ANSICHTSSACHE - Mitbestimmen | Mitgestalten - Die SozDia
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KOS TENLOS ABER NICHT UMS ONS T | Das SozDia Magazin #2 2021 ANSICHTSSACHE Mitbestimmen | Mitgestalten Dossier: Was lernen wir aus WAHL-SPEZIAL Parteiprogramme Pro & Contra: Corona für unsere Demokratie? im Vergleich: Was ausgewählte Wählen schon ab 16? Seite 4/5 Parteien versprechen Seite 8/9 Seite 16/17 SozDia Stiftung Berlin sozdiastiftungberlin
„Wir engagieren uns dafür, es jedem Menschen zu ermöglichen, Gestalter*innen seines*ihres Lebens zu sein
und in der Mitte der Gesellschaft zu leben.“ Michael Heinisch-Kirch, Vorstandsvorsitzender der SozDia
INHALT editorial
Editorial
3
Liebe Leserinnen Nina Kirch
Prokuristin /
Dossier und liebe Leser, Strategische Leitung
4/5
Was lernen wir aus Corona für unsere Demokratie?
es ist Sommerzeit! Ein Aufatmen ist überall zu spüren. Die Freude
Ich hab da was zu sagen
über das Wiedersehen live und in Farbe mit Verwandten und
6/7
Warum ich nicht wählen gehe! Oder doch? Freund*innen ist groß. Vieles fühlt sich neu und ungewohnt
an. Es scheint, als müssten wir uns erst wieder an die alten und
Vorstellung Redaktionsteam der Jugend- doch so neuen Alltäglichkeiten gewöhnen. Dabei nehmen wir
klubseiten (siehe auch unser Titelfoto)
auch eine wichtige Erfahrung mit: Die Pandemie hat gezeigt,
Wahl-Spezial wie elementar es ist, auf unsere menschliche Verantwortung mit
8/9 Rücksicht und Nächstenliebe zu achten.
Parteiprogramme im Vergleich:
Was ausgewählte Parteien versprechen In diesem Jahr haben wir die Wahl, wohin unser Land und damit
auch die Weltgemeinschaft steuert: wir dürfen unsere Stimme
Wahl-Spezial
10/11 erheben. Was das für uns persönlich, aber auch für die Zukunft
Quiz: Zitate und Steckbriefe von Politiker*innen der Gesellschaft bedeutet, ist Thema dieser Ansichtssache. War-
zuordnen um ich wählen gehe oder auch nicht und welche Möglichkeiten
der Mitbestimmung wir haben, wird da gefragt (u.a. auf Seite
Gemeinsam Demokratie Gestalten
12/13 16/17 und 18/19).
Wir, die SozDia Stiftung Berlin, sind eine sozialdiakonische Trägerin aus Berlin und unser Arbeits- Die Gestaltung von Demokratie in frühkindlicher
Bildung – Erfahrungen aus dem Alltag einer Kita
schwerpunkt liegt im Bereich der Kinder-, Jugend-, Familien und Gemeinwesenarbeit sowie in Ich werde jedenfalls wählen gehen und hoffe, dass das viele
ebenso tun – für eine Welt, in der Gerechtigkeit, Frieden und
der Wohnungsnotfallhilfe und Sozialpsychiatrischen Assistenz. In unseren fast 50 Einrichtungen Bei SozDia vor Ort
Schöpfungsbewahrung gelebt wird und in der jede*r einen Platz
14/15
engagieren sich rund 550 Mitarbeiter*innen. Dort begegnen sich täglich mehr als 6.000 Kinder, in der Mitte unserer Gesellschaft hat. Es gibt viel zu tun!
Jugendliche, Familien und Erwachsene. Pro & Contra
16/17 Passend dazu wurde unser Wahl-Spezial in diesem Heft von
Wählen schon ab 16?
unseren Kolleg*innen aus der Jugendarbeit „gekapert“ – sie
So vielfältig wie die Einrichtungen der SozDia sind auch die Menschen, die sie besuchen und Nachgefragt haben sich unsere Zeitung zu eigen gemacht und laden uns
die dort arbeiten. Seit 1990 stehen wir für ein offenes und tolerantes Miteinander, leben sozial 18/19 und junge Menschen dazu ein, sich mit Politik zu beschäftigen.
»Demokratie ist kein Warteraum« | Chancen der
diakonische Werte und legen bei all unseren Entscheidungen großen Wert auf Nachhaltigkeit Mitbestimmung: Fragen an Ralf-Uwe Beck
Dazu werfen sie für uns einen Blick in die Wahlprogramme der
Bundestagsparteien. Sogar ein Rätsel mit tollen Preisen gibt es.
und einen umweltbewussten Umgang mit Ressourcen. Tauchen Sie ein in die Perspektive junger Menschen und lesen
Neues aus der SozDia
20/21 Sie, was sie bewegt (ab Seite 6/7).
Du willst gemeinsam mit uns Leben in und um Berlin gestalten? Dann komm zu uns ins Team! Wohngruppe Queerfeldein: Ein neues Zuhause
inmitten einer bunten Gemeinschaft Viel Spaß bei der Lektüre und kommen Sie gesund
Wir suchen #Pädagog*innen, #Erzieher*innen und #Sozialarbeiter*innen. und erholt durch den Sommer.
Auf ein Wort
22/23
»Ich bin ein anderer Mensch«
Vitali Alekseenok lebt in Deutschland,
zu den Demonstrationen ist er nach Minsk gereist
Eine Stiftung – viele Angebote: www.sozdia.de Im Bild
24
Herzlich
Ihre Nina Kirch
Kindertagesbetreuung Schule Hilfen zur Erziehung Gemeinwesen Kinder- und Jugendklubs Die Ungehörten
Arbeit & Qualifizierung Wohnungsnotfallhilfe Sozialpsychiatrische Assistenz
3Dossier
„Wir haben keine Zeit
zu verlieren“
Was wir aus Corona für die Demokratie und das Kiezfest SozDia:
Gemeinsam feiern
wieder möglich,
Miteinander in unserer Gesellschaft lernen können aber was sind die
Lehren aus Corona?
Es ist ein warmer Sommerabend. An der Lars Blümel ist Einrichtungsleiter der Flexi- Die sollte sich für Minderheiten viel mehr wir alle erfahren haben, wie elementar es schlichtweg hinten runtergefallen ist. „Es laufe, sich in verschiedene Gruppen zu
Müritz in Mecklenburg-Vorpommern, wo blen Erziehungshilfen bei der SozDia. Einer einsetzen“, sagt der 48-jährige Familienva- ist, auf unsere menschliche Verantwortung gibt noch nicht mal einen verlässlichen spalten. „Was Kinder und Jugendliche in
wir Urlaub machen, tanzen Menschen aus- Einrichtung, die sich um benachteiligte ter. Aber auch das hat er beobachtet: die mit Rücksicht und Nächstenliebe zu ach- Plan, wie eine stabile Vollzeit-Beschulung Berlin-Zehlendorf in der Pandemie erlebt
gelassen zu lauter Musik. Nach dem Coro- Jugendliche und Familien kümmert, ihnen Menschen sind aktiv geworden, zu den ten.“ In der SozDia, aber auch weit darüber oder Vollzeit-Kita-Besuch in der zweiten haben, ist ganz sicher anders als das, was
na-Lockdown ist das wohl das erste große wieder Mut und Kraft zum Leben gibt. Für Ämtern gegangen und haben nicht auf hinaus haben das Menschen in dieser nicht Hälfte diesen Jahres aussehen kann und ihre Altersgenossen im Plattenbau in Ho-
Fest am Wasser hier. So, wie nach all den ihn war es wichtig, dass sich die Demokra- Segnungen von oben gewartet. Lars Blü- einfachen Zeit vorgelebt, ist sie überzeugt. die Desaster des letzten Jahres zwischen henschönhausen wahrgenommen haben.“
Einschränkungen auch anderswo wieder tie als wehrhaft erwiesen hat. „Schließlich mel nennt das „Widerständigkeit“, die er als Sie wünschte sich aber auch aus der Pan- Notbetreuung, Wechselunterricht bis hin Die verschiedenen Interessen und Erfah-
ausgiebig gefeiert wird: in Brandenburg, war keiner auf all das vorbereitet“, sagt er. überlebenswichtig und für die Zukunft der demie die Erkenntnis, dass Fachkräfte der zu kompletten Einrichtungsschließungen rungen müssten an einen Tisch, in das
in Berlin, im ganzen Land. Dazu gehört für ihn aber auch, dass Ver- Demokratie so wichtig ansieht. unterschiedlichen Berufe viel stärker als künftig ausgeschlossen werden.“ Gespräch miteinander gebracht werden.
säumnisse und Grenzen der Politik wie in bisher zusammenarbeiten müssten. „Und Jetzt, wann sonst nach der kontaktarmen
Alles überstanden? Alles geht so weiter wie einem Brennglas deutlich wurden. Er wünscht sich darum auch, dass der Stel- zwar auf Augenhöhe“, wie die 40-jährige Impulse, die es schon vor der Pandemie Zeit, sei dazu der richtige Moment.
