Care - Primary and Hospital Care

 
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Care - Primary and Hospital Care
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                                                                                                                                                                                      Peer
                                                                                                                  Care
                                                                                                                                                                                           re
                                                                                                                                                                                                v ie we

                                                                                                                                                                                                     d
                  Primary
                   and Hospital
                    Allgemeine Innere Medizin

                    416 Katja Trabold                                                 420 Heinrich Kläui                                             425 Edy Riesen
                    Notfälle im Flugzeug                                              Migration und seelische                                        Hr. Dr. Sommer,
23 5. 12. 2018

                                                                                      Gesundheit – was können                                        Fr. Dr. Bergengruen und
                                                                                      Hausärzt/-innen tun?                                           der fiebernde Planet

                 Weihnachten im Paradies?

                                                                                      Offizielles Organ
                                                                                      Schweizerische Gesellschaft für Allgemeine Innere Medizin
                                                                                      Haus- und Kinderärzte Schweiz
                                                                                      www.primary-hospital-care.ch
                 Published under the copyright license “Attribution – Non-Commercial – NoDerivatives 4.0”. No commercial reuse without permission.       See: http://emh.ch/en/services/permissions.html
Care - Primary and Hospital Care
INHALTSVERZEICHNIS                                                                                                                                                                            411

Redaktion
Dr. Stefan Neuner-Jehle, Zug (Chefredaktor); Dr. Nadja Pecinska, Muttenz (Managing Editor); Dr. Monika Büttiker, Olten; PD Dr. Thomas Dieterle,
Liestal; Prof. Dr. Jacques Donzé, Bern; Dr. Roman Hari, Bern; Dr. Pierre Loeb, Basel; Dr. Manuel Schaub, Bern; Dr. Daniel Widmer, Lausanne

Editorial
                                                      Philippe Luchsinger
 413                                                  Reisen bildet … oder?
 

Offizielle Mitteilungen
                                                      Bernadette Häfliger Berger
 414                                                  Projekte für eine effiziente und patientenorientierte Versorgung
 
		                                                    Der Bundesrat hat ein erstes Paket mit Kostendämpfungsmassnahmen zur Entlastung der obligatori-
                                                      schen Krankenpflegeversicherung präsentiert. Die SGAIM befürwortete die vorgeschlagene Einfüh-
                                                      rung des Referenzpreissystems bei Arzneimitteln sowie im Grundsatz die Verankerung eines
                                                      Experimentierartikels im KVG. Die k
                                                                                        ­ onkreten Vorschläge zur Umsetzung des Experimentierartikels
                                                      vermögen jedoch noch nicht zu überzeugen. Die SGAIM plädiert für Pilotprojekte, die insbesondere
                                                      der ­Eindämmung der Mengen oder der Steigerung der Qualität dienen.

Lernen
                                                      Katja Trabold
 416                                                  Notfälle im Flugzeug
		                                                    Medizinische Notfälle erfordern stets ein rasches Handeln, eine gute Zusammenarbeit der Hilfskräfte
                                                      und adäquates medizinisches Material. Solche Situationen sind bereits am Boden eine Herausforde-
                                                      rung. Doch wie sieht es aus, wenn es auf über 10 000 m ü. M. zu einem Ernstfall kommt? Wie ist das
                                                      Vorgehen der Piloten, der Crew und der anwesenden Ärzte? Wie kann man als Ärztin auf einem Flug
                                                      helfen, und was muss beachtet werden?

                                                      Heinrich Kläui
                                                                                                                                                                                                 a r tic le
 420                                                  Migration und seelische Gesundheit – was können Hausärzt/-innen tun?
                                                                                                                                                                                   Peer

                                                                                                                                                                                      re
		                                                    Ä rztinnen und Ärzte sind wichtige Vertrauenspersonen für Menschen, die auf der Flucht                                              v ie we
                                                                                                                                                                                               d

                                                      vor Krieg und Folter in der Schweiz ankommen. Dieses Vertrauen muss langsam aufgebaut
                                                      werden; die hausärztliche Praxis ist ein wichtiger Ort dafür.

       Offizielles Organ von:

                                                mfe Haus- und Kinderärzte                                  Schweizerische Gesellschaft für
                                                Schweiz                                                    Allgemeine Innere Medizin SGAIM

                                                                                 Schweize­rische Akademie für
        Schweizerische Gesellschaft             Kollegium für                    Psychosoma­tische und Psychosoziale                Junge Hausärztinnen und -ärzte            Swiss Young
        für Pädiatrie SGP                       Hausarztmedizin KHM              Medizin SAPPM                                      Schweiz JHaS                              Internists SYI
Published under the copyright license “Attribution – Non-Commercial – NoDerivatives 4.0”. No commercial reuse without permission.               See: http://emh.ch/en/services/permissions.html
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                                                              Jacques Donzé, Nicolas Schaad, Manuel Haschke
         424                                                  Metamizol / Novaminsulfon
        
       		                                                     Das Medikament ist für den Internisten das, was dem Chirurgen das Skalpell ist:
                                                              Ein unabdingbares Instrument zur Behandlung, das j­ edoch einen präzisen Einsatz erfordert.

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                                                              Edy Riesen
         425                                                 Hr. Dr. Sommer, Fr. Dr. Bergengruen und der fiebernde Planet
        
       		                                                     Der alternde Kollege Sommer, geplagt von Rheuma und gelegentlichen depressiven Schüben,
                                                              nimmt für sich seit eh und je in Anspruch, im Winter so oft wie möglich an die Sonne zu gehen;
                                                              was heisst gehen, fliegen natürlich.

   Die Redaktion von Primary and Hospital Care und der Schweizerische
   Ärzteverlag EMH wünschen allen unseren Leserinnen und Lesern
   ein gesundes und glückliches neues Jahr. Wir freuen uns darauf,
   Ihnen auch 2019 interessanten, unabhängigen und fachlich
   hochstehenden Lesestoff zur Verfügung zu stellen.

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       Impressum
       Primary and Hospital Care                        Marketing EMH / Inserate:                        © EMH Schweizerischer Ärzteverlag AG       Hinweis: Alle in dieser Zeitschrift
       Offizielles Organ von mfe Haus- und              Dr. phil. II Karin Würz, Leiterin                (EMH), 2018. «Primary and Hospital         publizierten Angaben wurden mit der
       Kinderärzte Schweiz, der Schweizeri-             Marketing und Kommunikation,                     Care» ist eine Open-­Access-Publika-       grössten Sorgfalt überprüft. Die mit
       schen Gesellschaft für Allgemeine                Tel. +41 (0)61 467 85 49, Fax +41 (0)61          tion von EMH. Entsprechend gewährt         Verfassernamen gezeichneten Veröf-
       Innere Medizin SGAIM, der Schweize-              467 85 56, kwuerz@emh.ch                         EMH allen Nutzern auf der Basis der        fentlichungen geben in erster Linie
       rischen Gesellschaft für Pädiatrie SGP,                                                           Creative-Commons-Lizenz «Namens-           die Auffassung der Autoren und nicht
       des Kollegiums für Hausarztmedizin               Abonnemente: EMH Schweizerischer                 nennung – Nicht kommerziell – Keine        zwangsläufig die Meinung der Redak-
       KHM, der Schweize­rischen Akademie               Ärzteverlag AG, Abonnemente,                     Bearbeitungen 4.0 International» das       tion von PrimaryCare wieder. Die an-
       für Psychosoma­tische und Psycho-                Farnsburgerstrasse 8, 4132 Muttenz,              zeitlich unbeschränkte Recht, das Werk     gegebenen Dosierungen, Indikationen
       soziale Medizin SAPPM, Jungen Haus-              Tel. +41 (0)61 467 85 75, Fax +41                zu vervielfältigen, zu verbreiten und      und Applikationsformen, vor allem von
       ärztinnen und -ärzte Schweiz JHaS                (0)61 467 85 76, abo@emh.ch                      öffentlich zugänglich zu machen unter      Neuzulassungen, sollten in jedem Fall
       sowie der Swiss Young Internists SYI.            Abonnementspreise: Für Mitglieder                den Bedingungen, dass (1) der Name         mit den Fachinformationen der ver-
       Redaktionsadresse:                               der Herausgebergesellschaften gelten             des Autors genannt wird, (2) das Werk      wendeten Medikamente verglichen
       Samantha Badowski, Redaktions­                   spezielle Konditionen, die im Detail             nicht für kommerzielle Zwecke ver-         werden.
       assistentin, EMH Schweizerischer                 unter http://www.primary-hospital-               wendet wird und (3) das Werk in keiner
       ­Ä rzteverlag AG, Farnsburgerstrasse 8,          care.ch/fuer-leser/abonnement/                   Weise bearbeitet oder in anderer           Herstellung: Die Medienmacher AG,
        4132 Muttenz, Tel. +41 (0)61 467 85 58,         zu finden sind.                                  Weise verändert wird. Die kommer­          Muttenz, www.medienmacher.com
        Fax +41 (0)61 467 85 56,                                                                         zielle Nutzung ist nur mit ausdrück­
        office@primary-hospital-care.ch,                Abonnemente für Nichtmitglieder:                 licher vorgängiger Erlaubnis von EMH
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        http://www.edmgr.com/primary
        hospitalcare                                    ISSN: Printversion: 2297-7155 /                  1. Bild S. 411:                            4. Bild S. 411: ID 129850127
                                                        elektronische Ausgabe: 2297-7163                 © Tomert | Dreamstime.com                  © Jiri Kratochvil | Dreamstime.com
       Verlag: EMH Schweizerischer Ärzte-               Erscheinungsweise: 23 Ausgaben                   2. Bild S. 411: ID 88562072                1. Bild S. 412:
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       4132 Muttenz, Tel. +41 (0)61 467 85 55,                                                           3. Bild S. 411: ID 115642490               Titelbild: ID 99498381 © Nadezhda
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EDITORIAL                                                                                                                                                                                413

