Themenpaket 1: Das Postdampfschiff *RIGI* - Verkehrshaus ...

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Themenpaket 1: Das Postdampfschiff *RIGI* - Verkehrshaus ...
Themenpaket 1:
Das Postdampfschiff *RIGI*

  Stationen im Verkehrshaus

Das DS Rigi mit hochgeklappten Achereggbrücke, um 1880, in: Archiv J. Gwerder

      Aufgabe                         Thema                      Kompetenz        Zeit
 1 Die Dampfmaschine: ein             Industrialisierung                          25’
   Blick ins Innere der RIGI

 2 Die Geschichte von                 Warenverkehr über                           15’
   Barbara Rezzonico                  den Gotthard

 3 Konkurrenzkampf auf                Sonderbundskrieg                            25’
   dem Vierwaldstättersee             Bundesverfassung

 4 Captain                            Berufsbilder im                             25’
                                      Wandel der Zeit

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Spezifische Lernzielbezüge für dieses Themenpaket

Räume, Zeiten, Gesellschaften

7.1 Die Schülerinnen und Schüler können sich an ausserschulischen geschichtlichen
Bildungsorten zurechtfinden und sie zum Lernen nutzen.
Die Schülerinnen und Schüler…
können Mitschülerinnen/Mitschüler durch einen Teil eines Museums oder eines historischen Schauplatzes
führen und dabei ausgewählte Gegenstände bzw. Orte erklären.

6. 2 Die Schülerinnen und Schüler können Kontinuitäten und Umbrüche im 19. Jahrhundert
charakterisieren.
Die Schülerinnen und Schüler…
können zu einem Aspekt der Industrialisierung verschiedene Informationen finden und miteinander
vergleichen (z.B. ein Bild, eine Textquelle, ein Erlebnisbericht zur Dampfmaschine). Industrialisierung, Soziale
Frage, Kinderarbeit

5.3 Die Schülerinnen und Schüler können das Alltagsleben von Menschen in der Schweiz in
verschiedenen Jahrhunderten vergleichen.
Die Schülerinnen und Schüler…
können eine Quelle oder eine Darstellung zum Alltag eines Menschen in der Schweiz in einer Bibliothek
oder einem Archiv finden, lesen und analysieren (z.B. zu Familie, Gesundheit, Mobilität).
können einzelne Aspekte des Alltagslebens aus verschiedenen Zeiten vergleichen und Ursachen von
Veränderungen benennen (z.B. Wohnen, Ernährung, Freizeit). Alltagsgeschichte

5.1 Die Schülerinnen und Schüler können Entstehung und Entwicklung der Schweiz erklären.
Die Schülerinnen und Schüler…
können wichtige Ereignisse aus Entstehung und Entwicklung der Eidgenossenschaften kurz erklären und
berühmten Bildern zuordnen. Ursprungsmythen, Eidgenossenschaften, Gegensatz Stadtorte-Landorte, Konfessionelle
Spaltung
können Entstehung und Entwicklung der Schweiz als Bundesstaat schildern und in einen
europäischen Zusammenhang stellen. Helvetik, Bundesstaat, Nation

5.2 Die Schülerinnen und Schüler können aufzeigen, wie Menschen in der Schweiz durch
wirtschaftliche Veränderungen geprägt werden und wie sie die Veränderungen gestalten.
Die Schülerinnen und Schüler…
können die Veränderung eines Berufs im Laufe der Zeit darstellen (z.B. mit Bild-, Textquellen). Technischer
Fortschritt

7.3 Die Schülerinnen und Schüler können aus Gesprächen mit Zeitzeugen Erkenntnisse über
die Vergangenheit gewinnen

Die Schülerinnen und Schüler…
können zu einem geschichtlichen Ereignis oder Phänomen ein Zeitzeugeninterview durchführen und
dokumentieren. Zeitzeugen-Interview
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1. Die Dampfmaschine: Ein Blick ins Innere der RIGI

Im Erdgeschoss der SST Halle findet du den Antrieb des Dampfschiffs Rigi:
eine oszillierende Dampfmaschine. Beobachte die Bewegungen im Video!

In der Nähe findest du die Maschinenanlage des Dampfschiffs Pilatus, welches
etwas später als die Rigi (1895) in Betrieb kam. Dort siehst du, wie Heizer und
Maschinist ihre Arbeit im Inneren des Schiffsbauchs verrichten.

