Abklärung erhöhter Leberwerte - + Fallbeispiele zur Diagnose von Lebererkrankungen in der Praxis - Labors.at
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Abklärung erhöhter Leberwerte
+ Fallbeispiele zur Diagnose von
Lebererkrankungen in der Praxis
Ludwig Kramer, KH Hietzing 1.Med.
Gasthaus Sodoma "Zur Sonne"
Tulln, 22.2.2018Wie interpretiere ich Leberwerte?
• GOT (AST)
• GPT (ALT)
• GGT
• AP
• Bilirubin
• NH3
• Albumin/Cholinesterase/INR
• (Kreatinin)
• IgG, IgA
• MELD-Score (Albumin, Kreatinin, Bilirubin) Charles G. Child, MD
• CHILD-Pugh Score (Albumin, Bilirubin, INR, Aszites, Enzephalopathie)
• Fibrose- Scores (APRI, Fib-4)
Seite 2APRI: GOT, Thrombozyten
• AST to Platelet Ratio Index (APRI)
– Validiert für Virushepatitis
• Fibrosis-4 Score (FIB-4, www.nafldscore.com)
• NAFLD Fibrosis Score (NFS
https://gps.camdenccg.nhs.uk/fib-4-calculator
APRI
> 2.0 Leberzirrhose
1.5 - 2.0 signifikante Fibrose
1.0 - 1.5 keine zuverlässige Aussage
Wai CT, Greenson JK, Fontana RJ et al. Hepatology
0.5 - 1.0 Leberzirrhose unwahrscheinlich
2003; 38: 518-26
< 0.5 Fibrose unwahrscheinlich
Seite 3Fall 1 – Email „Leberwerte“ 17.2.2011 Danke, dass ich dir meine seit Weihnachten unerklärlich steigenden Werte mailen darf. Segmentkernige (rel.): 48 ( 50 – 70 ) Eosinophile (rel.): 5,7 ( < 5.0 ) Glukose (nüchtern): 105 ( 60 – 100 ) GOT (ASAT): 696 ( < 35 ) GPT (ALAT): 1052 ( < 35 ) GGT (Gamma-GT): 187 ( < 40 ) Alkalische Phosphatase: 136 ( < 104 ) LDH: 405 ( < 223 ) Antikörper Epstein-Barr Virus IgG-AK: Positiv Epst.Barr Virus EBNA IgG-AK: positiv Ich muss seit heute Vormittag im Krankenstand sein, für ca. 2 Wochen, so meine Hausärztin. Es ist organisatorisch sehr schwer: ich bin Klassenvorstand, volle Lehrverpflichtung, sowie beginnt meine Vorlesung an der Hochschule morgen.
Was würden Sie tun?
• Labor wiederholen?
– Ergänzung- wodurch?
– Spezielle Blutabnahmen?
• Genauere Anamnese?
• Ultraschall?
• Aufnahme im Krankenhaus?
• Leberbiopsie?Meine Antwort • „Bitte keine Panik. Du hast eine schwere Hepatitis. Bitte fax mir alle Befunde oder mach ein Foto davon und schick es mir. • Dringend ausgeschlossen werden sollten Hepatitis A und Hepatitis B und Autoimmunhepatitis (ANA, SMA, AMA+M2). • Vielleicht kann man auch einen Ultraschnelltest auf ANA machen, um zu entscheiden ob wir Cortison brauchen. (Autoimmunhepatitis). • Wir brauchen auch einen Ultraschall der Leber.
Krankenstand (AHS Prof.)?
• Ob Du damit arbeiten kannst kommt auf Deinen
Gesamtzustand an.
• Früher war Bettruhe obligat, heute nicht. Keine Studien.
– Das klingt super!! Mir geht das Unterrichten so ab!!! Subjektiv fühle
ich mich nur etwas müde, ansonsten unterrichte ich weiterhin wie
immer, aber seit einigen Tagen fühle ich mich so, als ob ich Fieber
bekäme, aber ich bekomm nie eins, soweit ich denken kann.
– Übrigens im Herbst habe ich braune Flecken auf beiden Beinen
bekommen, kein Arzt hat herausgefunden warum.
