"Und sie bewegt sich doch!" - Der Schwur des Galilei Galileo

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"Und sie bewegt sich doch!" - Der Schwur des Galilei Galileo
“Und sie bewegt sich doch!” - Der Schwur des Galilei Galileo

"An der gleichen Stätte in Rom, im Festsaal des Klosters St. Maria sopra Minerva, an der GIORDANO
BRUNO sein Todesurteil entgegennahm, stand dreiunddreißigeinhalb Jahre später der Begründer der
modernen Physik: GALILEO GALILEI (1564-1642): Er wußte, wie das Schicksal Brunos auf dem
Scheiterhaufen des Campo dei Fiori (Blumenmarkt) geendet hatte.”(J.Hemleben: Das haben wir nicht gewollt,
Sinn und Tragik der Naturwissenschaft, Stuttgart 1978, S. 64 ff) )

                                 Galilei vor dem Tribunal der Inquisition,
                                 Rom 12. April bis 22. Juni 1633. Fresco
                                           von Nicolo Barabino

Auch für Galilei stand am Ende der Verhöre Galileis in Rom ein Urteil, in dem er vom Hl. Offizium
abscheulicher Verbrechen schuldig befunden wurde.

Vor den versammelten Kardinälen der Inquisition und ihrer Zeugen “in dem an die Kirche Santa Maria
Sopra Minerva angrenzenden Dominikanerkloster” wurde Galilei das Urteil am Mittwoch, dem 22.
Juni 1633, verlesen.

“Wir sagen, verkünden, urteilen und erklären, dass du dich, oben genannter Galileo, durch die im
Prozeß hergeleiteten und von dir, wie oben angegeben, gestandenen Dinge diesem Hl. Offizium der
Ketzerei dringend verdächtig gemacht hast, nämlich dass du die hast, wonach die Sonne der
Mittelpunkt der Welt sei und sich nicht von Osten nach Westen bewege und die Erde sich bewege und
nicht der Mittelpunkt der Welt sei, und dass man eine Meinung für vertretbar halten und verfechten
könne, nachdem sie als der Heiligen Schrift widersprechend erklärt und definiert wurde; und
infolgedessen hast du dir alle kirchlichen Strafen und Bußen zugezogen, die von den Kirchensatzungen
und anderen allgemeinen und besonderen Verordnungen dergleichen Missetätern auferlegt und gegen
sie verkündet werden. Wir sind es zufrieden, dass du von ihnen freigesprochen werdest, vorausgesetzt,
dass du zuvor aufrichtigen Herzens und geheuchelten Glaubens den oben genannten Irrtümern und
Ketzereien und jeglichem anderen Irrtum und jeder Ketzerei wider die Katholische und Apostolische
Kirche abschwörst, sie verfluchst und verabscheust in der Weise und in der Form, die wir dir
auferlegen werden.
Und damit dieser dein schwerer und verderblicher Irrtum und Verstoß nicht gänzlich ungestraft bleibe
und du in Zukunft klüger seiest und anderen als Beispiel dienest, damit sie sich derartiger Vergehen
enthalten, ordnen wir an, dass das Buch der Dialoge des Galileo Galilei durch öffentliche Verfügung
verboten werde.
Wir verurteilen dich zu förmlichen Kerker in diesem HL. Offizium nach unserem Ermessen; und als
heilsame Buße erlegen wir dir auf, in den drei kommenden Jahren einmal in der Woche die sieben
Bußpsalmen zu sprechen: und wir behalten uns vor, die oben genannten Strafen und Bußen zu mildern,
zu ändern, sie gänzlich oder teilweise aufzuheben.
 dophy2008

                                                                             Und sie bewegt sich doch - Seite 1-
"Und sie bewegt sich doch!" - Der Schwur des Galilei Galileo
Und so sagen, verkünden, urteilen, verfügen und behalten wir uns vor in dieser und jeder anderen
Weise und Form, wie wir von Rechts wegen können und müssen. So verkünden wir unterzeichneten
Kardinäle.” (Zitiert nach D. Sobel: Die Tochter des Galilei, S. 290f)

