Betriebliches Gesundheitsmanagement Best Practice aus NRW
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2 BETRIEBLICHES GESUNDHEITSMANAGEMENT – BEST PRACTICE AUS NRW
EINLEITUNG
B etriebliches Gesundheitsmanagement
ist ein wichtiger Baustein der Unter-
nehmensführung. Das Erwerbspersonenpo-
gesundheitserhaltende Maßnahmen weiter
zu beschäftigen, kann der Einsatz von be-
trieblicher Gesundheitsförderung den
der Arbeitnehmer und einer höheren Iden-
tifikation der Mitarbeiter mit dem Unter-
nehmen.
tenzial schrumpft in Nordrhein-Westfalen Fachkräftemangel dämpfen.
drastisch. Bis zum Jahr 2030 werden schät- Die Industrie- und Handelskammern in
zungsweise 12 Prozent weniger Personen Zudem dürfte der Fachkräftemangel dazu Nordrhein-Westfalen informieren die Unter-
im erwerbsfähigen Alter sein als im Jahr führen, dass gerade gut qualifizierte nehmen mit Veranstaltungen und Projekten
2014. Der Altersdurchschnitt wird sich so- Arbeitnehmer zukünftig größere Entschei- über die Möglichkeiten betrieblicher Ge-
mit auch in den Belegschaften spürbar dungsmöglichkeiten bei der Auswahl ihres sundheitsförderung. Durch Netzwerkver-
erhöhen. Um die Beschäftigungsfähigkeit Arbeitgebers haben werden. Für Unter anstaltungen und die Organisation von
der älteren Mitarbeiter zu erhalten, ist der nehmen bietet sich unter anderem durch ERFA-Kreisen möchten wir Anbieter und
Einsatz eines betrieblichen Gesundheits- den Einsatz eines betrieblichen Gesund- Nachfrager zusammenbringen und das Wis-
managements ein gutes Instrument. heitsmanagements die Chance, die Attrak- sen in der Unternehmerschaft über gesund-
tivität als Arbeitgeber nach außen und heitsfördernde Maßnahmen erweitern.
Bereits heute sind viele Unternehmen in innen darzustellen.
NRW vom Fachkräftemangel bedroht. Die- Mit der vorliegenden Broschüre präsen
ser Fachkräftemangel liegt häufig darin Betriebliche Gesundheitsförderung ist ins- tieren wir verschiedene BEST-PRACTICE-
begründet, dass ältere Mitarbeiter gesund- besondere dann zielführend, wenn sie zu- Beispiele von Unternehmen aus Nordrhein-
heitsbedingt Unternehmen verlassen müs- sätzlich – etwa durch verschiedene Team- Westfalen, die bereits gute Erfahrungen bei
sen und die hierdurch entstehenden Vakan- maßnahmen – den Zusammenhalt der der Organisation eines Gesundheitsma-
zen nicht adäquat ersetzt werden können. Mitarbeiter fördert. Dies führt zu einer nagements im eigenen Betrieb gemacht
Wenn es gelingt, diese Mitarbeiter durch verbesserten und engeren Zusammenarbeit haben.
INHALT
3 VIEL VERTRAUEN IN DIE 8 GYMNASTIK AUF DER BAUSTELLE
BETRIEBSEIGENEN MEDIZINER Bernhard Heckmann GmbH & Co. KG, Hamm
Henkel AG & Co. KGaA, Düsseldorf
9 BEWEGUNG IM HAUS
4 „EIN GESUNDHEITSTAG IM JAHR Ahle GmbH & Co. KG, Lindlar
REICHT UNS NICHT AUS“
Interprint GmbH, Arnsberg
10 SO KOMMT DER „BETRIEB IN BEWEGUNG“
Bundesverband selbstständiger Physiotherapeuten
5 „WIR PASSEN AUFEINANDER AUF“ – IFK e. V., Bochum
BEI DER CRODA GMBH IN NETTETAL WIRD
DAS GESUNDHEITSMANAGEMENT GELEBT
Croda GmbH, Nettetal 11 IMPRESSUM
6 ANGEBOTE ZUR GESUNDHEITSFÖRDERUNG
SYSTEMATISIEREN
KB Schmiedetechnik GmbH, HagenBETRIEBLICHES GESUNDHEITSMANAGEMENT – BEST PRACTICE AUS NRW 3
VIEL VERTRAUEN IN DIE BETRIEBSEIGENEN MEDIZINER
Henkel AG & Co. KGaA, Düsseldorf Foto: © Henkel AG & Co. KGaA
Gesundheitsberatung wird bei Henkel groß geschrieben.
A ndere Möglichkeiten als kleine und mitt-
lere Unternehmen haben Aktienunter-
nehmen. Dennoch will auch das Gesund-
gut akzeptiert.“ Für Raucher, die von den
Glimmstängeln loskommen wollen, gibt es
bei Henkel Nichtraucher-Seminare, die bis
Auch Stress- und Konfliktmanagement
steht groß auf dem Programm bei Henkel.
