Alkohol-& DrogengebrAuch bei jugenDlichen - Ratgeber für Eltern Information für Fachkräfte - NEON Rosenheim

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Alkohol-& DrogengebrAuch bei jugenDlichen - Ratgeber für Eltern Information für Fachkräfte - NEON Rosenheim
Alkohol-&
Drogengebrauch
bei jugendlichen
Ratgeber für Eltern
Information für Fachkräfte

                             iStock.com/rez-art
Alkohol-& DrogengebrAuch bei jugenDlichen - Ratgeber für Eltern Information für Fachkräfte - NEON Rosenheim
neon – Prävention & Suchthilfe –
wer wir sind

neon – Prävention und Suchthilfe betreibt seit 2010
eine gemeinnützige Suchtberatungs- und Präven­
tions­fachstelle in Rosenheim. Wir beraten Betroffene
                                                                Alles noch im Rahmen
und deren Angehörige sowie Fachkräfte in Bezug auf
den Konsum legaler oder illegaler Rauschmittel.                 oder schon bedenklich?

Die eigenen Kinder nehmen Drogen. Für vie-
le    Eltern   eine   Horrorvorstellung.    Erinnern     wir​   Viele Eltern stellen sich die Frage, inwieweit der
uns dagegen an unsere eigenen Erfahrungen mit                   Umgang mit Nikotin, Alkohol oder sogar anderen
Alkohol – die bei vielen sicher nicht ganz ungefähr-            Drogen ihrer Kinder noch „normal“ ist. Auch sind
lich waren – wird deutlich, dass sehr viele Menschen            viele verunsichert, wie lange sie solche Eskapaden
in ihrer Jugendzeit zumindest mit legalen Rausch-               tolerieren können und sollen, bis sie sich nach einer
mitteln experimentieren. Dies soll die Gefährlichkeit           gewissen Zeit wieder „auswachsen“.
keinesfalls kleinreden. Auf die Fragen, ab wann es              Wie schon erwähnt, kann zunächst davon ausge-
beginnt kritisch zu werden und wie sich Eltern ange-            gangen werden, dass gefährliches und riskantes
sichts synthetischer Drogen aus dem Internet und                Verhalten häufig die Kehrseite einer gesunden Ent-
vor dem Hintergrund einer Legalisierungsdebatte                 wicklung ist. Es dient dem Austesten der eigenen
von Cannabis positionieren sollen, geben wir in die-            Fähigkeiten, der Suche nach neuen Eindrücken sowie
sem Ratgeber Antworten.                                         der Befriedigung von Bedürfnissen nach Intensität.
                                                                Die Grenze zu einem bedenklichen Ausmaß ist dann
Dass sich junge Menschen während der Pubertät                   erreicht, wenn
riskant und nicht immer ganz rational verhalten,
gehört zum Aufwachsen dazu. Ja, es ist sogar eine               ►	sehr junge Jugendliche oder sogar Kinder Alkohol
Voraussetzung, um sich zu psychisch gesunden                      oder Drogen nehmen.
Menschen        zu    entwickeln.   Neue     Erkenntnisse       ►	regelmäßig oder häufig exzessiv konsumiert wird.
aus    der     Neurobiologie   können      die     durchaus     ►	besonders stark wirkende oder schädliche Sub-
heftigen       emotionalen     Ausbrüche         mittlerweile     stanzen wie z. B. Ecstasy, LSD, Kokain oder Opiate
als „Nebenwirkungen“ der Umbauprozesse des                        konsumiert werden.
reifenden Gehirns erklären.                                     ►	sich ein Großteil der Identität am Alkohol- und
Aber auch aus Sicht der Entwicklungspsychologie                   Drogenkonsum festmacht (z. B. Rasta- & Reg-
können riskante Verhaltensweisen junger Men-                      gae-Kult, Technoszene).
schen als Versuch der Selbstfindung, des Erfahrens
und Erweiterns eigener Grenzen und der Schaffung                Wichtig: Nicht jeder exzessive Konsum von Alkohol
einer eigenen Identität verstanden werden.                      oder Drogen stellt den ersten Schritt in Richtung
                                                                Sucht dar. Eltern sollten den Konsum aber niemals
                                                                ignorieren und stets das Gespräch suchen. Bei mas-
Bei ca. 35% aller Todesfälle unter                             siven Gefährdungen oder Problemen im sozialen
jungen Männern im Alter von                                    Umfeld oder in der Schule bzw. Ausbildung sollten
15 bis 29 Jahren ist Alkohol die                                Sie rasch und entschlossen handeln, indem Sie bei-
Ursache.                                                        spielsweise mit einer Suchtberatungsstelle Kontakt
                                                                aufnehmen.

20% der 18 bis 24-Jährigen hat im
letzten Jahr Cannabis geraucht.