– In der Schule habe ich jetzt einmal 14 Tage Krankenstand gesagt –
darunter würde kein/e Kolleg/in fürs Supplieren einen Cent kriegen ,
erst ab dem 15. Tag beginnt man, fürs Supplieren Geld zu kriegen.
• Auf jeden Fall solltest Du keinen Sport machen, damit die Milz
die oft vergrössert ist nicht geschädigt werden kann„Spezielle“ Blutabnahmen • ANA 1:2560 • SMA pos. • LKM neg. • AMA, M2 neg. • IgG4 neg. • Entscheidung zur Biopsie
Spektrum der autoimmunen Lebererkrankungen • Hepatozyten – Autoimmunhepatitis – AIH • Cholangiozyten – Primär biliäre Zirrhose, PBC AMA, M2 – Primär sklerosierende Cholangitis, PSC pANCA bei 70% – AIH/ sklerosierende Cholangitis overlap Sndrom, ASC – IgG4 assoziierte Erkrankung
Patient 2: Ein ganz einfacher Fall?
Patient 2 - Anamnese I
• Bei einem 77-jährigen Diabetiker wird ein Routinelabor durchgeführt. Dabei
zeigt sich folgender Befund:
GOT 65 U/L (0-50)
GPT 127 U/L (0-50)
Alk. Phosphatase 267 U/L (40-129)
Gamma-GT 921 U/L (0-60)
Bilirubin 2,1 mg/dL (0-1)
Gerinnung, Albumin, Cholinesterase, Thrombozyten: normal
Glucose 245 mg/dL, Hämoglobin A1c 8,3% (4,2-6,3)
Cholesterin 273 mg/dL (100-200), Triglyceride 177 mg/dL (50-150)
Ferritin 612 μg/dL (30-400), Transferrinsättigung 38% (16-45)
• Die Leberwerte waren bis vor 5 Jahren normal und stiegen seither kontinuierlichPatient 2 - Anamnese II und Status • DM II seit 15 Jahren – Therapie mit Diät, Metformin und Gliclazid • Kontrollen beim HA unregelmäßig • Bekannte Carotisstenosen beidseits (etwa 40%) • Alkohol: täglich etwa ¼ L Wein und 3 Flaschen Bier • Raucher • Ansonsten keine Vorerkrankungen erhebbar • Körpergröße: 172 cm, Gewicht: 95 kg, BMI 32 • RR 130/70, HF 90/min • Körpertemperatur: 36,3 C • Leber 2 Querfinger unter dem Rippenbogen tastbar • Klinisch kein Hinweis auf Aszites • Keine Leber-Haut-Zeichen (Spidernävi, Palmarerythem, femininer Behaarungstyp)
Wichtige Lebererkrankungen - Erwachsene
Erkrankungen des Leberparenchyms Extrahepatische Cholestase
• Alkohol • Pankreastumor (meist Karzinom)
• NAFLD (non alcoholic fatty liver disease)
• NASH (non alcoholic steatohepatitis) • Chronische Pankreatitis
• Medikamente, Toxine • Papillentumor
• Virushepatitis • Choledochuskarzinom
• Autoimmune Lebererkrankungen
- Autoimmunhepatitis • Kompression durch Lymphknoten
- PBC (primär biliäre Cholangitis)
- PSC (primär sklerosierende Cholangitis) • PSC (primär sklerosierende Cholangitis)
- Overlap Syndrom
- IgG4-assoziierte Cholangitis • IgG4-assoziierte Cholangitis
• Genetisch bedingte Lebererkrankungen • Wurminfektionen
- Hämochromatose
- Morbus Wilson • Cholangiolithiasis
- α1-Antitrypsin Mangel
• Hypoxie, Ischämie
• Störung des venösen Abflusses
- Rechtsherzinsuffizienz
- Budd-Chiari Syndrom
- Veno-occlusive disease
• Andere Entzündungen (z.B. Sarkoidose,
Lues, CMV)
• Metastasen
