Positionen und Perspektiven - Vereinigung Rohstoffe und Bergbau eV
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Inhaltsverzeichnis
1 Lage der internationalen 6 5 Fachvereinigung Auslandsbergbau 37
Rohstoffmärkte und internationale Rohstoffaktivitäten
in der VRB
2 Rohstoffgewinnung 9
in Deutschland 6 Rechtliche Rahmenbedingungen für 42
die Rohstoffgewinnung in Deutschland
3 Zur Lage der rohstoffgewinnenden 11
Industrie in Deutschland 7 Ausschuss für Berg- 51
Steinkohle 11 und Rohstoffwirtschaft
Braunkohle 15
Kalibergbau 20 8 Steuerausschuss 54
Salzbergbau 23
Keramische Rohstoffe und 24 9 Entwicklungen im 57
Industrieminerale Sozialversicherungsrecht
Flussspat- und Schwerspatbergbau 25
Erdöl- und Erdgasgewinnung 26 10 FABERG Bergbaunormung – 61
in Deutschland eine Ära geht zu Ende
Verband Bergbau, Geologie 27
und Umwelt e. V. (VBGU) 11 Vereinigung Rohstoffe 64
Deutscher Markscheider-Verein e.V. 30 und Bergbau e. V.
Mitglieder 64
4 Sanierungsbergbau 31 Vorstand 65
Lausitzer und Mitteldeutsche 31 Ausschüsse 66
Bergbau-Verwaltungsgesellschaft Geschäftsführung 66
mbH (LMBV) Impressum 66
Sanierungsfortschritt Wismut 33// 5
Vorwort
Deutschland als Industrieland mit einem Die Mitglieder der VRB sind für ihre Roh-
hohen Exportanteil an der Wirtschafts- stoffaufsuchung und -gewinnung auf das
leistung ist auf eine sichere Versorgung Verständnis der rohstoffpolitischen und
mit energetischen und nicht-energeti- rohstoffwirtschaftlichen Grundlagen, auf
schen Rohstoffen angewiesen. Die hei- eine gute Geodaten-Grundlage, auf eine
mische Rohstoffgewinnung trug 2014 angemessene Berücksichtigung in der
erneut zu rund zwei Dritteln zur Ver- Raumordnung und auf verlässliche, ge-
sorgung von Industrie und Bürgern bei. setzliche Rahmenbedingungen im Berg-
Deutschland ist reich an Rohstoffen wie und Umweltrecht angewiesen. Dann
Braun- und Steinkohlen, Kali, Salz, Kiesen/ werden sie auch künftig dazu beitragen
Bausanden, Natursteinen und einigen können, dass Industrie und Bürger sicher
Industriemineralen. und zu stabilen Preisen mit den notwen-
digen Bodenschätzen versorgt werden.
In der rohstoffpolitischen Diskussion geht
es derzeit vornehmlich um Fragen der In diesem Sinne würden wir uns freuen,
Ressourceneffizienz und des Recyclings wenn dieser Jahresbericht dazu beitrüge,
sowie um die Mitgliedschaft Deutsch- das Wissen über die Bedeutung der Roh-
lands in der Extractive Industries Transpa- stoffe und über die Leistungen der heimi-
rency Initiative (EITI). Dies ist angesichts schen Rohstoffgewinnung zu verbessern.
des erheblichen Forschungsbedarfs für Wir wünschen Ihnen eine angenehme
eine Ressourcensubstitution und ange- Lektüre.
sichts des politischen Wunschs, für mehr
Transparenz auf den internationalen Roh-
stoffmärkten zu sorgen, verständlich.
Berlin, im September 2015
Dennoch sollten Unternehmen, Politik
und Behörden die Notwendigkeit und die Dr. Joachim Geisler Dr. Thorsten Diercks
Vorteile heimischer Rohstoffgewinnung Vorsitzender Hauptgeschäftsführer
wieder stärker hervorheben. Die heimi- des Vorstands
sche Rohstoffgewinnung steht nicht nur
für eine zuverlässige Versorgung, son-
dern sie sichert auch Arbeitsplätze und
Wertschöpfung in Deutschland. Sie be-
rücksichtigt Umwelt- und Nachhaltig-
keitsaspekte umfassend, und sie ist ein
internationaler Benchmark in Bezug auf
die hohen Arbeits- und Sozialstandards.
Die laufende Diskussion im Bundestag
und im Bundesrat um eine gesetzliche
Grundlage für das „Fracking“ zur Erdgas-
gewinnung zeigt deutlich, dass der Nut-
zen der heimischen Rohstoffgewinnung
von vielen unterschätzt und daher gegen-
über anderen Aspekten untergewichtet
wird.6 //
1 Lage der
internationalen Rohstoffmärkte
Seit der Internationalisierung des Berg-
baus und des globalen Rohstoffhandels
Ressourceneffizienz, zunehmendes Re-
cycling und verstärkte Substitution von
zu Beginn des 20. Jahrhunderts haben teuren Rohstoffen wurden umgesetzt.
sich die Rohstoffmärkte immer zyklisch
verhalten. Die Dauer der Rohstoffzyklen Auf der Angebotsseite kam es zu stärkeren
variiert dabei und läuft in der Regel in ei- Explorationsanstrengungen und damit
nem Rhythmus von 10 bis 15 Jahren. Mit auch zu höheren Explorationsrisiken. Im
dem zunehmenden Rohstoffbedarf auf- Ergebnis wurden neue Lagerstätten in An-
strebender Staaten wie Brasilien, Russ- griff genommen. Mit den höheren Preisen
land, Indien und China ergab sich seit wurden auch niedrighaltige Rohstoffvor-
etwa 2002 die Herausforderung, die auf kommen wirtschaftlich. Der Kapitalbedarf
längere Sicht steigende Rohstoffnachfra- für die internationalen Rohstoffmärkte
ge der Welt zu decken. Zunächst einmal stieg stark an.
führte die steigende Rohstoffnachfrage
zu einem starken Preisanstieg. Die einsetzende Finanzmarktkrise drückte
dann auf die Angebots- und Nachfrage-
Auf der Nachfrageseite war dann im Zeit- seite, so dass die vormals gehegten Er-
raum zwischen 2004 und 2008 zuneh- wartungen an Bedarfs- und Preisentwick-
mend Kreativität der Unternehmen lung nicht eintrafen. Im Ergebnis haben
– unter anderem in den Industriestaaten – sich die Rohstoffvorräte insgesamt deut-
gefragt, um die Auswirkungen des lich erhöht und die Reichweiten haben
Preisanstiegs auf die eigenen Kosten sich verlängert. Insofern besteht derzeit
zu begrenzen. Maßnahmen wie höhere keine Verknappung mehr, sondern ein
Regelkreis 2010 - 2014 ab 2015 2002
der Rohstoff- größere Vorräte Angebot und Nachfrage erhöhter
versorgung längere Reichweite
Aufhebung der Verknappung
sind im Gleichgewicht Bedarf
Preisverfall
ab 2003
Okt. 2008/2009
FINANZMARKTKRISE Preisanstieg
2004 - 2008
Ressourceneffizienz menschliche Kreativität
zunehmendes Recycling
verstärkte Substitution
neue Lagerstätten/-typen Steigende Exploration
niedrighaltige Vorkommen höhere Explorationsrisiken
werden wirtschaftlich
Quelle: Deutsche RohstoffagenturLage der internationalen Rohstoffmärkte // 7
Oil
Prozentuale Markt-
preisänderung
Iron ore
ausgewählter
Coal Rohstoffe in
Nickel 2014 versus 2013
Aluminium
Zinc
Copper
-60 % -50 % -40 % -30 % -20 % -10 % 0% 10 % 20 % 30 % Quelle: GLENCORE
Überangebot, das gleichzeitig zu Preisver- den letzten zehn Jahren hat bei einigen
fall geführt hat. Offen ist, wann der Markt Rohstoffen (Eisen- und NE-Metalle, Edel-
wieder ins Gleichgewicht kommt und ob metalle) zu Überkapazitäten geführt, so
ein neuer Zyklus bereits kurzfristig oder dass bei derzeit niedrigem Preisniveau
erst mittelfristig beginnt. ein Konzentrationsprozess mit Konzentra-
tion auf den Abbau der wirtschaftlichsten
Die globale Rohstoffnachfrage stammt in- Lagerstätten eingesetzt hat. Damit ein-
zwischen aus wenigen und zum Teil do- hergehend findet ein Downsizing und
minierenden Staaten. Insgesamt entfallen die Spezialisierung der großen Konzerne
auf fünf Länder rund 70 % des Bedarfs. (Glencore, Rio Tinto, BHP Billiton, Anglo
Mit einem Marktanteil zwischen 40 - 50 % American) auf nur noch wenige Rohstoff-
ist China der bestimmende Marktteilneh- klassen (vornehmlich Kupfer und Eisen-
mer bei wesentlichen Rohstoffen. Dies erz) statt. Gleichzeitig wächst die Zahl der
bezieht sich nicht nur auf die Nachfrage, Unternehmensübernahmen im Rohstoff-
sondern auch auf die Produktion von Roh- sektor, die zu Synergien und Kostenvor-
stoffen, denn China hat bei allen wichtigen teilen führen sollen.
