Hospiz Stern - Unser Hospiz - Hospiz an der Lutter

 
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Hospiz Stern - Unser Hospiz - Hospiz an der Lutter
17. ausgabe – januar 2019

Hospiz                                         hospiz
                                                 an der lutter

    Stern

            Unser Hospiz
                            im neuen Gewand!

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                                  2018
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Hospiz Stern - Unser Hospiz - Hospiz an der Lutter
Inhalt
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VORWORT                                  „Bitte zwei heiSSe                     Abschied Diakon
Die 17. Ausgabe des Hospizsterns         Würstchen...“                          Klaus Gottschalt
ist die Erste im neuen Gewand –          Als ehrenamtliche Hospizbegleiterin    Loslassen und Neues erkunden –
wie schön, dass Sie dabei sind!          kennt sich Heide Reinshagen selbst     darin ist Klaus Gottschalt geübt.
Beatrix Haan                             in kulinarischen Fragen bestens aus.   Von der Reise ins „Neuland Rente“
                                         Heide Reinshagen                       berichtet er uns.

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Im neuen Hospiz                                                                 28
Viel begann, viel endete und viel hat    Wir sind das hospiz
sich verändert. Doch das Wichtigste      29 + 80 Mitarbeiterinnen und           Gedenkfeier
ist geblieben: unsere Leidenschaft für   Mitarbeiter im neuen Hospiz –          im Stationären Hospiz
das Leben im Hospiz.                     das sind wir!                          Dieses festliche Zusammenkommen
Regina Bauer                                                                    ermöglicht gemeinsames Erinnern
                                                                                und Gedenken. Ein wichtiger Tag.
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                                         Wie wird man ein Lebens-
UNSER Hospizgarten                       begleiter am Lebensende?               30
Unser Gartenbauarchitekt hat             Diese Frage beantworten wir Ihnen
uns versprochen, dass wir uns auf        gerne.                                 Gedanken einer Bestatterin
einen schönen neuen Garten freuen                                               Als Bestatterin hat Martina Rosen-
könnten. Stimmt!                                                                treter viel Veränderung erlebt.
Beatrix Haan                             22                                     Wie gut, dass sie uns davon erzählt.
                                                                                Martina Rosentreter
                                         Handbuch
15                                       Die ehrenamtlichen Mitarbeiter-
                                         innen und Mitarbeiter haben            32
„Die Begleitung könnte                   Qualitätskriterien für den ambu-
länger dauern...“                        lanten Hospizdienst definiert.         jahresrückblick 2018
Nach zweieinhalb Jahren kann eine                                               1 Jahr, 12 Monate, 365 Tage:
Begleitung zur Freundschaft werden.                                             Wir haben unser 2018 für Sie
Marion Rippl hat es erlebt.              24                                     zusammengefasst.
Marion Rippl
                                         Geschäftsführer im Hospiz
                                         Olaf Hußmann stellt sich als neuer     34
                                         Geschäftsführer vor.
                                         Olaf Hußmann                           Dank
                                                                                Für Ihre finanzielle, materielle und
                                                                                gedankliche Zuwendung und Unter-
                                                                                stützung danken wir Ihnen.

                                                                                                                       3
Hospiz Stern - Unser Hospiz - Hospiz an der Lutter
Man sieht die Blumen welken
           und die Blätter fallen,
     aber man sieht auch Früchte reifen
         und neue Knospen keimen.
    Das Leben gehört den Lebendigen an,
               und wer lebt,
       muß auf Wechsel gefaßt sein.
                   GOETHE

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Vorwort

                                                               beatrix haan
                                                                  Vorsitzende

Das Hospiz an der Lutter hat durch                  Menschen zu begleiten ist eins der        Mit großer Freude sage ich an dieser
den Umzug ein neues Aussehen                        wesentlichen Merkmale in der Hospiz-      Stelle im Namen des Vorstands, des
bekommen und ist so schön geworden,                 arbeit.                                   Geschäftsführers Olaf Hußmann und
dass wir uns gedacht haben, auch der                                                          der Leiterinnen des Hospizes, Manuela
„Hospizstern“ kann eine Auffrischung                Wunderbar Begleitete sind wir alle,       Brandt-Durlach und Regina Bauer
in Form und Inhalt vertragen:                       die verantwortlich an der Umgestal-       ganz herzlichen Dank für alles, was
                                                    tung des Hospizes beteiligt waren,        unsere Mitmenschen dem Hospiz an
Erneuerungen bedeuten ja nicht,                     in mannigfaltiger Weise geworden.         Hilfe entgegengebracht haben.
dass Bewährtes aufgegeben wird,
sondern dass es viele Chancen gibt,                 Die Vielfalt der Hilfen, die uns zuteil
Überholtes zu ersetzen, und Verstaub-               wurde, gehört nun zu der Geschichte
tes zu polieren.                                    unseres Hospizes. Sie wird immer          Mit freundlichen Grüßen von dem
                                                    wieder erzählt werden und damit in        Redaktionsteam des Hospizsterns,
Neue Räume, eine neue Adresse, neue                 Erinnerung bleiben.
Mitarbeitende – wir sind voll Staunen                                                         Ihre
über die Veränderungen und beruhigt,
dass unser Hospiz in seinem Wesen                                                             beatrix haan
gleichgeblieben ist.

Aus Gründen der Lesbarkeit verzichten wir darauf,
konsequent geschlechtsspezifische Formulierungen
zu verwenden. Soweit personenbezogene Angaben
nur in männlicher Form angeführt sind, beziehen
sie sich auf Männer und Frauen in gleicher Weise.                                                                                5
Hospiz Stern - Unser Hospiz - Hospiz an der Lutter
Im neuen Hospiz

                                                    regina bauer
                                              Leiterin Stationäres Hospizes

Viel geht mir durch den Kopf, wenn ich über die Rasanz         Wie schön, dass wir den Angehörigen anbieten können,
der Veränderungen in den letzten Monaten nachdenke.            im Hospiz zu übernachten, dass die Zimmer groß genug
Die Mitarbeiter sind noch gar nicht richtig zur Ruhe, zum      sind, um ein Schlafsofa mit aufzunehmen. Und wie
Durchatmen gekommen. Deutlich mehr Patienten, neue             schön, dass endlich jeder Patient ein eigenes Badezim-
Mitarbeiter, neue Strukturen. Da tut es gut, innezuhalten      mer hat mit einer geräumigen Dusche und viel Platz
und über das Wesentliche im Hospiz nachzudenken.               drumherum.

Wir stellen fest, dass wir im Blick auf die uns anvertrauten   Es geht ja ums Zuhause-Sein. Wie gern wären unsere
Patienten und ihre Angehörigen eigentlich nichts anderes       Patienten in ihrem eigenen Zuhause. Da, wo das nicht
machen als die Jahre zuvor in unserem alten Hospiz.            mehr möglich ist, kommt auf uns Mitarbeiter die Verant-
Wir bereiten für unsere Patienten das für sie vorgesehene      wortung zu, dieses neue Zuhause für unsere Patienten
Zimmer liebevoll vor. Wir denken daran, dass es ihm oder       und deren Zugehörige mit zu ermöglichen.
ihr schwerfallen wird, bei uns im Hospiz einzuziehen.
Und so ist es uns ein Anliegen, die Räume freundlich zu        Und da sind sie schon wieder, die neuen Bilder von
gestalten. Hier noch ein Deckchen, da ein Tablett mit          Menschen und Situationen, die im letzten Jahr unsere
Getränken und Gläsern, ein frischer Blumenstrauß,              Räume mit Leben gefüllt haben. Durch die Menschen,
angenehme Temperatur.                                          die hier gelebt haben, hier leben, ist das neue Hospiz
                                                               zum Leben erwacht. Die neuen Räume sind nicht mehr
Wie schön, dass unsere neuen Zimmer hell und groß              Selbstzweck, der bestaunt und bewundert werden will.
sind. Wie schön, dass die hohen Altbaudecken erhalten          Die neuen Räume dienen den Menschen, die hier wohnen.
geblieben sind, dass einige Zimmer bodentiefe Fenster
haben und man direkte Sicht in den Garten hat. Wie             Hier ist es möglich, sich zurückzuziehen, hier ist es auch
schön, dass die Beleuchtung so besonders geworden ist,         möglich, sich an Mitarbeiter*innen, Ehrenamtliche,
dass geschmackvolle Lampen im Hospiz hängen, dass die          Seelsorger, Hauswirtschafterinnen, andere Patienten
Beleuchtung variabel ist und zwischen hell und kuschelig       anzuschließen. Das eigene Zimmer kann zu einer
gemütlich alles einstellbar ist.                               Festung, einem Rückzugsort, einer Wohnung werden.

                                                               Das Wohnzimmer kann der Ort für Begegnungen, Feste,
                                                               das normale Frühstück, Mittag- oder Abendessen sein.

