SPECIAL BRIEFING L - AIM International association of ...
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2 AIM Special Briefing Juni 2019
Sehr geehrte Mitglieder,
wir können, wie ich denke, auf eine aufschlussreiche und fruchtbare
Zusammenkunft zurückblicken.
Zunächst möchte ich nochmals der CMCM und besonders Fabio
Secci und seinem Team für den herzlichen Empfang in Luxemburg
danken. Mein Dank gilt auch Romain Schneider und Nicolas Schmit für
ihre Teilnahme und natürlich zuvorderst für die Unterstützung, die sie
Gegenseitigkeitsgesellschaften und der Sozialwirtschaft zuteilwerden
lassen. Die Unterstützung vor allem auch von ministerieller Seite,
erfüllt mich mit Freude und lässt mich für die Zukunft unserer
Bewegung hoffen.
In Luxemburg stand mit der Lomé-Plattform ein für unsere
internationalen Aktivitäten zentrales Dokument im Mittelpunkt.
Ich bin persönlich von dem Mehrwert überzeugt, den die Plattform
für das Wachstum der afrikanischen Gegenseitigkeitsbewegung
darstellt. Die Debatte rund um die EU-Wahlen zeigte, dass Europa
sich zweifelsohne an einem Wendepunkt befindet. Die AIM wird die
Gelegenheiten wahrnehmen, die sich hinter den vielen vorausliegenden
Herausforderungen verbergen, und ihren Beitrag zu einem sozialeren
Europa leisten, in dem die Gesundheit im Mittelpunkt steht.
Einmal mehr bewies unser Treffen, wie bedeutsam Zusammenarbeit
für unsere Organisationen ist. Ich betrachte uns alle als die Grundmauer
unserer Gesundheitssysteme, verantwortlich für ein solides
Fundament: nachhaltige Finanzierung, qualifizierte Arbeitskräfte,
Forschung & Entwicklung, die wissensbasierte und wirksame
Behandlungen und Arzneimittel hervorbringen. Dann schichten wir
sorgfältig Stein auf Stein: Prävention, Patientenbefähigung, Innovation,
Primärpflege, spezialisierte Leistungen, Qualitätsbewertung und
-sicherung usw. Natürlich brauchen wir Fenster, die die Luft zwischen
unserem Haus und den anderen wichtigen Gebäuden zirkulieren
lassen: Soziales, Finanzen, Beschäftigung, Bildung… Ein Haus
ohne Fenster ist kein Platz zum Leben. Der Austausch mit unseren
Nachbarn hilft uns, über den Tellerrand herauszuschauen.
Über das Tor zu unserem Gebäude lassen wir Personen von außen
herein und wir treten heraus. Wir alle wissen, dass grenzüberschreitende
Gesundheitsversorgung einen großen Fortschritt im Bereich
Patientenrechte darstellt. Gleichzeitig sind wir uns allerdings auch der
Herausforderungen bewusst, die sich dadurch unseren Systemen und
im Besonderen uns Kostenträgern stellen. Und was wäre ein Haus
ohne ein widerstandsfähiges Dach, das vor Sturm und unerwarteten
Umständen schützt? Dieses Dach, liebe Freundinnen und Freunde,
ist unsere Resilienz gegenüber Veränderungen und aufkommenden
Herausforderungen, genauso wie die Fähigkeit voneinander zu lernen.
In der AIM helfen wir einander, den wechselnden Wetterbedingungen
zu begegnen. Ich bin davon überzeugt, dass wir das europäische
und noch mehr das globale Dorf, bestehend aus unseren einzelnen
Häusern der Gesundheitsversorgung, fit für Zukunft machen können.
Ich freue mich darauf, Sie alle im November in Brüssel wiederzusehen.
Christian Zahn3 AIM Special Briefing Juni 2019
Sehr geehrte Mitglieder, liebe Kolleginnen
und Kollegen,
der Vorstand und die Generalversammlung waren ein
ganz besonderes Ereignis für mich. Zum ersten Mal traf
ich die gesamte AIM-Familie. Beeindruckt haben mich der
Einsatz des Brüsseler AIM-Teams in der Vorbereitungszeit,
die Qualität der verschiedenen Beiträge und Reden
sowie die Vielzahl an Themen, mit denen sich die AIM
auseinandersetzt. Ich möchte es unserem Präsidenten
gleichtun und allen, die zum Gelingen dieser Veranstaltung
beigetragen haben, ganz herzlich danken.