             Bildet 2-er Teams! Stellt euch vor, ihr seid Heizer/in und
             Maschinist/in auf einem Dampfschiff:

      Erklärt Euch gegenseitig eure Tätigkeiten!
Der Heizer sorgt dafür, dass genügend Kohle in den Brennraum geschaufelt wird.
Der Maschinist ist für die Steuerung der Dampfmaschine verantwortlich und
überwacht den Schub. Er kommuniziert mit dem Kapitän.

Wie fühlt es sich an, im Bauch eines Dampfschiffs zu arbeiten?
         Notiert 3 Adjektive!
Individuelle Antworten z.B. anstrengend, laut, heiss

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Geht in den hinteren Teil der Schienenhalle, wo ihr einen Dialog zwischen einem
Lokführer und einem Heizer einer Dampflok hören könnt.

              Übt nun einen Dialog zwischen dem Heizer und Maschinist auf einem
              Dampfschiff. Ihr werdet ihn später in der Klasse präsentieren!

Bonus: Arbeitet Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen der Arbeit auf einem
Dampfschiff und der Tätigkeit auf einer Dampflok heraus!
Der Heizer in der Dampflok arbeitet näher beim Lokführer. Er muss nicht über
Sprachrohre kommunizieren. Die Tätigkeit des Kohleschaufelns ist ähnlich
anstrengend und heiss.

Die Bedeutung der Dampfmaschine

Als die Rigi 1847 gebaut wurde, handelte es sich beim Dampfmotor um eine relative
neue Erfindung.
Bis dahin fuhren Schiffe hauptsächlich mit Muskelkraft (Ruder) oder dem Wind (Segel).
Erst seit den grundlegenden Verbesserungen der Dampfmaschine durch James Watt
(1736-1819) in Grossbritannien traten Dampfer an die Stelle von Ruder- und
Segelschiffe.

Auch in anderen Bereichen führte die Erfindung der Dampfmaschine zu neuen
Entwicklungen.

     Löse hierzu die Aufgabe auf «Learning Apps»
https://learningapps.org/display?v=py49a5ibj20

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2. Die Geschichte von Barbara Rezzonico

     Höre die Geschichte von Barbara Rezzonico:

«Ich heisse Barbara Rezzonico. Ich bin, so würde man heute sagen, eine
Kauffrau aus Altdorf. Von mir ist nur ein Brief mit meiner Unterschrift
erhalten geblieben. Ich habe ihn im Jahr 1838 eigenhändig geschrieben.
Vielleicht habe ich ausgesehen wie diese unbekannte Frau auf einer der
ältesten Fotografien aus dem Kanton Uri.
In diesen Brief teile ich meinem Kunden, dem angesehenen Herrn Balz
Mettler, in Schwyz, mit, dass ich ihm per Expressschiff Stoffballen liefere.
Nach Schwyz: Dort lässt Herr Mettler nämlich Schappeseidenfasern zu            Iten 1984, Bild 2 A o. S.
                                                                               ohne detaillierten
Schappefäden spinnen und Schappefäden zu Schappeseidentücher                   Bildnachweis

weben. Schappe ist gewissermassen der Abfall des Seidencocons des
Seidenspinners. Das Schappeseidentuch glänzt etwas weniger, aber ist natürlich immer noch ein
Luxus. Woher ich so teures Material beziehe?
Über den Gotthardpass natürlich. Seit sechs Jahren ist nämlich die Gotthardstrasse durchgängig
mit Fuhrwerken befahrbar. Vorher musste man die Ware auf Maultieren transportieren. Das war
teuer und langsam. Nun kann ich meine Rohseidenballen in Oberitalien einkaufen lassen und etwa
vier bis sechs Tage später hier in Empfang nehmen. So sind sie noch nicht verschimmelt, wenn
sie in Altdorf ankommen. Sehr bequem. Kein Wunder, hat sich die Transportmenge in den letzten
beiden Jahren sogar verdoppelt.
Der schwierigste Teil des Transports beginnt erst hier, nämlich mit der Seefahrt zwischen Flüelen
und Brunnen. Da gibt es noch keine Strasse für Wagen. Die Urnersee mit den Föhnstürmen stellt
eine Gefahr für die einfachen Nauen dar. Die Schiffsleute haben das Monopol auf den Transport
und lassen sich eine Fahrt teuer bezahlen. Damit die Ware nicht in Flüelen tagelang liegen bleibt,
muss ich sie per Express befördern. Denn Herr Mettler ist immer ungeduldig, seine Geschäfte
laufen nämlich gut. Ich muss ihn bei Laune halten, gerade weil ich ihm nicht genau die gleichen
Fasern liefern kann wie das letzte Mal.
So schliesse ich meinen Brief mit den Worten. «Ich lebe vollkommen der Überzeugung, dass Sie
mit der Waare bestens zufrieden seyn werden, indem sie dem gesehenen Muster gleich ist und
in Erwartung Ihrer fernern Aufträge versichere Sie, meiner achtungsvollen Ergebenheit. Barbara
Rezzonico»