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Es geht ja
                                                                               ums Zuhause-Sein...

Der Raum der Stille lässt innehalten, gibt oft den Ange-   Und Herr S., ein Patient, der schon seit Monaten im
hörigen Schutz und Raum zu Gesprächen.                     Hospiz wohnt, ein Patient, der das Hospiz als sein neues
                                                           Zuhause angenommen hat, ein Patient, der lebensklug
Zehn Zimmer stehen im neuen Hospiz zur Verfügung.          und interessiert zu vielen Themen etwas beisteuern
Zehn Möglichkeiten, Räume einzunehmen. Dass dieses         kann, ein Patient, der Lust hat auf das Leben, das ihm
gelungen ist, macht uns dankbar. So sind die Zimmer        noch geschenkt ist, jemand, der sämtliche griechischen,
schon jetzt verbunden mit nicht auszulöschenden            italienischen, asiatischen Restaurants mit Lieferservice
Gesichtern.                                                kennt, jemand, der die ihm ermöglichte Sicherheit im
                                                           Hospiz dankbar annimmt und mit seiner gelassenen
Der wunderbare Herr R., der sich im Hospiz nochmal so      positiven Haltung die Mitarbeiter im Hospiz berührt.
gut erholt hat, der sich selbst alles abverlangte, um so
wenig Hilfe wie möglich einzufordern, der am Wochen-       In dem vergangenen Jahr haben uns schon über 100
ende mit seiner Familie gegrillt hat, der gestützt auf     Menschen ihr Leben anvertraut. Sie haben mit uns
seinen hohen Gehwagen dem Koch entgegengeht, um            gelebt, sie haben uns vertraut, mit uns geweint und
sich für das außergewöhnlich gute Essen zu bedanken,       gelacht. Das ist es, was wir uns im tiefsten wünschen,
der sein Schicksal angenommen hat und ohne zu klagen       dass Menschen in unserem Göttinger Hospiz nochmal
seinen Weg geht.                                           Lebensqualität erfahren, erfahren, dass auch die Zeit vor
                                                           dem Sterben echte Lebenszeit ist.
Herr M., der mit seiner Frau zusammen eingezogen ist.
„Wie wird er kommen, der Tod? Wie werde ich ihm            Dass dazu die neuen Räume im Hospiz dienen mögen,
begegnen? Werde ich ihn erkennen? Wie wunderbar,           dass dem Leben in all seiner Begrenztheit Raum gegeben
dass meine Frau an meiner Seite ist – und wenn sie nicht   wird, ist unser größter Wunsch.
da ist, sitzt jemand vom Team bei mir.“
                                                           regina bauer
Und vorgestern ist Frau G. gestorben, einer der wunder-
barsten Menschen, die ich kennengelernt habe: klug,
gebildet, selbstbestimmt, ohne Angst, ausgestattet mit
unvergleichlichem Humor, Sprachwitz, ohne sprechen zu
können, blitzende, kluge Augen, Hände, die beim Hören
von Klaviermusik den Fingersatz mitspielen.

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Durch die Menschen,
         die hier gelebt haben, hier leben,
    ist das neue Hospiz zum Leben erwacht.

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Hospiz Stern - Unser Hospiz - Hospiz an der Lutter
Unser Hospizgarten
             Schau an der schönen Gärten Zier und siehe wie sie mir und dir
                 sich ausgeschmücket haben, sich ausgeschmücket haben.

Soweit, wie in der bekannten Lied-      Aber dann zeichnete der Garten-
zeile von Paul Gerhard beschrieben,     bauarchitekt Dr. Christoph Schwahn,
ist der neue Hospizgarten noch          der den alten Hospizgarten auch
lange nicht, aber wie sich der Garten   schon gestaltet hatte, einen Garten-
seit dem Frühjahr 2018, als endlich     plan. Er versprach, das Hospiz
mit dem Gartenbau begonnen werden       ehrenamtlich bei der Gartengestal-
konnte, entwickelt hat, grenzt an ein   tung zu unterstützen und versicherte,
Wunder.                                 dass wir uns auf einen schönen
                                        neuen Garten freuen könnten.
Es gab vor langer Zeit einen schönen
Garten vor dem Gebäude, in dem          Goethe dichtete: „Die Natur ist aller
nun das neue Hospiz seinen Platz        Meister Meister, sie zeigt uns erst
gefunden hat. Dieser fiel den vielen    den Geist der Geister.“
Bautätigkeiten zum Opfer und
wurde Standort für die schwersten       Das bewahrheitet sich durch die
Baufahrzeuge, Lastwagen, und Lager-     alten Bäume, die noch auf dem
platz für Container, Betonröhren und    Grundstück stehen, aber ohne die
Kabelrollen.                            Hilfe der Gartenprofis hätte die
                                        Natur es sehr schwer gehabt, sich
Der Garten wurde Abstellplatz, und      den verunstalteten Grund wieder-
ich konnte mir nur schwer vorstellen,   zuerobern, und wir sind voller Dank-
dass darauf nochmal etwas wachsen       barkeit für alle, die bei Hitze und
würde.                                  Trockenheit, und trotz immer wieder
                                        auftauchenden Hürden, gebaggert,
                                        gegraben, gepflanzt und gegossen
                                        haben und das Chaos in ein Biotop
                                        verwandelten.

                                                                                     Die erste Bewährung, die zeigte,
                                                                                wie schön der Garten sich entwickelt,
                                                                                     war das gelungene Sommerfest
                                                                                                am 1. September 2018
                                                                                             mit über 250 Besuchern.

10
Die Terrasse: Von der Wohnküche aus       Durch den Garten führt ein gut
führt eine Treppe auf die Terrasse,       befestigter Rundweg mit kleinen
die ebenfalls über einen Fahrstuhl        Plätzen zum Verweilen….           … und es gibt einen Teich!
mit Bett oder Rollstuhl erreichbar ist.

                                                                                                         11
Nun können wir getrost den Garten dem Winter überlassen
                         und voller Freude auf das Frühjahr warten.

Trotz der diesjährigen großen Trocken-   In einer gewagten Aktion war es     Die Jugendfeuerwehr aus Nikolaus-
heit gelang es durch viel Gießen,        möglich, das Gartenhaus vom alten   berg siedelte die Fische vom alten in
den Rasen zum Sprießen zu bringen        ins neue Hospiz umzuziehen.         den neuen Teich um.
und Rosen und Stauden aus dem
alten Hospizgarten zu verpflanzen.

12
Blumen sehet ruhig sprießen,
                                      Reizend euer Haupt umzieren;
                                     Früchte wollen nicht verführen,
                                     Kostend mag man sie genießen.
                                Kommt, von allerreifsten Früchten
                               Mit Geschmack und Lust zu speisen!
                                   über Rosen läßt sich dichten,
                                  In die Äpfel muß man beißen.
                                                      GOETHE

Die Verszeilen aus Goethes Gedicht     Und dann gab es noch das Garten-     Wir feiern!
„Garten“ veranschaulichen, warum       fest mit Grill und Glühwein:
wir uns wünschten, dass neben                                               „Gartentaufe“ mit Lutter-Wasser
Rosen und Tulpen auch Apfelbäume       Am Dienstag, dem 13. November 2018   und „Geh aus, mein Herz…“ nicht
gepflanzt werden.                      um 14.30 Uhr nimmt das Hospiz an     „in der lieben Sommerzeit“, sondern:
                                       der Lutter in der Humboldtallee 10   siehe oben! Herzlich willkommen!
Das konnte nur gelingen, weil          seinen neuen Garten in Gebrauch!
Göttinger Rotarier Spaten und                                               Nun können wir getrost den Garten
Schaufel in die Hand nahmen,           Im Sommer wurde gebaggert,           dem Winter überlassen und voller
einen Ableger der 1000-jährigen        im Herbst gepflanzt, jetzt kann er   Freude auf das Frühjahr warten.
Rose aus Hildesheim als Geschenk       genutzt werden.
mitbrachten, 1000 Tulpenzwiebeln,
eine Spende der Familie Kröbel,                                             beatrix haan
und 10 Apfelbäume pflanzten.