Dieses Urteil - nur von 7 der zehn Kardinäle des HL. Offizium unterzeichnet - machte alle Hoffnungen
zunichte, dass der Dialog lediglich bis zu seiner Korrektur, die Galilei angeboten hatte suspendiert
würde. Vielmehr folgte die Versammlung der Kardinäle Papst Urban VIII. der am 16. Juni ihnen noch
verkündet hatte, dass der Dialog in keinem Falle einer Zensur entgehen könne und damit verboten
werden müsse. “Galilei hingegen müsse in den Kerker gesperrt und bestraft werden, und seine
öffentliche Demütigung sei der ganzen Christenheit eine Warnung vor der törichten Tat, Befehle zu
mißachten und die göttliche Offenbarung der Heiligen Schrift zu leugnen.” (Sobel. a.a.O., S. 287)

Nach der Verkündigung des Urteils legte das Heilige Gericht der Inquisition “Galilei nun den
vorgefertigten Text der Abschwörung vor, den er laut verlesen mußte. Doch als er ihn vorher leise las,
stieß er auf zwei Formulierungen, die ihm derart widerwärtig waren, dass er sich nicht einmal unter
den gegebenen Umständen bereitfand, sie zu bekennen. Die eine behauptete, er habe wider das
Verhalten eines guten Katholiken gesündigt, die andere, er habe sich in betrügerischer Weise die
Druckerlaubnis für sein Buch erschlichen. Nichts davon sei wahr, protestierte er, und die Richter gaben
seinem Antrag statt, diese Behauptungen aus dem Text zu streichen.

Um dem Scheiterhaufen zu entgehen war Galilei bereit, “wenn Inquisition und Kirche es verlangten,
allem abzuschwören, was er im Laufe seines Lebens sich als Wahrheit erworben hatte, als auf die
gleiche Weise wie Bruno schimpflich ermordet zu werden.” So kniete er im weißen Büßerhemd vor
dem Inquisitionsgericht nieder und las den vorbereiteten Text seines Meineides vom Blatt ab. Er
schwor ab, hatte damit “sein Leben für weitere achteinhalb Jahre gerettet.”(J.Hemleben: Das haben wir nicht
gewollt, Sinn und Tragik der Naturwissenschaft, Stuttgart 1978, S. 64 ff) )

             "Ich, Galileo, Sohn des sel. Vincenzio Galilei aus Florenz, meines Alters
             70 Jahre, persönlich vor Gericht erschienen und vor Euch kniend,
             Erhabenste und Hochwürdigste Herren Kardinäle, Generalinquisitoren in
             der gesamten Christenheit wider die ketzerische Verderbnis, mit den
             Heiligen Evangelien vor meinen Augen, welche ich mit eigenen Händen
             berühre, schwöre, daß ich allzeit geglaubt habe, gegenwärtig glaube und
             mit der Hilfe Gottes in Zukunft alles glauben werde, was die HL.
             Katholische und Apostolische Kirche für gültig hält, predigt und lehrt.
             Weil ich aber von diesem Heiligen Offizium, nachdem ich durch Weisung
             von selbigem rechtskräftig aufgefordert worden war, gänzlich von der
             falschen Meinung abzulassen, dass die Sonne der Mittelpunkt der Welt sei
             und still stehe und dass die Erde nicht Mittelpunkt der Welt sei und sich
             bewege und dass ich besagte falsche Lehre weder aufrechterhalten,
             verfechten noch lehren könnte, auf welche Weise auch immer, weder in
             Wort noch in Schrift, und, nachdem mir kundgetan worden war, dass
             besagte Lehre der Heiligen Schrift widerspricht, ein Buch geschrieben und
             zum Druck gegeben habe, in welchem ich diese bereits verurteilte Lehre
             erörtere und mit großer Wirksamkeit Gründe zu ihren Gunsten nenne,
             ohne irgendeine Lösung beizubringen, dringend der Ketzerei verdächtig
             befunden worden bin, nämlich aufrechtgehalten und geglaubt zu haben,
             dass die Sonne Mittelpunkt der Welt sei und still stehe und dass die Erde
             nicht Mittelpunkt sei und sich bewege.
 dophy2008

