Das Wachstum kanalisieren
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Siedlung und Verkehr: «Das Wachstum kanalisieren» - Aargau Nachrichten - NZZ.ch http://www.nzz.ch/aktuell/spezial/aargau/das-wachstum-kanalisieren-1.18284873
NZZ.CH AARGAU
Siedlung und Verkehr
«Das Wachstum kanalisieren»
Paul Schneeberger Mittwoch, 16. April 2014, 05:30
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Die Aare und ihr Gau: Flussläufe, viel Grün, aber auch zerstreute Siedlungen und Kraftwerke prägen den Mittellandkanton, hier bei Klingnau. (Bild: Karin Hofer / NZZ)
Als Agglomerationskanton gehört der Aargau zu jenen Ständen der Schweiz, deren
Bevölkerung am stärksten wächst. Zwischen 2010 und 2012 hat er mit einem Plus
von 2,6 Prozent bei der ständigen Wohnbevölkerung im Vergleich mit seinen
Nachbarn zusammen mit Zürich hinter Zug den Platz 2 belegt. Gemäss Prognose
des Bundesamts für Statistik wird der Aargau in diesem Vergleich zwischen 2013
und 2035 auf Platz 1 vorrücken. Um knapp 50 000 Personen oder 7,8 Prozent soll
der Kanton, der mit heute 636 000 Einwohnern der viertgrösste ist, bis dann
wachsen. Grund ist unter anderem das Schwinden des Baulandes in
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Zentrumskantonen.
In der Mitte des Mittellandes
Einmal mehr ist der Aargau ein Überlaufbecken. Dazu profitiert er zunehmend
auch von seiner Lage in der Mitte des Mittellandes. Als Ausgangspunkt der
Entwicklung, für die mechanisch beschleunigte Verkehrsmittel eine Voraussetzung
waren, darf die Ansiedlung des elektrotechnischen Unternehmens BBC 1891 in der
Kurstadt Baden zwischen Zürich und Basel gelten. Sie war auch der Grundstein für
die Entwicklung des Aargaus zum schweizerischen Energiekanton par excellence.
Mehr und mehr gelang es dem heterogenen Staatsgebilde, aus seiner Funktion als
Hinterland eigene Wirtschaftskraft zu schöpfen. Das äussert sich unter anderem
darin, dass die Pendlerströme zwischen dem Aargau und seinen Nachbarkantonen
gemäss den Zahlen des Bundes zwar zu den grössten des Landes gehören, aber
längst nicht mehr nur in eine Richtung fliessen. Insgesamt weist der
Mittellandkanton mit einem Überschuss von über 15 Prozent auswärts
Arbeitenden allerdings immer noch einen negativen Pendlersaldo aus.
Die Meilensteine, welche die Attraktivität des Aargaus als zentral gelegene
Alternative mit einer vernünftigen Steuerpolitik in wirtschaftlicher Hinsicht
deutlich machen, reichen vom einstigen Zuzug von Teilen der Basler Chemie vor
50 Jahren ins Fricktal bis zur bevorstehenden Zentralisierung der Logistik von
Coop in Schafisheim.
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Seine Attraktivität als Wohnkanton schöpfte der Aargau nicht nur aus der
Tatsache, dass es hier lange einfacher und günstiger war, den Traum von den
eigenen vier Wänden auf eigenem Grund und Boden zu realisieren. Mit seiner
traditionell geringeren Regelungsdichte bot er auch Raum für Experimente. Zum
Beispiel in Spreitenbach. Getrieben von einigen wenigen privaten Akteuren, wurde
das Dorf zwischen den 1950er und den 1970er Jahren zu einem Pionier in Sachen
konzentrierte vorstädtische Siedlungen und Einkaufszentren. Dass mit der
stürmischen Entwicklung des Grenzdorfes im Limmattal ein Zuzug von jungen
Paaren aus Zürich einherging, wo das Konkubinat verboten war, macht deutlich,
dass auch gesellschaftliche Freiheiten im Hinterland hin und wieder grösser sein
können.
Stadt des 21. Jahrhunderts?
Die heutige Entwicklung stellt den dezentralen, heterogenen und mittlerweile
nicht nur auf Zürich und Basel, sondern auch auf Zug ausgerichteten Aargau vor
Herausforderungen. Heute wächst die Zahl der Einwohner stärker als jene der
Arbeitsplätze. Hier gehe es darum, wieder ein Gleichgewicht herzustellen, sagt der
kantonale Baudirektor Stephan Attiger, der eine kohärente Siedlungs- und
Verkehrspolitik formulieren muss. «Für uns gilt mehr als anderswo, was die
Raumplanung für die Schweiz postuliert», sagt Attiger: «Wir können nicht mehr
in jeder Gemeinde alles machen.»
Künftig würden die Regionen als Gemeinschaften an Bedeutung gewinnen, die in
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sich möglichst alle Funktionen vom Wohnen über die Freizeit und den
ökologischen Ausgleich bis zum Arbeiten erfüllen sollen. Wachsen soll der Kanton
vor allem dort, wo er verkehrstechnisch gut erschlossen ist, insbesondere entlang
der Eisenbahnachsen. Obwohl der Aargau im nationalen Index zur Zersiedelung
des Teams um den Geografen Christoph Schwick den zweiten Platz einnimmt, sagt
Attiger, man sei raumplanerisch auf Kurs. Basierend auf dem revidierten
eidgenössischen Gesetz müsse man Bauzonen nicht reduzieren, aber
umgruppieren. Noch dieses Jahr soll die Revision des Richtplans an das
Kantonsparlament gehen. Absehbar ist, dass die Definition des künftigen
Siedlungsgebiets zu Auseinandersetzungen zwischen Gemeinden und Regionen
führen wird.
Wie im Siedlungsgebiet soll auch bei den Verkehrswegen das Wachstum
kanalisiert werden. Strasse und Schiene sollen punktuell und wo nötig auch
parallel ausgebaut werden. Koordination und bessere Verknüpfung der
Verkehrsträger, lautet das Motto. Bei Ausbauvorhaben soll das Verhältnis von
Preis, Leistung und Wirkung genau abgeklärt werden. Ein prominentes Opfer hat
eine solche Analyse 2013 bereits gefordert: Die Regierung verzichtet darauf, einen
Umfahrungstunnel für Baden weiter zu verfolgen, da der dort erwartete Verkehr
nicht zügig auf die Autobahn abfliessen könnte. Nun werden grossräumigere
Lösungen geprüft.
Wohin wird dieses präzisere Management von Siedlung und Verkehr führen? Wird
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der Aargau zu einer Art dezentraler Stadt des 21. Jahrhunderts? Attiger möchte
diesen Begriff vermeiden: «Wir werden baulich ein Kanton mit Regionen von
unterschiedlichem Charakter bleiben. Und oberstes Ziel wird es bleiben, die
Qualität zu erhalten, dass man von jedem Haus aus zu Fuss in zehn Minuten im
Grünen ist.»
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