                                                                                                              13
Hände sind nie leer,
     die sich wirklich reichen.
          Rainer Maria Rilke

14
„Die Begleitung
                          könnte länger dauern….“

                                                    Marion Rippl
                                          Ehrenamtliche Hospizmitarbeiterin

„Die Begleitung könnte länger dauern.“ sagt die            Bei einem meiner folgenden Besuche frage ich Brigitte,
Koordinatorin des ambulanten Hospizes, als sie mich        ob sie sich vorstellen könne, von mir im Rollstuhl spazie-
fragt, ob ich die Begleitung übernehmen möchte.            ren gefahren zu werden. Sie entgegnet, das wäre nicht
Dass sie so lange dauern würde, habe ich nicht gedacht!    möglich, da vier Stufen zu ihrer Parterrewohnung zu
                                                           überwinden seien! Auch auf meinen Vorschlag einer
Die Begleitung beginnt mit einem Besuch zusammen           mobilen Rollstuhlrampe lässt sie sich nicht überzeugen.
mit der Koordinatorin des ambulanten Hospizes in           So besuche ich Brigitte wöchentlich in ihrer Wohnung.
Brigittes Wohnung. Brigitte ist in meinem Alter.           Ab und zu sagt sie auch telefonisch ab, wenn es ihr
Sie schlägt vor, dass wir uns bei unserem Vornamen         schlechter geht und sie nicht reden möchte oder kann.
nennen.                                                    Gern würde ich Brigitte bei kleineren Hausarbeiten
                                                           unterstützen, aber ich darf noch nicht einmal ihr Geschirr
Brigitte leidet an einer chronisch obstruktiven Lungen-    abspülen. „Nein, ich möchte Dich nur zum Schwatzen
erkrankung (COPD). Sie ist sehr luftnötig und ständig      haben“, sagt sie. „Für Reinigungs- und sonstige Haus-
mit einem Sauerstoffgerät verbunden. Damit sie sich        arbeiten und für die Pflege habe ich doch andere Unter-
– wenn auch nur langsam – in der Wohnung bewegen           stützung.“
kann, führt ein sehr langer Schlauch von ihrer Nase zum
Sauerstoffgerät. Sie entfernt den Schlauch lediglich       Und dann kann ich Brigitte doch im Rollstuhl spazieren
kurzfristig, wenn sie isst oder ein paar Züge von ihrer    fahren: Sie ist zu einer Cortisontherapie im Krankenhaus
Zigarette nimmt. Die Wohnung verlässt Brigitte schon       und dankbar, dass ich sie zur „Raucherecke“ rolle.
seit längerem nicht mehr.                                  Ich merke jedoch, dass sie nicht wirklich gern im Rollstuhl
                                                           sitzt, und so bringe ich sie zurück. Das „Annehmen“ eines
                                                           Rollstuhls ist nicht so leicht!

                                                                                                                    15
Und dann sitze ich an Brigittes Bett
           und denke an die zurückliegenden zweieinhalb Jahre der Begleitung,
                   die am Ende zu einer Freundschaft geworden ist.

Weitere Stationen auf Brigittes Erkrankungsweg sind         Bei meinem nächsten Besuch packe ich mein Auto voll
Aufenthalte in der Klinik wegen Herzproblemen und           und bringe die vorbereiteten Sachen in das Stationäre
im Palliativzentrum zur Medikamenteneinstellung.            Hospiz, um das künftige Zimmer für Brigitte vorzubereiten
Sie wird nun zuhause auch vom ambulanten Palliativ-         und gemütlich zu gestalten. Am folgenden Tag wird
dienst betreut.                                             Brigitte mit dem Krankentransport in das Hospiz ge-
                                                            bracht. Wie versprochen bin ich da, um sie in Empfang zu
Ich besuche sie weiterhin regelmäßig und erfülle ihre       nehmen. Alles weitere wird wie immer behutsam
Wünsche, z.B. nach einer besonderen Käsesorte               und freundlich von den Pflegenden übernommen.
(die Suche danach ist erst im dritten Lebensmittel-
geschäft erfolgreich), ihrer speziellen Zigarettenmarke     Meine Begleitung geht nun im Stationären Hospiz
(dazu klappert mein Mann mehrere Verkaufsstellen ab,        weiter. Wir erledigen schriftliche Dinge. Brigitte diktiert,
bis er fündig wird), „die großen Gummibärchen“              ich schreibe. Zum Selberschreiben fehlt ihr jetzt die Kraft.
(die in einer bestimmten Apotheke erstanden werden          Brigitte fühlt sich wohl im Hospiz. Jedoch geht es Monat
müssen), sowie Gesichtscreme (finde ich nach längerem       für Monat schlechter. Wir besprechen die Nachlass-
Suchen in verschiedenen Drogerieabteilungen).               regelung. Sie diktiert mir eine Niederschrift dazu.
All diese Aufgaben übernehme ich so gern – sind es          Nun hat sie alles geregelt. Sie wird immer schwächer
doch die noch erfüllbaren Wünsche!                          und müder, irgendwann ist sie nicht mehr ansprechbar.

Während unserer Gespräche, bei denen auch viel gelacht      Und dann sitze ich an Brigittes Bett und denke an die
wird, erörtern wir die sich immer mehr verändernde          zurückliegenden zweieinhalb Jahre der Begleitung,
Lebenssituation, auch die mögliche Aufnahme ins             die am Ende zu einer Freundschaft geworden ist.
Stationäre Hospiz und Brigitte „freundet“ sich immer
mehr mit diesem Gedanken an. Wir vereinbaren,               Ob mich Brigitte noch wahrnimmt, weiß ich nicht.
dass ich sie informiere, wenn ein Hospizzimmer frei wird.
                                                            Als ich sie nach meiner Sitzwache gegen 17.30 Uhr verlasse,
Allerdings verschiebt sie nun mehrmals den anstehen-        habe ich das Gefühl, dass sie heute noch sterben wird.
den Umzug ins Hospiz. Der Schritt, ihre Wohnung für         Um 20.00 Uhr erreicht mich der Anruf aus dem Hospiz.
immer zu verlassen, ist schwer für sie. Wird es doch die    Brigitte ist verstorben. Obwohl darauf vorbereitet, bin ich
letzte Station auf ihrem Weg sein!                          über ihren Tod traurig.

Aber dann ist es soweit. Wir beginnen mit den Aufräum-      Dankbar bin ich, dass ich bei der Beisetzung im Friedwald
arbeiten in ihrer Wohnung zur Vorbereitung der Hospiz-      dabei sein darf. Der Weg zu Brigittes Baum ist lang und
aufnahme. Der Wäscheschrank wird durchgesehen,              versteckt. Ich vermute, dass ich ihn nicht wiederfinden
Wäsche, Kleidung und Sonstiges zusammengepackt.             werde.
Wichtig sind auch einige Aktenordner, deren Mitnahme
für die zu regelnde schriftliche Arbeit für sie notwendig   marion rippl
ist. Nach den Erledigungen ist Brigitte sehr erschöpft,
obwohl sie nur verbal geholfen hat. Aber auch das ist
eine große Belastung für sie.

16
„Bitte zwei heiße Würstchen
                            und ein Brötchen!“

                                                     Heide Reinshagen
                                           Ehrenamtliche Hospizmitarbeiterin

Nein, dies ist keine Bestellung an der Imbissbude,            Und dann kam der Mittwoch! Wir freuten uns beide
sondern die Bitte einer über 90 jährigen Frau!                über das Wiedersehen und sie begrüßte mich mit einer
                                                              Stimme, die deutlich kräftiger und lauter war als die Tage
Ich kannte Frau Z. schon vom Hospiz. Dort lebte sie etwa      zuvor. „Ich habe einen Wunsch. Ich möchte gerne zwei
5 Monate und es ging ihr von Tag zu Tag besser. Dann          heiße Würstchen mit einem Brötchen. Das süße Zeug
stellte sich heraus, dass die bei der Aufnahme ins Hospiz     hier mag ich nicht!“ Damit meinte sie den Nachmittags-
vorliegende Krebsdiagnose nicht zutraf, und sie musste        kuchen. Erstaunt fragte ich nach, ob das denn jetzt gleich
zu ihrem und unserem Bedauern in eine Altenpflege-            sein solle. Die Antwort war ein klares JA.
einrichtung umziehen. Ich besuchte sie dort und erlebte,
dass es ihr nach einer kurzen guten Anfangszeit zuneh-        Ich machte mich sofort auf den Weg, fragte beim nahe
mend schlechter ging. Sie wollte nicht mehr essen und         gelegenen Bäcker mit Cafeteria nach Würstchen.
auch keine Medikamente mehr nehmen und zog sich               „Leider nein, wir hätten aber Schnitzel oder Frikadellen.“
immer mehr zurück. Ich besuchte sie in dieser schweren        Nächster Versuch beim türkischen Imbiss. Auch hier
Zeit täglich, hörte wie schwach und hoffnungslos sie sich     Bedauern. Dann ein Lebensmittelladen – der hatte
fühlte und sich ab und zu wünschte zu sterben.                gekühlte Würstchen und Brötchen. Ich aber leider mein
                                                              Geld vergessen, also zurück, Geld besorgen und nach
Manchmal las ich ihr kurze Texte von Hermann Hesse vor,       einer gefühlten Stunde war ich dann zurück.
sie wurde dabei oft müde und bat mich, ihr etwas vorzu-
singen. Ich begann mit einem Schlaflied, sie drehte sich      Die Würstchen wurden heiß gemacht, Senf dazu und
zur Wand und mir den Rücken zu, legte die Hände unter         Brötchen und direkt im Bett serviert. Frau Z. war über-
den Kopf und zog die Beine an. Zwei Lieder später verließ     glücklich. Mit großem Appetit verzehrte sie das erste
ich leise den Raum.                                           und dann auch noch das zweite Würstchen. Es war für sie
                                                              geradezu ein Festmahl. Sie bedankte sich überschwäng-
Dann erlebte ich, wie sie sich dem Leben langsam wieder       lich bei mir und auch in den nächsten Tagen wurden die
annäherte. „Gibt es vielleicht einen kleinen Salat?“          Würstchen immer noch mal gewürdigt, einschließlich
Den gab es in der Küche und danach auch noch ein paar         einer Wiederholung der Bestellung!
Weintrauben. In kleinen Schritten ging es aufwärts,
manchmal auch zurück, aber ihr Lächeln, die Kraft und         heide reinshagen
der Mut nahmen zu.