immer? Keiner will in Feierlaune solche Fra- lenwert der sozialen Arbeit viel mehr Be- studierte Sozialarbeiterin betont. SozDia- gab, müssten nun viel stärker wieder auf-
gen hören. Dabei ist längst klar: Corona hat Dabei denkt er an die Menschen in seiner achtung findet, als das vor der Pandemie, Chef Michael Heinisch-Kirch erinnert in genommen werden: „Wir müssen Ausglei- Bettina Röder
die Gesellschaft verändert, neue Fragen Einrichtung. Die viel beschworenen Teil- geschweige denn auf ihrem Höhepunkt diesem Zusammenhang an die wieder- che finden, die Gerechtigkeitsdiskussion
aufgeworfen. Auch die nach der Zukunft habegesetze für benachteiligte Kinder, Ju- der Fall war. „Wir haben zu Recht über In- holte Forderung der sozialdiakonischen neu beleben“, sagt er. Wichtig ist es ihm,
unserer Demokratie. Was haben wir im gendliche, Familien, aber auch Behinderte tensivmediziner, Pflegekräfte, die Kassiere- Stiftung, Sozialarbeiter*innen in Kitas ein- alle dabei mitzunehmen, auch die Coro-
Blick auf unser demokratisches Miteinan- haben in der Pandemie nicht gut oder gar rin im Supermarkt gesprochen“, sagt er. Die zusetzen, damit Kinder und Eltern weitere na-Skeptiker. Und damit bleibt sich der
der aus der Pandemie gelernt? nicht funktioniert, ist er überzeugt. Dafür soziale Arbeit für benachteiligte Menschen Ansprechpartner*innen haben und das gelernte Sozialdiakon treu. Hatte er doch
gibt es viele Beispiele. Eines davon sind die sei im öffentlichen Diskurs hingegen nicht dortige Personal gerade in Krisenzeiten auch vor 30 Jahren Jugendliche völlig un-
Wenn sich der studierte Sozialarbeiter und digitalen Endgeräte, die plötzlich für alle aufgetaucht. Sie müsse stärker in den Fokus entlastet wird. terschiedlicher Ansichten zusammenge-
gelernte Tischler Lars Blümel an die ver- so lebensnotwendig waren. „Das hat ein rücken, das sei für das Miteinander wichtig. bracht und damit den Grundstein für die
gangenen Monate erinnert, hat er alles Jahr gedauert, bis Familien dann mal beim Schließlich gehe es bei der Sozialarbeit Sorge bereitet ihm auch das durch die SozDia-Stiftung gelegt. „Wir haben keine
andere als romantische Bilder von warmen Jobcenter einen Laptop beantragen durf- auch um Grundwerte der Demokratie wie Pandemie extrem beschleunigte Ausein- Zeit zu verlieren, wenn es um Demokratie
Sommerabenden vor Augen. Er denke da ten.“ Da sei der Lockdown schon fast vorbei Solidarität, Gemeinschaft und Eigenverant- anderdriften unserer Gesellschaft: in arm geht“, ist Michael Heinisch-Kirch auch heu-
an die Demonstrationen der sogenannten gewesen und diese Menschen noch mehr wortung. „Werte, die die Gemeinschaft mit und reich, in Familien mit Kindern und Al- te überzeugt.
Querdenker, an Verschwörungstheorien, an den Abgrund geraten. „Sie sind in der Leben füllen“, sagt Lars Blümel. leinstehende, in Hartz IV-Empfänger und
an den Versuch, den Reichstag zu stürmen. Pandemie noch mehr zu den Verlierern ge- die, die auf solche Hilfe nicht angewiesen Für Nina Kirch gehört dazu die Achtsam-
Das habe ihm Sorge bereitet wie auch die worden, die sie eh schon waren. Das darf in „Wenn uns die Pandemie etwas gezeigt sind. Kritisch sieht er vor allem, dass beim keit, eine wehrhafte Demokratie am Le-
Angriffe auf Politikerinnen und Politiker, auf einer Demokratie nicht passieren. hat“, sagt Nina Kirch von der SozDia- Gesundheitsschutz der Bevölkerung das ben zu halten. Gerade die Pandemie habe
demokratisch gewählte Volksvertreter. Geschäftsleitung, „dann war es doch, dass Engagement für Kinder und Jugendliche gezeigt, wie stark die Gesellschaft Gefahr
4 5DAS TEAM DER
Ich hab da was zu sagen DIE JUGENDKLUB -SEITEN JUGENDKLUB-SEITEN:
Warum ich nicht wählen gehe! Oder doch?
Wir haben junge Menschen rund um die SozDia nach ihrer Wahlmotivation oder nach Gründen ihrer Nicht-Teilnahme an den bevor
stehenden Bundestagswahlen gefragt. Wie ist die Stimmungslage im Hinblick auf den Wahlmonat September? Erzählt doch mal:
Elisa
„Wenn ich die Chance hätte, „Ich gehe auf jeden Fall Mischo
etwas ins Positive zu ändern, wählen, denn es ist mir
dann würde ich auch wählen wichtig, dass meine Stimme
gehen.“ am Ende nicht einer Partei
Iqraa, 16, Schülerin, Jugendklub Linse
wie der AFD hilft.“
Felix, 22 Jahre, Erzieher
Politisch gesehen habe ich noch nicht ge-
„Ich darf noch nicht wählen „Ich darf auf jeden Fall „Dieses Jahr darf ich wählt, aber bei der Schülersprecherwahl
Ich gehe auf jeden Fall wählen, denn es ist
und wenn ich keine deutsche nicht wählen als endlich wählen – zum Beispiel schon. Wenn ich aber die
Staatsbürgerschaft bekomme, Nicht-Staatsbürger.“ und ich freu mich drauf.“
Chance hätte zu wählen, um etwas ins Po-
sitive zu ändern, dann würde ich es auch
mir wichtig, dass meine Stimme am Ende
nicht einer Partei wie der AFD hilft. Wenn Elly
ich das zeitlich nicht anders schaffe, dann
bleibt das auch so“ Saman, 21 Jahre, Student Maha, 19 Jahre, Azubi in der Gastronomie machen.
auch mit Briefwahl. Hauptsache, ich habe
Erolind, 16 Jahre, Schüler
Ich darf auf jeden Fall nicht wählen ohne Dieses Jahr darf ich endlich wählen – und
Ich darf wählen gehen, da ich hier lebe
und die deutsche Staatsbürgerschaft habe,
gewählt. Allerdings ist es schwer, eine
Partei zu finden, deren Programm mich
Hallo,
deutsche Staatsbürgerschaft. Aber ganz ich freu mich drauf. Ich bin die erste in mei- andere die das nicht haben, dürfen nicht wir sind Elisa Bienek aus dem
Ich darf noch nicht wählen und wenn ich anspricht, denn vor allem große Parteien
ehrlich, auch wenn ich wählen dürfe, wür- ner Familie, die in Deutschland wählen darf wählen gehen und das finde ich unfair. Da- Jugendklub Linse, Milorad
keine deutsche Staatsbürgerschaft bekom- gehen auf viele Punkte, die mir als queere
de ich es nicht machen. Wenn ich aller- und dann gleich für ein so wichtiges Amt. her muss man diese Chance nutzen, um für Carkik (Mischo) aus dem Ju
me, bleibt das auch so. Wenn ich aber wäh- Person wichtig sind, nicht ein.
dings gezwungen wäre, würde ich eine Darum werde ich gemeinsam mit meinen andere einzustehen. gendklub Tube und Elisabeth
len darf, dann mache ich das. Wählen sollte Darum sind für mich persönlich die Grü-
Partei wählen, die sich am meisten um die Eltern und meinen 2 Brüdern entscheiden, Wen ich wählen würde weiß ich jetzt noch Rodé (Elly) aus dem Jugend
man. Nein – es ist eine Pflicht finde ich so- nen mit ihrem Parteiprogramm am attrak-
Wirtschaft des Landes kümmert und damit wem wir unsere Stimme geben. Wir wer- nicht, weil ich nicht alle Parteien insgesamt klub Rainbow – und wir haben
gar. Nur wenn man wählt, kann die Politik tivsten, denn hier werden Punkte wie das
beschäftigt. Als angehender Wirtschafts- den alle zusammen zum Wahllokal gehen. kenne. Aber ich würde dann die Partei wäh- diese und die folgenden zwei
auch wissen was die Menschen wollen. Vie- Trans-Gesetz mit dem Ziel thematisiert,
wissenschaftler verstehe ich davon am Wir Kinder wissen schon ganz genau was len, die das Gute für die Menschen will. Das Doppelseiten der Ansichts
le sind, glaube ich, zu faul, um wählen zu Prozesse für Betroffene zu vereinfachen
meisten, und weiß natürlich wie wichtig wir wollen – mehr Perspektive und Zukunft. bedeutet für mich, dass sie für Menschen- sache gekapert.