mineralischen Rohstoffen in den letzten
zehn Jahren eigene Produktionsstätten im Als Ergebnis dieses Prozesses der Konzen-
In- und Ausland aufgebaut. Ein schwäche- tration und Spezialisierung der großen Roh-
rer Konsum Chinas und der Rückgang der stoffkonzerne wächst die Bedeutung von
Wachstumsraten des chinesischen BIP sogenannten „Junior Mining Companies“,
auf 6 - 7 % dürften aber zukünftig einen die insbesondere bei Spezialrohstoffen
geringeren Rohstoffverbrauch zur Folge (z. B. Seltene Erden Metalle, Molybdän
haben. Bei den Energierohstoffen kommt oder Wolfram) zukünftig stärker zum Welt-
noch hinzu, dass China im eigenen Land marktangebot beitragen sollen. Kritisch an-
aus Umweltschutzgründen langfristig zumerken ist dabei, dass die bestehenden
mehr Erneuerbare nutzen will. Schwierigkeiten beim Übergang von der
Explorations- in die Produktionsphase sich
Der massive Aus- und Aufbau von Pro- aktuell noch verschärft haben. Aufgrund
duktionskapazitäten im Rohstoffsektor in der anhaltenden Niedrigpreisphase fehlt8 // Lage der internationalen Rohstoffmärkte
Wert
Rohstoff Erwerber Akquisition Land
Wichtige Mio. USD
GLENCORE + Bergwerk Clermont
Rohstoffmerger 1.015
Sumitomo (CH + JPN) (Qld.)
Australien
2014
Kohle 496 Jastrzebska (PL) Bergwerk Knurow Polen
437 Westmoreland (US) Coal Valley Resources Kanada
7.000 MMG (CHN) Xstrata Las Bambas Peru
Kupfer
Freeport Mc MoRan
1.852 Lundin Mining (CAN) Chile
(BWs Candelaria + Ojos)
Yamana Gold + Agnico
3.591 Osiko Mining Corp. Kanada
Eagle Mines (CAN)
Gold
Altynalmas Gold Kasachs-
619 Polymetal Intern. (UK)
(Projekt) tan
Baosteel Resources Aquila Resources
1.022 Australien
Australia (CHN) (79 %)
Eisenerz
Quelle: eigene Recherche Minerals Resources Aquila Resources
232 Australien
(AUS) (12 %)
es den Junior Companies vor allem an der Ungeachtet der Niedrigpreisphase bei den
Überbrückungsfinanzierung bis zum end- Rohstoffen beschäftigen Fragen der Ver-
gültigen Anlauf der Rohstoffproduktion. sorgungssicherheit Politik und Wirtschaft
weltweit. Industrie- und Schwellenländer
Bei den Energierohstoffen sieht die Situa- gehen jedoch zum Teil sehr unterschiedlich
tion noch etwas anders aus. Der Öl- und damit um. Viele Industriestaaten überlas-
Schiefergasboom in den USA geht zu Las- sen die Versorgungssicherheit unter dem
ten der US-Kohleverstromung und ver- Primat der Wirtschaftlichkeit weitgehend
drängt andere Anbieter im internationalen liberal der Privatwirtschaft und schaffen im
Markt von Öl und Gas. Als Reaktion auf Wesentlichen umwelt- und energiepoliti-
diese Entwicklung passen sich die Koh- sche Rahmenbedingungen für das Wirken
leförderkapazitäten derzeit vor allem im der Marktkräfte. Dagegen treffen manche
US-Markt den neuen Gegebenheiten an. Schwellenländer wie China und Indien für
Der Verstromungsanteil von Gas liegt der- ihre Industrien zentral gesteuerte und tief
zeit mit 31 % vor dem der Kohle (30 %). in die Marktprozesse eingreifende staat-
Im internationalen Öl- und Gassektor ver- liche Entscheidungen und planen weit im
sucht insbesondere die OPEC, durch Bei- Voraus; insbesondere China verschafft
behaltung ihrer hohen Fördermengen sich durch die vorausschauende, interna-
(Förderquote 30 Mio. Barrel je Tag) die tional und langfristig angelegte Sicherung
Marktpreise auf niedrigem Niveau zu hal- von Energierohstoffen strategische Vortei-
ten, um eigene Kostenvorteile gegenüber le. Hierzu kauft sich die Volksrepublik welt-
den US-Produzenten auszuspielen und weit in Bergbauprojekte ein und verhandelt
sie zur Aufgabe von Förderkapazitäten zu bilaterale Abkommen auf Staats- und Un-
bewegen. Die Preis- und Kostengrenzen ternehmensebene. Die ökonomische Per-
liegen dabei in der Bandbreite zwischen spektive dieser Vorsorge-Strategie bleibt
40 und 60 USD/bbl. dabei zunächst zweitrangig.// 9
In Deutschland werden jährlich rund 1,3
Mrd. t an energetischen und minera-
Rohstoffgewinnung
in Deutschland
der heimischen Rohstoffgewinnung und
stellen die Eigenversorgung mit diesen
2
lischen Rohstoffen benötigt. Die Wirt- Rohstoffen ganz oder anteilig sicher. Erze
schaftszweige Bauindustrie (Steine und und metallische Rohstoffe sowie Seltene
Erden), Verkehrsinfrastruktur (Keramik), Erden müssen vollständig importiert wer-
chemische Industrie (Salz), Landwirt- den. Bei Erdöl und Erdgas trägt die deut-
schaft (Kalidünger) und weitere Teile der sche Produktion zumindest zu etwa 10 %
industriellen Wertschöpfungskette fragen des Verbrauchs bei.
Rohstoffe nach und werden durch die
deutsche Rohstoffwirtschaft kontinuier- Bei den metallischen Rohstoffen, die in
lich versorgt. Auch die Primärenergiever- Deutschland seit etwa 20 Jahren nicht
sorgung basiert heute zu einem Drittel mehr gewonnen werden, und bei Ener-
auf heimischen Quellen (Braunkohle, gierohstoffen (Öl, Gas und Steinkohle)
Steinkohle, Erdgas, Kernenergie und Er- besteht damit eine weitgehende Abhän-
neuerbare). Der größte Teil dieser Roh- gigkeit von ausländischen Produzenten.
stoffe, im Jahr 2014 rund 765 Mio. t plus Die Rohstoffimportabhängigkeit gerade
rund 9 Mrd. m³ Erdgas, stammen aus bei den metallischen Rohstoffen, deren
Gebr. Natursteine
207 Mio. t* Kalk- und Rohstoff-
Braunkohle
178 Mio. t
Mergel-
Ziegel-
gewinnung
steine
37,2 Mio. t * und Deutschland
Spezialtone Kalk/
Kies/
24,6 Mio. t * Dolomit
2014
Bausande
236 Mio. t* 23,7 Mio. t * Steinsalz/
Sole
15,5 Mio. t
* Basis Zahlenwerte 2013
Erdgas
9,2 Mrd. m 3
Quarz/
Kali-/Magnesium Quarzsande
6,9 Mio. t 9,7 Mio. t *
Steinkohle
7,6 Mio. t
Kaolin
4,3 Mio. t
Feldspat
5,4 Mio. t
Quarzit
3,0 Mio. t
Gipssteine/Anhydrit
Bentonit 4,35 Mio. t
0,3 Mio. t
Erdöl
2,4 Mio. t Quelle: VRB, VKS, BBS, MIRO10 // Rohstoffgewinnung in Deutschland
Preise sich auf den internationalen Märk- Aufsuchungs- und Erkundungsgenehmi-
ten sehr volatil verhalten, gibt Anlass für gungen beantragt und auch erteilt wor-
geeignete Rohstoffsicherungsstrategi- den. Es wäre wünschenswert, dass diese
en auf der Ebene der Länder, des Bun- Dynamik einer aktiven Rohstoffsicherung
des und der EU. Die Rohstoffstrategien auch in anderen Regionen Deutschlands
enthalten zahlreiche Vorschläge zur Er- um sich greift. Wir sind der Auffassung,
höhung der Rohstoffsicherheit in der Zu- dass die beispielsweise im Freistaat
kunft. Wesentlich für die VRB ist dabei Sachsen bestehende Rohstoffstrategie
vor allem die Rückbesinnung auf die hei- sehr dazu beiträgt, neue Gewinnungsvor-
mische Rohstoffgewinnung als eine zen- haben anzugehen. Denn es bleibt dabei,
trale Maßnahme zur Rohstoffsicherung dass Deutschland bei der Versorgung mit
für Deutschland. In diesem Zusammen- kritischen Rohstoffen auf Importe ange-
hang kommt dem Zugang zu heimischen wiesen ist. Der Wert der Rohstoffimporte
Rohstofflagerstätten besondere Bedeu- nach Deutschland belief sich allein im Jahr
tung zu. Dies wird unter anderem auch im 2014 auf rund 130 Mrd. Euro. Insbesonde-
jüngsten BDI-Grundsatzpapier Rohstoff- re der Bezug von schweren Selten-Erden-
politik aus dem Januar 2015 bestätigt. Metallen wird weiterhin kritisch gesehen,
Der BDI schließt sich der Forderung nach denn 93 % der Seltenen Erden kommen
Rohstoffstrategien einzelner Bundeslän- aus der Volksrepublik China.
