Türen auf! Gottes Volk kennt keine Fremden - Gottesdienstbroschüre - Mission EineWelt
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Türen auf!
Gottes Volk kennt keine Fremden
Gottesdienstbroschüre
zum Kampagnenthema „Migration”
von Mission EineWeltInhalt
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Vorwort
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Türen auf!
Predigt Thema: „Türen auf! Gottes Volk kennt keine Gottes Volk kennt keine Fremden
Fremden“, Predigttext: Matthäus 25:31-41
Kein Mensch verlässt sein Heimatland freiwillig! Und doch vermitteln so manche Stimmen aus Politik und
Medien, dass Menschen, die ihre Heimatländer in Afrika, im Nahen Osten und in Osteuropa verlassen, nur nach
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Europa und vor allem Deutschland kommen wollen, um am hiesigen Wohlstand teilzuhaben.
Predigt: Maria auf der Flucht nach Ägypten
Selten wird davon gesprochen, dass vier von fünf Flüchtlingen weltweit Aufnahme in Nachbarländern, meist
sogar in so genannten Entwicklungsländern finden. Und dass das wirtschaftlich starke Deutschland, gemessen an
Gebete aus Ozeanien
der Bevölkerungszahl mit 3,5 Asylsuchenden je 1.000 Einwohner, im Aufnahme-Ranking in Europa nur auf Platz
neun und weltweit lediglich auf Platz 16 steht (2013).
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Fluchtursachen wie Krieg, Verfolgung, Klimawandel und mangelnde wirtschaftliche Perspektiven werden mit der
Fürbitten
Rolle Deutschlands und Europas im weltwirtschaftlichen und weltpolitischen Rahmen kaum in Verbindung
gebracht. Ressourcensicherung, Rohstoffausbeutung, Rüstungsexporte und Unterstützung diktatorischer Regime,
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Freihandelsverträge, Agrarsubventionen und Agrardumping, ein konsumorientierter Wirtschafts- und Lebensstil
Sendung und Segen
tragen unter anderem auch zu einer Destabilisierung in den Herkunftsregionen der Flüchtlinge bei.
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In welcher Weise in den Medien berichtet wird, wirkt sich auf das Bild aus, das sich Menschenn von der „Migra-
Gedanken zum Thema Migration
tionsgesellschaft“ machen. Migration bedeutet Chancen. Chancen, unsere Gesellschaft bunter und toleranter zu
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Kontakt machen, gemeinsam mit den Menschen anderer Hautfarbe, auch mit denen, die exotische Sitten mitbringen, eine
fremde Sprache sprechen und einer anderen Religion angehören. Migration bedeutet Chancen, die Globalisierung
Hintergrundtexte zum Thema
Wir freuen uns über Ihr Interesse! Haben Sie weitere mitzugestalten. Chancen, eine gerechte Welt zu schaffen.
„Klima-Asyl“ in Neuseeland
Fragen oder Wünsche zu unserem Kampagnenthema? „Türen auf! Gottes Volk kennt keine Fremden“. Von diesem Leitspruch sind diese Gottesdienst- und Andachtstexte
Wie lange noch?
Bitte wenden Sie sich an: inspiriert. Wir laden Gemeinden ein, sich in Gottesdiensten mit dem Thema „Flucht - Migration“ auseinanderzu-
Klimawandel und Migration im Pazifik –
setzen, und wir hoffen, dass diese Texte dabei hilfreich sind. Selbstverständlich können Sie sich auch entspre-
eine Fragen stellende Einführung
Aneth Lwakatare chendes Material wie beispielsweise unser Plakat zum Jahresthema oder unsere Postkarte mit Forderungen an die
Landflucht in Papua-Neuguinea
Referentin für Menschenrechtsfragen Bundesregierung kostenlos zuschicken lassen. Ab dem Frühjahr 2015 steht Ihnen auch eine entleihbare Ausstellung
Kinder fliehen
Referat Entwicklung und Politik zum Jahresthema zur Verfügung.
Entscheidungen für Tod oder Leben
16 Telefon: 09874 9-1850
Pilgerweg zum Thema Flucht und Asyl E-Mail: aneth.lwakatare@mission-einewelt.de
Ihre
oder besuchen Sie unsere Hompage Aneth Lwakatare Pfr. Peter Weigand
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www.mission-einewelt.de Referentin für Menschenrechtsfragen Direktor, Mission EineWelt
Andacht zur Jahreslosung
3Türen auf!
Gottes Volk kennt keine Fremden
Predigt
Asylverfahrens dürfen sie offiziell nicht arbeiten,
Bild: Emmanuel Ndoma
studieren und auch kein Deutsch lernen. Sie dürfen
ihren Wohnsitz nur mit Genehmigung der Behörde
verlassen. Dafür müssen sie 10 Euro bezahlen. Bis
Thema: „Türen auf! Gottes Volk kennt keine Fremden“ 2012 bekamen sie monatlich nur 40 Euro. Seit Juli
2012 bekommen sie nach Entscheidung des Bun-
Predigttext: Matthäus 25:31-41 desverfassungsgerichts 137 Euro. Mit diesem Geld
müssen sie auch ihre Rechtsanwälte bezahlen.
Liebe Gemeinde, Diese Fragen können uns als Einstieg helfen, ins
wie würden Sie reagieren, wenn ein Fremder, Gespräch mit einem Fremden zu kommen. Jedoch Ist das ein menschenwürdiges Leben?
beispielsweise ein Afrikaner, eines Tages an Ihre Tür besteht die Gefahr, dass diese Fragen auch anders Was sagt das Grundgesetz über die Würde
klopfen würde? Würden Sie die Tür öffnen oder verstanden oder interpretiert werden können. des Menschen?
nicht? Das ist mein Land. Kursteilnehmer am Fortbildungskurs MiSüNo.
Sie haben ihr Land. Der erste Paragraph des deutschen Grundgesetzes
Vor fünf Jahren war ich zu meinem theologischen Warum sind sie in mein Land gekommen? anderer Sprache und Herkunft wahr und bietet seit sagt, dass die Würde des Menschen unantastbar ist.
Studium in Wuppertal. Während der Herbstferien Wann gehen sie in ihr Land zurück? 2005 einen theologischen Fortbildungskurs, Mission Wenn man jedoch die Asylsuchenden bzw. Flüchtlin-
wurden wir im Team in verschiedene Orte geschickt. Oder politisch gesagt: Süd-Nord (kurz: MiSüNo), für Pastoreninnen und ge in ihren Gemeinschaftsunterkünften besucht und
Dort sollten wir Gottesdienste, Bibelstunden und Mein Land ist kein Einwanderungsland. Pastoren sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an. ihre Lebensbedingungen sieht, fragt man, ob dieser
Jungscharstunden halten und Hausbesuche ma- Paragraph des Grundgesetzes für alle Menschen
chen. Unter den 45 Studierenden war ich der einzige Dieser Satz, „Deutschland ist kein Einwanderungs- Unter den Menschen mit Migrationshintergrund oder nur für ein bestimmtes Volk gilt?
Farbige. Vor unserem Besuch schickte der Schul- land“ hat das politische und soziale Leben unserer sind auch viele Asylsuchende und Flüchtlinge, die bis
direktor einen Rundbrief mit Bild meines Teams an deutschen Gesellschaft geprägt. Er prägt sie sogar 2013 in circa 117 Gemeinschaftsunterkünften (GU) Die Asylsuchenden empfinden die Lebensbedingun-
den Unterstützerkreis meines Besuchsorts, um ihn noch heute. Die Realität in unserer Gesellschaft ist für Asylbewerber in verschiedenen Orten Bayerns gen, in denen sie leben müssen, nicht als menschen-
auf unseren und insbesondere auf meinem Besuch jedoch ganz anders. Viele Menschen sind schon aus leben. Zurzeit werden viele neue GU geschaffen, würdig. Sie leben isoliert von unserer Gesellschaft.
vorzubereiten. verschiedenen Ländern und Kontinenten gekommen, weil die Zahl der Flüchtlinge in der letzten Zeit stark Jedoch fordert man sie auf, sich zu integrieren.
