Deutschland wieder zur Apotheke der Welt machen - GemeinsamWirtschaftStärken Ergebnisse einer Unternehmensbefragung - DIHK
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Deutschland wieder zur Apotheke der Welt machen Ergebnisse einer Unternehmensbefragung GemeinsamWirtschaftStärken Unternehmensbefragung des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) und des Verbands der forschenden Arzneimittelhersteller (vfa)
2 | D E U T S C H L A N D W I E D E R Z U R A P O T H E K E D E R W E L T M A C H E N | E R G E B N I S S E E I N E R U N T E R N E H M E N S B E F R A G U N G | 2 0 21 D E U T S C H L A N D W I E D E R Z U R A P O T H E K E D E R W E L T M A C H E N | E R G E B N I S S E E I N E R U N T E R N E H M E N S B E F R A G U N G | 2 0 21 | 3
Impressum Einführung
Die Corona-Krise hat die Bedeutung einer innovativen und Mit einem Umsatz von knapp 53 Milliarden Euro und rund
leistungsfähigen Pharmabranche für die Gesundheitsversor- 120.000 Beschäftigten in Deutschland im Jahr 20191 sowie
gung eindrucksvoll vor Augen geführt. Von der Virusanalyse hohen Ausgaben für Forschung und Entwicklung ist die
bis zur Impfstoffzulassung dauerte es bis dato in der Regel pharmazeutische Industrie ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.
15 bis 20 Jahre. Bei Covid-19 wurde die Entwicklungs- Allerdings droht Deutschland in zentralen Bereichen den
spanne aufgrund von neuen Technologien, Vorerfahrungen Anschluss an die Spitze zu verlieren: Andere Länder bieten
mit ähnlichen Viren, einer hohen Kooperationsbereitschaft zunehmend bessere Rahmenbedingungen, beispielsweise
vieler Akteure, politischer Unterstützung sowie behördlicher in der klinischen Forschung, dem Zugang zu Daten und der
Priorisierungen bei Genehmigungs- und Zulassungsverfahren Produktion von Biopharmazeutika. Für die Entwicklung des
maßgeblich reduziert. In weniger als zwölf Monaten wurden Standorts Deutschland ist es daher wichtig, dass für die
mehrere wirksame und sichere Impfstoffe entwickelt. Die Unternehmen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die
forschenden Pharmaunternehmen haben es – nicht zuletzt es ihnen ermöglichen, ihr volles Potenzial auszuschöpfen
wegen der zahlreichen Kooperationen – geschafft, dass es in und zukünftig einen größeren Beitrag zur Wertschöpfung in
diesem Jahr bereits Produktionskapazitäten von zehn Milli- Deutschland zu leisten. Wie müssen diese Rahmenbedingun-
arden Covid-19-Impfdosen gibt. Im nächsten Jahr werden es gen aussehen? Wie schätzen die Unternehmen der Branche
weltweite Kapazitäten von voraussichtlich 20 Milliarden Do- die Wettbewerbsfähigkeit bei den jeweiligen Standortfak-
sen sein. Dabei nimmt der Standort Deutschland sowohl bei toren aktuell ein? Welche Maßnahmen haben die Betriebe
der Entwicklung als auch der Produktion eine besondere Rolle aufgrund der Erfahrungen aus der Corona-Krise ergriffen
ein. Auch die Generikaunternehmen haben beispielsweise mit oder in Planung?
einer zügigen Umstellung von Produktionskapazitäten und
Bevorratungen einen wesentlichen Beitrag zu einer leistungs-
Herausgeber und Copyright fähigen Arzneimittelversorgung in der Pandemie geleistet
DIHK | Deutscher Industrie- und Handelskammertag e.V. – trotz enormen Drucks auf die weltweiten Lieferketten
Postanschrift: 11052 Berlin | Hausanschrift: Breite Straße 29 | Berlin-Mitte und teilweise deutlich höherer Nachfrage nach bestimmten
Telefon: 030 20308-0 | Telefax: 030 20308-1000 Generika.
E-Mail: info@dihk.de | www.dihk.de
Verband Forschender Arzneimittelhersteller e.V.