Dafür würde das Intranet der Firma ge-
heitsmanagement in einem Konzern erstmal zu zwei Drittel vom Arbeitgeber bezahlt nutzt, so Reifferscheid, denn man wolle den
organisiert sein. Der Konsumgüterhersteller werden. „Wir sind um jeden dankbar, der Betroffenen die Möglichkeit geben, sich
Henkel leistet sich auf dem Betriebsgelän- nicht mehr raucht“, sagt Reifferscheid. Die jederzeit anonym zu informieren, bevor der
de in Düsseldorf-Holthausen eine eigene Teilnahmequote sei allerdings überschau- persönliche Kontakt zu Fachleuten aufge-
Abteilung mit 20 Mitarbeitern (Ärzte und bar – mehr als 20 Teilnehmer gäbe es pro nommen wird. „Alles in allem sind unsere
Assistenzpersonal). Das Team um den leiten Jahr selten. Mitarbeiter sehr gut über Gesundheitsan-
den Werksarzt Antonius Reifferscheid gelegenheiten informiert“, sagt Reiffer-
engagiert sich besonders für gesunde Er- Unterstützt wird auch, wer sich fit halten scheid. „Die Fehlzeitquote liegt bei weniger
nährung, Raucherprävention, psychische will. Denn Henkel pflegt enge Beziehungen als fünf Prozent.“
Gesundheit und gesundheitsgerechtes zum Sportverein „SFD ʼ75“, in dem die An- Holger Lodahl
Verhalten. gestellten ihrer Lieblingsertüchtigung nach-
gehen können. „Offensichtlich spielen die
So finden in den Kasinos des Firmengelän- Kollegen gern Badminton, Tennis oder Fuß-
des regelmäßig Gesundheitsaktionen statt, ball miteinander“, so Reifferscheid, denn
die aussagekräftige Namen wie „Gesund durch die Henkel-Angestellten sei der „SFD
und vital in die Zukunft“ tragen. „Und ʼ75“ zu einem der größten Vereine der Lan-
durch ein Ampelsystem kann jeder Mitar- deshauptstadt geworden. Dass die Mitar-
beiter auf einen Blick sehen, wie gesund beiter viel Vertrauen in die betriebseigenen
oder ungesund seine Mahlzeit ist“, sagt Mediziner hätten, zeigen die Konsultatio-
Reifferscheid. Die Signalfarben Rot, Grün nen zum Beispiel bei chronischen Krankhei-
und Gelb gäben Auskunft über Nährstoff- ten wie Rückenbeschwerden und Diabetes.
gehalt oder Fettanteil, so der Mediziner.
„Dieses System wird von den Angestellten4 BETRIEBLICHES GESUNDHEITSMANAGEMENT – BEST PRACTICE AUS NRW
„EIN GESUNDHEITSTAG IM JAHR REICHT UNS NICHT AUS“
Interprint GmbH, Arnsberg Foto: © Interprint GmbH
gymnastik, Pilates und Yoga, Laufkurse,
Aqua Cycling, Mountainbiking, Rudern und
Wassergymnastik. Darüber hinaus hatten
die Mitarbeiter die Wahl zwischen ver-
schiedenen Kochkursen, abgestimmt auf
ihre individuellen Bedürfnisse wie zum Bei-
spiel das „Intelligente Essen zwischen Tag-
und Nachtschicht“. Um dieses Angebot zu
realisieren, nutzte das Interprint-Team vor
allem auch die Kompetenzen vor Ort und
kooperierte nicht nur mit den Krankenkas-
sen, sondern auch mit einem Fitnessstudio,
dem Freizeitbad NASS sowie dem Wer-
karztzentrum Arnsberg. Dazu gab - und
gibt es immer noch - zweimal in der Woche
frisches Obst - jeweils 200 Stück in Körben
im gesamten Arnsberger Werk verteilt.
Das Programm fand sowohl während als
2012 hatten die Mitarbeiter von Interprint während der „Gesundheitswochen“ die Wahl
zwischen verschiedenen Gesundheitschecks, Fitness- und Entspannungs- sowie Kochkursen.
auch außerhalb der Arbeitszeit statt und
traf auf positive Resonanz: „Es gab alles in
allem rund 1000 Kurs-Plätze, davon waren
E s war die Krankenquote, die 2012 die
Geschäftsführung der Interprint GmbH
in Arnsberg und Personalchef Torsten
Betrieb geholt und für die Mitarbeiter einen
Gesundheitstag angeboten.
750 besetzt“, berichtet Torsten Schönne.
„Mit dieser Quote sind wir sehr zufrieden.“
Allerdings, betont der Personalchef, sei es
Schönne hat aufhorchen lassen. „Es sind „Ein Tag pro Jahr reichte uns aber bei wei- nicht allein darum gegangen, Sport- und
vor allem Stresssymptome gewesen, unter tem nicht aus“, sagt Personalreferentin Kochkurse anzubieten. Um alle 350 Mitar-
denen Mitarbeiter gelitten haben“, erläu- Andrea Pusch. „Deshalb haben wir das An- beiter am Standort Arnsberg, die Ge-
tert Schönne. „Für uns stand daher fest: gebot im vergangenen Jahr zu einem Pro- schäftsführung und Führungskräfte für das
Wir müssen und wollen etwas unterneh- gramm weiterentwickelt, das sich über drei Thema Gesundheit zu öffnen, wurden sie
men.“ Wochen erstreckte.“ Um dieses Projekt zu deshalb eigens geschult. Das, sagt Schönne
stemmen, haben sich neben Torsten Schön- mit Nachdruck, war eine Pflichtveranstal-
Es ist kein Problem, das allein Interprint ne und Andrea Pusch der Vorsitzende des tung. In einer weiteren Schulung für die
trifft, da ist sich Torsten Schönne sicher. Betriebsrates Frank Reuther und Sascha Geschäftsführung und alle Führungskräfte
„Arbeitnehmer sind heutzutage mit moder- Montag, Mitarbeiter im Personalbereich, ging es dann um „Weniger Stress, mehr
nen Medien 24 Stunden am Tag zu errei- zu einem Team zusammengefunden, das Zufriedenheit und Leistungsfähigkeit am
chen, auch wenn das nicht in unserem In- sich zur Aufgabe gemacht hat, ein langfris- Arbeitsplatz“, mit dem Ziel, die Führungs-
teresse ist“, sagt der Personalchef. „Für uns tiges Gesundheitsmanagement zu entwi- kräfte noch gezielter für ihre eigene Ge-
sind die Gesundheit und Zufriedenheit ckeln. „Die Geschäftsführung steht voll und sundheit und die ihrer Mitarbeiter zu sen-
unserer Mitarbeiter wichtig.“ Deshalb hat ganz hinter dem Projekt. Ohne diese Unter- sibilisieren.
