Beweg Dich, Deutschland! - TK-Bewegungsstudie 2016 - Techniker Krankenkasse
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utschland!
Beweg Dich, De2016
gsstudie
TK-Bewegun
Vorwort Dr. Jens Baas
Es geht ein Riss durch Sie ist der Auftakt zu unserer diesjährigen Neu-
Deutschland – nicht auflage der TK-Lifestyle-Studien. Wie auch bei
geografisch und auch der letzten Auflage 2013 werden wir die Reihe
nicht demografisch, mit repräsentativen Bevölkerungsumfragen zu
aber das Land teilt sich den Themen Ernährung und Stress fortsetzen.
fast mittig in Bewegte Denn alle drei Themen haben unmittelbaren
und Unbewegte. Un- Einfluss auf unsere Gesundheit. Neu dazu-
sere diesjährige Be- gekommen ist das Thema digitale Medienkom-
wegungsstudie zeigt petenz. In den letzten beiden Jahren haben
einen leichten Auf- wir uns bereits mit dem Medienkonsum von
wärtstrend, denn seit Jugendlichen und Studierenden befasst. Im
unserer letzten Umfrage 2013 haben die Akti- Zuge dieses Kanons werden wir dieses Jahr
ven die absolute Mehrheit zurück gewonnen. auch Erwachsene nach ihrem Umgang mit
Dennoch bezeichnet sich knapp die Hälfte der digitalen Medien befragen.
Erwachsenen in Deutschland als Sportmuffel
oder sogar als Antisportler. Nicht, weil wir Medienkonsum für ungesund
halten. Die digitalen Medien scheinen viele
Wir sind Fußballweltmeister und Handballeuro- Sportler sogar zu motivieren. Laut dieser Bewe-
pameister. Der Fitnessmarkt boomt, es gibt gungsstudie nutzt jeder Siebte einen digitalen
immer mehr Studios und Personal Trainer – reale Trainingsbegleiter und jeder Zweite glaubt, dass
und digitale. Laufveranstaltungen haben Kon- er sich damit mehr bewegt. Aber die Technik
junktur, das Equipment wird immer besser und verführt auch zur Passivität und die ständige
vielfältiger. Für viele Menschen ist Fitness ein Erreichbarkeit kann stressen. Mit unserem
Lebensstil, die digitale Selbstvermessung ist Stress- und Bewegungslevel, mit der Art, wie
für sie so selbstverständlich wie Zähneputzen. wir uns ernähren und mit unserem – quantita-
Und es gibt die andere Hälfte, die die moderne tiven wie qualitativen – Medienkonsum, haben
Technik vor allem nutzt, um sich nicht mehr zu wir große Teile unserer Gesundheit selbst in der
bewegen. Mehr als jeder Dritte kommt in sei- Hand.
nem Alltag nicht einmal mehr auf eine halbe
Stunde Bewegung. Wir nutzen die Studien, um Präventionsange-
bote zu entwickeln, die unsere Versicherten inte-
Ein Körper, der nicht bewegt wird, bereitet ressieren, die in ihre Lebenswirklichkeit passen
irgendwann gesundheitliche Probleme. Muskel- und natürlich auch erwiesenermaßen geeignet
Skelett-Erkrankungen verursachen schon heute sind, ihre Gesundheit nachhaltig zu fördern.
den größten Teil der Fehlzeiten hierzulande. Was
also ist zu tun? Wir halten nichts davon, Men- Ihr
schen für ungesundes Verhalten zu bestrafen.
Wir möchten aber auch nicht abwarten und die
Folgen des Bewegungsmangels verwalten.
Wir möchten Menschen überzeugen, dass sie
selbst und ihre Gesundheit am meisten profitie-
ren, wenn sie sich etwas Bewegung gönnen. Dr. Jens Baas
Dafür müssen wir wissen, warum sie sich nicht Vorstandsvorsitzender der
bewegen, was sie motivieren könnte, aktiver Techniker Krankenkasse
zu werden und was diejenigen antreibt, die
gut unterwegs sind. Diese Studie bietet die
Grundlage dafür.
Beweg Dich, Deutschland! – TK-Bewegungsstudie 2016, herausgegeben von der Techniker Krankenkasse, Bereich: Markt und Kunde, Fachbereich
Gesundheitsmanagement, Dr. Sabine Voermans (verantwortlich), Bramfelder Straße 140, 22305 Hamburg, Internet: www.presse.tk.de. Redaktion:
Michaela Hombrecher, Katharina Borgerding, Susan Wolters. Fachliche Beratung: Gudrun Ahlers, Beate Helbig. Infografiken: Gabriele Baron.
Gestaltung: The Ad Store GmbH, Hamburg. Produktion: Tanja Klopsch. Druck: Schmid Druck + Medien GmbH & Co. KG, Kaisheim.
ISBN 978-3-945666-42-5
© Techniker Krankenkasse 2016Vorwort Prof. Dr. Jan Mayer
Bewegung ist die Grund: fehlende Motivation. Die Frage lautet
einzige Universal- daher: Wie lässt sich die Software im Kopf so
medizin, die wir heute programmieren, dass der Mensch aktiv wird?
kennen. Sie fördert
Herz und Kreislauf, Damit es langfristig läuft, muss Motivation in-
kräftigt Muskulatur trinsisch sein, also aus jedem selbst kommen.
und Knochen, beugt Jede Aufgabe fällt uns leichter, wenn wir sie als
Krankheiten vor oder sinnvoll empfinden. Die Motive können dabei
beeinflusst ihren Ver- durchaus ganz unterschiedlich sein. Es spielt
lauf positiv. Sie hilft keine Rolle, ob es darum geht, eine bestimmte
gegen Stress, das Zeit zu laufen oder Muskeln aufzubauen, ob
Gehirn arbeitet besser. Bewegung kostet fast das Ziel eine gute Figur oder der Ausgleich zum
nichts und hat keine Nebenwirkungen. Aller- stressigen Arbeitsalltag ist. Menschen, die be-
dings sorgen Bildschirmarbeitsplätze, ein gut reits gesundheitliche Beschwerden haben, kön-
ausgebautes Verkehrsnetz und digitale Medien nen motiviert sein, ihren Krankheitsverlauf mit
dafür, dass wir uns im Job und in der Freizeit Sport positiv zu beeinflussen. Was es auch ist:
immer weniger bewegen müssen. Jeder muss seine individuellen Strategien ent-
wickeln – zum Starten und zum Durchhalten.
Gleichzeitig ist das Bewegungsangebot aber so
groß geworden, dass eigentlich für jeden etwas Das Belohnungssystem im Kopf spielt dabei
dabei sein müsste. Man kann im Fitnessstudio eine entscheidende Rolle. Positive Erlebnisse
allein trainieren, in der Gruppe oder mit Trainings- wollen wiederholt werden. Wichtig ist, etwas
partnern. Es gibt digitale Trainingsbegleiter wie zu finden, das Spaß macht und sich konkrete,
Pulsuhren oder Fitnesstracker, Angebote inter- erreichbare Ziele zu setzen.
aktiver Online-Trainingspläne und immer wie-
der neue Trendsportarten. Zudem gibt es viele Ihr
Möglichkeiten, den eigenen Aktivitätslevel im
Alltag zu erhöhen, indem man zum Beispiel
mehr Wege zu Fuß oder mit dem Rad erledigt.