Hausvogteiplatz 13 | 10117 Berlin Zentrale Ergebnisse
Telefon: +49 30 20604-0 | Fax: +49 30 20604-222
E-Mail: info@vfa.de | www.vfa.de Um Deutschland wieder auf den Weg zur modernsten Apo- Auf der anderen Seite verdeutlicht die Umfrage aber auch,
theke der Welt zu bringen, benötigt die Branche die nachhal- dass der Standort Deutschland für die Betriebe einige Stärken
Redaktion tige Unterstützung der Politik, die in der nächsten Legislatur- wie das Angebot an gut ausgebildetem Personal aufweist. So
Dr. Philipp Wien, Leiter des Referats Gesundheitswirtschaft, DIHK periode weitere Schritte zur Stärkung dieser Zukunftsbranche zeigt eine weitere DIHK-Umfrage2 sogar, dass die Sorge um
Jan Carels, Geschäftsführer Gesundheitspolitik, vfa unternehmen sollte. So zeigt die Umfrage, dass es an qualifiziertes Personal in der Pharmabranche immer mehr
einigen Stellen großen Verbesserungsbedarf gibt und sich in den Hintergrund rückt und deutlich weniger ausgeprägt
Haftungsausschluss die Betriebe hier politische Weichenstellungen erhoffen. Die ist als in der Gesamtwirtschaft. Durch das dichte Netz von
Die Daten, Informationen und Berechnungen dieser Umfrageauswertung wurden Pharmabranche treibt insbesondere die noch nicht hin- starken Universitäten bzw. Fachhochschulen und außeruni-
mit größter Sorgfalt erstellt. Dennoch sind alle Angaben ohne Gewähr. reichende Digitalisierung, eine als belastend empfundene versitären Forschungsorganisationen profitiert nicht nur die
Bürokratie und die Diskussionen um den Patentschutz um. Fachkräftesituation, sondern auch die Forschungsinfrastruk-
Unerlaubte Vervielfältigung und Copyright Neben der Zusicherung von Patentschutzrechten ist es für tur für die Unternehmen. Lichtblicke sind auch das Unter-
Die Vervielfältigung der Umfrageauswertung (ganz oder in Auszügen) ist nur mit die Betriebe daher besonders wichtig, dass digitale Lösungen nehmensnetzwerk und die vernetzte Kooperationslandschaft
ausdrücklicher Genehmigung der Herausgeber erlaubt. Die Veröffentlichung von in der klinischen Forschung ermöglicht, bundesweit einheit- zwischen Unternehmen und akademischen Einrichtungen.
Ergebnissen mit der Quellenangabe „DIHK/vfa-Umfrage, 2021“ ist zulässig. liche Datenschutzregelungen auf den Weg gebracht und ein
gesetzlich geregelter und datenschutzkonformer Zugang zu
info@dihk.de Gesundheitsdaten geschaffen werden. Um den Forschungs-
www.dihk.de und Produktionsstandort zu stärken, ist es für viele Unter-
nehmen zudem erforderlich, dass die Dauer und Komplexität
Grafik von Planungs- und Genehmigungsverfahren zum Beispiel
Friedemann Encke, DIHK beim Produktionsaufbau oder der Durchführung klinischer
Studien reduziert werden.