gehen. Darum fände ich es gut, wenn das und sie damit zu unterstützen. Abschlie-
es ist, dass es auf dieser Ebene gut funkti- Auf keinen Fall blau oder schwarz. Gleich- rechte einstehen, dass auch Menschen,
auch online ginge. ßend kann ich sagen, dass ich mir von den
oniert. Ich denke aber mit den Neuwahlen zeitig bin ich traurig, wenn Frau Merkel die nicht in Deutschland geboren sind, Auf diesen Seiten steht alles
Manche wissen aber auch nicht, was sie Parteien wünschen würde, dass sie auch
wird es keinen großen Umbruch im Land geht. Das wird sehr komisch ohne sie. Sie gleichberechtigt werden und es allgemein im Zeichen der Politik, denn im
wählen sollen und machen dann lieber die Bedürfnisse und Probleme von Men-
geben, da die Bürger sowas natürlich un- spricht immer so deutlich und langsam. Gleichberechtigung für alle gibt, in allen September sind Bundestagswah-
nichts. Dann geht aber diese Stimme an ir- schen aus der LGBTQI+ (Lesbian, Gay, Bi,
gern zulassen. Die Menschen hassen Verän- Uns allen gefällt das. Kategorien. Egal wen man liebt, egal wo len. Euch erwarten interessante
gendwen und es kann sich nie was ändern. Trans, Queer und Intersex) Szene wahrneh-
derungen. Ich wünsche mir das Politiker genauer be- man herkommt. Außerdem sollte diese Par- und unbekannte Fakten über
Wenn man wählt, steht es 50/50. Vielleicht men und darauf eingehen. Das würde auch
Wenn für die meisten alles gut läuft – und nennen um was es geht, ehrlich sind, wich- tei umweltfreundlich sein. Politiker*innen sowie Relevantes
wird dann in der Politik nicht nur verspro- dazu führen, dass ich die Entscheidung,
das ist der Fall – bleiben sie bei ihrem Sys- tige Themen auch sehen und Bewegungen zu den aktuellen Parteiprogram-
chen, sondern auch gemacht. Es gibt zwei welche Partei ich wählen will, nicht nur da-
tem. Für Veränderungen gibt es einfach wie den Umweltschutz, Anti-Diskriminie- men.
Parteien die ich gut finde. Die einen gewin- von abhängig mache, wer denn in seinem
zu wenig Sorgen bei den meisten. Darum rung und Gleichberechtigung ernst neh-
nen niemals. Die anderen waren mal ganz Parteiprogramm überhaupt was zu dem
glaube ich, meine Stimme hätte eh kaum men. Keine Partei schafft das allein. Darum Übrigens: Junge Menschen ab 18
gut, aber sind es jetzt nicht mehr. Aber Thema Trans-Gesetz oder Gleichstellung
Einfluss und würde nichts bewegen. zählt am Ende für mich nicht nur wer an der Jahren, die noch nie gewählt ha-
genau die haben größere Chancen. Ver- aller Geschlechter sagt.
Macht ist, sondern auch wer sonst noch so ben, können in das Thema Wah-
mutlich würde ich nicht strategisch wäh- Aktuell habe ich nicht wirklich das Gefühl,
im Bundestag sitzt. Jede Stimme zählt des- len tiefer eintauchen und sich
len und nehme die, die nie gewinnen aber dass es eine Parteienvielfalt gibt, bzw. fühle
halb. zu einer Erstwahlhelfer*innen-
dafür bessere Sachen wollen und die Welt ich mich von dieser weder wahrgenom-
gerechter machen. men noch angesprochen. Ausbildung anmelden:
Auf der Internetseite
(www.erstwahlhelfer.de/
mitmachen) oder über die
Jugendklubs Linse, Tube und
Rainbow.
6 7Wahl-Spezial DIE JUGENDKLUB -SEITEN Wir haben uns die Parteiprogramme der aktuell im Bundestag vertretenen sieben Parteien nach bestem
Wissen und Gewissen angeschaut und die Positionen von CDU/CSU, SPD, Die Linke, Bündnis 90/Die Grünen,
MEHR INFOS: Ab 2.9.2021
ist der WAHL-O-MAT
FDP und AFD anhand ausgewählter Themen verglichen. Einen Anspruch auf Vollständigkeit erheben wir der Bundeszentrale für
Parteiprogramme im Vergleich: Was ausgewählte Parteien versprechen nicht, über Leser*innenpost freuen wir uns an kommunikation@sozdia.de. politische Bildung online!
Migrations- / Gleichstellung
Bildung Wohnraum Inklusionspolitik der Geschlechter Klimapolitik Mobilität
DIE LINKE Gute Bildung, gerecht, gebührenfrei. Ein Leben lang“: Bau von mehr Sozialwohnungen und Abschiebung wird abgelehnt. Die vielfältigen Lebensweisen, sowie alle Geplant ist Klima-Transformationsfonds Der Ausbau der Bahn und des öffentlichen
Gefordert wird eine Bildung, die nicht vom Geldbeutel höheres Wohngeld für einkommens Migrant*innen werden nach 5 Jahren Lebensweisen, bei denen Verantwortung in Höhe von 20 Mrd. € für den Umbau der Nahverkehrs auf dem Land und Preissen-
der Eltern abhängt. Gemeinschaftsschulen werden
gefordert, an denen alle Schüler*innen gemeinsam schwache Personen/Familien. Aufenthalt eingebürgert und in Deutsch- für andere übernommen wird, sollen Industrie mit dem Ziel ein CO2-neutrales kungen für Fahrgäste sind das Ziel.
lernen und unterschiedliche Abschlüsse bekommen Mietpreisbremse dauerhaft. land geborene Kinder haben das Recht auf rechtlich gleichgestellt werden. Deutschland bis 2035.
können. Numerus Clausus abschaffen und BAföG Mehrstaatlichkeit.
erhöhen – ohne Rückzahlung. Zudem Offensive für
mehr Lehrkräfte.
BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN
„Bildung und Forschung ermöglichen“: Soziale und Bau von mehr Sozialwohnungen, Migrant*innen mit Duldungsstatus be- Ziel ist die Gleichberechtigung aller Geplant ist ein Klimaschutz-Sofortpro- Ab 2030 werden nur noch emissionsfreie
kulturelle Herkunft, Geschlecht, körperliche Vorausset- Mitpreisbremse dauerhaft. Recht auf kommen nach fünf Jahren ein Bleiberecht. Geschlechter in allen Lebenslagen und gramm mit höherer CO2-Besteuerung, Autos neu zugelassen und ein massiver
zungen – keine Voraussetzung für Bildungsaufstieg. Wohnen ins Grundgesetz. Ausbau von Bahn und Radwegen und ein
Ausbau von Gemeinschaftsschulen, Modernisierungen, Kinder und Jugendliche nach drei Jahren. Schutz vor geschlechterspezifischer Gewalt. dem Kohleausstieg und 70% Treibhaus
rückzahlungsfreies BAföG. Digitalisierung nicht unab- gasreduktion bis 2030. Tempolimit (130 km/h) sind geplant.
hängig von einer Medienbildung und Medienkompe-
tenz, die bei Schüler*innen gestärkt werden soll.
SPD „Gut aufwachsen“: Partei will ein Bundesprogramm Bau von mehr Sozialwohnungen, Für eine erleichterte Integration soll Bis 2030 sollen Mann und Frau gleich- Klimaneutralität bis spätestens 2045 und Der öffentliche Nahverkehr wird
für Schulsozialarbeit, durch das Kommunen Mittel Mitpreisbremse dauerhaft. die Möglichkeit von Mehrstaatlichkeit gestellt sein und LGBTIQ+ Personen und Klimaschutz als Jobmotor sind das Ziel. ausgebaut und klimaneutral.
zur Förderung von Chancenhelfern an jeder Schule gesetzlich verankert werden. Familien werden rechtlich abgesichert. Eine Reform der Erneuerbare-Energien- Bahnfahren soll in Europa günstiger
bereitgestellt werden. Für Kinder und Jugendliche Umlage soll Stromkosten sinken lassen. sein als Fliegen.
soll es freie Fahrt in Bussen und im Nahverkehr
geben.
CDU / CSU Schulsystem bleibt Ländersache, neue Bau von mehr Sozialwohnungen, Eine Integration der Migrant*innen ist Geschlechterspezifische Lohn- und Bis 2030 sollen in Deutschland 65 Prozent Das Schienen- und ÖPNV-Netz soll ausge-
Karriereperspektiven durch ein Modell Wohngeld für einkommensschwache wichtig. Sie sollen Zugang zu deutscher Rentenlücken werden beseitigt und Frauen weniger Treibhausgase entstehen als 1990. baut und verbessert werden. Die Autoin-
„Höhere Berufsbildung“. Personen/Familien. Sprache, Kultur und Bildung erhalten und und Männer erfahren in allen Bereichen die Bis 2045 soll unser Land klimaneutral sein. dustrie soll stark bleiben und Fahrzeuge
Keinen Mietendeckel. diese annehmen. gleiche Wertschätzung. mit allen Antriebsformen produzieren.
