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2.2021
www.kirchefuermorgen.de
BeGEISTert
innovativ
Normal triff t Verheißung Innovation triff t Tradition Mut triff t Aufbruch
Dr. Klaus Douglass Pfarrer Sebastian Steinbach Präses Anna-Nicole HeinrichEditorial & Inhaltsverzeichnis
Liebe Leserinnen und Leser, BeGEISTert innovativ
Innovation ist in aller Munde. Nicht nur seit Editorial . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 2
Corona und der Digitalisierung. Und jetzt auch Zum Thema
noch bei der Kirche? Sollte da nicht, bitte Kfm-Positionslicht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 3
schön, alles beim Alten bleiben? Wenigstens Angie Schwarz und Andreas Arnold zum Titelthema
dort, wo viele Vertrautheit und Heimatgefühle
Nach Corona: Weiter so? oder hoffentlich nicht… .... Seite 4
erleben? Was ist für Kirche eigentlich „normal“?
Dr. Klaus Douglass
Dr. Klaus Douglass geht der Frage nach, was Wie Innovationen die Gegenwart
eigentlich „normal“ ist und was Menschen aus den Angeln heben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 6
dazu bringt, Glaube, Liebe und Hoff nung wei- Impulse und Beobachtungen des Vortrags
terzugeben. von Dr. Markus Horneber, von Andreas Arnold
Innovation ist immer auch Risiko . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 8
Den Blick über den Zaun wagt Andreas Arnold Interview mit EKD-Präses Anna-Nicole Heinrich
mit einer Zusammenfassung des Referats von Kloster Hirsau: Neue Wege in alten Mauern . . . . . . . . . . .Seite 10
Dr. Horneber auf dem 7. Forum Digitalisierung Mutmachende Einblicke von Pfr. Sebastian Steinbach
der Landeskirche.
Bausteine
Als EKD-Synodaler stellt uns David Lehmann Krise machts möglich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .Seite 12
die neue Präses Anna-Nicole Heinrich vor. Hoffnungsvolle & ernüchternde Einblicke von Dr. Frauke
Wie Alt und Neu zusammenpassen, dazu Junghans, Heidrun Merdes, Carola Brenner
gibt Pfr. Sebastian Steinbach einen Einblick. Pfarrdienst in Digitalen Räumen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 13
Spannend zu lesen, wie die Klostermauern Interview mit Pfarrer-Tandem
in Hirsau frischen Wind atmen und welche Nicolai Opifanti und Sarah Schindler
Erfahrungen die Menschen dort machen. Innovation in Ghana . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 14
Anika Hempel über den ungewöhnlichen
Afrika-Missionar Johannes Zimmermann
Innovation ist keine Erfindung des 21. Jahr-
hunderts, das macht Anika Hempel anschau- Coronapandemie –
lich an der Gestalt des Kulturwanderers und Herausforderung oder Weichenstellung?. . . . . . . . . . . . . . . .Seite 15
Synodaler Kai Münzing
Afrika-Missionars Zimmermann aus Gerlingen.
Kfm intern
Wir wünschen Ihnen beGEISTernde Impulse
Eine Handvoll Fragen an drei Synodale . . . . . . . . . . . . . . . . . . .Seite 16
und innovative Blickwechsel, die ermutigen! Britta Gall, Götz Kanzleiter, Pfr. Matthias Vosseler
Sechs Jahre innovative Entwicklung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 18
Dank an den scheidenden ersten Vorsitzenden
Dr. Jens Schnabel
Los geht’s! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .Seite 19
Der neue Vorstand von Kirche für morgen stellt sich vor
Termine . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .Seite 19
Zu guter Letzt
Tabea Hieber und Johannes Stahl beGEISTert innovativ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 20
vom Redaktionsteam David Lehmann
Um den Lesefluss nicht zu beeinträchtigen wird in unseren Texten nur
Kfm ist jetzt auch auf Instagram unterwegs die männliche Form genannt, stets ist aber die weibliche und andere
Formen gleichermaßen mitgemeint.
IMPRESSUM
Der Zitronenfalter wird Bankverbindung: Werner Lindner, Winnenden;
herausgegeben Evangelische Bank eG. Kassel David Lehmann, Tübingen;
von Kirche für morgen e.V., IBAN: DE43520604100000 419435 Bettina Stippich, Steinenbronn
Am Auchtberg 1, 72202 Nagold BIC: GENODEF1EK1
Fon: (0700) 36 69 36 69, Wir danken allen, die durch ihre Spende Layout: AlberDESIGN, Filderstadt
red@kirchefuermorgen.de, die kostenlose Weitergabe des Druck: Druck + Medien Zipperlen GmbH, Dornstadt
www.kirchefuermorgen.de Zitronenfalters ermöglichen. Versand: LWV. Eingliederungshilfe Tannenhof Ulm
Redaktionsteam:
Erscheinungsweise: Johannes Stahl, Göppingen (ViSdP); Redaktionsadresse: red@kirchefuermorgen.de
2-3 x jährlich. Tabea Hieber, Markgröningen; und über die Geschäftsstelle
Bestellung (auch weitere Andreas Hiller, Sindelfingen; Anzeigenpreise: lindner-service@gmx.de
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Exemplare) bei der Geschäftsstelle. Christian Kohler, Ostfildern; Titelbild: ©IStock-S-S-S
Die Zusendung ist kostenlos. Carmen Lauble, Remshalden;
Bitte melden Sie sich, wenn Sie künftig mehr oder weniger Exemplare des Zitronenfalters wünschen, bei: Geschäftsstelle Kirche für morgen
e.V. Am Auchtberg 1, 72202 Nagold, Tel.: +49 (0700) 36693669, Mail: info@kirchefuermorgen.de
2Positionslicht
BeGEISTert innovativ -
vom Zauber des Neuanfangs
Die beiden Vorsitzenden Andreas Arnold und Angie Schwarz über Pioniere und
Bewahrer, die gemeinsam unterwegs sind.
„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber halb meinen wir: Die Gemeinde Gottes ist
inne“, dichtet Hermann Hesse im Jahr aufgerufen zum Aufbruch. Inspiriert durch
1941. Aber es ist durchaus nicht jeder- den Heiligen Geist. In dieser Zeit. Mit der
manns Ding neu anzufangen. Menschen Perspektive Ewigkeit. Heiter und gelassen
voller Pioniergeist und Innovationskraft können Pioniere und Bewahrer im jeweils
Angie Schwarz,
erliegen gerne diesem Zauber, während eigenen Tempo die Räume durchschreiten Tübingen,
diese Worte bei den Stetigen und Behar- und miteinander unterwegs sein. kfm-Vorsitzende
renden unter uns eher eine Drohkulisse
aufbauen. Unsere Kirche braucht beide:
Pioniere und Bewahrer. Pfarrer Sebastian
Steinbach beschreibt es in seinem Artikel
Bereit zum Aufbruch
so: „Innovation ist nie etwas vollständig „Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Rei-
Neues. Vielmehr verknüpft Innovation be- se, mag lähmender Gewöhnung sich ent- Andreas Arnold,
reits Bestehendes (‚Traditionelles‘) auf raffen“, dichtet Hesse weiter. Sind wir be- Filderstadt,
kreative, neuartige Weise.“ Die Creatio ex reit zum Aufbruch? Oder lassen wir uns kfm-Vorsitzender
nihilo – die Schöpfung aus dem Nichts – lähmen von uns lieb gewordenen Gewohn-
ist Gott dem Schöpfer vorbehalten. heiten und einengen von Traditionen? Die
gegenwärtige Krise hat uns viele Neuauf-
Heiter Raum um Raum durch- brüche geschenkt. Nutzen wir dieses Ge-
schenk, nicht um unserer selbst willen,
schreiten sondern um Gottes Willen. Übrigens: Neu-
Worin liegt das Geheimnis, sich auf Neu- anfänge sind ganz normal. Sie ereignen
es einlassen zu können? Hesse empfiehlt sich fortwährend und erwachsen (emergie-
in seinem Gedicht „Stufen“: „Wir sollen ren), ohne dass wir sie initiieren oder auf-
heiter Raum um Raum durchschreiten, an halten könnten. Wir können uns zu ihnen
keinem wie an einer Heimat hängen.“ Das verhalten: sie gestalten oder sie erleiden.
erinnert an Prediger 3: „Alles hat seine Es ist unsere Entscheidung.