21% der bayerischen Berufsschü-​
ler haben andere illegale Drogen
als Cannabis genommen.
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Tabak und Alkohol –
die Einstiegsdrogen schlechthin

Der Einstieg in den Gebrauch von Rauschmitteln           Starker Alkohol zum „Vorglühen“, selbst gemixte
geschieht im Überwiegenden mit den Substanzen            Schnaps-Saft-Gemische und der Konsum auch in
Nikotin (14,2 Jahre) und Alkohol (13,8 Jahre).           der Öffentlichkeit führen häufig zu Problemen. Unfäl-
                                                         le, gewalttätige Auseinandersetzungen, sexuelle
Tabak und Nikotin                                        Eskapaden oder auch nur unangemessenes („pein-
Aktuell geht der Anteil der Jugendlichen, die rau-       liches“) Sozialverhalten sind zunächst wesentlich
chen, leicht zurück, dennoch raucht von den 18 bis       gravierendere Gefahren, als die Entwicklung einer
25-Jährigen immer noch knapp ein Drittel.                Alkoholsucht.
Eine große Herausforderung für die Suchtprävention
stellen zunehmend auch neue Konsumformen wie             Gestörte Rauschkultur
die E-Zigarette und Produkte wie z. B. IQOS (eine Wei-   Klarzustellen ist: Bei aller Akzeptanz für Alkohol und
terentwicklung der normalen Zigarette, die echten        trotz der kulturellen Verankerung des Trinkens in
Tabak verdampft) dar. Sie erwecken den Anschein,         unserer Gesellschaft leben wir doch in einer „gestör-
eine gesundheitsverträgliche Alternative zu sein und     ten Rauschkultur“. Ein Alkoholrausch wird eher als
machen dennoch stark nikotinabhängig.                    Entschuldigung für unangemessenes Verhalten
Besonders der frühe Einstieg in den regelmäßigen         verstanden, als ein Zeichen für fehlende Trinkkom-
Tabakkonsum führt sehr wahrscheinlich dazu, dass         petenz.
nie wieder damit aufgehört werden kann und stellt        Alkoholkonsum zum Essen oder nach dem Sport ist
eine massive Gefährdung für die Gesundheit dar.          für viele eine nicht hinterfragte Gewohnheit. Dabei
                                                         könnte man durchaus die Idee in den Blick nehmen,
Alkohol                                                  dass auch die Alltagsdroge Alkohol nur im Zuge eines
Der regelmäßige Konsum von Alkohol geht in der           „Rauschrituals“ zu besonderen Anlässen konsumiert
Gesamtbevölkerung zwar seit Jahren leicht zurück –       werden sollte. Zugegeben, diese Sichtweise ist sehr
dennoch trinken ca. 10 – 20 Prozent der Jugendlichen     hoch gegriffen, dennoch könnten hier Ansätze für
zu regelmäßig und in zu hohen Dosen. Entgegen den        eine Normalisierung unseres Verhältnisses zum Trin-
häufig in den Medien verbreiteten Meldungen zum          ken jenseits von Verharmlosung oder Verteufelung
„Komasaufen“ hat der Alkoholkonsum unter jun-            liegen.
gen Menschen jedoch keine extremen Auswüchse
angenommen. Die Trinkmuster haben sich dennoch
teilweise zum Riskanteren verändert.

 Auszug aus dem Jugendschutzgesetz                                       Kinder      Jugendliche

     nicht erlaubt
     erlaubt                                                             unter       unter         unter
     Beschränkungen/zeitliche Beschränkungen werden durch die           14 Jahre    16 Jahre      18 Jahre
     Begleitung einer erziehungsbeauftragten Person aufgehoben

 Abgabe/Verzehr von Bier, Wein, weinähnlichen Getränken oder
 Schaumwein oder Mischungen von Bier, Wein, weinähnlichen
 Getränken oder Schaumwein mit nichtalkoholischen Getränken

 Abgabe/Verzehr anderer alkoholischer Getränke oder Lebensmittel,
 die andere alkoholische Getränke in nicht nur geringfügiger Menge
 enthalten

 Abgabe/Konsum von Tabakwaren, nikotinhaltiger Erzeugnisse,
 E-Zigaretten/E-Shishas (auch nikotinfrei)
Der Gebrauch von illegalen
Drogen durch Jugendliche

Insbesondere junge Männer experimentieren mit             Ähnlich wie beim Gebrauch von Alkohol liegt die
illegalen Drogen. In den meisten Fällen geschieht         größte Gefahr für die Konsumenten bei den sekun-
dies mit Cannabis. Knapp ein Viertel der unter            dären Risiken:
20-Jährigen hat Cannabis zumindest einmal aus-            Überdosierungen und Vergiftungen, Unfälle im Dro-
probiert. Knapp jeder zehnte junge Mensch probiert        genrausch, riskantes Sexualverhalten oder das Auf-
auch andere Substanzen aus, meistens Partydrogen          treten sozialer Probleme in der Schule oder im Beruf
wie Speed oder Ecstasy.                                   infolge des Konsums.

Auch wenn es unserem allgemeinen Bild von Dro-            Klar ist auch: Gerade Cannabis darf nicht verharm-
genkonsum zuwider läuft: Fakt ist, dass anteilig          lost werden. Alleine durch die intensivere Rausch-
gemessen an der Zahl aller Konsumenten nicht              wirkung ist Cannabis nicht mit Alkohol zu verglei-
mehr Nutzer von Cannabis abhängig werden als              chen – und schließlich kommt noch hinzu, dass der
von Alkohol, selbst bei den sogenannten harten Dro-       Umgang mit Cannabis eine Straftat darstellt!
gen wird nur ein kleiner Teil süchtig.