Den Horizont erweitern

Reisen bildet ... oder?
Philippe Luchsinger
Präsident mfe

                                Da begab es sich, dass auch zu früheren Zeiten Men­                                waren, dass sie an einem fremden Ort die Möglichkeit
                                schen unterwegs waren. Sicher nicht der einfache                                   erhalten haben, ein neues Leben zu beginnen. Mein
                                Bauer, der musste sein Land bestellen, und der Tag­                                ­Urgrossvater war einer dieser Schweizer.
                                löhner war froh, wenn er sich und seine Familie er­
                                nähren konnte. Die Reichen und Adligen, die aus                               Eine Gesellschaft, die sich verschliesst und
                                Gründen des Handels, der kriegerischen Auseinan­                              einkapselt, vergibt die Möglichkeit, Visionen
                                dersetzung und der Eroberung reisten, bildeten ei­                            umzusetzen.
                                nen kleinen Teil der Bevölkerung. Gut, sie nahmen
                                einige einfache Soldaten mit, aber die Schiffe damals                              Es gab auch Zeiten, in denen die Schweiz sich geöffnet
                                hatten nicht Platz für 5000 Passagiere. Und diejenigen,                            hat, und Verfolgten aus ganz Europa Schutz bot. Die
Philippe Luchsinger
                                die nur aus purer Lust reisten, wie beispielsweise Goe­                            Schweiz war damals, 1848, der einzige demokratische
                                the, waren schon damals eine Rarität. Aber gerade sie                              Bundesstaat in Europa, in dem politische Freiheit und
                                waren es, die dem Reisen einen so hohen Stellenwert                                Meinungsfreiheit galt. Wie auch an anderen Orten, die
                                zur Erweiterung des Horizonts beimassen.                                           offen waren und sind für Neuerungen, konnten alle
                                                                                                                   profitieren und prosperieren. Diese unfreiwillig Rei­
                            Nicht alle Reisenden sind freiwillig unterwegs.                                        senden haben zu einer Bereicherung unserer Gesell­
                            Im Moment sind 68 Millionen Menschen als                                               schaft beigetragen, wie später auch die Arbeitskräfte,
                            Flüchtlinge gezwungen, ihre Heimat aufzu­                                              die doch Menschen waren, wie Max Frisch festgestellt
                            geben, sind unterwegs, obwohl sie lieber                                               hat [1].
                            geblieben wären.                                                                       Steven Pinker, der umstrittene Philosoph, deutet die
                                                                                                                   heutige Angst vor Veränderungen als Verlustangst
                                Schon zu früheren Zeiten waren diese Reisenden Vek­                                einer reich gewordenen Gesellschaft [2]. Sicher, die
                                                                                                                   ­
                                toren: Sie haben Verwüstung und Seuchen mitge­                                     Armut konnte in den letzten Jahrzehnten deutlich
                                                                                                                   ­
                                bracht, Pest und Masern rafften gar viele Menschen                                 ­vermindert werden. Aber was hindert uns daran, uns
                                hinweg. Damals dauerte es Jahre, bis diese Krankhei­                               noch weiter zu entwickeln? Eine Gesellschaft, die sich
                                ten an einem neuen Ort waren. In späteren Zeiten                                   verschliesst und einkapselt, vergibt die Möglichkeit,
                                ­genügte ein Flug, um Kontinente zu überbrücken, wie                               Visionen umzusetzen. Das gilt auch für Teile unserer
                                beispielsweise bei der Vogelgrippe. Aber die Reisenden                             Gesellschaft wie beispielsweise die Ärzteschaft. Aber
                                haben nicht nur Krankheiten verbreitet oder nach                                   vielleicht liegt es auch daran, wie die vielen Menschen
                                Hause gebracht, sondern auch Lebensvorstellungen,                                  heute reisen, dass der Horizont sich nicht erweitert: in
Redaktionelle                   Umgangsformen und Gebräuche. Das Fremde, das                                       engen Kreuzfahrtkabinen und Flugzeugrümpfen.
­Verantwortung:
                                ­Exotische hatte schon immer seinen Reiz. Immer?
Sandra Hügli, mfe
                                Nicht alle Reisenden sind freiwillig unterwegs. Im Mo­                             Ich wünsche Euch ein offenes, weites, hoffnungsvolles
                                ment sind 68 Millionen Menschen als Flüchtlinge ge­                                2019, mit möglichst bildenden Reisen.
Korrespondenz:                  zwungen, ihre Heimat aufzugeben, sind unterwegs,
Sandra Hügli-Jost                                                                                                  Literatur
                                obwohl sie lieber geblieben wären. Unterwegs oder an
Kommunikations­                                                                                                    1   «Man hat Arbeitskräfte gerufen, und es kommen Menschen.»
beauftragte                     einem fremden Ort, weil sie um ihr Leben fürchten                                      Max Frisch, Vorwort zu dem Buch «Siamo italiani – Die Italiener.
mfe Haus- und Kinderärzte                                                                                              Gespräche mit italienischen Arbeitern in der Schweiz» von
                                müssen, oder in ihrem angestammten Leben keine
Schweiz                                                                                                                Alexander J. Seiler, Zürich: EVZ 1965. «Überfremdung I».
Geschäftsstelle                 Perspektiven für sich, ihre Familie, ihre Nächsten se­                                 Max Frisch: Öffentlichkeit als Partner, edition suhrkamp 209
Effingerstrasse 2               hen. Familien und Clans legen zusammen, um Jugend­                                     (1967), S. 100.
CH-3011 Bern                                                                                                       2   Steven Pinker: «Die Toilette war eine grossartige Erfindung!» NZZ,
sandra.huegli[at]
                                lichen eine Zukunft zu ermöglichen. Vor 150 Jahren                                     15.11.18. https://www.nzz.ch/feuilleton/steven-pinker-die-toilette-
hausaerzteschweiz.ch            waren es Schweizer, die auswandern mussten, die froh                                   war-eine-grossartige-erfindung-ld.1436540.

PRIMARY AND HOSPITAL CARE – ALLGEMEINE INNERE MEDIZIN                     2018;18(23):413
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Care - Primary and Hospital Care
OFFIZIELLE MIT TEILUNGEN                                                                                                                                                          414

Vernehmlassung der SGAIM zum ersten Massnahmenpaket der Kostendämpfungsmassnahmen

Projekte für eine effiziente und
patientenorientierte Versorgung
Bernadette Häfliger Berger
Generalsekretärin SGAIM

                                Der Bundesrat hat ein erstes Paket mit Kostendämpfungsmassnahmen zur Entlas-
                                tung der obligatorischen Krankenpflegeversicherung präsentiert. Die SGAIM be-
                                fürwortete die vorgeschlagene Einführung des Referenzpreissystems bei Arznei-
                                mitteln sowie im Grundsatz die Verankerung eines Experimentierartikels im KVG.
                                Die ­konkreten Vorschläge zur Umsetzung des Experimentierartikels vermögen je-
                                doch noch nicht zu überzeugen, da sie einseitig die Eindämmung der Kostenent-
                                wicklung fokussieren. Die SGAIM plädiert für Pilotprojekte, die insbesondere der
                                ­Eindämmung der Mengen oder der Steigerung der Qualität dienen. Zudem sollen
                                 vor allem Projekte in der Grundversorgung favorisiert werden.