Während der Besuche kam ich eines Tages an eine kommen noch immer und bleiben in Deutschland. zugenommen hat. Sie fühlen sich oft mit offenen Armen, aber mit
Tür und klingelte. Im Fenster sah ich eine Dame, die Sie kommen aus unterschiedlichen Gründen: geschlossenem Herz empfangen.
verzweifelt schaute. Sie fragte mich, wer ich sei. Etliche sind Gastarbeiter, die sogar von der Regie- Diese Menschen sind nach Deutschland gekommen, Ich besuche Asylsuchende regelmäßig in verschie-
Ich erklärte ihr, dass ich im Auftrag meiner Schule rung eingeladen werden, um in speziellen Bereichen, um Schutz zu suchen. Sie verlassen ihre Heimat- denen Gemeinschaftsunterkünften. In der zentralen
unterwegs sei. Ah, ja! Sie kam und öffnete die Tür. in denen Mangel an qualifiziertem Personal besteht, länder, weil sie dort verfolgt werden bzw. Angst Aufnahmeeinrichtung in Zirndorf sind die Zimmer
zu arbeiten. Etliche kommen als Studenten nach vor einem diktatorischen Regime haben müssen. überfüllt. Selbst die Kapelle, in der ich Bibelstunden
„Bitte kommen Sie herein. Wir haben den Brief des Deutschland oder eben als Flüchtlinge und Asyl- Aufgrund von Kriegen, Hungersnöten oder anderem bzw. seelsorgerisches Gespräch anbiete, wird jetzt
Direktors erhalten. Ohne diesen Brief hätte ich die suchende. Elend in ihren Herkunftsländern haben sie keine als Unterbringungszimmer benutzt. Wenn ich über
Tür nicht geöffnet. Nehmen Sie bitte Platz“, sagte Lebensperspektive mehr. Sie hoffen auf ein besseres Lebensbedingungen von Asylsuchenden rede, weiß
sie mir. „Was wollen Sie trinken, einen Kaffee?“ Nach Angaben vom Statistischen Bundesamt in Dasein in Europa und riskieren häufig ihr Leben auf ich, worüber ich rede, weil ich selbst auch vor
„Nein, danke. Ich trinke keinen Kaffee, lieber einen Wiesbaden lebten in Deutschland im Jahr 2005 der Flucht über das Meer. Viele erreichen dieses Ziel zwanzig Jahren unter diesen Bedingungen lebte.
Tee“, antwortete ich. mehr als 15 Millionen Menschen mit Migrations- nicht. Sie sind auf dem Meer umgekommen. Die
„Was, Sie trinken keinen Kaffee? Sie sind braun wie hintergrund. Mehr als die Hälfte (8 Millionen) Ereignisse vor Lampeduza, bei denen über 500
ein Kaffee und trinken ihn nicht?“ von ihnen haben inzwischen die deutsche Staats- Flüchtlinge im Meer umkamen, sind ein Beispiel Was sagt Jesus/die Bibel in Bezug auf den
bürgerschaft erhalten. Die meisten Migranten sind dafür. Fremden?
Liebe Gemeinde, das Thema unseres Gottesdienstes Christinnen und Christen (60 %), unter anderem
lautet: „Türen auf! Gottes Volk kennt keine Fremden”. Katholiken, Baptisten, Orthodoxe, Pfingstler sowie Jedoch wird die Hoffnung auf ein besseres Leben Im Matthäus-Evangelium 25 sagt Jesus:
auch Lutheraner. Viele haben keinen Platz in un- für die meisten der überlebenden Flüchtlinge nicht „31Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit
Vielleicht kennen Sie diese Fragen, die oft gefragt serer etablierten Kirche gefunden und haben ihre erfüllt. Sie müssen mit einem strengen und langen kommen wird und mit ihm alle Engel, dann wird
werden, wenn wir einem Fremden begegnen. eigenen Gemeinden aufgebaut. So feiern sie den Asylverfahren rechnen. Das kann zur Anerkennung er in königlichem Glanz auf seinem Thron Platz
Gottesdienst in ihrer Sprache und in ihrer jeweiligen als Asylberechtiger, aber auch zur Ausreiseverpflich- nehmen.
Woher kommen Sie oder aus welchem Land sind Sie? kulturellen Prägung. tung bzw. Abschiebung führen. Bis zur Entscheidung 32
Alle Völker werden vor ihm versammelt werden,
Warum sind Sie nach Deutschland gekommen? der Behörden müssen die Asylsuchenden in einer und er wird die Menschen in zwei Gruppen teilen, so
Wie lange werden Sie hier bleiben bzw. wann gehen Mission EineWelt nimmt die Arbeit dieser so ge- Gemeinschaftsunterkunft leben. Dort müssen sie wie der Hirte die Schafe und die Ziegen voneinander
Sie in Ihre Heimat zurück? nannten Migrationsgemeinden oder Gemeinden Zimmer mit anderen Personen teilen. Während des trennt.
4 5Türen auf!
Gottes Volk kennt keine Fremden
Die Schafe wird er rechts von sich aufstellen und Liebe Gemeinde,
Maria auf der Flucht nach Ägypten
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die Ziegen links.
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Dann wird der König zu denen auf der rechten Jesus ruft uns als Christinnen und Christen auf, die
Seite sagen: Kommt her, ihr seid von meinem Vater Fremden aufzunehmen, ihnen zu helfen und beizu-
gesegnet! Nehmt das Reich in Besitz, das seit der stehen. Die Asylsuchenden leben isoliert von unserer Heute habe ich eine Schnitzerei
Erschaffung der Welt für euch vorbereitet ist. 35Denn Gesellschaft. Sie freuen sich, wenn sie Besuch be- aus Tansania mitgebracht. Es ist
ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; kommen. Nach jedem meiner Besuche in Deggendorf Maria mit dem Kind auf einem Esel
ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gege- oder in anderen Einrichtungen werde ich gefragt, zu sehen und Josef. Sie alle kennen
ben; ich war ein Fremder, und ihr habt mich aufge- wann ich wiederkommen werde. Diese Menschen diese Geschichte.
nommen; würden gern etwas unternehmen. Sie würden sich Maria und Josef sind mit ihrem
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ich hatte nichts anzuziehen, und ihr habt mir freuen, wenn jemand ihnen die deutsche Sprache neugeborenen Kind Jesus auf der
Kleidung gegeben; ich war krank, und ihr habt euch beibringt. Flucht nach Ägypten. Es ist ein
um mich gekümmert; ich war im Gefängnis, und ihr Ereignis aus der Kindheit Jesu, das
habt mich besucht. Mission EineWelt fordert durch seine Kampagne im Matthäus-Evangelium
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Dann werden ihn die Gerechten fragen: Herr, gemeinsam mit anderen Organisationen die Bundes- beschrieben wird.
wann haben wir dich denn hungrig gesehen und dir kanzlerin und die Regierung auf, die Residenzpflicht
zu essen gegeben, oder durstig und dir zu trinken abzuschaffen und eine menschenwürdige Unterbrin- Mt.2, 13-15: „Siehe, da erschien
gegeben? gung für Asylsuchende zu schaffen. der Engel des Herrn dem Joseph
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Wann haben wir dich als Fremden bei uns gesehen im Traum und sprach: Steh auf
und haben dich aufgenommen? Oder wann haben „Was immer ihr für einen meiner Brüder getan habt, und nimm das Kindlein und seine
wir dich gesehen, als du nichts anzuziehen hattest, und wäre er noch so gering geachtet gewesen, das Mutter zu dir und flieh nach
und haben dir Kleidung gegeben? habt ihr für mich getan.“ sagt Jesus. Ägyptenland und bleib allda, bis
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Wann haben wir dich krank gesehen oder im Ge- Brüder und Schwestern sind wir alle, egal aus ich dir’s sage: denn Herodes geht
fängnis und haben dich besucht? welchem Land wir kommen. Denn wir leben alle in damit um, dass er das Kindlein
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Darauf wird der König ihnen antworten: Ich sage einer Welt Gottes. Und Gott hat alle Menschen nach suche,
euch: Was immer ihr für einen meiner Brüder getan seinem Ebenbild geschaffen. Da Gott uns geschaffen es umzubringen. Und er stand auf
habt und wäre er noch so gering geachtet gewesen, hat, sind wir sein Volk. In diesem Sinne: Türen auf! und nahm das Kindlein und seine
das habt ihr für mich getan.“ Gottes Volk kennt keine Fremden. Mutter zu sich bei der Nacht und
Amen. entwich nach Ägyptenland und
Emmanuel Ndoma
blieb allda bis nach dem Tod des
Bild: Marco Ermann
Seelsorge unter Menschen
anderer Herkunft und Sprache, Mission EineWelt Herodes, auf dass erfüllt würde,
was der Herr durch den Propheten
gesagt hat, der da spricht
Lasst uns beten: (Hos. 11,1). Aus Ägypten habe ich
meinen Sohn gerufen.“
Herr, unser Gott, wir danken Dir für Dein Wort. Der Weg nach Ägypten war weit, und oft mussten sie
Wir danken Dir, denn Du hast den Menschen Wie mag sich Maria gefühlt haben auf dem Esel, nach dem Weg fragen. Heiß war es auf dem Weg und
nach Deinem Ebenbild geschaffen. das Kind im Arm? staubig und kalt war es in der Nacht. Sie suchen eine
Du hast ihn geschaffen, damit er in neue Bleibe. Doch in Ägypten angekommen, ist erst
Frieden und Wohlstand lebt. einmal alles fremd, die Sprache ist so ganz anders, die
Unterwegs ist sie in ein Land, das ein anderes Leben
Schenke Gnade, dass Friede und Gerechtigkeit in
verspricht, ein besseres Leben. Sie geht weg, damit Gerüche sind fremd, die Menschen sind so ganz anders.
der Welt und unter den Menschen herrsche.
