euro bereit, führt das diese Zahlen nicht sehr gebessert, wie eine
die App weiterentwickelt und diverse Umfrage im Auftrag des Technikverbandes
Macken behoben. Mit dem Update 1.5 der zeigte. Knapp die Hälfte (48 Prozent) sah
„Die App ist mittlerweile
App gibt es nun ein Symptom-Tagebuch, in der App keinen persönlichen Mehrwert
fester Bestandteil
in das positiv Getestete auf freiwilliger und ein Drittel (33 Prozent) hatte Zweifel
des Pandemiealltags.“
Basis ihre Krankheitssymptome eintragen hinsichtlich des Datenschutzes.
können. Weitaus interessanter jedoch ist, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn
dass sich Corona-Warn-Apps nun auch
Ausbau der Testkapazitäten
länderübergreifend „verstehen“ sollen. Die
deutsche App hatte schon in einigen euro- Magazin weiter aus. Die beiden deutschen Bis vor wenigen Wochen waren zudem
päischen Ländern funktioniert, allerdings Konzerne werden aus diesem Topf sieben noch immer nicht alle deutschen Labore,
nur bei Begegnungen mit Personen, die Millionen für Entwicklung und Installation die Tests auf das Coronavirus durchfüh-
auch die deutschsprachige App auf ihrem sowie bis Ende 2021 nochmals weitere ren, an die Corona-Warn-App angebun-
Smartphone installiert hatten. Dass man drei Millionen für Wartungszwecke erhal- den. Das soll sich jedoch in Kürze ändern.
angesichts des Ausmaßes der Corona- ten. Noch einmal drei Millionen stehen als Laut der „Welt“ haben aufgrund einer
Pandemie globaler denken muss, lag auf Entwicklungskostenzuschuss EU-Ländern neuen Testverordnung seit dem 15. Okto-
der Hand. Bereits vor Wochen hatten die zur Verfügung, die ihre eigene App an die ber auch alle Nutzer der Corona-Warn-
Chefentwickler der App, die Unternehmen Plattform anschließen möchten. App, die innerhalb der letzten zehn Tage
SAP und Deutsche Telekom, die technolo- eine Warnung erhalten haben, Anspruch
gische Neuentwicklung angekündigt, dass auf einen Test – auch dann, wenn sie keine
Jeder Zweite würde
die deutsche App mit Warn-Apps anderer Symptome zeigen.
die App nutzen
europäischer Staaten werde kommunizie- Fest steht, eine Warn-App ist kein All-
ren können. Nun ist das Realität: Deutsch- Laut einer Erhebung des Digitalverbands heilmittel. Sie ist lediglich ein Mosaikstein
land, Irland und Italien sollen als erstes ihre Bitkom von Anfang Juli würde etwa jeder in den vielen unterschiedlichen Maßnah-
BZB November 2020 25politik KZVB
Die Corona-Warn-App wurde entwickelt, um Infektions-
ketten frühzeitig zu erkennen und zu durchbrechen. Sie
informiert, sobald ein Kontakt mit einer nachweislich
Corona-positiv getesteten Person bestanden hat.
Die App erkennt, welche Smartphones sich nahekommen.
Diese Prüfung findet nur auf dem eigenen Smartphone
statt. Über Bluetooth werden zufällig erzeugte Datenschlüs-
sel ausgetauscht. Wird ein Nutzer positiv getestet, kann er
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das Testergebnis über die App teilen, um Menschen, die sich
in seiner Nähe aufgehalten haben, hierüber zu warnen.
Die deutsche Corona-Warn-App ist kostenlos, ihre Nutzung
ist freiwillig.
Technische Voraussetzungen/Betriebssystem: ab iPhone 6s
unter iOS 13.5, Android ab Version 6
Bis zum Jahresende 2020 sollen Corona-Warn-Apps aus 16 Län-
dern ihre Daten austauschen können.
men zur Bekämpfung der Pandemie. In lerdings immer weiterentwickelt werden. fizierter Personen, zum Einsatz kommen.
der heutigen digitalen, vernetzten Welt Laut dem SPD-Gesundheitsexperten Karl Den zumindest ungefähren Zeitpunkt einer
ist sie in jedem Fall ein probates Mittel, Lauterbach in der „Süddeutschen Zeitung“ Risikobegegnung zu kennen, wäre ebenfalls
Infektionsketten rechtzeitig zu erkennen soll sie in Kürze auch bei der Erkennung eine sinnvolle Ergänzung.
und zu unterbrechen. Dazu muss sie al- sogenannter Cluster, also von Gruppen in- Ingrid Scholz
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