AUS RUMMELSBERG - DEZENTRALISIERUNG VERWANDLUNG BERUFLICHE VERÄNDERUNG Kinder und Familien vor Ort begleiten - Rummelsberger Diakonie

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AUS RUMMELSBERG - DEZENTRALISIERUNG VERWANDLUNG BERUFLICHE VERÄNDERUNG Kinder und Familien vor Ort begleiten - Rummelsberger Diakonie
G r u ß        AUS RUMMELSBERG
03 | 2021

 DEZENTRALISIERUNG

 Kinder und Familien vor
 Ort begleiten
 Seite 12

 VERWANDLUNG

 Circus-Projekt an der
 Comenius-Schule
 Seite 20

 BERUFLICHE
 VERÄNDERUNG
 Quereinstieg in den
 sozialen Beruf
 Seite 26

                                 rummelsberger-diakonie.de
AUS RUMMELSBERG - DEZENTRALISIERUNG VERWANDLUNG BERUFLICHE VERÄNDERUNG Kinder und Familien vor Ort begleiten - Rummelsberger Diakonie
Inhalt

                                                                                                                                                                        LIEBE LESERINNEN
                                                                                                                      Nochmal etwas Neues
                                                                    Alles aus einer Hand                              machen                                            UND LESER,

                                                                    Begleitung in allen Lebenslagen
                                                                                                            16        Quereinstieg in den sozialen Beruf
                                                                                                                                                             26         wenn Sie diesen „Gruß aus Rummelsberg“ erhalten, sind
             Editorial

             Ein Blick auf die Zukunft
                                                             3                                                                                                          Sie vielleicht damit beschäftigt, sich auf das nahende
                                                                                                                                                                        Weihnachtsfest vorzubereiten. Ende Oktober waren wir
                                                                                                                                                                        noch zuversichtlich, dass wir Verwandte und befreun-
                                                                                                                                                                        dete Menschen wieder unbeschwert besuchen können.
                                                                                                                                                                        Nun ist Mitte November und die pandemische Situation
             Ein lernender Prozess

             Generalistik in der Pflege
                                                             4                                                                                                          ist wieder sehr angespannt. Auch in den Rummelsberger
                                                                                                                                                                        Einrichtungen und Diensten beschäftigt uns diese er-
                                                                                                                                                                        neute Herausforderung. Wir sind inzwischen geübt und
                                                                                                                                                                        können uns darauf einstellen. Ein Alltag wie vor Corona
                                                                                                                                                                        ist leider noch nicht absehbar. Das Virus fordert weiter
                                                                                                                                                                        großen Respekt von uns allen.
                                                                                                                                                                        Wir bitten Sie an dieser Stelle, sollten Sie noch nicht ge-
                                                                                                  FOTO: Simon Malik
                                                                                                                                                                        impft sein, diese Option zu prüfen. Der Weg in die von
                                                                                                                                                                        uns allen ersehnte Normalität führt einzig über eine aus-
                                                                                                                                                                        reichend hohe Impfquote.
                                                                                                                                                   FOTO: David Rasche
                                                                                                                                                                        In diesem Gruß beschreiben wir Gegenwärtiges, schauen
                                                                    Strahlende Gesichter in der                                                                         in die Zukunft und darauf, wie sich unsere Angebote stetig
                                                                                                                                                                        weiterentwickeln. In allen Handlungsfeldern wandeln sich
                                                                    Zirkusmanege
                                                                                                            20        Kurz berichtet
                                                                                                                                                                        die Anforderungen an Anbieter sozialer Dienstleistungen,

                                 FOTO: Diakonin Arnica Mühlendyck
                                                                    Die Artist*innen des Circus ZappZarap
                                                                                                                      Neues aus der
                                                                                                                                                             28         so auch an uns. Wir stellen uns dem aktiv und entwickeln
                                                                                                                                                                        diakonisch-soziale Angebote so weiter, dass sie die Be-
                                                                                                                                                                        darfe der Menschen, die uns aufsuchen, zeitgemäß und
                                                                                                                      Rummelsberger Diakonie                            zukunftsfähig abdecken. An den Menschen, für die wir da
             Schule für autistische Kinder                                                                                                                              sind, orientiert sich unser Anspruch: innovative Angebote
             im Wandel                                                                                                                                                  zu gestalten, Digitalisierung zur Entlastung voranzubrin-

             Neubau der "Muschelkinderschule"
                                                             8                                                        Wirksam & Engagiert
                                                                                                                                                             30
                                                                                                                                                                        gen und unsere ethischen Wurzeln in der Gegenwart für
                                                                                                                                                                        die Zukunft weiter zu entwickeln. Wir wünschen Ihnen
                                                                                                                                                                        viel Freude beim Lesen der folgenden Seiten.
                                                                                                                      Tierpatenschaften helfen
                                                                                                                                                                        Am Ende des Jahres, danken wir Ihnen herzlich für Ihre
                                                                                                                                                                        Verbundenheit!
                                                                                                                                                                        Trotz vielfacher Anforderungen schauen wir optimistisch
                                                                                                                                                                        in die Zukunft.
                                                                                                                      Spendenprojekt
                                                                                                                                                             32
                                                                                                                                                                        Wir wünschen Ihnen getroste Zuversicht, eine schöne
                                                                                                                                                                        Adventszeit und ein gesegnetes Weihnachten sowie alles
                                                                                                                      Unterstützte Kommunikation                        Gute für das kommende Jahr 2022.
                                                                                            FOTO: Arnica Mühlendyck   ermöglicht Teilhabe                               Bleiben Sie uns verbunden und bleiben Sie behütet.
                                                                                                                                                    FOTO: Simon Malik
                                                                                                                                                                        Ihr
                                                                                                                                                                        Vorstand der Rummelsberger Diakonie e.V.

                                             FOTO: Heike Reinhold   Erstmal schauen –
                                                                    im Gleichgewicht bleiben

                                                                    Neuer Leiter der
                                                                                                            24                                                          Diakon Peter Barbian             Dr. Tobias Gaydoul

             Unterstützung direkt vor Ort

             Hilfe für Kinder und Familien
                                                         12         Rummelsberger Brüderschaft

                                                                                                                                                                        Diakonin Elisabeth Peterhoff     Karl Schulz

2            Ausgabe 03 | 2021                                                                                                                                                                                              3
AUS RUMMELSBERG - DEZENTRALISIERUNG VERWANDLUNG BERUFLICHE VERÄNDERUNG Kinder und Familien vor Ort begleiten - Rummelsberger Diakonie
Thema                                                                                                                                                                                                                              Thema

                                                                                                                                                                                  derung für die Kolleginnen und Kollegen.“ Eine
                                                                                                                                                                                  staatliche Refinanzierung war dafür nicht vor-
                                                                                                                                                                                  gesehen. „Für den Transformationsprozess hat
                                                                                                                                                                                  die Rummelsberger Diakonie selbst ein Budget
                                                                                                                                                                                  zur Verfügung gestellt.“
                                                                                                                                                                                  Seit 2019 stand der neue Lehrplan zur Ver-
                                                                                                                                                                                  fügung, seit 2017 war klar: Die generalistische
                                                                                                                                                                                                       Ausbildung kommt. „Aber
                                                                                                                                                                               PFLEGE                  darüber gesprochen haben
                                                                                                                                                                                                       wir eigentlich schon, seit
                                                                                                                                                                               ALS JUNGE
                                                                                                                                                                                                       ich an dieser Schule arbei-
                                                                                                                                                                               DISZIPLIN               te“, erinnert sich Dorothea
                                                                                                                                                                                                       Eidam, die 1992 an der Pfle-
                                                                                                                                                                                  geschule den Dienst angetreten hat. „Die pro-
                                                                                                                                                                                  fessionelle Pflege ist eine sehr junge Disziplin“,
                                                                                                                                                                                  fasst Johannes Mahlmann zusammen. Erst seit
                                                                                                                                                                                  1994 ist „Altenpfleger“ eine geschützte Berufs-
                                                                                                                                                                                  bezeichnung, bis in die 70er Jahre war die Pflege
                                                                                                                                                                                  alter Menschen noch meistens ein reines Eh-
                                                                                                                                                                                  renamt, das von Diakonissen oder den Angehö-
                                                                                                                                                                                  rigen ausgeübt wurde. Dass die Generalistik eine
                                                                                                                                                                                  Professionalisierung mit sich bringt, wird schon
                                                                                                                                                                                  daran erkennbar, dass zukünftig alle Lehrkräfte
                                                                                                                                                                                  einen Bachelor- oder Masterabschluss vorwei-
                                                                                                                                                                                  sen müssen. „Bisher unterrichten an den Pfle-
                                                                                                                                                                                  geschulen häufig ehemalige Pflegekräfte, die
                                                                                                                                                                                  entsprechende Weiterbildungen gemacht ha-
                                                                                                                                                                                  ben oder Kolleginnen und Kollegen, die die Aus-
                                                                                                                                                                                  bildung als Lehrkraft für Pflegeberufe absolviert
                                                                                                                                                                                  haben. Das wird in Zukunft nicht mehr gehen“,
                                                                                                                                                                                  so Christian Oerthel.
            Cristina Fielk und Beda Saint-Roland Assebien sind im zweiten Jahr der generalistischen Pflegeausbildung.
                                                                                                                          Dorothea Eidam, Schulleiterin an der Berufs-            Neben der Veränderung des Curriculums geht
                                                                                                                          fachschule für Pflege in Weißenburg, sieht vie-         eine zweite Schwierigkeit mit dem Wandel ein-
                                                                                                                          le positive Auswirkungen des neuen Lehrplans.           her: Die Komplexität der Praxiskoordination.
                                                                                                                          „Da gibt es viele spannende Inhalte, die beruf-         Die Schülerinnen und Schüler machen ihre