sich das Unternehmen dazu entschieden, stützung wäre es nicht zu realisieren“, be-
ein nachhaltiges Betriebliches Gesund- tont Frank Reuther. Mit der Erfahrung von drei Gesundheits-
heitsmanagement aufzubauen. wochen im Gepäck arbeitet das Team der-
Kompetenzen vor Ort nutzen zeit daran, ein langfristiges Betriebliches
Bereits in der Vergangenheit hatte die In- Gesundheitsmanagement am Standort
terprint GmbH, die in Arnsberg und welt- Mehr als 40 verschiedene Veranstaltungen Arnsberg aufzubauen. „Wir wollen ein
weit sieben weiteren Standorten Dekore für hat das Team für das Projekt „Gesundheits- nachhaltiges Programm entwickeln, das
Wohn-, Küchen- und Badmöbel, Laminat- wochen“ auf die Beine gestellt. Dazu ge- auf die Bedürfnisse unserer Mitarbeiter
böden, aber auch für den Innenausbau in hörten unter anderem Cardio Scans, Seh- ausgerichtet ist“, sagt Torsten Schönne.
Zügen, Schiffen oder in der Caravanindus- tests und die Erstellung individueller Geplant sind regelmäßige Sport- und Fit-
trie herstellt, in Kooperation mit den Kran- Stresstests, aber auch Sport- und Fitness- nessangebote ebenso wie Entspannungs-
kenkassen das Thema Gesundheit in den kurse wie Autogenes Training und Atem- kurse. Eine wichtige Rolle wird aber auchBETRIEBLICHES GESUNDHEITSMANAGEMENT – BEST PRACTICE AUS NRW 5
das Betriebliche Wiedereingliederungsma- Fest steht für das Team und die Geschäfts- Andrea Pusch. „Wer aber in der Gruppe
nagement sowie regelmäßige Arbeitsplatz- führung aber auch: Sowohl Geld als auch joggt, Mountainbike fährt oder zur Aqua-
begehungen durch die Werksärztin und Zeit sind gut angelegt. „Unser Hauptziel ist Gymnastik geht, der hat auch Spaß daran.“
gegebenenfalls die ergonomische Umge- es nicht, die Krankenquote innerhalb eines
staltung von Arbeitsplätzen spielen. Jahres um 1 Prozent zu senken, sondern Die Interprint-Mitarbeiter wissen das zu
dass unsere Mitarbeiter langfristig für ein schätzen: Die Bereitschaft mitzumachen
Langfristige Sensibilisierung gesundheitsbewusstes Verhalten sensibili- sei bei den verschiedenen Angeboten im-
siert sind.“ mer gegeben gewesen, so Pusch. Die Teil-
Wie viel Zeit und Energie das Team in das nahme am B2Run-Lauf 2012 in Dortmund
Projekt bereits investiert hat und noch hi- Und noch einen positiven Effekt will das Team - die Wiederholung ist schon in Planung -
neinstecken wird, kann niemand der vier nicht vergessen wissen: Wer gemeinsam sei nur ein Beispiel von vielen. „Sie erwar-
ganz genau beziffern. Fest steht: Der Auf- Sport treibt oder kocht, der stärkt die Kom- ten von uns, dass wir weitermachen“, sagt
wand ist groß. „Wir stehen in ständigem munikation untereinander. Mitarbeiter aus das vierköpfige Team, für das die positive
Kontakt mit der Geschäftsführung und den verschiedenen Bereichen des Unternehmens Zwischenbilanz Bestätigung und Ansporn
Mitarbeitern, aber auch mit unseren Koop kommen so bei einem gemeinsamen Erlebnis gleichermaßen ist.
erationspartnern“, erläutert Andrea P usch. ins Gespräch, und das sei ein wesentlicher Silke Wrona
Am Ende soll das Programm schließlich als Bestandteil für Gesundheit und Zufrieden-
Katalog gedruckt und regelmäßig – gege- heit am Arbeitsplatz. Und: „Wer allein nach
benenfalls sogar mit einem jährlich wech- Feierabend Sport treiben möchte, dem fehlt
selnden Motto – angepasst werden. „Das vielleicht manchmal die Motivation“, sagt
alles kostet viel Zeit und Geld“, so Pusch.
Zwischen 50.000 und 100.000 Euro, über-
schlägt Torsten Schönne grob, wird der
Aufbau eines Betrieblichen Gesundheits-
managements kosten. Und den Erfolg wer-
de man kurzfristig nicht messen können.
„WIR PASSEN AUFEINANDER AUF“ – BEI DER CRODA GMBH
IN NETTETAL WIRD DAS GESUNDHEITSMANAGEMENT GELEBT
Croda GmbH, Nettetal Foto: © Bischof
E rschöpft, müde, ausgebrannt – glaubt
man aktuellen Statistiken, gehört das
Burn-out-Syndrom zu den häufigsten psy-
chischen Erkrankungen weltweit. „Das pas-
siert, wenn die Leute nicht mehr Mensch
sein dürfen“, ist sich Klaus Helmdach sicher.
Der Geschäftsführer der Croda GmbH will
es erst gar nicht so weit kommen lassen.