Öffne uns und den Staatsregierenden die Augen ihr Kind gerettet werden kann vor der Gewalt und Die Schrift auf den Straßenschildern können sie nicht
des Herzens, damit wir Menschen, die in Not sind der Grausamkeit im eigenen Land. Was mag sie wohl lesen. Wieder fragen sie oft.
und in unserem Land Schutz suchen, mit Deiner schnell zusammengepackt haben? Windeln, einige Sie finden nach langer Suche eine einfache Hütte.
Liebe aufnehmen, ihnen begegnen und helfen. Kleidungsstücke, etwas Geschirr, vielleicht ein Rezept- Ihre wenigen Habseligkeiten sind schnell verstaut. Sie
Amen. beginnen ein neues Leben, sie beginnen, die Nachbarn
buch, damit sie die Speisen aus ihrem Land auch in der
Fotoaktion von Mission EineWelt zum Thema: Fremde kochen kann. kennen zu lernen, Maria und Josef finden eine Arbeit,
Migration, Integration und Toleranz Eine Flucht, ein Weg in ein anderes Land mit vielen sie helfen auf den Feldern. Sie bekommen Reis, Gemüse
Unwägbarkeiten, mit vielen Fragen, mit dem Willen und Obst. Sie können sich etwas nach ihren Rezep-
wegzugehen, weg von dem, was bedrängt und Furcht ten kochen. Nun sind sie froh, das Leben ihres Kindes
auslöst. gerettet zu haben. Sie lernen andere kennen, denen es
6 7Türen auf!
Gottes Volk kennt keine Fremden
ähnlich ging, die auch aus Israel nach Ägypten geflo-
Fürbitten
Zeit zulässt, nach Israel zurückkehren in die Heimat,
hen sind. Sie freunden sich an. Sie helfen sich gegen- die ihr vertraut ist.
seitig. Sie finden weitere, die auch aus Israel sind. Sie
treffen sich öfter, sie sprechen ihre eigene Sprache. Sie Gebet
geben sich gegenseitig Tipps, wie das Leben in Ägypten Jesus Christus, Du bist der Weg und die Wahrheit und 1. Sei Du mit den Flüchtlingen auf allen ihren Wegen.
das Leben, Du schenkst es, dass viele, die auf der Flucht Gott, wir bringen vor Dich das Weinen und Klagen der Amen.
zu bewältigen ist: Wo es Zucker und Salz gibt, wie sie
sind, auf Dich vertrauen können. Du leitest sie und Mütter dieser Welt, die auf ihre Kinder warten, deren
Feuerholz zum Kochen bekommen können. Gemeinsam führst sie. Zeige Du allen, dass Du selbst auf der Flucht
beginnen sie, ihre israelitischen Lieder zu singen und Spur sich im Meer, in der Wüste, in der Ungewissheit 2.
warst. Du wusstest nicht wohin der Weg Dich führt und
sich in den Häusern zu Andachten und Gottesdiens- doch war es ein Weg, der auf Zukunft angelegt war. verliert: Herr unser Gott,
ten zu treffen. Josef beginnt mit anderen Männern Jesus Christus, Du bist der Weg, die Wahrheit und das Flüchtlinge - Männer, Frauen und Kinder - aus den wir schauen auf unsere Welt – und sehen Leid, Hunger,
ein kleines Haus aus Holz zu bauen. Sie haben nun ein Leben, schenke Du vielen Menschen, die in diesen Tagen Kriegsgebieten dieser Welt, Krieg und Ungerechtigkeit. Wir bitten heute besonders
auf der Flucht sind, Deine Nähe und Deine Begleitung. den Hunger- und Armutsfallen entflohen, für die Flüchtlinge.
Gebetshaus, in dem sie sich treffen und Gott loben
Amen. mit der Hoffnung auf ein besseres, sicheres Leben.
können. Ja, sie loben Gott für ihre Rettung.
Als Maria eines Tages zum Brunnen läuft, um Wasser Wir bitten für die, die alles aufgeben müssen und
Segen Gott, wir bringen vor Dich unsere Klage um die Toten, fliehen vor Krieg, Verfolgung und Hunger. Tröste,
zu holen, sieht sie ihr Gesicht im Wasser, sie wäscht
Jesus Christus segnet uns heute, er begleitet uns auf gestrandet an den europäischen Grenzen, stärke und begleite sie. Halte die Familien zusammen,
sich das Gesicht vom Staub rein. Sie zerteilt mit den
unserem Weg. Er ist bei uns in der Nacht und behütet gestorben auf der Flucht durch Wüsten, lass niemanden verloren gehen.
Händen das Wasser, sie sieht ein fröhliches Gesicht. Das
uns. Ulrike Hansen über Gebirge und Meere. Wir rufen zu Dir: wir bitten Dich, erhöre uns!
Gesicht lacht sie an. Und sie lacht zurück. Sie ist froh,
in Ägypten zu sein und doch weiß sie: Eines Tages wird Sie finden das Bild zur Predigt auf unserer Home- Wir rufen zu Dir und stimmen ein in den Schrei all
sie mit Josef und dem Kind Jesus, wenn es die page zum Download: www.mission-einewelt.de derer, die Gerechtigkeit und ein besseres Leben für sich Beschützender Gott,
und ihre Kinder suchten und dabei umkamen. Du kennst unsere Fehler und Schwächen und hast uns
doch angenommen.
Gott, wir bringen vor Dich unsere Scham Wir bitten Dich um Hilfe, weil auch wir oft versagen.
Gebete aus Ozeanien über unser Wegsehen und Schweigen.
Wir leben in gemütlichen Häusern - und wenden
Wir bitten Dich auch für die politisch Verantwortlichen
in Europa. Lass sie Lösungen finden, die mitmenschlich
unseren Blick ab von kargen, überfüllten Flüchtlings- und weitsichtig sind. Lass sie die Not der Flüchtlinge
Großer Gott, Ich bin das Land unterkünften. erkennen und ihnen Bleibe zugestehen.
schütze unsere Meeresufer Ich bin das Land, das Land, das meine Geschichte Wir bewegen uns frei durch Europa – und sehen nicht Wir rufen zu Dir: wir bitten Dich, erhöre uns!
erzählt, mein Leben, meinen Tod. die Not derer, die monatelang beschäftigungslos in
Großer Gott, Ich bin das Land, das Land meines Volkes, engen Räumen ausharren müssen. Herr unser Gott,
schütze unsere Meeresufer vor den Waffen des Todes, meiner Vorfahren, meiner Nachkommen. Wir freuen uns über unsere täglichen Aufgaben in wir bitten Dich für uns, wenn uns der Mut verloren
unser Land vor den Dingen, Ich bin das Land, das mich mit der Luft verbindet,
Beruf und Familie - und tun doch wenig, um Flücht- geht, weil wir machtlos Menschenfeindlichkeit und
die unserer Jugend Liebe und Freiheit aberkennen. mit der Erde, dem Meer.
Lass das Wasser im Pazifischen Ozean die Botschaft Ich bin das Land, lingen Zugang zum Arbeitsmarkt zu geben. Ausgrenzung auch in unserem Land gegenüberstehen.
von Frieden und Gotteswillen weitertragen. das mich mit den Pflanzen, Hilf uns, wenn wir es nicht schaffen,
Wende von unserer Mitte jede lieblose den Tieren, den Fischen verbindet. Gott, wir bringen vor Dich die politisch Verantwort- mehr zu bewegen, mehr zu erreichen.
und brutale Aktion ab. Ich bin das Land, die Schmerzen und lichen in Europa, die nicht über bloße Zahlen, sondern Gib uns frischen Mut und neue Kraft
Lass jedes Kind schwimmen und frische Luft einatmen, Freuden meiner Mutter bei der Geburt. über einzelne Menschenschicksale entscheiden. beherzt für unsere Mitmenschen einzustehen, sie als
die gefüllt ist mit dem Heiligen Geist. Ich bin das Land,
Schärfe ihren Blick für die Flucht- und Migrations- Schwestern und Brüder, als deine Kinder, anzunehmen.