                                Im Sommer 2017 erschienen insgesamt 38 Empfehlun-                                  nahme zur Kostensenkung im Gesundheitswesen,
                                gen einer Expertengruppe zu möglichen Kostendämp-                                  ohne dass dies die Qualität der Gesundheitsversor-
                                fungsmassnahmen zur Entlastung der obligatorischen                                 gung negativ beeinflussen würde. Das Ziel der gesetz­
                                Krankenpflegeversicherung. Neben dem in der Presse                                 lichen Änderung, finanzielle Fehlanreize durch die
                                viel diskutierten und äusserst umstrittenen Global-                                ­Abgabe von teureren Medikamenten zu beseitigen,
                                budget beinhaltet dieser Bericht durchaus auch                                     wird von der SGAIM unterstützt. Die Einführung des
                                ­Vorschläge, die von der SGAIM unterstützt werden                                  Referenzpreissystems darf jedoch nicht zu einer einge-
                                können. So wird unter anderem die Stärkung der
                                ­                                                                                  schränkten Medikamentenliste führen. Dies wäre für
                                ­Gesundheitskompetenz und bessere Information der                                  die Aufrechterhaltung höchster medizinischer Quali-
                                Patient/-innen sowie die Stärkung von Health Techno-                               tät problematisch. Die SGAIM bevorzugt aus diesem
                                logy Assessments (HTA) gefordert, was die SGAIM mit                                Grund die Variante «Modell mit Preisabschlag», auch
                                der Initiative smarter medicine schon seit Jahren voran-                           weil dadurch der bürokratische Aufwand geringer
                                treibt.                                                                            erscheint und eine schematische Festlegung der
                                                                                                                   ­
                                Im ersten Massnahmenpaket, für das der Bundesrat                                   ­Referenz- und Höchstpreise als pragmatischer Weg be-
                                am 18. März 2018 die Vernehmlassung eröffnet hat, feh-                             trachtet wird. Mit dieser Variante könnte verhindert
                                len indessen die von der SGAIM favorisierten Aspekte                               werden, dass regelmässig ein Medikamentenwechsel
                                des Expertenberichts fast gänzlich. Die SGAIM bedau-                               vorgenommen werden müsste, was gerade für multi-
                                ert diese Priorisierung, beteiligt sich jedoch trotzdem                            morbide Patient/-innen problematisch wäre.
                                am Vernehmlassungsverfahren. Sie äussert sich dabei
                                aber ausschliesslich zum Referenzpreissystem bei Arz-
                                                                                                                   Einführung eines Experimentierartikels
                                neimitteln und zum Experimentierartikel. Bei sämt­
                                lichen Fragen rund um die Tarife, die ebenfalls im ers-                            Die SGAIM begrüsst die Einführung eines Experimen-
                                ten Massnahmenpaket Eingang gefunden haben,                                        tierartikels im KVG und die Möglichkeit Pilotprojekte
                                unterstützt die SGAIM vollumfänglich die Positionen                                durchführen zu können, ohne dass unmittelbar
                                der Haus- und Kinderärzte Schweiz (mfe).                                           Gesetz­esänderungen vorgenommen werden müssen.
                                                                                                                   Pilotprojekte nur unter der Prämisse zu bewilligen,
                                                                                                                   dass sie zu einer Eindämmung der Kostenentwicklung
                                Referenzpreissystem bei Arzneimitteln
                                                                                                                   führen, erscheint der SGAIM jedoch als zu eng gefasst.
Redaktionelle
­Verantwortung:
                                Die SGAIM erachtet die Einführung eines Referenz-                                  Es wäre bei der Bewilligung darauf zu achten, dass vor
Bruno Schmucki, SGAIM           preissystems in der Schweiz für eine geeignete Mass-                               allem Projekte berücksichtigt werden, die einen effizi-

PRIMARY AND HOSPITAL CARE – ALLGEMEINE INNERE MEDIZIN                     2018;18(23):414– 415
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Care - Primary and Hospital Care
Offizielle Mitteilungen                                                                                                                                                               415

                                enten und patientenorientierten Ressourceneinsatz                                  Pilotprojekt auch zur Steigerung
                                forcieren. Die SGAIM lehnt es ab, dass nur Projekte be-                            der ­Qualität
                                willigt werden sollen, die noch gar nicht erprobt sind
                                und die sich von bereits bestehenden Modellen grund-                               Die SGAIM fordert, dass neben Pilotprojekten zur
                                sätzlich unterscheiden müssen.                                                     ­Kosteneindämmung insbesondere auch Projekte zur
                                Vielmehr ist zu fordern, dass auch bereits eingeleitete                            Eindämmung der Mengen oder zur Steigerung der
                                Initiativen über den Experimentierartikel vertieft und                             Qualität im Experimentierartikel Eingang finden.
                                in der Praxis umfassend erprobt werden können.                                     ­Zudem sollten weitere Bereiche, in denen Pilotprojekte
                                ­Damit könnte zum Beispiel die fehlende Datenbasis                                 möglich sind, im Gesetzesartikel berücksichtigt wer-
                                aufgebaut werden. Ansonsten werden aktuelle, auf
                                ­                                                                                  den. Es gilt insbesondere die Prävention, die Verbesse-
                                Eigenverantwortung der Initiant/-innen beruhende
                                ­                                                                                  rung der Gesundheitskompetenz von Patient/-innen,
                                Projekte benachteiligt, was die Innovation in den                                  die Stärkung des Generalism sowie Qualitätsprojekte
                                nächsten Jahren bis zum definitiven Erlass der neuen                               aufzunehmen. Gleichzeitig soll die zunehmende
                                KVG-Regelung zum Erliegen bringen könnte.                                          ­Fragmentierung der Medizin eingedämmt werden. Die
                                Zudem verlangt die SGAIM bei jedem Pilotprojekt den                                SGAIM verlangt vom Bundesrat, dass besonders die­
                                Einbezug der Patient/-innen bzw. der Öffentlichkeit                                jenigen Pilotprojekte favorisiert werden, die eine gro-
                                und begrüsst, dass verschiedene Akteure im Gesund-                                 sse Zahl von Patient/-innen und damit die Grund­
                                heitsbereich zur Teilnahme am Pilotprojekt verpflich-                              versorgung betreffen. Aufgrund der demografischen
                                tet werden können, da damit insbesondere auch auf                                  Entwicklung der Bevölkerung ist ein besonderes
                                bereits bestehendes Datenmaterial zurückgegriffen                                  Augen­merk auf multimorbid und chronisch kranke
                                werden kann.                                                                       Menschen zu legen.
                                                                                                                   Die ganze Stellungnahme der SGAIM finden Sie auf
                                                                                                                   der Website unter www.sgaim/positionen

                                Die wichtigsten Daten der SGAIM für 2019
                                Generalversammlung SGAIM                                                          Kongresse SGAIM
                                Mittwoch, 5. Juni, 17.30–18.30 Uhr, Basel (1. Tag des Frühjahrs-                  – Frühjahrskongress: Mittwoch, 5. Juni bis Freitag, 7. Juni, B
                                                                                                                                                                                ­ asel
                                kongresses)                                                                       – Herbstkongress: Donnerstag, 19. September bis Freitag
                                                                                                                     20. September, St. Gallen
                                Delegiertenversammlungen                                                          Mehr Informationen unter www.sgaim.ch/kongress
                                – Donnerstag, 28. März, 14.15 Uhr–18.00 Uhr | Schmiedstube
                                   (Schmiedenplatz 5) | Bern: Verabschiedung Jahresrechnung                       Facharztprüfungen AIM
                                   2018                                                                           – Donnerstag, 27. Juni, 9.45–15.00 Uhr, Congress Center Basel
                                – Donnerstag, 21. November, 14.15 Uhr–18.00 Uhr | Hotel Kreuz                       (Anmeldung vom 23. Januar bis 15. März)
                                   (Zeughausgasse 41) | Bern: Verabschiedung Budget 2020                          – Donnerstag, 7. November, 9.45–15.00 Uhr, Congress Center
                                                                                                                     Basel (Anmeldung vom 5. Juni bis 28. August)
                                                                                                                  Anmeldung und mehr Informationen unter www.sgaim.ch/egim

                                Kostenloser Zugang für SGAIM-Mitglieder
Korrespondenz:
                                                                                                                  Fachpersonen dabei, die bestmöglichen Entscheidungen für und
Bruno Schmucki
Verantwortlicher Bereich                                                                                          zusammen mit ihren Patient/-innen zu treffen.
Administration und                                                                                                Die Inhalte werden täglich aktualisiert und von einem renom-
­Kommunikation                  Der Vorstand der SGAIM hat die Vereinbarung mit dem Anbieter                      mierten Ärzteteam verfasst, das über 500 medizinische Zeit-
Schweizerische Gesellschaft     der medizinischen Datenbank Dynamed Plus™ um drei Jahre                           schriften sichtet, neue Evidenz erkennt und objektive Analysen
für Allgemeine Innere
                                verlängert. Damit können die Mitglieder der SGAIM weiterhin                       liefert – ideal geeignet, um schnellstmöglich gezielte Antworten
­Medizin (SGAIM)
                                von einem kostenlosen Zugang profitieren.                                         auf klinische Fragen zu finden.
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Postfach                        DynaMed Plus™ ist ein evidenzbasiertes, klinisches Referenz-                      Detaillierte Informationen, wie Sie als SGAIM-Mitglied den
CH-3001 Bern                    tool, das von Ärzt/-innen direkt für den Einsatz am Behandlungs-                  kostenlosen Zugang freischalten können, finden Sie unter
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PRIMARY AND HOSPITAL CARE – ALLGEMEINE INNERE MEDIZIN                     2018;18(23):414– 415
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LERNEN                                                                                                                                                                             416

Wie Vorgehen bei einer prekären Situation über den Wolken?

Notfälle im Flugzeug
Katja Trabold
Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Fliegerärztliches Institut FAI, Dübendorf

                                Medizinische Notfälle erfordern stets ein rasches Handeln, eine gute Zusammenar-
                                beit der Hilfskräfte und adäquates medizinisches Material. Solche Situationen sind
                                bereits am Boden eine Herausforderung. Doch wie sieht es aus, wenn es auf über
                                10 000 m ü. M. zu einem Ernstfall kommt? Wie ist das Vorgehen der Piloten, der
                                Crew und der anwesenden Ärzte? Wie kann man als Ärztin auf einem Flug helfen,
                                und was muss beachtet werden?