FDP Jede Schule soll ein eigenes Budget für Wohngeld für Sozialschwache – wenn Zwischen Flucht und dauerhafter Integ- Erweiterung von Freiheits- und Entfal- Beim Klimaschutz setzt die FDP auf die freie Es wird mehr alternative Kraftstoffe und
Modernisierung erhalten. Ein Jahr vor der dies nichts nützt dann Erlaubnis zur ration wird unterschieden, je nach Status tungsräume für Individuen aller Geschlech- Marktwirtschaft, d.h. Emissionshandel. eine Vereinfachung der Zertifizierung
Einschulung soll es einen Deutsch-Test geben, Anmietung einer Sozialwohnung, durchlaufen Migrant*innen verschiedene ter. Die Rechte von LGBTIQ+ Personen Der Staat gibt vor, wieviel CO2 im Jahr geben, um die E-Mobilität zu stärken.
um Schüler*innen gezielt zu fördern. Bundes- keine Mitpreisbremse. Verfahren. sollen gestärkt werden. ausgestoßen werden darf. Bis 2050 wird Der Bahnverkehr soll weiter privatisiert
weit sollen Fächer Wirtschaft und Informatik schrittweise auf Null gesenkt. werden.
eingeführt werden.
AFD „Deutsches Kulturgut im Unterricht vermitteln“: Keine Sozialwohnungen mehr aber Asylanträge sollen nur unter Nachweis von Würdigung traditioneller Lebensentwürfe und Die Ziele die CO2-Emossion auf 0 zu senken Deutsche Autoindustrie soll erhalten
Wertschätzung von Frauen, die Familie gründen und
Asylbewerber*innen sollen zudem auf die Wohngeld für einkommensschwache gesicherter Identität und Staatsangehörig- Kinder kriegen ist Gleichberechtigung. Klassifizierung werden abgelehnt. Man soll Klimawandel und Diesel- oder Motorradfahrverbote
„Rückkehr in ihr Herkunftsland“ vorbereitet Personen und Familien, keine Mietpreis- keit gestellt werden und jegliche Form von der „neuen“ Geschlechter wird abgelehnt. Alle För- positiv begegnen und sich an neue Lebens- abgeschafft werden. Für weniger Verkehrs-
werden, alle Koranschulen im Land sollen auf bremse. Familiennachzug wird abgelehnt. dermittel für die auf der Gender-Ideologie beruhende bedingungen anpassen. chaos in Großstädten werden Fahrspuren
Lehre und Forschung sind zu streichen. Politisch kor-
die Verfassungstreue überprüft werden. rekte Sprachvorgaben zur Durchsetzung der Gender- ausgebaut.
Ideologie wird abgelehnt. Gleichstellungsbeauftragte
sind abzuschaffen.
8 9Wahl-Spezial DIE JUGENDKLUB -SEITEN
Welcher Steckbrief gehört zu welcher Person?
Quiz
Auf dieser Doppelseite unserer Wahl-Spezial Seiten haben wir interessante und manch skurrile Fakten Kennst Du alle Namen und weißt zu welcher Partei wer gehört? Dann sende uns unter kommunikation@sozdia.de das Lösungs-
über Politiker*innen gesammelt. Von wem stammt welches Zitat? wort zu und gewinne einen Gutschein für 2 Personen für einen Besuch bei „My Jump“ in Berlin.* Wir wünschen viel Erfolg!
O
NAME UND PARTEI:
Geburtstag: 18.02.1961 | Hat studiert: Rechts- und Staatswissenschaften
Hobbys als Teenie: Singen im Chor
Wer hat‘s gesagt?
© Laurence Chaperon
Zu welchem*welcher Politiker*in gehört welches Zitat? Lieblingsessen: Bifteki mit alles, Gyros und Pizza mit Thunfisch, Mais, Zwiebel und Paprika
Welches Lösungswort kommt am Ende raus? Zweiter Traumjob: Schauspieler
Spezialfakt: Sohn ist Mode-Blogger und Influencer (joe_laschet) 1 ..........................
Lernte Ehepartner/in mit 7 Jahren kennen. Beide haben sich auf dem Spielplatz geprügelt.
L
NAME UND PARTEI:
1. 3.
Geburtstag: 15.12.1980 | Hat studiert: Politikwissenschaften, Europarecht
Hobbys als Teenie: Fußball, Trampolinsport (Leistungsturnen)
„Wer in Zukunft nicht wolle,
„Wir schaffen das.“
Lieblingsfarbe: Petrol | Lieblingsvogel: Pinguin
© Raimond Spekking
dass Albaner und Kosovaren als Lieblingsessen: Banana-Split Eis mit Vanille - statt Schokokugeln
2. Pflegekräfte ins Haus kämen und
Zweiter Traumjob: Rocksänger*in 2 ..........................
Freizeit: Singen und Fußball
„Niemand hat die Absicht, dann die Bude ausräumten, Spezial-Fakt: Kann laut eigener Aussage nicht besonders gut singen. Ist aber egal.
eine Mauer zu errichten.“ müsse AfD wählen.“
I
NAME UND PARTEI:
Hat studiert: Rechtswissenschaften | Spitzname: Scholzomat
Lieblingsfarbe: blau | Motto: Das wichtigste ist Liebe
4. Freizeit: Joggen, schnelle Autos | Lieblingsessen: Pho Bo Suppe
© gruene.de
„Dann sollten wir aber der Sonne Spezial-Fakt: Ist als Rechtsanwalt zugelassen 3 ..........................
erklären, dass sie nicht so viel
5. 6.
K
scheinen soll. Weil die Sonne dann NAME UND PARTEI:
ja den Einfluss auf die Ozeane „Aber, liebe Freunde, Hitler und „Probleme sind nur Geburtstag: 07.01.1979 | Hat studiert: Politikwissenschaften, Staatsrecht und Philosophie
Hobbys als Teenie: Onlinegames von Wing Commander und Ultima
die Nazis sind nur ein Vogelschiss in
hat und nicht wir.“
unserer über 1000-jährigen Geschichte.
dornige Chancen.“ Lieblingsessen: alles vom Grill | Lieblingsspiel: Backgammon
Freizeit: Old Timer, Rennsport
Und die großen Gestalten der Vergangen- Spezialfakt: Wollte zur Bundeswehr hat dann aber Zivildienst als Hausmeister gemacht
© Sandro Halank
heit von Karl dem Großen über Karl V. 4 ..........................
T
bis zu Bismarck sind der Maßstab, NAME UND PARTEI:
an dem wir unser Handeln Familie: Verheiratet, zwei Kinder, zwei Enkelkinder | Motto: Die Zeit heilt alle Wunden
Lieblingsessen: Ostseedorsch mit Bratkartoffeln und Spiegelei
ausrichten müssen.“ Zweiter Traumjob: Olympiasieger – egal in welcher Sportart
7. Freizeit: Eisbären Berlin, F.C. Hansa Rostock, Volleyball, Skat, Musik von Jimi Hendrix und Led Zeppelin
„Dieses Land wird 8. Spezialfakt: Wollte eigentlich gar kein Politiker werden
„[…] für die Leute machen wir das,
© DBT/Inga Haar
von Idioten regiert.“
I
NAME UND PARTEI:
verdammte Kacke nochmal“. Geburtstag: 06.02.1979 | Familie: eingetragene Lebensgemeinschaft, zwei Stiefsöhne
5 ..........................
Hat studiert: Volks- und Betriebswirtschaftslehre
9. Haustier: Hundedame Leni | Auto: Skoda
Zweiter Traumjob: Medizinerin | Freizeit: Rad fahren, wandern
© Bundesministerium der Finanzen
„Millionen Menschen in diesem Land Spezial-Fakt: Für einen Forschungsaufenthalt zur Doktorarbeit lebte sie fünf Jahre in China.
verdienen wenig, viel zu wenig, und gehen
P
trotzdem jeden Tag zur Arbeit, oft ihr NAME UND PARTEI:
Leben lang. Das sind für mich die wahren Geburtstag: 17.07.1954 | Hat studiert: Physik
10. Lieblingsfarbe: lila-blau wie Rittersporn | Lieblingstier: Igel, Elefant, Feldhase 6 ..........................
Helden unserer Zeit.“ R – Beatrix von Storch, AfD
„Was alles nicht geht, das haben Reiseziele: Rocky Mountains, durch Russland mit der Transsibirischen Eisenbahn
S – Dietmar Bartsch, Linke Lieblingsessen: Spaghetti Bolognese, Hühnersuppe mit Nudeln
wir in den letzten Jahren genug U – Andreas Winhard, AfD Zweiter Traumjob: Astronaut*in
gehört. Aber es zählt jetzt, M – Olaf Scholz, SPD Freizeit: Gartenarbeit, Kartoffeln anbauen und ernten, schwimmen im See
was alles geht, was alles L – Walter Ulbricht Spezial-Fakt: Hat im Studium nebenbei in einer Disco an einer Bar gejobbt.
