Von der Dominikanischen Republik nach Haiti und Jamaica

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Von der Dominikanischen Republik nach Haiti und Jamaica
Von der Dominikanischen Republik nach Haiti und Jamaica
Ende November 2013 - Ende Januar 2014

Das Wetter scheint optimal zu sein für die etwa vier Tage dauernde Überfahrt zur
Dominikanischen Republik, in Seglerkreisen auch genannt Dom. Rep. oder noch kürzer
DR.
Wir verabschieden uns von Thomas und Lisa in "spanish water" in Curacao. Wann
sehen wir sie wieder? Nach den Umbauarbeiten an ihrem neuen Catamaran möchten
sie ziemlich zügig durch den Panamakanal in den Pazifik fahren....
Wir hissen das erste Mal unsere neue kleinere Genua, die soviel mehr Umtriebe
gebracht, hat als erwartet! Für den ersten Moment steht sie gut und es scheint alles
okay zu sein. Doch lange können wir sie nicht segeln, sonst kommen wir zu stark von
unserem geplanten Kurs ab. Wir möchten klein Curacao noch einen kurzen Besuch
abstatten, uns dort bis zum Einnachten an die Boje der Ausflugsboote hängen und
danach Nordkurs absetzen zur Südküste der DR. Doch das liebe Wetter lässt uns
unseren Plan nochmals überdenken. Genau zur Zeit unseres Aufbruch bringen massive
Squalls (Gewitterwolken) viel Wind und Regen. Statt nass zu werden und in dieses
unangenehme Wetter hinauszufahren, entschliessen wir uns, schlafen zu gehen! Doch
am nächsten Morgen nichts Neues. Wir tuckern langsam zur Nachbarinsel Bonaire und
warten bis das Wetter Besserung verspricht.
Nach drei Tagen nehmen wir einen neuen Anlauf und segeln los. Jetzt haben wir eher
eine gegenteilige Situation. Der zuerst mit angenehmer Stärke wehende Wind wird
immer schwächer, wenigstens wird auch die Welle kleiner. Aber ohne unterstützende
Strömung kämen wir kaum vom Fleck. Die letzten Meilen nehmen wir den Motor zu Hilfe
und laufen Boca Chica an der Südküste an. Irgendwie scheinen uns die
Wettervorhersagen nicht mehr so zuverlässig zu sein.....
Zum Einklarieren legen wir längsseits am Steg der Marina Zarpar an. Hier wird ein
transparenter "all-inklusive-Service" angeboten. Entweder man läuft und regelt alles
selber, was günstig aber zeitintensiv ist, oder die Marina organisiert das Gesamte, was
teurer aber schnell und problemlos funktioniert. Für einmal sind wir bequem und wählen
das Angebot der Marina. Nach kurzer Zeit erscheinen Immigration, Zoll, Marina Guerra
(=Cost guard), Geheimdienst, Drogenfahndung und Marinaverantwortliche bei uns und
quetschen sich in unserem Cockpit eng zusammen. Ein kurzer formaler Augenschein
wird auch ins Schiffsinnere geworfen. Nach einer Stunde ist die Sache erledigt. Kurz
darauf bringt uns die gut organisierte und sympathische Marina in den nahegelegenen
Olé Supermarkt und auch nach Boca Chica.
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Die gut aussehenden lokalen Leute sind sich an jede Art von Touristen gewöhnt,
dementsprechend sind Angebote diversester Natur vorhanden.
Wir möchten weiter, aber so einfach wie es tönt ist es nicht. Grund ist die Marina
Guerra. Wir brauchen von ihnen ein "Despacho", eine Bewilligung, um den nächsten Ort
anzulaufen. Vor acht Uhr morgens (da muss man erst noch die schriftliche Erlaubnis
abholen) und nach 18.00 Uhr darf man nicht auslaufen und obwohl sie keine Ahnung
von einem Segelschiff und den machbaren Distanzen zu haben scheinen, sagen sie,
wann man gehen kann oder eben muss! So kommt es, dass wir für eine Distanz von 30
Seemeilen, also einer Fahrzeit zwischen 6-8 Segelstunden, um 18.00 Uhr abfahren
müssen! Nachts in den Fluss einlaufen können wir nicht. So segeln wir zum Rio
Cumayasa mit stark reduzierter Segelfläche, trödeln so quasi segelnd dahin. Die
bekannten nächtlichen Winde (katabatic winds) blasen konstant vom Festland, gegen
Osten fahren ist somit nachts einfach. Beim ersten Tageslicht stehen wir vor der
Flusseinfahrt und motoren circa einen Kilometer hinein. Ruhiges Liegen ist garantiert,
fast, denn hinter uns ist ein Baum voller nistender Vögel. Die nebenan liegende kleine
Werft soll sich mit Epoxy-Arbeiten auskennen. So lassen wir kleine Arbeiten und Ideen
umsetzen. Das "Despacho", von Hand geschrieben, erhalten wir am übernächsten
Morgen nur problemlos, weil einer der Werftarbeiter Erwin zur Marina Guerra begleitet.