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Beantworte nun folgende Fragen zum Brief!

Wann und wo wurde der Brief geschrieben?
Altdorf, Uri, 1838.

Wer hat den Brief geschrieben und was wissen
wir über die Person?
Der Brief wurde von Barbara Rezzonico, einer
Kaufmannsfrau aus Altdorf verfasst. Es ist nicht
viel über sie bekannt.

An wen ist der Brief adressiert?                            Brief von Barbara Rezzonico. Quelle:
                                                            StAUR, R-720-12/10a Schifffahrt
Der Brief richtet sich an Balz Mettler in Schwyz.
                                                            (1803-1993): diverse
                                                            Geschäftsbriefe.
Beschreibe den Transportweg der Stoffballen:
Die    Stoffballen       kommen   auf   Fuhrwerken        über   den    Gotthardpass.    Früher
transportierten Maultiere die Ware. Doch dank den Fuhrwerken kann nun mehr
Material auf einmal transportiert werden. Danach werden die Stoffballen mit Nauen
von Flüelen nach Brunnen transportiert.

Welche Schwierigkeiten werden im Brief erwähnt?

Der Transport über das Wasser ist sehr gefährlich, da es immer zu Föhnstürmen auf
dem Vierwaldstättersee kommt. Ausserdem lassen die Schiffsleute sich die Fahrt
jeweils teuer bezahlen, da sie das Monopol über die Schifffahrt auf dem
Vierwaldstättersee haben.

            Überlege dir, welchen Vorteil eine Dampfschiffverbindung auf dem
            Vierwaldstättersee bringen könnten?
Dampfschiffe sind schneller, können mehr auf einmal transportieren und sind auch
wetterstabiler.
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3. Konkurrenzkampf auf dem Vierwaldstättersee

Lies den nachfolgenden Text aufmerksam durch!

Als es 1830 möglich wurde, den Gotthard mit Postkutschen zu überqueren, erlebte der
Transitverkehr einen Aufschwung. Doch das Teilstück zwischen Luzern und Flüelen
musste immer noch mit langsamen Nauen zurückgelegt werden. Deshalb sollten nun
Dampfschiffe die Zufahrt zum Gotthard verbessern.
                                Der Bankier Casimir Friedrich Knörr gründete 1836 die
                                «Dampfschifffahrts-Gesellschaft für den Vierwaldstättersee» und
                                gab bei Escher Wyss das erste Schiff in Auftrag: die «Stadt
                                Luzern». Am 24. September 1837 lief der Dampfer von
                                begeistertem Publikum zu seiner Jungfernfahrt nach Flüelen aus.
                                Nicht mehr neun, sondern bloss noch zweieinhalb Stunden
                                dauerte nun die Reise.
Doch für die Urner Nauenbesitzer war die «Stadt Luzern» ein unwillkommener Konkurrent.
Deshalb verbot die Regierung von Uri den Gütertransport mit dem Dampfschiff und
verlangte von dessen Passagiere zwei Fünftel des Fahrpreises als Tribut. Im Streit mit dem
Kanton Luzern bewarfen aufgebrachte Urner das Dampfschiff wiederholt mit Steinen und
beschimpften die Fahrgäste.Die Gemüter beruhigten sich erst, als Knörr einwilligte, für
das Landerecht eine jährliche Abgabe an den Stand Uri zu leisten. Die Urner ihrerseits
sahen ein, dass der Fortschritt nicht aufzuhalten war – im Gegenteil: Sie wollten ebenfalls
teilhaben, um die Luzerner Vorherrschaft zu beenden. Knörr hatte sich nämlich
inzwischen das alleinige Recht zur Postbeförderung auf dem See gesichert und dazu
1843 sein zweites Dampfschiff in Dienst gestellt: die «St. Gotthard».