Herr Jesus, segne all diejenigen, die sich für Schmerzen und Freude der Muttererde bei der Geburt.
diesen inneren Frieden einsetzen, Ich bin das Land, ursachen. Wir rufen zu Dir: wir bitten Dich, erhöre uns!
die die Grenzen des Hasses aufbrechen, Gottes schöne und einzigartige Kreation. Halte ihr Gewissen wach, damit eine solidarische
und vereinige uns alle mit den Ich bin das Land, Aufteilung der Flüchtlinge in Europa möglich wird. Gerechter Gott,
offenen Armen deines Kreuzes, Gottes unsterbliche und standhafte Liebe. Lass sie Bleiberechts-Regeln finden, die von Solidarität Du willst, dass die Menschen miteinander fair um-
damit alle Menschen dieser Welt glücklich Ich bin das Land, verzweifelnd in der und Weitsicht geleitet sind und sich an den Menschen- gehen und fair zusammenleben. Du erwartest, dass die
und fröhlich zusammen leben mögen. Hoffnungslosigkeit meiner Selbstzerstörung.
rechten orientieren. kulturellen und religiösen Unterschiede friedlich gelebt
Ich bin das Land,
(Amanuka Havea aus Tonga) einen langsamen Selbstmord sterbend. werden können.
Ich bin das Land, Gottes Erlösung erwartend. Gott, gib uns Kraft, Zeuge zu sein Schenke uns die Fähigkeit, einander anzunehmen.
Ich bin das Land, an Gottes Versprechen glaubend. des Leidens Deiner Kinder auf der Flucht, Wir bitten Dich für alle, die statt Zusammenhalt und
auf dem Weg zu uns, an unseren Grenzen, Gemeinschaft Hass predigen und zu Gewalt gegenein-
Ich bin das Land. in den Flüchtlingslagern der Metropolregion, ander im Alltag aufrufen.
Du bist das Land.
in der Abschiebehaft, in Gefängnissen Hilf ihnen mit positiven Gegenerfahrungen zu neuen
Wir sind das Land …
und an Flughäfen. Ansichten zu gelangen.
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Gottes Volk kennt keine Fremden
Sei bei den Opfern der Gewalt, um sie aufzufangen
Gedanken zum Thema Migration
Herr unser Gott:
und in deiner Kraft zu bergen. Wir bitten für all diejenigen, die Flüchtlingen helfen,
Wir rufen zu Dir: wir bitten Dich, erhöre uns! sei es durch Beratung, Freundschaft, Gebete oder
Schutzstätten/kirchliches Asyl. Mit freundlicher Genehmigung des Vereins Andere Zeiten e.V. — www.anderezeiten.de
Lebendiger Gott, Schenk ihnen Liebe, Ausdauer und Erfolg.
wir bitten für die Familien, die ihre Kinder losschicken Gott, hilf dabei, Angst und Vorurteile gegenüber 1. 3.
in ein anderes Land, Fremden abzubauen. Der Ort, an dem wir recht haben Adieu
auf einen anderen Kontinent, damit sie das Einkommen Lass alle, die Flüchtlingen begegnen, in ihnen den
der Familien verbessern. Mitmenschen erkennen. An dem Ort, an dem wir recht haben, Ich hatte das Glück, in der Kindheit und Jugendzeit
Schenke ihnen andere Möglichkeiten, zu überleben. Amen. werden niemals Blumen wachsen fast täglich ein kleines Abschiedsritual zu erleben.
Wir rufen zu Dir: im Frühjahr. Meine Mutter war fest überzeugt: Ihren Kindern tue
wir bitten Dich, erhöre uns! es gut, wenn sie uns vom Balkon aus nachwinkt. So
Der Ort, an dem wir recht haben, drehte ich mich winkend um, auf dem Weg zur Schule
ist zertrampelt und hart oder auch nachmittags unterwegs zum Spielen oder
wie ein Hof. Einkaufen. Das Winken war Tradition geworden, aber
Sendung und Segen Zweifel und Liebe aber
lockern die Welt auf
es war keine leere Geste, sondern Ausdruck der Ver-
bundenheit. „Das Winken, diese sanfte Handbewegung,
wie ein Maulwurf, wie ein Pflug. überwindet noch mal den Abstand“, sagte meine Mut-
1. „Einerlei Gesetz, einerlei () Recht soll gelten für euch Und ein Flüstern wird hörbar ter. „Wenn zwei Hände sich noch suchen und berühren
Es segne uns Gott , und für den Fremdling, der bei euch wohnt.“ an dem Ort, wo das Haus stand, wollen, entsteht eine Bewegtheit, etwas Lebendiges.
der die Welt ins Leben rief, (4. Mose 15,16) das zerstört wurde. Aber sofort müssen wir es akzeptieren, dass wir uns
der uns Leben einhaucht, schließlich aus den Augen verlieren. Wir müssen
und neue Kraft schenkt. „Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave Jehuda Amichai unseren Weg weitergehen, allein oder mit anderen.
Es bewahre uns Gott, noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau, denn ihr
Jehuda Amichai ist einer der meistgelesenen modernen israeli- Christian Modehn
dessen Liebe weder Grenzen noch Mauern kennt, seid allesamt einer in Christus.“ (Galater 3,28) schen Dichter. Er wurde 1924 als Ludwig Pfeuffer in Würzburg aus: Vom Anfang im Ende. Ein Trostbuch für Tage in Moll.
dessen Gerechtigkeit kommen wird, geboren, 1935 wanderte seine Familie mit ihm nach Palästina Hamburg: Andere Zeiten e.V., 2013
der die Mächtigen vom Thron stößt, „Und schafft Recht den Waisen und Witwen und hat aus. Während des Zweiten Weltkriegs kämpfte er in der Jüdischen
Brigade der British Army und nach Kriegsende im Palästinakrieg
und die Ausgegrenzten ins Recht setzt. die Fremdlinge lieb, dass er ihnen Speise und Kleider für die Unabhängigkeit Israels. Später wurde Amichai zu einem
Es behüte uns Gott, gibt. Darum sollt ihr auch die Fremdlinge lieben; denn Anwalt des Friedens und der Aussöhnung im Nahen Osten und 4.
Vater, Sohn und Heiliger Geist. ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland.“ arbeitete eng mit palästinensischen Autoren zusammen. Er starb Ich suche nicht - ich finde.
Amen. (5. Moses 10,18-19) 2000 in Jerusalem.
aus: Der Andere Advent 2009/10
Suchen, das ist das Ausgehen von alten Beständen
2. „Und tut nicht unrecht den Witwen, Waisen, Fremdlin- und das Finden-Wollen von bereits Bekanntem.
Der Gott der Schöpfung bestärke dich in seinem Geist, gen und Armen, und denke keiner gegen seinen Bruder Finden, das ist das völlig Neue.
2.
dass du dich für Gerechtigkeit und Güte einsetzt etwas Arges in seinem Herzen.“ (Sacharja 7,10) Alle Wege sind offen, und was gefunden wird,
Die neuen Tage öffnen ihre Türen.
und dem Verachten und Zerstören widerstehst. ist unbekannt.
Sie können, was die alten nicht gekonnt.
So sollst du ein Segen sein. Liedvorschläge Es ist ein Wagnis, ein heiliges Abenteuer.
Vor uns die Wege, die ins Weite führen:
Es segne und behüte dich der liebende und alles „Oh Heiland, reiß die Himmel auf“ EG 7 Die Ungewissheit solcher Wagnisse können eigentlich
Den ersten Schritt.
umfangende Gott, „Herr, mach uns stark und Mut“ EG 154 nur jene auf sich nehmen,
Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen. „Lasst uns den Weg der Gerechtigkeit gehen“ EG 675 die im Ungeborgenen sich geborgen wissen,
Ins Land. Zum Horizont.
„Kommt in unsere stolze Welt“ EG 428 die in der Ungewissheit geführt werden,
Wir wissen nicht, ob wir ans Ziel gelangen.
Weitere Bibeltexte „Suchet zuerst Gottes Reich in dieser Welt“ EG 182 die sich vom Ziel ziehen lassen
Doch gehn wir los.
„Er soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer unter „Nun segne und behüte uns“ EG 517 und nicht selbst das Ziel bestimmen.
euch, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr
Doch reiht sich Schritt an Schritt.
seid auch Fremdlinge gewesen… ” (Lev. 19:34)
Und wir verstehn zuletzt: Das Ziel ist mitgegangen;
denn der den Weg beschließt und der ihn angefangen, 5.
„Den Fremden sollst du weder unterdrücken noch Nicht die Vernunft,
der Herr der Zeit geht alle Tage mit.
bedrängen, denn Fremde seid ihr im Land Ägypten denn die Heimat ist sicher.
gewesen.“ (2. Mose 20,22) Nicht die Erfahrung,
Klaus-Peter Hertzsch
aus: Der Andere Advent 2014/15 denn so ist niemand zuvor aufgebrochen.