Bildnachweis
www.gettyimages.com
Stand 1
Die pharmazeutische Industrie in Deutschland, Branchenportrait, 5. Auflage, 2020
August 2021 2
https://www.dihk.de/de/themen-und-positionen/wirtschaftspolitik/gesundheitswirtschaft/aufholprozess-der-gesundheitswirtschaft-dauert-an-538304 | D E U T S C H L A N D W I E D E R Z U R A P O T H E K E D E R W E L T M A C H E N | E R G E B N I S S E E I N E R U N T E R N E H M E N S B E F R A G U N G | 2 0 21 D E U T S C H L A N D W I E D E R Z U R A P O T H E K E D E R W E L T M A C H E N | E R G E B N I S S E E I N E R U N T E R N E H M E N S B E F R A G U N G | 2 0 21 | 5
Ergebnisse im Detail Weitere Baustelle: digitale Infrastruktur Zu einer leistungsfähigen digitalen Infrastruktur gehört
zudem die digitale Vernetzung der wesentlichen Akteure ins-
Größtes Hemmnis: Verwaltungsprozesse und Um den Standort im internationalen Wettbewerb zu stärken, Für die Zukunftsfähigkeit der deutschen pharmazeutischen besondere über die Telematikinfrastruktur, so dass beispiels-
Bürokratie sind auch bundeseinheitliche Datenschutzregelungen not- Industrie ist eine leistungsfähige digitale Infrastruktur eine weise der digitale Datenaustausch im Rahmen der klinischen
wendig. Für 50 Prozent der in der Forschung tätigen Betriebe wichtige Grundvoraussetzung. Die Verfügbarkeit digitaler Forschung erleichtert wird. Für 46 Prozent der Betriebe
Bei der Bewertung der acht Standortfaktoren im internatio- sind einheitliche Verfahren und Vorgaben in der klinischen Infrastruktur wird aber nur als knapp ausreichend (4,1) ist es daher äußerst wichtig, dass die Vernetzung weiter
nalen Vergleich3 landen „Verwaltungsprozesse und Bürokra- Forschung etwa beim Datenschutz auch äußerst wichtig. bewertet. Gerade der ländliche Raum ist unzureichend mit vorangebracht wird. Ein weiteres großes Problem neben der
tie“ auf dem letzten Platz, sie sind das größte Hemmnis: Die Schließlich sind länderübergreifende Studien aufgrund unter- breitbandigen Internetanschlüssen versorgt. Entscheidungs- fehlenden Vernetzung ist die mangelhafte Interoperabilität
Unternehmen beurteilen diesen Standortfaktor als mangel- schiedlicher Vorgaben sehr aufwändig und bürokratisch. Die träger auf Bund-, Landes- und Kommunalebene sollten der genutzten technischen Systeme. Selbst wenn die ein-
haft (4,7 als Durchschnittsnote4). Der Umfang an Regelungen Vielzahl an Ethik-Kommissionen sowie Datenschutzbehörden gemeinsam mit den Netzbetreibern Möglichkeiten für einen heitliche Vernetzung über die Telematikinfrastruktur erfolgt
und ihre Unübersichtlichkeit engen den Handlungsspielraum erschwert die Arbeit vieler Betriebe zusätzlich. Zudem ist der gesamtheitlichen Netzausbau ausloten, um kostengünstig ist, werden regelmäßig unterschiedliche technische Systeme
von Unternehmen für ihre Geschäftstätigkeit stark ein. große Dokumentationsaufwand in der Forschung insbesonde- und in einem angemessenen Zeitraum eine bedarfsgerechte verwendet. Der dringend benötigte digitale Datenaustausch
re für kleine und mittlere Betriebe sehr belastend. Versorgung bis in die Gebäude hinein sicherzustellen. ist so nur selten oder nur in eingeschränkter Form möglich,
Insbesondere für kleine und mittlere Betriebe mit weniger was beispielsweise auch die Studiendurchführung über
als 250 Mitarbeitenden nimmt der Abbau von bürokratischen Das folgende Beispiel veranschaulicht negative Auswirkungen verschiedene Studienstandorte hinweg erschwert.
Anforderungen im Innovationsprozess daher insgesamt eine langwieriger und bürokratischer Prozesse auf den Stand-
wichtige Rolle ein: 67 Prozent der Betriebe halten dies für ort Deutschland: Deutschland fiel in den letzten Jahren als
äußerst wichtig. Für 43 Prozent der größeren Betriebe mit Forschungsstandort für klinische Studien von weltweit Platz
mindestens 250 Beschäftigten ist das ebenfalls besonders zwei auf fünf zurück – nun hinter die USA, China, Großbri- Wie bewerten Sie mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit des Pharma-/Biotech-
wichtig. Einen Beitrag für den Bürokratieabbau kann bei- tannien und Spanien. Dabei finden im besonders innovativen standorts Deutschland die folgenden Standortfaktoren im internationalen Vergleich?