der, die in Raumordnungsfragen die Ent-
scheidungshoheit haben, an. Eine kontinuierliche Rohstoffprojektent-
wicklung erfordert den ungehinderten Zu-
Die derzeit niedrigen Rohstoffpreise ha- gang zu digitalen Rohstoffinformationen.
ben dazu geführt, dass neue Bergbau- Daran arbeitet unter anderem die Kom-
aktivitäten in Deutschland überwiegend mission für Geoinformationswirtschaft,
ruhen. Schwerpunkte der Entwicklung die im Auftrag des BMWi neue Nutzungs-
neuer Bergbauaktivitäten liegen bisher plattformen für Geo- und Rohstoffinfor-
in den Bundesländern Sachsen und Thü- mationen entwickelt und Partnern aus der
ringen. Die Beurteilung der Gewinnungs- Wirtschaft zur Verfügung stellt. Ziel ist
und Aufbereitungsmöglichkeiten dieser dabei, den Wirtschaftsstandort Deutsch-
teilweise sehr komplexen Lagerstätten land zu sichern und neue zukunftsfähige
hat sich mit den technologischen Ver- Arbeitsplätze zu schaffen.
besserungen und unter dem Eindruck
der weltweit eingeschränkten Verfügbar-
keit in den letzten Jahren gewandelt. Im
Ergebnis sind in Sachsen und Thüringen
in den letzten Jahren bereits zahlreiche// 11
Zur Lage der rohstoffgewinnenden
Steinkohle
Industrie in Deutschland
Vorgaben für das sozialverträgliche Auslau-
fen der Steinkohlenförderung in Deutsch-
3
Der deutsche Steinkohlenmarkt verzeich- land 2014 planmäßig vorübergehend sta-
nete 2014 nach den Erhebungen der Ar- bil. Die Produktion heimischer Steinkohle
beitsgemeinschaft Energiebilanzen (AGEB) betrug mit 7,8 Mio. t SKE so viel wie im
gegenüber dem Vorjahr mit einem Ver- Vorjahr. 2014 waren wie 2013 noch drei
brauchsvolumen von 56,2 Mio. t SKE aktive Steinkohlenbergwerke in Deutsch-
einen Rückgang um fast 8 %. Damit land in Betrieb; die nächste Stilllegung er-
leistete der Energierohstoff Steinkohle – folgt zum Jahreswechsel 2015/16 mit der
importierte und heimische Steinkohle zu- Schließung des traditionsreichen Berg-
sammen genommen – gleichwohl weiter werks Auguste Victoria in Marl. Dann
den drittgrößten Versorgungsbeitrag im wird es noch je ein aktives Steinkohlen-
Energiemix (nach Mineralöl und Erdgas). bergwerk im Ruhrrevier (Prosper-Haniel in
Der Anteil der Steinkohle am gesam- Bottrop) und in Ibbenbüren geben, die bei-
ten Primärenergieverbrauch lag 2014 bei de bis Ende 2018 fördern und den bis da-
knapp 13 %. Auch bei der Stromerzeu- hin verbleibenden Beitrag der heimischen
gung lag die Steinkohle 2014 weiter auf Steinkohle sicherstellen. Bereits 2015
dem dritten Rang, hier mit einem Anteil wird die heimische Steinkohlenproduktion
von fast 18 % hinter den erneuerbaren ein weiteres Stück geringer werden.
Energien und der Braunkohle, aber mit
Abstand vor der Kernkraft, dem Erdgas Da der Steinkohlenverbrauch 2014 ins-
und sonstigen Energiequellen. gesamt zurückging, haben sich die Stein-
kohleneinfuhren nach Deutschland im
Vergleich zum Vorjahr um rund 3 % auf
45,7 Mio. t SKE verringert.
Angebot und Nachfrage
Wichtigstes Lieferland für Deutschland
Auf der Aufkommensseite blieb die Inlands- war erneut Russland (mit leichter Zunah-
förderung gemäß den kohlepolitischen me der Lieferungen) vor den USA (mit
Mineralöl 35,0 % Primärenergie-Mix
Deutschland 2014
Sonstige 1,7 %
446,2 Mill. t SKE Erdgas 20,5 %
Erneuerbare 11,1 %
Kernenergie 8,1 %
Steinkohle 12,6 %
Braunkohle 12,0 % Quelle: AGEB12 // Zur Lage der rohstoffgewinnenden Industrie in Deutschland
allerdings deutlich rückläufigen Liefer- daran nichts ändern, blieben aber 2014
mengen). Weitere signifikante Anteile an bestehen, dies auch unter Berücksichti-
den Steinkohlenimporten nach Deutsch- gung des CO2-Preises im Europäischen
land hatten 2014 Kolumbien, Südafrika, Emissionshandelssystem.
Australien und Polen. Die Produktion von
und der internationale Handel mit Stein- Demgegenüber nahm der Absatz von
kohle stagnierten 2014 erstmals seit Kokskohle und Koks an die deutsche
vielen Jahren. Die Preistendenz am Welt- Stahlindustrie 2014 infolge der besseren
markt war dabei mit gewissen Schwan- Konjunkturentwicklung um 1,1 % auf 17,8
kungen (weiter) abwärts gerichtet, und Mio. t SKE leicht zu. Im reinen Wärme-
zwar bei Kraftwerkskohle ebenso wie bei markt (Fernheizwerke, Gießereikoks,
Kokskohle und Koks. Hausbrand und Kleinverbrauch), in dem
die Steinkohle (insbesondere Anthrazite)
Die Nachfrageseite des deutschen Stein- nur noch Nischenfunktionen erfüllt, be-
kohlenmarktes war 2014 im Vergleich trug der Verbrauch 2014 rund 1,5 Mio. t
zum Vorjahr durch eine gegenläufige Ten- SKE und blieb damit nahezu stabil.
denz gekennzeichnet. Der Verbrauch von
Steinkohle zur Strom- und Wärmeerzeu- Der Absatz heimischer Steinkohle belief
gung in Kraftwerken nahm 2014 gegen- sich 2014 auf rund 7,8 Mio. t SKE. Davon
über dem Vorjahr kräftig um fast 12 % gingen beinahe 90 %, nämlich 6,9 Mio. t
auf 36,9 Mio. t SKE ab. Hauptursachen SKE an die Kraftwirtschaft und nur noch
für diesen sehr deutlichen Rückgang 0,5 Mio. t SKE an die Stahlindustrie.
der Stromerzeugung aus Steinkohle war
die weitere Zunahme der regenerativen
Stromerzeugung bei gleichzeitig in diesem
Jahr stabilem Kernenergiebeitrag und ins- Steinkohle und Energiewende
gesamt vermindertem Stromverbrauch.