                                Medical Case – aus Sicht der Cabin Crew                                            Im Flugzeug stehen mehrere First Aid Kits, ein AED und
                                                                                                                   ein Notarztkoffer (Doctor’s Kit) zur Verfügung (Abb. 1).
                                Die Cabin Crew, bestehend aus Flight Attendants (FA)                               Bei einem medizinischen Notfall kümmert sich die
                                und einer/m Maître de Cabine (MC), absolviert jährlich                             ­Cabin Crew um das Wohl des Patienten. Ein FA spricht
                                einen Nothelferkurs, bei dem das Vorgehen in ­einem                                dabei einen «Medical Case» über das Bord-Telefon aus,
                                medizinischen Notfall geübt wird und die medizini-                                 sodass auch die Cockpit-Besatzung informiert ist, dass
                                schen Utensilien an Bord studiert werden.                                          eventuell ein Notfall-Prozedere zum Einsatz kommen

                                Abbildung 1: Inhalt des Doctor’s Kit der Lufthansa-Flotte [2]. Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der Deutschen
                                ­Lufthansa AG.

PRIMARY AND HOSPITAL CARE – ALLGEMEINE INNERE MEDIZIN                     2018;18(23):416 – 418
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Lernen                                                                                                                                                                                        417

                                wird. In den meisten Fällen handelt es sich um harm-                                         oder ob ein naheliegender Flughafen angesteuert wer-
                                lose medizinische Ursachen, wie zum Beispiel leichte                                         den muss. Den Piloten steht in solchen Fällen ein Ent-
                                Herz-Kreislauf-Störungen, die mittels glukosehaltigem                                        scheidungsfindungs-Tool, das sogenannte SPORDEC,
                                Getränk wieder behoben werden können. Ist ein Passa-                                         zur Verfügung. Dieses wird bereits in der Ausbildung
                                gier bewusstlos, so wird er von den Flugbegleiter/-in-                                       gelernt und kommt im Ernstfall zum Tragen:
                                nen in Seitenlage auf den Boden gelegt. Hier kommt                                           – Situation Catch – Erfassung der Situation;
                                die Schwierigkeit dazu, dass im Flugzeug stets Platz-                                        – Prelimenary Actions – Lage prüfen (Wetter, momen-
                                mangel herrscht. Wenn möglich, wird der Patient in                                              taner Spielraum);
                                die Bordküche – Galley genannt – gelegt, da so die Ab-                                       – Options – zur Verfügung stehende Optionen (Aus-
                                schirmung gegenüber den Mitreisenden besser ist und                                             weichflughafen vs. Route weiterverfolgen);
                                ebenfalls grössere Platzverhältnisse vorherrschen.                                           – Rating – Situation beurteilen (Abwägung des Risikos
                                Laut dem medizinischen Dienst der Deutschen Luft-                                               für gesamtes Flugzeug);
                                hansa AG ereignet sich pro 10 000 bis 40 000 Passa-                                          – Decision – Entscheidung wird mit den Crewmitglie-
                                giere ein medizinischer Zwischenfall.                                                           dern diskutiert;
                                In den Jahren 2000–2011 wurden mehr als 20 000 me-                                           – Execution – Ausführung der vorher getroffenen Ent-
                                dizinische Notfälle dokumentiert (Abb. 2) [1]:                                                  scheidung;
                                                                                                                             – Controlling – Kontrolle der ausgeführten Massnah-
                                                                                                                                men.
                                                         11 %
                                                                                                                             Falls ein Ausweichplatz angeflogen werden muss, so
                                                       Sonstiges                                                             wird per Funk ein «Medical Emergency» deklariert, die
                                                                                                         34%
                                                                                                    Magen-Darm-              dem betreffenden Flugzeug auf dem Flughafen Lande-
                                                                                                    Erkrankungen             priorität gewährt. Über Funk kann zudem ein Medical
                                       12%
                                                                                                                             Assistant angefordert werden, der am Boden den Pa­
                                      Unfälle
                                                                                                                             tienten gleich nach der Landung aus dem Flugzeug
                                                                                                                             holt, weiter medizinisch versorgt und je nach Situation
                                                                                                                             in ein nahegelegenes Krankenhaus bringt.

                                                                                                                             Arzt an Bord
                                                                                                                             Bei der SWISS, Lufthansa und Austrian Airlines können
                                                  43% Herz-Kreislauf, Neurologie
                                                                                                                             sich Ärztinnen und Ärzte einmalig registrieren und
                                    Klassifizierung der Symptome beziehungsweise Diagnosen anhand von mehr als 20 000
                                    dokumentierten medizinischen Zwischenfälle an Bord der Lufthansa der Jahre 2000 bis
                                                                                                                             von verschiedenen Vorteilen profitieren (s. Infobox).
                                    2011.                                                                                    Somit können die Flugbegleiter in einem medizini-
                                    Den Symptomen wurden Verdachtsdiagnosen zugeordnet. Die Herz-Kreislauf-Beschwerden
                                    beinhalten auch neurologische Erkrankungen, insbesondere Schlaganfälle. Unfälle waren    schen Notfall direkt auf den Arzt zugehen, ohne diesen
                                    vor allem herabfallendes Gepäck aus den Gepäckablagen im Deckenbereich sowie
                                    Verbrennungen/Verbrühungen durch heiße Getränke.                                         vorgängig ausrufen zu müssen. Obschon diese Regist-
                                    Sonstiges: Hals-Nasen-Ohren-Erkrankungen, Koliken, Verdacht einer Infektionskrankheit,
                                    psychiatrische Erkrankungen.                                                             rations-Möglichkeit bereits bekannt ist, scheuen sich
                                                                                                                             noch viele Ärztinnen und Ärzte davor, sich dem Pro-
                                Abbildung 2: Verteilung der medizinischen Notfälle [1]. Nach-
                                                                                                                             gramm anzuschliessen, aus Angst vor rechtlichen
                                druck mit freundlicher Genehmigung des Deutschen Ärzte-
                                blatts.
                                                                                                                             Konsequenzen. Die Deutsche Lufthansa schreibt zu
                                                                                                                             diesem Thema auf ihrer Internetseite:
                                                                                                                             «Die rechtliche Situation für den behandelnden Arzt ist
                                                                                                                             abgesichert: Im Rahmen einer Haftpflichtversicherung,
                                Medical Case – aus Sicht der Cockpit Crew                                                    die die Deutsche Lufthansa AG für solche Fälle abge­
                                                                                                                             schlossen hat, sind die Ärzte an Bord gegen eventuelle Re­
                                Seit dem 11. September 2001 muss die Cockpit-Türe ge-                                        gressansprüche des behandelten Fluggastes abgesichert.
                                schlossen bleiben und kann nur unter bestimmten                                              Vorsatz ist hiervon selbstverständlich ausgenommen.
                                Umständen geöffnet werden. Die Pilot/-innen hören                                            Diese Enthaftung gilt für Ärzte und fachkundige Laien­
                                jedoch über das Kommunikationssystem des Flugzeu-                                            helfer.» [2]
                                ges die Durchsagen der Cabin Crew und werden so über                                         Bei den meisten Airlines wird der helfenden Ärztin
                                das Geschehen in der Kabine informiert. In lebens­                                           eine solche Enthaftungserklärung des Bordpersonals
                                bedrohlichen Situationen entscheidet der Captain – in                                        ausgehändigt, die sie bei der Hilfestellung versichert,
                                Absprache mit einem anwesenden Arzt oder MedAire –                                           ausgenommen sie handelt mit grober Fahrlässigkeit
                                ob die Flugroute planmässig fortgeführt werden kann                                          oder unter Vorsatz.

PRIMARY AND HOSPITAL CARE – ALLGEMEINE INNERE MEDIZIN                              2018;18(23):416 – 418
Published under the copyright license “Attribution – Non-Commercial – NoDerivatives 4.0”. No commercial reuse without permission.                   See: http://emh.ch/en/services/permissions.html
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                                 Der Crew und der helfenden medizinischen Fachperson
                                 steht bei einem Medical Case im Flugzeug zusätzlich                               Info Box
                                 medizinische Hilfe vom Boden zur Verfügung. Zum                                   Registrieren Sie sich unkompliziert und einfach als Ärztin/Arzt
                                 Beispiel arbeitet die Fluggesellschaft SWISS mit Med­                             bei der SWISS, Lufthansa und Austrian Airlines. So geht’s:
                                                                                                                   –	 https://www.swiss.com/ch/DE/vorbereiten/spezielle-betreu-
                                 Aire zusammen, bei der die Cabin Crew, der Arzt oder
                                                                                                                       ung/gesundheit-und-reisen
                                 die Pilotin jederzeit über Funk oder Satellitentelefon
                                                                                                                   –   «Arzt an Bord» Programm → jetzt anmelden
                                 Hilfe anfordern kann. Die Fachkräfte der MedAire un-                              –	Sie werden auf die Webseite der Lufthansa weitergeleitet
                                 terstützen beim weiteren medizinischen Vorgehen und                                   (www.lufthansa.com), auf der Sie auch noch weitere Infor-
                                 liefern Entscheidungsgrundlagen betreffend den mög-                                   mationen über das Programm vorfinden.