Die AIM ist eine hervorragende Plattform zum Austausch
bewährter Verfahren. Sie gleicht einem Weltcafé,
wo Menschen die Verbesserung und Förderung von
Werten erörtern, die uns allen am Herzen liegen:
Demokratie und Solidarität. Als Krankenkassen und
Gesundheitsdienstleister spielen wir eine bedeutende
Rolle in der heutigen Welt, indem wir gleichberechtigten
Zugang zu kostenwirksamen und erschwinglichen
Gesundheitssystemen schaffen, Versicherungsvereine
auf Gegenseitigkeit stärken und für einen hohes Maß an
Gesundheitsschutz für alle eintreten.
Ich bin dankbar, Teil der AIM-Familie zu sein. Gemeinsam
mit meinen Kolleginnen und Kollegen werde ich die
Entwicklung der AIM im Dienste ihrer Mitglieder
vorantreiben.
Sibylle Reichert
AIM in der Presse
Lëtzebuerger Journal
Freitag, 28 Juni 20194 AIM Special Briefing Juni 2019 Gemeinsame Ausschusssitzung Modernisiertes Management von Gegenseitigkeitsgesellschaften 26. Juni – Die Generalversammlung der AIM begann mit dem Thema „Digitale Informations- und Managementsysteme für Gegenseitigkeitsgesellschaften“. Informations- und Managementsysteme könnten insbesondere die Erstellung von Versicherungsverträgen, Kosteneinforderung und Beitragserhebung, die Verwaltung von Kostenerstattung sowie eine Übersicht über das Risikoportfolio enthalten. Für Krankenkassen sind die genannten Elemente wesentlich. Auf diesem Hintergrund präsentierte Siddharth Srivastava, Experte für Gesundheitsfinanzierung am Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut, Möglichkeiten, wie digitale Informationssysteme Gegenseitigkeitsgesellschaften bei deren Entwicklung bis hin zu komplizierteren geschäftlichen Abläufen (z.B. Ratenzahlung) unterstützen können. Die Gestaltung des Versicherungssystems komme dabei an erster Stelle, digitale Systeme hätten unterstützend zu wirken. Die Auswirkungen digitaler Lösungen auf die Nettokosten hingen, so Srivastava, vom Implementierungskontext ab. Abschließend stellte er OpenIMIS vor, ein Open-Source-Informationssystem für Versicherungs-management, das in Tansania, Nepal, dem Tschad und der Demokratischen Republik Kongo entwickelt wurde und auf den jeweiligen Bedarf einer Krankenkasse zugeschnitten wird. José María Garriga stellte die Schwierigkeiten bei Management und Finanzierung der Gesundheits-versorgung heraus, insbesondere unter Berücksichtigung der Unsicherheiten, die hinsichtlich der von Krankenkassen gedeckten Risiken und technischer Entwicklungen bestehen. Als staatliche Agentur zur Unterstützung und Kontrolle von Gegenseitigkeitsgesellschaften und Genossenschaften habe das INAES ein digitales System zum Austausch zwischen Agentur und Kassen auf den Weg gebracht und ermutige letztere, dieses auch für das interne Management zu nutzen. Er stellte eine digitale Plattform vor, über die die CAM Dienste rund um Tourismus, Prepaid- Kreditkarten und Arzneimittel anbietet. Daneben kündigte er die Schaffung der ersten Universität für Sozialwirtschaft an. Für Afrika & den Mittleren Osten präsentierte Thierry Rosay von CEGEDIM die Reform der CMIM (Marokko), die mit der vollständigen Digitalisierung ihrer Prozesse einherging. Eine Schrifterkennung ermögliche das Erfassen eingehender Rückerstattungsdokumente, die so direkt in den Arbeitsablauf der CMIM integriert werden. Versicherte können über ein Portal den Status ihrer Dossiers überprüfen. Die Digitalisierung der Akten gewähre ebenfalls Gesundheitsfachkräften Zugang zu den Rückerstattungsvorgängen. Thierry Rosay betonte, dass Digitalisierung nicht nur die Verwaltung einzelner Dossiers verbessere, sondern auch erlaube, den dafür nötigen Zeitaufwand zu erfassen. Mesmin Komoe von der MUGEF-CI stellte die Smart Card vor. Diese unterstützt die Digitalisierung der dortigen Organisationsprozesse. Darüber hinaus können die dem Netzwerk angeschlossenen 739 Apotheken, 1500 Gesundheitsdienstleister und 3900 Mediziner Verschreibungen einsehen. Die MUGEF-CI erstattet die Kosten für entsprechend gelistete Medikamente, mittels der Smart Card lässt sich überprüfen, ob ein Medikament erstattungsfähig ist. Daneben erhalten Versicherte über die Karte Preisnachlässe in verschiedenen Geschäften.
