Bildung in der digitalen Welt in der Realschule - Schule und Unterricht digitalisierungsbezogen weiterentwickeln - Ministerium ...

 
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SCHULLEITUNGEN    LEHRKRÄFTE

Bildung in der digitalen Welt in der Realschule
                     Schule und Unterricht
          digitalisierungsbezogen weiterentwickeln

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INHALTSVERZEICHNIS

        VORWORT                                                                                         3

        1. BILDUN G I N DER DI G I TALEN W ELT I N D E R R E A L S C H U L E                            4

        2. IMPULSE                                                                                      5

           2.1 Auf die Haltung kommt es an: Schule digitalisierungsbezogen innovieren                   5
           2.2 Überblick: Schule digitalisierungsbezogen innovieren                                     7
           2.3 Die Pandemie als Katalysator: Digitale Potenziale                                        7
           2.4 Lasst uns spielen!?                                                                     10
           2.5 Ansatzpunkte aus der Evaluation des Digitalisierungsprojekts der Realschule             10
           2.6 Impulse aus dem Fernlernen                                                              11

        3. GRUNDLEG EN DES                                                                             12

           3.1 Die Chancen digitaler Medien nutzen                                                     12
           3.2 Auf die Passung kommt es an                                                             12
           3.3 Das Prinzip der kleinen Schritte                                                        13
           3.4 Strukturen etablieren                                                                   13
           3.5 Über Inhalte sprechen: Das Modell digital_p3 nutzen                                     13

        4. KONKRETE AN SATZPU N KTE                                                                    15

           4.1 Schulspezifische Entwicklungs­aufträge                                                  15
           4.2 Eine Steuergruppe einsetzen                                                             15
           4.3 Austausch und Vernetzung                                                                16
           4.4 Ein bedarfsgerechtes Fortbildungskonzept entwickeln                                     16
           4.5 Selbstevaluation zur Qualitäts­sicherung nutzen                                         17
           4.6 Markt der Möglichkeiten                                                                 17

        5. BEISPI ELE G U TER PRAXI S: SCHW E R P U N K T- R E A L S C H U L- T R I O S /TA N D E MS   20

           5.1 Vernetztes Fortbildungsangebot: Schwerpunkt-Realschul-Trio Werkreal- und Realschule
        		       Gengenbach, Heinrich-Hansjakob-Bildungszentrum Haslach, Realschule Wolfach            20
           5.2 Aufbruch ins digitale Zeitalter: Ostertag-Realschule Leonberg                           21
           5.3 Digitalisierung als umfassende Aufgabe: Gustav-Mesmer-Realschule Münsingen              23
           5.4 Das iPad als zentrales Arbeitswerkzeug: Jerg-Ratgeb-Realschule Herrenberg               25
           5.5 Transformation zur digitalen Schule: Realschule am Goldberg Sindelfingen                27

        6. WEITE RFÜ HREN DE LI N KS                                                                   30

        IMPRESSU M                                                                                     31

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Sehr geehrte Schulleitungen,
                   sehr geehrte Lehrkräfte,
der digitale Wandel verändert unsere Gesellschaft in allen Berei-      der Schulgemeinschaft verankert werden können, welche Rolle
chen und ist gerade auch für unsere Schulen von großer Bedeutung.      multiprofessionelle Netzwerke dabei spielen oder wie Experten-
Zum einen erwerben Kinder und Jugendliche hier die Kompeten-           wissen und Best-Practice-Beispiele möglichst effektiv genutzt
zen, um sich aktiv in unsere immer stärker digital ge­prägte Lebens-   werden können.
und Arbeitswelt einbringen und diese mitgestalten zu können.
Zum anderen eröffnen digitale Medien im Schul­bereich viele            Die im Projekt gesammelten Erfahrungen können auch anderen
neue didaktische Möglichkeiten für den Unterricht und Chancen          Schulen wertvolle Orientierung bieten oder gar als Blaupause die-
für die Zusammenarbeit, die es zu nutzen gilt.                         nen. Deshalb freue ich mich sehr, dass die Ergebnisse des Projekts
                                                                       mit dieser Handreichung nun allen Schulen zur Verfügung gestellt
Es steht außer Frage, dass diese Aufgabe für alle Beteiligten eine     werden. In der Handreichung werden wissenschaftliche Grund­
große Herausforderung ist. Und deshalb ist es besonders wichtig,       lagen mit den Praxiserfahrungen aus dem Projekt verknüpft, sodass
dass wir unsere Kräfte möglichst bündeln und gemeinsam daran           sich sehr konkrete Ansatzpunkte für eine systematische Schul- und
arbeiten, dieses große Potenzial für unsere Schulen zu heben.          Unterrichtsentwicklung unter digitalen Aspekten ergeben.

Das im Schuljahr 2020/2021 gestartete Digitalisierungsprojekt der      Ich danke allen Beteiligten für das große Engagement und die
Realschule zeigt in beeindruckender Weise, was möglich ist, wenn       gute Arbeit, die hier geleistet wurde, und ich bin überzeugt, dass
sich unsere landeseigenen Expertinnen und Experten mit den             viele weitere Schulen davon profitieren werden. Allen Leserinnen
Schulen vernetzen und gemeinsam an guten Lösungen arbeiten.            und Lesern wünsche ich eine erkenntnisreiche Lektüre und allen
In dem Projekt wurden beispielsweise Erkenntnisse dazu gesam-          Schulen im Land weiterhin viel Erfolg auf ihrem Weg in die
melt, wie fach- und mediendidaktisch fundierte Konzepte gut in         digitale Zukunft.

                                                              Sandra Boser
                                                              Staatsekretärin
                                      Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg
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1. Bildung in der digitalen Welt
             in der Realschule
    Ziel ist es, „Bildung in der digitalen Welt“1 in der     Kernstücke der digitalisierungsbezogenen Schul- und
    Realschule nachhaltig und wissenschaftlich fundiert      Unterrichtsentwicklung an der Realschule sind
    voranzubringen und dabei die Schul- und Unterrichts-     • die Entwicklung eines schulspezifischen Auftrages
    entwicklung unter digitalen Aspekten in den Blick zu        auf Basis des Modells digital_p3 und den dazugehö-
    nehmen. Es stellt sich die Frage, wie Realschulen           rigen Hilfsfragen,
    systematisch bei ihrer Arbeit mit digitalen Medien       • Austausch und Vernetzung auf regionaler und lan-
    und dem vernetzten Lernen im digitalen Zeitalter            desweiter Ebene begleitet durch ein multiprofessio-
    begleitet und unterstützt werden können.                    nelles Team aus Regionalstelle (ZSL), Staatlichem
                                                                Schulamt und Medienzentrum,
    Um darauf Antworten zu finden, haben das Kultus­         • gezielte (Mikro-)Fortbildungen des ZSL sowie
    ministerium und das Zentrum für Schulqualität und           technische und medienpädagogische Basisschulun-
    Lehrerbildung (ZSL) unter Einbezug der Schulverwal-         gen des Landesmedienzentrums (LMZ) und
    tung und der Medienzentren regionale Schwerpunkt-        • eine fundierte wissenschaftliche Grundlage. Das
    Realschul-Trios implementiert. Begleitet wurde die          mit der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe
    Konzeptentwicklung von einer Steuergruppe, dem              entwickelte Modell digital_p3 sowie eine formativ
    Institut für Bildungsanalysen Baden-Württemberg             angelegte Evaluation durch das Institut für Bil-
    (IBBW), dem Landesmedienzentrum sowie dem Insti-            dungsanalysen Baden-Württemberg (IBBW) sichern
    tut für Informatik und digitale Bildung der Pädago­         die Qualität des Vorhabens.
    gische Hochschule Karlsruhe.

    Da jede Realschule unterschiedliche Voraussetzungen                    Weitere Informationen zum Konzept
                                                                           und zur Implementierung sind hier
    und Rahmenbedingungen hat, ist es notwendig, dass
                                                                           zu finden:
    jede Schule ihren eigenen Weg findet, aber gleichzei-                  www.km-bw.de/Realschuledigital
    tig von anderen Schulen und Expertinnen und Exper-
    ten lernt. Deshalb ist das Digitalisierungsprojekt so      Mit Hilfe dieser Handreichung werden Zusammen-
    angelegt, dass jede Realschule eigene Ziele definieren     hänge und Möglichkeiten aufgezeigt, wie digitalisie-
    und eigene Entwicklungsaufträge wissenschaftlich fun-      rungsbezogene Schul- und Unterrichtsentwicklung
    diert erarbeiten und evaluieren kann. Darüber hinaus       systematisch weiterentwickelt werden kann. Dabei
    gilt es, alle am Schulleben Beteiligte auf dem Weg der     werden gewinnbringende Mikro-Impulse aus den
    Digitalisierung mitzunehmen und Steuerungsinstru-          Fortbildungen des Projekts, theoretische Grund­
    mente geschickt einzusetzen.                               lagen, konkrete Ansatzpunkte sowie Praxiserfahrun-
                                                               gen der am Projekt beteiligten Realschulen allen
                                                               Schulen zugänglich gemacht.