                                 lichen Ausweichflughäfen und Spitälern [3].
                                                                                                                   merksamkeit erfordert, wäre es zu gefährlich und ver-
                                                                                                                   antwortungslos, wenn die Pilotinnen und Piloten trotz
                                 Medizinische und andere Zwischenfälle
                                                                                                                   Krankheit oder Schlafmangel arbeiten würden.
                                 Nicht nur akute medizinische Notfälle testen die Be-                              Für den Fall eines medizinischen Notfalls eines Cock-
                                 lastbarkeit der Besatzung im Flugzeug. Alkoholisierte                             pit-Crewmitglieds während des Fluges, wird jährlich
                                 Passagiere werden bereits beim Boarding abgefangen,                               im Flugsimulator-Training geübt, wie das Flugzeug
                                 woraufhin der Captain und die Maître de Cabine infor-                             ­alleine gesteuert werden kann. In einer solchen Situa-
                                 miert werden. Sie entscheiden gemeinsam, nachdem                                  tion wird in jedem Fall ein Mayday per Funk abgesetzt
                                 sie mit dem Passagier direkt gesprochen haben, ob sie                             und der nächstmögliche Flughafen angesteuert.
                                 es verantworten können, ihn mitzunehmen, oder ob
                                 er am Abflugort bleiben muss. Verhält sich ein Passa-
                                                                                                                   Kurioses
                                 gier jedoch erst während des Fluges aggressiv und auf-
                                 fällig, so gestaltet sich die Situation schwieriger. Die                          Bei einem sehr seltenen Ereignis eines Todesfalles im
                                 Flight Attendants werden darauf geschult, solche Situa-                           Flugzeug (die Wahrscheinlichkeit eines Todesfalls liegt
                                 tionen zu deeskalieren. Misslingt dieses Unterfangen                              bei ca. 1:2 Millionen Passagiere [4]), wird der Flug plan-
                                 jedoch, so bleibt dem Captain noch die Möglichkeit,                               mässig fortgeführt und die verstorbene Person in einen
                                 dem Passagier eine schriftliche Verwarnung zukom-                                 Bodybag gelegt. Nur ein an Bord anwesender Arzt darf
                                 men zu lassen. In dieser wird erklärt, dass nach der                              den Tod eines Passagiers feststellen, wobei der Captain
                                 Landung die Polizei eingeschaltet wird, sollte sich die                           aber in jedem Fall die Koordinaten des Flugzeuges zum
                                 Lage nicht umgehend beruhigen.                                                    Zeitpunkt des Todes aufschreiben muss.
                                 Seit dem Absturz des Germanwings-Fluges wird in der                               Die Koordinaten müssen auch im Falle einer Geburt
                                 zivilen Luftfahrt der psychischen Gesundheit der                                  (1 pro Jahr, laut der Lufthansa [2]) angegeben werden.
                                 ­Pilotinnen und Piloten eine erhöhte Aufmerksamkeit                               Die Bestimmung der Nationalitäten des Neugeborenen
                                 geschenkt. Aus Angst, bei der Konsultierung des Flie-                             ist dann von Fall zu Fall unterschiedlich, wobei in
                                 gerarztes die Fluglizenz zu verlieren, könnten die Pilo-                          jedem Fall die Nationalität der Eltern zum Tragen
                                                                                                                   ­
                                 ten allenfalls vermeiden, fachliche Hilfe zu beanspru-                            kommt. Befindet sich das Flugzeug jedoch zum Zeit-
                                 chen. Die Schweizer Fluggesellschaften SWISS und                                  punkt der Geburt zum Beispiel über Kanada, so erhält
                                 Edelweiss sind sich dieser Problematik bewusst und                                das Baby auch noch den kanadischen Pass. Dies aber
                                 ­haben deshalb zusammen mit der Airline Pilots Associa­                           nur, da Kanada als e
                                                                                                                                      ­ ines von 190 Ländern Teil des Chi-
                                 tion AEROPERS ein Programm ins Leben gerufen. Bei                                 cago-Abkommens ist, das den Mitgliederstaaten über
                                 dieser unabhängigen Beratungsstelle erhalten freiwil-                             ihrem Gebiet die vollständige Lufthoheit gewährt.
                                 lige Pilotinnen und Piloten eine von Experten beglei-                             ­Befindet sich das Flugzeug jedoch über dem Ozean, so
                                 tete Ausbildung für die vertrauliche Erstbetreuung                                kann das Kind unter Umständen die Nationalität des
                                 ­ihrer Kollegen. Eine allfällige weiterführende Therapie                          Landes erhalten, in welchem die Fluggesellschaft regis-
                                 wird von Experten übernommen.                                                     triert ist.
                                 Da dieser Beruf sehr anspruchsvoll ist und viel Verant-
                                 wortung mit sich trägt, wird der Gesundheit der Pilo-
Korrespondenz:                                                                                                     Literatur
Fliegerärztliches Institut FAI   tinnen und Piloten grosse Beachtung geschenkt. Nicht                              1    Graf J, Stüben U, Pump S. In-flight medical emergencies. Dtsch
Katja Trabold                    nur der jähr­liche obligatorische Check bei der Flieger-                              Arztebl Int 2012;109(37):591–602. DOI: 10.3238/arztebl.2012.0591
Wissenschaftliche                                                                                                  2    Deutsche Lufthansa AG. Internetseite: https://www.lufthansa.
­Mitarbeiterin                   ärztin, sondern auch die Tatsache, dass sie sich ohne                                 com/de/de/arzt-an-bord. 09.2018. Abgerufen am 3.10.2018.
Bettlistrasse 16                 Begründung krankmelden dürfen, spricht für diese                                  3    Swiss International Air Lines AG. www.swiss.com.
CH-8600 Dübendorf                                                                                                      ­Abgerufen am 3.10.2018.
katja.trabold[at]
                                 Fürsorge. Aufgrund der Tatsache, dass das Steuern ei-                             4    Siedenburg J (2010). Kompendium Flug- und Reisemedizin.
vtg.admin.ch                     nes Flugzeuges 100-prozentige Konzentration und Auf-                                   BOD, Norderstedt.

PRIMARY AND HOSPITAL CARE – ALLGEMEINE INNERE MEDIZIN                     2018;18(23):416 – 418
Published under the copyright license “Attribution – Non-Commercial – NoDerivatives 4.0”. No commercial reuse without permission.              See: http://emh.ch/en/services/permissions.html
LERNEN | ÄRZ TEKONGRESS AROSA                                                                                                                                                     420

Hof fnung auf Sicherheit und ein Leben in Würde

Migration und seelische Gesundheit
– was können Hausärzt/-innen tun?
Heinrich Kläui
Hausarzt, Bern; ehem. Konsiliararzt Ambulatorium für Folter- und Kriegsopfer, Bern

                                Ärztinnen und Ärzte sind wichtige Vertrauenspersonen für Menschen, die auf der
                a r tic le

                                Flucht vor Krieg und Folter in der Schweiz ankommen. Dieses Vertrauen muss lang-
Peer

                                sam aufgebaut werden; die hausärztliche Praxis ist ein wichtiger Ort dafür.
    re
         v ie we
              d

                                Die Schweizer Geschichte war immer auch eine Migra-
                                tionsgeschichte. Über Jahrhunderte verliessen junge
                                Menschen ihre Heimat, um in fremden Ländern zu
                                kämpfen, zu dienen oder ihr Glück zu suchen. Militäri-
                                sche Arbeitsmigration ab dem 15.Jahrhundert, zivile
                                Arbeitsmigration (Küher, Bäcker, Baumeister, Wissen-
                                schaftler, Künstler etc.), Flucht aus religiösen und
                                politischen Gründen und manchmal behördlich ange-
                                ordnete Armutsmigration [1]. Diese war nicht selten
                                unfreiwillig – die Hälfte einer grossen, über 300-köpfi-
                                gen Gruppe von verarmten Bürgern Rothrists (= Nie-
                                derwyl bei Zofingen) wurde 1855 von der Gemeinde
                                ­gedrängt, sich auf die lange Reise nach Amerika zu ma-
                                chen (Abb. 1 und 2).
                                Die letzte Auswanderungswelle in den zwanziger Jah-
                                ren des letzten Jahrhunderts führte nach Argentinien.
                                In vielen Familien leben heute noch die Auswande-
                                rungsgeschichten der Vorfahren weiter.
                                Nun erleben wir – nach den grossen Zuwanderungs-
                                wellen zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts und
                                während der Hochkonjunktur – eine Zuwanderung
                                von Flüchtlingen, die vor Krieg, Armut und Folter
                                flüchten. Diese Menschen haben oft Schreckliches er-                               Abbildung 2: Denkmal für die Auswanderer, Rothrist.
                                lebt, zu Hause und auf der Flucht. Sie haben ihr Land
                                unfreiwillig verlassen, hoffend auf Sicherheit und ein

                                                                                                                   Leben in Würde; sie kommen mit Vorstellungen, Hoff-
                                                                                                                   nungen und Wünschen, die wir nicht kennen und die
                                                                                                                   uns fremd sind.