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Der Urner Ingenieur Karl Emmanuel Müller, der als Erbauer der
Teufelsbrücke wesentlich zur Aufwertung der Gotthardroute
beigetragen hatte, gründete 1847 eine Gesellschaft, die Knörr
Konkurrenz machen wollte. Da es ihr gelang, das Monopol für
die Postbeförderung an sich zu reisen, nannte sie sich «Post-
Dampfschifffahrts-Gesellschaft» (PDG).

Der monatelange, mühselige Transport der beiden in England bestellten Schiffe wurde
zwar durch den Sonderbundskrieg zusätzlich verzögert, doch einmal in Dienst gestellt,
lieferten sich DS «Waldstätter» und DS «Rigi» mit den Knörr’schen Schiffen einen
gnadenlosen Konkurrenzkampf. Uri und Luzern erlaubten nur den eigenen Dampfern, auf
ihrem Gebiet Passagiere und Fracht aufzunehmen, bis die Bundesversammlung 1849
diese Protektion verbot. Anschliessend versuchten beide Gesellschaften, ihre Konkurrenz
durch Abwerben von Passagieren an den Anlegestellen und immer tiefere Fahrpreise
auszuschalten.

Bald setzte sich aber die Vernunft durch: Knörr und Müller einigten sich auf gemeinsame
Tarife und Fahrpläne und 1869 fusionierten die beiden Gesellschaften. Aus dem neuen
Unternehmen          entwickelte   sich   im      Verlauf     eines      Jahrhunderts     die     heutige
Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees» (SGV).
(aus: Oberhänsli, This: Schiffland Schweiz, Verkehrshaus der Schweiz, Luzern 1999.)

                Arbeite die wichtigsten Punkte zur Dampfschifffahrt in der Schweiz
                heraus! Markiere sie im Text. Schau dir die Schiffsmodelle in der Vitrine
                an und erstelle einen eigenen Zeitstrahl!

           1825                                                                  1850
                    Lemain                                  Winkelried                  Oberland

   Nauen                           Stadt Luzern      St. Gotthard         Rigi      Waldstätter

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Staatsarchiv Luzern/Akt37/175 B.1, 31.5.1849

Schau dir das Plakat an und versuche die Schrift zu entziffern! (Tipp: ſ liest sich als s)
Erstelle eine Transkription! (Abschrift mit modernen Buchstaben)

                                    Post-Dampfschiff-Fahrt
                                  auf dem Vierwaldstätter-See.
Da in Folge Beschlusses der hohen Bundesversammlung der schweizerischen Eid-
genossenschaft das zur Zeit durch die Regierung von Luzern gegen die Postdampf-
schifffahrt verhängte Abfuhrverbot aufgehoben ist, so werden die Postdampfschiffe

                                       Waldstätter und Rigi
von nun an in Luzern sowohl als an allen Gestaden des Vierwaldstätter-See’s
Personen und Waren aufnehmen und abfuhren, was damit zur Kenntnis des resp.
Publikums gebracht wird.
Luzern den 21. Mai 1849                                                       Die Direktion
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Mit der neuen Bundesverfassung änderte sich die rechtliche Lage zur Schifffahrt auf
dem Vierwaldstättersee. Am 30. März 1849 wurde ein neues Bundesgesetz über die
Freiheit der Schifffahrt auf dem Vierwaldstättersee erlassen. Der Paragraph 2 lautet:

                                 Unter Vorbehalt der Verordnungen,
                        welche die Sicherheitspolizei erfordert, darf jedermann
                        in den an der Wasserstrasse von Luzern nach Flüelen
                           gelegenen Ortschaften (Luzern, Weggis, Gersau,
                       Beckenried, Brunnen und Flüelen) Personen und Waren
                        aller Art frei und ungehindert aufnehmen und absetzen.
                                  (Staatsarchiv Luzern Akt 27/101 A.1)

Fasse den Kerngehalt des Gesetzes in eigenen Worten zusammen!
Individuelle Lösungen z.B.: Neu dürfen keine Steuern auf den Schiffsverkehr
zwischen Luzern und Flüelen erhoben werden.

            Zeige den Zusammenhang zwischen dem Plakat und dem Bundesgesetz!

Wann wurde das Plakat erstellt?

Das Plakat wurde am 31. Mai 1849 erstellt als Folge des Bundesgesetzes.