    1 Die Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ der Kultusministerkonferenz (KMK) soll fest in der
    Schulart Realschule mit ihren Spezifika verankert werden.

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2. Impulse
2 .1 AUF D I E HALTU N G KO M M T ES AN :                  anderes bedeutet, als dass nicht jeder Trend oder
SCHUL E D I G I TALI SI ERU N G SBEZO G EN                 jedes Tool für jede Schule eins zu eins umgesetzt
INNOVIEREN                                                 werden muss.

Ein Interview mit Herrn Prof. Dr. Thomas Strasser,
                                                           In welchem Zusammenhang stehen für Sie Schul-
Pädagogische Hochschule Wien
                                                           entwicklung und Mindset?

Herr Prof. Dr. Strasser, schon vorab herzlichen            Schulentwicklung hat etwas mit Haltung zu tun. Es geht
Dank für das Interview. Was hat Sie dazu bewogen           um Personal-, Unterrichts- und Organisationsentwick-
das Digitalisierungsprojekt der Realschule zu un-          lung. Alles interdependente Ansätze. Gerich kons­tatiert
terstützen?                                                da ganz klar in einer seiner Publikationen, dass „Lehr-
                                                           personen überzeugt werden müssen und an die Hand
Generell bin ich ja immer gerne dabei, wenn Aspekte        genommen werden müssen“. Diese Potenziale, die Ko-
einer Bildung unter den Bedingungen der Digitalität        operation im Kollegium und die gemeinsame Gestal-
vor allem aus schulentwicklerischer Sicht berücksich-      tung von Lernprozessen, sollten aufgezeigt werden.
tigt werden. Bei diesem Projekt ist das der Fall, sogar
auf sehr authentische Art und Weise.                       Mindset, Haltung, das klingt alles so wuchtig, aber
                                                           schulpolitische Realität kann es auch sein, wenn man
Welche Gedanken haben Sie spontan zu „der“                 klein mit bestimmten Werkzeugen im Unterricht be-
Digitalisierung im Kontext von Schule?                     ginnt. Und wenn dann mal auch die skeptische Kolle-
                                                           gin oder der skeptische Kollege sieht, dass man mit
Für mich ist Digitalisierung im Kontext Schule vor         stark kollaborativen Tools wie „Padlet“ oder „Mind-
allem ein Thema der Schulentwicklung, das ein be­          Master“ schöne Wissensgenerierungsprozesse in allen
stimmtes Mindset, eine bestimmte Haltung, voraussetzt.     Fächern gestalten kann.

Wie sollte Schul- und Unterrichtsentwicklung im            Wie kann man aus Ihrer Sicht alle Lehrkräfte

digitalen Zeitalter aus Ihrer Sicht aussehen?              mitnehmen?

Aus der Forschung kann man mittlerweile einiges an         Dazu braucht es einen intensiven Diskurs im virtuel-
Erkenntnissen ziehen, wenn es darum geht, digitale         len und analogen Lehrerzimmer. Dabei geht es mir
Transformation und digitale Innovation an Schulen zu
implementieren. Das pädagogisches Kredo im Zeit-
alter der Digitalisierung sollte aus meiner Sicht koope-
rativ, situiert, kompetenzorientiert und ein gemischt-
vermischtes Blended-Learning sein.

Eine erfolgreiche Implementierung von schulischer
digitaler Innovation braucht vor allem eine „Passung
der Innovation“. Das heißt, die Innovation passt auf
die Bedürfnisse der Schule, was im Endeffekt nichts
                                                                                                                      5
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auch um Schulentwicklung als holistischen Prozess.          2. Linklisten und Tool-Tipps alleine reichen nicht
    Im Zuge dieses Prozesses sollte man die sogenannten           aus!
    „Bremser“ im System, in der Wissenschaft werden sie         3. Das digitale Werkzeug als „pädagogischen Hebel“
    „Laggards“ genannt, nicht ausschließen, sondern ab­           im Unterricht könnte man im wahrsten Sinne
    holen. Auch wenn das für die Schulleiterinnen und             des Wortes dennoch für einen kleinen „Tür­
    Schulleiter oftmals zu einer Art Herkulesaufgabe              öffner“ verwenden.
    mutiert. Konkret könnte man diese Kolleginnen und           4. Digitalisierung ist kein Trend mehr, es gilt das
    Kollegen mit der Politik der kleinteiligen Schritte           Ganze auch zu verstehen und zu didaktisieren.
    über das Mehrwert-Narrativ überzeugen.                      5. „Methoden statt Moden“. Das heißt, es geht um
                                                                  Methodentiefe, sinnvolles Üben, echte Lernzeit,
    Was würden Sie sagen, ist der kleinste gemein­                Adaptivität, kontinuierliche „Feedback-Perfor-
    same Nenner zwischen den digital Begeisterten                 mance“ in der Architektur einer digitalisierungs­
    und den Skeptikerinnen und Skeptikern?                        bezogenen Schulentwicklung mit Augenmaß.
                                                                6. „Innovieren statt stagnieren.“ Eine konzeptio-
    Das ist ganz klar der pädagogisch-didaktische Aspekt.         nelle, personalentwicklerische und curriculare
    Die Intention, dass sich die oder der Lehrende und da-        Investition der Schule in innovative Formate wie
    mit auch die oder der Lernende verbessert, sich weit­         zum Beispiel „Online-Feedback“, „Online-Fort-
    erent­wickelt, ist enorm wichtig. Hier haben die digital      bildungen“, „Coffee-Cup-Learning“2.
    Begeisterten und die digitalen Skeptikerinnen und
    Skeptiker eine Schnittmenge. Und wenn sich diese           Was würden Sie sagen, wenn Sie für das komplexe

    Schnittmenge durch den Einsatz smarter, digitaler, blen-   Thema der digitalisierungsbezogenen Schulent-

    ded, hybrider Unterrichtszenarien abseits hochkomple-      wicklung nur einen Satz hätten?

    xer, bunter Apps bewerkstelligen lässt, sind die Chan-
    cen recht gut, dass der Großteil des Kollegiums das ei-    Letztendlich geht es darum, möglichst viele Protago-
    gene, determinierte Mindset bzw. mentale Modell            nistinnen und Protagonisten in der Umwelt Schule –
    möglichweise neu denkt. Und wenn der Großteil des          und das sind eben die Schulleitungen, Lehrkräfte,
    Kollegiums dies zulässt, können im Sinne einer nach-       Schülerinnen und Schüler, Eltern, Schulrätinnen und
    haltigen Schulentwicklung digitale Medien im „Change-      Schulräte und auch die Schulträger – abzuholen und
    Management-Prozess“ eine wichtige Rolle spielen.           das am besten mit einem kollektiven Gespür für den
                                                               Standort, weniger mit „Tech-Zauberei“ und mehr mit
     Was können Sie den Realschulen für ihren digi-            Geduld und kleinteiligen Häppchen.
     talisierungsbezogenen Change-Management-

     Prozess mit auf den Weg geben?                            Vielen Dank.

     1. Superlative bringen der Schulentwicklung
       überhaupt nichts, auch wenn von allen Seiten                           Das Interview ist als Video und in seiner
                                                                              ganzen Länge hier abrufbar:
       der Druck kommt. Trotzdem lohnt es sich
                                                                              www.edubw.link/realschuledigital
       digitalisierungs­­bezogene Schulentwicklung anzu-
       gehen, aber mit einer kleinschrittigen Pädagogik
       und Didaktik.

    2 Coffee-Cup-Learning ist ein modular aufgebautes Mikro-Fortbildungsangebot. Das Fortbildungsangebot ist
    eng mit der Unterrichtspraxis verzahnt und umfasst zeitlich „das Trinken einer Tasse Kaffee.“

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Bildung in der digitalen Welt in der Realschule - Schule und Unterricht digitalisierungsbezogen weiterentwickeln - Ministerium ...
2 .2 ÜBERBLI CK: SCHU LE DI G I TALI SI ER U N G S B E Z O G E N I N N OV I E R E N

     In folgendem Schaubild sind die zentralen Inhalte des Interviews unter 2.1 visualisiert, in Bezug gesetzt und um
     wenige Punkte ergänzt.