Und dennoch fällt es vielen schwer, in Bewe- Prof. Dr. Jan Mayer
gung zu kommen. In der vorliegenden Studie Deutsche Hochschule für Prävention und
bezeichnet sich fast jeder Zweite als Sport- Gesundheitsmanagement, Saarbrücken
muffel oder sogar Antisportler. Der häufigste
Beweg Dich, Deutschland! – TK-Bewegungsstudie 2016 | 3Inhalt
1. So geht‘s Deutschland . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
Fit bis fünfzig? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
Chronisch weiblich? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
Was fehlt ihnen denn? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
Erschöpfte Twens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
2. Rückenrepublik Deutschland . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
Frühe Weichenstellung für die Rückenkarriere . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
Harte Arbeit geht auf den Rücken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
Null Sport schlägt auf den Rücken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
Wenn der Stress im Nacken sitzt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
Was tun bei „Rücken“? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
3. Bewegung im Alltag . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
Mehr Stress = mehr Bewegung? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
Senioren bewegen sich im Alltag bewusster . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
Aktiver Westen, erschöpfter Norden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
Sport bekämpft die Couchsehnsucht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
Auf die Plätze, fertig, Ausreden! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
4. Sitzplatzgarantie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
Bewegungsfalle Bildschirm . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
Männer mehr vor der Mattscheibe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
Mehr Mitbewohner, weniger Mattscheibe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
5. Sport im Alltag . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23
Welche Sportart ist am beliebtesten? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25
Allein, mit Partner oder in einer Gruppe? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27
Digitale Trainingsbegleiter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27
4 | Beweg Dich, Deutschland! – TK-Bewegungsstudie 20166. Sport und Motivation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29
Aktive Entspannung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29
7. Bloß kein Sport … . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31
Eine Nation, 16 Meinungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
Wie kann man Sportmuffeln Beine machen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
8. Weniger Jobs zum Aussitzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34
Der unbewegte Bewegungsapparat . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35
Viel in Bewegung, aber ist das gesund? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36
Fit im Job – Chefsache oder Privatvergnügen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36
9. Gesundes Arbeiten – so soll‘s aussehen und so sieht‘s aus . . . . . . . . . . . . . . 38
So sieht‘s aus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39
Anspruch und Wirklichkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40
10. Bewegung und Gesundheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42
Gesunde Aktivposten im Osten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42
Gesundheit: Eine Frage der Einstellung? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42
Sportler sind gesünder . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43
Bewegungsfalle Bildschirm . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44
Immer oder nimmer in Bewegung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45
11. Literaturliste . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46
12. Studienaufbau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47
Beweg Dich, Deutschland! – TK-Bewegungsstudie 2016 | 51. So geht’s Deutschland
Wie geht es den Menschen in Deutschland? zulande von diesen sogenannten Zivilisations-
Die Krankenkassen verfügen über eine Vielzahl krankheiten betroffen sind. Gemeint sind damit
anonymisierter Daten, die Aufschluss über die Beschwerden, die lebensstilbedingt sind und
gesundheitlichen Belastungen der Menschen in daher mit Bewegung, gesunder Ernährung und
Deutschland geben. Krankschreibungen zum einem gesunden Verhältnis von Stress und
Beispiel. Eine Analyse der „gelben Scheine“ Entspannung vermeidbar wären. Gesundheits-
zeigt, aufgrund welcher Beschwerden und wie experten schätzen, dass bis zu 70 Prozent
lange Beschäftigte und Empfänger von Ar- aller Ausgaben im Gesundheitswesen für die
beitslosengeld I(1) krankgeschrieben werden. Behandlung der Zivilisationskrankheiten auf-
gewandt werden.
2015 waren es durchschnittlich 15,4 Tage pro
Person. Aufgrund einer Erkältungswelle Anfang Eine weitere Möglichkeit für eine Bestandsauf-
des Jahres sind viele Beschäftigte wegen Atem- nahme des Gesundheitszustandes der Gesell-
wegserkrankungen ausgefallen. Zudem stehen schaft ist, die Betroffenen selbst zu fragen. Hier
Rückenschmerzen und Depressionen auf der setzt die vorliegende Studie an. Dafür wurde im
Liste der häufigsten Ursachen von Fehlzeiten Januar 2016 ein repräsentativer Querschnitt der
ganz oben. Es gibt aber auch Krankheiten, die erwachsenen Bevölkerung Deutschlands zu
kaum oder selten mit Krankschreibungen ver- seinem Bewegungsverhalten, aber auch zum
bunden sind, die aber das Risiko für schwere allgemeinen Gesundheitszustand befragt.
Folgeerkrankungen erhöhen können, zum Bei-
spiel Typ 2-Diabetes, Stoffwechselstörungen Fit bis fünfzig?
oder Bluthochdruck. Herz-Kreislauf-Beschwerden
sind bei Krankschreibungen eher unauffällig. Über die Hälfte der Erwachsenen in Deutsch-
Auffällig ist dagegen, dass mittlerweile über land, 55 Prozent, sind nach eigener Aussage
40 Prozent der Medikamente, die Männern bei guter oder sehr guter Gesundheit, drei von
verschrieben werden, für die Pumpe sind. zehn geben sich zumindest ein zufriedenstel-
lend und jedem Siebten geht es schlecht oder
Eine Analyse der Arzneimittelverordnungen sehr schlecht.
kann also zeigen, inwiefern die Menschen hier-
Jeder Siebte ist mit seiner Gesundheit unzufrieden
Wie würden Sie Ihren Gesundheitszustand im Allgemeinen beschreiben?
schlecht
sehr gut 5 weniger gut
16 9
30
gut 39 zufriedenstellend
Angaben in Prozent
Rundungsdifferenzen möglich
6 | Beweg Dich, Deutschland! – TK-Bewegungsstudie 2016Wenig überraschend ist, dass ältere Erwach- Deutlich überdurchschnittlich hoch ist der An-
sene ihre Gesundheit schlechter bewerten. teil der Menschen mit schlechter Gesundheits-
Auffällig ist jedoch, dass der Einbruch mit dem prognose auch bei denen, die wenig oder keinen
50. Lebensjahr beginnt. Während sich in den Sport treiben, sowie unter denen, die angeben
ersten vier Lebensjahrzehnten noch zwei von auch nach Feierabend viel Zeit (vier Stunden
drei Befragten gut oder sehr gut fühlen, sinkt und mehr) vor dem Bildschirm zu verbringen.
die Zustimmung ab 50 rapide und erreicht in
den älteren Gruppen durchgängig deutlich Chronisch weiblich?
unter 50 Prozent.
Mehr als jeder vierte Erwachsene in Deutsch-
Auch regional gibt es Unterschiede: In Baden- land ist aufgrund einer chronischen Erkrankung
Württemberg, dem Bundesland, das traditionell regelmäßig beim Arzt. Auch hier sind die älte-
auch den niedrigsten Krankenstand bundesweit ren Befragten erwartungsgemäß häufiger be-
hat, fühlen sich die Menschen am fittesten. troffen. Auffällig ist jedoch, dass sich auch in
Sieben von zehn Befragten geht es gut oder der Altersgruppe 30 bis 39 bereits jeder Fünfte
sehr gut, in Nordrhein-Westfalen sagt das mit zu den Chronikern zählt. Dies lässt vermuten,
48 Prozent nicht einmal die Hälfte. dass Zivilisationskrankheiten, die früher vor-
nehmlich älteren Menschen zugeschrieben
Zudem zeigt sich auch ein Zusammenhang zwi- wurden (Stichwort „Alterszucker“) wie Typ
schen dem Einkommen der Befragten und ihrer 2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Beschwerden
Gesundheit. Während bei den Geringverdienern auch immer mehr jüngere Menschen betreffen.
jeder Vierte einen weniger guten oder schlech- Der diesjährige TK-Gesundheitsreport wird
ten Gesundheitszustand angibt, ist der Anteil sich deshalb in seinem Themenschwerpunkt
der Gutverdiener mit über 4.000 Euro Haus- den gesundheitlichen Belastungen der Genera-
haltseinkommen mit sechs Prozent weit unter tion Ü30 widmen.
dem Bundesdurchschnitt.