            EIN LERNENDER PROZESS                                                                                         liche Vielfalt wird besser abgebildet, als vorher.
                                                                                                                          Der Lehrplan ist differenzierter, so dass darin
                                                                                                                          pflegerische, medizinische und sozialwissen-
                                                                                                                                                                                  Ausbildung in einer Stammeinrichtung, in der
                                                                                                                                                                                  sie rund 1.350 Arbeitsstunden in den drei Jah-
                                                                                                                                                                                  ren der Ausbildung verbringen – zehn Prozent
                                                                                                                          schaftliche Inhalte breiter abgebildet werden.“         davon sind für die fachliche Anleitung vorgese-
                                                                                                                          Dass mehr Inhalte auch einen strafferen Zeit-           hen. „Über diese Vorgabe bin ich sehr froh“, so
            Ein Jahr Generalistik in der Pflegeausbildung – eine erste Bilanz                                             plan bedeuten, ist logisch. „Manchmal ist der           Dorothea Eidam. Ziel der Ausbildung ist, durch
                                                                                                                          Zeitdruck eine Herausforderung“, so Eidam.              weitere Praxiseinsätze sowohl in der Akutpflege
            „Der Unterricht ist sehr situationsbezogen, er                So auch bei den drei Rummelsberger Schu-        Denn es sind zwar einige Inhalte weggefallen            im Krankenhaus als auch in der Langzeitpflege
            holt die Schülerinnen und Schüler ab und be-                  len in Penzberg, Nürnberg und Weißenburg.       im Vergleich zur Altenpflegeausbildung. Aber in         in der Altenhilfe Erfahrungen zu sammeln und
            reitet sie gut auf situatives Handeln vor“, lobt              Mahlmann ist stellvertretender Schulleiter in   der Bilanz ist es mehr Lernstoff geworden.              auch den pädiatrischen Bereich kennenzuler-
            Diakon Johannes Mahlmann die generalistische                  Weißenburg und hat die Umsetzung des neu-       Diakon Christian Oerthel ist der fachliche Leiter       nen. Und da wird es manchmal schwierig. „Zum
            Pflegeausbildung. Seit einem Jahr ersetzt die-                en Lehrplans in allen drei Schulen begleitet.   der Beruflichen Schulen bei der Rummelsber-             einen ist es nicht so einfach, für wenige Stun-
            se Ausbildungsform deutschlandweit die bis-                   „Die Umsetzung ist ein lernender Prozess,       ger Diakonie. Die generalistische Pflegeausbil-         den einen Praktikumsplatz zu finden“, erklärt
            herigen Ausbildungen in der Altenpflege, der                  den wir seit einem Jahr gehen. Wir haben mit    dung liegt ihm am Herzen. „Die Professiona-             Dorothea Eidam. „Daher steuern wir als Schule
            Krankenpflege und der Kinderkrankenpflege                     dem ersten Ausbildungsjahr begonnen, mitt-      lisierung der Pflege ist richtig und wichtig“, so       die Suche nach Praktikumsplätzen zentral.“ Die
            und fasst sie in der übergreifenden Ausbildung                lerweile haben wir die Inhalte für alle drei    Oerthel. „Aber die fachliche Umstellung in den          zweite Herausforderung ist es, sicher zu stellen,
            „Pflege“ zusammen.                                            Ausbildungsjahre umgesetzt“, so der Diakon.     drei Schulen war auch eine große Herausfor-             dass die zehn Prozent Praxisanleitung auch in

4           Ausgabe 03 | 2021                                                                                                                                                                                                                  5
AUS RUMMELSBERG - DEZENTRALISIERUNG VERWANDLUNG BERUFLICHE VERÄNDERUNG Kinder und Familien vor Ort begleiten - Rummelsberger Diakonie
Thema

          kleineren Einrichtungen und bei kürzeren Ein-                    erklärt der junge Mann. Die flexible Wahl zwi-           EIN JAHR GENERALISTISCHE
          sätzen gewährleistet sind. Denn: Personell ist                   schen Langzeit- oder Akutpflege ist einer der
          es nicht immer unproblematisch, eine Person                      großen Pluspunkte der generalistischen Pflege-           PFLEGE-AUSBILDUNG
          vom Dienst freizustellen, damit sie die Schülerin                ausbildung. „Wir leben in einer alternden Ge-
          oder den Schüler anleitet.                                       sellschaft“, so Johannes Mahlmann. In der Akut-
          „Wir wissen, dass das nicht einfach ist. Die                     pflege im Krankenhaus spielt Langzeitpflege
                                                                                                                                    Seit einem Jahr gibt es in Deutschland die Alten-Pflege-Ausbildung nicht mehr.
          Bedingungen in der Pflege sind schon lange                       eine immer größere Rolle, weil die Patientinnen          Die Alten-Pflege-Ausbildung wurde mit der Kranken-Pflege-Ausbildung
          schwierig“, so Johannes Mahlmann. „Aber die                      und Patienten älter werden. Und in der Alten-
                                                                                                                                    und der Kinder-Kranken-Pflege-Ausbildung zusammengefasst.
          Pflegeausbildung ist nun mal eine duale Aus-                     pflege gewinnt die medizinische Versorgung aus
          bildung und eine gute Praxisausbildung gehört                    dem gleichen Grund an Relevanz. „So können in            Diese drei Ausbildungen zusammen heißen jetzt:
          dazu.“                                                           der allgemeinen Akutpflege auch Langzeitpfle-            Generalistische Pflege-Ausbildung.
          Die Schülerinnen und Schüler, die bereits das                    gende gute Arbeit leisten und umgedreht. Und
          erste Jahr der Ausbildung durchlaufen haben,                     diese Durchmischung wird guttun.“
                                                                                                                                    Die generalistische Pflege-Ausbildung dauert drei Jahre.
                                sind vom neuen Konzept                     Ob in Zukunft die Absolventinnen und Absol-
       DIE SCHÜLER*IN-          überzeugt. „Wir lernen un-                 venten vorwiegend im Krankenhaus arbeiten                In den Rummelsberger Pflege-Schulen können die Schüler*innen auch
                                glaublich viel“, so Cristina               wollen? Dorothea Eidam schüttelt den Kopf.               die generalistische Pflege-Ausbildung machen.
       NEN SIND ÜBER-
                                Fielk. „Die Generalistik ist               „Ich glaube nicht. Wer klassisch pflegen möch-
       ZEUGT                    wirklich sehr umfassend.“                  te, ist nach wie vor in der Langzeitpflege besser
                                                                                                                                    Wenn sie mit der Ausbildung fertig sind heißen sie:
                                Die 43-Jährige arbeitet be-                aufgehoben. Ein richtiger Beziehungsauf bau,             Pflege-Fachfrau oder Pflege-Fachmann.
          reits seit elf Jahren in der Altenpflege und hat                 der für viele Menschen der Grund ist, diesen
          sich vor zwei Jahren entschlossen, die Ausbil-                   Beruf zu wählen, kann im Krankenhaus nicht               Die neue Ausbildung hat viele Vorteile:
          dung zur Pflegefachfrau zu machen. „‘Jetzt oder                  wirklich passieren.“
          nie‘ habe ich mir gedacht. Mein Bauchgefühl hat                  Die Möglichkeit ist allerdings da. Diese Flexibi-
          mir gesagt, dass das eine gute Entscheidung ist.“                lität ist für viele Schülerinnen und Schüler der
                                                                                                                                    •   Die Schüler*innen lernen viele verschiedene Arten von Pflege kennen.
          Den Großteil ihrer praktischen Ausbildung ab-                    Reiz, sich für die Pflegeausbildung zu bewerben.             Zum Beispiel Körper-Pflege und medizinische Pflege.
          solviert sie bei ihrem bisherigen Arbeitgeber.                   „Vorher war ich hundertprozentig überzeugt
          Auch Beda Saint-Roland Assebien macht sei-                       davon, dass ich immer in der Altenpflege blei-           •   Sie lernen viele verschiedene Pflege-Situationen kennen.
          ne Ausbildung als Pflegefachmann in Weißen-                      ben möchte“, so Cristina Fielk. „Und dann war
          burg. "Ich habe im Freiwilligendienst gemerkt,                   ich zum Praxiseinsatz im Krankenhaus und ich                 Und was sie in diesen Pflege-Situationen tun müssen.
          dass ich unbedingt in dieser Richtung arbei-                     hätte mir auf jeder Station vorstellen können,
          ten möchte“, so der 24-Jährige. Im Ambulanten                    weiter dort zu arbeiten.“                                •   Nach der Ausbildung können die Schüler*innen in
          Pflegedienst, seiner Stammeinrichtung, fühlt er
                                                                                                                                        vielen verschiedenen Bereichen arbeiten.
          sich wohl. „Man bringt Freude in ein Haus und
          ich mag die Geschichten der alten Menschen“,                     TEXT & FOTOS: Diakonin Arnica Mühlendyck                     Zum Beispiel im Krankenhaus oder im Altenheim.

                                                                                                                                    Die generalistische Pflege-Ausbildung hat auch ein paar Nachteile:

                                                                                                                                    •   Die Schüler*innen müssen sehr viel lernen und haben dafür nicht viel Zeit.

                                                                                                                                    •   Die Schüler*innen brauchen viele verschiedene Praktikums-Plätze.
                                                                                                                                        Praktikum bedeutet, dass die Schüler*innen eine Arbeit
                                                                                                                                        für ein paar Wochen oder Monate ausprobieren können.
                                                                                                                                        Aber sie finden nicht immer einen Praktikumsplatz.