                                          Schul- und Unterrichtsentwicklung
       Vorgaben und                            unter digitalen Aspekten
                                                                                              Bedürfnisse der Schule
    Rahmenbedingungen
                                      Personal-, Kooperations-, Unterrichts- und
                                             Organisationsentwicklung

                                      Bspw. durch: Steuergruppe, Entwicklungs-
                                        aufträge, Austausch und Vernetzung,
                                       bedarfsgerechtes Fortbildungskonzept,
                                                   Selbstevaluation
                                                                                                       Einbezug aller am
Bestandsaufnahme                                                                                     Schulleben Beteiligten
                               Passung der Innovation
                                                                          Mindset

    pädagogische Grundsätze                     Potenzial der Lehrkräfte                       digitale Werkzeuge
            anwenden                                    nutzen                               und innovative Formate
(kooperativ, kompetenzorientiert,             (Kooperationen bspw. mit                              etablieren
 adaptiv, schülerzentriert, eigen-                kollaborative Tools,                          (Online-Feedback,
   verantwortlich, konstruktiv,               Prinzip der kleinen Schritte,                  Coffee-Cup-Learning, …)
      Blended-Learning, ...)                     Mehrwert-Narrativ, …)

     Abbildung 1: Überblick – Schule digitalisierungsbezogen innovieren

     2 .3 DIE PAN DEM I E ALS KATALYSATO R:                     sehen kann, ist derzeit noch schwer abzuschätzen – im
     DIGITAL E POTEN ZI ALE                                     Folgenden sollen aber einige Gedankenanstöße eine
                                                                mögliche Lernnormalität entlang der Potenziale digita-
     Dr. Dagmar Schmidt                                         ler Gestaltungsmöglichkeiten skizzieren.
     Referatsleitung Fortbildungs- und Beratungssystem,
     Landesmedienzentrum Baden-Württemberg
                                                                Informationskompetenz
     Barbara Köpf                                               Informationskompetenz in Anbetracht einer Fülle an
     Medienpädagogin, Fortbildungs- und Beratungssys-
                                                                mit unterschiedlichsten Interessen kuratierten Infor-
     tem, Landesmedienzentrum Baden-Württemberg
                                                                mationsquellen ist zentral. Durch die Digitalisierung
                                                                intensivieren sich Herausforderungen des Jugendme-
     Dass es sich bei der Frage des Verbindens von Unter-       dienschutzes. Welche Informationen Jugendliche zu
     richt und digitalisierter Lebenswelt nicht um eine rein    Gesicht bekommen, wird gesteuert durch ihr eigenes
     methodische Frage innerhalb des individuellen päda-        Surfverhalten – in der Regel unbewusst. Für diese –
     gogischen Handlungsspielraums einzelner Lehrkräfte         und kommende – Herausforderungen, gilt es, Ver-
     handelt, hat ein Jahr Unterricht unter Pandemiebedin-      ständnis zu entwickeln, Reflexionsräume anzubieten
     gungen zeigen können. Wie eine neue Normalität aus-        und präventiv zu agieren.
                                                                                                                              7
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Voraussetzungen zu einer Flexibilisierung der Lernzei-
                                                               ten und eines gezielten Einsatzes asynchroner und
                                                               synchroner Lehr- und Lernphasen mit sich bringen.
                                                               Ein gängiges Anwendungsbeispiel ist das Szenario des
                                                               Flipped Classroom. Parallel bieten digitale Kollabora-
                                                               tions- und Materialstrukturen in einer Lernumgebung
                                                               ein deutlich breiteres Feld für das individuelle Unter-
                                                               stützen von Förderbedarfen.

    Die Notwendigkeit von Informationskompetenz er-            Feedback und formatives Prüfen
    schöpft sich aber nicht in präventiver medienpädagogi-     Regelmäßiges Feedback, (Selbst-)Einschätzungen zu
    scher Arbeit – sie ist Voraussetzung für digitale Teil-    Leistungen und formative Bewertungen von Lernpro-
    habe. Denn obwohl die Pandemie auch den digital di-        zessen sind weit oben unter den lernförderlichen
    vide3   hinsichtlich der Geräte- und Internetausstattung   Faktoren, die John Hattie in seiner vielbeachteten
    von Kindern und Jugendlichen wieder in den Blick           Metastudie ausgemacht hat.5 Eine Digitalisierung der
    gerückt hat, gingen vorherige Ansätze stärker davon        Feedbackkultur kann für Lehrkräfte auch in grundle-
    aus, dass auch soziale Ungleichheit sich insbesondere      genden Umsetzungsstufen entlastend und für Lernen-
    im Nutzungsverhalten abzeichnet: In der Nutzung di-        de gewinnbringend sein. Beispielsweise ermöglichen
    gitaler Angebote und Informationen für die eigene          durch die Lehrkraft hinterlegte Rückmeldungen zu
    kreative Arbeit und Weiterbildung verglichen zu einer      einfachen Übungsaufgaben eine Abstufung des Feed-
    primär konsumierenden     Haltung.4                        backs für Lernende je nach deren Leistungsstand.
                                                               Parallel kann die Lehrkraft sich einen schnellen Über-
    Individualisierung und Selbstbestimmung des                blick über die Gesamtleistungen der Klasse verschaf-
    Lernens                                                    fen, um individuell unterstützen und fördern zu kön-
    Die Möglichkeit einer leichten Individualisierung und      nen. Für die Lernenden bedeuten sie unmittelbare
    zeit- wie ortsbezogenen Flexibilisierung des Lernens       Rückmeldung bei einer beliebigen Anzahl an Übungs-
    ist eine der großen Vorteile digitaler Lernkonzepte.       wiederholungen und völliger Flexibilität in der Lern-
    Voraussetzung für eine solche Nutzung ist aber einer-      zeiteinteilung. Gerade in diesen Feedbacks steckt
    seits eine ausreichende Rahmung und Hilfestellung          weiteres Potential, insbesondere durch die Analyse
    durch die Lehrkraft, andererseits aber auch das Vor-       von Fehlermustern und das Zuschneiden entsprechen-
    handensein angemessener Selbstregulationsstrategien        der Aufgaben durch eine Software.
    auf Seiten der Lernenden.
                                                               Auch auf Werkzeugebene ist einiges möglich: Kolla­
    Sind diese Voraussetzungen geschaffen, können schon        borative Textbearbeitung ermöglicht die gemeinsame
    einfachste Lösungen wie ein Lernmanagementsystem           Arbeit von Lehrkraft und Lernenden an einem Pro-

    3 Mit dem Begriff „digital divide“ werden die unterschiedlichen Zugangsmöglichkeiten und Ausstattungen im
    Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien zusammengefasst.

    4 Vgl. Horst Niesyto, Die soziale Frage in Medienforschung und Medienpädagogik, in: Soziale Ungleichheit,
    Medienpädagogik, Partizipation. Dokumentation des Fachkongresses 17./18.10.2008, Gustav-Stresemann-Institut,
    Bonn, S. 6–24; hier S. 12ff.. Online unter https://m.bpb.de/system/files/pdf/JA2PV9.pdf (Zugriff 23.06.2021)

    5 Für eine 2018 aktualisierte Sichtung der Faktoren, vgl. Universität Augsburg / Fachhochschule Nordwest-
    schweiz: www.lernensichtbarmachen.ch. Faktorenlistung unter https://www.lernensichtbarmachen.ch/wp-con-
    tent/uploads/2018/11/Faktorenliste_Mai-2018.pdf (Zugriff 23.06.2021).
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dukt, Audio- und Videofeedback zu Lernprodukten              Digitale Wahrnehmungs- und Ausdrucksmöglichkei-
eine persönlichere und zeitsparende Ansprache von            ten erweitern nicht nur die Arten der Begegnung
Lernenden hinsichtlich ihrer Lernprodukte.                   zwischen Lernenden und Lerngegenstand, sie ermög-
                                                             lichen Lehrenden auch die Ausgestaltung von Unter-
Kreativität und Motivation                                   richtsszenarien, die auf kreativen, technikgestützten
Motivationalen Effekten der Arbeit mit digitalen             Auseinandersetzungen mit Aufgaben bestehen, da die
Me­dien werden häufig schnelle Abnutzungserschei-            technischen Voraussetzungen beispielsweise für Bild-,
nungen unterstellt. Dabei ist jedoch nicht zu vernach-       Audio- und Videobearbeitung, aber auch für einfache
lässigen, dass ein Unterricht in Rückgriff auf die breite,   Programmieraufgaben, weitgehend als gegeben be-
sich ständig erweiternde Palette digitaler Interak­tions-,   trachtet werden können und mit wenig technischen
Kollaborations-, Lern- und Arbeitsmöglichkeiten ein          Hürden verbunden sind.
erheblich erhöhtes Anregungsspektrum im Vergleich
zum „analogen“ Unterricht bietet. Hierzu zählen
authentische Sprachanlässe und Möglichkeiten der                          Ausführliche Version: Digitale Potenziale
                                                                          www.edubw.link/realschuledigital
visuellen und auditiven Gestaltung, aber auch noch
wenig verbreitete Ansätze wie Game-based Learning
oder VR/AR/XR-Technologien, die teils völlig neue
Begegnungen mit Unterrichtsinhalten ermöglichen.