„Die Gesundheit unserer Mitarbeiter steht
bei uns im Mittelpunkt. Wir praktizieren
dies schon seit vielen Jahren und bezeich-
nen es inzwischen offiziell als Gesundheits-
management.“ 2012 gab es den ersten
„Gesundheitstag“. Gemeinsam mit einer
großen Krankenkasse wurden Gesundheit-
schecks durchgeführt. „Auf Wunsch der
Mitarbeiter wurde besonderes Augenmerk
auf den Rücken gelegt“, sagt Vertriebskoor-
dinatorin Yvonne Büsen. Rückengesundheit
sei ohnehin ein großes Thema im Unterneh- Die Yoga-Gruppe bei der Croda GmbH wurde von den Mitarbeitern initiiert.
men. „Unsere Arbeitsplätze sind allesamt6 BETRIEBLICHES GESUNDHEITSMANAGEMENT – BEST PRACTICE AUS NRW
ergonomisch mit verstellbaren Tischen Volleyball zu spielen oder Mountainbike zu reits erwähnten Zahnräder ineinander –,
ausgestattet, die Stühle wurden seinerzeit fahren. „Da gibt es aber noch jede Menge wenn das Betriebsklima stimme. Und der
durch Fachpersonal eingestellt.“ Ideen, die von den Mitarbeitern an uns he- Krankenstand gehe dann automatisch run-
rangetragen werden – etwa die Förderung ter. „Wir haben es bei uns mit gelebtem
Sich fit zu halten und sportlich zu betäti- einer Mitgliedschaft im Sportverein.“ Ger- Gesundheitsmanagement zu tun.“ Dazu
gen, gehört für Klaus Helmdach unbedingt ne würde der Geschäftsführer auch wieder gehöre auch ein familienorientiertes Arbei-
dazu. Regelmäßig können die Mitarbeiter einen firmeneigenen Sportplatz auf dem ten. „Wir haben ein äußerst flexibles Ar-
unter Anleitung einer Yoga-erfahrenen Gelände am Herrenpfad bauen. Der alte ist beitszeitmodell“, bestätigt Yvonne Büsen.
Kollegin entsprechende Übungen in einem dem Erweiterungsbau gewichen, der 2013 Klaus Helmdach: „Unsere Arbeitszeiten
dazu eigens zur Verfügung gestellten Raum eingeweiht wurde. richten sich auch nach den Belangen unse-
absolvieren. „Dazu braucht man nur ein rer Mitarbeiter, etwa Teilzeit für unsere
paar Socken und eine Matte“, sagt Yvonne In der Mittagspause kann der firmeneigene Mütter oder bei Krankheitsausfällen die
Büsen. Sie hat maßgeblich an der Umset- Kicker genutzt werden. Geplant sei bei Cro- Wiedereingliederung ins Unternehmen.“
zung des Gesundheitsmanagements mitge- da auch die Anschaffung einer Tischtennis- Das Firmen-Management habe darüber
arbeitet. „Das ist ein fließender Prozess, bei platte. „Das ist auch ein prima Ort zur hinaus Wege gesucht und gefunden, Fami-
dem die einzelnen Zahnräder ineinander- Kommunikation“, meint Yvonne Büsen. lie und Arbeit besser unter einen Hut zu
greifen: Aus den Ideen und Vorschlägen der Denn längst werde dort nicht nur Privates bringen. „Und das bezieht sich sowohl auf
Mitarbeiter entwickelt es sich ständig wei- besprochen. Auch fürs Unternehmen Familien mit Kindern als auch mit älteren
ter – immer orientiert an ihren Bedürfnis- durchaus konstruktive Gespräche würden Angehörigen. So können unsere Mitarbei-
sen.“ So entstand auch die Yoga-Gruppe im dort geführt. „Insofern haben wieder beide ter auch bei Erkrankung der Eltern ihre
Haus. „Das ist eine Sache, bei der man nicht Seiten etwas davon.“ Daher könne Büsen Arbeit per Laptop im Homeoffice erledi-
ins Schwitzen gerät – also ideal für die Mit- jedem mittelständischen Unternehmen ein gen“, sagt Klaus Helmdach. Dabei könne er
tagspause –, bei der man aber dennoch solches Management wärmstens empfeh- sich auf jeden Einzelnen verlassen, dass er
prima etwas für sich tun kann. Man fühlt len. Klaus Helmdach ergänzt: „Das alles seine Aufgaben auch von zu Hause aus er-
sich einfach gut danach.“ Und das sei dann dient doch letztlich auch dem Teambuilding füllt. „Das ist eben ein Geben und Nehmen
nicht zuletzt auch dem Unternehmen dien- – besser geht’s nicht. Und das Geld ist gut – wie in einer Familie. Wir passen aufein-
lich. Überhaupt geht es in dem Nettetaler investiert.“ Denn schließlich könne ein Un- ander auf – eine gute Vorbeugung gegen
Unternehmen recht sportlich zu. So gibt es ternehmen nur dann Erfolg haben, wenn Burn-out.“
diverse Sportgruppen, die sich auch in der die Mitarbeiter motiviert sind. Das seien sie Veröffentlicht im ihk magazin Mittlerer
Freizeit treffen, um gemeinsam Fußball und eben nur – und hier greifen wieder die be- Niederrhein 2/2014, Yvonne Hofer
ANGEBOTE ZUR GESUNDHEITSFÖRDERUNG SYSTEMATISIEREN
KB Schmiedetechnik GmbH, Hagen Foto: © KB Schmiedetechnik GmbH
M it der Absicht, die bereits vorhande-
nen Angebote zur Gesundheitsförde-
rung zu systematisieren und für die 120
Von Anfang an war es ein primäres Ziel,
allen Mitarbeitern eine professionelle phy-
siotherapeutische Betreuung bieten zu
Gutes getan hat“, erklärt die Physiothera-
peutin Heike Odenthal. Sie bezog mit ihrem
Therapiezentrum Lennetal die Räumlich-
Beschäftigten noch weiter auszubauen, können. „Gerade die Arbeit in der Gesenk- keiten und wirkt neben dem normalen
entschied sich die KB Schmiedetechnik GmbH schmiede ist noch immer schwer, im Büro öffentlichen Praxisbetrieb in der Gesund-
(im Folgenden kurz KB) vor zwei Jahren dafür, hingegen leidet der Körper unter dem heitsförderung bei KB als Kooperations
ein betriebliches Gesundheitsmanagement Zuwenig an Bewegung“, erklärt Angelika partnerin mit. Heike Odenthal besitzt die
(BGM) einzuführen. KB ist eine mittelstän- Schulte, (geschäftsführende Gesellschaf- Zusatzqualifikation „betriebliche Gesund-
dische Gesenkschmiede und spezialisiert terin). Im Rahmen der familienfreundlichen heitsförderung“ und bietet damit zusam-
auf die Fertigung sicherheitsrelevanter Maßnahmen errichtete KB ein neues Ge- men mit ihrem Team eine optimale Beglei-
Schmiedestücke für die Bereiche Druckge bäude, das die Kita Lennetal beherbergt. In tung der Mitarbeiter bei KB.