Die großen Preisvorteile der Kraftwerks- Der deutsche Steinkohlenmarkt wird im
kohle gegenüber dem Erdgas konnten Bereich des Verstromungsabsatzes, auf
Aufkommen von
Steinkohle in 7,8
Deutschland 2014 2013
47,2
in Mill. t SKE
Inländische Förderung
Importe 7,8
2014
46,2
Quelle: RAG, GVStZur Lage der rohstoffgewinnenden Industrie in Deutschland // 13
den rund zwei Drittel des Steinkohlen- Widerstände und gute Argumente, doch
verbrauchs entfallen, weiter maßgeblich die 2014 gestartete und 2015 heftig ge-
durch die Ziele und die Umsetzung der führte Kontroverse über den so genann-
Energiewende bestimmt. Auch wenn der ten Klimabeitrag, mit dem ein zusätzlicher
Steinkohleneinsatz zur Stromerzeugung Emissionsminderungsbeitrag von 22 Mio.
phasenweise auch wieder einmal zuneh- t CO2 bis 2020 im Kraftwerkssektor her-
men kann, ist davon auszugehen, dass beigeführt werden sollte, haben nicht nur
der Steinkohlenverbrauch tendenziell wei- der Stromerzeugung aus Braunkohle, son-
ter zurückgeht. Der politisch so immens dern auch der Steinkohlenverstromung
geförderte, weiterhin mit Einspeisevor- einen erheblichen Vorgeschmack auf die
rang versehene Ausbau der erneuerba- künftig zu erwartenden Auseinander-
ren Energien in der Stromerzeugung wird setzungen vermittelt. Für die Kohlenver-
– zumal bei günstigen Witterungsbedin- stromung nicht minder bedeutsam sind
gungen und tendenziell rückläufigem überdies die Entscheidungen über das
inländischem Stromverbrauch – den ver- künftige Strommarktdesign in Deutsch-
bleibenden Raum für die Steinkohlenver- land. Das im Herbst 2014 vom BMWi
stromung zunehmend einengen. Derzeit vorgelegte Grünbuch „Ein Strommarkt
gibt es kein konkretes Kraftwerksneubau- für die Energiewende“ hat die Optionen
projekt auf Steinkohlenbasis in Deutsch- dafür vorgezeichnet, mit dem nachfolgen-
land und auch viele Bestandskraftwerke den „Weißbuch“ wird die neue Ordnung
verzeichnen weiter Rentabilitätsproble- des deutschen Strommarktes hin zum
me. Hinzu kommen politische Bestrebun- flexiblen „Strommarkt 2.0“ konkretisiert.
gen, nach dem bis 2022 zu vollendenden Eine wichtige Rolle dürfte in diesem Zu-
Atomausstieg in Deutschland unter ei- sammenhang auch der künftige Rahmen
nem energiepolitischen Primat der Klima- für die Kraft-Wärme-Kopplung spielen.
ziele die Stromerzeugung aus fossilen
Energieträgern zu beschränken. Dies ist Offen ist, in welchem Ausmaß künftig
zwar noch keineswegs politisch beschlos- eine rohstoffliche Verwendung von Stein-
sen und dagegen gibt es weiter starke kohle in Deutschland erfolgen kann, für
Heimische
Steinkohle
0,4 Absatz 2014
in Mio. t SKE
0,5
7,8 Mio. t SKE 6,9
Kraftwerke
Stahlindustrie
Sonstige
Quelle: RAG, GVSt14 // Zur Lage der rohstoffgewinnenden Industrie in Deutschland
die neben dem Kokskohlen- und Koks- sozialverträgliche Auslauf zum Ende des
bedarf der Eisen- und Stahlerzeugung Jahres 2018. Daher sind die Planungen
noch einige weitere industrielle Nutzun- konsequent darauf gerichtet, dass der
gen, etwa in der chemischen Industrie, Steinkohlenbergbau bis Ende 2018 seine
möglich sind. Eine Reihe von industriellen Lieferverpflichtungen zuverlässig erfüllen
Projekten widmet sich zudem der CO2- und die Kapazitäts- und Belegschaftsan-
Verwertung, womit nicht CCS-, sondern passung sozialverträglich erfolgen kann,
CCU-Technologien, also „Carbon Capture dies ohne Einbußen beim Arbeits-, Um-
und Utilisation“ eine erhöhte Bedeutung welt- und Gesundheitsschutz. Eine ganz
bekommen könnten. besondere und keineswegs leichte He-
rausforderung bleibt dabei die syste-
Außerdem zeigen die maßgeblichen matische Sicherung, Vermittlung und
Szenarien für den Stromsektor unver- Weitergabe des erforderlichen techni-
ändert, dass konventionelle Ausgleichs- schen und betrieblichen Wissens im Zuge
und Reservekapazitäten nicht zuletzt auf des stetigen Anpassungsprozesses.
Steinkohlenbasis noch lange notwendig
bleiben, wenn die Versorgungssicherheit Der den deutschen Steinkohlenbergbau
hinreichend gewährleistet und der Preis- tragende RAG-Konzern trifft gleichzei-
anstieg begrenzt werden soll. Davon geht tig die nötigen Vorbereitungen für einen
auch die Koalitionsvereinbarung der Ende verantwortungsbewussten, nachhaltigen
2013 im Bund gebildeten Großen Koaliti- Übergang in die „Nachbergbauzeit“.
on aus, in der es ausdrücklich heißt: „Die Dazu gehören die strategische und ope-
konventionellen Kraftwerke (Braunkohle, rative Ausrichtung des verbleibenden
Steinkohle, Gas) als Teil des nationalen Bergbaubereichs auf die so genannten
Energiemixes sind auf absehbare Zeit un- Ewigkeitsaufgaben (Wasserhaltung, Was-
verzichtbar. Durch den kontinuierlichen serreinigung, Poldermaßnahmen) sowie
Ausbau der erneuerbaren Energien benö- die nach 2018 verbleibenden Aufgaben
tigen wir auch in Zukunft hocheffiziente der Altlastensanierung, einschließlich der
und flexible konventionelle Kraftwerke. Bergschadensregulierung. Besonders im
Solange keine anderen Möglichkeiten … Fokus der Öffentlichkeit, wenngleich nicht
zur Verfügung stehen, kann Stromerzeu- immer mit sachgemäßer Diskussion, ste-
gung aus Wind- und Sonnenenergie nicht hen seit 2014 die Grubenwasserkonzepte
entscheidend zur Versorgungssicherheit für die Nachbergbauära in Verbindung mit
beitragen. Daraus ergibt sich das Erfor- Besorgnissen über die Umweltrelevanz
dernis einer ausreichenden Deckung der früher untertägig verbrachter oder verblie-
Residuallast.“ Ein teilweiser oder sogar bener Reststoffe. Auch wenn bisher keine
totaler Ausstieg aus der Kohlenverstro- ernsthaften Umweltbelastungen nachge-
mung ist somit nicht verabredet worden wiesen worden sind, wurden verschie-
– im Gegenteil. dene weitere Untersuchungen in Auftrag
gegeben und Transparenz bezüglich al-
ler Messergebnisse zugesagt. Darüber
hinaus wurde und wird die zukunftsori-
Auslauf im Plan entierte Entwicklung der Beteiligungs-
bereiche der RAG weiter vorangebracht,
Für die inländische Gewinnung von wobei ein Schwerpunkt in der Nutzung
Steinkohle gilt weiterhin der 2007 be- von Bergbau-Infrastruktur für erneuerbare
schlossene und seither rechtlich fixierte Energien als Beitrag zur EnergiewendeZur Lage der rohstoffgewinnenden Industrie in Deutschland // 15
und zum regionalen Strukturwandel liegt Zur Nutzung der Braunkohle und zur Ver-
(Windkraft auf Halden, Solaranlagen auf stromung verfügt Deutschland weiterhin
Freiflächen, Biomasseparks auf Brach- über auch im Weltmaßstab bedeutende
geländen, Fortsetzung der Grubengas- Vorkommen. Davon ist nach dem Stand
verwertung, Nutzung von Schacht- und der Tagebautechnik und bei heutigen
Grubenwasserwärme etc.). Mit derarti- Energiepreisen ein großer Teil als wirt-
gen Projekten beteiligt sich die RAG, wie schaftlich gewinnbar klassifiziert. Die der-
2014 angekündigt, u. a. auch an der klima- zeit zum Abbau vorgesehenen Vorräte
metropole RUHR 2022. Und schließlich reichen für mehrere Jahrzehnte.
laufen nicht erst seit 2014 intensive Vor-
bereitungen zur Bewahrung des industrie-
geschichtlichen und kulturellen Erbes des
Steinkohlenbergbaus für die Nachberg- Braunkohle: Sichere und wett-
bauzeit ab 2019. bewerbsfähige Stromversorgung
Rund 90 % der 2014 in Deutschland ge-
förderten Braunkohle wurde an die Kraft-
Braunkohle werke geliefert, die daraus rund 156 Mrd.