Wir segeln zur südöstlichsten Ecke der DR, zur Insel Saona. Türkisblaues Wasser
umgibt uns und herrliche Sandstrände mit vielen Palmen laden zum Strandwandern ein.
Tagsüber ist hier ein reger Betrieb, Tagesausflugsboote bringen ihre Gäste hierher,
jedoch nach 16.00 Uhr sind wir wieder unserer Zweisamkeit überlassen.
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Ohne den Besuch der für uns nicht lokalisierbaren Marina Guerra verlassen wir den
schönen Ort und segeln zurück nach Boca Chica. Natürlich gibt es jetzt Probleme und
Diskussionen mit dieser Institution. Unsere minimalen Spanisch-Kenntnisse reichen da
nicht, aber einige sprechen hier englisch und französisch. Diese Situation und die 40 US
Dollar Gebühren für ein nationales Despacho, welches gratis ist, und wir uns deshalb
weigern zu bezahlen, tragen weiter dazu bei, dass unsere Einstellung zur Organisation
der Marina Guerra sich nicht zum Positiven verändert.
Rolf trifft bei uns ein, fast könnte man sagen, zu den üblichen Weihnachtsferien.
Zu dritt verlassen wir Boca Chica vor dem Dunkel werden. Aus der grossen Bucht raus,
um die Südwestecke herum, Kursaufnahme zu unserem neuen Ziel. Wir sind noch unter
Motor, aber die Segel sind bereits gesetzt und der Grossbaum gesichert, damit er nicht
auf die andere Seite schlagen kann, da der Wind fast gerade von hinten bläst. Hinter
uns fährt ein Frachter ebenfalls aus der Bucht raus. Mit 17 KT Geschwindigkeit holt er
uns schnell auf, aber seine Zielangaben im AIS (automatisches Identificationssystem)
und der Kurs ausserhalb der Bucht beruhigen uns. Eine Minute später schauen wir
nochmals rückwärts und sehen zu unserem unglaublichen Erstaunen, dass der Frachter
seinen Kurs um 120° geändert hat und nun direkt auf uns zuhält, er ist auf
Kollisionskurs, und das deutlich weniger als eine Meile hinter uns. Unser mehrmaliger
Aufruf über Funk wird nicht beantwortet. Mit unserer fixierten Segelstellung und der
ungünstigen Windrichtung sind wir mit unserer Kurskorrektur leicht handicapiert,
machen das Mögliche und dennoch, das reicht nicht. Der Frachter hält jetzt in spitzem
Winkel auf unsere Backbordseite zu und ist nur noch wenige Meter entfernt. Die letzte
Rettung bringt schlussendlich der Motor, mit starkem Rückwärtsschub stoppen wir
unsere Fahrt und der Frachter passiert uns mit 10 Metern Distanz vor unserem Bug.
Das war knapp, nicht Mal Zeit um Angst zu kriegen hatten wir. Das Ganze hat sich
innerhalb kürzester Zeit abgespielt. Nachträglich erfahren wir nach weiteren Funk-
Aufrufen, dass er mit Problemen absorbiert gewesen sei und uns deshalb nicht bemerkt
hätte. Das AIS sei dadurch auch noch nicht richtig in Betrieb gewesen. Ganz einfach
gesagt, er hat seine Pflicht vernachlässigt und nicht genügend geschaut!
Seine Entschuldigung danach hätte uns im Havariefall nicht viel genützt! Die restliche
Nachtfahrt bleibt zum Glück ereignislos und wir geniessen einen wunderschönen
Sternenhimmel.
In Salinas, einer grossen Lagune, treffen wir am Vormittag ein und ankern in der Nähe
einer kleinen Marina und Hotel. Beim ersten Bier auf der Hotelterrasse plagen uns die
"Sandflies" erbarmungslos, so dass wir das Hotel fortan nur noch mit zügigem Schritt
durchqueren.
Der Hotelbesitzer organisiert für uns einen privaten Autovermieter, da wir auch noch die
Nordküste besuchen möchten. Das erste Auto hat eine kranke Starterbatterie, schon
beim zweiten Mal anlassen stellt sie sich tot. Wir erhalten ein Ersatzauto und besuchen
die Hauptstadt Santo Domingo.
Die Altstadt, genannt "zona colonial", ist hübsch und gepflegt, nette und lebhafte Plätze
sind umgeben von alten Kolonialbauten. Und Erwin findet, was sein Herz auch begehrt,
einen Tabakladen mit dominikanischen Zigarren.
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Das Auto, ein grosses Allradfahrzeug, müssen wir wieder zurückgeben, erhalten ein
anderes Auto für die nächsten drei Tage. Am frühen Morgen fahren wir los und nehmen
eine im kleinen Touristenguide als Panoramastrasse eingezeichnete Route durch den
westlichen Gebirgszug. Und Aussicht bietet die Strasse wahrhaftig. Von einer geteerten,
gut ausgebauten Strasse wechselt sie bald auf eine kurvenreiche, durch den vielen
Regen zum Teil recht havarierte und ausgewaschene Naturstrasse, durchsetzt mit
Muränengängen, die teilweise nur dürftig ausgebessert wurden. Wir brauchen für die
knapp 80 Kilometer ungefähr drei Stunden!! In den Bergen ist es regnerisch und kühl,
der Wald ein sogenannter Nebelwald; kein Wunder, wir befinden uns auf 2400 Meter
über Meer.
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Langsam nähern wir uns wieder einer Hauptverbindungsstrasse, die Aussicht ins Tal ist
schon da. Eine kurze Rast ist angesagt. Aussteigen, Türen zuschlagen, der Schlüssel
steckt ja in der Zündung. Das Auto schliesst nach einigen Sekunden aber automatisch
ab und wir stehen ratlos in der Kälte. Handy, Jacke, alles ist im Auto drin. Wo gibt`s
denn so etwas?? Und natürlich sind wegen der Kälte alle Fenster geschlossen. Ein
Stein bringt Abhilfe, das kleinste Fenster muss dran glauben.
Die letzten Kilometer, wieder auf geteerter Strasse, reagiert die Lenkung immer
exotischer. Erwin hat enorme Schwierigkeiten, die vielen Kurven zu kriegen, die
Lenkung reagiert nur noch verzögert und abrupt. Unser Verdacht bestätigt sich in der
nächsten Werkstätte, das gesamte Hydrauliköl der Steuerung ist weg. Hier können wir
nur auffüllen, aber was ist die Ursache? Einige Kilometer weiter finden wir einen
Mechaniker. Der erzählt uns nach einem kurzen Augenschein nichts Schönes. Die
Fixation der Steuereinheit, zusammengehalten mit ursprünglich sechs Schrauben, hat
nur noch eine Schraube. Lange hätten wir vermutlich nicht mehr weiterfahren können,
ohne die letzte Schraube wären die Räder nicht mehr lenkbar gewesen und ein Unfall
höchstwahrscheinlich. Kurz gesagt hatten wir nochmals viel viel Glück!! Durch die
Verzögerungen erreichen wir die im Nordosten gelegene Samanà-Halbinsel erst im
Dunkeln. In Las Terrenas, einem hübschen Ort mit tollem und mit vielen Palmen
bewachsenem Sandstrand, finden wir ein Zimmer und bei einem Italiener direkt am
Strand ein wunderbares Abendessen. Doch die Nacht fängt hier erst an! Salsa ist
angesagt und Clubs mit Musik gibt es einige. Wir bewundern die perfekten Tänzer und
geniessen die Musik.