                                                                                                                       17
Wir sind
                           das Hospiz!

 Barbara      Beatrix          Carlos         Carmen            Edelgard
Diekmann       Haan           Queb May         Fricke             Koch

 Erika       Eva Marie         Frieda        Gabriele           Gerlinde
Wehner      Meyer Zaions        Pahl         Carstens          Schreinert

   Jens        Kathrin         Ludger         Manja             Manuela
Eikemeier   Leven-Keesen       Schelte   Schondorf Denecke   Brandt-Durlach

 18
Was wir alleine nicht schaffen
                          Das schaffen wir dann zusammen.
                                     Xavier Naidoo

  Maren       Marianne                 Marlies           Nadine           Olaf
  Dostal      Bierwirth                 Apel            Wissinger       Husmann

   Olga         Petra                  Regina            Simone          Susanne
 Schalaikin     Kues                   Bauer              Rinke         Lachmann

                                                                        +80
                                                                     ehrenamtliche
                                                                       mitarbeiter
                                                                          und
                                                                    mitarbeiterinnen

  Sylvia       Theresa                 Torben           Valentina
Hennemann     Höhmann                  Stolte           Kotevska

                                                                            19
Wie wird man eigentlich
                               ein Lebensbegleiter
                                 am Lebensende?

„Was für ein schöner Abend !“
			                                  „Ein richtiges Fest !“
 „Ich bin richtig aufgeregt gewesen
			               vor der Zertifikatsübergabe.“
		              „Vielen Dank an Euch alle,
an die Kursleitung und an Euch alle aus meinem Kurs,
		       es war eine intensive Zeit, in der ich
     viel gelernt habe, auch über mich.“

Sätze, die zu hören waren bei der Zertifikatsübergabe an      Diese Themen und viele mehr sind Inhalte des Kurses.
22 ehrenamtliche Hospizbegleiter*innen.                       Wissensvermittlung steht jedoch nicht im Vordergrund,
                                                              sondern vielmehr die Auseinandersetzung mit der
In einem 100-stündigen Kurs wurden die Ehrenamtlichen         eigenen Biografie, der Reflexion und der Austausch mit
geschult, ausgebildet, qualifiziert – vorbereitet auf die     den anderen Teilnehmer*innen des Kurses zu des einzel-
ehrenamtliche Sterbebegleitung. Das klingt nach Unter-        nen Themenbereichen.
richt, nach Vortrag, nach Wissensvermittlung.
                                                              Was tun dann diese Ehrenamtlichen im Anschluss an
In unserem Hospiz verstehen sich die Ehrenamtlichen           den Kurs? Was ist ehrenamtliche Hospizbegleitung?
als Lebensbegleiter am Lebensende. Um diese Aufgabe           Wie verstehen die Ehrenamtlichen ihre Aufgabe?
übernehmen zu können, braucht es die intensive                Zu dieser Frage gab es im Rahmen der Feierstunde einen
Auseinandersetzung mit Themen wie zum Beispiel                kleinen Arbeitsauftrag.
• Kontakt und Kommunikation,
• Wahrnehmung,                                                Gemeinsam wurde eine Visitenkarte des Ehrenamts-
• Krisenmodelle,                                              kurses erstellt. Unter der Überschrift „Wir sind ehren-
• Spiritualität und Religiosität,                             amtliche Hospizbegleiter“ wurde es konkret. Die Teilneh-
• Trauer,                                                     merInnen haben Moderationskärtchen geschrieben zu
• Rituale,                                                    den Themen:
• Ethische und rechtliche Aspekte am Lebensende.
                                                              „Unser/mein Angebot für Sie“,
                                                              „Meine/unsere besonderen Fähigkeiten“,
                                                              „Was wir nicht geben können.“

20
Wir sind ehrenamtliche Hospizbegleiter-
                                    und Hospizbegleiterinnen.

Unsere besonderen Fähigkeiten:     Was wir Ihnen nicht geben können:     Unser Angebot für Sie:

• Gut zuhören können               • Antworten auf alle Fragen           • Viel Zeit zum Zuhören
• Impulse geben                    • Allzeit bereit sein                 • Präsenz und Achtsamkeit
• Liebe und Betreuung              • Die Pflege oder Haushaltshilfe 		   • Schöne Momente erinnern
• Anteilnahme für den Anderen        ersetzen                              und schöne Momente schaffen
• Lieder singen                    • Ihre körperlichen Leiden nehmen     • Liebende Güte
• Geduldig sein                                                          • Miteinander das Schwere tragen,
• Märchen vorlesen                                                         miteinander weinen
  und frei erzählen                                                        und auch lachen
• Mit Ihnen und für Sie beten                                            • Unerfüllte Wünsche aufspüren
• Beistand geben                                                           und Wünsche erfüllen
                                                                         • Spazieren gehen
                                                                         • Vorlesen
                                                                         • Singen
                                                                         • Dasein
                                                                         • Ihre Angehörigen entlasten

                                                                                                         21
Handbuch
               Ambulantes Hospiz an der Lutter

                                                                                   Strahlende Gesichter
                                                                                   beim Gruppentreffen
                                                                                   der Ehrenamtlichen.
                                                                                   Ein Handbuch ist entstanden
Braucht es Qualitätskriterien und          „Wir möchten für uns selbst Kriterien   und wird vorgestellt.
deren Nachweis in einem ambulanten         festlegen, Rahmenbedingungen            von links: Barbara Ahlrichs,
Hospizdienst?                              formulieren und die Organisations-      Manuela Brandt-Durlach,
                                           strukturen aufzeigen und diese in       Kathrin Fricke, Christel Frank
Ein Frage, die vielfach diskutiert wird,   einem Handbuch zusammenfassen.
kritisch hinterfragt werden muss           Die Arbeit am Handbuch und die
und auf die es ganz unterschiedliche       fortlaufende Auseinandersetzung mit
und sicher keine abschließende             strukturellen Themen gibt uns die
allgemeingültige Antwort gibt.             Sicherheit, die wir brauchen, um mit
                                           einer achtsamen Haltung schwerst-
Eine Antwort haben die Ehrenamt-           kranke Menschen am Lebensende zu
lichen im Hospiz an der Lutter für         begleiten.“
sich gefunden.
                                           In einer kleinen Feierstunde wurde
                                           das Handbuch vorgestellt. Es wurde
                                           von einem Team der Ehrenamtlichen
                                           unter Mitwirkung des Vorstandes,
                                           der Koordinatorinnen und der
                                           Mitarbeiter*innen des Stationären
                                           Hospizes erstellt.

22
Die Arbeit am Handbuch
     und die fortlaufende Auseinandersetzung
       mit strukturellen Themen gibt uns
         die Sicherheit, die wir brauchen
        um mit einer achtsamen Haltung
            schwerstkranke Menschen
           am Lebensende zu begleiten.

23                                             23
Geschäftsführer
                                          im Hospiz

                                                  Olaf Hußmann
                                                   Geschäftsführer

Liebe Leserin und lieber Leser des Hospizsterns,             Insofern stand für mich fest: Sollte sich mal die Möglich-
gern nehme ich die Möglichkeit wahr, um mich bei Ihnen       keit ergeben, im Hospiz zu arbeiten, würde ich dieses
vorzustellen. Mein Name ist Olaf Hußmann. Zum 1. April       gern tun. Nach über sieben Monaten Tätigkeit im Hospiz
2018 habe ich die Aufgabe des hauptamtlichen Geschäftsfüh-   hat sich meine Entscheidung als richtig erwiesen.
rers hier im Hospiz übernommen.
                                                             Als hauptamtlicher Geschäftsführer bin ich direkt
Zuvor war ich als Direktor des Pflegedienstes im             dem Vorstand unterstellt. Dieser hat mir den Auftrag
Ev. Krankenhaus Göttingen-Weende gGmbH tätig.                erteilt, die operative Geschäftsführung für das Hospiz
Aus dieser Funktion heraus habe ich das Hospiz, als einer    zu übernehmen. Mit fast 30 hauptamtlichen und über
von zwei Geschäftsführern, über 6 Jahre nebenamtlich         80 ehrenamtlichen Mitarbeitenden, hat sich das Hospiz
schon begleiten dürfen.                                      zu einem kleinen Unternehmen entwickelt.