Stichwort Legalisierung
von Cannabis

Aktuell wird viel über die Legalisierung von Cannabis     Durch das Verschwinden des Schwarzmarktes rau-
als Genussmittel und die Verwendung zu medizini-          chen zwar insgesamt mehr Menschen gelegent-
schen Zwecken diskutiert.                                 lich Cannabis, Jugendliche gelangen dank der
Viele Fachverbände der Suchtmedizin und Suchthil-         Beschränkungen des Jugendschutzgesetzes aber
fe sowie aus dem Justizwesen fordern keine Legali-        deutlich schwerer an Cannabis als derzeit. Die ver-
sierung im Sinne einer unkontrollierten Abgabe. Viel-     fügbaren Studien sprechen nicht dafür, dass der
mehr wird empfohlen, dass ein regulierter Markt mit       problematische Konsum in der Gesamtbevölkerung
staatlich kontrollierter, nicht profitorientierter Her-   insgesamt steigt.
stellung und entsprechenden Verkaufsstrukturen
geschaffen wird. Jugendliche dürfen nicht kiffen, die     Fest steht: Cannabis ist kein harmloses Genussmittel
Altersgrenze sollte zwischen 18 und 21 Jahren liegen.     für den täglichen Gebrauch. Der Versuch, ein kom-
Werbung muss komplett verboten sein.                      plettes Verbot von Cannabis durchzusetzen, muss
Die Erfahrungen aus anderen Ländern wie den USA,          aber als gescheitert angesehen werden.
Spanien, den Niederlanden und zuletzt Luxemburg
mit einer Liberalisierung zeigen eindeutig die Para-
doxie der derzeitigen Situation:

                                                                                                   iStock.com/tilo
Genuss, riskanter Konsum oder
doch schon Sucht?

Häufig wird den Nutzern von Alkohol oder Drogen        Der Konsum von Alkohol oder Drogen durch junge
unterstellt, Probleme verdrängen zu wollen. Der Kon-   Menschen kann in verschiedene Phasen eingeteilt
sum von Rauschmitteln geschieht meist aber aus         werden:
einem ganz simplen, nachvollziehbaren Grund: Die
Nutzer wollen angenehme Zustände erleben, sich         Probierkonsum:
entspannen oder neue Sinneseindrücke erleben.          Erstes Ausprobieren von Substanzen und Testen
Und das ist zunächst nichts Problematisches. Die-      deren Wirkung. Aufgrund der fehlenden Konsumer-
se Bewusstseinsveränderung nennen wir im Alltag        fahrung unter Umständen aber mit gefährlichen
„Rausch“. Ein Rausch hat viele Stadien, von einer      Überdosierungen verbunden.
leicht angenehmen Dämpfung über Euphorie und
Enthemmung bis hin zum Exzess mit Ausfallerschei-      Risikoarmer Konsum (Genuss):
nungen und Erbrechen. Jeder, der schon einmal          Konsum zu besonderen Gelegenheiten mit begrenz-
Alkohol getrunken hat, kann dies bestätigen.           ter Dosis. Die gesundheitlichen Risiken bewegen sich
                                                       in einem vertretbaren Ausmaß.
Anthropologen zählen die Technik zur „Bewusst-
seinsveränderung“ durch Rauschmittel demnach           Risikokonsum:
auch zu einer der fünf „Grundtechniken“ des Men-       Hoher Konsum (starker Rausch), häufiger Konsum,
schen neben anderen Kulturtechniken wie Sprache,       Konsum als Kompensation („Frustsaufen“), Konsum in
Musik, Spiel und Konfliktbewältigungsstrategien.       unangemessenen Situationen (z. B. vor der Schule).
So gesehen ist es eine zwingende Anforderung an
junge Menschen, neben vielen anderen Fähigkei-         Erhöhter Risikokonsum (Missbrauch):
ten auch, den Umgang mit Rauschmitteln zu erler-       Regelmäßiger Konsum zur seelischen Entlastung,
nen und einzuüben. Soweit so gut, nur beginnen nun     Fortsetzung des Konsums trotz negativer Konse-
bereits die Probleme.                                  quenzen, Konsum sehr schädlicher Substanzen.

Die menschliche Psyche und das Gehirn befinden         Hochrisikokonsum (Abhängigkeit):
sich in einem beständigen Umbau. Besonders in          ständiger und hoher Konsum.
jungen Jahren werden die Weichen für eine aus-
geglichene Persönlichkeit – und damit für seelische    Als Eltern, Angehörige oder pädagogische Fachkraft
Stabilität und psychische Gesundheit - gestellt.       brauchen wir also eine konkrete Vorstellung von
Übermäßiger Konsum von Alkohol oder Drogen             „Genuss“, um diesen aktiv zu begleiten und davon
bringt diese fragile Entwicklung massiv durchein-      abweichende Muster früh zu erkennen und gegen-
ander. Dazu kommt die biochemische Wirkung der         steuern zu können.
Substanzen, die ebenfalls eine Eigendynamik durch      Selbstverständlich muss dabei beachtet werden,
das Einwirken auf gehirnorganische Zusammen-           dass der Gebrauch bestimmter Substanzen (auf-
hänge entfalten.                                       grund deren Schädlichkeit, des Suchtpotentials oder
                                                       der starken psychoaktiven Wirkung) kein Genuss
Häufig wird im Umgang mit jungen Menschen, die         mehr sein kann. Auch muss klar sein, dass bestimm-
Rauschmittel konsumieren, völlig ausgeblendet,         te Aspekte den Gebrauch von Alkohol oder Drogen
dass der überwiegende Teil des Substanzkonsums         von vornherein ausschließen (z. B. junges Alter und
als „Genusskonsum“ und „Freizeitgebrauch“ einzu-       schlechte seelische Verfassung).
stufen ist. Davon abzugrenzen sind riskante oder gar
missbräuchliche Formen des Konsums, die letztend-      Diese differenzierte Sicht hat auch dazu geführt, dass
lich auch zu einer Abhängigkeit führen können.         man mittlerweile nicht mehr von vermeintlich „wei-
                                                       chen Drogen“ wie Alkohol oder Cannabis und „har-
Ein allseits bekannter Spruch bringt es auf den        ten Drogen“ wie Kokain oder anderen chemischen
Punkt: „Die Dosis – und das Alter der Konsumenten      Stoffen spricht. Es hat sich die Erkenntnis durchge-
– machen das Gift.“                                    setzt, dass weniger die konsumierte Substanz, son-
                                                       dern vielmehr das „Konsummuster“ die Gefährlich-
                                                       keit, die vom Gebrauch ausgeht, bestimmt.
Risikoeinschätzung jugendlichen
Substanzgebrauchs