Zeit“ heißt es dort. Auch Lebensräume
und Glaubensformen haben ihre Zeit. Des-
©AdobeStock_Svetlana Lukienko
3Heftthema
Nach Corona:
Weiter so?
Oder hoffentlich nicht…
Was hat Kirche aus Corona gelernt? Nach der Schockstarre reibt mancher sich die Augen
und möchte so schnell wie möglich wieder zurück ins normale Kirchenleben. Aber was
ist für Kirche eigentlich „normal“? Das haben wir Dr. Klaus Douglass gefragt und er macht
Mut zu neuen Wegen.
Ich unterhielt mich dieser Tage mit einer Endlich wieder Gottesdienste wie
jungen Pfarrerin, deren Gemeinde in der früher!?
Was ist für Coronakrise eine erstaunliche Entwick-
lung genommen hatte. Der Gottesdienst- Allerdings, so erzählte die junge Kolle-
uns als Kirche besuch ihrer Gemeinde hatte sich trotz gin, waren im Frühsommer, als die Impf-
pandemiebedingter Einschränkungen kampagne endlich zu greifen begann,
eigentlich fast verdreifacht. Die vormals recht kleine gleich mehrere der früheren Gottesdienst-
Schar der gemeindlich Aktiven hatte sich besucher*innen zu ihr gekommen und
„normal“? geöffnet und in der Krise mit verschiede- hatten gesagt: „Gott sei Dank, Frau Pfar-
nen Akteur*innen des Ortes kooperiert, rerin, jetzt können wir endlich wieder Got-
um Masken zu nähen, Hilfsbedürftige zu tesdienste und Veranstaltungen wie frü-
unterstützen und gemeinsame Projekte her machen!“ Mit diesen Worten, so er-
zu stemmen. Ganz allgemein waren das gänzte sie, war die klare Erwartung ver-
Wir-Gefühl und der Zusammenhalt nicht bunden, dass man endlich mit den ganzen
nur innerhalb der Gemeinde, sondern Neuerungen aufhören und wieder zur gu-
auch innerhalb des Ortes deutlich ge- ten alten Normalität zurückkehren solle.
wachsen. Natürlich war Corona auch dort
eine schlimme Zeit gewesen. Aber irgend- Was uns zu der Frage bringt: Was ist für
wie hatte die Krise die Menschen dazu ge- uns als Kirche eigentlich „normal“? Viele
Dr. Klaus Douglass, bracht, zur richtigen Zeit die richtigen Din- beantworten diese Frage aus der Vergan-
Pfarrer und Direktor ge zu tun bzw. sich auf das zu konzentrie- genheit heraus: Normal ist, was allgemein
der evangelischen
Zukunftswerkstatt
ren, was im Endeffekt wirklich zählt: näm- üblich ist. In diesem Sinne waren liturgi-
midi in Berlin lich die Weitergabe von Glaube, Liebe und sche Gottesdienste mit einem Besuch von
(www.mi-di.de) Hoffnung. nicht einmal zwei Prozent der eigenen Mit-
4beGEISTert innovativ
kirchlicher Normalität sein. Und umge-
kehrt: Wo das nicht geschieht, ist das
eben nicht „normal“, selbst wenn wir da-
bei auf eine noch so lange Tradition zu-
rückblicken können und wenn dabei
noch so viele fromme Worte gemacht
werden. „normal“ ist,
Was die junge Kollegin in ihrer Gemein- was Menschen
de gemacht hat, war in diesem auftrags-
und verheißungsorientierten Sinne „nor- mit dem
mal“. Als die herkömmlichen Gottesdiens-
te coronabedingt nicht mehr durchgeführt Evangelium in
werden konnten, wich sie auf andere For-
mate aus: Gottesdienste im Freien, Haus- Berührung
gottesdienste und Gottesdienste im Netz,
wobei sie nicht einfach die klassischen bringt…
Formate ins Internet streamte, sondern
einfache Formate mit vielen Möglichkeiten
zu Beteiligung entwickelte. Allesamt sehr
persönliche, kommunikative und auf Be- …was Menschen
ziehung ausgerichtete Formate.
©AdobeStock-Bruce
dazu bringt, selbst
Persönlich, kommunikativ,
auf Beziehung aus
Glaube, Liebe
Ich glaube, dass solche Elemente der und Hoffnung
Beteiligung und des Zusammenwirkens
glieder (von Nichtmitgliedern ganz zu unumkehrbar zur Zukunft nicht nur des weiterzugeben.
schweigen) bis vor Kurzem „normal“. Oder Gottesdienstes, sondern unserer Kirche
Gemeinden, die sich stark nach außen hin überhaupt gehören: Kirche in den unter-
abschotten, um eine Binnenkultur zu schiedlichsten Netzwerken unserer Ge-
pflegen, die für Außenstehende weder sellschaft, Kirche im Sozialraum, Kirche
leicht zugänglich noch inhaltlich nach- in ökumenischer Weite und Kirche in glo- …was Menschen
vollziehbar ist. Das Problem mit diesem baler Verbundenheit: Wo immer Gemein-
– vornehmlich an der vorhandenen kirch- den sich in den Monaten der Pandemie hilft, sich im
lichen Praxis orientierten – Normalitäts- auf einen derartigen Weg gemacht ha-
begriff ist, dass das, was kirchliche Insi- ben, haben sie inmitten der Krise einen Evangelium zu
der als „normal“ ansehen, für Außenste- guten Schritt nach vorne gemacht. Und
hende oft das genaue Gegenteil ist. Es es wäre jammerschade, wenn sie der Ver- verwurzeln…
ist für sie „unnormal“, weil es ihrem Le- suchung erlägen, nach Abklingen der
bensgefühl und ihrer Lebenswirklichkeit Pandemie wieder zur alten „Normalität“
nicht nur nicht entspricht, sondern oft zurückzukehren. „Normal“ im auftrags-
sogar widerspricht. und verheißungsorientierten Sinn ist,
was Menschen mit dem Evangelium in
Berührung bringt, was ihnen hilft, sich
Was ist der Auftrag? darin zu verwurzeln und was sie dazu
Vielleicht würde es helfen, wenn wir als bringt, selbst Glaube, Liebe und Hoff-
Kirche den Begriff der Normalität nicht an nung weiterzugeben.
dem festmachten, was allgemein üblich,
sondern an dem, was uns aufgetragen Wenn das mit den alten Mitteln und For-
und verheißen ist. Der Auftrag der christ- men besser gelang als mit den neuen,
lichen Gemeinde wird in Matthäus 28,18- sollten wir zu diesen zurückkehren. Wenn
20 definiert: Geht hin zu den Menschen, die neu gefundenen Formen und Mittel
gewinnt sie dafür, Jesus Christus nach- allerdings hilfreicher sein sollten, sollten
zufolgen, integriert sie in eure Gemein- wir uns getrost von den alten verabschie- Klaus Douglass/Fabian Vogt:
Der evangelische Patient.