5 AIM Special Briefing Juni 2019 Ausschuss für Lateinamerika Die zügige und zugleich beschwerliche Entwicklung elektronischer Patientenakten 26. Juni – Der AIM-Ausschuss für Lateinamerika tauschte sich mit luxemburgischen Experten über seine Erfahrungen zu E-Health aus. Unterstrichen wurden die Mindestanforderungen an E-Health und insbesondere das Erweitern elektronischer Patientenakten (EPA), um deren Potenzial zu erschließen. Hervé Barge, Generaldirektor von eLuxembourg, eröffnete die Sitzung mit dem Digitalisierungsplan seines Landes. Seit 2012 erlaubt die nationale Plattform zum Austausch pseudonymisierter Gesundheitsdaten Patienten den Zugang zu ihren Gesundheitsinformationen sowie Gesundheits- fachkräften den Zugang zu elektronischen Patientenakten. Dies erleichtere den Datenaustausch und ermögliche frühzeitige Interventionen im Behandlungsverlauf, was sich insbesondere positiv im Falle einer Notfallversorgung auswirke. Barge betonte die Notwendigkeit einer rechtlichen Grundlage für die Entwicklung derartiger Plattformen und stellte dabei Sicherheitsfragen sowie die Bedeutung patientenkontrollierter Daten heraus. Er unterstrich, dass E-Lösungen stets gemeinsam mit den Nutzern, in diesem Falle den Ärzten und Patienten, zu entwickeln seien. Dr. Julio Martínez, UMU, bestätigte einige der zuvor genannten Herausforderungen. Wesentlich bei der Umsetzung der uruguayischen EPA seien technische und semantische Interoperabilitätsregeln und die Erstellung eines Rechtsrahmens gewesen. Besonders schwierig habe sich die Vermeidung isolierter Akten gestaltet, um eine horizontale Zusammenarbeit zu erreichen. José María Garriga, CAM, erachtet eine chronologische Erfassung von Patientendaten als notwendig, Schwierigkeiten bereiteten dabei Daten aus der Vergangenheit. Wichtig seien standardisierte Krankenhausakten und gemeinsame Dateiformate. Miguel Antonio Uprimny aus Kolumbien zeigte auf, welche besondere Aufmerksamkeit Gestarsalud auf die Schulung der Akteure legt, die mit E-Health-Plattformen arbeiten. Dies sei unabdingbare Voraussetzung für die einwandfreie Funktion einer jeden Plattform. Die Diskussionen zeigten, dass die Herausforderungen weltweit ähnlich gelagert sind, einige Länder wie Kolumbien stehen noch ungelösten Struktur- und Deckungsfragen gegenüber. Bereitschaft, Verpflichtung und Einbindung des Staates seien weitere Schlüssel. Zukünftig werden viele AIM-Mitglieder den Fokus auf künstliche Intelligenz und die damit verbundenen ethischen Fragen legen.