• KryptogenDiagnostische Abklärung bei Lebererkrankungen Ätiologie • Hepatozellulär (durch Entzündung, Nekrose) • Cholestatisch (intra- oder extrahepatisch; obstruktiv durch Gallensteine, Tumore, Metastasen) • Gemischte (z.B. toxische) Lebererkrankungen Schweregrad • „grading“: aktiv – inaktiv, leicht – mäßig – ausgeprägt Bestimmung des Krankheitsstadiums • „staging“: akut – chronisch, früh – spät, fibrotisch – zirrhotisch
Diagnostische Abklärung bei Lebererkrankungen • Anamnese • Klinische Untersuchung • Laborparameter • Bildgebende Verfahren • Histologische Untersuchungen (Leberbiopsie), • Bestimmung Fibrosegrad (Inflammation); Elastografie (Fibroscan®)
Anamnese bei pathologischen Leberwerten • Alkoholkonsum (ASH, Zirrhose) • Medikamente (DILI, Idiosynkratie) • Reise (virale Hepatitiden) • Sexualanamnese (virale Hepatitiden) • Bluttransfusionen und Drogenkonsum (virale Hepatitiden) • Hyperlipidämien (Steatose) • Adipositas (Steatose) • Diabetes mellitus (nichtalkoholische Steatohepatitis, Hämochromatose) • Arthralgien (Hämochromatose, AIH) • Autoimmunopathien (AIH, PBC, PSC, IgG4-assozierte Cholangitis) • Familienanamnese (hereditäre Hepatopathie) • Psychiatrische Erkrankungen, Bewegungsstörungen (Morbus Wilson) • Lungenerkrankungen (Alpha-1-Antitrypsienmangel) • Eisenmangel, Schilddrüsenerkrankungen (Zöliakie)
Prävalenz von Lebererkrankungen
1:5 – nicht alkoholische Fettleber (NAFLD)
1:75 – alkoholische Steatohepatis (toxisch nutritiv) ASH
1:170 – Hepatitis-C-Virus
1:250 – Hepatitis-B-Virus
1:400 – Hämochromatose
1:3.000 – α-1-AT-Mangel
1:10.000 – toxische Schädigung (Paracetamol etc.)
1:10.000 – AIH (Autoimmunhepatitis)
1:20.000 – PBC (primär biliäre Cholangitis)
1:30.000 – Morbus Wilson
1:50.000 – PSC (primär sklerosierende Cholangitis)
www.bayerischerinternistenkongress/Wiest.pdf.2015Pathologisch relevante Laborwerte
• Leberzellschaden: GPT, GOT, LDH
• Cholestaseparameter (AP, GGT, (konjugiertes) Bilirubin)
• Syntheseparameter (PTZ, INR, AT III, Faktor V, CHE, Albumin,
Cholesterin)
– Bei akutem Leberversagen mitbetroffen:
• Harnstoff
• Harnsäure
• Glukose
• ...
• Surrogatparameter (Thrombozyten, Ammoniak)Pathologisch relevante Laborwerte bei
Lebererkrankungen (LE)
• GOT: Cytoplasma und Mitochondrien (nicht nur Leber, sondern auch Herz,
Muskeln, Nieren, Gehirn und Erythrozyten)
• GPT: 70% Cytoplasma; höchste Aktivität in der Leber, (Muskel, Nieren)
• In Kombination weisen GOT und GPT hohe Sensitivität u. Spezifizität für
Lebererkrankungenauf
Höhe von GOT, GPT:
• Sehr hohe Werte: bei perakuten Schädigungen (ischämisch, hypoxisch, toxisch)
• Deutlich erhöhte Werte: bei akuter Hepatitis (viral A-E, medikamentös, AIH-
Schub, akut-auf-chronisch)
• Leicht erhöhte Werte: bei chronischen Virushepatitiden (B, C, D), (N)AFL, (N)ASH,
Hämochromatose, Morbus Wilson, AIH und ZöliakiePathologisch relevante Laborwerte bei
Lebererkrankungen (LE)
• Cholestaseparameter: aus Membranen der kleinen und großen Gallengänge