Je älter, desto kränker
Anteil der chronisch Erkrankten nach Alter
Prozent
50
49
40
38
30
27
20
20 18
10
10
0
18-29 30-39 40-49 50-59 60-69 70 Jahre
Jahre Jahre Jahre Jahre Jahre und älter
Beweg Dich, Deutschland! – TK-Bewegungsstudie 2016 | 7Unterschiede gibt es auch zwischen den Ge- des Bewegungsapparates, wozu vor allem die
schlechtern. Während bei den Männern nur jeder Rückenbeschwerden zählen. 45 Prozent der
Fünfte chronische Beschwerden bestätigt, ist bei Befragten sind davon betroffen. Aufgrund
den Frauen jede Dritte betroffen. des deutlichen Ausmaßes widmet sich dieser
Studienband in Kapitel 2 noch einmal speziell
Auch wenn ein Blick auf die Krankenstandsda- dem Thema Rückenbeschwerden.
ten der TK diesen Trend bestätigen, denn Frauen
sind mit durchschnittlich 17,2 Tagen auch mehr Jeweils etwa drei von zehn Befragten gaben
krankgeschrieben als Männer mit 13,9 Tagen(2), an, unter Stress beziehungsweise Erschöpfung,
lässt sich nicht automatisch ableiten, dass es Müdigkeit und Schlafstörungen zu leiden. Letz-
um die Gesundheit von Frauen schlechter be- tere betreffen Frauen deutlich mehr als Männer.
stellt ist. Möglich wären auch soziale Gründe,
wonach Frauen eher bereit sind, sich mit ihrer Beim Thema Erschöpfung fällt zudem auf, dass
Gesundheit zu beschäftigen, Beschwerden die Zustimmungsrate in Westdeutschland mit
einzuräumen und früher medizinische Hilfe in 30 Prozent deutlich höher liegt als im Osten,
Anspruch zu nehmen. Diese Vermutung wird wo sich mit 18 Prozent „nur“ knapp jeder Fünfte
durch einen Blick auf die Arzneimitteldaten erschöpft fühlt.
bestätigt: Mit 248 Tagesdosen pro Jahr pro
Mann ist das Volumen deutlich höher als bei Ein Fünftel der Befragten bezeichnet sich selbst
Frauen mit 241 Medikamenteneinheiten. Ins- als übergewichtig. Auch hier gibt es Unterschie-
besondere bei Herz-Kreislauf-Beschwerden de zwischen den Altersgruppen. Während bei
bekommen Männer nahezu doppelt so viel den jungen Erwachsenen nur acht Prozent
verschrieben wie Frauen(1). In der aktuellen Be- Übergewicht einräumen, ist bei den Jahrgängen
wegungsstudie gaben Männer Herzprobleme ab 50 jeder Vierte betroffen. Insgesamt dürften
jedoch nicht häufiger an als Frauen. Gesund- die Selbsteinschätzungen aber in allen Alters-
heitsexperten sprechen hier oft von der Vorsor- gruppen deutlich unter den Ergebnissen von
gemedizin der Frauen und der Reparaturmedizin Gesundheitsstudien liegen. Nach Angaben des
der Männer. Letztere würden sich erst dann um Robert Koch-Instituts sind zwei Drittel der
ihren Körper kümmern, wenn etwas nicht funk- Männer und etwas mehr als die Hälfte der
tioniert. Daher sind sie in den Gesundheitsdaten Frauen übergewichtig und jeweils ein Viertel
oftmals zunächst weniger auffällig, weisen fettleibig(3).
weniger Arztbesuche und Krankschreibungen
auf, erhöhen aber ihr Risiko für Folgeerkran- Ebenfalls fast jeder Fünfte leidet häufig an
kungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Kopfschmerzen oder Migräne. Hier fallen vor
allem die jungen Erwachsenen zwischen 18
Was fehlt ihnen denn? und 29 Jahren auf, von denen über 30 Prozent
regelmäßige Schmerzen haben. Obwohl die
Für die vorliegende Studie wurden die Men- jüngste Teilnehmergruppe erwartungsgemäß
schen auch gefragt, unter welchen Beschwer- die wenigsten gesundheitlichen Beschwerden
den beziehungsweise gesundheitlichen hat und fast jeder Vierte von ihnen unter keiner
Einschränkungen sie häufiger oder dauerhaft der genannten Krankheiten leidet, gibt es meh-
leiden. rere Belastungen, von denen die 18- bis 29-Jäh-
rigen überdurchschnittlich häufig betroffen sind:
Auf dem ersten Platz – mit großem Abstand zu stressbedingte Erschöpfung, Müdigkeit und
den weiteren Diagnosen – stehen Krankheiten Kopfschmerzen.
8 | Beweg Dich, Deutschland! – TK-Bewegungsstudie 2016Der Rücken plagt auch Jüngere
Häufige oder dauerhafte Beschwerden nach Alter der Betroffenen
40
Beschwerden des
49
Bewegungsapparats
46
34
Erschöpfung,
35
Ausgebranntsein
15
5
Herz-Kreislauf-
12
Erkrankungen
29
Stoffwechsel- 5
erkrankungen 9
wie z.B. Diabetes 23
0 10 20 30 40 50
18-39 Jahre 40-59 Jahre 60 Jahre und älter
Angaben in Prozent
Mehrfachnennungen möglich
Erschöpfte Twens häufig oder sogar dauerhaft unausgeglichen
oder niedergeschlagen zu sein. Menschen mit
2015 hatte die TK bereits eine Studie zur Ge- Kindern sind ebenso häufig betroffen wie sol-
sundheit von Studierenden veröffentlicht, die che ohne und Erwerbstätige ebenso oft wie
ihnen einen hohen Stresslevel bescheinigte. Arbeitslose. Unterschiede gibt es nur bei den
Zudem zeigte sich, dass viele nicht über aus- Faktoren Bildung und Haushaltseinkommen.
reichende Kompetenzen verfügen, mit stress- Bei den Befragten mit einem Haushalteinkom-
bedingten Belastungen umzugehen (siehe men unter 1.500 Euro ist der Anteil derer, die
auch Kapitel 10). Diese Einschätzung scheint häufig niedergeschlagen sind, mit 25 Prozent
die vorliegende Studie noch einmal zu bestäti- überdurchschnittlich hoch. Dieses Ergebnis
gen. Hier lässt sich also ein Ansatzpunkt für deckt sich mit der Gesundheitsberichterstat-
präventive Stressbewältigungsprogramme tung der TK, in der finanzielle Unsicherheit zum
identifizieren. Beispiel im Zusammenhang mit befristeten
Arbeitsverhältnissen oder Zeitarbeit immer
Unabhängig von Alter, Geschlecht und Wohn- wieder als gesundheitliche Belastung angege-
ort geben 15 Prozent der Erwachsenen an, ben wird.
Beweg Dich, Deutschland! – TK-Bewegungsstudie 2016 | 92. Rückenrepublik Deutschland
Fast jeder dritte Erwachsene in Deutschland hat jeder Zehnte hatte sie schon, ist aber im Mo-
nach eigener Aussage ständig oder oft Rücken- ment schmerzfrei. Das heißt: Zwei von drei
probleme, gut ein weiteres Drittel gibt an, zu- Menschen hierzulande haben bereits Erfahrung
mindest ab und zu Beschwerden zu haben, fast mit Rückenschmerzen.
Jeder Dritte hat ständig oder öfter Rückenprobleme
Wie häufig haben Sie in den letzten zwölf Monaten Probleme mit dem Rücken gehabt?
ständig noch nie Rückenprobleme
16 24
öfter 15
9 früher, heute
nicht mehr
35
ab und zu
Angaben in Prozent
Frühe Weichenstellung für entlastet oder gestärkt wird, scheint sich dies
die Rückenkarriere auf die Rückenkarriere bis ins hohe Alter aus-
zuwirken.