Am nächsten Tag fahren wir gemütlich zurück nach Salinas. Den letzten Tag wollen wir
noch einen weiteren, aber nur kurzen Ausflug machen, verbunden mit einkaufen. Die
Auto-Überraschung am Morgen: das rechte Vorderrad hat einen Platten. Mit Glück
finden wir nur wenige Meter entfernt eine Anlage mit Pressluft für Motorräder, für diesen
letzten Tag wird die Luft wohl reichen. Der Vermieter meinte im Nachhinein, dass er
diesen Reifen repariert hätte, aber wohl doch nicht gut genug. Unsere Lehre daraus:
Beim Auto mieten von Privaten werden wir vorsichtiger und zurückhaltender sein!
Und Salinas.... so hübsch wie es hier ist, sogar tolle Dünen gibt es hier, haben wir nun
gesehen.
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Um den kleinen Ort zu besichtigen, braucht es einen Gehörschutz. Die zwei
nebeneinander liegenden kleinen Lebensmittelläden bekriegen sich mit der jeweiligen
Musiklautstärke und unterschiedlichen Musikstücken! Das tönt in unseren Ohren nur
noch nach viel Krach, aber die Einheimischen scheinen sich nicht daran zu stören!
Zur Marina Guerra muss man quer über die Bucht. Es ist ein feuchter Weg, denn der
Wind baut eine kleine Welle auf. Ein Mal dort anfragen, reicht auch nicht. Schlussendlich
erhalten wir das gewünschte "Despacho" beim vierten Anlauf. Und das für eine
Segeldistanz von etwa fünf Seemeilen!! Der nächste Ort ist schön gelegen, mit einem
sympathischem Strandbeizli unter Palmen. Doch der Ankerplatz ist rollig und längeres
Bleiben dadurch nicht angenehm.
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Wieder müssen wir für eine kurze Distanz abends losfahren. Mit bummeln erreichen wir
Barahona am frühen Morgen. Schon bei der Einfahrt sieht uns die Administration, sie
wollen an Bord kommen. Wenigstens sind sie hier nett. Und die kleine Stadt ist es auch.
Es gibt einige gute Lokale mit Musik und Tanz. Und auch das Bier fliesst in Strömen. Die
Frauen mögen beim Trinken mithalten. Das sieht man dann den Figuren trotz vielem
Tanzen doch an, gertenschlank sind sie hier nicht gerade.