räte und Industriearmaturen, Kessel- und diesem Zuge wurden auch gleich die Räum-
Rohrleitungsbau sowie Maschinen- und lichkeiten für ein Therapiezentrum mitge- Um die nötigen internen Strukturen für das
Anlagenbau. plant und gebaut. „Die Gesundheit betrifft BGM aufzubauen, arbeitete KB mit der AOK
jeden Menschen ein Leben lang und gerade NordWest zusammen. Die AOK übernahm
im hohen (Renten-) Alter zahlt es sich aus, im Projekt zur Einführung des BGM die Pla-
wenn man sich die vielen Jahre zuvor etwas nung, Moderation und das Verfassen derBETRIEBLICHES GESUNDHEITSMANAGEMENT – BEST PRACTICE AUS NRW 7
Das Unternehmen KB Schmiedetechnik GmbH setzt auf Gymnastikübungen am Arbeitsplatz.
Protokolle zu allen Veranstaltungen und führung. Dadurch sind die Probleme und Odenthal. Das gemeinsame Training in ab-
Workshops sowie die Kosten der Pilotkurse Wünsche der Mitarbeiter viel transparenter teilungs- und hierarchieübergreifenden
zur Rückengesundheit. geworden und die Kommunikation noch Gruppen fördert die ohnehin schon gute
offener. Vor allem konnten bereits viele Ide- Kommunikation noch zusätzlich.
Das BGM lebt bei KB durch unterschiedli- en der Mitarbeiter umgesetzt werden!
che, sich hervorragend ergänzende Ele- Zusätzlich finden aus dem physiotherapeu-
mente: „Es wurden fünf Gesundheitszirkel Ein zweites Element ist die Ausrichtung tischen Blickwinkel heraus auch ergonomi-
gebildet, die engagiert ihre Arbeit aufge- eines Gesundheitstages, der bei KB zum sche Arbeitsplatzanalysen statt, um z. B.
nommen haben, davon vier aus dem gewerb- ersten Mal im September 2013 veranstaltet gezielt vor Ort Bewegungs-Tipps zur Rü-
lichen und einer aus dem kaufmän- wurde. Dieser stand unter dem Motto „Rü- ckenentlastung geben zu können. Es macht
nisch-technischen Bereich“, so Nadine ckengesundheit“ und wurde durch unter- sich positiv bemerkbar, dass Erlerntes aus
Henneke, Koordinatorin des BGM. Jeder schiedliche Stationen gestaltet. So wurde den Kursen bereits praktisch bei der Arbeit
Zirkel tagt alle zwei Monate, um Anliegen im Bodenkurs und an der Gerätestation umgesetzt wird. So soll insgesamt erreicht
zu besprechen, die entweder den Zirkelmit- trainiert, im Back-Check-Gerät Kraft und werden, dass die Mitarbeiter durch die Prä-
gliedern selbst aufgefallen sind, oder die Ausgeglichenheit der Rumpf-Muskulatur vention möglichst gar nicht erst in die Si-
durch Kollegen an sie herangetragen wur- gemessen, zur Entspannung die Massage tuation eines Leidens kommen, die thera-
den. In jeder Zirkelsitzung wird ein Hand- ausprobiert und sich über weitere Gesund- peutischer Behandlung bedarf. „Eine
lungsplan erstellt, in dem festgehalten wird, heitsangebote informiert. Win-Win-Situation für Mitarbeiter und
wer was bis wann erledigt haben soll. „Mit Unternehmen“, erklärt Angelika Schulte.
der Arbeit der Gesundheitszirkel können In einer Umfrage zu gewünschten Gesund-
gleich mehrere positive Aspekte vereint heitsangeboten wurden Rückenkurse am Ein weiterer Baustein im BGM ist das An-
werden: Die Vorgesetzten haben Zeit, sich häufigsten genannt. „Sowohl aufgrund des gebot der Grippeschutzimpfung an alle
ausschließlich mit den vorgebrachten The- Umfrage-Ergebnisses als auch des positiven Mitarbeiter / -innen, die sich so unkompli-
men zu beschäftigen, gemeinsam in der Feedbacks zum Gesundheitstag, wurden ziert gegen die Influenza schützen können.