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Gottes Volk kennt keine Fremden
Nicht die Bequemlichkeit, traut wäre: die Sprache nicht, die Religion nicht, auch Atolle ganz verschwinden lässt; sei es durch die Ver-
Bild: Julia Ratzmann
denn der Weg ist weit und die Erde hart. die Gerüche und Geräusche nicht. Und dennoch: sauerung und Erwärmung des Meeres, die es Korallen,
Nur ein Stern voller Licht Dennoch spüren sie, sie werden hier Heimat finden. Fischen und sämtlichen Meerestieren und -pflanzen
und ein Traum voller Mut Erlösung, denken sie, auch wenn sie nicht genau unmöglich machen, dort zu wachsen und zu gedeihen;
genug für den Weg. erklären könnten, was sie damit meinen. sei es durch die Zunahme von Stürmen und Flutwellen,
Als sie nach dem neugeborenen Kind fragen, dem die alles zerstören, kaputt machen und als Müll zu-
Inken Christiansen König, will man sie abwimmeln. Sieht ihre merkwürdige rücklassen; sei es auch durch die vermehrte Vermüllung
aus: Der Andere Advent 2011/12, www.anderezeiten.de Kleidung, hört ihren Akzent, mustert das große Fern- des Pazifiks; sei es – die Liste wäre noch erweiterbar.
rohr. Ein König? Draußen vor der Stadt? Das Resultat aber ist auf langfristige Zeit gesehen nur
6. Unmöglich! hören sie. Aber sie sehen auch die Verunsi- eines: Das Leben auf den Inseln im pazifischen Ozean
Heimat cherung in den Augen. wird nicht mehr möglich sein. Und das bedeutet für
Sie lassen die Stadt hinter sich. Halten die Geschenke die dort lebenden Menschen: Migration. Verlassen
Als sie aufbrachen, wussten sie nicht,
wie ihr Ziel aussehen würde.
fest in den Händen, das Wertvollste, das Heiligste, das Wie lange noch? der Heimat, der „fenua“, mit der sich die Menschen in
Liebste, was sie haben. Ozeanien so sehr identifizieren. Verlassen der Mut-
Sie wussten nur: Klimawandel und Migration im Pazifik – eine
Vertrauen dem Stern, der sie bis hier gebracht hat. Und tererde, Verlassen der geliebten Umgebung, Verlassen
Eine solche Sehnsucht hatten sie nie zuvor gespürt. fragenstellende Einführung
der sie führen wird. Zu dem unbekannten Gott. des Landes der Ahnen und der eigenen Geschichte,
Sie hatten diesen Stern gesehen. Und beschlossen, ihm Verlassen der eigenen Kultur. Verlassen des bekannten
zu folgen. Susanne Niemeyer, nach Matthäus 2, 1-12 „Pasifika, Pasifika! With throbbing reef and coral Terrains, des eigenen Staates. Und gleichzeitig Umzug
Verrückt, haben viele gesagt. Jetzt sind sie hier, in aus: ach! Das kleine Buch vom großen Staunen shore. For fish and shell and mighty whale. For all in eine neue, unbekannte, oft unfreundliche und un-
diesem fremden Land, und nichts ist da, was ihnen ver- Hamburg: Andere Zeiten e. V., 2013 God’s gifts our thanks we pour.“ Das ist der Refrain wirtliche Gegend, in der Menschen daheim sind, in der
der „Hymne“ in der Pazifik-Region. Von pulsierenden eine andere Geschichte und Kultur die Gegend geprägt
Riffen und Korallenküsten ist die Rede, an denen hat. Ankommen im Ungewissen, im Ungewohnten, im
sich Fische, Muscheln und sogar mächtige Wale Unbekannten und Fremden.
tummeln. Für all das danken die Liederschreiber Wie lange soll das gutgehen?
Gott, dem Herrn. Doch wie lange können die Steffi Kornder
Hintergrundtexte zum Thema Menschen in Ozeanien noch dankbar sein für das,
was sie haben? Wie lange wird es noch die kleinen,
Pazifik-Infostelle
bewohnbaren Atolle und Inseln im Südpazifik geben?
Wie lange noch können dort Menschen wohnen, die
sich von Fischerei und dem eigenen Gartenanbau Landflucht in Papua-Neuguinea
„Klima-Asyl“ in Neuseeland Darüber, ob der Klimawandel nach existierenden
Abkommen ein hinlänglich rechtlicher Grund dafür ist,
ernähren? Wie lange noch werden Fische in den
Korallen umherschwimmen? Wie lange ist es noch Von den derzeit 6,5 Millionen (Stand von 2008;
Asyl zu beantragen, wird seit langer Zeit unter Fach- möglich, in dieser fernen Weltregion zu (über-)leben? Einwohnerzahl 2014: circa 7 Mio.) Einwohnern Papua-
Der Fall von Ioane Teitiota aus Kiribati ist keine Aus- leuten gestritten. Die neuseeländische Einwanderungs- Neuguineas leben mehr als vier Fünftel „auf dem
nahme. Der Klimawandel ist eine reale und alltägliche behörde ist die erste, die Folgen des Klimawandels Schreitet der Klimawandel weiterhin so rasant voran, Land“. Hier herrscht Eigenversorgung in Form von
Gefahr für die Menschen im Pazifik. Bereits heute hat bei der Erteilung eines Asyls berücksichtigt hat. Zum muss man alle diese Fragen mit „nicht mehr lange“ Subsistenzwirtschaft vor. Die Landwirtschaft bildet
der Klimawandel massive Auswirkungen auf die Men- ersten Mal erkennt eine Behörde an, dass die Auswir- beantworten. Und unterschreibt gleichzeitig damit das das Rückgrat der neuguineischen Ökonomie. 97 %
schen in vielen pazifischen Inselstaaten wie Kiribati, kungen des Klimawandels auf die Lebensverhältnisse Urteil für kommende Generationen: Jungen Menschen der gesamten Landfläche unterliegen traditionellen
Tuvalu oder den Föderierten Staaten von Mikronesi- von Menschen bei der Vergabe von Asyl zu berücksich- wird es nicht mehr möglich sein, auf ihren Heimatin- Nutzungsrechten oder dem Gewohnheitsrecht der
en. Die von der Regierung Kiribatis verfolgte Politik tigen sind. seln zu wohnen und zu leben – sei es durch die Versal- Verwandtschaftsgruppen. Die eigenen Gärten sichern
der so genannten Migration with Dignitiy stellt dabei
zung des Grundwassers und des Bodens und damit der der Landbevölkerung das Überleben. Wer keinen
einen guten Ansatz dar. Sie verfolgt das Ziel, dass eine Wir hoffen, dass der Klimawandel auch zukünftig von Unmöglichkeit, dort Pflanzen anzubauen; sei es durch Garten hat, hat auch nichts zu essen, und muss sich
Migration der Bürger des Landes in andere Staaten der neuseeländischen Einwanderungsbehörde be- den steigenden Meeresspiegel, der ganze Küstenstrei- wie die Städter in der Lohnarbeit verdingen. Eines der
so erfolgen soll, dass die kulturelle Identität erhalten rücksichtigt wird und die zuständigen Stellen wei- fen dem Wasser einverleibt und irgendwann kleinere größten Probleme besteht in der Arbeitssuche, denn
bleibt und die Bürger von Kiribati gleichzeitig schon terer Staaten dem neuseeländischen Beispiel folgen
heute darauf vorbereitet werden, mit ihrer Kultur, ihrer werden. Dies befreit die internationale Gemeinschaft
Arbeitskraft und vor allem ihrer Ausbildung positiv zu jedoch nicht von ihrer dringenden Verantwortung, eine
den Gesellschaften, in welche sie immigrieren, beizu- politische Lösung für die Aufnahme von Menschen zu
tragen. finden, die wegen des Klimawandels aus ihrer Heimat
vertrieben werden.
12 13Türen auf!
Gottes Volk kennt keine Fremden
der Arbeitsmarkt ist relativ klein. Von den drei Millio-
Kinder fliehen „Einige Jungs aus dem Stadtviertel schlossen sich der
Bild: Thorsten Krafft
nen Menschen im erwerbsfähigen Alter haben 270.000 Gang an, Francisco lehnte es ab. Damit begannen dann
einen Job im formalen Wirtschaftssektor. Mit 76.000 Flucht vor Gewalt in El Salvador die Drohungen“.
Beschäftigten ist der Öffentliche Dienst der größte
Arbeitgeber. Unterbezahlt sind jedoch alle Arbeitneh- Mauern und Grenzpolizei können El Salvadoranische Entscheidungen für Tod oder Leben
mer des Landes, der gesetzliche Mindestlohn liegt bei Immigranten nicht stoppen. Erdbeben, Vulkanaus-
22 Cent pro Stunde. Trotzdem bemühen sich alljährlich brüche, Überschwemmungen, Erdrutsche und Hurri- Die Drogenbanden machen deutlich: „Entweder du
tausende von Schulabgängern um einen „richtigen“ kans machen El Salvador zu einer der krisenanfälligsten schließt dich uns an oder du stirbst.“ Franciscos Familie
Job, den sie im ländlichen Raum kaum finden werden. Regionen der Erde. Hinzu kommt die Kriminalität. hatte keine Chance. Im Juni dieses Jahres versuchte
Einzige Hoffnung ist deshalb die Flucht in die Stadt. „El Salvador ist unsicher für Kinder geworden“, betont sie in den Norden zu fliehen. Zur Überraschung aller
Rund 15 % der Einwohner leben in den Städten, vor Blanca Irma, Pfarrerin der lutherischen Kirche in gelang es ihr über die Grenze zu kommen und ist somit
allem in der Landeshauptstadt Port Moresby mit ihren El Salvador. Bei Untersuchungen der UN-Kommission außerhalb der Reichweite der Gangs und damit in
großen Außenbezirken, in den Küstenstädten Lae und wurde dies auch festgestellt. „50 % der Menschen, die Sicherheit.