Von hier aus steigt Rolf in den Bus zum Flughafen. Die schönen gemeinsamen zwei
Wochen sind leider schon wieder um, und wir segeln auch weiter, zur Baja de las
aguilas, der Adlerbucht. Den Weg dahin müssen wir uns erarbeiten. Zuerst versagt uns
unsere Starterbatterie ihren Dienst, in den letzten zwei Monaten mussten wir sie immer
häufiger aufladen, jetzt reicht nur noch das Kurzschliessen mit dem Bordnetz. Und dann,
ausserhalb der gut geschützten Bucht, haben wir viel Wind, doppelt soviel wie angesagt
(statt angenehmen 15 Knoten, fast 30 Kmh, bläst es mit 30 Knoten). Mit dem Wind im
Rücken geht das noch, das letzte Stück jedoch ist gegenan. Schiff und Mannschaft
stöhnen, aber die einsame und langgezogene Bucht entschädigt. Sie ist unsere
dominikanische Traumbucht. Vielleicht liegt es daran, dass es hier keine Marina Guerra
gibt und wir schon ausklariert haben?? Oder nur an der Kulisse, klarstes türkisfarbenes
sauberes Wasser mit allerfeinstem weissem Sandstrand und einer verkarsteten
Landschaft und die Red Harlekin darin ganz alleine!! Ideal für Silvesternacht und die
Neujahrstage.

So schön die Dom. Rep. auch ist, sie ist unserer Ansicht nach nicht bereit für die Segler,
die Marina Guerra macht einem das Leben hier wirklich schwer. Für uns ist das völlig
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unverständlich und unnötig!
Doch auch von der bezaubernden baja de las aguilas können wir nicht wie vorgestellt
aufbrechen. Diesmal ist es aber der Wind, der uns hier bleiben lässt. Er bläst immer
noch, und das schon seit 3 Tagen, mit voller Kraft. Bei über 30 Knoten auslaufen macht
uns keinen Spass. So geniessen wir noch einen weiteren Tag in unserer Traumbucht,
unser Anker ist perfekt im Sand eingegraben und der nicht weit vor uns liegende
einsame Strand lässt kaum Wellen aufkommen.
Am nächsten Tag ist es ok und wir setzen Segel, mit direktem Kurs zur Insel Ile-a-
vache, einer kleinen Haitischen Insel, im Süden der Hauptinsel.
Schon von Ferne sehen wir die kleinen lokalen Segelboote der Fischer, die sich agil auf
dem Wasser bewegen.

Bei der Einfahrt in die an der Nordküste gelegene Bucht "baie de feret" bemerken wir
erstaunt, wie viele Fahrten-Segler hier schon ankern, mehr, als wir gesamthaft in den
letzten vier Wochen in der Dom. Rep. gesehen haben, insgesamt acht, darunter auch
einige uns von früher her Bekannte.