Auch wenn die jungen Erwachsenen erwar-
tungsgemäß im Mittel weniger Rückenprobleme Harte Arbeit geht auf den Rücken
haben als die Älteren und fast 30 Prozent von
ihnen sogar noch nie Beschwerden hatten, Überdurchschnittlich von Rückenproblemen
fällt auf, dass auch bei den 18- bis 29-Jährigen betroffen sind die Menschen mit niedrigeren
über 30 Prozent angeben, oft oder ständig Schulabschlüssen. Während bei den Abiturien-
Schmerzen im Kreuz zu haben. ten nur jeder Zehnte unter Dauerschmerzen
leidet, ist bei den Befragten mit Hauptschul-
Überraschenderweise gilt das Gleiche für die abschluss mit 22 Prozent mehr als jeder Fünfte
über 70-Jährigen. Auch hier sagen jeweils betroffen. Auch hier liegt die Vermutung nahe,
30 Prozent, dass sie oft oder ständig Rücken- dass die überdurchschnittliche Belastung mit
schmerzen haben und ebenso viele, dass sie dem Beruf zusammenhängt, da die Berufe, die
noch nie Probleme hatten. Dies lässt vermuten, mit geringer qualifizierten Abschlüssen besetzt
dass in jungen Jahren die Weichen für die Rü- werden, wie in der Gebäudereinigung, im
ckengesundheit gestellt werden. Je nachdem, Gartenbau oder in der Baubranche, mehr auf
wie der Rücken beruflich belastet und durch den Rücken gehen.
ein gesundes Sport- und Bewegungsverhalten
10 | Beweg Dich, Deutschland! – TK-Bewegungsstudie 2016Weniger Beschwerden bei Jobs mit mäßiger Bewegung
Anteil der Befragten nach Bewegung bei der Arbeit und Beschwerden
häufige/ständige Beschwerden häufig/ständig erschöpft
Prozent des Bewegungsapparats und gestresst
40 44
40
30 36 34
20
19 18
10
0
berufliche Tätigkeit …
… fast nur im Sitzen … mit intensiver Bewegung … mit mäßiger Bewegung
Der TK-Rückenatlas(4) aus dem Jahr 2014 bestä- lagen die Kosten für den Ausfall von Produktion
tigt dies. Insgesamt entfallen etwa zehn Prozent und Bruttowertschöpfung 2013 bundesweit bei
aller Fehlzeiten in Deutschland auf Rückenbe- über 163 Milliarden Euro, davon entfallen gut
schwerden. Pro Kopf sind das etwa 1,5 Tage. 16 Milliarden auf Rückenbeschwerden(5). Für
Überdurchschnittlich von rückenbedingten Fehl- einen mittelständischen Betrieb mit 140 Mit-
zeiten betroffen sind unter anderem Altenpfleger arbeitern bedeutet dies zum Beispiel pro Jahr
(4,1 Tage), Reinigungskräfte (3,1 Tage), Straßen- 175 rückenbedingte Fehltage. Die Diagnose
bauer (3,3 Tage) Dachdecker (3,2 Tage) und „Rücken“ kostet ihn also mehr als eine halbe
Maurer (3,8 Tage). Stelle.
Knapp sieben Prozent der Beschäftigten wer- Geht man nach der Analyse der Krankschrei-
den im Jahr aufgrund einer Rückendiagnose bungen bei der TK, sind bei den Erwerbsper-
krankgeschrieben. Im Krankheitsfall dauert ein sonen Männer und Frauen gleichermaßen von
Ausfall wegen Rückenschmerzen statistisch Rückenbeschwerden betroffen. In der Befra-
gesehen 17,5 Tage. Das bedeutet nicht nur lang- gung, die dieser Bewegungsstudie zugrunde
wierige Beschwerden für die Patienten, son- liegt, gaben Frauen mit 36 Prozent deutlich
dern auch hohe Kosten durch Arbeitsausfall für häufiger an, oft oder ständig Rückenprobleme
die Unternehmen. Nach Schätzungen der Bun- zu haben. Bei den Männern liegt der Anteil mit
desanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 25 Prozent deutlich niedriger.
Beweg Dich, Deutschland! – TK-Bewegungsstudie 2016 | 11Bewegungsarmer Alltag geht auf den Rücken
Anteil der Befragten, die ständig Rückenprobleme haben
Prozent Bildschirmnutzung Sportlertyp
in der Freizeit
30 32
25
20
Durchschnitt: 16
18
10 13
0
Intensiv- Wenig- Anti- Freizeit-
nutzer nutzer sportler sportler
Zudem zeigt sich, dass Befragte mit Kindern ein bewegt zu werden. Zudem sorgen digitale Me-
größeres Rückenproblem haben als diejenigen, dien und soziale Netzwerke dafür, dass wir auch
die keine Kinder im Haushalt haben. Hier wäre einen guten Teil des Feierabends unbewegt
vielleicht ein Rückenprogramm, das Eltern den verbringen. Daher ist wenig verwunderlich, dass
Rücken stärkt, eine geeignete Maßnahme. diejenigen, die in der Bewegungsstudie anga-
ben, ihre Freizeit fast ausschließlich vor dem
Null Sport schlägt auf den Rücken Bildschirm zu verbringen (sieben Stunden am
Tag und mehr), auch überdurchschnittlich häufig
Rückenprobleme entstehen heute seltener mit Rückenproblemen kämpfen. Jeder Dritte
durch besondere körperliche Beanspruchung von ihnen klagt über ständige Schmerzen im
im Job und immer häufiger durch das genaue Kreuz. Gleiches gilt für die Antisportler. Jeder
Gegenteil – durch Bewegungsmangel. Immer Vierte leidet ständig an Rückenschmerzen, bei
mehr Bildschirmplätze sowie das Automatisie- den Gelegenheitssportlern, also denen, die
ren von Arbeitsabläufen sind dafür verantwort- wenigstens auf eine Stunde Sport in der Woche
lich, dass der Körper darunter leidet, nicht mehr kommen, sind es nur noch 15 Prozent.
12 | Beweg Dich, Deutschland! – TK-Bewegungsstudie 2016Null Sport schlägt auf den Rücken
Häufigkeit von Rückenschmerzen nach Sportlertyp
Prozent
40
13
30 20
15
13
20 25 10
8
14 15 16
10 13 12
0
Anti- Sport- Gelegenheits- Freizeit- Intensiv- Gesamt
sportler muffel sportler sportler sportler
öfter ständig
Wenn der Stress im Nacken sitzt ist wenig überraschend. Es verdeutlicht aber
noch einmal, dass es umso wichtiger ist, dass
In den meisten Fällen gehen Rückenbeschwer- auch die Therapie von Rückenbeschwerden
den jedoch nicht nur auf eine Ursache zurück, ganzheitlich ansetzen und sich sowohl der Be-
sondern sind häufig die Folge des Zusammen- handlung der Symptome als auch der Lebens-
treffens mehrerer Faktoren wie Bewegungs- situation der Betroffenen widmen muss.
mangel, einseitiger Belastung und Stress. Der
Stress kann den Menschen buchstäblich im Was tun bei „Rücken“?
Nacken sitzen.
Auch in der Bewegungsstudie wurden die Teil-
Fast die Hälfte der Befragten, die in der Bewe- nehmer gefragt, was sie bei Rückenproblemen
gungsstudie angaben, unter stressbedingter unternehmen.
Erschöpfung zu leiden, hat oft oder ständig
Rückenprobleme. Danach liegt das Rückenrisiko Häufigste Antwort: Bewegung. Gut sieben
bei den Gestressten also ein Fünftel höher als von zehn Befragten versuchen Rückenschmer-
bei den Befragten ohne Stress-Symptome. zen durch Bewegung zu lindern, in den neuen
Bundesländern sind es sogar gut 80 Prozent.
Die persönliche Konstitution, die individuelle Dieses Ergebnis ist zunächst einmal sehr er-
Lebenssituation und wie diese wahrgenommen freulich, da Bewegung bekanntermaßen die
wird – all das spielt eine große Rolle für das beste Therapie ist.
Risiko, zu erkranken. Wer mit seinem Leben
zufrieden ist, ist auch weniger anfällig für Krank- Allerdings zeigt sich im weiteren Studienverlauf,
heiten. Das gilt auch für den Rücken. Und wer dass die Angaben der Befragten bezüglich ihres
bereits angeschlagen ist, reagiert auch stärker alltäglichen Bewegungsverhaltens schwer dazu
auf Fehlbelastungen. passen.