                                                    Eher geringes Risiko
                           Faktor                                                        Eher hohes Risiko
                                                    (bedeutet nicht „gefahrlos“!)

                                                                                         • Chemische Substanzen
                                                    • Alkohol
                           Substanz                                                      • Opiate
                                                    • Cannabis
                                                                                         • Research-Chemicals

                                                                                         • Unkontrollierter Rausch
  Konsumbezogene Aspekte

                                                    • Niedrige Dosis
                                                                                         • Blackout
                           Dosis                    • Kontrollierter Rausch
                                                                                         • Dosissteigerung und
                                                    • Keine Konsum-/Dosissteigerung
                                                                                          Toleranzentwicklung

                                                                                         • Regelmäßig (auch im Alltag)
                                                    • Gelegentlich und unregelmäßig      • Täglich
                           Frequenz
                                                    • Zu besonderen Anlässen             • Immer beim Feiern, am
                                                                                          Wochenende, etc.

                                                    • Genussorientiertes Konsumritual
                                                                                         • Mischkonsum
                                                    • Safer Use Strategien
                           Konsummuster                                                  • Im Alltag (den ganzen Tag über)
                                                    • Innerhalb gesunder/günstiger
                                                                                         • In Risikogruppen und -situationen
                                                     sozialer Kontexte

                                                                                         • Früher Konsumbeginn
                                                    • Später Konsumbeginn (Alkohol       (vor dem 15. Lj.)
                           Alter                     nach dem 16. Lj., illegale Drogen   • Überwiegend mit älteren Freunden
                                                     nach dem 18. Lj.)                    (bzw. gemeinsam mit ebenfalls
                                                                                          sehr jungen Freunden)
                                                    • Gesicherte Ausbildungs-
                                                                                         • Prekäre Bildungs-/Erwerbssituation
                                                     und Berufsaussichten
                           Sozioökonomische                                              • Armutsgefährdete soziale Umwelt
                                                    • Unterstützendes soziales Umfeld
                           Situation                                                     • Wenig Möglichkeiten zur gesell-
                                                    • Teilhabemöglichkeiten am gesell-
                                                                                          schaftlichen Teilhabe
                                                     schaftlichen Leben
  Individuelle Aspekte

                                                                                         • Ungünstige Beziehungen zu pri-
                                                    • Gesundes und gefestigtes
                           Psychodynamische                                               mären Bezugspersonen
                                                     Persönlichkeitsbild
                           Situation                                                     • Psychische Erkrankungen (auch
                                                    • Stabiler Selbstwert
                                                                                          von Bezugspersonen)

                                                    • Fester Freundeskreis
                                                                                         •S
                                                                                           tändig wechselnder Freundes-
                                                    • Ausgewogene, belastbare
                                                                                          kreis
                           Soziale Situation         Beziehungen
                                                                                         •W
                                                                                           enig stabile Beziehungen
                                                    • Guter Kontakt zu Eltern/
                                                                                         •S
                                                                                           chlechte familiäre Bindung
                                                     Familienangehörigen

                                                    • Alterstypische Belastungen         • Besonders schwierige Lebensla-
                           Individuelle Belastun-
                                                     und Herausforderungen                gen (Krankheit, familiäre Krisen,
                           gen
                                                    • Adäquate Bewältigungsmuster         etc.)
Sucht & Abhängigkeit