© 2020 Christian Lindner
möglich ist.“ I – Alice Weidel, AfD
Lösungswort _ _ _ _ _ _ _
11. U – Annalena Baerbock, Bündis 90/ Die Grünen
„In Moria sind die Werte der P – Angela Merkel, CDU 7 ..........................
L – Christian Lindner, FDP 1 2 3 4 5 6 7
EU in Flammen aufgegangen.“ A – Alexander Gauland, AfD
S – Andrea Nahles, SPD *Veranstalterin dieses Gewinnspiels ist: SozDia Stiftung Berlin – Gemeinsam Leben Gestalten, Pfarrstraße 92, 10317 Berlin. Jede*r Teilnehmer*in erkennt mit der Teilnahme an diesem
Gewinnspiel die hier aufgeführten Teilnahmebedingungen an. Teilnahmebedingungen: Teilnahmeberechtigt sind alle volljährigen Personen. Minderjährige Personen benötigen zur Teilnahme
Lösungswort: eine Einverständniserklärung der Eltern. Mehrfache Teilnahme sowie willentliche Falscheinträge sind unzulässig. Gewinnspielteilnehmer*in ist der*diejenige, der*die eine E-Mail mit dem
Pluralismus (Politische Vielfalt) richtigen Lösungswort fristgerecht abschickt. Teilnahmeschluss ist der 20.09.2021.
10 11Gemeinsam Demokratie Gestalten
„DEMOKRATIE BEGINNT BEI UNS SELBST.“
Über die Gestaltung von Mitbestimmung in frühkindlicher Bildung SozDia-Kita Müggelbande: Lädt bereits die Kleinsten zu
– Erfahrungen aus dem Alltag einer Kita einem Kita-Alltag wie in einem weltoffenen Dorf ein.
In der Kita beginnt Demokratie mit der „Eine demokratische Mehrheit, die für oder Im sozialen Bereich müsse man gut zuhö- „Das Konzept ‚Kita als weltoffenes Dorf‘ ne sich gern schriftlich an das zuständige milien heran. Wir stehen täglich in unmit-
eigenen und gelebten Haltung der be- gegen etwas gewinnt, heißt immer auch, ren, immer wieder neu sortieren und diffe- pflegt ein soziales, kulturelles und interreli- Beschwerdemanagement richten. „Das Be- telbarer Nähe zu ihnen und können so
treuenden Pädagog*innen, denn auch die dass Menschen und andere Interessen aus- renzieren können, um Entscheidungen zu giöses Leben.“ schwerdemanagement, das es ganz offizi- Impulse geben, um zum Beispiel das The-
Kleinsten wollen sich gesehen und gehört geschlossen werden.“ treffen. Auch um zu erkennen, was gelebte ell in der SozDia gibt, ist auch für die Kinder ma Demokratie von der Kita heraus in die
fühlen. Doch wie genau kann Demokratie Demokratie ist und was vorgeschobene Ein weltoffenes Dorf pflegt ein soziales, kul- da. Familien zu platzieren. Klar stößt man auch
in der frühkindlichen Bildung dazu beitra- Trotzdem möchte ich zunächst von Justus Demokratie. turelles und interreligiöses Leben und er- auf Grenzen, aber einander zu verstehen,
gen, dass Kinder zu Gestalter*innen ihres wissen, was Demokratie für ihn persönlich öffnet viele Möglichkeiten der Teilhabe. Die einander auszuhalten und dann gemein-
eigenen Lebens und unserer Gesellschaft bedeutet und was für seine tägliche Ar- „Kita ist die Wiege der Demokratie.“ Kinder lernen, wie man sich aktiv beteiligt, sam zu gestalten: das macht ein demo-
werden? Wie kann uns das gelingen und beit in der Kita. „Demokratie, da denkt man wie man etwas bewirken kann, wie demo- kratisches Miteinander auf Augenhöhe für
wie sieht so ein Kita-Alltag aus? Darüber ja schnell an zum Beispiel das Prinzip der „In der Kita sind wir schon ganz früh die kratische Prozesse ablaufen und wie man mich aus“, schließt Justus mit einem war-
spreche ich mit Justus Durben, Leiter der Wahlen, hier wird Demokratie zwar sicht- Wiege der Demokratie, denn unsere Kinder den Einzelnen mit all seinen Besonder- men Lächeln ab.
SozDia-Kita Müggelbande. bar, aber das ist nicht mein persönlicher dürfen und sollen eigene Entscheidungen heiten akzeptiert. Durch Vielfalt lernen die
Ansatz, denn eine demokratische Mehr- treffen und wir unterstützen und beglei- Kinder in ihrem weltoffenen Dorf Toleranz, Ich nehme viel aus diesem Gespräch mit
Als Leiter einer Kindertagesstätte mit 80 heit, die für oder gegen etwas gewinnt, ten sie darin“, holt Justus das Thema nun Respekt und Unvoreingenommenheit. und habe verstanden, dass alles damit
Kindern und 16 Mitarbeiter*innen ist der heißt immer auch, dass Menschen und konkret in seine Arbeitspraxis. Damit steht „Momente der demokratischen Bildung beginnt, Demokratie als innere Haltung
Terminkalender von Justus immer gut ge- andere Interessen ausgeschlossen werden. Justus stellvertretend für alle SozDia-Kitas können im Kita-Alltag u.a. die gemeinsame zu verstehen, die auch im Alltag gelebt
füllt. Er ist nicht nur Ansprechpartner für Für mich bedeutet Demokratie aber noch für eine Kita-Kultur der Teilhabe und der Festlegung eines Faschingsthemas, des werden muss. Hierfür braucht es ein Mitei-
all seine Kolleg*innen im laufenden Kita- viel mehr, nämlich Haltung zeigen, Kom- gleichberechtigten Beteiligung ein, in der nächsten Ausflugsziels oder einer alterna- nander auf Augenhöhe, bei dem sich alle
betrieb, sondern kümmert sich auch um munikation, Selbstreflexion, Andersden- die Kinder im Rahmen des komplexen Kita- tiven Tagesgestaltung sein, aber auch die gehört und gesehen fühlen. Wir müssen
organisatorische, inhaltliche und überge- kende mitzunehmen, statt sie auszuschlie- Alltags ihr Leben gemeinsam gestalten. Nutzung des Beschwerdemanagements zuhören, unsere Meinung immer wieder
ordnete Aufgaben. Er nimmt sich trotzdem ßen, sie zu sehen und ihnen zuzuhören“, ist Denn wie alle Kitas in Trägerschaft der Soz- und das Mitspracherecht in einem Kinder- hinterfragen, andere Meinungen zulassen
gerne die Zeit für unser Gespräch, berich- Justus überzeugt. Uns Menschen fiele es Dia arbeitet auch die Kita Müggelbande parlament“, lässt mich Justus wissen. Sie In Form von einem morgendlichen Ge- und Lösungen finden, bei denen mög-
tet er, denn das Thema Demokratie im ei- oft schwer, Sichtweisen von Andersden- seit ihrem Bestehen 2018 auf Basis des Ent- können auch entscheiden, wann und wie sprächskreis, der wie ein kleines Parlament lichst alle berücksichtigt werden. Auf diese
genen Arbeitskontext stellt nicht nur einen kenden zu berücksichtigen, Vorurteile und wicklungskonzeptes „Kita als weltoffenes viel sie zum Mittag essen wollen und ob funktioniert, können die Kinder ihre Prob- Art können wir Kindern vermitteln, dass sie
Grundwert innerhalb der gesamten Soz- die daraus resultierende Ablehnung zu Dorf“ von Dorothee Jacobs. Dieses stützt sie anschließend einen Mittagsschlaf ma- leme, Wünsche oder eben Beschwerden eine Stimme haben und diese auch ein-
Dia dar, sondern ist auch Justus selbst ein überwinden, aber genau das sei Justus zu- sich auf die Annahme, dass bereits die chen möchten oder nicht. So sollen Kinder offen ansprechen“, klärt mich Justus hier- setzen dürfen und sollen (sogar bevor sie
drängendes Anliegen. „Die individuellen folge so wichtig, um ein gemeinsames Ziel, Jüngsten ihre Kita ähnlich wie ein Dorf er- bereits in der Kita lernen, wie sie sich aktiv zu auf. In diesem offenen Erzählkreis sei sprechen können).