• Ursprung der Cholestase:
– Hepatozyten (blande Cholestase, Hormone, Medikamente, Schwangerschaft, genetisch,
cholestatische Hepatitis: Medikamente, Alkohol, viral)
– kleine Gallengänge (duktuläre Veränderungen, Duktopenie, PBC)
– große Gallengänge (intra- oder extraluminale mechanische Obstruktionen, PSC)
GGT
• Steatose
• Medikamentöse Enzyminduktion
• Biliäre Erkrankungen (PBC) und Raumforderungen
• Sehr sensitiv
• Leitenzym (mikrosomales Enzym in Hepatozyten und Gallengangsepithelien,
Pankreas, Niere und Darm exprimiert - somit unspezifisch)
Alkalische Phosphatase
• Leber, Knochen, Darm, Nieren, Plazenta und Tumoren gebildetEnzymmuster bei Lebererkrankungen
Virushepatitis
Patient 2 – Befunde OB-Sonographie: • Hepatomegalie, Leberoberfläche glatt • Ausgeprägte Steatosis hepatis • Milz 11 cm • Keine Zeichen einer portalen Hypertension
Patient 2
Adipositas,
Alkoholkonsum Hyperlipidämie,
Diabetes mellitus
NAFLD
Alkoholische Fettleber Nicht-Alkoholische
FettleberASH versus NASH
Spektrum und Progression
Alk.Steatose NAFLD
10-35% 5-20%
8-20% ASH 1-3% NASH
20-40% 7-25%
Leberzirrhose Leberzirrhose
Diehl et al. Gastroenterology 1988;95:1056
Mateoni et al. Gastroenterology 1994;116:1413
Neuschwander et al. Hepatology 2003;37:1202
Adams et al. Gastroenterology 2005;129:113Fettleber - Wichtige Ursachen • Alkoholisch • Nicht-alkoholisch (NAFLD) • Viral (HCV GT3) • Hämochromatose • Mb. Wilson • Medikamente • Chemotherapeutika • A-/ Hypobetalipoproteinämie …
Patient 2 – Befunde und Diagnosen
OB-Sonographie:
• Hepatomegalie, Leberoberfläche glatt
• Ausgeprägte Steatosis hepatis
• Milz 11 cm
• Keine Zeichen einer portalen Hypertension
Diagnose:
NAFL BAFL AFL
NASH BASH ASH
40-60g/d
Therapie:
• Optimierung der Diabeteseinstellung,
• Gewichtsreduktion
• AlkoholkarenzPatient 2 – Befunde und Diagnosen
OB-Sonographie:
• Hepatomegalie, Leberoberfläche glatt
• Ausgeprägte Steatosis hepatis
• Milz 11 cm
• Keine Zeichen einer portalen Hypertension
Diagnose:
NAFL BAFL AFL
NASH BASH ASH
40-60g/d
Therapie:
• Optimierung der Diabeteseinstellung,
• Gewichtsreduktion
• Alkoholkarenz
• Kaffee trinken Weitere diagnostische
Maßnahmen sinnvoll?Patient 2: Befunde und Diagnosen
Ferritinerhöhung bei normaler Transferrinsättigung: Symptom der NAFLD
Weitere Laborparameter:
• HBsAg neg, HBsAk pos, HBcAk pos, HBcAk IgM neg
• Hepatitis C Ak positiv; HCV-RNA: 2,300.000 U/mL, Genotyp 1b
Diagnosen:
NAFL BAFL AFL
NASH BASH ASH
40-60g/d
Chronische Hepatitis C – Infektionsmodus unklarPatient 2 – Take Home Messages • Bei der Interpretation von Leberwerten systematisch vorgehen (Nekrose-, Cholestase-, Syntheseparameter). • Der erste Schritt bei der Abklärung von Lebererkrankungen ist eine genaue Anamnese. • Die NAFLD ist inzwischen die häufigste Lebererkrankung in Österreich. • Eine alkoholische und/oder nicht-alkoholische Fettleber kann andere Lebererkrankungen „verdecken“.