                                                                                                                                    Cristina Fielk macht die Ausbildung als Pflege-Fachfrau
                                                                                                                                    in der Pflege-Schule in Weißenburg.
                                                                                                                                    Die Ausbildung gefällt Cristina Fielk sehr gut.
            Alte Mauern, neue Inhalte: Die Berufsfachschule für Pflege, in der seit einem Jahr die generalistische Ausbildung um-   Sie sagt: „Ich weiß noch nicht, wo ich hinterher arbeiten möchte.
            gesetzt wird, hat ihre Räumlichkeiten in der Festung Wülzburg, hoch oben über Weißenburg.
                                                                                                                                    Ich finde es gut, dass ich so viele Möglichkeiten habe.“
6           Ausgabe 03 | 2021                                                                                                                                                                                        7
AUS RUMMELSBERG - DEZENTRALISIERUNG VERWANDLUNG BERUFLICHE VERÄNDERUNG Kinder und Familien vor Ort begleiten - Rummelsberger Diakonie
Thema                                                                                                                                                                                                                                           Thema

                                                                                                                                                                                                       „Was hier entstanden ist, ist ein Vor-
                                                                                                                                                                                                       bild für unsere ganze Gesellschaft
                                                                                                                                                                                                       - für den Weg der Inklusion, den wir
                                                                                                                                                                                                       gemeinsam gehen und für das Mit-
                                                                                                                                                                                                       einander, das unser Zusammenleben
                                                                                                                                                                                                       ausmacht“, lobte die Sozialministerin
                                                                                                                                                                                                       Carolina Trautner bei der feierlichen
                                                                                                                                                                                                       Eröffnung der Schule im September.
                                                                                                                                                                                                       Dass der Neubau für rund 6,5 Millionen
                                                                                                                                                                                                       Euro möglich wurde, liegt vor allem
                                                                                                                                                                                                       an der Unterstützung von Schmuck-
                                                                                                                                                                                                       unternehmer Thomas Sabo. Neben
                                                                                                                                                                                                       seiner Spende und seinem persönli-
                                                                                                                                                                                                       chen Engagement bewegte er auch die
                                                                                                                                                                                                       „Stiftung RTL - Wir helfen Kindern",
                                                                                                                                                                                                       rund 1,2 Millionen Euro für den Bau
                                                                                                                            Dass der Neubau möglich wurde, liegt vor allem an der Unterstüt-
                                                                                                                            zung von Schmuckunternehmer Thomas Sabo (rechts), der das                  der neuen Schule einzubringen. Den
            28 Kinder und Jugendliche lernen in der Schule der Muschelkinder der Rummelsberger Diakonie in Nürnberg.
            Der Neubau ist barrierefrei und autismusfreundlich.
                                                                                                                            Projekt federführend mit vorangetrieben hat. Außerdem legte er bei         Rest finanzierte der Freistaat Bayern.
                                                                                                                            der „Stiftung RTL - Wir helfen Kindern", die er seit Jahren großzügig
                                                                                                                                                                                                       Aus Freude über den gelungenen Neu-
                                                                                                                            unterstützt, ein gutes Wort für den Bau ein, so dass die Stiftung ihre
                                                                                                                                                                                                       bau spendete Thomas Sabo bei der

            SCHULE FÜR AUTISTISCHE
                                                                                                                            Unterstützung mit rund 1,2 Millionen Euro für den Neubau zusagte.
                                                                                                                            Vorstand Wolfram Kons (links) traf Sabo bei der Eröffnung. Als Danke-      Einweihungsfeier weitere 100.000
                                                                                                                            schön für die Umsetzung des Projektes sowie für die kontinuierliche,
                                                                                                                            nachhaltige Betreuung des bereits eröffneten RTL-Kinderhauses spen-
                                                                                                                                                                                                       Euro für Einrichtungen in Nürnberg.

            KINDER IM WANDEL
                                                                                                                            dete Thomas Sabo bei der Einweihungsfeier weitere 100.000 Euro.            Auf dem insgesamt 7.682 Quadrat-
                                                                                                                                                                                                       meter großen Gelände sollen weite-
                                                                                                                            der baulichen Struktur eher für sich, ist es jetzt               re  Angebote  der Rummelsberger Diakonie für
                                                                                                                            durch viele Fenster und Glaselemente möglich,                    Menschen mit Autismus entstehen. Wenn al-
                                                                                                                            die Kinder zu beobachten und nur auszuhelfen,                    les nach Plan läuft, werden dort Mitte 2023 die
            Ein ganz spezieller Neubau für die „Muschelkinder“                                                              wenn Hilfe nötig ist. Ein Werkraum, eine Schul-                  Mitarbeiter*innen und Teilnehmer*innen der
                                                                                                                            küche, ein Rhythmik- und Sportraum sowie ein                     Förderstätte für Menschen mit Autismus arbei-
                                                                                                                            spezieller multisensorischer Raum mit guter                      ten. Außerdem soll ein neuer Wohnbereich für
            „Die Muschelkinder“ – so heißen die speziellen              Zusätzlich bietet der Innenhof die Möglich-         Ausstattung runden die perfekte Ausstattung                      14 Autist*innen gebaut werden.
            Klassen für Kinder und Jugendliche mit Autis-               keit, sich in einem geschützten Raum an der         der neuen Schule hab. Ein wahrhaft gelungener
            mus-Spektrum-Störung der Rummelsberger                      frischen Luft aufzuhalten. „An den Planungen        Wandel!                                                          TEXT: Sabine Thiel FOTOS: Heike Reinhold
            Diakonie. Die Klassen entstanden 1995 auf Initi-            sind auch die Schülerinnen und Schüler betei-
            ative betroffener Eltern. Jetzt haben sie ein neu-          ligt worden“, erklärt Lehrerin und Konrektorin
            es Schulhaus bekommen. 28 junge Menschen                    Catja Primke. Als Wünsche für die neue Schule
            mit der Diagnose „frühkindlicher Autismus“                  wurden zum Beispiel klar strukturierte Räume,
            werden dort gezielt ganztags gefördert. Ihre Ta-            eine beruhigende Akustik sowie eine angeneh-
            lente schlummern oft wie Perlen in Muscheln,                me Beleuchtung genannt. So gibt es nun Son-
            daher der Name der Schule.                                  nenschutz-Rollos und dimmbare Leuchten, die
            Das neue Schulhaus in der Ingolstädter Straße               zu jeder Tageszeit für angenehmes Licht sorgen.
            in Nürnberg ist als Gebäude ganz auf die Bedürf-            Die Kinder haben aufgrund ihrer besonderen
            nisse der Kinder abgestimmt. So wurden die Er-              Wahrnehmungsverarbeitung und ihrer starken
            fahrungen der letzten 25 Jahre gesammelt und in             Betroffenheit ganz spezielle Bedürfnisse. Sie
            dem Neubau umgesetzt. Gab es im alten Schul-                können die vielen Reize, die gleichzeitig auf sie
            haus wenig Rückzugsmöglichkeiten, verfügt nun               einströmen, nur schwer verarbeiten und brau-
            jedes Klassenzimmer über einen Nebenraum für                chen daher ein gut strukturiertes Umfeld.
            Einzelarbeit oder Rückzug. Zusätzlich gibt es               „Unsere neuen Räume wirken sich sehr posi-
            vier Ruheräume, die durch gepolsterte Wände                 tiv auf unsere Arbeit aus und unterstützen die      Das symbolische rote Band haben die Gäste bei der Einweihung der Schule der Muschelkinder der Rummelsberger
            akustisch gedämmt sind. Die Schüler*innen fin-              Pädagoginnen und Pädagogen“, erklärt die Rek-       Diakonie in Nürnberg durchtrennt (von links): Wolfram Kons, Vorstand Stiftung RTL – Wir helfen Kindern, Schmuck-
                                                                                                                            unternehmer Thomas Sabo mit Ehefrau Rita Sabo, Schulleiterin Renate Merk-Neunhoeffer, Professorin Dr. Julia Lehner,
            den in dem Neubau auf zwei Etagen mit Rund-                 torin der Schule, Renate Merk-Neunhoeffer.          2. Bürgermeisterin der Stadt Nürnberg, Karl Schulz, Vorstand Dienste der Rummelsberger Diakonie, Carolina Trautner,
            lauf genügend Platz, sich zu bewegen.                       Waren früher die einzelnen Klassen aufgrund         bayerische Sozialministerin und Gerhard Kleindiek, leitender Regierungsschuldirektor der Regierung von Mittelfranken.

8           Ausgabe 03 | 2021                                                                                                                                                                                                                               9
AUS RUMMELSBERG - DEZENTRALISIERUNG VERWANDLUNG BERUFLICHE VERÄNDERUNG Kinder und Familien vor Ort begleiten - Rummelsberger Diakonie
Thema

     EINE BESONDERE SCHULE FÜR
     BESONDERE KINDER
     Die Rummelsberger Diakonie hat eine neue Schule für
                                                                                    MEHR MITREDEN!
     Kinder mit einer Behinderung in Nürnberg.
     Sie heißt Muschelkinderschule und war vorher in Schwabach.                     Volker Deeg, fachlicher Leiter der Rummelsberger Behinderten-
     Die neue Schule in Nürnberg ist extra für die Muschelkinder gebaut.            hilfe, berichtet von neuen Entwicklungen und Veränderungen.

     Muschelkinder heißen die Schülerinnen und Schüler,
     die in die Muschelkinderschule gehen.
     Sie haben eine Autismus-Störung.