schaft und helft ihnen, sich im Wort der den und auf jenem Weg weitergehen, den 208 Seiten,
Heiligen Schrift zu verwurzeln. – Dass Gott uns in den letzten anderthalb Jahren Paperback, 15,00 €
das geschieht, darf allein der Maßstab geführt hat. ISBN 978-3-374-06630-8
5Wie Innovationen
die Gegenwart aus den
Angeln heben
Wie geht Innovation ganz praktisch? Welche Haltung braucht es? Worin liegen die
Chancen und welche Herausforderungen sind mit dem Thema verbunden? Impulse
©AdobeStock_Ezio Gutzemberg
und Beobachtungen vom 7. Forum Digitalisierung der Landeskirche. Andreas Arnold
hat die Kerngedanken des Vortrags von Dr. Horneber* zusammengefasst:
6beGEISTert innovativ
Auf Vorrat denken
„Um Institutionen zukunftsfähig zu machen, müs- immer ein Werkzeug, ein Tool, zur Unterstützung
sen wir auf Vorrat denken, also die Fragen viel frü- unserer Arbeit. Aber eines ist auch klar: So, wie es
her stellen und nicht erst, wenn das Problem in der vor 20 Jahren war, so wird es nie wieder. Wir stecken
Tür steht. Das ist mühevoll und anstrengend und aufgrund der Digitalisierung in einem enormen Ver-
es kostet Zeit. Zeit, die wir nie haben, denn ständig änderungsprozess, der durch Corona erheblich be-
müssen wir entscheiden, austarieren, informieren, schleunigt wurde. (…) Jede und jeder hat verschie-
begründen … Die vordringlichen Dinge bestimmen dene Vorstellungen von der Zukunft. Und natürlich
unseren Alltag. Und viel zu selten stellen wir uns haben wir Bedenken vor Veränderungen, Bedenken
die Frage, ob die dringenden Dinge auch die wirklich vor Neuem und vor dem Unbekannten. Wir müssen
wichtigen sind. (…) Wichtig heißt: Von entscheiden- uns (…) von manchen Gewohnheiten verabschie-
der Relevanz für die Zukunft der Kirche.“ den. Damit dies gelingt, dass wir uns verabschieden
und uns auf Neues einlassen, benötigen wir orga-
nisatorische und unternehmenskulturelle Voraus-
Die Extrapolationsfalle setzungen (…) um damit zurecht zu kommen und
„Ich bin ein großer Fan von Tradition … Wenn für die Zukunft gut gerüstet zu sein.“
man sich an der Vergangenheit orientiert, läuft
man in die Extrapolationsfalle. Getreu dem Motto
‚Zukunft ist gleich Vergangenheit mal Faktor X‘.
Organisationsentwicklung
Wir können aber die Zukunft nicht aus der Vergan- „Sie müssen unglaublich viel regeln, nachhal-
genheit ableiten (…), nicht prognostizieren, nicht ten, es muss alles ‚compliant‘ gemacht werden.
vorausberechnen. (…) Sondern Zukunft besteht (…) Qualitätssicherung ist der Tod der Innovation,
aus Trend-Brüchen, aus Paradigmenwechseln – weil Qualität auf Gleichförmigkeit und auf Gleich-
Corona lässt grüßen. (…) Wir sind der Zukunft nicht mäßigkeit ausgelegt ist und Innovation genau auf
völlig ausgeliefert, wir müssen nicht warten, was das Gegenteil. Insofern ist es schwierig von einer
auf uns zukommt, sondern wir können durch Den- bürokratischen, geregelten Organisation in eine
ken und durch Handeln Einfluss nehmen. (…) Wir etwas flexiblere zu kommen. (…) Dazu brauchen
können in unseren Arbeitsfeldern dafür sorgen, Sie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und vor allem
dass bestimmte Dinge passieren oder auch unter- auch Führungskräfte, die das ermöglichen: die
bleiben.“ Verantwortung delegieren, die mit Kritik auch um-
gehen können und dann auch immer mehr den
Menschen selbst Verantwortung zu übergeben –
Wechsel der Blickrichtung natürlich sie auch entsprechend vorbereiten dar-
„Der Blick aus der Zukunft zurück in die Gegen- auf. (…) Dann schaffen wir es auch, noch mehr In-
wart (…) erlaubt uns, diejenigen Maßnahmen ab- novationen zu generieren. (…) Es muss ganz inten-
zuleiten, die notwendig sind, um in die Zukunft zu siv eingebettet werden in die Organisation.“
kommen. (…) Dann erschließt sich uns die Zukunft
als ein großer Möglichkeitsraum verschiedener Al-
ternativen. (…)“
Innere Blockaden überwinden
„Dass wir uns intensiv auseinandersetzen mit
unseren inneren Blockaden, unseren Glaubens-
Zukunftszenario 2030 sätzen, die verhindern, das zu tun, was wir eigent-
Anhand des fiktiven Lebenslaufs der im Jahr lich möchten, die uns begrenzen. Manchmal hal-
2030 geborenen „Melina“ stellt Dr. Horneber vor ten uns diese Glaubenssätze davon ab, innovativ
Augen, wie die Gesundheitsversorgung sich ent- zu sein: traditionsbewusst und doch zukunftsori-
wickeln wird. Fazit: „So wurde bei uns 2017 klar, entiert.“
dass die Gesundheitsversorgung der Zukunft ganz
anders aussehen wird. Es reicht nicht mehr, nun *Der komplette Vortrag (37 Minuten) findet sich
auf dem Youtube-Kanal der Landeskirche
in Gebäude, die Technik und in gut ausgebildetes (https://www.youtube.com/watch?v=qMMBFT8EE9k).
Personal zu investieren. Die Digitalisierung und
auch die Technik haben die komplette Versorgung
auf den Kopf gestellt.“
Mit Mut und Zuversicht in die Zukunft Dr. Markus Horneber ist Vorstandsvorsitzender
des größten christlichen Gesundheitsunterneh-
„Wir überlegen uns immer, welchen Nutzen Inno- mens in Deutschland, der Agaplesion GmbH,
vationen haben (…) Es geht also immer darum, die die in 23 Krankenhäusern gut 22.000 Mitar-
beitende beschäftigt. Unter seiner Regie wurde
(…) Lebensqualität für Menschen, die in unseren der Krankenhaus-Konzern zum „Innovativsten
Einrichtungen sind (…) erheblich zu verbessern. Di- Unternehmen“ – laut der Zeitschrift ‚Capital‘ –
gitalisierung ist kein Selbstzweck, niemals! Sie ist der gesamten Branche.
7beGEISTert innovativ
„Man lässt keine Menschen ertrinken. Punkt!“ Was wir von der EKD lernen können? Innovation
Keine Punchline hat in den vergangenen Jahren geschieht nicht, wenn wir auf Nummer sicher spie-
mehr Aufregung, mehr Initiative und mehr Innova- len. Innovation braucht Risikobereitschaft. Die Be-
tion in der Evangelischen Kirche in Deutschland reitschaft, Wege zu gehen, die bisher vielleicht nur
(EKD) hervorgerufen als diese. Ich hatte Gänse- Gott selbst gesehen hat.
haut, als Sandra Bils bei ihrer Abschlusspredigt
des Kirchentags 2019 auf die Seenotrettung zu
sprechen kam. Noch viel mehr hat mich aber ge-
flasht, wie es danach weiterging. Es wurde kein
Innovation
neues „Amt für Seenotrettung“ eingerichtet und
auch keine Herde Pfarrer:innen in Ausschüsse ent-
sandt. Nein. Die Kirche hat das Bündnis „United4
ist immer
Rescue“ aus der Werft gelassen und sich dann
ganz untypisch als ein Matrose von vielen einge-
reiht. Mich inspiriert dieses unkonventionelle und
vernetzt denkende Vorgehen der EKD. Wo können
wir gemeinsam mit anderen Kirchen, NGOs, Verei-
nen und Menschen Visionen spinnen? Wo müssen
wir das Risiko eingehen, Dinge aus der Hand zu
geben?
auch Risiko
Seit diesem Jahr darf ich als erster Abgeordneter Die neue Präses (Vorsitzende) der
von Kirche für morgen unsere Landeskirche in der
EKD-Synode Anna-Nicole Heinrich
Synode der EKD vertreten. Mich beeindruckt, wie
viel Innovation dort trotz der immensen Unter- (25) kam zum Glauben „eher
schiedlichkeit der Player zu sehen ist. Das zeigen durch Zufall als durch Verstand
beispielsweise die „12 Leitsätze“, die sich die letz- und Sozialisation“, wie sie sagt.
te Synode als Kompass für die Zukunft gegeben
hat. Hier wird etwa aufgeführt, dass zehn Prozent Sie stammt aus einem kirchenfer-
des Haushalts als „geistliches Risikokapital“ für nen, nichtchristlichen Elternhaus.