                                                                 Und sie bewegt sich doch -2-
"Und sie bewegt sich doch!" - Der Schwur des Galilei Galileo
Deshalb, da ich aus dem Geiste Eurer Eminenzen und eines jeglichen
             getreuen Christen diesen heftigen Verdacht, der rechtens auf mich fällt,
             tilgen will, schwöre ich aufrichtigen Herzens und geheuchelten Glaubens
             ab, verfluche und verabscheue die oben genanten Irrtümer und Ketzereien
             und überhaupt jeglichen und jedweden anderen Irrtum, jede Ketzerei oder
             Sektiererei wider die Hl. Kirche; und ich schwöre, dass ich künftig
             niemals wider, in Wort oder Schrift, Dinge sagen noch behaupten werde,
             für welche ähnlicher Verdacht gegen mich erschöpft werden könnte; wenn
             ich aber auf irgendeinen Ketzer oder einen der Ketzerei Verdächtigen
             treffe, werde ich ihn diesem Hl. Offizium oder auch dem Inquisitor oder
             dem Oberhirten des Ortes, woselbst ich mich befinde, anzeigen.
             Ebenso schwöre ich und gelobe, alle Bußen, die mir von diesem Hl.
             Offizium auferlegt worden sind oder mir auferlegt werden, auf das
             genaueste einzuhalten und zu befolgen; und sollte ich einem dieser meiner
             Gelöbnisse und Schwüre zuwiderhandeln, was Gott verhüten möge, so
             unterwerfe ich mich den Strafen und Züchtigungen, welche von den
             heiligen Kirchensatzungen und anderen allgemeinen und besonderen
             Satzungen gegen dergleichen Missetäter erlassen und verkündet wird. So
             wahr mir Gott helfe und diese seine Heiligen Evangelien, welche ich mit
             den Händen berühre.
             Ich, oben genannter Galileo Galilei, habe abgeschworen, geschworen,
             gelobt und mich verpflichtet wie vorstehend; und in Beurkundung der
             Wahrheit habe ich mit eigener Hand das vorliegende Schriftstück meiner
             Abschwörung unterschrieben und sie Wort für Wort gesprochen, zu Rom
             im Kloster der Minerva am 22. Juni 1633.
             Ich Galileo Galilei, habe abgeschworen und wie vorstehend, mit eigener
             Hand." (Zitiert nach D. Sobel: a.a.O., S. 292)

Kopernikus Lehre, noch 1616 von dem Vorwurf der Schande der Häresie verschont geblieben, stand
nun wie der Dialog auf dem Index der verbotenen Schriften. Ohne Konsequenzen durch die
Inquisition befürchten zu müssen, konnte nun niemand mehr in Italien in wissenschaftlichen
Diskussionen für das heliozentrische System eintreten.

In diesem Zusammenhang wird oft behauptet, “Galilei habe beim Aufstehen vor sich hin gemurmelt:
Eppur si muove - “und sie bewegt sich doch”. Oder er habe die Worte laut ausgerufen, den Blick
himmelwärts gerichtet und mit dem Fuß aufstampfend. So oder so wäre es mehr als tollkühn
gewesen, bei diesem durchaus nicht freundlichen Zusammentreffen derart unerschrocken seine
Überzeugung kundzutun, zu schweigen davon, dass in dieser Bemerkung ein jähzorniger Trotz
mitschwingt, der für Galilei zu der Zeit und an diesem Ort völlig undenkbar gewesen wäre. Wenn
überhaupt, hätte er es Wochen oder Monate später gesagt, vor anderen Zeugen, aber gewiß nicht an
jenem Tag. In seinen Augen war seine Verurteilung im Kloster der Minerva ein Bruch der
Versprechungen, die man ihm als Gegenleistung für seine Kooperation gegeben hatte. Denn er war
ja von seiner Unschuld überzeugt; ein “Verbrechen” hatte er nur zugegeben, weil sein Geständnis
Teil einer Vereinbarung war.” (D. Sobel: a.a.O., S. 292f)

Wie kam es zu dieser Verurteilung ?