Dies bestätigt auch der TK-Gesundheitsreport Danach geben zwei Drittel an, im Alltag auf
2014(4), der sich schwerpunktmäßig mit dem weniger als eine Stunde Bewegung zu kom-
Thema Rücken beschäftigte. Er zeigt, dass Er- men, über 40 Prozent der Erwachsenen ver-
werbspersonen, die wegen Rückenbeschwer- bringen ihren Feierabend am liebsten auf dem
den krankgeschrieben waren, nahezu von allen Sofa und nur gut die Hälfte treibt in der Freizeit
anderen Diagnosen auch häufiger betroffen wenigstens gelegentlich Sport.
waren als die, die keine Rückenprobleme hat-
ten. Besonders auffällig ist, dass sie häufiger Bei ihnen liegt der Anteil derer, die Bewegung
von psychisch bedingten Fehlzeiten betroffen als Mittel gegen das Kreuz mit dem Kreuz
sind (Faktor 1,8). nennen, mit 80 Prozent sogar noch höher. Am
höchsten ist die Zustimmung bei den Befrag-
Dass dauerhafte Beschwerden im Kreuz für die ten, die digitale Trainingsbegleiter nutzen. Fast
Patienten auch psychisch sehr belastend sind, 90 Prozent werden aktiv, wenn ihr Rücken
Beweg Dich, Deutschland! – TK-Bewegungsstudie 2016 | 13Probleme bereitet. Hier besteht zum Beispiel Auffällig oft gilt das auch für die jüngsten Er-
für Krankenkassen die Chance, mit attraktiven wachsenen. Von den 18- bis 29-Jährigen gehen
digitalen Angeboten wie Online-Rückencoa- 63 Prozent bei Rückenproblemen in die Waage-
chings und Rücken-Apps den Menschen ge- rechte. Zum Vergleich: Bei den Ü40-Jährigen ist
zielt den Rücken zu stärken. dies nur für jeden Dritten eine Option.
44 Prozent der Befragten setzen auf das Ge- 56 Prozent der Umfrageteilnehmer setzen auf
genteil: Bei Rückenbeschwerden schonen sie Wärme, wie zum Beispiel einen Saunabesuch;
sich und legen sich hin. Die Ursache des Übels Entspannungsübungen wie Yoga oder autoge-
soll für viele zugleich auch Lösung sein. Wenig nes Training sind nur für drei von zehn Menschen
überraschend sind es vor allem diejenigen, die in Deutschland das Mittel der Wahl. Frauen
ihre Gesundheit allgemein in einem schlechten können sich dafür mehr begeistern als Männer.
Zustand sehen. Hier sind es mit 54 Prozent
mehr als die Hälfte, die meinen, ihren Rücken
vor allem in der Rückenlage zu entlasten.
Bei Rückenbeschwerden ist Bewegung die beste Therapie
Wenn ich akute Rückenprobleme habe, helfe ich mir mit
Frauen Männer
74 Bewegung (gesamt: 72) 69
Wärme, Saunabesuch,
61 51
Heizkissen (56)
43 Massage bzw. Physiotherapie (45) 47
40 schonen, z.B. hinlegen (44) 50
Schmerzmittel wie Salbe, Tabletten
47 38
oder Pflaster (43)
34 zum Arzt gehen (35) 35
Entspannungsübungen, z.B. auto-
36 24
genes Training oder Yoga (30)
80 60 40 20 0 0 20 40 60 80
Angaben in Prozent
Mehrfachnennungen möglich
Nur gut ein Drittel der Betroffenen sucht bei Bei den Twens nutzt nur ein Viertel Schmerzme-
Rückenproblemen den Arzt auf, vor allem die dikamente, ab dem 40. Lebensjahr ist es schon
älteren Befragten ab 60 suchen überdurch- die Hälfte. Dies könnte damit zusammenhängen,
schnittlich oft professionelle Hilfe (42 Prozent). dass die Beschwerden mit dem Alter hartnäcki-
Hier zeigen sich auch regionale Unterschiede. ger und langwieriger werden. Ab diesem Alter
Bei den bayerischen Teilnehmern ist die Nach- setzen auch viele auf Massage oder Physiothera-
frage nach medizinischer Unterstützung mit pie. 60 Prozent der Ü40-Jährigen und 51 Prozent
44 Prozent am höchsten. In Hessen, Rheinland- der 50- bis 59-Jährigen gaben diese Therapie-
Pfalz und dem Saarland geht nur gut ein Viertel option an, im Mittel waren es 45 Prozent.
bei Rückenbeschwerden zum Arzt.
Viele Mediziner empfehlen bei akuten Rücken-
43 Prozent der Erwachsenen in Deutschland schmerzen „Abwarten“ als Therapieoption. In
setzen bei Rückenbeschwerden auf Schmerz- acht von zehn Fällen würden die Beschwerden
mittel. Da der Anteil höher liegt als derer, die innerhalb von acht Wochen selbst abklingen. Ob
zum Arzt gehen, scheint ein gewisser Teil der dies vielen Befragten zu lange dauert, lässt sich
Bevölkerung auch auf Selbstmedikation zu aus den Daten nicht ablesen. „Abwarten“ ist
setzen. aber offenbar nur für die wenigsten eine Option.
Nur ein Prozent gab an, bei Rückenproblemen
eigentlich nichts zu unternehmen.
14 | Beweg Dich, Deutschland! – TK-Bewegungsstudie 20163. Bewegung im Alltag
Sport ist wichtig für ein gesundes Leben, auch nuten am Tag in Schwung. Das ist aber noch
wenn es Zeit und anhaltende Motivation erfor- kein Grund zum Feiern – oder um sich wieder
dert. Im stressigen Alltag sind beide Faktoren auf die faule Haut zu legen.
aber oft Mangelware und der Weg ins Fitness-
studio lässt sich im Vergleich zu anderen Terminen Mehr Stress = mehr Bewegung?
noch am ehesten einsparen. Dabei verrät ein
Blick auf die Seite der Weltgesundheitsorgani- Aber genau das scheint für viele der Befragten
sation (WHO), dass bereits 150 Minuten mo- der nächste Schritt zu sein, wenn sie abends wie-
derate Aktivität (das heißt erhöhter Puls, der der nach Hause kommen. Vor allem Frauen zieht
Körper wird warm und kommt außer Atem) oder es erschöpft auf die Couch. So gibt fast jede zwei-
75 Minuten intensive Bewegung pro Woche te Teilnehmerin an, dass ihr Arbeitstag sehr an-
einen Unterschied machen(6). strengend ist und sie sich abends am liebsten in
die Polster flüchtet. Das sagen nur etwas mehr
Auch wenn Sport unersetzbar ist, müssen diese als ein Drittel der Männer. Aber Vorsicht vor fal-
Minuten nicht zwingend mit „bewusstem“ schen Schlussfolgerungen, die Frauen als weniger
Sport gefüllt werden. Für viele Deutsche gibt es belastbar darstellen. Denn in mancher Hinsicht
auch bei den alltäglichen Wegen ungenutztes sind sie tatsächlich mehr belastet: Eine Studie
Bewegungspotenzial. So bewegt sich ein gutes des Statistischen Bundesamtes zeigt, dass Frau-
Drittel weniger als eine halbe Stunde am Tag, en mit rund 45,5 Stunden insgesamt eine Stunde
ein weiteres bleibt unter einer Stunde und nur mehr arbeiten als die Herren. Entscheidend: Zwei
29 Prozent schaffen mindestens 60 Minuten Drittel dieser Arbeit sind unbezahlt, beinhaltet
oder mehr. Also bringen immerhin sechs von also Aufgaben wie zum Beispiel Putzen, Kochen,
zehn Personen ihren Kreislauf länger als 30 Mi- Einkaufen oder die Kinderbetreuung(7).