Im Krankenhaus Weende war ich für über 450 Mitarbei-         Dem Vorstand und mir ist es sehr wichtig, auf den
tende zuständig und verantwortlich für die pflegerische      vorhandenen und bewährten Erfahrungen unseres
Versorgung von jährlich über 12.000 stationären              Hospizes aufzubauen und die notwendigen geplanten
Patienten und Patientinnen.                                  Veränderungen schrittweise und behutsam einzuleiten.
                                                             So dass der ehrenamtliche Vorstand durch die einge-
Durch meine Arbeit im Krankenhaus und die räumliche          leiteten Maßnahmen den notwendigen Freiraum hat,
Nähe meines Büros zum Hospiz, konnte ich seit über           um sich noch stärker auf die strategische Planung und
20 Jahren die wertvolle Arbeit des Hospizes schätzen         den Bereich der Öffentlichkeitsarbeit auszurichten.
lernen. Auch der Kontakt mit den Mitarbeitern und der
Austausch über die Arbeit im Hospiz haben bei mir ein        Ich freue mich als Geschäftsführer die wirtschaftliche
großes Interesse an der Hospizarbeit geweckt. Besonders      Konstellation des Hospizes erfolgreich zu sichern.
hat mich die Haltung und der persönliche Einsatz der         Wobei hier Erfolg nicht als Gewinn gemeint ist.
Mitarbeiter für die Versorgung der Patienten beeindruckt.    Vielmehr besteht die gemeinsame Kernaufgabe darin,
Auch mal ungewöhnliche Wünsche zu erfüllen (ein Pferd        für eine gute und qualitativ hochwertige hospizliche
im Hospizgarten) oder einfach nur für den Patienten da       und palliative Versorgung der uns anvertrauten Hospiz-
zu sein, ist eine großartige Eigenschaft.                    patienten zu sorgen.

24
hospiz an der lutter e. v.

                                           mitgliederversammlung

                                                       vorstand
                                               Vorsitzende: Beatrix Haan

                                                  geschäftsführer
                                                    Olaf Hußmann

                                                                   psychosoziale
   ambulantes hospiz             stationäres hospiz                 begleitung                    verwaltung

        leitung                        leitung                        noch offen              finanzbuchhaltung
  Manuela Brandt-Durlach             Regina Bauer                                                 Simone Rinke

 Manja Schondorf-Denecke                 GKP/                                                 SPENDENVERWALTUNG
    Gabriele Carsten               AltenpflegerInnen                                           Katrin Leven-Keesen

     80 Ehrenamtliche           Hauswirtschaft / Gärtner                                       sekretäriatsarbeit
                                                                                                   D. Störmer

Hierbei sind nach Möglichkeit die individuellen Bedürf-      Weitere Punkte, die mir sehr am Herzen liegen, sind der
nisse der Kranken zu berücksichtigen. Dazu haben             gedankliche Austausch, die hospizliche Versorgungs-
wir uns als Hospiz mit unserer Unterschrift auf die          struktur in Göttingen und deren Vernetzung weiterzu-
Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender          entwickeln. Wie kann zum Beispiel die Sterbebegleitung
Menschen verpflichtet.                                       bei an Demenz erkrankten Menschen verbessert werden
                                                             oder könnte die Einrichtung eines Tageshospizes nützlich
Aber auch ein gemeinnütziger Verein muss wirtschaftlich      sein?
arbeiten. So darf von uns erwartet werden, dass wir auf
unsere Kostenstruktur achten und sorgsam mit unseren         Dieser kleine Einblick in die kommenden Aufgaben
Spendengeldern umgehen.                                      macht deutlich, dass es nur gemeinsam und als Team mit
                                                             allen ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiten-
Zeitgleich wissen wir, dass auch die neuen Rahmen-           den ermöglicht werden kann.
vereinbarungen für den Bedarfssatz nicht alle Kosten
eines Hospizes abdecken werden. So sind wir trotz eines      Daher freue ich mich auf das weitere gegenseitige
höheren Bedarfssatz, den wir seit dem 1.9.2018 erhalten,     Kennlernen, möchte Sie alle einladen, mich zu besuchen
weiterhin dringend auf Spenden und Vermächtnisse             und mit mir den Austausch zu suchen.
angewiesen, da alle Hospize verpflichtet sind, mindes-
tens 5% des vereinbarten Bedarfssatzes durch Spenden         Zu meiner Person ist zu sagen, dass ich seit über 26
beizutragen.                                                 Jahren mit meiner Frau Petra verheiratet bin, zwei Kinder
                                                             habe und zum zweiten Male Großvater geworden bin.
Neben den wirtschaftlichen Herausforderungen werden          In meiner Freizeit versuche ich mich mit ein bisschen
weitere Rahmenbedingungen auf unser Hospiz zukom-            Sport fit zu halten und fahre gern mit meiner Frau ans
men. Dazu gehört die Einführung und der Aufbau eines         Meer.
Qualitätsmanagements, die Digitalisierung der Patienten-
akten, das Thema des Datenschutzes. Auch die Personal-       Ich verbleibe mit schönen Grüßen aus dem Hospizes
gewinnung und Qualifizierung der hauptamtlichen              und freue mich auf spannende Begegnungen mit Ihnen.
und ehrenamtlichen Mitarbeitenden sind dazu wichtige
Bausteine.                                                   olaf hussmann

                                                                                                                     25
Abschied

                                                Klaus Gottschalt
                                                Seelsorger im Hospiz

Und GOTT sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland         Oft werde ich gefragt: „Macht dir das denn keine Angst?“
und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters        Nein, Angst macht es mir nicht, aber wiederstreitende
Hause in ein Land, das ich dir zeigen will.                Gefühle stellen sich ein. Schaffe ich das, wird das was?
1. Mose 12, 1                                              Und wie schön ist es, wenn es so kommt, wie ich es mir
                                                           wünsche.
Diese Zeilen begleiten mich seit meinem Studium.
Zu dieser Zeit hatte ich zwei Berufe aufgegeben, um        Ich bin schon etwas geübt. Einige Schulwechsel, Umzü-
Religionspädagogik zu studieren. Gleich in unserem         ge als Kind und junger Mann. Die Lehre als Tierpfleger
ersten Seminar „Altes Testament“ erhielten wir die         im Zoo Hannover, Erziehungshelfer im Annastift waren
Aufgabe, einen Vers aus der Bibel für uns zu suchen.       meinem Studium vorangegangen. Meine Mutter machte
                                                           mir immer wieder Mut mit den Worten: „Mach es!“
Das „Geh“, sprach mich an, „in ein neues Land“ sprach
mich an, es „gezeigt bekommen“ sprach mich an.             Nach vielen Neuanfängen im Diakonenberuf, wie Jugend-
                                                           arbeit, Ausstellungsmacher, Erwachsenenbildung und
Dass das Losgehen und Neues erkunden mein Leben lang       Trauerbegleitung, kam ich ins Hospiz an der Lutter.
bleiben würde, ahnte ich damals noch nicht. Es ist für
mich eine Freude geworden, mich auf Neues einzulassen
und eine Übung, Abschied zu nehmen.

26
Da wurde ich wieder gefragt: „Was – mit 58 Jahren willst     Und wieder gibt es für mich einen Abschied. Diesmal von
du was Neues anfangen und die Gemeinde verlassen?“           der Arbeit im Hospiz. Von der Erwerbsarbeit überhaupt.
Und ich dachte so zu mir, Abraham war doch viel, viel        Es ist ein Abschied mit viel Dankbarkeit. Rückblickend
älter als ich. Also dann mal los!                            empfinde ich große Dankbarkeit für die vielen, wunder-
                                                             baren Begegnungen im Hospiz. Mit BewohnerInnen und
„Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandt-           ihren Angehörigen bzw. Zugehörgen, mit Mitarbeitenden
schaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich      im Hospiz und mit den Menschen im ehrenamtlichen
dir zeigen will.“                                            Dienst im ambulanten Hospiz. Danke!

Dieser Vers ist und war in manchen Beratungsgesprächen       Und nun gehe ich wieder mal auf Reise in ein neues Land,
so eine Art Leitvers für mich. Die Menschen, die bei uns     in die Rente. Es ist traurig, Vertrautes zu verlassen und
ins Hospiz kommen, bereiteten sich oft auf eine Reise vor.   aufregend, neues Land zu entdecken.
Die Angehörigen oder Zugehörigen ahnen im Gespräch
mit mir, dass auch sie auf eine Reise gesandt werden.        Allen wünsche ich Gottes Segen für die Abschiede und
Eine Reise, die mit Abschied und Neuanfang zu tun hat.       die Reisen des Lebens!