                                                                                                                   In der Sprechstunde
                                                                                                                   Die häufigsten Konsultationsgründe sind Rücken-
                                                                                                                   schmerzen, Magenbeschwerden, Schlafstörungen;
                                                                                                                   häufig sind aber auch banal erscheinende Leiden wie
                                                                                                                   Akne oder Haarausfall Grund eines Arztbesuches. Hin-
                                                                                                                   ter harmlosen Beschwerden kann sich eine grosse
                                Abbildung 1: Textauszug der New York Times von 1855.                               Angst verbergen: Habe ich nach der entbehrungsrei-

PRIMARY AND HOSPITAL CARE – ALLGEMEINE INNERE MEDIZIN                     2018;18(23):420– 423
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                                chen Flucht nun eine schwere Erkrankung? Hat die Fol-                              Traumatisierte Flüchtlinge
                                ter bleibende Schäden hinterlassen?
                                Oft ist die sprachliche Verständigung schwierig; leider                            Die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstö-
                                harrt das leidige Problem der ungedeckten Überset-                                 rung (PTBS) (Tab. 1) lässt sich bei 30–60% der neu ein-
                                zungskosten weiter einer Lösung. Das Bundesamt für                                 treffenden Flüchtlingen stellen; die Prävalenz sinkt auf
                                Gesundheit BAG hat den Nationalen Telefondolmetsch­                                15–20% bei anerkannten Flüchtlingen [3]. Die Prävalenz
                                dienst initiiert (Telefonnummer 0842 442 442, CHF 3/                               der Depression ist mindestens gleich hoch, in einigen
                                Minute, mindestens CHF 30/Gespräch), der mit quali­                                Studien höher als die der PTBS.
                                fizierten, zertifizierten Dolmetschpersonen arbeitet
                                und der Schweigepflicht untersteht. Auch verschie-                                 Tabelle 1: Posttraumatische Belastungsstörung.
                                dene Hilfswerke bieten Übersetzungsdienste an, am
                                                                                                                   Traumatisches Ereignis, Beginn nach 1 bis 6 Monaten
                                einfachsten aufzufinden über die lokale Vermittlungs-
                                                                                                                   Aufdrängende Erinnerungen:Flashbacks, Träume, innere
                                stelle von INTERPRET: www.inter-pret.ch [2].                                       Bedrängnis (Intrusion)
                                Als schwierig werden aber auch sogenannte «kultu-                                  Vermeidungsverhalten (Konstriktion)
                                relle Differenzen» angesehen: Menschen, die ihre                                   Teilweise/vollständige Amnesie
                                Erfahrungen mit einem uns unbekannten Gesund-                                      Übererregung (hyperarousal): Schlafstörungen, Reizbarkeit,
                                heitssystem mitbringen; die sich ungewohnt verhal-                                 Konzentrationsschwierig­keiten, Hypervigilanz,
                                                                                                                   Schreckhaftigkeit
                                ten, fordernd oder sehr passiv; Menschen, die ihr
                                Leiden in uns fremden Worten ausdrücken; Menschen
                                mit unrealistischen Hoffnungen oder unverständ­                                    Die psychische Morbidität zeigt nicht nur einen Zeit-
                                lichen Ängsten.                                                                    verlauf, sie hängt auch mit der Intensität der erlebten
                                Auch wenn Stereotypien uns viel Denkarbeit abneh-                                  Traumata zusammen. Unter Asylsuchenden aus dem
                                men und Zeit sparen: Wir haben ein Individuum mit                                  Nahen Osten ist die Prävalenz der PTBS bei Syrern mit
                                einer individuellen Geschichte vor uns; fragen wir                                 30% mehr als doppelt so hoch als bei Nicht-Syrern
                                diese Person, wenn uns ihr Verhalten oder ihre Gedan-                              (Abb. 3) [4].
                                ken unverständlich sind! Stereotypien sind nicht dien-                             Wie lässt sich eine Traumatisierung erkennen? Wich-
                                lich, um einen kranken Menschen zu verstehen; weit                                 tige Symptome, die oft spontan erwähnt werden, sind
                                wichtiger als die «Kultur» sind die Lebenserfahrungen,                             Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen und Ner-
                                das Krankheitserleben und die erworbenen Bewälti-                                  vosität. Erfragt werden sollten Albträume, Vermei-
                                gungsstrategien des konkreten Individuums.                                         dungsverhalten und sozialer Rückzug.
                                                                                                                   Komorbidität ist häufig, sowohl mit Depressionen wie
                                                                                                                   auch mit Anpassungsstörungen und protrahierten
                                                                                        other nationalities        Trauerreaktionen. Die diagnostische Klärung ist in der
                       psychosis                                                        Syrian                     hausärztlichen Praxis oft schwierig – und vielleicht
                                                                                                                   auch nicht im Vordergrund. Ein pragmatisches Vor­
          somatisation disorder                                                                                    gehen orientiert sich am Leidensdruck: Kann der
                                                                                                                   Patient/die Patientin schlafen? Bestehen schwere
                                                                                                                   ­
              addiction disorder                                                                                   ­Konzentrationsstörungen? Behindern Flashbacks und
                                                                                                                   Vermeidungsverhalten die Alltagsgestaltung? In die-
                      depression                                                                                   sen Fällen empfiehlt sich die Überweisung an eine
                                                                                                                   Fachstelle, sei dies an eines der Ambulatorien für
  post traumatic stress disorder                                                                                   ­Folter- und Kriegsopfer, an eine spezialisierte transkul-
                                                                                                                   turelle Sprechstunde oder an psychiatrisch-psycho-
                                                                                                                   therapeutische Kolleg/-innen (ärztliche und nicht­
              psychosocial crisis
                                                                                                                   ärztliche), die sich in der Behandlung traumatisierter
                                                                                                                   Menschen auskennen.
                                    0%       10%        20%         30%        40%
                                                                                                                   An dieser Stelle sei erwähnt, das viele Flüchtlinge gro-
                                         psychiatric comorbidities
                                                                                                                   sse Vorbehalte gegenüber psychopharmakologischen
Abbildung 3: Prävalenz psychischen Störungen bei Asylsuchenden aus dem                                             Behandlungen haben; einerseits verbinden sie mit psy-
­Nahen O ­ sten in einer universitären Notfallstation (Inselspital Bern).
                                                                                                                   chischer Krankheit die oft wenig entwickelte Anstalts-
 Pfortmueller CA, Schwetlick M, Mueller T, Lehmann B, Exadaktylos AK (2016) Adult
                                                                                                                   psychiatrie im Heimatland, andererseits werden Medi-
 ­A sylum Seekers from the Middle East Including Syria in Central Europe: What Are Their
  Health Care Problems? PLoS ONE 11(2): e0148196. https://doi.org/10.1371/journal.                                 kamente in der Folter verwendet und wecken Ängste
  pone.0148196.                                                                                                    vor Kontrollverlust.

PRIMARY AND HOSPITAL CARE – ALLGEMEINE INNERE MEDIZIN                     2018;18(23):420– 423
Published under the copyright license “Attribution – Non-Commercial – NoDerivatives 4.0”. No commercial reuse without permission.         See: http://emh.ch/en/services/permissions.html
LERNEN                                                                                                                                                                            422