Bedürfnisse von Kitakindern und ihre Sicht zum Beispiel Frieden zu leben und Demo- leben. Es gibt einen Marktplatz, viele Werk- beteiligen und etwas bewirken können, es auch wichtig, die anderen ausreden zu
auf die Welt ernst zu nehmen, sie an Ent- kratie zu gestalten, erreichen zu können. stätten, eine Art Gemeindeverwaltung, viel wie demokratische Prozesse ablaufen und lassen, nicht zu diskriminieren, Situationen So werden Kinder zu Gestalter*innen ihres
scheidungen teilhaben zu lassen und mit Grün und die Möglichkeit, dies alles nach vor allem, dass sie eigene Entscheidungen aushalten zu können und sich selbst auch eigenen Weges und schließlich auch der
ihnen das Leben in der Gemeinschaft de- Demokratische Prinzipien, die auch fest und nach zu erkunden und zu verstehen. treffen dürfen. mal zurückzunehmen und erstmal zuzuhö- Gesellschaft.
mokratisch zu gestalten, gehört zu unserer im eigenen Alltag, in der eigenen Haltung ren. „Das sind viele Lernfelder für die Kinder,
Arbeitsgrundlage“, lässt mich Justus direkt nach innen und außen verankert sind, hel- „Um die Komplexität des Kita-Alltags und Die Sache mit dem Beschwerdemanage- die ganz spielerisch eröffnet und sichtbar
zu Beginn unseres Gesprächs wissen. Man fen dabei – auch fernab von politischen seine Potentiale besser erfassen und ver- ment interessiert mich dabei besonders, gemacht werden“, fügt Justus hinzu. Christina Saborosch-Stötzer
merkt ihm seine Leidenschaft, verbunden Wahlperioden. „Wichtig ist hierbei aber, mitteln zu können, schien uns eine Über- erinnert es mich doch an ein eher büro-
mit einer erfrischenden Leichtigkeit aber dass ich mich selbst auch nicht zu ernst tragung des Bildes von einem lebenswer- kratisches oder unangenehmes Tool aus „Alles beginnt damit, Demokratie als innere
auch der nötigen Ernsthaftigkeit für das nehme“, unterstützt Justus seine Aussage ten und weltoffenen Dorf auf unsere Kitas der „Erwachsenen-Welt“, wenn jemand bei Haltung zu verstehen, die auch im Alltag ge-
Thema schnell an. Er ist darauf bemüht die verschmitzt. In seiner täglichen Arbeit als eine geeignete Methode.“, erläutert Silke falscher Bestellung im Restaurant sofort die lebt werden muss.“
großen Worte ‚Demokratie‘ und ‚Partizipati- Kita-Leiter und Pädagoge arbeite er daher Mayn, Fachreferentin des Bereichs Kinder- Leitung für eine Beschwerde sprechen will
on‘ mit Leben zu füllen und sie bestmög- gerne und oft mit Vergleichen und wichtig: tagesstätten bei SozDia. oder bei Problemen mit Online-Bestellun- „Kita ist allgemein ein wichtiger Ort, denn
lich in die Praxis zu übersetzen. mit viel Humor. gen damit beschwichtigt wird, man kön- so nah kommen wir nie wieder an die Fa-
12 13bei sozdia vor ort
Klimafreundlich unterwegs mit der SozDia Fahrradflotte
Der Ausbau der SozDia-Fahrradflotte bildet einen wichtigen Beitrag zur Verkleinerung unse-
Auch während der Sommermonate haben wir uns in der SozDia wieder mit vielen tollen und bunten Aktionen sowie auch neuen Einrichtungs- res ökologischen Fußabdrucks. Seit dem 26. Mai 2021 rollen die ersten 24 Leih-Fahrräder an 10
Projekten auf den Weg gemacht, um auch in der wärmeren Jahreszeit gemeinsam Leben zu gestalten und zum mit- und nachmachen einzuladen. SozDia-Standorten durch Berlin. Dienstliche Wege im Kiez oder zur Geschäftsstelle in der Lichten-
Besonders die Momente des Miteinanders, die nun wieder mehr möglich waren, sind uns hierbei eine besondere Herzensangelegenheit, denn sie berger Victoriastadt können unsere Mitarbeitenden jetzt nachhaltig per Fahrrad zurücklegen. In
zeigen, dass gemeinschaftlich sein immer geht: den vergangenen Monaten stieg auch die Anzahl der Lastenfahrräder auf 11 an. Zusammen mit
den Leihfahrrädern sind sie eine tolle Alternative zum Auto im Großstadtverkehr. Innerhalb eines
Kiezes können so Einkäufe für die Einrichtungen erledigt werden, unser Ausbildungsrestaurant
„Am Kuhgraben“ kann seine Speisen im Kiez klimaneutral ausliefern und vieles mehr. Dass unsere
30 Jahre SozDia – der digitale Festakt Einrichtungen pünktlich zur Fahrrad-Saison mit Lasten- und Leihfahrrädern ausgestattet werden
Am 5. Mai war es endlich soweit, wir konnten unseren 30. Geburtstag digital konnten war Michael Heinisch-Kirch, unserem Vorstandsvorsitzenden, eine Herzensangelegen-
(nach)feiern. Gemeinsam mit Ulrike Trautwein, Generalsuperindententin der heit: „Nachhaltigkeit ist eines unserer zentralen Anliegen. Das gilt natürlich auch für den Bereich
EKBO und Markus Meckel, Außenminister a.D. und langjähriges Mitglied des Mobilität. Deshalb freue ich mich besonders über eine Fahrrad-Saison, die in der SozDia ab jetzt
Deutschen Bundestages konnten wir ergründen, was ein friedliches Zusammen- gar nicht mehr endet.“ Und wer doch mal längere Strecken zurücklegen muss, kann bequem auf
leben in einer Gesellschaft gelingen lässt. In drei digitalen Räumen zu aktuel- die grünen Elektro- oder Erdgasfahrzeuge samt passender E-Tankstellen der SozDia zurückgreifen.
len Themen fand zwischen Teilnehmer*innen und Impulsgeber*innen ein reger
Austausch statt, bei dem auch Forderungen formuliert wurden. Wir konnten vie-
le hilfreiche Einblicke in andere Bereiche unserer Gesellschaft erhalten und neh-
men diese für unser künftiges Wirken, für die Gestaltung unserer Gesellschaft,
mit auf. Eine ausführliche Zusammenfassung unserer Ergebnisse aus den The- Foodsharing im iKARUS stadtteilzentrum
menräumen findet sich unter: www.sozdia.de. Wir möchten uns an dieser Stelle Jeden Tag werden Tonnen von Lebensmittel für den Müll produziert. Einen
auch noch einmal recht herzlich bei allen Vortragenden und Teilnehmer*innen großen Teil davon könnten wir vermeiden. Um dem entgegen zu wirken,
für den schönen und interessanten Nachmittag bedanken. Insbesondere auch steht seit dem 21. Juni der erste Foodsharing-Kühlschrank in Karlshorst und
für die zahlreichen Glückwünsche, die uns vor dem Festakt, aber auch während- zwar im iKARUS stadtteilzentrum! Alle können zu Lebensmittelretter*innen
dessen, erreichten. werden, indem sie sich dort holen, was sie brauchen. Die Initiative „foodsha-
ring“ bestückt den Kühlschrank mit geretteten Lebensmitteln v.a. aus Super-
märkten und reinigt ihn täglich, sodass durchgehend darauf geachtet wird,
dass sich keine verderblichen oder abgelaufenen Speisen im Kühlschrank
befinden. Die aktuellen Abholzeiten der Lebensmittel finden sich unter:
Spielend mit Unterschieden umgehen www.sozdia.de.
Vor 20 Jahren hat unsere Kita Buntstift ihren Betrieb aufgenommen und damit ist die
SozDia seit Januar 2001 Kita-Trägerin. Und während die Kleinen von damals längst
erwachsen sind, spielen in der interkulturellen Einrichtung heute noch immer Kinder
mit unterschiedlichem kulturellen und religiösen Hintergrund miteinander – mittler-
weile sind es 130. Mit ihnen feierten die Erzieher*innen im kleinen Kreis am 16. Juni EINLADUNG ZUM WAHLFRÜHSTÜCK, 15. SEPTEMBER 2021, 10-14 UHR
das 20-jährige Jubiläum und die Eröffnung des mittlerweile von den Jüngsten genutz-
Neben der Bundestagswahl findet dieses Jahr auch die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus statt. Dabei ist es insbesondere die
ten Erweiterungsbaus. Und auch wenn ein großes Fest erst im kommenden Jahr statt-
Soziale Frage und die Antworten in den Wahlprogrammen auf Landesebene, die uns in der SozDia als Tätige der Sozialen Arbeit unmit-
finden wird, so können Eltern und Interessierte durch einen Buntstift-Podcast an einer
telbar betrifft. Wie sollen Herausforderungen angegangen werden? Welche Themen sind für uns zentral? Wo sehen wir Lücken? Diese
Zeitreise teilhaben. Hören Sie gerne rein unter: www.sozdia.de/Kita-Buntstift.