Wer ist wohl der Verfasser?

Als Verfasser steht Direktion. Vermutlich die Direktion der Post-Dampfgesellschaft.

An wen ist das Plakat gerichtet und was ist seine Botschaft?

Das Plakat richtet sich an das «resp. Publikum», wohl die Bevölkerung in Luzern. Die
beiden Schiffe der Urner Post-Dampfschiffgesellschaft, Rigi und Waldstätter, dürfen
nun auch in Luzern zollfrei ankern.

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4. Captain
Informiere dich über die Biographie des ersten Kapitäns
auf der Rigi, Louis Widmer.
Lies auch das fiktive Interview mit ihm.
In einem Video spricht Frau Lötscher, die heute als
Schiffsführerin bei der SGV arbeitet.
Merke dir wichtige Daten, Eckpunkte und
Schlüsselmomente im Leben der beiden.

      Kreuze jeweils das Zutreffende an!

                                                                    Louis Weimer auf dem
                                                                    Kommandoposten. Quelle: Archiv
                                                                    J. Gwerder in: Gwerder,
                                                                    Bordbuch, S. 19.
                                                                           Louis         Verena
                                Die Person…
                                                                          Widmer        Lötscher

  …ist schon seit dem 15. Lebensjahr auf dem Wasser tätig.                   X

            .…trainiert regelmässig für Notsituationen.                                    X

            …hat einige Unfälle auf dem Wasser erlebt.                       X

  …hat sich auf ein Inserat für die Stelle als Saisonier bei der
                                                                                           X
                 Schifffahrtsgesellschaft beworben.

   …ist seit rund 20 Jahren bei der Schiffahrtsgesellschaft.                               X

          …bekam wegen Trunkenheit Lohnkürzungen.                            X

             …stammt ursprünglich aus Deutschland.                           X

    …hat nicht die alleinige Befehlsgewalt über das Schiff.                                X

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Fiktives Interview mit Kapitän Weimer

Frage 1: Kapitän Weimer, wie kamen Sie zur Schifffahrt?

Antwort: Ich war schon als kleines Kind vernarrt in Schiffe. Aufgewachsen bin
ich in Mannheim, zwischen Neckar und Rhein. Ich war ständig am Fluss und
hab’ den Schiffen zugeschaut. Mein Vater war dort Schiffer und hat mich oft
mitgenommen. Er hat mir gezeigt, wie man Seemannsknoten bindet. Mein Sohn
Theobald sollte auch in der Schifffahrt tätig werden. Aber das hat nicht gut geklappt.
Er war Matrose, doch die Postdampfschiffahrtsgesellschaft (PDG) befand
ihn als untauglich. Meine Frau, Barbara Stalder, ist gar nicht so unglücklich
darüber (lacht!). Er kann nämlich nicht sehr gut schwimmen…

Frage 2: Wie verlief Ihr Werdegang zum Kapitän?

Antwort: Bereits mit 15 Jahren liess ich mich von der Kölnischen Dampfschiff-
Gesellschaft anheuern. Ich befuhr auf Segel- und Dampfschiffen den Rhein von
Basel bis Rotterdam und Amsterdam. Da habe ich vieles gelernt. Ich habe auch
für die Basler Adler-Dampfschiffgesellschaft gearbeitet. 1841 wurde ich zunächst
Conducteur und später Kapitän auf dem Neuenburgersee. Vier Jahre
später hat Knörr mich nach Luzern geholt. Ich war zusammen mit Vögeli als
Kapitän auf den Schiffen «St. Gotthard» und «Stadt Luzern» tätig. Dann kam
der Urner, Karl Emanuel Müller, mit seiner Postdampfschifffahrtsgesellschaft
und hat mich als ersten Kapitän eingestellt. Das war im Oktober 1847. Seither
bin ich hier auf dem Vierwaldstättersee zu Hause.

Frage 3: Was ist besonders am Vierwaldstättersee? Waren Sie vielleicht einmal einer
grossen Gefahr ausgesetzt?

Antwort: Der See ist nicht zu unterschätzen! Da gibt es einige Stellen, die sind
sehr gefährlich. Und die Stürme! Der Föhn kann bis zu 100 Stundenkilometer
blasen. Letzte Weihnachten geriet ich mit der «Wilhelm Tell» in einen Sturm.
Wir hatten einen Schleppnauen mit Kisten voller Gewehrpatronen angehängt.
Den haben wir ihm Sturm verloren! Zum Glück konnten wir den Matrosen auf
der Naue noch retten. Das war knapp!
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Frau Lötscher kommt auch auf die Unterschiede in der Schiffsnavigation
            zwischen früher und heute zu sprechen.