                                Ein wichtiges Zeichen durchgemachter Traumatisierung                               tienten-Beziehung. Die so erhaltenen anamnestischen
                                und Folter sind chronische Schmerzen, insbesondere Rü-                             Angaben sind oft widersprüchlich und ungenau (dies
                                cken- und Kopfschmerzen. Sie sind Ausdruck der hohen                               wird leider von den Migrationsbehörden zu Unguns-
                                inneren Anspannung, die phasenweise unaushaltbar                                   ten der Person verwendet). Es empfiehlt sich, sehr be-
                                werden kann (und häufig zu Notfallkonsultationen und                               hutsam vorzugehen. Oft reicht die Frage, ob jemand im
                                Besuchen in Notfallstationen führt). Ein zentraler Faktor                          Gefängnis oder in einem Lager war, um ein stummes
                                ist die Angst: Angst vor bleibenden Schäden durch Folter                           beidseitiges Wissen herzustellen, das dann zu gegebe-
                                und Misshandlung; Angst vor Invalidität und dadurch                                ner Zeit zur Sprache gebracht werden kann.
                                Unmöglichkeit, ein neues Leben aufzubauen. Man ist oft                             Wichtig sind Empathie, Transparenz (Erklären der
                                erstaunt, welche Antworten auf die Frage «Was befürch-                             ­geplanten Untersuchungen, der Befunde, eventueller
                                ten Sie am meisten?» gegeben werden: Ein Patient bei-                              Überweisungen), ruhiges Vorgehen ohne unnötige
                                spielsweise sah seine Zukunft im Rollstuhl, nachdem er                             Wartezeiten und Vermitteln von Sicherheit (Arztge-
                                im heimatlichen Fernsehen eine Dokumentation über                                  heimnis erwähnen, Sitzordnung, physische und psy-
                                einen gefolterten Menschen mit den gleichen Rücken-                                chische Distanzen respektieren).
                                schmerzen gesehen hatte. Die Zusammenhänge von
                                Trauma und Schmerzen sind nicht allen traumatisierten
                                                                                                                   Was erwarten Flüchtlinge von uns?
                                Menschen geläufig. Es lohnt sich, anhand von Schmerz-
                                tagebüchern oder ähnlichen Hilfen Verbindungen zwi-                                Flüchtlinge erwarten sehr viel von uns! Ist einmal eine
                                schen Schmerz und psychischem Zustand (Schlaf, Nervo-                              Vertrauensbasis gelegt, dann sind wir eine zentrale
                                sität, «Stress») herzustellen.                                                     ­Anlaufstelle für viele Fragen. Als wichtig werden ange-
                                                                                                                   geben: Zeit – Vertrauen – Interesse am politischen und
                                                                                                                   historischen Kontext – direktes Ansprechen der psy-
                                Soll die Traumatisierung angesprochen
                                                                                                                   chischen Symptome (Albträume, Flashbacks, Nervosi-
                                werden?
                                                                                                                   tät, Konzentrationsstörungen, Trauer, Vermeidungs-
                                Es hat sich bewährt, den Entscheid, die Traumatisie-                               verhalten) – Information und Psychoedukation zu
                                rung anzusprechen oder nicht, dem Patienten/der Pa-                                PTBS und Traumafolgestörungen [5].
                                tientin zu überlassen. Einerseits ist es nicht an uns,                             Das Krankheitsmodell vieler traumatisierter Flücht-
                                Fragen zu stellen, die vielleicht vor kurzem durch die                             linge ist multifaktoriell und psychosozial – sie sehen
                                Migrationsbehörden gestellt wurden; andererseits                                   ihren Zustand als Resultat einer Vielzahl verschiede-
                                kann ein zu forsches Explorieren zu schmerzhaften                                  ner Stressoren, die auf ihr Leben einwirken [6]. Oft wird
                                Rückerinnerungen und zu Dissoziationen führen. Eine                                ein Zusammenhang mit aktuellen Belastungen her­
                                Anamneseerhebung, die Erinnerungen an Verhöre                                      gestellt; die Traumatisierung kommt seltener zur Spra-
                                weckt, kann bei traumatisierten Patientinnen und Pa-                               che. Vielleicht fehlt die Hoffnung, das erlittene Leid sei
                                tienten Angst, Verwirrung und dissoziative Zustände                                einer Behandlung zugänglich? Das Konzept der psy-
                                hervorrufen – insbesondere bei erst kurzer Arzt-Pa­                                chotherapeutischen Gesprächsbehandlung ist vielen
                                                                                                                   Menschen fremd. Hausärzte und -ärztinnen hingegen
Tabelle 2: Postmigratorische Lebensschwierigkeiten bei 134 Patient/-innen                                          kennen alle ... Auf diesem Vertrauensvorschuss kön-
des Ambulatoriums für Folter- und Kriegsopfer SRK in Zürich [9].                                                   nen wir aufbauen. Es liegt an uns, unserer Patientin
Einsamkeit                                                                                           84,3%         oder unserem Patienten das Wesen einer psychothera-
Sorge um Familienangehörige im Heimatland                                                            80,8%         peutischen Traumabehandlung zu erklären und sie
Unmöglichkeit, im Notfall in die Heimat zu reisen                                                    75,4%         ­gegebenenfalls dazu zu motivieren.
Trennung von der Familie                                                                             73,9%
Schwierigkeiten, Deutsch zu lernen                                                                   73,1%
Schwierigkeiten mit Arbeit                                                                           65,7%         Erfolgsfaktoren in der Behandlung
Verständigungsschwierigkeiten                                                                        62,7%
                                                                                                                   Schematisch lassen sich vier Ebenen [7] unterscheiden:
Angst vor zukünftiger Rücksendung in die Heimat                                                      61,2%
                                                                                                                   – Eine Ebene des Selbstmanagements, unterstützt
Schwierigkeiten, angemessenen Wohnraum zu bekommen                                                   56,0%
                                                                                                                       durch Peers mit ähnlichen Erfahrungen, und durch
Nicht ausreichend Geld, um Nahrung und nötige Kleidung                                               53,7%
zu kaufen oder die Miete zu bezahlen                                                                                   psychoedukative Unterstützung (z.B. durch Haus-
Diskriminierung                                                                                      47,0%             ärztinnen und -ärzte);
Sorgen, keine Behandlung für Gesundheitsprobleme zu erhalten                                         47,0%         – Eine Ebene der psychosozialen Hilfe: Wohnung,
Keine Anerkennung als Flüchtling                                                                     39,6%             Ausbildung, Arbeit – unterstützt durch hausärztli-
Konflikte mit Sozialarbeitenden/anderen Autoritäten                                                  37,3%             che Vermittlung und Zeugnisse, durch Hilfswerke
Konflikte mit eigener/anderen ethnischen Gruppen in der Schweiz                                      23,1%             und Sozialdienste;

PRIMARY AND HOSPITAL CARE – ALLGEMEINE INNERE MEDIZIN                     2018;18(23):420– 423
Published under the copyright license “Attribution – Non-Commercial – NoDerivatives 4.0”. No commercial reuse without permission.        See: http://emh.ch/en/services/permissions.html
LERNEN                                                                                                                                                                                 423

                                – Eine Ebene der Behandlung von Komorbiditäten:
                                    Schmerzzustände, somatische Krankheiten, Infekte                               Zusammenfassung
                                    – die hausärztliche Domäne;
                                – Und schliesslich die Ebene der eigentlichen Trauma­                              Der Hausarzt/die Hausärztin ist eine wichtige Vertrau-
                                    therapie durch spezialisierte Dienste und niederge-                            ensperson für Menschen, die ihre materielle Existenz
                                    lassenen Psycholog/-innen und Psychiater/-innen.                               und ihr Vertrauen in die Menschlichkeit verloren ha-
                                Die Prognose der psychischen Traumafolgestörungen                                  ben. Dieses Vertrauen muss langsam aufgebaut wer-
                                ist in der Regel günstig; es besteht eine nicht zu unter-                          den; die hausärztliche Praxis mit ihrer Zuverlässig-
                                schätzende          Selbstheilungstendenz.               Psychosoziale             keit, Transparenz und Offenheit ist ein wichtiger Ort
                                ­Faktoren haben einen entscheidenden Einfluss auf die                              auf diesem Weg. Ein Patient beschrieb es als «Seil in
                                Genesung; an erster Stelle steht die physische und psy-                            einem reissenden Strom, an dem er sich festhalte».
                                chische Sicherheit, gewährleistet durch einen sicheren                             Die Zusammenarbeit mit psychotherapeutischen
                                Aufenthaltsstatus.                                                                 Kolleg/-innen ist Hilfe für schwer traumatisierte
                                Die psychotherapeutische Arbeit mit traumatisierten                                ­Patientinnen und Patienten – und im kollegialen Aus-
                                Menschen benötigt einen gesicherten Boden, um mit                                  tausch Entlastung in unserer hausärztlichen Arbeit
                                der Arbeit am Trauma zu beginnen; ist diese Sicherheit                             mit traumatisierten Menschen.
                                nicht gewährleistet, bleibt nur Stabilisierung und sym-                            Psychosoziale Unterstützung, Erfassen und Behan-
                                ptomatische Therapie. Die meisten psychotherapeuti-                                deln von Krankheiten und Ängsten, erklärende Infor-
                                schen Verfahren arbeiten mit Trauma-Reexposition;                                  mationen (Psychoedukation) und manchmal einfach
                                dies ist jedoch nicht unumstritten. Für weitere Infor-                             Da-Sein – das sind die vornehmen Aufgaben der
                                mationen zur Psychotherapie mit traumatisierten                                    hausärztlichen Praxis.
                                Menschen sei auf die Fachliteratur verwiesen [8].