                                                                                                                      9
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und gestalterischen Prozess statt, an dessen Ende ein
                                                                Lernprodukt stehen kann, das wiederum von anderen
                                                                Lernenden genutzt werden kann. So entsteht ein
                                                                vielschichtiges Netzwerk zwischen Prosumenten
                                                                (Pro[duzenten und Kon]sumenten), die gerne lernen
                                                                und Fähigkeiten erwerben, die sie als mündige Bürge-
                                                                rinnen und Bürger auszeichnen und die ihnen bei der
     2.4 LASST U N S SPI ELEN ! ?                               aktiven Mitgestaltung unser aller Zukunft helfen.

     Stephanie Wössner
     Teamleitung Innovation
     Landesmedienzentrum Baden-Württemberg                                      Ausführlichere Version: Lasst uns spielen!?
                                                                                www.edubw.link/realschuledigital

     Da digitale Spiele ein nicht zu vernachlässigender
     Bestandteil der jugendlichen Lebenswelt ausmachen
                                                                                Weiteres Material: https://www.lmz-bw.
     und zudem diese digitalen Spielewelten über ein                            de/medien-und-bil­d ung/medienwissen/
     großes, darstellendes und gestalterisches Potenzial ver-                   game-based-lear­n ing/

     fügen, liegt es im 21. Jahrhundert nahe, dass man
     Videospiele verwendet, um das Lernen zu begünstigen.       2 . 5 A N S AT Z P U N K T E AU S D E R E VA L UAT I O N

     Zumal auch die Politik längst verstanden hat, dass Spie-   D E S D I G I TA L I S I E R U N G S P RO J E K T S D E R

     le Kulturgut, Innovationsmotor und Teil des lebenslan-     REALSCHULE

     gen Lernens sind, wie Angela Merkel bei der Eröffnung
                                                                Kerstin Norwig
     der Gamescom 2017 treffend bemerkte. Ein Rückgriff
                                                                Systementwicklung, Institut für Bildungsanalysen
     auf Lernspiele, oft auch zu Unrecht „Serious Games“        Baden-Württemberg (IBBW)
     genannt, ist hier allerdings keine Lösung, da sie auf-
     grund ihres in der Regel starken Fokus auf Faktenwis-      Die begleitende Evaluation ist ein wichtiger Baustein
     sen nicht kompetenzorientiert sind.                        innerhalb des Projekts. Die Befragung von Schullei-
                                                                tungen und Lehrkräften zum Start des Vorhabens hat
     Wie zurzeit verfügbare digitale Spiele nun konkret         den Projektverantwortlichen Auskunft über die Erwar-
     zum Lernen eingesetzt werden können, kann ganz un-         tungen der Schwerpunkt-Realschul-Trios/-Tandems ge-
     terschiedlich aussehen: Spiele können Impulsgeber für      geben und die getroffenen Schwerpunktsetzungen –
     die weitere projektorientierte Beschäftigung mit einem     Impulse zur digitalen Weiterentwicklung durch Aus-
     Thema sein oder als Analyseobjekt verwendet werden.        tausch und Fortbildung – als sehr wünschenswert
     Noch viel mehr können sie jedoch im Rahmen von             bestätigt. Auch konnte im Rahmen dieser ersten Be-
     kreativ-gestalterischen Projekten als dreidimensionale     fragung ein differenziertes Bild der digitalisierungsbe-
     Leinwand verstanden werden oder mit Bezug auf be-          zogenen Ausgangslage der Starterschulen gezeichnet
     stimmte fachliche Inhalte von Lernenden selbst pro-        werden. Demnach sind die Einstellungen der Befrag-
     grammiert werden.                                          ten zum Einsatz digitaler Medien überwiegend positiv
                                                                und mittlerweile gängige digitale Anwendungen wer-
     Was all die bisher verfügbaren Ausformungen von            den vielfach von den Lehrkräften in der alltäglichen
     Game-based Learning gemein haben: Das Spiel und            Arbeit eingesetzt. Größere Entwicklungspotenziale be-
     der mit dem Spielen verbundene Kompetenzerwerb             standen zu Projektbeginn noch bezogen auf die An-
     steht im Vordergrund, nicht die Lerninhalte oder Fak-      wendungen und Aktivitäten, die erst in jüngerer Zeit
     tenwissen. Das Lernen findet im kognitiven, sozialen       umfassender für den Unterricht erschlossen wurden.
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Erfahrungen aus dem Projektverlauf wurden in einer
zweiten Befragung aufgenommen. Hier deutet sich an,
dass die Maßnahmen der einzelnen Schulen vorwie-
gend erfolgreich umgesetzt werden konnten und der
Austausch im Trio/Tandem als sehr positiv wahrge-
nommen wurde. Die in der Projektkonzeption ange-
legte bedarfsspezifische Begleitung und Beratung
scheint zudem passend, den unterschiedlichen und            Durch die Etablierung von Lernplattformen wie
zeitlich variierenden Unterstützungsbedarfen der ein-       Moodle kann die gesamte Unterrichtsorganisation ge-
zelnen Schulen gerecht zu werden. Dementsprechend           meinsam gestaltet und überblickt werden. Lehrkräfte
gelang es aus Sicht der Schulen bereits in diesen ers-      können geeignete Erklärfilme einstellen, interaktive
ten Monaten, die digitale Entwicklung der beteiligten       Arbeitsblätter erstellen und Lösungshilfen oder
Schulen merkbar voranzubringen.                             Lösungen mit einem QR-Code anbieten. Sie erhalten
                                                            je nach Tool Informationen darüber, welche Aufgaben
                                                            wie und wann bearbeitet wurden. Damit hat die Lehr-
              Mehr zur Selbstevaluation und zu dazu         kraft nicht nur Einblick in die Arbeitsergebnisse, son-
              entwickelten Fragebogenbausteinen unter
                                                            dern auch in den Arbeitsprozess. Das „Wie lernt die
              Kapitel 4.5 und unter
              www.edubw.link/realschuledigital              Schülerin oder der Schüler?“ tritt in den Vordergrund
                                                            und kann in Beratungen so eine größere Rolle spielen.
                                                            Alle Beteiligten, die sich flexibel auf die veränderte
2 .6 IMPULSE AU S DEM FERN LERN EN                          Unterrichtssituation einstellen konnten, erleben sich
                                                            autonom, Schülerinnen und Schüler werden zuneh-
Ein Erfahrungsbericht von Katharina Steffen                 mend selbständiger und entwickeln zunehmend ein
Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung,
                                                            hohes Maß an Problemlösefähigkeit.
Regionalstelle Tübingen

Mit Sicherheit hatte die Pandemie hinsichtlich der          Der zunächst digitalisierte analoge Unterricht – die
Di­gitalisierung so etwas wie eine Schubwirkung. Ver-       Lehrkraft besprach eine Präsentation – konnte mit
einzelte Exotinnen und Exoten, die bereits Tablets im       Hilfe digitaler Tools nach und nach kognitiv anregen-
Unterricht eingesetzt oder vom Flipped-Classroom-           der gestaltet werden und die Schülerinnen und Schü-
Prinzip überzeugt waren, konnten sehr schnell ihren         ler konnten intensiver in das Unterrichtsgeschehen
Unterricht vollends in digitale Bahnen lenken und           miteinbezogen werden. Verschiedene kollaborative
Kolleginnen und Kollegen mitnehmen. Der analogen            Tools wie beispielsweise das padlet, wurden als Unter-
Bereitstellung von Materialien während des ersten Lock­     stützung in einem schülerzentrierten Fernunterricht
downs wich mit der Zeit die Materialvergabe über            wahrgenommen. Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler
E-Mails, zunehmend mit der Erkenntnis, dass das logis-      und deren Eltern lernten täglich dazu – und das ge-
tische Problem damit überhandnahm und die Etablie-          meinsame Lernen hatte eine neue Dimension erhal-
rung von Lernplattformen notwendig wurde. Konnten           ten. Es bietet allen Beteiligten einen veränderten
sich vor wenigen Jahren die meisten Kollegien noch gar      Blick auf Schule, Unterricht und die Lernenden selbst.
nicht vorstellen, was eine digitale Lernplattform leisten   Dass man auch in der Ferne kollaborativ arbeiten
sollte, so hat man doch jetzt eine konkretere Vorstel-      kann, ist ebenfalls ein neuer Erkenntnisgewinn bei
lung gewinnen können.                                       allen Beteiligten.