kWh Strom erzeugt haben. Weiterhin ba-
Bei der Stromerzeugung ist Kohle – Stein- siert jede vierte in Deutschland erzeugte
und Braunkohle – weltweit mit 40 % An- kWh Strom auf dem Einsatz heimischer
teil der wichtigste Energieträger. Erdgas Braunkohle (25,4 %). Entsprechend hoch
folgt mit 23 % erst mit großem Abstand. ist die Bedeutung der Braunkohle für die
Wesentlicher Grund ist, dass Kohle welt- Stromversorgung Deutschlands. Zudem
weit, in Europa aber auch in Deutschland wurden 2013 etwa 7 Mio. t Veredlungs-
für Versorgungssicherheit und gleichzeitig produkte wie Wirbelschichtkohle, Braun-
für akzeptable Strompreise steht. Nach kohlenstaub und Briketts hergestellt.
den Ölkrisen der 70er Jahre haben daher
insbesondere die OECD-Länder entschie- Trotz der beabsichtigten Veränderung des
den, im Stromsektor im Wesentlichen deutschen Stromsystems hin zu einer
auf Kohle und Kernenergie zu setzen und verstärkten Nutzung erneuerbarer Ener-
diesen lebenswichtigen Bereich von den gien hat die heimische Braunkohle auch
Risiken der Öl- und Gasversorgung unab- für die kommenden Jahre und Jahrzehnte
hängiger zu machen. eine gute Perspektive. Wenn erneuerba-
re Energieträger bis zum Abschluss des
In Deutschland ist Braunkohle seit 130 Kernenergieausstiegs Ende 2022 den
Jahren ein verlässlicher Begleiter der in- heutigen Versorgungsbeitrag der Kern-
dustriellen und sozialen Entwicklung. Ihre energie von annähernd 100 TWh/a erset-
Gewinnung und Nutzung ist langfristig an- zen, bleibt der Versorgungsbeitrag der
gelegt. Die Regionen und die Unternehmen konventionellen Kraftwerke zunächst auf
wirken an der erforderlichen Planung und vergleichbarem Niveau wie heute. Dabei
an deren Umsetzung frühzeitig und inten- werden die Erneuerbaren nur sehr we-
siv mit. Die Tagebaue, Kraftwerke und Ver- nig zur Versorgungssicherheit beitragen.
edlungsbetriebe des Braunkohlenbergbaus Die Windenergieerzeugung beispielswei-
bilden ein hochproduktives Gesamtsystem, se betrug 2013 nur in 184 Stunden oder
das die erforderlichen hohen Investitionen an 7 ½ Tagen mehr als 20 GW, und die
der Unternehmen rechtfertigt. ständig vorhandene Leistung lag bei nur16 // Zur Lage der rohstoffgewinnenden Industrie in Deutschland
Brutto- 25,4 %
Stromerzeugung 1,0 %
9,5 % 17,8 %
Braunkohle
Steinkohle
Mineralöl 614,0 Mrd. kWh
Erdgas
Kernenergie
Erneuerbare Energien
15,8 %
Sonstige 26,2 %
Quelle: AGEB Angaben vorläufig, z. T. geschätzt
4,4 %
0,1 GW. Selbst eine Verdoppelung der gesamte EU politisch fest; dieses Ziel soll
Windkapazitäten würde daher nicht zu si- volkswirtschaftlich möglichst preisgünstig
gnifikant erhöhter Versorgungssicherheit erreicht werden. Zusätzliche Instrumente
führen. Dies allein zeigt, dass Deutsch- zur Begrenzung von Treibhausgasemis-
land nicht zusätzlich zur Kernenergie auch sionen sind für die ETS-Sektoren nicht
die Braunkohle infrage stellen kann, wenn zweckmäßig. So wirken sich weiterrei-
es eine verlässliche Stromerzeugung und chende nationale Vorschriften zur Be-
wettbewerbsfähige Strompreise behal- grenzung der CO2-Emissionen – etwa
ten möchte. Eine aktuelle Forsa-Umfrage Maßnahmen, die Kraftwerksschließun-
vom Juli 2015 zeigt, dass die Bevölkerung gen verursachen würden – oder nationa-
diese realistische Einschätzung mit deut- le CO2-Ziele im ETS-Bereich nicht auf die
licher Mehrheit teilt: 63 % der Deutschen CO2-Bilanz der EU aus. Stattdessen wer-
hielten es für falsch, wenn nach den Kern- den sie innerhalb der EU verlagert.
kraftwerken auch die Kohlekraftwerke ab-
geschaltet würden. Die fehlende Zweckmäßigkeit zusätzli-
cher nationaler klimapolitischer Maßnah-
men war ein Grund dafür, dass die vom
Bundesministerium für Wirtschaft und
Braunkohlenutzung und Klimapolitik Energie im März 2015 vorgeschlagene Kli-
vertragen sich maabgabe u. a. für Braunkohlenkraftwer-
ke ab mittlerem Alter auf breite Ablehnung
Die Braunkohlenutzung ist auch mit ei- gestoßen ist. Im Braunkohlenbergbau,
ner ambitionierten Reduzierung der CO2- in den Revieren, in der Industrie insge-
Emissionen vereinbar. Für den Bereich samt, in den Gewerkschaften, bei den
Kraftwerke hat die EU das europäische betroffenen Landesregierungen und bei
Emissionshandelssystem (ETS) als Leit- führenden Wissenschaftlern sowie Wirt-
instrument der CO2-Minderung beschlos- schaftspolitikern stieß auf Unverständnis,
sen. Es legt die absolute Menge der dass der Beitrag der Braunkohle zur wirt-
CO2-Emissionen der ETS-Sektoren für die schaftlichen und sozialen EntwicklungZur Lage der rohstoffgewinnenden Industrie in Deutschland // 17
Deutschlands wegen einer relativ kleinen Rheinisches Braunkohlerevier
Lücke bei der Erfüllung eines nur natio-
nalen Klimaschutzziels mutwillig in Frage Die Gewinnung von Braunkohle im rhei-
gestellt wurde. nischen Revier liegt seit vielen Jahren in
einer Bandbreite von 90 – 100 Mio. t im
Um das angestrebte Ziel einer Treibhaus- Jahr. Die RWE Power AG betreibt die Ta-
gasminderung in Deutschland von 40 % gebaue Hambach, Garzweiler und Inden,
im Zeitraum 1990 bis 2020 zu erreichen, deren Braunkohlengewinnung zu etwa
folgten die Koalitionsspitzen Anfang Juli 90 % zur Stromerzeugung in die vier gro-
2015 schließlich einem deutlich weniger ßen Braunkohlenkraftwerke des Rhein-
belastenden und sozialverträglicheren lands geht. Dabei ist der Tagebau Inden
Vorschlag der IG BCE. Sie beschlos- mit dem Kraftwerksstandort Weisweiler
sen ein Maßnahmenbündel aus Über- als so genannter Inselbetrieb verbunden,
führung von Kraftwerksblöcken in eine während die Kraftwerke Niederaußem,
Kapazitätsreserve mit anschließender Frimmersdorf sowie Neurath und die drei
Stilllegung, Förderung der Kraft-Wärme- Veredlungsbetriebe über ein Bahnsystem
Kopplung und Effizienzmaßnahmen im durch die Tagebaue Garzweiler und Ham-
Gebäudebereich. bach versorgt werden.
MW Flexibilität
1.100
moderner GuD-
1.000
Anlagen und
800
600 Braunkohlen-
400 kraftwerke im
200 Min. Kapazität ** Vergleich
Min. Kapazität **
0
0 5 10 15 20 25 30 Minuten
Durch große und schnelle Leistungsänderungen kann die schwankende Einspeisung der * bei 2-Kessel-Betrieb
erneuerbaren Energien aufgefangen werden ** bei 1-Kessel-Betrieb
Moderne Braunkohlenkraftwerke sind dazu ebenso in der Lage wie moderne GuD-Anlagen.