„Sucht“ kommt sprachlich gesehen, anders als häu-         schließlich die umgebende soziale Umwelt. Dieses
fig angenommen nicht von „suchen“, sondern vom            sogenannte „Suchtdreieck“ gibt einen Hinweis dar-
Wort „siechen“. Damit wird bereits deutlich, dass es      auf, dass es neben den körperlichen Effekten auch
sich um eine ernstzunehmende psychische Erkran-           besonders auf die psychologisch-seelischen Prob-
kung handelt. Auch die im Alltag häufig bedien-           leme ankommt, die beim Betroffenen zur Abhängig-
te Formel wie beispielsweise „Ich bin süchtig nach        keit beitragen.
Schokolade oder Kaffee“ oder auch „Jeder Mensch
hat seine Sucht“ ist aus psychologischer Sicht völlig     Zusammengefasst kann es vielleicht so ausgedrückt
falsch gegriffen.                                         werden: Nach einer häufig unproblematischen Kon-
                                                          sumphase wird der Alkohol- oder Drogenkonsum
Eine Abhängigkeit ist das Ergebnis aus dem Zusam-         zum (ungeeigneten) Versuch, seelische Probleme zu
menspiel vieler ungünstiger Faktoren. Es gibt nicht       bewältigen. Mit der Zeit verliert der Konsument dann
die „Suchtpersönlichkeit“ und auch die konsumier-         - verstärkt durch die Wirkung der Droge auf die Psy-
te Substanz ist niemals alleine für die Abhängigkeit      che – immer noch mehr die Fähigkeit zur Selbstkon-
verantwortlich. Abhängig wird man nicht „von heute        trolle und zur alternativen Problembewältigung. Die
auf morgen“. Neueste Forschungsergebnisse bestä-          Betroffenen werden sprichwörtlich „abhängig“ von
tigen zudem, dass beispielsweise die überwiegende         ihrer Substanz, um sowohl körperlich als auch see-
Mehrheit der Alkoholabhängigen nach einer Phase           lisch nicht völlig zusammenzubrechen.
des süchtigen Konsums selbstständig wieder einen
Weg aus der Erkrankung findet. Dies soll die Schwe-       Aktuelle Studien gehen davon aus, dass maximal
re der Erkrankung keinesfalls relativieren, zeigt aber    jeder zehnte Konsument von Alkohol oder Canna-
doch, dass wir immer noch viel zu wenig über die          bis einen problematischen oder sogar süchtigen
komplexen     biologischen    und   psychologischen       Gebrauch entwickelt, bei Kokain oder Opiaten trifft
Zusammenhänge wissen. Auch unser vorschnelles             es mindestens jeden Dritten.
Bild vom „typischen Alkoholiker“ oder „Junkie“ ist klar
in Frage zu stellen.                                      Viel gefährlicher als süchtig zu werden, ist am
                                                          Gebrauch von Alkohol oder Drogen das Risiko kör-
Sucht wird als das Ergebnis drei zusammenspie-            perlicher Schäden, sozialer Nachteile oder negativer
lender Faktoren verstanden. Die konsumierte Subs-         Einflüsse auf die geistig-seelische Entwicklung.
tanz bzw. das Konsummuster, die konsumierende
Person mit ihren individuellen Voraussetzungen und

Mythen über Sucht:

►	Menschen, die Alkohol und Drogen konsumieren,
  wollen immer negative Gefühle überdecken.

►	Sucht ist eine Willensschwäche, Betroffene wollen
  in Wirklichkeit gar nichts verändern.

►	Jeder Gebrauch stärkerer Drogen als Alkohol
  oder Cannabis führt unweigerlich in eine Sucht.

►	Mit der Zeit wollen die Konsumenten unweigerlich
  immer stärkere Drogen ausprobieren.
Wie kann ein riskantes Konsum-
verhalten erkannt werden?

Problematischer Substanzkonsum ähnelt häufig             (den Eltern häufig unbekannte) Freunde wissen eh
einer Vielzahl anderer „Nebenwirkungen“ der Puber-       alles besser. Alte Gewohnheiten und Aktivitäten wer-
tät: Heranwachsende ziehen sich von den Eltern           den uninteressant und das eigene Zimmer zur abso-
zurück, das familiäre Zusammenleben kommt regel-         luten Privatzone erklärt.
recht zum Erliegen, die Eltern werden im Unklaren
über die Aktivitäten der Sprösslinge gehalten und

Einige Indizien können die Vermutung, dass Alko-         Dagegen gibt es Aspekte, die dafür sprechen, dass
hol oder Drogen im Spiel sind, jedoch bekräftigen:       Jugendliche nicht komplett abdriften:

►	Übermäßiger Rückzug und insbesondere Vermei-         ►	
                                                           Perspektive und Engagement in Schule/Ausbil-
   den des Kontakts mit den Eltern beim Nachhau-           dung.
   sekommen.                                             ►	
                                                           Leidenschaftliche Ausübung eines Hobbys oder
►	Veränderte Wesenszüge.                                einer Sportart.
►	Gerötete, glasige Augen (wobei diese durch ein-      ►	
                                                           Stabile und andauernde Freundschaften mit
   fach erhältliche Augentropfen aus der Apotheke          anderen im Leben stehenden Jugendlichen.
   leicht zu verbergen sind!), erweiterte oder vereng-   ► Offener und guter Kontakt zu den Eltern.
   te Pupillen.                                          ►	Grundsätzliche Fähigkeit, Maß zu halten.
►	Unerklärlich hoher Geldverbrauch.
►	Rascher und totaler Wechsel des Freundeskreises,
   überwiegend wesentlich ältere/jüngere Freunde,
   zu denen die Eltern auch keinen Kontakt haben.

Gefährdungspotential realistisch
einschätzen

► Exzessiver    Substanzkonsum   wird   von   vielen   ► Ein besonderes Gefahrenpotential birgt der frühe
  Jugendlichen als Teil ihrer Entwicklung zum              Einstieg in das regelmäßige Rauchen. Neben den
  Erwachsenen vorübergehend „genutzt“ – und                negativen Auswirkungen auf die Gesundheit steht
  wird spätestens mit Eintritt in das Berufs- und          die frühe Gewöhnung an Nikotin im Verdacht,
  Familienleben beendet oder auf ein gesundheits-          die Entwicklung psychischer Störungen und die
  verträgliches Maß reduziert.                             Schwere anderer Abhängigkeiten zu fördern.