Zwei Drittel bewegen sich im Alltag nicht einmal eine Stunde
Geschätzte Dauer der alltäglichen Wege per Rad oder zu Fuß
gut eine Stunde und länger bis eine halbe Stunde
29 34
gut eine halbe
32
bis eine Stunde
Angaben in Prozent
Rundungsdifferenzen möglich
Die Doppelbelastung aus Vollzeitjob und Haus- sich auch in der Alltagsaktivität wider: Mehr als
halt, die immer mehr Frauen balancieren, scheint ein Drittel der Frauen bewegt sich 30 bis 60 Mi-
besonders in den letzten drei Jahren angestie- nuten am Tag, bei den Männern sind es zehn
gen zu sein. Das kann unter anderem dazu Prozentpunkte weniger. Außerdem geben knapp
geführt haben, dass bei der aktuellen Umfrage drei von zehn aller Befragten an, dass sie durch
mehr Frauen als in 2013 angeben, ihren Feier- Kinder oder Enkel auf Trab gehalten werden.
abend auf dem Sofa zu verbringen (2013 waren Wenn die Betreuung der Kleinen noch haupt-
es vier von zehn Frauen). Dieser Trend hat aber sächlich Aufgabe der Frauen ist, ist es also nicht
zumindest eine positive Konsequenz: Obwohl überraschend, dass sie im Alltag aktiver sind.
der Alltag für beide Geschlechter anstrengen-
der geworden ist, haben sich Frauen am Ende Senioren bewegen sich im Alltag bewusster
des Tages immerhin mehr bewegt. Wenn es
zum Beispiel darum geht, die Treppe oder den Die Bewegungsstudie zeigt zudem, dass ältere
Fahrstuhl zu nehmen, entscheiden sich eher die Menschen ab 60 bewusster versuchen, mehr
Männer für die bequeme Variante. Das spiegelt Bewegung in ihren Alltag zu bringen. Sie unter-
Beweg Dich, Deutschland! – TK-Bewegungsstudie 2016 | 15brechen lange Sitzphasen häufiger aktiv, ent- schen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thürin-
spannen weniger auf dem Sofa und nutzen gen, wo neun von zehn Bewohnern täglich ihr
häufiger die Treppe als die 18- bis 39-Jährigen. Haus verlassen. Allgemein gehen 86 Prozent
Sie geben sogar fast doppelt so häufig an, der Ostdeutschen jeden Tag an die frische Luft,
dass Kinder und Enkel sie auf Trab halten als bei den Westdeutschen sind es nur 75 Prozent.
die jungen Erwachsenen. Aber nicht nur dieses Verhalten spaltet die Na-
tion in Aktivposten und Passivposten. In den
Aktiver Westen, erschöpfter Norden neuen Bundesländern tendieren die Menschen
auch eher zur Treppe anstatt zum Fahrstuhl.
Bewegung ist schließlich nahezu unvermeidlich Über die Gründe lässt sich spekulieren. Gibt es
im Alltag. Ob es sich nun um Kinderbetreuung, im Osten weniger Häuser mit Aufzügen? Ist
Einkäufe oder Spaziergänge mit dem Hund die höhere Erwerbstätigkeitsquote von Frauen
handelt – mehr als drei Viertel der Teilnehmer sowie die Geburtenrate im Osten ausschlagge-
gehen mindestens einmal am Tag vor die Tür. bend für eine allgemein höhere Aktivität (8, 9)?
Spitzenreiter sind im Bundesvergleich die Men-
Vier von zehn verbringen den Feierabend auf der Couch
Zustimmung nach Alter
Ich gehe jeden Tag raus, 79
z.B. Einkaufen, mit dem 77
Hund oder in den Garten.
(gesamt: 77) 75
Wenn ich lange sitze, ste- 64
he ich zwischendurch auf 64
und bewege mich. (68) 75
Mein Tag ist meist so an- 55
strengend, dass ich abends 44
am liebsten auf dem Sofa
entspanne. (42) 28
Ich nehme meist Auto, 44
Bus oder Bahn, auch 35
wenn ich kleinere Besor-
gungen mache. (37) 34
Wenn es einen Fahrstuhl 37
oder eine Rolltreppe gibt, 31
nutze ich die lieber als die
Treppe. (37) 41
Durch meine Kinder oder 16
Enkel wird mein Kreis- 35
lauf häufig in Schwung
gebracht. (27) 30
0 20 40 60 80
18-39 Jahre 40-59 Jahre 60 Jahre und älter
Angaben in Prozent
Mehrfachnennungen möglich
Darüber hinaus sind auch die Verhaltensmuster Die aktivsten Menschen leben hingegen in
aus Norddeutschland, Berlin und Brandenburg Nordrhein-Westfalen, wo sich vier von zehn
auffällig, wo jeder Zweite abends das Sofa auf- Menschen mehr als 60 Minuten im Alltag
sucht. In Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland bewegen. Das sind doppelt so viele wie in
gilt das nur für knapp ein Drittel. Allerdings Baden-Württemberg. Fast genauso aktiv wie
leben in diesen Bundesländern auch die meisten die NRWler sind die Menschen in Bayern, wo
Bewegungsmuffel: Vier von zehn Menschen immerhin noch ein Drittel mehr als eine Stunde
schaffen nicht mehr als 30 Minuten am Tag. aktiv ist.
16 | Beweg Dich, Deutschland! – TK-Bewegungsstudie 2016Bei der Wahl der alltäglichen Verkehrsmittel doppelt so viele(10). Interessant ist, dass die
versteckt sich oft noch ungenutztes Bewegungs- Bereitschaft, in die Pedale zu treten, im Alter
potenzial. Obwohl es in deutschen Haushalten tendenziell zunimmt. Ab dem 40. Lebensjahr
im Durchschnitt 2,4 Fahrräder gibt (und nur entscheidet sich nur noch jeder Dritte für das
1,4 Autos), schwingt sich für die Fahrt zur Arbeit Auto oder die Bahn. In den Lebensabschnitten
nur ein knappes Drittel auf den Drahtesel. Für davor sind es noch 44 Prozent, also gute zehn
alltägliche Erledigungen sind es immerhin Prozentpunkte mehr.
Feierabend auf der Couch
Mein Tag ist meist so anstrengend, dass ich abends am liebsten auf dem Sofa
entspanne (Zustimmung nach Regionen)
Schleswig-
Holstein
Hamburg Mecklenburg-
Vorpommern
Bremen
Brandenburg
Niedersachsen
Berlin
Sachsen-
Anhalt
Nordrhein-Westfalen
Sachsen
Hessen Thüringen
Rheinland-
Pfalz
Saarland Bayern
Baden-
Württemberg
32 % 39 % 41 % 42 % 50 % 51 %
Sport bekämpft die Couchsehnsucht sportlern sind es nur 31 Prozent. Wer zudem
außerhalb der Arbeit sieben oder mehr Stunden
Freizeit und Alltag lassen sich nicht so leicht Bildschirmzeit genießt, hat allein aus Zeitgrün-
trennen – zumindest, was die Leidenschaft zur den weniger Bewegung. In dieser Gruppe
Bewegung angeht. Wer in der Freizeit sportlich schafft nur jeder Fünfte mindestens eine aktive
unterwegs ist, entscheidet sich auch eher mal Stunde. Sind es maximal drei Stunden vor der
für die Stufen oder das Fahrrad. So kommt Flimmerkiste oder dem Rechner, schafft das
jeder zweite Intensivsportler im Alltag auf min- Pensum wieder jeder Dritte.
destens eine Stunde Aktivität, bei den Anti-
Beweg Dich, Deutschland! – TK-Bewegungsstudie 2016 | 17Vor allem bei der Gretchenfrage „Treppe oder Auf die Plätze, fertig, Ausreden!