BoA 1 bis 3 GuD-Anlage Lingen BoAplus
Max. Kapazität Max. Kapazität Max. Kapazität
~ 1.000 MW ~ 2 x 440 MW ~ 2 x 550 MW
Min. Kapazität Min. Kapazität Min. Kapazität
~ 500 MW ~ 520*/260** MW ~ 350*/175** MW
Max. Laständerungs- Max. Laständerungs- Max. Laständerungs-
geschwindigkeit geschwindigkeit geschwindigkeit
+/- 30 MW/min +/- 32 MW/min +/- 30 MW/min Quelle: DEBRIV18 // Zur Lage der rohstoffgewinnenden Industrie in Deutschland
Die Landesregierung von Nordrhein- etwa 7.000 MW sowie des Kohlenvered-
Westfalen hat im März 2014 die ener- lungsstandorts Schwarze Pumpe.
giewirtschaftliche Notwendigkeit des
Tagebaus Garzweiler bestätigt und in Mit dem Abschluss der Braunkohlenplan-
das laufende Umsiedlungs-Braunkohlen- verfahren zur Weiterführung des Tage-
planverfahren für die Ortschaften des baus Nochten in das Abbaugebiet 2 und
3. Umsiedlungsabschnitts eingebracht. des Tagebaus Welzow-Süd in den räum-
Auf großes Unverständnis ist gestoßen, lichen Teilabschnitt II sind die Grundlagen
dass die Landesregierung gleichzeitig und für die langfristige Sicherung der Brenn-
überraschend angekündigt hat, bis Ende stoffbasis des bestehenden Kraftwerks-
2015 eine neue Leitentscheidung zur Er- parks in Boxberg und Schwarze Pumpe
forderlichkeit der Braunkohlengewinnung und des Veredlungsbetriebes in Schwar-
im Tagebau Garzweiler II zu erarbeiten ze Pumpe gelegt. Der Braunkohlenplan
und sich gegen einen vierten Umsied- für das Abbaugebiet Nochten 2 ist geneh-
lungsabschnitt politisch zu entscheiden. migt; das Rahmenbetriebsplanverfahren
Sie hat dazu eine Metastudie zur ener- hat begonnen. Die Genehmigung wird
giepolitischen Notwendigkeit der rheini- für 2016 erwartet. Für den räumlichen
schen Braunkohle nach 2030 in Auftrag Teilabschnitt II von Welzow-Süd fand der
gegeben sowie Expertengespräche zu Scoping-Termin zum Rahmenbetriebsplan
Themen wie „Energie“, „Geologie und statt; der Antrag soll 2016 beim zustän-
Restsee“ und „Planungen Dritter“ ge- digen Bergamt eingereicht werden. Die
führt. Das Unternehmen RWE Power AG Planungen stehen in Übereinstimmung
hält an der planmäßigen Entwicklung des mit den energie- und umweltpolitischen
Tagebaus im Rahmen der bestehenden Strategien und Programmen der Länder
Abbaugrenzen und auf Basis der gültigen Brandenburg und Sachsen.
landesplanerischen und bergrechtlichen
Genehmigungen fest.
Wie die anderen Braunkohleunternehmen Mitteldeutsches und
hat die RWE Power AG den Braunkohle- Helmstedter Braunkohlerevier
Kraftwerkspark modernisiert und deutlich
flexibler gemacht. Die Gesamtleistung Im Südraum Leipzig, dem mitteldeutschen
von etwa 10.000 MW kann in 30 Minuten Revier, lag die Braunkohlenförderung der
um gut 50 % eingesenkt bzw. hochgefah- Mitteldeutschen Braunkohlengesellschaft
ren werden. mbH (MIBRAG) im Jahre 2014 bei 20,9
Mio. t. Das Unternehmen beliefert damit
vor allem die beiden Kraftwerke Schko-
pau und Lippendorf; weitere Abnehmer
Lausitzer Braunkohlerevier sind zum Beispiel die Südzucker AG Zeitz
sowie die Stadtwerke in Dessau und
Im Lausitzer Revier hat Vattenfall Europe, Chemnitz. Hinzu kommen Wärme- und
Business Unit Mining & Generation, 2014 Dampflieferungen.
61,8 Mio. t Braunkohle gewonnen. Die
Lausitzer Braunkohle ist Grundlage für Die genehmigten Kohlevorräte in den mit-
den langfristigen Betrieb der Kraftwerke teldeutschen Tagebauen Profen (Sach-
Jänschwalde, Schwarze Pumpe und Box- sen-Anhalt) und Vereinigtes Schleenhain
berg mit einer Kapazität von insgesamt (Sachsen) reichen derzeit etwa dreiZur Lage der rohstoffgewinnenden Industrie in Deutschland // 19
Förder- SKE-Fak- Braun- Leistungszahlen
Abraum- Braunkohlen-
bewegung gewinnung
verhältnis Heizwert tor* kohlen- des Braunkohlen-
A/K kg SKE gewinnung
1.000 t bergbaus sowie
1.000 m 3 1.000 t m 3 /t kj/kg je kg
SKE Heizwerte der
Rheinland 452.861 93.621 4,8 : 1 9.059 0,309 28.938 geförderten Kohle
nach Revieren im Jahr 2014
Lausitz 362.427 61.814 5,9 : 1 8.523 0,291 17.976
Mittel-
59.252 20.931 2,8 : 1 10.675 0,364 7.624
deutschland * 1 kg SKE entspricht 29.308 kJ
Helmstedt 4.483 1.812 2,5 : 1 10.616 0,362 656
Insgesamt 879.023 178.178 4,9 : 1 9.079 0,310 55.194 Quelle: Statistik der Kohlenwirtschaft
Jahrzehnte. Sie können aber durch Feldes- ist die stoffliche Nutzung von Braunkoh-
arrondierungen ergänzt werden. Darüber le ein Forschungsschwerpunkt, der unter
hinaus sind perspektivisch weitere Lager- anderem mit dem Forschungsvorhaben
stätten verfügbar. „Innovative Braunkohlenintegration“ (ibi)
vorangetrieben wurde.
Im Helmstedter Revier förderte die
MIBRAG 2014 etwa 0,5 Mio. t Braun-
kohle und nutzte sie im Kraftwerk Busch-
haus. Die MIBRAG belieferte von Ja- Regionalwirtschaftliche Bedeutung
nuar 2014 bis März 2015 zusätzlich die
ROMONTA in Amsdorf mit insgesamt Die heimische Braunkohle hat eine gro-
ca. 0,5 Mio. t Braunkohle, nachdem der ße regionalwirtschaftliche Bedeutung. In
Grubenbetrieb der ROMONTA wegen ei- den Revieren arbeiten 22.000 Menschen
nes geotechnischen Ereignisses vorüber- direkt in der Braunkohle. Mittelbar gehen
gehend eingestellt werden musste. Die von dem Industriezweig beachtliche po-
ROMONTA GmbH beliefert nunmehr wie- sitive regionale und gesamtwirtschaft-
der ihre Kunden mit Montanwachsproduk- liche Impulse aus. Man geht davon aus,
ten aus bitumenhaltiger Rohbraunkohle, dass die Beschäftigungswirkung des
jetzt aus dem Baufeld Kupferhammer. Wirtschaftszweigs mehr als 70.000 Ar-
Das Unternehmen plant, die Gewinnung beitsplätze umfasst. Darin eingeschlos-
bitumenhaltiger Rohbraunkohle sowie von sen ist noch nicht die große Anzahl der
Rohmontanwachs bis 2030 fortzusetzen. Arbeitsplätze, die dadurch erhalten wird,
dass die Braunkohle in Deutschland im
Der Standort Amsdorf ist ein Beispiel für internationalen Vergleich wettbewerbs-
die Möglichkeit, Braunkohle sowohl stoff- fähige Erzeugungspreise und damit eine
lich als auch energetisch zu nutzen. Nicht Versorgung der energie- und strominten-
nur bei der ROMONTA, sondern insge- siven Industrie zu angemessenen Preisen
samt im deutschen Braunkohlenbergbau in Deutschland sichert.20 // Zur Lage der rohstoffgewinnenden Industrie in Deutschland
Kalibergbau Produkt bei weltweit begrenzter Verfüg-
barkeit zu verzeichnen.
Der deutsche Kalibergbau erfolgt durch
die K+S Kali GmbH der K+S Gruppe. Diese Entwicklung setzte sich zur Jah-
Deutschland war im Jahr 2014 weltweit resmitte fort, wenngleich das Preisni-
der fünftgrößte Kaliproduzent mit einem veau weiterhin deutlich unter dem des
Anteil von 8,3 % am Weltkaliabsatz. Der Vorjahres blieb. Die Nachfrage nach Kali-
Absatz von Kali- und Magnesiumpro- umsulfat zeigte sich überaus robust; die-
dukten belief sich auf rund 6,87 Mio. t se sowie Produktionsschwierigkeiten bei
und lag damit auf dem Niveau des Vor- verschiedenen Wettbewerbern führten zu
jahres. Die Weltkaliproduktion betrug steigenden Preisen. Im zweiten Halbjahr
2014 insgesamt 66,7 Mio. t. Die sechs belasteten die Preisrückgänge für Agrar-
größten Produzenten zusammen liefer- rohstoffe die Nachfrage nach Kaliumchlo-
ten etwa 75 % des weltweiten Bedarfs. rid nur leicht. Während die Abnehmer in
Europa saisonbedingt zurückhaltend wa-
Der Markt für kaliumhaltige Produkte ren, herrschte vor allem in Südamerika
stabilisierte sich nach den Turbulenzen eine weiterhin gute Nachfrage. Der welt-
2013 zu Beginn des Jahres 2014 deut- weite Absatz des Gesamtjahres 2014
lich. Die nordamerikanischen und russi- stellt einen neuen Rekord dar. Es kam zu
schen Produzenten konnten Vertragsab- einem deutlichen Abbau der Bestände
schlüsse mit chinesischen und indischen auf Seiten der Produzenten.