Patientin 3: Mysteriöse Cholestase
Patientin 3 - Anamnese I
• Bei einer 69-jährigen Patientin wird zur Abklärung von seit etwa 2
Monaten bestehender Oberbauchschmerzen ein Routinelabor
durchgeführt. Dabei zeigt sich folgender Befund:
GOT 65 U/L (0-50)
GPT 89 U/L (0-50)
Alk. Phosphatase 832 U/L (40-129)
Gamma-GT 589 U/L (0-60)
Bilirubin 2,0 mg/dL (0-1)
Gerinnung, Albumin, Cholinesterase, Thrombozyten normal
Bz und Blutfette im Normbereich
Ferritin 491 μg/dL (30-400), Transferrinsättigung 25% (16-45)
Lipase 120 U/L (0-60), CRP 6,2 mg/L (0-5)
• In einem Labor, das ein Jahr zuvor durchgeführt worden war, fanden sich
nur minimal erhöhte CholestaseparameterPatientin 3 - Anamnese II und Status
• Hypertonie: eingestellt auf Ramipril und Amlodipin
• St. p. Colonkarzinom vor 10 Jahren (Therapie durch Sigmaresektion)
• Kein Alkoholkonsum
• Keine Autoimmunerkrankungen bekannt
• Körpergröße: 165 cm, Gewicht: 67 kg (Gewichtsverlust von 5 kg während der
vergangenen 2 Monate)
• RR 135/80, HF 85/min
• Körpertemperatur: 36,5°C
• Geringer Druckschmerz im gesamten Oberbauch
• Klinisch kein Hinweis auf Aszites
• Keine Leber-Haut-Zeichen (Spidernävi, Palmarerythem,….)
• Rötung und Schwellung der Tränendrüse des rechten Auges (laut Patientin seit
2 Wochen)Patientin 3 – Befunde I OB-Sonographie: • „Geringgradiger diffuser Leberparenchymschaden“, Leberoberfläche glatt • Ductus choledochus mit 8 mm gering dilatiert, Wand imponiert verdickt • Milz 9 cm • Keine Zeichen einer portalen Hypertension • Pankreas wegen Darmgasüberlagerung nicht beurteilbar
Patientin 3 – Befunde II OB-Sonographie: • „Geringgradiger diffuser Leberparenchymschaden“, Leberoberfläche glatt • Ductus choledochus mit 8 mm gering dilatiert, Wand imponiert verdickt • Milz 9 cm • Keine Zeichen einer portalen Hypertension • Pankreas wegen Darmgasüberlagerung nicht beurteilbar OB-CT: • Leber weitgehend unauffällig • Ductus choledochus unregelmäßig bis 8 mm gering dilatiert, Wand imponiert verdickt • Pankreas in gesamter Ausdehnung „wurstförmig“ aufgetrieben MRCP (Magnetresonanz-Cholangiopancreaticographie): • Ductus choledochus in seiner gesamten Ausdehnung unregelmäßig dilatiert, multiple Stenosen • Pankreas in gesamter Ausdehnung „wurstförmig“ aufgetrieben
Enzymmuster bei Lebererkrankungen
Wichtige Lebererkrankungen beim Erwachsenen
Erkrankungen des Leberparenchyms Extrahepatische Cholestase
• Alkohol • Pankreastumor (meist Karzinom)
• NAFLD (non alcoholic fatty liver disease)
• Medikamente, Toxine • Chronische Pankreatitis
• Virushepatitis • Papillentumor
• Autoimmune Lebererkrankungen
- Autoimmunhepatitis
• Choledochuskarzinom
- PBC (primär biliäre Cholangitis)
- PSC (primär sklerosierende Cholangitis)
• Kompression durch Lymphknoten
- Overlap Syndrom
- IgG4-assoziierte Cholangitis
• PSC (primär sklerosierende Cholangitis)
• Genetisch bedingte Lebererkrankungen • IgG4-assoziierte Cholangitis
- Hämochromatose
- Morbus Wilson
• Wurminfektionen
- α1-Antitrypsin Mangel
• Hypoxie, Ischämie
• Störung des venösen Abflusses
- Rechtsherzinsuffizienz
- Budd-Chiari Syndrom
- Veno-occlusive disease
• Andere Entzündungen (z.B. Sarkoidose,
Lues, CMV)
• Metastasen
• KryptogenImmunologische Lebererkrankungen • AIH primär hepatisches Erscheinungsbild (GPT>GOT) • PBC • PSC • Überlappungen möglich (Overlap Syndrom) • IgG4-assoziierte Cholangitis
Immunologische Lebererkrankungen
AIH
• immun-mediierte, chronisch-entzündliche LE unklarer Ätiologie
• Anamnese, klinischem Status, extrahepatischen Manifestationen,
• Geschlecht (w > m)
• IgG/γ-Globuline, Autoantikörper (ANA, SMA, LKM, SLA; 80% pos.)