Galilei trat zu seiner Zeit für das heliozentrische Weltbild aufgrund nachprüfbarer astronomischer
Belege ein. Denn vielfältige astronomische Beobachtungen konnten im geozentrischen Weltbild des
 dophy2008

                                                                          Und sie bewegt sich doch -3-
"Und sie bewegt sich doch!" - Der Schwur des Galilei Galileo
Aristoteles nicht erklärt werden bzw. widersprachen ihm. Das heliozentrische System war für ihn
also mehr als nur eine bessere mathematische Theorie.

Aber welche Beobachtungen standen im Gegensatz zur griechischen Philosophie des Platons und
Aristoteles und des darauf fußenden geozentrischen Weltbildes des Ptolemäus ?

      astronomische Beobachtungen des             Die genannten Beobachtungen sind nach dem
 Astronomen Tycho Brahe und Galileo Galileis       aristotelisch/ptolemäischen Weltbild nicht
                                                                 möglich weil ...
 Tycho Brahe beobachtet das Auftauchen eines      Tycho Brahe hatte die Bewegung der Kometen
 Kometen, der jenseits der Mondsphäre             jenseits der Mondsphäre genau verfolgt. Auf
 mehrere Kristallsphären durchdrang (1577 und     ihrem Weg mußten sie mehrere der
 1585)                                            Kristallsphären - die Stütze der Planeten im
 (Sobel:a.a.O., S.104)                            geozentrischen Weltbild - durchdrungen und
                                                  somit zerstört haben. Die Planeten hätten so
 Weitere Kometenbeobachtungen im Jahre            ihre Stütze am Himmel verloren und vom
 1618, als Galilei krank daniederlag.             Himmel fallen müssen. Da die Planeten
 (Sobel:a.a.O., S.102)                            jedoch weiterhin auf ihren Sphären ihre Bahn
                                                  um die Erde zogen, mußte es sich bei der
 Galilei entdeckt im Januar 1610 durch das        Beobachtung um eine Täuschung handeln.
 Fernrohr die Jupitermonde (Mediceischen          Auch konnten die Jupitermonde nur eine
 Gestirne)                                        optische Täuschung im Fernrohr sein. Hatte
 (Sobel:a.a.O., S.42)                             sich nicht alles um die ruhende Erde zu drehen
                                                  ? Und außerdem hätten die Monde die Sphäre
                                                  des Jupiters zerstören müssen. Auch der
                                                  Jupiter hätte damit seine Stütze verloren.
 Galilei entdeckt durch sein Fernrohr, dass der   Widerspruch zur Vorstellung der griechischen
 Mond Berge und Täler aufweist.                   Astronomie, dass für die Form der
 (Sobel:a.a.O., S.41)                             Himmelskörper nur ideale Kugeln in Frage
                                                  kommen können..
 Tycho Brahe beobachtete 1572 das                 Irdische Bewegungen kommen zu Stillstand
 Aufleuchten eines neuen Sterns (Super Nova).     wie jede Erfahrung auf der Erde zeigt. Anders
                                                  ist es mit den Bewegungen am Himmel, die
 Galilei beobachtete ebenfalls im Jahre 1604      gestützt auf jahrhundertealte Beobachtungen
 die nächste Super Nova.                          (Babylonier, Sumerer) scheinbar ewig und
 (Sobel:a.a.O., S.63)                             damit unvergänglich sind. Daher glaubte
                                                  Aristoteles zwischen der irdisch-
 Galilei beobachtet durch sein Fernrohr die       vergänglichen und himmlisch-ewigen Welt
 Sonnenflecken und entdeckt, dass auch die        unterscheiden zu müssen, wobei die Sphäre
 Venus (1610) wie der Mond Phasen aufweist.       des Mondes die vergängliche von der ewigen
                                                  Welt trennen sollte. Jenseits der Sphäre des
                                                  Mondes war damit alles ewig und
                                                  unvergänglich, d.h. es konnten keine zeitlich
                                                  veränderlichen Ereignisse auftreten.