6 AIM Special Briefing Juni 2019 Sitzung des Ausschusses Afrika & Mittlerer Osten Die Lomé Plattform, was kommt als nächstes? 26. Juni – Der Ausschuss sprach über die Entwicklungen seit der Verabschiedung der Lomé-Plattform auf der gleichnamigen Konferenz vom 22. bis 23. Januar 2019. Die interessanten Diskussionen rundete eine Präsentation der zu erwartenden internationalen und nationalen Maßnahmen ab. AIM-Projektmanager Thomas Kanga-Tona präsentierte die Ergebnisse der Konferenz. An den zwei Tagen kamen rund 224 Teilnehmer aus 18 afrikanischen und europäischen Staaten zusammen. Am ersten Tag konstatierten verschiedene hochrangig besetzte Diskussionsrunden, dass durch Gegenseitigkeitsgesellschaften geschaffene Solidarbindungen wesentlich zu einer ausgeglichenen Gesellschaft beitrügen und die Ausweitung von Gesundheitsschutz und Gegenseitigkeit selbige gegenseitig stärke. Allerdings könne nur eine Pflichtversicherung Problemfelder wie geringe Versichertenquoten, Beitragserhebung und hohen Mitgliederverlust angehen. Durch die Delegierung von Organisation und Management der Krankenversicherung an die Gegenseitigkeit kämen den Gesundheitssystemen die Wesensmerkmale des Gegenseitigkeitsmodells zugute. Der zweite Tag war der Lomé-Plattform gewidmet, die von der globalen Gegenseitigkeitsbewegung unterstützt wird. Martini Hagiefstratiou, Solidaris-Referent für Europäische und Internationale Angelegenheiten, und Pieter van Wolvelaer, Projektleiter der Christlichen Krankenkasse, stellten die Lomé-Plattform vor. Die Plattform zeigt eine Nachhaltigkeitsstrategie auf, mit der die Gegenseitigkeitsbewegung ihr Ziel einer stärkeren Einheit und sozialen Zusammenhalts erfüllen kann. Sie fordert die Schaffung und Implementierung eines gesetzlichen Rahmens für Gegenseitigkeitsgesellschaften, um die Konsistenz der Leistungserbringung, Synergien zwischen Interessengruppen vor Ort und Versicherungspflicht zu gewährleisten. Das Dokument soll Fürsprache für den Beitrag der Gegenseitigkeit bei der Ausführung internationaler wie regionaler Programme leisten. Die Jahrhundertfeier der Internationalen Arbeitsorganisation gibt noch dieses Jahr Gelegenheit, an die Rolle der Gegenseitigkeit beim Sozialschutz zu erinnern. Die Teilnehmer benannten auch die nächsten Schritte, die sie zur Förderung der Plattform auf Länderebene ergreifen: Übergabe des Abschlussdokuments an die Regierung und Aufstellung eines Maßnahmenplans (Burkina Faso) bzw. das Zusammenführen der Gegenseitigkeitsvertreter, um die Bewegung strukturell zu stärken (Elfenbeinküste). Zum Abschluss der Sitzung präsentierte Hausny Hachimi Idrissi, Vorstandsvorsitzender der MAS, die Digitalisierung seiner Mutuelle d’Action Sociale (MAS). Herzstück ist das Softwareprogramm CIMAS, das Beitritte, Beitragserhebung, Auszahlungen und Behandlungsnomenklatur verwaltet. Die Software ermöglicht es der MAS, Rechnungs- sowie internes Berichtswesen zu verwalten und Einsicht in die Organisationabläufe zu erhalten. Unterstützend erfolgt die Schulung der Beschäftigten, Dokumente und Kommunikationen werden digitalisiert. Die MAS richtete ein Webportal und eine App ein, die den Versicherten die Verwaltung ihrer Dokumente erlaubt. Ein weiteres Webportal steht Gesundheitsfachkräften zur Verfügung.
7 AIM Special Briefing Juni 2019
Generalversammlung
Austausch über die Lomé Plattform
27. Juni – Die Generalversammlung der AIM erhielt durch eine Debatte über die
am 22. und 23. Januar in Togo verabschiedete Lomé-Plattform die Gelegenheit, die
Ansichten von Gegenseitigkeitsvertretern und anderen Teilnehmern zum Dokument
zu erfahren.
Denis Porignon, WHO-Berater für Gesundheitssysteme, begrüßte den Beschluss
der Lomé-Plattform, sich den Nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten
Nationen anzuschließen und stellte die Universal Healthcare Partnership
(UHC Partnership) vor, die den politischen Dialog zwischen nationalen und
internationalen Partnern fördert. Er lud die Gegenseitigkeitsversicherer ein, mit
den UHC-Länderteams in Kontakt zu treten, um ihre Einbindung in das Projekt
zu erörtern, das künftig von 75 auf 115 Staaten ausgeweitet wird. Porignon
zufolge müssten die Kassen auf nationaler Ebene den Austausch mit Patienten,
Parlamentsvertretern und weiteren Stakeholdern suchen.