Fahrstuhl?“ zeigt sich, wer auch in seiner Frei-
zeit gerne mal ins Schwitzen kommt. Mehr als Wie heißt es so schön? Wer will, findet Wege,
sieben von zehn Menschen, die regelmäßig wer nicht will, findet Gründe. Wer also aktiv
Sport treiben, entscheiden sich dabei für Muskel- sein möchte, lässt sich auch durch einen stres-
anstatt Stromkraft. Bei den Antisportlern ist es sigen Tag nicht davon abhalten. Diese Aussage
gut die Hälfte. Das Verhalten spiegelt sich auch trifft aber mit gerade mal 16 Prozent auf einen
in der Wahl des Verkehrsmittels wider, wobei geringen Teil der Befragten zu. Für viele gibt
hier besonders die Intensivsportler von Auto es noch genug Argumente, die sie von einem
oder Bahn absehen: Rund 80 Prozent ent- aktiveren Alltag abhalten. An der Spitze der
scheiden sich für das Fahrrad. Das sagt nur Ausreden befinden sich zu große Entfernun-
jeder zweite Antisportler. Sie verbringen im gen (47 Prozent) und Zeitmangel (45 Prozent).
Vergleich auch öfter als alle anderen Sport- Besonders bei den 18- bis 39-Jährigen werden
typen den Tag im Haus. Im Schnitt gehen nur diese Gründe mit 59 Prozent überdurchschnitt-
sechs von zehn von ihnen täglich vor die Tür, lich oft genannt. Das gleiche gilt (nachvollzieh-
bei den Aktiven sind es neun von zehn. bar) auch für Menschen, die in einer kleineren
Ortschaft leben. Über die Hälfte setzt sich eher
Obwohl sich die Sportbegeisterten in ihrer Frei- ins Auto, um lange Strecken zu meistern. In
zeit verausgaben und auch im Alltag eher aktiv größeren Städten mit über 500.000 Einwoh-
sind, zieht es sie abends seltener auf die Couch, nern stimmen dieser Aussage nur vier von zehn
als Sportmuffel mit einem weitaus „bewegungs- Menschen zu.
loseren“ Alltag. Bewegung macht also munter,
nicht müde. So hat unter den Sportverneinern
fast jeder Zweite Couchsehnsucht, bei den
Sportlern nur ein Drittel.
Unbewegtes Deutschland? Daran liegt’s
Anteil der Befragten, die folgenden Aussagen zustimmen
die Wege sind oft einfach zu lang 47
Zeitmangel 45
Krankheit, körperliche Einschrän-
28
kungen oder Übergewicht
fehlende Motivation, kann mich 28
nicht aufraffen
ich bewege mich einfach nicht
6
gerne
0 20 40
Angaben in Prozent
Mehrfachnennungen möglich
Auf den Plätzen drei und vier der Top-Gründe 49-Jährigen sowie den Ü70-Jährigen sagt das
folgen mit jeweils 28 Prozent körperliche Ein- gerade mal jeder Fünfte.
schränkungen wie Krankheit oder Übergewicht
und fehlende Motivation. Auch hier schneiden Der Bewegungsdrang scheint im Alter also
die jüngeren Generationen nicht so gut ab, wieder aufzublühen. Ab dem 60. Lebensjahr
denn gerade ihnen fehlt es am häufigsten an lässt sich zum Beispiel rund ein Viertel der Be-
Motivation. Vier von zehn Teilnehmern können fragten nicht von der täglichen Bewegung ab-
sich nicht aufraffen, mal das Fahrrad anstatt das halten. Sie bewegen sich genau so viel, wie
Auto oder die Bahn zu nehmen. Bei den 40- bis sie wollen. Der Zeitfaktor spielt hier natürlich
18 | Beweg Dich, Deutschland! – TK-Bewegungsstudie 2016eine Rolle, denn wer in Rente geht, kann seinen Skelett-Beschwerden, vermeidet auch einen
Tag auch viel freier – und aktiver – planen. Das ist aktiven Alltag. Das gab über die Hälfte der
aber nur die halbe Wahrheit, denn: Dieser Aussa- Betroffenen an. Dabei raten zahlreiche Studien
ge stimmt auch jeder Vierte aller Altersgruppen genau das Gegenteil, denn Bewegung macht
aus Ostdeutschland zu, während es im Westen gesund(11). In Berlin und Brandenburg fehlt es
nur 15 Prozent sind. Hier zeigt sich wieder die vier von zehn Befragten nicht nur an Zeit,
unerwartete Trennung zwischen östlichen Aktiv- sondern auch überdurchschnittlich oft an
posten und westlichen Passivposten. Motivation. In den südöstlichen Ländern sind
nur 16 Prozent unmotiviert und knapp ein
Regional sind die Ausreden wieder sehr unter- Drittel bewegt sich so viel es will. In Bayern
schiedlich verteilt: Während in Bayern, Branden- und Baden-Württemberg scheint es hingegen
burg und Berlin vor allem die Zeit für einen tendenziell gemütlicher zuzugehen. Hier ist
bewegten Alltag fehlt, sind in Norddeutschland der Anteil derer, die sich generell nicht gern
überdurchschnittlich oft körperliche Einschrän- bewegen, mit neun beziehungsweise zehn
kungen ein entscheidender Faktor. Generell Prozent besonders hoch. In Norddeutschland
zeigt sich: Wer vorbelastet ist durch Überge- sagen das gerade einmal drei Prozent.
wicht, Herz-Kreislauf-Krankheiten oder Muskel-
Wo die Motivation fehlt
Ich kann mich nicht aufraffen, öfter zu Fuß zu gehen oder mit dem Rad zu fahren
statt Auto, Bus oder Bahn zu nehmen (Zustimmung g nach Regionen)
g
Schleswig-
Holstein
Hamburg Mecklenburg-
Vorpommern
Bremen
Brandenburg
Niedersachsen
Berlin
Sachsen-
Anhalt
Nordrhein-Westfalen
Sachsen
Hessen Thüringen
Rheinland-
Pfalz
Saarland Bayern
Baden-
Württemberg
16 % 24 % 25 % 32 % 36 % 40 %
Beweg Dich, Deutschland! – TK-Bewegungsstudie 2016 | 194. Sitzplatzgarantie
Das Land sitzt. Alles zusammengerechnet – ar- Auch regional sitzt es sich in Deutschland sehr
beiten, essen, fernsehen und Ähnliches – verbrin- unterschiedlich. So sitzen die Baden-Württem-
gen die Menschen hierzulande durchschnittlich berger, Berliner und Brandenburger mit sieben
6,5 Stunden täglich im Sitzen, mehr als jeder Stunden fast eine Stunde mehr als die Nach-
Fünfte kommt sogar auf neun Stunden und mehr. barn in Bayern, die Norddeutschen sowie die
Nun könnte man meinen, dass die Hälfte schon Erwachsenen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und
arbeitsbedingt einen großen Teil des Tages aus- Thüringen. Auffällig ist hier vor allem, dass
sitzen muss. Die Umfrageergebnisse zeigen Bayern das Feld im Jahr 2013 mit durchschnitt-
jedoch, dass die Erwerbstätigen mit 6,7 Stun- lich 7,4 Stunden noch angeführt hat.
den im Mittel nur eine halbe Stunde am Tag
mehr sitzen als die, die nicht arbeiten. Mit steigendem Haushaltseinkommen wird
auch mehr gesessen, was vermutlich mit den
Zudem zeigen sich deutliche Unterschiede zwi- damit einhergehenden beruflichen Aufgaben
schen den Altersgruppen. Während die jungen zusammenhängt (siehe auch Kapitel 8). Wäh-
Erwachsenen zwischen 18 und 29 Jahren mit rend in den unteren Gehaltsklassen gut sechs
durchschnittlich sieben Stunden täglich am Stunden täglich im Sitzen verbracht werden,
meisten sitzen, haben die 60- bis 69-Jährigen kommen Haushalte mit einem monatlichen
nur noch Sitzfleisch für 5,8 Stunden. Einkommen von 4.000 Euro und höher auf
stolze 7,5 Stunden.