     In der neuen Schule haben alle Klassenzimmer einen Nebenraum.
     In dem Nebenraum können die Kinder und Jugendlichen
                                                                                                                                           Welche Auswirkungen hat das auf die Arbeit in
     einzeln lernen oder arbeiten.                                                                                                         den Einrichtungen und Diensten?
     In der neuen Schule gibt es auch vier Ruheräume.
                                                                                                                                            Volker Deeg: Teilhabe stärken heißt, die Wün-
     Dort ist es ganz leise und still.                                                                                                      sche der Menschen mit Behinderung in den
     Es gibt in der Schule drinnen und draußen viel Platz zum Spielen und Laufen.                                                           Blick nehmen. Wir haben das Casemanage-
                                                                                    Volker Deeg, fachlicher Leiter der Rummelsberger Be-
                                                                                    hindertenhilfe. FOTO: Marco Weishäupl                   ment aufgebaut und gerade überlegen wir,
                                                                                                                                            wie wir die Aufgaben der Wohnbereichslei-
     Die Schülerinnen und Schüler wurden nach ihren Wünschen                                                                                tungen und Fachdienste so abstimmen, dass
     für die neue Schule gefragt.                                                   Rummelsberg – Das große Thema in der Be-                wir die Menschen noch stärker ins Zentrum
                                                                                    hindertenhilfe ist und bleibt das Bundesteilha-         unserer Arbeit stellen.
     Die Architekten haben versucht,
                                                                                    begesetzt BTHG. In 2022 wird es vollständig in
     die Wünsche in die neue Schule mit einzubauen.                                 Kraft treten und die Bedarfserhebung komplett          Angehörige von Anfang an miteinbeziehen -
     Die Schülerinnen und Schüler wollten Klassenzimmer,                            umkrempeln. Der Bezirk vereinbart dann die             dieses Konzept hat bei der Gestaltung des ge-
                                                                                    Unterstützungsleistungen direkt mit den Men-           planten Wohnangebots für Autisten in Nürn-
     in denen sie sich gut auskennen.                                               schen mit Behinderung und deren Vertrauten.            berg gut funktioniert. Wäre das nichts für
     Die neuen Klassenzimmer sind einfach eingerichtet,                                                                                    weitere Projekte?
                                                                                    Herr Deeg, ist das nicht ein toller Erfolg für
     damit die Schülerinnen und Schüler alles gut erkennen und sehen.
                                                                                    Menschen mit Behinderung?                               Volker Deeg: Wir haben zur Angehörigenar-
                                                                                                                                            beit ein Forschungsprojekt mit der evangeli-
     Die Muschelkinder haben sich für die Klassenzimmer schönes Licht gewünscht.      Volker Deeg: Das ist auf jeden Fall der richtige      schen Hochschule in Nürnberg durchgeführt.
                                                                                      Weg und wir freuen uns über diesen großen             Hier wurden Kriterien für das gute Zusam-
     In den neuen Klassenzimmern gibt es Sonnenschutz-Rollos                          Schritt zu mehr Teilhabe für Menschen mit             menwirken von Eltern und Fachkräften erar-
     und Lichter zum Dimmen.                                                          Behinderung in unserer Gesellschaft. Wir hof-         beitet, die wir bei anderen Projekten auch an-
                                                                                      fen, dass das neue System nicht dazu führt,           wenden werden. Demnächst starten ja einige
     Das heißt, die Lichter können heller oder dunkler gemacht werden.
                                                                                      dass Bedarfe zu gering beschrieben werden.            größere Bauvorhaben in Altmühlfranken, am
     In der neuen Schule gibt es auch einen Werk-Raum, eine Schulküche,               Aber wir wollen auch nicht schwarzmalen,              Auhof, in Postbauer-Heng und in Schmeils-
     einen Musik-Raum und einen Raum zum Wohlfühlen.                                  sondern werden gemeinsam mit der bayeri-              dorf. Das nächste Jahr wird sehr spannend.
                                                                                      schen Diakonie die Landespolitik auf diesem
                                                                                      Weg gut begleiten und beraten.                       DAS INTERVIEW FÜHRTE HEIKE REINHOLD.
     Die Schülerinnen und Schüler fühlen sich in der neuen Schule sehr wohl.

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AUS RUMMELSBERG - DEZENTRALISIERUNG VERWANDLUNG BERUFLICHE VERÄNDERUNG Kinder und Familien vor Ort begleiten - Rummelsberger Diakonie
Thema                                                                                                                                                                                                                                     Thema

             UNTERSTÜTZUNG
             DIREKT VOR ORT
             Rummelsberger Jugendhilfe will Kinder, Jugendliche, junge Er-
             wachsene und deren Familien dort unterstützen, wo sie leben
             und Hilfe benötigen.

             „Ich gehe gerne in die HPT, weil ich hier Hil-        gibt es seit 2019 ein dreitägiges Betreuungskon-
             fe bekomme, wenn ich Hilfe brauche und sehr           zept, bei dem die Kinder an drei Tagen pro Wo-
             leicht viele Freunde finden kann,“ erzählt Alima      che in die HPT kommen. An den beiden anderen
             D. aus Fürth. Die Elfjährige besucht seit rund        Tagen gehen die Pädagog*innen in die Familien
             zwei Jahren die Heilpädagogische Tagesstät-           und unterstützen direkt im Familienalltag. Aktu-
             te der Rummelsberger Diakonie, kurz HPT ge-           ell betreut die Rummelsberger Diakonie knapp
             nannt, im Kinderheim St. Michael in Fürth. In         160 Kinder in insgesamt sieben HPT in Bayern.
             der HPT finden Kinder im Alter zwischen sechs         Bei Alima und ihren Freund*innen in Fürth ist
             und 13 Jahren Unterstützung, die Schwierig-           die Stimmung aktuell etwas gedrückt. Das Kin-
             keiten in unterschiedlichen Bereichen haben:                                derheim St. Michael wird
             Alima kommt zum Beispiel in die HPT, weil ihre      JUGENDHILFE             nächstes Jahr abgerissen
                                                                                                                         Kinderheim St. Michael 2021: Alima D. kommt jeden Tag nach der Schule in die Heilpädagogische Tagesstätte in Fürth:
             Familie nicht die Unterstützung leisten kann,                               und für zwei der vier HPT-      Kinder von sechs bis 13 Jahren werden hier betreut, ihre Familien werden in die pädagogische Arbeit einbezogen.
                                                                 VOR ORT
             die sie benötigt. Andere Kinder haben Schwie-                               Gruppen gibt es noch kei-       FOTO: Klaus Hartmann
             rigkeiten im Lern- und Leistungsbereich oder                                ne neuen Räume. „Ich bin
             werden schnell wütend.                                schon traurig, dass das Kinderheim abgerissen
                                                                   wird, weil doch auch viele schöne Erinnerung          den dort überwiegend Kinder ein Zuhause, die                derheimen meist das Küchen-, Wäscherei- und
                                                                   damit verbunden sind“ erzählt Alima. Das Mäd-         ohne Eltern waren. Ab 1960 kamen zunehmend                  Nähstuben-Personal die Schützlinge umsorgte,
                                                                   chen hofft, dass bis zum Auszug schöne neue           Kinder, die als vernachlässigt galten. Sie lebten           kümmern sich die Kinder und Jugendlichen in
                                                                   Räume gefunden werden, in denen sie dann hof-         im Kinderheim, wurden dort erzogen, beschult                den dezentralen Wohngruppen mit Unterstüt-
                                                                   fentlich ebenso schöne Erlebnisse haben wird.         und ausgebildet. Kontakt zu den Eltern hatten               zung der Pädagog*innen selbstständig um den
                                                                   „Wir suchen Räume in der Fürther Innenstadt,          sie kaum oder gar nicht.                                    täglichen Bedarf. Sie lernen Kochen, Waschen,
                                                                   weil die meisten Kinder dort zur Schule gehen“,       Als die Rummelsberger Diakonie 2012 die Trä-                aber auch Organisieren von Haushalt und Fi-
                                                                   so Diakon Werner Pfingstgraef, Dienstellenlei-        gerschaft des Kinderheims übernahm, gab es                  nanzen und leben direkt im Sozialraum; mit
                                                                   ter der Rummelsberger Jugendhilfe in Fürth und                             die Heilpädagogische Ta-               Nachbarn und umliegenden Geschäften.
                                                                   Nürnberg.                                          DEZENTRALI-             gesstätte schon. „Der Wan-             In Fürth startete die Dezentralisierung 2014 mit
                                                                   Angebote vor Ort – dort, wo die Kinder und                                 del von Kinderheimen und               dem Umzug dreier Wohngruppen in einen Neu-
                                                                                                                      SIERUNG UND
                                                                   ihre Familien leben, wohnen, arbeiten und ler-                             Erziehungszentren        am            bau hinter dem Kinderheim und in ein Miets-
                                                                   nen. Das will die Rummelsberger Jugendhilfe.       TEILHABE                Rande der Städte hin zu                haus im Fürther Stadtteil Hardthöhe.
                                                                   „Natürlich wird es auch weiterhin stationäre Ju-                           dezentralen     Wohngrup-              Mit dem neuen Kinder- und Jugendhilfestär-
             Diakon Thomas Grämmer entwickelt als fachlicher
             Leiter die Rummelsberger Jugendhilfe zusammen mit     gendhilfezentren, wie das JHZ in Rummelsberg,         pen und bedarfsorientierten Angeboten begann                kungsgesetz, kurz KJSG, das im Juli 2021 in Kraft
             seinen Kolleg*innen aus den Regionen weiter.          geben,“ sagt Thomas Grämmer, vor allem in der         Ende der 1980er-Jahre, 1991 wurde er mit dem                                     trat, rücken nun neben El-
             Foto: Ludwig Olah                                     intensivpädagogischen Betreuung. Grundsätz-           neuen Jugendhilfe-Schutzgesetz offiziell,“ so                                    tern und Familien die Kin-
                                                                                                                                                                                  KINDER- UND
                                                                   lich wolle man die Angebote jedoch direkt in die      Grämmer. Vorreiter bei der Rummelsberger Di-                                     der und Jugendlichen noch
                                                                                                                                                                                  JUGENDHILFE-
             „Wir beziehen in unsere Unterstützung und             Sozialräume einbinden. „Kitas, Schulen, Tages-        akonie war die Region Donau-Ries. 1998 zogen                                     stärker in den Fokus. Dabei
             Förderung auch immer die Eltern mit ein“, er-         stätten und Wohngruppen mitten im Ort – nur           die ersten Wohngruppen aus dem dortigen Kin-             STÄRKUNGS-              werden unter anderem die
             klärt Diakon Thomas Grämmer, fachlicher Lei-          so kann Teilhabe wirklich gelingen,“ so Gräm-         derheim in Mietwohnungen in Nördlingen und               GESETZ                  Rechte von Jugendlichen in
             ter der Rummelsberger Jugendhilfe (RDJ). So           mer.                                                  Donauwörth. „Für die Verselbstständigung der                                     Wohngruppen oder Pflege-
             werden nicht nur die Kinder gestärkt, sondern         Als das Kinderheim St. Michael 1875 vom Luthe-        Jugendlichen war diese Entwicklung ein Riesen-              familien gestärkt. Sie müssen nun beispielswei-
             auch die Eltern gestützt und beraten. In Roth         rischen Verein in Fürth gegründet wurde, fan-         vorteil,“ so Grämmer. Denn während in den Kin-              se von ihrem Ausbildungsgehalt nicht mehr wie