Madang und in der Hochlandstadt Mount Hagen. in die USA flüchten, sind schon Opfer der Kriminalität Die Situation der Familien, deren Kinder das Land
In den unzugänglichen Hochlandprovinzen leben gar geworden oder ihr Leben ist bedroht." verlassen, ist verzweifelt. „Eltern besuchen mich jede
40 % der Gesamtbevölkerung. 90.000 Jugendliche verlassen in 2014 das Land Woche. Ich sehe ihre Qual“, sagt P. Rafael Menjivar.
Junge Menschen verlassen ihre Dörfer im ländlichen El Salvador. Allerdings wurden bis zum 30. Juni 2014 „Dies ist sehr hart für mich. Ich
Raum keineswegs planlos. Meist leben in den von ihnen schon 13.300 Minderjährige wie- sehe die Kinder heranwachsen.
Bild: Hans Zeller
ausgewählten Städten bereits Familien- oder Klan- der von der Grenzpolizei zurück- Und sehe, wie die Gefahren ihre
Für die Menschen auf dem Land oft die einzige
angehörige, ehemalige Dorfbewohner oder Bekannte geschickt. Gesichter zeichnen.“
Einnahmequelle: der eigene Garten
„über mehrere Ecken“. Diese werden als Anlaufstelle Häufig verschulden sich die
genutzt. Man kommt vorerst dort unter und erhofft Victoria ist 17 Jahre alt. Ihre Familien, damit ihre Kinder durch
nur über illegale Aktionen wie Raubüberfälle oder den
sich einen sozialen Aufstieg in die Gruppe der Verdie- Familie wohnt in einer ländlichen Schlepper in die USA kommen.
Drogenhandel gelangen. In Straßenbanden vereint zie-
nenden. Die meisten Landflüchtlinge leben in illegalen Gegend ca. 1 Stunde entfernt Auf lange Jahre hinaus sind sie
hen sie durch die Städte, stets gewaltbereit und immer
Siedlungen (so genannte settlements) an den Ausfall- von der Hauptstadt San Salvador. dann davon abhängig, dass die
auf der Suche nach einem „heißen Deal“. Junge Frauen
straßen der Städte in selbst gebauten Wellblechhüten. „Ihre Nachbarschaft wird von Angehörigen Mittel nach
verdingen sich in der Prostitution, oft in Bars und Dis-
einer Drogenbande kontrolliert“, El Salvador schicken, damit sie
kotheken, die von ausländischen Gastarbeitern aus den
Diese Siedlungen sind entlang ethnischer Kategorien erklärt ihr Pfarrer. „Victoria hatte ihre Schulden abzahlen können.
asiatischen Nachbarländern frequentiert werden.
entstanden. Familien- und Klanangehörige bleiben nichts mit ihnen zu tun, aber die Viele Minderjährige schaffen es
unter sich. Bereits auf dem Land vorhandene Streitig- konkurrierende Drogenbande aber nicht, so wie Francisco und
Die Polizei steht dem allen relativ machtlos gegenüber.
keiten zwischen Verwandtschaftsgruppen werden so in glaubt ihr nicht. Sie belästig- Victoria. Sie kommen wieder
Zwar kann sie vereinzelt Kleinkriminelle (so genannte
die Stadt mit hinübergenommen und mit „städtischen“ ten sie ständig auf dem Weg zurück und die Bedrohungen
rascals) dingfest machen, doch den ausufernden Klan-
Mitteln wie etwa Schusswaffengebrauch ausgetra- zur Schule. Zu Hause erhielt sie wiederholen sich.
streitigkeiten kann auch sie keinen Einhalt gebieten.
gen. Verschärft wird die Situation in den Siedlungen telefonische Drohungen. Darauf-
Auch der Staat ist hoffnungslos überlastet. Die Regie-
durch mangelnde soziale Dienste. Da die Regierung die hin hörte sie auf, in die Schule Die lutherischen Kirchen geben
rung geht entweder mit Gewalt gegen illegale Siedlun-
Ansiedlungen nicht genehmigt hat, investiert sie weder zu gehen und hoffte, dass damit Stipendien, dass junge Leute eine
gen vor, indem sie ganze Hütten mit Bulldozern nie-
in das Bildungs- noch in das Gesundheitssystem. Eine auch der Telefonterror aufhören Schule besuchen können. Denn die Perspektivlosigkeit
derwalzt und die Menschen zum Verlassen des Gebiets
fehlende Infrastruktur sowie das veraltete Trinkwasser- würde. Dies war aber nicht der Fall.“ für die jungen Menschen treibt sie in die Drogengangs,
zwingt, oder sie verdrängt ganz einfach das Problem
und Sanitärsystem tun ein Übriges. Eine der höchsten Aus Furcht um ihr Leben schickten die Eltern Victoria die Familienersatz und Geldgeber zugleich sind. Aller-
nach dem Motto „Nur nicht hinsehen“. Mit dem Beginn
Müttersterblichkeitsraten der Welt und gar die höchs- in die USA. Die Grenzpolizei erwischte sie, und drei dings ist es ein gefährliches Spiel mit dem Tod.
der Landflucht seit der Unabhängigkeit 1975 hat sich
te Säuglings- und Kindersterblichkeit weltweit sind Wochen lang wurde sie in einem Lager für Minder- Bischof Medardo Gomez lädt die Minderjährigen in
die Kluft zwischen der ländlichen Bevölkerung und der
Indikator für die marode Lage des Gesundheitssektors. jährige festgehalten. Nun wartet sie darauf, dass ein die lutherischen Gemeinden ein. „Wir möchten, dass
kleinen Schicht städtischer gebildeter Wohlhabender
Hinzu kommt die absolute Perspektivlosigkeit der Jugendgericht ihr die Möglichkeit, gibt in den USA sie zusammen für ein würdiges Leben eintreten. Nur
extrem vertieft. Diese finanzielle und gebildete Elite
Landflüchtlinge, die oft nicht über eine formale Schul- bleiben zu können. zusammen können wir die Situation ändern.“ In einem
des Landes investiert nicht etwa in die Verbesserung
bildung verfügen. 43 Prozent der erwachsenen Bevöl- der Lebenssituation der Unterprivilegierten, sondern ehemaligen Flüchtlingslager bietet die Kirche Un-
kerung gelten als Analphabeten. Ihre Hoffnungen auf In San Miguel steckt Francisco, 16 Jahre alt, in einem terricht für den Anbau von Feldfrüchten an. Damit
„verschachert“ ihre erworbenen Reichtümer entlang
eine gut bezahlte Arbeit scheitern an der Realität, 70 anderen Dilemma. können die jungen Leute lernen, auf dem Land zu leben
familiärer Abstammungslinien. Vetternwirtschaft und
bis 90 Prozent der jungen arbeitsfähigen Männer sind Normalerweise ist diese Gegend in dem ländlichen und müssen nicht in die Stadt, die wenige Einkom-
Korruption sind so an der Tagesordnung.
offiziell arbeitslos. Sie ertränken ihren Frust in Alko- Julia Ratzmann
Raum weniger von der Kriminalität betroffen. „Bis mensmöglichkeiten für die jungen Menschen bietet.
hol. Um überhaupt am marktwirtschaftlichen System Pazifik-Infostelle
dann ein Drogendealer begann, eine neue Clique in Pfr. Hans Zeller
beteiligt zu sein, benötigen sie Geld, an welches sie oft der Gegend zu gründen“, erzählt die ältere Schwester. Lateinamerikareferent Mission EineWelt
14 15Türen auf!
Gottes Volk kennt keine Fremden
Pilgerweg zum Thema Flucht und Asyl
Menschen aus diesen Ländern stellen fast die Hälfte derer, führten ein schönes und beschauliches Familien- und
die in Deutschland Asyl beantragen. Berufsleben. Doch dann beginnt 2011 der Bürgerkrieg
(Aktuelle Zahlen unter www.bamf.de/DE/Infothek/Statisti- und das Land versinkt in Chaos, Gewalt und Schre-
ken/Asylzahlen/asylzahlen-node.html) cken.