Abnehmern erreichen, wodurch sowohl
die Nachfrage als auch die internationa- Auch zukünftig kann der aufgrund einer
len Preise für Kaliumchlorid anzogen. In stetig wachsenden Weltbevölkerung und
den Hauptabsatzregionen Europa und sich verändernder Ernährungsgewohn-
Brasilien war vor allem im ersten Halbjahr heiten steigende Bedarf an Agrarroh-
eine hohe Nachfrage nach granuliertem stoffen bei der begrenzten Verfügbarkeit
Weltkaliproduktion 22,6 33,2
und -absatz nach 19,4
Regionen 2014 11,7 7,2 6,2 4,3 14,8
Kalimarkt
in Mio. t
12,0
(vorläufig)
Einschl. Kaliumsulfat und 2,7 1,0
Kalisorten mit niedrigerem
K 2O-Gehalt
Weltkaliproduktion Weltkaliabsatz
Quelle: IFA, K+S 66,7 Mio. t 68,4 Mio. tZur Lage der rohstoffgewinnenden Industrie in Deutschland // 21
von Ackerflächen nur durch eine Inten- die zur Auskristallisation der Sole benutzt
sivierung der Landwirtschaft abgedeckt werden. K+S ist auf bestem Wege, das
werden. Ein ausgewogener Einsatz mine- Werk wie geplant im Sommer 2016 in
ralischer Pflanzennährstoffe ist dabei un- Betrieb zu nehmen und dabei das Inves-
erlässlich und dürfte tendenziell zu einer titionsbudget von 4,1 Mrd. kanadischen
erhöhten Nachfrage führen. Dollar einzuhalten. Das Legacy Projekt
ergänzt das bestehende deutsche Pro-
Für 2015 wird mit einer leicht rückläufi- duktionsnetzwerk um einen bedeutenden
gen Weltkalinachfrage gegenüber dem nordamerikanischen Standort und wird
Rekordwert des Jahres 2014 gerechnet, die internationale Wettbewerbsfähigkeit
welcher durch besonders niedrige An- stärken. Der neue Standort in der kanadi-
fangsbestände in der Wertschöpfungs- schen Provinz Saskatchewan wird zukünf-
kette begünstigt war. Die Preise für tig vor allem die Ausgangsbasis für den
Kaliumchlorid erholten sich im Berichts- Absatz in den aufstrebenden Wachstums-
jahr schrittweise und sollten im Jahres- märkten Asien und Südamerika sowie in
durchschnitt 2015 oberhalb des Vorjahres Nordamerika sein.
liegen.
Darüber hinaus überprüft die K+S Grup-
Von großer Bedeutung für die K+S Gruppe pe, ob sich auch deutsche Lagerstätten
insgesamt war im Jahr 2011 der Erwerb für den Ausbau der Produktionskapazitä-
der kanadischen Potash One und das ten eignen könnten. So hat K+S die tech-
damit verbundene so genannte Legacy nischen, betriebswirtschaftlichen und
Projekt – angesiedelt in der neu gegrün- marktseitigen Aspekte einer möglichen
deten Gesellschaft K+S Potash Canada. Wiedereröffnung des Reservebergwerks
Ziel ist die Errichtung eines Solungsberg- Siegfried-Giesen in einer umfangreichen
werks in der Provinz Saskatchewan. Die- Machbarkeitsstudie untersucht. Im Er-
ses Projekt soll bereits im Jahr 2016 in gebnis haben die Entscheidungsgremi-
einer ersten Stufe in Betrieb gehen und en des Unternehmens im Juni 2012 das
in den Folgejahren bis 2023 auf eine Ka- Projekt grundsätzlich als aussichtsreich
pazität von fast 3 Mio. t/a Kaliumchlorid bewertet. Mit der Landesplanerischen
ausgebaut werden. In einer dritten Aus- Feststellung vom November 2013 hat der
baustufe nach weiteren zehn Jahren wird zuständige Landkreis Hildesheim das er-
ein Produktionsziel von 4 Mio. t jährlich forderliche Raumordnungsverfahren für
angestrebt. Im Geschäftsjahr 2014 wur- das Reservebergwerk Siegfried-Giesen
de eine erste Testkaverne zur Förderung abgeschlossen. Als nächster Schritt ist
von kalihaltiger Sole in etwa 1.500 Meter das nach Bundesberggesetz notwendi-
Tiefe fertiggestellt. Zum Bau und Betrieb ge Planfeststellungsverfahren vorgese-
einer neuen Umschlags- und Lageranlage hen, für das der erforderliche Antrag der
im Hafen von Vancouver (Kanada) konnte zuständigen Genehmigungsbehörde,
ein langfristiger Exklusivertrag mit Pacific dem Landesamt für Bergbau, Energie
Coast Terminals Co. Ltd. (PCT) unterzeich- und Geologie, vorliegt. Der Antrag befin-
net werden. Darüber hinaus wurde ein det sich derzeit in der Phase der öffent-
Camp für die Versorgung und Unterkunft lichen Beteiligung. Erst nach Abschluss
der Arbeitskräfte am Standort eröffnet. des Verfahrens und bei einem positiven
Im November erfolgte die erste Liefe- Planfeststellungsbescheid kann K+S auf
rung von tonnenschweren Verdampfern, Basis der dann nochmals abschließend22 // Zur Lage der rohstoffgewinnenden Industrie in Deutschland
Kaliproduktion
in Deutschland 6,1 3,2 5,6 5,8 5,6 5,5 5,7
Kalimarkt
Mio. t Ware 2
3 1
4
6 5
7
1 Zielitz
2 Sigmundshall
3 Bergmanns-
segen-Hugo
4 Wintershall
5 Unterbreizbach
6 Hattorf
Quelle: K+S Gruppe 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 7 Neuhof-Ellers
zu überprüfenden wirtschaftlichen und der Gewässerqualität in Werra und We-
marktseitigen Rahmenbedingungen eine ser sowie zum Schutz des Grundwassers
Investitionsentscheidung treffen. erfüllt. In Hattorf wurde eine zusätzliche
Produktionsanlage für die abwasser-
Im Oktober 2011 erfolgte der erste Spa- freie Gewinnung von Kieserit errichtet, in
tenstich für die umfangreiche Umsetzung Wintershall entstanden neue Eindampf-
des „Maßnahmenpakets zum Gewäs- anlagen für Kainit und in Unterbreizbach
serschutz“. Es umfasst eine Vielzahl wurde dem Lösebetrieb eine zusätzliche
von technischen Einzelmaßnahmen zum Verarbeitungsanlage (Kalte Vorzerset-
Grundwasser- und Gewässerschutz so- zung) vorgeschaltet. Ende März 2014 er-
wie die Prüfung weiterer Maßnahmen. folgte der offizielle Betriebsstart von drei
K+S verfolgt mit dem Maßnahmenpaket Großprojekten. Die Investitionen für das
das Ziel, die Menge der bei der Kalipro- Maßnahmenpaket zum Gewässerschutz
duktion unvermeidbar anfallenden Salzab- an der Werra belaufen sich insgesamt auf
wässer bis zum Jahr 2015 auf 7 Mio. m3 rund 400 Mio. Euro und werden planmä-
zu halbieren. 2006 waren noch 14 Mio. ßig Ende 2015 erfolgreich abgeschlossen
m3 angefallen. Nach dem Baustart für die sein.
neuen Anlagen im Oktober 2011 wurden
die Arbeiten an allen Produktionsstandor- Ende September 2014 hat sich K+S mit
ten des Werkes Werra – Hattorf und Win- dem hessischen Umweltministerium auf
tershall in Hessen sowie Unterbreizbach Eckpunkte für einen Vier-Phasen-Plan
in Thüringen – zeitgleich aufgenommen zur dauerhaften Salzwasser-Entsorgung
und während des laufenden Produkti- im Werra-Kalirevier verständigt. Die vor-
onsbetriebes termingerecht zu Ende ge- gestellten Punkte umfassen einen Re-
führt. Damit werden die mit den Ländern gelungszeitraum bis zum Jahr 2075 und
Hessen und Thüringen getroffenen Ver- sollen in einem öffentlich-rechtlichen
einbarungen zur weiteren Verbesserung Vertrag festgeschrieben werden. ZielZur Lage der rohstoffgewinnenden Industrie in Deutschland // 23
der verschiedenen Maßnahmen ist es, Spitzengruppe der Salzproduzenten welt-
den Naturraum Werra-Weser im Sinne weit. Unter Berücksichtigung der Werke
der Umwelt und des europäischen Was- in Nord- und Südamerika ist die deutsche
serrechts weiter zu entlasten und die Zu- K+S Gruppe, zu der auch esco gehört,
kunftsfähigkeit der dortigen Arbeitsplätze derzeit mit weitem Abstand der weltweit
zu sichern. Geplant sind dafür ab dem größte Salzproduzent.