12           Ausgabe 03 | 2021                                                                                                                                                                                                                         13
AUS RUMMELSBERG - DEZENTRALISIERUNG VERWANDLUNG BERUFLICHE VERÄNDERUNG Kinder und Familien vor Ort begleiten - Rummelsberger Diakonie
Thema

          bisher 75 Prozent abgeben, sondern nur noch                                                                                       KINDER, JUGENDLICHE UND FAMILIEN
          25 Prozent.
          Das KJSG sieht außerdem vor, dass ab 2028 die
                                                                                                                                            BEKOMMEN HILFE
          Kinder- und Jugendhilfe für alle Jugendlichen mit
          und ohne Behinderungen zuständig ist. Die Rum-                                                                                    Alima D. ist 11 Jahre alt.
          melsberger Diakonie begrüßt diese Entwicklung:
                                                                                                                                            Sie geht nach der Schule immer in die Heilpädagogische Tagesstätte
          „In unseren Frühförderstätten in Altdorf und Hil-
          poltstein bieten wir bereits übergreifende För-                                                                                   der Rummelsberger Diakonie.
          derung,“ erzählt Thomas Grämmer. Aktuell wer-                                                                                     Die Abkürzung für Heilpädagogische Tagesstätte ist HPT.
          den diese Frühförderungsmaßnahmen entweder
          über den Bezirk im Rahmen der Behindertenhilfe
          oder über die Kommune, Ärzte und Krankenkas-                                                                                      In der HPT machen Kinder Hausaufgaben,
          sen im Rahmen der Jugendhilfe beschlossen. Das
                                                                                                                                            essen Mittag und spielen.
          ist oft mühsam und umständlich.
          Für Alima ändert sich durch das neue KSJG erst                                                                                    Die Betreuerinnen und Betreuer helfen den Kindern,
          einmal nichts. Sollte die Elfjährige jedoch in eine                                                                               wenn es Probleme gibt.
                                                                                    Kinderheim St. Michael 1930-1940: Die jungen Men-
          Notsituation geraten, so wird sie in Zukunft hof-                         schen lebten dort, wurden erzogen, beschult und aus-
                                fentlich schnell und einfach                        gebildet. Kontakt zu ihren Eltern und Familien hatten
                                                                                    sie kaum oder gar nicht. FOTO: Archiv
        MEHR                    Hilfe finden. Denn die Be-                                                                                  Die HPT von Alina ist in Fürth.
                                treuung und Versorgung
        PRÄVENTION                                                                                                                          Im Kinderheim St. Michael.
                                von Kindern in Notsituatio-                         „Wir bieten diese unbürokratische und schnelle
        VOR ORT                 nen soll ausgeweitet wer-                           Unterstützung vor Ort aktuell in unseren Fami-          Früher haben in dem Kinderheim Kinder ohne ihre Eltern gewohnt.
                                den. Familien sollen leich-                         lienstützpunkten an,“ berichtet Thomas Gräm-            Sie hatten keine Eltern oder haben ihre Eltern nicht mehr gesehen.
          ter und schneller ortsnahe Hilfe bekommen.                                mer. Erst kürzlich eröffnete die Rummelsberger
          In den insgesamt neun Ambulant Erzieheri-                                 Diakonie ihren dritten Familienstützpunkt in
          schen Diensten (AED) in Bayern, bietet die RDJ                            Freystadt. „Ein Gewinn für alle Familien. Eine          Heute ist es im Kinderheim anders.
          bereits flexible Hilfen für junge Menschen und                            barrierefreie Kontaktstelle vor Ort, gut erreich-       Es heißt nur noch so.
          deren Familien an. Die Mitarbeitenden betreuen                            bar, zentral gelegen und offen für alle Familien,“
          Kinder und deren Eltern zu Hause. Sie unter-                              findet Grämmer und wünscht sich mehr Anlauf-            Alima und die anderen Kinder in der HPT im Kinderheim sehen ihre Eltern jeden Tag.
          stützen zum Beispiel bei der Bewältigung von                              stellen dieser Art. Leider sei diese Netzwerk-          Die Eltern bekommen auch Hilfe von der Rummelsberger Diakonie.
          Alltagsproblemen oder fördern die persönlichen                            arbeit aktuell noch sehr schlecht bezahlt und
          Fähigkeiten der Kinder.                                                   finanziert. „Hier müssen sich Kommunen und
          Aber es fehlen Angebote für die kleinen täg-                              Träger zusammentun, um sinnvolle Strategien             Seit diesem Jahr gibt es ein neues Gesetz für Kinder- und Jugendhilfe.
          lichen Nöte. Wenn es zum Beispiel zu einem                                zu entwickeln,“ sagt Thomas Grämmer.                    Das Gesetz sagt:
          plötzlichen Streit kommt und Eltern oder Kin-
          der schnell einen Rat oder Hilfe brauchen.                                TEXT: Stefanie Dörr
                                                                                                                                            Wenn die Kinder und Familien in Not sind,
                                                                                                                                            sollen sie schnell Hilfe bekommen.

                                                                                                                                            Die Rummelsberger Dienste hilft den Kindern und Familien mit Familienstützpunkten.
                                                                                                                                            Ein Familienstützpunkt ist ein Büro.
                                                                EIN PLATZ FÜR KINDER                                                        In dem Büro arbeiten Menschen,
                                                                Das Kinderheim St. Michael wird abgerissen. Für einen Groß-                 die den Kindern und Familien helfen.
                                                                teil der Kinder wurden schöne neue Räumlichkeiten gefunden,
                                                                16 Kinder sowie acht Mitarbeitende wissen aber immer noch
                                                                nicht, wo sie ab 2022 gemeinsam essen, Hausaufgaben machen                  Ein Familienstützpunkt liegt mitten im Ort.
                                         FOTO: Paavo Blafield

                                                                und spielen können. Hier brauchen wir Ihre Hilfe: Sie haben einen           Die Menschen kommen dort einfach und schnell hin.
                                                                Platz für Kinder oder wissen, wo wir einen finden können? Dann
                                                                                                                                            Die Rummelsberger Diakonie findet das gut.
                                                                freuen wir uns, wenn Sie uns kontaktieren. Mehr Infos unter
                                                                www.rummelsberger-diakonie.de/ein-platz-fuer-kinder                         Sie möchte mehr Familienstützpunkte.

14           Ausgabe 03 | 2021                                                                                                                                                                                                   15
AUS RUMMELSBERG - DEZENTRALISIERUNG VERWANDLUNG BERUFLICHE VERÄNDERUNG Kinder und Familien vor Ort begleiten - Rummelsberger Diakonie
Thema                                                                                                                                                                                                                                           Thema

                                                                                                                                         „Wir prüfen an allen Standorten, ob es sinnvoll      Nach einer Studie der Bewertungsgesellschaft
                                                                                                                                         ist, dass wir unser Angebot erweitern“, sagt Pe-     ENA Experts und des Planungs- und Beratungs-
                                                                                                                                         ter Kraus, fachlicher Leiter der Rummelsberger       unternehmens Drees & Sommer fehlten bereits
                                                                                                                                         Altenhilfe. Für die Menschen vor Ort hat dies        2018 über 500.000 betreute Wohnungen in
                                                                                                                                         den Vorteil, dass sie nur eine*n Ansprechpart-       Deutschland. Diese Zahl wird sich durch die de-
                                                                                                                                         ner*in haben, ganz egal, in welcher Lebenslage       mografische Entwicklung weiter erhöhen. Das
                                                                                                                                         sie sich gerade befinden.                            Statistische Bundesamt geht in seiner Bevölke-
                                                                                                                                         Damit hat sich die Rummelsberger Altenhil-           rungsvorausberechnung in den Jahren von 2018
                                                                                                                                         fe seit ihrem Anfang vor über 100 Jahren stark       bis 2060 mit einer Zunahme der über 65-Jähri-
                                                                                                                                         gewandelt. Was mit der Pflege am Krankenbett         gen von 24,5 Prozent aus.
                                                                                                                                         begann, ist in den vergangenen Jahren zu einer       Die Rummelsberger Diakonie hat dies erkannt.
                                                                                                                                         Rundum-Versorgung gewachsen. „2014 erwirt-           Sie bietet aktuell 1.100 Appartements für be-
                                                                                                                                         schafteten wir 97 Prozent unserer Umsätze im         treutes Wohnen an, weitere Wohnanlagen sind
                                                                                                                                         vollstationären Bereich“, sagt Peter Kraus. Das      in Planung. „Wir haben den Anspruch, Men-
                                                                                                                                         war auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht ris-     schen in allen Lebenslagen und bis zu Pflege-
                                                                                                                                         kant. „Außerdem können wir heute durch unse-         grad 5 in ihrer eigenen Wohnung betreuen zu
                                                                                                                                         re vielfältigen Angebote den Bedürfnissen der        können“, sagt Peter Kraus.
                                                                                                                                         alten Menschen viel besser gerecht werden“, so       Mit der zunehmenden Möglichkeit, länger in
                                                                                                                                         der fachliche Leiter.                                den eigenen vier Wänden versorgt zu werden,
                                                                                                                                         Als das Gottfried in Feucht eröffnete, wollte Do-    wandelt sich auch die Bewohnerstruktur in den
                                                                                                                                         ris Obst ihre demente Mutter für einen Platz im      stationären Pflegeeinrichtungen. Früher leb-
                                                                                                                                         stationären Pflegeheim anmelden. Doch Kathrin        ten häufig mobile und fitte ältere Menschen im
                                                                                                                                         Eibisch sagte: „Probieren Sie es erst einmal in      Pflegeheim. „Als ich 2003 bei der Rummelsber-
                                                                                                                                         der Tagespflege.“ So konnte die 88-Jährige in        ger Altenhilfe angefangen habe, war für viele
             Michael Krieger arbeitet als Pflegefachkaft in der Senioren-Tagespflege in Feucht. Er und seine Kolleg*innen bieten den
             Besucher*innen einen strukturierten Tagesablauf und verschiedene Aktivitäten an. Im Garten spielen sie zum Beispiel         ihrer gewohnten Umgebung bleiben. Morgens            Seniorinnen und Senioren das Pflegeheim wie
             Boule. FOTO: Simon Malik                                                                                                    brachte sie die Tochter zur SenTa und abends         ein All-inclusive-Hotel mit Animation. Nach
                                                                                                                                         holte sie sie dort wieder ab. Die Mitarbeitenden     40 oder 50 Jahren Arbeit wollten sich viele um
                                                                                                                                         unternahmen mit Lydia Böhm Ausflüge, back-           nichts mehr kümmern müssen“, erzählt Peter