Die Idee zu dem Pilgerweg ist ursprünglich Flüchtling, Geflüchtete, Flüchtende oder Unter den Asylsuchenden in Deutschland stammen 2014 D amaskus, Syrien, Sommer 2012
im Rahmen des Abschlussseminars des Zufluchtsuchende? nur ca. 13 % aus afrikanischen Ländern. Viele Staaten Bürgerkrieg. Unser Haus wird bombardiert und meine
Qualifizierungskurses „Horizonte“ 2012-13 von Im aktuellen Flüchtlings-Diskurs wird über die Konno- in Afrika sind reich: Sie haben Bodenschätze wie Erdöl, Familie und ich werden vertrieben. Aus Angst um
Mission EineWelt und Brot für die Welt Bayern tationen des Wortes „Flüchtling“ diskutiert. Das Suffix Diamanten und Kupfer. Das Problem dabei: Die Profite aus unser Leben finden wir tage- und nächtelang
„-ling“ ist eine Verkleinerungsform und hat auf Perso- dem Rohstoffhandel landen nicht bei der Bevölkerung, keinen Schlaf. Überall liegen tote Menschen herum.
entstanden. nen bezogen eher einen abwertenden Charakter (z. B. sondern gehen fast nur an herrschende Eliten und auslän- Ich beschließe gemeinsam mit meiner Familie, in den
Pfarrerin Gisela Voltz, Fachreferentin für Lehrling, Jüngling, Schwächling, Rohling). Deshalb wird
dische Unternehmen. Armut ist eine Folge von Macht und Libanon zu fliehen. Die Flucht wird hart; aber besser,
entwicklungsbezogene Bildungs- und Öffentlich- vorgeschlagen im Sprachgebrauch besser „Geflüchtete“,
„Flüchtende“ oder „Zufluchtsuchende“ zu verwenden. Geldflüssen in der globalisierten Welt (s. dazu das Zitat von als hier umzukommen!
keitsarbeit bei Mission EineWelt, hat die dort
Sprache formt Denken! Horst Köhler im Kasten). L ibanon, Herbst 2012
entstandenen Ideen für einzelne Stationen weiter
Doch im Libanon wird unsere Situation nicht besser:
1Station: „Fluchtgründe“
entwickelt und erweitert.
Nach dem derzeitigen deutschen Asylrecht werden die ständig werden wir angefeindet und das Geld für un-
Fluchtgründe nur zum Teil anerkannt. Von den Fällen, seren Lebensunterhalt bekommen wir kaum zusam-
In Form eines Pilgerwegs werden an verschiedenen die vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 2013 men. Obwohl der Bürgerkrieg eskaliert, entschließen
Ort: z. B. Supermarkt/Discounter, Kaufhaus,
Stationen verschiedene Themen aus dem Bereich inhaltlich geprüft wurden, erhielten nur fast 40 % der wir uns zur Rückkehr nach Syrien, dort leben schließ-
Rüstungsfirma
„Flucht und Asylpolitik“ angesprochen. Das Konzept Asylsuchenden in erster Instanz einen Schutzstatus. Ein lich auch noch unsere Verwandten.
sieht an jeder Station (bis auf die letzte) jeweils
folgende Struktur vor: Information kleiner Teil der Abgelehnten ist danach noch mit einer Klage
vor Gericht erfolgreich, was aber meist einige Jahre dauern
D amaskus, Syrien, November 2012
In Damaskus treffe ich meinen Bruder. Dieser be-
- Information Fluchtgeschichten sind immer Geschichten von Krieg und kann. richtet, dass er von den Handlangern Assads gesucht
Bürgerkrieg, Diskriminierung, Unterdrückung, politischer Asylsuchende aus Serbien, Mazedonien, Bosnien und Her- wird und bittet mich, dass ich mich um seine Familie
- Stimmen von Geflüchteten
Verfolgung, von Demütigungen, körperlichen Misshand- zegowina, bei denen es sich vor allem um Angehörige der kümmere, falls ihm etwas geschehen sollte. Kurz dar-
- öffentlichkeitswirksame Aktion
lungen, schweren Menschenrechtsverletzungen bis hin dort rassistisch schwer diskriminierten Roma-Minderheit auf passiert es: Mein Bruder wird festgenommen, das
- Bibeltexte zu grausamer Folter, von ungerechten Wirtschafts- und handelt, müssen seit Oktober 2014 mit einer noch schnel- Haus seiner Familie wird zerstört. Erneut organisiere
- Mutmacher Handelsbedingungen, manchmal auch von Klimawandel, leren Ablehnung ihrer Asylanträge rechnen, die Westbal- ich die Flucht – diesmal auch für die Familie meines
- Gebet Hunger und Armut. kanstaaten wurden von der Bundesregierung als „sichere Bruders.
Beispielsweise stammt im Jahr 2014 die größte Gruppe Herkunftsländer“ eingestuft. Wir beginnen den gefährlichen Weg über die Türkei
- Lied
(ca. 20 %) von Geflüchteten in Deutschland aus Syrien. nach Deutschland, auf dem viel passieren kann …
Gut wäre es, bereits in die Vorbereitung des
Der blutige Bürgerkrieg dort und der Terror der Gruppe „Wir müssen also endlich wieder mehr die strukturellen
Pilgerwegs Geflüchtete aus der Asylunterkunft vor
„Islamischer Staat“ bedrohte ihr Leben. Rahmenbedingungen in den Blick nehmen, die eine aktuelle Einzelfälle unter
Ort mit einzubeziehen. Sie könnten, wenn sie das positive Entwicklung Afrikas behindern: Unser derzeitiges
Die zweitgrößte Gruppe in Deutschland stellen 2014 www.proasyl.de/de/themen/einzelfaelle/
möchten, auch in persönlichen Statements etwas Produktions- und Konsumsystem basiert häufig auf der
Menschen aus Serbien (knapp 10 %), meist Roma. Laut
zu den jeweiligen Themen sagen (ggf. Übersetzung Externalisierung der sozialen und ökologischen Kosten
EU-Kommission sind Roma in allen Balkanstaaten einer
notwendig!). nach Asien und Afrika. Unser Beitrag zum Klimawandel n
Rundum-Diskriminierung ausgesetzt: Sie erhalten keinen nge Ab
trifft Afrika am stärksten. Unsere Agrarpolitik macht es igu s ch
Die einzelnen Teile bei jeder Station können von Zugang zu Wohnungen, kaum zu Bildung, Arbeit und eh
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Afrika nicht leicht, selbständig für Ernährungssicherheit zu
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jeweils verschiedenen Menschen/Gruppen vorgelesen
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Gesundheitsversorgung. Laut des Kinderhilfswerks UNICEF
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sorgen,unsereEnergiepolitikmusseineglobalePerspekti-
ge
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bzw. dargestellt/übernommen werden. Es können ve einnehmen, und wir müssen sehr viel mehr politisches
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haben Roma-Kinder eine um ein Drittel geringere Chan-
E xp
bei Bedarf auch einzelne Teile weggelassen oder ce, das erste Lebensjahr zu erreichen, als andere Kinder. Kapitalinvestieren,umendlicheinfairesundentwicklungs-
erweitert werden. Der Zeitbedarf für den Pilgerweg Häufig sind sie Opfer rassistischer Gewalt. freundliches internationales Handelssystem zu schaffen.“
hängt von der Länge der Wege zwischen den Ca. 8 % der Geflüchteten in Deutschland kommen 2014
Alt-Bundespräsident Horst Köhler in seiner bemerkenswerten
einzelnen Stationen ab. aus Eritrea, sie flohen vor der Militärdiktatur unter Rede über unser Bild von Afrika, Entwicklungsfragen und
Für die inhaltlichen Teile der Stationen 1 - 4 werden Präsident Isayas Afewerki, die den Menschen weder Zukunftsfähigkeit zur Eröffnung der Afrika-Tage 2014 des
mit allen Teilen ca. 1 - 1,5 Stunden benötigt (pro Presse-, Religions-, noch Versammlungsfreiheit gewährt Bundesministeriums für Bildung und Forschung in Berlin
www.bmbf.de/pubRD/Rede-Koehler-deutsch.pdf
Station ca. 15 - 25 min). - willkürliche Festnahmen politischer Gegner und andere
Für die musikalische Unterstützung auf dem systematische Menschenrechtsverletzungen sind an der
Flu
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Stimmen von Geflüchteten
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Tagesordnung.
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Pilgerweg eignen sich z. B. Posaunenchor,
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Weitere knapp 6 % kommen 2014 aus Afghanistan, wo
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Kirchenchor oder andere musikalische Gruppen vor
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Anschläge, gezielte Verfolgungen und Machtkämpfe zwi- D
amaskus, Syrien, bis 2011 Wa d
Ort.
schen den Clans täglich mehrere zivile Opfer fordern. Mein Name ist Nasir Al Agha. Mit meiner Frau und
meinen Kindern wohnte ich in Damaskus, Syrien. Wir
16 17Türen auf!