 dophy2008

                                                                         Und sie bewegt sich doch -4-
"Und sie bewegt sich doch!" - Der Schwur des Galilei Galileo
Galileis Forderung, “man möge zwischen Fragen der Wissenschaft und Artikeln des Glaubens
tunlichst unterscheiden, stellte Galilei in einem durchaus prekären Augenblick in der Geschichte der
Kirche.
Schwer erschüttert durch die protestantische Reformbewegung, die um 1517 in Deutschland
ausbrach, nahm die römisch-katholische Kirche während des gesamten sechzehnten und siebzehnten
Jahrhunderts eine Verteidigungshaltung ein, die als Gegenreformation in die Geschichte einging.”
(D. Sobel: a.a.O., S. 85)

Doch der Riss wurde größer und konnte später auch nicht durch das Konzil von Trient (1545 - 1563)
gekittet werden. Wichtig war, dass Luthers Position, jeder habe das Recht die Bibel selbst zu lesen
strikt abgelehnt wurde. 1546 erklärte man auf dem Konzil : “Niemand darf es wagen, sich auf sein
eigenes Urteil zu verlassen und die Heilige Schrift nach seinen eigenen Vorstellungen verzerrt
auszulegen.” (D. Sobel: a.a.O., S. 86)

Dies führte zu folgendem Glaubensbekenntnis, das für die folgenden Jahrzehnte gültig sein sollte :
“Ich glaube fest an die apostolischen und kirchlichen Traditionen und sonstigen Gebote und
Verordnungen der Kirche. Ich nehme die heilige Schrift in dem Sinne an, in welchem sie von der
Heiligen Mutter Kirche vertreten wurde und wird, der es allein zusteht, über den wahren Sinn und
die Auslegung der Heiligen Schrift zu urteilen, und werde sie in keiner anderen Weise auffassen oder
auslegen als gemäß der einstimmigen Billigung der Väter.”

Galilei war nun der Meinung, dass die Entscheidung, dass geozentrische System stehe in
Übereinstimmung mit der Bibel und sei deshalb “wahr”, voreilig getroffen worden war und vor dem
Hintergrund der neuen Beobachtungen neu zu überdenken sei.

Galilei erklärte in einem Brief an die Großherzogin Christine von Lothringen, dass die entscheidende
Passage im Buch Josua durch das kopernikanische System besser zu erklären sei als durch
Aristoteles oder Ptolemäus.

“Damals, als der Herr die Amoriter den Israeliten preisgab, redete Josua mit dem Herrn; dann sagte
er in Gegenwart der Israeliten: Sonne, bleib stehen über Gibeon, und du, Mond, über dem Tal von
Ajalon! Und die Sonne blieb stehen, und der Mond stand still, bis das Volk an seinen Feinden Rache
genommen hatte. Da steht im “Buch der Aufrechten”: Die Sonne blieb also mitten am Himmel
stehen, und ihr Untergang verzögerte sich, ungefähr einen ganzen Tag lang. Weder vorher noch
nachher hat es je einen solchen Tag gegeben, an dem der Herr auf die Stimme eines Menschen gehört
hätte; der Herr kämpfte nämlich für Israel. (Jos 10:12-14)”
(D.Sobel: a.a.O., S. 77)

Denken wir hier an die Bewegung der Kristallsphären um eine ruhende Erde im ptolemäischen
System, so hätte doch der Stillstand der Sphäre der Sonne auch einen Stillstand aller anderen
Sphären bedeuten müssen. Denn hatte nicht der “Erste Beweger” die äußerste Sphäre in Gang gesetzt
und dadurch alle anderen - in einander geschachtelten - Sphären in ewige Bewegung versetzt ?