Gruppe können Lösungsideen schneller als Pilotprojekt vier Kurse „ganzheitliches Bei KB sind sich alle einig, dass die Einfüh-
entwickelt werden und Handlungsplan so- Körpertraining – Schwerpunkt Rücken“ rung des BGM für alle Beteiligten ein Ge-
wie Protokoll sorgen dafür, dass kein Thema eingerichtet“, erklärt Nadine Henneke. winn ist!
in Vergessenheit gerät“, erläutert die Koor- „Diese finden zu unterschiedlichen Zeiten Nadine Henneke
dinatorin die positiven Effekte dieser Ge- statt, um allen Interessierten das Mitma-
sundheitszirkel. Oft finden sich unter „wer“ chen zu ermöglichen.“ Nach der Pilotphase
die Betriebsleitung und durch nötige Bud- sind die Kurse nun fest installiert und es
getfreigaben indirekt auch die Geschäfts- wird rege trainiert. „Besonders erfreulich
ist die Entwicklung, dass auch einige mit-
machen, die zuvor überhaupt noch keinen
Sport getrieben haben“, resümiert Heike8 BETRIEBLICHES GESUNDHEITSMANAGEMENT – BEST PRACTICE AUS NRW
GYMNASTIK AUF DER BAUSTELLE
Bernhard Heckmann GmbH & Co. KG, Hamm Foto: © Andreas Rother
Das Unternehmen Heckmann führt Gymnastikübungen auf seinen Baustellen durch
W er an Baustellen vorbeikommt erwar-
tet vielleicht Maschinen und Werk-
zeug. Aber gewiss keine Pezzibälle, Thera-
Die ersten Überlegungen für dieses unge-
wöhnliche Projekt gab es bereits Mitte
2011. Geschäftsführung und Betriebsrat
Nach einem erfolgreichen Pilotprojekt auf
einer Baustelle wurden alle Poliere und
V
orarbeiter in mehreren Schulungseinheiten
piebänder, Matten und Body-Tubes. Und waren sich schnell einig, die Gesundheit der von Experten zu Übungsleitern ausgebildet.
gestandene Bauarbeiter, die Gymnastik Mitarbeiter zu fördern und Gesundheits- Heute sind die Übungen fest in den Arbeits
machen, erst recht nicht. Insofern ist das prävention zu einem wichtigen Baustein ablauf verankert, wobei die Teilnahme für
Bauunternehmen Fa. Bernhard Heckmann der Unternehmensphilosophie zu machen. alle Mitarbeiter verpflichtend ist. Einmal
GmbH & Co. KG aus Hamm im Westfäli- Zusammen mit AOK NordWest und der Re- wöchentlich werden 30 Minuten präventive
schen Ruhrgebiet schon außergewöhnlich. haVision Schwerte wurde eine Arbeitsplat- Übungen auf den Baustellen durchgeführt:
Bei allen Mitarbeitern, ob im Büro oder auf zanalyse durchgeführt und anschließend Davon entfallen 15 Minuten auf die Arbeits-
der Baustelle, steht jeden Montag eine hal- ein spezielles Übungsprogramm erarbeitet, zeit, die anderen 15 Minuten sind Freizeit.
be Stunde Sport auf dem Dienstplan. Seit welches auf die speziellen Bewegungsab- Durch die Gymnastik sollen vor allem Bauch-
August 2013 betreibt das Unternehmen ein läufe der Baustellen abgestimmt ist. Die und Rückenmuskulatur gestärkt werden.
betriebliches Gesundheitsmanagement auf größte Herausforderung dieser Gesund- Hierzu wurden für jede Baustelle die not-
seinen Baustellen – und hat es damit als heitsförderung bestand in der dezentralen wendigen Übungsgeräte angeschafft.
Musterbetrieb in die bundesweit erschei- Organisationsstruktur des Bauunterneh- Mittlerweile sind alle Abteilungen in das
nende Broschüre für Gesundheitsschutz mens mit seinen zahlreichen Baustellen an betriebliche Gesundheitsprogramm einge-
der Krankenkasse AOK gebracht. unterschiedlichen Orten. bunden. Auch zukünftig soll das Thema
Gesundheitsmanagement bei Heckmann
hohe Priorität genießen. Weitere Schulun-
gen für die Mitarbeiter sind in Planung.
Gero Brandenburg, Christian KorteBETRIEBLICHES GESUNDHEITSMANAGEMENT – BEST PRACTICE AUS NRW 9
BEWEGUNG IM HAUS
Ahle GmbH & Co. KG, Lindlar Foto: © Ahle GmbH & Co. KG
B eim Thema „Betriebliche Gesundheits-
förderung“ müssen viele kleine Unter-
nehmen passen. „Keine Zeit, kein Budget“,
richten, zum anderen ist AHLE FEDERN
aufgrund der demografischen Entwicklung
an einem langen Verbleib von körperlich
gen Sicherheitsschuh auswählen zu kön-
nen, Physiotherapie ausprobieren und sich
über die richtige Gestaltung ihres Arbeits-
lautet meist die Begründung. Wer jedoch möglichst fitten Kollegen interessiert. An- platzes informieren.
beim oberbergischen Traditionsunterneh- der: „Wir mussten also handeln.“
men AHLE FEDERN anruft, wird eines Im selben Jahr startete Ahle eine Koopera-
Besseren belehrt. „Geht nicht, gibt’s nicht“, In blinden Aktionismus wollte Ahle deshalb tion mit der Rehaktiv Engelskirchen GmbH,
lautet ein Leitspruch des Automobilzu aber nicht verfallen und ging deshalb einem Spezialisten für die Gesundheitsför-
lieferers, der eigentlich für die Entwicklung Schritt für Schritt vor. Zunächst ließ das derung. In fünf Fitnessstudios an den
von neuen Produkten gelten sollte, aber Unternehmen unterstützt vom BGF seine Standorten Engelskirchen, Lindlar, Gum-
mittlerweile auch für das Gesundheits Mitarbeiter Fragen rund um die Gesundheit mersbach, Wipperfürth und Meinerzhagen
management zutrifft. Das hat der Spezialist beantworten. Rückenbeschwerden und kann die Belegschaft seitdem kostenlos
für Bremsspeicher- und Tragfedern für sei- Stress zählten zu den Problemen, die am trainieren. Mit Trainern werden persönliche
ne rund 150 Mitarbeiter so perfektioniert, häufigsten genannt wurden. Übungspläne erarbeitet.