                                                                                                                      11
3. Grundlegendes
     3.1 DIE CH AN CEN DI G I TALER M EDI EN                    Lernprozesses, beispielsweise um feststellen zu können,
     NUTZEN                                                     ob das spezielle Erklär-Video oder das Game-based
                                                                Learning gewinnbringend war, ist im Kontext von Digi-
     Immer stärker erfasst die Digitalisierung alle Lebens-     talisierung jenseits von fachlichen Aspekten essentiell.
     bereiche unserer Gesellschaft. Nicht nur in diesem
     Zusammenhang ist es eine Aufgabe der Realschulen
     die Chancen digitaler Medien für Lehr- und Lern-           3 . 2 AU F D I E PAS S U N G KO MMT E S A N

     prozesse zu nutzen       und für Schülerinnen und Schü-
     ler Möglichkeiten des Kompetenzerwerbs zu schaffen.        Unterricht ist ein multifaktorielles Geschehen, bei
     Ziel ist es, dass Schülerinnen und Schüler im Sinne        dem es besonders auf Passungen ankommt. Es gilt
     einer umfassenden Medienbildung an der Gesellschaft        deshalb Passungen zwischen den Lernvorausset-

     partizipieren und diese mitgestalten können.               zungen von Schülerinnen und Schülern, zwischen

                                                                den Eigenschaften, die das spezifische Medium hat

     Dazu gehört auch, dass Schülerinnen und Schüler ihre       und den didaktischen Anforderungen herzustellen.

     eigenen Ressourcen im Sinne des selbstgesteuerten          Erst die Passungen schaffen in fachlicher oder über-
     Lernens   stärken6,   um digitale Medien für sich selbst   fachlicher Hinsicht die erhofften, sogenannten Mehr-
     gewinnbringend zu nutzen. Die Anwendung meta­              werte. Dabei kommt der – möglichst kognitiv aktivie-
     kognitiver Strategien      zur Überwachung des eigenen     renden – Aufgabenstellung eine Schlüsselrolle zu.

     6 Vgl. im Folgenden: Vortrag Prof. Dr. Herzig (30.11.2020) im Rahmen des Kick-offs der ersten Tranche der
     Schwerpunkt-Realschul-Trios

12
3 .3 DAS P RI N ZI P DER KLEI N EN SCHRI TT E             • der Schulträger (mit dem Medienentwicklungsplan)
                                                            stetig eingebunden wird.
Eine einfache aber effektive Möglichkeit im Rahmen        • eine kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit statt­
des jeweiligen Schulentwicklungsprozesses ist es, klei-     findet.
ne Schritte zu gehen   und was sich bewährt hat zu
reflektieren, zu systematisieren und zu verankern. Das
schließt ein, nicht unbedingt am Anfang zu wissen,        3 . 5 Ü B E R I N H A LT E S P R E C H E N : DAS MO D E L L

was erfolgreich oder wirksam ist.                         D I G I TA L _ P 3 N U T Z E N

Besonders gewinnbringend ist es, wenn Schulen sich        Um mit der gesamten Schulgemeinschaft, insbesondere
gemeinsam auf den Weg machen, um zusammen                 mit dem Kollegium, über digitalisierungsbezogene
Dinge zu entwickeln und zu erproben. Dann heißt es        Schul- und Unterrichtsentwicklung zu sprechen,
zielorientiert ein passendes Konzept zu entwickeln,       braucht es eine Kommunikationsgrundlage, die inte­
Erfahrungen zu sammeln, sich auszutauschen und ge-        grativ und auf wissenschaftlicher Grundlage die the-
gebenenfalls auch nachzusteuern.                          matischen Zusammenhänge aufzeigt. Speziell für die
                                                          Realschule wurde deshalb das Modell digital_p3 mit
                                                          seinen Hilfsfragen entwickelt, dem ein interdisziplinä-
3 .4 STRUKTU REN ETABLI EREN                              res Verständnis verschiedener Perspektiven zu Grunde
                                                          liegt. Auf Basis des Modells können die erforderlichen
Um digitalisierungsbezogene Schul- und Unterrichts-       Handlungskompetenzen der Lehrkräfte aus den unter-
entwicklung gestalten zu können, ist es hilfreich wenn    schiedlichen, aber verknüpften Perspektiven weiter-
• diese in der Schulgemeinschaft mit den dazugehöri-      entwickelt und vertieft werden.
  gen Gremien zum Thema gemacht sowie stetig
  gemeinsam diskutiert und reflektiert wird.              Die drei integrativen Perspektiven sind:
• eine Steuergruppe etabliert wird, die sich über die
  Thematik einen Überblick in Form einer Bestand-         1. Umgang mit digitalen Medien
  aufnahme verschafft (Was funktioniert? Welche             (Ebene der Mediendidaktik)
  Stolpersteine gibt es? Welche Visionen passen zu        2. Digitale Medien im Fachkontext
  dieser Schule mit ihren spezifischen Rahmenbedin-         (Ebene der Fachdidaktik)
  gungen?).                                               3. Entwicklung digitaler Kompetenz
• auf Basis des Modells digital_p3, den dazugehörigen       (Grundlage: KMK-Strategie)
  Hilfsfragen sowie der Bestandsaufnahme Leitfragen
  formuliert werden. Darauf aufbauend sollten Ziele       Auf Grundlage von digital_p3 und den dafür ent­
  und Meilen­steine definiert, Kriterien der Zielerrei-   wickelten Hilfsfragen können Zusammenhänge auf­
  chung festlegt und in die interne Evaluation einbe-     gezeigt, ein gemeinsames Wording entwickelt und
  zogen werden.                                           passgenau Ziele formuliert werden.
• spezifische Fortbildungen (schulinterne oder schul-
  übergreifende Fortbildungen) geplant werden.            Das Institut für Bildungsanalysen Baden-Württemberg
• ein Netzwerk zu anderen (Real-)Schulen, aber auch       (IBBW) hat digital_p3 formativ evaluiert. Die Ergeb-
  zu Kooperationspartnern (Medienzentren, Regional-       nisse zeigen, dass digital_p3 den Schulleitungen einen
  stelle (ZSL), Wirtschaft) etabliert wird.               Erkenntnisgewinn ermöglicht und sie bei der Einord-
                                                          nung ihrer digitalen Aktivitäten unterstützt.

                                                                                                                        13
digital_p3
                                  SCHULE UND UNTERRICHT IN DER REALSCHULE
                                 UNTER DIGITALEN ASPEKTEN WEITERENTWICKELN

                        Lernen mit und über
                        digitale Medien                                                              Öffnung des Unterrichts
                                                                        Professio-
                        Mediengestaltung,                                                            kognitive Aktivierung,
                                                                       nalisierung,
                        Medienproduktion,                                                            schülerzentrierter Unterricht,
                                                                         Konzept-
                        Medienwissen                                                                 Unterstützungssysteme
                                                                       entwicklung,
                        Grundfertigkeiten                                                            projekt- und problemorientiertes,
                                                                       Vernetzung,
                        einüben, Visualisierung                                                      forschendes und entdeckendes
                                                                        Austausch
                        von Sachverhalten                                                            Lernen, konstruktives Feedback

                           ID   AKTIK                                                                                    AKTIK
                                                                                                                    ID
                    E   ND                                                                                      D

                                                                                                           CH
                                                                               DI
               DI

                                                                                GI

                                                                                                          FA
                         Häufigkeit und                                                                            Individuelles
                                                                   EN
              ME

                                                                                 TA
                        Variationsbreite                                                                             und kolla-
                                                                   DI

                          der Nutzung                                                                            boratives Lernen
                                                                                      LE
                                                                  ME

                        digitaler Medien                                                                           mit digitalen
                                                                                       M
                                                              N

                            erhöhen                                                                               Medien fördern
                                                                                       ED
                                                             LE
                                                            ITA

                                                                                           IE

                                                                     „Bildung
                                                                                           N

     Interaktivität
                                                        IG

                                                                  in der digitalen
                                                                                            IM

     und Adaptivität
                                                       TD

                                                              Welt“ in der Realschule
     Partizipation, Rezeption                                                                                               Leistungsbewertung
                                                                                                FA
                                                       MI

     Flipped Classroom,                                        HANDLUNGS-                                                   summativ/formativ
                                                                                                 CH
                                                  NG

     Game-based Learning,                                                                                                   computerbasierte
                                                               KOMPETENZ-
                                                                                                     KO

     (interaktive) Lernvideos
                                                  GA

                                                                                                                            Quizze und Tests
                                                              ENTWICKLUNG
                                                                                                      NT
                                             UM

                                                             DER LEHRKRÄFTE
                                                                                                          EX
                                                                                                           T

                                                            D IGITA LE KOM PETENZ

                                        IT-Kompetenz                 Konzepte                   Medienkompetenz
                                        Anwendung                  abstrahieren,                Kommunikation
                                        digitaler                    Probleme                   und Handlung
                                        Werkzeuge                  systematisch
                                                                    und präzise
                                                                    formulieren
                                                                                                       Informationskompetenz
                                                                                       IE

                                                                  KM                  EG
                                                                                                       zielgerichteter,
                                                                       K - S T R AT                    verantwortlicher Umgang

Abbildung 2: digital_p3 (Standl/Emmerling, 2022) 7

                                                                                                          Mehr zu digital_p3 und den Hilfsfragen
                                                                                                          unter www.edubw.link/realschuledigital
7 Standl, Bernhard, Pädagogische Hochschule Karlsruhe / Kultusministerium
Baden-Württemberg, Referat 34: Realschulen; Emmerling, Nadine (2022):
digital_p3. Integrative Handlungskompetenz­entwicklung von Lehrkräften in
der digital vernetzten Welt unter Berücksichtigung von 3 Perspektiven (auf
der Grundlage der Evaluation des IBBW grafisch weiterentwickeltes Modell)