Einige Menschen im Hospiz haben mich gefragt:                klaus gottschalt
Was wird nun aus mir? Was wird wohl kommen?
Andere wollten von ihrer eigenen Reise gar nichts wissen.
Jedes Gespräch war für mich wie ein neues Land und zu-
gleich mit dem Abschied und dem Schmerz verbunden.

                                                                                                                    27
Gedenkfeier
                              im Stationären Hospiz
           Und so gehen sie nach ein, zwei Stunden nach Hause in dem Wissen:
                   Wir sind eine schwere Strecke gemeinsam gegangen.
                       Wir haben diesen Weg gemeinsam geschafft.
            Und es tut gut zu wissen, dass es solche Orte wie das Hospiz gibt.
Die Menschen, denen Hospizarbeit vertraut ist, wissen,       Seit diesem Jahr laden wir zweimal im Jahr zu einer
dass zur Begleitung von Patienten und Angehörigen            Gedenkfeier ein. Wir waren gespannt, wie es sich anfühlen
im Hospiz auch die Begleitung der Angehörigen nach der       wird, das erste Mal in den neuen Räumen, das erste Mal
Zeit im Hospiz gehört.                                       im Mai und nicht im November.

Nicht nur den Patienten fällt es schwer, anzuerkennen,       In der schönen neuen Kapelle von Neu Mariahilf haben
dass ihre Krankheit weit fortgeschritten ist. Intensivere    wir alles vorbereitet für eine würdige Gedenkfeier.
Unterstützung, Schmerztherapie, Symptomlinderung,            Haupt-und ehrenamtliche Mitarbeiter haben zum Thema
psychosoziale Begleitung nehmen einen großen Raum            Lebensspuren Texte und Gedichte ausgesucht, Symbole
ein, so dass der Aufenthalt zuhause nicht mehr möglich       angefertigt und mit den Namen der Verstorbenen be-
scheint.                                                     schrieben, ein riesiger Gartenblumenstrauß in der Mitte
                                                             der Kapelle strahlt Zuversicht und Wärme aus. Mitarbeiter
Wenn der Patient ins Hospiz einzieht, beginnt für ihn und    bringen die Angehörigen zum Altartisch, um eine Kerze
auch für die Zugehörigen nochmal eine intensive Zeit in      anzuzünden. Keiner geht festen Schrittes. Dieses Gehen
einem sehr besonderen Umfeld. Leben fühlt sich für           zum Altar, das Anzünden und Hinstellen der Kerze an
beide anders an: Angst und Zuversicht, Zerbrechlichkeit      den Namen des Ehemannes, der Ehefrau, des Sohnes, der
und Sicherheit, Freude und Schmerz. Immer sind es            Tochter, des Vaters, der Mutter, des Freundes ist schwer.
diese beiden Extreme, die aufeinanderprallen. Deshalb        „Gerade war doch etwas Normalität in mein Leben
fühlt sich für alle Beteiligten die Zeit im Hospiz auch so   eingekehrt, und jetzt trifft mich nochmal die ganze
intensiv an. Und danach? Wenn der Patient gestorben          Wucht der Wirklichkeit meines Verlustes. Es tut gut,
ist, bleibt oft eine große Leere. Es bleibt die Frage da-    dass jemand an meiner Seite ist, jemand, den ich noch
nach, wie es wohl weitergehen mag, die Frage, ob man         aus der Zeit im Hospiz kenne. Eine Pflegekraft oder eine
nochmal an diesen Platz, an dem so viel intensives Leben     Ehrenamtliche, der Seelsorger…“
geteilt wurde, zurückkehren kann.
                                                             Und dann beginnt sie, die Gedenkstunde. Die Tochter
Ja, man kann. Schon im alten Hospiz haben wir einmal         eines Verstorbenen spielt mit einer Freundin eine
im Jahr zu einer Gedenkfeier eingeladen. Immer im            Mozartsonate. Geige und Klavier. Wie anrührend, wie
November wurden die Zugehörigen angeschrieben und            feierlich. Auf den Stühlen liegen Taschentücher. Es ist
eingeladen, um der Verstorbenen des vergangenen              nicht schlimm, wenn unter dem Eindruck des hierher
Jahres zu gedenken.                                          Zurückkommens an den Ort ganz intensiver Gefühle ein
                                                             Taschentuch gebraucht wird.

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In der Gedenkstunde hören wir nochmal die Namen               Tief beeindruckt von den großen Gefühlen während der
der Verstorbenen. Es sind 50 Menschen aus dem letzten         Gedenkfeier, hilft das anschließende Beisammensein den
halben Jahr, die bei uns gelebt haben und bei uns ge-         Angehörigen, wieder im Hier und Jetzt anzukommen.
storben sind. Nochmal ziehen beim Lesen der Namen die         Vielen ist es ein Bedürfnis, sich nochmal in den Hospiz-
Bilder der Personen an uns vorbei. Die ein oder andere        räumen wahrzunehmen, hier im Gespräch zu sein, wo so
Szene steht uns vor Augen. Manchmal huscht ein Lächeln        vieles stattgefunden hat, von sich zu berichten, wie das
über ein Gesicht. Ja, es gibt nicht nur schwere Situationen   veränderte Leben weitergegangen ist.
 im Hospiz, es gibt auch die komischen Geschichten.
                                                              Und so gehen sie nach ein, zwei Stunden nach Hause in
Immer wenn ein Namensblock der Verstorbenen aus               dem Wissen: Wir sind eine schwere Strecke gemeinsam
einem Monat verklungen ist, hören wir auf Musik oder          gegangen. Wir haben diesen Weg gemeinsam geschafft.
ein Gedicht, einen Text, der unsere Gedanken aufnimmt,        Und es tut gut zu wissen, dass es solche Orte wie das
mitnimmt, weiterführt, oder manchmal auch gar nicht           Hospiz gibt.
erreicht, weil wir so sehr mit unseren eigenen Bildern
beschäftigt sind.                                             Jetzt gerade bereiten wir uns auf die nächste Gedenk-
                                                              feier vor. Wenn das Heft erscheint, wird sie schon hinter
Zum Abschluss einer Gedenkfeier nehmen wir dankbar            uns liegen, die Gedenkfeier im November mit den Men-
den Segen entgegen, der von unserem Seelsorger                schen, die uns ihre Liebsten anvertraut haben, die jetzt
gesprochen wird.                                              schon wieder eine Strecke des Lebens ohne einander
                                                              geübt haben. Wir freuen uns auf die Begegnungen und
Und wieder erleben wir die Ambivalenz der Gefühle im          sind auch immer ein bisschen gespannt.
Angesicht der Trauer. Manch einer mag nach der Gedenk-
feier ganz schnell nach Hause gehen, manch einer kann         regina bauer
gar nicht kommen, weil das Geschehen noch so dicht ist,
manch einer freut sich auf den Kontakt mit den Pflege-
kräften und Ehrenamtlichen. So war es im Mai ein großes
Glück, dass wir das große Wohnzimmer zur Verfügung
hatten, um all diejenigen, die mit uns noch zusammen-
bleiben wollten, zu einem Imbiss einladen zu können.

                                                                                                                      29
„Räume tauschen“
                       Gedanken einer Bestatterin

                                            Martina Rosentreter
                                                Novis Bestattungen

Das Hospiz ist umgezogen. Nach 25 Jahren im Diakonissen-   Die Geburt entlässt den Menschen aus dem Paradies der
Mutterhaus Ariel in Weende in einen Bereich des Kranken-   umfassenden Versorgtheit im Mutterleib, der Heran-
hauses Neu-Mariahilf.                                      wachsende geht aus dem Elternhaus in ein selbstver-
                                                           antwortetes Leben, dem Berufsleben folgt meist irgend-
Das Hospiz hat Räume getauscht – äußere Räume.             wann das Dasein als Rentner. Mit Glück können wir diese
Zimmer, Möbel, Lampen, Einrichtungsgegenstände und         Zeit bei einigermaßen Gesundheit und Selbstständigkeit
den Garten. Altes wurde zurückgelassen, sicher manch-      genießen, bevor das Alter uns wieder in Bedürftigkeit
mal wehmütig; Neues muss erst seinen Platz finden,         und Abhängigkeit zurückführt. Und dann stehen wir
muss vertraut werden, fühlt sich anfangs fremd an.         an einem Ufer, – „ denn wir haben hier keine bleibende
                                                           Stadt“ – wie es in der Bibel steht.
Der innere Raum jedoch wurde mitgenommen. Die be-
sondere Aufgabe, die Atmosphäre und die Menschen,          Die Unabänderlichkeit des Sterbens macht uns Menschen
die sie schaffen – das alles ist geblieben.                Angst, wir brauchen es nicht schönzureden.