dass er im Mai 2014 den mit 3.500 Euro
dotierten Gesundheitspreis der Kranken- Ahle gründete deshalb einen Arbeitskreis Im vergangenen Jahr bot Ahle erstmals
kasse AOK sowie des Instituts für Betrieb- Gesundheit, der sich aus Vertretern von Nordic Walking Kurse an, Massagen, einen
liche Gesundheitsförderung (BGF) erhielt. BGF, AOK, Werksarztzentrum, Betriebsrat Stresspiloten sowie Gesundheitstage mit
„Ein solch strukturiertes System findet man und Geschäftsführung zusammensetzt, der Messung von Cholesterin, Blutzucker
sonst nur bei großen Unternehmen“, sagte und sich viermal im Jahr trifft, um Maß- und Blutdruck. Beim Firmenlauf in Gum-
Rolf Buchwitz, stellvertretender Vorsit nahmen zur betrieblichen Gesundheits mersbach zeigten eine Ahle-Damen- und
zender des Vorstandes der AOK Rheinland / förderung auf den Weg zu bringen. eine Herrenmannschaft Flagge. Einmal
Hamburg bei der Laudatio. wöchentlich schaut zudem ein „Kümmerer“
Seitdem ist die Belegschaft ordentlich auf der Rehaktiv vorbei, um persönlich mit Mit-
Der Weckruf kam 2007. „Wir stellten fest, Trab gekommen. Regelmäßig erfahren die arbeitern zu sprechen und diese zur Teil-
dass wir verglichen mit der Branche und der Mitarbeiter in Seminaren wie sie Stress ab- nahme an den Programmen oder zum Gang
Region einen höheren Krankenstand hat- bauen und ihren Rücken stärken können. In ins Fitnessstudio zu motivieren.
ten“, erinnert sich Götz Peter Ander, tech- speziellen Schulungen erklären Experten,
nischer Geschäftsführer des Unterneh- wie man richtig hebt und trägt. 2011 ließ „Wichtigstes Ziel war es für uns nicht, den
mens. Das machte dem Mittelständler aus Ahle auf dem Firmengelände eigens für Krankenstand zu senken. Vorrangig geht es
Lindlar aus gleich zwei Gründen Sorgen. eine ganze Woche ein Zelt aufbauen. Innen uns darum, die Mitarbeiter für ihre körper-
Zum einen müssen viele seiner Mitarbeiter konnten die Mitarbeiter Betten testen, ih- lich anstrengende Arbeit fit zu halten.“ Die
eine körperlich anstrengende Arbeit ver- ren Gang vermessen lassen, um den richti- Bemühungen ihres Arbeitgebers kommen
bei der Belegschaft an. 15 Prozent der Mit-
arbeiter konnten zur Teilnahme an den Trai-
nings motiviert werden. Der Schnitt liegt
laut BGF nur bei fünf bis sechs Prozent.
Auch die AOK erkennt die Leistung des Mit-
telständlers an und bezuschusst das Ge-
sundheitsprogramm. „Ich bin beeindruckt,
mit wie viel Weitblick und Konsequenz das
Thema Mitarbeitergesundheit verfolgt
wird“, sagte Laudator Buchwitz bei der
Preisverleihung. Themenvielfalt, Kreativität
in der Durchführung, sowie die systemati-
sche und nachhaltige Umsetzung haben die
Krankenkasse überzeugt.
Eli Hamacher
Sport wird bei AHLE FEDERN groß geschrieben.10 BETRIEBLICHES GESUNDHEITSMANAGEMENT – BEST PRACTICE AUS NRW
SO KOMMT DER „BETRIEB IN BEWEGUNG“
Bundesverband selbstständiger Physiotherapeuten – IFK e. V., Bochum Foto: © IFK
Am Anfang stehen so genannte Einzelcoa-
chings, in denen die Mitarbeiter individuell
betreut werden. „Hier ist immer viel los und
die Arbeitsplätze sind platzbedingt nicht
alle optimal im Sinne der Prävention aus-
gestattet“, stellt sie fest. Denn bei begrenz-
ten Räumlichkeiten für das Personal muss
man versuchen, die Räume optimal auszu-
nutzen. Das fängt bei einfachen Dingen an:
Zum Bespiel können Gegenstände, die nicht
häufig gebraucht werden, in einen Abstell-
raum verlegt werden, um möglichst viele
Ein Bildschirmarbeitsplatz wird durch die Fachberater analysiert.
Freiräume zu schaffen. Eine ergonomische
Ausgangssituation, die grundsätzlich für
viele Betriebe mit wachsender Mitarbeiter-
zahl typisch ist.