► Insbesondere der frühe (vor dem 16. Lebensjahr),     ► Als besondere Risikofaktoren in Bezug auf Alko-
  regelmäßige (mehrmals pro Woche), hohe (star-            hol und Drogen gelten Zeiten mit hoher seeli-
  ke Rauschwirkung) und gemischte Konsum von               scher Belastung (familiäre Konflikte, pubertäre
  Substanzen (mehrere Substanzen gleichzeitig)             Krisen, Trennung der Eltern, etc.) oder veränderte
  stellt ein großes Risiko für die Gesundheit und          Lebensumstände (Wohnortwechsel, Übergang
  gesunde Entwicklung dar.                                 von Schule in Beruf, etc.).
Was Sie über Drogen wissen
sollten

Kriminalität                                              Probleme mit dem Führerschein
Illegale Drogen (insbesondere Cannabis) werden in         Bei jeder (polizeilichen) Auffälligkeit im Zusammen-
unserer Region i.d.R. nicht von „professionellen“ Dea-    hang mit illegalen Drogen (also auch außerhalb des
lern und schon gar nicht an allgemein bekannten           Straßenverkehrs) wird die Fahrerlaubnisbehörde
öffentlichen Plätzen erworben. Vielmehr spricht man       informiert. Bei wiederholter Auffälligkeit ist der Ent-
von sogenannten Userdealern, also dem Umstand,            zug des Führerscheins mit Anordnung einer Medizi-
dass Konsumenten kleinere Mengen kaufen, einen            nisch-Psychologischen-Untersuchung (MPU) wahr-
Teil davon an Freunde weitergeben und beim                scheinlich.
nächsten Mal andersherum mit einer kleinen Menge
versorgt werden.

Endkonsumenten werden somit zwangsläufig häu-
fig auch Dealer. Das bedeutet zunächst meist kein
regelrechtes Abrutschen in kriminelle Szenen. Auch
wenn selbstverständlich jeglicher Besitz, jede Wei-
tergabe oder jeder Handel mit Substanzen wie Can-
nabis und anderen Drogen illegal ist! In Deutschland
gibt es übrigens keine Form des legalen „Eigen-
konsums“ – im Gegenteil, in Bayern wird jegliche
Verwicklung in Drogendelikte meist zur Anzeige
gebracht.

Drogentests
Drogentests sind nur sehr begrenzt im Privatge-
brauch dazu geeignet, einen Substanzkonsum zu
beweisen bzw. einzuschätzen. Viele chemische Dro-
gen sind nur ein bis zwei Tage nachweisbar. Cann-
abis hält sich dagegen bereits bei gelegentlichem
Konsum mehrere Wochen im Urin, wobei ein einma-
liger Konsum in der Regel gar nicht nachweisbar ist.
Es ist also selbst ein negativer Test keine Gewissheit,
dass nichts konsumiert wurde, ein positiver Test z. B.
auf Cannabis sagt noch wenig über die Konsumin-
tensität aus.

Kosten
Der   Konsum     von   illegalen   Drogen    ist   eine
vergleichsweise sehr günstige und mit geringen
Kosten verbundene Art, sich zu berauschen: Ein
Gramm Cannabis kostet je nach Qualität ca. 12
bis 20 Euro und reicht bei gelegentlichem Konsum
durchaus für zwei bis drei Personen einen ganzen
Abend. Eine Ecstasy-Tablette (mit einer sehr starken
Wirkdauer von mehreren Stunden) ist für unter 20
Euro zu haben. Auch Kokain ist (aufgrund der meist
sehr stark verunreinigten Substanz) nicht wesentlich
teurer.