Erprobungsräume und kreative Experimente ein- Über den Religionsunterricht in
gesetzt werden sollen. Solche gemeinsamen Zu-
kunftsvisionen sind Innovationsmotor und helfen, der Grundschule kam sie in Kon-
sich nicht im Klein-Klein zu verlieren. Und es takt zu einer evangelischen Ge-
drängt auch mich zu der Frage: Wo ist mein ganz meinde und ließ sich taufen, en-
persönliches „geistliches Risikokapital“?
gagierte sich in der Jugendarbeit
Aber nicht nur auf dem Papier, sondern auch im und will Kirche nun neu mitge-
Tun ist die EKD mutig. Seit dieser Legislaturperio- stalten: Hinaus ins Weite! Der
de müssen mindestens 20 der 128 Synodalen un-
ter 27 Jahren alt sein. Kaum eingeführt, wurde die EKD-Synodale von Kirche für mor-
Quote sogar direkt übertroffen. Wie würde sich gen, David Lehmann, über eine
unsere Kirche verändern, wenn wir überall knapp ungewöhnliche Frau und den neu-
20% junge Menschen an Bord hätten? Ja, was wäre
eigentlich, wenn wir ihnen sogar echte Leitungs- en Kurs der Evangelischen Kirche
ämter zutrauen würden? Auch hier setzt die EKD mit in Deutschland (EKD).
Anna-Nicole Heinrich als Präses neue Maßstäbe.
Statt erfahrener Polit-Profis und Ex-Minister:innen
hat nun eine 25-jährige Studentin das höchste Lai-
enamt unserer Kirche inne. Ich habe sie als leiden-
schaftliche, kompetente und gut vernetzte Team-
playerin erlebt, die für meine Generation Kirche
ganz neu nahbar macht.
David Lehmann, Tübingen, Theologiestudent, EKD-Synodaler
und Mitglied des Leitungskreises von Kirche für morgen
Meine ersten Erfahrungen auf der konstituierenden Sitzung
der EKD finden Sie unter https://www.kirchefuermorgen.
de/2021/05/mutiger-neustart-fuer-die-ekd-synode/
8beGEISTert innovativ
Interview mit Präses
Anna-Nicole Heinrich
Kirche für morgen: Frau Heinrich, wie waren Ihre
ersten Monate als frisch gewählte Präses der EKD?
Anna-Nicole Heinrich: Die ersten Monate im Amt
©Peter Bongard
waren sehr spannend. Ich habe viel Neues kennen
gelernt und konnte mich in wichtige Felder einar-
beiten. Ich bin, seitdem ich dieses Amt habe, viel
unterwegs und kann so mit vielen spannenden
Leuten connecten. Es macht echt Spaß, dieses
Amt und alles drumherum zu entdecken – vor al- Kirche für morgen:
lem auch gemeinsam mit dem ehrenamtlichen und Wo sehen Sie Potential für Innovation in der EKD?
hauptamtlichen Team, das mich umgibt. Und ich
freue mich auf alles, was die nächsten Monate und Anna-Nicole Heinrich: Erstmal ist es wichtig wahr-
Jahre kommen wird. zunehmen, was es in unserer Kirche, an der Peri-
pherie und außerhalb unserer kirchlichen Bubble
Kirche für morgen: Eine Sache, alles gibt. Es passiert so viel Gutes und Ermutigen-
die Sie in Ihrer Amtszeit ändern wollen? des. Auf meiner einmonatigen „Präsestour“ kreuz
und quer durch Deutschland habe ich mir als Auf-
Anna-Nicole Heinrich: Zunächst einmal geht es gabe gesetzt, genau das wahrzunehmen. Also
nicht um mich oder die eine Sache, sondern da- eben nicht das, was nicht läuft, sondern Gelingen-
rum, welche Schwerpunkte die Synode, die sich des in den Blick zu nehmen. Wenn wir raus gehen
im Mai konstituiert hat, setzen möchte. Das wer- und die Augen offenhalten, dann ergeben sich
den wir jetzt gemeinsam entwickeln. Eine Orien- schnell Anknüpfungspunkte für Innovatives – in-
tierung bieten dabei sicherlich die 12 Leitsätze nerhalb und außerhalb unserer herkömmlichen
„Hinaus ins Weite“ und die Zukunftsprozesse, Strukturen.
die die vergangene Synode geschnürt hat. Das
wollen wir weiterentwickeln. In den aktuellen Kirche für morgen: Was macht Ihnen persönlich
Umbrüchen liegt eine riesige Chance, die es jetzt Hoffnung mit Blick auf die Zukunft der Kirche?
zu nutzen gilt.
Anna-Nicole Heinrich: Ich spüre in den letzten Wo-
chen viel Mut zum Aufbruch, begegne vielen Men-
schen, die sich engagieren, und so viel ernsthafte
Auseinandersetzung mit dem, was kommen wird.
Unsere Aufgabe ist es, eine Kirche zu gestalten,
die kleiner wird und doch profiliert bleibt. Ich bin
mir sicher, dass wir, nur weil wir zahlenmäßig klei-
ner werden, nicht weniger Wirkung entfalten kön-
nen. Wir haben die richtigen Themen und werden
diese auch in Zukunft hoff nungsvoll und unver-
zagt rüberbringen und so Menschen erreichen.
©AdobeStock_Gajus
9Kloster Hirsau:
Neue Wege
in alten Mauern
Tradition und Innovation: ein Gegensatz? Diesmal kein klassisches Pro- und Contra.
Wir haben Sebastian Steinbach gebeten, die beiden Begriffe aufgrund seiner prak-
tischen Erfahrung zu reflektieren. Seine spannenden Einblicke in „neue Wege in al-
ten Mauern“ machen Mut, diese Spannung auch anderswo aufzunehmen und alte
Kirche neu zu (er)leben.
Innovation und Tradition brauchen ei-
Jahrhundertalte Mauern
nander. Ich spüre das hier in unserem al- Hier in Hirsau haben wir jahrhunderte-
ten Kloster Hirsau. Denn Innovation ge- alte Mauern und eine bewegte Kloster-
schieht ja nie im luftleeren Raum, Innova- Geschichte, die allerdings mit der Refor-
Innovation tion ist nie etwas vollständig Neues. Viel- mation endet. Mehr als fünfhundert Jahre
mehr verknüpf t Innovation bereits lang haben Mönche hier Tag und Nacht
und Tradition Bestehendes, „Traditionelles“ auf kreati- gebetet. Vor knapp eintausend Jahren hat
ve, neuartige Weise. von hier die sogenannte „cluniazensische
brauchen Reform“ – eine der großen geistlichen Klos-
Unsere kirchliche Tradition hält eine Un- terreformen – in den gesamten deutsch-
einander. zahl an alten Schätzen bereit: jahrhunder- sprachigen Raum ausgestrahlt. Menschen
tealte, faszinierende, durchbetete Kir- spüren, dass dies ein „heiliger Ort“ ist.
chen, „mystische Orte“. Jahrhundertealte,
kraftvolle Symbole. Jahrhundertealte, Zugleich erzeugen diese Tradition und
herzanrührende Texte. Jahrhundertealte, Geschichte bei vielen Menschen, die das
lebens- und glaubensformende geistliche Kloster Hirsau besuchen, einfach „nur“
Übungen. Jahrtausendealte, lebensverän- eine Art diffuses heiliges Gefühl. Sie brin-
dernde biblische Schriften. Dazu eine gen sie nicht in Verbindung mit ihrem Le-
knapp zweitausendjährige Kirchenge- ben und ihrem Alltag – die klösterlichen
schichte, in der Kirche schon eine Menge Gelübde wie Armut, Keuschheit und Ge-
entwickelt, ausprobiert und angestellt horsam. Das ständige Gebet. Die tiefe
hat, aus dem wir lernen können. Gottessuche der Mönche.
10beGEISTert innovativ
Die reine Tradition reicht nicht
Unsere Welt verändert sich seit Jahr-
zehnten mit exponentiell wachsender Ge-
schwindigkeit. Raketenschnell entfernt
sich unsere jeweils aktuelle Lebenswirk-
lichkeit von der Lebenswirklichkeit frühe-
rer Jahrhunderte. Genau aus diesem
Grund brauchen wir Innovation! Innovati-
on ist das notwendige Bindeglied zwi-
schen unseren kirchlichen Traditionen,
unseren alten Schätzen und unserer ak-
tuellen, sich rasant entwickelnden Wirk-
lichkeit.