N icht jedes kleine und mittlere Unter-
nehmen, das mehr für die Gesundheit
seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
In der Praxis kümmert sich ein großes Team
vorwiegend um die Innere Medizin. Auf-
grund der Größe der Gemeinschaftspraxis
Bei Krankenpflegerin Daniela Müller, die in
der Dialyse-Station arbeitet, wird zum Bei-
spiel sowohl der Arbeitsplatz am PC analy-
tun möchte, kann gleich ein umfassendes zählen nicht nur Ärzte und Arzthelfer zum siert als auch die Haltung und Bewegungen
betriebliches Gesundheitsmanagement Personal, sondern auch Angestellte in der bei der Versorgung von Patienten. Am
aufbauen. Das Projekt „Betrieb in B ewe- Verwaltung und Haustechnik – ein breites Rechner können da schon mal Details wie
g ung“ des in Bochum ansässigen Bundes- Anwendungsgebiet für die Physiothera- Bewusstsein für die Gesundheit, aber auch
verbandes selbständiger Physiothera peuten des IFK, die sich um die Umsetzung für andere Betriebe ist das Projekt sehr in-
peuten – IFK e. V. ist so eine M öglichkeit, des Projektes kümmern. „Häufig muss alles teressant, um die Mitarbeiter zu motivieren
unkompliziert mit der Gesundheitsförderung schnell schnell gehen und man kann sich und die Gesundheit zu stärken.“ Ähnlich
zu starten. als Mitarbeiter keine Zeit für seine Gesund- sieht das Dr. med. Evelyn Luhrenberg, die
heit nehmen. Oft fehlt die umfassende ei- das Projekt in die Praxis holte. Sie lobt den
Mit Betrieb in Bewegung haben der IFK und gene Körperwahrnehmung. Dabei benötigt Ansatz zur Vorbeugung und Abklärung be-
sein Partner auf Seiten der gesetzlichen man oft nur einen kleinen Anschub. Denn rufsbedingter Erkrankung und Fehlhaltun-
Krankenkassen, die BARMER GEK, ein bun- einige haben durchaus das grundsätzliche gen: „Ich finde das Konzept sehr gut, weil
desweit nutzbares Präventionsprojekt im Verständnis, aber auf die konkrete Umset- es für die Mitarbeiter sehr motivierend ist
Bereich der betrieblichen Gesundheitsvor- zung kommt meistens keiner alleine“, be- und es auch zeigt, dass sich die Vorgesetz-
sorge für kleine und mittlere Betriebe ent- schreibt die Physiotherapeutin Anke Wink- ten um ihre Mitarbeiter kümmern.“ Auf
wickelt. Am Beispiel der Fachinternisti- ler die Ausgangssituation, die sich so in Dauer, so ist Dr. Luhrenberg überzeugt,
schen Gemeinschaftspraxis in Witten wird nahezu jedem kleinen und mittleren Unter- würden sich dadurch wahrscheinlich auch
gezeigt, wie das Projekt konkret vor Ort nehmen wiederfindet. weniger Krankentage ergeben – alle profi-
umgesetzt wird. tieren also in vielerlei Hinsicht.
Physiotherapeuten sind dabei als Betreuer
des Projekts gute Ansprechpartner: „Wir Am anderen Ende des Flurs in der Praxis
arbeiten alltäglich mit Personen, die zum arbeitet Christine Köthe. Im kleinen Labor
Beispiel durch ihre Arbeit Rückenschäden ist zwischen PC-Arbeitsplatz und Zentrifu-
erlitten haben“, so Anke Winkler, „dadurch ge nur wenig Platz. „Im Alltag denken wir
können wir wertvolle Tipps und Anleitun- eigentlich wenig über unsere eigene Ge-
gen geben, wie man sinnvoll langfristig sundheit nach. Jetzt achte ich mehr darauf,
vorbeugen kann.“ wie ich mich bewege“, erzählt Arzthelferin
Arzthelferin Christine Köthe. Hier im kon-
kreten Fall stört ein Drucker die Beinfreiheit
und verhinderte eine günstige Körperhal-
tung beim Sitzen. Ins Protokoll kommt, dass
der Drucker zum Beispiel auf ein separatesBETRIEBLICHES GESUNDHEITSMANAGEMENT – BEST PRACTICE AUS NRW 11
Brett oberhalb des Tisches kommen könnte.
Was ferner immer zu einer Einzelcoa-
ching-Analyse gehört: Fragen. Sowohl vom
Physiotherapeuten über die individuellen
Beschwerden als auch freie Fragen der
Coaching-Teilnehmer an den Physiothera-
peuten. „Ich finde das hier eine super Idee“,
so Christine Köthe, „weil wir uns als Mitar-
beiter auch wertgeschätzt fühlen.“
Schließlich schaut sich Physiotherapeutin
Anke Winkler noch den Arbeitsbereich von
Haustechniker Detlef Poetzel an. „Man
kann nur dazulernen“, gibt sich Poetzel of-
fen. „Man gewöhnt sich ja immer gewisse
Bewegungsabläufe an, ohne groß darüber
nachzudenken. Hier bekommen wir neue
Denkanstöße.“ Ein Beispiel ist die Arbeit im
Lager, wo häufig Kartons mit Vorratsuten-
silien umgeladen werden müssen. Ein Las-
tenaufzug bringt die Waren in den Keller.
Wie es dann weitergeht, hängt von Detlef
Poetzel ab. Im Einzelcoaching zeigt die
Physiotherapeutin, wie man allzu große
punktuelle Belastungen auf die Wirbel ver-
meidet. Und schon nach kurzer Zeit kann
Detlef Poetzel sagen: „Alles klar, abgespei-
chert habe ich schon: Ich muss mehr mit IMPRESSUM
den Beinen machen. Mehr in die Knie gehen
oder mich mal beim Umladen abstützen.“
Das Projekt Betrieb in Bewegung geht in
nachahmenswerter Weise auf die Bedürf-
nisse der Unternehmer und Mitarbeiter ein, HERAUSGEBER
so dass alle Beteiligten vom Projekt profi-
tieren. IHK NRW – Die Industrie- und Handelskammern
Thomas Majchrzak, Raphael Jonas in Nordrhein-Westfalen e. V.
Marienstraße 8
40212 Düsseldorf
Bei dem vorliegenden Beispiel handelt es sich www.ihk-nrw.de
um ein Beispiel von vielen. Viele – auch regional
verankerte – Gesundheitsdienstleister bieten
ähnliche Programme an. Unter anderem die
vielfältigen regionalen Veranstaltungen der REDAKTION
Industrie- und Handelskammern zum Thema
„Betriebliches Gesundheitsmanagement“ die- Gregor Werkle
nen dazu, Anbieter und Nachfrager zusammen- IHK Mittlerer Niederrhein
zubringen. Nordwall 39
47798 Krefeld
02151 635-353
02151 635-44353
werkle@krefeld.ihk.deANSPRECHPARTNER FÜR DIE GESUNDHEITSWIRTSCHAFT UND DAS THEMA „BETRIEBLICHES GESUNDHEITSMANAGEMENT“
Stand: November 2014
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