So lange sitzt Deutschland
Geschätzte Sitzzeit an einem typischen Wochentag
*
24 bis 4 Stunden
9 Stunden 21
und mehr
Ø 6,5 Stunden
46 5-8 Stunden
* 8 Prozent: weiß nicht/keine Angabe
Angaben in Prozent
Rundungsdifferenzen möglich
20 | Beweg Dich, Deutschland! – TK-Bewegungsstudie 2016Bewegungsfalle Bildschirm Wie die Bewegungsstudie zeigt, verbringen
die Erwachsenen in Deutschland im Schnitt
Fast jeder Zweite der gut 40 Millionen Arbeits- täglich gut drei Stunden ihrer Freizeit vor dem
plätze in Deutschland ist ein Sitzplatz. Das heißt, Bildschirm. Zwar sind darin alle Bildschirme,
die Hälfte der Menschen in Deutschland ver- auch der Fernseher, einkalkuliert, da aber die
bringt zwangsläufig ein Drittel ihres Tages im wenigsten TV-Geräte über einem Ergometer
Sitzen (siehe Kapitel 8). Nach einem langen hängen und auch bei mobilen Endgeräten meist
Arbeitstag am Bildschirm sehnt sich der Körper nur der Bildschirm mobil ist, der Nutzer aber
eigentlich nach Bewegung – bevor er für die in der Regel davor sitzt, ist Medienkonsum
Nacht wieder für etwa acht Stunden in die meist mit Passivität verbunden.
Waagerechte geht. Der Bewegungsapparat
benötigt Ausgleich für das lange Stillsitzen, die Natürlich ist der Bildschirm an sich nicht gesund-
Augen eine Auszeit vom Bildschirm und die heitsschädigend. In vielen Bereichen erleichtert
Seele möchte sich entspannen. er das Leben und viele Alltagserledigungen wie
Bankgeschäfte und Einkaufen werden einfach
Und trotzdem sitzen viele auch den Feier- ins Netz verlegt. Die Studie zeigt jedoch, dass
abend aus. Über 40 Prozent der Befragten Bildschirmzeit auf Kosten des Aktivitätslevels
geben an, dass ihr Tag meist so anstrengend geht, denn die gewonnene Zeit wird oft wieder
ist, dass sie ihren Feierabend am liebsten auf im Sitzen verbracht.
dem Sofa verbringen. Und dort treffen sie oft
auf den nächsten Bildschirm.
Bewegungsfalle Bildschirm
Befragte nach Anzahl der Stunden, die sie in der Freizeit täglich vor TV, PC und Co.
verbringen
überhaupt nicht
8 Stunden und mehr weniger als eine Stunde
* 3
4 7 1 Stunde
9
5-7 Stunden 17
Ø 3,1 Stunden
25 2 Stunden
4 Stunden 7
20
3 Stunden
* 7 Prozent: weiß nicht/keine Angabe
Angaben in Prozent
Rundungsdifferenzen möglich
Beweg Dich, Deutschland! – TK-Bewegungsstudie 2016 | 21Männer mehr vor der Mattscheibe Die Schere ist seit der letzten Studie weiter aus-
einandergegangen. Bei den Männern hat sich
Fast ein Viertel der Befragten kommt auf eine der Konsum von ehemals 3,4 Stunden leicht
Bildschirmzeit von vier bis sieben Stunden, vier erhöht, Frauen haben von 3,1 Stunden Aus-
Prozent kommen sogar auf mindestens acht gangsniveau inzwischen etwas weniger auf der
Stunden. Uhr. Auffällig ist, dass der Medienkonsum im
Osten seit der letzten Umfrage deutlich zu-
Männer sitzen mit durchschnittlich 3,5 Stunden rückgegangen ist: von 3,6 Stunden in 2013 auf
täglich deutlich mehr vor PC, Konsole und Co. als 2,9 Stunden in 2016.
Frauen, die im Mittel auf 2,8 Stunden kommen.
Fernseher statt Fitness
Bildschirmzeit nach Sportlertyp
Stunden
4
3,9
3,5
Durchschnitt: 3,1 Stunden
3 3,2
2,5 2,8 2,8 2,8
2
1,5
Anti- Sport- Gelegenheits- Freizeit- Intensiv-
sportler muffel sportler sportler sportler
Mehr Mitbewohner, weniger Mattscheibe In jedem Fall scheint Familie ein Faktor zu sein,
der den Medienkonsum deutlich reduziert.
Die Ergebnisse zeigen zudem, dass der Medien- Während in den Singlehaushalten im Schnitt
konsum mit dem Sportpensum und mit der 3,6 Stunden und in Zwei-Personen-Haushalten
Gesundheit korreliert (siehe auch Kapitel 10). immerhin noch überdurchschnittlich 3,3 Stun-
Während die Antisportler angeben, durchschnitt- den täglich vor dem Bildschirm verbracht wer-
lich knapp vier Stunden am Tag vor dem Bild- den, kommen diejenigen, die mindestens zwei
schirm zu verbringen, sind es bei denen, die Mitbewohner haben, nur auf 2,5 Stunden.
wenigstens gelegentlich Sport treiben, nur
2,8 Stunden. Diejenigen, die ihre eigene Ge- Die Weltgesundheitsorganisation WHO emp-
sundheit als gut oder sehr gut bezeichnen, fiehlt mindestens 30 Minuten mäßige Bewe-
kommen im Mittel ebenfalls auf 2,8 Stunden, gung an fünf Tagen oder mindestens 20 Minuten
bei denen, die sich nicht gesund fühlen, schla- intensive Betätigung an drei Tagen die Woche.
gen 4,3 Stunden Bildschirmzeit zu Buche. Ob Mit einer geringfügigen Reduktion der persön-
der intensive Medienkonsum auf die Gesund- lichen Bildschirmzeit an einigen Tagen ließe
heit geht oder ob Menschen, die sich nicht sich der Aktivitätslevel also deutlich erhöhen.
gesund fühlen, deshalb mehr Zeit vor dem
Bildschirm verbringen, lässt sich mit den Daten
allerdings nicht beantworten.
22 | Beweg Dich, Deutschland! – TK-Bewegungsstudie 20165. Sport im Alltag
Die Treppe anstelle des Aufzugs nehmen, mit Soweit die Theorie. Die (deutsche) Wirklichkeit
dem Fahrrad zur Arbeit fahren oder beim Tele- sieht aber anders aus: 30 Prozent der Bundes-
fonieren auf und ab gehen – Bewegung im bürger treiben wenig Sport (Sportmuffel), davon
Alltag ist wichtig. Um seine Gesundheit opti- 18 Prozent sogar gar nicht (Antisportler). Nur
mal zu fördern, reicht das alleine jedoch nicht knapp 30 Prozent der Bevölkerung sind Gele-
aus. Denn ein wichtiger Bestandteil eines ge- genheitssportler, die entsprechend der WHO-
sunden Lebens ist Sport. Die WHO empfiehlt, Richtlinie trainieren.
2,5 Stunden moderates Training die Woche(6).
Fast jeder Zweite ist Sportmuffel oder Antisportler
Verteilung nach Sportlertyp
2016
Intensivsportler Antisportler
Freizeitsportler
7 * 18 kein Sport
14
selten Sport
30
29 1-3 Stunden pro Woche
3-5 Stunden pro Woche
mehr als 5 Stunden pro
Gelegenheitssportler Sportmuffel Woche und Wettkämpfe
2013
6 * 20
13
27 32
2007
6 * 20
16
24
34
* weiß nicht/keine Angabe
Angaben in Prozent
Die gute Nachricht: Auch wenn die Menschen 52 Prozent die Mehrheit. 2016 sind sie nur noch
in Deutschland noch weit davon entfernt sind, in Teilen der Republik – in Berlin, Brandenburg,
sich ausreichend zu bewegen, sind sie mittler- Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland in
weile aktiver als noch vor drei Jahren. Damals der Mehrheit. Im Norden gibt es ein Patt und im
stellten die Antisportler und Sportmuffel mit Süden und im Westen haben die Sportler die
Beweg Dich, Deutschland! – TK-Bewegungsstudie 2016 | 23Sie können auch lesen