Hier eine kurze und unvollständige Lis-
te, was es meiner Erfahrung nach für die
Entwicklung von Innovation braucht: Mit-
©wilfried-feder.com (2)
arbeiter, die offen für Neues sind. Neugier.
Experimentierfreude und Risikobereit-
schaft. Freiräume für Kreativität, zeitlich
und örtlich. Geld. Flexible Strukturen. Be-
reitschaft, aus Fehlern zu lernen. Und In-
spiration. Zum einen von „Profis“: von
Menschen, die von außen kommen und
sich mit Innovation auskennen. Zum an-
deren und vor allem: von Gott selbst.
Orte der Gottesbegegnung
Seit September findet sich all das auf ... ein Ort an
Tradition übersetzen, unserer wunderschönen Website www.
Innovation entwickeln
amen-atmen.de. Ab nächstem Jahr soll es dem Menschen
mit www.lebensliturgien.de eine eigene
Und so entwickeln wir hier in Hirsau seit Website (oder Webapp) mit Tagzeitenge- der Schönheit
vielen Jahren Angebote, in denen wir ver- beten zum Hören für jeden Tag geben
suchen, die Tradition und Geschichte die- (jetzt schon als Podcast: „Lebens Liturgi- und Faszination
ses Ortes erlebbar zu machen und in un- en“), dazu einen gleichnamigen Insta-
sere heutige Lebenswelt zu übersetzen. gram-Kanal. Auf diesem Kanal werden Gottes und des
Wir schaffen Erlebnisräume wie geistliche kleine „Häppchen“ der je aktuellen Tag-
Führungen, kreative Gebetsstationen, mo- zeitengebete erscheinen, dazu Zitate, In- Gebets neu und
derne Tagzeitengebete und Ausstellun- formationen und Gedanken zu den The-
gen, in denen Menschen dem „Gott dieses men Gebet, Tages-Rhythmus, Stille und tiefer begegnen.
Ortes“ – also unserem guten, dreieinigen Fokus.
Gott – begegnen können. Erlebnisräume,
in denen sie klösterliche Prinzipien wie Unsere Hoffnung und unser Gebet ist,
Einfachheit, Rückzug und Stille entdecken dass das alte Kloster Hirsau auf diese Wei-
und ausprobieren können. Dazu lassen wir se wieder neu zu einem Ort der Gottesbe-
die Mauern dieses alten Ortes ins Digitale gegnung und des Gebets wird. Zu einem
wachsen. Wir experimentieren mit Formen Ort, an dem Menschen der Schönheit und
von digitaler Spiritualität, weil wir uns wün- Faszination Gottes und des Gebets neu
schen, dass Menschen auch zuhause weiter und tiefer begegnen.
mit den Impulsen umgehen, denen sie hier
an diesem Ort begegnet sind.
Sebastian Steinbach, Pfarrer in
Hirsau, ist fasziniert davon, welch
tiefe Erfahrungen Menschen an die-
sem alten Klosterort machen und was
digital an Spiritualität möglich ist.
11Bausteine
Eine Krise ermöglicht manches,
was vorher nicht so im Blick war.
Hoff nungsvolle und ernüchternde Einblicke von Carola Brenner, Frauke Junghans
und Heidrun Merdes
Ein ausgefallenes Summer Camp eröffnet neue Perspektiven...
Das Internationale Youth Summer Camp auf worden, geprägt und beschenkt von der Kultur des
Himmelsfels (www.himmelsfels.de) konnte 2020 Himmelsfels. Und weil wir nun im Himmelsgarten
nur mit wenig Teilnehmern stattfinden. zuhause sind, geht es dort weiter mit Teil-Zeit, Ge-
betstreffs, Laubhütten-Café und Krippen-Station
Doch Johannes Weth und Steve Ogedegbe hat- beim Weihnachtsweg, Osternacht, Sommer-Camp
ten die Idee: Über Videokonferenz erweitern wir und immer wieder spontane Treffs zum Baden im
das Camp auf Orte in Deutschland, wo Leute sich Pool oder zum gemeinsamen Essen unterm Apfel-
in „Himmelsgärten“ treffen. baum. Und wenn es regnet? Dann treffen wir uns
reihum in den Häusern oder digital.
„Himmelsgarten? Das sind wir!“, wurde uns so-
fort klar. Der Gebetsraum im Gebetshaus Ammer- Nähere Infos unter www.himmelsgarten.org.
buch war unter Corona zu klein, doch Garten gab
es drum herum genug.
So lebten zwanzig Leute, junge Erwachsene und Dr. Frauke Junghans, Ammerbuch,
freiberufliche Gemeindeberaterin und
Familien inclusive Kindern fünf Tage Alltags-WG Perspektiventwicklerin und begeisterte
im Himmelsgarten. Die Überraschung: Aus einer „Himmelsgärtnerin“, liebt wilde Kirche,
losen Gebets-Gruppe ist eine Gemeinschaft ge- die sich raus wagt ins wilde Leben
Weihnachtliche Ökumene unter freiem Himmel...
Gemeinde gehört, kam die Idee auf, an Heilig Abend
gemeinsam vier Gottesdienste im Freien zu feiern.
Für jeden Gottesdienst sollte jeweils ein Team von
zwei PfarrerInnen aus unterschiedlichen Gemein-
den zuständig sein. Viele Ehrenamtliche engagier-
ten sich im musikalischen und organisatorischen
Bereich. Eine aufwändige Vorplanung war nötig.
Als Gottesdienstbesucherin habe ich den Heilig
Abendgottesdienst als ganz besonders und schön
erlebt. Ein wohltuendes, sichtbares Miteinander
von so vielen Christen über die eigene Gemeinde
hinaus, die deutlich macht: Wir stehen zusam-
men. Gerade an Heilig Abend.
Einen Gottesdienst als Ermutigung und Kraft- Und in 2021? Gerne wieder ökumenisch!
quelle, das wollten wir an einem Höhepunkt wie an
Weihnachten in „echter“ Gemeinschaft erleben.
In gutem ökumenischen Netzwerk, zu dem bei Heidrun Merdes, Asperg
uns katholisch, evangelisch, evangelisch–metho- engagiert sich ehrenamtlich in der
distisch und seit kurzem auch die neuapostolische evangelischen Kirchengemeinde
12Bausteine
Das Priestertum aller Gläubigen unter anderen Bedingungen...
Das Maß an Besserwisserei – ohne selbst ge- Weihnachten draußen: 100 Mitarbeitende, mutig
nügend Fachkenntnis zu haben. Kritik an allen, die und maximal flexibel, ließen sich finden, um das
Verantwortung haben – ohne selbst ein annähern- biblische Weihnachtsgeschehen draußen im Ort
des Maß an Verantwortung zu tragen, sowie per- nacherleben zu lassen. Bewegend!
sönlich kreierte theologische Wahrheiten, mit de-
nen geurteilt und verurteilt wurde, waren für mich Neuanfang der Kirche Kunterbunt: Erste Versuche
ernüchternd! einer Kirche Kunterbunt, für die wir engagierte
Mitmacher und fröhliche Besucher haben. Mut ma-
Das zahlenmäßige Verhältnis „normaler Men- chend!
schen“ zu „Propheten“ schien im aktuellen Zu-
stand gerade umgekehrt. Unser Pfarramtsteam hat
mutig die Mitte gehalten: Aufgefangen, vergeben,
moderiert, und ermöglicht. Glaubensmutig!
Carola Brenner, Ostfildern,
Drei Beispiele machen dies deutlich: kunterbunte Kirchengemeinderätin, pflegende
Digitale Aufrüstung: seither gibt’s fast alle Gottes- Familienfrau, im päd. Bereich berufstätig und
dienste digital zum Mitfeiern. Wow! begeisterte Hauskreislerin
Digitale Innovation
Die Evangelische Landeskirche in Württemberg ren Beruf interessierten. Von daher beschlossen
gibt ihrer Digitalisierung einen weiteren kräftigen wir, sie an unserem Alltag als Pfarrrerin und Pfar-
Schub: Mit zwei neuen 50-Prozent-Projektstellen rer teilhaben zu lassen. Das Interesse am „Pfarrer
für „Pfarrdienst in Digitalen Räumen“ bringt sie die aus Plastik“ wurde immer größer, auch in den Me-
Gemeindearbeit künftig noch vielfältiger ins Inter- dien.
net. Pfarrer Nicolai Opifanti und Pfarrerin Sarah
Schindler übernehmen mit je 50 % diese Aufgabe. Durch den ersten Lockdown haben wir begonnen
Sie stellen sich den Fragen von Tabea Hieber. Instagram-Gottesdienste mit Beteiligung der User
durchzuführen. Die große Resonanz hat uns über-
Ihr seid ja beide bereits länger digital unterwegs. rascht und gefreut.