spielsweise die geplante EU-HTA Verordnung5, die eine euro- Feld der Gentherapien aktuell nur 4,4 Prozent der klinischen
100%
päische Nutzenbewertung bestimmter Arzneimittel vorsieht, Studien in Deutschland statt. Der Weg bis zum Studienstart 3
2
5
2
2
2 5
2
5
9
3 2
3
leisten. Eine Entlastung der Hersteller wird allerdings nur ist im internationalen Vergleich äußerst lang, was ein großer 90% 5 11 9
9
7 16 22
gelingen, wenn Doppelstrukturen bei der Nutzenbewertung Standortnachteil für Deutschland ist: Denn wo an einem 80%
17
16 14
17
vermieden werden. Weitere nationale Nutzenbewertungen Arzneimittel intensiv und zügig geforscht wird, wird in der 18 20
70% 24
wären für Unternehmen mit einem erheblichen Mehraufwand Regel auch produziert und das Medikament in der Versorgung 16
60% 26 24
konfrontiert, der unabhängig von der Unternehmensgröße eingesetzt. Um somit das Potenzial der Grundlagenforschung 26
45
schwer kompensierbar wäre. wieder stärker zu nutzen, müssen Forscherinnen und Forscher 50% 30 30
aus den öffentlichen und privaten Strukturen besser zusam- 40%
26
36
Auch lange Bearbeitungszeiten bis zur Genehmigung einer menwirken können. Es bedarf somit einer Trendumkehr bei 17
30%
klinischen Studie machen vielen Betrieben zu schaffen den oben genannten Aspekten zu einheitlichen Strukturen, 41 41
25 17 16
und schwächen den Forschungsstandort. So ist es für 56 optimierten Prozessen und gleichen Bewertungsmaßstäben. 20% 27
19
Prozent der Betriebe besonders wichtig, dass die Dauer und 10% 17
9 10
Komplexität von Planungs- und Genehmigungsverfahren Ein weiterer Aspekt: Die Rahmenbedingungen für Unterneh- 7 7 11 7 3 2
3 5 5
0%
insgesamt reduziert wird. Zum Beispiel existieren seit 2019 men sollten so gestaltet sein, dass der Aufbau einer standort-
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Musterklauseln für die Vertragsgestaltung für klinische nahen Produktion von Arzneimitteln wie Biopharmazeutika
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Studien, wodurch Rahmenverträge nicht weiterhin einzeln möglichst unbürokratisch und zügig möglich ist. Um beispiels-
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mit jedem Studienzentrum ausgehandelt werden müssen. weise Doppel- und Mehrfachprüfungen für Industrieansied-
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Diese verbindlichen Musterverträge sollten verstärkte An- lungen und -Erweiterungen zu vermeiden, sollte ein Verfahren n = 58 Antworten | * nur forschende Unternehmen (44 Antworten) 1 ("klarer Wettbewerbsvorteil") 2 3 4 5 6 ("nicht wettbewerbsfähig") weiss nicht
wendung finden. Das entlastet Unternehmen von Bürokratie eingeführt werden, in dem das Bauleitplanverfahren und die Sortierung von links nach rechts absteigend nach der Durchschnittsnote von 1 bis 6
und reduziert den Zeitaufwand. Auch der Flickenteppich bei bau- oder immissionsschutzrechtliche Zulassungsentschei-
der Überwachung arzneimittelrechtlicher Vorschriften sollte dung zusammengefasst werden können. Für eine Verfahrens- Abbildung 1
überwunden werden, um Unternehmen zu entlasten. Allein beschleunigung und -Vereinfachung sollte die Erteilung der
auf Landesebene finden sich 19 Ministerien und Senate, die Genehmigungen zudem aus einer Hand durch so genannte
zur Überwachung der Arzneimittel zuständig sind, bundes- „one-stop-shops“ erfolgen, etwa durch einen einheitlichen
weit sogar 43 entsprechende Behörden. behördlichen Ansprechpartner. Für die Planungs- und Rechts-
sicherheit sollten auch eindeutige und bundeseinheitliche
Vorgaben, Fristen- und Bagatellregelungen, insbesondere im
Natur- und Gewässerschutz, geschaffen werden.
3
Forschungsinfrastruktur, Vernetzung von Forschung / Hochschulen mit Unternehmen, Verfügbarkeit von digitaler Infrastruktur, Verwaltungsprozess und
Bürokratie, Verfügbarkeit von Fachkräften, Förderinstrumente und Finanzierungsmöglichkeiten, Erstattungsregeln von Arzneimittel im nationalen Markt,
Verfügbarkeit von Zulieferunternehmen / Dienstleistern vor Ort.
4
Vgl. hierzu Abbildung 1 mit den Antwortmöglichkeiten 1 („klarer Wettbewerbsvorteil“) bis 6 („nicht wettbewerbsfähig“) für die acht Standortfaktoren.