Wenn wir in unserem irdischen Leben „Räume tauschen“,      In unserer heutigen „Machbarkeitsgesellschaft“ wird
nehmen wir vieles mit. Immer uns selbst mit unseren        Krankheit und Sterben nicht so gern als dazugehörig
Erinnerungen und mit den Narben, die uns das bisherige     angenommen, sondern eher als Versagen, als Scheitern
Leben gezeichnet hat. Aber „Räume tauschen“ heißt          betrachtet. „ ...hätte ja besser auf sich achten können
auch, sich öffnen und Veränderung annehmen.                ...“ „die Ärzte haben es nicht hingekriegt...“. Der Tod ist
                                                           eigentlich ein Unfall, ein Stigma, welches nicht in unsere
„Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde uns neuen    Zeit mit den Allmachtsfantasien der Wissenschaft passt,
Räumen jung entgegen senden“ ist eine Zeile im Gedicht     ein Ärgernis, das es endlich zu besiegen gilt, wo wir doch
„Stufen“ von Hermann Hesse. Welche Hoffnung und            nun schon den Weltraum erobern und zum Mars fliegen
Zuversicht spricht doch aus diesen Worten und wie trös-    wollen.
tend klingen sie gerade an diesem Ort – hier im Hospiz.
Ein Ort, an dem Menschen sich bereit machen, das           Wenn Hermann Hesse schreibt: „uns neuen Räumen jung
vertraute irdische Leben zu verlassen und ein neues        entgegen senden...“ – was meint er dann mit „jung“?
unbekanntes Ufer zu erreichen. Wieder einmal – denn        Kann ich als Sterbender dem Kommenden unvorein-
wir tauschen Räume, solange wir leben. Veränderung         genommen, neugierig, vertrauensvoll und empfindsam
ist das Leben selbst.                                      entgegen gehen? „Jung“ entgegen gehen?

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Es ist, wie es ist. Das kann schmerzhaft sein,
                             aber auch befreiend. Eine Last fällt ab.
                                    Eine Sehnsucht löst sich auf.
                                  Und das Herz kann frei werden.

Das Hospiz und seine Menschen werden gerade darin           Heute ist bei Bestattungen fast alles möglich, sofern es
ihre Aufgabe sehen, die Sterbenden mit dieser Kraft         nicht Anstand oder Gesetze verletzt. Wir geben auch hier
und Zuversicht auszustatten. Die Hilfestellung bei der      mehr Raum für Individualität. Längst ist die Vorstellung
Regelung letzter Dinge, Schmerzen lindern, Fürsorge und     selbstverständlich geworden, dass sogar ein bewirtschaf-
Geduld für den Kranken und Beistand für die Angehörige      teter Wald ein letzter Ruheort sein kann. Dennoch bin ich
aufbringen – dafür schafft das Hospiz den Raum, den         der Ansicht, dass Friedhöfe besondere und schützens-
inneren und äußeren.                                        werte Plätze sind, die wir für die Toten in unseren Städten
                                                            vorhalten. Sie sind von der Hektik unserer Zeit getrennte
Denn so einzigartig wie das Leben ist das Sterben für       Orte, an denen Trauer, Ruhe, Verweilen, Erinnern einen
jeden Menschen. Dies bildet sich auch in den Bestattungs-   Platz haben.
wünschen ab. In meiner mehr als 20jährigen Berufser-
fahrung als Bestatterin habe ich viel Veränderung erlebt.   Nun heißt es bei Hesse in der bereits zitierten Strophe
                                                            weiter: „...wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde“.
Beerdigungsrituale sind heute mehr als früher geprägt       Eine Aufforderung und eine Verheißung zugleich.
von individuellen Wünschen des Verstorbenen oder der
Hinterbliebenen. Schlagermusik in der Trauerhalle wäre      Loslassen müssen nicht nur Sterbende, auch die Ange-
vor 20 Jahren undenkbar gewesen. Damals stand es fest,      hörigen stehen vor dieser Herausforderung. Sie erfordert
wie eine Beerdigung abzulaufen hatte, insbesondere          viel Auseinandersetzung mit dem, wovon Abschied zu
auch durch den kirchlichen Rahmen, der traditionell         nehmen ist. Die Hoffnungen begraben auf eine gemein-
vorgegeben war. Tradition gibt Sicherheit, stellt einen     same Zukunft, den Mut finden, noch einmal ein klärendes
geschützten Raum dar, in dem entsprechende Gefühle          Gespräch zu suchen über nicht gelöste Konflikte. Oder
zugelassen, ja sogar erwartet werden. Räume entstehen       auch hinnehmen, dass es keine Klärung geben wird und
durch Begrenzungen. Räume schützen oder engen ein,          den Wunsch danach loslassen. Aufatmen und gesunden
je nachdem, welche Perspektive man einnimmt.                durch die Erkenntnis: Es gibt keine Lösung. Es ist, wie es
                                                            ist. Das kann schmerzhaft sein, aber auch befreiend.
                                                            Eine Last fällt ab. Eine Sehnsucht löst sich auf. Und das
                                                            Herz kann frei werden.

                                                            martina rosentreter

                                                                                                                     31
6.1

                                              1.2
                                                                                    6.2

    1.1
                                                       Jahresrückblick
                                                            2018
                                                                                                                        6.3

                                                                                                      DSGVO

                                                                                               5

                                                                          4
                                3
                                                                                                                              7.1

2

                                                                                 7.2

    JANUAR                                              MÄRZ                                            6.2 – Nach dem Benefizkonzert von
    1.1 – Es ist soweit: Das Stationäre Hospiz zieht    3 – Das Hospiz wird eingeweiht. Die             dem Chor Chornetto Spezial vor großem
    in die die Humboldtallee! Willkommen!               Andacht in der Kapelle des Krankenhauses        Publikum im historischen Saal des Alten
                                                        Neu-Mariahilf hält Pastor i. R. Dirk Tiede-     Rathauses zählen wir 2.487 Euro – danke!
    1.2 – Die Gäste des Handwerkerballs spenden         mann, musikalisch begleitet von Kantor
    2.000 Euro an das Hospiz. Danke!                    Stefan Kordes. Anschließend findet ein          6.3 – „Ich sehe in deinem Gesicht, was Du
                                                        Empfang mit Grußworten und Rundgän-             fühlst.“ Das ist der Untertitel zu unserem
    FEBRUAR                                             gen statt.                                      Seminartag „Mimikresonanz“, der von zahl-
    2 – Zum 15. Mal findet der Ultramarathon auf                                                        reichen Ehrenamtlichen besucht wurde.
    den Brocken statt. 171 Läufer erreichen nach        APRIL
    80 km bei klirrender Kälte und Schnee den           4 – Dieser April ist der wärmste April seit     JULI
    höchsten Berg Norddeutschlands – der Sieger         Messbeginn vor über 135 Jahren – und der        7.1 – Die Signmaker GmbH und Co KG
    in weniger als 7 Stunden. Markus Ohlef, Initi-      Anfang eines langen, heißen Sommers.            beschriftet unser Autos neu. Vielen Dank!
    ator und Vorsitzender des Göttinger Vereins
    „Ausdauersport für Menschlichkeit (AFSM)“,          MAI                                             7.2 – Endlich kann der Garten angelegt
    überreicht uns 10.000 Euro aus den gespen-          5 – Die EU-Datenschutzgrundverordnung           werden, der Boden wird gelockert, ein kleiner
    deten Startgeldern. Danke!                          (DSGVO) tritt in Kraft: auch für uns eine       Teich ausgehoben. Nach der Sommerhitze
                                                        große Umstellung und Herausforderung.           wird der Garten weiter bepflanzt werden.
                                                                                                        Die vom Wohnzimmer des Stationären Be-
                                                        JUNI                                            reichs zugängliche Terrasse ist fertiggestellt.
                                                        6.1 – Der Rotary Club Göttingen-Stern-
                                                        warte spendet 2.000 Euro für unseren
                                                        Hospizgarten. Wir sagen danke!