                                                                                                 iStock.com/rez-art
Tipps für Eltern

Heranwachsenden Orientierung und Sicherheit             So sollten Sie beispielsweise anstatt (schwer kon-
vermitteln                                              trollierbarem) Kontakt- oder Ausgangsverbot bei
                                                        älteren Jugendlichen Aspekte definieren, an denen
Grundsätzlich empfehlen wir Eltern und Angehöri-        Sie feststellen können, dass Ihr Kind einen selbstver-
gen, den Konsum von Zigaretten und Alkohol früh         antwortlichen und gesunden Lebensstil pflegt (z. B.
genug zu besprechen. Viele Studien belegen, dass        Erfolg in Schule/Ausbildung, verantwortungsvoller
junge Menschen, die mit ihren Eltern in einem offe-     Umgang mit Geld, gesunder Lebensstil).
nen Austausch stehen, weniger riskante Konsum-
formen aufweisen als solche, in deren Familien das
Thema komplett tabuisiert wird. Und auch eine zu
lockere Haltung hat sich nicht als hilfreich erwiesen
– machen Sie Ihren Kindern klar, dass ein modera-       Allgemeine Tipps:
ter Alkoholgebrauch bei Erwachsenen in Ordnung
ist, dass aber Kinder gar nicht und auch Jugendli-      ►	
                                                          Unterstützen Sie den Konsum Ihrer Kinder nicht
che nur sehr eingeschränkt konsumieren dürfen. In         bzw. nur sehr maßvoll. Stellen Sie also nicht zu früh
Bezug auf Tabak empfehlen wir aufgrund der gro-           bei Partys Alkohol zur Verfügung, und wenn, dann
ßen Sucht- und Gesundheitsgefahren, dass Eltern           nur in Maßen.
ein komplettes Rauchverbot verhängen.                   ►	
                                                          Harter Alkohol und Nikotinprodukte sollten gar
Auch das Experimentieren mit illegalen Drogen soll-       nicht weitergegeben werden.
te offen angesprochen werden und keinesfalls nach       ►	
                                                          Vereinbaren Sie nicht nur zeitliche Absprachen
dem Motto „Das wächst sich schon wieder aus...“           beim Ausgehen, sondern thematisieren Sie auch
ignoriert werden. Es geht dabei nicht nur um ein frü-     explizit den Konsum von Alkohol, indem Sie klare
hes Eingreifen um Schlimmeres zu verhindern, son-         Regeln vereinbaren.
dern vielmehr darum, den Jugendlichen zu signali-       ►	Wir sehen den regelmäßigen Konsum von Alkohol
sieren, dass sie in ihrer Lebensgestaltung gesehen        oder Nikotinprodukten im Alltag kritisch – seien Sie
werden und ihre Eltern sie ernst nehmen – und diese       Vorbild für Ihre Kinder in einem genussvollen und
außerdem auch nicht ganz naiv sind.                       an besondere Gelegenheiten geknüpften Kon-
                                                          sum von Rauschmitteln.
Klare Grenzen zu setzen ist bei pubertierenden          ►	
                                                          Informieren Sie sich und Ihre Kinder umfassend
Jugendlichen leichter gesagt als getan. Und den-          und mit Wissen aus seriösen Quellen. Angst- und
noch - machen Sie klar, was Sie nicht bereit sind zu      Schreckensszenarien haben sich als unwirksam
akzeptieren: Sei es das Nicht-Einhalten von Abspra-       erwiesen. Eine Übersicht finden Sie am Ende die-
chen, das nicht abgesprochene Wegbleiben, der             ses Ratgebers.
totale Rückzug vom Familienleben, der Umgang mit
bestimmten Freunden, das Konsumieren in Ihrem           Je jünger die Kinder sind (deutlich unter 16), desto
Haus oder der Besuch offensichtlich berauschter         wichtiger sind Verbote – je älter die Jugendlichen
Freunde. Dass sich die beiden Elternpartner dabei       werden, desto wichtiger ist das Aushandeln auf
gegenüber den Kindern einig sein müssen, ist eine       Augenhöhe. Das bedeutet insbesondere auch, dass
wichtige Grundlage. Diskutieren Sie Ihre Haltung als    die Verantwortung für das eigene Tun übernommen
Eltern immer vorab unter vier Augen!                    werden muss: also kein ständiges Abfedern nega-
                                                        tiver Konsequenzen durch die Eltern, kein ständiges
Konsequenzen bei Nichteinhaltung sollten dabei          Geld geben, etc.
stets nach den folgenden Prinzipien erfolgen:           Sollten Sie legale oder illegale Substanzen sowie
                                                        Konsumutensilien (z. B. Wasserpfeife) bei Ihren Kin-
► 
  In Art und Umfang dem Alter des Jugendlichen          dern finden, empfehlen wir in der Regel, diese zu ver-
  angemessen.                                           nichten. Aus unserer Erfahrung ist der Verbleib beim
► Zeitnah zum beanstandeten Verhalten sowie vor-       Kind meist falsch verstandener Respekt vor dessen
  her angekündigt.                                      Eigentum. Der Schutz der Gesundheit und die Durch-
► Benennen des stattdessen erwünschten Verhal-         setzung ausgesprochener Verbote geht hier vor.
  tens.
elterliche präsenz

Im Umgang mit riskantem Verhalten hat sich das            der Kinder, mit denen ihre Sprösslinge beisammen
Konzept der „Elterlichen Präsenz“ der Autoren Haim        sind, zu einem offenen Gespräch einladen.
Omer und Arist von Schlippe bewährt.                      Diese wissen häufig noch gar nichts vom Ausmaß
Ein Kernelement daraus ist unter anderem das              des Problems oder sind selbst hilflos und überfor-
Organisieren von Unterstützung. Holen Sie Drit-           dert.
te (Bekannte oder Verwandte, frühere Trainer oder         Dass Sie sich damit bei Ihren Kindern nicht beliebt
andere Bezugspersonen), die einen guten Draht             machen, tut der Sache keinen Abbruch – Sie als
zum Jugendlichen haben oder hatten, mit ins Boot.         Eltern müssen im Zweifel auch gegen den Willen
Sie sollen in Ihrem Sinne auf den Jugendlichen ein-       Ihrer Kinder für deren Wohlergehen sorgen.
wirken und Ihre Präsenz als sorgende und präsente         Nähere Angaben und Literaturempfehlungen dazu
Eltern stärken. Sehr gute Erfahrungen machen wir          finden Sie am Ende des Ratgebers.
damit, dass betroffene Eltern wiederum die Eltern

Verbote brauchen Kontrolle – und wirken selbst bei Nichteinhaltung
„Wenn ich es verbiete bringt das gar nichts – dann        Ihre Kinder setzen sich zwar über ein Verbot hinweg,
machen sie es halt bei ihren Freunden, wo ich es gar      aber lernen doch dadurch was richtig für sie ist und
nicht kontrollieren kann.“ Solche Sätze hören wir in      erleben Eltern, die sich um ihre Kinder sorgen.
der Beratung von Eltern mit konsumierenden Kin-           Bildlich gesprochen: Jugendliche sind wie Wild-
dern häufig. Bedenken Sie: Selbst wenn Ihre Kinder        schweine, sie reiben sich am Baum und brauchen
die Regeln übertreten, zur Entwicklung eines inne-        Eltern, die nicht einknicken – denn sonst wissen sie
ren Kompasses, der sie im späteren Leben gute Ent-        nicht, wohin mit ihrer Kraft.
scheidungen treffen lässt, braucht es Orientierung.