5
EU-Verordnung über die Bewertung von Gesundheitstechnologien (Health Technology Assessment – HTA).6 | D E U T S C H L A N D W I E D E R Z U R A P O T H E K E D E R W E L T M A C H E N | E R G E B N I S S E E I N E R U N T E R N E H M E N S B E F R A G U N G | 2 0 21 D E U T S C H L A N D W I E D E R Z U R A P O T H E K E D E R W E L T M A C H E N | E R G E B N I S S E E I N E R U N T E R N E H M E N S B E F R A G U N G | 2 0 21 | 7
Wichtige Faktoren: Erstattungsregeln sowie För- Deutschland noch nicht auf dem gleichen Level-Playing-Field
Wie wichtig sind für Sie folgende Maßnahmen, um die derinstrumente und Finanzierungsmöglichkeiten wie die USA, Großbritannien oder Israel. Gerade für kleine
Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit des Pharma-/ und mittlere Betriebe unter 250 Mitarbeitern ist der Ausbau
Biotech-Standorts Deutschland zu verbessern? Die Standortfaktoren sowie Erstattungsregeln von Arzneimit- von Wagnis- und Beteiligungsfinanzierungen daher äußerst
teln in Deutschland (3,6) sowie Förderinstrumente und Finan- wichtig (37 Prozent). Ein Viertel der größeren Betriebe mit
0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100%
zierungsmöglichkeiten (3,5) werden etwas besser bewertet. mindestens 250 Beschäftigten räumen dem Ausbau aber
Digitalisierung in der klinischen Forschung vor-
Allerdings zeigen die Bewertungen auch, dass Handlungsbe- ebenfalls eine besonders hohe Priorität ein. Auch eine enge
57 25 7 7 5 anbringen, um etwa Ansätze wie das remote darf besteht, um international nicht den Anschluss zu verlie- Beteiligung der Branche an der neuen Agentur für Sprungin-
Monitoring umfassender nutzen zu können*
ren. Schließlich nimmt auch für 59 Prozent der Unternehmen novationen bietet eine Möglichkeit, den Innovationsstandort
die Weiterentwicklung der Erstattungsbedingungen ihrer zu stärken. Die Umsetzung sollte dabei auch KMU-freundlich
Langfristige Zusicherung
57 23 9 2 2 7
bestehender Patentschutzrechte* Produkte in Deutschland eine wichtige oder sogar äußerst ausgestaltet werden.
wichtige Rolle ein. Dazu gehört etwa die verstärkte Nutzung
von Vergütungsmodellen, die an den individuellen Therapie-
Dauer und Komplexität von Planungs-
56 30 7 5 2
und Genehmigungsverfahren reduzieren erfolg gekoppelt sind (sog. „Pay-for-Performance-Modelle“). Chancen der Digitalisierung umfassender nutzen
Diese Vertragsmodelle können zudem einen effizienten
Datenzugang verbessern, etwa zu Einsatz von Ressourcen sicherstellen. Ausgaben für Arznei- Unternehmen sollten die Chancen der Digitalisierung um-
56 28 5 4 4 4 anonymisierten Versorgungsdaten, um z.B. mittel, die nicht zu einem individuellen Therapieerfolg führen, fassender nutzen können, um Innovationen entwickeln zu
Big-Data-Analysen zu ermöglichen
können vermieden oder zumindest begrenzt werden. Im können und dabei auch Wertschöpfung in Deutschland zu
Bürokratische Anforderungen im Innovations- Freitext haben zudem einige Unternehmen angegeben, dass generieren. So ist es für mehr als die Hälfte der forschenden
53 37 4 22 4 prozess abbauen, etwa in der Studiendurch-
führung und im Nutzenbewertungsverfahren
mehr Anreize für die Weiterentwicklung von Wirkstoffen not- Betriebe (57 Prozent) besonders wichtig, dass die Digitalisie-
wendig sind, die dann zum Beispiel ein breiteres Wirkspekt- rung in der klinischen Forschung vorangebracht wird. Viele
Einheitliche Vorgaben und Verfahren für rum oder geringere Nebenwirkungen aufweisen. Wichtig ist Unternehmen wünschen sich einen gesetzlich geregelten und
50 32 7 5 2 5 schnellere klinische Forschung
sicherstellen, etwa beim Datenschutz* auch, dass Erstattungsregeln eine leistungsfähige Versorgung datenschutzkonformen Zugang zu Gesundheitsdaten. Für
mit Arzneimitteln sicherstellen sowie deren standortnahe mehr als die Hälfte der forschenden Betriebe nimmt das eine
Digitale Vernetzung der Akteure im Produktion nicht weiter schwächen. So hat Deutschland als besonders hohe Priorität ein (56 Prozent). Gesundheitsdaten
46 37 11 4 22
Gesundheitswesen voranbringen Produktionsstandort von hochkomplexen Biopharmazeutika sollten für die Entwicklung von verbesserten Therapien- und
– biotechnologisch hergestellte Wirkstoffe – den Spitzenplatz Diagnoseformen umfassender genutzt werden können als
Ausbau der steuerlichen in Europa inne. Weltweit werden nur in den USA noch mehr bislang. So bleibt das Potenzial der privaten Forschung bei-
32 39 20 2 22 2
Forschungsförderung* Biopharmazeutika hergestellt. Allerdings droht der Pharma- spielsweise dadurch ungenutzt, dass bislang keine Antragsbe-
standort Deutschland in Bezug auf die biopharmazeutischen rechtigung beim geplanten Forschungsdatenzentrum vorliegt.