Im Kopernikanischen System war jedoch der Übergang von Tag und Nacht durch die Bewegung der
Erde um die Sonne erklärt. Gleichzeitig bewies die Beobachtung der Sonnenflecken eine Rotation
der Sonne. Diese Bewegung verursachte nach Ansicht von Kopernikus und Galilei die Bewegung der
Erde um die Sonne. “Hätte Gott also die Rotation der Sonne angehalten, so wäre auch die Erde
stehen geblieben, und der Tag hätte sich so lange hingezogen, wie Josua es brauchte.”(D. Sobel:a.a.O.,
S. dophy2008
   77f)

                                                                            Und sie bewegt sich doch -5-
"Und sie bewegt sich doch!" - Der Schwur des Galilei Galileo
Außerdem, so Galilei, blieb die Sonne nach der biblischen Erzählung ja genau an der Stelle - “mitten
am Himmel” - stehen, wo sie nach dem kopernikanischen System stehen sollte. (D. Sobel:a.a.O., S. 78)

Und Galilei argumentiert weiter: “Ich glaube, dass die Absicht der Heiligen Schrift einzig darin
besteht, die Menschen von den Wahrheiten und Aussagen zu überzeugen, die notwendig für ihr
Seelenheil sind, aber alle menschliche Vernunft übersteigen und durch keine andere Wissenschaft
glaubhaft gemacht werden können, es sei durch den Mund des Heiligen Geistes selbst. Ich meine
nicht, es sei notwendig zu glauben, dass derselbe Gott, der uns unsere Sinne, unsere Sprache, unseren
Verstand gegeben hat, wünschen könnte, dass wir keinen Gebrauch davon machen, um uns statt
dessen auf anderem Weg Dinge zu lehren, die wir mit ihrer Hilfe selbst erlangen können, und
namentlich in solchen Wissenschaften, von denen nur ein geringer Teil und nur sehr wenigen
Schlußfolgerungen in der Heiligen Schrift enthalten sind, und vor allem in der Astronomie , deren
Anteil so gering ist, dass nicht einmal die Namen der Planeten genannt werden. Falls die
Evangelisten die Absicht gehabt hätten, das Volk über die Konstellationen und Bewegungen der
Himmelskörper zu belehren, hätten sie das Thema nicht so kärglich behandelt.”“(D. Sobel: a.a.O., S. 78f)

Doch alle Diskussionen halfen nichts. Im Februar 1616 erklärten die Kardinäle des Heiligen
Offiziums die kopernikanische für “formal häretisch” insofern, “als sie der Heiligen Schrift
unmittelbar wiederspreche”. Außerdem sei sie auch “philosophisch “töricht und widersinnig”“. (D.
Sobel: a.a.O, S. 92) Galilei wurde anschließend ermahnt, “seine Meinung nicht mehr als Tatsache zu
vertreten.” (D. Sobel: a.a.O., S. 93)

Kardinal Bellarmin, der die Leistungen Galileis hoch einschätze und 1611 selbst die Jupitermonde
beobachtet hatte forderte Galilei auf anzuerkennen, dass das Kopernikanische System lediglich eine
mathematische Hypothese sein könne. Außerdem verbiete sich nach dem tridentischen Konzil die
“Auslegung der Bibel im Widerspruch zur allgemeinen Übereinstimmung der Väter, die
einvernehmlich auch mit den zeitgenössischen Kommentartoren die Bibel dahingehend erklärten,
dass die Sonne sich um die Erde bewege.
Ich füge noch hinzu, dass derjenige, welcher geschrieben hat: die Sonne geht auf, und sie geht unter
und kehrt an ihrem Ort zurück, ect., Salomo ist, der nicht nur von Gott inspiriert sprach, sondern
auch der weiseste unter allen Menschen und sehr gelehrt in allen menschlichen Wissenschaften und
in der Kenntnis aller geschaffenen Dinge war und all diese Weisheit von Gott hatte, weshalb es nicht
wahrscheinlich ist, dass er etwas behauptet haben sollte, was im Widerspruch stände zu etwas, was
als wahr erwiesen ist oder erwiesen werden könnte. Und wenn man einwendet, Salomo spreche nach
dem Anschein, weil es uns so scheine, als ob die Sonne sich bewege, während die Erde sich bewegt -
gerade so wie es dem, welcher vom Ufer sich entfernt, so scheine, als ob sich das Ufer vom Schiff
entfernt -, so antworte ich: wenn es dem, welcher vom Ufer sich entfernt, auch so erscheint, als
entferne sich das Ufer von ihm, so erkennt er doch, dass dieses ein Irrtum ist, und er berichtigt ihn,
da er deutlich sieht, dass das Schiff sich bewegt und nicht das Ufer. Was aber die Sonne und die Erde
betrifft, so braucht kein Gelehrter den Irrtum zu berichtigen, da er durch augenscheinliche Erfahrung
weiß, dass die Erde stillsteht und das Auge sich nicht täuscht, wenn es urteilt, dass die Sonne sich
bewegt, wie es sich auch nicht täuscht, wenn es urteilt, dass die Sterne sich bewegen.” (D. Sobel: a.a.O.,
S. 91f)