14
4. Konkrete Ansatzpunkte
4 .1 SCHULSPEZI FI SCHE EN TW I CKLU NG S ­               4 . 2 E I N E ST E U E RG R U P P E E I N S E T Z E N

AUF TRÄGE

                                                          Nachhaltige Schulentwicklungsprozesse brauchen
Um die Schul- und Unterrichtsentwicklung voranzu-         klare Visionen und Ziele, sind langfristig angelegt und
bringen, braucht es konkrete Ziele, die zu den bil-       sind darauf angewiesen, dass sie zu einem echten An-
dungspolitischen Vorgaben, den Rahmenbedingungen          liegen der Mehrheit des Kollegiums werden. Die Be-
und den Bedürfnissen der am Schulleben Beteiligten        teiligung von Lehrkräften an der Schulentwicklung

passen. Die Beteiligten bringen ihre eigenen Vorstel-     trägt entscheidend zu einer höheren Akzeptanz

lungen in den Schulentwicklungsprozess ein. Deshalb       und Motivation bei und somit auch zur schulischen

wird das Sprechen über für die Schule passende Ziele      Qualitätsverbesserung.        „Wo Steuergruppen einge-
zu einem Instrument der Verständigung darüber, wie        richtet wurden, hatten Schulentwicklungsprozesse
Schule sein sollte. Die so gemeinsam entwickelten         bessere Chancen, im Kollegium dauerhaft verankert
Ziele entsprechen einem zukünftigen Zustand, den es       zu sein, zu sichtbaren Ergebnissen zu führen und sich
mit schulspezifischen Entwicklungsaufträgen zu errei-     auf das Ganze der Schule zu beziehen.“ 8
chen gilt. Beides – Ziele und Entwicklungsaufträge
– sollten bestenfalls mit allen am Schulleben Betei-      Steuergruppen haben die Aufgabe den Schulentwick-
ligten kontinuierlich diskutiert sowie evaluiert wer-     lungsprozess in Rückkopplung mit der Schulleitung
den.   Als Kommunikationsgrundlage für die digitalisie-   bzw. dem Schulleitungsteam und dem Kollegium zu
rungsbezogene Zielfindung und Formulierung von            organisieren und zu moderieren. Dazu gehört eine
Entwicklungsaufträgen ist das gemeinsam mit der Päd-      Bestandaufnahme, stetige Information aller Beteilig-
agogischen Hochschule Karlsruhe entwickelte Modell        ten, Empfehlungen von Maßnahmen, Reflexion und
digital_p3 mit den Hilfsfragen eine qualitativ hochwer­   Feedback sowie die Erhebung und Koordinierung
tige Unterstützung.                                       des Qualifizierungsbedarfs. Damit die Steuergruppe
                                                          akzeptiert wird, ist es unverzichtbar in der Gesamtleh-
                                                          rerkonferenz die Zusammensetzung, den Zuständig-
                                                          keitsbereich, die Entscheidungskompetenz und die
                                                          Rück­kopplung ins Kollegium zu diskutieren und fest-
                                                          zulegen.

8 Rolff, Hans-Günther (2001): Schulentwicklung konkret: Steuergruppe – Bestandsaufnahme – Evaluation.
Kallmeyer, Velber, S. 12

                                                                                                                    15
4.3 AUSTAU SCH U N D VERN ETZU N G                        didaktischen Ansätzen oder gemeinsamen Fortbildun-
                                                               gen gehen kann. Jede dieser Kooperationsformen
     Dass sich Schulen mit Kolleginnen und Kollegen an         kann zielführend sein und Synergieeffekte auslösen
     anderen Schulen vernetzen und kooperieren, ist im         oder krea­tive Problemlösungen befördern.
     Grundsatz kein neuer Gedanke. Dennoch kommt der
     Lehrkräftekooperation bei der Professionalisierung der    4 . 4 E I N B E DA R F S G E R E C H T E S F O RT B I L-

     Lehrkräfte ein großes Gewicht zu. Der gegenseitige        D U N G S KO N Z E P T E N TW I C K E L N

     Erfahrungsaustausch von Lehrkräften verschiede-

     ner Schulen trägt zur Professionalisierung der            Gesellschaftliche – und damit auch schulische –
     Lehrkräfte und der Weiterentwicklung ihrer Schu-          An­forderungen verändern sich ständig. Um diesen
     len bei.   „Begeben sich Schulen bewusst in Netzwerk-     Veränderungen im Lehrberuf gerecht zu werden, sind
     verbünde mit anderen Schulen oder anderen gesell-         Fortbildungen ein unverzichtbares Mittel, damit

     schaftlichen Gruppierungen, so tun sie dies mit dem       neue Aufgabengebiete professionell bewältigt

     festen Ziel einer Erneuerung ihrer inneren schulischen    werden können.

     Struktur, mit dem Fokus auf eine bewusste Innova-
     tion.“ 9                                                  Daher stellt das Zentrum für Schulqualität und Leh-
                                                               rerbildung (ZSL) allen Schulen und Lehrkräften ein
     Die Art der Zusammenarbeit, wie sie beispielsweise        breites Fortbildungs- und Unterstützungsangebot zur
     im Projekt der Schwerpunkt-Realschul-Trios angelegt       Verfügung. Hierbei gibt es Angebote der Außenstellen
     ist, kann sehr vielfältige Formen annehmen, die vom       (meist mehrtägige Fortbildungen) und der Regional-
     Informationsaustausch über den Erfahrungsaustausch        stellen. Diese Angebote werden durch schulnahe und
     bis hin zur gemeinsamen Entwicklung von Unterrichts­      schulinterne Veranstaltungen sowie Abrufangebote
     materialien und der gemeinsamen Erprobung von             ergänzt. Des Weiteren werden Online-Seminare zu

     9 Hiebl, Petra; Seitz, Stefan (Hrsg.) (2014): Wegweiser Schulleitung. Cornelsen, Berlin, S. 163

16
aktuellen Themen der Digitalisierung angeboten.
Hier bieten Fachberaterinnen und Fachberater Unter-                     Fragebogen zur Selbstevaluation „Digi-
                                                                        tale Medien in Schule und Unterricht“
richtsentwicklung die Einführung und Besprechung
                                                                        www.edubw.link/realschuledigital
praktischer Beispiele zur Umsetzung von Methodik
und Didaktik an.

Ganz unbeantwortet und neu ist dahingegen die Fra-       4 . 6 MA R K T D E R MÖ G L I C H K E I T E N

ge, wie die digitalen Möglichkeiten der Fortbildung
auf der Ebene der einzelnen Schulen genutzt werden       Gemeinsam mit der Pädagogischen Hochschule Karls-
können. Auch hier zeichnet sich als Antwort die hohe     ruhe wurde das Modell digital_p3 entwickelt. Hilfs­
Bedeutung schulinterner Vernetzung ab: der informel-     fragen zu den drei Perspektiven von digital_p3 unter-
le Austausch. Von Kolleginnen und Kollegen auf           stützen die Schulen in ihrer Schul- und Unterrichts-
neue, das eigene professionelle Wissen bereichernde      entwicklung.
(digitale) Lernangebote hingewiesen zu werden, wird
mit größerer Offenheit aufgenommen als ein zentral
beworbenes Fortbildungsangebot. Ein anderes schul-                      Modell und Hilfsfragen
                                                                        www.edubw.link/realschuledigital
internes Fortbildungsmittel ist das Barcamp. Dieses
eignet sich ausgezeichnet, um schulinterne Expertise
sichtbar zu machen und sich dazu thematisch zu ver-
netzen. Das Land wird in den kommenden Jahren das        Analog zu den in digital_p3 vorgestellten drei Perspek-
Angebot von schulübergreifenden Barcamps stark aus-      tiven und dem Ziel der Professionalisierung der Schul-
bauen.                                                   gemeinschaft ist im Folgenden ein Markt der Möglich-
                                                         keiten dargestellt.

4 .5 SELBSTEVALUATI O N ZU R Q UALI TÄT S ­

SICHERUN G N U TZEN

Um die Qualität und die Wirkung selbst gesetzter
Ziele und die Maßnahmen der Zielerreichung zu re-
flektieren und zu überprüfen, braucht es Systeme der
Qualitätssicherung.   Neben der Fremdevaluation ist
auch die Selbstevaluation ein solches System, in wel-
chem ausgehend von bestimmten Untersuchungsas-
pekten passgenaue Verbesserungsmaßnahmen abgelei-
tet werden können.

Für die Selbstevaluation der digitalisierungsbezogenen
Schul- und Unterrichtsentwicklung können die vom
Institut für Bildungsanalysen Baden-Württemberg
(IBBW) entwickelten Fragebogenbausteine unter
folgendem Link/QR-Code genutzt werden.