             ALLES AUS EINER HAND                                                                                                        ten Kuchen oder lasen Zeitung. „Wir wollen die
                                                                                                                                         Menschen reaktivieren und aus ihnen rausho-
                                                                                                                                                                                              Kraus. Das hat sich geändert. Wer jetzt ins Pfle-
                                                                                                                                                                                              geheim zieht, befindet sich häufig im letzten
                                                                                                                                         len, was sie einmal konnten“, sagt Pflegefach-       Stadium des Lebens oder hat eine stark fort-
                                                                                                                                         kraft Markus Krieger.                                geschrittene Demenz. „Wir haben unser sozia-
             Rummelsberger Diakonie will Senior*innen in allen                                                                           Die Rummelsberger Diakonie betreibt derzeit          les Angebot daran angepasst“, sagt Peter Kraus.
                                                                                                                                         sieben SenTas in Bayern, weitere sind in Pla-
             Lebenslagen begleiten                                                                                                       nung. Der Bedarf an Tagespflege-Plätzen ist
                                                                                                                                         groß. In der SenTa finden die Senior*innen ei-
             Lydia Böhm huscht ein Lächeln über die Lippen,                 die 88-Jährige nicht direkt aus der Klinik zurück            nen strukturierten Tagesablauf und die pflegen-
             als sie an der Senioren-Tagespflege (SenTa) im                 nach Hause konnte, fragte Tochter Doris Obst im              den Angehörigen werden entlastet.
             Seniorenzentrum Gottfried Seiler der Rum-                      Gottfried an. „Wir haben sofort die Zusage für die           Können oder wollen ältere Menschen nicht mehr
             melsberger Diakonie in Feucht vorbeifährt. Als                 Kurzzeitpflege bekommen“, erzählt Obst.                      in der eigenen Wohnung oder dem eigenen Haus
             Pflegefachkraft Markus Krieger sie sieht, öffnet               Nach der Kurzzeitpflege nimmt Lydia Böhm                                          bleiben, bevorzugen viele
             er das Fenster und grüßt sie. „Wir vermissen                   noch die ihr zustehenden 15 Tage Verhinde-                 SELBSTSTÄNDIG,         eine Seniorenwohnung, auch
             Sie“, sagt er zu der 88-Jährigen.                              rungspflege in Anspruch. Wie es danach wei-                ABER DOCH              als „betreutes Wohnen“ be-
             Lydia Böhm lebt nur wenige Hundert Meter vom                   tergeht, ist noch nicht klar. Beratung findet die          BETREUT                zeichnet. Dort leben die Se-
             „Gottfried“ entfernt bei ihrer Tochter und be-                 Familie bei Kathrin Eibisch, Einrichtungsleiterin                                 nior*innen selbstständig. Sie
             sucht normalerweise an fünf Tagen in der Wo-                   im Gottfried. Neben 20 Plätzen in der Senioren-              erhalten verschiedene Grundleistungen wie etwa
             che die SenTa. Doch nach einem Sturz und ei-                   Tagespflege bietet das Gottfried 80 Plätze in der            einen 24-Stunden-Notruf oder Hausmeisterser-
             nem Krankenhausaufenthalt ist sie körperlich                   vollstationären Pflege an. Im zweiten Stock be-              vice. Dazu können sie weitere Dienstleistungen
             stark eingeschränkt. Die Pflege und Betreuung                  finden sich 30 Seniorenwohnungen, in die sich                buchen, zum Beispiel einen Mahlzeitenservice
             zu Hause ist derzeit für die Familie nicht möglich.            selbstständige ältere Menschen einmieten kön-                oder die Reinigung der Wohnung. Pflegeleistun-       Das Seniorenzentrum Gottfried Seiler in Feucht wurde
                                                                                                                                                                                              im April 2021 eröffnet. Neben einem stationären
             Deshalb wohnt Lydia Böhm für 15 Tage zur Kurz-                 nen. Damit ist das Seniorenzentrum in Feucht                 gen erhalten die Mieter*innen bei Bedarf über        Pflegeheim bietet es eine Senioren-Tagespflege und
             zeitpflege im Gottfried Seiler. Als feststand, dass            annähernd ein Vollversorger.                                 einen ambulanten Pflegedienst.                       Senioren-Wohnungen an. FOTO: Simon Malik

16           Ausgabe 03 | 2021                                                                                                                                                                                                                               17
AUS RUMMELSBERG - DEZENTRALISIERUNG VERWANDLUNG BERUFLICHE VERÄNDERUNG Kinder und Familien vor Ort begleiten - Rummelsberger Diakonie
Thema
                                                                                                                                  ZAHLEN UND FAKTEN

                                                                                                                                   Rummelsberger Altenhilfe
           So braten die Mitarbeitenden im Pflegeheim                     Fachkräfte fehlen. Es war klar, dass es schwer
           auch mal Eier und Speck am Bett einer Bewoh-                   werden würde, ausreichend qualifizierte Mit-             •   16 Standorte in Bayern                       •   1.100 Appartements für betreutes Wohnen
           nerin oder eines Bewohners, um durch basale                    arbeitende zu finden. Deshalb startete die Rum-          •   Ca. 3.700 Klient*innen                           (in Planung: Bayreuth, Rehau, Zirndorf,
                                                                                                                                                                                        Helmbrechts, Nürnberg)
           Stimulation neue Lebensgeister zu wecken.                      melsberger Diakonie schon mit den Bauplänen              •   1.500 Mitarbeitende
           Seit 2018 bietet die Rummelsberger Diakonie ein                für die Einrichtung die Personalkampagne „Fit                                                             •   3 Mahlzeitendienste
                                                                                                                                   •   14 stationäre Einrichtungen
           neues Wohnangebot an. Als erster diakonischer                  für Feucht“. Ein entscheidender Baustein wa-                                                              •   2 ambulante Intensivpflegedienste
                                                                                                                                   •   7 Tagespflege-Einrichtungen (in Planung:         (in Planung: Karlstadt)
           Träger eröffnete sie in Rummelsberg eine Wohn-                 ren 18 Mitarbeitende, die aus dem Kosovo nach                Egling, Bayreuth, Leipheim, Nürnberg)
           gemeinschaft für dauerbeatmete Menschen.                       Feucht kommen sollten. Corona verzögerte ei-
                                                                                                                                   •   5 Ambulante Dienste (in Planung: Leipheim)
           Inzwischen folgte eine weitere Intensiv-Pfle-                  niges. Vier Fachkräfte sind inzwischen da. Kath-
           ge-Wohngemeinschaft in Nürnberg, eine dritte                   rin Eibisch hofft, dass bald weitere folgen. „Ohne
           Wohngemeinschaft in Karlstadt ist in Planung.                  Fachkräfte aus dem Ausland geht es nicht“, sagt
           Bevor ein neues Angebot eröffnet wird, analy-                  Peter Kraus.
           sieren Peter Kraus und seine Kolleg*innen ge-                  Sollte Lydia Böhm einen Platz im stationären
                                 nau, ob der Bedarf für das               Pflegeheim benötigen, kann sie im Gottfried
        NEUES ANGEBOT            Angebot am geplanten Ort                 bleiben. „Besucher der Tagespflege und Mie-
                                 besteht. Zudem prüfen sie                ter*innen der Seniorenwohnungen erhalten be-
        INTENSIV-PFLEGE
                                 verschiedene     Finanzie-               vorzugt einen Platz“, sagt Eibisch. Die Tochter
                                 rungsmöglichkeiten.
           größte Herausforderung stellt bei alldem der
                                                        Die               von Lydia Böhm hofft dennoch, dass sich ihre
                                                                          Mutter wieder erholt und sie nach der Verhin-
                                                                                                                                 SENIOR*INNEN LEBEN LÄNGER
           Fachkräftemangel dar.                                          derungspflege zurück nach Hause kann.                  IM EIGENEN ZUHAUSE
           Im neuen Seniorenzentrum Gottfried Seiler in
           Feucht, das im April 2021 eröffnete, können zum
           Beispiel nicht alle Betten belegt werden, weil                 TEXT: Claudia Kestler                                  Lydia Böhm ist an Demenz erkrankt.
                                                                                                                                 Sie wohnt in Feucht bei ihrer Tochter.
                                                                                                                                 Wegen ihrer Krankheit kann Lydia Böhm nicht mehr alleine sein.
                                                                                                                                 Deshalb besucht sie tagsüber die Senioren-Tagespflege
                                                                                                                                 im Seniorenzentrum Gottfried Seiler in Feucht.
                                                                                                                                 Die Mitarbeiter*innen in der Senioren-Tagespflege unternehmen viel mit Lydia Böhm.
                                                                                                                                 Sie machen zum Beispiel Ausflüge.
                                                                                                                                 Oder backen Kuchen.

                                                                                                                                 Für die Tochter von Lydia Böhm ist das eine große Hilfe.
                                                                                                                                 Sie kann tagsüber arbeiten.
                                                                                                                                 Nachmittags holt sie ihre Mutter ab und sie gehen gemeinsam nach Hause.

                                                                                                                                 Früher sind alte Menschen in ein Pflegeheim gezogen.
                                                                                                                                 Jetzt wollen alte Menschen immer länger im eigenen Zuhause leben.
                                                                                                                                 Deshalb hat die Rummelsberger Diakonie verschiedene Angebote.

                                                                                                                                 Ein Angebot ist das Senioren-Wohnen.
                                                                                                                                 Man nennt es auch betreutes Wohnen.
                                                                                                                                 Die Senior*innen leben in eigenen Wohnungen.
             Lydia Böhm besucht normalerweise an fünf Tagen in der Woche die Senioren-Tagespflege. Sie blättert in einem Koch-   Sie bekommen dort zum Beispiel Hilfe im Haushalt.
             buch und sucht ein Rezept für einen Kuchen heraus, den sie gemeinsam mit den Mitarbeiter*innen backen möchte.
             FOTO: Markus Krieger                                                                                                Wenn sie Pflege benötigen, kommt ein Pflegedienst zu ihnen.