32 28 21 7 22 9 Ausbau von Wagniskapital- bzw. Produktionskapazitäten den Anschluss zu verlieren. So steht Außerdem sollten digitale Lösungsansätze während der Krise
Beteiligungsfinanzierungen beispielsweise in Südkorea mittlerweile mehr Produktionska- auch nach der Pandemie für Unternehmen umfassend nutz-
pazität zur Verfügung als hierzulande. Wichtig ist daher, dass bar sein: Remote Monitoring ermöglicht es zum Beispiel, dass
30 32 26 9 4 Attraktivität des Standorts Deutschland für Erstattungsregeln auch die Auswirkungen auf den Produkti- relevante Daten mittels Fernüberwachungssystem eingesehen
die Fachkräftezuwanderung verbessern
onsstandort Deutschland berücksichtigen. werden können. Im Vergleich zu den USA wird Remote Mo-
nitoring in Deutschland bisher nur selten akzeptiert. Mit den
23 33 32 7 2 4 Netzwerk und Zusammenarbeit zwischen eta- Privatwirtschaftliche Investitionen für mehr Forschungs- bereits zur Verfügung stehenden technischen Möglichkeiten
blierten Unternehmen und Startups ausbauen
projekte und Produktionsanlagen in Deutschland machen und der Digitalisierung von Daten und Dokumenten könnten
international konkurrenzfähige Rahmenbedingungen bei persönliche Kontakte in Prüfzentren wie Krankenhäusern
19 40 23 7 11 Erstattungsmodelle weiterentwickeln und Finanzierungsfragen nötig. Zwei Bausteine hierfür sind die jedoch reduziert werden. Wie auch bei Vor-Ort-Besuchen
z.B. auch „Pay-for-Performance“voranbringen
steuerliche Forschungsförderung, die dabei hilft, neue For- gilt es dabei den Datenschutz- und die Datensicherheit zu
schungsprojekte und Produktionsanlagen nach Deutschland gewährleisten. Insgesamt können dadurch klinische Studien –
n = 57 Antworten | * nur forschende Unternehmen (44 Antworten) 1 ("äußerst wichtig") 2 3 4 5 6 ("überhaupt nicht wichtig") weiss nicht zu holen und das Wagniskapital, das wesentlich bei der Un- ohne Beeinträchtigung der Qualität und Sicherheit – kos-
Sortierung von oben nach unten nach den meisten Nennungen für 1 („äußerst wichtig“)“
ternehmensgründung im Innovationsbereich hilft. 32 Prozent teneffizienter durchgeführt werden als bislang. Wie bereits
der Betriebe räumen dem weiteren Ausbau der steuerlichen ausgeführt, ist eine leistungsfähige und vernetze digitale
Abbildung 2 Forschungsförderung eine besonders hohe Priorität ein. Die Infrastruktur jedoch eine Grundvoraussetzung, um die Poten-
aktuell gesetzliche Regelung ist aus Sicht vieler Unternehmen ziale der Digitalisierung überhaupt ausschöpfen zu können.