Wir suchen einen Ankerplatz, werden aber schon von lokalen Jugendlichen auf
Einbäumen oder Surfbrettern besucht, die sich seitlich an unser Schiff hängen und bis
zum Ende unseres Ankermanövers geduldig warten, bis wir Gehör für sie finden. Sie
alle suchen Arbeit, wollen amerikanische Dollars verdienen, bieten uns ihre Kenntnisse
und Möglichkeiten an. Nach einer Nachtfahrt brauchen wir jetzt nichts weiter als eine
Mütze voll Schlaf und vertrösten alle auf später. Aber Jugendliche hat es viele und auf
der grünen und fruchtbaren Insel gibt es ausser landwirtschaftlichen Tätigkeiten keine
wirkliche Arbeit. So geht es praktisch bis zum Abend munter weiter, viele sehr höfliche
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Besuche, verbunden mit "small talk", aber schlussendlich ist klar, sie möchten Geld
verdienen. Und wir möchten auch, dass die Einwohner durch uns einige Dollars
einnehmen können, aber irgendwo sind Grenzen gesetzt, die nicht alle wahrhaben
möchten. So kriegen einige einen Job, sei es Chromstahl polieren oder Wäsche
waschen, Frischprodukte zum Schiff bringen, Führungen an Land machen oder ein
Abendessen zuhause organisieren, aber allen eine Arbeit geben, immerhin hat die Insel
doch circa 14`000 Einwohner, ist uns nicht möglich.

Einer, der uns schon früh seine Fertigkeiten anbietet, ist der 19-jährige Ashley. Mit ihm
wandern wir zwei Tage später zum Markt im nächsten Dorf , genannt Madame Bernard.
Die Wanderung durch grüne Landschaften, vorbei an üppig wachsenden Mangobäumen
und Bananenstauden, Palmen bewachsenen Hainen und Uferzonen, ist fantastisch.
Kühe, Ziegen, Hühner und Schweine suchen ihr Futter entlang des Weges und in den
Feldern; Süsswasser ist auf dieser Insel definitiv kein Problem. Die kleinen Dörfer und
einzeln stehenden Häuser sind oft farbig verziert und liegen geschützt vor Sonne
inmitten der Bäume.

Nur eines findet man hier nicht, Autos und Elektrizität. Die wenigen Lampen werden
durch einzelne Solarpaneels gespeist oder mit Gas. Handys können nur über zentrale
Stationen wieder aufgeladen werden. Eigentlich ein beschauliches Leben auf dieser
kleinen Insel mit deutlich weniger Sorgen, als auf der Hauptinsel, die zusätzlich 2010
noch von einem schweren Erdbeben getroffen wurde und trotzdem, für gewisse Dinge
wie Schule und Gesundheitswesen braucht es auch hier Geld!
Wir erreichen den Markt. Schweine werden geschlachtet und ausgenommen, alles
davon findet irgendeine Verwendung. Frisches Gemüse und sonst auch alles, was es
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zum Leben braucht, wird an den verschiedensten Ständen angeboten, es ist ein
quirliges und farbiges Durch- und Nebeneinander.

Zurück segeln wir mit einem traditionellen Holzboot. Vom Strand steigen wir für die
ersten 10 Meter in ein kleines und flacheres Zubringerboot. Schlussendlich sitzen im
Segelboot 15 Personen und jede Menge an Eingekauftem.

Nur mit wenig Segeltuch fahren wir zurück, die Wellen kommen von schräg hinten und
zwischendurch findet eine den Weg ins tiefgeschnittene Holzboot. Am Ziel in Caille Coq
in der baie de feret angekommen, werden die Leute mit langen Hosen huckepack an
den Strand getragen! Zum Glück segeln wir auf der "Red Harlekin" trockener....
Auch einen Tagesausflug ans Festland unternehmen wir. Wir wollen zusammen mit
einem holländischen Paar haitisches Bier einkaufen und finden dank Ashleys Hilfe auch
eine neue Starterbatterie in Les Cayes, einer lebhaften und angenehmen Kleinstadt.
Auch hier werden die Passagiere huckepack die letzten 10 Meter an Land getragen, und
das für 15 Rappen!

Die alte Batterie will Ashley unbedingt haben, damit er eine Lampe dranhängen kann.
Anscheinend funktioniert sie für diesen Zweck noch ausreichend, sonst hätten wir sie
gleich wieder zurückgeholt. Problematischen Müll mögen wir keinen auf dieser schönen
Insel hinterlassen.
Weiter ins Landesinnere des „Festlandes“ wollen wir uns nicht wagen. Haiti hat seit dem
Erdbeben Choleraprobleme. Bei den nächsten Ländern könnte dieser Besuch sonst für
uns zu Problemen führen.
Auf der Ile-a-vache gibt es zwei gut in die Gegend angepasste kleine Hotelanlagen.