Nach diesen Vorwarnungen war für die Mehrheit der Kardinäle im HL. Offizium klar, dass Galilei
hinter den Argumentationen der Personen im Dialog in Wirklichkeit nur seine wahre Ansicht, das die
Erde sich um die Sonne bewegt, verbarg. Außerdem missachtete er mit der Veröffentlichung die
Vorgaben der Kirchenväter.
  dophy2008

                                                                               Und sie bewegt sich doch -6-
Nach dem Urteil Galilei verbrachte Galilei einige Zeit im erzbischöflichen Palais zu Siena. Die Last
des Urteils war hier erträglich, da ihm der Bischof freundschaftlich zugewandt war und nicht jeden
Kontakt unterband.
Mit der Rückkehr in sein Haus in Arcetri im Dezember 1633, verschärften sich die Umstände für
Galilei. Anders als im erzbischöflichen Palais stand er wieder verstärkt unter der Aufsicht des Hl.
Offiziums. So wurde mit der Rückkehr die Strafe verschärft, “denn die Atmosphäre, die im
erzbischöflichen Palais zu Siena herrschte, erschien ihm [Papst Urban] immer mehr wie ein
exklusiver Salon. Die päpstliche Empfehlung an das Hl. Offizium sah eine erhebliche Einschränkung
sämtlicher sozialer Kontakte sowie das Verbot jeglicher Lehrtätigkeit vor.” (D. Sobel: a.a.O., S. 355)

Aber dennoch griff Galilei im Alter von nun 70 Jahren unvollendete Arbeiten und Ideen erneut auf,
die dann in einem zweiten Buch 1638 in Leiden veröffentlicht wurden. Der Titel lautete:
“Unterredungen und mathematische Demonstrationen über zwei neue Wissenszweige, betreffend die
Mechanik und die lokalen Bewegungen, von Herrn Galileo Galilei Linceo, Philosoph und Erster
Mathematiker des Durchlauchtigsten Großfürsten der Toskana. Mit einem Anhang über den
Schwerpunkt in einigen Festkörpern. In Leiden, bei Elzevier, MGCXXXVIII “.
Dieses Werk konnte aufgrund der Auflagen des Hl. Offizium nur im Ausland in Druck gehen. Denn
Papst Urban hatte “begleitend zum Verbot des Dialogs eine Warnung herausgegeben, mit der er den
Nachdruck irgendeines früheren Buches von Galilei für unstatthaft erklärte”, mit der Konsequenz,
dass Galileis Arbeiten in Italien nach und nach verschwanden. (D. Sobel: a.a.O., S. 362)

Über das Verbot der weiteren wissenschaftlichen Betätigung und des Verbotes der Veröffentlichung
wissenschaftlicher Forschungsergebnisse beklagte sich Galilei in einem Brief an einen
Korrespondenten in Frankreich wie folgt:

“... und haltet nur für sicher, dass diese, würde ich sagen, von Euch so geschätzte Besonderheit der
wichtigste, wenn nicht einzige Grund meines Sturzes war und immer noch ist. Dass ich viele Fehler
in den Lehren aufdeckte, die schon jahrhundertlang in den Schulen gelehrt wurden, zum Teil
verbreitet und zum Teil noch zu veröffentlichen, hat in den Gemütern jener, die als einzig für
wissend gehalten zu werden wünschen, derartige Verachtung geweckt, dass sie, da sie sehr schlau
und sehr mächtig sind, Mittel und Wege ersannen, um die Entdeckungen und Veröffentlichungen zu
unterdrücken und zu verhindern, was mir noch ans Licht zu holen blieb; nachdem es ihnen gelungen
war, vom Obersten Tribunal die allerstrengste Weisung an die Patres der Inquisition zu erwirken,
keinerlei Werk von mir zu erlauben: eine Weisung, die, sage ich, durchaus allgemein ist und omnia
edita et edenda umfaßt. [...] Für mich ziemt es sich folglich, den Angriffen, Bissigkeiten und
Beleidigungen meiner Gegner, die noch von nicht geringer Zahl sind, schweigend zu erliegen.”
(D. Sobel: a.a.O., S. 363)