im internationalen Vergleich nicht ausreichend. Insbesonde-
re sollte das Fördervolumen pro Unternehmen angehoben
werden, um die Innovationskraft zu stärken. Essenziell: Patentschutzrechte
Zwar hat der Staat einige Maßnahmen angestoßen, um den Der Patentschutz ist ein zentraler Innovationstreiber in
Zugang zum Wagnis- und Beteiligungskapitalmarkt zu er- forschungsintensiven Branchen. Für Unternehmen nimmt
leichtern. Dazu gehören beispielsweise die erleichterten Kon- eine langfristige Zusicherung der Patentschutzrechte daher
ditionen des Verlustvortrags sowie das neue KfW-Programm eine zentrale Bedeutung ein. Für 80 Prozent dieser Un-
Venture Tech Growth Financing, das technologieorientierten, ternehmen ist dies wichtig oder sogar äußerst wichtig, um
schnell wachsenden Unternehmen Kredite zur Finanzierung hohe Forschungs- und Entwicklungskosten für Innovationen
des weiteren Wachstums bietet. Allerdings bewegt sich amortisieren zu können. In dieser Krise ist der Patentschutz8 | D E U T S C H L A N D W I E D E R Z U R A P O T H E K E D E R W E L T M A C H E N | E R G E B N I S S E E I N E R U N T E R N E H M E N S B E F R A G U N G | 2 0 21 D E U T S C H L A N D W I E D E R Z U R A P O T H E K E D E R W E L T M A C H E N | E R G E B N I S S E E I N E R U N T E R N E H M E N S B E F R A G U N G | 2 0 21 | 9
eine essenzielle Voraussetzung für die zügige Entwicklung Lehren aus der Krise: Handelshemmnisse
von Impfstoffen gewesen. Es ist dabei wichtig, dass Impf- abbauen und Protektionismus zurückdrängen Mit Blick auf die Zeit nach Corona: Welche Maßnahmen haben Sie bereits ergriffen
dosen gegen Covid-19 in großen Mengen und zu möglichst oder planen Sie aufgrund der Erfahrungen aus der Corona-Krise? (Mehrfachantworten möglich)
geringen Kosten an Entwicklungsländer abgegeben werden. Die Unternehmen haben ihrerseits die Zeichen der Zeit
100%
Impfstoffhersteller haben bereits durch Kooperationen mit erkannt und die ihnen möglichen Weichenstellungen vor-
Auftragsproduzenten und Lizenzvergaben an weitere Unter- genommen: 84 Prozent haben die Digitalisierung im Unter- 90%
nehmen weltweit dafür gesorgt, dass die Produktionsmengen nehmen weiter gesteigert und 52 Prozent der Betriebe haben 80% 84%
insbesondere für das Jahr 2022 massiv ausgeweitet werden. angegeben, dass sie neue Produkte oder Verfahren entwickeln
70%
Nach heutigem Planungsstand können dann mehr Impfstoff- oder dies planen (51 Prozent). Auch der Sorge um die Zuver-
dosen produziert werden als die Weltbevölkerung benö- lässigkeit der Lieferketten tragen die von den Unternehmen 60%
tigt. Allerdings bleibt der komplexe Ausbau der gesamten eingeleiteten Maßnahmen Rechnung, indem 35 Prozent 50% 52%
Wertschöpfungskette die zentrale Herausforderung. Hieran diese angepasst haben. Doch auch die Politik ist gefragt. Seit 40%
würde eine Patentfreigabe nichts ändern. Außerdem wäre die Jahren zeigt sich ein negativer Trend zu mehr Protektionis-
30% 34%
Aussetzung des Patentschutzes für Impfstoffe – wie teilweise mus verschiedener Märkte und fehlenden Handelsabkommen.
gefordert – ein falsches Signal für zukünftige Pandemien, Daher muss es gelingen, Handelshemmnisse abzubauen und 20%
weil Unternehmen dann weniger Geld in die Hand nehmen protektionistische Bestrebungen zurückzudrängen. Gerade 10% 5% 4%
würden, da sie eine nochmalige Patentfreigabe erwarten. für den Produktionsausbau von Impfstoffen gegen Covid-19 7% 7%
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ist die Sicherstellung eines freien Handels essenziell. Dadurch
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schnell den Verhandlungen zur vom DIHK vorangetriebe-
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Auch wenn mit der Forschungsinfrastruktur und der Ver- nen WTO-Gesundheitsinitiative beitreten und diese zur 12.