Welche Erfahrungen habt ihr mit den Themen
Glaube und Kirche gemacht? In welchen Bereichen seht ihr auch die Grenzen
Zuerst benutzten wir Instagram privat und stell- einer digitalen Kirche?
ten fest, dass sich sehr viele Menschen für unse- Sie funktioniert – ähnlich dem hybriden Auto –
nur im Zusammenspiel mit der analogen Kirche.
Wenn es um Jüngerschaft und langfristige Beglei-
tung geht, ist die leibhafte Begegnung im Mento-
ring nicht zu ersetzen. Wir glauben an einen leib-
haftigen Gott, der in Jesus leibhaftig auf die Welt
gekommen ist.
Welche Träume und Visionen verbinden sich für
euch mit den neuen Stellen?
Unsere Träume sind, Kirche immer mehr in den
digitalen Raum zu übersetzen und andere Haupt-
und Ehrenamtliche dazu zu befähigen. Ebenso die
Inhalte attraktiv zu gestalten und vielen Menschen
Lust auf eine moderne Kirche zu machen.
Herzlichen Dank und Gottes Segen für euch!
13Bausteine
Vermählung mit Afrika
Wer sich mit der Afrikaforscherin und Lehramtsanwärterin Anika Hempel auf
Spurensuche begibt, entdeckt im Leben des Missionars Johannes Zimmermann
aus Gerlingen ganz Überraschendes, Vergnügliches und Lehrreiches für ein
Leben in Zeiten der Krise.
Wie erstaunt war man da in Basel, als ein
Brief aus Christiansborg nicht Zimmer-
manns Dahinscheiden, sondern seine be-
vorstehende Hochzeit verkündete! Er hat-
te sich von einem Eingeborenen heilen
lassen und beabsichtigte nun, ohne das
obligatorische Einverständnis des Komi-
tees eingeholt zu haben, die geschiedene
dunkelhäutige Catherine Mulgrave zu hei-
raten!
©bmarchives
Das Missionskomitee stimmte nachträg-
lich zwar zu, trotzdem blieb das Verhältnis
gespannt. Zimmermann haderte mit den
weltfremden Vorstellungen und Vorurtei-
Vorab: Ja, Johannes Zimmermann war len im so weit entfernten Europa und nicht
ein Kind seiner Zeit. Er war überzeugter zuletzt mit der schleppenden Bürokratie.
Kulturoptimist und sah in der Mission den Immer wieder kritisierte er in Briefen
Schlüssel, der einer (deutschen) Koloni- „das(s) viele reden und wenig thun“.
sation in Afrika den Weg ebnen sollte. Er
hatte eine Vision, die heutigen Maßstä- Repressionen aus Basel nahm er in
ben in vielen Punkten nicht mehr stand- Kauf, denn er wollte sich mit Afrika „ver-
hielte. mählen“ und das nicht nur im wörtlichen
Sinne. Er ließ sich auf die Menschen, das
Aber: Johannes Zimmermann war auch Land und die Kultur ein, und insbesonde-
kein Kind seiner Zeit. Er galt als das enfant re sein Umgang mit den Menschen war es,
terrible der Basler Mission, der stets sei- der dazu führte, dass sein Bild heute noch
Immer wieder nen eigenen Kopf hatte und zeitlebens im Königreich Krobo in hohen Ehren ge-
seinen ganz persönlichen, tief vom Pietis- halten wird.
kritisierte er mus geprägten Glaubensvorstellungen
folgte. Hatte er noch keine „Überzeugung Zimmermann war ein Mann der Tat und
in Briefen vor dem Herrn“, so leistete er weder den des grenzenlosen Gottvertrauens. Selbst
Befehlen aus Basel Folge noch den Auf- existenzielle Krisen entmutigten ihn nicht.
„das(s) viele forderungen seiner Missionsbrüder. Zu sehr trieb ihn die Vision von einem
„Gleichgewicht der Erde“. Vielleicht ist er
reden und Von klein auf hatte Zimmermann den so auch ein Kind unserer Zeit?
Traum, Missionar zu werden. Weder erste
wenig thun“. Ablehnungsschreiben noch kilometerwei-
te Fußmärsche zwischen Gerlingen und
Basel hielten ihn von diesem Plan ab. Anika Hempel, Gerlingen, beschäf-
Nach fünf Jahren Ausbildung wurde er tigte sich im Rahmen ihrer Bachelor-
arbeit mit Johannes Zimmermann,
1849 als einer der Pioniere der Basler Mis- mit dem sie nicht nur den Heimatort,
sion an die Goldküste Afrikas – das heu- sondern auch Neugier, Offenheit und
tige Ghana – gesandt. manchmal auch die Sturköpfigkeit
teilt. Es fasziniert sie, dass er sich von nichts und
niemandem entmutigen ließ und Zeit seines Le-
Doch wie viele vor ihm wurde Zimmer- bens mit ganzer Kraft und vollem Gottvertrauen für
mann nach seiner Ankunft schwer krank sein Ziel, die Schaffung eines „großen Gleichge-
und rang mehrere Wochen mit dem Tod. wichts der Erde", eintrat.
14Bausteine
Coronapandemie - Herausforderung oder
Weichenstellung für eine Kirche von morgen?
In vielen Begegnungen und Sitzungen habe ich mich als Landessynodaler und
hauptamtlicher Kirchenpfleger mit den Fragestellungen, die uns die Pandemie
auferlegt hat, befasst.
gen und Meinungen der Menschen. Eine
Eine Frage der Sichtweise Kirche in der Nachfolge Jesu Christi hat zu
Hierbei war eine grundverschiedene einer Versöhnung der Fronten ihren Bei-
Wahrnehmung der Zumutung durch die Co- trag zu leisten! Sie hat hier einen zutiefst
rona-Pandemie von „kirchlichen Insidern“, seelsorgerlichen Auftrag in der Überwin-
sogenannten „Kerngemeindegliedern“, dung der gesellschaftlichen Gräben.
und eher „Randständigen“ festzustellen.
Konkret kann dieses in der Fortführung
So formulierte kirchliches Stammklien- mancher neuen Konzepte gelingen. Der
tel den Vorwurf, von Kirche in dieser Zeit Einsatz digitaler Medien, der nun auch in Eine Kirche
im Stich gelassen worden zu sein. Liebge- die kirchliche Landschaft eingezogen ist,
wonnene, vielfältige Präsenzangebote wie sollte genauso beibehalten werden, wie in der Nachfolge
Gottesdienste, Chorproben, Jugend- und auch tradierte liebgewonnene kirchliche
Konfirmandenarbeit wie auch Seniorenar- Angebote. Jesu Christi hat
beit, die das kirchliche Leben vor Corona
rhythmisierten, fielen in den ersten Mo-
Komm- oder Gehstruktur?
zu einer
naten der Pandemie ersatzlos aus.