Das sollten Sie lieber nicht tun

Vermeiden Sie es – gerade in emotional sehr auf-          Ein eh schon angespanntes Verhältnis und fehlen-
gewühlten Situationen – Konsequenzen anzudro-             des gegenseitiges Vertrauen und Verständnis wird
hen, die Sie nicht bereit oder fähig sind, umzusetzen     nicht besser, wenn Sie den angemessenen Privat-
(Rauswurf, Verbot, dass gewisse Freunde nicht mehr        raum Ihrer Kinder verletzen (z. B. Durchstöbern von
ins Haus kommen, etc.). Klären Sie die Situation lieber   WhatsApp-Nachrichten, E-Mails, Handy, Zimmer).
in Ruhe und vorbereitet zu einem späteren Zeitpunkt.      Wie viel Kontrolle letztendlich angemessen ist, ent-
                                                          scheiden selbstverständlich Sie angesichts des Aus-
Führen Sie wenn möglich keine Diskussionen darü-          maßes des Problems und der Lebenssituation Ihres
ber, warum Cannabis & Co. illegal sind, während die       Kindes (insbesondere des Alters).
durchaus ebenfalls sehr schädliche Droge Alkohol
legal ist. Nutzen Sie diese „Kontaktangebote“ Ihrer       Versuchen Sie, möglichst nur sehr „sparsam“ Ver-
Kinder lieber für einen Austausch über Sinn und           gleiche mit Ihnen bekannten Fällen von Personen mit
Unsinn eines berauschten Bewusstseins. Wir ver-           massiven Nachteilen (Sucht, Tod, Unfälle, etc.) durch
gleichen Cannabis in der Beratung häufig auch mit         den Konsum von Alkohol oder Drogen zu bemühen.
„Urlaub machen“: Alles (scheinbar) easy und chillig       Diese werden meist in die Kategorie „Weiß ich schon,
– aber wer nur Urlaub macht, kommt im Leben auch          wird mir aber nicht passieren“ eingeordnet und ver-
nicht weiter...                                           stärken die Einschätzung Ihrer Kinder, dass Sie als
                                                          Gesprächspartner nicht ernst zu nehmen sind, da
                                                          Sie die Dinge völlig falsch einschätzen.
Beratung bei neon

neon bietet Ihnen, Ihren Angehörigen und Betroffe-     www.dhs.de
nen selbst die Möglichkeit, sich in allen Fragen der   Homepage der Deutschen Hauptstelle für Suchtfra-
Erziehung im Zusammenhang mit Rauschmitteln            gern mit umfassendem Informationsangebot
oder Suchtproblemen beraten zu lassen. Als öffent-
liche vom Bezirk Oberbayern und der Stadt sowie        www.elternberatung-sucht.de
dem Landkreis Rosenheim finanzierte Beratungs-         professionelles Onlineberatungsportal
stelle können wir Sie auf Wunsch anonym beraten.
Alle Mitarbeitenden unterliegen selbstverständlich     Autorität durch Beziehung. Die Praxis des gewalt-
der Schweigepflicht.                                   losen Widerstands in der Erziehung.
Informieren Sie sich gerne vorab am Telefon über       Haim Omer & Arist von Schlippe (2013)
unsere Arbeitsweise und unsere Angebote. Unsere        Unterstützung für Eltern zur (Wieder-)Erlangung Ihrer
Beraterinnen/Berater und Therapeutinnen/Thera-         elterlichen Autorität und zum konstruktiven Umgang
peuten unterstützen Sie gerne bei Ihren Fragen und     mit eskalierten Eltern-Kind-Beziehungen. Konkre-
Anliegen.                                              te Strategien und Verhaltensanweisungen anhand
                                                       realer Fallbeispiele aus dem Beratungsalltag der
                                                       Autoren. Ein Klassiker der systemischen Erziehungs-
Informationen im Internet oder in Buchform:            beratung.

www.neon-rosenheim.de                                  High Sein: Ein Aufklärungsbuch.
Homepage unserer Beratungsstelle mit unseren           Jörg Böckem & Hendrik Jungaberle (2015)
Angeboten im Überblick                                 Umfassendes Hintergrundwissen zum Rauschmittel-
                                                       konsum durch Jugendliche. Neben Informationen zu
www.mindzone.info                                      Substanzen und Fragebögen zur Selbsteinschätzung
Umfangreiches Beratungsangebot mit detaillierten       wird besonders auch die Entwicklung eines genussvol-
Informationen zu den verschiedensten Substanzen        len Konsums in den Fokus gerückt, und die Grenze zum
                                                       riskanten oder schädlichen Gebrauch verdeutlicht. Ein
                                                       zeitgemäßes Standardwerk der Suchtprävention.

DieseR Ratgeber wird gefördert von:

Ruedorfferstr. 9                                       neon – Prävention und Suchthilfe Rosenheim
83022 Rosenheim                                        gemeinnützige Stiftungsgesellschaft mbH

T: +49 (0)8031 30 42 300                               Mitglied im:
F: +49 (0)8031 30 42 30 1
                                                       ►Paritätischen Wohlfahrtsverband
info@neon-rosenheim.de                                 ►fdr Fachverband Drogen- und Suchthilfe
www.neon-rosenheim.de                                  ►Fachverband Medienabhängigkeit
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