• Histologie (Interfacehepatitis, Rosettenbildung, ..)
• Score: Autoantikörper, IGG, Histologie, neg. Hepatitisserologie
(≥ 6: wahrscheinliche AIH, ≥7: definitive AIH)Immunologische Lebererkrankungen
PBC (Cholangitis)
• Immunmediiert
– Umweltfaktoren ?
• Destruierende Cholangitis der kleinen, intrahepatischen Gallengänge
• Anamnese
• Klinik (Pruritus, Müdigkeit, extrahepatische Symptome: Sicca-
Symptomatik, Arthritis, Thyreopathie, Sklerodermie, Raynaud, CREST)
• Geschlecht (f/m 9:1)
• Antinukleäre Antikörper (AMA: 95% pos.)
• Histologie: portale Infiltrate, Duktopenie/VBD, floride duktale Läsionen,
Proliferationen
• 2 von 3 Kriterien: AP und yGT, AMA, HistologieImmunologische Lebererkrankungen PSC • Chronische Entzündung der Gallenwege • Betrifft im Gegensatz zur PBC die großen Gallengänge • Sonderform small duct PSC (bessere Prognose – kein CCC) • In Schüben verlaufend • Histologie: typisch obliterative Fibrose (zwiebelschalenartig) • ERCP, MRCP • PSC ist häufig assoziiert mit Colitis ulcerosa (75%) und Autoimmunphänomenen • pANCA: 70% pos. • Vermehrt cholangiozelluläre Karzinome • Ursodeoxycholsäure • Lebertransplantation • Nord-Süd Gefälle
IgG4-assoziierte Cholangitis
• Zunehmend in westlicher Welt beobachtet
• Entzündung, der großen und/oder kleinen Gallengänge
• Symptome: Ikterus (77%), Gewichtsverlust (51%), abdominelle Schmerzen
(26%), Steatorrhoe (15%), Diabetes (8%)
• Symptome teilweise durch begleitende AIP bedingt
• Rasch progredienter Verlauf in Richtung Zirrhose aber auch spontane
Remissionen möglich
• Diagnose: HISORt-Kriterien
Histology Periduktales lymphoplasmazelluläres Infiltrat mit
obliterierender Phlebitis; >10 IgG4+ Plasmazellen/HPF
Imaging Diffuse Vergrößerung des Pankreas, Gangstenosen, fokale
Herde
Serology Erhöhtes IgG4
Other organs Gallengänge, Pankreas, Lymphknoten, Speicheldrüsen etc.