18           Ausgabe 03 | 2021                                                                                                                                                                                                    19
Thema                                                                                                                                                                                                                          Thema

             STRAHLENDE GESICHTER
             IN DER ZIRKUSMANEGE
             Aus den Schülerinnen und Schülern der Comenius-Schule
             wurden im „Circus ZappZarap“ Artistinnen und Artisten

             Fanfarenklänge, der Duft nach Popcorn und               schulstufe – sind die Kinder. „Auch die Großen
             glitzernde Kostüme: Ein guter Start in das neue         waren begeistert dabei“, so die Schulleiterin.
             Schuljahr an der Comenius-Schule am Auhof in            „Nur eine Handvoll Schülerinnen und Schüler
             Hilpoltstein. Eine Woche lang waren die Kinder          wollte oder konnte nicht mitmachen. Alle konn-
             der Förderschule nicht mehr Kinder, sondern             ten sich selbst aussuchen, bei welcher Nummer
             Clowns, Seiltänzerinnen oder Löwen-Dompteu-             sie mitmachen wollten, das war nicht vom Klas-
                                                                                                                             Alle packten mit an, Lehrkräfte, Schülerinnen     Schülerinnen und Schüler aller Klassenstufen
             re. „Die Kinder haben sich komplett verwandelt          senverband abhängig. Die Durchmischung, die             und Schüler und Angela vom Zirkus-Team.           konnten in den verschiedenen Nummern als Team
             in Artistinnen und Artisten mit ganz besonderen         so entstanden ist, war spannend und sehr be-                                                              zusammenarbeiten.
             Herausforderungen“, beschreibt Renate Merk-             reichernd.“ Dank des neuen Hygieneplans, der
             Neunhoeffer, Schulleiterin an der Comenius-             zu Beginn des Schuljahres in Kraft getreten war,
             Schule, den Projektzirkus.                              konnte der Zirkus in dieser Form trotz Corona-       Fortbildung alles gelernt, da musste zum Bei-
                                                                                                                                                                               Der Höhepunkt der Show war die Trapeznummer,
             Zwischen drei und 20 Jahre alt – von der schul-         Pandemie umgesetzt werden. Bei der Auffüh-           spiel jeder mal aufs Nagelbrett“, erklärt sie. „Am   an der sich vor allem die älteren Schülerinnen be-
             vorbereitenden Einrichtung bis zur Berufs-              rung galten die 3-G-Regeln, eine mobile Test-        Montag haben wir dann vor den Kindern eine           geistert beteiligten.
                                                                     station ermöglichte allen Eltern, dabei zu sein.     kleine Vorführung gegeben und alle konnten
                                                                     Eigentlich sollte das Zirkusprojekt schon im         sich aussuchen, bei welcher Nummer sie gern
                                                                     Sommer vor zwei Jahren stattfinden, doch Co-         mitmachen würden.“ Dass auch den Lehrerin-
                                                                     rona hatte dem Projekt einen Strich durch die        nen und Lehrern nicht alles gelingt: Das fanden
                                                                     Rechnung gemacht. „Zirkus erleben, etwas Neu-        die Kinder besonders ermutigend. Vom Zeltauf-
                                                                     es wagen, einen Schritt über sich selbst hinaus-     bau am Sonntag bis zur Aufführung am Samstag:
                                                                     wachsen, das sind die Ziele des Projektzirkus“,      Die Schulfamilie hat das ganze Projekt in Eigen-
                                                                     zählt Renaute Merk-Neunhoeffer auf. Immer            regie durchgeführt. Unterstützung gab es bei
                                                                     wieder ist das Team des „Circus ZappZarap“           der Finanzierung. Mehrere Tausend Euro kostet
                                                                     auch an Förderschulen unterwegs. „Auch wenn          eine Woche mit dem Projektzirkus. Alle Mate-
                                                                     manche im Vorfeld gezweifelt haben, ob das mit       rialien, ein großes Zelt und die Unterstützung
                                                                     den Kindern an unserer Schule wirklich möglich       von zwei ausgebildeten Zirkuspädagog*innen
                                                                     ist“, erinnert sich die Schulleiterin. Angela vom    gehören dazu, außerdem die achtstündige Fort-
                                                                     Zirkus-Team hat schon einige Erfahrungen an          bildung für die Lehrkräfte. „Wir sind sehr froh,
                                                                     Förderschulen gemacht. „Eigentlich ist das mei-      dass wir diese Woche zu einem großen Teil über
                                                                     ne liebste Zielgruppe“, sagt sie. „Die Kinder neh-   Spenden finanzieren konnten“, bedankt sich
                                                                     men so unglaublich viel mit in den paar Tagen,       Renate Merk-Neunhoeffer. Rudolf Schroll von
                                                                     ich liebe es, das zu beobachten.“                    der „Annemarie und Rudolf Schroll Stiftung für
                                                                     Auch die Lehrkräfte sind vom Konzept über-           Menschenwürde“ und Willi Hepp von der „Koi-
                                                                     zeugt. „Die Woche hat viel Kraft gekostet, aber      nor Horst Müller Stiftung“ waren begeistert von
                                                                                           wenn man in die Gesichter      der Aufführung. Auch die „Uwe Feser Kinder-
                                                                   „ALLE MUSSTEN           der Kinder in der Manege       fonds Stiftung“ hatte einen Teil der Kosten für
                                                                                           schaut, dann hat sich das      das Projekt übernommen. Die restlichen Kosten
                                                                   MAL AUFS
                                                                                           mehr als gelohnt“, fasst       übernimmt der „Förderverein Freundeskreis
                                                                   NAGELBRETT.“            Elke Adam zusammen. Die        der Comenius-Schule Hilpoltstein“.
                                                                                           Lehrerin hat eine Spring-
             Auch die älteren Schüler waren Feuer und Flamme für     seil-Nummer mit den Jüngsten einstudiert.
             das Projekt.                                            „Wir Lehrkräfte haben erst mal selbst bei einer      TEXT & FOTOS: Diakonin Arnica Mühlendyck

20           Ausgabe 03 | 2021                                                                                                                                                                                                              21
ZIRKUS-PROJEKT IN DER COMENIUS-SCHULE
                                                                                                              In der Comenius-Schule am Auhof in Hilpoltstein war ein Projekt-Zirkus.
                                                                                                              Die Comenius-Schule ist eine Förder-Einrichtung für Kinder von 3 bis 20 Jahren.
                                                                                                              Der Projekt-Zirkus heißt „Circus ZappZarapp“.
                                                                                                              Der Zirkus war eine Woche lang in der Comenius-Schule.

                                                                                                              Als erstes haben die Lehrerinnen und Lehrer die Zirkus-Kunststücke gelernt.
                                                                                                              Dann haben sie für die Kinder eine Aufführung gemacht.
                                                                                                              Nach der Aufführung konnten alle Kinder aussuchen,
                                                                                                              bei welchem Zirkus-Kunststück sie mitmachen wollen.
         Auch Schulleiterin Renate Merk-Neunhoeffer (ganz links), Leiter des Auhofs Andreas
         Ammon (Mitte) und Fundraising-Referentin Eva Neubert (ganz rechts) konnten das                       Zum Beispiel:
         richtige Präsentieren schnell umsetzen, um sich bei den großzügigen Spendern
         Rudolf Schroll (2.v.l.) und Willi Hepp (2.v.r) zu bedanken.

                                                                                                              •   Sie konnten Clowns sein.

                                                                                                              •   Sie konnten als Turnerinnen und Turner Tricks mit dem Springseil zeigen.

                                                                                                              •   Sie konnten Zauber-Tricks zeigen.

                                                                                                              •   Sie konnten sich als Löwen verkleiden.

                                                                                                              Fast alle Kinder von der Comenius-Schule haben beim Zirkus-Projekt mitgemacht.
                                                                                                              Am Ende konnten die Eltern, Geschwister und Freunde
                                                                                                              bei einer Aufführung zuschauen.

                                                                                                              Renate Merk-Neunhoeffer ist die Schulleiterin in der Comenius-Schule.
                                                             Glitzernde Kostüme und strahlende Kinderaugen:   Sie wollte schon vor zwei Jahren das Zirkus-Projekt machen.
                                                             So muss Zirkus aussehen.
                                                                                                              Aber wegen der Corona-Pandemie hat das nicht geklappt.
                                                                                                              Sie sagt: „Die Kinder haben viele neue Sachen erlebt und sich ganz viel getraut.“

                                                                                                              Das Zirkus-Projekt hat viel Geld gekostet.
                                                                                                              Viele Menschen haben Geld dafür gespendet.

         Ein Zirkus ohne Löwen? Nicht nötig.
         Alle „Tiere“ konnten zeigen, was sie
         können.

           Die Kinder waren sichtlich stolz auf ihren Erfolg –
                               das Publikum war begeistert.

22   Ausgabe 03 | 2021                                                                                                                                                                            23
Thema                                                                                                                                                                                                                                   Thema

                                                                                                                                Digitalisierung und Ethik werden als Dreieck            elf Jahren seiner beruflichen Abwesenheit ver-
                                                                                                                                zu den vier Rummelsberger Dimensionen fach-             ändert haben. Früher habe er Rummelsberg als
                                                                                                                                licher Anspruch, diakonischer Geist, wirtschaft-        nach Dominanz suchend erlebt; heute nehme er
                                                                                                                                liche Verantwortung und kommunikative Kultur            einen offeneren und kooperativeren Geist nach
                                                                                                                                hinzugefügt. Darüber hinaus hat ihm die Aussa-          innen und außen wahr. Für ihn ist das ein Mut
                                                                                                                                ge gefallen, dass Mitarbeitende das Gesicht des         machender Eindruck.