Die Antwort ist eindeutig: beides! Aller- Versöhnung der
Hingegen nahmen andere die hohe Kre- dings zeigen unterschiedliche Studien der
ativität und Innovationsfähigkeit von Kir- letzten Jahre, dass es nach wie vor einen Fronten ihren
che wahr. Die Bemühungen und das Ringen Überhang an Angeboten der „Kommstruk-
um Ersatzangebote, sowie die Konzeption tur“ gibt, die jedoch nicht mehr in ausrei- Beitrag zu leisten!
zukunftsweisender kirchlicher Angebote, chendem Maße angenommen werden. Die
um Menschen dort zu erreichen, wo diese durch die Pandemie entstandenen neuen
sich befinden – hin also zur „Gehstruktur“. Formate kirchlicher Interaktionen sollten
beibehalten, ausgebaut und letztlich nicht
Die Analyse dieser unterschiedlichen nur als „Notnagel“ für Krisenzeiten einge-
Sichtweisen macht deutlich, dass „eine setzt werden.
missionale Kirche der Zukunft“ nicht ein
Zurück in die Zeit vor der Pandemie for- Innovations- und
dern kann. Vielmehr braucht es die „sozi-
aldiakonischen“ Angebote, um bisher Un-
Ehrenamtskongress
erreichte für eine Kirche von morgen zu Für Mai 2024 ist ein Innovations- und Ge-
begeistern. meindekongress als Reaktion auf aktuelle
Entwicklungen in Kirche und Gesellschaft,
Versöhnende, barmherzige und auch und im Speziellen mit Blick auf die
pandemiebedingten Herausforderungen,
respektvolle Kirche geplant. Der Kongress bildet den zentralen
Die Corona-Pandemie hat unsere Gesell- Höhepunkt eines Prozesses, in dem inner-
schaft vor viele unterschiedliche Fragen halb von drei Jahren dezentral und landes-
gestellt, uns herausgefordert, über die kirchenweit über Gemeindeentwicklung
pandemiebedingten Themen nachzuden- und Innovationen in Kirche und Gemeinden Kai Münzing,
ken und sich eine Meinung hierzu zu bil- diskutiert und experimentiert wird. Dettingen/Erms
den. Dabei entwickelten sich im Verlauf der Hauptamtlicher Kirchen-
pfleger in Dettingen an
Pandemie teilweise tiefe und unüberbrück- der Erms, Mitglied der
bare Risse in der Gesellschaft, die bis hin- 15. und 16. Württember-
ein in den familiären Bereich reichen. gischen Evangelischen
Landessynode,
Vorsitzender des Aus-
Eine Rolle der Kirche ist die einer ver- schusses für Kirchen-
söhnenden, barmherzigen und respekt- und Gemeindeentwick-
vollen Kirche im Umgang mit den Haltun- lung
15©Evang. Medienhaus, G. Stoppel
Eine Handvoll Fragen
an drei Synodale von Kirche für morgen ...
Götz Kanzleiter Reiner Klotz Matthias Vosseler Matthias Böhler Tobi Wörner Marion Blessing Bernd Wetzel Ralf Walter Anja Faißt Britta Gall Oliver Römisch Kai Münzing
Wir setzen uns ein und bleiben dran – am Aufbruch für morgen!
Britta Gall
3. Welche Veränderungen durch die Corona-
Pfalzgrafenweiler Pandemie haben dein persönliches und/oder
Dipl.-Betriebswirtin (BA) & berufliches Wirken verändert/beeinträchtig?
Mama Durch die Pandemie hatte ich zeitweise einen Voll-
Ausschuss für Kirche, zeitjob als Lehrerin und Erzieherin. Das Homeschoo-
Gesellschaft, Öffentlichkeits- ling hat meinen Alltag geprägt. Dass ich beruflich so
arbeit und Bewahrung der
flexibel sein konnte und diesen Job annehmen und
Schöpfung
wahrnehmen konnte, dafür bin ich sehr dankbar.
Was war deine Hauptmotivation für eine erneu- 4. Welches sind deine wichtigsten Ziele, die du
te Kandidatur in die Synode? in der Synode gerne umsetzen möchtest?
Die Freude an unserer Kirche und der Wunsch, die Zu- Ich wünsche mir, dass vor allem jüngere Kirchenmit-
kunft dieser Kirche. mitzugestalten motivierten mich glieder wieder Bock auf Kirche haben, dass Kirche in
für die Kandidatur. So manches darf in unserer Kirche deren Lebenswelt Relevanz bekommt. Deswegen
anders werden. Mich in diesen Prozess der Verände- möchte ich Projekte vorantreiben, die das zum Ziel
rung einzubringen, dazu hatte ich Lust! haben. Wie zum Beispiel die Gemeindegründungsar-
beit mit jungen Erwachsenen, die Schaffung von Er-
2. Gibt es eine Erfahrung aus der Synodenar- probungsspielräumen für Kirche an anderen Orten,
beit, wo für dich Dankbarkeit oder Freude spür- andere Gottesdienstformate und digitale Angebote.
bar wurde?
Die Pluralität unserer Landeskirche bildet sich in der
Synode auf besondere Art ab. Das beständige, ge- 5. Gibt es Wünsche von dir an die Mitglieder
meinsame Ringen ums „Beieinander-Bleiben“ ist von Kfm, um dich in der Arbeit in der Synode zu
wertvoll. Es freut mich jedes mal aufs Neue, wenn ein unterstützen.
Konsens in einer Frage gefunden wird. Ich freue mich Bringt euch ein, erzählt uns, was bei euch an der Ba-
auch über alle Begegnungen mit den vielen unter- sis los ist, kommuniziert eure Anliegen wie z.B. beim
schiedlichen Persönlichkeiten. „Talk für morgen“ und betet.
16©Evang. Medienhaus, G. Stoppel
kfm intern
Götz Kanzleiter Matthias Vosseler
Ostelsheim, Diakon Stuttgart,
Finanzausschuss Pfarrer an der Stiftskirche
Ausschuss für Mission, Ökumene
und Entwicklung und Mitglied im
Missionsprojekteausschuss
Was war deine Hauptmotivation für eine Was war deine Hauptmotivation für eine erstmalige
erneute Kandidatur in die Synode? Kandidatur für die Synode?
Ich habe nach wie vor die Vision von ei- Die Synode ist von der Basis gewählt. Richtige Demo-
ner Kirche Jesu Christi, die sich lebendig, kratie. Kein willenloses „Abnick- Gremium“, sondern
bunt und ansteckend für andere zeigt. von Gott begabte, selbstständig denkende Men-
schen aus den Breiten unserer Gemeinden. Als Herz-
Gibt es eine synodale Erfahrung, die schlag-Mensch der Basis möchte ich meinen Teil zu
dich mit Dankbarkeit oder Freude er- dieser Leitung der Kirche beitragen.
füllt?
Ich freue mich über eine geschwisterli- Gibt es eine synodale Erfahrung, die dich mit Dank-
che Verbundenheit über alle Gesprächs- barkeit oder Freude erfüllt?
kreisgrenzen hinweg, die besonders bei Dass wir als sehr reiche Kirche Gott sei Dank nicht
der gemeinsamen Andacht spürbar wird. alles für uns behalten und einsetzen, sondern auch
Im kirchenpolitischen Geschäft freue ich viele Gelder in die weltweite Kirche nach außen ge-
mich über jeden Euro, der für bedürftige ben, ist ein wichtiges Zeichen. Als Mitglied im Missi-
und notleidende Menschen von der Syn- onsprojekte-Ausschuss kann ich darüber mitent-
ode beschlossen wird. scheiden.
Welche Veränderungen durch die Coro- Welche Veränderungen durch die Corona-Pandemie
na-Pandemie haben dein persönliches haben dein persönliches und/oder berufliches Wir-
und/oder berufliches Wirken verändert/ ken verändert/beeinträchtigt?
beeinträchtigt? Beruflich: Wüstenzeit und anstrengende Wüsten-
Der Gottesdienst ist nicht mehr die zen- wanderung, auch durch Corona. Aber Wüstenwande-
trale Veranstaltung der Kirchenmitglie- rung ist auch Zeit für ein neues Hören auf Gott und
der. Es wird spannend, wie es uns als Kir- eine neue Konzentration auf das Wesentliche. Beruf-
che gelingt, die Kommunikation in unse- lich war Corona letzten Endes die dauerhafte Platz-
rer Gesellschaft mitzuprägen und unse- anweisung Gottes am aktuellen Ort.
rem Auftrag gerecht zu werden. Persönlich: mehr Schwimmen. Schwimmen ist mit zu-
nehmendem Alter die beste körperliche Betätigung.
Welches sind deine wichtigsten Ziele, Mehr Zigarren. Ab und zu zur Entschleunigung des
die du in der Synode gerne umsetzen Lebens eine willkommene Abwechslung.
möchtest?