Sie sind bei den Einheimischen aber nicht beliebt, weil praktisch niemand aus dem Ort
beschäftigt wird. Geplant ist zudem durch die Regierung, einen Ausbau der Touristen-
Anlagen und eine Flugpiste. Die Idylle der Insel, das Leben der Einwohner würde sich
dadurch grundlegend verändern, wohl in Vielem kaum zum Positiven und bestimmt
würde auch in gewisse Taschen viel Geld fliessen.....die Leute hier haben Angst vor
einem Verlust ihrer Heimat. Und auch für die Segler gäbe dies wahrscheinlich eine
Veränderung. Noch ist es aber zum Glück nicht soweit und wir geniessen dies.
Am frühen morgen verlassen wir die Ile-a-vache. Drohende dunkle Wolken ringen mit
der aufgehenden Sonne und wir hoffen, das sich für die Insel alles zum Guten wendet.
Die Überfahrt zu unserem nächsten Ziel ist sehr beschaulich. Angenehme Windstärken
und Wellen von hinten begleiten uns, zusammen mit dem Vollmond, der die Nacht nicht
so dunkel erscheinen lässt. Unsere Geschwindigkeit, respektive die schiebende
Strömung haben wir aber überschätzt, Port Antonio auf Jamaica erreichen wir kaum vor
der nächsten Nacht. So reduzieren wir Segelfläche und Speed, damit wir am nächsten
Morgen bei Tagesbeginn in die Bucht einlaufen können. Eine wolkenverhangene Insel
begrüsst uns, Regen ist hier täglich programmiert, aber aus diesem Grund ist die Insel
an dieser nordöstlichen Ecke auch so grün. Die Wolken regnen sich im Gebiet von Port
Antonio und den im Süden liegenden Blue Mountains regelmässig und teilweise recht
heftig aus.
Noch vor dem Ankern müssen wir am Steg der Errol Flynn Marina die
Einklarierungspapiere regeln. Auch hier kommen Gesundheitsbehörde, Zoll und
Einwanderungsbehörde an Bord. Die Marina organisiert alles kostenlos, dafür darf man
dann für`s Ankern einen recht stolzen Obulus abliefern; im Gegenzug können wir die
Marinainfrastruktur nutzen und die Duschen sind wunderbar warm....

Port Antonio liegt inmitten einer grünen Szenerie, mit über 2000m hohen Bergen im
Hintergrund. Das lebhafte Städtchen hat aber schon bessere Zeiten gesehen. Bis in die
70-er Jahre wurde es von Kreuzfahrtschiffen regelmässig angelaufen und die
Tourismuseinnahmequelle sprudelte, heute ist sie versiegt und den Menschen geht es
wohl auch deshalb nicht sonderlich gut. Die Arbeitslosenquote ist hoch, viele Leute auf
der Strasse zeigen eher ernste oder sogar traurige Gesichtsausdrücke. Die karibische
Lebensfreude spüren wir hier nicht. Einige Männer verbringen ihren Tag mit Rum trinken
und Joints rauchen. Es ist ihnen aber immer noch möglich, kleinere Dienstleistungen
anzubieten. Und Agressivität ist kaum spürbar.
Eigentlich wollten wir noch weiter entlang der Nordküste nach Westen segeln. Allerdings
sind anscheinend dort die wahren Touristendestinationen mit wunderbaren Stränden
und Hotelanlagen, uns reizt das weniger. So entscheiden wir uns, die Buchten in der
näheren Umgebung zu besuchen und von da aus weiter an die Südküste von Kuba zu
segeln. Der Zollbeamte erklärt uns dann geduldig, was machbar ist und was nicht.
Leider decken sich unsere Vorstellungen nicht mit den gesetzlichen Vorgaben und
schon gar nicht mit dem Wetter. Seit zwei Tagen regnet es fast ununterbrochen und
teilweise sehr heftig, und das meist ohne Windaufkommen. Das in der Bucht bisher sehr
klare Wasser verfärbt sich durch einlaufende Flüsse schmutzigbraun. Das abendliche
Ausgehen fällt buchstäblich ins Wasser, am trockensten ist es auf unserer Red Harlekin!
So passen wir unsere Pläne an und warten vor allem auf sonnigeres Wetter und
schlussendlich auch auf den richtigen Wind nach Santiago de Cuba!

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