             ERST MAL SCHAUEN –
                                                                                                                                Unternehmens seien und die Aufgabe von Füh-             Barbian war einige Jahre als Brüdersenior und
                                                                                                                                rung darin bestünde, diakonisches Arbeiten zu           Ausbildungsleiter im Faraja Diaconic Center in
                                                                                                                                ermöglichen. Mitarbeiter*innen sollen spüren,           Tansania. Dort hat ihn einerseits die respekt-

             IM GLEICHGEWICHT BLEIBEN
                                                                                                                                dass Leitung hinter ihnen steht, ihnen den Rü-          volle Zurückhaltung beeindruckt und anderer-
                                                                                                                                cken freihält und ihnen zutraut, die täglichen und      seits, wie die Massai zu Entscheidungen finden,
                                                                                                                                kommenden Herausforderungen zu bewältigen.              die die Gemeinschaft betreffen: sie kommen zu-
                                                                                                                                Barbian betrachtet Arbeit immer auch als Be-            sammen, wägen in tagelangen Beratungen mit
                                                                                                                                ziehungspflege. Gerade in den letzten einein-           den Betroffenen alle Belange ab und kommen
             Diakon Peter Barbian ist der neue Leiter der                                                                                            halb Jahren sei das durch          dann zu einem Entschluss, der von der ganzen
             Rummelsberger Brüderschaft                                                                                       AMT ALS BEZIE-         die Corona-Pandemie sehr           Gruppe mitgetragen wird.
                                                                                                                                                     deutlich zu spüren gewe-           Den Geist dieser Art der Meinungsbildung wür-
                                                                                                                              HUNGSPFLEGE
                                                                                                                                                     sen. Vieles habe gut funk-         de Barbian gerne nach Rummelsberg bringen. Er
                                                                                                                                                     tioniert, aber insbesondere        ist guter Dinge, dass die Haltung, die hinter sol-
                                                                                                                                bei denjenigen, die zu Hause am Computer sa-            chen Beratungen steht, in Rummelsberg längst
                                                                                                                                ßen, um ihren Aufgaben nachzukommen, sei der            angekommen ist. Außerdem, so sagte er in der
                                                                                                                                Kontakt zu den Kolleg*innen schmerzlich ver-            Predigt zu seiner Einführung: „Es ist ein riesi-
                                                                                                                                misst worden. Arbeit ist Teilhabe an einer Ge-          ges Geschenk, wenn es uns gelingt, etwas von
                                                                                                                                meinschaft und braucht die menschlichen Be-             ganzem Herzen zu tun.“ Er erinnerte die Fest-
                                                                                                                                ziehungen. In guten Beziehungen können gute             gemeinde an die Botschaft, die alle gläubigen
                                                                                                                                Ideen entstehen. Auf dieser Grundlage seien alle        Christen in die Welt tragen sollten: „Wovor soll-
                                                                                                                                ermuntert und gefordert, initiativ Veränderun-          te ich Angst haben, wenn Gott an meiner Seite
                                                                                                                                gen anzugehen und Foren zu suchen.                      ist?“
                                                                                                                                Als „Wiedereinsteiger“ in Rummelsberg sieht
                                                                                                                                Peter Barbian viele Einzelheiten, die sich in den       TEXT: Diakon Georg Borngässer

             Diakon Peter Barbian, neuer Leiter der Rummelsberger Brüderschaft, arbeitet eng mit
             Diakonin Elisabeth Peterhoff, Leiterin der Diakoninnengemeinschaft, zusammen. FOTO: Lara März                          BERUFLICHER LEBENSLAUF
             „Das, was wir nach außen tragen, müssen wir                 arbeitende gehören, will er sich in die Kultur der
             auch nach innen leben,“ sagt der 57-jährige Dia-            Rummelsberger einbringen und die Pflege von                1982   Eintritt in die Brüderschaft
             kon Peter Barbian. Die sieben Werke der Barm-               Mitarbeitenden zu seinem Anliegen machen.                  1987   Einsegnung als Diakon
             herzigkeit, die die diakonischen Aufgaben Rum-              Zunächst, so sagt er, wolle er schauen, beob-                     Jugendhilfezentrum Rummelsberg: Diakon im Gruppendienst
             melsbergs so treffend beschreiben, dürfen nicht             achten, fragen, zuhören und verstehen. Bereits
                                                                                                                                    1989   Studium der Sozialen Arbeit an der Evangelischen Hochschule Nürnberg
             ausschließlich für die Klient*innen der Hand-               nach wenigen Tagen hat er Dinge entdeckt, die
             lungsfelder gelten, sondern müssen auch für die             ihn zuversichtlich stimmen. Noch bevor er in               1994   Heilpädagogische Tagesstätte Roth: Leitung
             Mitarbeiter*innen spürbar sein. Der reine Brot-             sein Amt eingeführt wurde, hatte er Gelegen-               1998   Diakonisches Werk Bayern, Nürnberg: Referent für Kinder- und Jugendhilfe
             erwerb sei für die Wenigsten die einzige Moti-              heit, an der Führungskonferenz der Rummels-
                                                                                                                                    2001   Faraja Diaconic Center, Tansania: Brüdersenior und Ausbildungsleiter
             vation, bei der Diakonie zu arbeiten. „Mitarbei-            berger Diakonie teilzunehmen. Dort trafen sich
             ter*innen identifizieren sich mit sinnstiftenden            rund 80 Kolleg*innen, die innerhalb der Diako-             2007   Diakonenschule Rummelsberg: Praxisanleiter und Leiter Brüderhaus
             Aufgaben und geben in der Regel ihr Bestes, um              nie Führungsaufgaben haben, zu einem zweitä-               2010   Bildungs- und Erholungsstätte Langau: Leiter & Geschäftsführer
             einen guten Dienst für Menschen zu tun, der                 gigen Austausch.
                                                                                                                                    2015   Bildungs- und Erholungsstätte Langau: Vorstand
             sie dann auch selbst zufriedenstellt,“ ist Peter            Aus den Beiträgen seiner beiden Kollegen im
             Barbian gewiss. Als Mitglied des Vorstandes des             Vorstand, Dr. Tobias Gaydoul und Karl Schulz,              2021   Wahl zum Brüdersenior der Rummelsberger Brüderschaft
             diakonischen Trägers, zu dem rund 6.200 Mit-                hat er Spannendes herausgehört: Innovation,

24           Ausgabe 03 | 2021                                                                                                                                                                                                                       25
Quereinstieg                                                                                                                      Quereinstieg

                                   Thomas Ibler beim Fußball Spiel mit Jugendlichen am Auhof

                                NOCHMAL ETWAS NEUES
                                MACHEN UND SICH
                                BERUFLICH VERÄNDERN
                                Quereinstieg in den sozialen Beruf

                                Thomas Ibler kann jetzt in seiner Arbeitszeit mit         legin um die Fünfzig, die als gelernte Floristin
                                Jugendlichen Fußball spielen. Der gelernte Kfz-           nun eine Ausbildung zur Heilerziehungspflege-
                                Mechaniker hat sich entschieden, umzuschulen              helferin absolviert oder einen Banker, der als
                                und arbeitet nun als Heilerziehungspflegehelfer           ehemaliger stellvertretender Filialleiter jetzt ein
                                am Auhof, einer Einrichtung für Kinder, Jugend-           Vorpraktikum bei uns macht, um mit Menschen
                                liche und Erwachsene mit einer geistigen oder             mit Behinderung zu arbeiten“, erzählt Diakon
                                seelischen Behinderung. „Ich habe umgeschult,             Matthias Grundmann, der den Bereich Ausbil-
                                da ich in meinem alten Job keine Freude mehr              dung am Auhof in Hilpoltstein leitet. Gerade in
                                hatte“, erklärt er seine berufliche Veränderung           Zeiten der Corona-Krise haben viele Menschen
                                und beschreibt seinen neuen Alltag mit den                über ihre berufliche Zukunft nachgedacht und
                                Worten: „Jeden Tag komme ich mit einem gu-                so findet der soziale Bereich großen Anklang.
                                ten Gefühl von der Arbeit nach Hause, weil ich            „Zu uns kam auch ein Schauspieler, der die Büh-
                                etwas Sinnvolles gemacht habe. Ich sehe Men-              ne verlassen hat, um bei uns Heilerziehungs-
                                schen mit Einschränkungen mit ganz anderen                pfleger zu werden“, beschreibt Grundmann
                                Augen.“ Als Heilerziehungspflegehelfer arbeitet           einen der vielen Interessierten.
                                er direkt mit den Jugendlichen, begleitet sie in          Soziale Berufe aus einem anderen Blickwinkel zu
                                ihrem alltäglichen Leben und in ihrer Entwick-            sehen ist auch das Ziel der aktuellen Recruiting-
                                lung. Er kann selbst viel mitgestalten und sei-           Kampagne der Rummelsberger Diakonie. Mit
                                ne Hobbys, wie das Fußballspielen, einbringen.            einer neuen Webseite, Plakat- und Radiower-
                                „Verändert haben sich vor allem meine Arbeits-            bung wirbt sie dafür, sich seinen persönlichen
                                zeiten und meine Freizeitaktivitäten, da ich              Traumberuf zu suchen oder seinen aktuellen
                                nun flexibler bin“, erklärt Thomas Ibler, wobei           Job in einer neuen Perspektive zu sehen. San-
                                er gleichzeitig zugeben muss, dass er hin und             dra, die als Rennfahrerin einen Rollstuhl steuert
                                wieder die geregelten Arbeitszeiten seines alten          oder Eric, der als Influencer Schülerinnen und
                                Jobs vermisst. „Ich liebe die Arbeit am und mit           Schüler an der Berufsfachschule unterrichtet:
                                dem Menschen und dass man immer mit einem                 Sie alle erzählen von ihren sozialen Traum-Be-
                                guten Gefühl nach Hause geht“, sagt er im Inter-          rufen auf der neuen Webseite: www.traumbe-
                                view. Überrascht haben ihn die vielen positiven           rufe-rummelsberger.de. Klicken Sie auf eines
                                Reaktionen auf seinen beruflichen Wandel in               der vielen Angebote und Videos dort und emp-
                                seinem Umfeld.                                            fehlen Sie uns weiter!
                                Mit dieser beruflichen Neuorientierung ist er
                                nicht allein am Auhof. „Wir haben auch eine Kol-          TEXT: Sabine Thiel FOTO: David Rasche

26          Ausgabe 03 | 2021                                                                                                                         27
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