Fragen wollen wir bei einem gemeinsamen Wahlfrühstück diskutieren. Dazu lädt das SozDia-Vorstandsreferat am 15. September, dem
Tag der Demokratie, von 10-14 Uhr zu einem Picknick vor der alten schmiede ein. Mit Impulsfragen, einer kleinen Arbeitshilfe zu den
Wahlprogrammen und leckerem Essen wollen wir die für uns relevanten Themen
beleuchten sowie über Wege sprechen, wie wir unsere Anliegen und Perspektiven –
auch über die Wahl hinaus – in politische Entscheidungsprozesse einbringen können.
Stärkung der lokalen Gemeinschaft Falls der 15.09.2021 für Euch nicht passt: wir senden die Arbeitshilfe inklusive der
Vier SozDia-Einrichtungen und Projekte der Gemeinwesenarbeit haben sich Methode „Wahlfrühstück“ an alle SozDia-Einrichtungen vorab per Email raus,
am Europäischen Tag der Nachbarn mit einfallsreichen Aktionen beteiligt. So vielleicht habt Ihr ja Lust das Thema bei Euch vor Ort einzubringen!
lud unser neues Stadtteilprojekt „UNTERWEGS in Hohenschönhausen Süd“ am
28. Mai zu einem Quiz-Spaziergang ein, um den Stadtteil einmal mit anderen
Augen zu entdecken. Von BENN Hohenschönhausen Nord wurden mit einem
Rezept und dazugehörigen Kochzutaten sowie dem Kochbuch „So isst Lichten-
berg“ befüllte Jutetaschen verteilt. Zu einer Blütenjagd und einem Terrassen- Für ein demokratisches Miteinander: #Berlinsolidarisch
Bingo hat unsere Jugend- und Begegnungsstätte alte schmiede aufgerufen.
Das SozDia-Leitungsteam hat sich stellvertretend für die Stiftung mit Unterschrift an der Erklärung „Gegen rechte
Während am Aktionstag zahlreiche bunte Papierblüten im Kaskelkiez leuchte-
Hetze und Verschwörungserzählungen“ und der Aktion #Berlinsolidarisch beteiligt. Mit diesem Hashtag setzen
ten, verteilte unser iKARUS Stadtteilzentrum eingepflanzte Sonnenblumen und
sich Berliner Träger*innen des sozialen Bereichs für ein demokratisches und vielfältiges Miteinander ein. Dafür
Bücher auf dem Karlshorster Wochenmarkt, um mit den Anwohner*innen ins
stehen wir natürlich auch in der SozDia ein. Ob dies nun unserem Kita-Konzept „Kita als weltoffenes Dorf“ ge-
Gespräch zu kommen. Das letzte Jahr hat wie kein anderes gezeigt, wie wichtig
schieht, wir offene Einrichtungen für alle Menschen der Nachbarschaft sind oder uns in unseren Teams tagtäglich
nachbarschaftlicher Zusammenhalt und lokales Engagement sind. Mit diesen
um Konsens- und Kompromissfindung bemühen. Ganz besonders mit Blick auf den Wahlkampf 2021 wird in dem
vielfältigen Aktionen konnten unsere Einrichtungen ein schönes Zeichen für
Aufruf für ein faires und respektvolles Ringen unterschiedlichster gesellschaftlicher Meinungen geworben. Dabei
eine gute und lebendige Nachbarschaften setzen.
ist es den Unterzeichner*innen der Trägererklärung besonders wichtig, dass die Wahrung der Menschenrechte
auch in hitzigen Debatten oberste Priorität hat. Um diese Haltung nach draußen zu tragen, unterstützen wir die
Aktion #Berlinsolidarisch. Unter dem #Berlinsolidarisch finden Sie viele Ideen zum Mitmachen.
Texte und Zusammenstellung: Katrin Spiess
14 15PRO contra
WÄHLEN SCHON AB 16 ? Wählen mit 16 Jahren? Auf Landesebene ist das bisher nur in Brandenburg,
Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein möglich. Auf kommunaler in
zehn Bundesländern. Doch an dem Thema scheiden sich die Geister.
Auf Kosten der jungen Generation? Wir haben uns auf die Suche gemacht
und zwei Menschen dazu befragt:
„JA, ICH BIN DABEI! „NEIN, ICH BIN DAGEGEN! Dr. Stephan Eisel ist Politik-
wissenschaftler mit mehre-
Lena Esther Lange aus Friedrichsdorf
in Hessen ist Schülerin und steht kurz WEIL EIN WAHLRECHT AB 16 JAHREN ES WEIL EIN WAHLRECHT UNTER 18 JAHREN ren Veröffentlichungen zur
Absenkung des Wahlalters.
vor dem Abitur. Sie ist Vorsitzende der
SCHAFFT, UNSERE DEMOKRATIE ZU STÄRKEN.“ DEM JUGENDSCHUTZ ENTGEGENSTEHT.“
Er kommt aus der Jugendar-
Initiative „Jugend wählt“ und Kreis- beit und Politischen Bildung
und Stadtparlamentsabgeordnete für und war Mitglied des Deut-
Bündnis 90/Die Grünen. schen Bundestages.
Denn dann ist eine größere Zahl in Da Jugendliche im Alter von 16 und 17 16-Jährige dürfen in der Öffentlichkeit schnitt. Dort wird unterschieden zwischen
Deutschland an der Wahl unseres Gesetz- Jahren im Unterricht sowie über die in der keine hochprozentigen Alkoholika trinken „Kindern“ bis 14 Jahren und „Jugendlichen“
gebers und somit an der Legitimation un- Schule organisierten Podiumsdiskussionen und ohne Begleitung Erwachsener Kinos zwischen 14 und 18 Jahren.
serer Parlamente beteiligt. Gleichzeitig motiviert werden, sich mit Wahlen ausein- oder Gaststätten nur bis Mitternacht besu-
wirkt es der demographischen Entwick- anderzusetzen, ist die Wahrscheinlichkeit chen. Sie dürfen weder Zigaretten kaufen Außerdem entkoppelt die Trennung des
lung in Deutschland entgegen. So sind groß, dass sie tatsächlich wählen gehen. noch in der Öffentlichkeit rauchen oder Wahlalters von der Volljährigkeit aktives
aktuell doppelt so viele Menschen über 60 Zahlreiche empirische Studien belegen, Sonnenstudios besuchen. Grundsätzlich und passives Wahlrecht. Wegen des grund-
Jahren wahlberechtigt wie unter 30-Jäh- dass Jugendliche im Alter von 16 und 17 gilt bis zur Volljährigkeit: „Eltern haften für gesetzlich garantierten freien Mandats, ist
rige. 1990 sah das noch anders aus: der Jahren über das notwendige politische ihre Kinder”. Es gibt diesen Jugendschutz, die Wählbarkeit des passiven Wahlrechts
Anteil der Wahlberechtigten über 60 Jah- Wissen und hinreichende Kompetenz ver- weil der Gesetzgeber Minderjährigen nicht nämlich mit den Freiheitseinschränkungen
ren und unter 30 Jahren war damals fast fügen, um zu einer Wahlentscheidung zu zutraut, Gefahren für sich selbst realistisch für Minderjährige nicht vereinbar. So wä-
gleichmäßig verteilt. kommen, die einer fundierten Meinung einzuschätzen. Es wäre widersinnig, ihnen ren Minderjährige gezwungen, Volljährige
entspricht. die für das eigene Leben abgesprochene zu wählen.
Ganz abgesehen davon: Jugendliche im Einsichtsfähigkeit durch das Wahlrecht für
Alter von 16 und 17 Jahren haben in den Bisher konnte nur auf bis zu zwei Jahrzehn- die Gesellschaft insgesamt zuzubilligen. Die Befürworter*innen des Wahlalters ab
Bundesländern mit aktivem Wahlrecht ab te alte Umfragen mit höchstens wenigen 16 wollen übrigens die Entscheidungsfrei-
16 Jahren bewiesen, dass sie sich stärker tausend Beteiligten zu der Frage, ob das Dabei ist nicht entscheidend, wie politisch heit von 16- und 17-jährigen sonst nicht
an den Wahlen beteiligen als die Wahlbe- Wahlalter auf 16 Jahre gesenkt werden interessiert einzelne Jugendliche vor der ausweiten und fordern keine Absenkung
rechtigten in den Altersgruppen der 18- bis sollte, zurückgegriffen werden. Seit No- Volljährigkeit sind. Eine individuelle „Wahl- der Volljährigkeit. Das Wahlrecht als zent-
35-Jährigen und teilweise bis 45-Jährigen. vember 2020 liegen die Ergebnisse einer reifebeurteilung” wäre demokratiefremd. rales Bürgerrecht wird aber durch die Bür-
Weiter zeigen die repräsentativen Wahlsta- repräsentativen Umfrage mit über 10.000 Das Bundesverfassungsgericht hat aus- gerpflicht der vollen Verantwortung für
tistiken, dass sich der Vorwurf, dass 16- und beteiligten Jugendlichen im Alter von 14 drücklich festgestellt, dass beim Wahlrecht das eigene Handeln legitimiert, die mit der
17-Jährige nur „links“ und „grün“ wählen bis 17 Jahren aus allen Bundesländern vor. eine generalisierende Gruppenbeurteilung Volljährigkeit beginnt.
würden, nicht bestätigen lässt. So weicht Darin sprechen sich 85 Prozent der 14- bis verfassungskonform ist. Die Altersgrenze
das Wahlverhalten der 16- und 17-Jährigen 17-Jährigen für ein Wahlrecht ab 16 Jahren 16 ist außerdem willkürlich und in unse-
nur gering von dem Ergebnis aller anderen aus! rem Rechtssystem kein wesentlicher Ein-
Wahlberechtigten ab.