Jürgen Hohmann, Sozialschutzexperte an der Generaldirektion der EU-
Kommission für Internationale Zusammenarbeit und Entwicklung (GD DEVKO),
sagte, dass Gesundheit einen wichtigen Aspekt des Sozialschutzes darstelle.
Die Lomé-Plattform schlage die Brücke zwischen universellem Sozialschutz
und flächendeckender Gesundheitsversorgung. Versicherungsvereine
auf Gegenseitigkeit spielten eine komplementäre Rolle beim Schutz der
Bevölkerung sowie bei Anwerbung und Rückerstattung. Die Mitwirkung der
Gegenseitigkeit sei bedeutend, da der Staat eine optimale Ressourcenverteilung
nicht immer gewährleisten könne. Er riet der AIM, die globale Koalition des
Sozialschutzsockels, die einen Fonds in Höhe von einer Million Euro verwaltet,
zu kontaktieren.
Damien Revault, Projektleiter am Schweizerischen Tropen- und Public Health-
Geert Messiaen, Generalsekretär der belgischen Institut, erachtet die Forderungen der Lomé-Plattform als relevant und notwendig
UNML, wurde von der Generalversammlung zum für den Ausbau von Gegenseitigkeits- gesellschaften und Gesundheitssystemen.
Ehrenmitglied ernannt. Die politische Bereitschaft sei nicht immer ausreichend, es mangele zuweilen
an Mitteln. Im Tschad existiere trotz eines Gesundheitsschutzprogramms
kein Rechtsrahmen für die Schaffung von Gesundheitszentren, notwendige
Strukturen zur Verwaltung der flächendeckenden Gesundheitsversorgung und
rechtliche Vorgaben für Krankenkassen fehlten.
Christian Horemans, Experte für Internationale Angelegenheiten bei den
Mutualités Libres, referierte als Vertreter des MASMUT-Programms die
Ergebnisse der Lomé-Plattform seit ihrer Verabschiedung. Einen Tag nach
ihrer Verabschiedung formulierte ein Seminar die zentralen Meilensteine,
die eine Strategie zur Entwicklung von Gegenseitigkeitsgesellschaften,
Informationsveranstaltungen, die Verbreitung der Plattform sowie die
Organisation von Fürsprache auf nationaler Ebene umfassen. Um die
Fortschritte bei der Erfüllung der Lomé-Forderungen zu verfolgen, seien
verschiedene Veranstaltungen vorgesehen. Der Fürsprache in Europa komme
besondere Bedeutung zu.
Matthias Savignac von der Fédération Nationale de la Mutualité Française
und Vizepräsident der AIM für Internationale Zusammenarbeit sprach über
das PASS-Programm, das die Plattform und deren Inhalt über eigene digitale
Kommunikationskanäle verbreitet. Bis Ende 2019 wird PASS Tagungen mit den
nationalen Verwaltungsbehörden an der Elfenbeinküste sowie den dortigen
Länderbüros der Internationalen Arbeitsorganisation und der Europäischen
Kommission organisieren.8 AIM Special Briefing Juni 2019 Ausschuss für Europäische Angelegenheiten Die EU-Wahlen und deren Auswirkungen auf Gesundheit 27. Juni 2019, Luxemburg – Romain Schneider, luxemburgischer Minister für Soziale Sicherheit, stellte das neue luxemburgische Gesetz für Gegenseitigkeitsgesellschaften vor. MdEP Nicolas Schmit bekräftigte, wie wichtig die Nennung von Gegenseitigkeitsgesellschaften in den Europäischen Verträgen und die Schaffung eines EU-Rechtsrahmens sei. Daneben betonte Schmit die Notwendigkeit sozialer Investitionen, um gesellschaftliche Ungleichheiten in Europa abzubauen. Dabei könne die Sozialwirtschaft helfend mitwirken. Als ebenso wichtig bezeichnete er Gesundheits- und Klimaschutz. Im Laufe der Podiumsdiskussion tauschten sich die AIM-Mitglieder mit Marc Angel, Vorsitzender des luxemburgischen Parlamentsausschusses für Europäische Angelegenheiten und Patrick Klein von der EU-Kommission über den Ausgang