       Notiere einige Unterschiede!

Früher fuhren die Leute hauptsächlich nach Sicht und Gehör. Heute verfügen die
Schiffe über modernste Radargeräte, GPS und Funkgeräte, mit deren Hilfe mit Polizei,
Lastschiffe etc. kommuniziert wird.

Zur Zeit von Louis Widmer gab es keine Frauen als Schiffsführer.

      Beschreibe die heutige Rolle der Frauen bei der SGV!

Vor Frau Lötscher gab es eine einzige Frau, die sich als Pionierin beweisen musste.
Heute spielt es in der SGV keine Rolle mehr, ob eine Frau oder ein Mann den Dienst
einnimmt.

             Bonus: Da Louis Widmer schon lange tot ist, konnten wir kein Interview mit
             ihm führen. Aufgrund der Informationen, die wir über ihn erhalten haben, war
es jedoch möglich, seine Lebensgeschichte zu konstruieren.
Stellt dir vor, das Interview mit Frau Lötscher wird in 100 Jahren gefunden. Was
werden die Leute über das Leben als Schiffsführer im Jahr 2021 erfahren?

Individuelle Antworten.
Den SuS sollte aber bewusst werden, dass historisches Wissen immer rekonstruiert
ist. Sie sollen dabei die Vorteile von authentisch-wirkenden Videomaterialien
herausstreichen. Trotzdem sollen sie erkennen, dass sich die Interviews von ihrem
Wahrheitsgehalt nicht unbedingt unterscheiden müssen.
Das fiktive Interview ist dabei mehr von der Person geprägt, welche die Inhalte
aufarbeitet. Die Viedoaufnahme wiederum wird von den Personen beinflusst, welche
interviewen und interviewt werden. In beiden Fällen ist Kontextwissen erforderlich, um
die Erzählungen einordnen zu können und daraus Wissen über den Beruf und die
Zeitepoche zu gewinnen.

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Glossar
Fiktiv: Etwas, was erfunden ist. Es gibt fiktive Romane und Filme, bei denen die
Personen        erfunden        sind.   Diese    stehen      im      Gegensatz   zu   Büchern   und
Dokumentationen, die das Leben realer Personen behandeln. Die Unterscheidung
zwischen real und fiktiv ist oft nicht ganz einfach und es gibt fliessende Übergänge.

Gestade: Eine veraltete Bezeichnung für das Ufer eines Gewässers.

Gotthardstrasse: Gepflasterte Route über den Gotthardpass, die vor dem Bau des
Gotthardtunnels rege genutzt wurde. Sie existiert heute noch als Wanderweg oder für
historische Kutschenfahrten.

(re-)konstruieren: den ursprünglichen Zustand von etwas wiederherstellen oder den
genauen chronologischen Ablauf eines Geschehens herausfinden. Rekonstruktion ist
eines der wichtigsten Instrumente in der Geschichtswissenschaft.

Monopol: Bezeichnet eine wirtschaftliche Situation, bei der für eine Dienstleistung nur
ein Anbieter vorhanden ist. Dieser besitzt folglich das Monopol für die Dienstleistung.

oszillierend: physikalischer Begriff für etwas, was hin und her schwingt.

Schiffsführer/-in: Steuermann/frau in der Binnenschifffahrt. Tätigkeit entspricht
derjenigen eines Kapitäns, einer Kapitänin, wobei sich diese in der Hierarchie der SGV
durch ihr Dienstalter, die alleinige Befehlsgewalt über ein Schiff und das Tragen eines
weissen Hutes auszeichnen.

Schnappe: Ein Stoff, der wie Seide aus dem Kokon der Seidenraupe gewonnen wird.
Allerdings handelt es sich dabei um die äussere Schicht des Seidenkokons,
weswegen der Stoff weniger glänzend und weniger wertvoll ist.

Transkription: Bedeutet die Abschrift einer alten Schrift in modernen Buchstaben
oder die Abschrift eines Ton- oder Filmdokuments.

Wasserstrasse: Gewässer, die von Schiffen befahren werden.

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