                                                                                                                   17
M A R KT DER MÖGLICHKEI TEN

 Perspektive           Dimension        Weiterentwicklung und Konkretisierung digitaler Aspekte                          Verweis auf
 (Seiten im Drei-                                                                                                        konkretes
 eck von digital_p3)                                                                                                     Schulbeispiel
 Umgang mit                             Weiterentwicklung/Vertiefung dieser Perspektive: Häufigkeit und Varia-
 digitalen Medien                       tionsbreite der Nutzung digitaler Medien sollte erhöht werden.
 (Mediendidaktik)
                                        Die Möglichkeit Informationen, Daten, Wissen, Ideen und Werkzeuge‚ zeit-
                                        und ortsunabhängig abzurufen, neu zu kombinieren und darüber kom-
                                        munizieren zu können – also das zeit- und ortsunabhängige Lehren und
                                        Lernen – ist ein zentraler Aspekt, der vertieft werden kann.
                       Interaktivität   Partizipation: Materialien werden (auch weiterhin) über eine Lernplattform       5.2
                       und              (Moodle, itslearning, evtl. als digitales Klassenzimmer usw.) zur Verfügung
                       Adaptivität      gestellt. Schülerinnen und Schüler nutzen digitale Medien kollaborativ           5.3
                                        (z. B. ZUMpad: gemeinsam an Textdokumenten arbeiten, EtherCalc: gemein-
                                        sam an Tabellen arbeiten, Cryptpad: mit verschiedenen Programmen gemein-         5.4
                                        sam arbeiten, WBO/Draw.chat: Ideen gemeinsam am Whiteboard entwickeln).
                                                                                                                         5.5
                                        Kommunikation und Räume: synchron und asynchron nutzen (z. B. Lern-
                                        plattformen, Messenger), flexible Gestaltung von Lernorten und -zeiten (Aus-
                                        bau des Lernumgebungsdesigns, virtuelle Lehr-Lernumgebungen)

                                        Rezeption: Eigenverantwortlicher Einsatz digitaler Medien (z. B. Einsatz einer
                                        Lernplattform (Moodle), Web-Quests usw.) und Selbstverantwortung der
                                        Schülerinnen und Schüler wird gestärkt.

                                        Methoden, die verstärkt genutzt werden können:
                                        Flipped Classroom: Schülerinnen und Schüler werden in die Lage versetzt,
                                        sich den Unterrichtsgegenstand mithilfe eines didaktisch angemessenen
                                        Lernvideos selbst anzueignen und im Präsenzunterricht souverän zu nutzen
                                        (Verzahnung von synchronen und asynchronen Phasen).
                                        Game-based Learning/Gamification: Der Unterricht ist spielerisch aufgebaut
                                        und bietet den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, sich kreativ, expe-
                                        rimentell und in digitaler Form dem Inhalt zu nähern (Web-Quest, Web-Quiz,
                                        digitale Escape Games z. B. für das Englischlernen, kostenlose Game-Soft-
                                        ware des LMZ: Minetest etc.).
                                        (interaktive) Lernvideos, Lernsoftware: (Selbst erstellte) Lernvideos werden
                                        lernwirksam eingesetzt, spezifische Programme mit entsprechenden End­
                                        geräten werden angewendet
                                        Augmented und Virtual Reality: virtuelle Räume gestalten und/oder nutzen
                                        (z. B. BOULEVARD, ARTE360 VR, CoSpaces, YouVisit usw.)
                       Lernen mit       Grundfertigkeiten einüben: Umgang mit digitalen Endgeräten und alltäg­           5.3
                       und über digi-   lichen Anwendungen (Text- und Bildbearbeitungsprogramme, digitales
                       tale Medien      Klassenbuch, Lernplattform, Videokonferenz usw.)
                                        Visualisierung von Sachverhalten.
                                        Bildungsstandards werden rezeptiv und partizipatorisch lernförderlich digital
                                        umgesetzt.
                                        Mediengestaltung: Lehr- und Lernmaterialien werden digital und interaktiv
                                        erstellt, digitalisierte Lerneinheiten werden weiterhin genutzt, dabei werden
                                        Medien kombiniert und integriert.
                                        Medienproduktion: Die Produktion (mit geeigneten Programmen) ist so auf-
                                        gebaut, dass Schülerinnen und Schüler handlungsorientiert alle Phasen der
                                        Medienproduktion, von der Idee bis zur Präsentation, durchlaufen.
                                        Medienwissen: Zielführender Einsatz verschiedener Programme (zur Text-
                                        und Bildbearbeitung) und kritische Reflexion bzgl. der Prüfung z. B. von Fake-
                                        News und Manipulation über und in Medien.
 Digitale Medien                        Weiterentwicklung/Vertiefung: Individuelles, schülerzentriertes und
 im Fachkontext                         kollaboratives Lernen mit digitalen Medien (Software und Content)
 (Fachdidaktik)                         sollte fachspezifisch weiter intensiviert werden.
                       Öffnung des      kognitive Aktivierung: Das digitale Medium wird zielführend und ange-
                       Unterrichts      messen im Unterricht eingesetzt und unterstützt das zielgerichtete Planen,
                                        Durchführen und Evaluieren von Lehr-/Lernprozessen. Die Anknüpfung an den
                                        vorhandenen Wissensstand wird verstärkt. Digitale Programme mit passge-
                                        nauen Aufgaben unterstützen den individuellen Lernfortschritt.
                                        projekt- und problemorientiertes, forschendes und entdeckendes Lernen:
                                        Der mediale Einsatz unterstützt und fördert offenes Lernen, forschendes und
                                        kreatives Handeln und die eigene Selbstreflektion des Lernstands.
18
M A R KT DER MÖGLICHKEI TEN

 Perspektive           Dimension       Weiterentwicklung und Konkretisierung digitaler Aspekte                           Verweis auf
 (Seiten im Drei-                                                                                                        konkretes
 eck von digital_p3)                                                                                                     Schulbeispiel
                       Öffnung des     Schülerorientierung: Das digitale Medium knüpft auf Basis der Bildungsstan-       5.3
                       Unterrichts     dards an die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler an. Der Lernstand der
                                       Schülerinnen und Schüler wird über geeignete Tools individuell einbezogen
                                       und geeignete Apps bieten eine individuelle Förderung.
                                       digitale Unterstützungssysteme: Geeignete Programme und Methoden
                                       werden fachspezifisch eingesetzt (Lernvideo, Web-Quest, Feedback-Software
                                       usw.).
                                       konstruktives Feedback: Digitale Medien werden verstärkt für Feedback und
                                       Umfragen genutzt und systematisch in das Unterrichtsgeschehen eingebunden.
                       Leistungs­      summativ: Offenere Formen, wie beispielsweise Projekte, werden digital            5.5
                       bewertung       umgesetzt und dokumentiert (CryptPad usw.).
                                       formativ: Schülerinnen und Schüler haben die Möglichkeit ihren Lernstand
                                       digital zu dokumentieren bzw. der Lehrkraft Feedback bzgl. der Aufgaben zu
                                       geben (z. B.: digitaler Wochenplan, Verbalbeurteilungen, prozesshafte und digi-
                                       tal transparente Leistungsbeurteilung), computerbasierte Quizze und Tests wer-
                                       den motivierend und jugendgerecht eingebunden (digitale Quizze und Tests).
 Digitale Kompe-                       Weiterentwicklung/Vertiefung: Dahinter liegende Konzepte können
 tenz (KMK-                            abstrakt dargestellt und Probleme systematisch und präzise formuliert
 Strategie)                            werden.
                       IT-Kompetenz    Anwendung digitaler Werkzeuge: Technische Geräte und Programme                    5.1
                                       werden sicher und reibungslos angewendet/eingesetzt (z. B.: Robotik,              5.2
                                       Drohnen, VR-Brillen).                                                             5.3
                                       Lernplattformen werden didaktisch sinnvoll in den Lernprozess eingebunden.        5.4
                                                                                                                         5.5
                       Informations-   zielgerichteter, verantwortlicher Umgang: Auf die Bedeutung von Medien            5.5
                       kompetenz       und Digitalisierung in der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler wird
                                       medienerzieherisch reagiert.
                                       Beim Gestalten von Medien wird das wachsende Angebot kritisch reflektiert,
                                       sinnvoll ausgewählt und sozial verantwortlich genutzt. Ein sicherer Umgang
                                       mit Daten (Urheberrechte, Datenschutz, Datensicherheit sowie Jugendschutz)
                                       wird eingeübt.
                       Medienkom-      Kommunikation und Handlung: Das Kommunikationsverhalten der Schüle-               5.5
                       petenz          rinnen und Schüler wird berücksichtigt, um neue Gestaltungsmöglichkeiten zu
                                       eröffnen. Verhaltensregeln bzw. Netiquette werden beachtet. Der Umgang mit
                                       Medien ist zielgerichtet. Die Folgen des eigenen Handelns sind bewusst.