Mit diesem Buch beginnt zunächst außerhalb Italien die Naturwissenschaft, die in Issac Newton mit
seiner Klassischen Mechanik einen ersten Höhepunkt erreichen wird.

So verdanken wir Galilei insbesondere die Erkenntnis, dass jede Theorie an die Beweiskraft des
Experimentes gebunden ist. Und noch eines ist wichtig festzuhalten; die Wahrheit trotzt auf Dauer
jeder Unterdrückung.

Anmerkung: Papst Johannes Paul II. tritt 1992 öffentlich für Galileis Rehabilitation ein. Dazu
           einige Zeitungsberichte.

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            Und sie bewegt sich doch -8-
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Die Apolloflüge und die Mondlandung;
                   ein später Triumph für Aristarch, Kopernikus und Galilei

Als zu Weihnachten 1968 die Apollo-Astronauten Bormann, Lovell und Anders als erste Menschen
während ihrer Mondumkreisungen aus dem All die Erde als bläulich marmorierte, im Weltraum
schwebend und langsam rotierende Kugel sahen, wurde das bislang theoretische Wissen für alle nun
“erfahrbare Wirklichkeit”.

     Quelle: NASA - Die Erde, der blaue Planet, vom
     Mond aus gesehen

Für jeden Menschen, der am Bildschirm die Übertragung der Bilder aus dem All verfolgte, war
spätestens jetzt die “kopernikanische Wende” eingetreten. (E. Verhülsdonk: Logenplatz im Universum, S.7f)

Die Menschen im Mittelalter waren durch die Vorstellung eines heliozentrischen Kosmos, in dem die
Sonne im Mittelpunkt stand und nicht die, nach Aristoteles ruhende Erde, zutiefst “verletzt”. Wie
konnte der Mensch, “Ebenbild Gottes” und “Krone der Schöpfung”, auf dem Gottes wohlgefälliges
Auge ruhte, auf einer Erde leben, die nicht im Mittelpunkt stand? Sie waren geschockt dass die Erde
zu einem Trabanten der Sonne degradiert war. Gänzlich unmöglich waren die Ausführungen
Giordano Brunos, für den selbst die Sonne nicht das Zentrum darstellen sollte. Das Universum sollte
vielmehr aus vielen Welteninseln bestehen. Die Erde sollte also wahrlich nur ein Staubkorn in einem
unermesslich großen Kosmos sein. (Staubkorn-Komplex) (vgl. E. Verhülsdonk: Logenplatz im Universum,
S.24 ) Damals unvorstellbar, heute gesichertes Wissen!

Mit der Radioastronomie nach dem zweiten Weltkrieg hat sich unser Blick in den Kosmos aufs neue
geweitet. Hatte sich durch die Fernrohrbeoachtungen Galilei in jener denkwürdigen Januarnacht
1610, als er zum erstenmal das Fernrohr gegen den Himmel richtete ein “neuer Himmel” aufgetan,
so geschah dies erneut durch die Radioastronomie. (E. Verhülsdonk: Logenplatz im Universum, S.55 ) Sie
eröffnete uns den Blick in die Zeit kurz nach dem Urknall.

                           “Was ist zum Schluß der Mensch in der Natur ?
                                 Ein Nichts vor dem Unendlichen,
                                   ein All gegenüber dem Nichts,
                               eine Mitte zwischen Nichts und All.”

              Blaise Pascal (1623-1662) zitiert aus E. Verhülsdonk: Logenplatz im Universum, S.6

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