                                Postmigratorische Faktoren
                                Unter postmigratory living difficulties (PLMD) werden
                                die Probleme, Hindernisse und Schwierigkeiten zu-                                  Literatur
                                sammengefasst, die das Gelingen des Migrationspro-                                  1 Holenstein A, Kury P, Schulz K. (2018) Schweizer Migrations­
                                                                                                                      geschichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Hier und Jetzt,
                                jektes erschweren und gefährden (Tab. 2).                                             Baden.
                                Die Probleme von Überlebenden von Folter und Miss-                                  2 Eine Liste der Vermittlungsstellen findet sich unter https://www.
                                                                                                                      inter-pret.ch/admin/data/files/editorial_asset/file/317/liste_der_
                                handlung müssen weit breiter definiert werden als nur
                                                                                                                      vermittlungsstellen.pdf?lm=1536834874
                                über die PTBS-Symptome, wie eine Cochrane-Über-                                     3 Kläui H (2018) Allgemeinmedizinische und hausärztliche Betreuung
                                sicht [10] feststellte.                                                               von Flüchtlingen und Asylsuchenden, in Maier T, Morina N,
                                                                                                                      Schick M, Schnyder U (Hrsg.) (2018, im Druck) Trauma – Flucht –
                                Zu den alltäglichen Schwierigkeiten des Aufbaus eines                                 Asyl. Ein interdisziplinäres Handbuch für Beratung, Betreuung
                                Lebens im Exil kommt die moralische Dimension der                                     und Behandlung. Hogrefe, Bern und Göttingen.
                                                                                                                    4 Pfortmueller C, Schwetlick M, Mueller T, et al. Adult asylum seekers
                                Folter: Folter und Misshandlung erschüttern unsere                                    from the middle east including Syria in Central Europe: what are
                                Grundüberzeugungen; durch die Konfrontation mit                                       their health care problems? PLoS One. 2016;11(2):e0148196.
                                                                                                                    5 Shannon P. Refugees’ advice to physicians: how to ask about
                                Hass und Willkür wird das Vertrauen in die Mitmen-
                                                                                                                      mental health. Fam Pract. 2014;31(4):462–66.
                                schen nachhaltig zerstört.                                                          6 Maier T, Straub M .My Head is Like a Bag Full of Rubbish: Concepts
                                                                                                                      of Illness and Treatment Expectations in Traumatized Migrants.
                                                                                                                      Qual Health Research. 2011;21:233–48.
                                                                                                                    7 Maier T (2018): Antrittsvorlesung Uni Zürich, www.uzh.ch/outreach/
                                                                                                                      events/av.html
                                                                                                                    8 Maier T, Morina N, Schick M, Schnyder U (Hrsg.) (2018 im Druck)
                                Nützliche Links                                                                       Trauma – Flucht – Asyl. Ein interdisziplinäres Handbuch für
                                                                                                                      Beratung, Betreuung und Behandlung. Hogrefe, Bern und
                                www.migesplus.ch: Umfassender Zugang zu Materialien (Bro-                             Göttingen.
                                schüren, Patienteninformationen) zu Themen der Migration in                         9 Morina N, Kuenburg A, Schnyder U, et al. The Association of
                                vielen Sprachen.                                                                      Post-traumatic and Postmigration Stress with Pain and Other
Korrespondenz:                                                                                                        Somatic Symptoms: An Explorative Analysis in Traumatized
                                www.migesexpert.ch: Informationen für Ärztinnen und Ärzte zu
Dr. med. Heinrich Kläui                                                                                               Refugees and Asylum Seekers. Pain Medicine. 2018;19:50–9.
Bühlstrasse 59
                                Migration und Gesundheit.                                                          10 Patel N, Kellezi B, Williams AC. (2014) Psychological, social and
CH-3012 Bern                    www.torturevictims.ch: Webseite des Verbunds der Ambulato-                            welfare interventions for psychological health and well-being
h.klaeui[at]hin.ch              rien für Folter- und Kriegsopfer mit weiterführenden Materialien.                     of t­ orture survivors. Cochrane Database Syst Rev, 11, CD009317

PRIMARY AND HOSPITAL CARE – ALLGEMEINE INNERE MEDIZIN                     2018;18(23):420– 423
Published under the copyright license “Attribution – Non-Commercial – NoDerivatives 4.0”. No commercial reuse without permission.             See: http://emh.ch/en/services/permissions.html
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Das Medikament ist für den Internisten das, was dem Chirurgen das Skalpell ist: Ein unabdingbares Instrument zur Behandlung, das j­edoch
einen präzisen Einsatz erfordert.
Dieser Artikel ist Teil einer Serie, in der die wichtigsten Informationen zu häufig verwendeten Medikamenten kurz und bündig präsentiert
werden sollen, um eine angemessene Verschreibung in der täglichen Praxis zu gewährleisten. Die Angaben sind direkt dem Brevimed (er-
schienen bei Editions Médecine et Hygiène) entnommen. Dieses Buch im Taschenformat wurde von Prof. Dr. med. Jacques Donzé verfasst
(die zweite Edition in Zusammenarbeit mit Prof. Nicolas Schaad) und gibt eine Übersicht über 1400 Wirkstoffe, die in der Medizin häufig
eingesetzt werden. Der Brevimed bietet den Vorteil, auf ein bis zwei Seiten alle für die Verschreibung relevanten Informationen darzustel-
len, und zwar unabhängig von der Pharmaindustrie. Jeder Teil der Serie wird von einem kurzen Gastkommentar eines Experten ergänzt.

Das Skalpell des Internisten

Metamizol / Novaminsulfon
Jacques Donzé a , Nicolas Schaad b , Manuel Haschke c
a
  Mitglied der Redaktion; Universitätsklinik für Allgemeine Innere Medizin, Inselspital Bern, Harvard Medical School, Boston, MA;                         b
                                                                                                                                                              Pharmacie interhospita-
lière de la Côte, Morges, Faculté de médecine, Université de Genève; c Klinische Pharmakologie, Inselspital Bern

                                Bezeichnung        Novalgin® und Generika: Tabletten 500 mg, Zäpfchen 1 g, Tropfen 0,5 g/ml, Injektionslösung 1 g/2 ml und
                                                   2,5 g/5 ml (i.v.; i.m.).
                                Eig                Antiphlogistisch durch unselektive Hemmung von COX-1 und 2. Möglicherweise sind andere Wirkmechanis-
                                                   men, etwa die Stimulierung der Cannabinoid-Rezeptoren, an der analgetischen Wirkung beteiligt.
                                Pharm              Novaminsulfon ist ein Prodrug, das in einen aktiven, für die Hemmung der Cyclooxygenasen verantwortlichen
                                                   Metaboliten (4-Methylaminoantipyrin, MAA) umgewandelt wird. Die Halbwertszeit von MAA beträgt 6 h.
                                Indik              Schmerzen und Fieber, die auf andere NSAR schlecht ansprechen.
                                Dos                Oral: 0,5–1 g 3–4×/Tag (max. 4 g/Tag); rektal: 1 g 3–4×/Tag (max. 4 g/Tag).
                                Anpas              Anpassung bei Niereninsuffizienz: Wenige Daten verfügbar. Dieselben Vorsichtsmassnahmen wie bei anderen
                                                   NSAR anwenden.
                                                   Anpassung bei Leberinsuffizienz: Wenige Daten verfügbar.
                                KI                 Hypotonie, Bronchospasmus nach Einnahme von NSAR, schwerwiegende unerwünschte Wirkungen nach
                                                   ­Einnahme von NSAR (gastrointestinale Beschwerden, Niereninsuffizienz).
                                NW                 Hypotension (i.v.-Gabe: langsame Injektion), Niereninsuffizienz, Agranulozytose. Die absolute Häufigkeit der
                                                   Agranulozytose ist nicht genau bekannt (1:3000–1:1 000 000). Sie tritt im Allgemeinen innerhalb von sieben
                                                   ­Tagen auf. Vor allem bei Frauen zu beobachten.
                                Inter              Novaminsulfon ist ein Induktor von CYP3A4 und 2B6. Bei gleichzeitiger Behandlung mit Arzneistoffen, die
                                                   von diesen Enzymen metabolisiert werden, verringert sich möglicherweise deren Wirkung. Beispielsweise wird
                                                   im Rahmen einer Rivaroxaban-Therapie das Thromboserisiko erhöht (aufgrund der verringerten gerinnungs­
                                                   hemmenden Wirkung).
                                                   Novaminsulfon schwächt den thrombozytenaggregationshemmenden Effekt von Acetylsalicylsäure ab.
                                                   Gleichzeitige Behandlung mit Methotrexat (höheres Risiko von Agranulozytose).
                                Anm                Dieser Wirkstoff ist in zahlreichen Ländern aufgrund des Agranulozytose-Risikos nicht zugelassen (USA,
                                                   ­England, Australien, Japan). Seitdem er auf den Markt kam, wurden der WHO bereits über 1400 Fälle gemeldet.
                                                    ­Novaminsulfon ist weiterhin ein sehr häufig verwendeter Wirkstoff, ungeachtet dessen, dass die Daten zur
                                                     ­A nwendungssicherheit sehr lückenhaft sind. Es ist nicht erwiesen, dass Novaminsulfon im Hinblick auf den
                                                      ­Magen-Darm-Trakt, die Nieren und das Herz-Kreislauf-System sicherer als andere NSAR ist.
                                                       Kann eine Rotverfärbung des Urins bewirken.

                                                                 Auszug aus dem «Brevimed»,                        Gastkommentar
                                                                 ­erschienen 2017 bei Editions Médecine
                                                                                                                   Prof. Dr. med. Manuel Haschke, Chefarzt Klinische Phar-
                                                                  et Hygiène, www.medhyg.ch.
                                                                  Nur auf Französisch erhältlich.                  makologie, Universitätsklinik für Allgemeine Innere Me-
                                                                  Nachdruck mit freundlicher Genehmi-              dizin, Inselspital Bern
                                                                  gung von Médecine et Hygiène.
                                                                                                                   Metamizol ist ein Nichtopioid-Analgetikum, das in der
                                                                                                                   Schweiz zugelassen ist zur Behandlung von starken
                                                                                                                   Schmerzen und hohem Fieber, die auf andere Mass-
                                                                                                                   nahmen nicht ansprechen. In einigen Teilen der Welt
                                                                                                                   ist Metamizol wegen des Agranulozytose-Risikos nicht
                                                                                                                   zugelassen. In der Schweiz und Deutschland sind die
                                                                                                                   Verbrauchszahlen hingegen stark zunehmend.
                                                                                                                   Metamizol ist ein effektives Analgetikum mit schwa-
                                                                                                                                                          Fortsetzung auf Seite 426

PRIMARY AND HOSPITAL CARE – ALLGEMEINE INNERE MEDIZIN                     2018;18(23):424
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