                                       Schul- und Unterrichtsentwicklung unter digitalen Aspekten

 Professionalisie-                     Weiterentwicklung/Vertiefung: Digitale Werkzeuge nutzen, um die
 rung der Schul-                       Schulgemeinschaft synchron und asynchron zu gestalten.
 gemeinschaft
                                       Die Bildung virtueller Teams und der Aufbau von Gestaltungs- und
                                       Wissensnetzwerken wird vorangebracht.

                       Schulent-       Information: extern: Homepage wird verstärkt genutzt (digitaler „Tag der
                       wicklung        Offenen Tür“, digitaler datenschutzkonformer Vertretungsplan), Ausbau der
                       mit internen    Narrationskompetenz,
                       und externen    intern: effiziente und verantwortungsbewusste digitale Klassen- und Schul­
                       Partnern        verwaltung, schuleigenes Wiki.
                                       Vernetzung und Austausch: Digitale Möglichkeiten der Kommunikation und
                                       Kollaboration in der Schulgemeinschaft nutzen: Gesamtlehrerkonferenzen,
                                       Schulkonferenzen, Elternsprechzeiten, Elternabende, Kommunikation mit den
                                       Regionalstellen (ZSL), der Schulaufsicht, den Medienzentren, dem Schul­
                                       träger, Schulen in der Nachbarschaft.
                                       Fortbildung: SchiLFs, SchnaLFs, Mikrofortbildungen, regionale Netzwerke
                                       Konzeptentwicklung: Digitale Aspekte werden in das Schulcurriculum inte-
                                       griert und digitale Lernumgebungsdesigns erweitert, ein Mediencurriculum
                                       wird weiterentwickelt, am Medienentwicklungsplan mit dem Schulträger wird
                                       verstärkt gearbeitet.

                                                                                                                                         19
5. Beispiele guter Praxis:
      Schwerpunkt-Realschul-Trios/
                 Tandems
     5.1 VERNE TZTES FO RTBI LDU N G SAN G E B OT: S C H W E R P U N K T- R E A L S C H U L- T R I O

     WERKREA L- U N D REALSCHU LE G EN G E N B AC H , H E I N R I C H - H A N S JA KO B - B I L D U N G S Z E N T R U M

     HASLACH , REALSCHU LE WO LFACH

      Anzahl Lehrkräfte                  Realschule Wolfach 50 Lehrkräfte; Verbundschule Gengenbach 55 Lehr­
                                         kräfte; Verbundschule Haslach 70 Lehrkräfte

      Anzahl Schülerinnen und            Realschule Wolfach 580 Schülerinnen und Schüler, vierzügig;
      Schüler, Zügigkeit                 Verbundschule Gengenbach 580 Schülerinnen und Schüler, vierzügig;
                                         Verbundschule Haslach 730 Schülerinnen und Schüler, vierzügig

      Schulspezifischer                  Vernetzung der am Schwerpunkt-Realschul-Trio beteiligten Schulen in
      Entwicklungsauftrag                Bezug auf Mikrofortbildungen mit dem Schwerpunkt Digitalisierung:
                                         • Etablierung eines Lernmanagementsystems
                                         • Möglichkeit der kollaborativen Arbeitsweise mit verschiedenster
                                           Software, z. B. Padlet, itslearning, Moodle, Teams

      Verortung im Modell                Der Auftrag ist im Bereich der Digitalen Kompetenz (IT-Kompetenz, An-
      digital_p3                         wendung digitaler Werkzeuge) verortet und zielt auf die sichere technische
                                         Nutzung der digitalen Arbeitswerkzeuge.

      Ziele und Zielerreichung           Digitales Fortbildungsangebot mit festen Intervallen, Kolleginnen und
                                         Kollegen bieten selbstständig Fortbildungen auf einer digitalen Plattform
                                         an. Interessierte Kolleginnen und Kollegen der drei beteiligten Schulen
                                         melden sich selbstständig innerhalb der Plattform an. Neuerungen werden
                                         über das implementierte Netzwerk mitgeteilt und anschließend im eigenen
                                         Kollegium über die hausinternen Kommunikationsstrukturen übermittelt.

      Schulinterne Meilensteine          Vorstellung des Konzeptes in der Gesamtlehrerkonferenz. Start der Fort-
      und Konzeption                     bildungen im Schuljahr 2020/2021. Vorhandene Kommunikationsstrukturen
                                         werden weiterhin genutzt und vertieft.
                                         Meilensteine: Das Kollegium wurde in der jeweils letzten Gesamtlehrer-
                                         konferenz des Schuljahres 2020/2021 über das weitere Fortbildungsange-
                                         bot informiert. Den jeweiligen Kolleginnen und Kollegen wurde freigestellt,
                                         sich zu beteiligen und bei Interesse eigene Fortbildungen zu planen und
                                         anzubieten.

      Chancen und Heraus­                Chancen: Das vorhandene Expertenwissen einzelner Kolleginnen und
      forderungen                        Kollegen in den Kollegien streuen. Austausch und Vernetzung der Schulen
                                         zu Themen rund um Digitalisierung und weiteren Schulentwicklungsthemen.

                                         Herausforderungen: Sinnvolle Anschaffung von Hard- und Software, Daten-
                                         schutzproblematik – auch in Verbindung mit MS Office 365.

20
Ausblick                           Das Fortbildungskonzept ist auf Dauer angelegt und konzipiert. Ein jähr-
                                    licher Austausch der Schulleitungen ermöglicht eine eventuell notwendige
                                    Anpassung der Konzeption. Es werden Umfragen in den Kollegien zur
                                    Professionalisierung durchgeführt.

 Kontakt                            Realschule Wolfach: schulleitung@04119337.schule.bwl.de
                                    Verbundschule Gengenbach: schulleitung@04156991.schule.bwl.de
                                    Verbundschule Haslach: schulleitung@04119246.schule.bwl.de

5 .2 AUFBR U CH I N S DI G I TALE ZEI TALTE R : O ST E RTAG - R E A L S C H U L E L E O N B E RG

 Anzahl Lehrkräfte                  32 Lehrkräfte

 Anzahl Schülerinnen und            400 Schülerinnen und Schüler, zwei- bis dreizügig
 Schüler, Zügigkeit

 Schulspezifischer                  Die Kommunikation zwischen Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern und
 Entwicklungsauftrag                Eltern soll erhöht werden. Dazu wird das Medium Schul.cloud mit den
                                    Funktionen Channel, Dateiablage, Umfrage und Videokonferenz genutzt.

                                    Zudem soll die Anwendung digitaler Werkzeuge in jedem Fach gesteigert
                                    werden. Dazu wird ein (IT-)Methodencurriculum erstellt und die vorhande-
                                    nen iPads werden genutzt.

 Verortung im Modell                Mediendidaktik: Häufigkeit und Variationsbreite erhöhen
 digital_p3                         KMK-Strategie/Digitale Kompetenz: Anwendung digitaler Werkzeuge,
                                    Kommunikation und ziel­g erichteter verantwortlicher Umgang

 Ziele und Zielerreichung           Ziele:
                                    • Schul.cloud: Kommunikation und Fernunterricht: Es wurden Klassen-,
                                      Fach-, Eltern- und Fachschaftschannel gegründet und für den Informati-
                                      onsaustausch eingesetzt. Die Dateiablage-, Umfrage- und Videokonferenz-
                                      Funktion wurde bei allen Beteiligten geschult und genutzt. Ein dabei
                                      erstellter Technikchannel mit festen Sprechstunden und einem Betreu­
                                      ungsteam rund um die Uhr half und hilft den Lehrkräften bei allen techni-
                                      schen Fragen – vor allem im Fernunterricht.
                                    • Nutzung von digitalen Werkzeugen in den einzelnen Fächern: Eine
                                      Sammlung möglicher digitaler Werkzeuge pro Fach wurde erstellt und
                                      im Laufes des Schuljahres teilweise bereits in einer „Fortbildungsreihe“
                                      vorgestellt. Ein (IT-)Methodencurriculum wurde in Abstimmung mit dem
                                      Fach IT erstellt und allen Fachschaften vorgestellt.
                                    • iPads: Nutzung durch Lehrkräfte als vorwiegendes Arbeitsmittel –
                                      auch im Fernunterricht.

                                    Schritte zur Zielerreichung:
                                    • Gründung und Beauftragung eines Projektteams.
                                    • Festlegung der Ziele, Meilensteine, Aufgabenverteilung und einer
                                      Jahresplanung.
                                    • Regelmäßige Treffen für die Weiterarbeit und ggfs. Veränderungen der
                                      Meilensteine aufgrund der im laufenden Schuljahr sich ändernden
                                      Rahmenbedingungen.
                                    • Umfragen, um den Vorher- und Nachher-Zustand zu evaluieren.
                                    • Dokumentation des (IT-)Methodencurriculums.

                                                                                                                  21
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