16 17Nachgefragt
Ralf-Uwe Beck
ist Bundesvor-
standssprecher
von „Mehr
Mehr Demokratie e. V. ist ein gemeinnütziger Verein, der sich für direkte Demokratie, Bürgerbeteiligung sowie Reformen Demokratie“.
des Wahlrechts in Deutschland und der EU einsetzt. Als weltweit größter Fachverband für direkte Demokratie begleitet er
Reformprozesse der direkten Demokratie, erstellt Gesetzentwürfe, entwickelt Kampagnen und initiiert Volksbegehren. Hier vor einer
Spirale aus
250.000 Unter-
»DEMOKRATIE IST KEIN WARTERAUM«
schriftenbögen
für ein Thürin-
ger Volksbegeh-
ren in 2008.
Lehren aus der Corona-Krise für die Demokratie und die Chance, nicht nur
© Sascha Willms
zur Bundestagswahl ein Kreuz zu machen. Fragen an Ralf-Uwe Beck.
Ihr Verein streitet für „Mehr Demokratie“ die zweite Kritik: Ich habe kein Verständnis einen Komplettausfall. Auf Länderebene Wir haben Bundestagswahl. Volksabstim- gezeigt: direkte Demokratie ist kein Angriff jedem Volksbegehren muss ein Antrag auf
und damit auch für mehr Mitbestimmung dafür, dass die Politik immer wieder daran wurden – leider sehr spät – immerhin Bür- mungen bieten die Möglichkeit, nicht nur auf die Politik, sondern eine Chance. Zulassung eines Volksbegehrens gestellt
von unten. Wie erleben Sie die Corona erinnert werden muss, wie wichtig es ist, gerräte zur Corona-Krise installiert. Zuerst alle vier oder fünf Jahre ein Kreuz zu ma- werden. Regierung und Parlament können
krise? Bürger*innen zu beteiligen. „Die Kompe- in Baden-Württemberg, schließlich auch in chen. Können sie Wahlen ersetzen? Welche Themen stehen ganz vorn? das Verfassungsgericht anrufen und um
Mich hat schon im vergangenen Jahr er- tenz der Betroffenen“ haben wir das in der Thüringen und Sachsen. Nein! Doch sie bieten uns die Möglichkeit, Die ökologischen Themen nehmen zu. Wir Prüfung bitten, ob das verfassungskon-
staunt, wie solidarisch sich die Menschen DDR genannt. Kein Politiker ist gleichzeitig zwischen den Wahlen auf die Politik Ein- können das beim Ausbau der Infrastruktur form ist. Die Abstimmungen über das Mi-
verhalten haben. Damit meine ich nicht Kind, Verkäuferin, Zugschaffner. Von daher Was heißt das für die Demokratie fluss zu nehmen. Die Demokratie ist ja kein für Fahrräder nachweisen. Da gab es 2013 narettverbot und die „Ausschaffung“ wären
die unsäglichen Querdenker-Demonstra- wäre es bei den vielen Entscheidungen, die von morgen? Warteraum. Sie ist ein Marktplatz, auf dem in ganz Deutschland ein einziges Begehren in Deutschland nicht zugelassen worden.
tionen, sondern die Menschen in meiner schwer verständlich waren, besser gewe- Wir fordern, dass nach der Bundestagswahl man sich zusammensetzt, um sich über und 2020 waren es schon 21. Auch Initiati- Hier gibt es einen starken Riegel, der uns
unmittelbaren Umgebung. Ich habe be- sen, die Alltagskompetenz einzubeziehen. im September eine Enquetekommission Probleme auszutauschen, um zu Lösun- ven zum Ausstieg aus der Kohle oder mit davor schützt, dass man die direkte De-
obachtet, dass sie nicht nur auf sich ge- zur Corona-Krise eingesetzt wird – besetzt gen zu kommen. Wählen und dann wieder dem Ziel, die eigene Stadt 2035 klimaneu- mokratie nutzen könnte, um Grund- und
schaut haben, sondern auch, ob sie andere Was hat „Mehr Demokratie“ getan? mit Abgeordneten und Experten aus der warten bis zur nächsten Wahl – das reicht tral zu machen. Wenn es endlich Volksent- Minderheitenrechte auszuhebeln. Auch
gefährden. Das fand ich ermutigend. Das Wir haben einen Bürgerrat auf der Ebene Zivilgesellschaft. Die Devise lautet: offen, nicht. Den Bundestag wählen wir nur alle scheide auf Bundesebene gäbe, könnte der Brexit war von Prime Minister Cameron
hängt aber vom Vertrauen in politische des Kanzleramtes vorgeschlagen. Leider ehrlich und konsequent auswerten. Das vier Jahre. Schon bei den Koalitionsver- man den Klimaschutz viel breitere Füße als eine Befragung von oben angesetzt, um
Entscheidungen ab. Wir haben endlich hat Kanzleramtschef Helge Braun nicht darf kein Pranger sein, es geht um Rück- handlungen sitzen wir wie das Karnickel stellen. seine Macht zu erhalten. Auch so etwas
Politiker*innen erlebt, die eingestanden geantwortet. Da gab es auf Bundesebene schlüsse für künftige Krisen. vor der Schlange, haben auch keinen Ein- gibt es in Deutschland nicht. Initiativen
haben, dass sie unsicher sind, dass manche fluss mehr. Die direkte Demokratie ermög- Dem haben die Bündnisgrünen jüngst aus für direkte Demokratie müssen immer von
Entscheidungen für sie eine Zumutung licht dagegen, dass wir – notfalls – eine Sa- Angst vor Populismus eine Absage erteilt. Bürgerinnen und Bürgern ausgehen.
sind, sie aber keine andere Möglichkeit che selbst in die Hand nehmen. Das sorgt Kritische Stimmen befürchten, dass mit
sehen. Diese Offenheit und Fehlerfreund- dafür, dass die Politik die Dinge von der den Volksabstimmungen die Gefahr droht, Interview Bettina Röder
lichkeit kosten kein Vertrauen, sondern langen Bank holt, mit uns redet und we- religiöse Minderheiten zu unterdrücken.
stärken es. niger über unsere Köpfe hinweg entschei- Wie das Minarettverbot oder die „Aus-
det. Das geht in allen Bundesländern, leider schaffungsinitiative“ in der Schweiz?
Und doch: die auch von Ihnen mehrfach noch nicht auf Bundesebene. Die Bündnisgrünen haben hier fachlich
angemahnte Mitbestimmung von unten Nachholbedarf. In Deutschland läuft das
ist leider oft ausgeblieben. Wo hat direkte Demokratie zuletzt für ganz anders. Hier sind Grund- und Min-
Wir hatten zwei zentrale Forderungen: solchen Einfluss gesorgt? derheitenrechte für die direkte Demokratie
erstens die Parlamente und zweitens die Beim Volksbegehren in Bayern zum Arten- tabu und können nicht angegriffen wer-
betroffenen Menschen stärker zu beteili- sterben, was ja eine Überlebensfrage ist. Es den.
gen. An der parlamentarischen Beteiligung gab dort noch nie ein Volksbegehren, das
hat es lange gekrankt. Nur die Parlamen- von so vielen Menschen unterschrieben Wie funktioniert das?
te dürfen wesentliche Grundrechtsein- wurde: 1,2 Millionen innerhalb von 14 Ta- In der Schweiz kommt alles zur Abstim-
schränkungen vornehmen. Dennoch hat gen. Daraufhin hat Ministerpräsident Söder mung, was die Unterschriftenhürde ge-
man sich erst sehr spät mit dem Zusam- alle Lobbybauernverbände beiseitetreten nommen hat. Dort ist die direkte Demo-
menspiel von Exekutive und Legislative lassen und gesagt, jetzt gibt es einen Run- kratie zweistufig. Volksbegehren, Volksent-
beschäftigt. Dabei geht es schließlich um den Tisch und die Politik übernimmt die scheid. Schluss. In Deutschland ist die di-
Grundrechtseinschränkungen, wie wir sie Jubelndes Team: Mitarbeitendentreffen von Mehr Demokratie e.V. Forderung dieses Volksbegehrens. Das hat rekte Demokratie dreistufig. Das heißt, vor
seit der DDR nicht mehr erlebt haben. Und
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