Für mich stehen die Menschen, die eher Welches sind deine wichtigsten Ziele, die du in der
auf der Schattenseite des Lebens ste- Synode gerne umsetzen möchtest?
hen, nach wie vor im Vordergrund mei- Es braucht mehr Demokratie in unserer Kirche. Da ha-
nes kirchlichen Engagements. Jesus hat pert es an manchen Stellen noch gewaltig. Eine Kir-
uns in vielen Beispielen gezeigt, nach che, die von Jesus Christus her lebt, kann nicht top-
welchen Grundsätzen er sich eine Kirche down organisiert sein. Das ist ein innerer Wider-
vorstellt. spruch. Wenn wir wirklich Volkskirche sein und blei-
ben wollen, müssen wir mehr sein als ein traditioneller
Gibt es Wünsche von dir an die Mitglie- Selbstbeschäftigungsverein einer bestimmten sozia-
der von Kfm, um dich in der Arbeit in der len und intellektuellen Schicht. Das muss im Syno-
Synode zu unterstützen? denalltag spürbar sein.
Damit die synodale Arbeit tatsächlich
Wirkung erzeugen kann, ist der Bezug Gibt es Wünsche von dir an die Mitglieder von Kfm,
zur Basis sehr wichtig. Hier wünsche ich um dich in der Arbeit in der Synode zu unterstützen?
mir viele Kontakte und eine Auseinan- Macht selber mit und kandidiert bei der Kirchenwahl
dersetzung mit den Mitgliedern vor Ort. 2025. Ich gebe gern Starthilfe, der Countdown läuft.
17kfm intern
Sechs Jahre innovative Entwicklung
Bei der Mitgliederversammlung verabschiedete sich Dr. Jens Schnabel mit einem
Rückblick auf seine Zeit als 1. Vorsitzender. Eine Zusammenfassung und ein Dank
von Johannes Stahl.
Aufrichtigkeit im Wahlkampf
Dass man die Dinge direkt anspricht
und das Wahlprogramm der Mitbewerber
kritisch kommentiert, so urteilte die Ess-
linger Zeitung, entspricht „zwar nicht den
gewohnten Gepflogenheiten in Kirchen-
kreisen, ist aber durchaus legitim und
sogar ein kleiner Beitrag zur Wahrhaftig-
keit...“ (Michael Trauthig, Esslinger Zei-
tung am 3.12.19).
Im Team gut vernetzt
Der erste Vorsitz wurde stets als Netz-
werk-Aufgabe gesehen und damit der Ge-
meinschaftssinn von Kirche für morgen
weiter gestärkt. Gemeinsam sind wir
stark.
Reformen sind notwendig
Theologie Auch in der Kirche. Um den Blick dafür
Für Dr. Jens Schnabel hatte die theolo- zu schärfen war es wichtig, offen und ehr-
gische Arbeit im Gesprächskreis hohe lich zu benennen, was nicht funktioniert,
Priorität. Wer Verantwortung trägt in der und konstruktive Wege vorzuschlagen.
Kirche, wer die Kirche gestalten und nach Neben dem oben bereits Genannten z.B.
vorne bringen will, sollte ein theologi- die Förderung von sozialdiakonischem
Wir sind bis sches Bild von Kirche haben. Er hat we- Wohnungsbau. Kirchengemeinden wie in
sentlich daran mitgearbeitet, mit „Kirche Wendlingen setzen das bereits beispiel-
heute der einzige als Beziehungsgeschehen“ unser Kir- haft um, das soll Schule machen. Wir
chenbild zu veröffentlichen. Damit sind sind noch längst nicht am Ziel, beim Wol-
Gesprächskreis wir bis heute der einzige Gesprächskreis len und Zulassen fehlt es in der Kirche.
in der württembergischen Landeskirche
in der württem- mit einer klaren theologischen Begrün- Dabei hielt es der langjährige Vorsit-
dung für ein Bild von Kirche. zende stets mit George Bernard Shaw:
bergischen „Diejenigen, die glauben, dass etwas
Ein Herz für Pfarrpersonen nicht möglich sei, sollten diejenigen
Landeskirche Kirche für morgen hat sich aktiv für die nicht unterbrechen, die es tun.“
Pfarrerschaft eingesetzt. Bei der letzten
mit einer klaren Pfarrplandiskussion haben wir im Früh- In diesem Sinne ein herzliches Danke-
jahr 2017 einen Antrag zur Entlastung der schön an Dr. Jens Schnabel für seinen
theologischen Pfarrerschaft eingebracht. Im Herbst Einsatz, seine theologische Reflexion
2020 stellten wir den Antrag für eine un- und sein Engagement als erster Vorsit-
Begründung abhängige Untersuchung der Personal- zender von Kirche für morgen!
entscheidungen im OKR.
für ein Bild
Balance
von Kirche. Umweltschutz und fairer Handel sind
bei Kirche für morgen kein Gegensatz,
ebenso wenig wie Frömmigkeit und Theo-
logie. Für Dr. Jens Schnabel war immer
ein ganzheitlicher und damit biblischer
Ansatz wichtig. Kirche für morgen steht Johannes Stahl
für eine gute Balance. Mitglied im Redaktionsteam
18kfm intern
Los geht’s!
Es ist Herbst und die Zeichen stehen auf Verän-
derung. Ein neuer Bundestag ist gewählt. Die Kan-
didatinnen- und Kandidatensuche für die Wahl des
Landesbischofs ist gestartet. Und auch bei Kirche
für morgen gibt es personelle Veränderungen:
Andreas Arnold und Angie Schwarz wurden im die beiden Vorsitzenden Angie Schwarz & Andreas Arnold
Juli von der Mitgliederversammlung zum neuen
Vorstand des Vereins gewählt. Sie nehmen ihre
Aufgabe im Tandem wahr, weil sie am liebsten im zu übernehmen. Es ist ihnen wichtig, Menschen
Team arbeiten und sich gut ergänzen. in ihrem Pionier- und Innovationsgeist zu stärken
Andreas Arnold ist Pfarrer und lebt zusammen mit und zu vernetzen. Und sie möchten dazu beitra-
seiner Frau, die ebenfalls Pfarrerin ist, und ihren gen, dass die bisweilen auch herausfordernden
zwei Töchtern sowie zwei Katzen in Filderstadt- Thesen und Forderungen von Kirche für morgen
Bonlanden. Andreas gehört seit letztem Jahr zum nicht kleingeredet werden.
Vorstand von Kirche für morgen.
Weil dies eine große Aufgabe ist, sind sie froh
Angie Schwarz arbeitet gemeinsam mit ihrem und dankbar für die vielen, die sich im Verein und
Mann in Stellenteilung als leitende Jugendrefe- in der Landessynode engagieren: für die beiden
rentin im CVJM Tübingen. Die beiden haben zwei weiteren Vorstandsmitglieder Reiner Klotz und
Kinder im Jungscharalter und neuerdings zwei Martin Mielke, für die Mitglieder im Leitungskreis,
Kaninchen im Garten, die sie auf Trab halten. für das engagierte Redaktionsteam des Zitronen-
Angie war vor einigen Jahren im Leitungskreis und falters, Inge Frank in der Geschäftsstelle, und,
für Kirche für morgen in der Landessynode. Zu- und, und…
dem ist sie Kirchengemeinderätin in der Jakobus-
gemeinde.
David Lehmann,
Andreas und Angie wollen vor allem auch junge Tübingen
Menschen einladen, Kirche frisch und fröhlich zu Mitglied des Leitungskreises
gestalten und damit Verantwortung für die Zukunft und des Redaktionsteams
Für Kurzentschlossene:
Maria und Gabriel –
dem Weihnachtsgeheimnis auf der Spur
Einkehrtage von Kirche für morgen e.V.
mit Cornelia Staib, Weinstadt
3. bis 5. Dezember 2021 · Kloster Bad Wimpfen
nähere Infos auf der HP
Die nächsten Termine:
7. Dezember 2021
Einsendeschluss 1. Februar 2022 · 1. März 2022
31. Dezember 2021 5. April 2022 · 3. Mai 2022 · 7. Juni 2022
Weitere Infos auf: www.kirchefuermorgen.de
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