Gottes Volk kennt keine Fremden
Öffentlichkeitswirksame Aktion 2b) Stimme aus dem Off:
Die Baumwolle für das T-Shirt kommt z. B. aus Burkina
Bibeltexte streuten sich alle in die Länder Judäa und Samarien,
außer den Aposteln. (Apg. 8,1)
„Stell dir vor, du kannst verändern!“ Faso oder Ghana. Die guten Böden werden durch die Immer wieder lesen wir in der Bibel von Menschen, die
(Mikro, Lautsprecher, Klappstuhl, Zeitung, ggf. neuere pestizidaufwändigen Baumwollmonokulturen zerstört. auf der Flucht waren. Sie haben ihre Heimat verlassen, Weitere Fluchtgeschichten:
Zeitungsmeldungen zum Thema; Einkaufswagen/Ein- Die BaumwollpflückerInnen bekommen weniger als 1 mussten sich von Familie und Freunden trennen und http://chance-deutschland.org/main_fl_bibel.htm
kaufstasche mit Waren (T-Shirt u.a.) Dollar am Tag. sind in das Unbekannte gezogen.
Zusammengenäht wurde das T-Shirt in China von
1a) ZeitungsleserIn jungen Näherinnen, die für ca. 70 Euro im Monat fast Hier nur einige Beispiele:
(sitzt auf einem Klappstuhl und liest Zeitung laut vor) täglich 14 Stunden schuften. Der Gesundheits- und (Ggf. nur 1 – 2 Beispiele auswählen)
Die Welt, 11.06.14 Feuerschutz ist meist unzureichend. 2013 starben bei Jesus Christus – geflüchtet vor politischer
Deutschland hat im vergangenen Jahr (2013) seine einem Brand in einer Textilfabrik in Bangladesh, die Verfolgung
Rüstungsexporte in Länder außerhalb von EU und z. B. für Kik, Primark, Benetton hergestellt hat, über … siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Josef
Nato auf Rekordhöhe gesteigert. Ihr Anteil legte im im Traum und sprach: Steh auf, nimm das Kindlein
Vergleich zum Vorjahr von 55 auf 62 Prozent zu.
1.000 Arbeiterinnen und Arbeiter.
und seine Mutter mit dir und flieh nach Ägypten
Mutmacher
Das geht aus dem vom Kabinett beschlossenen Rüs- und bleib dort, bis ich dir‘s sage; denn Herodes hat Lebensperspektiven für illegalisierte Geflüchtete
2c) ZwischenruferIn:
tungsexportbericht hervor. Darunter sind mit Algerien, vor, das Kindlein zu suchen, um es umzubringen. in Marokko
„Stell dir vor, du kannst verändern!“
Katar, Saudi-Arabien oder Indonesien Länder, die für Da stand er auf und nahm das Kindlein und seine Nach einer kräftezehrenden und gefahrvollen Flucht
ShopperIn überlegt laut: Warum dürfen in Deutsch-
Menschenrechtsverletzungen bekannt sind. (…) Mutter mit sich bei Nacht und entwich nach Ägyp- aus ihren Heimatländern südlich der Sahara, die sie
land eigentlich Produkte verkauft werden, bei deren
Deutsche Rüstungskonzerne durften im Vorjahr für ten und blieb dort bis nach dem Tod des Herodes, … wegen wirtschaftlicher Perspektivlosigkeit, Gewalt und
Produktion Menschenrechte und ökologische Stan-
135 Millionen Euro Kleinwaffen und Munition expor- (Matthäus 2,13-15) Krieg verlassen haben, fristen sie jetzt ein menschen-
dards verletzt werden? Warum müssen Unternehmen
tieren, ein Anstieg von rund 43 Prozent. Ein Großteil unwürdiges Dasein als Illegalisierte in Marokko. Zurück
sich nicht gesetzlich verpflichten, weltweit entlang
auch dieser Lieferungen ging in Drittstaaten. Klein- Abraham – geflüchtet aus wirtschaftlichen und in ihre Heimat können sie in den meisten Fällen nicht.
der Produktionskette soziale Standards und Umwelt-
waffen, zu denen Maschinengewehre oder tragbare klimabedingten Gründen Der Weg nach Europa ist verbarrikadiert und gefähr-
Standards einzuhalten. Die Wirtschaft sollte im Dienst
Raketenwerfer zählen, fordern weltweit die meisten Es kam aber eine Hungersnot in das Land. Da zog lich. So wächst die Zahl derer, die längerfristig in dem
des Lebens stehen, nicht anders herum. Ich jedenfalls
Opfer in Konflikten. Abraham hinab nach Ägypten, dass er sich dort als nordafrikanischen Land um ihr Leben kämpfen, stetig
will ab heute versuchen, möglichst Produkte aus dem
http://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/ ein Fremdling aufhielte; denn der Hunger war groß an. In einem gemeinsamen Projekt des evangelischen
ökologischen Anbau und fairen Handel einzukaufen:
brennpunkte_nt/article128936970/Deutsche-Waffen- im Lande. (1. Mose 12,10) Kirchenkreises Jülich und der evangelischen Kirche in
Kaffee, Kakao, Tee, Kleidung, da gibt es schon viele
exporte-in-Drittlaender-auf-Rekordhoch.html Marokko (EEAM), finanziert über Brot für die Welt,
Möglichkeiten (schaut sich dabei einen Prospekt z.B.
Isaak – geflüchtet aus wirtschaftlichen und wird versucht, Geflüchteten in der menschenverach-
von einem Biobauernhof oder fairem Handel an).
1b) „ZwischenruferIn: klimabedingten Gründen tenden Situation der Illegalität ein Stück Menschen-
(Ggf. kann an die PassantInnen und Teilnehmenden ein
„Stell dir vor, du kannst verändern!“ Es kam aber eine Hungersnot ins Land nach der frü- würde zurückzugeben:
bio-regional-fairer Einkaufsführer verteilt werden.)
ZeitungsleserIn steht auf, legt Zeitung auf den Stuhl heren, die zu Abrahams Zeiten war. Und Isaak zog zu 39 Geflüchtete (mehrheitlich Frauen) wurden im Nä-
und zieht Aktionspostkarte von Aktion Aufschrei Abimelech, dem König der Philister, nach Gerar. hen, Tischlerhandwerk, Herstellung von Heimtextilien,
„Grenzen öffnen für Menschen – Grenzen schließen für (1. Mose 26,1) Kochen oder Mechanik ausgebildet. Nach Abschluss
Waffen“ heraus und liest den Text der Postkarte laut des Kurses wurden die TeilnehmerInnen weiter betreut
vor, unterschreibt und steckt diese in einen (imaginä- Naomi – geflüchtet aus wirtschaftlichen und und erhielten Startkapital und Material als Grundstock
ren) Briefkasten. klimabedingten Gründen für den Existenzaufbau. Von den AbsolventInnen des
Zu der Zeit, als die Richter richteten, entstand eine ersten Kurses arbeitet die Hälfte heute in Marokko.
Postkarte unter http://www.aufschrei-waffenhan- Hungersnot im Lande. Und ein Mann von Bethlehem Mit ihrer Arbeit verdienen sie nicht nur Geld und sind
del.de/Aktuelle-Aktionen.389.0.html#c5190 in Juda zog aus ins Land der Moabiter, um dort als zur Bestreitung ihres Alltags nicht länger auf Betteln,
Fremdling zu wohnen, mit seiner Frau und seinen Diebstahl oder Prostitution angewiesen, sondern sind
2a) SchnäppchenjägerIn/ShopperIn mit gefülltem beiden Söhnen. Der hieß Elimelech und seine Frau auch in die wachsende Sub-Sahara Community inte-
Einkaufswagen/großer Einkaufstasche Naomi und seine beiden Söhne Machlon und Kiljon; griert.
(seufzt) Ach, war das wieder ein Gedränge da drin, aber die waren Efratiter aus Bethlehem in Juda. Und als
ich hab super Schnäppchen gemacht! Schaut mal hier sie ins Land der Moabiter gekommen waren, blieben Fairer Handel
diese tollen Schuhe, hab zwar eigentlich schon genug sie dort. (Ruth 1,1-2) Wenn ein Bauer trotz harter körperlicher Arbeit seine
daheim, aber die waren so günstig, nur 12 Euro - hab Familie nicht ernähren kann, dann liegt das zum Teil
ich natürlich gleich mitgenommen. Oder hier, dieses Die ersten Christen – geflüchtet vor religiöser auch an ungerechten Welthandelsstrukturen. Im Fairen
T-Shirt, ist das nicht hübsch? War voll billig: nur 3,90 €! Verfolgung Handel sind die Strukturen anders: Die Produkte
Topmodern und klasse Preis! Es erhob sich aber an diesem Tag eine große Ver- werden zu fairen Bedingungen hergestellt und im-
folgung über die Gemeinde in Jerusalem; da zer- portiert. Im Mittelpunkt stehen die Produzentinnen
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