der EU-Wahlen und dessen Auswirkungen auf Gesundheit aus. Die luxemburgischen Krankenkassen, so Romain Schneider, seien in guter Weise an das Gesundheitssystem angepasst: finanzielle Stabilität, ein verbindliches System für alle Berufsgruppen und die Grundprinzipien Demokratie und Solidarität. Das neue Gesetz, im vergangenen Jahr verabschiedet und ab 1. Januar 2020 gültig, erhöhe Flexibilität wie Rechtssicherheit und bewahre das Solidaritätsprinzip. Es erleichtere die Verwaltung, die Finanzkontrolle werde ausgelagert. Kleinere Kassen unterlägen weniger Kontrolle als die zwei großen luxemburgischen Krankenkassen. Der Europaabgeordnete Schmit betonte die Bedeutung von Gegenseitigkeitsgesellschaften und Solidaritätsprinzip. Die nächsten Wochen werde die EU-Kommission ein neues Fünfjahresprogramm arbeiten, wichtig seien Fragen der Vergütung, Investitionen zur Vermeidung sozialer Ungleichheiten, die Unterstützung der Sozialwirtschaft sowie Klima- und Gesundheitsschutz. Gegenseitigkeits-gesellschaften hätten Teil der Wirtschaft zu sein und bedürften eines EU-Rahmens, so Schmit. Laut Stéphanie Soares, Vorstandsmitglied der Mutualité Française (FNMF), erwarte der EU-Bürger ein soziales Europa, auch in den Bereichen Klima und Impfschutz. Patrick Klein erläuterte nächste Schritte für die Sozialwirtschaft wie Digitalisierung und neue Geschäftsmodelle. Er fordert engere Kooperation, um auch ohne Einstimmigkeit im EU-Rat die Anerkennung von Gegenseitigkeitsgesellschaften zu erreichen. Marc Angel sieht die Möglichkeit eines sozialen Europas, dazu benötige die EU allerdings ein dediziertes Budget. Bedeutsam seien Klimathemen und Soziales. Zum Abschluss präsentierte Arne Björnberg, Health Consumer Powerhouse, ein Benchmarking des Zugangs zu den Gesundheitssystemen in der EU und zukünftige Aussichten. EU- weit seien wesentliche positive Entwicklungen zu konstatieren, im Arzneimittelbereich verzeichneten reichere Länder allerdings bessere Ergebnisse. Geld sei natürlich auch ein Grund für bessere Behandlungsergebnisse.
9 AIM Special Briefing Juni 2019
Das AIM-Präsidium hatte die Ehre, mit seiner königlichen Hoheit Henri, Großherzog von
Luxemburg, zusammenzukommen, um die Stellung von Gegenseitigkeitsgesellschaften und
deren Bedeutung für den europäischen und weltweiten Sozialschutz zu erörtern.10 AIM Special Briefing Juni 2019 Seminar Erkundung des luxemburgischen Gesundheitssystems 28. Juni – Die AIM-Mitglieder erfuhren Wissenswertes über die Finanzierung und Organisation des luxemburgischen Systems sowie die Rolle der CMCM. Daneben erhielten sie einen Einblick in Präventionsmaßnahmen in den Bereichen körperlicher Aktivität und Burnout. Zukünftige medizinische Entwicklungen und daraus entstehende Fragen waren ein weiteres Thema. Das luxemburgische Sozialversicherungssystem gilt als eines der besten und auch teuersten in der EU. Christian Oberlé, Präsident der nationalen Gesundheitskasse (CNS), gab zu, dass seine Organisation in einer bevorzugten Position ist, da die Rücklagen ein Vierfaches des jährlichen Budgets betragen. Dennoch leidet das System aufgrund neuartiger Therapieformen und der Deckung neuer paramedizinischer Behandlungen genauso unter der Kostenentwicklung. Oberlé, der auch der luxemburgischen E-Health-Agentur vorsteht, erläuterte die Entwicklung im Bereich elektronischer Patientenaktien in Luxemburg. Diese böten einen Mehrwert für Prävention, umfassendere und verlässlichere Statistiken, verbesserte Pflege durch bessere Koordination