Response to Deutliche Verbesserung unter Steroiden
Steroid treatmentIgG4-assoziierte systemische Erkrankung • Autoimmunpankreatitis • IgG4-assoziierte Cholangitis • Cholecystitis • Gastritis, Ulcus ventriculi • Papillitis • IgG4-Hepatopathie • Tubulointerstitielle Nephritis • Retroperitoneale Fibrose • Sicca-Syndrom • Lymphadenopathie • anderes
IgG4-assoziierte Cholangitis - DD
• Cholangiozelluläres Karzinom (Klatskin-Tumor): 32/185
Patienten, bei denen wegen Verdacht auf maligne
Gallengangsstenose eine Resektion durchgeführt wurde,
hatten benigne Histo (bei etwa 50% davon handelte es
sich um AIC) Erdogan D et al. Br J Surg 2008; 95: 727-734
• PSC: 9% der „PSC-Patienten“ haben erhöhtes IgG4; diese
haben nur selten CU und raschere Progression Richtung
LTX
Mendes DF et al. Am J Gastroenterol 2006; 101: 2070-2075
• Bei 23% der Patienten mit LTX wegen PSC zeigten sich in
explantierter Leber IgG4 pos. periduktale entzündliche
Infiltrate (korrelierend mit kurzem, raschen
Krankheitsverlauf und hoher Rezidivrate nach LTX)
Zhang L et al. Am J Pathol 2010; 34: 88-94Patientin 3 – Befunde III und Diagnose
Autoimmunserologie:
• ANA, ASMA, LKM negativ
• AMA, ANCA negativ
IgG4 im Serum:
• 5,74 g/L (0,003-2,00)
Diagnose:
• IgG4-assoziierte Erkrankung mit
- Autoimmunpankreatitis
- IgG4-assoziierter Cholangitis (Autoimmuncholangitis)
- DakryoadenitisPatientin 3 – Take Home Messages • Bei der Interpretation von Leberwerten sollte man systematisch vorgehen (Nekrose-, Cholestase-, Syntheseparameter). • Der 1. Schritt bei der Abklärung von Lebererkrankungen ist eine genaue Anamnese. • Die NAFLD ist inzwischen die häufigste Lebererkrankung in Österreich • Eine alkoholische oder nicht-alkoholische Fettleber kann andere Lebererkrankungen „verdecken“. • Bei Cholestase muss zunächst zwischen intra- und extrahepatischer Cholestase differenziert werden. • Die IgG4-assoziierte Erkrankung ist häufiger als man denkt. Häufigstes Symptom ist eine Autoimmunpankreatitis. Die IgG4-assoziierte Cholangitis kann eine PSC imitieren.
Patientin 4: Eine „leberkranke“ Familie
Patientin 4 - Anamnese I
• Eine 67-jährige Patientin sucht wegen zunehmender Müdigkeit und
Schmerzen im Bereich der Hände und Finger ihren Arzt auf. Im
Routinelabor zeigt sich folgender Befund:
GOT 72 U/L (0-50)
GPT 99 U/L (0-50)
Alk. Phosphatase 120 U/L (40-129)
Gamma-GT 123 U/L (0-60)
Bilirubin 0,5 mg/dL (0-1)
Gerinnung, Albumin, Cholinesterase, Thrombozyten normal
Bz und Blutfette im Normbereich
CRP im Normbereich
Erythrocyten und Hämoglobin normal
Ferritin 2.149 μg/dL (30-400), Transferrinsättigung 72% (16-45)
• Ein Vergleich mit älteren Befunden zeigt, dass auch vor 5 Jahren die
Transaminasen bereits gering erhöht warenPatientin 4 - Anamnese II und Status • Keine relevanten Vorerkrankungen • Alkohol: täglich etwa 1/8 L Wein • Keine Medikamente außer gelegentlich Diclofenac wegen der Gelenksschmerzen • Patientin berichtet, zwei ältere Brüder zu haben: Der eine sei mit 70 Jahren an einer Leberzirrhose verstorben, der andere sei ebenfalls „leberkrank“ • Körpergröße: 163 cm, Gewicht: 61 kg • RR 120/70, HF 80/min • Körpertemperatur: 36,5°C • Leber 1 Querfinger unter dem Rippenbogen tastbar • Klinisch kein Hinweis auf Aszites • Keine Leber-Haut-Zeichen (Spidernävi, Palmarerythem,….)