    32
8
                                                                                                                                                                    11.1

                                                                                                                                                                                          11.2

                               9.1                                                                                                         11.3
9.2
                                                                                                                                                                              11.4
                                     Gestaltung www.meira.de

                                                                                                     Herzliche Einladung
                                                                                                             zum

                                                                                  sommerfest
                                                                                                                                                                     11.2
                                     9.3                                                Samstag, 1.9.2018
                                                                                im – fast fertigen – Hospizgarten
                                                                                           15 bis 18 Uhr
                                                                                               Raum für Begegnungen
                                                                                                und gute Gespräche
                                                                                                  im Sonnenlicht

      10.1
                                                                                                    Musik von den
                                                                                                   Swinging Amatörs

                                                                                                                                                                                                    12
                                                                                             Köstliches am Kuchenbuffet
                                                                                                 und Gutes vom Grill

                                                               Hospiz an der Lutter
                                                               Humboldtallee 10 | 37073 Göttingen | www.hospiz-goettingen.de
                                                                                                                                   10.2
                                                                                                                                                     11.5

                                                                                                                           OKTOBER
      AUGUST                                                                                                               10.1 – 30 ehrenamtliche Mitarbeiter*innen        11.3 – Beim traditionellen Weihnachtsbasar
      8 – Auch in diesem Jahr bietet das Ambu-                                                                             verbringen bei märchenhaftem Wetter              bieten die Ehrenamtlichen Selbstgemachtes
      lante Hospiz einen Grund- und Aufbaukurs                                                                             einen Seminartag zum Thema „Märchen in           und auch Gespräche über die Hospizarbeit
      zum ehrenamtlichen Hospizhelfer an,                                                                                  der Sterbe- und Trauerbegleitung“.               an. Mit dem Erlös von 2.861 Euro wird das
      beginnend im August.                                                                                                                                                  Hospiz unterstützt – wir bedanken uns!
                                                                                                                           10.2 – Die Jugendfeuerwehr aus Nikolaus-
      SEPTEMBER                                                                                                            berg rettet mehr als 100 Fische aus dem Teich    11.4 – Mit einem Glas Wasser aus der Lutter
      9.1 – In einer aufwendigen Aktion wird der                                                                            im alten Hospizgarten und setzt sie in den      in Weende für den neuen Gartenteich weiht
      Pavillon aus dem alten Hospizgarten nach                                                                             neuen Hospiz-Teich in der Humboldt-Allee.        Pastor Tiedemann den Hospizgarten ein.
      Neu Mariahilf umgesetzt. Gegen 2:00 Uhr
      morgens wird der ca. 3,5 Tonnen schwere                                                                              NOVEMBER                                         11.5 – Bei der Gedenkfeier des Ambulanten
      und über 4m breite Pavillon in die Hum-                                                                              11.1 – Mitglieder des Rotary Clubs Göttingen-    Hospizes gedenken wir der Menschen,
      boldt-Allee transportiert. Zum Frühstück                                                                             Sternwarte pflanzen bei strahlender Sonne        die im vergangenen Jahr von uns begleitet
      steht er dann auf seinem neuen Platz.                                                                                10 von ihrem Club gespendete Apfelbäume          wurden und die verstorben sind.
                                                                                                                           sowie 1.000 von der Fa. Samen Kröbel
      9.2 – Das Hospiz ist mit einem Stand beim                                                                            gespendete Tulpenzwiebeln. Danke!                DEZEMBER
      alljährlichen Göttinger Gesundheitsmarkt                                                                                                                              12 – Das Jahr neigt sich dem Ende, die licht-
      auf dem Johanniskirchhof vertreten.                                                                                  11.2 – Beim alljährlichen Erbsensuppenessen      reiche Adventszeit beginnt, Weihnachten
                                                                                                                           des GTs „Keiner soll einsam sein“ backen         naht. Dankbar halten wir Rückschau und
      9.3 – Bei sommerlichem Wetter findet das                                                                             Ehrenamtliche für das Hospiz Waffeln.            sind voller Vorfreude auf das Neue Jahr.
      erste Sommerfest im neuen Hospizgarten                                                                               Die Firma Thiele hat, wie in den Vorjahren,
      mit mehr als 250 Besucher statt.                                                                                     den Teig zur Verfügung gestellt Danke!

      Erfahren und lesen Sie mehr über aktuelle Meldungen und Aktivitäten des Hospizes – in der Rubrik „Aktuelles “
      auf unserer Webseite www.hospiz-goettingen.de – Wir danken Herrn Prof. Dr. Peter Diepold für die regelmäßige Aktualisierung!                                                                                     33
Herzlicher Dank

Wir möchten für jede Art der Unter-     Unser Dank gilt allen Dauer- und       Desweiteren ermöglichen Sie damit
stützung, Hilfe und Verbundenheit von   Einzelspendern, allen Benefizver-      die Schulung und Fortbildung der
Herzen danken.                          anstaltern, Firmen, Referenten und     ehrenamtlichen Begleiter im Ambu-
                                        Personen, die ihre Kompetenz und       lanten Hospiz, sodass auch weiterhin
                                        Arbeit zur Verfügung stellen.          Schwerkranke zuhause begleitet
                                                                               werden können.
                                        Ebenso danken wir allen mitbeteilig-
                                        ten Berufsgruppen, die verlässlich     In der Politik bekommt die Hospiz-
                                        und engagiert mithelfen und uns        arbeit seit einiger Zeit viel Aufmerk-
                                        unterstützen. Danke auch allen         samkeit und auch eine bessere
                                        weiteren Menschen, die mit Sach-       Vergütung.
                                        spenden unseren Patienten und dem
                                        Hospiz an der Lutter eine Freude       Diese positive Entwicklung ist aber
                                        bereiten.                              immer noch nicht kostendeckend.

                                        Ihre finanzielle, materielle und       Hospizarbeit braucht ein großes
                                        gedankliche Zuwendung und Unter-       bürgerschaftliches Engagement.
                                        stützung tut unserer Einrichtung gut   Bitte helfen auch Sie uns weiterhin
                                        und hilft zugleich.                    mit Ihrer Spende.

                                        Sie ermöglichen damit, dass wir
                                        auch weiterhin unsere Patienten
                                        mit ausreichend Pflegefachkräften
                                        begleiten, pflegen und unterstützen    Spendenkonto
                                        können.                                Sparkasse göttingen
                                                                               IBAN DE10 2605 0001 0044 3007 70
                                                                               BIC nolade21goe

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Impressum
          herausgeber und versand
             Beatrix Haan | Vorsitzende
          An der Lutter 26 | 37075 Göttingen
                 Telefon 0551-305587
             www.hospiz-goettingen.de

                    redaktion
         > Regina Bauer | Stationäres Hospiz
     > Manuela Brand-Durlach | Ambulantes Hospiz
            > Dr. Fritz Eckstein | Ehrenamt
              > Beatrix Haan | Vorstand
              > Jutta Stubbe | Ehrenamt

                    gestaltung
             Meira | Büro für Gestaltung
                   www.meira.de

                  bildnachweis
             > Johanna Jepsen | Ehrenamt
         > Christian Malsch – von Stockhausen
               www.fotografiemalsch.de
                   (s. 7, 8, 9, 14, 23, 27)

                      auflage
                     3.000 Stück

           Wir freuen uns
        auf Ihre Rückmeldung!
         sie haben fragen, anmerkungen
                oder anregungen?
       Dann schreiben Sie uns eine Nachricht an
            b.haan@hospiz-goettingen.de

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gemeinsam gehen
                       mit Ihrer Hilfe                                                 hospiz
                                                                                              an der lutter

Die hospizliche Versorgung in Göttingen                 Kranken- und Pflegekassen finanzieren mit
geschieht auf hohem Niveau, sei es durch aus-           einem Sockelbetrag die hospizliche Versorgung.
gebildete Fachkräfte – Pflegende, Ärzte, Psycho-        Dieser deckt aber bei Weitem nicht die realen
logen, Seelsorger – oder durch engagierte               Kosten.
Ehrenamtliche.
                                                        Das bedeutet, dass diese wichtige Arbeit durch
Palliative Versorgung findet in unserer Stadt           Spenden aus der Bevölkerung unterstützt
und der Region zu Hause, in der Palliativstation        werden muss.
oder im Hospiz statt und ist ein besonderes
Qualitätsmerkmal für Göttingen.                         Bürger, denen am Herzen liegt, dass es in unserer
                                                        Stadt eine hospizliche Versorgung gibt, sollten
Qualität ist kostbar, aber auch kostspielig.            wissen, dass es ohne Spenden nicht geht.

Die Versorgung und Begleitung schwerkranker             Deshalb bitten wir sehr herzlich um Ihre
und sterbender Menschen ist nicht nur eine Auf-         finanzielle Unterstützung für unser Göttinger
gabe, die von Experten geleistet wird, sondern          Hospiz.
eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung.

hospiz an der lutter                 ambulantes hospiz                         spendenkonto
humboldtallee 10 | 37073 göttingen   telefon 0551-5034 3821                    sparkasse göttingen
www.hospiz-goettingen.de             ambulantes-hospiz@hospiz-goettingen. de   iban: de10 2605 0001 0044 3007 70
                                                                               bic: nolade21goe
                                     stationäres hospiz
                                     telefon 0551-5034 3800
                                     hospiz@hospiz-goettigen.de
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