der Gesundheitsfachkräfte und integrierte Pflege. Diese Aspekte, so Oberlé, seien die Prioritäten des Systems im Ganzen. Deren Verfolgung sei nur in Zusammenarbeit mit der CMCM zu realisieren. Fabio Secci, CEO der CMCM, beschrieb die gesetzliche Versicherung seines Landes als effizient, wies allerdings auf einige Unzulänglichkeiten hin. Er begrüßte die Vereinbarungen zwischen Ärzteschaft, Minister Schneider und der CNS zur Modernisierung der so genannten ‚Nomenklatur‘ und würdigte die staatliche Unterstützung für Gegenseitigkeitsgesellschaften, die bei ihren ergänzenden Aufgaben gegenüber privaten Versicherern sonst nicht wettbewerbsfähig wären. Dank ihrer Modernisierung sei die CMCM nun in der Lage, als vollwertiger Wettbewerber aufzutreten. Dr. Charles Delagardelle, Kardiologe und Gründer der Fédération Luxembourgeoise des Associations de Sport-Santé (FLASS), sprach über die Bedeutung von Prävention, ganz besonders im Hinblick auf Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems. Der Risikofaktor Bewegungsarmut bedinge zwischen 3,2 und 5 Mio. Todesfälle pro Jahr. Er unterstrich den Nutzen körperlicher Aktivität in Primär- wie auch Sekundärprävention, dem Aktivitätsbereich der FLASS. Dr. Gilles Michaux, Psychotherapeut, referierte über Burnout-Prävention. Alarmierenden Zahlen zufolge liege die Verbreitung von Burnout unter jüngeren Menschen bei 50%, so dass Prävention von großer Bedeutung sei. Dr. Michaux erläuterte die individualisierte Therapie Protea, deren Bezeichnung auf eine afrikanische Pflanze zurückgeht, die Buschfeuer überstehen kann. Zum Abschluss des Seminars beschrieb Dr. Alain Schmit die rasante Entwicklung neuer Arzneimittel und medizinischer Revolutionen wie Digitalisierung und Biotechnologie. Künstliche Intelligenz, Big Data, Nanopartikel, Zellregeneration, … diese Entwicklungen, so Schmit, werden die uns bekannte Medizin revolutionieren und erhebliche Auswirkungen auf die Versorgung haben. Diese werde individueller und effizienter sein, aber insgesamt auch kostensteigernd wirken und die Nachhaltigkeit unserer Systeme belasten.
11 AIM Special Briefing Juni 2019
Special thanks
Die AIM dankt unserem luxemburgischen Mitglied CMCM und seinem Präsidenten Albert GLOD. Unverzichtbar bei der
Organisation unserer Tagungen war ebenso die Unterstützung von Generaldirektor Fabio SECCI und Vorstandsassistentin
Lara MARX. Herzlichen Dank.
Die AIM dankt auch den Ministern Schmitt und Schneider für ihre Teilnahme und Unterstützung der mutualistischen
Bewegung.
Kommende satzungsgemäße Versammlungen 2019
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Die AIM wird ihre Vorstandssitzungen in Brüssel vom 13. bis 15. November 2019
in Zusammenarbeit mit ihrem belgischen Mitglied UNMS/Solidaris abhalten.
Präsentationen, Video und Bilder.
www.aim-mutual.org
@AIM_Healthcare
“AIM Special Briefing” © 2019 Veröffentlichung des AIM-Sekretariats.
Editor: AIM Secretariat - Layout: Jessica Carreño Louro (InDesign) - Bilder @Alexandre Louvet
Die AIM nimmt für alle Texte dieser Veröffentlichung Urheberrechtsschutz in Anspruch. Das Wiedergeben von Ausschnitten wird gern gesehen, vorausgesetzt,
die Quelle wird genannt. Das Wiedergeben von vollständigen Artikeln erfordert die schriftliche Vorabgenehmigung des AIM-Sekretariats
AIM – Association International de la Mutualité - 50 rue d’Arlon - B - 1000 Brüssel.
Telefon : [+ 32 2] 234 57 00; Fax : [+ 32 2] 234 57 08; e-mail : aim.secretariat@aim-mutual.orgSie können auch lesen