netzung von Forschung mit Unternehmen die Betriebe WTO-Ministerkonferenz abschließen. Im Zentrum sollte die Abbildung 3
insgesamt zufrieden sind (jeweils 3,0), gibt es hierbei auch Abschaffung von Handelshemmnissen stehen. Die Verein-
noch Verbesserungsbedarf, der in Zusammenhang mit den barungen sollten explizit auch für die Zeit nach der Phase
bereits genannten Problemen bei Verwaltungsprozessen und der Corona-Pandemie gelten, damit der weltweite grenz-
Bürokratie sowie der digitalen Infrastruktur zu sehen ist. Die überschreitende Handel bei zukünftigen Gesundheitskrisen
ausgeführten Hemmnisse von langen, bürokratischen Ver- sichergestellt wird. Zudem müssen Arzneimittelbehörden in Methodik
fahren sowie einer unzureichenden digitalen und vernetzten Deutschland und Europa stets in der Lage sein, die Qualitäts-
Infrastruktur sollten behoben werden, um Verfahrenswege standards effektiv und bestmöglich zu überwachen. Einzelne Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag stellte die ortfaktoren im internationalen Vergleich?“ (Abbildung 1) wird
effektiver zu machen und somit eine Zusammenarbeit in der Unternehmen haben zudem angegeben, dass sie die Rückver- Online-Umfrage den 79 Industrie- und Handelskammern der Mittelwert der Antwortmöglichkeiten7 für die Standort-
Praxis zu erleichtern. lagerung von zuvor ausgelagerten Wertschöpfungsaktivitäten (IHKs) zur Verfügung, die daraufhin einen Internet-Link mit faktoren ermittelt. Insgesamt haben 58 Unternehmen den
nach Deutschland bzw. in die EU planen. Die Branche braucht der Online-Befragung über ihr Netzwerk an pharmazeutische Fragebogen vollständig oder teilweise ausgefüllt. 44 Unter-
aber bei allem auch die nachhaltige Unterstützung der Politik, Unternehmen der Region versenden konnten. Zudem hat der nehmen haben angegeben, dass sie in der Forschung tätig
Standortvorteil: Fachkräftesituation und die in der nächsten Legislaturperiode weitere Schritte zur Verband forschender Arzneimittelhersteller (vfa) die Umfrage sind. Mehrfachteilnahmen sind dabei nicht auszuschließen.
Unternehmensvernetzung Stärkung dieser Zukunftsbranche unternehmen sollte. an seine Mitglieder versendet. Für die Auswertung der Frage Die Umfrage fand im Mai und Juni 2021 statt. 50 % der teil-
„Wie bewerten Sie mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit des nehmenden Unternehmen haben maximal 249 Mitarbeiter. 35
Zufriedener sind die Teilnehmer der Umfrage mit der Pharma-/Biotechstandorts Deutschland die folgenden Stand- % der Betriebe haben mehr als 500 Beschäftigte.
Fachkräftesituation (2,7). So zeigt auch der DIHK-Gesund-
heitsreport Frühsommer 2021, dass die Sorge um qualifi-
ziertes Personal in der Pharmabranche immer mehr in den
Hintergrund rückt und deutlich weniger ausgeprägt ist als
in der Gesamtwirtschaft.6 Viele Betriebe wünschen sich zwar
trotzdem, dass die Attraktivität des Standorts Deutschland
für die Fachkräftezuwanderung verbessert wird. Im Vergleich
zu anderen möglichen Maßnahmen ist dies für die Betriebe
jedoch weniger wichtig. Auch mit der Verfügbarkeit von
Zulieferunternehmen und Dienstleistern vor Ort, die sich zu-
sammen mit den Produzenten in das Unternehmensnetzwerk
einfügen, sind die Betriebe relativ zufrieden (2,7).
6
https://www.dihk.de/de/themen-und-positionen/wirtschaftspolitik/gesundheitswirtschaft/aufholprozess-der-gesundheitswirtschaft-dauert-an-53830 7
1 („klarer Wettbewerbsvorteil“) bis 6 („nicht wettbewerbsfähig“)W I E W I R D D E U T S C H L A N D W I E D E R Z U R A P O T H E K E D E R W E L T ? E R G E B N I S S E E I N E R U N T E R N E H M E N S B E F R A G U N G | 2 0 21
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