Jahr 2018 weitere Investitionen in Höhe
von rund 400 Mio. Euro. Die esco – european salt company GmbH
& Co. KG – betreibt drei Steinsalzbergwer-
ke, zwei Solbetriebe sowie mehrere Sie-
desalzanlagen in Deutschland, Frankreich,
Salzbergbau den Niederlanden, Portugal und Spanien.
Bei Salzprodukten für den Lebensmit-
Mit den heimischen Salzwerken der K+S telbereich, Salzen für industrielle bzw.
Gruppe, der Südwestdeutschen Salzwer- gewerbliche Anwendungen und Auftau-
ke AG sowie den Bergwerken Stetten und salzen ist esco einer der führenden euro-
Sondershausen gehört Deutschland zur päischen Produzenten.
K + S Gruppe (D) esco 9,4 K+S Chile* 8,5 Morton Salt 13,9 31,8 Die weltweit
China National Salt (CHN) 17,6 größten
Salzproduzenten
Compass Minerals (USA) 16,3
Salzmarkt
Cargill (USA) 14,0 Kapazität in Mio. Tonnen
(Festsalz und Salz in Sole;
Dow Chemical (USA) 12,5 einschließlich captive use)
Solvay (B) 12,0
*vormals SPL
(einschl. SDB in Brasilien)
Dampier Salt (AUS) 10,3
Exportadora del Sal (MEX) 8,0
Artyomosol (UKR) 7,5
AkzoNobel (NL) 6,6
Texas Brine (USA) 5,0
Soda Sterlitamak (RUS) 5,0
Russalt (RUS) 5,0
SWS (D) 5,0 Quelle: Roskill 201424 // Zur Lage der rohstoffgewinnenden Industrie in Deutschland
Zu Südwestdeutsche Salzwerke AG gehö- Ressourcen theoretisch noch für Jahrhun-
ren die Bergwerke Heilbronn und Berch- derte gesichert. Dennoch gilt auch hier,
tesgaden sowie die Solegewinnung aus dass Nutzungskonkurrenzen mit anderen
dem natürlichen Solevorkommen in Bad Arten der Gebietsausweisung bestehen
Reichenhall. Das Bergwerk Stetten ge- und eine entsprechende Standortwahl
hört zur Wacker Chemie AG. Am Stand- für etwaige Anschlussprojekte aus-
ort Sondershausen wird Steinsalz von der schließlich nach bergtechnisch und
GSES GmbH gewonnen. wirtschaftlich sinnvollen Kriterien kaum
möglich ist.
Im Gegensatz zu den meisten anderen
Bergwerksbetrieben, in denen das Roh-
salz in der Regel mittels Bohren und
Sprengen abgebaut wird, werden am Keramische Rohstoffe und
Standort Heilbronn mittlerweile rund 80 % Industrieminerale
der Salzgewinnung schneidend mit Conti-
nuous Minern durchgeführt. Keramische Rohstoffe und Industriemi-
nerale sind Grundsteine der industriellen
Die Saline Luisenhall ist die letzte noch in Produktion Deutschlands. Sie werden
Betrieb befindliche Pfannensaline Euro- beispielsweise als Basisrohstoffe in der
pas. Salz wird als konzentrierte Sole aus Fein- und Grobkeramik (Geschirr, Zierke-
450 m Tiefe gefördert. Oben angekom- ramik, Fliesen, Mauer- und Dachziegel,
men wird diese Sole in riesigen flachen Steinzeugrohre), in der Sanitärkeramik,
Pfannen erhitzt, bis das Salz kristallisiert der technischen Keramik, der Feuer-
und abgeschöpft werden kann. Dieses fest-, Gießerei- und Stahlindustrie, der
Verfahren ist rund tausend Jahre alt. Baustoffindustrie, in der Papier- und Au-
tomobilindustrie sowie im Bereich des
Das Geschäftsjahr 2014 war geprägt Umweltschutzes eingesetzt.
von einem schwachen Wintergeschäft
sowohl in Deutschland als auch in Eu- Konjunkturell waren bei den Unterneh-
ropa. Die milde Witterung zu Jahresbe- men der keramischen Rohstoffe und In-
ginn und am Jahresende führte zu einer dustrieminerale im Geschäftsjahr 2014
unterdurchschnittlichen Nachfrage von leichte Rückgänge in der Produktion zu
Auftausalz im Vergleich zum Vorjahr, verzeichnen.
der Frühbezug war rückläufig und nicht
zuletzt infolge am Markt vorhandener Die Ursachen hierfür sind vielfältig, wobei
Überkapazitäten stiegen Wettbewerbs- sich eine konjunkturelle Schwäche euro-
und Preisdruck. päischer Nachbarländer auch auf die hei-
mische Wirtschaftslage auswirkte.
Das Segment für Industriesalze war in
Europa von einer leichten Konjunktur- Bei den Tonversandzahlen ins Ausland
belebung der chemischen Industrie posi- (Benelux und Frankreich, Italien, Rest Eu-
tiv beeinflusst. In den Bereichen Speise- ropa/Welt) waren im Geschäftsjahr 2014
salz und Gewerbesalz bewegten sich die leichte Schwankungen erkennbar. Wäh-
Absatzmengen auf Vorjahresniveau. rend hinsichtlich Italien ein leichter An-
stieg festzustellen war, kam es insgesamt
Die Salzgewinnung in Deutschland zu einem moderaten Rückgang gegen-
ist wegen der zahlreich vorhandenen über dem Geschäftsjahr 2013.Zur Lage der rohstoffgewinnenden Industrie in Deutschland // 25
60 Gewinnung von
Quarz/Quarzsand,
50 Spezialtonen,
Feldspat, Kaolin
40 und Quarzit
in Mio. t
30
20 Quarz, Quarzsande
Spezialtone
Feldspat
10 Kaolin
Quarzit
0
2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 Quelle: BMWi, 2014
Fachliche Schwerpunkte der Tätigkeit des Als sein Nachfolger wurde einstimmig
BKRI lagen im vergangenen Geschäftsjahr Dr. Hendrik Huppert, geschäftsführen-
insbesondere in den Bereichen Rohstoff- der Gesellschafter der Saarfeldspatwerke
sicherung und Genehmigungsverfahren, H. Huppert GmbH & Co. KG, zum neuen
Umwelt, Energie sowie Steuern und Ab- Vorsitzenden gewählt.
gaben. Hierbei sind vor allem die Themen
Bundesberggesetz, REACH/CLP-Verord-
nung/Einstufung und Kennzeichnung von
Rohstoffen, die Landes- und Regional- Flussspat- und Schwerspatbergbau
planung sowie Quarzfeinstaub hervor-
zuheben. Die Erzgebirgische Fluss- und Schwer-
spatwerke GmbH (EFS) – ein Tochterun-
Wie in den Vorjahren engagierte sich der ternehmen der Nickelhütte Aue GmbH –
Bundesverband Keramische Rohstoffe hat 2014 mit der Gewinnung von Fluss-
und Industrieminerale e.V. (BKRI) auch im und Schwerspat in ihrer Grube in Nieder-
Geschäftsjahr 2014 aktiv im Bereich der schlag bei Oberwiesenthal begonnen.
Öffentlichkeitsarbeit, um die Relevanz Der gewonnene Fluss- und Schwerspat
heimischer Rohstoffe in Wirtschaft und wird in der nassmechanischen Aufbe-
Gesellschaft aufzuzeigen. reitung der EFS am Standort Aue auf-
bereitet. Das neue Bergwerk samt
Beim BKRI stand 2014 die Neuwahl des Aufbereitung wird in den nächsten Jah-
BKRI-Vorsitzenden an. Walter Steiner, der ren bis zu 45 Mitarbeitern Beschäftigung
als Vorstandsvorsitzender 12 Jahre er- geben. Flussspat (CaF2) wird haupt-
folgreich die Interessen des BKRI vertre- sächlich zur Herstellung von Flusssäure
ten hatte, kandidierte aus Altersgründen (HF), als Halbfabrikat in der Fluorchemie
nicht mehr für das Amt des Vorsitzenden. sowie als Metallurgiespat verwendet.Sie können auch lesen