Patientin 4 – Befunde I OB-Sonographie: • „Geringgradiger diffuser Leberparenchymschaden“, Leberoberfläche glatt • Intra- und extrahepatische Gallengänge normal • Milz 10 cm • Keine Zeichen einer portalen Hypertension, kein Aszites • Pankreas unauffällig Hepatitisserologie: • Serologie auf HAV, HBV und HCV negativ Autoimmunserologie: • ANA, ASMA, LKM negativ • AMA, ANCA negativ Kontrolle von Ferritin und Transferrinsättigung (im Nüchternzustand): • Ferritin 2.1215 μg/dL (30-400), Transferrinsättigung 69% (16-45)
Morbus Wilson • Hereditär, Inzidenz 1:30.000 • Kann sich mit Steatose präsentieren • Cu-Akkumulation > Inflammation > Fibroseprogression > evtl. Zirrhose • Durch extrahepatische Cu-Akkumulation in Auge Kayser-Fleischer-Ring, in ZNS neurologische und psychiatrische Symptome • Labor: Coeruloplasmin erniedrigt, Genanalyse (komplex – Vielzahl von Mutationen beschrieben) • Leberbiopsie wichtig (Quantifizierung Cu in Leber), aber: Auch Cholestase geht mit Cu-Retention einher
M. Wilson - Präsentation
Merle U, Schaefer M, Ferenci P, Stremmel W, Gut 2007Alpha-1-Antitrypsinmangel • Autosomal rezessiv (SERPINA1 Gen Chromosom 14q32.1) • Alpha-1-Antitrypsin: Akutphaseprotein, Proteaseinhibitor • Ungehinderte Proteolyse, Lunge > Zirrhose, Lungenemphysem • Therapie: Nikotinkarenz, Substitutionstherapie, Transplantation
Familiäre Hyperbilirubinämiesyndrom:
M. Meulengracht, M. Gilbert
• Konjugationsstörung durch verminderte UDP-
Glucuronyltransferase, autosomal dominant
• Erhöhtes indirektes, unkonjugiertes Bilirubin
• Manifestation um 20. Lebensjahr, leichter Ikterus, harmlos
– Manche Patienten entwickeln bei Fasten, Sport, Infektionen oder anderen
systemischen Erkrankungen schmerzhafte abdominelle Symptome
– Korrelation mit Höhe von Bilirubin
• Versuch Enzyminduktion (z.B. Barbiturat)Hämochromatose • Mutationsanalyse einfach (HFE-1, C282Y, H63D) • Transferrinsättigung ausschlaggebend für Diagnose, Ferritin für Monitoring wichtig (
Häufige Symptome bei
primärer Hämochromatose
• Erhöhte Leberwerte 75%
• Müdigkeit 74%
• Hyperpigmentierung der Haut 70%
(„Bronzediabetes“)
• Diabetes mellitus 48%
• Arthralgie 44%
• Impotenz, Libidoverlust 45%
• EKG-Abnormitäten 31%Hyperferritinämie – differentialdiagnostische Abklärung
Brissot P et al. J Hepatol 2016; 64: 505-515Patientin 4 – Befunde II und Diagnose MR-Abdomen: • Deutlich vermehrte Eisenspeicherung in der Leber • Keine vermehrte Eisenspeicherung in der Milz Genetische Untersuchung des HFE-Gens: • Homozygot für C282Y-Mutation Diagnose: • HFE-assoziierte Hämochromatose
Genetische Hämochromatose
Take Home Messages • Bei der Interpretation von Leberwerten systematisch vorgehen (Nekrose-, Cholestase-, Syntheseparameter). • Der 1. Schritt bei der Abklärung von Lebererkrankungen ist eine genaue Anamnese. • Die NAFLD ist inzwischen die häufigste Lebererkrankung in Österreich. • Eine alkoholische oder nicht-alkoholische Fettleber kann andere Lebererkrankungen „überdecken“. • Bei Cholestase muss zunächst zwischen intra- und extrahepatischer Cholestase differenziert werden. • Ausschluss Lebermetastasen • Die IgG4-assoziierte Erkrankung ist häufiger als man denkt und kann eine PSC imitieren. Häufigste Begleiterkrankung ist eine Autoimmunpankreatitis. • Die primäre Hämochromatose ist bei uns die häufigste genetische Lebererkrankung (Genotyp 1:200 bei Kaukasiern). • Schlechte Genotyp-Phänotyp Korrelation
Richtlinien zur Abklärung erhöhter Leberwerte im niedergelassenen Bereich (Newsome PN, et al. Gut 2018;67:6–19. doi:10.1136/gutjnl-2017-314924)
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